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Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

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Walking Dead Charas: Rosita, Ezekiel, Enid Taylor, Carol, Conni, Tara, Henry, Lydia, Eugene, Siddiq, Pamela Milton, Sebastian Milton, Mercer, Maxwell Hawkins Fear the Walking Dead Charas: Madison, Luciana, June, Daniel, Victor, Nick Auch viele Free Gesuche warten darauf, endlich in Empfang genommen zu werden. Auch ohne Serienwissen bist du bei uns gerne willkommen !!!

 

☀ Der Sommer ist da und wird sehr sehr heiß. Dürre und starke Gewitter sind keine Seltenheit ☀
#1

Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
17.03.2019 20:31
von The Walking Dead Team | 2.194 Beiträge
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#2

RE: Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
21.03.2020 16:29
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

<- Washington D.C, Straßen <-

Elijah wirkte angespannt, seine Hände waren um das Lenkrad geklammert, als würde man es ihm jeden Moment wegreißen wollen. Sein Blick war starr auf die Straße gerichtet, nicht mal als Lyanna sprach konnte sie gar eine Regung in seiner starren Haltung erkennen. Es war eine Sache sich auf die Straße zu konzentrieren. Lyanna musste nicht die Psychologie eines Menschen studiert haben um ihn das anzusehen, nur war sie nicht ganz sicher ob es an der Dunkelhaarigen selbst lag oder gar an die Tatsache das sie zu diesem Friedhof fuhren. Vielleicht war es auch etwas von beidem, was ihn so angespannt wirken ließ. Womöglich ging ihm das Selbe im Kopf herum, wie der Dunkelhaarigen. Er fand diese Situation sicher ebenso ungewohnt, was man ihm nicht übel nehmen konnte. Das Elijah nicht sonderlich viel im Allgemeinen sprach, war Lyanna ja schon gewohnt, sie war dennoch immer wieder deutlich erfreut darüber wenn sie ihm ein paar Worte mehr entlocken konnte. Aber eins war sicher gewesen, das sie beide wohl kaum diese Stille mochten und ertragen konnten. Nur konnte man dies Elijah weniger ansehen als Lyanna, die immer mit irgendetwas handtieren musste, ob sie nur das Papier der Karte zwischen ihren Fingern rieb oder ihre Hände sich in den Stoff ihrer Kleidung krallte. Auch wenn die Dunkelhaarige nicht genau wusste was Elijah auf diesem Friedhof tat, konnte sie es sich bereits vorstellen. Seine Aufzug und seine vorherigen Worten , das dies der letzte Stopp wäre um mit seiner Vergangenheit abzuschließen, trugen auch zu der Erkenntnis bei. Er wollte seinen Kameraden, die letzte Ehre erweisen. Nur wusste Lyanna nicht wie das aussehen würde. Sie war nie mit dem Militär vertraut, weder mit den Leuten, noch mit ihren Bräuchen. In der Apokalypse war es etwas anderes, da war sie schon vielen Soldaten begegnet. Das Militär hielt noch eine Weile nach dem Ausbruch die Ordnung aufrecht, so gut sie konnten. Oder sie wurden verantwortlich gemacht für die Situation in der die Menschheit nun mehr oder weniger leben mussten. Es war also keine Überraschung das sich Quarantänezone untereinander kaputt machten oder letztendlich von äußerlichen Einflüssen zerstört wurden. Jedenfalls würde Elijah sicherlich keine dummen Gedanken haben, denn sonst hätte er die Dunkelhaarige wohl kaum mitgenommen. Dennoch war es eine Sache, die auch von emotionaler Last war und gerade in solchen Situationen war man in der Lage für dumme Dinge. Ein Grund mehr weshalb die Dunkelhaarige den Dunkelhäutigen begleiten wollte. Sie wollte auf ihn aufpassen und … wenn er das zu ließ für ihn da sein, auch wenn es eher ein recht lustiger Gedanke war das Lyanna versuchte, jemanden wie Elijah zu beschützen. Aber das wollte sie und das tat sie. Sie würde nie wieder zu lassen das sich die Ereignisse, als sie mit ihm unterwegs war, wiederholten. Allerdings war sie sich nicht mehr so sicher gewesen ob Elijah weiterhin … erfreut über ihre Anwesenheit war, denn als sie nach und nach ein wenig erzählte was passiert war konnte sie spüren wie die Situation sich mehr und mehr anspannte, wie sich Elijah's Finger mehr und mehr um das Lenkrad klammerten, wie er sie weiterhin nicht ansah. Wenn Lyanna sich nicht irrte, wirkte er wütend aber sie konnte sich auch irren, Elijah's Gefühle zu erraten war deutlich noch schwerer als seine Gedanken zu erraten. Lyanna spürte wie ihre Hand kribbelte, wie sehr sie diese auf sein Bein legen wollte, ihn beruhigen wollte, was auch immer seine Gedanken gerade so aufwühlte, doch ihr Bauchgefühl sagte ihr bereits das es keine gute Idee war. Nach Elijah's 'Geht mir genau so' stieß die Dunkelhaarige nur ein Seufzen aus und blickte wieder in ihre Karte. Wann hat sich ein Gespräch je so schwer und erdrückend für die Dunkelhaarige angefühlt? Wie sehr sich die Dunkelhaarige gerade wünschte, das sie damals nicht so dämlich und ängstlich gewesen wäre und geblieben wäre. Ob ihre 'Beziehung' zueinander sich auch so verändert hätte? Lyanna glaubte das kaum, vielleicht wäre sie sogar glücklich gewesen. Nein, sie wäre glücklich gewesen und all das was danach kam wäre ihr nicht passiert. Nur der Gedanke daran das man sie vielleicht nicht im Schnee liegend gefunden hätte, löste ein Gefühl von Übelkeit in ihre aus. Sie würde jetzt nicht neben Elijah sitzen. Und Elijah würde weiterhin nicht wissen ob die Dunkelhaarige weiterhin dort draußen war oder nicht, würde womöglich sogar denken das die Dunkelhaarige ihn endgültig verlassen hätte und nicht mehr zurückkommt. Doch jetzt wo sie sich wieder gefunden hatten und das aus reinem Zufall und Lyanna eigentlich glücklich darüber sein sollte, was sie auch war, fühlte es sich anders an. Als hätte sich irgendetwas verändert. Als hätten sie sich verändert. Nun sie haben sich fast ein halbes Jahr nicht gesehen, Lyanna weiß nicht was in dieser Zeit bei Elijah passiert war oder ob etwas passiert war. Ereignisse konnten einen schließlich prägen und verändern. Natürlich spielte auch die Tatsache eine Rolle das sie mit David, ein einziges Mal intim wurde, weil sie die Leere, die der Dunkelhäutige in ihr gelassen hat auf irgendeine Weise füllen wollte. Es war keine Entschuldigung dafür aber dennoch. Auch wenn Elijah und Lyanna nicht zusammen waren, fühlte sie sich als hätte sie den Dunkelhäutigen hintergangen, was wohl der wahre Grund war weswegen die Dunkelhaarige doch ein wenig distanzierter war als sonst. Lyanna schwieg wieder, von weitem konnte man bereits den Potmac River entdecken und dahinter der Hügel auf dem sich der Friedhof befand. Wie die Dunkelhaarige bereits annahm, würde das keine lange Fahrt mit dem Wagen werden, selbst mit dem kleinen Umweg nicht, dennoch hätten sie zu Fuß deutlich länger gebraucht. Natürlich spielte auch ein bisschen Glück eine Rolle, das die Straßen hier, in denen Lya Elijah navigierte halbwegs frei waren und sich bis auf den ein oder anderen Beißer keine Gefahr drohte. Dann sprach Elijah wieder und Lyanna blickte nur wieder zu ihm rüber, sein Blick immer noch starr auf die Straße gerichtet. Seine Worte waren merkwürdig, weil sie Elijah nicht so kannte, das er so redete. „Das tue ich.“ erwiderte die Dunkelhaarige zuerst nur knapp. „Mach dir keine Sorgen um David. Er ist einfach nur besorgt, wie jeder Mensch auf dieser Welt.“ atmete die Dunkelhaarige nur aus, sie wollte das Thema aus Gründen irgendwie abtun. Es war unangenehm und Lyanna hatte einfach Angst etwas falsches zu sagen. „Halt da vorne an, da lässt sich dein Wagen nicht sofort entdecken.“ meinte die Dunkelhaarige nur als sie ihrem Ziel näher kamen. Dann mussten sie nur noch über den Fluss und den Hügel hoch laufen, eine Sache die nicht mal eine halbe Stunde dauern würde. Wenn da nicht die eine Sache wäre das Lyanna immer noch nicht schwimmen konnte, was letztendlich kein großes Problem darstellen würde, sie würde einfach über die darin liegen gebliebenen Autos laufen, die wohl einmal durch einen Zusammenprall dort rein geraten waren. So würden sie auch nicht nass werden oder mussten unbedingt einen anderen Weg suchen, auch wenn sie alle Zeit der Welt hatten, wollte die Dunkelhaarige nicht unbedingt in der Dunkelheit auf einem Friedhof herumlungern. Als Elijah den Wagen an der entsprechenden Stelle anhielt, stieg Lyanna aus, schulterte wieder ihre Sachen auf ihrem Rücken, die Karte packte sie wieder weg, die würde sie hier nicht brauchen. „Ist es nicht merkwürdig?“ fing die Dunkelhaarige an als sie schließlich losliefen. „Wir kommen mal irgendwo lebend und unverletzt an, als würde das Schicksal uns wirklich einmal in Ruhe lassen.“ scherzte die Dunkelhaarige und hielt dann am Fluss kurz an, nahm etwas Schwung und hüpfte auf das Auto, ohne Probleme und deutlich mit weniger Angst verbunden als sie damals einen Fluss überquerten. „Ich kann übrigens immer noch nicht schwimmen“ murmelte die Dunkelhaarige weiter während sie auf der anderen Seite wieder runter sprang Lyanna lief vor Elijah umher, natürlich immer mit einem kurzen Blick über die Schulter, stets mit dem Gewissen das er noch da war. Als die Dunkelhaarige den Hügel hoch lief wurden ihre Schritte ein wenig schneller, schon fast ein wenig aufgeregt und als sie den kleinen Abhang hochkam und zum ersten Mal keuchend ihren Blick über das Gelände schweifen ließ, wusste die Dunkelhaarige nicht wirklich was sie in diesem Moment so … reagieren ließ, wie sie nun mal reagierte. Lyanna wusste nicht was sie erwartet hätte aber sie hätte kein Meer aus weißen Grabsteinen erwartet, was selbst noch nicht mal das dickste Moos daran hindern konnte das Weiß der jeweiligen Steine zu verstecken. „Das sind …. viele.“ murmelte die Dunkelhaarige eher schon fast gedankenverloren während ihre Hand nach der Hand des Dunkelhäutigen griff und diese festhielt. Eine Tat die schon fast automatisch und anschließend so vertraut war, das es ihr im ersten Moment gar nicht bewusst wurde, zu sehr abgelenkt war ihre Aufmerksamkeit von dem Anblick vor ihr. Von so vielen Toten, wo man Glück hatte, wenn man überhaupt noch etwas von ihnen beerdigen konnte.

@Elijah Magoro



zuletzt bearbeitet 21.03.2020 16:30 | nach oben springen

#3

RE: Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
22.03.2020 14:20
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Das Elijah nicht wirklich vorhatte, sich heute in Gefahr zu bringen war klar. Dass er sich aber mit der Flasche, die in seinem Rucksack war, betrinken würde und damit doch ein wenig in Gefahr brachte, war wieder eine andere Sache. Diesen Gedanken drängte er aber ein wenig in den Hintergrund, ohne Alkohol würde er das heute nicht durchstehen. Und sein Jeep war ein bisschen wie eine fahrende Festung, besonders gegen Beißer. Wenn er ihn nicht auf offener Straße stehen ließ, würde er auch Plünderern nicht direkt ins Auge fallen und so könnte er immerhin seinen Rausch noch ausschlafen und morgen wieder zurück ins Clubhaus fahren. Das war der Plan. Dass er diesen Plan ein wenig umschmeißen musste, weil eine gewisse junge, dunkelhaarige Dame nun plötzlich hier auf seinem Beifahrersitz platzgenommen hatte, störte ihn wenig. Ob sie nun dabei war oder nicht, er würde seinen Plan durchziehen und seinen Kameraden die letzte Ehre erweisen. Ob Lyanna schon eine Ahnung hatte, was er auf dem Friedhof vorhatte, wusste er nicht, er vermutete es aber. Seine Uniform, sein Reiseziel, Lyanna war eine clevere Frau, sie würde Eins und Eins schon zusammenzählen können. Dass er aber die Flasche Bourbon dabeihatte, dass wusste die Dunkelhaarige nicht.
Ihre Antwort auf seine knappen Worte, war ebenso knapp. Das ganze Gespräch fühlte sich einfach irgendwie falsch und seltsam an. Ihre Erklärung über David, stellte Elijah nicht zufrieden. Sie hatte bisher nicht erläutert in welchem Verhältnis sie zu dem jungen Mann stand. In welchem Verhältnis der junge Mann zu Lyanna stehen wollte, war ihm schon bewusst, das hatten die Blicke und die Drohung schon ausreichend erklärt. Wie sollte er auch anders reagieren, mit so einer Frau wie Lyanna vor sich? Elijah hätte vermutlich nicht anders reagiert, so dumm es klang, aber in der Apokalypse durfte man nicht viel nachdenken. Und, wenn dann eine Frau wie Lyanna einem begegnete… wie sollte man da als Mann anders reagieren? Sie sah gut aus, war höllisch sexy durch ihren witzigen, cleveren, aufgeweckten Charakter. Da ging es schnell sich zu verlieben, Elijah blieb davon nicht verschont. Auch wenn er es sich erst nach Wochen der Trennung so wirklich selbst eingestanden hatte, was er schon die ganze Zeit eigentlich gewusst hatte. Ja, er hatte sich damals in den wenigen Tagen in Lyanna verliebt und sie trotzdem ziehen lassen. Die größte Dummheit in seinem Leben überhaupt. Und jetzt, wo sie sich wiedersehen, war die Luft so dick wie Beton zwischen ihnen und vermutlich hatte er sie an einen anderen Mann verloren. Er war so ein Vollidiot.
Elijah sagte nichts zu ihrer Erklärung über David, sie schien nicht wirklich weiter darüber reden zu wollen, und folgte ihrer Anweisung, den Wagen an ihrer angedeuteten Stelle zu parken. Kaum hielt der Wagen, sprang Lyanna auch schon aus dem Auto, als würde sie die Flucht ergreifen. Elijah seufzte, stieg ebenfalls aus und holte dann seinen Rucksack, das Gewehr und sein Schwert von der Rückbank. Diesmal trug er sein Schwert ganz mittelalterlich um seinen Gürtel, er hatte eine andere Scheide, diesmal, sie war aus schwarzem Leder und etwas… schicker, als die andere, die er sonst auf dem Rücken trug. Passte besser zu dem Outfit das er heute gewählt hatte. Dann hing er sich das Gewehr herum und griff nach seinem Hut, setzte ihn sich auf den Kopf. Nun war seine Uniform vollständig. Anschließend verschloss er den Wagen gründlich und folgte Lyanna.
Sie stiegen hinunter zum Fluss und Elijah blickte sie bei ihren Worten an, lächelte dann sanft. Eigentlich wollte er nicht wütend sein, doch was sollte er gegen seine Gefühle schon machen?
„Wirklich ungewohnt“, meinte er und nickte, folgte ihr dann über die Autos im Fluss. Das Lyanna immer noch nicht schwimmen konnte, überraschte den Dunkelhäutigen nicht. Im Winter schwimmen zu lernen war auch etwas suboptimal. Das Wasser war wirklich kalt oder gefroren. Schwimmen lernen war doch eher eine Aktivität für den Sommer.
Er folgte ihre den Hügel hinauf, auf diesem Weg war er definitiv noch nie auf den Friedhof gekommen, so häufig wie er auch schon hier war. Er kannte sich bestens aus, wusste also sofort wo sie hinmussten. Er blieb neben Lyanna stehen und folgte ihrem Blick über die dutzenden, weißen Grabsteine und hörte ihre Worte. Dann spürte er ihre Hand an seiner und völlig automatisch schloss er sie in seine. Sie hatte kalte Hände, wie konnte sie immer kalte Hände haben?
„Ja. Vor Beginn der Apokalypse waren etwa 260.000 Soldaten hier begraben und jedes Jahr wurden etwa 5000 weitere hinzugefügt“, erklärte Elijah. Er wusste das so genau, weil er schon bei wenigstens acht Beerdigungen hier war und häufig bei den Gedenkfeiern anwesend war, wenn er nicht im Einsatz war. Von New York war es nicht weit gewesen bis hierher.
„Wer weiß wie viele Gräber es wohl geben würde, wenn die Apokalypse nicht stattgefunden hätte. Es wären sicherlich mittlerweile 400.000 oder mehr. Und für jeden Einzelnen ist es eine Ehre, hier seine letzte Ruhe zu finden. Wenn ich im Einsatz gestorben wäre, hätte ich auch hier ein Graberhalten, als Träger des Destinguished Servive Cross“, er deutete auf eine der Medaillen an seiner Brust, „erhält man ein Ehrengrab. Sie ist die zweithöchste Auszeichnung, nach der Medal of Honor, die ein Soldat erhalten kann. Ich und auch meine gefallenen Kameraden haben sie erhalten, nach diesem… Einsatz.“
Er schwieg wieder. Soviel sprach er sonst nie, aber es war wohl Lyannas Anwesenheit, die seine Zunge wieder lockerte. Elijah schluckte, drückte dann kurz Lyannas Hand und sah sie an, „Danke. Das du hier bist.“
Dann richtete er sich auf, ließ ihre Hand los und lief los.
Er sah sich um, orientierte sich und ging dann auf einen der Hauptwege zu, immer auf seine Umgebung bedacht. Es war recht ruhig auf dem Friedhof, klar begegneten sie immer wieder Beißern, diese waren aber schnell erledigt. Elijah achtete sehr darauf, seine Uniform nicht schmutzig zu machen, aber es waren wie gesagt nicht viele der Untoten. Was sollte sie auch auf einen Friedhof locken? Hier gab es nichts zu fressen und wer ging schon auf einen Friedhof als Plünderer? Zu finden gab es hier auch für Lebende nichts, alles in allem waren Friedhöfe wohl die sonnlosesten Orte in der Apokalypse.
Trotz des vielen Regens der letzten Tage, versprach der blaue Himmel und die Sonne, die schon immer kräftiger strahlte, heute einen schönen Tag. Es war schon Mittag, während sie hier über den Friedhof marschierten. Sie liefen einen der großen Wege entlang, das Ziel von Elijah war in der Nähe des Grabes der Unbekannten. An diesem Grabmal wurde für alle gefallenen Soldaten des ersten und zweiten Weltkriegs und des Korea- und Vietnamkrieges erhoben. Bevor die Apokalypse ausgebrochen war, wurde es rund um die Uhr von Einheiten des 3. US-Infanterieregiments bewacht. Heute würde dort niemand mehr sein. Dennoch war es der erste Punkt, auf den Elijah zusteuerte, er hatte das Gefühl, dass er dort beginnen musste.
Es dauerte eine Weile, bis sie am Grabmal ankamen, der Friedhof war groß, doch Elijah schwieg die ganze Zeit. Er dachte auch an nichts, sondern hatte einfach nur sein Ziel vor Augen. Ab und an sah er kurz Lyanna an, doch nie dann, wenn sie es sah. Ihr Blick glitt über die unzähligen weißen Grabsteine. Wie Elijah vermutet hatte, waren viele von Moos und Gras überwachsen, so seltsam es klang, irgendwie fand Elijah es aber schön. Diesen sonst so perfekten Friedhof, so unperfekt zu sehen. Dann kamen sie an und Elijah blieb stehen, betrachtete das Grabmal erst aus der Ferne, dann seufzte er und stieg die Stufen hinauf. Die weißen Steine des Gebäudes dahinter waren ebenfalls von Pflanzen bedeckt, doch man konnte die Pracht, die dieser Ort einmal ausgestrahlt hatte, noch immer spüren. Dann kamen sie oben auf der Fläche an und er blieb abrupt stehen. Auf den weißen Marmorfließen hatte sich jemand die Mühe gemacht, in einem großen Rechteck das ganze Unkraut und Gras zu entfernen. Und die Steine waren dort nicht mehr weiß, sondern in einem hellen blau und auf dem blauen Hintergrund standen die Worte „No one’s gone until they’re gone.“ Darunter ein weißer Vogel. Jemand war wohl hier gewesen, vor nicht allzu langer Zeit. Sonst wäre das Bild wohl durch den Schnee und die Witterung schon deutlich abgewaschener. Sein Blick glitt um ihn und Lyanna herum, dann lächelte er, aufrichtig. Jemand anderes, hatte sich die Mühe gemacht hierher zu kommen und den gefallenen Soldaten zu ehren. Und je mehr Elijah darüber nachdachte, desto mehr hatte er das Gefühl, dass das Grabmal der Unbekannten nun nicht mehr nur für Soldaten gedacht war. Sondern der ganzen Menschheit. Es war ein Standpunkt, an dem man all den Menschen gedenken konnte, die in dieser Apokalypse ihr Leben verloren hatte. Und dieser Gedanke erfüllte sein Herz ein wenig mit Hoffnung.
Er griff in eine Seitentasche seines Rucksacks und holte dort ein paar weißer Handschuhe heraus, zog sie sich an, dann griff er nach seinem Gewehr und salutierte vor dem Grabmal. Er betrat das Gemälde am Boden nicht, solange es dort war, sollte es Teil dieses Grabmals sein.
„Salute to Service“, sagte er dann und nickte, ließ dann das Gewehr sinken. Dann blickte er zu Lyanna.

