Avatar

WELCOME SURVIVOR

Wir sind ein seid 2013 – bestehendes Endzeit Forum angelehnt an die Serie AMC's The Walking Dead. Die AMC-Serie dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die sich plötzlich in einer postapokalyptischen Welt wiederfinden, die von Zombies übersät ist. Überleben heißt nun das oberste Gebot der Stunde. Alles hat damit angefangen als Rick Grimes aus dem Koma erwachte und sich in einer Welt voller Untoten zurecht finden musste und nach seiner Familie suchte. Ab dann begann ein Leben voller Ereignisse, die einen Menschen ewig prägen würden. Höhen und Tiefen, welche immer wieder eintraten. Die Story von TWD verläuft aktuell bei uns bis zu Negan's Gefangenschaft, ab dann handeln wir frei nach bestimmten Ereignissen und der Endzeitthematik. Aufgeteilt in vier, verschiedenen Kolonien und einzelnen Gruppen bieten wir Abwechslung und Spannung für jeden Seriencharakter und Freecharakter. Auch Charaktere aus den Schwesternserien AMC's Fear The Walking Dead & AMC's The Walking Dead: World Beyond sind bei uns mit angepasster Storyline spielbar. Egal wie du dich entscheidest – Dein Kampf gegen die Untoten und Lebenden erwartet dich hier.

Team

A CHANGE IS GONNA COME

Der Herbst hat sich angekündigt. Der Monat in dem sich die Blätter färben und die Tage kürzer werden. Mit niedrigeren Temperaturen und langanhaltenden Regenfällen ist zu rechnen. Während es Morgens und Abends starker Nebel auftreten kann.

#21

RE: Dachterrasse

in Altenheim 31.01.2020 22:31
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Jesus hatte bis jetzt ja gedacht sich in den besten Jahren zu befinden, doch die Reaktion des Jungspundes ließ ihn nun ziemlich daran zweifeln. Er sah Gabe ebenfalls skeptisch an, weil seine Reaktion ihm etwas zu übertrieben vorkam. Was waren schon 11 Jahre? Machte das für Gabe wirklich so einen großen Unterschied?
„Vielen Dank, nun fühle ich mich wie ein Greis“
Es war schließlich nicht so, als könnte Jesus Gabes Vater sein oder dergleichen. Er war einfach nur gute 10 Jahre lebenserfahrener als der junge Mann neben ihm. Bei seiner Frage zuckte er mit den Schultern
„Jedes Jahr zu sterben und wieder aufzuerstehen hält offenbar jung“
er wusste nicht wieso er so jung aussah. er verwendete keine besonderen Cremes oder Lotions, das einzige das er wirklich gut pflegte waren seine Haare. Vielleicht auch deshalb verräterisch weil er noch kein einziges Graues hatte, was in seinem Alter normalerweise schon üblich war. Aber ihm blieb das zum Glück bisher erspart. Aber Gabe tat ja fast so als müsse Jesus sich demnächst schon seinen Grabstein aussuchen. Was in dieser Welt immer passieren konnte, denn an Altersschwäche starben heutzutage leider die wenigsten.
Er wusste nicht wirklich, ob das tatsächlich ein Problem für Gabe darstellte oder ob er einfach nur überrascht war. Aber wie schön, dass er der Ansicht war Jesus bewegte sich nicht wie ein alter Mann. Er war 36 und nicht 136. er war körperlich definitiv noch fit.
Vielleicht kam seine jugendliche Erscheinung daher, dass er so viel Wasabi im Leben gegessen hatte? Die Asiaten sahen ja auch so jung aus, vielleicht war an ihm einer verloren gegangen. Und scharf zu essen hielt jung. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Gabe plötzlich sein Lexikon-Wissen über Wasabi auspackte. Aber was Makis waren wusste er nicht, ja?
„Woher weißt du so viel über Wasabi wenn du ihn noch nie gegessen hast?“
Hatte Negan ihn damals mit einem Duden verprügelt oder wie? Ach nein richtig, er hatte ja nie die Hand gegen ihn erhoben. Aber vielleicht musste er Lexika auswendig lernen immer wenn er etwas geklaut hatte.
„Ich liebe scharfes Essen, deshalb habe ich alles daran gesetzt im Cottage ein paar Chili-Schoten anzupflanzen“
Denn wenn man eklige Eintöpfe oder Dosenfutter scharf würzte, dann schmeckte alles irgendwie erträglich und übertünchte den Eigengeschmack. Wirklich schade für Gabe, das er scharfes Essen nicht vertrug.
Die beiden waren wirklich ziemlich gegensätzlich. Gabe konnte zwei Minuten still sitzen, während man in Jesus Nähe das Gefühl bekam gleich meditieren zu müssen. Was Schwachsinn war, denn auch er war viel auf den Beinen und alles andere als faul. Aber er hatte einfach diese ruhige, besonnene Art, die auf viele eine beruhigende Wirkung hatte. und er hatte nicht so viele Nebenwirkungen wie beispielsweise Medikamente gegen ADHS. Die man Gabe als Teenager womöglich verschrieben hätte, wäre nicht die Apokalypse ausgebrochen. Früher musste schließlich alles reguliert werden, das ein wenig von der Norm abwich. Diese Welt wie sie heute war, war furchtbar aber wenigstens wurde man aufgrund seiner Marotten nicht sofort verurteilt oder in die Klapse gesperrt.
Er wollte Jesus als sprechendes Baldrian behalten? Sollte er vielleicht auch noch sein persönlicher Yoga-Meister werden? das soll ja auch ziemlich beruhigend wirken. Und die Künste der Martial Arts besaßen teilweise auch Einflüsse der Ruhe und Meditation.
Was Gabe nach dem Aufwachen wohl gut gebrauchen könnte. Er musste sich aber keine Sorgen machen, es war nicht Gabes laut pochendes Herz, welches ihn aufweckte, sondern das Sonnenlicht, welches durch die feine Schneedecke traf, die sich auf dem Zelt gebildet hatte.
Jesus sah ihn nicht mit Absicht so an, so schaute er eben wenn er wach wurde. Er konnte immerhin nicht ahnen, dass Gabe das süß fand. Und falls ja, war er wohl jemand, der es sich niemals eingestehen würde. Eigentlich würde Jesus den Kopf gerne noch mal auf Gabes Brust ablegen und noch etwas dösen aber es erschien ihm unpassend. Es glich ohnehin einem Wunder, dass Gabriel noch neben ihm lag und nicht sofort die Flucht ergriffen hatte nach dem Aufwachen. Da wollte er das Ganze nicht überstrapazieren und ihn in eine unangenehme Lage bringen.
„Ja, viel besser als erwartet. Und du schläfst wirklich jede Nacht hier draußen im Freien? hast du denn nie daran gedacht, dir wenigstens einen kleinen Unterschlupf für Nächte wie diese zu suchen?“
Die Natur war schon schön kein Zweifel. Aber auf Dauer könnte Jesus sich nicht vorstellen in der Wildnis zu leben, erst Recht nicht im Winter.Es war viel zu kalt.
Plötzlich wurde ihm jedoch ein bisschen wärmer. Denn nun war es Jesus dessen Herz etwas schneller schlug, als Gabe ihm eine seiner Strähnen hinters Ohr strich. Er hatte ihm ja bereits erklärt, dass er es normalerweise nicht mochte, wenn man sein Haar einfach so anfasste. Aber das galt eher für Frauen die ihm unbedingt Zöpfchen flechten oder an seinem Haar riechen wollten. Diese sanfte Berührung von Gabe war zwar sehr flüchtig, dennoch bekam Jesus deswegen ein bisschen Gänsehaut. Auch wenn er sich dazu ermahnte nicht zu viel hinein zu interpretieren, Gabe dachte sich bestimmt rein gar nichts dabei, hatte einfach nur gesehen, dass Jesus eine Strähne im Gesicht hing und wollte ihm helfen. Dennoch sah er ihm einen Augenblick lang nachdenklich in die Augen. und lächelte ganz schwach, ehe es diesmal er war, der den Blick abwandte. Nein, er sollte sich darüber nun nicht den Kopf zerbrechen oder dieser Geste zu viel Bedeutung beimessen. Es war einfach nur ein Reflex von Gabe, der rein gar nichts zu sagen hatte. Vor allem so schnell wie er die Hand wieder weg zog, war es ihm am Ende wohl doch sichtlich unangenehm. Außerdem war Jesus nicht hier, um jemandem näher zu kommen sondern um jemanden zu finden. Das durfte er nicht vergessen, auch wenn Gabes Anwesenheit ihm das tatsächlich schwer machte.
„Es gibt keinen Grund sich für etwas zu entschuldigen“
Es hatte ihn nicht gestört, nein es hatte sich sogar wirklich schön angefühlt. Aber Jesus sollte nun nicht länger darüber nachdenken. Das war besser für sie beide. Also lieber wieder über Schwachsinn reden, richtig?
„Beruhigend, ich wäre nämlich ungern verantwortlich dafür, dass du deine Stunde Zombie-Karaoke verpasst“
Aber Gabe hatte ja schon gestern klar gemacht, dass er keine Termine oder Verpflichtungen hatte zurzeit. Sonst könnte er ihn später schließlich nicht begleiten.
Jesus wollte ihn nicht anstarren während er sich umzog, er selbst hatte ja in all seinen Klamotten geschlafen, naja bis auf die Mütze. Die konnte er aber noch nicht anziehen, da er vorher erst seine Haare entwirren musste.
Die Vorstellung von Kühen auf den Bäumen brachte ihn zum Schmunzeln. Auch wenn das wirklich passieren könnte doch dann wäre es besser nicht in der Nähe zu sein, sonst würde Gabe gleich mit den Kühen irgendwo auf einem Hausdach oder in den Wäldern landen.
„Gute Idee, diesmal kann ich vielleicht auch etwas beisteuern“
Jesus war ja nicht komplett ohne Vorräte los gegangen. Das wäre dumm und im Cottage hatten sie frisches Essen, weshalb er sich nicht ausschließlich von Konservendosen ernährte, sondern sogar frische Früchte dabei hatte.
„Oder hast du dich ohnehin längst bedient?“
Vielleicht schlug er Jesus ja auch nur vor dessen Frühstück zu essen, da er seinen Rucksack schon lange geplündert hatte. Er würde es Gabe zumindest zutrauen. Aber bislang verhielt er sich ja sogar ziemlich anständig in Jesus Nähe. Was das Klauen betraf.
Und er lud ihn nicht nur auf eine Dose Pfirsiche ein sondern sogar noch auf ein Frühstück, Gabe war definitiv nicht so übel wie sein Ruf. Oder das was er anderen auf den ersten Blick zeigte. Gabe durfte sich also gerne um das Frühstück kümmern, Jesus zog ja auch seine Lunchbox aus dem Rucksack. Ja er hatte tatsächlich eine Lunchbox mit frischen Äpfeln und Birnen, im Winter wuchs ja leider nicht viel anderes Obst. Er reichte sie Gabe nach draußen, damit er sich gerne daran bedienen konnte wenn er wollte.
Jesus kümmerte sich einstweilen um seine Haarpflege. Denn selbst wenn ihm manchmal die Lebensmittel ausgingen, eines hatte er immer dabei, nämlich seine Haarbürste. Die er sogleich auspackte und ein paar Mal damit sein Haar kämmte, ehe er es wirklich etwas schüttelte und es sich dann nach hinten strich. Das reichte. Nun konnte er seine Mütze auch wieder aufsetzen. denn es kam wirklich ziemlich kalte Luft von draußen in das Zelt hinein. Er schälte sich aus seinem Schlafsack und verließ das Zelt nun ebenso, denn vielleicht brauchte Gabe ja Hilfe. Jedoch war er davon abgelenkt wie viel es in der letzten Nacht geschneit hatte. Er ging davon aus der Boden wäre bloß angezuckert, doch darauf lag stattdessen eine dicke Schicht von Neuschnee. Anders als Gabe liebte er diesen Anblick.
„Schnee mag vielleicht unpraktisch sein. Aber ich finde er hat so etwas Friedliches und Beruhigendes an sich“
Da wirkte die Welt gleich ein bisschen leiser wie Jesus fand. Alles war gedämpfter und einfach schöner. Das Vorankommen war schwieriger, keine Frage. Dennoch fand Jesus Schnee schön anzusehen.
Das Gabe fast ausrutschte und wegen dem Schnee so fluchte ließ Jesus ein bisschen schmunzeln. Er musste definitiv etwas unternehmen, um den Schneemuffel davon zu überzeugen, dass Schnee toll war. Die Herde war in der Zwischenzeit auch vorbei gezogen und es wirkte so friedlich als wäre die Welt nicht von Beißern überrannt, da in der näheren Umgebung nirgendwo ein Röcheln zu hören war. Und plötzlich hatte Jesus einen Geistesblitz. Weshalb er aufsprang und einfach nach Gabes Hand fasste.
„Das Frühstück kann warten. Komm mit!“
denn er wollte ihm unbedingt etwas zeigen, das er vor ein paar Tagen gefunden hatte. Weshalb er auch Gabe hoch zog und sich anschließend über das Geländer schwang, um grazil nach unten zu gelangen.
Gabe selbst war da hoch gekommen, weshalb er es bestimmt auch nach unten schaffen würde, selbst wenn das Geländer nun etwas vereist und glatt war. Aber Gabe lebte in Bäumen, er bekäme das hin. Jesus wartete unten auf ihn, ehe er los lief, nur ein paar Hundert Meter, einen kleinen Hügel hinauf. Dort stand ein alter Holzschuppen, der nicht so aussah als beherberge er besonders wertvolle Gegenstände. Tat er auch nicht, es war vor allem altes Werkzeug. Aber eine Sache hatte er darin gefunden, an die er sich plötzlich wieder erinnert hatte. Weshalb er nach kurzem Kramen plötzlich mit einem, noch gut in Schuss wirkenden, Schlitten heraus kam. Ja, Jesus war bereits 36. Aber hieß das er durfte nicht mehr gerne Schlitten fahren? Die letzten Tage brachten kaum Schnee, nie genug, um diesen Fund wirklich auszuprobieren. Und Jesus fand, man musste die kleinen Freuden im Leben viel intensiver und bewusster auskosten. Weshalb er Gabe recht begeistert anstrahlte wegen seiner Entdeckung. Wenn sie einfach nur etwas Spaß damit hatten, vielleicht würde Gabe den Schnee dann etwas weniger hassen?
Denn Jesus zögerte nicht sondern, stellte den Schlitten auf dem Boden ab und setzte sich darauf. Rutschte auch recht weit nach vorne und deutete auf den Platz hinter sich. Gabe sollte den Schnee nicht so verfluchen und grimmig anstarren sondern sich das zu Nutze machen, das er Gutes hervor brachte. Und in diesem Moment war das zumindest ein happy holy Ninja, der sich auf eine Schlittenfahrt mit ihm freute.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#22

RE: Dachterrasse

in Altenheim 01.02.2020 18:55
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Gabe konnte nicht anders als zu lachen, herzhaft und ehrlich, weil Jesus wirklich einen ähnlichen Sinn für Humor hatte wie er selbst, mal davon ab, dass er eine echt blühende Fantasie besaß, sowie sich vorstellte, wie Jesus einmal im Jahr starb, ein paar Monate seinen Schönheitsschlaf machte und dann irgendwann, zu Ostern, wieder kam in alter Frische. Oh, vielleicht war das ja sein Geheimrezept, weshalb er, trotz elf Jahre Altersunterschied, so knackig frisch und jung aussah?! Was Gabe echt nicht juckte, warum sollte es? War am Ende eh nur eine Zahl, er fühlte sich auch nicht wie 25, gut er benahm sich auch nicht immer so, vor allem wenn er Schabernack trieb und sich Scherze erlaubte, die vielleicht nicht jeder komisch fand. But who cares?!
Gabe war im Endeffekt also nur überrascht, auch weil es ihm mal wieder aufzeigte, dass er verdammt schlecht darin war, so etwas einzuschätzen aber nun könnte er Jesus ein paar, alte Männer-Sprüche, an den Kopf werfen.
Allein bei dem Gedanken daran, rieb er sich innerlich schon grinsend die Hände, auch wenn er sich wohl darauf gefasst machen musste, ordentlich Kontra zu bekommen von Jesus, der war ja nicht auf den Mund gefallen und er hatte Gabe ein paar Jahre voraus.
Was den Wasabi betraf, kratzte er sich am Hinterkopf und zuckte die Schultern. "Hab mal so ein Buch über Heilkräuter gelesen, asiatische Naturheilkunde und solchen Kram, da stand was über Wasabi drin. Muss wohl hängen geblieben sein, .... warum, seh ich aus wie jemand, der Bücher nur als Brennmaterial verwendet? Ich lese die Dinger, ....ganz gerne sogar und ich hab ein gutes Gedächtnis. Na ja und Roxy, ..meine beste Freundin, ..fuhr auf den Scheiß voll ab, sie hatte mir das mal als Zahnpasta verkauft,....aus Rache hab ich ihr Shampoo mit rosa Haarfärbemittel ausgetauscht." Ließ er ihn grinsend wissen, er musste früher auch nicht lernen, die Schule war langweilig, da Alles viel zu einfach war und er sich nur beim Sport verausgaben konnte, zwar nicht mental, doch dafür zumindest körperlich und in seiner Freizeit, sofern er keinen Unfug machte, las er auf Dächern nicht immer nur Comics. Selbst Broschüren hatte er früher gelesen, aus reiner Langeweile und sich den Mist auch noch merken können. Demonstrativ schüttelte Gabe sich sogleich bei der Erwähnung der Chili-Schoten, obschon er die Stirn gleich darauf runzelte.
"Du hast nen grünen Daumen? ...okay, das sollte mich nicht wundern, ich meine hey...wer Wasser zu Wein wandelt, kriegt es auch gebacken nen paar Chilis zu ziehen. Ich schaffe es sogar einen Kaktus aus Plastik zu töten, .... hast du auch Früchte in deinem holy Garden Eden?" Wollte er natürlich sogleich wissen, weil ...dann könnte er im Sommer klauen kommen! Beeren und Nüsse zu finden im Wald war weniger das Problem, Pilze hatte er auch zur Auswahl, doch Früchte wie Äpfel, Orangen oder Gemüse wie Gurken, die musste er sich aus Ansiedlungen klauen oder von reisenden Händlern, die er manchmal entdeckte. So sehr er Fleisch auch liebte, Gabe war sich im Klaren darüber, dass sein Körper mehr brauchte, vor allem weil er ständig in Bewegung war, wie ein Hamster im Laufrad auf Speed.
Wenn Jesus es schaffen sollte, dass Gabe anfängt mit Meditation, hätte er wohl einen Orden verdient, zwar färbte dessen Ruhe durchaus auf den jüngeren Dieb ab, doch es lag auch dem Fakt zugrunde, dass er den ganzen Tag auf den Beinen gewesen war, wie der Langhaarige selbst. Auch nen Duracell-Häschen auf Energydrinks schlauchte das irgendwann, jedoch hatte das nicht mal sein Dad zum Arzt schleifen können, wegen seinem hohen Bewegungsdrang und der ständigen Unruhe. Gabe büxte nämlich dann einfach durch das nächstgelegene Fenster wieder aus, er hasste Ärzte sowie Krankenhäuser, weil er ständig wo runterfiel, sich die Knochen brach, war er da fast schon Stammgast gewesen. Gefressen hatte er aber von Beginn an den Schulpsychologen damals, der blöde Fragen stellte, Tests machen wollte, die Gabe in störrischer Manier schweigend hinnahm, bis ihm die Hutschnur platzte, er laut wurde und einfach abhaute. Mit ihm war alles in Ordnung, er hatte keinen Bock darauf, von irgendwelchen Erwachsenen analysiert zu werden, wie ein Frosch beim Sezieren im Biologieunterricht, außerdem hatten seine Eltern echt genug eigene Probleme, weshalb Gabe keinen Bock drauf hatte, dass man bei ihm auch noch nach welchen suchte, wo vielleicht gar keine sind.
Na schön er fing mit klauen an aber jeder braucht ein Hobby!
Jesus kann Yoga? Also das würde selbst Gabe gerne sehen, der turnte zwar früher, machte Leichtathletik aber Yoga an sich war ihm viel zu langweilig, man bewegte sich so langsam, verharrte gefühlt hundert Jahre in seltsamen Positionen, die fragwürdig erschienen und ihm fehlte dafür die Geduld aber vielleicht wäre zugucken gar nicht so übel. Gabe könnte sich dann neben ihn hocken, sowie Jesus die ganze Zeit anstupsen, nur um zu testen, wie lange es brauchte, bis diesem der Geduldsfaden riss. Da wäre Gabe mit dessen Kampfkunst wohl eher zu ködern, als mit Yoga.
Ob man es als Erfolg verbuchen konnte, dass Gabe es tatsächlich schaffte, solange ruhig liegenzubleiben, bis Jesus wach wurde? Den er ja auch nicht von sich stieß oder so, eine Reaktion, die bei wem Anders wohl eher erfolgen würde, nur Jesus war nett und Gabe kein völliger Arsch, manchmal schon aber nicht immer, zwar ging er gerne mal in den Angriff über, sobald er sich provoziert fühlte, aber sein Gast hatte nichts dergleichen getan. Also hatte Gabe auch keinen Grund scheiße zu ihm zu sein.
"Hm, ..ja, ich schlafe seit Jahren draußen, selbst als wir noch...das Sanctuary hatten, war ich lieber auf dem Dach oder woanders, ...ich kriege schnell das Gefühl eingesperrt zu sein, umgeben von vier Wänden, einem Dach ...war schon früher so, wenn meine Eltern stritten ..bin ich durchs Fenster abgedampft, im Ferienlager war ich auch lieber draußen, ...als Pfadfinder ist Camping für mich immer das Schönste gewesen, vielleicht liegt es daran. Ich schlafe auch nicht gerne in einem Raum, erhöhte Plätze sind mir lieber weil ...da kommt nicht jeder hin. Weder die Beißer...noch Menschen oder gefährliche Wildtiere...bis auf fucking Pumas und Schwarzbären, die können klettern."
Er zuckte die Schultern und hatte sich darüber nie viele Gedanken gemacht, Gabe verstand ja, dass die Meisten lieber vier stabile Wände um sich herum, sowie ein Dach über dem Kopf, haben wollten, um sich sicher zu fühlen aber für ihn war es beengend, als würde er nicht mehr raus können, sobald die Tür ins Schloss fiel und ihm die Luft zum Atmen ausgehen.
"Ich bin auch lieber hoch oben, in den Bäumen, ...weil es da ruhiger ist, alles Andere erscheint dann weit weg, ganz klein, kommt nicht mehr an dich heran. ...naja ich wünschte ich könnte es wie HootHoot machen, einfach davon fliegen, allerdings flieg ich höchstens auf die Fresse, wenn ich einen falschen Schritt mache und dabei sehe ich auch nicht sonderlich grazil aus, um ehrlich zu sein. ... und das wo ich mir dann voll viel Mühe gebe, den sterbenden Schwan zu mimen."
Er lachte leise auf und nahm es mit Humor, er konnte noch so gut klettern als auch Parkour, selbst ihm passierte es, oft genug, dass er ausrutschte, stolperte oder einfach die Distanz falsch einschätzte, sodass er ziemlich schnell, mitunter auch sehr unsanft, den Boden knutschte aber er war zäh.
"..ich glaube ich hab seit ...keine Ahnung, seit der Scheiß losging nicht mehr in einem Bett geschlafen aber ich nehme an, ein alter Mann wie du, braucht sein weiches Bettchen und das Dach überm Kopf, was?"
Gab er frech grinsend von sich, vielleicht war er minimal neidisch, zumindest was ein Bett betraf aber auf das Dach über dem Kopf konnte er verzichten, zumindest im Sommer, da ließen sich die Sterne besser beobachten aber zu dieser Jahreszeit, sowie den ständigen Schneewolken am Himmel, zog er dann doch die Zeltplane über dem Kopf, freiem Himmel vor. Wobei der 'alte' Mann, nicht mal graue Haare hatte, gute Gene offenbar, und Gabe wollte dessen Haare doch eh gerne anfassen, es war nur nicht die Intention welche ihn dazu bewegte Jesus die Strähnen aus dem Gesicht zu schieben. Zwar versteckte Gabe sich gerne, hinter Tuch und Kapuze, doch er mochte es nicht, wenn etwas sein Sichtfeld einschränkte, sei es eine Wand oder der shiny Vorhang aus Haaren, der dem Holy Ninja zwar gut zu Gesicht stand, sehr sogar, doch dessen blaue Augen zu schön waren um dahinter versteckt zu werden. Wenn er schon mal den Mut fasste, jemanden in die Augen zu schauen, dann wollte er nichts im Wege haben, obschon Beide, sehr schnell, in ganz andere Richtungen guckten.
Zum Glück war Gabe nie um eine dumme Bemerkung verlegen, weshalb er wohl auch recht schnell in sein altes Muster zurückfiel, nicht das sie noch damit anfingen, voll tiefgründige Gespräche zu führen, wobei er dagegen wohl gar nicht so viel hätte aber Jesus war doch eigentlich auf der Suche nach jemandem. Ergo sollte er ihn nicht davon abhalten, zumal er seine Hilfe sogar angeboten hatte aber wenigstens sollten sie etwas essen, so viel hatte Gabe zwar nicht hier, zur Not machte er aber nen Abstecher zu einem seiner Verstecke. Nur schien es so zu sein, dass Jesus auch was beisteuern wollte, im ersten Moment guckte Gabe natürlich entsprechend irritiert zu diesem rüber, immerhin musste dieser seine Vorräte nicht teilen und vielleicht tat er sich damit auch etwas schwer, weil die Saviors Jesus, sowie seinen Leuten, früher die Hälfte angeknöpft haben, man konnte an sich von Stehlen reden oder eher Erpressung.
"Das musst du nicht..."
War daher auch seine Antwort mit gesenkter Stimme, es fühlte sich einfach falsch an für ihn, Jesus was abzuknöpfen, weshalb er seinen Rucksack tatsächlich nicht geplündert hatte. Wie denn auch? Er hatte gepennt und den Holy Ninja im Arm. "Du wirst schockiert sein aber ...ich habe dich tatsächlich nicht beklaut, auch nicht deinen Rucksack geplündert." Was Gabe ohne auch nur den Anflug eines Grinsens auf dessen Nachfrage erwiderte, es kam auch keine blöde Bemerkung, sondern war sein völliger ernst und lügen tat er zwar, doch unter ganz anderen Umständen. Bislang hatte er jedoch keinerlei Grund um Jesus hinters Licht zu führen oder ihn zu beklauen, auch wenn der Drang da war, doch er konnte sich zügeln, erst recht, nachdem dieser ihm gestern sogar Kaugummis geschenkt hatte. Einfach so und das mit seiner Lieblingsgeschmacksrichtung Wassermelone.
Es würde sich einfach falsch anfühlen Jesus nun zu bestehlen.
Sowie ihm dabei zuzusehen wie er sich die Haare bürstet, daher kümmerte Gabe sich lieber darum ein neues Feuer zu entfachen, hier auf der Dachterrasse hatte er auch Eimer, sowie einen verbeulten Topf rumstehen, die dank des Schneefalls gefüllt waren, ergo brauchte er sie nur kochen, schon konnten sie Tee oder Kaffee machen. Auch wenn Kaffee vielleicht nicht gerade das beste Getränk ist für jemanden wie Gabe!
Mit seinen Adleraugen fiel es diesem auch wahrlich schwer die Lunchbox zu ignorieren, welche Jesus aus dem Zelt streckte, allein aus Neugierde war Gabe demnach sofort zur Stelle und starrte verdutzt hinab auf deren Inhalt. "Okay, du hast ne Lunchbox? Why? ....und ist das Birne?" Am liebsten würde er diesem sofort die ganze Box entreißen, tat Gabe aber nicht, dafür knurrte sein Magen lautstark während er sich rasch etwas Apfel und Birne schnappte, sowie in den Mund schob wie ein Hamster. "...geil, Obst!" Das war eine richtige Abwechslung für seine Geschmacksnerven, Vitamine konnte er ohnehin gebrauchen in dieser Jahreszeit, sein Immunsystem war zwar durch das Leben hier draußen relativ abgehärtet, verschont blieb er dennoch nicht vor einem Schnupfen oder gar schlimmeren und heut zutage konnte man nicht mal eben zur Apotheke um die Ecke.
Nur hob auch das leckere Obst nicht zwingend seine Laune, Angesicht des weißen, kalten Zuckergusses, der sich über Nacht auf die Gegend gelegt hatte wie ein schützender Mantel, der ein wenig glitzerte bei bestimmten Lichteinfall.
"...du kannst ja auch über Wasser laufen, dass Schnee dich nicht stört wunder mich nicht... aber ich...argh!" Er rutschte schon wieder aus und schnaufte angestrengt, schaffte es erneut auch, sich zu fangen ehe er sich lang legte, woraufhin sein Atem in weißen Wölkchen gen Himmel aufstieg. "Ich hasse es, weil es das Klettern auf Bäume und Dächer unnötig erschwert, außerdem muss ich dann einkalkulieren, ob der schneebedeckte Ast mich noch trägt oder nicht ....mal davon ab, dass es beschissen kalt ist."
Schimpfte Gabe wie ein Rohrspatz, er war kein großer Freund dieser Jahreszeit, obschon Jesus nicht Unrecht hatte, Schnee sah schön aus aber es erschwerte dem Dieb mit dem Bogen das Leben hier draußen extrem.
Bevor er aber weiter schimpfen konnte, wurde seine Hand ergriffen und ihm blieb im förmlich das Herz in der Brust stehen, jedoch horchte er auf wegen dem Frühstück. "Aber...aber ..Futter!?"
Was war denn mit Jesus los, von dem er sich bis zum Geländer ziehen ließ, dort aber losgelassen wurde und dem Ninja nach sah, als der sich wieder nach Unten begab. Noch mal über die Schulter geschaut, pfiff Gabe, sodass HootHoot angeflattert kam und der Dieb, nachdem der kleine Kauz auf seiner Schulter gelandet war, sich runter auf den Boden der Tatsachen zu Jesus begab. "...ich hoffe, du hast einen echt guten Grund, weshalb ich mit dir, am Boden,...durch den Schnee stapfen muss ..anstatt Frühstück machen zu können."
Grummelte Gabe ein bisschen rum, beschleunigte kurz den Schritt und holte auf, sodass er neben Jesus lief, sowie sich immer wieder umsah, er hasste es am Boden zu sein, da bekam er keinen so guten Überblick, wie von hoch Oben. "Ich schwöre, ich esse deine Haare!" Drohte er Jesus sogar, sofern man das als Drohung betrachten konnte, nebenbei hob er die Arme, streckte sich noch mal und zog die Kapuze auf den Kopf, woraufhin sein Kauz, sofort hineinkletterte, um sich dort zu verstecken, sowie spürbar an Gabes Hals zu schmiegen, weil dieser angenehm warm war. All zu weit war es auch gar nicht bis sie einen alten Schuppen, auf einem Hügel erreicht hatten, mit fragender Miene blieb Gabe stehen und verschränkte die Arme vor der Brust während Jesus da drinnen verschwand, sowie irgendwas suchte.
Normalerweise würde er sofort den Bogen ziehen, schließlich könnte man darin Waffen versteckt haben oder Ähnliches, nur war Jesus zum Glück nicht wie die meisten Überlebenden Heut zutage. Denn, anstelle einer Waffe, der Bibel or what ever, kam Jesus mit einem Schlitten aus dem Schuppen, den Gabe erst mal nur wortlos anstarrte, blinzelte und dann langsam den Blick anhob in das strahlende Gesicht des Holy Ninjas. Es war so entwaffnend wie happy dieser dabei anmutete, dass Gabe die Arme sinken ließ und schließlich seufzend ausatmete, sowie sich mit der Hand über sein Gesicht fuhr, das war doch nicht zum Aushalten. "Ein Schlitten..?"
Unweigerlich schlich sich langsam ein Grinsen auf seine Lippen, denn man war nie zu alt zum Rodeln und Gabe war ja auch für Spaß zu haben, die Welt war ernst genug, das bisschen Unfug was man noch treiben konnte, ohne gleich dabei zu verrecken, musste man doch ausnutzen.
Daher fackelte er auch nicht lang, sondern setzte sich, kaum das Jesus den Schlitten auf dem Boden platziert hatte, hinter den Holy Ninja, danach überlegte er allerdings wohin mit seinen Händen, am Schlitten war nicht mehr genug Platz also blieb ja nur der Mann vor ihm, dessen langes Haar wieder voll shiny war. Schließlich lugte er über dessen linke Schulter nach vorn, er griff nur leicht an Jesus Ledermantel, oberhalb seiner Hüfte, denn ja, Gabe war anständig, wodurch er etwas Halt hatte. "Okay, HootHoot, das ist deine erste Schlittenfahrt also gut festhalten kleiner Mann, das wird epic!..." Dass er mit seinem Kauz sprach war wohl normal, zumindest für jemanden, der nur ein Tier zum Freund sowie als Gesprächspartner zur Verfügung hatte, die meiste Zeit über. Gabe merkte das ja auch gar nicht mehr wirklich, wäre ihm wohl auch egal, nur schielte er aus dem Augenwinkel rüber zu Jesus, rückte aufgrund des Platzmangels auf dem Schlitten, auch ein Stück näher an dessen Rücken heran, woraufhin ihm neuerlich ziemlich warm wurde. Außerdem konnte er nun sogar die Note seines Holy Shampoos riechen, woraufhin seine Nase leicht zuckte, roch ziemlich gut um ehrlich zu sein.
"Musst du uns vorher noch segnen oder so?"
Scherzte er, stieß sich auch schon mit dem Fuß vom Boden ab, sodass der Schlitten direkt in Bewegung kam und den Hügel mit den Dreien, HootHoot war ja auch dabei, hinab rodelte. Die eisige Brise, die ihm um die Nase wehte, verschaffte ihm zumindest im Gesicht etwas Abkühlung, erst als der Schlitten an Fahrt verlor, langsamer wurde, zog Gabe eine Hand weg, lehnte sich etwas zur Seite und sammelte ausreichend frischen Schnee in dieser bevor er Jesus, den eiskalt ins Gesicht rieb, sowie prompt vom Schlitten aufsprang, kaum dass der drohte stehen zu bleiben. "Das war HootHoot!"
Log er ungeniert mit einem breiten Grinsen im Gesicht, seine Kapuze zog er runter damit sein Kauz wegflattern konnte, denn jetzt kam Gabe erst mal in Bewegung, bückte sich rasch und formte schnell einen Schneeball. "Nur zur Information, ich hasse Schnee trotzdem..." Wollte er mal klarstellen bevor er den Schneeball nach Jesus warf, der sich gewiss sein durfte, dass Gabe wahrlich ein Meisterschütze ist und selten sein Ziel verfehlt, ob Pfeil, Schneeball oder Nuss spielte da weniger eine Rolle. Allerdings sind bewegliche Ziele immer tückisch und sein 'Gegner' war der Holy Ninja mit Martial Arts-Skills, weswegen Gabe ja auch lieber auf Abstand ging um nicht von ihm auf die Bretter, in dem Fall frisch gefallenen Schnee, geschickt zu werden.
Er war nicht dumm genug, zu glauben, dass Jesus das nicht gelingen würde, nur weil er vielleicht etwas kleiner war oder gar schmächtiger anmutete, im Vergleich zu dem Savior in seiner Lederjacke. Der breit vor sich hin grinsend, mit einem herausfordernden Funkeln in den grünen Augen, zu Jesus sah und in Bewegung blieb, da er nicht gedachte auf einem Fleck stehenzubleiben.



@Jesus


nach oben springen

#23

RE: Dachterrasse

in Altenheim 02.02.2020 00:38
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Nur waren es nicht mehrere Monate, sondern nur drei Tage des Jahres an denen Jesus seinen ‚Schönheitsschlaf‘ machte. Immerhin starb Jesus am Karfreitag und seine Auferstehung wurde am Ostermontag gefeiert. Aber auch 3 Tage tot zu seinen hatte wohl einen nachhaltigen Effekt. Gabe war nicht sehr gläubig wie es schien? Aber das war nicht schlimm, in dieser Welt war es schließlich auch schwierig an eine höhere Macht zu glauben. Zumindest an eine die ihnen wohl gesonnen war.
„Das habe ich nicht gesagt, immerhin habe ich die Bücher in deinem Zelt gesehen. Und keine Sorge, ich habe nichts davon angefasst“
Das hatte Gabe ja ziemlich deutlich gemacht und Jesus respektierte das Hab und Gut eines anderen. Er mochte es auch nicht wenn man ungefragt an seine Sachen ging.
Die Vorstellung Wasabi als Zahnpasta zu nutzen ließ Jesus etwas lachen, auch wenn ihm im selben Moment der Mund weh tat wenn er nur daran dachte. Das musste hässlich gebrannt haben. Er hatte mal zu viel Wasabi auf ein Maki gemacht und hatte das Gefühl die Paste würde sein Gehirn weg brennen. Also nicht auszudenken was passierte wenn man versuchte sich die Zähne damit zu putzen.
„Klingt als hättet ihr euch nichts geschenkt“
Seine beste Freundin und er hatten wohl immer für ausgleichende Gerechtigkeit nach einem Streich des anderen gesorgt. Jesus überlegte kurz, ob er diese Frage stellen sollte, weil sie heutzutage häufig Fehl am Platz war. Aber er bezeichnete Roxy als seine beste Freundin und nicht als seine frühere beste Freundin, weshalb er sich doch dazu entschied zu fragen.
„Wo ist sie heute?“
war sie noch am Leben? hatten ihre Wege sich getrennt? denn wenn er eine beste Freundin hatte ,wieso war er dann nicht bei ihr sondern ganz allein in dieser Welt? Fragen über Fragen.
Aber Gabe stellte ihm ja nun auch eine Frage über ihre Lebensmittelversorgung, klar dachte Jesus daran, dass Gabe es nur fragte, um herauszufinden was er abgreifen konnte. Auch wenn er ihm das nicht unterstellen wollte aber er schien ja nicht mal einen Hehl daraus zu machen.
„Ja, haben wir. Sie sind angepflanzt in einem Mienenfeld voll scharfer Chilis, um kleine neugierige Diebe mit empfindlichem Magen abzuschrecken“
Natürlich war das Schwachsinn aber Jesus würde nun nicht lügen. Selbst wenn die Saviors ihnen früher viel zu viel abgeknöpft hätten, er würde Gabe dennoch etwas von ihrem Vorrat abgeben. Wenn er danach fragte, nicht wenn er es klaute, denn das konnte er leider nicht tolerieren und würde er auch nicht.
Jesus fand es gut, dass Gabe sich nicht von Ärzten hatte ruhig stellen lassen. Er hatte das viel zu oft in seinem Waisenhaus beobachten müssen. Alle Kinder die etwas aufgeweckter waren, wurden mit Medikamenten ruhig gestellt, damit sie bloß nicht aus der Reihe tanzten. Dabei waren sie in Jesus Augen völlig normal gewesen. Sie hatten einfach nur viel Energie. Also hätte man ihnen ausreichend Möglichkeiten gegeben diese abzubauen, dann wäre es nicht nötig gewesen sie ruhig zu stellen, sodass sie nur noch ein Schatten ihrer selbst gewesen waren. Jesus hatte stets versucht die Tabletten zu klauen, damit seine Freunde nicht zugedröhnt wurden, nur leider hatte das nicht immer funktioniert.
Ja, Jesus konnte Yoga. Seine innere Mitte und Ruhe zu finden war ungemein wichtig für seine Kampfkünste. Wie sonst hätte er seine Fähigkeiten entwickeln sollen? man musste eins werden mit sich und der Natur, um zu kämpfen, selbst dann wenn seine Augen ihn im Stich ließen. Gabe schien da andere Methoden erlernt zu haben, um sich durchzuschlagen. Aber tatsächlich meditierte Jesus meist jeden Abend vor dem Schlafen gehen ein wenig oder machte eine Einheit Yoga. Es half ihm einfach dabei besser abzuschalten und die Geschehnisse des Tages zu verarbeiten.
„Du warst früher bei den Pfadfindern?“
Er konnte nicht anders als sich klein Gabe mit seinen Abzeichen vorzustellen, was wirklich ziemlich süß war. Wie stolz er wohl auf sich war als es ihm gelang das erste Mal ein Lagerfeuer zu entzünden? nun mussten sie unbedingt irgendwoher eine Gitarre besorgen, denn Jesus wollte wirklich gerne ein paar Pfadfinderlieder hören.
„hast du noch nie gedacht dir eine Art Baumhaus zu bauen? so könntest du weiterhin in der Natur schlafen, müsstest aber nicht ständig Angst haben von einem Baum zu stürzen und hättest dennoch ein gewisses Maß an Schutz vor Wettereinflüssen“
Immerhin hatten Baumhäuser ja meist keine Dächer sondern waren nach oben hin offen. also wäre es doch eigentlich perfekt für Gabe. dort könnte er sich auch endlich eine Matratze rein legen, um mal wieder auf einem weichen Untergrund zu schlafen.
„Ich vermute niemand sieht besonders grazil aus wenn er aufs Gesicht fällt“
auch Jesus war schon ausgerutscht oder gestürzt, niemand von ihnen war unfehlbar oder perfekt. Und auch bei Jesus sah es nicht sehr elegant aus wenn er sich auf den Hintern packte.
„oh ja, mein Rücken würde mich sonst umbringen“
scherzte Jesus, der brauchte nicht wirklich ein weiches Bett, um zu schlafen. Aber es war einfach angenehmer und wenn sie die Möglichkeit für diesen Komfort hatten, wieso sollte er es ablehnen? Ein Dach über dem Kopf war nicht zwangsläufig notwendig, manchmal waren Nächte wie heute auch ganz entspannend aber auf Dauer wäre das nichts für Jesus.
Jesus kam gar nicht auf die Idee, dass es Gabe deshalb schwerer fiel etwas von ihm anzunehmen, weil die Saviors sie früher erpresst hatten. Nein, natürlich hatte Jesus das nicht vergessen. Aber es lag in der Vergangenheit. Doch sie lebten im Hier und Jetzt. das war alles was zählte und für Jesus war es selbstverständlich Gabe ebenfalls etwas von seinen Vorräten anzubieten, schließlich hatte auch er ihm seine Gastfreundschaft gewährt.
„Ich möchte es aber, du hast immerhin auch deine Vorräte und sogar dein Zelt mit mir geteilt, also ist das das Mindeste“
Immerhin hatte er sogar seinen Schlafsack verwenden dürfen, obwohl es so kalt war. Und Jesus hatte regelmäßig die Möglichkeit sich frisches Obst und Gemüse zu besorgen, eine Möglichkeit die Gabe in diesem Ausmaß fehlte. Deshalb teilte er gerne mit ihm, schließlich machte er anderen gerne eine Freude.
„Ich verstehe das nun einfach als Kompliment. Und ich zeige dir gerne den Inhalt meines Rucksackes wenn es dich interessiert“
Vielleicht wäre das Klauen dann weniger reizvoll für Gabe, wenn er ohnehin wusste was Jesus mit sich führte. Der hatte keine Geheimnisse dabei, weshalb das nicht schlimm war. Und auch keine sonderlich großen Wertsachen. Nur etwas Obst und noch weitere Verpflegung.
„Weil Lunchboxen praktisch sind und das frische Essen darin nicht so schnell verdirbt?“
Er verstand die Frage nicht, denn was war so seltsam an einer Lunchbox? vielleicht weil sie zu ‚normal‘ war und Gabe so etwas nicht verwendete. Aber Jesus fand sie ungemein praktisch und hilfreich. So konnte man Lebensmittel am besten transportieren. Er nickte bei der Frage nach der Birne, Gabe klang gerade so aufgeregt wie ein Kind das das erste Mal ein Bonbon bekam. Aber das es schwierig war im Winter an frisches Obst zu gelangen verstand Jesus.
„Du hattest lange kein Obst mehr hm? Nur zu, greif zu“
Gabe durfte sich gerne noch mehr davon nehmen, Jesus könnte auch etwas anderes essen. Denn es war nun viel schöner Gabes Freude daran zu beobachten.
Die er leider nicht empfand als er den Schnee betrachtete. Jesus hatte wohl gut reden, der wohnte nicht im Freien, weshalb es schön war den Schnee vom Inneren seines warmen Zimmers zu betrachten. Doch fürs draußen Leben war er ganz bestimmt unpraktisch. Ständig war alles nass und der Boden noch härter als sonst. Und schlechter tarnen konnte man sich ebenfalls.
„Der Schnee in den letzten Wintern blieb nie besonders lange, also vielleicht hast du Glück und hast es bald überstanden“
Und wenn es zu kalt wurde hatte Gabe immer noch die Möglichkeit sich in einem verlassenen Gebäude Schutz zu suchen, selbst wenn es ihn einengte. Doch vielleicht war es besser für ihn wenn das Gebäude keine Fenster mehr hatte und er die Möglichkeit jederzeit zu fliehen. Selbst wenn er das sogar durch geschlossene Fenster tat. Ohne sie zu öffnen.
Jesus versuchte ja auch wirklich Gabes Einstellung zum Thema Schnee zu ändern, selbst wenn das ziemlich schwierig werden könnte. Aber er wollte es zumindest probieren.
„Ich habe einen guten Grund, vertrau mir“
Etwas womit Gabe sich wahrscheinlich ziemlich schwer tat. Aber Jesus hatte wirklich nichts Böses im Sinn, nein ganz im Gegenteil, er wollte bloß die wenigen Freuden genießen, die dieses Leben noch bot. Selbst wenn sie manchmal im ersten Moment vielleicht ein bisschen kindisch oder dämlich erschienen. Aber am Ende waren es doch genau diese kleinen Momente der Normalität, die das Leben lebenswert machten. Man sollte nicht ständig nur sehen was furchtbar war, sondern auch versuchen die guten Dinge wertzuschätzen.
„Könnte eine trockene Angelegenheit werden und vielleicht beiße ich dich dann in die Hand“
Das war ein Versprechen und keine Drohung. Denn niemand durfte Jesus holy hair essen! nur weil es glänzte hieß das dennoch nicht dass es genießbar war. Aber Gabe würde schon sehen, etwas Geduld mit dem Frühstück zu haben würde sich lohnen. Nach einem kleinen morgendlichen Spaziergang schmeckte das Frühstück doch außerdem gleich viel besser.
„Ja! und auch noch gut in Schuss! der Wahnsinn oder?“
Jesus freute sich wirklich über diesen Fund. Mehr als ein erwachsener Mann es vielleicht sollte aber das war ihm egal. Er versuchte das Leben immerhin so gut zu genießen wie es ihm möglich war. Weshalb er natürlich auch gleich eine Jungfernfahrt mit Gabe machen wollte.
Welcher sich aber nur so zögerlich an seinem Mantel fest hielt? das war doch Schwachsinn. Weshalb er nach seinen Händen griff und sie ordentlich um seinen Bauch legte
„Könnte holprig werden, also halte dich gut fest“
er sollte immerhin nicht runter fallen und sie wussten nicht wie wild die Fahrt werden würde. Gabe brauchte also keine falsche Scheu haben, Jesus empfand es alles andere als unangenehm, wenn er sich an ihm fest hielt.
„Ein Segen? Aber natürlich. Bitte lass diese Schlittenfahrt Gabes Abneigung zu Schnee lindern und zu einem Moment werden, den er für immer in seiner Erinnerung behält. Amen.“
Erinnerungen waren für Jesus schließlich eines der wichtigsten Dinge. Weshalb er versuchte so viele schöne und positive wie möglich davon zu sammeln. Und so eine Schlittenfahrt würde in der Zombieapokalypse ganz sicher in die Geschichte eingehen.
Sie machte nämlich wirklich viel Spaß und der Hügel war frei, also keine Bäume denen sie ausweichen mussten, sie konnten einfach nur unbeschwert die Piste hinab rodeln. Jesus wollte das ja eigentlich gern wiederholen, daran wurde er jedoch von einer Portion Schnee mitten in seinem Gesicht gehindert. Da schaute er im ersten Moment schon dumm aus der Wäsche, zog wegen der Kälte scharf die Luft ein und pustete den Schnee aus seinem Gesicht. Der ja auch ein paar seiner Haarsträhnen gefrieren und sich daran festsetzen ließ.
Er wischte sich das kühle Nass aus dem Gesicht ehe er ebenfalls von dem Schlitten aufstand und sich zu Gabe drehte. Sein Gesicht war ganz nass aber er wirkte nicht so, als wolle er nun Rache üben. Als der Schneeball von Gabe geflogen kam duckte er sich zur Seite weg und hob anschließend abwehrend die Hände
„Schon gut das reicht und ist wirklich kindisch. ich ergebe mich und komme in Frieden!“
er ging in dieser Pose ein kleines Stück auf ihn zu, bevor.. er mit einem Ruck Gabes Schulter packte und ihm zur selben Zeit das Bein wegzog, sodass er mit dem Hintern voraus im Schnee landete. Jetzt erst musste Jesus ziemlich lachen, da er sich nun über ihn kniete, damit Gabe unter keinen Umständen fliehen konnte. Denn nun war es er, der sich eine Ladung Schnee packte und Gabe damit das Gesicht einrieb. Ja er war sogar so dreist und zog ihm sein Shirt hoch, um dort etwas Schnee rein zu stopfen. wirklich sehr erwachsen die beiden hm? Aber Jesus hatte schon lange nicht mehr bei etwas so gelacht wie gerade in diesem Augenblick.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