@Lyanna Lockhart





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#4

RE: Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
24.03.2020 10:25
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

Selbst als sie aus dem Wagen stiegen, der sie mit dieser Anspannung mehr oder weniger gefangen hielt, sprachen Elijah und Lyanna nicht sonderlich viel miteinander, auch wenn die Dunkelhaarige mehrmals versuchte das Gespräch ein wenig aufzulockern. Aber gut wer wollte schon viel reden, wenn man auf der Weg zu einer Grabstätte war, von Menschen die vielleicht in dem Vorleben oder danach noch irgendeine Bedeutung für einen hatten. Auch wenn Lyanna, Elijah's Gefühlssituation nicht ganz erkennen konnte, so konnte sie sich vorstellen, das so was nicht einen unbedingt mit Freude erfüllt. Und Lyanna glaubte nicht das sie, egal was sie auch sagte oder tat, ihm diesen Schmerz auf irgendeine Weise nehmen konnte, so sehr sie das auch wollte, konnte sie nicht mehr tun als einfach hier zu sein. Und das war wohl noch eine Gemeinsamkeit, die sie mit Elijah teilte. Sie mochte es nicht hilflos zu sein oder gar abhängig von etwas oder irgendwem zu sein. Zu sehen wie etwas passierte und nicht in der Lage zu sein auf irgendeine Weise zu reagieren oder zu handeln, war doch einer der schlimmsten Umstände in dem sich ein Mensch befinden konnte. Lyanna wurde in ihrem vorherigen Leben kaum mit dem Tod konfrontiert, er war nicht ihr täglicher Begleiter wie er es heute war. Bei Elijah allerdings etwas anderes gewesen. Es klang womöglich bescheuert, aber wenn sie diese Vergleiche vor ihrem geistigen Auge hatte, fühlte sie sich einfach nur schwach und nutzlos. Wirklich nur jemand der viel Glück hatte noch hier zu sein, ob sie es verdient hatte oder nicht war eine andere Sache. Es war nur ein verständliches Gefühl, das sich die Dunkelhaarige nach Sicherheit sehnte und diese auch in dem Dunkelhäutigen fand. Selbst jetzt als sie seine Hand hielt, wirkte ihr Herzschlag deutlich ruhiger. Auch wenn man es der Dunkelhaarigen nicht sofort ansah, war der Anblick vor ihr nicht gerade etwas was die Dunkelhaarige freudig stimmte. Sie hatte nun schon eine menge Tote gesehen aber niemals so viele auf einen Haufen, nicht einmal in einer Zombie Horde. Und selbst als Elijah ihr erzählte wie viele hier tatsächlich lagen und wie viele wohl immer mal wieder dazu kamen, ließ die Dunkelhaarige nur schlucken. Lyanna stellte es sich schrecklich vor, zu Wissen das ein Mensch es als Ehre empfinden konnte zu sterben. Sie stellte es sich schrecklich vor für die Hinterbliebenen, für den Soldaten selbst und für was alles? Damit sie ein Land beschützen, was sie erst in diese lebensbedrohliche Lage versetzt, das es einem nie so danken wird, wie sie es wirklich verdienten. Amerika konnte einem kleinen Kind nicht den Vater ersetzen, den es im Krieg verloren hatte. Lyanna presste nur ihre Lippen aufeinander als der Dunkelhäutige auf seine Medaille deutete und automatisch fuhr Lya mit ihren Fingern darüber, schon fast nachdenklich. Elijah schien es dennoch sehr viel zu bedeuten, ihm war das hier wichtig und alles andere auch was ihn in dieser Zeit geprägt hatte. Also musste es auch Lyanna etwas bedeuten, egal wie ihre Meinung dazu war. Lieber würde sich die Dunkelhaarige die Zunge herausschneiden Der Druck, den seine Hand auf ihre ausübte ließ Lyanna wieder zu dem Dunkelhäutigen blicken. Seine Worte zauberten ihr ein sanftes Lächeln ins Gesicht und bevor er ihre Hand los ließ, drücke die Dunkelhaarige diese nur fest. „Auch wenn du das hier als ehrenvoll siehst … bin ich froh das dich nicht das gleiche Schicksal ereilt hat. Das du lebst … und hier bist ..“ - bei mir – doch die letzten Worte schafften es nicht mehr über Lyanna's Lippen. Elijah hatte sicher selbst mit seinen Gedanken zu kämpfen, da brauchte er nicht noch Lyanna's Gefühlschaos. Auch wenn es kein wirkliches Chaos war, es war recht überschaubar gewesen. Und so wie die Dunkelhaarige Elijah ansah, wohl auch deutlich für jeden der diese Szenerie betrachten würde. Ebenso war es nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, da gab es deutlich angenehmere Zeitpunkte und vor allem Orte. Elijah ließ schließlich ihre Hand los, lief den Hügel hinunter. Lyanna blickte nochmal kurz zurück ehe sie dem Dunkelhäutigen ohne zu zögern folgte, stets hinter ihm folgend. Die weißen Grabsteine wurden von der Apokalypse nicht verschont, die Natur holte sich immer das zurück was sie wollte. Die Inschriften der Gräber waren bei vielen durch das dicke Moos was die Steine bedeckte, nicht mehr lesbar. Doch Elijah wusste wohl genau wo er hin musste, er schien zu mindestens zielorientiert diesen Weg zu verfolgen. Lyanna schwieg und folgte ihm einfach nur. Dann blieben sie stehen, vor einem größeren Grabmal, einem Gebäude, das man durch Treppen erreichen konnte. Lyanna folgte Elijah die Treppen hinauf, stets die Umgebung im Blick. Nur weil es ein Friedhof war, sich hier kaum bis keine Beißer oder andere Menschen befanden, hieß es nicht das sie sich in Sicherheit wiegen konnten. Ihre Hand lag immer mit einer leichten Anspannung am Gurt ihres Jagdgewehres, was die Dunkelhaarige um ihre schmale Schulter trug. Als sie oben ankamen, viel Lyanna ziemlich gleichzeitig das Gemälde auf, was wohl jemand dort hinterlassen hatte. Jemand hatte ein Teil der Steine in hellblauer Farbe versetzt und einem weißen Phönix. Lyann a ging leicht in die Hocke fuhr mit ihren Fingern darüber, ganz sanft nur damit sie es natürlich nicht verwischte. „No one's gone until they're gone ...“ wiederholte die Dunkelhaarige nur. „Hm“ schmunzelte die Dunkelhaarige mit einem Schnauben ehe sie sich wieder aufrichtete und wieder einen Schritt zurücktrat. Wo der oder die Fremde Recht hatte, hatte dieser nun mal Recht, nur war es ziemlich schwer gewesen, sich solchen Dingen wirklich bewusst zu zu sein in solch einer Welt. Lyanna wusste nicht wieso aber ihr wurde es doch deutlich wärmer ums Herz. Ihr Blick huschte wieder zu Elijah, welcher in weiße Handschuhe schlüpfte die er heraus gekramt hatte ehe er vor dem Grabmal salutierte ehe er die Dunkelhaarige wieder anblickte. Sollte sie auch etwas machen? Sollte sie etwas sagen? Ein wenig unbeholfen stand die Dunkelhaarige neben ihm. Sie wollte schließlich nicht respektlos wirken. Lya überlegte kurz ehe sie es einfach Elijah gleich tat und ebenso einfach kurz salutierte. Bei Elijah sah so was natürlich viel besser aus, womöglich hielt Lyanna ihre Hand viel zu weit unten oder irgendwas anderes sah komisch aus ehe sie den Dunkelhäutigen wieder anblickte und lächelte, als sie ihre Hand wieder sinken ließ. „Glaubst du … man hat ihnen vergeben für das .. was passiert ist?“ kam die Frage einfach aus dem Nichts ehe die Dunkelhaarige nur durchatmete. „Glaubst du man kann uns vergeben?“

@Elijah Magoro



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#5

RE: Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
24.03.2020 16:44
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Es war seltsam, diesen Ort hier so anders zu sehen. In seiner Erinnerung waren die Steine weißer als weiß gewesen, es hatte in einem Sonnenschein wie gerade schon fast wehgetan auf sie zu sehen. Dieses Strahlen, dass sie immer irgendwie gehabt hatten, diesen Glanz, den dieser Ort ausgestrahlt hatte, hatte er in der Apokalypse komplett verloren. Nun war es Ort wie jeder andere eigentlich, verlassen, von der Menschheit vergessen, da es für sie wichtigere Dinge gab, als den Toten zu gedenken. Nicht gebissen zu werden zum Beispiel. Zu überleben zum Beispiel. Und Elijah konnte es den Menschen auch nicht verübeln, er war ja nicht anders, in all den zehn Jahren, die diese Apokalypse nun schon andauerte und die Jahre, die er seitdem im Clubhaus verbracht hatte, war er nun auch zum ersten Mal wieder hier. Hatte nun auch zum ersten Mal seitdem den Toten gedacht. An diesem Ort hier. Und jetzt im Nachhinein schämte er sich ein wenig, dass er jetzt hier stand, erst jetzt den Mut gefunden hatte, sich hierher zu wagen. Wo er doch so viel Mut besaß und sich vor nichts fürchtete. Aber irgendwie war das hier anders, es berührte Elijah zutiefst, hier zu stehen. In seiner Uniform, mit seinen Abzeichen, die in der Apokalypse niemanden mehr interessierten. Doch er kam nicht umher, dass er sie trotz allem noch immer mit Stolz trug. Zumindest bis heute, denn heute würde der letzte Tag sein, an dem er sie trug, an dem er an sich seine Uniform trug. Denn heute wollte er mit all dem abschließen. Für immer. Er würde diesen Aufzug nie wieder brauchen. Selbst, wenn plötzlich alles wieder normal sein sollte, er wollte es nicht mehr. Wollte diese Erinnerungen nicht mehr, nichts mehr, was ihn mit diesem Teil der Vergangenheit verband, außer sein eigener Stolz. Sein Stolz, dass er damit abschließen konnte und dies mit einem guten Gefühl.
Das Bild auf dem Boden, die Schrift, die Lyanna wiederholte und sanft über die Farbe strich, all das bestätigte ihn nur darin, dass er heute den richtigen und wichtigsten und hoffentlich auch letzten Schritt in Richtung Selbstheilung und inneren Frieden machte.
Als er dann salutierte und Lyanna ansah, bemerkte er ihre Unbeholfenheit. Sie wusste nicht, was sie tun sollte und er lächelte sanft. Er hatte von ihr auch nichts erwartet, er wollte sie nur ansehen weil… ja, weil sie sein Ruhepol war. Dieses Gefühl von Glück, dass war es, was er mit ihr verband. Sie konnte dieses Gefühl immer in ihm auslösen. Dann salutierte sie unbeholfen und er musste deutlich lächeln. Es sah süß aus, vermutlich hatte sie das gerade das erste Mal in ihrem Leben getan, während Elijah schon gar keine Zahl mehr sagen konnte, wie oft er schon salutiert hatte. Die Bewegung war in seinen Muskeln verwachsen, wie gehen und sitzen. Bei Lyanna aber… nicht. Dann lächelte sie auch und sprach, etwas, worauf Elijah nicht wirklich wusste, wie er antworten sollte.
„Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben“, meinte er nur und sah ihr weiter in die Augen, dann sah er wieder auf das Grabmal und das blauweiße Bild davor auf dem Boden, „Das ist eine Bibelstelle, die mir mein ganzes Leben schon im Kopf hängt. Sie ist aus Lukas, und sie beinhaltet so viel Wahrheit, dass es mich immer wieder fasziniert. Man kann über das Christentum und die Bibel sagen was man möchte, ich würde mich nicht als frommen, Erz gläubigen Mann bezeichnen doch… in der Bibel kann man an vielen Stellen Trost und Wahrheit finden. Uns kann nur vergeben werden, wenn auch wir vergeben.“
Mit diesen Worten atmete er tief durch, schloss kurz die Augen und danke gedanklich Gott dafür, dass er heute hier sein durfte. Anschließend öffnete er die Augen und wandte sich um, ging ohne ein weiteres Wort zu sagen wieder die Stufen hinab. Vom Grabmal der Unbekannten war es nicht weit zu den Gräbern seiner neun Kameraden. Es dauerte keine fünf Minuten, da bog Elijah vom Weg ab auf einen kleinen Pfad, den nur er sehen konnte, denn dieser existierte mittlerweile nicht mehr. Er lief ein Stück hinein, dann blieb er stehen. Sein Gesichtsausdruck wieder hart, unergründlich. Vor ihm stand ein Baum und davor war eine kleine Fläche ohne Gräber, am Rand der Fläche waren sie. Alle neun Gräber, überwuchert mit Gras und Moos und Natur. Elijah blieb stehen, seine Kiefer mahlten und er blickte von einem Grabstein zum nächsten und wieder zurück. Sein Blick glitt dann über den Friedhof, er entdeckte keinen Beißer, das war zumindest ein gutes Zeichen. Nun kam der härteste Teil seines Ausflugs. Er zog die weißen Handschuhe wieder aus, dann stellte er seinen Rucksack auf den Boden. Die weißen Grabsteine vor ihnen waren etwas größer als der Rest außenherum. Dann seufzte er und sah Lyanna an.
„Wir sind da“, sagte er leise und wandte sich dann wieder ab, zog sein Schwert aus der Scheide. Dann ging er zum ersten Grabstein und begann mit seinem Schwert das Gras, Moos und Efeu von dem Grab zu entfernen. Als man den Namen und die Daten wieder lesen konnte, ging er zum nächsten und zum nächsten. Lyanna half ihm nicht und das war auch gut so. Er musste das selbst machen, alleine. Dies hier war sein Auftrag, seine Bestimmung. Lyanna konnte und sollte hier sein, er sprach es nicht aus, doch es gab ihm Kraft, dass sie hier war. Doch die Gräber freizulegen und hier die letzte Ehre zu erweisen, das war alleine seine Aufgabe.
Als alle freigelegt waren, trat er zurück und betrachtete sein Werk. Die Namen all seiner neun Kameraden waren freigelegt und das auffällige war: jeder hatte das selbe Sterbejahr. Fast alle unterschiedlich geboren, aber sie alle hatten das Jahr, bevor die Apokalypse ausgebrochen war, als Sterbejahr dastehen. Das diese Sache erst in dem Jahr vor der Apokalypse passiert war, hatte auch Lyanna noch nicht gewusst, dass hatte er ihr nie erzählt. Es war genau neun Monate später zum ersten Beißerbiss gekommen. Ob Elijah bis dahin Zeit gehabt hatte, das ganze psychologisch aufzuarbeiten? Eher unwahrscheinlich. Ob er davon eine posttraumatische Belastungsstörung davongezogen hatte? Eher wahrscheinlich.
Er blickte zu Lyanna, dann ging er hinüber zu seinem Rucksack und öffnete ihn, kramte kurz darin und holte dann die Flasche Bourbon heraus und die zwei Gläser. Er stellte die Gläser und den Bourbon auf den ersten Grabstein und holte dann ein Seil und ein Holzkästchen aus seinem Rucksack. Die Schnur war nicht dick, eher dünn und dann öffnete er das Holzkästchen, holte daraus eine feinsäuberlich gefaltete Flagge der vereinigten Staaten von Amerika heraus. Er hielt sie in den Händen, legte das Holzkästchen zurück in seinen Rucksack und strich sanft über den weichen Stoff der Fahne. Dann schlug er sie auseinander und fädelte die weiße Schnur durch die kleinen Ösen am einen Ende der Flagge. Als er damit fertig war, ging er zwischen den Gräbern hindurch auf den Baum zu, hob einen Stein auf, band ihn ans seine Ende des Seils und warf dieses Ende dann über den niedrigsten Ast. Dann verknotete er das untere Ende und somit hing die Flagge, zumindest provisorisch. Um dem ganzen tatsächlich etwas Patriotismus zu verleihen, wehte doch wirklich gerade ein Windstoß über den Friedhof und ließ die Fahne kurz im Wind aufwehen, sodass man sie in all ihrer Pracht betrachten konnte. Als würde Gott persönlich zustimmen, dass dies hier die richtige Tat war. Elijah sah zufrieden aus und ging zurück zu Lyanna und seinem Rucksack, holte die weißen Handschuhe heraus.
„Es hat etwas beruhigendes, oder nicht? Sie so ihm Wind zu sehen“, sprach er dann endlich wieder ein paar Worte und sah Lyanna an. Dass sie hier war, war irgendwie… seltsam aber auch so gut. Es machte es ihm wirklich leichter.

@Lyanna Lockhart





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#6

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
27.03.2020 14:35
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

Elijah lächelte nur über Lyanna's Handlung und die Dunkelhaarige konnte nicht anders als dieses Lächeln zu erwidern, befänden sie sich nicht gerade auf einem Friedhof und ließ man ihre damalige Trennung aus dem Spiel, war es schon fast wie früher gewesen. Diese Wärme, Sicherheit und das Glücksgefühl das sie mit ihm verband war stetig da wenn sie ihn nur ansah oder sich in seiner Nähe befand. Es hatte auch bis heute nicht abgenommen, war sogar stärker denn je, nur das die Dunkelhaarige noch so etwas wie Unsicherheit und Angst verspürte, nicht vor Elijah, Lyanna konnte es sich noch nicht mal selbst erklären wieso es so war. Ob es daran lag das sie so lange von einander getrennt waren und Lya einfach nur Angst hatte das sich zwischen den beiden auf irgendeine weise etwas geändert hat. Oder doch die Tatsache die sie am meisten ängstigte, das wenn all das hier vorbei war, sie ihn wieder verlieren würde, er sie verlassen würde. Allein dieser Gedanke, dieses Gefühl zog ihr schon fast die Luft aus den Lungen. So sehr wollte sie dem Dunkelhäutigen gerade sagen was sie für ihn fühlte, ihn zu bitten nicht mehr zu gehen. Doch … es war einfach nicht der richtige Moment. Wie unfair wäre es, wenn sie neben Elijah's Schmerz über seine Kameraden, nun seine Schultern mit einem Liebesgeständnis belastete, wo sie sich noch nicht mal sicher war ob Elijah das erwidern würde und selbst wenn es so wäre, was hätte es für eine Zukunft? Sie waren beide an verschiedene Orte gebunden, die sie nicht einfach verlassen könnten, an Pflichten gegenüber anderen Leuten, die sie nicht einfach fallen lassen könnten. Das hier war keine blöde Teenieromanze, die dann doch noch irgendwann ihr Happy End finden würde. Auch wenn es weh tat musste die Dunkelhaarige der Realität ins Auge blicken. Und dieses Gefühl, was diese Gedanken in der Dunkelhaarigen auslöste war wohl auch einer der Gründe weswegen sie Elijah diese Frage gestellt hatte. Natürlich machte die Umgebung dieses Gefühl auch nicht besser. Lyanna spürte das sie vielleicht doch nicht so an den Tod gewöhnt war wie sie dachte. Besonders wenn man wusste wofür diese Leute hier gestorben sind, auch wenn diese Leute es als eine Art Ehre sahen, war es dennoch für Menschen wie Lyanna weiterhin tragisch und aus der Sicht einer Psychologin weiterhin unmoralisch und erschreckend, wie weit man Menschen zum Sterben manipulieren konnte. Gleichzeitig empfand Lya es sogar schon fast als Glück, die Toten würden nie die Apokalypse miterleben. Bis auf die Soldaten hier. Sie hatten bereits ihre eigene Apokalypse miterlebt. Das hier war sicherlich nichts anderes außer der Tatsache das die Toten nicht tot blieben. Automatisch blickte die Dunkelhaarige zu Elijah, der ihr gerade auf ihre Frage antwortete. Bei seinen Worten schloss Lyanna nur die Augen und atmete tief aus. Das er ausgerechnet die Bibel zitierte ließ für einen kurzen Moment ihre Mundwinkel, schnaubend nach oben zucken. Gleichzeitig beneidete sie den Dunkelhäutigen, das er selbst in solch einer Welt Hoffnung finden konnte und das färbte ein wenig auf die Dunkelhaarige ab. „Auch wenn deine Worte … schön sind, glaube ich nicht das es so einfach ist, diese zu befolgen oder gar sich daran zu orientieren.“ Lya öffnete nur die Augen seufzte. „Also ich würde es gerne glauben aber … was für eine Art von Gott oder was auch immer, lässt so etwas hier zu ? Was geschehen ist … und was noch passieren wird.“ Die Dunkelhaarige schüttelte nur sanft den Kopf und verschränkte ihre Arme fest um sich. „Aber das hier war noch nicht alles hab ich Recht?“ sprach Lyanna wieder nach kurzem Schweigen, und es dauerte keine Minuten ehe Elijah dann die Stufen hinabstieg und einen Weg abbog, die Dunkelhaarige folgte ihm weiterhin auf Schritt und Tritt. Sie vertraute ihm, auch wenn der Weg den sie folgten bereits von der Natur überwuchert wurde. Elijah blieb schließlich vor einem großen Baum stehen und die Dunkelhaarige wäre schon fast gegen ihn gelaufen. Seine Worte, das sie da waren ließen die Dunkelhaarige kurz verwirrt dreinblicken. Sie sah keine Gräber zu mindestens auf den ersten Blick nicht. Dann zog er nur sein Schwert aus der Scheide und begann damit ganze Gras und Moos zu entfernen und schon bald konnte sie die Gräber erkennen. Lya ging automatisch nur einen Schritt auf den Dunkelhäutigen zu, wollte ihm dabei helfen, doch als die Elijah dabei beobachtete wusste sie auch das er es selbst tun musste. Es waren seine Kameraden, Lya wollte ihm da nicht dazwischen funken oder gar respektlos wirken. Stattdessen behielt die Dunkelhaarige lieber weiterhin die Umgebung im Blick, damit keine Untoten oder gar fremde Leute, das hier stören konnten. Auch wenn der Friedhof von beidem wie leergefegt war, hieß es nicht das dem so war oder das sich das nicht noch schnell ändern konnte. Auch wenn Lyanna es sich nehmen konnte, sich die Namen seiner Kameraden einzuprägen, welche bei jedem Grab zum Vorschein kam, während Elijah diese frei legte, bis alle neun frei gelegt waren. Als Elijah damit fertig war ging dieser nur zu seinem Rucksack kramte etwas aus während Lya nur starr auf die Gräber starrte. Es waren nicht die Namen, die sie schockierte, auch nicht wann diese Männer geboren waren sondern eher die Tatsache wann sie starben. Es war noch im selben Jahr gewesen, wie die Apokalypse selbst ausbrach. Die Dunkelhaarige presste nur ihre Lippen aufeinander und blickte wieder zu Elijah welcher zwei Gläser auf dem ersten Grab abstellte. Sie musste es nicht lesen können um zu wissen was sich in dieser Flasche befand. Es war ganz klar Alkohol. Es war nicht so, das Lyanna dies störte aber hatte er wirklich gedacht, er könnte sich betrinken und dann noch für seine Sicherheit sorgen. Alleine. Es war etwas was Lyanna eine kurzen Moment wütend werden ließ, das Elijah sich so einfach in Gefahr gebracht hätte. Als Elijah nun ein Seil und ein Holzkästchen aus seinem Rucksack packte ging die Dunkelhaarige wieder einen Schritt auf ihn zu. „Du hast mir gar nicht gesagt, dass … das noch in dem selben Jahr passiert ist.“ Ihre Stimme war sanft, schon fast wieder voller Sorge. Es war kein Vorwurf gewesen, sie war nicht wütend. Elijah war der letzte der Lyanna irgendeine Art von Rechenschaft schuldig war. Als Elijah das Holzkästchen öffnete und eine sauber, gefaltete Flagge der amerikanischen Staaten herauszog musste die Dunkelhaarige nur kurz schlucken, als Elijah diese befestigte. Ein Windstoß huschte durch den Stoff der Flagge, ließ es zu das man sie einen Moment in voller Pracht betrachten konnte. Lya beobachtete das ganze nur ehe Elijah wieder neben ihr stand. Nur kurz huschte ihr Blick zu ihm rüber bei seinen Worten. War es komisch das sie ihn küssen wollte? „Hm..“ gab Lyanna von sich. „Hat was von … zu Hause.“ lächelte die Dunkelhaarige nur und wandte ihren Blick wieder ab. Wieder kam dieser ungewohnte Gedanke in ihr auf, auch wenn es bereits zehn Jahre her war, kam die Dunkelhaarige immer noch nicht darüber hinweg, wie die Straßen früher nur so von Menschen gefüllt waren, wie man sich Gedanken über einfache Dinge machte, die selbstverständlich waren, wie man nicht darüber nachdenken musste das die Toten zurückkamen, man für sein Essen morden musste. Lyanna atmete wieder tief durch, blickte von der Flagge wieder zu dem ersten Grab auf dem sich immer noch die Gläser befanden. „Was hast du damit vor?“ fragte die Dunkelhaarige schon fast vorsichtig.