zuletzt bearbeitet 02.02.2020 00:38 | nach oben springen

#24

RE: Dachterrasse

in Altenheim 02.02.2020 16:43
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Tage, Monate, wen juckt das schon aber ja, Gabe war ungefähr so religiös, wie Jesus ein Regenbogeneinhorn das Glitter kotzt, wobei... vielleicht nicht der gelungenste Vergleich? Aber er hatte als Schüler sich Feiertage nie groß merken müssen und heute waren sie bedeutungslos geworden, mehr oder weniger, man konnte ja nur noch schätzen welchen Tag oder Monat man hatte. Gabe wusste zumindest, als Dezemeber-Kind, dass, wenn es anfing, zu schneien, er wieder ein Jahr älter geworden ist aber who cares. Solche Dinge hatten doch keine Bedeutung mehr, zumindest nicht, wenn man draußen allein rumlungert, sowie mit Überleben beschäftigt ist. "Hoffe ich für dich, HootHoot hätte dich sonst mit seinen Moves auf die Matte geschickt."
Sagte Gabe mit gespielt ernster Miene, immerhin war seine Eule Nachts putzmunter, dieser hätte es sofort gemerkt, wenn Jesus an dessen Zeug gegangen wäre, allerdings musste er anzweifeln ob der Kauz den Holy Ninja gehackt hätte, denn offenbar mochte er den Langhaarigen und man konnte es ihm nicht einmal zum Vorwurf machen.
Als dieser wegen Gabes Wasabi-Anekdote ein wenig lachen musste, konnte auch dieser sich das Schmunzeln nicht gänzlich verkneifen, auch wenn die Aktion seiner besten Freundin echt hardcore fies war aber Jesus lag goldrichtig, die zwei Schelme haben sich nichts geschenkt als Teenager, wenn es darum ging, dem Anderen einen Streich zu spielen.
Ihm wich das Schmunzeln ebenso schnell aus dem Gesicht wie es zustande gekommen war, tief Luft holend, zuckte er im Anschluss mit den Schultern.
"Weiß ich nicht, ...ich glaube nicht dass sie tot ist, nicht Roxy, ...die kommt super zurecht, tat sie immer schon. ...als unsere Gruppe, größer wurde, wir uns aber noch nicht die Saviors nannten, ...erkannte sie ziemlich schnell in welche Richtung sich das entwickeln würde. Roxy war besser darin als ich, die Leute einzuschätzen, ..sie mochte meinen Dad auch nie wirklich .... sie ging, ein paar Wochen, Monate, bevor wir das Sanctuary fanden ..... und wollte nichts mit diesen Leuten zu tun haben. ...sie wollte, dass ich sie begleite...wir zwei gegen den Rest der Welt, wie seit der ersten Klasse.." Er lächelte bitter und sah zu Boden, er vermisste sie. "...wir haben uns gezofft, nicht der beste Abschied und...mit vielen was sie sagte, behielt sie am Ende Recht. ..." Einen Moment lang hielt er inne, holte Luft und wollte ihn fragen, ob es vielleicht jemanden mit diesem Namen, okay es war ein Spitzname, bei den Leuten von Jesus gab oder ob er mal einer Roxy begegnet war in den letzten Jahren aber er brachte die Frage dann doch nicht zustande. Entweder hatte Jesus keine Antwort parat oder womöglich doch, nur dass sie Gabe nicht gefallen könnte und es war einfach tröstlicher, vielleicht aber auch nur wieder pure Verdrängung, daran zu glauben, dass sie irgendwo da draußen war, den Leuten den Arsch aufriss, die ihr auf den Zeiger gingen oder jemanden in Grund und Boden argumentierte.
"....dich hätte sie garantiert gemocht.."
Okay, wer mochte Jesus nicht, schön viele der Saviors mit Sicherheit, damals zumindest, weil er am Ende der Feind war aber Roxy hatte das Herz am rechten Fleck, sie war Gabes Ruhepol, hatte ihm oft genug den Kopf gewaschen, wieder auf die Spur gebracht oder einfach Blödsinn gemacht mit ihm. Sie war wie eine Schwester für ihn, ihr größtes, einziges richtiges Streitthema war immer nur Gabes Dad gewesen, lange vor dem Ausbruch schon, seit sie zusammen zur Schule gingen. "Was ist mit dir, ..hast du hier draußen noch wen, aus deinem ....früheren Leben?"
Eine unangenehme Frage aber entweder bekam man eine Antwort oder nicht, was hatte man denn noch groß zu verlieren heute? Dennoch lachte Gabe leise auf wegen der Bemerkung von Jesus, ein Minenfeld aus Chilis, das war mega heftig! Die Vorstellung dessen aber wiederum auch urkomisch, weshalb er ein bisschen vor sich hin grinsen musste, obgleich er sich wohl eher beleidigt fühlen sollte, da Jesus offenbar, warum auch immer, davon ausging Gabe würde ihre Gemüsebeete und Obstbäume plündern. Also echt mal, das verletzte ihn voll...nicht.
"Dann werde ich einfach HootHoot los schicken, der ist immun gegen die Chilis." Konterte Gabe nun sogar und wippte mit den Augenbrauen provokant. Na hatte Jesus dagegen auch eine Strategie vorzuweisen?
Es mochte absurd klingen, obschon es fast logisch klang, wenn man bedachte in welchem Umfeld Gabe die letzten Jahre gelebt hatte, aber einfach zu fragen, ob man etwas teilte oder tauschen würde, kam ihm nicht mal in den Sinn. Die Saviors nahmen sich was sie wollten und Gabe stahl sich was er brauchte, gut er klaute auch viel unnützes Zeug, einfach, weil er dem Zwang erlag es an sich zu nehmen. Jesus schien sich dahin gehend wohl besser unter Kontrolle zu haben, wo sich Gabe schon fragte, war er, wie er selbst, ein Kleptomane oder stahl er echt nur, weil er zum einen sehr gut darin ist und es in erster Linie getan hatte, um Anderen somit zu helfen?
Im Sanctuary gab Gabe ja auch Beute an die Arbeiter ab, still und heimlich, da er sich als Negans Sohn alles nehmen konnte, ohne drum bitten zu müssen, waren es in erster Linie Lebensmittel, die er denen zusteckte, die in der Nahrungskette weiter unten standen. In erster Linie bestahl er auch nur die Soldaten, jene die höher gestellt waren als das 'Fußvolk', das sich für jeden mickrigen Punkt die Finger wund schuftete. Zu Beginn tat er es auch nur aus Langeweile, Neugierde, doch je härter das Regime seines Dads wurde, die Strafen brutaler, umso mehr war es seine Form der Rebellion diesem gegenüber und erwischte man ihn dabei, nun, er war als Sohn vom Boss unantastbar. Klar nutzte Gabe das mitunter zu seinem Vorteil auch entsprechend aus, wäre dumm es nicht zu tun und er würde es erneut so machen.
Seinen Spitznamen Robin Hood hatte er im Sanctuary nicht ganz unbegründet, stiehl es von den Reichen, gib es den Armen und lass dich möglichst nicht dabei erwischen. Fraglich, ob er die Masche unbeschadet beibehalten konnte in der Kolonie, welcher sein Dad gedachte sich anzuschließen und wo Gabe, seit Wochen schon auf Raubzug ging, ehe er sich wieder in den Wald zurückzog. Gabe sah Jesus abwartend an, allerdings folgte wegen der Pfadfinder kein blöder Spruch? Das war ja fast enttäuschend, Gabe hätte es sich wohl nicht verkneifen können.
"Ja, Roxy trat denen zuerst bei, hab sie deshalb immer aufgezogen aber ... sie hat so viel coole Sachen gelernt, außerdem haben wir alles zusammen gemacht, daher fragte ich meine Eltern, ob ich auch Pfadfinder werden kann. .. sagen wir es war ..eine 'Therapie' für meine 'Aggressionsprobleme' in der Schule, ...hab mich ständig geprügelt, die Sport-AGs waren zu Beginn toll, nur war ich ziemlich schnell der Beste also ...keine Herausforderung für mich. Bei den Pfadfindern hab ich viel krassen Scheiß gelernt, mitunter Bogenschießen ...und ja ...das war die größte Herausforderung für mich, weil ich ...still stehen musste zu Beginn, mich fokussieren und das fällt mir heute noch schwer."
Wie Jesus wohl bemerkt haben dürfte, Gabe hat geflucht ohne Ende, nur war er so ein Dickschädel, dass er jedes Mal, wenn er frustriert den Bogen zu Boden geworfen hatte, kurz etwas Dampf abließ und dann weiter machte. Wenn er etwas anfing, wollte er es auch zu Ende machen, egal wie oft er hinfiel, er stand wieder auf. Wohl eine seiner wenigen guten Eigenschaften, obschon sie sich genauso negativ äußern konnte, denn ein erfasstes Ziel ließ er nicht mehr aus den Augen, unabhängig davon ob Mensch, Beißer oder Tier.
"Was hast du eigentlich gemacht, früher ..ich mein, nun wo ich den Schock langsam verdaut hab, dass du ein alter Mann bist.." Er grinste schon wieder so frech dabei. "....hattest du doch sicher schon nen Job und solchen Kram?" Neugierig wie er war, musste er da ein bisschen nachhaken, immerhin war er gewillt ihm auch was über sich zu erzählen, war demnach nur fair, wenn Jesus auch was Preis gab. Zumindest bemühte Gabe sich, erst zu denken, bevor er losquatschte bzw. Fragen stellte. Mal davon ab, dass er keine Ahnung hatte was Jesus vor dem ganzen Scheiß so getrieben hat, außer Maki und Sushi zu essen, hübsch auszusehen und zu singen, auch wenn er sich selbst wohl nicht für so talentiert hielt. Was Gabe noch nicht beurteilen konnte, ihnen fehlte ja leider immer noch eine Gitarre!
Der Vorschlag mit dem Baumhaus klang an sich ja nicht mal schlecht, allerdings ...
"Ich hab keine Geduld für sowas, ich kann mir aus Ästen und Zweigen zwar nen Unterschlupf bauen aber der ist nur temporär. Mal davon ab, dass ich nie zu lange an einem Ort verweile, bin die meiste Zeit auf Achse ...und erkunde."
Gabe war Späher, sowie schnell gelangweilt, wenn es nichts Neues zu entdecken gab, so richtig sesshaft war er trotz Sanctuary damals nicht gewesen und würde es auch in der neuen Kolonie nicht sein. Zumal er keinen Bock hatte, sich nen Raum mit seinem Dad und dessen Tussi zu teilen. Da sprang er lieber durch ein geschlossenes Fenster und einer Horde Beißer in die Arme!
"...ich hab keinen Grund, um irgendwo sesshaft zu sein, ..zu werden ....HootHoot ist immer bei mir also ...who cares?"
Anders als Jesus hatte Gabe nichts, niemanden, der ihn dazu veranlassen würde dauerhaft an einem bestimmten Ort zu verweilen oder anders gesagt, es gab keinen Ort, an dem er sich wohlfühlte. Das Sanctuary war kalt, trostlos, eine alte Fabrik gewesen und die neue Kolonie? Daran wollte er gar nicht erst denken.
Außerdem tat es gut mal wieder ein bisschen Anlass zum Lachen zu haben, HootHoot war nicht gerade der witzigste Gesprächspartner, wie man sich denken konnte und Jesus hatte auch so eine spitzbübische Art an sich, die wohl mit dazu beitrug, dass er nicht so alt wirkte, wie er ist.
Es war Gabe sogar noch unangenehmer, dass es scheinbar so offensichtlich war, für den Holy Ninja, wie schwer sich der Bogenschütze damit tat, wenn Leute nett waren oder ...ohne Zwang, Gewaltandrohung und Einschüchterung ihre wenigen Vorräte zu teilen gewillt sind.
"Schön, wenn du darauf bestehst, ..kann dich ja wohl schlecht dazu zwingen, deine Vorräte für dich zu behalten."
War ja auch nicht seine Art, bloß wollte, sollte, er sich nicht daran gewöhnen, dass jemand, wie Jesus, so ätzend großzügig und freundlich war. Er wusste ganz genau, wenn er das zu nah an sich ran ließ, was längst der Fall war, würde es ihm nur umso schwerer fallen sich wieder einzufügen in eine Kolonie, die fast schlimmer schien, als das Sanctuary und Gabe war langsam nicht mehr sicher, ob er das noch packen würde aber er musste es. Etwas Anderes stand nicht zur Debatte.
Ebenso der Inhalt von Jesus Rucksack, weswegen Gabe abwinkte, obschon er gerne reingucken würde aber so einen Funken Restanstand besaß er noch, irgendwo, tief in sich drinnen.
Den er aber nur schwer hervorkehren konnte, wenn Jesus frisches Obst dabei hatte und Gabe, kaum das er die Erlaubnis ausgesprochen hatte, sich noch was davon nahm, sowie in den Mund stopfte, um es hastig zu verputzen. Kauend hob er nur beide Daumen nach Oben, Obst war super und eine echt willkommene Abwechslung. Man konnte Gabe demnach nicht nur mit Süßem eine Freude machen, früher achtete er ja durchaus auf seine Ernährung, zumindest ausreichend Abwechslung, auch wenn sowas wie Sushi nicht auf dem Speiseplan gestanden hatte aber nur von Fleisch zu leben war auch nicht das Wahre auf Dauer. Im Winter hatte er aber keine Nüsse, keine Pilze, Beeren, die er mal eben auf den Speiseplan hier draußen setzen konnte, demnach war die Lunchbox, die einfach so absurd war, aufgrund dessen, weil es normal war, früher, ziemlich praktisch welche Jesus mit sich führte. Okay, es war auch irgendwie putzig, wenn da ein Überlebender, der nun mal aussah wie sein Namensvetter am Kreuz, plötzlich seine Lunchbox zückte! Damit rechnet man heutzutage doch nicht.
Deren Inhalt machte aber auch deutlich, dass Gabe, egal wie gut er hier draußen überleben konnte, dennoch viele Dinge stehlen musste, um eine halbwegs ausgewogene Ernährung zu haben, zusätzlich musste er sich mit Pflanzen auskennen, damit er sich nicht versehentlich selbst vergiftete. Insekten verputzte er mitunter auch, wählerisch war er dahingehend kein Stück und die Jahre bei den Pfadfindern retteten ihm heute den Arsch.
Der Schnee kotzte ihn dennoch an, er machte einen langsamer, sich durch diesen zu bewegen, zehrte schneller an den Kräften und der Ausdauer, nicht zu vergessen, dass Gabe als Dieb nur dunkle, schwarze Kleidung trug, wenn er auf Raubzug geht, auch mal Nachts. Nur selbst im Dunkeln entdeckte man ihn, wenn überall Schnee lag, es war durchweg unpraktisch für ihn. Dass Jesus jedoch wollte, dass Gabe ihm etwas Vertrauen entgegenbrachte... war viel verlangt, gerade er tat sich damit furchtbar schwer, obschon der Holy Ninja bereits mehr davon erhielt als irgendwer sonst in den vergangenen Jahren. Zum Glück war es Gabe gar nicht wirklich bewusst, sonst würde er womöglich rasch umschalten und sofort versuchen alles abzublocken.
Wie er es immer tat.
Jedoch mit großen Augen rüberschaute zu dem Ninja, während sie durch den Schnee stapften. "Du würdest mich beißen? Fuck, Jesus ist ein Kannibale. Help!!" Haute er sogleich raus und konnte halt nicht anders, sowas kam ihm immer spontan in den Sinn, sein Mundwerk war meist dann auch schneller als der Rest von ihm. Dennoch war es nichts im Vergleich zu dieser Begeisterung, welche Jesus an den Tag legte, nur wegen einem simplen Schlitten. Da bekam man wirklich das Bedürfnis, diesen einfach zu knuddeln, weil er so furchtbar niedlich wirkte in diesem Moment. Gabe musste sich auf die Unterlippe beißen, nur um nicht breit zu grinsen, ob seiner Verzückung, als die blauen Puppy Eyes vor Begeisterung regelrecht funkelten und das bloß aufgrund des Fundes, von einem Schlitten.
Allerdings hielt Gabe prompt die Luft an, weil seine Hände ergriffen wurden und Jesus sie vorzog zu seinem Bauch, woraufhin ihm das Herz prompt in die Kniekehle rutschte, ja es war nichts dabei, absolut gar nichts, trotzdem war das für den Dieb mit den grünen Augen minimal überfordernd. Er bildete sich absolut nichts darauf ein, um Teufels Willen, nur lehnte er dadurch nur noch mehr an Jesus Rücken und drehte sich innerlich gerade im Kreis wie der tasmanische Teufel aus den Cartoons von früher.
".... du bist unfassbar und ich dachte immer, ich wäre bekloppt."
Kam es amüsiert von ihm, gefolgt von einem leisen Lachen eh Gabe dafür sorgte, dass sie endlich in Bewegung kamen, um den Hügel runter zu brausen, auf einem Schlitten, in der Apocalypse aber why not. Es schadete wohl nicht gänzlich, mal ein paar schöne Erinnerungen zu sammeln, selbst wenn es wohl mit jemandem war, dem man früher als Feind auf dem Schlachtfeld gegenüber stand, was leider nicht nur eine Metapher war. Gabe hatte nicht in der ersten Reihe gestanden aber war dabei gewesen und hatte zugelassen, dass sie seinen Dad am Ende einsperrten, während er rasch das Weite suchte.
Damals hatte Gabe den Bogen und einen Pfeil eingespannt in den Händen, jetzt einen Schneeball, den er nach Jesus warf aber der sich geschickt wegduckte, wie das flinke Wiesel was man erwarten würde. Natürlich schnappte Gabe sich sofort neuen Schnee, formte daraus einen Ball und machte erst mal einen Schritt zurück während Jesus die Hände abwehrend hob, er selbst runzelte die Stirn etwas, während sein Fokus sich von den blauen Augen, zu einem Wassertropfen verlagerte, der von einer seiner langen Haarsträhnen tropfte.
Da war er nur einen winzigen Moment abgelenkt, schon befand sich Jesus in einem Radius, der ihm Vorteile brachte und Gabe bloß noch den linken Fuß zurücksetzen konnte, da er gedachte auszuweichen, jedoch bekam der Holy Ninja ihn schneller an der Schulter zu fassen als dem Bogenschützen lieb war. Er kam nur dazu einmal zu blinzeln, schon verlor er den Boden unter den Füßen und landete der Länge nach auf dem, schneebedeckten, harten Untergrund, keuchend entwich ihm der Atem aber er schaffte es zumindest noch, aus dieser Position heraus, Jesus den Schneeball entgegenzuwerfen, auch wenn er nur dessen Schulter traf. Dafür hinderte dieser ihn prompt daran wieder aufzustehen, indem er sich über ihn kniete und Gabe ziemlich doof aus der Wäsche guckte, denn schon hatte er jede Menge Schnee im Gesicht und zog scharf die Luft ein, da es scheiße kalt, als auch nass war, aber dennoch musste er anfangen zu lachen. Griff nebenbei auch zur Seite in den Schnee, welchen er lose nach Jesus warf, der zu einem wahrlich teuflischen Schachzug überging und Gabe Schnee ins Shirt stopfte, sogleich japste er vor Schreck auf, das war fucking kalt! Da zog sich Alles innerlich zusammen, von seinen Muskeln ganz zu schweigen und der Gänsehaut, die sich über seinen Körper legte, trotzdem packte er Jesus prompt am Kragen seines Ledermantels, zog ihn ruckartig ein Stück runter, nur um ihm mit der anderen Hand, voll Schnee, das Gesicht erneut einzuseifen mit nem breiten Grinsen im Gesicht.
Oh ja, wenn man sie so sah, schlotterten einem vor Ehrfurcht gewiss die Knie aber bis auf HootHoot, der auf einem Ast hockte, sowie sich aufgeplustert hatte, war ja niemand da, der sich darüber wundern könnte, weshalb Gottes Sohn und der Savior eine Runde im Schnee rumalberten.
Ausnahmsweise verschwendete Gabe daran auch keinen Gedanken, so unbeschwert hatte er sich eine ganze Weile nicht mehr gefühlt oder gelacht, man konnte da doch glatt für einen Moment lang vergessen, wie beschissen diese Welt mitunter geworden war und einem täglich abverlangte, nur um am Leben zu bleiben. Da nahm es Gabe auch in Kauf im Schnee zu liegen, ganz egal wie kalt oder nass es auch wurde, kaum das dieser in seinem Gesicht, als auch unter seinem Shirt geschmolzen war, zumindest sparte er sich nun die morgendliche Katzenwäsche. Seine Finger waren schon ganz kalt wegen dem ganzen Schnee, den sie sich um die Ohren hauten, nur genoss Gabe den Vorteil, dass sein Haar zu kurz war, um ihm ins Gesicht zu fallen oder daran festzukleben, dafür klebte sein nasses Shirt umso mehr an seinem Oberkörper, der aufgrund der Kälte versuchte sich warmzuhalten und er leicht zu zittern begann irgendwann.
Daran störte Gabe sich nur ebenso wenig, wie an dem Aspekt, auf dem Boden zu liegen und dabei wäre es für ihn tatsächlich ein Leichtes, Jesus zu packen, sowie zur Seite zu zerren, nur um sich anschließend erheben zu können. Dem er noch ne Ladung Schnee ins Gesicht warf aber dann ergebend die Hände hochhielt als Friedensangebot, nicht das Jesus ihn echt noch biss, weil er sein shiny holy Hair völlig ruinierte.
"Ich ergebe mich.." Bot er ihm sogar an und atmete tief durch, mit der Hand fuhr er sich über das nasse Gesicht, noch bevor sie sein Kinn mit dem dunklen Dreitagebart erreicht hatte, fasste er mit der anderen Hand an Jesus Mantel und setzte sich ruckartig auf, sodass er ihn direkt vor der Nase hatte. Gabe brauchte tatsächlich länger um sich auf Dinge zu fokussieren, die direkt vor ihm sind, er war sehr weitsichtig, tatsächlich trug er früher sogar eine Lesebrille oder hätte eine tragen müssen, da das aber mega uncool war, hatte er als Teenager natürlich darauf verzichtet. Die Augen leicht verengt, fixierte er das klare Blau direkt vor sich, dass Gabe etwas grimmiger wirkte, dabei lag aber nicht an Jesus, wenn er ein Buch las, guckte er sogar richtig verbissen, weil er sie schlecht lesen konnte auf kurze Distanz und einen Optiker fand man nun mal nicht im Wald.
"...So excuse me forgetting, but these things I do..you see I've forgotten... if they're green or they're blue..." Es war kaum mehr als ein melodisches Murmeln was ihm über die Lippen kam, eine dumme kleine Angewohnheit, die hier draußen Niemanden störte. Er hatte nicht nur ein loses Mundwerk, er war auch musikalisch und wollte früher, heimlich, sogar Sänger werden, weswegen er dazu tendierte irgendwelche Ideen, Einfälle oder Liedtexte von sich zu geben, ohne es richtig zu merken. "Anyway, the thing is, what I really mean..yours are the sweetest eyes I've ever seen..." Entgegen vieler Erwartungen mochte er keinen Hip-Hop, sondern hörte gerne Queen, Elton John, Elvis, die guten Stücke eben und nicht den Müll, der damals im Radio rauf und runter ratterte. Und bei Jesus kamen ihm spontan schon die ganze Zeit irgendwelche Zeilen in den Sinn, die er mitunter auch in seinem Büchlein aufschreiben würde, nur hatte er das ja nicht zur Hand. Apropos Hand, er ließ dessen Mantel auch mal wieder los, zog den Kopf etwas zurück und räusperte sich leicht verlegen, obschon er es zum Glück auf den Schnee schieben könnte, weswegen eventuell ein rötlicher Schleier auf seinen Wangen lag. Die sich im Vergleich zum Rest seines Gesichtes momentan sehr warm anfühlten.



@Jesus


nach oben springen

#25

RE: Dachterrasse

in Altenheim 03.02.2020 22:35
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

„Als ich noch ein Jugendlicher war gab es da einen Kerl in unserem Waisenhaus den ich nicht ausstehen konnte. Er dachte er wäre wahnsinnig cool, da er sich mit 14 schon traute Alcopops zu trinken. Eines nachts hat er damit ziemlich übertrieben und war sturzbetrunken. Er hat randaliert und uns anderen Teenies den Abend zur Hölle gemacht, weil wir alle seinetwegen bestraft wurden. Klar ging es ihm am nächsten Tag mies, er war völlig verkatert und ausgetrocknet, weshalb er uns alle gezwungen hat ihm unsere Wasserrationen auszuhändigen. Ich aber gab ihm meine freiwillig, da ich einem der Aufseher zuvor seine Flasche Wodka geklaut hatte und diesen statt dem Wasser in meine Wasserflasche gefüllt habe. Er ahnte nichts Böses und leerte sie ohne Nachzudenken fast in einem Zug. Was danach passierte kannst du dir vielleicht denken.“
Denn natürlich übergab sich der Junge sofort und wurde anschließend dazu verdonnert in seinem Zustand den ganzen Schlafsaal sauber zu machen. Damals erschien das Jesus als gerechte Strafe. Da wirkte er plötzlich gar nicht mehr so heilig was? Aber auch er hatte manchmal mitunter bösartige Streiche gespielt, die Pubertät zog eben an niemandem spurlos vorüber. und rückblickend betrachtet hatte es der Junge wirklich verdient, selbst wenn Jesus heute wohl anders handeln würde. Aber er hatte nur versucht ihm eine Lektion zu erteilen. Wieso er das Gabe erzählte? das wusste er eigentlich selbst nicht. Er hatte schon lange mit niemandem mehr über seine Vergangenheit gesprochen. Erst Recht nicht über seine Zeit in dem Waisenhaus. Aber irgendwie hatte seine Geschichte ihn einfach dazu gebracht den Mund zu öffnen und darauf los zu reden. Sie hatten beide wohl interessanten Einfluss aufeinander.
„Bereust du es? Damals nicht mit ihr gegangen zu sein?“
Fragte Jesus vorsichtig nach, denn das dieses Thema heikel war war klar. Auch Jesus hätte diese Roxy ganz sicher gemocht, sie schien versucht zu haben Gabe davor zu bewahren ein Savior zu werden. Nur leider war sie gescheitert. Dennoch hatte sie mit diesen Worten etwas in ihm ausgelöst, denn wenn er heute noch an dieses Gespräch dachte, dann hieß das er zweifelte immer noch daran, ob es richtig oder falsch war seinem Vater zu folgen. Blutsverwandtschaft hin oder her. Jesus ahnte doch noch nicht, dass Gabe den selben Fehler erneut machte. Für ihn klang es so als hätte er sich von diesen Leuten abgewandt, nicht jedoch dass er schon für eine neue, noch grausamere Kolonie arbeitete.
„Klingt als wäre sie ein tolles Mädchen“
Jesus sprach mit Absicht nicht in der Vergangenheit von ihr, denn sie war Gabe offenbar wichtig, deshalb wollte er mit ihm gemeinsam daran glauben, dass sie unversehrt war und irgendwo da draußen.
Bei seiner Frage schüttelte er den Kopf
„Nein, zumindest nicht in der Nähe. Während des Ausbruchs war ich in Virginia, wo ich auch aufgewachsen bin und habe eine Schule für Martial-Arts betrieben. Ich brachte meine Schüler sicher nach Hause zu ihren Familien, ob sie es danach jedoch geschafft haben.. weiß ich nicht. Denn ich blieb nicht. Ich hatte damals keine Ahnung was passiert war und war überzeugt davon, dass es da draußen irgendwen geben musste, der ein Heilmittel für diese Epidemie finden könnte. Weshalb ich meine Heimat verließ, um nach dieser Person zu suchen, nur leider erfolglos.“
Und so hatte sein Weg ihn bis hier her verschlagen. Er hatte seine Heimat, sein früheres Leben vollständig hinter sich gelassen und der Suche nach einem Heilmittel gewidmet. Bis er irgendwann, nach etlichen Rückschlägen erkennen musste, dass es kein Heilmittel gab. Und das dies nun ihre neue Weltordnung war.
Damit beantwortete er ihm aber auch sogleich die Frage nach seiner Vergangenheit, was er früher gemacht hatte. In seiner Schule für Kampfkunst lehrte er seine Schüler nicht nur das Kämpfen sondern auch die Philosophie die dahinter steckte.
„Oh damit wäre ich vorsichtig, wir haben einen ziemlich guten Armbrustschützen“
und Gabe konnte doch nicht riskieren, dass HootHoot abgeschossen wurde weil er beim Klauen erwischt wurde. Auch wenn die Vorstellung süß war, denn Gabe würde nicht sehr reich werden bei den kleinen Mengen die der winzige Kauz tragen konnte.
Jesus hatte keinen zwanghaften Drang zu stehlen, er tat es weil er gut darin war und weil es leider manchmal notwendig war in der heutigen Welt. Trotz seines Names war auch er eben nicht durch und durch ein Engel.
Wieso sollte Jesus sich wegen der Sache mit den Pfadfindern über ihn lustig machen? er fand das nicht peinlich sondern ziemlich cool, die Kids damals waren viel zu wenig in der Natur unterwegs, es war also eine gute Sache in seinen Augen.
„Kein Wunder dass du so gut in der Natur überleben kannst. Aber.. was machst du nun zur Auslastung?“
denn offenbar hatte Gabe wirklich ein Problem mit etwas zu viel Energie gehabt als Kind oder hatte es immer noch. Auch wenn Jesus das niemals als Problem bezeichnen würde, das war es nicht, er brauchte halt nur die richtige Förderung, dann hätten die Schwierigkeiten in seiner Kindheit vielleicht vermieden werden können. Für jemanden wie Gabe bot die Apokalypse wohl bessere Wege sich zu entwickeln als das damalige, starre Schulsystem.
„also wenn es an deiner Geduld scheitert wüsste ich da wen, der dir helfen könnte“
Dabei zeigte Jesus natürlich grinsend mit beiden Daumen und begeistertem Blick auf sich selbst. Nur schien das nicht der eigentliche Grund dafür zu sein wieso Gabe sich noch kein Baumhaus gebaut hatte.
„ich verstehe, dass du keine Lust darauf hast in einer Wohnung herum zu sitzen und die Bewegung sowie die Natur brauchst. Aber vermisst du nicht dennoch manchmal einen Ort an den du immer wieder zurück kehren kannst?“
Jesus für seinen Teil brauchte das. Er war zwar auch viel auf Achse, kundschaftete aus, sammelte Ressourcen und so weiter. Dabei schlief er auch schon mal für ein paar Tage auswärts. Dennoch empfand er es als ungemein wichtig ein zu Haus zu haben in welches er nach solchen Trips wieder zurück kehren konnte. Ein kleines Stück Heimat. Und Gabe hatte wirklich so gar nicht dieses Bedürfnis? Jesus vermutete, dass es vielleicht nur daran lag, dass es dort niemanden gab der auf ihn wartete. Zwar führte Jesus auch keine Beziehung.. aber er hatte Freunde in seiner Heimat, Menschen die ihm wichtig waren und ohne die er emotional verkümmern würde.
„oh das wäre ja mal ganz was Neues gewesen, wenn die Saviors zu uns gekommen wären und uns gezwungen hätten unsere Vorräte für uns zu behalten“
Scherzte Jesus ein bisschen, selbst wenn das Thema sehr negativ behaftet war, die Vorstellung war schon irgendwie lustig wie Simon da stand und ihnen sagte ‚gebt eure Vorräte bloß niemanden, teilt sie gereicht untereinander auf und gebt Acht auf euch‘. Zu schade, dass die Welt so nicht funktionierte. Dann gäbe es wohl weit weniger Leid für sie alle.
Vielleicht würde Gabe ihm ja irgendwann von seinen Sorgen erzählen was seine neue Kolonie betraf. Aber das er es Jesus jetzt noch nicht auf die Nase band lag auf der Hand. Er kannte ihn kaum und auch wenn es sich irgendwie so anfühlte als würden sie sich schon ewig kennen, war das leider nicht der Fall. Und Jesus war im Grunde immer noch der ‚Feind‘. Denn das seine neue Kolonie vor hatte Frieden mit dem Cottage zu schließen erschien wohl unrealistisch.
Vielleicht sollte Gabe einfach seine Kleidung an den Schnee anpassen und weiße Kleidung bei seinen Raubzügen tragen statt dunkler, das wäre zumindest für diese Jahreszeit viel geeigneter. Allerdings wurde weiß leider so schnell dreckig, dass man irgendwann ohnehin wieder schwarz oder zumindest braun aussah.
„Ich habe ja nicht gesagt ich zerkaue deine Finger und verspeise sie. Höchstens ein bisschen daran knabbern vielleicht“
worüber hatten sie gerade noch geredet? Jesus hatte es irgendwie vergessen bei der Vorstellung daran, zärtlich an Gabriels Fingern zu knabbern. Auf die er automatisch kurz hinab sah. Trotz der Tatsache, dass er hier draußen in der Natur lebte sahen sie gepflegt aus. generell war sein Erscheinungsbild sehr gepflegt, das war ihm schon gestern Nacht aufgefallen. Aber er sollte diesen Gedanken besser nicht weiter nachgehen, denn dann würden sie sich selbstständig machen, in eine Richtung die ihn unaufmerksam sein lassen würde.
Schlitten zu fahren während gerade der tasmanische Teufel innerlich tobte war mit Sicherheit noch eine Spur aufregender als eine gewöhnliche Schlittenfahrt, doch Jesus hatte so oder so seinen Spaß. Und er würde ja gerne noch mal, hätte Gabe nicht diesen kleinen Schneekrieg angezettelt. Immer diese Saviors, die konnten einfach nicht anders was?
„unfassbar was?“
es gab viele Dinge die man sein konnte. Unfassbar toll, unfassbar dämlich, unfassbar verrückt, und so weiter. das konnte Jesus nun positiv oder negativ deuten, auch wenn er zu einer positiven Auslegung tendierte, ob Gabes Tonlage.
eines waren sie nun aber definitiv beide, nämlich unfassbar kindisch als sie sich gegenseitig mit Schnee bewarfen wie ein paar verrückt gewordene Teenies. Aber was war schon dabei? es machte einfach Spaß und es gab viel zu wenige Gelegenheiten zu lachen in dieser Welt. Weshalb Jesus wirklich lauthals lachte als er erneut eine Schneeabreibung im Gesicht bekam. Das war echt verflucht kalt dennoch fror er nicht, was vielleicht an der Bewegung oder aber auch an Gabes Nähe liegen könnte. Beides war möglich.
Sein langes Haar fiel über seine Schultern nach unten neben Gabes Gesicht, nachdem dieser ihn am Kragen gepackt und ein Stück nach unten gezogen hatte. Sodass er ihm mit seinen blauen Augen direkt in die Augen sehen konnte und fast etwas außer Atem war wegen der Schlacht in der Kälte.
Noch ein Stück näher kamen sie sich jedoch, als Gabe sich plötzlich aufsetzte und nur noch ein paar Zentimeter ihre Gesichter von einander trennten. In diesem Moment vergaß Jesus sogar die Kälte und sah Gabe einfach nur in seine schönen Augen. Augen in denen er sich wirklich verlieren und alles andere um sich herum vergessen könnte.
Jesus war bereits aufgefallen, dass Gabe gerne Songtexte zitierte oder einfach Lieder vor sich hin summte, noch war ihm allerdings nicht bewusst, ob er das mit Absicht tat oder ob diese Zeilen unbewusst seine Lippen verließen. Doch konnten seine Worte wirklich Zufall sein während sie einander so tief in die Augen sahen? Vielleicht fiel es Gabe so einfach leichter auszudrücken was er dachte oder fühlte. So war es doch auf häufig bei Kindern, die ihre Gefühle anhand von Zeichnungen ausdrückten, nur das Gabe kein Kind mehr war. Sondern ein junger Mann, ein wirklich sehr attraktiver junger Mann.
Jesus blickte wie gebannt auf seine Lippen während sie sich bewegten und der Text dieses Liedes an seine Ohren drang, welches er durchaus kannte. Gabe schien einen guten Musikgeschmack zu haben und selbst wenn es nur ein melodisches Flüstern war, bereits daran konnte man erkennen, dass er eine wunderschöne Stimme hatte. zu gerne würde Jesus ihn einmal richtig singen hören.
Denn er zog ihn gerade wirklich in den Bann mit seinem Flüstern. Irgendwann schien ihm aber doch bewusst zu werden was er da gesungen hatte, nämlich als Gabe den Kopf wieder zurück zog und zur Seite blickte. Es war irritierend.. Gabe sendete Jesus nämlich ziemlich verwirrende Signale. Einerseits hatte er den Eindruck als wolle er ihm nahe sein, als gäbe es da einen Funken zwischen ihnen, der selbst durch den Schnee nicht zu löschen war. Aber auf der anderen Seite reagierte er dann wieder so abweisend. War das wirklich nur Schüchternheit? oder auch sein Verstand der ihn dazu ermahnte Jesus auf Abstand zu halten? denn es konnte doch nicht sein, dass nur er diese Verbundenheit zu ihm fühlte. Selbst wenn auch Jesus sich dazu ermahnte sie nicht zu zu lassen. Immerhin war er nicht hier, um mit jemandem zu flirten, sondern um eine Person zu finden, mit der er sich vielleicht eine Zukunft hatte vorstellen können. und dennoch konnte er nicht einfach so tun als wäre da nichts.. weshalb er seine Handschuhe auszog und seine darunter noch warmen Finger an Gabes gerötete Wangen legte. Er drehte seinen Kopf zu sich, damit er ihm wieder in die Augen blickte ehe auch Jesus melodisch flüsterte, während er ihm wieder ein Stückchen näher kam
„I hope you don’t mind, I hope you don’t mind, that I put down in words…. how wonderful life is while you're in the world..“
Gab es denn eine passendere Liedzeile als diese, um auszudrücken wie Jesus sich gerade fühlte? das erste Mal seit einer Weile hatte er wirklich das Gefühl richtig lebendig zu sein, nicht nur zu überleben sondern zu leben. und dazu trug Gabe mit seiner Art maßgeblich bei. Seine Hände ließ er langsam von seinen Wangen hinab über seine Arme wandern, bis er bei seinen eisig kalten Fingern angelangt war.
„Du zitterst..“
sogar ziemlich stark, rückwirkend betrachtet war die Sache mit dem Schlitten und der Schneeballschlacht wohl wirklich keine gute Idee wenn man im Freien wohnte und deshalb keine Möglichkeit hatte seine Sachen wirklich gut zu trocknen. Aber die schönsten Dinge im Leben waren meist nicht vernünftig.
Jesus nahm Gabes kalte Hände und führte sie hoch zu seinen Lippen, die er sachte dagegen schmiegte und pustet, damit sie wieder etwas wärmer wurden.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#26