@Elijah Magoro



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#7

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
28.03.2020 10:48
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Elijah antwortete zunächst nicht auf ihre Feststellung. Natürlich war ihr sofort aufgefallen, dass der Tod seiner Kameraden noch im selben Jahr gewesen war, wie Tag Null. Man könnte wohl sagen vor zehn Jahren war für Elijah das beschissenste Jahr seines Lebens gewesen. Begonnen mit Gefangenschaft, Folter und dem Tod seiner neun Kameraden und geendet wie für jeden: Mit der Apokalypse. Aber war es überhaupt eine Erwähnung wert? Eigentlich war doch alles, was vor der Apokalypse passiert war, vollkommen egal. Nur zwei solche traumatischen Ereignisse in so kurzer Zeit, das veränderte einen. Und zwar tiefliegend. Wenn Elijah schon vor der Apokalypse wenig gesprochen hatte, sprach er seitdem noch viel weniger. Worte waren einfach nicht so sein Ding, in der Army hatte man auch nicht viel reden brauchen. Einer der Gründe, warum es ihm dort so gut gefallen hatte. Und wenn man bemerkte, dass es einem Soldaten nicht sonderlich gut ging, hatte man ihm die Hand auf die Schulter gelegt und ihm die Bourbon Flasche gereicht, das war mehr als genug Zuspruch. Mehr als das hatte Elijah auch damals nicht von seinem Leben gewollt oder gebraucht. Er hatte gutes Geld bekommen, dass er seiner Familie zur Unterstützung hatte zukommen lassen. Er hatte damit seinem Bruder und seiner Schwester vielleicht etwas beim College dazugeben können, seine Schwester war eine verdammt gute Cheerleaderin gewesen mit Aussichten auf ein Sportstipendium. Aber bevor sie diesen Traum auch nur angehen konnte, war eben Tag Null gewesen. Der Tag, der alles vollkommen verändert hatte.
Konzentriert aber auch routiniert hängte Elijah die Flagge der vereinigten Staaten auf und stand dann neben Lyanna, betrachtete, wie sie im Wind wehte. Der Boden unter ihren Füßen war feucht, es hatte die letzten Tage viel geregnet, nur heute war schönes Wetter. Elijah hatte sich den perfekten Tag für seine Aktion ausgesucht.
„Zuhause ja…“, wiederholte Elijah ihre Worte und nickte, sah wieder zur Flagge. Der Wind hatte aufgehört und nun hing sie wieder hinab, dennoch, es erfüllte Elijahs Herz einfach mit Stolz und Ehre, seine Flagge zu sehen. Für Lyanna war das vermutlich bescheuert, diese ganze Aktion hier. Sie als Psychologin stand diesem Ort hier, der für Elijah Ehre und Anerkennung bedeutete, ganz anders gegenüber. Aber das war ihm in diesem Moment egal, denn es ging hier nicht um sie und ihre Gedanken, sondern nur um ihn. Um ihn und seine gefallenen Kameraden.
„Was hätte es geändert, wenn du gewusst hättest, dass es im selben Jahr passiert war? Nichts, es wäre genauso wie sonst auch. War eben ein echt beschissenes Jahr“, meinte er dann nur auf ihre Feststellung von vorhin, wandte sich dann ab und seufzte.
Er sah ihren Blick auf die Gläser auf dem ersten Grabstein fallen, dann sah er sie an und zog eine Augenbraue hinauf, „Was ich damit vorhabe? Na, ich werde ihn trinken. Ganz einfach.“
Als ob er den Bourbon nur zum Spaß dabei hatte. Dann wandte er sich wieder ab und griff in seine Tasche, holte eine weitere Holzbox heraus. Es klimperte, als er sie anhob und sie war schön verziert mit ebenfalls der amerikanischen Flagge, an der Seite stand „This We’ll Defend“ und auf der anderen Seite stand „In God We Trust“. Auf der längeren Seite stand „U.S. Army“ und Elijah seufzte. Er hatte diese Box schon so lange nicht mehr geöffnet, aber dennoch immer mit sich getragen. Er legte eine Hand darauf, schloss kurz die Augen, dann öffnete er sie wieder und dann öffnete er auch die Box. Er ging zum ersten Grabstein und holte eine Kette mit einem Dogtag daran heraus, hängte sie über den Grabstein. Dann ging er zum nächsten und wiederholte den Vorgang, bis alle Dogtags bei ihrem jeweiligen Besitzer am Grabstein war. Dann schloss er die Box und legte sie auf den Boden.
„Das ist alles, was ich von ihnen habe. Die Terroristen sie…“, er brach kurz ab und richtete sich dann auf, „Sie haben mir nur die Dogtags mitgegeben. Das war alles was ich hatte. Nur diese Dogtags um meinen Hals und sie wogen mehr als zehn Tonnen. Ansonsten trug ich nichts am Leib, als ich da tagelang durch die Wüste gelaufen bin… nur diese Dogtags. Und dann konnte ich sie bei der offiziellen Beerdigung nicht abgeben, ich hätte es tun sollen… konnte aber nicht. Jetzt sind sie aber dort, wo sie sein sollten.“
Er atmete tief durch und stellte sich genau vor den mittleren Grabstein. Es war der seines besten Kumpels und Kameraden Sergeant Watney. Dann richtete er sich zu seiner vollen Größe auf, richtete seinen Hut, blickte auf die amerikanische Flagge, legte eine Hand auf seine Brust und begann leise zu singen. Und was sang er? Natürlich die Hymne der vereinigten Staaten von Amerika, The Star-Spangled Banner.
„O! Say can you see…“, sang er, leise, nicht laut sodass es der ganze Friedhof hören konnte, eigentlich nur für sich, aber Lya hörte es sicherlich auch. Elijah sang nie, wirklich niemals, aber jetzt, es gehörte einfach dazu und musste sein. Es war, als würde die Welt um ihn herum nicht mehr existieren, sein Blick war so fokussiert auf der Flagge, dass er nichts mehr um sich herum wahrnahm, er war wie in Trance. Nur die erste Strophe sang er, das war die bekannteste und Standartmäßig gesungene.
„Home of the brave“, schloss er und schwieg einen Moment, dann nahm er die Hand wieder von der Brust. Er sagte nichts, den Blick immer noch auf die Flagge gerichtet, dann wandte er sich ab und sah Lyanna an.
Sein Blick war so anders als sonst. Es war tiefste Trauer, Schmerz, Verlust und Enttäuschung darin zu sehen. Der Verlust seiner Kameraden, der Schmerz, der noch immer so tief in seinem Herzen saß, die daraus resultierende Trauer, dass sie gestorben waren und die Enttäuschung über sich selbst, dass er ihnen damals nicht hatte helfen können. All die Emotionen, die er schon seit so vielen Jahren ganz weit hinten in seinem Gehirn verbannt hatte.
In diesem Moment war dieses Bedürfnis, sie zu küssen, sich ein anderes Gefühl zu geben, als diese, die er gerade empfand, sich ein gutes, fröhliches, angenehmes Gefühl zu geben, so groß. Doch er tat es nicht. Zuerst musste er den Rest seiner Aufgabe erledigen. Also wandte er den Blick wieder ab, presste die Kiefer aufeinander und ging zum ersten Grabstein. Er öffnete die Flasche des Bourbons, roch an dem gold-braunen Getränk und schenkte in beide Gläser etwa zwei Finger breit ein. Dann verkorkte er die Flasche wieder, stellte sie auf den nächsten Grabstein. Er nahm das eine Glas, stieß damit am anderen Glas an und schüttete sich dann das gesamte Glas in den Rachen. Dieser Bourbon war fantastisch, er schmeckte so unglaublich gut, es hatte sich gelohnt ihn für einen besonderen Moment aufzubewahren. Dann stellte er sein leeres Glas neben die Flasche, nahm das andere, noch volle Glas und schüttete den Bourbon über den Grabstein, sodass der Alkohol am weißen Stein hinablief. Aus seiner Tasche holte er ein Feuerzeug, zündete es ab und übergab die Flammen an den Alkohol auf dem Grabstein. Es brannte kurz, eine orangene Flamme, in Elijahs Augen spiegelten sich die Flamme, dann war sie auch schon wieder aus. Bourbon brannte nicht lange, aber es reichte aus. Nach dieser Aktion nahm er sein Gewehr, trat einen Schritt zurück und richtete es gen Himmel. Er hatte natürlich extra seinen Schalldämpfer mitgebracht, ohne wäre es wirklich lebensmüde gewesen. Wobei vielleicht auch schon die Tatsache, dass er sich alleine auf einem Friedhof betrinken hatte wollen, lebensmüde war. Dann schoss er. Das Geräusch war nicht halb so befriedigend, wie, wenn kein Schalldämpfer auf der Waffe war, aber dennoch. Ein Schuss für jeden gefallenen Kameraden.
„Ich salutiere dir, Corporal Miller“, und er salutierte, blieb einen Moment stehen. Sein Blick war auf den Grabstein gerichtet, er sah das Gesicht des anderen jungen Mannes noch vor sich, die hellen, blauen Augen und die dunklen Haare dazu. Ein Lächeln umspielte Elijahs Lippen, dann wandte er sich dem nächsten Grabstein zu. Was Lyanna gerade tat, war ihm vollkommen egal. Das hier war sein Ritual, seines ganz alleine.

@Lyanna Lockhart





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#8

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
30.03.2020 15:03
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

Was es wohl geändert hätte, wenn er ihr gesagt hätte das dieses Ereignis genau im selben Jahr noch passiert war als die Apokalypse ausbrach? Er hatte Recht, womöglich hätte sich nichts geändert. Es wäre alles genau so abgelaufen wie jetzt. Sie wären genau hier, wo sie jetzt standen. Dennoch war sie doch recht schockiert über diese Tatsache. Eine traumatische Sache konnte der Verstand eine Weile mit sich herumtragen aber eine zweite wie die Apokalypse und die daraufhin Geschehnisse darin, da war es noch ein Wunder wenn ein Mensch noch normal tickte. Das Elijah nicht nur einen starken Körper, sondern auch einen starken Geist hatte, war Lyanna schon in den ersten Tagen als sie zusammen unterwegs waren bewusst geworden. Sie wollte ihm dies sagen, behielt es aber dann doch wieder für sich. Ihr kam es ohne hin schon so vor, das Elijah weniger reden wollte als sonst, was Lyanna auch verstand und akzeptierte, weswegen sie ihn nicht zu weiteren Antworten drängte. Wenn das hier eine umgekehrte Situation wäre, würde sie sich wohl ähnlich verhalten, nur das sie wahrscheinlich deutlich emotionsvoller und unerträglicher wäre, als sie es vielleicht sonst war. Seine Antwort auf ihre Frage was er denn mit den Gläsern vor hatte, führte dazu das die Dunkelhaarige ihre Lippen aufeinander presste und ihre Arme verschränkte. Sie wusste ganz genau was er damit vorhatte und die Tatsache das er dies hier wirklich alles alleine durchgezogen hätte, machte sie immer noch wütend. Sie konnte ihn verstehen, wenn das hier etwas war was nur er machen musste aber dafür sein Leben in Gefahr zu bringen? Das würde keinem etwas bringen, ganz zu Schweigen wie sehr es Lyanna Schmerzen würde, das sie diesen Gedanken sofort wieder abschüttelte. Ob es nun etwas zu heißen hatte das Lyanna nun hier war oder nicht, spielte keine Rolle. So konnte sie auf ihn aufpassen, das ihm wenigstens nichts passierte. Es war schon komisch wie sehr sich die Dunkelhaarige um ihn sorgte, dabei wusste sie das gerade Elijah auf sich aufpassen konnte und immer Lyanna's Hintern aus irgendeiner Scheiße gerettet hatte. Elijah zog eine weitere Box aus seiner Tasche, sie war mit der amerikanischen Flagge und einigen Inschriften verziert. Lyanna konnte an Elijah's Mimik, dieses Seufzen direkt erkennen wie wichtig ihm diese noch so scheinbar, kleine Box war. Als er sie öffnete konnte sie auch sehen wieso als er eines der Dogtags herauszog. Etwas was wohl jeder Soldat immer bei sich trug, es schon fast zu seiner Identität gehörte. Elijah legte die Dogtags zu den Gräbern, zu ihren jeweiligen Besitzern. Lyanna stand immer noch dort wo sie die ganze Zeit über stand, sie hatte sich keinen Zentimeter gerührt, konnte nur zusehen wie Elijah versuchte mit seinem Schmerz klar zu kommen und das Schlimme an der ganzen Sache war, das sie ihm nicht helfen konnte. Nichts was sie sagen oder tun könnte, könnte etwas an dieser Tatsache hier ändern, es könnte nichts wieder in Ordnung bringen. Doch dann tat Elijah etwas, womit sie nun nicht gerechnet hätte. Es war nicht viel und vielleicht auch zögerlich, doch er öffnete sich der Dunkelhaarigen, gab damit preis was damals geschehen war. Lya konnte sich noch erinnern, das er damals noch nicht in der Gegenwart der Dunkelhaarigen konnte. Sie sah ihn dabei an, ihr Blick war weich, voller Sorge. Er hatte so viel erlebt, so viel schlimmes, gesehen was kein Mensch der Welt sehen sollte, was kein Mensch der Welt erleben sollte … und nach all dem machte er sich wirklich ein schlechtes Gewissen das er die Dogtags seiner Kameraden nicht rausrücken konnte. Das er an ihnen festhalten wollte, sich noch nicht von ihnen trennen wollte. Elijah musste sich dafür nichts vorwerfen. „Es ist okay.“ hauchte die Dunkelhaarige. „Du hast sie nicht behalten aus Gier, du hast sie behalten wegen dem hier ...“ Lyanna ließ ihre Hand einen kurzen Moment auf seiner Brust ruhen, konnte seinen Herzschlag deutlich spüren. „Und daran ist absolut nichts falsches ...“ hauchte sie nur und ließ ihre Hand wieder sinken, ging wieder einen Schritt zurück und brachte somit wieder ein wenig Abstand zwischen den beiden. Ihr Blick war wieder auf die Gräber gerichtet, während der Wind leicht durch ihre Haare wehte konnte sie leise aber dennoch hörbar wieder Elijah's stimme vernehmen. Dennoch sprach er nicht … er .. sang. Lyanna sah ihn dabei nicht an, schloss nur die Augen, sie wusste nicht wieso aber es hatte irgendwas beruhigendes an sich, gleichzeitig führte es auch dazu das ihre Augen schon fast ein wenig glasig wurden. Als die letzten Worte der Strophe aus seiner Kehle entrinnen, atmete Lyanna nur aus, blickte gleichzeitig Elijah an als dieser die Dunkelhaarige anblickte. Sie konnte so viel in seinen Augen erkennen, wie sonst. Trauer … Schmerz und Lyanna streckte nur wieder unbewusst ihre Hand aus, wollte nach seiner greifen, doch sie griff ins Leere. Elijah bewegte sich wieder zu den Gräbern und Lya zog nur langsam wieder ihre Hand zurück. Ein Teil von Lyanna war dafür das sie einfach Elijah packte und einfach von hier verschwand, es schmerzte sie genau so ihn so zu sehen, wie sehr ihn das ganze hier schmerzte. Selbst wenn Elijah freiwillig mitkommen würde, wusste die Dunkelhaarige auch das ihn das wohl auf ewig verfolgen wird. Lya sah nur zu wie er die Gläser befüllte, eines trank er und das andere goss er über den Grabstein, zündete es an. Die Flamme brannte zwar nur kurz löste aber in Lyanna ein unbehagliches Gefühl aus, was man daran erkennen konnte das sie sich direkt umsah. Die Flamme war nicht groß genug das sie großen Rauch produzierte oder das ein Fremder oder Untoter sie hätte erkennen können. Doch dann tat Elijah etwas was Lyanna überhaupt nicht gefiel, er nahm sein Gewehr und ohne wirkliche Vorwarnung schoss er. Lyanna zuckte direkt zusammen, ihre Hand fuhr direkt zu ihrem Gewehr. Sicher hatte er sein Gewehr mit einem Schalldämpfer ausgerüstet, sicher war es leiser gewesen, Lyanna war einfach empfindlich gegenüber … Krach, er konnte einem schnell den Tod bringen. Das sie eins und eins zusammen zählen konnte und wusste das er dies jetzt neun mal machen würde, ließen sie doch recht angespannt wirken. Dennoch ließ sie ihn machen. Er würde wissen was er da tat. Und selbst wenn Lyanna ihm versuchen würde das Gewehr abzunehmen, würde sie das wohl eher nicht schaffen, zu dem sie nicht mit Elijah streiten wollte. Schließlich ging es hier nicht um das was Lyanna wollte. Auch wenn sie das Gefühl hatte, das sie Elijah hier keine große Hilfe war, weswegen sie ihn erst mal alleine ließ. Lyanna ging nicht weit weg, sie war immer noch nah genug um Elijah sehen zu können. Zu dem konnte sie auch die weiteren Schüsse hören. Lya lief zwischen den Gräbern umher, prägte sich im vorbeigehen ein paar Namen ein. Immer wieder huschte ihr Blick zu dem Dunkelhäutigen, mal leerte er ein weiteres Glas des Bourbons, mal hatte er sein Gewehr wieder in der Hand und schoss. Lyanna zählte die Schüsse, würde so wissen wann Elijah so weit war und als der neunte Schuss fiel blickte sich die Dunkelhaarige wieder um. Es hatte sich nichts geregt, kein Stöhnen von Untoten, niemand der hier auf den ersten Blick herumschleichte. Die Dunkelhaarige lief langsam wieder zu dem Dunkelhäutigen und den Gräbern zurück. Mittlerweile hatte sich die Sonne hinter einem Meer von dunklen Wolken verzogen und es war wohl nur noch eine Frage der Zeit bis es bald regnen würde. Elijah stand mit dem Rücken zu Lyanna als sie zu ihm zurückkam. „Ich kann mir nur kaum vorstellen wie es ist so was zu erleben, was du erlebt hast.“ fing die Dunkelhaarige an. „Aber … sie sind nicht tapfer ohne Grund gestorben, du darfst weiterhin hier sein und ob das nun Fluch oder Segen ist, spielt keine Rolle. Du bist hier … bei deiner Schwester, deiner Familie und …“ - „...Und bei mir.“ Es musste sich wie ein schwacher Trost anhören, doch Lyanna meinte diese Worte ernst. Sie konnte vielleicht nicht das letzte halbe Jahr bei Elijah sein, doch sie wollte es jetzt sein, sie wollte es wirklich. Und zu jedem Zeitpunkt wäre Lya mit ihm mitgegangen, doch jetzt wo sie bei diesen Leuten war … war es nicht mehr so einfach und das tat am meisten weh.

@Elijah Magoro



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#9

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
31.03.2020 20:00
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Bei jedem Grabstein vollzog Elijah die gleiche Prozedur. Gläser befüllen, sein eigenes austrinken, das andere über den Grabstein schütten und anzünden. Dann der Schuss in die Luft und der Salut an seinen gefallenen Kameraden. Und mit jedem Grabstein trank er mehr Alkohol. Es dauerte eine Weile, bis Elijah die Auswirkungen des Bourbons spürte, denn immerhin trank er ihn doch recht schnell. Es war etwa bei Grabstein Nummer 7, da merkte er die ersten Anzeichen, dass der Alkohol zuschlug. Aber er ignorierte sie, trank weiter, die ganze Prozedur dauerte wohl nur etwa zehn oder fünfzehn Minuten, doch als er beim letzten Grabstein angekommen war, das letzte Mal geschossen und salutiert hatte, war die Flasche mit dem goldbraunen Getränk ziemlich leer. Sein Blick war steinern auf das Grab vor ihm gerichtet, ihm war warm, durch den Alkohol, denn sonst wäre es mittlerweile vielleicht sogar etwas frisch geworden. Wie abgemacht, war die Sonne mit jedem Grabstein etwas mehr hinter den Wolken verschwunden, dunkle Wolken, schwere Wolken, Regenwolken. Es würde nicht mehr lange dauern, da würden die ersten Tropfen vom Himmel fallen. Als würde der Himmel mit Elijah trauern. Dann senkte er den Kopf und atmete tief durch. Er spürte sie, ehe er sie sah, so war es schon vorher gewesen. Es war, als wäre Lyannas Anwesenheit sein siebter Sinn. Dann hörte er ihre Worte und schloss die Augen, presste die Kiefer aufeinander. Natürlich sind seine Kameraden nicht umsonst gestorben, sie sind voller Ehre gestorben, es wäre Elijahs Traum, eines Tages genauso ehrenvoll zu sterben, wie seine Kameraden. Aber wohl lieber in den Armen seiner Liebsten, anders als seine Kameraden. Aber das eigene Leben zu geben, für jemanden, den man liebte, damit dieser jemand weiterleben konnte. Gab es einen besseren Tod?
Dann öffnete er seine Augen, zusätzlich zu der Trauer und dem Schmerz war nun ein neues Gefühl darin: Frust. Wut. Zorn. Er war nun bei seiner Schwester? Bei seiner Familie? Ja, das stimmte. Natürlich, er war heilfroh, seine Schwester noch zu haben in einer solchen Zeit, es war wirklich ein Wunder gewesen damals, als sie plötzlich am Zaun des Clubhauses stand. Es war ihm vorgekommen wie eine Halluzination, ein Trugbild, ein Wunschdenken, das Zeichen, dass er nun endgültig verrückt geworden war.
Aber er war bei ihr? Er war bei Lyanna? Was redete sie da? Sie war gegangen, sie hatte gesagt, sie könnte nicht in eine Kolonie. Sie war es, die beschlossen hatte, dass sie sich trennen mussten. Elijah hätte ihr im Clubhaus alles gegeben, er hätte am Boden geschlafen, damit sie sein Bett haben könnte. Doch ja, sie hatte Recht. Elijah war, als sie sich getrennt hatten, noch kaputter gewesen, als jetzt. Er konnte nicht leugnen, dass es ihm jetzt besserging, als er das letzte Mal geschossen und salutiert hatte, war es, als wäre ihm ein Stein vom Herz gefallen. Endlich, endlich hatte er sich verabschiedet, dieses Gefühl der dunklen Angst, die so lange in seinem Hinterkopf geschlummert hatte, war nun weg. Es war, als könnte er wieder frei atmen. Einen winzigen Moment war alles okay gewesen, nichts hatte ihn belastet. Und jetzt? Jetzt kam Lyanna an und behauptete, er wäre an ihrer Seite. Eigentlich war er so froh, dass sie hier war, verdammt, die Frau die er liebte, war hier an seiner Seite, in seinem verletzlichsten Moment. Eigentlich hätte er sie küssen sollen, küssen müssen, sich wieder ein gutes Gefühl geben. Doch… da war einfach nur Wut in ihm. Keine Wut auf Lyanna, beim besten Willen nicht. Wut auf sich selbst. Darauf, dass er so ein verdammter Idiot gewesen war, sie im vergangenen Jahr gehen zu lassen. Und sie nun verloren zu haben. Er hatte seine Liebe in der Apokalypse gehen lassen, ohne auch nur eine Sekunde um sie zu Kämpfen. Dabei war Lyanna doch das, was sein Herz schneller schlagen ließ, eine sichere Prognose, das Prinzip der Hoffnung, ein Leuchtstreifen in der dunkelsten Nacht. Und bevor Elijah Lyanna getroffen hatte, war fast jeder Tag grau und dunkel gewesen. Und dieses Gefühl, diesen Lichtstreifen im Dunkeln hatte er nicht loslassen wollen, doch er wusste auch, dass man manchmal Menschen, die man wirklich liebte, gehen lassen musste. Dennoch konnte Elijah eine Tatsache nicht leugnen: Er liebte sie mehr als sich. Und so gerne würde er all diese Worte gerade sagen, all diese Gefühle die in ihm wie ein Wirbelsturm tobten, die sich aber eben in diesem einen Gefühl bündelten: Die Wut auf sich selbst. Und diese Wut, konnte er in diesem Moment nicht in sich halten und so wie sie sich zeigte, konnte man wohl denken, er wäre wütend auf Lyanna. Sie musste denken, er wäre wütend auf sie, dabei war all diese Wut doch nur gegen ihn selbst gerichtet, gegen seinen eigenen Idiotismus.
„Bei dir?“, fragte er und wandte ihr den Blick zu, der Zorn schoss wie in Blitzen daraus, als sein Blick ihren traf. Seine Stimme war tief, leise, betrunken. Er setzte die Flasche an die Lippen, trank den Rest aus, dann warf er sie neben sich auf den Boden. Er wandte sich von Lyanna ab, machte ein paar Schritte, ehe er sich wieder zu ihr umdrehte.
„Bei dir?!“, wiederholte er erneut, diesmal war seine Stimme lauter, wütender. Es war wohl auch der Alkohol, der aus ihm sprach, der all die Wut, die in ihm stürmte, noch mehr aufbauschte.
„Was redest du da für eine Scheiße?!“, fuhr er dann fort und starrte sie an, „Ich bin nicht an deiner Seite. Du bist gegangen, wir sind gegangen, wir haben uns getrennt.“
Er ging hinüber zu dem Grabstein von Sergeant Watney, seinem besten Kumpel, starrte auf den Grabstein.
„Nein, du kannst dir nicht vorstellen, was ich erlebt habe“, meinte er dann wieder etwas leiser und griff an die Medaillen an seiner Brust, „Niemand kann das. Niemand weiß, wie es ist all die Menschen, die man so sehr liebt, vor seinen eigenen Augen gefoltert und getötet zu sehen. Und dann die Ehefrauen, Kinder, Eltern auf der Beerdigung zu sehen. Diesen Vorwurf, den manche in ihren Augen hatten, warum ich überlebt habe und nicht deren Ehemann, Vater oder Sohn. Und wie oft habe ich mich es gefragt, warum ich überlebt habe und keiner der anderen. Warum ich, hm? Ich verdiene das hier alles nicht… nichts davon. Sie ja, sie haben ein Recht auf diese Medaillen, aber ich nicht… man hätte mich unehrenhaft entlassen müssen.“
Dann riss er die Medaillen von seiner Uniform ab, sodass der Stoff der Uniform riss und sie alle auf der Grab von Watney fielen.
Er blickte auf die Medaillen am Boden, dann wieder zu Lyanna.
„Und dich? Dich habe ich auch nicht verdient, offensichtlich“, machte er weiter und ging einen Schritt weg von dem Grab, „Ich hab dich gehen lassen Lyanna, einfach so. Und jetzt? Angeblich konntest du dich keiner Kolonie anschließen? War das nur eine Lüge? Oh, ja, sie haben dir das Leben gerettet. Habe ich auch, hast du das schon vergessen?! Hast dich meiner Kolonie aber nicht so verpflichtet gefühlt. Aber vielleicht bin ich einfach nicht David. Hast du ihn auch gefickt? So wie du mich gefickt hast? War das alles für dich, damals? Einfach nur Sex? Ist das deine Art? Ein Kerl rettet dir das Leben und du bedankst dich damit? Und dann entwickelt er Gefühle für dich und du gehst? Hmmm, nein, das kann es nicht sein. Denn du hast nur mich verlassen, oh und deinen Exmann. Aber David scheint ja doch besser zu sein als ich. Bist du glücklich mit ihm? Kann er dir etwas bieten, was ich dir nicht bieten konnte? Vermutlich ist er nicht so verdammt kaputt wie ich, keine Müllhalde voller Gefühle, kein verdammter psychopathischer Exsoldat. Mit ihm ist es bestimmt leichter, er ist ein einfacher Typ, der es dir besorgt und dich damit glücklich macht. Ach… machen wir es uns doch nichts vor. Es wäre besser, wenn wir uns heute nicht begegnet wären…“
Er sah sie an, seine Augen sprühten vor Wut. Und jedes Wort, dass er gerade gesagt hatte, tat ihm mehr weh als jeder Elektroschock, jeder Knochenbruch, jede Schusswunde.

@Lyanna Lockhart





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#10

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
01.04.2020 01:09
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

Elijah stand mit dem Rücken zu Lyanna als diese wieder zu ihm stieß. Sein Blick war immer noch auf die Gräber gerichtet, auf die Erde, die seine neun Kameraden beherbergte. Die Flasche Bourbon in seiner Hand war fast leer, vielleicht waren gerade mal noch zwei Finger breit daran, was gerade mal noch für ein einziges Glas reichen würde. Die dunklen Wolken hatten nun bereits die Sonne ganz verschlungen. Das noch kein einziger Tropfen Regen fiel war ein Wunder, doch ließ es sicherlich nicht lange auf sich warten. Es war schon fast so als würde der Himmel mit Elijah trauern und gleichzeitig der Dunkelhaarigen ein mulmiges Gefühl bescheren, das etwas schlimmes passieren könnte. Sie konnte nicht sagen wieso aber Lyanna hatte schon immer einen Sinn dafür zu erkennen wann etwas ungutes passieren könnte oder sie war einfach nur paranoid geworden mit der Zeit über, das war auch eine Möglichkeit gewesen, aber eher eine sehr unwahrscheinliche. Wenn es eines gab dem Lyanna wirklich in dieser Welt trauen konnte, dann war es ihren Instinkten, egal ob diese dem Überleben galten oder gar einer ganz anderen Sache. Ihre Instinkte hatten Lya in dieser Welt nur sehr selten getäuscht, sicher hatten sie nicht immer für Lyanna den einfachen Weg gewählt aber was war heut zu Tage schon einfach gewesen. Genau so wie es nicht einfach war die richtigen Worte in dieser Situation zu finden, dabei war es Lyanna klar das es wohl für so etwas keine richtigen Worte gab, keine Worte die den Schmerz vielleicht lindern oder gar nehmen könnten. Sie wollte Elijah nur damit zeigen das sie hier war, dass ihr das alles nicht egal war, das sie sich Gedanken um ihn machte, … das er sich vielleicht ein wenig besser fühlte, egal wie kompliziert es zwischen den beiden im Moment war. Sie wollte all das nur nicht das was diese Worte in den nächsten Momenten in ihm auslösen würden. Sein leises 'Bei dir?' bekam Lyanna im ersten Moment gar nicht mit doch sein Blick war glasig, glasig von dem Alkohol und spiegelte all das was Lyanna nicht wollte, besonders nicht das er sich so gegenüber ihr fühlte. Sie konnte sich nicht erinnern, das sie seine Augen je so zornig gesehen hatte. Er setzte die Flasche an seine Lippen, trank den letzten Schluck des Bourbons aus und Lyanna beobachtete ihn dabei. „Elijah …, Ich -“ weiter kam die Dunkelhaarige auch gar nicht als dieser seine Frage wiederholte, diesmal lauter und deutlich wütender während er ein paar Schritte auf die Dunkelhaarige zu ging. Automatisch ging diese einen Schritt zurück. Nicht weil sie Angst vor Elijah hatte, auch wenn seine Wut ihr ein deutliches Unbehagen bescherte und sie die Situation noch nicht ganz einschätzen konnte. Er war betrunken, er kann nichts dafür, er trauert – waren die Gedanken, die Lyanna sich immer wieder in den Hinterkopf rief. Selbst als Elijah eine seiner Medaillen von seiner Brust riss und diese auf das Grab warf versuchte Lyanna weiterhin ruhig zu bleiben. „Es ist okay Elijah ...“ hauchte die Dunkelhaarige. „Vielleicht sollten wir jetzt einfach zurück zum Wagen gehen.“ versuchte sie ihn doch ein wenig zu beruhigen, was nicht zu klappen schien denn die Dunkelhaarige verstummte sofort als Elijah von sich gab das er Lyanna nicht verdient hätte. Woher kam denn dieser Sinneswandel? Lyanna wusste das der Dunkelhäutige betrunken war aber hörte er sich selbst diesen Unsinn reden? Wenn er nur wüsste wie viel der Dunkelhäutige der Dunkelhaarigen nur bedeutete, dann würde er nicht solche Dinge denken, würde nicht solche Dinge im nächsten Moment sagen. Aber vielleicht hatte sie ihr Instinkt nun wirklich getäuscht, vielleicht sprach Elijah auch endlich betrunken die Wahrheit aus, was er wirklich über die Dunkelhaarige dachte. Und Lyanna müsste lügen wenn diese Worte die er nun aussprach ihr nicht das Herz brach, sie so sehr verletzte wie es keine Schuss- oder Pfeilwunde je könnte. „Nein es war keine Lüge … Ich -“ Doch weiter kam die Dunkelhaarige auch hier nicht, denn Elijah ließ ihr keinen Raum zum antworten, er sprach weiter, schien kaum Luft dabei zu holen. Es war schon fast so das sich Lyanna wie eine Gefangene fühlte und mehr als nur einen Vorwurf bombardiert wurde. Dachte Elijah wirklich so über sie? Man konnte der Dunkelhaarigen deutlich ansehen wie die Situation ihr deutlich zu viel wurde in dem sie einen weitere Schritt nach hinten machte, was meist ein deutliches Anzeichen dafür war das Lyanna der Situation entfliehen wollte, doch sie konnte es nicht. Selbst wenn Elijah so war konnte sie ihn nicht alleine zurücklassen, er war betrunken, er meinte die Dinge nicht so wie er sagte, versuchte sie sich immer wieder einzureden. Doch dann kam erst der verletzende Teil als er frei und trocken raus fragte ob sie mit David geschlafen hatte? Gut das hatte sie aber nicht aus den Gründen, die Elijah vielleicht dachte. „Hör auf! Hast du vielleicht eine Ahnung von was du da gerade sprichst?“ versuchte die Dunkelhaarige ihn zu unterbrechen. Man konnte ihr nun deutlich anhören das sie auch wütend war, wütend und vor allem auch verletzt. Elijah war nicht einfach nur irgendjemand für sie gewesen, sonst wäre sie wohl kaum so lange bei ihm geblieben, sonst hätte wäre sie wirklich nach der Aktion im Landhaus gegangen und zwar ohne Zweifel zu haben ob dies richtig oder falsch gewesen wäre oder sie hätte ihn bei den Plündern zurückgelassen. Doch als Elijah dann noch Roan, ihren Exmann mit in dieses mehr oder weniger Gespräch zog verstummte die Dunkelhaarige als hätte man ihr auf Anhieb die Stimmbänder durchgeschnitten. Dieser Vorwurf war schon fast mit einem Schlag ins Gesicht zu vergleichen. Lyanna konnte nichts mehr sagen selbst wenn sie es wollte, Elijah schien ihr dafür nicht die Chance zu geben, geschweige denn ihr zuzuhören. Doch die weiteren Vorwürfe prallten nicht an der Dunkelhaarigen ab, im Gegenteil auch wenn seine letzte Aussage nochmal deutlich schmerzte. Empfand er wirklich so? Wollte er wirklich das sie ging? Warum sagte er ihr das dann nicht verdammt nochmal ins Gesicht? Sie wartete nur darauf. Unter anderem hätte sie Elijah von sich weggestoßen ihm gesagt, das er ein ziemliches Arschloch sei und nicht weiß was er da sagt und das er sie in Ruhe lassen sollte und hätte sich in ihrer schützenden Flucht vor Konfrontationen gerettet. Stattdessen weil sie dies nicht konnte, fühlte sich Lyanna bedrängt durch seine Worte, wie ein Gewitter braute sich diese Wut in der kleinen Frau vor dem Dunkelhäutigen auf. Tränen schossen in die Augen von Lyanna ausgelöst durch Wut und Schmerz, sie wollte ihn anschreien, weglaufen all das, nur das nicht was sie im nächsten Moment tat. Ehe sie sich versah streifte ihre Hand ruckartig seine Wange und Lyanna blickte den Dunkelhäutigen einen Moment deutlich geschockt von dieser Aktion an. Sie hatte ihn … geschlagen. Ehe endlich die Worte aus ihr ausbrachen. „Ich habe auch Leute verloren, Elijah!“ schrie sie den Dunkelhäutigen an und ging endlich wieder einen Schritt auf ihn zu. „Und ich kenne auch ihre Gesichter, ihre Namen und weswegen sie gestorben sind. Wegen mir! Weil ich unfähig bin mich selbst zu schützen!“ fuhr die Dunkelhaarige weiter wütend fort. „Ich dachte wirklich ich könnte da draußen überleben, eine weile alleine sein, nicht verantwortlich dafür sein das jemand wegen mir stirbt oder verletzt wird aber weißt du was passiert ist? Ich wäre fast gestorben und selbst das konnte ich noch nicht mal richtig. David war ein Moment der Schwäche, weil ich dich einfach gott verdammt noch mal aus meinem Kopf raus haben wollte, weil ich … weil du mir so viel bedeutest, mehr als du Idiot dir vielleicht vorstellen kannst.“ Lyanna holte endlich wieder Luft. „Aber ...wenn du bei mir bleibst, stirbst du und ich nicht … und ich weiß nicht was schlimmer ist.“