RE: Dachterrasse

in Altenheim 04.02.2020 18:32
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Als ich noch ein Jugendlicher war ....ja, als Jesus so anfing, musste Gabe sich tierisch zusammen reißen, gar die Lippen fest aufeinander pressen, nur um keinen blöden Spruch vom Stapel zu lassen, wegen alter Mann und so. Er verkniff es sich, da er wirklich daran interessiert war, welche Anekdote ihm der Holy Ninja hier erzählte und zugegeben, sie fiel etwas anders aus, als womöglich erwartet aber dafür begann Gabe amüsiert zu grinsen. "Übel, ...also für den Trottel, ich finds gut, die Abreibung hat er definitiv verdient, ..wenn ihr wegen dem Ärger bekommen habt, obwohl ihr nichts gemacht hattet. Hat er wenigstens draus gelernt?" Kurz stutzte er und ließ sich noch mal Jesus Erzählung durch den Kopf gehen. "..wait, eure ...Betreuer hatten Wodka dabei? ... Klingt ja reizend, ... scheint hart gewesen zu sein, um so erstaunlicher... dass aus dir kein Arschloch geworden ist.." Schließlich hätte Jesus sich auch in die ganz andere Richtung entwickeln können, leicht schien das Leben im Waisenhaus nicht gewesen zu sein und klar brannte Gabe da auch die Frage auf der Zunge, wieso er nicht adoptiert wurde. Immerhin hatte er seine Eltern doch recht früh verloren. Wenn man das wusste, konnte, nein, musste Gabe imaginär wirklich den Hut ziehen vor Jesus, weil er es trotz allem geschafft hatte, ein anständiger Kerl zu werden. An sich würde er gern nachfragen, mehr wissen über den Mann mit dem shiny Hair und herrlich blauen Augen. Zum einen bremste Gabe das bisschen Taktgefühl, was er noch besaß, zum anderen ermahnte er sich dazu, dass es besser war, so wenig wie möglich über Jesus zu wissen! Dabei sollte man seinen Feind so gut kennen, wie nur möglich, das Problem hierbei war nur, dass er ihn dadurch nur noch mehr zu mögen anfing, was er nicht tun sollte und noch weniger durfte.
All das Ermahnen half nur nicht sonderlich viel, sich mit Jesus zu unterhalten ..passierte halt einfach. Der huhte ihn halt nicht einfach nur an oder drehte den Kopf um 180°, was creepy wäre! Es fiel Gabe auch unglaublich leicht mit ihm zu reden, sogar über Dinge, die er nicht mal mit seinem Dad besprechen würde, aus vielerlei Gründen aber auch allgemein betrachtet, war da einfach dieses Gefühl als kenne man sich schon ne halbe Ewigkeit. Was absolut nicht der Fall war, ja, er hatte Jesus öfter gesehen in Hilltop, mehr nicht und oftmals hatte er nur mit halbem Ohr zugehört, wenn dieser, sowie Gregory mit Simon irgendwas besprachen. Gabe hatte neben dem Diebstahl, oftmals auch damit zu tun, nicht über die eigenen Füße zu stolpern, wenn er half die Wagen zu beladen und dabei öfter mal zu dem shiny holy Hair schaute. Jesus stach nun mal aus der Masse heraus, selbst wenn er nicht gerade ein Riese war, doch abgesehen von seinem tollen Haar, zog er nun mal Blicke auf sich und vielleicht lag es, damals wie heute, daran, dass es jemanden wie ihn bei den Saviors nie gegeben hatte.
Dessen Frage, bezogen auf Roxy, Gabe auch jetzt noch einen Stich versetzte und einen Moment brauchte, nicht zum überlegen, nur zum Luft holen, weil es ihm schwerfiel die Antwort auszusprechen, anstatt es nur zu denken, wie sonst. "Ja, ...wir waren unzertrennlich, unser halbes Leben lang, wie Pech und Schwefel. ...Roxy sah mir an der Nasenspitze bereits an wenn ich... wenn es mir nicht gut ging, ihr konnte ich nie was vormachen, sie hat mich runtergeholt wenn ich fast geplatzt bin vor Wut. Als meine Mum krank wurde, ..." Er rieb sich über den Hals, biss auf die Innenseite seiner Wange und versuchte den Kloß zu ignorieren, der sich bei dem Thema so schnell bildete, sowie schwerlich runterzuschlucken war. "...wir waren der Schatten des jeweils anderen, ..wo Roxy hinging, war auch ich. Die Kids und Erwachsenen dachten sogar, wir wären ein Paar,..so ein Schwachsinn, sie war für mich wie ne Schwester und sie mochte Mädchen lieber als Jungs. ..." Sein Mundwinkel zuckte nach oben, sie hatte ihre erste Freundin ihm sogar vorgestellt und er hatte sich für sie gefreut, Roxy war immer einen Schritt voraus oder gar zwei, während Gabe lieber ein Kindskopf bleiben wollte. "... ich wusste, irgendwann kommt der Punkt wo sie gehen würde, ..sie konnte meinen Dad nicht ausstehen, schon früher nicht, ... anders als ich hat sie auch nie geklaut, hat eher versucht mich zu bremsen und immer ermahnt 'Gib es zurück Arthur, wenn der Falsche dich erwischt, verlierst du deine Hand oder Schlimmeres'..."
Er wusste, dass sie damit nicht Unrecht hatte, ein Dieb zu sein war früher schon gefährlich, doch heute trug jeder eine Waffe und drückte den Abzug oder rammte dir das Messer ins Auge. Fortuna war ihm bislang hold, doch auch Gabe war sich im Klaren darüber, dass er irgendwann den Falschen bestehlen und dafür bitter büßen würde. "Roxy fuhr nie so leicht aus der Haut wie ich, ...dass sie mich angeschrien, geohrfeigt hat war ...heftig, ..hab zu spät gemerkt ..dass sie recht hatte und ..einfach nicht bleiben wollte, konnte.. um zu sehen, wie ich verrecke...nur wegen dem Scheiß den mein Dad verzapfte.." Er rieb sich die Augen, wäre es nicht Winter, könnte er es auf die scheiß Pollen oder so schieben aber es lag wohl auf der Hand, dass es ihn immer noch mitnahm. "..ich bereue am meisten, dass ich mich nicht entschuldigt habe ... und erst zu spät gesehen hab, wie unglücklich sie war, ehe sie gegangen ist."
Das tat ihm mehr leid, als die Chance verpasst zu haben, mit seiner besten Freundin wegzugehen, wer weiß wo sie dann gelandet wären. Vielleicht wirklich bei ner Kolonie wie Hilltop oder sie wären zu Zweit an die Küste gegangen, hätten sich da was gesucht. Sie war seine Familie und er hatte sie enttäuscht, einfach ziehen lassen, weil er zu feige war, was für Gabe das Schlimmste war im Grunde. Der sich zumindest nen schiefes Grinsen abringen konnte bei Jesus Worten, sowie zustimmend nickte. "Sie ist Bombe, ...mir tut jeder leid, der sie abfuckt." Lachte er gar bitter auf aber er hatte keinen Zweifel daran, dass seine beste Freundin, irgendwo da draußen war und sich durchschlug, sie war eine Kämpferin, verflucht klug, wenn es wer packte, dann sie.
Immerhin konnte er sich emotional wieder etwas runterfahren und einfach nur zuhören, dabei hob er sogar überrascht die Augenbrauen, denn Jesus steckte voller Überraschungen, bislang durchweg positiven sogar.
"Du hast Kampfsport unterrichtet? ... okay, ich bin ehrlich, ich hatte etwas ganz Anderes erwartet! Und ...schlag mich bitte nicht, ich hätte eiskalt auf Friseur getippt oder irgendwas ...Kreatives."
Er hob gar beschwichtigend die Hände, ja er wusste es selbst, doofe Klischees aber auch Gabe war nicht gänzlich dagegen gefeit, zumal er es nicht mal böse meinte, sondern eher darauf schloss, weil Jesus so schönes Haar hatte, sowie als Dieb geschickte Finger. Wie gesagt, er steckte voller Überraschungen, die Gabe ziemlich faszinierend fand, denn ihm kam nie der Gedanke, dass man ein Heilmittel erfinden könnte gegen die Untoten oder jemand nach so etwas suchen würde. Einen Moment lang betrachtete er den Holy Ninja deshalb auch nachdenklich. Er hatte die Veränderung einfach hingenommen, sich schnell angepasst und gut ist aber er war ja auch noch ein Teenager als das Alles seinen Anfang genommen hatte, er musste sehr schnell die Erfahrung machen, jemanden zu töten, sowie jedem zu misstrauen der auch nur einen Kratzer hatte oder kränklich wirkte.
"Du hast nach einem Heilmittel gesucht, ....für wie lange, bis du ...naja gemerkt hast, es gibt keines?"
Fragte er ein wenig vorsichtiger nach, kratzte sich nebenbei am Oberarm oder trommelte mit den Fingern etwas auf diesem rum. "Hab mir nie groß den Kopf darüber zerbrochen, da wir aber Alle in der Hinsicht gefickt sind, ...kam mir mal der Gedanke, dass es keine Krankheit ist ..sondern eine Mutation, einfach, weil Mutter Natur sich dachte: Nope, mir reichts. Ich meine, sie ist die raffinierteste Killerin überhaupt und sind wir ehrlich ...der Mensch ist die Krankheit dieses Planeten, vielleicht nicht mehr im selben Ausmaß wie früher aber ...wir lernen ja nicht aus Fehlern."
Sah er ja an seinem Dad und der Kolonie, der er angehörte, jedoch die meiste Zeit hier draußen verweilte, um Abstand zu haben und sie brachten sich immer noch gegenseitig um, aus unterschiedlichsten Gründen. Der Mensch hat nichts aber auch gar nichts gelernt. Doch bei dem Thema war Gabe auch ganz klar der Pessimist, er würde sich Realist nennen und Jesus? Nun, der glaubte noch an das Gute in den Leuten, was wohl hieß, er nahm die neue Welt, trotz allem, nicht einfach so hin wie Gabe.
Bei Erwähnung des Armbrustschützen sah Gabe zur Seite, er ahnte, nein wusste, wen Jesus meinte und brummte lediglich, er erinnerte sich noch gut an Daryl, den sein Dad zu brechen versucht hatte aber es nicht schaffte, obwohl die Saviors sich echt ins Zeug gelegt hatten. Gabe kannte ja die Methoden, irgendwo hatte es ihm auch leid getan, doch auf der anderen Seite war Grimes derjenige gewesen, der Nachts Leute im Schlaf ermordet hatte, anstatt überhaupt das Gespräch mit seinem Dad zu suchen. Gut, wäre schwierig aber nicht gänzlich unmöglich gewesen.
Gabe konnte demnach darauf verzichten dem Redneck oder dem Sheriff über den Weg zu laufen, mehr noch darauf, dass sein geliebter Kauz durch diese Schaden nahm und sind wir ehrlich, HootHoot war nur 15 cm groß, der konnte nicht mal eine Aprikose zu Gabe bringen. Der Ärmste würde verhungern also stahl er lieber selbst.
Ja, die Pfadfinder waren cool, ok, Gabe hatte die Uniform derbe gehasst, weil er sich unwohl darin fühlte, aber er hatte sich eifrig seine Abzeichen verdient, deshalb konnte er auch nähen, seien es Wunden oder seine Klamotten, falls notwendig, sowie andere Dinge um hier draußen zu überleben. "Ich geb mein Bestes, ... ich lebe ja schließlich noch, also irgendwas muss wohl hängen geblieben sein von damals."
Spielte er das Ganze etwas runter, immerhin überlebten auch die Leute, die keine Pfadfinder waren ziemlich gut aber Gabe hatte wohl einen kleinen Vorsprung dahingehend, als die Scheiße losgegangen war. "..ich klettere, schwimme, trainiere mit dem Bogen oder behalte das Training bei, was ich früher hatte. Da ich in jeder Sport-AG war, kann ich meinen Trainingsplan großzügig variieren. Allerdings ..." Er streckte sich beiläufig und stieß schnaufend den Atem anschließend aus. ".... suche ich nach bestimmten Büchern manchmal, daraus lerne ich dann neue Techniken und Taktiken im Umgang mit dem Bogen, von den Hunnen zum Beispiel. Inzwischen kann ich vier Pfeile, schnell hintereinander abfeuern uuuund treffe mein Ziel. Hab Monate gebraucht bis ich es drauf hatte...und nochmal ein paar mehr, bis ich mein Ziel auch wie anvisiert traf. Ansonsten lese ich, klaue wie eine Elster, ...Hauptsache ich bin in Bewegung. Manchmal geh ich auch in Ortschaften, die großen Städte .....mache etwas Parkour. No Risk, no Fun. Ich suche mir Beschäftigung, ...mache was ich will, ..bin niemandem was schuldig."
Kurz um er lebte in den Tag hinein, zwar hatte er manchmal nen halbwegs geplanten Tagesablauf aber meist tat er was ihm gerade in den Sinn kam, mitunter viel Blödsinn, wie man sich vielleicht denken kann. "Und du?"
Wollte er neugierig wissen, Jesus lebte doch in einer, ach so tollen, happy, Kolonie also hatte er doch gewiss Verantwortung, Aufgaben und stand nicht nur da um schön zu sein, obschon das wohl genügen würde damit alle Anwesenden sich daran erfreuen. "Hm?" Verwundert hob sich seine linke Augenbraue nach Oben, seine Geduld war echt nicht herausragend, er hatte davon noch nie viel besessen und ein kleines Problem mit seinem Temperament, vielleicht erweckte er bei Jesus weniger den Eindruck, doch der provozierte ihn auch nicht mit seiner bloßen Existenz. Die Ruhe, die er ausstrahlte verschaffte seinem rastlosen, unruhigen Gemüt etwas ...Frieden, wenn man es so nennen möchte. Jesus kochte nicht vor Testosteron über, war weder in seinen Bewegungen, seiner Aussprache oder Ausstrahlung aggressiv, mehr einem Raubtier gleich kommend, was Gabe ziemlich schnell triggern konnte unter ungünstigen Momenten. Immerhin hatte er gelernt, schon früh, sich nichts gefallen zu lassen und wenn ihm die Hutschnur riss, schlug er prompt zu.
Zudem hatte das Leben in den letzten Jahren ihn zusätzlich geprägt, nicht zwingend positiv, wie man sich denken konnte und er war, trotz allem, sehr schnell dazu bereit Gewalt anzuwenden, auch zu töten, ohne mit der Wimper zu zucken, denn bist du zu schwach, kannst dich nicht schützen, dann kannst du auch nicht das beschützen, was dir wichtig ist. Da Gabe nur seinen Dad hatte, konnte er sich Schwäche nicht leisten, der Feind war im Grunde jeder und seinen Platz in der Nahrungskette, musste er bis aufs Blut verteidigen, um nicht hinabzurutschen. "Warum solltest du das tun? ...ich bin sicher, du hast genug Schüler und Beschäftigung im Cottage, wenn du nicht gerade hier draußen herumlungerst. ...mal davon ab, dass ich ein schrecklicher Schüler wäre..." Ganz bestimmt, wenn etwas nicht sofort klappte, schimpfte er wie ein Rohrspatz, trat gegen irgendwas um Dampf abzulassen und machte dann weiter. Trotzdem entlockte Jesus Angebot ihm ein kleines Schmunzeln, was eher daher rührte, dass der Holy Ninja, so verdammt ansteckende gute Laune hatte.
"...man kann nichts vermissen, was man nicht kennt."
War sein Gegenargument, was dem Holy Ninja wohl verdeutlichen sollte, dass Gabe nie wirklich einen Ort hatte, zudem er zurückkehren konnte bzw. wollte, selbst als die Welt noch halbwegs normal war. Klar, er hatte ein Zuhause, sein eigenes Zimmer, doch Gabe war immer auf Achse, lieber oben auf dem Dach eines Hauses, als Daheim. Je älter er wurde, umso mehr bekam er mit, wie traurig oder wütend seine Mum oftmals war, das Parfum an der Kleidung seines Vaters, dass eindeutig nicht von Lucille stammte, die Streitereien, wenn sie dachten, Gabe schläft und bekam es nicht mit. Er war ein Streuner, früher wie auch heute, es hatte sich dahingehend nichts für ihn geändert. Zudem war Roxy fort, er hatte nur seinen Kauz, sonst aber keine Freunde, niemanden, den er an sich ran ließ und er hatte sehr deutlich eingeprägt bekommen, bei den Saviors, das jeder sich selbst der Nächste ist, man Niemandem trauen darf. Es geht jedem nur darum sich Vorteile zu verschaffen, manche töteten dafür kaltblütig, andere spreizten die Beine. Gabes Sonderstatus bei den Saviors machte es nicht besser, dabei hatte er sich zu Beginn sogar noch bemüht, Kontakte zu knüpfen aber am Ende, war jeder nur ein egoistisches Arschloch.
Die Saviors waren Wölfe und nur der Starke überlebt.
Gefühle, Freundschaften, sowas macht dich schwach und dieses Denken, bekam Gabe auch nach Kriegsende nicht aus dem Kopf raus, es steckte ihm tief in den Knochen. Es war schon schlimm genug, dass er einen Krieg mitmachen und Leute umbringen musste. Sein ganzes Weltbild hatte sich verschoben, im Grunde lag es in Scherben, die er nicht mehr zusammen kleben konnte und sich höchstens daran schnitt, wenn er dennoch versuchte irgendwas davon zu retten. Wünschte er sich dennoch einen Ort, wohin er zurückkehren könnte? Ja, das tat er aber wie vieles, was er sich wünschte, würde es am Ende eben nicht mehr als das bleiben. Wunschdenken.
"Ich schätze mal, dir rennen die Leute eher die Bude ein...Zuhause? Stell ich mir lästig vor, ständig klopft, wer und geht einem auf den Sack." Murmelte er vor sich hin, bis er plötzlich auflachte, sowie die Augenbrauen mit ungläubiger Miene nach oben zog. "Okay, die Vorstellung ist so absurd und zugleich bitter, ...dass sie schon wieder lustig ist." Musste er zugeben aber die Realität hatte natürlich anders ausgesehen, die Saviors nahmen nur, sie gaben zwar auch was zurück aber nicht gerade nette Dinge. Es war jedoch ein wenig tröstlich, dass Jesus, trotz allem, sogar darüber eine scherzhafte Bemerkung über die Lippen bringen konnte, der Typ war unerschütterlich wie es schien. Beeindruckend.
Obschon Gabe dachte, er habe sich verhört als dieser von Knabbern sprach und er die Augen irritiert zusammen kniff, okay er verstand es nicht! Was eventuell seltsam erschien, vor allem wenn man bedachte, wer sein Dad ist, doch Gabe stand manchmal, sehr oft, auf der langen Leitung was gewisse Anspielungen betraf. Weshalb er tatsächlich fieberhaft überlegen musste was Jesus meinte, denn für ihn machte beißen oder knabbern keinen Unterschied, wenn man zum Kannibalen mutierte! Bei weitem war er noch nicht so verdorben, wie man es vermuten würde, was aber wohl auch der Tatsache zugrunde lag, das Gabe nicht wie sein Dad sein wollte und mitunter verkorkst, womöglich auch ziemlich verstört war. Bislang war er nie verliebt gewesen, hatte sich auch nicht für Beziehungen interessiert oder irgendwelche Personen in seinem Umfeld, so frech er auch sein konnte, Avancen checkte er oftmals spät oder manchmal gar nicht.
Aber überraschte es Jesus wirklich, dass Gabe auch hier draußen auf sein Aussehen achtete? Er war sich, trotz seiner Verpeiltheit, sehr wohl bewusst, dass er gut aussieht und einen schönen Körper hat, steckte schließlich viel Zeit, als auch Training dahinter, so ein kleines bisschen eitel war der Dieb durchaus. Er guckte schon darauf, dass er nicht rumlief wie ein ungepflegter Redneck aus dem Cottage oder ein Wildschwein, dass sich im Schlamm gesuhlt hatte. Weltuntergang hin oder her, er vertrat da eine ähnliche Meinung wie Jesus, man musste sich ja nicht völlig gehen lassen, es war nur schwerer draußen die notwendigen Mittel zu finden, die er zur Pflege brauchte. Sei es für sich oder seine Klamotten, jedoch hatte er ja seit Wochen immer eine Anlaufstelle wo er Kleidung herbekam, diese waschen lassen konnte, sowie eine Dusche nehmen, mit fließend Warmwasser sogar aber das konnte er Jesus wohl kaum erzählen, sofern es keinen triftigen Grund dafür gab, ging es ihn nichts an.
Der sich selbst aussuchen konnte, weshalb Gabe ihn als 'unfassbar' bezeichnete, jedoch sollte es auf der Hand liegen, dass es in dem Fall positiv behaftet war, sonst würde der Bogenschütze wohl kaum so ausgelassen mit Jesus im Schnee tollen, richtig?
Auch wenn er dafür in Kauf nehmen musste, total nass zu werden und zu frieren, aufgrund der Kälte, dabei war ihm trotz des Zitterns eigentlich sehr warm, zumindest im Gesicht, dass Jesus langes Haar zuvor flüchtig gestreift hatte, ehe Gabe sich mit ihm aufrichtete, sowie es vorzog zu sitzen.
Selbst wenn das zur Folge hatte, diesem dadurch noch näher zu sein, als davor bereits und über Nacht, im Zelt, wo es natürlich nur rein pragmatische, überlebenswichtige Gründe hatte, weswegen sie da Arm in Arm geschlafen hatten, wohlgemerkt bekleidet. Kein Wunder das Gabe es nicht wirklich bemerkte, wie sehr sein Körper eigentlich fror, ihm selbst war gefühlt schrecklich warm, je länger er in diese herrlich blauen Augen vor ihm sah, deren Anblick, wie auf Dauerschleife in seinem Hinterkopf, immer wieder denselben Song abspielen ließen, den er sonst an einem Klavier, für sich allein, zum Besten gab und niemand da war, der hinter sein kleines, musikalisches Geheimnis kam. Denn ja, er schämte sich dafür gerne zu singen, gar Songtexte zu schreiben, überhaupt eine 'unmännliche' kreative Ader zu besitzen, sowie in mancher Hinsicht vielleicht mehr der Softie als der Macho zu sein, nur in seinem Umfeld, konnte er es sich nicht leisten ....irgendein Anzeichen von Schwäche zu zeigen.
Daher war es ihm unangenehm als ihm bewusst wurde, was er gerade von sich gab und vor allem wem gegenüber, dabei hatte er es sonst doch im Griff, nur bei Jesus brach es förmlich aus ihm heraus, um ehrlich zu sein, glich es einem Wunder, dass er es sich bislang hatte verkneifen können. Dieser vermochte es Gabe aus der Reserve zu locken, nur mit seiner bloßen Existenz, was fast noch beängstigender war für jemanden, wie ihm selbst, der krampfhaft versuchte die Frage zu vermeiden, ob er womöglich doch auf jemanden stehen könnte, der jedoch nicht, wie von ihm erwartet wurde, eine Frau ist, sondern vom eigenen Ufer stammte. Sein Vater war ein Casanova, ein Schürzenjäger, er konnte, durfte, unmöglich einen Sohn haben ..der sich eventuell zu Männern hingezogen fühlte. Das ging einfach nicht!
Das schrie ihm sein verkorkster Verstand auch jetzt lautstark entgegen, weswegen er den Blick zur Seite abwandte, sowie zu ignorieren versuchte wie schnell das Herz in seiner Brust die ganze Zeit schon schlug und keine Ruhe geben wollte, es glich einem Wunder, dass es nicht längst raus, sowie Jesus entgegengesprungen war, das verkümmerte kleine Ding. Nicht nur dieses schien sich magisch angezogen zu fühlen von ihm, Gabe war an sich nicht so kontaktfreudig, sein Vater war ein untreuer Bastard, der sich einen Harem im Sanctuary hielt, der mit kleinsten Gesten, die doch eigentlich zwischen Liebenden etwas Positives sein sollte, einzig Macht und Dominanz ausgeübt hatte über die Weiber, die Gabe allesamt mit Pfeilen spicken wollte.
Er hatte gelernt etwas zu hassen und als abstoßend zu empfinden, ohne selbst die Erfahrung gemacht zu haben, Gabe war noch immer ungeküsst, weil für ihn körperliche Nähe so negativ, verstörend behaftet war durch die Dinge, die er gesehen hatte. Diese Dinge ließen sich für ihn, in seinem Kopf, nicht mit dem vereinbaren was er früher gelesen oder in Filmen gesehen hatte, bei anderen, glücklichen Pärchen, die man als Teenager eher ekelig fand, weil die aneinander klebten, ständig.
Für einen Moment kniff er die Augen fest zu, biss sich auf die Unterlippe, weil er seinen Kopf einmal nur abschalten wollte, der schon die ganze Zeit mit dem Rest von ihm im Streit lag, denn bislang empfand er die Nähe zu Jesus weder unangenehm, noch als etwas Schlechtes, sie gefiel ihm höchstens ein wenig zu gut.
Die warmen Hände, die plötzlich seine Wangen berührten, kamen wie ein Schlag aus dem Nichts, weswegen er prompt die Augen weitete und japsend Luft holte, dabei könnte er mit einem Schlag wohl besser umgehen, als mit dieser zärtlichen Berührung, welche Jesus nutzte, um Gabes Augenmerk wieder zurück auf diesen zu lenken. Flüchtig senkten sich die grünen Augen zu Jesus Lippen, die sich bewegten, ebenso leise wie er zuvor, den Liedtext fortsetzten, den er angestimmt hatte, vermehrt kroch ihm die Hitze in die Wangen, sodass er befürchten musste wirklich zur Tomate zu werden, während es überall zu kribbeln begann. Könnte auch an der Kälte und leichten Unterkühlung liegen, musste es jedoch nicht.
Das Gefühl hatte er heute Morgen schon, als er bereits wach war, Jesus aber noch schlief und da hatte Gabe nicht gefroren oder im Schnee getollt. Dem dieser gerade auch nicht die Abkühlung verschaffte, die er sich womöglich herbeisehnte. Obwohl sein Herz raste, als würde er einen Marathon laufen, überkam ihn dieser Anflug von Wohlbefinden, innerer Gelassenheit als er den Blick in das klare Blau hob, dem er vermutlich kaum einen Wunsch abschlagen könnte.
Jesus Hände waren so angenehm warm, dass Gabe ein leises Seufzen entwich, kein Wunder, das er es fast schade fand, als seine Finger seine Wangen hinab glitten, sich den Weg über seine Arme bahnten bis vor zu seinen kalten, zitternden Händen, denen das Gefühl entwich aufgrund der Kälte. Umso heißer, fast wie abertausende, kleine Nadelstiche, fühlte es sich an als diese von Jesus ergriffen und angehoben wurden. "Mir ist warm...." Seine Stimme zitterte aufgrund der Kälte nicht weniger und neuerlich fiel sein Blick auf Jesus Lippen, beobachteten gebannt, wie sich diese, deutlich spürbar und Gabe einen angenehmen Schauer über den Rücken jagend, an diese schmiegten.
Ihm entging, vor lauter Faszination oder war es doch mehr Sehnsucht, in seinen grünen Augen, dass er Jesus, ..also eigentlich ja Paul, ein Stück weit näher kam und seine Hände sinken ließ, damit der Weg frei war, nur um, in einem winzigen Anflug von Mut oder Dummheit, er wusste es selbst nicht, einen zaghaften Kuss auf dessen Lippen zu hauchen. Gabe war wahrlich kein Macho oder Weiberheld, in dieser einen Hinsicht, war er wohl sogar noch unschuldiger als Jesus aussah. Denn mehr als das war es nicht, nur ein winzig kleiner, unschuldiger Kuss, der zaghafter und flüchtiger kaum sein konnte, bevor dieser ganz schnell den Kopf, ebenso den Blick senkte und sich nicht mal mehr traute Luft zu holen.
Sein Herzschlag dröhnte in den Ohren regelrecht und er wünschte sich, in diesem Augenblick, dass sich ein Loch unter ihm im Boden auftat, ihn schluckte aber bitte nicht mehr ausspuckte, denn was zum Teufel dachte er sich dabei? Er dachte gar nicht, vielleicht war genau dies auch das Problem dabei. Es gab ja nicht mal eine banale Ausrede die er vorschieben könnte, um diese Dummheit zu rechtfertigen oder zu erklären. Ob es etwas half, wenn er einfach nur die Augen zumachte, wie sonst auch, in der Hoffnung alles war dann einfach weg, was ihn heillos überforderte?


@Jesus


1 Mitglied findet das süß
nach oben springen

#27

RE: Dachterrasse

in Altenheim 05.02.2020 12:29
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Auch wenn Gabe es nicht hören wollte aber auch dieser war kein Jugendlicher mehr! Selbst wenn er sich manchmal so benahm. Aber mit 25 sollte er die Pubertät eigentlich schon hinter sich haben. Was wohl schwierig war wenn man mitten darin steckte während eine Apokalypse ausbrach. Auf der anderen Seite hatte das die Kinder die Jesus kannte eigentlich viel schneller erwachsen werden lassen. Viel schneller als die Natur es vorgesehen hatte. doch er fand es gut, dass Gabe sich seinen jugendlichen Humor beibehalten hatte, denn um ernst zu sein bot diese Welt leider genug Gelegenheiten.
„Nein, Vernunft stellte sich bei ihm dadurch leider nicht ein. Stattdessen versuchte er sich an mir zu rächen, indem er mir irgendwelche verbotenen Gegenstände unterjubelte. Nur leider war ich sehr viel geschickter in diesen Dingen als er, weshalb es ihm nie gelang mir Ärger zu machen. Das hat ihn irgendwann so sehr frustriert, dass er öffentlich auf mich los ging. Doch das war sein letzter Fehler. Nicht weil ich ihm etwas angetan habe, falls du das nun denken solltest. Nein, er wurde deswegen aus dem Waisenhaus geworfen und landete auf der Straße.. ich weiß nicht was aus ihm wurde, aber ich hoffe er hat irgendwann einen anderen Weg eingeschlagen“
Auch wenn Jesus das bezweifelte, denn einmal ganz unten angekommen gelang es nur den wenigsten sich wieder aufzurappeln.
„ja, leider mehr als einmal. Vor allem während der Nachtschichten wo nur ein, höchstens zwei Betreuer Dienst hatten. Sie machten diesen Job nicht aus Liebe zu Kindern, ganz im Gegenteil, manchmal hatte ich den Eindruck sie taten es nur, um ihre sadistischen Neigungen zu befriedigen, indem sie Macht über Schwächere ausüben konnten. Vielleicht weil sie zu Hause machtlos waren, ich weiß es nicht.. aber man ließ ihnen völlig freie Hand in unserer Erziehung. Was nur die Wenigsten für etwas Positives nutzten“
Jesus sprach ziemlich gefasst über diese Dinge, es war schließlich sehr lange her und er schüttelte nur sachte den Kopf
„nein, es war nicht einfach. Aber ich betrachte es als Lernerfahrung. Denn dadurch wusste ich wenigstens wie ich später nicht sein möchte“
er versuchte die Dinge eben immer positiv zu betrachten. Aber was sollte er auch sonst tun? Er hatte sich dagegen entschieden daran zu zerbrechen, sondern versucht aus all der Grausamkeit etwas Positives zu erschaffen. Also egal wie hart das Leben damals zu Jesus war, es hatte ihn zu dem sanftmütigen Mann gemacht, der er heute war. Ein Grund mehr weshalb er Gabe zuvor gesagt hatte, dass jeder selbst entschied welchen Weg er gehen wollte. Schließlich hätte Jesus sich ebenfalls dazu entschließen können das Verhalten seiner Betreuer weiter zu führen und als Erwachsener selbst Kinder zu quälen. Doch er wollte das nicht. Er wollte es besser machen und hatte glücklicherweise sehr früh erkannt, dass es auch andere Wege gab. Nicht immer musste man sich seinen Rollenbildern beugen.
Jesus fiel es überraschend einfach mit Gabe über diese Dinge zu reden, dabei hatte er nicht die Absicht diesen um den Finger zu wickeln oder zu beeinflussen. Er fand es einfach nur schön mit ihm zu reden. Das war alles. Und er weigerte sich aufgrund ihrer Vorgeschichte jedes einzelne Wort hundertmal zu überdenken. Wenn es ihm am Ende das Genick brach, so wären es wenigstens schöne, grüne Augen in die er blickte, bevor er seinen letzten Atemzug aushauchte. Am wichtigsten war ihm dabei nur mit sich selbst im Reinen zu sein und sich sagen zu können, dass er alles versucht hatte, um gute Beziehungen zu knüpfen. Welche nicht möglich waren, wenn man jemandem die ganze Zeit über nur misstraute.
Und irgendwas musste er richtig machen, da auch Gabe sich ihm nach und nach zu öffnen schien.
Er hörte ihm zu als er über seine beste Freundin sprach und schenkte ihm sein Verständnis und seine Aufmerksamkeit.
„Hast du je versucht sie zu finden?“
Natürlich war das schwierig heutzutage. Aber wenn Gabe und sie wirklich so unzertrennlich waren, dann war es nicht unmöglich. Denn sie kannten die Orte an den der jeweils andere wohl gehen würde, sie wussten wie der andere denkt. Also eine unlösbare Aufgabe war es nicht.
Je mehr Gabe ihm über seine beste Freundin erzählte, desto sympathischer wirkte sie auf Jesus. Er hätte sie gerne kennen gelernt. Aber es war vermessen das nun zu sagen, denn so gut kannten sie sich noch nicht. Weshalb Jesus einfach nur zuhörte und versuchte ihm mit seiner Anwesenheit etwas Trost zu spenden.
„Sie ist deine beste Freundin. Ich bin mir sicher sie weiß wie Leid es dir tut, auch ohne dass sie es von dir hören muss. Und ich bin mir sicher sie möchte immer noch, dass du glücklich bist. und einen weniger selbstzerstörerischen Weg findest.. denn so wie du sie gerade beschrieben hast.. schien sie immer versucht zu haben dich zu beschützen“
Das es am Ende nicht geklappt hatte und ihre Wege sich auf unschöne Weise getrennt hatten war traurig, doch Jesus war überzeugt davon, dass sie Gabe längst verziehen hatte und sich immer noch nur das Beste für ihn wünschte. Dass er es schaffte sich von seinem Dad zu lösen und seinen eigenen Weg ging.
Gabe dachte wirklich Jesus wäre früher Friseur gewesen? Und das mit seinen Fähigkeiten? Gut, Ninja-Skills zu haben wäre auch in diesem Beruf ziemlich praktisch. Er könnte den Leuten blitzschnell mit einem Katana die Haare kürzen. Oder mit seinen Schatteldoppelgängern gleich mehrere Kunden auf einmal bedienen. Etwas das Jesus sich kurz durch den Kopf gehen ließ, dann jedoch kurz lachte
„Oh ich habe durchaus etwas Kreatives gemacht. Vielleicht niemandem die Haare geschnitten aber dafür dem ein oder anderen den Kopf gewaschen. Denn ich habe nicht einfach nur Kampfsport unterrichtet… sondern Kampfkunst gelehrt. Das ist ein großer Unterschied. Sport dient nur dazu den Körper zu trainieren, in der Kampfkunst jedoch ist auch der Geist und die damit verbundene Philosophie sehr zentral und wichtig. Man muss auf beiden Ebenen im Einklang miteinander sein und Körper sowie Geist verbinden.“
Auf diesen Unterschied legte Jesus sehr viel Wert. Denn ob man ins Fitnesscenter ging, um ein paar Pfunde zu verlieren oder eine Kampfkunst erlernte war für Jesus etwas grundlegend anderes. Weshalb in seiner Schule auch viele meditative Verfahren und Techniken Anwendung gefunden hatten, es ging bei Weitem nicht nur darum zu kämpfen oder sich zu verteidigen.
„Viele Jahre.. bis auch ich irgendwann erkennen musste, dass die Beißer so stark Überhand genommen hatten, dass es unmöglich wäre sie alle zu heilen.“
Irgendwann war es zu spät gewesen, so viel Heilmittel hätte niemand herstellen können. Die Welt war verloren, sie gehörte nun den Untoten. und die Menschen waren es, die sich anpassen mussten.
„Auch ich habe keine Erklärung dafür wie all das entstanden ist. Doch da jeder diesen Erreger bereits in sich trägt, muss diese Epidemie sich irgendwie durch die Luft verbreitet haben.“
Er glaube nicht daran, dass es die Rache von Mutter Natur war. Sondern das die Menschen womöglich selbst daran Schuld waren, weil sie mit Dingen experimentiert hatten, denen sie nicht gewachsen waren. Wie schon so häufig in der Menschheitsgeschichte.
Daryl war wirklich viel Schlimmes bei den Saviors widerfahren, doch wusste niemand so genau was ihm passiert war. Schließlich war Daryl nicht die redseligste Person und öffnete sich nur den Wenigsten. Natürlich würde Jesus ihn als Freund bezeichnen, doch er respektierte auch die Tatsache, dass er meist lieber für sich blieb und sich nur in den seltensten Fällen öffnete. Auch ihm war im Leben viel Schlimmes widerfahren, weshalb Jesus ihn gut verstehen konnte. Aber das war nicht Gabes Schuld. Er hatte ihn nicht gefoltert.. das hoffte Jesus wenigstens.
Gabes Tagesplan klang wirklich so als wäre er ständig auf Achse und kam nur sehr selten zur Ruhe. Aber jeder brauchte etwas anderes und wenn es die Bewegung war die Gabe gut tat, so sprach doch nichts dagegen. Und fit hielt er sich damit nebenbei auch noch.
„Du hast dir das Bogenschießen einfach selbst beigebracht? Durch Bücher?“
Das fand Jesus ziemlich faszinierend. Natürlich konnte man aus Büchern Vieles lernen. Aber die richtige Haltung und dergleichen war wirklich schwierig zu erahnen wenn es niemanden gab, der es ihm zeigte. Das bewies erneut, dass Gabe wirklich klug und begabt zu sein schien. Er wäre ein schwieriger aber umso interessanterer Schüler gewesen. Denn wer weiß.. vielleicht hätten Jesus Methoden ihm dabei geholfen etwas mehr innere Ruhe zu entwickeln, ganz ohne Medikamente oder irgendwelche Therapien.
„auch ich mache das was ich am besten kann. Ich unterrichte. Alle im Cottage sollten sich verteidigen können, selbst wenn sie keine Kämpfer sind. Außerdem bin ich viel draußen unterwegs, suche Vorräte oder Überlebende.“
All das hielt ihn fit und auch er brauchte Bewegung. Sich nur zu Hause zu verschanzen entspräche nicht seiner Natur. Dennoch hatte er gerne einen sicheren Ort, um sich zurück ziehen zu können.
Weshalb er Gabe ja auch seine Hilfe an dem Bau eines Baumhauses anbot.
„ich liebe Herausforderungen. und im Cottage kommen sie schon eine Weile ohne mich zurecht.“
Gabe wäre ganz bestimmt ein sehr spezieller Schüler in den man viel Arbeit investieren müsste. Doch Jesus war überzeugt davon, dass diese Arbeit sich am Ende lohnen würde. Denn er sah all dieses Potential das nicht richtig genutzt wurde. Nur durfte er sich nicht anmaßen so etwas zu ihm zu sagen. Genauso wenig ihm vorzuschreiben wie er leben sollte. Wenn Gabe nicht nach einem festen Ort suchte, dann war es seine Entscheidung. Für jeden funktionierte eine andere Form des Lebens. Und dabei gab es kein richtig oder falsch. Auch wenn Jesus dennoch der Ansicht war, dass jeder einen Rückzugsort brauchte. Aber der konnte auch aussehen wie ein Baum. 
Dennoch machte es Jesus deutlich, dass Gabe sich wohl auch zu Hause damals nie sonderlich wohl gefühlt hatte. Denn dann wüsste er was ein sicherer Hafen ist, wie sich so ein ‚Nest‘ anfühlte.
Jesus empfand deswegen kein Mitleid für Gabe aber er berührte dennoch irgendwie auf gewisse Weise sein Herz mit seiner Geschichte. Und vielleicht würde ja auch er irgendwann einen Ort finden, an dem es sich für ihn zu bleiben lohnte. Oder eine Person. Denn nicht immer musste ein sicherer Hafen an einen Ort gebunden sein.
Negans Sohn zu sein musste wirklich schwierig sein, sich ständig verstellen und verstecken zu müssen, um nicht das Bild zu zerstören, das wohl jeder von dem Sohn des ehemaligen Anführers der Saviors hatte. Gabe wurden so viele Eigenschaften zugeschrieben, die nicht der Wahrheit entsprachen und auf der anderen Seite durfte er seine wahren Seiten nicht zeigen. Denn Jesus fand nichts ‚unmännlich‘ daran Klavier zu spielen oder zu singen. Es war ein wunderschönes Talent das man fördern sollte statt es zu unterbinden nur aufgrund eines veralteten, männlichen Rollenbildes.
Vor Jesus musste Gabe sich dafür nicht schämen, jedoch verstand er, dass es ihm schwer fiel diese Abwehrmechanismen abzulegen. Vor allem wenn es darum ging sich einzugestehen, dass er vielleicht nicht auf Frauen stand. Die Musik wäre wahrscheinlich noch irgendwie tolerierbar. Aber Negan mit einem Sohn der sich zu Männern hingezogen fühlte? Womöglich würde er ihn verstoßen oder sonst was mit ihm anstellen. Oder aber es auch einfach akzeptieren? Schließlich hatte Gabe doch gesagt sein Dad hätte niemals Hand an ihn gelegt. Also vielleicht wäre es gar nicht so ein Weltuntergang wie Gabe befürchtete. Im Moment spielte das aber noch keine Rolle, nicht so lange Gabe selbst nicht wusste was er eigentlich wollte. Auch wenn sein Körper ihm sehr deutliche Signale sendete, am Ende war es meist trotz allem der Kopf der entschied. In manchen Situationen von Vorteil, in anderen hingegen weniger. Denn oft hinderte der Verstand jemanden daran wirklich das zu tun was ihn glücklich machte.
Jesus war vielleicht schon älter als Gabe und hatte auch etwas mehr Erfahrung auf romantischer Ebene gesammelt. Aber das hieß noch lange nicht, dass er deshalb besser wusste was er tat. Und auch das was er gerade fühlte unterschied sich nicht maßgeblich davon wie Gabe sich gerade fühlte. Auch Jesus Herz schlug ihm bis zu seinem Hals als sie sich so nahe waren und er seinen warmen Atem gegen Gabes Hände hauchte. Wie kleine Küsse, die seine Haut bedeckten, um sie zu wärmen. Auch Jesus Verstand riet ihm, dass er das nicht tun sollte. Aus so vielen Gründen, doch er war niemand, der seine Gefühle so einfach unterdrücken konnte. und es war vollkommen offensichtlich, dass er sich gerade zu Gabe hingezogen fühlte.
Dennoch mahnte er sich dazu es bei dieser einen, sanften Geste zu belassen. Nicht damit rechnend, dass es plötzlich Gabe war, der das kleine bisschen Distanz zwischen ihnen überwand und Jesus seine warmen, zarten Lippen auf den seinen fühlen konnte. Dieser Kuss war so unschuldig und flüchtig, dass Jesus im nächsten Moment daran zweifelte, ob er wirklich passiert war oder es nur Jesus Kopf war, der ihm einen Streich spielte. Sein Wunschdenken womöglich. Aber nein.. Jesus spürte immer noch den Geschmack von Gabes Lippen und dieses Kribbeln das einfach nicht mehr nachlassen wollte.
Wie gerne würde er nun sein Gesicht packen, ihn einfach küssen als gäbe es kein Morgen. Aber das würde Gabe mit Sicherheit heillos überfordern. Er würde ihn damit verschrecken und vielleicht auch verlieren. Denn Gabe hatte vielleicht eine große Klappe, war körperlich stark und kräftig. Aber in seinem Inneren war er so fragil und zerbrechlich. So unerfahren und orientierungslos.. immerhin konnte Jesus sehen wie sehr Gabe bereits jetzt mit dieser kleinen, impulsiven Tat haderte. Nein, er durfte seinem Wunsch nun nicht nachgeben. stattdessen nahm er erneut Gabes Hand, schmiegte sie an Jesus warme Wange, ehe er den Kopf ganz sachte gegen seine Stirn lehnte und seine Hand auf der von Gabe ablegte, um sie fest zu halten. Er sagte nichts, machte aber auch keine Anstalten weiter zu gehen, sondern verweilte einfach ein bisschen in dieser Position.
Schließlich lag es nicht nur an Gabes Unsicherheit und Unerfahrenheit, dass Jesus sich nun so zurück hielt. Sondern daran, dass er nicht sein wollte wie Gabriels Dad. Dieser hatte sich einen Harem aus Frauen gehalten, was in Jesus Augen wirklich verachtenswert war. Also inwiefern wäre Jesus besser wenn er sich nun auf Gabe einließ, während es immer noch ungeklärte Dinge mit einem anderen Mann gab? Es wäre einfach nicht richtig. Und auch nicht fair, sowohl diesem Mann aber vor allem Gabe gegenüber. Denn wenn Jesus sich auf ihn einließe, dann wollte er es richtig machen. So wie Gabe es verdient hatte, mit seiner vollen Aufmerksamkeit. Die konnte er ihm im Moment allerdings nicht geben. Und diese Worte auch nicht zu ihm sagen, denn dann bekäme Gabe mit Sicherheit erneut Panik und würde beteuern, dass er doch ohnehin kein Interesse an Jesus hatte oder etwas anderes, um seine Abwehr wieder aufzubauen. Doch das wollte Jesus nicht, weshalb er stattdessen diese Nähe einfach noch ein wenig genoss, so unschuldig aber dennoch fühlte er sich ihm gerade so tief verbunden wie schon lange niemandem mehr. Erst nach ein paar Augenblick flüsterte er ihm ganz leise gegen die Lippen
„Wir sollten nun zurück gehen. Sonst holst du dir hier draußen wirklich noch den Tod“
denn egal wie warm Gabes Wangen auch waren, der Rest seines Körpers war es nicht. Und auch Jesus Berührungen gelang es nicht seine Hände aufzuwärmen oder das Zittern zu stoppen. Und das Letzte das Jesus wollte war, dass Gabe sich hier eine Lungenentzündung oder Schlimmeres einfing, nur weil er gerade seinen Körper nicht so richtig spürte. Weshalb Jesus sich langsam wieder von ihm löste und sich erhob. Er nahm erneut Gabes Hände und zog ihn hoch zu sich. Sie mussten nicht über diesen Kuss reden, für Jesus sagte er bereits mehr als 1000 Worte. Stattdessen hielt er einfach Gabriels Hand, damit sie gemeinsam zurück zu ihrem Feuer gehen konnten, um sich wieder ein wenig aufzuwärmen.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#28

RE: Dachterrasse

in Altenheim 05.02.2020 18:53
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Aber er war elf Jahre jünger als Jesus, was sich ja wohl niemals ändern wird, ergo bleibt er der Jüngere und kann alte Männer-Witze raushauen, diesem gegenüber! Allerdings spielte dies wohl kaum eine Rolle, wenn man bedachte, das sie Beide, ganz offensichtlich, sich das innere Kind bewahrt hatten, ganz gleich wie grausam und erbarmungslos die Welt um sie herum geworden ist. Mit Humor ließ sich vieles einfach leichter ertragen und gleichzeitig konnte man sich dahinter auch wunderbar verstecken, wie Gabe es zumeist tat. Der ganz Ohr war und die Augenbrauen hochzog, nebenbei kaute er auf der Innenseite seiner Wange rum. "Er wollte einem Dieb was unterschieben? Ha, ..fail auf ganzer Linie würde ich sagen."
Bestätigte sich ja auch, wobei Jesus wohl nicht mal einen Finger krümmen musste, als der Typ damals auf ihn losging und sich selbst dadurch aus dem Waisenhaus beförderte. Ob das gut oder schlecht war, sei mal dahin gestellt. Bislang klang es in Gabes Ohren eh nach einem absoluten Alptraum dort gelebt zu haben, es war einfach so ...unverdient, ungerecht. Umso erstaunlicher für ihn, dass Jesus darüber so gefasst reden konnte, ohne einen Anflug von Groll oder Verachtung, die Gabe diesen Leuten ja nur vom Zuhören schon entgegenbrachte. Zeitgleich empfand er aber auch Mitgefühl, kein Mitleid, doch zu hören, sowie sich auszumalen, wie Scheiße die Erwachsenen den Holy Ninja, sowie die anderen Kids im Waisenhaus wohl behandelt hatten, ließ ihn nicht ganz kalt. "Unerschütterlicher Optimist, was?"
Es klang schon ein wenig sarkastisch, mehr zynisch aber Gabe konnte davor insgeheim nur den Hut ziehen, er tickte in der Hinsicht ganz anders als Jesus, er selbst war auch ziemlich nachtragend, wer einmal bei ihm verschissen hatte, konnte sich nen Bein ausreißen, Gabe verzieh nicht. Und wen er nicht mag, nun ja, dem würde er nicht mal ein Glas Wasser reichen, selbst wenn derjenige in Flammen stand. Da konnte man sich fast noch schäbiger fühlen bei näherer Betrachtung, neben Jesus würden wohl sogar Mutter Theresa oder Ghandi wie schlechte Menschen wirken, schön, vielleicht etwas theatralisch und übertrieben, allerdings konnte Gabe sich vorstellen, dass es genug Leute gab, die sich neben Jesus echt vorkamen wie der größte Abschaum. Das schloss ihn selbst mit ein und es war mehr als begründet. Warum redete Jesus noch gleich mit ihm?
Der hatte doch viel bessere Gesellschaft verdient.
Gabe wurde einfach nicht schlau aus ihm, dabei dachte er mal, er hätte eine gute Menschenkenntnis aber inzwischen war ihm klar, wie wenig Ahnung er hatte. Er konnte nicht mal mehr seinen Dad einschätzen, den er sein Leben lang kannte, kein Wunder also, wenn er aus Jesus nicht schlau wurde, besser gesagt, nicht nachvollziehen konnte, weshalb er seine Zeit mit ihm vergeudete. Das Einzige, was er momentan glasklar erkannte war, dass es ihm erschreckend leicht fiel mit Jesus über Roxy zu sprechen, er schaffte es sogar seine Mum zu erwähnen, auch wenn er den Satz nicht beendete. Konnte er einfach nicht. Aber mit dem Holy Ninja fühlte es sich auf eine Art und Weise vertraut an, die er sonst nur bei seiner besten Freundin verspürt hatte, er konnte mit Jesus totalen Blödsinn reden aber einen Atemzug später über weit aus schwierige Dinge.
"Nachdem ihr meinen Dad abgeschleppt und eingebuchtet habt, ....ja. Ich war fast ein ganzes Jahr Unterwegs, hab nichts gefunden und ...das ist gut so. Roxy ist ne Pfadfinderin, wie ich, wir wissen wie man Spuren verwischt, falsche Fährten legt. Wenn wir nicht gefunden werden wollen, gelingt es auch Keinem. ..ihr gehts gut, ...ich habs einfach im Gefühl." Er war überzeugt davon und vielleicht, eines Tages, begegneten sie sich wieder, dann würde er ihr erst mal einen Frosch in den Ausschnitt werfen, sowie sich wohl ne Klatsche fangen von ihr. Autsch, Jesus Feststellung war wie ein Schlag ins Gesicht, er hatte absolut recht und Gabe wusste es, er war sich im Klaren darüber, dass Roxy ihn retten wollte, weil sie wusste, hinter der harten Schale, verkroch sich ein ziemlich zerbrechlicher Kern, der drohte daran zugrunde zu gehen, an seiner eigenen Loyalität und Treue gegenüber seinem Dad. Wie schon Roxy damals, konnte er Jesus dabei auch nicht ansehen, geschweige denn schlagfertig kontern, er presste nur die Lippen fest aufeinander bis sie eine schmale Linie ergaben, sein Kiefer sich anspannte. "...ich kann mich selbst schützen.." Brummte er und zog die unsichtbare Mauer prompt ein Stück höher, es war einfacher als ... den Tatsachen oder der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Sich damit auseinander zu setzen, dabei war er ja nicht blind, er sah sehr deutlich, glasklar vor sich, wohin der eingeschlagene Weg ihn führen wird und ein Happy End, wartete da leider nicht. Niemand konnte von einem Sohn verlangen, die einzige Familie, den einzigen Menschen, den er noch hatte, im Stich zu lassen. Schließlich gab es nichts und niemanden, der dann da wäre und so eigenbrötlerisch Gabe auch sein mochte, er war nicht so gern allein, wie er darauf beharrte. Anders als sein Dad, legte Gabe viel Wert auf Treue, das bricht ihm noch das Genick, er weiß es auch aber er nahm es in Kauf. Schließlich hieß es doch stets, in Guten und in schlechten Zeiten, das bezog sich nicht nur auf Beziehungen auf romantischer Ebene, sondern auch auf Familie, Freunde, zumindest vertrat Gabe diese Ansicht. Wenn du schon jemanden in dein Leben lässt, dann musst du auch bereit sein, all seine guten wie auch schlechten Eigenschaften anzunehmen. Ja, sein Dad war lange schon nicht mehr der Mann, dem Gabe als kleiner Knirps nachgeeifert war, er wollte nicht werden wie er aber was wäre er für ein Sohn, wenn er diesen fallen lässt? So bitter das klang, er beneidete Jesus fast ein bisschen, dass er nicht familiär gebunden war, wie Gabe. Machte sicherlich einige Dinge leichter, wie alles Andere auch hatte es wohl Vor- als auch Nachteile.
Okay, wow, Gabe bekam ja nen richtigen kleinen Vortrag oder viel mehr Aufklärung darüber, wo, aus Jesus Sicht, der feine Unterschied lag zwischen dem Unterrichten von Kampfsport und dem Lehren einer Kampfkunst, denn offenbar gehörte da noch etwas mehr dazu, was ihn echt hellhörig werden ließ. "Oooh, Gomenasai Sensei!"
Haute Gabe plötzlich, politisch inkorrekt mit asiatischem Akzent, raus und faltete die Hände vor der Brust, ehe er sich leicht verbeugte. Er legte es halt auch wirklich darauf an, dass Jesus ihm was an den Kopf warf, was Gabe eher bei Anderen gern mal Tat in Form von Nüssen, die er im Wald fand oder klaute.
Als er zu ihm vorlugte grinste er auch so spitzbübisch, er kann nicht anders, wenn man ihm Vorlagen bot, aber er räusperte sich gleich wieder und war darum bemüht, ein bisschen zumindest, seriöser zu erscheinen. "...du meinst sowas wie Bushidō, den Weg des Kriegers, ...so wie die alten Samurai, mit Verhaltenskodex und dergleichen, nehme ich an. Klingt schon interessant, gebe ich zu, ...nur ich glaube mein Geist dreht am Rad, wenn mein Körper einen Spagat macht oder im Schneidersitz länger still halten soll als drei Minuten. Außerdem, ..ist es nicht schwierig sich an eine Philosophie, einen Kodex zu halten ...in einer Welt wie dieser, wo jeder macht, was er will?"
Immerhin haute Gabe nicht nur blöde Bemerkungen raus, er war tatsächlich schon ein wenig neugierig, seine Eltern waren Normalverdiener, es gab so viele Sportarten und Dinge die Gabe früher tun wollte, jedoch nicht professionell lernen konnte, weil das Geld einfach nicht dafür da war. Unterricht im Kickboxen durfte er auch nur nehmen, weil es seinen Eltern nahe gelegt wurde, damit Gabe seine unbändige Wut irgendwie kanalisieren, sowie kontrolliert, rauslassen konnte, möglichst ohne jemanden den Kiefer oder die Nase zu brechen. Außerdem sollte es ihm dabei helfen, sich besser zu beherrschen, nicht gleich provozieren zu lassen und vorher zu überlegen, ehe er handelte. Hatte sogar geklappt, damals, irgendwas war zumindest hängen geblieben da Gabe, inzwischen vermehrt dazu tendierte den Rückzug anzutreten, statt in den Angriff überzugehen. War natürlich abhängig von dem Gegner und der Situation, er verließ sich da vermehrt auf seine Instinkte.
Jesus hatte also echt Jahre investiert auf der Suche nach einem Heilmittel? Ja, er war eindeutig ein Optimist, darüber könnte Gabe sich nun auch lustig machen, tat er aber nicht, schließlich war die Intention dahinter, Überraschung, damit Anderen zu helfen. Gosh, Jesus war echt zu gut für diese Welt.
Nein, Gabe hatte niemandem im Sanctuary gefoltert, er wollte damit nichts zu tun haben. Außerdem machten die Drecksarbeit andere, jedoch wohl kaum der Sohn vom Boss, er hätte keinen Finger krumm machen müssen eigentlich, suchte sich aber seine eigene Aufgabe. Vor allem um dem Mist zu entfliehen, der dort abging, gelang ihm nur nicht immer, vor allem weil Gabe, so abgehärtet er inzwischen auch sein mag, damals schockiert war zu sehen, zu was sein Dad, der Mann, der ihn als Knirps zu Bett brachte, fähig ist und schlimmer noch, dabei grinste. Die Leute fanden seinen Dad grausam? Keiner von ihnen konnte sich vorstellen, wie das für Gabe war, sowas mit ansehen zu müssen. Der Bogenschütze zog, für sich selbst, eine klare Grenze, die er nicht überschreiten wollte. Er tötete, wenn nötig aber jemanden ein heißes Eisen ins Gesicht drücken, einzusperren, hungern zu lassen und noch schlimmeres anzutun? Einfach, weil er es kann? Nein, das wollte er beim besten Willen nicht.
Dabei dachte er ja sogar schlimmer als die Saviors ginge es nicht, oh, wie hatte er sich doch geirrt.
"Nah, das Grundwissen zum Bogenschießen lernte ich bei den Pfadfindern, Position, Körperspannung, Berücksichtigung von Distanz, Wind und Wetter, Haltung. Alles Andere brachte ich mir selbst bei, hatte damals einen Recurvebogen, neuwertig, stabil aber die Sehne ....es fühlte sich nie richtig, perfekt an für mich. Weiß nicht wie ich es beschreiben soll, na ja..als ich in ein Museum eingestiegen bin, gab es da, eine Ausstellung über die Hunnen, Attila und so, ..da fand ich meinen Bogen. Hab das Baby mitgenommen, auf Vordermann bringen lassen, bei einem unserer Außenposten und seit dem, sind wir unzertrennlich. War eine Umgewöhnung in der Handhabung aber ...wir sind happy."
Sein Bogen war für ihn perfekt, er wusste auch nicht wie er das beschreiben sollte oder ob Jesus es verstand, es war wie bei einem Biker und seinem Motorrad, Liebe auf den ersten Blick, du fühlst einfach, das ist genau das richtige Babe. Nur Anstelle eines Motorrads, war es für Gabe halt ein hunnischer Kompositbogen. "Hab aus Büchern aber gelernt welche Pfeilarten ich mir selbst machen kann, da es kein moderner Bogen ist, finde ich alles, was ich für Pfeile brauche hier draußen. Ebenso Pflanzen für Giftpfeile, durch das Jagen die nötigen Zutaten für Brandpfeile, Material für verstärkte Pfeile mit mehr Durchschlagskraft."
Wer einen genaueren Blick auf die Pfeile in seinem Köcher warf, konnte an der Befiederung deutlich Unterschiede erkennen, Gabe führte unterschiedliche Pfeile mit sich, er wusste genau, welchen er ziehen muss um etwas oder jemanden in Brand zu stecken oder mit einem Giftpfeil zu töten. Er würde Jesus nun aber sicherlich nicht verraten, welche Befiederung für welchen Pfeiltyp stand in seinem Köcher.
Wie nicht anders zu erwarten bildete Jesus die Flachzangen im Cottage also weiterhin aus, ja, das dachte Gabe sich schon aber behielt seine Gedanken diesbezüglich für sich. Es waren nicht die Nettesten aber bezogen sich auch nicht auf Jesus in dem Moment, außerdem wollte er nicht nach Dingen fragen, die er verwenden könnte, gegen diesen. Der Krieg gegen die Saviors war gewonnen für Jesus, die Leute in seinem Umfeld, sie hatten seit gut drei Jahren oder so Frieden? Ja, ganz toll, das Problem, die Zwickmühle, für Gabe war jedoch, dass sich nichts geändert hatte in Wahrheit. Sie hatten seinen Dad geschlagen, ja, aber es gab immer jemand der größer, stärker und böser ist als sein Vorgänger. Der Typ, dem sein Dad sich anschloss, dem Gabe somit zu folgen hatte, war verflucht groß und machte ihm eine scheiß Angst.
Er konnte nur kein Wort darüber verlieren, zu Niemandem.
"Du suchst immer noch Überlebende, warum?" Gabe verstand es einfach nicht, hatte Jesus nichts gelernt durch die Saviors oder war sein Glaube, an das Gute in den Menschen, wirklich so unerschütterlich? Das wird ihm noch mal das Genick brechen, was bedauerlich wär, denn selbst Gabe wusste, dass die Welt eigentlich mehr Leute wie Jesus bräuchte, nur leider vermehrt jene, wie seinen Dad, hervorbrachte.
"Wait, ...dein Ernst? Du willst mir was beibringen, ...du erinnerst dich dran, wie grau mein Dad ist? Tja, rate, wem er die grauen Haare verdankt und ich wette mit dir, ....nach drei Unterrichtsstunden, mit mir, bist du schlohweiß." Meinte Gabe großspurig, sowie sichtlich amüsiert allein bei der bloßen Vorstellung, er weiß wie schwierig und vor allem rastlos, unruhig, er ist. Vermutlich würde er Jesus in den Wahnsinn treiben .... oder er hatte Erfolg.
Selbst Gabe konnte nicht mal gänzlich ausschließen, dass es dem Holy Ninja gelingen könnte, den hibbeligen Dieb dabei zu helfen, etwas mehr Ruhe zu finden und seine innere Mitte. Die spielte bislang nämlich Ping Pong in seinem Inneren und drehte total am Rad, sowas wie ein inneres Gleichgewicht hatte Gabe nicht. Wie auch, wenn ihn die letzten Jahre geprägt hatten und das nicht all zu positiv. Es gab Tage da zweifelte er stark an seinem Verstand, sowie an allem Anderen.
Allen voran an den Leuten, seinem Dad in erster Linie, den er nicht mal, rein rhetorisch fragen konnte, was er denken würde, sollte sein Sohn, eventuell, mehr zu Männern als Frauen tendieren. Gabe konnte ihn nicht mehr einschätzen, schon bei den Saviors nicht mehr und jetzt, nach Jahren in einer Zelle, sogar noch weniger. Er hätte schließlich nie gedacht, dass sein Dad fähig wäre zu töten, noch weniger sich einen Harem zu halten oder Leute zu foltern, also war es wohl nachvollziehbar, das er Angst vor dessen Reaktion hatte. Also nicht das er auf Männer stand, er war sowas von Hetero, was er sich zumindest gut einreden konnte, seit Jahren. Und sicherlich auch extrem glaubhaft wirkte auf Jesus, nicht wahr?
Bislang konnte Gabe diese Fassade, sein Lügengebilde, problemlos aufrecht halten da nie jemand nah genug an ihn herangekommen war, um es zum Einsturz zu bringen oder ihn dazu zu zwingen, sich doch damit zu befassen. Sein Kopf war dahin gehend so festgefahren, er wehrte automatisch bereits alles ab, was in eine Richtung ging, die Zweifel aufkommen ließ über seine Orientierung oder generelle Ansichten. Schließlich hatte er Erwartungen zu erfüllen.
Es glich einem Wunder, dass ihm nicht längst die Sicherungen durch gebrannt sind oder er sich selbst, mit Anlauf, in einen Pfeil stürzte, mit dem Kopf voran, weil er nicht mehr konnte. Nicht, dass ihm dieser Gedanke nicht schon mal gekommen war, .... gab wohl kaum einen Überlebenden, der nicht irgendwann den Punkt erreichte, aus verschiedenen Gründen, wo er den Entschluss fasste allem ein Ende zu bereiten, indem er sich selbst das Licht ausknipste.
Was er sogar erneut in Erwägung zog, jedoch nur, weil sich kein Loch im Boden auftat, um ihn zu verschlucken, nachdem es ihn einfach überkommen war. Er war machtlos diesem Impuls gegenüber, viel mehr dem Bedürfnis nach ein wenig Nähe, Zuneigung, was er sonst mit Händen und Füßen von sich fernzuhalten versuchte, da sein Kopf so verkorkst war und er sich schlichtweg nicht darauf einlassen konnte. Wären sie nicht schon draußen, hätte Gabe wohl zuvor schon die Flucht durch ein Fenster angetreten, wie früher schon im Sanctuary, selbst durch geschlossene Fenster. Doch anstelle seines üblichen Fluchtinstinktes, zog Jesus ihn eher an, als abzustoßen, er wollte nicht wegrennen, ihm nicht die Hände entziehen und auf Abstand gehen, dafür ... fühlte sich dieses Kribbeln, das wohlig warme Gefühl in dessen Nähe einfach viel zu gut an. Einmal nur setzte sein Verstand aus und schon machte sein Körper sich selbstständig, überbrückte diesen winzigen Abstand, nur um Jesus zu küssen, obschon die Geste so flüchtig war, dass man denken konnte, sie fand gar nicht statt. Mehr noch, man würde sie jemandem wie Gabe einfach nicht zumuten, vermutlich erwartete man von ihm, ähnlich wie sein Dad, einfach jemanden zu packen, sowie in Grund und Boden zu küssen.
Aber so war er kein Stück, es schockierte ihn selbst, er hatte das Gefühl sein Kopf platzte, leuchtete wie eine Rotlichtlampe oder dass er dampfte, da ihm so warm war. Dabei war das Gegenteil der Fall, sein Körper fror, er realisierte es nur nicht und konnte sich nicht mal wirklich fragen, was zur Hölle los war mit ihm.
Da war nur das Hämmern seines Herzschlages in den Ohren, welches Offenbar gerade drohte völlig durchzudrehen, dieses flatterhafte Gefühl im Bauch, was der Hunger sein könnte, aber irgendwie glaubte selbst Gabe nicht daran, es kribbelte einfach überall. Besonders seine Hände, die Jesus noch immer in seinen hielt, die sich so warm, anfühlten, selbst auf seinen Wangen wollte das Gefühl nicht weichen, es kribbelte noch immer, obwohl Jesus sie gar nicht mehr berührte und am intensivsten fühlte er es auf seinen Lippen. Obwohl sein Herz zu eskalieren drohte, wild rumsprang in seiner Brust, packte ihn noch immer nicht der Impuls, der ihn sonst durch ein Fenster hechten ließe.
Es half ihm, wie so oft, wirklich ein wenig die Augen einfach zu schließen, sodass sein Fokus sich verschob, nur nicht wie erwartet auf die Kälte, die Nässe seiner Kleidung oder seinen Herzschlag, sondern auf dieses angenehme, intensive Prickeln seiner Lippen. Er bedauerte gar ein wenig, dass er sich nicht mehr traute oder einen Augenblick länger, seine Lippen, auf die von Jesus gebettet hatte, die sich so weich anfühlten, verlockend süß schmeckten und ihm die Hitze gleich wieder in den Kopf kroch, wenn er nur daran dachte, dass sie gar nicht so weit weg waren.
Den angehaltenen Atem, was ihm nicht mal bewusst war, entließ er wieder aus den Lungen als er an seiner Stirn plötzlich, die von Jesus spürte, der auch seine kalte Hand einfach rauf zu dessen Wange führte, sodass Gabe unter den zittrigen Fingern die angenehm warme, weiche Haut spürte, worüber er, fast schon selbstverständlich, mit dem Daumen strich. In diesem Moment schien alles auf einen Schlag vollkommen friedlich zu sein, sogar Gabes unruhiger, aufgewühlter Geist hielt mal inne und auch wenn er es nicht aussprechen würde, am liebsten würde er so verharren, alles andere ausblenden. Sollte die Welt sich ruhig weiter drehen, die Leute sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, wenn er nur diesen winzigen Augenblick genießen und festhalten durfte. Bislang kam keiner so nah an ihn ran, weder auf körperlicher, noch emotionaler Ebene und das war irgendwo ziemlich beängstigend aus Gabes Sicht, denn es tat gut, es gefiel ihm, nur sollte es das nicht.
Jesus war doch eigentlich hier draußen, weil er jemanden suchte, der ihm viel bedeutete, noch dazu war er immer noch der 'Feind' oder sollte es sein. Gabe wollte sowas von sich fern halten, weil es ebenso schnell wieder verschwinden konnte, wie er selbst gesagt hatte, man kann nichts vermissen, was man nicht kennt. So lebte es sich leichter, auch wenn so etwas wie glücklich sein nicht zur Debatte stand, er erinnerte sich nicht mal mehr daran, wann er es zuletzt gewesen ist, vermutlich lange vor dem Ausbruch, als seine kleine Welt noch halbwegs in Ordnung war und seine Mum Teil dessen.
Gerade tief Luft holend, vernahm er Jesus ruhige, leise Stimme und lachte selbst heiser auf, ob seiner Worte. "...ich könnte dann in der Hölle zumindest sagen, Jesus hat mich gekillt."
Brachte er brummig über seine Lippen, öffnete langsam auch die Augen wieder und folgte zunächst nur mit diesen Jesus, der sich, bedauerlicherweise, von ihm löste und aufstand, zitternd ergriff er dessen gereichte Hände, ließ sich wieder rauf auf die Beine helfen, wo er nun langsam merkte, wie scheiße, kalt es war. Trotzdem schaffte er es, sich nen schiefes Grinsen abzuringen als er in Jesus hübsches Gesicht blickte, auch wenn seine Aufmerksamkeit etwas weiter hinab glitt als sie sich in Bewegung setzten und dieser noch immer seine Hand hielt. Er sagte nichts, ebenso wenig wie Jesus und Gabe zog sie auch nicht zurück, obwohl er sonst sofort panisch gucken würde, damit keiner es sah. Stattdessen hob er die andere Hand, pfiff und wartete bis sein Kauz zu ihm geflattert kam, der sich kurz schüttelte aber, anstatt auf seine eigene Schulter gesetzt zu werden, streckte Gabe die Hand in Richtung Jesus aus, sodass HootHoot auf dessen Schulter rüberhüpfte.
Der kleine Raubvogel rückte, wie sonst bei Gabe, sogleich näher an dessen Hals, plusterte sich auf und zupfte an einer von Jesus nassen Strähnen, welche dem Kauz im Wege war, sowie ein wenig der Beschäftigung dienlich sein musste. Er ließ Jesus natürlich gerne den Vortritt, um wieder rauf auf die Dachterrasse zu kommen, Gabe hasste es zu klettern, wenn er kein Gefühl in den Händen hatte, dennoch schaffte er es seinen Hintern wieder nach Oben zu kriegen, wo er gleich zum Zelt lief, sowie Bogen und Köcher reinwarf, gefolgt von seiner Lederjacke, die ihm leider nicht viel nützte im Moment.
"...i-im e-e-ernst...w-wenn d-d-du m-m-mich u-umbringen w-willst...b-bitte w-wende e-e-eine M-M-Methode a-an...d-d-die s-s-schneller g-geht...e-e-erfrieren i-i-ist u-u-ungeil!!"
Er klapperte mit den Zähnen, fasste an den nassen Stoff und zog sich rasch, das Shirt über den Kopf das total durchnässt war zum Großteil, das brachte ihn eher um, wenn er es länger an behielt, also warf er das auch ins Zelt rein, für seinen Gürtel brauchte er jedoch drei Anläufe bis er diesen öffnen konnte, sowie die Hose, die er ebenfalls auszog, weil sie total nass war. "W-W-Wehe d-d-du l-l-lachst!" Immerhin war es Jesus Schuld, das Gabe rausmusste aus den nassen Klamotten, der ja kein Problem hatte seinen Körper zur Schau zu stellen, er hatte schön definierte Muskeln, einen kräftigen Körperbau, sogar ein Tattoo, in Form eines schwarzen walisischen Drachen, auf dem linken Schulterblatt und er trug hellblaue Boxershorts mit Möpsen. Den Hunden!
Rasch huschte er ins Zelt, schnappte sich vier seiner Decken, warf sich drei davon über die Schultern und hockte sich, in seinen Stiefeln, den Shorts und den Decken eingekuschelt ans Lagerfeuer um sich wieder aufzuwärmen.
Die vierte Decke reichte er Jesus, der hatte zwar nicht im Schnee gelegen aber kalt war ihm sicherlich auch, außerdem hatte sein shiny Hair gelitten, weshalb er die Decke zur Not als Handtuch nutzen konnte um dieses trocken zu rubbeln. Das Knurren seines Magens machte es nicht besser, er war am verhungern, um ehrlich zu sein und kam zu nichts, sie hätten längst frühstücken können, nur das Gabe erst mal wieder auftauen musste. Vielleicht auch besser so, an ihm war kein großartiger Koch verloren gegangen, die Pasta seines Dads bekam er meisterhaft hin, amerikanisches Frühstück auch noch, gerade so aber dann hörte es auch schon auf. "Die....die Vorräte ....sind hinterm Zelt....unter einer kleinen Abdeckung....booooar ich hasse ...Schnee..."
Ließ er Jesus wissen als er zumindest wieder halbwegs normal reden konnte und seine Zähne etwas leiser klapperten vor Kälte, eng umschlungen hielt er die Decken fest.
Wenn Jesus nachschauen ging, würde er einen Beutel finden, mit einigen Konserven, eine Dose mit Teebeuteln, sogar eine mit Kaffeepulver, geklaute Eier von Hühnern, ein Glas Marmelade, eines mit eingelegten Gurken, eine verbeulte aber taugliche Bratpfanne und einen kleinen Milchtopf.