@Elijah Magoro



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#11

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
01.04.2020 20:52
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Elijah ignorierte jeden ihrer Versuche, ihn in seinem Redefluss zu unterbrechen. Vielleicht lag es am Alkohol, vielleicht an all den Gefühlen, die gerade in ihm tobten. Vielleicht, weil er wusste, dass Lyanna wieder vernünftig sein würde, ihre Worte sinnvoll wären und sich dadurch die ganze Situation lösen ließe. Doch er wollte schreien, er wollte toben, irgendwie musste er den Gefühlen Luft machten. Und er sah gerade keinen anderen Weg, als einfach die Wut rauszulassen und leider musste Lyanna das ganze ertragen. Und kaum waren die letzten Worte heraus, wollte er sie am liebsten nehmen und wieder zurück in seinen Mund stecken. Wow. Diese Worte waren wirklich unter der Gürtellinie gewesen. Er sah ihre Augen, diesen entsetzten Blick, als er Roan erwähnt hatte. Ja, das war wohl der tiefste von allen Schlägen gewesen. Ihr Blick, dieser traf ihn wie ein Baseballschläger, dann sah er wie sich tränen in ihren Augen sammelten und er fühlte sich wie der schlechteste Mensch der Welt. Aber gleichzeitig war er einfach immer noch so verdammt wütend! Er erwiderte ihren Blick, zwei zornige Blicke trafen aufeinander und dann passierte etwas, mit dem Elijah gar nicht gerechnet hatte. Sie klatschte ihm eine. Heiß spürte er den Aufprall ihrer flachen Hand auf seiner Wange, dann war ihre Hand weg und das heiße Gefühle wurde noch intensiver. Ruckartig hatte es ihm den Kopf zur Seite gerissen und er starrte auf die Erde neben sich. Konnte es nicht fassen. Hatte sie das gerade wirklich getan? War sie etwa handgreiflich geworden? Bei ihm? Es war, als hätte jemand Elijah einen Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf geschüttet. Keinen Centimeter bewegte er sich, starrte nur den Boden an, hörte ihre Worte zwar, aber nahm sie nicht richtig wahr. Er wandte den Blick langsam vom Boden, sah Lyanna wieder an, folgte mit dem Blick den Bewegungen ihrer Lippen.
“… David war ein Moment der Schwäche…“, war alles, was er hörte. Ein Moment der Schwäche? Sollte das etwa bedeuten…? Hieß das…? Hatte er sich all die Gedanken auf der Fahrt hierher und gerade eben komplett umsonst gemacht? War er nicht so ein großer Idiot wie er dachte? Gut, der Idiot war er trotzdem, denn er hatte sie gehen lassen. Aber scheinbar hatte er sie nicht vollkommen verloren. Außer jetzt, durch sein vollkommen dummes verhalten.
Sein Blick war noch immer auf ihre Lippen gerichtet, er sah, wie sie Luft holte und noch einen Satz sagte, dann verstummte sie. Sein Blick wanderte nach oben zu ihren Augen, die so wütend funkelten, ganz anders als seine nun. All die Wut, es war, als hätte sie diese mit ihrer Ohrfeige weggeschlagen. Diese Ohrfeige gerade war wohl die beste Idee der kleinen Frau vor ihm gewesen. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, die er sie nur anstarrte, dann glitt sein Blick wieder hinunter auf ihre Lippen. Der Drang wurde immer größer und dann konnte er ihm nicht mehr standhalten. Lyanna stand noch immer einen Schritt von ihm entfernt, dass sie ihn überhaupt erwischt hatte, grenzte schon eigentlich an eine Unmöglichkeit, aber Lyanna schaffte bei Elijah öfter Dinge, die er für unmöglich gehalten hatte. Sein Herz schien in seiner Brust zu explodieren, er hörte sein Blut in den Ohren rauschen und hätte er nicht Lyanna vor sich gehabt und ganz genau gewusst, was er jetzt tun wollte, hätte er wohl gedacht, er hätte einen Herzinfarkt.
Nach einer gefühlten Ewigkeit des Anstarrens, hob er eine Hand und legte sie an ihr Kinn, fuhr mit dem Daumen sanft über das Kinn und ihre Unterlippe. Er hoffte wirklich, dass das hier nicht ein noch größerer Fehler war, als sie anzuschreien. Dann machte er einen kleinen Schritt nach vorne und neigte den Kopf, während er ihren sanft mit der Hand an ihrem Kinn in den Nacken legte. Einen Moment verharrte er mit seinen Lippen kurz bevor sie ihre berührten, atmete ihren herrlichen Luft ein, genoss diesen Moment der Erwartung und dieser Spannung, die immer zwischen ihnen war, wenn sie sich so nahe waren. Als er es nicht mehr aushielt, überbrückte er den letzten Centimer und legte seine Lippen auf ihre, sanft, schon fast keusch zunächst, tastete sich ran. Dann löste er sie wieder, öffnete die Augen, die er reflexartig geschlossen hatte und sah Lyanna an. Sie machte nicht den Anschein, ihn wegstoßen zu wollen, schien aber auch noch nicht so ganz überzeugt von seinem Kuss. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, dann presste er sie wieder auf ihre, kräftiger diesmal, gefühlvoller, entschuldigender. Und es war, als würde jeder Damm in Elijah brechen. Der reißende Fluss der Gefühle war wieder da, der durch ihre Ohrfeige so pausiert worden war. Aber da war jetzt keine Wut mehr, kein Zorn. Trauer ja, diese würde er wohl aufgrund des Ortes, an dem sie sich gerade küssten, noch haben, aber auch diese unglaubliche Erleichterung. Dieses Gefühl der Leichtigkeit, die ihm Lyannas Nähe immer gab. Dieses Gefühl von Freiheit. Und wie verdammt er es vermisst hatte. Jeden Tag, wenn er aufwachte, nachdem er von ihr geträumt hatte, er ihren Duft wieder in der Nase hatte, das war der schlimmste Moment. Wenn der Duft verflog, die Erinnerung an sie so klar und deutlich war und dieses Gefühl, dass er im Traum so real empfunden hatte, langsam verschwand. Doch jetzt, jetzt war sie hier und es verschwand nicht direkt. Meistens war er aufgewacht, wenn er im Traum Lyanna geküsst hatte, ihr sehr nahe war, deswegen war ihr Duft auch immer so deutlich in seiner Nase gewesen. Nun war der Duft aber wie eine Explosion, sie war hier, in der Realität und nicht nur in seinem Traum. Er konnte es kaum glauben.
Nach dem zweiten Kuss, der deutlich emotionaler war und ihn den Atem anhalten ließ, löste er sich und lehnte seine Stirn gegen ihre, schloss die Augen, atmete einfach nur tief ein, inhalierte ihren Duft schon fast wie ein Erkälteter den Salbei. Er wollte, dass dieser Moment nie endete.
„Es tut mir leid“, sagte er dann leise, änderte seine Position aber nicht. Seine Hand wanderte nur von ihrem Kinn an ihre Wange, die andere Hand war schon während des Kusses zu ihrer Hüfte gewandert. Nicht, um sie näher heranzuziehen, etwas Erotisches hatte dieser Kuss nicht gehabt. Man könnte ihn wohl als einen durch und durch romantisch emotionalen Kuss bezeichnen. Sondern einfach um sie zu berühren. Um sicherzustellen, dass dies hier nicht wieder nur einer seiner Träume war.

@Lyanna Lockhart





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#12

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
04.04.2020 13:15
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

Lyanna stand selbst einfach nur schweigend da als sie den Dunkelhäutigen geohrfeigt hatte. Auch wenn sie von sich selbst geschockt war, war die Wut stärker, blitzte stärker durch ihre Augen auf als der Schock. Ihre Hand, mit welcher sie Elijah geschlagen hatte, zitterte, ganz leicht. Sie kribbelte als würden ihr gerade tausende von Volt Strom ihre Nerven verlassen. Aber das Schlimmste an der ganzen Sache war, das Elijah nichts sagte. Er war vollkommen still, als hätte die Dunkelhaarige ihn für einen Moment aus seiner Wut herausgeholt. Sicher hatte sie das, er hatte sicherlich nicht damit gerechnet das die junge Frau vor überhaupt zu so etwas in der Lage war, Lyanna glaubte es ja selbst immer noch nicht, obwohl es gerade passiert war. Aber hatte er auch wirklich gedacht, er könnte all diese sehr verletzenden Worte sagen ohne eine Konsequenz daraus zu ziehen? Auch wenn der Dunkelhaarigen es deutlich lieber gewesen wäre, sie wäre einfach in Tränen ausgebrochen und hätte ihm nicht einfach so eine geklatscht. Die Dunkelhaarige hatte noch nie so auf einen Konflikt reagiert, wenn es darum ging würde Lyanna auf keinen Konflikt reagieren. Menschen brachten nicht immer nur das Gute in einem heraus, manchmal war es auch das genaue Gegenteil. Elijah hatte sie so mit seinen Worten eingeengt, das ihr Kopf wohl das als einzigen Ausweg sah, sich wieder von dieser unangenehmen Situation zu lösen, das ihr Stolz und ihr geknicktes Ego dabei eine Rolle spielten, war eher gering und nebensächlich. Ihr Unterbewusstsein schrie nach wie vor das sie einfach gehen sollte, was die junge Frau zu oft tat aber diesmal, selbst wenn die Stille so erdrückend war, konnte sie es nicht und sie wollte es auch nicht. Sie wollte genau hier sein und nicht weglaufen, diesmal nicht. Doch diese Stille, diese verdammte Stille war schon fast so ähnlich als würde man Lyanna die Luft zum Atmen rauben. Doch sie zu unterbrechen, das konnte die Dunkelhaarige im Moment nicht. In ihr tobte eine menge an Wut und sie hatte die Befürchtung, wenn sie diesen nur aufmachen würde, würde diese Situation nicht gut ausgehen. Wie konnte ein Mensch, für den sie so viel empfand sie auch gleichzeitig so verdammt wütend machen? Sicher war Lyanna wütend über seine Worte, welcher normale Mensch wäre das nicht aber sie war auch wütend auf sich selbst, darüber das er vielleicht auch mit diesen Worten recht hatte, wütend darüber das er einfach mitten in einer Apokalypse ganz allein hier hin wollte und sich betrank, wütend darüber das er sich so leichtsinnig in Gefahr gebracht hatte. Elijah blickte die Dunkelhaarige nun wieder an, sagte aber immer noch nichts. In seinen Augen war keine Spur mehr von Wut, ganz im Gegensatz zu Lyanna's Augen Vielleicht war er wirklich gerade am überlegen wie er Lyanna am besten sagte das sie sich verziehen konnte. Schließlich passierte etwas. Er hob seine Hand und … legte sie an ihr Kinn,strich sanft über ihre Unterlippe, diese vertraute Berührung. Ja Lyanna hätte mit allem gerechnet, das Elijah seinen wütenden Redefluss fortsetzte oder ihr sagte das sie verschwinden soll aber nicht damit was noch kommen würde. Nun zu mindestens hätte das Lyanna wohl getan also entweder war der Dunkelhäutige wirklich verdammt betrunken oder er hatte nun endgültig seinen Verstand verloren. … Vielleicht auch beides. Doch als er seinen Kopf neigte und ihren sanft in ihren Nacken legte und dieser ihr dann bereits näher kam, wusste die Dunkelhaarige bereits was passieren würde, doch sie stieß ihn nicht weg. Egal wie wütend sie im Moment war, sie war immer noch Lyanna, die diesen verdammten Idioten vor sich liebte. Und als die Anspannung kaum auszuhalten war überbrückte er endlich die letzten Zentimeter, ließ die Dunkelhaarige endlich seine Lippen auf ihren spüren. Sein Kuss war sanft, schon fast keusch, als müsste er sich heran tasten, als müsste er erst testen wie Lyanna's Reaktion ausfiel, ob sie ihm vielleicht noch eine klatschen würde, ob sie das hier überhaupt wollte. Natürlich hatte sie es gewollt, wenn er wüsste wie sehr sie sich danach gesehnt hatte, nach ihm. Nur hatte sich Lya die Situation anders vorgestellt und wohl einen anderen Ort gewählt. Lyanna selbst wusste erst nicht ganz recht wie sie auf den Kuss reagieren sollte, da war immer noch diese Wut, nun vermischt mit tausend anderen Gefühlen und der Verwirrung das er das nun eben getan hatte, weswegen sie nicht wirklich auf den ersten Kuss reagierte. Und dann war auch dieser schon vorbei und Lyanna blickte den Dunkelhäutigen nur an ehe die Wut wieder zurück kam. War es sein verdammter Ernst gewesen? Hatte er wirklich gedacht, er könnte sie einfach küssen und alles wäre wieder okay?! Und ehe Lyanna weiter nachdenken konnte presste der Dunkelhäutige erneut seine Lippen auf ihre, diesmal kräftiger und deutlich gefühlsvoller und ehe sie sich versah spürte sie schon nicht mehr diese aufsteigende Wut in ihr, was dazu führte das Lyanna ihre Augen schloss und endlich reagierte. Man konnte deutlich spüren, wie sich ihre angespannte Haltung löste und sie den Kuss erwiderte. Sie konnte das Aroma das Bourbons wahrnehmen, als hätte sie selbst davon getrunken . Und Lya fühlte sich einen Moment lang wie betrunken, nur nicht von Alkohol … . Ja sie konnte ihn küssen und alles war wieder okay. Wie kaputt, die Dunkelhaarige doch war … aber wenn sie in Elijah's Nähe war, dann war sie das irgendwie auch nicht. Auch so sehr sie sich nach seiner Nähe gesehnt hatte und ihn am liebsten einfach weiter küssen würden, befanden sie sich immer noch an einem eher traurigen Ort, sie hatte nicht vergessen weswegen sie oder eher gesagt Elijah hier war. Doch dann löste der Dunkelhäutige bereits wieder den Kuss und Lyanna vermisste schon dieses Gefühl auf ihren Lippen, doch er löste sich nicht ganz von ihr. Die Dunkelhaarige öffnete nur langsam ihre Augen als sie seine warme Stirn an ihrer spürte während seine Hand, die eben noch an ihrem Kinn ruhte zu ihrer Wange hochfuhr. Lyanna konnte nicht beschreiben wie sehr, sie dies mochte. Seine leise Entschuldigung ließ die Dunkelhaarige nur ausatmen ehe sie mit ihrer Hand zu seiner Hand an ihrer Wange hochfuhr. Doch anstatt diese von sich weg zu nehmen, umklammerte sie nur diese und strich mit dem Daumen sanft über seine Haut. „Ich wusste nicht das du so ein verdammtes Arschloch sein kannst.“ hauchte die Dunkelhaarige. „Alkohol ist wirklich Gift für dich.“ sprach die Dunkelhaarige leise weiter und schloss einen Moment die Augen und blieb einen Moment ruhig ehe sie diese wieder öffnete. „Mir tut es auch Leid.“ sprach dann die Dunkelhaarige wieder. „Mir tut es Leid, das ich wirklich dachte es würde alles besser verlaufen, wenn ich verschwinde.“ Ihr Blick glitt kurz zu Boden ehe sie ihre Hand von seiner löste und beide nun an seine Wangen legte. „Wenn du es immer noch willst … das ich bei dir bleibe, dann … dann gehe ich mit dir. ..Aber das geht nicht heute und vielleicht auch nicht morgen, lass mir ein paar Tage Zeit noch ein paar Dinge zu regeln … okay?“ hauchte die Dunkelhaarige wieder. Lyanna wollte dies, sie wollte dies wirklich, womöglich hatte sie auch nichts anderes gewollt. Sicher war sie hier vielen Menschen etwas schuldig und ihnen auch dankbar aber musste sie dafür wirklich ihr Leben verpflichten? Die Dunkelhaarige schnaufte nur wieder sanft in dem sie sich langsam von dem Dunkelhäutigen löste ehe der erste Tropfen vom Himmel hinabfiel, direkt auf den Kopf der Dunkelhaarigen, was sie kurz nach oben blicken ließ. „Lass uns nun gehen.“ lächelte Lyanna nur schwach und sah Elijah nur kurz hinter her wie er seine Sachen wieder in seinem Rucksack verstaute. Lya selbst nahm ihren Rucksack wieder auf den Rücken ehe sie zu dem Grab ging an dem Elijah noch eben vor wenigen Minuten gestanden hatte. Mit einem flinken Griff hatte sie die Medaille wieder aufgehoben, die Elijah von seiner Uniform gerissen hatte. Sanft strich sie mit ihren Daumen, den Schmutz der Erde runter ehe sie, sie unbemerkt einsteckte. Sie würde sie Elijah wieder zurückgeben. Lya's Blick glitt wieder zu Elijah als dieser soweit war, ehe ihr Blick nochmal kurz zu den Gräbern schwiff ehe sie dann voraus ging. „Komm schon … wenn ich gleich nass werde, werde ich echt mega sauer sein.“ sprach sie nur, mit deutlich sarkastischem Unterton. Auch wenn Lyanna wirklich wenig Lust darauf hatte gleich klatschnass durch den Regen zu werden und sich sonst irgendwas durch die noch kältere Temperaturen einzufangen. Man hatte ja gesehen was es ihr im Winter gebracht hatte … .