@Jesus


1 Mitglied umarmt dich
nach oben springen

#29

RE: Dachterrasse

in Altenheim 06.02.2020 11:49
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Natürlich hatte Jesus sich damals gefragt womit er diese Ungerechtigkeit verdient hatte. Er war noch ein Kind als er seine Eltern verlor und danach an diesem furchtbaren Ort gelandet war. Kein Kind sollte so viele Schicksalsschläge auf einmal erleiden. Aber mittlerweile war er über die Phase der Wut hinaus und versuchte das Ganze aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Einfach weil wütend sein ihn nicht weiter gebracht hatte. Es machte alles nur noch schlimmer und führte niemals zu positiven Veränderungen. Weshalb Jesus fortan versucht hatte die Dinge positiv zu sehen und überraschenderweise hatte sein Leben sich ab diesem Zeitpunkt wirklich zum Besseren verändert.
„Ich versuche es“
Optimist zu sein war schwierig ja, da es einfach Situationen gab, an denen absolut nichts Gutes zu erkennen war. Und Jesus war auch nicht so verblendet aus jeder beschissenen Lage etwas Positives machen zu wollen. Das hätte Sektencharakter. Er wusste schon wann Ereignisse einfach nur furchtbar waren. Dennoch versuchte er zumindest eine Lehre daraus zu ziehen oder nach vorne zu blicken. Denn der Blick in die Vergangenheit führte nur dazu, dass man im Leben nicht weiter kam und in der Vergangenheit stecken blieb. Doch das wollte Jesus nicht. Er wollte das Beste aus dem Leben machen das er besaß.
Jesus empfand sich selbst gar nicht als so ‚heilig‘, das Letzte das er wollte war, dass sich jemand in seiner Gegenwart schlecht fühlte, nur weil er eine andere Einstellung hatte. Jesus sah das kein Stück so, er respektierte die unterschiedlichen Auffassungen der Leute, Gabe musste also keinen Grund haben sich neben ihm schäbig vorzukommen. Er war noch viel jünger als Jesus, in seinem Alter war er auch noch nicht so reflektiert.
Wenn Arthur über seine Mutter reden wollte, dann wäre Jesus für ihn da und würde ihm zuhören. Doch da er seinen Satz abstoppte war Jesus der Auffassung es war einfach noch zu früh dafür. Entweder war die Wunde nach wie vor zu frisch oder dieses Thema war so heikel, dass Gabe es auf keinen Fall mit einem fast Fremden besprechen wollte. Beides war für Jesus in Ordnung, vielleicht irgendwann. Wer weiß.
„Also, abgeschleppt hat deinen Dad bei uns niemand, da kannst du beruhigt sein“
Scherzte Jesus sogar wieder ein wenig, weil das nun wirklich nicht die richtige Bezeichnung für das war, was sie mit Negan getan hatten. Seinen eigenen Cottage-Harem hatte er mit Sicherheit nicht.
Gabe war ja doch dazu fähig so etwas wie Zuversicht zu zeigen, zumindest wenn er über seine beste Freundin redete. Weshalb Jesus ein wenig lächelte, ihm die Hand auf die Schulter legte und zuversichtlich nickte. Seine beste Freundin war wohl auf und selbst wenn sie es nicht war, es war wichtig für Gabe daran zu glauben. Ein bisschen Hoffnung zu haben.
„Das kannst du mit Sicherheit. Aber manchmal.. braucht jeder mal ein bisschen Hilfe“
Es war nichts wofür man sich schämen musste. Manche Dinge schaffte man einfach nicht alleine. Und er zweifelte nicht daran, dass Gabe seine Methoden und Abwehrmechanismen entwickelt hatte, um in dieser Welt zu überleben. Aber wie er so gerne sagte war ‚überleben‘ nicht alles. Es war einfach nicht genug, denn das leben war nicht lebenswert wenn man nur vor sich hin lebte ohne ein Ziel vor Augen.
Aber Gabe war noch nicht so weit das zu verstehen und Jesus würde ihm diese Meinung nun auch nicht aufdrängen. Es war nicht gut alle Mauern so schnell einzureißen, manches bedurfte etwas mehr Zeit.
Und niemand verlangte von Gabe seinen Vater im Stich zu lassen, doch es gab nicht nur schwarz und weiß in dieser Welt, vielleicht gab es ja einen Weg beides zu erlangen.. Seelenfrieden aber auch die Aufrechterhaltung des Kontaktes zu seiner Familie. Oft sah man diesen Weg nur nicht aber er war da, irgendwo.
Verarschte Gabe ihn gerade weil Jesus so viel Wert auf den Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst legte? Er legte die Stirn in Falten und war wirklich perplex im ersten Augenblick. Ehe er selbst ein bisschen schmunzeln musste und Gabe aufforderte
„Na los, steh auf“
Denn er wollte ihm nun gerne den feinen Unterschied zwischen diesen Bezeichnungen zeigen. Jesus erhob sich ebenfalls und musterte Gabe, ehe er ihn plump aber blitzschnell packte und über seine Schulter zu Boden warf.
„Das ist Kampfsport“
Er reichte ihm die Hand und zog ihn wieder hoch auf seine Beine, ehe Jesus sich erneut vor ihn stellte. Diesmal jedoch ganz andere Bewegungen machte. Die natürlich schwieriger waren, da Gabe nun auf einen möglichen Angriff vorbereitet war. und was Jesus diesmal tat glich eher einem Tanz als einem Kampf, da seine Bewegungen so unglaublich geschmeidig und flüssig wirkten, als er Gabe prüfend umrundete. Das war nichts weiter als die Vorbereitung. Denn plötzlich sprang Jesus blitzschnell gegen das Geländer, stieß sich davon ab und sprang über Gabes Schulter, wo er ihm plötzlich von hinten sein eigenes Kukri-Messer gegen die Kehle hielt. Er hatte es ihm im Flug völlig unbemerkt gestohlen, was bei einem Dieb wie Gabe schon für sich allein stehend eine ziemliche Kunst war. Natürlich bedrohte Jesus ihn nicht wirklich mit dem Messer, sondern flüsterte ihm stattdessen leise in sein Ohr
„Das… war Kampfkunst“
Hier auf dem Balkon gab es nicht wirklich den Platz ihm das ausführlich zu demonstrieren. Aber er wollte ihm nur einen kleinen Einblick geben worin der Unterschied lag. Denn wenn man etwas sah verstand man es meist besser als wenn man nur darüber redete. Er reichte ihm sein Messer nun auch wieder, immerhin musste er vorsichtig sein bei solchen Aktionen. Gabe könnte immer noch das Gefühl bekommen Jesus wäre eine Bedrohung für ihn und das wäre ein echter Angriff gewesen, weshalb er solche Gedanken gleich wieder unterbinden wollte.
Aber er hatte es verdient von Jesus kurz auf die Matte geschickt und etwas vorgeführt zu werden für seine doofe Bemerkung.
Natürlich gehörte aber noch mehr dazu als nur die körperlichen Bewegungen wie Gabe richtig erkannte.
„So in etwa könnte man es bezeichnen ja. Allerdings muss jeder seinen eigenen, für sich passenden Kodex finden.“
immerhin waren sie alle so unterschiedlich, dass es auch keine einheitlichen Verhaltensregeln oder Werthaltungen geben konnte. Auch wenn ein paar Grundpfeiler in jeder Philosophie enthalten sein sollten.
„Ja, es ist schwierig. Aber gerade deshalb umso wichtiger. Immerhin entwickelt man einen Kodex nicht für einfache Zeiten.. dann bräuchte man ihn schließlich nicht.“
Denn sich in guten und friedlichen Zeiten an gewisse Werte zu halten war einfach, wirklich schwierig wurde es erst wenn die Zeiten es erforderten. Für Jesus aber noch lange kein Grund seine Moralvorstellungen über Bord zu werfen. Man passte sie vielleicht ein wenig an, doch die Grundpfeiler sollten die selben bleiben.
und auch wenn Gabe es nicht direkt festschrieb, auch er besaß einen gewissen Kodex, indem er nur tötete wenn es notwendig war, nicht jedoch aus Spaß oder Sadismus. Damit war er vielen in dieser Welt schon etwas voraus.
„du warst bei den Pfadfindern mit Sicherheit sehr beliebt“
Schließlich waren die Pfadfinder in seiner Jugend eher eine Truppe aus Nerds und Außenseitern, über die andere sich lustig machten. Jemanden wie Gabe hatten sie nur selten, weshalb er ganz bestimmt sehr beliebt gewesen war, die Jungs hatten mit Sicherheit zu ihm aufgesehen und die Herzen der Mädchen hatte er wohl reihenweise gebrochen, ohne dass es ihm selbst bewusst war.
„Attila war ein ziemlich grausamer und harter König. Aber er verstand das Handwerk des Bogenschießens wohl bereits damals“
Er war menschlich vielleicht kein Vorbild aber seine Ausrüstung führte ihn zum Sieg, weshalb dieser Bogen bestimmt von äußerst guter Qualität war.
Er wollte Gabe lieber nicht in der Ferne gegenüberstehen. Denn im Nahkampf war Jesus ihm möglicherweise ein wenig überlegen, wirklich getestet hatten sie das noch nicht, doch im Fernkampf schien Gabe besonders talentiert zu sein. Etwas worauf Jesus sich weniger spezialisiert hatte.
Jesus ahnte noch nicht was in Zukunft womöglich auf sie zukommen würde. Das Gefühl des Friedens war trügerisch. Er wusste es würde nicht ewig andauern, dennoch hoffte er den Frieden noch etwas länger aufrecht erhalten zu können. Die neue Kolonie in der Gabe lebte schien doch alles zu haben, also sollten sie bleiben wo sie waren und das Cottage einfach in Ruhe lassen. Jesus verstand ohnehin nicht wieso man nicht einfach friedlich nebeneinander existieren konnte. Vor allem wenn es einer Kolonie gelang sich selbst zu versorgen. Warum bloß war da stets diese Gier nach mehr mehr und nochmals mehr? Die Menschen sollten doch wenigstens ein bisschen Genügsamkeit gelernt haben in diesen Zeiten. Aber da war wohl wieder der unverbesserliche Optimist, der einfach nur gerne an eine Entwicklung der Menschheit glauben wollte.
„Ich verstehe deine Frage nicht. Warum sollte ich nicht nach ihnen suchen? es gibt immer wieder jemanden, der Hilfe braucht. Erst kürzlich fanden wir einen ausgebildeten Arzt in den Wäldern. Eine Fähigkeit die in den heutigen Zeiten mehr wert ist als jeglicher Besitz“
Jesus setzte eben auf menschliches Kapital statt nur Ressourcen. Denn wenn man fähige Leute hatte, dann konnte man auch gute Dinge erschaffen. Architekten, Bauern, Ärzte.. es gab so viele Berufsgruppen die heutzutage unersetzbar waren. Und Jesus wollte den Blick von dem Leid nicht einfach abwenden, sich in seine Kolonie zurück ziehen und alles was draußen passierte ignorieren. Natürlich hatte er gelernt nicht jedem sofort zu vertrauen. Er war immerhin nicht dumm nur vielleicht etwas gutgläubig und naiv. Aber er führte nicht jeden sofort zu seiner Kolonie sondern traf zuvor durchaus Vorkehrungen.
„Drei Unterrichtsstunden? na schön, abgemacht. Wir werden ja sehen wem dabei schneller graue Haare wachsen, dir oder mir“
denn Jesus würde Gabe ebenfalls ziemlich fordern, er brauchte also nicht zu denken mit ein bisschen im Schneidersitz sitzen wären die Lektionen erledigt. Wobei sie doch eigentlich ein Baumhaus bauen wollten. aber Jesus würde Gabe auch gerne dabei unterstützen auf andere Weise etwas inneren Frieden zu finden. Er hatte ihm ja versprochen ihm dabei zu helfen wieder zurück zu sich selbst zu finden. Vielleicht war für den Anfang etwas Unterricht gar nicht die schlechteste Idee.
Auch wenn es Jesus auf eine andere Art und Weise gelang Gabe einen Moment des Friedens und der Ruhe zu schenken. Hier im Schnee, Stirn an Stirn aneinander gelegt wirkte es als würde die Zeit still stehen. Auch Jesus schloss seine Augen. In den letzten Tagen war er für seine Verhältnisse sehr unruhig gewesen. Und es fiel ihm nur schwer abzuschalten und zur Ruhe zu kommen, trotz der vielen Methoden die er dafür entwickelt hatte. Immer funktionierte das positive Denken aber leider auch nicht. Erst Recht nicht wenn es Sorge war die ihn antrieb. Doch nun, für diesen einen, kurzen Moment schienen seine Sorgen wie verflogen. Er fühlte sich einfach nur wohl und geborgen. Und nichts um sie herum konnte das nun erschüttern oder ihnen diese Erinnerung nehmen. Jesus schmiegte seine Wange an Gabes kalte Hand und neigte den Kopf etwas zur Seite, um ihm einen flüchtigen Kuss auf seine Handfläche zu hauchen. Er wusste nicht mehr wann er sich zuletzt so wohl oder jemandem so verbunden gefühlt hatte.
Aber leider drehte die Welt sich dennoch weiter. Sie konnten die Zeit nicht einfach anhalten und auf ewig hier verharren. Nun ja, sie könnten schon.. nur würden sie dann beide erfrieren. Was gar keine so erschreckende Vorstellung war, so lange sie dabei zusammen waren. Aber noch war dieser Zeitpunkt nicht gekommen. Es gab noch so vieles für das es sich zu kämpfen lohnte. Und Jesus weigerte sich einfach aufzugeben.
„Damit wärst du dort mit Sicherheit der Held“
Denn wer in der Hölle konnte schon sagen von Jesus persönlich getötet worden zu sein? Es war schön das Gabe trotz der Kälte und recht ungewohnten Situation seinen Humor nicht verlor. Das hieß auch er war noch nicht gänzlich durchgefroren.
Der einzige Grund natürlich weshalb Jesus weiterhin seine Hand hielt als sie zurück zu der Terrasse gingen. Sie war immer noch schrecklich kalt und Gabe sollte sich nicht den Tod holen. Wie lange es funktionieren würde sich solche Gedanken einzureden? Bei Jesus wahrscheinlich nicht all zu lange, der hatte darin keine Übung und verleugnete seine Gefühle nur selten bis gar nicht. Nur im Moment erforderte es leider die Situation.
Als HootHoot auf seiner Schulter landete lächelte Jesus etwas, sein Gefieder kitzelte ein bisschen an seinem Hals aber war angenehm weich und warm.
Jesus war aber auch nicht so kalt wie Gabe, er hatte nur etwas Schnee ins Gesicht bekommen, lag jedoch nicht direkt im Schnee, nur seine Hose war etwas nass, sein Mantel jedoch hatte ihn gut geschützt. Naja und seine Haare waren etwas feucht aber das war nicht weiter tragisch. Gabe erging es da ganz anders, das Ausmaß der Kälte zeigte sich erst wieder nachdem sie bei Gabes kleinem Versteck angelangt waren. Denn er konnte nicht mal mehr ordentlich reden.
„Dabei heißt es doch erfrieren ist eine der sanftesten und ruhigsten Methoden um zu sterben, weil man irgendwann einfach nur friedlich einschläft“
Der Körper war nicht für extreme Kälte geschaffen, weshalb die Ohnmacht sich sehr schnell einstellte und was danach passierte bemerkte man nicht mehr. also Jesus hätte gegen diese Art von Tod nichts einzuwenden. Vor allem in einer Welt die vor Gewalt nur so strotzte. Aber er hatte überhaupt noch nicht vor zu sterben und wollte auch nicht, dass es Gabe so erging.
Er zog nun ja sogar seinen Ledermantel aus, um ihm Gabe zu reichen, hier vor dem Feuer war es recht warm und der Pullover den Jesus darunter trug würde ausreichen.
Eigentlich gehörte es sich nicht jemandem dabei zuzusehen wie er sich umzog. Aber.. Jesus musste einfach einen flüchtigen Blick auf Gabes Oberkörper riskieren. Auch wenn aus einem flüchtigen Blick unbewusst ein ziemlich direkter wurde. Dieses Feuer war ganz schön heiß oder empfand nur Jesus das plötzlich so??
Aber weswegen sollte er lachen? das verstand Jesus nicht, bis er diese Shorts sah. Okay.. er ermahnte sich wirklich dazu nicht zu lachen. Presste fest die Lippen aufeinander und versuchte stur woanders hin zu sehen. Aber seine Augen wanderten immer wieder wie automatisch zu Gabe und den niedlichen Shorts mit den Möpsen! Das war einfach zu süß um es zu ignorieren. Obwohl er die Lippen zusammen presste formte sich automatisch ein gequältes Schmunzeln in seinem Gesicht, weil er konnte nicht anders. Das war einfach.. nein er konnte sich nicht länger zurück halten und ihm entwich ein herzhaftes Lachen als er zu Gabe sah. Jedoch hielt er sich prompt den Mund zu, um sich wieder zusammen zu reißen. Aber es klappte einfach nicht
„Tut mir echt Leid aber ich habe selten etwas Süßeres gesehen“
Ob er damit nun Gabe oder die Shorts meinte sei dahin gestellt. Wobei ihm bei Gabes Körperbau eher andere Dinge in den Sinn kamen als ihn als süß zu bezeichnen. Er versuchte ja dennoch sich wieder zu beruhigen und wischte sich sogar eine Lachträne aus dem Auge. Wem hatte er diese Shorts wohl geklaut?
Nachdem er sich die Decken übergeworfen hatte fragte er ihn aber etwas anders
„Woher stammt dieses Tattoo? ich meine, du warst noch minderjährig als die Apokalypse ausbrach“
Er war gerade mal 15. Also wann hatte er sich das Tattoo stechen lassen? hatten sie einen Tätowierer im Sanctuary oder wie war das passiert?
Dankbar nahm er die Decke an und trocknete sich damit tatsächlich etwas die Haare und die Hose, ehe er sie neben das Feuer legte, damit sie wieder trocknen konnte und rutschte dann etwas näher zu Gabe, damit er sich schneller aufwärmte, denn er zitterte immer noch wie Espenlaub.
„Du hast schon ganz blaue Lippen..“
Stellte er fest und hob seine Hand an, um mit dem Daumen zaghaft über Gabes Lippen streichen zu können. Er wollte wirklich nicht, dass es so eskalierte und Gabe hier nun mit halben Erfrierungen saß. Er wollte doch nur eine Runde Schlittenfahren. Aber zu seiner Verteidigung musste man sagen, Gabe hatte diese Schneeschlacht begonnen, nicht Jesus. Dennoch tat es ihm nun ein bisschen Leid. Ihm Frühstück zu machen wäre also das Mindeste das er nun für ihn tun konnte. Weshalb er die Hand wieder sinken ließ und sich langsam erhob, um hinter das Zelt zu gehen. Er würde nun bestimmt nicht all seine Vorräte aufbrauchen, Jesus war genügsam. Eine Tasse Tee und ein paar Eier wären aber wirklich perfekt.
„Möchtest du lieber Tee oder Kaffee?“
Kaffee war bestimmt nicht gut für Gabes Hibbeligkeit, weshalb Jesus zu einem Kräutertee tendierte aber Gabe war ein erwachsener Mann, er konnte das selbst entscheiden. Er nahm also die Beutel Tee an sich, genau wie den kleinen Topf, der durch den Schnee bereits mit Wasser gefüllt war. und 4 Eier. Sie brauchten schließlich Kraft. Danach kramte er noch etwas aus seinem eigenen Rucksack hervor. Er hatte immerhin auch Vorräte dabei. Er stellte den Kochtopf und die kleine Pfanne direkt auf das Feuer, ehe er die Eier in die Pfanne schlug und wartete bis das Wasser kochte. Währenddessen holte er einen Beutel aus seinem Rucksack. Worin sich frische Kräuter befanden, die sie im Cottage ebenfalls anbauten. Nicht überlebenswichtig aber es verlieh dem Essen ein wenig Abwechslung. Und ließ es etwas besonderer erscheinen. Weshalb er die Eier gut würzte, aus denen er Spiegelei machen würde. Danach holte er eine weitere Box aus seinem Rucksack, nämlich mit frisch gebackenem Brot und ein bisschen Speck hatte er auch dabei, den er zerkleinerte und zu den gewürzten Eiern in die Pfanne warf. Jesus war vielleicht auch kein Meisterkoch. Aber gewisse Grundlagen beherrschte er. Als das Wasser für den Tee kochte hing er die Teebeutel hinein und stellte es bei Seite, damit es etwas ziehen konnte. Die Eier brauchten ja auch nicht sehr lange und Jesus riss Gabe ein Stück Brot herunter, welches er ihm reichte, anschließend stellte er die Pfanne zwischen sie beide auf den Boden und reichte ihm weiters noch eine Gabel, die er ebenfalls dabei hatte. Der Tee brauchte noch ein bisschen aber abgesehen davon war das Frühstück fertig.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#30

RE: Dachterrasse

in Altenheim 06.02.2020 19:12
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Musste anstrengend sein, wenn man Optimist war, in solch einer Welt, in der sie nun mal seit einigen Jahren lebten und jegliche Hoffnung darauf verloren war, dass es noch mal wie früher werden könnte. Jene, die in dieser neuen Welt geboren wurden, hatten keine Ahnung, was ihnen verloren gegangen ist, während Gabe und Jesus sich wohl bis an ihr Lebensende daran erinnern würden, was es hieß, freitagabends mal ins Kino zu gehen, einen Hot Dog an der Ecke zu kaufen und gechillt im Bett Cartoons zu gucken. Okay, also Jesus schaute sicher andere Sachen aber Gabe war ein Teenager gewesen und konnte viele Dinge nicht mehr machen, welche die Älteren im Gegenzug erleben konnten. Der dessen optimistische Mentalität einfach nicht verstand, sogar noch weniger, nun wo er sogar ein bisschen was über dessen Vergangenheit erfahren hatte, die auch nicht all zu rosig gewesen ist. Gabe hatte das Gefühl, je mehr er über Jesus erfuhr, umso mehr Fragen kamen auf, für die er nicht wirklich Antworten erhielt oder sich besser gesagt recht schwer damit tat sie nachzuvollziehen. Er war eben andere Kaliber Mensch gewöhnt in den letzten Jahren, nicht gerade die guten Samariter wie man sich denken kann, auch wenn nicht nur Arschlöcher bei den Saviors gelebt hatten, doch die hatten meist die Oberhand.
Und er selbst betrachtete sich nicht als guten Menschen, noch weniger, wenn er Jesus ansah, sowie diesem zuhörte. Zwar konnte er es nicht laut aussprechen, doch er vermisste es jemanden zum Reden zu haben, sein halbes Leben lang war es Roxy gewesen und seit sie fort war, fraß Gabe alles in sich hinein. Er musste ja nicht mal über sich selbst reden, es war schon schön einfach generell mal eine Konversation zu führen, die nicht nur zu 80 % aus Gefluche oder Beleidigungen bestand, sondern seine Gehirnzellen mal etwas gefordert wurden, in Gang kamen. Auch er wusste, er konnte sich nur bis zu einem gewissen Grad alles beibringen, was er halt, brauchte zum Überleben oder ihn neugierig machte, manche Dinge lernte man aber nur von Anderen, das Meiste davon war die letzten Jahre aber nicht viel Gutes. Er kannte inzwischen mehr Wege Leute zu töten, zu quälen und einzuschüchtern, als jemandem mal was Nettes zu sagen. Keine sehr positive Bilanz.
"...wenn, dann hätte es mich nicht mal gewundert, so wie die Bitches alle auf ihn fliegen ..." Schnaubte Gabe verächtlich, gar ein wenig angewidert und rümpfte die Nase, allein bei der Vorstellung, darüber wollte er lieber auch nicht mehr hören, um ehrlich zu sein. Es machte ihn nur sauer aber er schätzte Jesus kleinen Scherz, es war nur ein Thema, eine Anspielung, bei der Gabe generell sehr schnell in einen weniger freundlichen Modus wechselte oder sich abschottete. Daher wirkte er vielleicht auch etwas grimmig, als sein Blick zu seiner Schulter wanderte, nach der Jesus fasste und Gabe bei Anderen prompt Abstand genommen hätte, er hatte einfach zu viel Scheiß gesehen, zudem war er klüger als er zugab, vielleicht war seine Menschenkenntnis fürn Arsch aber er wusste wie viele, unterschiedliche, Bedeutungen eine simple Geste haben konnte. Selbst das Auflegen einer Hand auf der Schulter. Was bei gewissen Leuten nichts Positives ist, sondern reine Verdeutlichung von Dominanz war, doch bei Jesus steckte wohl kaum solch eine Absicht dahinter, er meinte es nur gut und Gabe konnte zumindest noch die Unterschiede deutlich erkennen, anstatt wirklich Alle über einen Kamm zu scheren.
Trotzdem merkte Jesus wohl, die sofortige Anspannung, welche von Gabe erst wenige Sekunden später wieder abfiel als sein Verstand diese Geste als 'freundlich' eingestuft hatte. Dessen grüne Augen von Jesus Hand aufblickten, zurück in die sanftmütigen blauen Augen, die absolut nichts Bedrohliches, Eindringliches an sich hatten, sodass er sich unwohl fühlte, aber dennoch das Gefühl nicht loswurde, dass Jesus viel zu leicht hinter all die Fassaden, Mauern und Tücher blickte, welche er zum Verstecken nutzte. Zum Selbstschutz.
Das jeder mal Hilfe brauchte, war leider ..wahr. Darauf konnte Gabe nicht mal großmäulig kontern oder etwas Gegenteiliges behaupten, er wollte sowas nur lieber nicht hören, noch weniger, wenn er das Gefühl bekam, als würde man denken er hätte Hilfe nötig. Dem war nicht so, er kam super zurecht und klammerte sich an sein Kartenhaus, was er errichtet hatte, um irgendwie mit der ganzen Scheiße zurechtzukommen. Wer Hilfe braucht, darum bittet, ist schwach, ganz einfach. So hatte er es gelernt. Gabe konnte sich selbst nicht eingestehen, dass er vielleicht Hilfe brauchte, wie sollte er dann fähig sein, darum zu bitten oder sie anzunehmen? Er sollte Jesus echt einfach vom Dach schubsen oder so, er brachte seine Seifenblase zum Platzen und erschwerte es ihm, allein mit seiner freundlichen Art, ungemein, sich wieder einzufügen in eine Kolonie welche ...schlimmer war als die Saviors, dabei waren die mitunter schon echt kreativ in Sachen Terror.
Ha, Gabe wäre ja froh, wenn es in seiner Welt überhaupt noch einen weißen Lichtblick gäbe, er war kein Optimist wie Jesus, obwohl er gerne Schabernack trieb, dumme Sprüche vom Stapel ließ, er wusste selbst nicht mehr was davon nur noch Schauspielerei war und wie viel noch sein eigenes Ich. Für ihn war die Welt inzwischen nur noch Schwarz, ab und an gemischt mit Rot, vom Blut der Leute.
Trotzdem war er nicht um blöde Bemerkungen verlegen und Jesus bot ihm, so eine Steilvorlage, die konnte er schlecht ungenutzt lassen, er wusste, er würde es sonst zutiefst bereuen. Auch wenn er die Augen weitete, sowie die Augenbrauen, ob dessen Aufforderung, nach oben zog aber Gabe sich tatsächlich aufrichtete. "Okay wa-..." Er konnte gar nicht so schnell gucken, was schon etwas bei ihm heißen sollte, als Jesus ihn einfach packte und über seine Schulter warf, kaum das Gabe sich erhoben hatte, nur um innerhalb eines Atemzuges zurück auf den Boden befördert zu werden von dem Ninja. Völlig perplex, gar ungläubig, schaute, er rauf zu Jesus und blinzelte erst mal nur. "What the holy fuck?! .." Okay, er war vielleicht minimal beeindruckt. Die unsanfte Landung, die sich spürbar in seinem Rücken bemerkbar machte, war nicht mal so wild, er fiel schließlich öfter mal wo runter, vor allem im Winter war Klettern halt so ne Sache.
Kurz zu dessen Hand geschaut, ergriff Gabe diese und ließ sich wieder rauf auf die Beine ziehen, nur um sofort loszulassen, sowie etwas Abstand zu nehmen. "Okay, ... eiskalt erwischt, ich war absolut nicht drauf vorbereitet." Was ihm kein zweites Mal gelingen würde, hoffentlich. Denn nun war Gabe gewappnet und nahm auch gleich eine ganz andere Haltung an, sowie einen festen Stand während sein Fokus auf Jesus lag, mit ein wenig mehr Abstand zwischen ihnen, kam ihm seine Weitsicht auch wieder zugute. Er sah...alles. Jede noch so kleine, geschmeidige Bewegung bei seinem Gegenüber, jedes Muskelzucken, auch wenn er das Meiste nur erahnen konnte, schließlich trug Jesus Klamotten, die vereinzelten langen Haare, die sich leicht verschoben und in dessen Gesicht fielen. Jesus bewegte sich definitiv mehr nun wie ein Raubtier, bei dem Gabe gerade hin- und hergerissen war, zwischen Faszination als auch Vorsicht. Warum auch immer, kam ihm die Frage in den Sinn, ob Jesus tanzen konnte. Musste daher rühren, dass dessen Bewegungsablauf sehr fließend, geschmeidig und zugleich auch eine Spur anmutig wirkte, sowie sehr schnell umschalten konnte wie es schien. Gabes Augen entging keine einzige Bewegung, nur Gabes Verstand kam irgendwie nicht hinterher in dem Moment, wo der Ninja echt seine Skills ein wenig zur Schau stellte, sowie den Dieb bestahl.
Dem sich prompt die Nackenhaare sträubten, sowie sein Körper sich anspannte, er die Hände, die sich zu Fäusten ballten, locker ließ sowie ergebend hob, wegen dem kalten Metall an seiner Kehle. Den Kopf legte Gabe automatisch ein Stück zurück, damit die scharfe Klinge nicht direkt auf der Haut auflag, schließlich pflegte er seine Waffen äußerst sorgsam. Dem Ganzen setzte Jesus aber noch die Krone auf, als er ihm ins Ohr flüsterte und dem Bogenschützen schon wieder so warm wurde, er bekam sogar leichte Gänsehaut und biss sich auf die Unterlippe während er aus dem Augenwinkel rüberschielte zu Jesus. Okay, sollte er sich Gedanken darüber machen, dass er das eventuell ein bisschen sexy fand? Obwohl dieser, ihn hier gerade eiskalt vorführte, wie so einen blutigen Anfänger. "Das war....BadAss...." Räusperte Gabe sich und leckte sich über die Lippen, die sich halt so trocken anfühlten, wie sein Mund, ganz normaler Reflex. Immerhin entließ Jesus ihn wieder, gab sogar Gabe sein Messer zurück, auf das er kurz hinab sah, dann rüber zu Jesus und es zurücksteckte, unter den Hosenbund, hinten am Steißbein. "Thanks, ....für die Erinnerung daran, weshalb ich es vorziehen sollte, Sicherheitsabstand bei dir zu halten."
Sein Ego verkraftete es zum Glück, er konnte sich im Nahkampf bestens behaupten und er fand jetzt auch keine Ausrede dafür, weshalb Jesus ihn so überrumpeln konnte, zwar fielen ihm welche ein aber Gabe war sich im Klaren darüber, dass Jesus im Nahkampf deutlich besser war als er selbst. Der machte das schon ein paar Jahre länger, zumal Gabe sich bewusst mehr auf den Fernkampf spezialisiert hatte im Laufe der Zeit, er könnte Jesus wohl aus etlichen Metern Entfernung eine Fussel von der Wollmütze schießen, im Nahkampf jedoch, schickte der Ninja ihn schneller auf die Matte als er gucken kann. Unter anderen Umständen, hätte er Jesus nämlich nie so nah an sich herangelassen, sondern hätte diesem, vom Baum aus, einen Pfeil ins Knie gejagt, denn bei Gabe sollte man eher die Bäume im Blick behalten, anstatt den Boden. Nur ein paar Jahre früher und diese Begegnung wäre weitaus blutiger ausgefallen.
So jedoch blieb Gabes Kehle heile und Jesus bekam keinen Pfeil ins Knie.
Kurz rieb er sich den Hals, schnaubte und versuchte sich wieder etwas zu entspannen, puh, ihm war immer noch so warm. "Und wie lautet dein, ganz spezieller, Kodex?" Jetzt war er noch neugieriger keine Frage und ja, er war nun definitiv sehr beeindruckt von dem Holy Ninja, nicht nur, weil dieser ihn auf die Matte schickte, sondern es sogar schaffte, ihn zu beklauen! "Wie? Eh.... wie kommst du darauf? Ich hab den gleichen Kram wie alle anderen Pfadfinder gelernt, gemacht, ... gut, ich lerne schneller als Andere womöglich." Gabe raffte nicht so ganz, wieso Jesus davon ausging, dass er beliebt war unter den Pfadfindern. Das war er tatsächlich, er checkte es nur nicht, weil manches doch an ihm vorbeirauschte oder ihn noch nicht tangierte in dem Alter, er wollte nur Beschäftigung, Neues lernen, in Bewegung sein. Bei den Pfadfindern war Gabe sogar hilfsbereit gewesen, er hatte sich gut eingefügt, sowie ziemlich schnell das Kommando übernommen, wenn sie unter sich waren. Gabe war klug, stark, sportlich, hatte Humor und Charisma, wäre die Welt nicht untergegangen, wer weiß was aus ihm hätte werden können. Für seinen Dad wollte er zu den US Marines aber sein geheimer Wunsch war es... Sänger zu werden.
Tja, und heute? Heute war wohl nicht mehr viel übrig von dem Teenager, der sich zu Beginn in dem Ferienlager verschanzt, sowie den Kids, als auch Erwachsenen aus der Stadt, zu helfen am Leben zu bleiben. Der, ohne zu zögern oder darüber nachzudenken, zum Hammer griff, um die Beißer zu erledigen, ehe die restlichen Kids ihnen zum Opfer fielen in jener Nacht, wo sie einen Verletzten aufgenommen hatten. Entgegen Gabes Warnungen und Beharren darauf, den Typ in eine der kleineren Hütten zu sperren aber ...Erwachsene wussten es ja immer besser, nicht wahr? Hätte sein Dad ihn nicht, Wochen später dort aufgegabelt, wären er und Roxy mit den restlichen Kids irgendwann weiter gezogen. Sie hatte die Geduld im Umgang mit den Kids, Gabe hatte den Mut und Kampfgeist um sie zu beschützen. Erstaunlich wie schnell man abkommen konnte vom richtigen Weg und sich verirrte in der neuen Welt.
Gabe würde ja seufzen, wegen der Antwort von Jesus, ja was hatte er denn erwartet zu hören? Dass er Menschen einsammelte aus Langeweile? Weil er ein Hobby brauchte? Nein, natürlich um zu helfen und in seinen Augen klang es so furchtbar naiv, nicht einmal dumm, sondern halt so verdammt gutgläubig, während Gabe selbst lernte Niemandem zu trauen. Wie auch, bei den Saviors gab es Ratten, am Ende lauter Verräter, wegen denen sie den Krieg verloren, weshalb sein Dad in einer Zelle landete. Ja, verdient hatte er es definitiv aber was war mit Rick? Warum durfte er sich frei bewegen? Das Arschloch gehörte seiner Meinung nach ebenfalls in eine Zelle aber .... so ist das halt. Der Verlierer ist am Ende auf die Gnade des Gewinners angewiesen und Gabe hatte ehrlich nicht gedacht, dass sie seinen Dad am Leben lassen würden.
"Menschen sind Ressourcen." Murmelte Gabe nur leise vor sich hin, das vergaßen manche Leute gerne schnell oder waren sich dessen gar nicht so bewusst, doch am Ende sind sie genauso Ware, wie Lebensmittel, Medizin, Waffen, Tiere usw. Und genauso wurden sie mitunter auch behandelt in der Kolonie, wo er einen Platz, bei seinem Dad hatte und doch lieber, wie früher, hier draußen herumlungerte, sowie als Späher tätig war. Nur im Augenblick spähte er nicht sonderlich viel aus, außer vielleicht Jesus aber das hatte nichts mit Pflichtgefühl oder einer Aufgabe zu tun, im Moment war er nicht im 'Dienst'.
Aber Jesus wollte sich echt darauf einlassen, ihn zu unterrichten? Er musste ein riesiger Masochist sein aber Gabe war neugierig und hatte momentan ja auch nichts zu verlieren, weshalb er ihm die Hand reichte. "Okay, Deal!"
Wenn sie schon eine Abmachung trafen, musste die auch mit nem Handschlag besiegelt werden, so gehörte sich das doch und in der Regel war Gabe jemand, der sich an sowas hielt. Aber er wollte kein Baumhaus bauen, was hatte Jesus nur damit? Gabe könnte ihm ja beim Bau helfen aber er selbst blieb lieber vogelfrei, ohne beengende Wände und Dach über dem Kopf.
Schließlich brauchte er sowas in dem Moment auch nicht, als sie Beide einfach nur, draußen im Schnee, verweilten und Gabe am liebsten auf ewig so verharren wollte, selbst wenn sie Beide dann wohl erfrieren würden, was bedauerlich wäre. Zum einen waren sie noch so jung und zum anderen hatte Gabe, seit Ewigkeiten, das Gefühl, dass die Welt, wenn auch nur für ganz kurz, in Ordnung war. Was viel gefährlicher war aus seiner Sicht, das Gefühl von Geborgenheit, was er in diesem Moment verspürte, erschien ebenso schön wie grausam. Er hatte vergessen wie es sich anfühlt, dass Jesus dieses wieder hervorlocken konnte, würde es Gabe später nur noch schwerer machen zurückzugehen, zu seinem Dad, zum Zoo. Zu dem Leben, was er die letzten Jahre, während sein Vater in der Zelle schmorte, los geworden war und nun wieder zurückgezerrt wurde, in den Teil dieser Welt, der ihm das Gefühl gab zu ertrinken. Also entweder spendete ihm die kleine Erinnerung an diesen Moment ein bisschen Frieden, Zuversicht, etwas Hoffnung oder gab ihm endgültig den Rest und das letzte Bisschen, was von ihm übrig geblieben ist, würde daran zerbrechen, weil er diesen Augenblick nicht einfach klauen konnte.
"Ja, ..oder der Verlierer, weil mir ein Pazifist den Rest gegeben hat."
Konnte Gabe aber immerhin trotz allem scherzen und so lange er dazu imstande war, würde er das bisschen Kälte gewiss überleben. Vermutlich musste man sein loses Mundwerk extra töten, damit es endlich still blieb. Was, zurück auf seiner Dachterrasse, jedoch damit beschäftigt war zu klappern wie ein Skelett mit Schüttelfrost, was ja auch irgendwo der Wahrheit entsprach? Er war nur eben nicht bloß Haut und Knochen. Jesus erntete dafür aber einen vielsagenden, gar strafenden, Blick für seine Bemerkung, denn aus Gabes Sicht war erfrieren kein schöner Tod, denn ehe die Ohnmacht dich übermannte, frierst du dir den Arsch ab! Da würde er einen Pfeil oder eine Kugel im Kopf vorziehen, zumal dann sichergestellt war, dass man nicht zurückkam.
Flüchtig fiel sein Blick auf den gereichten Ledermantel von Jesus, war das sein Ernst? Natürlich, der Typ würde sein letztes Hemd geben, wenn er jemandem damit helfen konnte, nicht wahr?
"Z-zieh..i-ihn..w-wieder a-a-an. I-ist..e-e-h n-nicht m-meine...G-Größe." Forderte Gabe den Holy Ninja auf, der zwar auch nicht ganz vom Schnee verschont geblieben war, jedoch seine Sachen anbehalten konnte und das auch sollte. Bei diesem Wetter schwamm er sogar noch im See, sofern er noch nicht zugefroren ist, weshalb er sich schon gegen die Kälte zu helfen wusste aber es war lieb gemeint, die Geste an sich reichte schon aber war nicht nötig aus seiner Sicht.
Na komm, Gabe wartete doch nur darauf, dass irgendein Mucks von Jesus kam, der offenbar wirklich mit sich zu kämpfen hatte und sich das Lachen zu verkneifen versuchte, ob dieser niedlichen Shorts die der, ach so böse, Savior unter seiner schwarzen Hose trug. Der, sich die Arme reibend, Jesus abwartend ansah, förmlich fixierte, bis er sich nicht mehr zurückhalten konnte und anfing zu lachen. "Arschloch." Warf Gabe ihm daraufhin an den Kopf, schüttelte den Eigenen und zugegeben, ihm huschte selbst ein Schmunzeln über die Lippen, er konnte Jesus halt echt nicht verübeln, dass er den Anblick amüsant fand. Ihm erginge es schließlich nicht anders und mal ehrlich, der Holy Ninja wirkte selbst viel zu süß in diesem Moment. Da ging Gabe auch nicht sofort auf die Barrikaden, bloß weil man ihn oder seine Shorts als süß betitelte, obwohl er schon zu der Sorte gehörte, die halt ungern so bezeichnet werden möchte weil ...unmännlich. Dieses Macho-Denken war leider tief in ihm verankert, selbst wenn es gar nicht zu seiner wahren Natur passte.
Da war die Frage nach seinem Tattoo weitaus besser, die war er auch gewillt zu beantworten, nachdem er sich in Decken gewickelt, ans Feuer hockte, um wieder aufzutauen. "Ja, ich war minderjährig ... aber jeder kann, konnte, sich damals übers Internet entsprechendes Gerät, Farben und Anleitungen besorgen. In der Clique, mit der ich abhing bevor meine.... meine Mum krank wurde, ..war jemand der künstlerisch echt verfickt begabt gewesen ist. War schon etwas älter und der große Bruder von nem Kumpel von mir, ...der hat uns damals auch Alkohol besorgt, ...war halt nen cooler Dude. Wie auch immer, ..er wollte Tätowierer werden, hatte auch schon nen Ausbildungsplatz in die Richtung, ... alle haben immer rumgetönt, sie wollen nen Tattoo von ihm. Als er an einem Abend aber alles mitbrachte, waren die Feiglinge still und haben gekniffen, ...ich nicht. Wollte immer Tattoos haben wie ....Dad, weils cool war, mir das schon früh gefallen hat, also habe ich mir tatsächlich ausführliche Gedanken gemacht welches Motiv." Er zog die Decken fester um sich, rückte noch ein kleines bisschen näher ans Feuer, passte aber auf, nicht versehentlich selbst noch in Flammen zu stehen. Das wäre uncool.
"Also hab ich mit ihm den Entwurf besprochen, er hat ne geile Zeichnung geliefert und dann ..go! Muss vielleicht in paar Wochen vor meinem 15. Geburtstag gewesen sein, ...tat zu Beginn weh aber.. bin ja nicht aus Zucker. Meine Eltern sind ausgeflippt, obwohl ich es wenigstens ein paar Tage lang verbergen konnte, Dad war am Ende auch weit aus gechillter, verständnisvoller, nur eben der Ansicht ....wenn schon Tattoo, dann auch bei nem Profi und in einem Studio, wegen Hygiene und so. Na ja ich habs bis heute nicht bereut, tatsächlich hätte ich unter den jetzigen Umständen mehr Bedenken, mir ein Tattoo stechen zu lassen, als damals. ....ich war, bin, eben ein Rebell."
Als er das sagte, grinste Gabe, trotz blauer Lippen und zitternd wie Espenlaub, verschmitzt rüber zu Jesus und wippte mit den Augenbrauen. Natürlich machte HootHoot sich bemerkbar, denn als Jesus mit der Decke sein Haar trocknen wollte, fühlte der kleine Raubvogel, der noch immer bei ihm verweilte, sich gestört und pickte den Holy Ninja zunächst leicht gegen den Finger, ehe er in die Decke hackte sowie sich aufplusterte. Schmunzelnd beobachtete er das Ganze biss er die Hände vor den Mund hielt, als wolle er sich diese mit dem warmen Atem wärmen, stattdessen aber HootHoots Ruf imitierte, der prompt den, erbarmungslosen Kampf gegen die böse Decke, unterbrach sowie rüberflatterte zu seinem Besitzer. Auf den Kopf, wo er an dessen nassen Haar zu zupfen anfing. Gabe war schließlich nicht entgangen, dass Jesus etwas angespannt reagiert hatte gestern, als er die Melodie pfiff, die er von klein auf von seinem Dad kannte, zumindest versuchte er es, sich im Hinterkopf zu behalten, dass diese Melodie für Jesus nichts Positives war. Also zeigte er seine Pfadfinder-Skills auf diese Weise und vergrub rasch die Hände wieder in den drei Lagen Stoff.
Schaute dafür aber umso überraschter zu Jesus, der seine blau gewordenen Lippen ansprach, mehr noch aber berührte, was Gabe nun weniger erwarten würde aber einfach still hielt, bis er plötzlich diese öffnete, nur um ihn in den Daumen zu zwicken mit einem brummigen Laut, der seine Kehle rauf kroch. Genauso schnell ließ er aber auch wieder los und leckte sich über die kalten Lippen, wo sich schon wieder ein leichtes Kribbeln breit machte, dass sicher nur daher rührte, dass Jesus noch immer wärmer war als Gabe momentan. Ja, er war selbst schuld daran, sich gerade hier den Ast abzufrieren, doch ganz ehrlich? Das war es ihm wert gewesen, die kleine Tollerei im Schnee hatte so viel Spaß gemacht, er hatte gelacht wie schon lange nicht mehr und eine Unterkühlung würde er schon überleben. Er war ein Stehaufmännchen.
Das sich am Feuer wärmte und die Augen schloss, um ihnen ein bisschen Ruhe zu gönnen, während Jesus sich erhoben hatte um ..Frühstück zu machen offenbar.
"Tee ...bitte." Brummte Gabe und gähnte anschließend, so langsam bekam er wenigstens wieder Gefühl im Körper, er wurde wärmer, sodass seine Zähne aufhörten zu klappern, zwischendurch streckte er die Hände auch zum Feuer, rieb sich diese und schaute auf als Jesus zurückkam. Unauffällig beobachtete er ihn ein wenig dabei wie er alles vorbereitete und sogar Kräuter zückte, zum Würzen? Okay, Gabe sollte sich nicht wundern, der Mann hatte eine Lunchbox in seinem Rucksack und er fand das noch immer irgendwie niedlich. Dennoch runzelte er bei dem Anblick die Stirn ein wenig, hob die linke Augenbraue anschließend und legte den Kopf schief, seine Augen weiteten sich als dann, nebst Brot, auch noch Speck hervorgeholt wurde, der bei den Eiern in der Pfanne landete. Allein bei dem Geruch lief ihm das Wasser im Mund zusammen und sein Magen knurrte erneut.
Dankend nahm er das Stück Brot entgegen, dass Jesus ihm reichte und dazu auch noch eine Gabel, auf die Gabe schaute, als wäre es das siebte Weltwunder.
"Oh my fucking God, die heilige Forke von Jesus, ..Amen!!"
Er hielt sie auch noch so andächtig nach Oben, begann zu grinsen und sah dann langsam zu diesem rüber, er konnte sich sowas nicht verkneifen! Es war wie mit dem Stehlen, einfach ein Zwang, zumal er selbst es sehr lustig fand. "....irgendwann wirfst du mich übers Geländer, oder?" Fragte er mal nach und klang auch dabei immer noch ziemlich amüsiert, die Vorstellung war lustig, obgleich er gerne darauf verzichten würde, vor allem wenn er nur Stiefel und Shorts trug, sowie lauter Decken. Schließlich biss er rasch ins Brot, damit er doch mal die Klappe hielt, nicht dass Jesus es echt in Erwägung zog, den Scherzkeks über das Geländer zu werfen. Für seine Verhältnisse aß Gabe sogar recht gesittet, sofern man das an einem Lagerfeuer, in freier Wildbahn tun kann aber essen wie ein Schwein, kann er, auch wenn er allein ist. In Gesellschaft sollte man sich schon zu benehmen wissen.
Daher hielt er beim Essen wirklich den Mund, sah höchstens mal flüchtig rüber zu Jesus und ganz schnell wieder in Richtung tänzelnder Flammen bevor dieser es bemerkte.
Was er so lange tat bis seine grünen Augen, gar nicht anders konnten, als diesen einen Krümel zu fixieren, der sich in Jesus Bart verfangen hatte. Er starrte ihn förmlich an, so als würde der Krümel vor Schreck, sofort aufspringen und von selbst abhauen, was er natürlich nicht tat, aber es Gabe ungemein störte bis er es nicht länger aushielt, sondern entschied sich dessen anzunehmen. Da vernachlässigte er sogar das Essen, lehnte sich etwas rüber, legte die Gabel bei Seite und hob die Hand um diesen verdammten Krümel, der ihm wahrlich ein Dorn im Auge war, behutsam mit den Fingern aus Jesus Bart zu streichen. Wie gesagt, Gabe mochte nichts Störendes in seinem Sichtfeld, ob das nun ein Baum beim Anvisieren des Ziels ist oder, wie jetzt gerade, ein verdammter Krümel im Bart von Jesus.
Er verengte gar feindselig, prüfend, die Augen, kam sogar noch näher und das nur um sicherzugehen, dass nicht noch ein Krümel sich darin verfing um ihn zu triggern, vor allem weil er auf kurze Distanz ja schlechter sah, als wenn etwas sich in der Ferne befand. Schließlich hob er mal den Blick, wanderte den, sehr gepflegten, Bart langsam hinauf, blieb ganz kurz, an Jesus verlockenden Lippen hängen und schaute anschließend wieder in dessen blaue Augen. "....Sorry!!" Sofort nahm er die Hand runter, zog auch den Kopf zurück um schnell woanders hinzugucken und entschied sich runter auf das Brot zu starren, was er noch nicht ganz verputzt hatte.
"Ich ..bekomme die Kriese wenn etwas in meinem Sichtfeld ist,... ein Störfaktor. Dann muss ich es einfach wegmachen,.. tut mir leid." Räusperte er sich und versuchte sein, mitunter seltsames, Verhalten ein wenig zu erklären, damit Jesus nicht gänzlich dachte, dass Gabe ne Schraube locker hat. Okay, er hatte viele lockere Schrauben aber manche davon besser im Griff als Andere. Den Blick gehoben schaute er aber immer noch so wie zuvor, nur das sein Fokus, sich auf eine von Jesus Strähnen legte, nach der er automatisch die Finger ausstreckte, sowie sich auf die Unterlippe biss dabei und er sie ihm aus dem Gesicht, hinters Ohr schob. "...besser, viel besser."







@Jesus


Thomas Marshall findet das nice
nach oben springen

#31

RE: Dachterrasse

in Altenheim 09.02.2020 23:33
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Da war Gabe nicht der Einzige. Die meisten Leute kannten mittlerweile mehr Wege der Grausamkeit statt der Freundlichkeit. Hilfsbereitschaft, jemandem Komplimente zu machen, zuzuhören ohne eine Gegenleistung zu erwarten.. all das waren Dinge, die damals für viele Menschen schon schwierig waren, in der Zwischenzeit schienen diese Umgangsformen jedoch so gut wie ausgestorben zu sein. Denn Jesus legte seine Hand natürlich nur an Gabes Schulter weil er es gut meinte und nicht um seine Dominanz aufzuzeigen. Auf diese Idee kam er überhaupt nicht. Zog seine Hand allerdings wieder weg, da Gabe etwas angespannt reagierte. Er sollte es bei ihm mit dem Körperkontakt wohl nicht übertreiben, es schien ungewohnt für sein Gegenüber zu sein. Und überfordern wollte er ihn keinesfalls. Aber ihm vielleicht in keinen Dosen aufzeigen, dass Menschen nicht immer schlechte Absichten haben. Gelänge es ihm Gabes Glauben an die Menschheit wieder her zu stellen, wenn auch nur ein klein wenig, könnte er sich wohl wirklich heilig sprechen.
Jesus wusste doch nicht, dass er Gabe damit das Leben schwer machte, weil dieser sich wieder in eine Kolonie einfügen musste, eine die noch grausamer war als die Saviors. Wüsste er davon, würde ihn Gabes Verhalten und seine Einstellungen wahrscheinlich weniger verwundern. Denn das es dort unmöglich war um Hilfe zu bitten oder sich einzugestehen Hilfe nötig zu haben, war klar. Wäre es ihm bewusst würde er den Presslufthammer vielleicht gegen einen kleinen Meißel tauschen, um seine Mauern nur ein ganz klein wenig zum bröckeln zu bringen, sie jedoch nicht völlig einzureißen. Aber vielleicht gelang es ihm ja ein paar kleine Lichtstrahlen in das Schwarz von Gabes Welt zu bringen, damit er sich nicht ganz so verloren und hoffnungslos fühlte.
Im Augenblick jedoch hatte er etwas anderes im Sinn, nämlich eine kleine Demonstration dessen, was Jesus im Nahkampf drauf hatte. Jedoch auch hier galt es nicht als Demonstration seiner Dominanz oder weil er Gabe vorführen wollte. Er wollte ihm doch lediglich den Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst demonstrieren. Na schön, ein bisschen angeben wollte er vielleicht auch, jedoch nicht um Gabe bloß zu stellen. Sondern einfach um ihn ein bisschen zu beeindrucken. Und wie es schien gelang es ihm. Trotz dessen hatte Jesus darauf geachtet, dass Gabe sich nicht wirklich weh tat, sogar seinen Sturz etwas abgefedert indem er in die Hocke ging. So direkt auf dem Rücken zu landen war schließlich nicht sehr angenehm und auch das Messer nahm er schnell wieder von seiner Kehle. Denn in so einer Position zu verharren war nicht besonders angenehm.
„Bislang hast du mir keinen Anlass gegeben dich ernsthaft auf die Matte zu schicken“
Sagte er mit einem sanften Schmunzeln im Gesicht, Gabe brauchte sich also keine Sorgen wegen des Sicherheitsabstandes machen, Jesus hatte keine bösen Absichten, sie waren keine Feinde und standen sich nicht auf dem Schlachtfeld gegenüber. Also kein Grund nervös zu sein. Heute und hier waren sie einfach nur zwei Männer die ihre Vorräte teilten, ungeachtet ihrer Kolonien oder Vorgeschichte.
„Mein Kodex ist eigentlich ziemlich simpel. Ich möchte mehr geben als ich nehme.“
Es klang vielleicht einfach das zu tun, doch gerade für einen Dieb war es eine wichtige und notwendige Regel. Denn immer wenn Jesus etwas stahl, versuchte er es durch andere Taten wieder wett zu machen. Denn sein Kodex bezog sich nicht nur auf Rohstoffe.
„Damit meine ich nicht nur Vorräte oder Ressourcen. Sondern auch Hoffnung, Sicherheit, Freude, Bildung, Zuversicht.“
All diese Dinge wollte Jesus geben. Vor allem in Zeiten wie diesen, wo die Menschen hauptsächlich nahmen aber nichts mehr zurück gaben. Ein Leben wog sehr viel.. und Jesus versuchte für all die Leben die er genommen hatte dafür doppelt so viel zurück zu geben. Er wusste, das würde ihn nicht von seiner Schuld befreien, denn für Mord gab es keine Vergebung. Aber indem Jesus seinen eigenen Kodex erfüllte war wenigstens sein Herz etwas leichter und er mit sich selbst im Reinen.
„Und du? An welchen Wertvorstellungen orientierst du dich? ungeachtet dessen was dein Vater dir beigebracht hat“
Er wollte nicht hören welche Wertvorstellungen und Prinzipien die Saviors hatten, das wusste er leider gut genug. Er wollte wissen was Gabe tief in seinem Inneren antrieb.
Gabe wusste doch eigentlich wie gut er aussah, wieso fiel es ihm dann bloß so schwer zu erkennen wenn jemand ihm ein Kompliment oder Avancen machte? Sein Äußeres passte irgendwie nicht zu seinem Inneren, doch statt es seltsam zu finden, fand Jesus es ehrlich gesagt ziemlich süß. Denn das machte ihn für den Ninja definitiv noch etwas reizvoller. Denn arrogante Bastarde hatte diese Welt genug hervor gebracht. Die meisten fanden sich selbst so wahnsinnig toll und überlegen, da war Gabes Verhalten eine erfrischende Abwechslung.
„Ich meinte.. vor allem bei den Mädchen. Sie bekamen wohl nicht häufig einen so hübschen und talentierten Pfadfinder zu sehen“
Oder hatte er damit unrecht und die Mädchen bei den Pfadfindern hatten sich nicht für Gabe interessiert? Nein, das konnte nicht sein. Außer Roxy aber wenn sie Mädchen zugetan war kein Wunder. Jesus wüsste gerne wie Gabe sich bei den Pfadfindern in die Gruppe eingefügt hatte, was seine Rolle war, einfach wie sein Charakter vor der Zombieapokalypse war. Denn vielleicht konnten sie gemeinsam wieder etwas mehr von dem jungen Pfadfinder von damals hervorlocken.
Jedoch wollte Jesus nicht zu sehr in Gabes Vergangenheit bohren, denn häufig war es schwierig darüber zu sprechen wie es damals war. Weil einem dadurch bewusst wurde wie sehr man sich verändert oder was man verloren hatte.
Allerdings würde Jesus keine Sekunde an dem Gesagten zweifeln wenn Gabe ihm erzählte, dass er früher hilfsbereit war und den Kids geholfen hatte. Denn genau so würde Jesus ihn auch heute noch einschätzen, irgendwo tief in seinem Inneren waren diese Eigenschaft noch verborgen. Sie warteten nur darauf endlich wieder hervor gebracht zu werden.
„Das sind sie ja. Aber allen voran sind sie Menschen“
Der Grundgedanke der Saviors damals war immerhin nicht schlecht gewesen. denn ja, Menschen waren Ressourcen. Nur ging der Gedanke nicht weit genug, denn Menschen waren mehr als das. Sie waren kostbar und wertvoll aber vor allem menschliche Lebewesen und keine Waren, mit denen man handelte oder die man versklavte, ausnutzte oder sogar schändete. Die Saviors hatten diese Worte wohl etwas falsch ausgelegt. Manche von ihnen zumindest.
Jesus nahm entschlossen Gabes Hand und schüttelte sie.
„Deal“
Damit war es also besiegelt. Und das hieß Jesus hatte viel Arbeit vor sich. Er würde mit kleinen Schritten beginnen, um Gabe nicht zu überfordern, mit gewissen Fragen, vielleicht ganz nebenbei ohne das dieser überhaupt merkte das Jesus versuchte ihn zum Denken anzuregen. So wie er es auch schon bei vielen im Cottage getan hatte.
Gabe wollte seinen Ledermantel nicht? Ja, er war vielleicht ein klein wenig kräftiger gebaut als Jesus aber kaum größer als er. Und der Ledermantel war alt und abgetragen, er hätte Gabe mit Sicherheit gepasst. Aber diesem fiel es offenbar wirklich sehr schwer Hilfe anzunehmen, weshalb Jesus ihn einfach neben ihm ablegte. Vielleicht entschied er sich ja doch noch um und wenn nicht, dann war es eben so.
Aber es war fast besser das Gabe seinen Ledermantel nicht angezogen hatte, denn dann wäre er nicht in den Genuss des Anblicks dieser Shorts gekommen. Die wirklich göttlich waren und Jesus sich das Lachen einfach nicht verkneifen konnte, es wurde sogar noch lauter als Gabe ihn deswegen schimpfte. Auch das konnte er irgendwie nicht ernst nehmen.
„Ich klau dir welche mit Schneeflocken, damit du diesen Tag immer in Erinnerung behältst“
Oder er bestickte Shorts mit Schneeflocken, dann gab es wenigstens eine Art von Schnee die ihn warm hielt und ihn nicht frieren ließ. Und nun wo er wusste, dass Gabe offenbar auf niedliche Muster stand, könnte er den Schneeflocken ja auch ein lachendes Gesicht aufsticken. Oh ja, das musste er unbedingt machen. Vor allem weil Gabe Schnee so hasste war es eine wirklich amüsante Hommage.
Er brauchte sich deswegen doch nicht unmännlich fühlen, denn ein Blick weiter hoch auf seinen Oberkörper ließ Jesus jeglichen Gedanken daran verschwinden, dass Gabe süß war. Da kamen ihm ganz andere Begriffe in den Sinn.
„Du hattest Glück, dass deine Tätowierung sich nicht entzündet hat. Aber an so etwas denkt man mit 14 wohl noch nicht. Jedenfalls hatte dein Kumpel Talent, das Tattoo steht dir wirklich gut“
Und er konnte sich vorstellen das Gabe danach der Held in seiner Clique war. Ein Fünfzehnjähriger mit einem Tattoo und ein Rebell noch dazu? wie war es möglich, dass er noch so unschuldig wirkte? er musste doch damals nicht nur die Herzen der Pfadfinderinnen gebrochen haben sondern auch die der Mädchen in seinem Freundeskreis.
Jesus entschuldigte sich sogar bei HootHoot weil es diesem zu missfallen schien, dass Jesus sein Haar etwas trocknete. War es nicht angenehmer mit dem trockenen Haar zu spielen statt mit den feuchten Haarsträhnen? Zum Bauen von Nestern waren die nassen wahrscheinlich besser geeignet.
„Du sprichst Käuzisch?“
Fragte er ihn schmunzelnd, da Gabes Imitation von HootHoots Rufen wirklich authentisch und sehr ähnlich klang. er war wahrhaftig ein Pfadfinder.
Und ein Kannibale wie es schien, biss er doch einfach in Jesus Finger. Dieser weitete überrascht die Augen und tadelte ihn gespielt
„Bitte nicht du auch noch, in dieser Welt wollte man mich schon oft genug fressen“
Er hatte sich wohl zu viel von den Beißern abgeschaut. Und dennoch verstand er nicht den Unterschied den Jesus vorhin angesprochen hatte? Als sie davon sprachen, dass es etwas anderes war jemanden zu verspeisen als ein wenig an seinem Finger zu knabbern. Denn genau das tat Gabe im Grunde gerade bei Jesus. Wenn auch nicht wirklich bewusst offenbar.
Das Jesus mehr Humor hatte als man im ersten Moment vermuten würde, zeigte sich daran, dass er einfach auf Gabes dummen Scherz mit der Forke einstieg.
„Nicht die Forke ist heilig du Heide. Sondern das Brot“
Hatte Gabe in seinem Leben nie eine katholische Messe besucht? Der Brot symbolisierte immerhin den Leib Christi. Weshalb er noch ein Stück Brot hinab brach und in seine Handfläche legte. Mit der anderen Hand nahm er es auf und führte es zu Gabes Mund
„Das ist mein Leib“
Mit dem er Gabe nun füttern wollte. Wirkte vielleicht ein bisschen unheimlich. Aber so lief das nun mal ab in katholischen Messen. Das hatte Jesus sich nicht einfach ausgedacht, so war nun mal der christliche Glaube. Der Gabriel in seiner Kolonie würde ihn wohl rügen für diese Gotteslästerei die er hier gerade praktizierte aber naja, Jesus war wesentlich weniger gläubig als sein Name es vermuten ließ.
„Ich werf dich lieber noch mal über meine Schulter“
Streute er ein bisschen Salz in die Wunde und grinste dabei etwas spitzbübisch. Er sollte also nicht zu frech sein, sonst zog Jesus das wirklich durch. Er hatte seit sie sich kannten schon ziemlich oft vor, neben oder hinter ihm auf dem Rücken gelegen. Nicht dass das noch zur Gewohnheit wurde.
Während die Eier vor sich hin brutzelten genehmigte Jesus sich ebenfalls etwas Brot, er bemerkte dabei Gabes flüchtige Blicke durchaus. Und er musste zugeben, dass er es vielleicht minimal genoss. Bis zu dem Zeitpunkt wo aus den verstohlenen Blicken plötzlich ein Starren wurde. da schielte auch er kurz seitlich zu ihm, um sich zu vergewissern, ob er wirklich ihn anstarrte oder nicht doch etwas das sich vielleicht direkt neben oder hinter ihm befand? nein, Gabe starrte ihm irgendwie mitten ins Gesicht. Das ließ Jesus die Stirn runzeln und ihn fragend ansehen.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“
Denn es war seltsam so angestarrt zu werden. Also wenn Gabe irgendeine Frage hatte sollte er ihn einfach fragen statt ihn in Grund und Boden zu starren. Aber das war nicht der eigentliche Grund wie es schien. Sondern ein Krümel in seinem Bart. Den Jesus selbst aber nicht bemerkte. Auch dann nicht als Gabe ihn so sorgfältig und behutsam aus seinem Bart strich. Diese Geste brachte ihn fast ein wenig in Verlegenheit, weil sie so unerwartet kam und er deren Bedeutung noch nicht einschätzen konnte. Denn hätte er einfach nach seinem Gesicht gefasst, um ihn zu streicheln, wäre das ganz schön intim gewesen. Für Gabes Verhältnisse. Weshalb Jesus ihn im ersten Moment wirklich ansah wie ein Autobus, ganz entgeistert und irritiert, mit ganz leicht geröteten Wangen. Vor allem weil Gabe ihm plötzlich so nahe kam und ihm so direkt in die Augen sah. Da wünschte er sich gerade das Feuer könnte mal kurz Pause damit machen ihn zu wärmen, denn warm wurde ihm nun auch von selbst. Naja bis zu dem Zeitpunkt als Gabe die Flucht antrat und sich so hastig entschuldigte. Erst dann ließ auch sein Blick von Gabes Augen ab und wanderte hinab zu dessen Hand wo sich dieser Krümel befand. Das also hatte diese Geste zu bedeuten. Natürlich, was denn auch sonst. Als würde Gabe ihn einfach so berühren, auf diese Weise. Okay vorhin waren sie sich noch viel näher gewesen aber da hatte einfach die Stimmung ihren Beitrag geleistet und Gabes Lippen sich verselbstständigen lassen. Doch nun, nun wirkte es so geplant und bewusst. Weshalb es diesmal Jesus war der einen dummen Spruch schob, um darüber hinweg zu täuschen, dass er diese Geste gerade womöglich etwas falsch interpretiert hatte
„Mein Gesicht ist also ein Störfaktor für dich?“
Er hatte ihm den Krümel ja nicht gezeigt, den hatten Jesus Argusaugen bloß zufällig entdeckt. Weshalb er sich lieber hinter einem Scherz versteckte und Gabe auch lieber noch ein bisschen foppte statt sich selbst einzugestehen, dass er sich irgendwie verbotenerweise gewünscht hätte, es wäre eine bewusste Geste gewesen.
Eine bewusste Handlung war es hingegen, wie Gabe ihm plötzlich eine Strähne hinters Ohr strich. Das Gabe mit solchen Störfaktoren ein Problem hatte musste Jesus sich unbedingt merken. Nicht das er es ausnutzen würde oder so, naja vielleicht ein ganz klein wenig, einfach wenn die Situation es ergab. Doch nun lächelte er ihn einfach nur an und bedankte sich.
„Was nun besser ist, das müssen HootHoot und du miteinander ausmachen“
Der war bestimmt nicht so begeistert davon, dass Gabe Jesus seine Haarsträhne hinters Ohr geschoben hatte, nun gab es für ihn schließlich nicht mehr so viel zum Zupfen. Und da mischte Jesus sich nicht ein, er wollte ungern zwischen den Stühlen stehen wenn die beiden eine Meinungsverschiedenheit hatten.
Stattdessen kümmerte er sich lieber um seine Eier. Die in der Pfanne. Denn es wäre eine Verschwendung wenn sie anbrannten. Weshalb Jesus sie mit seiner Gabel in der Mitte teilte und dann eine Hälfte auf Gabes Stück Brot gleiten ließ. Teller hatten sie schließlich nicht zur Verfügung aber so würde es auch funktionieren. Die Pfanne stellte er bei Seite in den Schnee, wo es etwas zischte aufgrund der Hitze, die sie ausstrahlte. Und auch der Tee war bereits fertig. Weshalb er auf diesen in den Schnee zwischen sie stellte, damit er schneller kühl wurde oder besser gesagt nicht mehr brennheiß war. Tassen hatten sie vielleicht keine aber was war schon dabei den Tee einfach aus dem Topf zu trinken, sobald er die richtige Temperatur hatte.
„Also.. dein Angebot mich nach dem Essen zu begleiten steht immer noch ja?“
Vielleicht hatte er es ja gestern nur gesagt weil ihn irgend etwas in diesem Zelt überkommen war. Ein Anflug von einem Gefühl, welches jetzt schon wieder verschwunden war. Denn Jesus hatte ein paar Zweifel bekommen, ob es wirklich klug war Gabe mitzunehmen. Er wollte ihn nicht in Gefahr bringen, denn je mehr Zeit er mit ihm verbrachte, desto mehr Sympathie entwickelte er für ihn. Und Jesus war nicht ohne Grund alleine unterwegs. Wenn es seine Art wäre Freunde in Gefahr zu bringen, dann hätte er Unterstützung an seiner Seite.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

zuletzt bearbeitet 09.02.2020 23:35 | nach oben springen

#32

RE: Dachterrasse

in Altenheim 10.02.2020 12:15
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Ein kleiner Lichtstrahl? Aus Gabes Sicht war Jesus wohl eher wie ein Flutlicht, dass urplötzlich, ohne jegliche Vorwarnung, in seine finstere Welt hinein schien, was mitunter wirklich abschreckend sein konnte und zugleich fühlte er sich, wie eine, recht diebische, Motte davon angezogen, denn wäre es anders, würde der ehemalige Savior ganz andere Saiten aufziehen. Was ihm vielleicht gelingen könnte, wenn Jesus ein bisschen weniger liebenswürdig wäre, doch dem drang die Freundlichkeit ja förmlich aus jeder Pore und das in so einer Welt, in der sie leben mussten, ...es war für Gabe einfach unbegreiflich. Immer noch. Und sich davon nicht anstecken zu lassen, war verdammt schwer, denn er konnte es sich nicht leisten, mit Freundlichkeit, Fürsorge, Nächstenliebe, kommst du nicht weit, auch wenn die Saviors, zu Beginn, durchaus gute Absichten hatten aber Macht verändert einen, nur nicht zwingend zum Guten. Ein weiterer Grund, weshalb Gabe keine Verantwortung für Andere haben wollte, sein Dad war bis heute davon überzeugt das Richtige getan zu haben, sah sein Sohn ein bisschen anders.
Der schon ein wenig vorgeführt wurde von Jesus, allerdings, war Gabe auch manchmal ein kleiner Angeber, zumal er nichts schlecht daran fand, Anderen aufzuzeigen, worin man schlichtweg besser ist. Anders als Jesus, gab er jedoch sein Wissen nicht weiter, er würde niemanden ausbilden, trainieren oder seine Tricks aufzeigen, allein weil seine Denkweise ganz anders war, als die des Holy Ninjas. Er würde es nämlich als Nachteil für sich empfinden, denn alles was er kann, weiß und gewillt wäre jemandem zu zeigen, kann oder viel mehr wird, sehr wahrscheinlich, am Ende gegen ihn verwendet werden, dieses Denken bekam man auch nicht einfach aus ihm heraus, nicht nach all den Jahren bei den Saviors.
Noch weniger, wo er wieder in so einer 'liebreizenden' Kolonie war, zwar mochte er nicht zu den Wächtern gehören, als Späher hatte er den Vorteil, lange dem Zoo fern bleiben zu können, ohne als Freiwild deklariert zu werden und sich bei Sichtkontakt eine Kugel zu fangen, dennoch musste er zusehen, wie er zurechtkam, sich selbst verteidigen. Bei den Saviors hatte er Sonderstatus, der fehlte ihm in der neuen Kolonie, weswegen er eigentlich noch weniger, jemanden wie Jesus gebrauchen konnte, der ihm aufzeigte, dass es noch Leute gab, die nicht nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind oder nen Arschloch.
Zwar demonstrierte dieser ihm, wie verdammt schnell, als auch einfach, es Jesus gelang, Gabe auf die Matte zu schicken, gar zu bestehlen und sein Messer, gegen ihn, zu verwenden aber er schaffte es, auf eine Art, die nicht nach einem ernsthaften Angriff schrie, sondern, wie beabsichtigt, nur nach einer Demonstration.
Doch genau aus diesem Grund, sagte Gabe sich immer, traue niemandem und noch weniger, den Leuten die nett zu dir sind, weil die mitunter die Schlimmsten, Gefährlichsten sind.
Vielleicht traf das auf Jesus nicht zu, doch Gabe hatte ein gutes Gespür für gefährliche Leute, er lebte Jahrelang unter zweibeinigen Raubtieren und nicht jeder davon, strahlte durch seine Erscheinung sofort Gefahr aus, hatte es aber faustdick hinter den Ohren. War bei ihm wohl, so absurd es klang, eher das Gegenteil, harte Schale, grimmiger Blick aber ganz tief in sich drin, früher zumindest, kein ganz so schlechter Kerl.
"Ich wette, ich finde früh genug einen Grund, damit deine Skills mir zum Verhängnis werden."
Das war ausnahmsweise mal kein Scherz, sondern sein ernst und die Befürchtung, die er hatte, selbst wenn er nicht direkt gegen Jesus etwas unternehmen würde, weil er ihm keinen Grund dazu gab, schloss er nicht aus, dass sie sich noch unter, weitaus unschöneren, Umständen irgendwann wieder gegenüber stehen.
Ein weiterer Grund, weswegen er Jesus eigentlich nicht an sich heranlassen wollte, daran scheiterte er nur kläglich, weil es ewig her war, dass er sich in der Nähe von jemandem wohlfühlte und weil dieser einfach viel zu entzückend anmutete. Gabe seufzte als dieser ihm seinen, ganz persönlichen, Kodex nannte und ja klar, was auch sonst, er versuchte wirklich, um jeden Preis, diese Welt ein kleines bisschen besser zu machen, im Rahmen seiner Möglichkeiten, nicht mal zwingend für sich, sondern viel mehr andere wie es schien. Beim besten Willen, Gabe konnte Jesus ja nicht mal verarschen oder nen blöden Spruch bringen, wegen dessen Kodex, es war einfach so ...entwaffnend.
"Da hast du dir ja Einiges vorgenommen, Ressourcen sind ja schon so ne Sache aber ...der Rest.." Er konnte es ja nicht mal aussprechen, Hoffnung, Freude, Sicherheit, auch wenn er sich daran noch erinnerte, erschien es ihm inzwischen mehr wie der naive Wunsch eines Kindes. Ha, und dabei war gerade er oftmals ein richtiger Kindskopf aber der Kodex, dem er zu folgen hatte, war ein ganz Anderer. Nur der Stärkste überlebt und als Dieb? Nimm was du kriegen kannst und gib nichts zurück.
Was ihm bereits auf der Zunge lag, als die Frage aufkam, woran er sich orientierte, sofern man das so nennen kann.
Er zuckte die Schultern und fixierte lieber etwas Anderes, nur um nicht verleitet zu sein, zu Jesus zu sehen, denn obwohl dieser ihn, bislang, nicht einmal verurteilte oder in die Richtung ansah, ertrug Gabe es schlichtweg nicht ihn bei solchen Dingen direkt anzuschauen.
Immerhin wusste er, zu gut, was für ein schlechter Mensch aus ihm geworden ist, was er für Dinge getan hat, noch immer tut und wohl auch weiterhin tun muss. Er war kein Weltverbesserer oder Retter wie Jesus, er war Späher, sondierte die Lage, suchte nach Schwächen und schoss dann, im richtigen Moment, einen Pfeil um das Ziel zu erledigen.
"... keine Ahnung, ich hab keinen Kodex, keinen ...Eigenen."
Dennoch überlegte er, ob es etwas Ähnliches gab, ein paar Werte hatte er schließlich noch, auch wenn er moralisch sehr flexibel sein musste in den vergangenen zehn Jahren, an irgendwas Kleines klammerte ja auch Gabe sich, leider machte dies Alles oftmals eher schlimmer, statt erträglicher.
"Beschütze was du liebst .... bleib treu ... steh zu der Person, die dir etwas bedeutet, mit all ihren guten... und mehr noch ihren schlechten Seiten."
Gab er schließlich, deutlich leiser, von sich wobei seine Stimme automatisch immer ein wenig rauer, kratziger erschien und er sich mit den Fingern über den Dreitagebart fuhr. ".... wir zeichnen uns schließlich nicht nur durch gute Seiten aus, ...und wenn du nicht fähig bist, auch das Schlechte zu ertragen, zu akzeptieren, ..dann lass es bleiben."
In der Hinsicht war Gabe wohl etwas eigen, da er nur seinen Dad hatte, lag auf der Hand, dass sich diese Meinung, diese Einstellung, auf diesen bezog. Seinen Dad sucht man sich nicht aus und anders als dieser war Gabe eine treue Seele, vielleicht sogar zu sehr, das war vielleicht kein Kodex, nach dem er sich richtete aber seine persönliche Meinung, Einstellung. Wenn es jemanden gab, der ihm am Herzen lag, war er gewillt extrem viel zu erdulden, schließlich ist niemand perfekt aber als Sohn, konnte er trotz allem eben nicht viel ausrichten bei seinem Dad. Und bis auf Roxy hatte er seit dem Niemanden mehr so nah an sich herangelassen, um auch nur im Ansatz, seiner Einstellung treu zu bleiben.
Als dieser von den Mädchen, bei den Pfadfindern, sprach, runzelte Gabe die Stirn und zog die linke Augenbraue skeptisch nach oben.
"Eh...was?"
Okay, er war kurz irritiert oder eher abgelenkt, weil Jesus hübsch und talentiert in einem Satz verwendete, der sich auf Gabe bezog.
"Keine Ahnung, kann sein? Hat mich nie interessiert, Mädchen sind so ...ich meine waren...nervig und ..bah..." Kriegt er noch schnell genug die Kurve? Wohl eher nicht. "Ich hatte echt Besseres zu tun als mich mit diesen schnatternden, kichernden Gänsen abzugeben. ...außerdem war ich ja nicht der einzige Junge dort, auch .." Er rieb sich grübelnd das Kinn, okay, wenn er jetzt darüber nach dachte, fiel sogar ihm etwas auf, nach Jahren. Bravo! Er ist so ein Nullchecker bei sowas.
"...auch wenn ich zugeben muss, sie mich immer sehr oft um Hilfe gebeten haben, für Kram ...den sie eigentlich selbst tun konnten. Ich meine, selbst ein zierliches Mädchen, bekommt es ja wohl noch auf die Kette, nen verficktes Marmeladenglas zu öffnen..." Und sie waren immer so großzügig, vor allem im Sommer, da bekam er öfter mal Eis spendiert oder eine kalte Cola. "Hm, ...ich hab mich höchstens beim Schwimmen gehen oder Holz hacken, wenn wir gezeltet haben übers Wochenende oder in den Ferien, ...dezent beobachtet gefühlt."
Dezent war wohl untertrieben, zwar hatte er damals noch nicht so einen durchtrainierten Körper wie heute, doch die Ansätze waren mehr als vorhanden, weil er so intensiv Sport betrieb und eben auch sehr darauf achtete fit zu sein. Er konnte futtern wie ein Scheunendrescher, war aber auch ständig in Bewegung, weil er gar nicht anders kann. "...aber ich bezweifel dass die mich hübsch fanden, waren es sicher bloß nicht gewohnt, dass jemand gern Feuerholz hackt ..anstatt rum zu jammern..."
Verstand Jesus nun langsam, wieso Gabe unwissentlich reihenweise Herzen brach, auch an seiner Schule? Man hätte ihn wohl schon mit einem Schild schlagen müssen, auf dem etwas steht wie 'Ich mag dich' aber selbst dann, war nicht sichergestellt, dass er es auch checkte. Er sah den Wald vor lauter Bäumen nicht oder hatte tatsächlich absolut kein Interesse an Mädchen, was er zumindest früher noch darauf schieben konnte, dass Mädchen halt doof sind und nervig.
Roxy war halt Roxy, die war kein Girly oder nervig, sie war seine bessere Hälfte.
"Das ist jetzt vielleicht eine doofe Frage aber ... hat man euch zur Schule geschickt oder wurdet ihr im Waisenhaus unterrichtet?"
Er kannte sich damit ja nicht aus und hoffte, dass diese Frage, nicht zu persönlich war, aber wenn er an die Pfadfinder dachte, sprangen seine Gedanken automatisch rüber zur Schulzeit, was ihn wiederum neugierig machte bezüglich Jesus.
Dem er vielleicht, irgendwann, etwas mehr über die Pfadfinder erzählte, sollte es sich ergeben bzw. ihn interessieren. Zwar hatte Gabe Themen, wie jeder Andere auch, über die er nicht reden konnte oder wollte, doch die Zeit als Pfadfinder war schön gewesen, irgendwo bitter heute aber er hatte die Zeit gemocht.
Was für die bei den Saviors nicht galt, erst recht, wenn Jesus ihn darauf hinwies, dass Menschen eben nicht nur Ressourcen sind. Womit er natürlich recht hatte, doch Gabe fiel es leichter, das Ganze zu erdulden, wenn er sich davon distanzierte, einfach ausblendete, dass diese Ressourcen eben mehr sind als nur billige Arbeitskräfte oder in der Arena, der Unterhaltung dienen, wenn sie, aus verschiedenen Gründen, gar Strafen, gegen Beißer oder den Anführer der Kolonie selbst antreten müssen. Und dabei musste es nicht mal einen Regelverstoß geben, damit Blut floss, zwar hatten sie im Sanctuary auch Beißer an den Zäunen, doch die waren ein Witz, gegen die Anzahl, die er im Zoo bislang gesehen hatte und er war sich sicher, irgendwo gab es noch mehr davon. Nur war es einfacher die Augen zu schließen, denn was er nicht sah, ging ihn nichts an.
Was schwierig ist, denn Gabe hatte sich, wie man vielleicht erahnen konnte, auf einem der höchsten Punkte, auf einem Dach, in der Kolonie seinen kleinen Rückzugsort geschaffen und somit einen weitreichenden Überblick, er sah also wie immer ..zu viel.
Dafür besiegelten er und Jesus ihren kleinen Pakt, Deal, mit einem Handschlag, was dem Bogenschützen ja doch wieder ein kleines freches Grinsen entlockte, denn gespannt war er schon, zumal er durchaus gern was Neues dazu lernte.
Außerdem hatte er keine Vorstellung davon, was für eine Art Lehrer Jesus ist, nur weil er bislang lieb und nett war, hieß das nicht, dass er nicht auch streng sein konnte.
Gabe sollte sich wohl mental darauf vorbereiten, noch des Öfteren auf die Matte geschickt zu werden, oder?
Okay, langsam wurde Gabe echt ein bisschen verlegen, weil Jesus so herzhaft lachte, sogar mehr noch, als er diesen schimpfte und frustriert, wie ein Kugelfisch, kurzerhand die Wangen aufplusterte, erst recht als ihm dessen grandiose Idee zu Ohren kam. Jesus wollte für ihn Unterhosen klauen, mit Schneeflocken?
"Ich hasse dich, ..ein kleines bisschen."
Konterte er daraufhin mit knirschenden Zähnen und verengte die grünen Augen feindselig, was vielleicht mehr Wirkung hätte, wäre er in dem Moment nicht verlegen oder würde Kugelfisch spielen. Dabei musste er sogar an sich halten, denn er wollte Jesus nun nicht die Genugtuung geben, dass dessen Vorschlag, ihn amüsierte, weil es so doof war, dass man einfach drüber lachen musste. Es war halt genau die Art von Humor, die Gabe total mochte und demnach Jesus nicht mal böse sein konnte, er hatte lediglich das Bedürfnis, ihm noch mal einen Schneeball an den Kopf zu werfen!
Tat er aber nicht, allein schon, weil HootHoot bei diesem auf der Schulter verweilte und er seinen kleinen Kauz niemals gefährden würde, so ein Schneeball machte Jesus zwar nichts aus, doch sein gefiederter Freund war klein, ihm könnte so etwas durchaus schaden. Wenn Jesus das mit den Schneeflocken-Shorts durchzog, würde Gabe ihn echt hassen oder einfach derbe darüber lachen, weil er weniger damit rechnen würde, dass der Holy Ninja überhaupt Zeit für sowas hat!
"Nope, kam mir nie in den Sinn, dass sich das hätte entzünden können, ...außerdem war mir in dem Alter so ziemlich alles egal, wie du dir denken kannst. Ich hab Alkohol getrunken, gekifft, Autos geknackt und ne Spritztour gemacht ..hab bei den ersten beiden Sachen aber schnell meine Lektion gelernt. Einmal und nie wieder."
Also ja, einmal Sturz besoffen und tierisch bekifft sein war Gabe eine Lektion fürs Leben gewesen, er hatte danach nie wieder etwas in die Richtung angerührt, nur das Knacken von Autos, sowie das Stehlen, Rauchen normaler Zigaretten konnte man ihm wohl bis Heute anlasten. Letzteres tat er auch, nur wenn er Zigaretten hatte und gestresst war, er war mehr der Gelegenheitsraucher.
"Danke, ..Drachen fand ich schon immer toll und in China haben sie nicht nur Reichtum symbolisiert, sondern auch Glück, Güte, Intelligenz. Ich fand das damals, wie heute, ganz schön, ... mal davon ab das Drachen stark und mutig sind, feurig. Die fressen dich zum Frühstück."
Dabei wippte er mit den Augenbrauen schon wieder so frech und grinste ein bisschen vor sich hin, so als wolle er Jesus davor warnen, dass er womöglich in der Pfanne landet, wenn er nicht aufpasst. Hinter Gabes Tattoo steckte demnach, schon als er sich dafür entschied als Teenie, weit mehr als nur der Wunsch nach einem Motiv was cool ist, das spielte für ihn keine große Rolle. So oberflächlich wie er, gerne und bewusst, den Eindruck erweckt hatte, vor Anderen noch heute erweckte, war er nicht aber das war dem Ninja wohl schon längst aufgefallen.
"Was ist mit dir, hat der Holy Ninja auch ein Tattoo oder kam dir nie eine Nadel an die Haut?"
Bei Jesus musste er ja offenbar mit Allem rechnen also wer weiß, Fragen kostet schließlich nichts. Vielleicht hätte er auch lieber HootHoot um Erlaubnis fragen sollen, um sich das shiny Hair zu trocknen, denn der kleine Kauz war nicht sonderlich begeistert, er war teilweise tagaktiv, doch gerade als er schlafen wollte, kam die böse Decke und störte ihn.
Da brach schon mal der ganze eulische Zorn über diese herein, zumindest bis Gabe seinen Kauz zu sich rief, sowie die Hand kurz hob, damit er dem Kleinen beruhigend über den gefiederten Bauch streicheln konnte, HootHoot und er hatten eine gravierende Gemeinsamkeit. Sie sind Morgenmuffel und hassen es gestört zu werden beim Schlafen.
"Ein bisschen zumindest, ein paar Lockrufe oder besser gesagt Imitationen habe ich zwar drauf, die Palette ist jedoch begrenzt. Bislang hat der Kleine auch nicht geschimpft, also gehe ich davon aus, ich bin nicht so schlecht darin, seinen Ruf zu imitieren und ...ich bin nicht blind, ich hab gesehen wie du reagiert hast auf das Pfeifen. Wollt keine unschönen Erinnerungen damit hochholen, sorry deswegen. Ich .. vergesse einfach, dass Dads Melodie .. in der neuen Welt etwas Schlechtes ist oder mit unschönen Dingen verbunden wird. Das ist seine Schuld, nicht deine also ...ist es wohl das Mindeste, ..zu berücksichtigen, dass dir das einen Schauer über den Rücken jagt, während ich nur eine Kindheitserinnerung damit verbinde. Es war die erste Melodie, die ich als kleiner Stift gelernt habe und ...versuchte zu pfeifen. Das macht zwar nicht wett, was die Saviors daraus gemacht haben ... aber du siehst es mir hoffentlich nach, wenn ich ..aus Gewohnheit... nach HootHoot pfeife."
Was Gabe aber, wie er sagte, zu vermeiden versuchen würde bei Jesus, einfach um keine schlechten Erinnerungen zu wecken, er wusste nämlich durchaus was Rücksicht bedeutet, er wandte sie für gewöhnlich nur nicht an.
Ebenso wenig biss er Leute, nur legte Jesus es halt wirklich darauf an und Gabe gab eher einem Impuls nach, zudem er sich verleitet fühlte durch den Holy Ninja, bei dessen Bemerkung er leise auflachte. "Na ja, selbst Schuld würde ich sagen, wenn man so süß ist wie du, wundert es mich nicht, wenn dich ständig wer fressen will."
Redete er wieder mal schneller, als darüber nachzudenken und in einem weitaus charmanteren Ton, dessen er sich auch gar nicht bewusst war, denn Flirten war etwas, womit Gabe bislang absolut nichts am Hut hatte. Noch weniger aber mit Religion, weshalb er bloß große Augen machte und einen empörten Laut von sich gab, weil er als Heide betitelt wurde, ok das entsprach wohl der Wahrheit. Er war nicht religiös, nicht mal ansatzweise und hatte die Kirche eher als was Schlechtes empfunden, war seiner Meinung nach nichts weiter als eine Sekte, eine Mafia.
Seine Augenbrauen hoben sich jedoch, soweit es möglich war, nach oben als Jesus ihm seinen Leib ...Brot darbot. Sein ganzer Oberkörper bewegte sich automatisch etwas zur Seite gelehnt weg, extrem skeptisch wohl gemerkt, sah er von dem Stück Brot in Jesus Hand, zu diesem auf, in seine blauen Augen. Mehrmals, weil er gerade nicht sicher war, verarschte er ihn oder war das sein scheiß ernst?! Schließlich lehnte er sich wieder in Jesus Richtung, sah zu dem Stück Brot in dessen Hand, anschließend wieder in dessen Gesicht, noch immer mit immenser Skepsis und einem Anflug Irritation im Blick. "Frage: ... ist es nicht bedenklich, wenn ... du deinen Leib.. Brot anbietest? Ich meine impliziert das nicht, ...wenn man Jesus Leib verspeist, dass man ein Kannibale ist? Ich meine vielleicht haben die das damals wortwörtlich genommen, ...wait geht schlecht, da war ja was mit Wiederauferstehung?"
War nur sein seltsamer Gedankengang, er richtete danach auch wieder den Blick auf das Brot und schnappte es sich kurzerhand mit den Zähnen aus Jesus' Hand, bevor er den Kopf rasch zurückzog, sowie das Stückchen verputzte wie so ein Hamster.
Er konnte Essen nicht einfach ablehnen, selbst wenn dieses etwas strange dargeboten wurde aber Gabe konnte es sich nicht leisten, darauf zu verzichten, wenn er mal etwas Abwechslung geboten bekam zu seinem sonstigen Speiseplan hier draußen.
"Pffff, Angeber."
Warf Gabe ihm sogleich trotzig an den Kopf aber gut, er konnte wohl eher damit leben, wenn Jesus ihn über seine Schulter warf, anstelle des Geländers. Zum Glück war ihm noch nicht aufgefallen, wie oft er inzwischen in Jesus Gegenwart auf dem Rücken gelegen war, sonst könnte es ihm wirklich noch zu denken geben.
Ein Wunder, das dieser ihn nicht sofort wieder auf die Matte schickte, als er von Gabe so angestarrt, regelrecht fixiert wurde, obschon dessen Blick sich irgendwo unterhalb seiner Nase fokussiert hatte. Er reagierte nicht einmal auf die gestellte Frage, sondern lehnte sich rüber, entfernte den kleinen Störfaktor, der sich in Jesus Bart verfangen hatte, nur um dann rauf in dessen herrlich blaue Augen zu schauen. Nicht einmal realisierend, zumindest im ersten Moment, dass er diesem womöglich etwas zu nah gekommen war aber dieser zarte, rosige Schleier auf Jesus Wangen, was den grünen Augen ebenfalls nicht entging, rührte bestimmt nur von der Kälte. Von was denn sonst, richtig? Gabe käme schlichtweg nicht auf die Idee, dass er dafür verantwortlich sein könnte. Wie auch, er dachte sich nichts dabei, außer den Krümel zu entfernen.
Er brauchte nur einen Moment, um zu realisieren, dass er dabei womöglich etwas zu nahe gekommen war, da er es an sich nicht mochte, wenn man ihm auf die Pelle rückte, wich er auch prompt wieder zurück, da er nicht wollte, dass Jesus sich nun seinerseits bedrängt fühlte.
Er hatte immer noch im Hinterkopf die Sache mit dem Streichelzoo und das die Leute ständig, dessen shiny Hair antatschen wollten, wie bei einer Ziege, was Jesus jedoch nicht ist. Daher war es Gabe, ein wenig unangenehm, einfach so, dessen Bart angetatscht zu haben, sowas macht man doch nicht! Aber dieser Krümel, der störte ihn so dermaßen, wie ein glühender Nagel, der sich in seine Hand bohrte, okay ein etwas heftiger Vergleich aber Gabe hatte komische Anwandlungen, von denen er auch nicht erwartete, dass sie jemand verstand.
"Was? Nein! ..also ...da war ein Krümel! Dein Gesicht ist kein Störfaktor ...es ist nur zu hübsch.."
Nuschelte Gabe immer leiser werdend vor sich hin, hob die Hand und fuhr sich damit durch das kurze dunkle Haar, den Blick abgewandt, starrte er einen Moment lang ins Feuer, nachdem er zu allem Überfluss auch noch dem Drang erlegen war, die wirre Strähne, die Jesus im Gesicht hing, rasch hinter dessen Ohr zu schieben.
Er hatte wirklich schönes Haar, unabhängig davon, ob nass oder shiny trocken, nur im Moment triggerte ihn diese 'Unordnung' so sehr, dass Gabe einfach nicht anders konnte, als einzugreifen.
Dessen Kauz sich auch wieder zu Jesus begab, die blöde Decke war ja nicht länger vorhanden und anstelle der Schulter, landete der kleine Vogel auf dessen Kopf, wo er zwar nicht an dem langen Haar zupfen konnte, dafür aber der Wollmütze von Jesus, die auch genug Beschäftigung bot, sowie angenehm weich unter den Vogelfüßchen war. Da hatte HootHoot besseren Halt, als auf dem glatten Leder, welches Jesus als Mantel und Gabe in Form einer Jacke die meiste Zeit über trug.
Der war im Moment zwar in lauter Decken gehüllt, jedoch immer noch zu kalt für den kleinen Kauz, der sich zudem wohlfühlte bei Jesus, also widmete sich Gabe lieber dem Frühstück, vor allem als die Eier endlich fertig waren, hielt er ganz brav sein Brot hin, wartete bis Jesus seinen Anteil darauf gehoben hatte und biss, nach kurzem pusten, herzhaft rein.
Ihm triefte ja schon die ganze Zeit der Zahn deswegen, weshalb er sich echt zügeln musste, um das leckere Futter nicht wegzuatmen, mit vollen Hamsterbacken, kauend, hob er auch nur den Daumen nach oben, damit Jesus sicher sein konnte, dass dieses Frühstück, seit langem, das Beste war, was Gabe hatte.
Seine Geschmacksnerven feierten auf jeden Fall fett Party in seinem Mund, weil sie mal wieder gefordert wurden, etwas geboten bekamen, was halt nicht nur gebratenes Wildfleisch ist.
Kauend, die Stirn runzelnd, hob Gabe den Kopf bei der Frage von Jesus, blickte kurz in Richtung Zelt und anschließend zu dem Holy Ninja, bevor er diesem jedoch antwortete, schluckte er erst mal, mit vollem Mund spricht man schließlich nicht.
"Mein Angebot steht immer noch, .... die Frage ist eher, willst du es immer noch annehmen? Ich hab nur die eine Hose ... und ich weiß alleine ist man schneller, man muss nur auf sich selbst achten."
Gabe hätte schließlich Unterstützung, würde er jemanden bei sich haben wollen, das galt mit Sicherheit auch für Jesus. Der brauchte niemanden, der auf ihn aufpasste und Gabe wurde auch das Gefühl nicht los, dass es womöglich besser war, bei der Suche nicht zu helfen. Es schien da Einiges zu geben was Jesus zu regeln hatte, Dinge, die Gabe nichts angingen und vielleicht auch lieber gar nicht wissen will.
"... sofern du dich nicht fressen lässt, weiß ich immerhin wo ich dich finden kann. ...ich weiß, wo dein Shampoo schläft."
Meinte er, was bestimmt nicht beunruhigend klang, doch der Dieb ging im Cottage, heimlich, meist Nachts, ein und aus wie es ihm beliebte, bislang unentdeckt. Manchmal in voller Diebes-Montur, an gewissen Tagen sogar in ganz normaler Kleidung, sowie Cappie auf dem Kopf, er wäre ein schlechter Späher und Kundschafter, könnte er sich nicht heimlich unters Volk mischen in anderen Kolonien. Die Wenigsten, die ihn bei den Saviors gesehen haben, behielten ihn wohl in Erinnerung, schließlich blieb er stets im Hintergrund und Jesus, nun ja, der würde ihn wohl nun sehr schnell erkennen, sollte er in seiner Kolonie herumschleichen oder einfach den Mitläufer machen. Je größer die Kolonie, je mehr Leute, umso einfacher für Gabe sich in der Öffentlichkeit zu verstecken.
Und zugegeben, Jesus wäre, für ihn persönlich, ein ziemlich guter Grund, um das Risiko einzugehen, ins Cottage einzusteigen, ob bei Tag oder Nacht, hing wohl ab von den Umständen, aber tatsächlich kam Gabe nicht drum herum, sich wieder vermehrt ins Feindgebiet zu wagen. Er hatte eine Aufgabe, jeden Winkel des verdammten Cottages auszuspähen, sich die Punkte zu merken, wo man leichter über die Mauer kam, nach Schwachstellen suchen, den Strand checken, im Kopf eine präzise Karte anfertigen, die er irgendwann zu Papier bringen würde. Natürlich konnte er das Jesus nicht sagen, noch weniger, dass er einer Kolonie angehörte, die vielleicht nicht heute, nicht Morgen oder in den nächsten Monaten zur Bedrohung werden würde, doch irgendwann, auf lange Sicht, ließe ein Konflikt sich wohl nicht vermeiden. Denn es gab immer jemanden, der haben will, was man besitzt.
Und sie würden nicht nett darum bitten, sondern es sich nehmen.