@Elijah Magoro



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#13

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
04.04.2020 21:23
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Der Dunkelhäutige behielt die Augen geschlossen, nahm alles über seine anderen Sinne wahr. Manchmal war der visuelle Sinn nicht der wichtigste. Jemanden mit seinem Geruch, seiner Nähe, seiner Berührung wahrzunehmen war nochmal etwas komplett anderes, als jemanden nur anzusehen. Und Elijah hatte das Gefühl, wenn er Lyannas Duft in der Nase hatte, ihre Hand spürte, die sich auf seine legte, dass er ihr so viel näher war, wie, wenn er sie jetzt ansehen würde. Er spürte, wie sich ihre Hand um seine schloss, einen Moment hatte er schon Angst, sie könnte seine Hand wegnehmen, reagierte nicht so, wie er es gehofft hatte. Aber sie hatte ihn nicht weggestoßen! Auf den zweiten Kuss war sie sogar eingegangen, das hatte er deutlich gespürt. Sanft fühlte er ihren Daumen über seine Hand streichen, dass ließ ihn dann doch die Augen öffnen. Ihre Stirn an seiner, dieser Blick aus ihren wunderschönen Augen, am liebsten würde er sie sofort wieder küssen, mehr als nur küssen. Aber sie waren noch immer auf einem Friedhof, umringt von den Gräbern seiner gefallenen Kameraden, dies war definitiv nicht der Ort dafür.
Ihre Worte, die nach seiner leisen Entschuldigung nun endlich kamen, nicht mehr wütend oder zornig, sondern ebenso leise und sanft wie seine, ließen ihn kurz schnauben. Er ein Arschloch? Dass ihr das noch nicht vorher bewusst war. Aber er war noch nie ein Arschloch ihr gegenüber gewesen, das war etwas Neues, da hatte sie Recht. Eine Antwort gab er ihr nicht, er wusste nicht wie, was sollte er dazu sagen? Er wollte solche Worte nie wieder zu Lyanna sagen, Ende. Und er schwor sich in diesem Moment dies auch nie wieder zu tun. Nie wieder wollte er sie so verletzen und so in die Ecke drängen, dass ihr kein anderer Ausweg mehr offen stände, als ihn zu ohrfeigen. Auch, wenn er definitiv zugeben musste, dass Lyanna kräftigere Ohrfeigen verteilen konnte, als er geglaubt hatte.
Auf ihre Worte, wollte er schon sagen, dass sie sich nicht zu entschuldigen brauchte, doch er schwieg wieder, ließ sie reden, wollte sie nicht unterbrechen. Er spürte ihre Hände an seinen Wangen, schloss die Augen, schmiegte sich an ihre weiche Haut. Bei Gott, er könnte ewig hier stehen und einfach nur ihre Hände an seinem Gesicht spüren, es fühlte sich an, wie von einem Engel berührt zu werden. Gab es etwas Schöneres?
Dann öffnete er seine Augen, sah sie an.
„Ein paar Tage“, wiederholte er und griff mit seinen Händen nun an ihre an seinen Wangen, zog sie sanft herunter, hielt sie aber noch fest, „Ein paar Tage sind okay. Aber glaub nicht, dass ich dich nochmal aus den Augen lasse…“
Er lächelte sanft, doch dies war eine wahre Aussage. Ja, er wollte, dass sie mit ihm kam. Ja, er wollte, dass sie zusammen mit ihm im Clubhaus lebte. Seine Schwester würde Lyanna lieben, alle würden die junge Frau lieben. Doch niemand so sehr wie Elijah. Und er würde sie bei allem unterstützen, dass sie noch zu regeln hatte, wenn sie das denn wollte.
Dann blickte Lyanna in den Himmel hinauf und Elijah tat es ihr gleich. Die ersten Tropfen fielen, es war wohl besser, wenn sie gingen. Er nickte zu ihren Worten und ging hinüber zu seinem Rucksack. Er ließ eigentlich alles so wie es war, die Flagge würde bleiben wo sie war, solange die Apokalypse dies zuließ. Sie sollte so lange wie möglich für seine Kameraden wehen und ihnen Ehre erweisen. So wie Elijah es immer tun würde, solange er noch lebte. Doch jetzt anders, mit einem weniger schweren Herzen. Innerlich nahm er sich vor jedes Jahr, wenn es möglich war, an diesem Datum hierher zu kommen und ihnen zu salutieren. Aber vielleicht würde er sich nicht jedes Mal die Kante geben. Sow wie gerade. Kaum hatte er sich von Lyanna abgewandt, spürte er den Alkohol wieder sehr deutlich und grinste über sich selbst. Er war doch so ein Idiot und dennoch hatte sich alles so gefügt, wie er es sich erträumt hatte. Lyanna war wieder in seinem Leben und er hatte das Gefühl ein leichteres Herz zu haben. Diese Last, dieser tiefe Schmerz über den Verlust seiner Kameraden… er war weg.
Also packte er die Box und die beiden Bourbon Gläser zurück in den Rucksack, ebenso die weißen Handschuhe und schulterte seinen Rucksack. Er blieb einen Moment stehen, betrachtete noch einmal alle Gräber, ein trauriges Lächeln auf den Lippen.
„Ihr seid in Ehre gestorben Brüder. Und ich lebe in Ehre weiter“, murmelte er dann leise zu sich selbst, legte eine Hand auf den nächsten Grabstein und schloss einen Moment die Augen, atmete tief ein und aus. Dann nickte er, salutierte ein letztes Mal und wandte sich bei Lyannas Worten dann um.
„Ja. Lass uns gehen. Ich bin hier fertig“, er lächelte sie ebenfalls an, eine Mischung aus Trauer und Erleichterung in seinen Augen, dann ging er wieder voraus. So gerne er ihre Hand jetzt genommen hätte, er kannte den Weg, er würde sie zurück zum Wagen führen. Dennoch spürte er den Alkohol, besonders als sie auf den Weg liefen und er atmete tief durch. Puh, eine dreiviertel Flasche Bourbon, das war schon eine Menge. Und jetzt, wo all die Trauer langsam von ihm abfiel, kam ein entspannter und erheiterter Elijah zum Vorschein.
„Es ist schon erstaunlich, dass hier keine Beißer sind. Warum wohl die beerdigten Leute hier zu keinen Beißern geworden sind?“, fragte er nach einer Weile, eigentlich stellte er die Frage mehr in den Raum. Je näher sie dem Ausgang des Friedhofes kamen, desto leichter wurde Elijah ums Herz und als sie den Hügel hinabliefen, ließ er ein letztes Mal den Blick über den Friedhof schweifen. Dann wandte er sich ab und ließ damit endlich dieses Kapitel in seinem Leben hinter sich.

@Lyanna Lockhart





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#14

RE: Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
04.04.2020 23:24
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

Lyanna konnte nicht anders als zu lächeln und dann schließlich zu nicken bei seinen Worten das er sie nicht mehr aus den Augen ließe und ihr die paar Tage Zeit gab ihre Dinge noch in der verbliebenen Kolonie zu regeln. Das bedeutete Lyanna viel, mehr als sich der Dunkelhäutige vielleicht vorstellen konnte, denn gleichzeitig zeigte er ihr auch damit das er sie nach wie vor bei sich haben wollte, das er sie weiterhin in seinem Leben haben wollte und der Dunkelhaarigen erging es genau so und das wurde ihr hier umso stärker bewusst. Es war doch schon komisch gewesen was ein Friedhof, eigentlich ein Ort der Trauer, der absolut nichts mit Romantik zu tun hatte mit zwei Menschen anstellen konnte. Auch wenn Elijah's verletzende Worte sie schon hart getroffen hatten, hatte eine Diskussion darüber im jetzigen Moment weniger Sinn, sie wollte nicht das schöne Gefühl was sie mit Elijah hatte direkt wieder zerstören und zum anderen war der Dunkelhäutige nicht unbedingt in seiner klarsten Verfassung. Und mit einem Betrunkenen zu diskutieren war genau so erfolglos einem Kind zu sagen, das es keine Unordnung machen soll. Die Dunkelhaarige wartete nur bis Elijah seinen Rucksack auf seinen Rücken zog, dann lief sie auch schon einige Schritte vor aber immer so das der ehemalige Soldat sie immer im Blick hatte, weswegen die Dunkelhaarige nicht mitbekam wie Elijah sich von seinen Kameraden ein letztes mal verabschiedete und dann Lyanna schließlich folgte. Sie liefen den Pfad wieder zurück, liefen zu dem Gebäude, an dem das Gemälde des Phönix immer noch den ganzen Friedhof erhellte, die Stufen hinunter. Lyanna blickte immer mal wieder zu dem Dunkelhäutigen zurück. Ein Außenstehender würde nicht unbedingt erkennen das der Soldat auf Anhieb betrunken wäre, er konnte durchaus noch gehen ohne groß hin und her zu schwanken, das Lyanna Angst haben musste das er fallen könnte, aber man konnte dem Ex Soldaten deutlich ansehen das er eine deutlich … lockere und entspanntere Haltung an sich hatte. Ob dies wirklich nur an dem Alkohol lag oder auch an der Tatsache das er sich von seinen Kameraden endlich verabschieden konnte .. nun darüber konnte man diskutieren. Mittlerweile nieselte es vom Himmel, kein wirklicher Regen aber dennoch würde dieser nicht mehr lange auf sich warten lassen. Erst als sie den Hügel wieder herunterliefen unterbrach Elijah wieder die Stille. Lyanna musste einen Moment lächeln. Es war recht ungewöhnlich das Elijah einfach seine losen Gedanken oder Fragen einfach so in den Raum stellte. Etwas was sie von ihm nicht gewohnt war, aber auch nichts was die Dunkelhaarige störte. Irgendwie mochte sie das sogar. Sie mochte es einfach das es sich wieder anfühlte wie Früher. „Nun … ich kann mir vorstellen das von den meisten die schon länger unter der Erde liegen nicht mehr viel übrig ist das daraus ein Untoter entstehen könnte.“ fing die Dunkelhaarige an. „Oder sie sind zu Beißern geworden und alle eingesperrt in ihren Särgen mit dem deutlichen Gewicht von Erde obendrauf. ...Das stelle ich mir unangenehm vor aber ich schätze es ist besser so. Keiner ist scharf darauf die Toten wieder auszugraben.“ Die junge Frau blickte bei ihrem letzten Satz zu dem Dunkelhäutigen zurück ehe sie ihren Blick wieder geradeaus richtete. „Hör mal wenn wir bei dem Krankenhaus angekommen sind, überlässt du mir lieber das Reden. Die Leute sind nicht die Schlimmsten .. aber sie sind ziemlich misstrauisch, was man ihnen nicht verübeln kann.“ Lyanna verschränkte nur ihre Arme. „Als wir uns wiedergetroffen haben waren wir nicht nur zum Töten von Zombies da, wir hielten auch Ausschau nach … jemanden.“ erzählte sie weiter. „Bevor diese Leute mich fanden, hatten sie hier ziemliche Probleme gehabt mit einer andere Gruppe. Irgendwelche religiösen Fanatiker die sich wohl gegenseitig brandmarken, so kann man sie jedenfalls erkennen. Jedenfalls kannst du dir vorstellen das es auf beide Seiten deutliche Verluste gab aber letztendlich konnten sie sie vertreiben, zu mindestens glauben sie das. Owen, der Anführer hat natürlich Bedenken das sie zurückkommen könnten und auf Rache aus sind. Und man kann es diesen Leuten auch nicht verübeln. Hätte Owen sie nicht am Schluss alle über einen Haufen abgeknallt, müsste er vielleicht keine Angst davor haben.“ atmete Lyanna nur aus. Sie wollte das Elijah es weiß auch wenn diese Informationen vielleicht wenig für ihn brachte, wollte sie damit auch bezwecken das Elijah vielleicht diese Leute auch ein Stück verstehen konnte, sollten sie dem Dunkelhäutigen vielleicht abgeneigt sein. Sie könnte Elijah wohl unbemerkt eine Nacht hereinschmuggeln aber sie würde es Owen dann schon am nächsten Morgen sagen, sie hatte sowieso einiges mit ihm zu besprechen, das er über ihr Abhauen nicht begeistert sein wird, dachte sich Lyanna bereits. Der Weg zum Wagen war zum Glück nicht weit gewesen, spätestens als sie unten ankamen, mussten sie nur noch über den Fluss und ein paar Schritte durch eine Gasse wo dann der Wagen immer noch unberührt stehen sollte. Als sie beim Fluss ankamen, nahm Lya ein wenig Anlauf und sprang wieder auf die Autos. Der Nachteil war, durch den nieselnden Regen war es deutlich rutschiger als vorhin. „Pass auf.“ warnte die Dunkelhaarige nur und lief mit vorsichtigen Schritten zu dem nächsten Auto rüber, während sie nur aus dem Augenwinkel sah wie Elijah ebenso auf die Autos sprang. Die Dunkelhaarige dachte sich nichts dabei als sie plötzlich hinter sich schnell, hintereinander tretende Schritte wahrnahm und als sie sich umwandte blieb ihr nur das Herz stehen. Denn Elijah schien für einen kurzen Moment sein Gleichgewicht zu verlieren und als sie ihn schon vor ihrem geistigen Auge in den Fluss fallen sah und ehe sie reagieren konnte fing der Dunkelhäutige sich wieder gerade als Lya zu ihm laufen konnte und ihn an seinen Arm packte. „Verdammte Scheiße! Willst du etwa das ich mich zu Tode erschrecke?!“ fragte die Dunkelhaarige aufgebracht, mehr durch Angst als durch Wut. Gar nicht vorzustellen wie schwierig sich die Situation gestalten hätte, wäre er wirklich in den reißenden Fluss hineingefallen. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. „Ich bin ja wohl die Letzte, die dir da wieder heraushelfen kann.“ seufzte die Dunkelhaarige und nahm den Dunkelhäutigen einfach an die Hand und zog ihn wieder mit sich. Zu mindestens bis sie am anderen Ufer wieder waren und sie seine Hand loslassen konnte, ohne das er irgendwie auf irgendeine wundersame Weise doch noch in den verdammten Fluss fallen konnte. Jetzt waren sie wieder in deutlich gefährlicherem Gebiet, das Stöhnen der Zombies war wieder von weitem zu hören, doch noch ging keine Gefahr aus. Die junge Frau hoffte einfach nur das sich wirklich niemand an den Wagen gewagt hatte, zu mindestens niemand lebendiges. Lyanna hatte sich mittlerweile auch von dem Schreck wieder erholt als sie durch die Gasse liefen und tatsächlich der Wagen noch so da stand, wie Elijah ihn abgestellt hatte. Lyanna blieb nur stehen und drehte sich zu Elijah um und streckte ihre Hand aus. „Ich fahre.“ lächelte die Dunkelhaarige nur knapp und legte den Kopf schief. „Nur weil hier draußen keine Gesetze herrschen lasse ich doch keinen Betrunkenen ans Steuer... außerdem kenne ich mich hier besser aus vergessen?“ Zu dem würde sie auf keinen Fall da locker lassen also wartete sie schön geduldig bis ihr Elijah den Schlüssel aushändigte ehe sie sich mit einem Lächeln bei ihm bedankte und schon fast aufgeregt zu dem Wagen lief. Lyanna stieg nur elegant in den Wagen und verstaute ihre Sachen nach hinten, wartete bis der Dunkelhäutige sich mehr oder weniger auf den Beifahrersitz zu ihr fallen ließ. Es war nicht so dass das ganze die Dunkelhaarige schon ein wenig amüsierte. Aber Elijah war ja auch selbst Schuld an diesem Zustand, auch wenn die junge Frau es nachvollziehen konnte weswegen er es tat, wollte sie sich immer noch nicht ausmalen was wäre wenn er wirklich alleine gewesen wäre. Lyanna drehte nur den Schlüssel um und ließ den Motor starrte, wie eine typische Amerikanerin brauchte sie eben kurz bis sie wirklich den Gang drinnen hatte, sie war es einfach nicht gewöhnt. Das damals im Landhaus war wohl einfach eine andere Situation, da musste es schnell gehen, da war Elijah verletzt gewesen und sie hatte nicht groß nachgedacht. Hier war es doch ein wenig anders. Und dann fuhren sie los, gerade noch zum richtigen Zeitpunkt als es stärker zu regnen anfing. „Ich weiß noch gar nicht was du über den letzten Winter getrieben hast.“ stellte Lyanna schließlich fest und ließ ihren Blick kurz zu Elijah gleiten. „Ganz untätig … warst du ja sicherlich nicht.“ hauchte Lyanna schon fast. Natürlich war der Dunkelhaarigen nicht entgangen das Elijah ordentlich an Muskelmasse zugelegt hatte. Nicht das sie das störte. Jede Frau wäre wohl verrückt wenn sie dies stören würde. Aber dennoch änderte es nichts an der Tatsache das bisher nur Elijah wusste was Lyanna dem Winter über passiert war.