@Jesus


nach oben springen

#33

RE: Dachterrasse

in Altenheim 10.02.2020 22:19
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Gabes Welt hatte ein wenig Licht bitter nötig, da war Jesus gerne das Flutlicht, das seine Welt erhellte. Blieb nur zu hoffen, dass Gabe es mit seinem Pfeil nicht irgendwann kaputt schießen würde, damit es nicht mehr strahlen konnte.
Jesus vertraute den Menschen die er trainierte und selbst wenn nicht, er brachte ihnen Grundlagenwissen bei. Nichts das sie irgendwann gegen ihn verwenden könnten, denn damit jemand wirklich so gut in seinen Kampfkünste wurde wie er, das bedurfte jahrelangem, intensivem Training und bislang hatte Jesus keinen Schüler auserkoren an den er sein Wissen gänzlich weiter geben wollte. Er hatte noch niemanden gefunden der in seinen Augen das Zeug dazu hatte und vor allem aber die Disziplin und Ausdauer. Aber das war nicht schlimm, dennoch konnte er den Bewohnern helfen sich zu verteidigen und ihnen ein paar Kniffe beibringen, die draußen in der Natur hilfreich waren. Und ein offenes Ohr hatte er sowieso immer für jeden.
Gabe konnte sich noch so sehr bemühen den guten Kerl in seinem Inneren weg zu sperren oder zu verleugnen, doch er war noch da. Das spürte Jesus einfach. Die Umstände zwangen Gabe dazu nicht auf sein früheres Ich zu hören, doch das hieß noch lange nicht, dass es wirklich fort war. Fort wäre es erst wenn er zum Beißer wurde. Aber das wünschte Jesus wirklich niemandem. Dieser gar nicht so schlechte Kerl in Gabe musste nur wieder etwas mehr zum Vorschein gebracht werden. Und wer weiß, vielleicht gelang das Jesus ja irgendwie. Der fände es nämlich schade nur die äußere Hülle und Fassade von Gabe kennen zu lernen. Denn er hatte bereits einen kleinen Einblick auf sein Inneres erhaschen dürfen und was er sah fand er wirklich schön.
„Nur wenn du es zulässt“
Jesus wollte einfach nicht daran glauben, dass sie sich irgendwann, erneut, auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen würden. Gegen Menschen zu kämpfen die man nicht kannte war schon schwierig genug. Es jedoch gegen jemanden zu tun den man mochte und schätzte war einfach schrecklich. Er konnte also nur hoffen, dass Gabe sich anders entscheiden würde, sollten die Umstände ihn tatsächlich wieder auf diesen Weg führen.
„Es klingt anfangs unmöglicher als es ist. Ich denke es ist einfach nur Übungssache. Gut fürs Karma. Irgendwann macht man es ganz automatisch. Ich muss mich nicht mehr anstrengen, um jemandem etwas zu geben.. völlig egal was das auch sein mag“
Er hatte es einfach in seinen Alltag integriert, es war nicht so als würde er sich genau überlegen was er Gutes tun konnte, nachdem er etwas Schlechtes getan hatte, wie beispielsweise jemanden zu bestehlen. Es passierte einfach während er mit den Menschen redete, diese Dinge ergaben sich und Jesus war froh darüber. Doch mit etwas Übung würde Gabe das auch schaffen, davon war Jesus überzeugt. Er wollte es jetzt vielleicht nicht aber vielleicht änderte seine Meinung sich irgendwann. Alles was Jesus wollte, war es ihn etwas zum Denken und Hinterfragen anzuregen, statt die Tatsachen einfach so zu akzeptieren wie sie waren.
Jesus schwieg und dachte ein bisschen nach über die Werte die Gabe ihm gerade nannte. Prinzipiell klangen sie nicht so schlecht, nur das Jesus sehr wohl bewusst war auf wen Gabe hier anspielte. Nämlich auf seinen Dad. Aber die aller wichtigste Person dabei vergaß er
„Und was ist mit dir Gabriel? Ich kann deine Prinzipien nachvollziehen, auch ich folge ihnen. Allerdings sollte die wichtigste Person zu der du stehst und der du treu bleibst.. du selbst sein und niemand anderer.“
Denn was hatte es für einen Sinn sich selbst zu verleugnen, nur um einer anderen Person die Treue zu halten? Das war nicht fair. Und ein guter Vater würde so etwas auch niemals verlangen. Er würde wollen das sein Kind glücklich ist, das es das tat woran es Spaß hatte und nicht das was sein Vater wollte. Nur leider verstanden das die wenigsten Eltern, ihre Kinder waren nicht deren Spielball, sie hatten ihr eigenes Leben und ihren eigenen Charakter, sie waren nicht das Spiegelbild ihrer Eltern und sollten eigene Entscheidungen treffen dürfen.
Es brannte Jesus ja schon auf den Lippen zu fragen, ob Gabe denn noch nie Erfahrungen mit Mädchen oder… Jungs gemacht hatte damals. Aber das ginge im Moment wohl zu weit, er wirkte noch so unschuldig, auch wenn es Jesus wirklich schwer fiel zu glauben, dass er sich noch nie zu jemanden hingezogen fühlte oder jemandem näher gekommen war. Nicht bei jemandem mit Gabes Aussehen und seinem Charisma. Aber die Apokalypse war eben gekommen noch bevor Gabe unbeschwert Erfahrungen sammeln konnte, kein Wunder dass ihn das etwas bremste. Denn heutzutage konnte er das Mädchen das er mochte nicht mehr so leicht ins Kino einladen. Selbst wenn auch diese Welt Möglichkeiten für schöne Verabredungen bot. Man musste nur wissen wie man sie gestaltete und ein bisschen kreativ sein
„Du bezweifelst, dass sie dich hübsch fanden sondern denkst sie hätten deinen Arbeitseifer bewundert? Die armen Mädchen deiner Gruppe.. “
Murmelte er die letzten Worte und musste ziemlich fest schmunzeln, diese Einstellung war so unglaublich süß, da würde er ihm am liebsten den Kopf tätscheln weil er so ein Naivchen war. So hatten sie eben beide ihre Baustellen richtig? Jesus war vielleicht zu vertrauensselig und gutgläubig und Gabe der hatte absolut keine Ahnung davon wenn ihn wer anflirtete oder gut fand.
„Das ist keine dumme Frage, woher sollst du es wissen, du hattest das Glück in einer Familie aufzuwachsen. Die Antwort lautet jedoch - nein. Wir durften keine öffentliche Schule besuchen, wir bekamen Hausunterricht von einem externen Lehrer. Oder besser gesagt mehreren, sie wechselten ziemlich häufig, da niemand diesen Job machen wollte. Denn verständlicherweise waren wir keine besonders einfachen Schüler..“
Kein Wunder oder? Sie alle hatten ihre Familien verloren und wuchsen an einem Ort auf, der die Geborgenheit einer Familie nicht mal im Ansatz ersetzen konnte. Ganz im Gegenteil, wo ihnen nur Distanziertheit und Kälte entgegen gebracht wurde. Das sie also keine einfache Truppe waren war offensichtlich.
Aber sie hatten immer sehr kreative und gute Einfälle die Lehrer fort zu jagen. Seine Kreativität hatte Jesus sich ja auch bewahrt, denn es war doch eine tolle Idee Gabe Shorts mit Schneeflocken zu klauen. Erst recht weil dieser dabei ein bisschen schmollte und Kugelfisch spielte. Da konnte Jesus einfach nicht anders als mit dem Zeigefinger gegen seine Wange zu piksen, damit ihm die Luft ausging, nur das er dabei ein wirklich seliges Lächeln auf den Lippen hatte. Denn erneut fand er Gabe einfach nur bezaubernd.
„Tust du nicht“
sagte er mit genau diesem Lächeln im Gesicht. Gabe konnte es noch so oft behaupten oder vielleicht auch sich selbst einreden aber Jesus hatte längst durchschaut, dass Gabe ihn nicht hasste. Das hieß nicht, dass er ausschloss das dieser ihm irgendwann wieder als Feind gegenüber stehen würde. Aber hassen tat er ihn trotzdem nicht. Was es ihm hoffentlich wenigstens etwas schwerer machte Jesus etwas anzutun wenn die Zeit gekommen war.
„Die meisten die einmal trinken oder Cannabis rauchen möchten es immer wieder machen. Wieso war das bei dir anders?“
Vor allem als Teenager. Ihn interessierte welche Art von prägender Erfahrung Gabe damals gemacht hatte, sofern er es ihm erzählen wollte. Aber es musste wohl recht heftig gewesen sein wenn er seit dem dem Alkohol und den Drogen abschwor. Aber gut zu wissen, dann brauchte er niemals eine Flasche Wein oder dergleichen für sie beide stehlen, da Gabe sie wohl nicht anrühren würde.
„Aber wenn nicht Alkohol oder Drogen… was ist dein Laster?“
Jeder hatte schließlich ein Laster. Und Jesus war wirklich neugierig darauf zu erfahren was es bei Gabe war. Wonach er so richtig süchtig war und nicht die Finger davon lassen konnte.
„Du fandest die Symbolik des Glücks und der Güte früher also schön ja? Wie gut, dass Tätowierungen Menschen für den Rest ihres Lebens begleiten“
Und ihre Symbolik niemals verloren. Denn wenn diese Werte Gabe damals wichtig waren, dann waren sie es auch heute noch. Denn dieses Tattoo war für die Ewigkeit und würde ihn immer wieder daran erinnern wie er früher gedacht hatte. Das war eine gute Sache, denn so konnte Gabe es schwieriger verdrängen.
„ehe ich dir diese Frage beantworte würde mich interessieren, was denkst du? Meinst du ich habe ein Tattoo? und wenn ja welches Symbol?“
Über solche Fragen war es immer einfach andere aus der Reserve zu locken oder herauszufinden was sie wirklich über jemanden dachten. Denn anhand solcher Beispiele war es häufig einfacher das auszusprechen was man sich dachte, als wenn Jesus einfach nur fragen würde ‚was denkst du von mir‘. Er war geschickt darin Fragen zu stellen die andere entweder zum Nachdenken brachten oder etwas aus der Reserve zu locken. Und bei Gabe und seinen vielen Barrikaden war das eine unerlässliche Eigenschaft.
„Du musst dich nicht dafür entschuldigen. Es war dein Vater der deine Kindheitserinnerungen für etwas Schlechtes missbrauchte. Das ist nicht deine Schuld. Dennoch finde ich es sehr aufmerksam und rücksichtsvoll von dir, dass du darauf Rücksicht nimmst“
Gabe hatte nämlich Recht, Jesus reagierte wirklich etwas allergisch auf diese Melodie. Was er schade fand, da sie für Gabe etwas Positives in Erinnerung rief, für Jesus jedoch nur grausame Dinge. Das musste schwer für Gabe sein, zu sehen wie seine schönen Erinnerungen nun mit etwas Schlechtem verbunden wurden. Doch bereits die Tatsache, dass Gabe es vor Jesus nicht anstimmen wollte bewies, dass dieser gute Kerl in seinem Inneren immer noch da war. Er war noch nicht verloren und das gab Jesus Hoffnung.
Oh wow, machte Gabe ihm gerade ein ganz offenes und direktes Kompliment? Das konnte er kaum glauben und weitete dabei die Augen etwas.
„dabei schmecke ich doch gar nicht süß sondern ziemlich zäh, eben meinem Alter entsprechend nicht wahr?“
Scherzte er nun ebenfalls und griff sogar Gabes Humor ein bisschen auf indem er einen Scherz über sich selbst machte. Jesus konnte auch über sich selbst lachen, eine wichtige Eigenschaft. Und gerade eben merkte er, dass Gabes Komplimente ihn etwas mehr aus dem Konzept brachten als es bei anderen der Fall war. Denn normalerweise konnte er solche Dinge dankend und lächelnd annehmen. Aber bei Gabe entwickelte plötzlich selbst er das Bedürfnis irgendwie darüber hinweg zu täuschen, dass er sich freute. Woran lag das bloß? Er fuhr sich etwas irritiert über sein eigenes Verhalten durchs Haar, irgendetwas löste dieser junge Mann in ihm aus, das er sich selbst noch nicht erklären konnte.
Gabes Verhalten als Jesus ihm das Brot darbot war wirklich göttlich und er musste sich erneut zusammen reißen um nicht zu lachen. Diesmal aber gelang es ihm, da er Gabe nun keinen Hinweis darauf geben wollte, ob er das gerade total ernst meinte oder scherzte. Weshalb er vollkommen ungerührt blieb trotz seiner Skepsis.
„Es ist lediglich eine Symbolik die aussagen soll, dass Jesus dadurch in dir weiter lebt und du seinen Lehren folgst“
Gabe war wirklich nicht besonders gläubig oder? Jesus eigentlich auch nicht aber er war in einem katholischen Waisenhaus aufgewachsen wo sehr viel Wert auf solche Dinge gelegt wurde. Weshalb er sich damit natürlich auskannte, ob es ihm gefiel oder nicht. Er wollte nun auch nicht wie ein Verfechter des Katholizismus wirken, er nutzte bloß ein wenig die Situationskomik aufgrund seines Namens, genau wie auch Gabe. Der sich ja doch noch dazu entschied das Brot zu essen, woraufhin Jesus ganz trocken sagte
„Nun werde ich immer bei dir sein“
Was er mit Absicht mit einem etwas unheimlichen Tonfall aussprach. Dann machte er eine kurze Pause und fügte hinzu
„naja, zumindest bis du dich das nächste Mal erleichterst“
woraufhin er wieder schmunzelte, nicht das Gabe echt noch dachte er war irgend so ein irrer Kirchenfreak. Gut das sie beide Humor besaßen, der ihnen in dieser Welt noch nicht abhanden gekommen war. Plötzlich gelang es Gabe aber erneut Jesus etwas in Verlegenheit zu bringen, da er ihm schon wieder ein Kompliment machte. Also Jesus hätte wirklich nichts dagegen wenn das zur Gewohnheit werden würde, denn er genoss es mehr als er sollte. Nur versuchte er diesmal deswegen nicht mit Verlegenheit zu reagieren sondern sagte stattdessen
„wenn du so weiter machst werfe ich dich wirklich noch übers Geländer… nachdem ich dich in meinen Rucksack gepackt habe, um dich mit nach Hause zu nehmen“
denn wenn er nicht aufhörte ihm Komplimente zu machen wollte Jesus ihn vielleicht wirklich nicht mehr her geben sondern einfach einpacken und mitnehmen.
Sah mit Sicherheit lustig aus wie HootHoot mit dem Bommel seiner Wollmütze spielte, das ziepte auch nicht so, Jesus durfte nur nicht darauf vergessen dass er dort oben saß. Nicht das er ihn sonst wieder mit einer Decke belästigte oder die Owl-Fu Eule erneut erzürnte. Er wollte nur ungern seinen geballten Eulenninjazorn spüren. Jesus fasste sogar mal nach oben und strich HootHoot ganz vorsichtig und sachte durch sein weiches Gefieder. Er hatte wirklich schöne Federn, da hatte er schon mal etwas mit Jesus gemeinsam, denn auch HootHoot schien sie häufig zu putzen und gründlich zu pflegen.
Noch viel schöner war es allerdings zu sehen wie sehr Gabe das Frühstück schmeckte. Dabei war das noch ziemlich simpel. Er würde ihn wirklich so gerne mal zu sich ins Cottage einladen und ihm dort richtiges Frühstück machen, mit selbst gemachten Marmeladen, warmen Croissants und dergleichen. Nur war das unter diesen Umständen leider wirklich schwierig. Umstände die sowohl Jesus als auch Gabe zumindest für den Moment einfach ignorierten. Und das ziemlich erfolgreich.
Für eine Weile zumindest. Denn nach dem Frühstück schienen sie keine andere Wahl mehr zu haben als sich der kalten Realität zu stellen. Schließlich konnte Jesus nicht ewig hier bleiben. Selbst wenn er sich das gerade wünschte.. aber die Realität holte sie am Ende alle irgendwann wieder ein. Weshalb er etwas ernster und schweigend in das lodernde Feuer sah. Er schien zu überlegen, ob er immer noch wollte, dass Gabe ihn begleitete. Der es nur metaphorisch meinte als er sagte er wisse wo Jesus schlafe oder? Im Cottage ja, aber das war doch auch schon alles das er wusste. Tatsächlich war Gabe ihm nie aufgefallen wenn er sich eingeschlichen hatte in seine Kolonie. Was ihm nun nicht mehr einfach so gelingen würde. Nur das Jesus sich in diesem Fall wohl über einen Besuch freuen würde, selbst wenn es gefährlich war. Doch zu wissen, dass er dieses Risiko nur auf sich nahm um ihn zu besuchen war schon ziemlich schmeichelhaft. An diesem Gedanken sah man wohl mal wieder wie naiv Jesus war, nicht wahr? denn er käme nicht auf die Idee, dass Gabe das nur tat, um ihre Kolonie auszuspionieren. Also am Ende doch eigentlich eine ziemlich gute Taktik. Freunde dich mit einem Cottage-Mitbewohner an, um fortan freien Zugang zu seiner Kolonie zu haben. Sein Dad wäre wohl stolz auf ihn, Jesus hingegen wahrscheinlich ziemlich verletzt sollte er herausfinden, dass Gabe ihn in der Hinsicht bloß ausnutzte. Noch wusste er von alledem jedoch noch nichts. und es war besser so. stattdessen musste er sich Gedanken darüber machen, ob er Gabe wirklich mitnehmen sollte. Sein Verstand schrie nein, sein Herz jedoch ja. Denn irgendwie wollte er sich gerade nicht mit dem Gedanken anfreunden Gabe nun schon wieder zu verlassen. Nicht wissend, ob sie sich irgendwann wieder sehen würden.
„ich weiß es wäre klüger, würden unsere Wege sich nun hier trennen. Aber wäre es sehr vermessen von mir, dich dennoch darum zu bitten mich zu begleiten?“
Ungeachtet ihrer Vernunft. Denn wenn Jesus ehrlich zu sich war, dann hatte er etwas Angst vor dem was er finden könnte. Zwar war er für gewöhnlich Optimist aber auch er hatte schon zu viel gesehen um völlig weltfremd zu sein. Und er wusste nicht ob und wie er es verkraften würde, sollte diese Geschichte ein hässliches Ende nehmen. Und Gabe dabei an seiner Seite zu haben, war irgendwie ein tröstlicher Gedanke für Jesus. Das konnte er nun nicht aussprechen, denn auch er wollte nicht völlig schwach wirken. Aber mit Gabe an seiner Seite hatte er irgendwie den Eindruck als könne er alles ertragen.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#34

RE: Dachterrasse

in Altenheim 11.02.2020 20:27
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Zumindest in der Hinsicht waren sie sich wohl, insgeheim, einig, denn Gabe wollte nicht, irgendwann, erneut auf der gegenüberliegenden Seite von Jesus stehen auf einem Schlachtfeld, das hatte er schon mal, weil sein Dad und Grimes es so weit kommen ließen. Damals wäre es ihm zumindest noch leichter gefallen, da er den Holy Ninja nur vom Sehen her kannte, doch jetzt, wo sie miteinander redeten, das bisschen teilten, was sie besaßen, wusste Gabe nicht, ob er noch fähig wäre einen Pfeil auf Jesus abzufeuern. Allein bei dem Gedanken daran, sträubte sich in seinem Inneren alles, Gabe konnte, wollte, niemandem weh tun den er mag, der es vielleicht sogar schaffen könnte, von ihm als Freund eingestuft zu werden und der ihm, vielleicht ein bisschen darüber hinaus gehend, gefiel. Er hatte damals sogar Sorge, dass Roxy, bei den Pissern aus Alexandria oder den anderen Siedlungen war, die sich gegen die Saviors verbündet haben, zum Glück war sie nicht unter den Leuten, denn dann hätte Gabe wahrlich einen extremen Interessenkonflikt ausfechten müssen. Er hatte sich schon mal für seinen Dad und gegen Roxy entschieden, er wollte nicht noch mal so eine Entscheidung fällen müssen, doch wenn Jesus weiter so machte, versuchte das letzte Bisschen hervorzulocken, was von dem rebellischen Wildfang, vor dem Ausbruch, noch übrig war, käme gewiss, irgendwann, der Punkt, wo er sich erneut für eine Seite entscheiden muss.
Beim Stichwort Karma schnaubte Gabe, er fand den Gedanken, das System oder viel mehr das Prinzip von Karma nicht schlecht, früher hatte er sich dafür sogar interessiert, war neugierig gewesen, er las ja alles was er zu fassen bekam, darunter auch mal solchen Kram. Das Problem war nur, sein Karma wird ihm mit Anlauf in die Fresse treten. "Klingt fast etwas masochistisch aus meiner Sicht, ich meine.." Er schaute etwas grimmiger drein, ließ sich dessen Worte ja auch durch den Kopf gehen, dennoch war diese Art für ihn so unbegreiflich, obwohl er nicht auf den Kopf gefallen ist. "...Menschen sind nie zufrieden mit dem was sie haben, was sie bekommen. Reich ihnen den kleinen Finger und sie reißen dir den ganzen Arm aus,... Ein Wunder, dass du deinen noch hast." Kam es etwas bissig, garstig von dem ehemaligen Savior, der trotz allem nicht so viel Gutes in Anderen sah und wenn doch, versuchte er es lieber zu ignorieren, was bei jemandem wie Jesus aber leider unmöglich zu sein scheint.
"Was das Karma angeht, ich wette ich werde als Regenwurm wiedergeboren, wenn ich Glück habe oder lande in der Vorhölle, ... wären wir in Indien, würde ich fett davon ausgehen, dass ich ein Preta werde. ...nah, meine Gedanken schweifen ab."
Weswegen er den Kopf rasch schüttelte und aufhörte vor sich hinzumurmeln, herzlich willkommen bei Gabes, mitunter sehr seltsamen, Gedankengängen und Selbstgesprächen.
Als Jesus ihn mit 'Gabriel' ansprach, stellten sich ihm prompt die Nackenhaare auf, jeder Muskel in seinem Körper spannte sich an und er wirkte etwas... verbissen, weil es für ihn so ungewohnt war, anders als mit seinem Spitznamen angesprochen zu werden, da bekam er prompt das Gefühl, als habe er was Schlimmes angestellt. Immerhin wurde er nur bei seinem Namen, sogar beiden manchmal, früher gerufen, wenn er Mist gebaut hatte und seine Eltern ihm Hausarrest aufbrummen wollten.
Allerdings nahm sein Gesicht, zusehends, irritierte Züge an, denn nein, er hatte bislang nie an sich gedacht, schon gar nicht in Bezug auf seine eigenen, kleinen, Werte. Aus einem Reflex, viel mehr der Gewohnheit heraus, holte Gabe bereits Luft, öffnete die Lippen und wollte Jesus irgendwas um die Ohren hauen, dass es bei diesen Werten nicht um ihn ging, dass es keine Rolle spielte, was er will, dass sein Dad eben alles ist was er hat.
Leider hatte Jesus, schon wieder, nicht Unrecht mit seiner Frage. Denn sich selbst blieb Gabe nicht treu, weil er sich gar nicht in seine Wertevorstellung mit einbezog, sondern es als seine Pflicht sah, als Selbstverständlichkeit, seinem Vater zu folgen. Er wollte was sagen, ballte sogar die Hände zu Fäusten, irgendwo machte es ihn nämlich sauer, was wusste Jesus denn schon? Der war es, von klein auf gewohnt, allein zu sein! Etwas das ihm auf der Zunge brannte und er ihm an den Kopf werfen wollte, nur nicht konnte, weil ...es nicht richtig wäre. Nicht fair.
Gabe brachte zwar kein Wort raus, ihn sprachlos zu machen war echt ein Kunststück, doch in seinem Gesicht zeichnete sich deutlich ab wie ....sehr diese simple Frage ihn aus der Bahn warf, gar aufwühlte, denn darauf hatte er keine Antwort. Keinen dummen Spruch parat, mit dem darüber hinwegtäuschen konnte, dass er sich selbst vergaß, bloß um die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Die Palette reichte von Verwirrung, bis hin zur Empörung, gar Zorn und endete letztendlich in Unsicherheit, Ratlosigkeit. Er konnte Jesus keine Antwort geben und wollte sich bislang auch nie die Frage stellen, was mit ihm selbst ist.
Denn wenn er sich damit beschäftigen würde, musste, käme er wohl sehr schnell zu der Feststellung, dass er so vieles nicht mehr wollte, nicht mehr gewillt war zu tun aber das würde bedeuten, kein guter Sohn mehr zu sein. Was er trotz ständiger Streitereien mit seinem Dad, dennoch sein wollte, es irgendwie versuchte und sei es nur, indem er stets zur Stelle war, zuverlässig, treu, wie der Hund, nach dem man pfiff. Sein Dad wäre wohl auch nicht all zu angetan davon, dass Jesus, seinem Sohn, solche 'Flausen' in den Kopf setzte oder irgendwelchen Kram, von Nächstenliebe, dem ganzen Schwachsinn, von sich gab, was Gabe vielleicht doch, insgeheim, ein bisschen zum Nachdenken anregte.
Der zwar nicht in allen Punkten Jesus Meinung teilte, den Austausch, Plausch, mit ihm aber tatsächlich, insgeheim, ziemlich genoss und deshalb auch brav zuhörte, erst Recht, wenn es für diesen in Ordnung war, dass Gabe ein paar Fragen hatte, sich zu stellen traute, bezüglich des Waisenhauses. Dabei bemühte sich der Bogenschütze ja schon, nicht zu private zu stellen und rechnete generell mit einem Nein oder Schweigen als Antwort, was Niemand Jesus verübeln würde, der aber doch gewillt war, erneut, ein bisschen was Preis zu geben.
"Ich nehme an ihr ...seid ziemlich kreativ geworden um die Lehrer wieder loszuwerden? War denn keiner dabei, der euch zumindest nicht im Kollektiv abgefuckt hat?" Gabe neigte den Kopf mit fragender Miene ein wenig zur Seite, zog die Augenbrauen zusammen und kratzte sich am Kinn, fiel ihm irgendwie schwer, sich Jesus als rebellischen Teenie vorzustellen, wobei, der Kerl hatte es faustdick hinter den Ohren. Vermutlich hat er sich sein unschuldiges Antlitz zum Vorteil gemacht, wäre doch dumm das nicht zu tun. Gabe hatte den niedlichen, traurigen Welpenblick zwar immer noch drauf, nur inzwischen war er kein Teenager mehr, auch wenn er sich gerne noch so benahm. Er hatte eben ein bisschen was nachzuholen.
"Wenn ihr nicht mal zur Schule konntet, ...wie bist du dann zum Kampfsport..zur Kampfkunst gekommen? Bei deinen Skills, musst du damit doch eigentlich relativ früh angefangen haben, oder?"
Das interessierte ihn wirklich, denn anders als Gabe, hatte Jesus wohl in seiner Zeit als Teenager keine Sport-AGs zur Verfügung oder jemanden, der ihm irgendwelche Kurse bezahlte, umso neugieriger war er darauf, zu erfahren, wie Jesus dazu kam ein Holy Ninja zu werden.
Den er echt überlegte an die Wand zu klatschen, stattdessen aber extra böse drein schaute, weil der es echt wagte, den Savior-Kugelfisch, in die Wange zu pieksen, woraufhin diesem langsam die Luft entwich, er die Augen verengte und ihm entgegenbrummte. Okay, schön, er hasste Jesus nicht, aber wenn er so weiter machte, biss er dem Holy Ninja in die Nase!
Den er wohl nicht mal beißen würde im Moment, nicht wenn auf dessen Lippen, so ein bezauberndes Lächeln lag, was Gabe das Leben nur wieder unnötig schwerer machte, er gar leise seufzte, nur aufgrund dieses Anblicks, der sich ihm bot und bei dem er, definitiv, wohl nicht sonderlich viel dagegen hätte, diesen öfters vor Augen zu haben.
Da wurden seine grimmigen Gesichtszüge sogleich auch wieder etwas weicher, er hasste ihn halt wirklich nicht, außerdem konnte Gabe sich selbst auf die Schippe nehmen, er hasste Schnee und er würde Jesus, sollte er ihm echt so eine Unterhose besorgen, diese um die Ohren hauen aber wohl dennoch hüten wie einen Schatz. Wann bekam er schon mal was geschenkt?
Er klaute sich in der Regel alles und die Dinge, die zu groß waren, kaufte er sich auf dem Markt, mit der Zoowährung, von der er eh so viel hatte, weil er eben ständig stahl, sodass er zig Waren zum Eintauschen hatte.
Ein wenig überlegen musste er schon, waren nun mal doch ein paar Jahre vergangen, seit dem er, als Teenager, Alkohol und Cannabis zu sich genommen hatte.
"Ich mochte den Geruch nicht, den Geschmack vom Joint, .....außerdem hatte ich das Gefühl, mein Körper wäre schwer wie Blei, meine Reaktionszeit war verlangsamt, ich ..mochte nicht das Gefühl ...gebremst zu werden. Es ..." Er schnaubte, wusste nicht so recht wie er das beschreiben soll. " ... ich stehe immer unter Strom, ich brauche Bewegung, sonst werde ich wahnsinnig! ...und durch den Joint, auch den Alkohol, hat es sich einfach angefühlt als wäre eine Sicherung gekappt, eingeklemmt, als funktioniert mein Motor nicht mehr richtig und das war ein scheiß Gefühl. Mein Körper wollte sich bewegen aber konnte es nicht wie sonst, mein Gehirn war benebelt und für jemand, der Parkour macht...ist das echt unpraktisch. Mal davon ab, dass ich mir die Seele aus dem Leib gekotzt habe, die ganze Nacht lang .... ich hab meine Eltern um den Schlaf gebracht, mir die Predigt des Jahrhunderts anhören dürfen und .... " Einen Moment lang hielt er inne als er daran zurückdenken musste, holte tief Luft und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, rieb sich flüchtig die Augen. "... meine Mum war so enttäuscht, traurig... und damals wussten wir noch nicht das ..."
Noch immer konnte er es nicht, darüber reden, er vermied es seit zehn Jahren sich mit ihrem Tod auseinander zu setzen, er schaffte es halt nicht und es war für ihn immer noch so schlimm wie vor zehn Jahren.
Da fiel es ihm wesentlich leichter über seine Laster zu sprechen.
Stehlen war eher ein Zwang, ein Spiel, das zählte demnach nicht.
"Gelegentlich rauche ich normale Zigaretten aber mein Laster ..... Süßkram und Salziges! ...Ich bin ein furchtbarer Koch aber ich liebe Essen, hab ja auch nen hohen Energiebedarf, aber .... erinnerst du dich noch an diese Süßigkeit? Dieses Lakritzzeug in Form von Fischen? ..salzige Heringe hießen, die glaube ich, darauf bin ich tierisch abgegangen! Das und ....alles mit Wassermelone, Apfel und Erdbeergeschmack. ...oh und Käsebällchen! Sowohl die aus echtem Käse und die Flipsdinger da. ..hm ..Käse...."
Er fing gleich an zu sabbern, wenn er nicht aufpasste, daher schluckte er erst mal, kratzte sich verschmitzt grinsend am Hinterkopf und versuchte sich wieder auf was Anderes zu konzentrieren, ehe er echt noch in Unterhose loszog, um irgendwo Käse herzubekommen! "Was ist mit dir? Womit kann man dich ...ködern?"
Oder einfach eine kleine Freude machen? Das interessierte Gabe brennend.
Der ein bisschen murrte aber ... nickte, wäre schwachsinnig, nun zu leugnen, dass er die Symbolik seines Tattoos bis heute mochte, sowie schön fand. Sie war nur in dem jetzigen Leben ziemlich untergegangen, jedoch nicht vergessen. "What?"
Mit schief gelegtem Kopf musterte er Jesus, dass er mit diesen Fragen tatsächlich ein Ziel verfolgte, mehr oder weniger, war Gabe gar nicht klar, sein Verstand fühlte sich nur einfach gefordert, sowie dazu angeregt, mal wieder richtig zu arbeiten und Vermutungen anzustellen, was mitunter ja auch Spaß machen konnte.
"Hm, ....auf den ersten Blick würde ich sagen, du hast keines, wegen .... 'Mein Körper ist mein Tempel' oder solchen Kram. Allerdings, schließe ich es nicht komplett aus, du steckst bislang voller Überraschungen, sowie fetten Ninja-Skills, also warum nicht auch ein Tattoo haben?"
Natürlich wanderten seine grünen Augen prüfend über Jesus, doch bislang hatte er nie etwas dergleichen an ihm entdecken können, nicht mal den Ansatz dessen, allerdings war sein Gegenüber bislang auch sehr bekleidet gewesen, anders Gabe. Der ein bisschen zu grübeln anfing während er den Holy Ninja betrachtete.
"Ich glaube ...wenn du eines hast dann nichts Großes, ich würde eher einen Schriftzug vermuten, eine Weisheit, ein persönliches Mantra oder etwas womit du was Besonderes verbindest. Vielleicht aber auch ein kleines Symbol, sowas wie eine Triskele oder Triquetra, halt irgendein Symbol der Dreifaltigkeit, eventuell auch etwas aus dem asiatischen Raum. Ich denke, wenn du dich hast tätowieren lassen, dann nur nach sehr reiflicher, sorgfältiger Überlegung, kann mir nur schwer vorstellen, dass du, einfach aus einem Impuls heraus, irgendeinen Schwachsinn hast auf deinem Körper verewigen lassen..."
Auch wenn Jesus spontan war, hatte er ja schon bewiesen, sowie viel Spaß verstand, konnte Gabe sich nur schwer vorstellen, im Grunde gar nicht, dass er so etwas wie ein Tattoo bloß aus einer Laune heraus hätte machen lassen.
"Dafür machst du einfach einen ..zu vernünftigen Eindruck, du wirkst ausgeglichen, mit dir im Reinen, ruhig, bodenständig... einfühlsam, ...vielleicht wäre es auch nur was ganz Kleines, unscheinbares, was Einem nicht sofort ins Auge springt." Fuhr er fort und wurde selbst dabei etwas ruhiger, obschon er Bewegung brauchte, wenn sein Verstand ratterte, machte sein Körper meist eine Pause, seine hibbelige, unruhige Art, Ausstrahlung ließ dann ein bisschen nach. Wobei die Ruhe, die von Jesus ausging, auch ihren Teil dazu beitrug, es schwappte halt etwas davon rüber. Es reichte allein seine Anwesenheit, um den Wildfang etwas zu bremsen, einzufangen und seine Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, wo er nicht einfach drohte davon zu preschen, geistig als auch körperlich.
Gabe sah einen Moment lang zu Boden, als er seine Antwort im Kopf noch mal Revue passieren ließ, Jesus war in fast allen Dingen, das Gegenteil von ihm, was er nicht zwingend schlecht fand, ein wenig beneidete er ihn womöglich sogar, zumindest in dem Punkt, dass Jesus mit sich im Reinen war und nicht wirkte, wie ein Hamster auf Zuckerschock, der völlig am Rad drehte, sobald er nur zwei Sekunden still stehen soll. Zwar war er diesen Dauerzustand, die innere Unruhe, Rastlosigkeit sein Leben lang gewohnt, doch manchmal fand er sich selbst unglaublich anstrengend, es war für ihn sehr schwer zur Ruhe zu kommen, was Anderen wiederum spielend leicht fiel und er, zumindest früher, sich oftmals fragte, was mit ihm nicht stimmt.
Warum man der Ansicht war, er sei etwas anders, bloß wegen seinem hohen Bewegungsdrang, dem Fakt, dass er nicht lange still sitzen konnte und sehr schnell aus der Haut fuhr, sein Verhalten passte wohl einfach nicht zu seinem Notendurchschnitt. Selbst die Streber hassten ihn, teilweise, weil er stets Bestnoten hatte, was für die Meisten wohl einfach nicht nachvollziehbar war, weil er an sich die Sportskanone in der Schule gewesen ist. Der coole Mädchenschwarm, der es nicht checkte, wie toll die ihn fanden und dessen Fokus einzig auf der Bewegung lag. Da konnte Jesus fast froh sein, dass ihm das erspart blieb, wobei, im Waisenhaus war man vor Klischees als auch Schubladen wohl ebenso wenig gefeit.
Der dafür wieder mit seinem Verständnis brillierte, weswegen Gabe wohl nicht ganz so ein großes, schlechtes Gewissen haben brauchte, sein Mundwinkel hob sich kurz an und er nickte leicht, war dennoch ungewohnt, dass man ihn, den Versuch, der Rücksichtnahme nicht gleich als Schwäche auslegte, sondern, wie Jesus es tat, zu schätzen wusste.
Ein Grund mehr für ihn, sich daran zu erinnern, in dessen Gegenwart nicht zu pfeifen, wie er es von klein auf gelernt hatte, einfach um keine Wunden aufzureißen, denn um ehrlich zu sein, ertrug er keine traurigen Leute in seinem Umfeld, noch weniger Jesus, wobei er diesen schweigend einen Moment lang, nachdenklich ansah.
Die Leute schütteten ihm ihre Herzen aus, fanden in ihm stets einen Zuhörer, Ratgeber, Freund aber Gabe drängte sich, je länger er in seiner Nähe verweilte, die Frage auf, wo Jesus mal seinem Kummer, seinem Unmut Luft machte. Weltverbesserer oder nicht, Gabe war zwar verkorkst, hatte von vielem keinen Schimmer aber sogar er wusste, das jeder mal ne Schulter zum Anlehnen brauchte. Gut, er selbst tat sich sehr schwer damit aber bei Jesus standen die Leute doch Schlange, oder nicht?
Selbst der Savior kam nicht umhin, das Bedürfnis zu verspüren, Jesus einfach in eine Decke zu wickeln und ganz fest zu knuddeln, einfach, weil er so schrecklich liebenswürdig ist!
"What? ...nah, glaube ich eher weniger, okay manche werden wohl echt zäh mit dem Alter, andere wiederum reifen wie ein...guter Wein? Sagt man das nicht so?" Meinte Gabe leicht grinsend, zwinkerte Jesus dabei zu und sah ganz schnell im Anschluss zur Seite, als ihm langsam bewusst zu werden schien, was er hier für, ungewohnte, Töne anschlug. Was war nur los mit ihm? Vor allem, wo kam das plötzlich her?
Da räusperte er sich lieber schnell, auch wenn er sich, kurz darauf wegen Jesus fast verschluckte an dem Stück Brot, sowie ihn anstarrte, er konnte doch nicht son Satz bringen! Gabe mochte nicht religiös sein, doch die Art wie Jesus das sagte, dass er nun immer bei ihm sein würde, war schon dezent gruselig! Da sträubten sich ihm die Nackenhaare schon ein bisschen, zumindest bis zu dem Moment, wo dieser noch mal nachlegte und Gabe genervt stöhnte, sowie Jesus einfach nen leichten Schubs gegen die Schulter gab. "Baka."
Nein, mehr als das würde er dazu nicht sagen! Der Kerl war echt ....unmöglich, auf eine sehr liebenswerte Art und Weise. Er hatte einfach so einen bekloppten Sinn für Humor, weshalb Gabe wohl sicherlich ein wenig was zu lachen hatte, wenn er wieder mit sich, sowie seinen Gedanken allein sein würde und dann an diesen Augenblick zurückdachte. Wo er einen Augenblick lang nicht sicher war, scherzte Jesus oder würde er ihn echt mit nach Hause nehmen?
Gabe lachte lediglich heiser auf, fuhr sich, ein wenig verlegen werdend, mit den Fingern durchs kurze Haar und schmunzelte, trotzt der Bemühungen, genau, dass zu unterbinden aber die Vorstellung, wie Jesus ihn in seinen Rucksack packte, um ihn ins Cottage zu schmuggeln, mit HootHoot obendrauf, war einfach so herrlich dämlich, dass es schon wieder genial ist. "Ich bezweifle, dass ich in deinen Rucksack passen würde, selbst wenn ich kein Hüne bin..."
Dennoch die Vorstellung war an sich sogar süß, er sollte sie nur rasch wieder vergessen, verdrängen wenigstens, denn die Realität sah immer anders aus, die holte sie schon früh genug wieder ein, während sein Käuzchen mit der Mütze, auf Jesus Kopf, beschäftigt war. Bei dem Bild, dass sich ihm bot, konnte Gabe auch nicht anders als verzückt zu lächeln, bei jemandem wie Jesus wäre HootHoot wohl wirklich besser aufgehoben. Selbst Gabe wäre besser bei ihm aufgehoben.
Der aber auch nichts daran ändern konnte, dass die Welt sich weiter drehte, sowie sie am Ende daran auch erinnern würde, dass sie nicht einfach auf dieser Dachterrasse bleiben konnten, selbst wenn Gabe dieser Gedanke, ein bisschen zu sehr, gefallen könnte. Welcher damit beschäftigt war, den letzten Rest zu verputzen, sowie sich anschließend die Finger sauber zu lecken, bevor er zu der Kanne im Schnee schaute, eine Hand danach ausstreckte und den Henkel ergriff, inzwischen dürfte der Tee nicht mehr zu heiß sein, sondern die richtige Temperatur haben, weswegen er direkt aus der Kanne trank, um seinen Durst zu stillen, sowie von innen heraus gewärmt zu werden. Inzwischen hatte er auch fast wieder Normaltemperatur und auch keine blauen Lippen mehr, seine Lebensgeister kehrten dank dem leckeren, wenngleich simplen Frühstück auch allmählich zurück.
Genug Bedenkzeit für Jesus, oder nicht?
Die Kanne stellte Gabe wieder zurück in den Schnee, schließlich musste Jesus auch Durst haben, der ein wenig ernster wirkte, sowie ins Feuer sah, offenbar schien er gründlich überlegen zu müssen, ob er Gabes Hilfe, bei der Suche, noch annehmen wollte oder nicht. Zu seiner Verwunderung schien er diese tatsächlich haben zu wollen, nur verstand er nicht wirklich, weshalb es von Jesus vermessen sein sollte, immerhin hatte Gabe es ihm angeboten und stand auch dazu.
"...tja, wäre auch klüger gewesen nicht im Schnee zu liegen, ...who cares." Haute er salopp raus und zuckte mit den Schultern, sein Blick wanderte kurz zum Zelt, das hieß wohl, er musste in die nasse Hose zurück aber gut, er wird es überleben, schließlich wurde die auch nass, wenn er im Regen irgendwo rumhockte, ohne Überdachung oder Schutz. "... heißt ich muss mich doch wieder anziehen, so ein Mist."
Seufzte er gespielt theatralisch, richtete sich abrupt auf und ging zu seinem Zelt, in das er die Decken hinein warf, sowie kurz hineinstieg, sein Shirt war nass, also musste er seinen Rollkragenpullover nehmen, sowie die Hose, mit der er wieder rauskam. Den schwarzen Pulli nahm er zwischen die Zähne, ehe er den Kampf gegen die feuchte Hose auf sich nahm, die arschkalt war und dadurch enger saß als ihm lieb war unter diesen Umständen, vor allem weil er ein paar mal auf der Stelle hüpfen musste, bis er sie endlich ganz an hatte. "Isch hasche esch!" Brummte er in den Pullover, schüttelte sich und schloss wieder Knopf, Reißverschluss, sowie den Ledergürtel, an dem auch sein Köcher befestigt war. Nasse Kleidung war an sich schon lästig, musste man die sich aber wieder anziehen, war es einfach nur ätzend, weshalb er erst mal an dem schwarzen Stoff herumzupfte, in der Hoffnung er klebte dann nicht so sehr oder gefror ihm gleich am Arsch!
"Damn, jetzt weiß ich warum es heißt, dir geht der Arsch auf Grundeis!"
Scherzte er trotz allem noch und zog sich den Pullover über, rückte ihn zurecht und richtete den Rollkragen, erneut zupfte er an der Hose, schüttelte die Beine, eins nach dem anderen aus, ging in die Hocke, damit er die Hosenbeine in die Stiefel stopfen konnte, welche er noch mal Neu und vor allem fest schnürte, damit er nicht irgendwo hängen blieb. Kurz schaute er auf, in Richtung Jesus, zwar setzte er dazu an, sagte dann aber doch nichts, sondern schnürte seine Stiefel anständig, rückte rüber zum Zelt und griff sich, neben seiner Lederjacke, auch den Bogen, sowie seine beiden Messer, die wieder ihren Platz fanden unterm Hosenbund, am Steiß. Was genauso scheiße, kalt war, wie der nasse Stoff aber er war ja nicht aus Zucker, streifte sich die Lederjacke über, welche er bis oben hin schloss und dann erst das blaue Halstuch umband, danach korrigierte er die Hose noch mal, es kniff halt im Schritt, kein Kerl trägt gerne nasse Hosen, zumal die Seine im trockenen Zustand bereits etwas figurbetonter ist. Als Dieb kann er es sich ja nicht leisten, ne fesche Schlaghose zu tragen, nur um dann irgendwo hängen zu bleiben oder gar zu stolpern, das wäre mega peinlich! "Nur damit ich das richtig verstehe, der Typ? Ja, Typ war es, ..ist seit einigen Tagen schon weg, .... also du hast keine bestimmte Richtung? Und wie lange willst du suchen?" Begann Gabe und kroch wieder ins Zelt, zum einen um seinen Rucksack aufzusetzen, sowie den Bogen zwischen diesen und Rücken zu schieben, damit er griffbereit war. Und zum Anderen, weil er seinen Krempel, rasch auf eine Decke packte, einen Knoten reinmachte und das Bündel schulterte, bevor er wieder raus aus dem Zelt kam. "Versteh mich nicht falsch, Paul..."
Kam es ganz plötzlich von Hinten, so wie recht nah an Jesus linken Ohr, da Gabe, durchaus flink als auch leise ist, sowie jede Gelegenheit nutzte, wo man nicht auf ihn achtete, um sich in eine vorteilhaftere Position zu bringen, meist zum Stehlen. "...ich helfe dir, so gut ich kann, doch das Zeitfenster ist begrenzt, ich bin kein Samariter wie du, ich jage, ...ich suche nicht, um Leute zu retten. Was ich damit sagen will ... ich werde keinem Geist nachlaufen, verstanden? Drei Tage, wenn wir in drei Tagen keine Spur finden oder zufällig über deinen Freund stolpern, .... ist er entweder längst wieder im Cottage oder Geschichte."
Das waren wohl weniger charmante Töne die Gabe anschlug, der ungewohnt ernst dabei klang, vor allem vielleicht auch etwas kaltschnäuzig aber er würde keinem Geist nachjagen, zumal er in wenigen Tagen zurück beim Zoo sein muss, sich melden, damit er nicht zum Freiwild erklärt wird.
Da kam wohl etwas mehr der Savior zum Vorschein, den man schnell vergessen konnte, sobald man hinter Gabes Fassade schauen konnte, was Jesus gelungen war, doch nicht alle Seiten an ihm, sind liebenswürdig und er war knallhart bei gewissen Dingen, vielleicht nicht herzlos, sondern eher realistisch, distanziert, etwas hartherzig womöglich. "Es hat geschneit die ganze Nacht hindurch, alte Spuren werden wir nicht mehr finden. Erzähl mir was von ihm, Kleidung, Aussehen, ..keine Ahnung.. was denkst du, wo würde er sich verstecken?"
Wollte Gabe wissen, der sich wieder von Jesus entfernte, sowie Anlauf nahm, auf das Geländer sprang, von dem er sich sofort abstieß um an den Ast des Baumes, etwa zwei Meter entfernt vor ihm, zu gelangen, den dabei genommenen Schwung nutzte er, um auf diesen rauf zu kommen, bevor er wieselflink das karge Geäst hinauf kletterte bis zu einem Loch im Stamm. Darin stopfte er sein Bündel, versteckte, wie ein Eichhörnchen eben, seine Habe, welche er nicht ständig mit sich trug oder eher aus Diebesgut bestand. Nasse Hose oder nicht, Gabe war wie eine Mischung aus Katze und Eidechse, sobald es darum ging überall hoch zu kommen, zu klettern, noch dazu war er wirklich schnell, der Nachteil am Winter ist nur, dass er bei Laubbäumen nicht mehr gut getarnt war. Zumindest nicht auf der üblichen Höhe, welche die Meisten in ihrem Sichtfeld hatten.
So schnell wie er oben war, kam er aber auch wieder runter, landete relativ rasch wieder auf dem Ast und sprang zum Geländer, auf dem er hockend, wie ein Huhn auf der Stange, verweilte, sowie den Kopf etwas schief legte, als seine grünen Augen wieder den Holy Ninja im Blick hatten, auf dessen Kopf noch immer HootHoot verweilte, sich aufgeplustert hatte.
"...Sorry, falls ich etwas ....harsch vielleicht geklungen habe, es ...ist einfach Macht der Gewohnheit. Ich hab... wenn, dann die Leute nur aufgespürt um ..naja du kannst es dir denken..."
Er entschuldigte sich zumindest, im Nachhinein merkte Gabe zum Glück noch, wenn er den Savior raus hingen ließ und es war nicht mal Absicht, er war jahrelang nichts Anderes gewöhnt, er rutschte schnell wieder in diese Schiene hinein, also konnte er nur hoffen, dass Jesus es ihm nicht zu übel nahm.

@Jesus


nach oben springen

#35

RE: Dachterrasse

in Altenheim 12.02.2020 15:11
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

Und Jesus wusste nicht, ob er fähig dazu wäre Gabe im Ernstfall auf die Matte zu schicken. Auf der anderen Seite, würde er sich ihm wohl freiwillig stellen und ihn ausknocken und ihn dann irgendwo aus der Schusslinie bringen und fesseln, um ihn selbst und seine eigenen Leute zu schützen. Denn besser er tat es, als jemand anderer erwischte ihn oder umgekehrt.
In einem so schlimmen Interessenskonflikt wie Gabe befand Jesus sich jedoch nicht, er wollte nicht gegen ihn kämpfen und würde es auch nicht, das stand fest, doch dem Zoo würde er sich niemals anschließen, weshalb klar war wo seine Loyalität lag. Er konnte nur versuchen Gabe davon zu überzeugen endlich seinen eigenen Weg zu gehen, vielleicht fernab des Zoo oder des Cottage, denn dort könnte er sich wohl ebenso wenig einleben. Nicht nach allem was zwischen Rick und Negan passiert war.
„Weißt du, ich halte nicht viel von Verallgemeinerungen. Es bringt niemandem etwas über die Menschheit und deren Verhalten im Allgemeinen zu urteilen. Jeder von uns kann nur versuchen es selbst besser und anders zu machen. Wir können vielleicht nicht das große Ganze ändern. Aber wenn jeder ein wenig an sich selbst arbeitet, dann könnte das schon einen großen Unterschied machen“
Weshalb Jesus nicht gerne über die Menschheit oder deren Unzufriedenheit schimpfte. Mochte schon sein, dass Gabe damit Recht hatte. Aber was veränderte das? rein gar nichts, es schuf nur eine schlechte Stimmung und wurde manchmal als Ausrede dafür benutzt selbst nichts ändern zu müssen, weil die Menschheit doch sowieso nicht dazu lernte. Doch diese Ansicht vertrat Jesus nicht. Er wollte seinen Beitrag leisten, womit er vielleicht keine Wunder bewirkte aber vielleicht kleine Veränderungen herbei führte. Und wenn nur ein paar Menschen durch ihn oder sein Verhalten weniger egoistisch waren, dann war das schon ein großer Sieg. Denn täte das jeder.. wäre die Menschheit nicht so wie sie heute war. Man konnte nur an sich selbst arbeiten und hoffen, dass man andere damit erreichte und sie sich diesem Vorbild vielleicht anschlossen. Also vielleicht würde es auch Gabes Leben verändern, wenn er einfach versuchte ein kleines bisschen zufriedener mit dem zu sein, was er hatte.
„Du lebst noch, hast Familie, selbst wenn sie schwierig ist, du bist nicht krank sondern körperlich unversehrt, jung, talentiert, klug, hast sehr viel Potential in vielen Bereichen und musst nicht hungern. Schon sehr viel mehr als andere von sich behaupten können, meinst du nicht?“
Versuchte er Gabe nur ein paar der Dinge vor Augen zu führen, die in seinem Leben doch gar nicht so schlecht waren. Für Jesus war Glück viel Einstellungssache. Denn man konnte sich immer auf das Schlechte konzentrieren, da man immer etwas finden würde das schlecht war. Oder man entschied sich dagegen und konzentrierte sich auf das Gute, denn auch davon war in so gut wie jedem Leben etwas vorhanden. Manchmal nur schwieriger zu erkennen als das Negative.
„Und Regenwürmer sind ziemliche Überlebenskünstler. Du kannst sie vierteilen und dennoch leben sie weiter“
also gar keine so schlechte Eigenschaft oder? auch wenn Jesus das nun eher scherzhaft meinte. Er glaubte nicht daran das Gabe als Regenwurm wieder geboren werden würde. Doch es brachte auch nichts stets nur ernst zu bleiben in solchen Situationen. Etwas Galgenhumor machte das Leben definitiv einfacher.
Jesus wusste, dass es hart war was er Gabe vor Augen führte. Selbsterkenntnis war mitunter die schlimmste Lektion von allen. Aber er wollte doch etwas von ihm lernen oder? Und genau das gehörte für Jesus dazu. Bevor er ihm dabei helfen konnte etwas inneren Frieden zu finden, musste Gabe erst mal zu sich selbst zurück finden, daran erinnert werden wer er wirklich war und was er eigentlich wollte. Das war ein langer und steiniger Weg, der häufig unangenehm und beängstigend war. Aber am Ende würde er fruchten, davon war Jesus überzeugt. Denn es war notwendig, dass Gabe lernte auch sich selbst wieder treu zu bleiben und sich nicht nur wie ein kleiner, loyaler Mops zu verhalten, der seinem Dad nacheiferte. Jesus sah, dass seine Worte etwas bei Gabe auslösten. Und das war bereits mehr als genug. Es bedurfte keiner weiteren Worte oder Lektionen. Alles was er wollte war es, ihn zum Denken anzuregen und das schien ihm gelungen zu sein. Gabe hatte ihm per Handschlag zugesagt, dass er sein Schüler werden wollte. Nun musste er auch damit leben, dass das mitunter mal unbequem werden konnte. Wenn es ihm half dann sollte er Jesus für seine Frage anschreien, er käme damit zurecht und er fand es besser den Zorn raus zu lassen als in sich hinein zu fressen. Er bliebe dennoch und wäre weiterhin für ihn da. Denn Jesus öffnete keine Wunden und machte sich dann aus dem Staub, er blieb so lange, bis sie wieder verheilt waren. Selbst wenn Gabe ihn aus Selbstschutz 100e Male von sich stoßen würde.
„Das sind wir, wir waren wirklich ziemlich kreativ. Es gelang uns sogar einem der Lehrer weiß zu machen, dass es bei uns im Waisenhaus spukt. Dem anderen haben wir nach und nach immer verschiedene Sachen geklaut, die wir dann an den verrücktesten Orten wieder auftauchen ließen, bis er begann selbst an seinem Verstand zu zweifeln. Rückwirkend betrachtet nicht besonders nett.. aber die meisten haben es verdient. Ein Lehrer war dabei den ich eigentlich ziemlich gut und vor allem kompetent fand. Er wollte uns wirklich etwas beibringen und hat sich sehr ins Zeug gelegt damit wir ihm vertrauen. Naja bis ich erkannte warum er so nett zu uns Jungs war….“
Mehr musste Jesus dazu nicht sagen oder? Aber auch dieser Lehrer hatte seine Strafe bekommen, so viel stand fest. Es gab zwar auch ein paar anständige Lehrer aber für die war das Waisenhaus nur eine Zwischenstation, kaum bot sich ihnen eine bessere Gelegenheit, ließen sie die Kids dort wieder fallen. Weshalb die Kinder am Ende gar nicht versuchten zu jemandem eine Bindung aufzubauen, sie wussten, dass sie ohnehin wieder verlassen werden würden.
„Es gab eine Aikidō Schule nicht weit entfernt von unserem Waisenhaus. Und naja, ich kannte die Zeiten für die Kontrollgänge unserer Betreuer in und auswendig, weshalb ich wusste, dass ich zwischen 21 und 23h ein Zeitfenster hatte, das ich nutzen konnte, um abzuhauen. Natürlich hatte ich kein Geld, weshalb ich anfangs einfach nur durch die großen Fenster der Halle beobachtet habe. Bis einer der Lehrer mich irgendwann entdeckte. Ich hatte mich darauf eingestellt eine Tracht Prügel zu kassieren. Aber stattdessen reagierte er verständnisvoll und nahm mich unter seine Fittiche, begann mich in seiner Freizeit zu trainieren. Anfangs war ich natürlich skeptisch, da ich nicht verstehen konnte, wieso plötzlich jemand nett zu mir war, ganz ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Aber irgendwann stellte sich heraus, dass er es tatsächlich aus freien Stücken tat, weil er offenbar irgendetwas in mir sah, das ich damals noch nicht erkennen konnte. Und so wurde ich sein Schüler, trainierte in jeder freien Minute die ich hatte. Bis es mir irgendwann gelang ihn auf die Matte zu schicken“
Auf Jesus Lippen zierte sich ein sanftes Lächeln als er an diese Zeit zurück dachte. Vielleicht verstand Gabe nun wann der Grundstein für Jesus heutiges Verhalten gelegt wurde. Nicht in diesem Waisenhaus, nicht durch seine Eltern.. sondern durch einen Mentor, der ihm einen anderen Weg aufgezeigt hatte, als den, auf dem er sich damals befand. Er war der erste Mensch der wirklich gut zu ihm war, der ihn so akzeptierte wie er war und einfach in seiner Unvollkommenheit annahm. Der ihm zeigte was in ihm steckte und wie man das zum Guten nutzen konnte. Eine Lehre die Jesus auch heute noch versuchte weiter zu geben. Und wer weiß, vielleicht gelang es ihm auch Gabe von diesem aussichtslosen Weg abzubringen, auf dem er sich befand. So wie es seinem Mentor damals bei ihm gelungen war. Denn manchmal brauchte man einfach nur eine Chance und jemanden, der an einen glaubte.
Es war doch irgendwie ganz schön alte Kindheitserinnerungen auszutauschen, selbst wenn diese nicht immer von positiver Natur waren. Aber so vergaß man nicht woher man kam oder wer man war. Es war notwendig sich seine Vergangenheit manchmal ins Gedächtnis zu rufen.
Jesus half es auch dabei Gabe ein bisschen besser zu verstehen, er war wohl einer der Teenager, die daran zu Grunde gegangen wäre, hätte man ihn unter Medikamente gesetzt, nur damit er ruhiger wurde. Er hielt davon ohnehin nichts, sondern fand es viel besser solchen Kindern einfach die notwendigen Möglichkeiten zu geben sich auszupowern. Das reichte bereits, niemand brauchte deswegen Medikamente. Also kein Wunder, dass ihm das Gefühl des benebelt seins durch Drogen und Alkohol nicht gefiel. Das war verständlich wenn man sich dadurch gebremst fühlte. Und zu Gabes Glück waren Alkohol und Drogen nichts das man zum Leben brauchte. Also eine gute Sache wenn er darauf verzichtete, niemand sollte etwas tun womit er sich unwohl fühlte.
Viel schlimmer als diese Erinnerung schien jedoch jene an seine Mutter und ihre Enttäuschung damals gewesen zu sein. Da legte Jesus automatisch wieder seine Hand vorsichtig an Gabes Schulter, um ihm etwas Trost zu spenden. Er wollte gerne nachfragen was ihr widerfahren war. Denn das sie tot war lag auf der Hand aber woran war sie gestorben? Im Grunde nicht wichtig. Sie war fort und Gabe schien es immer noch nicht gut verarbeitet zu haben.
„Wenigstens muss sie nicht mit ansehen wie die Welt sich verändert hat…“
wahrscheinlich ein schwacher Trost. Aber vielleicht fand sie so ihren Frieden und musste nicht nur die veränderte Welt sehen, sondern auch nicht mit ansehen wie ihr Ehemann sich verändert hatte, genauso wie ihr Sohn. Und die Lebenserwartungen in dieser Welt waren nicht sehr hoch. Und nichts war schlimmer als einen geliebten Menschen an diesen ‚Virus‘ zu verlieren.
Oh Jesus schüttelte sich als er an diese salzigen Heringe dachte, das war so absolut gar nicht sein Geschmack.
„und wie ich mich daran erinnere. ich habe sie einmal probiert und nie wieder. Süß in Verbindung mit salzig, damit komme ich gar nicht klar. Dafür mag ich gerne sehr würzige und scharfe Dinge, wie beispielsweise diese Erdnüsse in Wasabi-Kruste. Oder wofür ich sterben würde sind Nachos mit scharfem Salsa-Dip oder auch Käsesauce. Wir sollten aufhören darüber zu reden, das ist ziemlich masochistisch“
Denn nun lief ihnen beim Gedanken daran beiden das Wasser im Mund zusammen und leider war es schier unmöglich diese Dinge in der heutigen Welt noch zu besorgen. Man hätte sie früher viel mehr genießen müssen, hätte man gewusst was auf sie zukam. Aber so konnten ihre Geschmacksnerven sich nur an die Erinnerung klammern.
„Ommm“
Machte Jesus nur amüsiert als Gabe davon ausging, dass Jesus voll der heilige Yogi war, der keine Nadeln an seinen Körper lassen würde. Diese Zuschreibungen waren mitunter wirklich sehr interessant. Aber Gabe fasste wirklich ein paar gute und sehr zutreffende Gedanken, weshalb Jesus minimal beeindruckt war.
„Du liegst nicht ganz richtig aber auch nicht ganz falsch. Ich habe bislang keine Tätowierung. Ich wollte immer eine haben, habe es jedoch aufgeschoben, bis es irgendwann plötzlich nicht mehr möglich war einfach zum Tätowierer um die Ecke zu gehen. Allerdings weiß ich schon seit meiner Jugend was ich mir stechen lassen würde, bekäme ich noch mal die Gelegenheit dazu. Eine Lotusblüte, als Symbol für einen reinen Geist. In Verbindung mit den Kanji für Aikido. Ai bedeutet Harmonie, Ki Lebensenergie und Do Lebensweg.“
Also durchaus ein bisschen ein spirituelles Tattoo. Damit hatte Gabe also nicht Unrecht, nur hatte Jesus früher andere Prioritäten und diese Chance einfach verpasst. Das fand er aber nicht schlimm, man musste diese Prinzipien nicht unter der Haut verewigt haben, um ihnen zu folgen.
Jesus war zwar mit sich im Reinen aber manche Dinge checkte auch er nicht, beispielsweise, dass er bei anderen offenbar das Gefühl auslöste ihn in eine Decke zu wickeln. Wirkte er aufgrund seiner Einstellung so zerbrechlich? Denn eigentlich war er das nicht. er hörte den anderen gerne zu und war ihnen ein guter Freund. Es war ihm sogar lieber als sich anderen selbst zu öffnen, was er zwar auch tat, aber erst nach einer gewissen Zeit, wenn er jemandem wirklich vertraute. Oder einfach dieses Gefühl der Verbundenheit verspürte, wie es gerade bei Gabe der Fall war. denn sie kannten sich noch nicht sehr lange und Gabe wusste bereits mehr über Jesus als die meisten anderen. Das sollte schon etwas heißen.
„Du magst doch gar keinen Wein oder? Da reife ich lieber wie guter Käse….. auch wenn die Vorstellung nun etwas eklig ist“
Lachte er, denn als er diesen Gedanken aussprach hörte er erst, sie seltsam es sich anhörte. Jedoch wollte er nicht wie etwas reifen das Gabe nicht mochte. Und Käse mochte er .. dennoch war der Vergleich wirklich furchtbar und Jesus musste über sich selbst lachen. Genau wie darüber, dass Gabe ihm einen leichten Schubs verpasste wegen der Sache mit dem Brot. Zu Lachen hatten sie also wahrlich genug.
„Tja, wenn ich dich ordentlich zusammenfalte klappt das schon“
Scherzte Jesus erneut ob dieses Wortspiels. Naja und der Vorstellung die sie gerade teilten. Dabei war es von Jesus Seite nicht nur ein Scherz, er würde Gabe mit sich nehmen, wenn es wirklich das war was er wollte. Sie hatten schon einige ehemalige Saviors bei sich aufgenommen, die sich gut eingelebt hatten, größtenteils. Also wieso sollten sie Gabe diese Chance verwehren? Jesus zumindest würde alles tun, um die Bewohner davon zu überzeugen ihn aufzunehmen. Allerdings bezweifelte er, dass Gabe das überhaupt wollte. Jedoch sollte er wissen, dass es diese Option für ihn gab.
Jesus trank nun auch etwas von dem Tee, Tee war immer gut an solchen kalten Tagen.
Womöglich konnten sie gegenseitig ein paar Sachen voneinander lernen. Jesus half Gabe dabei ein bisschen ruhiger zu werden während Gabe Jesus dazu anhielt sich nicht über alles den Kopf zu zerbrechen sondern auch mal Dinge zu tun, die vielleicht nicht besonders klug waren, sich aber dennoch richtig anfühlten. Denn das war der einzige Grund wieso Jesus Gabe darum bat ihn doch zu begleiten, wohl wissend, dass es rational eigentlich nicht schlau war. Aber Gabe hatte Recht.. die kluge Entscheidung musste nicht immer die Richtige sein. Ob sich das bewahrheitete würden sie ja später sehen.
„Ich würde dir ja eine meiner Hosen leihen aber leider habe ich im Moment keine zweite dabei. Vielleicht finden wir unterwegs wo eine“
Jesus klaute doch ständig allen ihre Hosen! Also wieso hatte er keine Ersatzhose? das war doch unmöglich. Und auch wenn es Jesus Leid tat, dass er sich wieder in seine nasse Hose zwängen musste, so konnte er nicht länger warten bis sie getrocknet war. Er hatte schon zu viel Zeit verstreichen lassen, Spuren wurden immer schwieriger zu verfolgen wenn sie erst alt waren. Und der Schnee tat sein Übriges dazu. Weshalb sie leider los mussten, wenn sie eine realistische Chance haben wollten jemanden zu finden. Und so Leid Gabe ihm auch dabei tat wie er versuchte sich in die nasse Hose zu schälen, desto, nun ja.. interessanter war dieser Anblick für Jesus. Wobei interessant nicht das richtige Wort war. Viel eher gehörte dieser Anblick wirklich verboten, wie die nassen, engen Jeans sich an Gabes Körper schmiegten und wirklich alles betonten. Da bemerkte Jesus erst zu spät, dass er ihn etwas zu sehr anstarrte und ermahnte sich dazu wieder weg zu sehen, wobei er sich etwas räusperte und hinab auf die warme Teekanne sah. Der Tee half jedoch nicht wirklich dabei seine Gedanken abzukühlen, weshalb er stattdessen lieber den Kopf in einen Schneehaufen stecken sollte. Wäre effektiver. Dann wären aber seine Haare nass und das wäre uncool. Und HootHoot wäre begraben. Auch uncool.
„Tut mir echt Leid, dass ich dir das zumuten muss“
Egal wie heiß Gabe in diesen nassen Hosen auch aussah, Jesus konnte sich vorstellen, dass es ziemlich unangenehm war.
Welcher nun auch seine Sachen zusammen packte und seine Lederjacke wieder überstreifte. Jedoch fragend zu Gabe sah, da diesem offenbar etwas auf der Zunge lag.
„Seit 3 Tagen, ja. Ich konnte seine Spuren bis hierher verfolgen, denke ich zumindest.. doch hier verläuft sich die Spur. Und nun ist es eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen dank des Schnees, das ist mir bewusst..“
Er war kein meisterhafter Spurensucher, da gab es Bessere im Cottage. Aber er hatte etwas Ahnung davon und Menschenverstand, weshalb er recht sicher war die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Doch von nun an würde es schwieriger werden, da er keine weiteren Anhaltspunkte mehr hatte.
„Naja, so lange bis ich ihn finde“
sagte er nun sehr viel ernster, da er wusste wie unmöglich das klang. Aber Jesus konnte nicht einfach aufgeben. selbst wenn er nicht mehr lebendig war, so wäre es seine Pflicht ihn zu erlösen und zurück zu seiner Familie ins Cottage zu bringen, damit sie ihn beerdigen konnten. daran wollte Paul allerdings noch nicht denken, auch wenn diese Option leider immer wahrscheinlicher wurde je mehr Zeit verstrich.
Anschließend fand Gabe jedoch wirklich sehr deutliche Worte bei denen Jesus ganz still hielt und schwieg. Er blickte nicht über die Schulter zu ihm sondern sah einfach nur gerade aus ehe er sachte den Kopf schüttelte.
„Das verlange ich auch nicht von dir“
Und es war okay für Jesus das Gabe nicht vor hatte ewig mit ihm zu suchen. Das konnte er gar nicht von ihm verlangen. Jesus würde dennoch weiter suchen, so viel stand fest. Aber wenn Gabe das nicht wollte, dann musste und würde er es akzeptieren. Also eigentlich nicht nötig es ihm so direkt vor Augen zu führen, Jesus hätte ihn ohnehin nie darum gebeten. Wohl wissend wie seine Chancen standen.
„Sein Name ist Harry, er trägt eine schwarze Brille, wenn er draußen unterwegs ist meist eine grüne Army-Jacke, dunkelblaue Jeans, hat dunkelblondes Haar, in etwa so lange wie deines, ist 33 Jahre alt und trägt stets ein kleines Amulett um seinen Hals, mit einem Foto von seiner Tochter..“
Versuchte Jesus Gabe eine Beschreibung zu geben, die so detailliert wie möglich war.
„in seinem Nacken hat er eine Tätowierung, einen schwarzen Stern und er trägt schwarze Springerstiefel“
Gabe würde ihn nun mit Sicherheit erkennen wenn er ihn sah, sofern er immer noch so aussah und nicht längst völlig entstellt war. Nein, es veränderte nichts wenn er nun schwarzmalte. Und das war einfach nicht Jesus Art, er musste versuchen optimistisch zu bleiben, auch wenn das selbst ihm manchmal schwer fiel.
„Ich weiß nicht wo er sich verstecken würde, ich kann mir einfach nicht erklären weshalb er an diesem Abend nach draußen ging..“
denn eigentlich waren sie verabredet gewesen, das erste mal richtig und nicht nur als Kumpels. Anfangs dachte Jesus er hätte einfach kalte Füße bekommen, doch mittlerweile war er überzeugt davon, dass irgendetwas passiert sein musste.
Jesus sah noch eine Weile ins Feuer während Gabe seine Sachen in diesem Baum verstaute, er war wirklich ein verdammt guter Kletterer, das musste man ihm lassen. das Jesus nun vielleicht ein wenig geknickt lag war nicht Gabes Schuld. Gut ein kleines bisschen vielleicht schon aber es lag nicht direkt an seiner harschen Wortwahl, sondern dass diese kleine Auszeit nun einfach ihr Ende fand und sie zurück in die harte Realität kehren mussten. Weshalb eben wieder die Sorgen bei Jesus in den Vordergrund traten, welcher sich nun ebenfalls erhob, um seinen Rucksack zu schultern und die schwarzen Lederhandschuhe wieder anzuziehen.
„Hör auf dich zu entschuldigen, du hast ja wahrscheinlich Recht. Aber ich kann mir das einfach noch nicht eingestehen..“
Weshalb Jesus suchen musste. So lange bis er Gewissheit hatte, wohl wissend, dass Gabe mit seiner Einschätzung vermutlich Recht hatte. Er konnte ihm also keinen Vorwurf machen, alte Gewohnheiten legte man nicht so einfach ab. Immerhin konnte Jesus auch nicht anders als weiter zu suchen.
„Also dann, lass uns gehen“
Jesus schwang sich nun erneut von dem, mittlerweile irgendwie lieb gewonnenen, Geländer hinab in den kalten Schnee. Nur diesmal war die Vorfreude auf ihren gemeinsamen Ausflug etwas gebremst. Denn nun gingen sie nicht Schlitten fahren sondern suchten nach etwas oder besser gesagt jemandem. Nur das tatsächlich keinerlei Spuren mehr vorhanden waren.
„Nordöstlich des Gebäudes habe ich schon alles abgesucht, deshalb sollten wir vielleicht nach Südwesten gehen. Viel weiter kann er in so kurzer Zeit nicht gekommen sein.“
Immerhin hatte Jesus sich noch am selben Abend auf die Suche gemacht. All zu viel Vorsprung konnte er also nicht haben, selbst wenn er nicht verletzt war. Jesus war einfach viel schneller und Harry nicht wirklich ein Kämpfer oder Athlet. Er war eher der Denker.
Und vielleicht fanden sie ja zumindest ein paar abgebrochene Äste oder sonstige Spuren. Weshalb Jesus sich mit Gabe auf den Weg machte. Und siehe da, nicht unweit von hier fand Jesus einen schwarzen Handschuh im Schnee liegen. Er beugte sich hinab und hob ihn hoch.
„…..der gehört ihm“
es gab abertausende schwarze Handschuhe aber diese Marke hatte einen kleinen Diamanten als Logo, weshalb er unverkennbar für Jesus war. Welcher plötzlich aufhorchte
„Beißer!“
Und zwar ganz schön viele, die plötzlich zwischen den Bäumen hervor kamen so wie Motten, die ins Licht flogen. So in etwa musste der Geruch von frischem Fleisch sich für sie womöglich anfühlen.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#36

RE: Dachterrasse

in Altenheim 13.02.2020 02:44
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Loyalität, sie konnte einem manchmal wahrlich das Genick brechen, nicht wahr? Gabe würde, konnte, seinen Dad nicht verraten oder im Stich lassen, ebenso wenig wie Jesus, seine Freunde, einfach fallen ließe. Dafür waren sie am Ende wohl nicht egoistisch genug, zumindest im Augenblick, wo Gabe, zum Glück, ganz andere Sorgen hatte, als sich damit befassen zu müssen, was passieren würde, könnte, sollte es wirklich zum Konflikt zwischen ihren Kolonien kommen und er Jesus gegenüber stehen müssen. Denn nur, weil er ihn nicht töten will, hieße das nicht, dass er den Holy Ninja nah genug an sich heranließe, um von ihm auf die Matte geschickt zu werden. Er ist kein Idiot, obschon am Ende wohl das Glück eine große Rolle spielen würde, denn sie sind beide ziemlich gut darin, sich unbemerkt heranzuschleichen an andere Personen. Zwei diebische Elstern, die unterschiedlicher kaum sein können und dennoch ein paar Dinge gemeinsam haben.
"Es macht die Dinge einfacher." War Gabes Meinung dazu, denn ja, alle über einen Kamm zu scheren, ersparte ihm Arbeit, vor allem aber hinderte es ihn daran, sich näher mit den Leuten zu befassen, die er, bewusst, nun mal vehement versucht auf Abstand zu halten. Schon möglich, dass ihm dies bei Jesus nicht gelang, nicht gelingen wollte aber er gehörte dadurch definitiv zu den wenigen Ausnahmen, in dessen Umfeld. Wobei Jesus nicht einmal zu Gabes Umfeld gehörte, vielleicht mit einer der Gründe, weswegen es ihm schwerer fiel, diesen auf Distanz zu halten. Wenn man bedenkt, wie oft der ihn schon auf die Matte heute geschickt hatte, musste man wohl zugeben, dass Gabe extrem gescheitert war, bezüglich des Wahrens von Distanz.
Na schön, wenn Jesus all diese Sachen aufzählte, konnte selbst Gabe nicht ganz abstreiten, dass es ihm, in vielen Dingen, besser ging als Anderen, zumal er sich selbst versorgen kann, sei es durch Diebstahl oder die Jagd, die Kenntnis über die hiesige Flora als auch Fauna. Allerdings runzelte er die Stirn ein wenig, weil Jesus ihn talentiert und klug fand, mehr noch von Potenzial sprach, was dieser bei sich selbst nicht erkannte, auch wenn er längst nicht das Gefühl hatte, seine Grenzen schon erreicht zu haben. Es gab immer noch viel zu lernen, er konnte immer noch besser werden, jedoch verstanden sie wohl unterschiedliche Dinge darunter, was sein Potenzial betraf. Sollte er diesbezüglich nachfragen? Wollte er das überhaupt wissen?
"Und ich dachte, ich wäre ein Klugscheißer, .... bitte vierteile mich nicht, okay?"
Er sah zwar nicht aus wie ein Regenwurm, fühlte sich manchmal aber so, wobei wie fühlte sich ein Regenwurm? Eine Frage, auf die Gabe wohl niemals eine Antwort bekommen wird, schade eigentlich aber wohl besser, vor allem unter dem Aspekt, dass HootHoot manchmal von ihm einen Regenwurm zum Fressen bekam. Vielleicht sollte er doch lieber darauf hoffen, nicht als Regenwurm wiedergeboren zu werden!
Auf jeden Fall besaßen sie Beide das Talent, aus Allem, noch etwas Humor ziehen zu können, selbst wenn es Galgenhumor ist aber bei manchen Vorlagen, kann man halt nicht anders, außer man hat einen Stock im Arsch, der so fest sitzt, das einem die Mundwinkel dauerhaft nach Unten hängen. Solche Leute fand Gabe furchtbar.
Hätte er jedoch gewusst, geahnt, dass Jesus, sobald er sich einverstanden gab, sein Schüler zu sein, ihm eine Lektion in Sachen Selbsterkenntnis gab, wäre der Bogenschütze wohl rasch übers Geländer abgehauen, denn Flucht war nur so lange machbar, vor sich selbst vor allem, wie sein Verstand nicht damit konfrontiert wurde. Jetzt hatte er den Salat, denn so sehr er es auch wollte, diese Frage würde nun nicht einfach wieder in der Versenkung verschwinden, sondern ihn beschäftigen.
Genau das, was Jesus wohl damit bezweckt hatte, nicht wahr? Vielen Dank auch!
Zu Verdrängen war einfach, zumindest einfacher als sich damit auseinander zu setzen, was Einen beschäftigte, ob das nun der Tod seiner Mum war, dass Roxy gegangen ist oder was er sich selbst antat, indem er sich nicht selbst treu blieb, sondern seinem Dad. Gabe war keine 15 mehr, er war im Grunde unabhängig, selbstständig, er brauchte seinen Dad nicht um zu überleben, um zu kämpfen, diese Dinge machte er schon vor dem Ausbruch, nur auf etwas andere Art und Weise vielleicht. Doch gerade in der neuen Welt war Familie, doch eigentlich umso wichtiger, kostbarer und vielleicht klang es seltsam, gerade bei einem Kerl wie Gabe, doch er fand es unheimlich, in einer Welt zu leben, wo du niemanden mehr hast. Roxy war fort und würde er seinem eigenen Weg folgen, sich abwenden, war da keiner mehr, außer vielleicht HootHoot aber der ist ein Kauz, kein Mensch.
Gabe kam allein zurecht, brauchte aber eine Bezugsperson, vielleicht nicht dauerhaft an seiner Seite aber zumindest das Wissen, die Möglichkeit, jemanden zu haben, an den er sich wenden kann, zu dem er zurück kann. Er war immer schon ein Freigeist, der seine Unabhängigkeit liebte, brauchte aber eben immer wieder zurückkam am Ende, ohne Roxy, war da nur sein Vater und Jesus hatte inzwischen mehr Einblick bekommen, als viele Andere.
Gabe war nicht ganz unkompliziert, oberflächlich war er fähig mit jedem Klar zu kommen, sofern er will, aber das ist nicht mal im Ansatz dasselbe, wie seine Freundschaft zu Roxy. Er brauchte seinen Anker in dieser Welt, er drehte so schon immer völlig frei, sah alles, auch die Dinge, die er nicht sehen will und wenn er keinen Fixpunkt hatte, kam er nicht mehr zurecht, dann rutschte er aus, verlor den Halt, bekam das Gefühl zu ertrinken, wobei das dauern würde. Gabe konnte vier Minuten lang problemlos tauchen und der Überlebenswille war bislang immer am stärksten ausgeprägt bei ihm.
Nur leider bekam er das Gefühl nicht umgeben von Wasser, sondern an Land, was weitaus problematischer war und Jesus tat, mit guten Absichten wohl gemerkt, viel dafür, dass ihn dieses Gefühl wieder übermannte, wenn er nicht aufpasste. Was bei dem Holy Ninja schneller der Fall sein konnte, als ihm persönlich lieb ist.
Er sollte ihn nicht zum Denken anregen, nicht bezogen auf solche Dinge, seine kleine kaputte Welt, stand doch eh schon auf wackeligen Stelzen, könnte er bitte aufhören dagegen zu treten? Gabe hatte sich schon so oft umgewöhnen, anpassen müssen, alles, was er haben möchte, ebenso brauchte, war ein bisschen Stabilität und nicht diesen wackeligen Untergrund, umgeben von Lava. Nur fand er die wohl kaum, wenn Jesus sein Kartenhaus zum Einsturz brachte ... außer er war gewillt, den Robin Hood aus dem früheren Sanctuary aufzufangen. Und das konnte Gabe weder erwarten, noch würde er darauf setzen, immerhin gab es keinen Grund dazu.
"Wait what? .....ihr habt jemandem weiß gemacht, dass es spukt bei euch? Okay, erzähl mir mehr, bitte!"
Oh, Gabe liebte solche Geschichten, jetzt fehlten nur noch die Marshmallows sowie eine Gitarre, dann würde es sich fast anfühlen wie damals bei den Pfadfindern, wenn sie alle ums Feuer saßen, es meist schon dunkel wurde und dann die Geschichten erzählt wurden. Er liebte vor allem die Geisterstorys, um ehrlich zu sein, fiele es ihm leichter an Geister zu glauben, als an einen bärtigen alten Sack, der die Welt in sieben Tagen erschaffen haben soll. Er konnte auch nicht anders als zu grinsen, auch wenn Jesus recht hatte, die Streiche, die sie gespielt hatten, waren mitunter fies, doch bei dem was er bislang zu hören bekam, wohl auch mehr als verdient. Ihm verging das Grinsen aber ebenso schnell wieder, wie es auf seinen Lippen erschienen war, denn Jesus musste nicht ausführlicher werden, was diesen 'netten' Lehrer betraf, man musste auch kein Genie sein, um dahinterzukommen, worauf er anspielte. Statt etwas zu sagen, schnaubte Gabe nur verächtlich und knirschte mit den Zähnen, blieb nur zu hoffen, dass der Bastard seine Strafe bekommen hat. Nachfragen würde er dahingehend aber kein Stück, ihm reichte schon, was sein Kopf sich zusammen reimte, nur aufgrund von Jesus Worten und das war schon too much.
Daher versuchte er sich lieber darauf zu konzentrieren, was Jesus ihm darüber erzählte, wie er zur Kampfkunst gekommen ist. Klang zumindest mal nach ner schönen Story, bei der sich, auf dessen Lippen, ganz von selbst ein Lächeln einschlich und Gabe, vielleicht ganz kurz, ein bisschen davon abgelenkt war, er leicht auf der Unterlippe herumkaute aber seinen Blick rasch wieder versuchte, loszureißen, von Jesus Lippen. Sonst war er noch mal dazu verleitet, einem Impuls nachzugeben, dem er gar nicht nachgeben sollte und ihm gewiss nur unnötigen Ärger einbrachte.
"Klingt als hätte der Typ es echt drauf gehabt, .... zumindest kann ich jetzt besser verstehen, warum du ... so tickst."
Eben nicht gleich nur das Schlechte in einer Person sah oder sich vorschnell abschrecken ließ, selbst wenn derjenige, wie Gabe vermutlich, durchaus versuchte, den Holy Ninja von sich zu stoßen, sollte er ihm zu sehr unter die Haut gehen oder ihn zum Nachdenken anregen. Nun konnte Gabe sich Jesus tatsächlich auch ein bisschen besser als Lehrer vorstellen, der damals, wie wohl noch heute, seinen Schülern auch mal den Kopf gewaschen, sowie gerade gerückt hat. Worauf hatte er sich da nur eingelassen, indem er einwilligte sein Schüler zu sein? Mit ein paar nützlichen Moves würde Jesus ihn wohl nicht davon kommen lassen, oder? Vermutlich zerlegte er Gabe innerlich in alle Einzelteile, nur um sie Neu, wieder richtig, zusammenzusetzen. Da hatte sich der Holy Ninja ja gewaltig was vorgenommen und der Bogenschütze war nicht sicher, ob er das wirklich wollte oder viel mehr ertragen konnte, denn wenn es ihm gelang, lag es auf der Hand, das Gabe dieses Leben, was er bei den Saviors und jetzt im Zoo führte, nicht länger aufrechterhalten könnte. Aber deshalb einen Rückzieher machen, das war auch nicht wirklich Gabes Art, ja er warf damals schnell den Bogen oder andere Sachen hin, reagierte sich aber rasch ab, nur um dann, noch verbissener, fokussierter, weiter zu üben bis er es gemeistert hatte. Gabe hatte nicht nur seinen Stolz, ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, er war ebenso starrsinnig, wie ehrgeizig, zielstrebig, was er anfing, wollte er nicht nur zu Ende bringen, er wollte es perfekt meistern!
Als Jesus dieses Mal, schon wieder, seine Hand auf Gabes Schulter legte, reagierte er nicht so angespannt wie beim ersten Mal, er war also lernfähig wie man sah, hob sogar seine Hand und legte sie, wenn auch nur ganz kurz, auf die von Jesus, denn diesmal wusste er die Geste zu schätzen. Es änderte nichts aber es war tröstlich.
Selbst wenn dessen Worte Gabe nur bedingt Trost spendeten, ja, er war froh, dass seine Mum diese neue Welt nicht erleben musste, dass sie ihr erspart blieb, dass sie nicht sehen musste was aus ihrem Mann wurde, mehr noch aus ihrem Sohn, dem einzigen Kind, was sie bekommen hatten und ein lang gehegter Wunsch war.
Gabe hatte sein Mum geliebt, sie war nebst Roxy, die Einzige, die ihn beruhigen konnte, wenn er kurz davor stand, dass ihm die Sicherungen durchknallten vor Wut, er war kein einfaches Kind gewesen aber sie wünschte sich nur das Beste für ihren Sohn, der vieles aber bloß nicht werden sollte wie sein Vater aus ihrer damaligen Sicht. Wohl mit ein Grund warum sie so enttäuscht war, als er sturzbetrunken nach Hause kam und ihre Reaktion seine Entscheidung, den Scheiß nie wieder anzurühren, wohl stark beeinflusst hatte. Immerhin hatte Gabe gesehen wie traurig sie war, wütend, weil sein Vater seinen Schwanz nicht in der Hose behalten konnte, also wollte er besser sein als er, in jeglicher Hinsicht und sie stolz machen.
".... oder wie mein Dad ihren Namen in den Dreck zieht, .."
Presste Gabe förmlich heraus und holte tief Luft, biss die Zähne fest aufeinander, weil er damit zu kämpfen hatte, mit diesen verdammten Gefühlen, die nebst dem Verlust, der Trauer, begleitet wurden von diesem verdammten Zorn, den er nicht nur aufgrund des Todes seiner Mum verspürte, weil er damals schon machtlos gewesen war. Ihr nicht helfen konnte, obwohl er es so sehr wollte, aber er war nur ein Teenager, kein Wunderheiler. Jeder der mit den Saviors zu tun gehabt hatte, kannte seinen Dad und seine Lucille, für Jesus, sowie die Anderen, ein Werkzeug zum Töten, für Gabe war es noch viel Schlimmeres. Er hasste dieses Ding, am liebsten würde er es schreddern, abfackeln, im See versenken. Dafür, dass er dieses Ding, nach seiner Mum benannte, hasste Gabe ihn wirklich, das konnte er beim besten Willen nicht verzeihen, egal wie sehr er seinen Dad liebte aber das war einfach .. zu viel.
Allerdings schien Jesus kein Freund von salzigen Heringen, der Süßigkeit, zu sein.
Gabe war schockiert!
Der ging voll auf das Zeug ab, jedoch schüttelte er sich, demonstrativ, ein wenig bei den Dingen, auf die Jesus stand, natürlich waren Nüsse mit Wasabi-Kruste dabei, hätte ihn auch gewundert, wenn etwas Asiatisches nicht aufgezählt worden wäre. Sushi, Maki, Wasabi-Nüsse, fast schon ärgerlich, dass man an diesen Kram nicht mehr kam oder die Grundzutaten kaum zu finden waren, selbst wenn, war nicht gesagt, dass sie noch taugten oder sich, wie der Wasabi, anpflanzen ließe. "Bei den Nachos mit Käsesauce wäre ich voll dabei..." Er sabberte echt gleich und raufte sich anschließend die Haare, weil es wirklich masochistisch war, aber manchmal musste man sich an sowas erinnern, es war bitter, doch rief auch positive Erinnerungen hervor.
Ha, er hatte es also drauf wie es schien, selbst wenn er nicht ganz ins Schwarze traf, doch offenbar lag er auch nicht völlig daneben was Jesus betraf, in Bezug auf Tattoos. Dessen Entwurf, Motiv, dass er sich gern hätte stechen lassen, tatsächlich tiefgründig als auch spirituell war, sowie aus ästhetischer Sicht auch recht ansprechend.
"Tja, wir hatten in einem unseren Außenposten, ne bombastische Künstlerin, die auch Tattoos gemacht hat."
Unter anderen Umständen hätte Gabe sich von Grace ein Neues stechen lassen, doch damals passierte zu viel, er nahm Abstand und sie fand die Liebe, außerdem hätte es damals kein Motiv gegeben, was er auf der Haut haben wollte. "Habt ihr etwa keinen Tätowierer bei euch?"
Klang ja fast traurig, hatte das Cottage nicht auch Biker bei sich, die hätten doch gewiss jemanden, der Jesus sein Tattoo stechen könnte, wobei dieser es auch nicht zwingend nötig hatte, allerdings sollte Gabe nicht mal ansatzweise, auch nur versuchen, sich vorzustellen, was sich unter dessen Kleidung verbarg. Damit durfte er echt nicht anfangen, sonst müsste er womöglich noch einen Köpper in den Schnee machen oder die Flucht ergreifen, war schon schwierig genug, den Blick von dem shiny Hair oder diesen blauen Puppy Eyes zu lassen, von seinen Lippen ganz zu schweigen, die viel zu oft Gabes Aufmerksamkeit zuletzt erlangt hatten.
Nicht doch, Jesus wirkte nicht zerbrechlich, nicht aus Sicht von Gabe aber er konnte nicht leugnen, dass der Holy Ninja, ein bisschen womöglich, seinen Beschützerinstinkt weckte, auch wenn der Langhaarige ihn problemlos auf die Matte schickte. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass Jesus ein bisschen kleiner und etwas schlanker war vom Körperbau her, als Gabe, es lag wohl eher an seiner Art, seiner sanftmütigen Ausstrahlung, die dafür sorgte, dass man ihn am liebsten in eine Decke wickeln möchte, damit ja nichts Böses, Schlechtes, an diesen wundervollen Mann herankam.
Auch wenn er sich das noch mal überlegen sollte, bei dessen Bemerkung, wo Gabe ihn etwas verstört ansah, sowie langsam die Augenbraue nach oben zog. "..wie Käse? ....Soll ich dich in Scheibchen schneiden oder über die Pasta reiben? .... wo wir wieder bei Kannibalismus wären!" Haute er im Gegenzug raus, wieso kamen sie immer wieder darauf zurück? Das war etwas bedenklich oder auf eine makabere Art sehr unterhaltsam, immerhin musste Gabe ein bisschen schmunzeln. "Wärst du aus Käse, müsste man dich aber Cheesus nennen!"
Platzte es aus Gabe heraus, ehe er sich schnell beide Hände auf den Mund presste, sowie extrem an sich halten musste, um nun nicht in schallendes Gelächter auszubrechen, weil er sich selbst halt sehr witzig fand! Aber solche Dinge schossen ihm einfach spontan durch den Kopf! Und sein loses Mundwerk war meist schneller dann, weshalb es der Bogenschütze war, der in diesem Augenblick, so hart mit sich zu kämpfen hatte, wie Jesus beim Anblick seiner Mops-Shorts. Der war aber gut, das musste ihm Jesus zugestehen! Auf sowas musste erst einmal kommen, zumal dieser selbst Schuld war, denn er bot die Vorlage, auf die Gabe einfach aufspringen musste, es ging einfach nicht anders.
Es wurde auch nicht leichter, wenn dieser ihm Bilder in den Kopf setzte, wie ihn in seinen Rucksack zu stopfen, nur um ihn mit ins Cottage zu nehmen. Was Gabe, leider, nur wollen würde, weil es seiner Aufgabe dienlich ist, denn selbst wenn Jesus dort lebte, der Sohn, vom Boss der ehemaligen Saviors, könnte nicht an so einem Ort leben, nicht mit so vielen Leuten dort, die Gabe gerne mit Pfeilen spicken wollte. Allen voran Rick Grimes.
"Klingt ja nett aber ..ich bezweifle, dass wir dieselbe Größe haben..."
Schnaubte Gabe als er den Kampf gegen die eigene Hose ausfechten musste, das war ja fast so anstrengend wie sein morgendliches Workout, nur dass ihm jenes lieber wäre, als der elendig nasse, kalte Stoff auf der Haut. Damit war er viel zu beschäftigt, als das er die Blicke von Jesus bemerken würde und selbst wenn, so würde Gabe sich, aufgrund seiner Naivität in der Hinsicht, sowie unschuldigen Art, wohl nichts dabei denken. Er schaute erst auf als Jesus sich räusperte, was zig Gründe haben konnte also nicht weiter wichtig für ihn, immerhin konnte der Ninja beruhigt sein, denn HootHoot würde ihn gewiss nicht verpetzen, weil er dessen Besitzer etwas näher in Augenschein nahm. Der Kauz würde ihm aber gewiss in die Nase hacken oder schlimmeres, sollte er den Kopf, mit ihm auf der Mütze hockend, plötzlich in den Schnee stecken.
So viel Spaß sie aber auch haben konnten, Jesus war in erster Linie nicht hier draußen, weil er spontan Lust hatte, einen anderen Dieb auf der Dachterrasse zu besuchen, das war einfach nur Zufall und selbst Gabe vermochte es, nicht nur sehr realistisch, etwas schwarz malerisch, zu sein, sondern auch ernst, auch er hatte seinen 'Arbeits-Modus' in den er verfiel unter gewissen Umständen. So schelmisch er auch ist, gerne Streiche spielte, nicht alles nahm er auf die leichte Schulter und er wäre Jesus keine Hilfe, würde er bloß seine Sprüche reißen, er nahm seine Hilfe an, ergo musste Gabe auch was liefern, seine Pfadfinder-Skills zum Beispiel. Auch wenn diese nicht das Einzige waren, was sich unter diversen Umständen bei ihm in den Vordergrund schob, und ganz ehrlich, er drückte sich noch freundlich aus, denn für gewöhnlich fluchte er deutlich mehr, doch Jesus Hoffnung wollte er nicht in Grund und Boden stampfen, doch ebenso wenig, dass er sich in etwas verrannte.
Gabe war der Typ egal, den der Ninja suchte, er hatte keinen Bezug zu der Person aber das sah bei seinem Gast etwas anders aus, über den er inzwischen ein paar Dinge erfahren hatte und die nicht dazu beitrugen, ihn als Feind abzustempeln oder auf Abstand halten zu wollen. Dafür hörte er aber genau zu bei der Beschreibung, im Hinterkopf ging er dabei die Gesichter durch, die er in den letzten Stunden, bevor er wieder hier zurückgekehrt war, sowie Besuch erhielt von Jesus, gesehen hatte. Aufhorchen tat er jedoch prompt als Jesus davon sprach, dass er keine Erklärung dafür hatte, weshalb dieser Harry das Cottage verlassen hat. Automatisch dachte er an den Zoo, es war nicht ungewöhnlich, dass Leute zu ihnen gebracht, sowie eingetauscht wurden, Menschen sind Waren. Allerdings muss das nicht heißen, dass Mitglieder des Zoos jemanden entführten, es gab genug Abschaum unter den Nomaden, die sich damit ein Zubrot verdienten auf dem Markt im Zoo. Nur war Gabe zuletzt vor zwei Tagen dort gewesen, demnach war niemand dort gewesen, der auf diese Beschreibung passte, seine Vermutung könnte sich bewahrheiten, doch dazu müsste er in den Zoo, wohin er Jesus nicht mitnehmen wird. Denn nur der Markt war für Alle zugänglich, unter strikten Regeln, Gabe jedoch, bewegte sich überall auf dem Gelände. Würde er ihn also mitnehmen, auf dem Markt parken und darum bitten, mal zu warten, während er sich umsah, läge auf der Hand, dass Gabe Mitglied der Kolonie war, anstelle eines Gastes, der sich eine Auszeit vom Leben in den Wäldern nahm.
Also was wäre nun besser, diesen Kerl zu finden, lebendig, tot, herumlungernd im Wald oder als Ware im Zoo? Wobei er auch als Beißer dort Verwendung finden würde. Gabe wusste es ehrlich gesagt nicht, doch wenn sie weiter Zeit vergeudeten, bekämen sie nie eine Antwort darauf und Jesus keine Gewissheit, was mit Harry passiert ist. Ungern gab er es zu, doch er kennt das beschissene Gefühl, immerhin wusste er damals auch nicht, was aus seinem Dad war als er ein Jahr lang nach Roxy gesucht hatte. Es stand ihm demnach nicht zu, Jesus dazu zu ermahnen, realistisch zu sein, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, nicht wahr?
"Ob ich recht habe spielt keine Rolle, ... der Ton macht schließlich die Musik."
Brummte dieser ein wenig verärgert über sich selbst, als er sein Bündel verstaut hatte, sowie hockend auf dem Geländer darauf wartete, dass Jesus in die Gänge kam, die Hände an den Mund gelegt, imitierte er wieder HootHoot, denn der Kleine sollte schlafen, nur war es ihm lieber, wenn sein Kauz bei ihm verweilte. Der flatterte auch zu Gabe, landete auf dessen gehobenen Finger, den er zu seiner Kapuze führte, die er aufzog davor, sodass sein Kauz hineinsteigen und sich an seinen Hals schmiegen konnte, so war es gleich etwas dunkler und Gabe hatte Gewissheit, dass HootHoot in Sicherheit ist. Welcher Jesus den Vortritt ließ, bevor er ebenfalls den Weg nach Unten antrat, obschon er sich dort wesentlich unwohler fühlte, als oben in den Bäumen aber klettern war momentan noch unangenehmer, in nassen Hosen, als durch den Schnee zu stapfen.
"Es wundert mich ... wenn seine Spuren bis hier hergeführt haben, hätte er sich im Altenheim verschanzen können, sofern er nicht völlig unfähig ist, nen fucking Beißer zu erledigen."
Er war zwar den ganzen Tag auf Achse gewesen, ehe er zurückkam, doch ihm wären Spuren aufgefallen, die frisch waren und sich deutlich von denen unterschieden, die Beißer hinterließen, selbst wenn der Kerl kein Kämpfer war, wunderte es ihn, dass er sich nicht hier versteckt hat, wo er zumindest geschützt war vor dem Wetter. "Ich meine, ...ein Dach über dem Kopf, stabile vier Wände, Vorräte und selbst wenn nicht, dann Schutz vor der Witterung."
Grübelte Gabe, das kam ihm merkwürdig vor, um ehrlich zu sein und er kratzte sich am Kinn, sah dabei rüber zu Jesus. "Weißt du, ob er Ausrüstung, Klamotten oder so mitgenommen hat? Ich mein.. vielleicht ist er abgehauen, bewusst und geplant?" War nur eine Vermutung, er kannte den Kerl schließlich nicht und noch weniger die Beziehung, die zwischen diesem und Jesus bestand. Wobei der Typ echt ein Idiot sein musste, wenn er sich die Chance entgehen ließ, dem Holy Ninja näherzukommen aber das tat ja nun eh nichts zur Sache, zumal Gabe selbstverständlich kein Interesse hatte!
Allein schon, weil Jesus ein Mann ist! Ein sehr attraktiver...
Der neben dem hübschen Gesicht, seinem shiny Hair und den blauen Puppy Eyes auch noch einen sehr interessanten, sowie liebenswürdigen Charakter zu bieten hatte, mit Humor, plus Ninja-Skills.
...okay weshalb waren sie jetzt noch mal hier unten auf dem Boden, anstatt oben auf seiner Dachterrasse?
Gabe sollte sich wirklich konzentrieren, was ihm noch heute oftmals schwerfiel, vor allem wenn seine grünen Augen etwas im Blick hatten, dass deutlich interessanter war, als irgendwelche Spuren im Schnee, denn er schaute automatisch immer wieder zu dem Holy Ninja und lief beinahe gegen einen Baum deswegen. Rasch schüttelte er den Kopf, ermahnte sich dazu, gefällig aufmerksam zu sein und sich auf das zu fokussieren, weshalb er sich am Boden bewegte, anstatt auf einem Ast zu hocken, von wo aus er alles besser im Blick hatte.
Ihm fiel sogar recht schnell etwas Dunkles, dass sich im Schnee befand, auf, ein Handschuh allen Anscheins nach, welchen Jesus sogar zuordnen konnte, was nur eine weitere Frage aufwarf, warum ließ jemand seinen Handschuh zurück. "Ist Blut dran?" Fragte Gabe da automatisch, könnte ja einer Verletzung zugrunde liegen, vielleicht wurde er aber auch beabsichtigt fallen gelassen? Wie eine Spur aus Brotkrumen, so wie im Märchen von Hänsel und Gretel.
Allerdings durchbrach das gewohnte Röcheln die, bis eben noch friedlich anmutende, Stille von Mutter Natur, mitunter war man es schon so sehr gewohnt, das man es manchmal ausblendete, ein kleines Problem, wenn man sie dann zu spät bemerkte aber im Winter waren die Beiße langsamer. Dank dem frisch gefallenen Schnee, kamen sie auch schlechter voran, was sie aber nicht weniger gefährlich machte, allen voran im Rudel oder gar einer Herde.
Gabe zog sofort den Bogen, als auch vier Pfeile, drei behielt er zwischen die Finger geklemmt, den Vierten spannte er sofort ein, zog die Sehne zurück und ließ kurz den Blick über die Beißer schweifen, wo die Schussbahn für ihn frei war. Den Bruchteil einer Sekunde benötigte er, um für sich, die Ziele imaginär zu markieren ehe er, innerhalb von Sekunden, die vier Pfeile nacheinander abfeuerte, mit einer Präzision, wie sie wirklich nur ein Meisterschütze vorweisen konnte, der viele Jahre Erfahrung mit dem Bogen hatte. Die ersten drei Pfeile bohrten sich entweder direkt ins Auge oder die Schädeldecke, sodass drei der Beißer sofort leblos zu Boden sackten, der vierte Pfeil schlug immerhin direkt in den fauligen Hals ein, die Wucht, die dahinter steckte, sorgte dafür, dass der Beißer mit dem Pfeil an dem Baum, der direkt neben ihm war, genagelt wurde.
Sein Mundwinkel hob sich an, er hatte neue Pfeilspitzen, mit deutlich mehr Durchschlagskraft und dieser Aspekt gefiel dem Bogenschützen ziemlich gut, damit konnte er auch Großwild erlegen, auch wenn er, gewiss nicht vorhatte auf Bärenjagd zu gehen aber bessere Pfeilspitzen waren immer gut.
Den nächsten Pfeil spannte er bereits wieder ein, während seine Augen über die verrottenden Gesichter huschten, die sich wankend, zwischen den kargen Bäumen, durch den Schnee schoben, solange sie entsprechend verteilt waren, stellten sie keine ultimative Bedrohung dar und man konnte sie, einen nach dem anderen, einfach umnieten, wobei Gabe es natürlich vorzog auf Distanz zu bleiben. Sowie in Bewegung, denn er musste nicht still stehen, um sein Ziel zu treffen, er machte das schon sein halbes Leben lang, ob nun im Fall, hoch zu Ross oder von der Ladefläche eines Pick-ups aus, mit dem Bogen machte ihm keiner so schnell etwas vor. Natürlich suchte er in den Gesichtern der Untoten nach einem Bestimmten, nach den Merkmalen, die Jesus ihm genannt hatte, betreffend des Gesuchten, ebenso nach Anzeichen von Blut, davon, dass sie gefressen hatten vor geraumer Zeit aber vor allem, schaute er den Toten direkt in die Augen, um sicherzugehen, dass unter ihnen kein Mitglied des Zoos war. Einige von den Freaks trugen die Gesichter der Toten, bewegten sich unter ihnen, er hatte es schon mal gesehen und wäre dem nicht so gewesen, würde er es bis Heute nicht glauben.
Seitdem betrachtete Gabe die Untoten mit anderen, noch wachsameren Augen. "Ich seh kein frisches Blut an ihnen, vergeuden wir mit denen keine Zeit..." Meinte er schließlich an Jesus gewandt, jagte einem Beißer noch einen Pfeil in den Kopf, ehe er den Schritt beschleunigte, sowie geschickt, als auch wieselflink die Pfeile einsammelte, wobei er den in der Hand haltenden, dem Beißer am Baum in den Schädel jagte, ehe er den Pfeil aus seinem Hals zog und beide zurück in den Köcher gleiten ließ. Geschickt, rechtzeitig, wich er mit einer halben Drehung den knochigen toten Fingern aus, die hinter dem Baum hervorkamen, angelockt vom Geruch frischen Fleisches, der Lebenden. Zügig machte er zwei Schritte zurück, um einen kleinen Baum herum, um hinter dem Beißer wieder aufzutauchen, dem er sein Kukri-Messer, dass er gezückt hatte, in den Hinterkopf rammte. Er fand es immer schon lästig Beißer zu beseitigen, die im Altenheim hatte er aus genau dem Grund, auch noch nicht erledigt, obwohl er vielleicht Medikamente da drinnen fand, aber allein war ihm das Risiko zu hoch.
Zumindest brachte der Winter in Bezug auf die Untoten, den Lebenden einen kleinen Vorteil, manche froren nämlich sogar fest, rührten sich gar nicht mehr, was praktisch war, nur die am Boden liegenden, sah man bei viel Schnee nicht mehr, was wiederum ein Nachteil ist. "Nur so aus Neugierde..."
Begann er, nachdem er zu Jesus aufschloss, den Bogen im Anschlug behielt und den nächsten Pfeil einspannte, ein paar Schritte lief er rückwärts, um die Nachzügler der Beißer im Blick zu behalten, sie waren so langsam, dass sie Beide noch Tee trinken könnten, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen. "Wie lange kennst du den Kerl schon und wie lange ist er im Cottage gewesen?" Berechtigte Fragen, Gabe war schließlich sehr misstrauisch, er kannte viele schäbige Tricks, Taktiken, Strategien und Pläne, die einzig darauf ausgelegt sind, den Feind zu infiltrieren, auszuspähen, immerhin bediente er sich mancher Vorgehensweisen, wenn auch nicht mit der Absicht, dass erlangte Wissen, gegen die Leute zu verwenden.