@Elijah Magoro



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#15

RE: Nationalfriedhof Arlington

in
WASHINGTON D.C.
05.04.2020 10:35
von Elijah Magoro | 511 Beiträge

Elijah hatte sich schon lange nicht mehr so entspannt und gut gefühlt wie gerade eben. Ob das nur an dem Alkohol lag, den er in dieser kurzen Zeit in sich geschüttet hatte, oder auch an der Tatsache, dass er sich von seinen Kameraden endlich verabschiedet hatte und die Frau seiner Träume wieder an seiner Seite war, konnte er nicht sagen. Vermutlich war es eine Mischung aus allem, die seine gute Laune ausmachte. Als sie langsam die Gräber seiner Kameraden hinter sich ließen und zurück zum Grabmal der Unbekannten kamen, lächelte Elijah. Ja, die Vorstellung, dass dieses Grabmal nun ein Wahrzeichen für alle in der Apokalypse gestorbenen war, gefiel ihm gut und in Gedanken bedankte er sich bei der Person, die den Phoenix und die Worte dort hingeschrieben hatte. Es bedeutete ihm mehr, als er zunächst erwartet hatte. Es hieß aber auch, dass er nicht der einzige war, der sich an all die Toten erinnern wollte, die schon nicht mehr unter ihnen weilten, weder lebendig noch untot. Sie schwiegen den Großteil des Weges durch den Friedhof, Elijah ließ den Blick über die moosbewachsenen, von der Natur zurückeroberten Grabsteine gleiten, die dennoch ihren Glanz und ihre Würde nicht verloren hatten. Man konnte die Hügel, unter denen sich die Grabsteine nun befanden sehr deutlich sehen, konnte erahnen wie verdammt viele Menschen hier doch begraben waren. Und wie verdammt viele Menschen hier schon vor der Apokalypse gestorben waren, für ihr Vaterland und dessen Ehre. Er wusste, dass Lyanna es nicht verstehen konnte, weshalb der Dunkelhäutige es als eine solche Ehre empfand, wie seine Kollegen gestorben waren. Für sie und für viele Leute in der Bevölkerung vor der Apokalypse war die Army vollkommen sinnlos, eine einzige Vernichtungsmaschine für Menschenleben. Der Krieg im Nahen Osten, war nicht der Krieg der USA. Natürlich nicht, aber ihr Land hatte die Mittel dazu. Konnte helfen, wo andere nicht helfen konnten. Und für Elijah hatte jedes Menschenleben gezählt, dass er hatte retten können. Ja, die USA war dort unten natürlich auch interessiert mächtig zu werden, genauso wie Russland oder China. Doch die dort ansässigen Terrororganisationen hatten genau die gleichen Intentionen und gaben dabei aber einen Scheiß auf die Bevölkerung. Wenn Elijah aber durch seine Anwesenheit dort unten das Leben einer einzigen Frau, eines einzigen Mannes, eines einzigen Kindes gerettet hatte, dann sollte ihm das Recht sein. Denn, dann hatte es sich schon gelohnt, sein Leben dafür zu riskieren. Aber diese Gedanken würde vermutlich niemand verstehen, der nicht schon mal dort unten war, in der Realität gesehen hatte, was dort abgegangen war. Deswegen ging er auf solche Diskussionen nie ein, akzeptierte einfach die Meinung dieser Leute. Wäre er kein Soldat und nicht dort unten gewesen, er würde vermutlich genauso denken.
Als sie dann den Rand des Friedhofs erreichten, stellte Elijah eine Frage in den Raum. Ungewöhnlich für ihn, einfach so seine Gedanken zu sagen, da er ja sonst eher der schweigsame Typ war. Es nieselte, Elijah war ganz froh über den Hut seiner Uniform, so wurde immerhin sein Kopf nicht direkt nass. Doch ihn störte Regen recht wenig, beziehungsweise jegliches Wetter war ihm egal. Ein Soldat musste mit jedem Wetter zurechtkommen.
Sein Blick wanderte auf Lyannas Rücken, sie lief noch immer vor ihm, er trottete ihr einfach wie ein Packesel hinterher. Dann sah sie über die Schulter zurück zu ihm und ihm stockte kurz der Atem. Verdammt, hatte sie immer so eine Wirkung auf ihn, oder lag das diesmal wirklich am Alkohol, dass der Friedhof um ihn herum sich kurz zu drehen begann.
„Ich schätze du hast Recht“, antwortete er mit rauer Stimme und schüttelte kurz den Kopf, wollte diesen Schwindel loswerden. Das funktionierte auch und er machte ein paar Schritte vor, sodass er nun neben ihr Stand. Sein Blick folgte ihrem, der den Hügelrunter über den Fluss glitt, aber nicht zu ihm. Ihre Worte waren ehrlich und Elijah nickte, grinste dann, „Religiöse Fanatiker? Die sich gegenseitig brandmarken? Puh, solang es nicht diese Leute sind von früher, die immer von Tür zu Tür gezogen sind um mit einem über Gott und Jesus zu sprechen, kann es nicht schlimmer sein. Ob es die noch gibt? Ob sie auch in der Apokalypse umherziehen? Stell dir das mal vor, die klopfen an eine Tür und ein Beißer macht auf… haha.“
Er lachte, hatte dieses Bild direkt vor Augen. Das war definitiv der Alkohol, der aus ihm sprach. Natürlich hatte er die Worte von Lyanna verstanden, es musste also damit rechnen, dass er nicht mit offenen Armen empfangen wurde, sicherlich nicht von David. Aber das war ihm auch ziemlich egal, dieser Typ ging ihm am Arsch vorbei. Er grinste, diesmal ziemlich selbstsicher. Immerhin hatte sich Lyanna für ihn entschieden, das mit David war ein dummer Fehler gewesen, bescheuert. Vermutlich so wie das eine Mal, dass Elijah mit einer der Frauen aus dem Cottage genossen hatte.
Er riss sich zusammen und sah Lyanna dann ernst an, in seinen Augen blitze aber noch immer die Belustigung, „Habe verstanden. Ich werde mich benehmen. Ehrenwort.“
Er hielt zwei Finger hoch, dann zwinkerte er Lyanna zu und begann leichtfüßig und damit auch leichtsinnig den Hügel hinabzulaufen, zum Fluss. Dort übernahm Lyanna wieder die Führung und sprang elegant wie eine Gazelle über die Autos. Durch den Nieselregen waren sie jetzt nass und flutschig, im nüchternen Zustand für Elijah kein Problem, betrunken aber? Am Anfang klappte es noch recht gut, doch dann, etwa in der Mitte des Flusses, verlor er den Tritt. Er ruderte mit den Armen, machte kleine, schnelle Schritte und versuchte sein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Das schaffte er auch tatsächlich, stand einen Moment still und atmete nur tief durch. Fuck, das hätte echt schiefgehen können. Dann spürte er eine Hand an seinem Arm, hob den Kopf und sah Lyanna. Sie schnauzte ihn aufgebracht an, dass sie sich erschreckt habe und, dass sie die Letzte wäre, die ihm helfen könnte. Ah, sie konnte also immer noch nicht schwimmen. Gut, der Winter war wohl auch keine geeignete Jahreszeit um Schwimmen zu lernen. Eine Tatsache, die Elijah sich im Hinterkopf notierte. Im Sommer würde er es ihr beibringen, ob sie wollte oder nicht. Er spürte ihre Hand in seiner, drückte diese fest, spürte ihren Puls, der deutlich erhöht war, vermutlich aufgrund der Aufregung. Ohne Zwischenfälle erreichten sie das andere Flussufer und sie ließ seine Hand wieder los, etwas, was Elijah nicht so gut gefiel.
Sofort vernahm er das bekannte Stöhnen der Beißer, jetzt deutlich lauter. Auf dem Friedhof hatten sie es eigentlich gar nicht gehört, dort war niemand gewesen, weder lebendig noch Beißer. Nun aber zurück in der Stadt, war das anders. Er hielt sein Gewehr fester, konnte aber tatsächlich in seinem Zustand gerade nicht versprechen, so treffsicher zu sein. Ja, Elijah konnte betrunken schießen, vermutlich besser, als andere in nüchternem Zustand, aber er war nicht nur betrunken, sondern besoffen. In diesem Zustand sollte man keine Waffe mehr verwenden, was ihm dann bewusstwurde, also schwang er es sich auf den Rücken und hatte die Hand lieber am Schwertknauf. Sie gingen durch die Gasse, fanden Elijahs Wagen so vor, wie er ihn noch nüchtern abgestellt hatte. Dann drehte sie sich um und streckte fordernd die Hand aus, stellte in den Raum, dass sie fahren würde. Der Dunkelhäutige zögerte einen Moment, sah sie an.
„Kannst du Schaltgetriebe fahren?“, fragte er dann einfach, steckte aber die Hand in die Innentasche seiner Uniformjacke und kramte nach dem Schlüssel. Dass sie sich hier besser auskannte und er zu betrunken zum Fahren war, war schon richtig. Und bei ihrem ersten gemeinsamen Abenteuer war sie auch gefahren, als vertraute er der jungen Frau vor sich schon. Dennoch, irgendwie fühlte es sich seltsam an, ihr die Schlüssel in die Hand zu legen.
„Wenn du eine Schramme in sie fährst…“, begann er, brach dann aber ab. Er konnte Lyanna nicht drohen, mit was denn? Außerdem könnte er ihr nie etwas antun oder verweigern, also war das sowieso vollkommen sinnlos. Das Lächeln, dass sie ihm dann schenkte, ließ ihn ebenfalls lächeln, auf eine dümmliche, betrunkene Art. Er mochte es, sie lächeln zu sehen. Dann glitzerten ihre Augen so, es bildeten sich leichte Grübchen und alles ihm schrie danach, dieses Gesicht zu küssen. Dann aber wandte sie sich um, Elijah blinzelte kurz und ging ebenfalls hinüber zum Wagen, legte den Rucksack auf den Rücksitz, dann ließ er sich auf den Beifahrersitz fallen. Er schloss einen Moment die Augen, hörte das sanfte Schnurren des Motors, lächelte. Ja, sein Wagen war schon perfekt, verdammt, er wollte nicht mehr auf die schwarze Schönheit verzichten. Es dauerte einen Moment, bis Lyanna tatsächlich mit der Gangschaltung zurechtkam, dann fuhren sie los und er öffnete die Augen wieder. Die Häuser zögen langsam an ihnen vorbei, der Regen wurde stärker, Elijah war froh, dass sie nun im trockenen Wagen saßen. Als sie dann sprach und ihn fragte, was er den Winter über getrieben hatte, feststellte, dass er nicht ganz untätig war, richtete er den Blick zu Lyanna. Wie sich ihre Stimme am Ende verändert hatte, das kannte er. Es war die selbe Stimme, die er auch in der kleinen Hütte in ihrer letzten gemeinsamen Nacht gehört hatte. Oder die Stimme, als er sie so sanft geküsst hatte in dem Lager der Überlebenden. Es war die Stimme, die ihm so deutlich verriet, dass sie von seinem Aussehen definitiv nicht kaltgelassen wurde. Und all das führte dazu, dass sich ein breites Grinsen auf seine Lippen schlich. Er ließ den Blick auf ihr Ruhen, meinte dann, „Ach, du hast schon Recht. Ich habe eine Menge trainiert, jeden Tag um ehrlich zu sein. Um eine gewisse junge Frau aus meinen Gedanken zu vertreiben. Irgendwann habe ich angefangen zusätzlich noch den kleineren Sohn unseres Anführers zu trainieren, du wirst nicht glauben, auf was für Ideen die Jugend von heute so kommt. Also jeden Tag früh aufstehen, laufen gehen, am Meer entlang, nur ich und das Geräusch der Wellen. Und die Beißer, die dort jeden Tag angeschwemmt wurden. Alle habe ich sie erlöst, keine Ahnung wie viele, es dürften wohl so an die hundert Stück gewesen sein insgesamt, vielleicht mehr, keine Ahnung. Manchmal habe ich an ihnen auch meine Techniken geübt. So vergingen die Monate, zwischendrin wieder Versorgungszüge, aber eben viel Training. Ich war eine Zeitlang im Cottage, das ist eine weitere Kolonie mit der wir eng im Kontakt stehen. Dort war meine Schwester ebenfalls und… ich bin ehrlich, du brauchst dich wegen David nicht schlecht zu fühlen. Auch ich hatte eine Nacht der Schwäche mit einer Frau aus dem Cottage. War aber scheiße, ich nachhinein ging es mir noch dreckiger als davor. Kein Vergleich zu dem, was wir miteinander hatten…“
Er seufzte, richtete dann den Blick wieder auf die Straße. Das Lächeln auf seinem Gesicht war noch immer da, jetzt aber weniger weit, „Danach sind wir wieder zurück ins Clubhaus und ich habe sie nie wiedergesehen. Wollte ich auch gar nicht, denn es war ein dummer Fehler. Also habe ich weiter trainiert, härter noch also davor. Ich war in dieser Zeit ein wenig außer Form gekommen, musste mich wieder hocharbeiten. Unser Koch hat mich schon fast verprügelt, weil ich so viel essen musste, um meinen täglichen Kalorienbedarf zu decken. Daher habe ich dann wieder ein wenig runtergeschraubt, aber weiterhin so viel trainiert. Tja und dann ist mir irgendwann bewusstgeworden, was ich tun musste, um endlich mit allem abzuschließen. Da hab ich beschlossen, dass ich mir einen schönen Frühlingstag nehme und hier nach Washington zu fahren und das zu tun, was du mich gerade hast tun sehen. Dass ich dabei wieder auf dich treffen würde, hätte ich mir in meinen kühnsten Vorstellungen nicht getraut zu hoffen. Ich dachte du bist schon sonst wo, irgendwo in Florida, da wo es warm ist, oder du wärst…“
Er brach ab, wollte nicht mal aussprechen, dass sie auch gestorben sein hätte können. Er schwieg einen Moment, dann fuhr er fort, das Lächeln schlich sich wieder auf sein Gesicht, dass gerade eben kurz verschwunden war, sah sie wieder an, „Tja und dann fahr ich da so durch Washington und höre eine Gruppe, die von einer Gruppe Beißer fast übermannt wurde. Also bin ich zu Hilfe gekommen, hab die Hälfte der Beißer totgefahren und den Rest erschossen. Tja, den Rest der Geschichte kennst du ja, was jetzt noch kommen wird, weiß niemand. Aber ich hätte da schon eine Idee…“
Er lächelte, dann nahm er eine Hand und legte sie auf Lyannas Oberschenkel, „Nur nicht hier… aber sobald wir in Sicherheit sind…“

@Lyanna Lockhart





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#16

RE: Nationalfriedhof Arlington

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WASHINGTON D.C.
05.04.2020 17:07
von Lyanna Lockhart | 2.757 Beiträge

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