@Jesus


nach oben springen

#37

RE: Dachterrasse

in Altenheim 13.02.2020 22:30
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

„Einfach ist nicht automatisch besser“
war alles was Jesus darauf hingegen wieder erwiderte. Sie hatten wohl grundverschiedene Meinungen in dieser Angelegenheit. wobei eigentlich nicht, sie waren einer Meinung, denn auch Jesus fand es einfacher wenn man alle über einen Kamm scherte. Aber er fand den einfachen Weg noch nie gut und hatte auch nicht den Eindruck als wäre Gabe jemand, der es sich so leicht wie möglich machte. Nicht bei dem Ehrgeiz den er an den Tag legte. In mancher Hinsicht zumindest, wie beispielsweise dem Bogenschießen.
„Es ist kein Klugscheißen wenn es die Wahrheit ist“
Entgegnete Jesus klugscheißerisch und sah ihn dabei ein bisschen grinsend an.
„Um dich zum Schweigen zu bringen würde ich dich nicht vierteilen. Denn dann könntest du die Klappe vier mal so oft aufreißen“
wenn der Regenwurm sich in vier Teile teilte und aus jedem Teil einen neuen Wurm formte, wie wäre das dann erst bei Gabe? Vier Gabes die mit Schwachsinn auf ihn einredeten? Ein wahrer Alptraum. Aber auch vier mal so viele verführerische Lippen hm.. eine schwere Entscheidung. Besser er blieb da nur bei dem einen Original.
Jesus verurteilte Gabe doch nicht dafür, dass dieser an seinem Dad hing. Das war in Ordnung so, er war seine Familie und Familie liebte man, egal was für schreckliche Dinge sie auch getan hatte.
Wenn Gabe also dachte Jesus würde mit seinen Worten bezwecken, dass Gabe sich von seinem Dad abwandte, so war das eine falsche Vermutung. Dazu würde er ihm niemals raten. Aber ebenso wenig war es gesund ein Leben nur nach dessen Vorstellungen zu führen. Wenn sein Vater wirklich ein einigermaßen guter Vater war und seinen Sohn liebte, dann würde er ihn immer noch lieben selbst wenn er einen eigenen, für sich passenderen Weg einschlug. Kein vernünftiger Vater sollte von seinem Sohn verlangen ihm nachzueifern, stattdessen sollte er ihn dabei unterstützen herauszufinden was er denn selbst wollte. Aber vielleicht stellte Jesus sich das auch einfacher vor weil er keine Kinder hatte. Doch er selbst war überzeugt davon dass er sein Kind auf seinem Weg unterstützen würde, egal welchen es auch einschlug. Aber vielleicht kam dieses Verständnis auch daher, dass er sich erst recht spät geoutet hatte, aus Angst die Menschen zu verlieren, die ihm wichtig waren. Denn genau das wollte er nicht für seinen Sohn oder seine Tochter, er würde ihnen wünschen sein zu dürfen wer sie waren, ohne sich verstecken zu müssen. Weshalb er es wirklich traurig fand, dass Negan seinem Sohn diese Freiheiten und dieses Verständnis nicht gab. Indem er ihn die Welt auf seine Weise erkunden ließ, ihm aber dennoch immer eine Heimat bot, in die er zurück kehren konnte. Jeder brauchte seinen Anker, aber womöglich ließ sich für Gabe ja ein besserer finden. Womit Jesus nun nicht auf sich selbst anspielte, um so etwas zu behaupten war es schlichtweg viel zu früh und es wäre unangebracht solche Gedanken zu hegen. aber wenn es ihm mit Roxy gelungen war einen weiteren Fels in der Brandung zu finden, so war es nicht ausgeschlossen, dass es ihm noch einmal gelang. Mit einer anderen Person.
„Ach es war nicht viel nötig um diese Lehrerin zu verschrecken. Etwas Schwefelgeruch in den Unterrichtsräumen, gepaart mit unheimlichen, kichernden Geräuschen, die wir auf unserem Kassettenrekorder aufgenommen hatten, das Verschwinden diverser Gegenstände und ein paar vorbei huschende Schatten sowie verheißungsvolle Nachrichten in ihren Unterrichtsbüchern und schon waren wir sie wieder los“
Wusste Gabe überhaupt noch was ein Kassettenrekorder war? er war doch bereits im CD Zeitalter aufgewachsen. Oder vielleicht sogar schon danach im MP3-Zeitalter?? Toll, nun bewies er mal wieder wie alt er war.
Die Geschichte wie er zur Kampfkunst gekommen war war da tatsächlich eine etwas schönere Story als jene über das Waisenhaus, selbst wenn es auch dort gute Momente gegeben hatte. Doch auch sein Training war niemals einfach oder leicht gewesen, denn sein Lehrer konnte auch sehr streng sein.
„Das hat er. Wenn jemand diese Apokalypse überlebt, dann ist es er. Aber weißt du was damals das Beste daran war? Nicht die Tatsache, dass ich gelernt habe zu kämpfen oder das er mich als Schüler aufgenommen hat. Nein.. anfangs wollte ich nicht, dass er mich unterrichtet oder sich meiner annimmt, da ich automatisch davon ausging, dass er auch nur ein weiterer Perverser ist oder jemand der Spaß daran hat mich grün und blau zu schlagen. Deshalb habe ich abgelehnt. Und das auf wenig charmante Art und Weise. Ich war ein Teenager also kannst du dir vielleicht vorstellen welche Wortwahl ich getroffen habe und wie bockig ich war. Aber trotzdem hat er nicht aufgegeben. Egal wie sehr ich ihn beschimpft oder weggestoßen habe. Er blieb hartnäckig und redete mir so lange ein wie viel Potential ich habe, was ich alles aus mir machen könnte…bis ich es ihm irgendwann geglaubt habe. Erst dann begann unser eigentliches Training“
Vielleicht verstand Gabe ja weshalb Jesus ihm das erzählte. Nämlich weil es ihm mit Gabe gerade ähnlich ging. Er sah so viel ungenütztes Potential in ihm, er könnte so viel Größeres tun als für seinen Vater zu arbeiten. Und auch Jesus würde ihn nicht einfach aufgeben, selbst wenn Gabe ihn von sich stoßen sollte. Nicht bis er selbst erkannte wie wertvoll er war. Also lag Gabe richtig mit seiner Vermutung. Mit ein paar nützlichen Moves würde Jesus ihn nicht davon kommen lassen.
Es war nicht schön für Jesus mit anzusehen, wie sehr Gabe immer noch mit dem Verlust seiner Mutter kämpfte, denn in diesen Angelegenheiten gab es leider keine richtigen oder trostspendenden Worte. Alles was er tun konnte war für ihn da zu sein, ihm zuzuhören und ihm mit kleinen Gesten zu zeigen, dass er nicht allein war und einen Ort hatte wo er seine Gefühle zeigen und rauslassen durfte, wenn er das wollte.
Vielleicht war Jesus in einem früheren Leben ja Asiate gewesen, seine Körpergröße und sein Essensgeschmack ließ so etwas vermuten, doch es hatte sich einfach so ergeben, wenn man sich mit den fernöstlichen Kampfkünsten beschäftigte, dann entwickelte man eben auch Interesse an anderen Aspekten dieser Kultur. Ein Tattoo besaß er allerdings dennoch nicht.
„Nein, wir haben sehr viele verschiedene Berufsgruppen. Aber ein Tätowierer ist leider nich dabei“
Schon ein bisschen schade, auf der anderen Seite wäre es unverantwortlich Desinfektionsmittel und dergleichen für so etwas zu verschwenden. Das wurde für die Kranken benötigt und sollte nicht vergeudet werden.
Leider war es bislang niemandem gelungen Jesus in eine Decke zu wickeln und vor allem Schlechten zu bewahren, ganz im Gegenteil, leider hatte er in seinem Leben bereits verhältnismäßig viel Schlechtes erleiden müssen. Aber im Glauben hieß es ja häufig, dass nur jenen Leuten so viel aufgebürdet wurde, die es auch ertragen konnten. Was idiotisch war. Doch Jesus hatte dennoch versucht irgendwie das Beste aus seinem Leben zu machen. Und es war ihm einigermaßen gut gelungen. Dass er dabei vielleicht etwas zu naiv und gutgläubig war, naja, das war eben sein Laster. Denn auch er war nicht perfekt.
„du könntest mich stattdessen einfach zum Schmelzen bringen“
Erwiderte Jesus auf ihre etwas skurrile Unterhaltung bezüglich Käse. Hatte dabei aber auch so einen gewissen Unterton und wackelte sogar mal kurz mit den Augenbrauen, was im Moment absolut nicht ernst zu nehmen war aber er fand es lustig. Und zum Schmelzen könnte Gabe ihn tatsächlich bringen, erst Recht wenn er noch etwas länger an seiner nassen Hose rum fummelte.
Gerade trank Jesus noch etwas Tee, als er.. bei Gabes Bemerkung jedoch plötzlich laut losprustete und den halben Tee wieder ausspuckte weil das einfach verflucht lustig war. Ja er verschluckte sich sogar daran und lachte hustend weiter, sodass ihm sogar die Tränen in die Augen stiegen. Cheesus. Das musste er sich sowas von merken. Aber könnte Gabe ihm vielleicht auf den Rücken klopfen damit er deswegen nicht erstickte? Wäre ein uncooler aber wenigstens lustiger Tod.
Weniger lustig war es, dass Gabe sich tatsächlich der nächsten, noch grausameren Kolonie angeschlossen hatte. Jesus würde ihn dafür zwar nicht verurteilen aber gefallen würde es ihm dennoch nicht. Weil sie damit wohl nicht nur ehemalige Feinde wären sondern diese Feindschaft von aktueller Präsenz wäre. Etwas das Gabe bewusst war, Jesus jedoch in keiner Weise. Aber vielleicht war es auch besser so, wenn das noch eine Weile lang so blieb.
„Das Altenheim ist voll mit Beißern, vielleicht ist er verletzt oder hat keine Munition mehr, um sich gegen so viele zu behaupten“
Harry war nämlich kein wirklicher Kämpfer, er war eher ein kluges Köpfchen das andere Qualitäten hatte. Und Jesus fand Klugheit wirklich sehr anziehend. Auch wenn es heutzutage leider nicht reichte klug zu sein, um zu überleben. Er hatte häufig versucht ihm das klar zu machen aber Harry wollte einfach nicht hören. Was ihm nun hoffentlich nicht zum Verhängnis geworden war. Jesus sah daran also nichts Verdächtiges, wohl auch weil er den Menschen einfach nicht von Grund auf misstraute. Das war einfach nicht seine Art. Erst recht nicht wenn er jemanden schon eine ganze Weile kannte.
„Er ist nicht abgehauen!“
erwiderte Jesus nun vielleicht ein bisschen zu energisch, einfach weil das bedeuten würde, dass ihm wirklich rein gar nichts an Jesus gelegen hätte und das konnte und wollte er nun einfach nicht glauben. Er hatte sich so sehr auf diesen Abend gefreut. Hatte wirklich schöne Dinge für sie beide vorbereitet gehabt, weshalb diese Entwicklung wirklich eine herbe Enttäuschung für ihn war. Da konnte er sich nun nicht mit dem Gedanken befassen, dass er sie ausgeraubt und mit ihren Vorräten abgehauen war.
„Tut mir Leid, ich wollte nicht laut werden“
Ihm tat es ja wirklich Leid wenn er mal die Stimme erhob, Gabe stellte schließlich nur eine normale Vermutung auf. Er kannte Harry und konnte nicht wissen wie Jesus zu ihm stand oder was er von ihm hielt. Und leider waren Szenarien wie das von Gabe in dieser Welt gar nicht so unwahrscheinlich. Weshalb Jesus letztlich auch etwas geknickt wirkte, denn er wollte seine Sorge nicht an Gabe auslassen.
„Nein, kein Blut“
das war ein gutes Zeichen oder? oder auch nicht. Denn natürlich fragte Jesus sich auch wie Harry hier draußen seinen Handschuh verloren hatte. aber vielleicht hatte ein Beißer ihn gepackt und er musste ihn abschütteln oder dergleichen. Besser jedoch das Gabe nun nicht laut aussprach, dass er dachte es wäre wie eine Spur, die womöglich in eine Falle locken sollte. Denn Jesus war noch nicht bereit dazu sich mit so einem Gedanken zu befassen.
Da war es fast besser sich um ein paar Beißer zu kümmern. Auch wenn Jesus jeden von ihnen sehr aufmerksam musterte, denn jeder von ihnen könnte sein Freund sein.
„Achte auf ihre Hände. Es könnten Lebende unter ihnen sein“
sagte Jesus jedoch noch, da auch das Cottage bereits von den Whisperern gehört hatte, die die Masken der Toten trugen, um sich zu tarnen. Wenn man darauf vorbereitet war, konnte man ihre Bewegungen jedoch halbwegs gut unterscheiden. Jesus war sogar mal einem von ihnen begegnet und es wäre ihm fast zum Verhängnis geworden, da er gerade so mit dem Leben davon gekommen war. Er unterschätzte diese Gefahr also nicht und wollte auch Gabe davor warnen. Welcher ja bereits davon wusste aber sein Wissen geheim hielt. Anders als Jesus. Denn im Moment war Gabe sein Verbündeter und sonst nichts. Sie waren auf einer gemeinsamen Mission, was hieß sie mussten ehrlich zueinander sein und aufeinander aufpassen.
Nun machte Gabe aber definitiv deutlich welch meisterhafter Bogenschütze er war. Denn auch wenn Jesus selbst damit beschäftigt war die anderen Beißer im Nahkampf zu erledigen, so bekam er Gabes geschickte und blitzschnelle Bewegungen sowie seine Trefferquote durchaus mit. Jesus selbst war allerdings kein Fernkämpfer sondern ein Nahkämpfer, weshalb er sich um die Beißer kümmerte, die bereits in unmittelbarer Nähe waren. Dazu verwendete er lediglich ein Jagdmesser, sowie seine Fäuste und Füße. Sowie alles in unmittelbarer Umgebung, das er zu fassen kam, wie beispielsweise einen dicken Ast oder dergleichen. Während Gabe also galant aus der Ferne zuschlug wirbelte Jesus blitzschnell und äußerst geschmeidig durch die Gruppe der Beißer und kickte, stach oder schlug jedem von ihnen das Hirn zu Brei.
„Du hast Recht, lass uns weiter ziehen“
Denn Jesus machte die selbe Beobachtung wie Gabe. Da war kein frisches Blut. Und keiner der Beißer sah aus wie Harry oder trug einen Gegenstand von ihm bei sich. Das hier war Zeitverschwendung. Und Jesus hatte keinen Spaß daran die Beißer zu töten, er tat es nur dann wenn es notwendig war. stattdessen wischte er die blutigen Handschuhe etwas an einem schneebedeckten Baum ab und schloss wieder zu Gabe auf.
„Wirklich beeindruckend“
Sagte er, als er den Kopf seitlich zu ihm drehte während sie sich schnellen Schrittes davon machten. Jedoch stellte Gabe ihm wenig später erneut eine Frage, die Jesus nicht sonderlich gefiel. Doch er versuchte es Gabe nicht übel zu nehmen, da er es mit Sicherheit nur gut meinte.
„Seit etwa 6 Monaten. Eine Spähertruppe von uns fand ihn halb verhungert am Ufer eines Flusses. Er war allein und verletzt und ich weiß worauf du hinaus willst. Aber wie soll es möglich sein den Frieden zu bewahren wenn wir jeden Menschen automatisch als Feind beurteilen? natürlich musste er gewisse Fragen und Prüfungen über sich ergehen lassen, bevor er Teil des Cottage werden durfte. Aber die hat er mit Bravour bestanden und er war früher Landschaftsplaner, einen Beruf den wir sehr gut gebrauchen konnten“
Wieso rechtfertigte er sich eigentlich vor Gabe? nein, tat er nicht. er erklärte ihm nur wie es gewesen war damals. Und er wollte Harry nicht misstrauen, einfach weil er von Beginn an Sympathie für ihn gehegt hatte und er einfach einen vertrauenswürdigen Eindruck machte. Immerhin misstraute Jesus Gabe auch nicht. Also das war doch eine gute Eigenschaft, oder nicht?
denn sonst hätten sie wohl nicht so schöne Stunden miteinander verbringen können.
Aber nun hieß es weiter gehen, denn es wurde immer kälter und der Himmel sah erneut danach als würde es bald schneien. Und hier draußen zu sein, ohne Unterschlupf, wenn es schneite war keine gute Idee. Weshalb sie versuchen sollten zügig voran zu kommen. Und das taten sie auch. Bis Jesus plötzlich einen weiteren Gegenstand in dem weißen Schnee fand. Sofort beugte er sich hinab und hob das Medaillon auf, welches er öffnete und die Augen weitete
„Das ist der Anhänger von dem ich dir erzählt habe..“
denn darin befand sich das Foto von Harrys verstorbener Tochter, weshalb Jesus den Schritt nun beschleunigte. Es war noch nicht eingeschneit. Das hieß, er musste es erst vor kurzem verloren haben. Zumindest erst nach heute Nacht. Vielleicht wurde er deswegen auch etwas unaufmerksamer und lief voraus, vor allem als er das Geächze von jemandem hörte, das jedoch nicht nach Beißer klang. Und als er über den nächsten Hügel eilte konnte er nicht glauben was er da sah. Es war Harry, dessen Bein eingeklemmt war unter einem Baumstamm, den er alleine nicht anheben konnte.
„Harry!“
Rief Jesus erleichtert und lief sofort zu ihm, nebenbei erledigte er noch ein paar Beißer, die sich gerade auf seinen Freund stürzen wollten. Er hob den Stamm ein Stückchen an, damit Harry sein Bein heraus ziehen konnte. Das dieser Stamm irgendwie gar nicht so schwer war bemerkte Jesus in diesem Moment nicht, denn eigentlich hätte er sich daraus selbst befreien sollen können. Aber Jesus war einfach nur so erleichtert ihn wieder zu sehen, dass er seinen Verstand etwas ausschaltete, Harry hoch auf die Beine half und ihn einfach fest in die Arme schloss. Dieser rief auch erleichtert Jesus Namen und umarmte ihn ebenfalls. Nur das er mit einer Hand plötzlich nach einem Messer aus seiner Jackentasche griff und es Jesus im nächsten Moment direkt an die Kehle hielt. Er drehte ihn in seinen Armen rum, sodass er ihn von hinten fest im Griff hatte und die kalte Klinge fest an seinem Hals lag. Normalerweise würde Jesus sich niemals so leicht und stümperhaft überrumpeln lassen aber.. im Moment war er auf so etwas einfach nicht gefasst. Harry war sein Freund, sie waren zu einem Date verabredet und hatten stundenlange, tiefgründige Gespräche hinter sich. Was war denn bitte plötzlich los? Jesus weitete vor Schreck die Augen und hob abwehrend die Hände als Harry ihn dazu aufforderte, damit dieser das Messer aus Jesus Gürtel ziehen und an sich nehmen konnte.
„Harry was.. soll das?“
Jesus verstand wirklich nicht was hier gerade vor sich ging. Er hatte absolut keine Erklärung dafür. Bis der Größere sich dazu herab ließ es ihm mit wuterfüllter Stimme zu erklären.
"Hallo Paul~ ich wusste du würdest nach mir suchen, wie die dumme, naive, kleine Schwuchtel die du nun mal bist. Immer auf der Suche nach irgendeinem armen Trottel der dich vielleicht mögen könnte. Wirklich erbärmlich"
Jesus fragte sich in diesem Moment, ob das hier gerade wirklich passierte oder ob er vielleicht träumte. War er im Schnee ausgerutscht und hatte sich den Schädel angeschlagen? Denn das hier konnte doch unmöglich die Realität sein. Wieso fühlte sich das kalte Metall an seiner Kehle dann bloß so echt an
„Harry was…“
Er musste jedoch gar nicht nachfragen, da Harry von selbst fortfuhr.
"Du erinnerst dich doch an diesen Tag vor etwa 6 Monaten oder? Als du und deine egoistischen Freunde diese Brücke sprengten, um die nahende Beißerherde davon abzuhalten eure Kolonie niederzutrampeln. Tja, was du wohl nicht wusstest war, dass meine kleine Tochter und ich zu diesem Zeitpunkt unter dieser Brücke gelebt hatten. Mit eurer Sprengung habt ihr unser zu Hause nicht nur buchstäblich über uns einstürzen lassen, nein ihr ließt auch die gesamte Beißerherde auf uns regnen. Welche meine Tochter zu fassen bekam und sie vor meinen Augen lebendig auffraß! Ich konnte mich irgendwie retten, schwer verletzt. Es gelang mir zu dem nahegelegenen Ufer zu fliehen.. wo mich einige Tage später jemand von eurer Truppe fand und mitnahm. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich einfach nur sterben. Da das Leben keinen Sinn mehr für mich hatte. Bis ich erkannte zu welcher Kolonie ich gebracht wurde. bis ich DICH und die anderen Arschlöcher wieder sah, die die Sprengung veranlasst hatten. Und in diesem Moment wurde ich erfüllt von neuen Lebensgeistern. Denn ich hatte es mir zu meiner Lebensaufgabe gemacht euch alle dafür büßen zu lassen was ihr meiner Tochter und mir angetan habt!!"
Jesus weitete bei dieser Geschichte die Augen. Natürlich erinnerte er sich an diesen Tag. Aber sie hatten doch gründliche Vorkehrungen getroffen, das war unmöglich.
„…unsere Truppe hat die Umgebung rund um die Brücke genauestens begutachtet und durchsucht.. sie fanden keinerlei Spuren von Nomaden oder anderen Überlebenden…“
Harry drückte das Messer etwas fester an Jesus Kehle, sodass sich bereits ein roter Strich bildete.
"Dann haben eure verdammten Leute Scheiße gebaut!! denn wir waren da!!"
Jesus senkte den Blick betroffen zu Boden. Wenn das wirklich stimmte, dann hatten sie ein kleines Mädchen auf dem Gewissen, weshalb Jesus Harrys Wut mehr als nur verstehen konnte. Er versuchte auch gar nicht sich zu wehren oder ihn zu entwaffnen, denn wenn ihnen dieser Fehler wirklich unterlaufen war, dann hatte er das hier verdient.
"Du warst das leichteste Opfer. Ich habe von Anfang an bemerkt wie du mich angesehen hast, wie du langsam Gefallen an mir gefunden hast… und du hast keine Ahnung wie sehr mich das angewidert hat. Ich machte es mir zu Nutzen, um dein Vertrauen zu gewinnen. Als du mich dann jedoch um ein Date gebeten hast, da wusste ich.. heute ist der Tag an dem ich meinen Plan in die Tat umsetzen musste. Denn ich hätte es keine weitere Sekunde ertragen in deiner Nähe zu sein, mir dein scheiß scheinheiliges Lächeln antun zu müssen oder mich gar von dir anfassen zu lassen. Allein die Vorstellung lässt mich erschaudern und ich bekomme Brechreiz davon."
Jesus wusste wirklich nicht was er nun denken oder sagen sollte. Natürlich tat es weh zu hören wie sehr er auf Harry reingefallen war und was dieser wirklich von ihm dachte. Aber auf der anderen Seite hatte Jesus Verständnis und Mitgefühl für ihn. Denn das was ihm passiert war war einfach furchtbar. Und Jesus war einer der Schuldigen bei diesem Szenario.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

1 Mitglied hat dich im Auge
nach oben springen

#38

RE: Dachterrasse

in Altenheim 14.02.2020 19:23
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Demonstrativ stöhnte Gabe genervt auf und verdrehte die Augen wegen dem Klugscheißer, der ausnahmsweise mal nicht er selbst war, sondern Jesus, dessen Bemerkung ihn aber doch ein bisschen grinsen ließ, denn ja, viergeteilt, würde das bedeuten, er könnte viermal so viele blöde Sprüche reißen. Wollte Jesus das wirklich? Wohl eher nicht.
"Kassettenrekorder? ...scheiße bist du alt." Haute Gabe grinsend raus, ja er kannte die Teile noch, weil sie Daheim einen hatten und er besaß damals auch einen alten Walkman, als er noch klein war, er gehörte nicht zu den Kids, die sofort jeden neuen Scheiß bekamen, seien es Klamotten, Handys, neue Konsolen oder was es sonst halt so gab. Gabe fand den Retro-Kram ziemlich cool, der Unterschied zwischen ihnen lag wohl nur darin, dass es für Jesus weniger Retro war, sondern Teil seiner Kindheit aber das war doch nicht schlimm, zumal er doch eh nicht so alt aussah. Außerdem fand er es viel lustiger zu hören, wie Jesus und die anderen Kids, damals im Waisenhaus, der Lehrerin weiß gemacht haben, dass es bei ihnen spukte, irgendwo schon ein bisschen fies aber der Bogenschütze fand das ziemlich kreativ.
"Das du gelernt hast, jemanden zu vermöbeln?"
Erwiderte Gabe und zuckte die Schultern, natürlich wusste er nicht, was das Schönste an diesem Training war, dass Jesus durchlaufen hatte oder viel mehr konnte, durfte, aufgrund dessen, dass sein Lehrmeister in ihm Dinge sah, die er selbst nicht wahrnahm. Dafür hörte er ihm aufmerksam zu, zog die Augenbrauen grüblerisch zusammen und runzelte mitunter auch kurzzeitig die Stirn. "Klingt penetrant." Warf Gabe ein aber presste rasch die Lippen aufeinander, schließlich wollte er Jesus nicht unterbrechen aber dessen Lehrmeister klang echt hartnäckig, und so wie Jesus damals, verstand Gabe natürlich auch nicht so recht, weshalb der Mann so beharrlich gewesen ist. "Und... das hat er einfach so gemacht, ohne jemals was von dir als Gegenleistung zu verlangen? Geld oder son Kram?"
Ihm fiel es schwer an so eine Person zu glauben, für ihnen klangen solche Leute, früher und mehr noch heute, wie irgendwelche Fabelwesen, über die viele reden, aber kaum jemand sie zu Gesicht bekommen hat, wenn überhaupt. So wie Jesus, früher zumindest, hatte Gabe eben auch allen Grund dazu, in erster Linie nur das Schlechte in den Menschen zu sehen, schließlich hielten jene in seinem Umfeld sich kein bisschen zurück, manche zelebrierten es förmlich. Natürlich kam auch die Frage auf, ob Jesus auch so penetrant sein würde, sobald Gabe das Handtuch werfen wollte, was gegen seine Natur ist, aber sein Kopf erschwerte ihm vieles, mehr noch die Mentalität, die ihm über Jahre eingebläut wurde bei den Saviors. Er war zudem sehr schnell und bislang effektiv darin, die Leute zu vergraulen, wieder auf Abstand zu bringen, so humorvoll er auch ist, Gabe konnte ein richtiges Arschloch werden, dass seinem Dad in nichts nachstand, zumindest dann, wenn man wirklich drohte, ihm zu nahezukommen und es gelinde gesagt einfach falsch anstellte.
Es gab gute Leute, die jedoch penetrant waren, zu überschwänglich, für jemanden wie Gabe, der absolut nicht mit sich im Reinen war und immer schon Probleme hatte, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, mit Worten, die wirkten auf ihn schnell aufdringlich, als wollen sie Einem alles aufzwingen, ihre ganze naive, gutmütige Art. Gut, Jesus gehörte nicht zu der Sorte, er war nicht aufdringlich, nicht überschwänglich, erschlug ihn nicht damit und das brachte ihm definitiv Vorteile, selbst wenn Gabe dennoch, sehr darum bemüht war, den ganzen Kram, den er zu hören bekam von diesem, auf Abstand zu halten aber es änderte nichts, dass er dennoch anfing darüber nachzudenken. Das passierte automatisch. Wie gesagt, er bemühte sich, ob es ihm gelang, das stand natürlich auf einem ganz anderen Blatt Papier.
Immerhin war 'Cheesus' offenbar der Knüller, denn während Gabe, sich extrem, darum bemühte nicht loszulachen, spuckte Jesus den Tee sogar prustend aus, ehe er zu lachen und zu husten anfing, das tat dem Bogenschützen fast schon wieder leid, der sogleich an ihn herantrat sowie ihm auf den Rücken klopfte, nicht so fest natürlich, schließlich will er das Jesus überlebt. Sonst trifft ihn noch der Blitz, weil er den Sohn Gottes auf dem Gewissen hat!
Darauf konnte er wirklich verzichten aber er würde sich das auf jeden Fall merken, irgendwann, wenn sich die Gelegenheit ergab und es definitiv, extrem witzig sein wird, wird Gabe ihn so rufen. Irgendwann...
Allerdings wohl nicht mehr an diesem Tag, denn all der Spaß musste, früher oder später, leider, bei Seite geschoben werden und der Ernst des Lebens kehrte zurück, obschon Gabe gerne noch etwas länger darauf verzichtet hätte, allen voran in Anbetracht dessen, dass sich wohl ein bisschen deutlicher zeigte, dass am Ende immer noch ein Savior vor Jesus stand, sowie der Ninja aus dem Cottage, früher Hilltop, vor Gabe. Was für ein Gespann.
Kaum merklich zuckte Gabe tatsächlich zusammen als Jesus so, ein klein wenig ungehalten, auf seine Vermutung reagierte, dass Harry, bewusst, das Weite gesucht hatte, nur ein paar Sekunden lang, sah dieser ihn an wie ein getretener Hund, ehe er ganz schnell den Blick abwandte, sowie an sein Halstuch griff, dass er sich, aus Gewohnheit und vielleicht auch oftmals anderen Gründen, rauf ins Gesicht, über Mund und Nase, zog. Er wollte Jesus ja nicht zu nahe treten oder Salz in die Wunde streuen, es war nur eine logische Schlussfolgerung für ihn, die er aufgrund dessen tätigte, was er bislang zu hören bekommen hatte. Jedoch hob Gabe, weitaus grimmiger, den Kopf als auch den Blick bei der Entschuldigung von Jesus, das musste er nicht tun aus seiner Sicht und wollte es auch nicht hören, er ist schließlich keine verfickte Pussy oder aus Zucker.
Lag ihm schon auf der Zunge das zu sagen aber er verkniff es sich, er brummte lediglich, winkte ab, war ihm schließlich total egal und hatte auch keinen Einfluss darauf, dass er, nach wie vor, gewillt war ihm zu helfen bei der Suche. Auch wenn Gabe, anders als Jesus, misstrauischer, statt zuversichtlicher wurde, als sie den Handschuh fanden, der weder Blutspuren, noch Beschädigung aufwies und selbst wenn er vor Einbruch der Nacht verloren wurde, Gabe sah keine Vertiefungen im Schnee, die darauf deuten würden, dass ein Gerangel oder gar Kampf stattgefunden hatte. Trotz frisch gefallenen Schnee gäbe es einen feinen Höhenunterschied zum Rest und als Pfadfinder mit Adleraugen, erzählte ihm das bereits eine Geschichte, die ihm kein gutes Bauchgefühl bescherte. Doch was brächte es nun, es Jesus zu sagen, der einfach nicht gewillt war, im Augenblick zumindest, die Optionen zu erwägen, die noch weniger erfreulicher wären.
Für einen kurzen Moment starrte er zu Jesus rüber, der ganz offensichtlich, von den Freaks wusste, die unter den Toten wandelten, da rutschte ihm fast das Herz in die Hose, nicht wegen der Tatsache, dass es solche Leute gab, sondern Jesus ihn warnte und Gabe sich gleich noch mieser fühlte, da er es nicht tat, obwohl er es konnte, tun sollte. Es war nicht mal Absicht das für sich zu behalten, er war einfach so darauf getrimmt, für sich allein zu kämpfen, die Schwächen Anderer auszunutzen, seine Eigenen zu verbergen und jeden taktischen Vorteil geheim zu halten, anstatt sein Wissen mit Anderen zu teilen. Selbst seinem Dad erzählte Gabe nicht alles so lange es nicht relevant fürs Überleben ist.
"... ihr hattet also schon das Vergnügen mit den Freaks unter den Beißern?"
Seine Frage implizierte deutlich, dass Gabe auch schon deren Bekanntschaft gemacht hatte, sowohl als Feind, wie auch als Mitglied derselben Kolonie, was er jedoch nicht verraten konnte, zumindest Letzteres, denn sonst wäre er doch dazu gezwungen, eine Grenze zu ziehen, die nach Ende des Krieges zumindest verwischt wurde. Auch wenn es ebenso fraglich war, wie lange er es, mit sich selbst vereinbaren konnte, kein Wort zu Jesus zu sagen, immerhin wäre der wohl nicht all zu begeistert aber wann war, denn der richtige Zeitpunkt? Gab es den überhaupt? Außerdem spielte es eine Rolle? Vielleicht finden sie Harry, Jesus zieht fröhlich seiner Wege mit diesem ins Cottage und das war es. So weitsichtig Gabe auch ist, hellsehen vermochte er leider nicht. Zudem durfte er sich nicht dazu verleiten lassen, Jesus zu beobachten, während sich Beißer in seiner Reichweite befanden, im Nahkampf kam er auch gut zurecht, besser als man vermuten würde, doch er spielte in der Hinsicht noch nicht in der Liga von Jesus. Vor allem hatte Gabe generell einfach lieber etwas Distanz zwischen sich und dem Feind, egal ob Mensch, Beißer oder Raubtier.
Dennoch fand er einen kleinen Moment zum Verschnaufen, sowie einspannen eines weiteren Pfeils, indem er den Holy Ninja beobachten konnte, unter anderen Umständen, würde Gabe ihm wohl stundenlang dabei zusehen können, schließlich war Kampfkunst, in gewissen Punkten, fast wie das Tanzen und daher auch schön anzusehen.
Jetzt fehlte nur noch spannende, musikalische Untermalung aber die gab es wohl nur in Gabes Kopf.
Der sich zumindest in solchen Situationen zu konzentrieren vermochte, mitunter auch weil, er ein wenig Spaß daran hatte, manchmal zumindest. Allerdings sollten sie keine Energie verschwenden, nichts sprach dafür, dass Harry mit den Nachzüglern, der kleinen Herde, die gestern Abend Jesus weitere Suche verhindert hatten, aneinander geraten war. Er lief noch ein paar Meter rückwärts neben Jesus, ehe er rübersah, aufgrund dessen Komplimentes, was ihn nur, verdeckt durch sein blaues Tuch, dass er im Gesicht trug, schwach grinsen ließ. "Man tut was man kann." Er wackelte mit den Augenbrauen, wobei seine Linke auch eine kleine schräg verlaufende Narbe, etwa mittig liegend, aufwies bei näherer Betrachtung.
Schließlich drehte er sich wieder um, ließ den Blick über den Boden schweifen, über die Umgebung, hin und wieder rüber zu Jesus, nur dass er sich diesmal, bewusst, darauf konzentrierte, seinen Fokus auf Alles, nur nicht auf den Holy Ninja zu richten, was mitunter leichter gesagt ist, als getan, aber wenn es frische Spuren gab, sollte er auch nach ihnen Ausschau halten, anstatt das shiny Hair anzuschmachten.
"Ich habe nichts gesagt...."
Musste er aber wohl auch nicht, denn Jesus wusste wohl dennoch, dass Gabe dessen Einstellung nicht teilte und einfach von Natur aus, viel misstrauischer, allen Anderen gegenüber war, mitunter auch, aufgrund des Fremdgehens seines Vaters, denn wenn sein Vater Geheimnisse vor der eigenen Familie hatte, diese damit verletzte, legte das nicht gerade den Grundstein für einen vertrauensseligen Charakter. Das Gegenteil war der Fall.
Nun ja, Gabe wollte ja nicht mal Jesus Vertrauen gewinnen, er strebte nicht an, sich mit ihm gut zu verstehen, vielleicht lag darin der kleine aber feine Unterschied, zu den meisten Anderen? Denn obwohl er nichts davon wollte, forcierte, hatten sie dennoch irgendwie einen guten Draht zueinander.
Inzwischen sanken die Temperaturen aber auch wieder, der Himmel zog sich, langsam doch stetig, wieder mit dicken Schneewolken zu aber Gabe suchte dennoch mit Jesus weiter, bis etwas im Schnee aufblitzte, etwas aus Metall, was sich als Kette, Medaillon entpuppte, nachdem Jesus es aufgehoben und geöffnet hatte. Schweigend starrte Gabe auf das Schmuckstück, das Bild des Mädchens, ehe seine grünen Augen an den feinen Gliedern der Kette hinab glitten. Diese waren nicht zerrissen, verbogen, der Verschluss war klein, fein aber intakt. "Paul warte kurz..." Setzte er bereits an als dieser schon den Schritt beschleunigte, und da hieß es immer Gabe wäre impulsiv, der nur zwei Schritte zügig nachsetzte, jedoch abrupt stehen blieb als er das Ächzen hörte, klang nicht nach einem Beißer, weshalb er doch weiter ging, Jesus hinterher, der schon halb über den Hügel war. "Jesus fucking Christ, ...warte gefälligst!" Fluchte Gabe zischend und schüttelte den Kopf, Jesus war viel zu voreilig, zu ..emotional, wie er sagen würde und das endete selten gut.
Eiligen Schrittes, doch einen kleinen Bogen machend, folgte er aber nur so lang, bis er über den Hügel war und ein größeres Sichtfeld hatte, recht schnell hatte er Jesus wieder im Blick, ebenso die Person, die an einem Baum gelehnt auf dem Boden saß, offenbar eingeklemmt, woraufhin Gabe sich mit dem Rücken, gegen den großen Baumstamm presste, der ihn problemlos verbarg und er aus dem Sichtfeld blieb. Unter anderen Umständen, würde er nun einfach verschwinden, wie der diebische Schatten, der er die meiste Zeit über ist, doch es hatte einen Grund, weshalb er wartete, sowie die Ohren spitzte. Was er zu hören bekam ließ ihn schnaufen, den Kopf gegen die raue Rinde des Stammes drücken während er auf der Innenseite seiner Wange herumkaute, langsam zu seinem Köcher fasste und einen Pfeil herauszog, den er einspannte, sowie die Sehne ein Wenig zurückzog, nicht komplett durch aber ausreichend um einen Schuss tätigen zu können.
Während Harry Jesus die ungeschönte, knallharte Wahrheit an den Kopf warf, was wahrlich nicht zu überhören war, ging Gabe etliche Szenarien, Möglichkeiten im Kopf durch, bis er sich für eine Strategie entschieden hatte, noch mal tief Luft holte und anschließend zu pfeifen begann.
Die alt bekannte Melodie der Saviors und Gabes, einst glückliche, Kindheitserinnerung.
Schließlich stieß er sich vom Baum ab, hob den Bogen und trat, pfeifend, hinter diesem hervor, wobei die Pfeilspitze auf die beiden Männer gerichtet war aber schwer zu sagen ist, auf wen er nun zielte, sie standen nah beieinander. "Eeny, meeny, miny, moe..." Begann er ruhig, mit gesenkter Stimme, ein wenig knurrig, kratzig klingend, als er auf die Beiden zu kam, nur kurz ruhten die grünen Augen auf Jesus, der sich eigentlich locker aus der Lage befreien könnte, aber es nicht tat. Warum? "..Catch a tiger by the toe...." Gabe zog die Bogensehne weiter zurück, hob seinen Bogen auch zeitgleich und richtete die Pfeilspitze, nun sehr deutlich, auf Jesus. "If he hollers, let him go. ... Hi Harry, ...lange nicht mehr gesehen."
Begrüßte Gabe diesen und fixierte den, deutlich größeren, der beiden Männer ihm gegenüber als er in ihrer unmittelbaren Nähe war, höchstens zwei Meter entfernt. "Wie ich sehe, hast du meine Beute.. not cool Harry, not cool..."
Der Mann hinter Jesus war womöglich nicht der Einzige, der hier Anwesenden, der überrascht drein schaute. "Die Welt ist ein fucking Dorf, right?" "Deine....warte,... Gabe?" Ah, es machte also Klick, gut, man konnte es ihm nicht verdenken, war mindestens drei Jahre her seit es die Saviors nicht mehr gab und die Brillenschlange hatte nicht im Sanctuary gelebt, doch Gabe war immer auf Achse, er kannte jeden Außenposten, jedes Mitglied, wenn auch viele nur vom Sehen her. Langsam ließ er den Bogen sinken, fasste an sein Tuch und zog es runter um sein Gesicht zu enthüllen, die Kapuze beließ er aber auf, wegen HootHoot, der sein Schläfchen darin verborgen abhielt und nicht geweckt werden sollte.
"Tut mir leid das mit deiner Tochter, wie hieß sie noch gleich, Susan? ... Kann mich gut an sie erinnern, aber..." "Was ..was machst du hier?" Knallte dieser, hörbar erzürnt aber zugleich irritiert, Gabe an den Kopf, der bei den Saviors nun mal, wie Negan, über allen stand und in den Außenposten auch mal durchgriff, vielleicht etwas weniger extrem als sein Dad, doch nicht weniger eindrücklich. "Ich war auf der Jagd, ..." Dabei deutete er auf Jesus mit einer nickenden Kopfbewegung. "Harry, du denkst zu kleinkariert..." Das Schnauben dessen ließ Gabe mit den Schultern zucken, gar den Bogen gänzlich sinken, ehe er den Pfeil wieder rausnahm, in den Köcher schob und sich den Bogen wieder auf den Rücken zog, die Hände wieder frei, zog er seinen Reißverschluss der Lederjacke runter um sich mehr Bewegungsfreiraum zu schaffen.
"Willst du mich verarschen Gabe?" "Nein, ...du hast dir das leichteste Ziel rausgesucht, nicht die schlechteste Taktik aber was hast du davon? Ohne Bühne, bringt es dir nen verfickten Scheiß, ihm die Kehle aufzuschlitzen, du willst Grimes... wie ich. Wie jeder waschechte Savior, der noch hier draußen lebt und die ich wieder zusammen treibe, nun da Dad wieder frei ist. Wir haben beide dasselbe Ziel mein Freund.."
Gabe bewegte sich deutlich anders, klang anders, als noch am Lagerfeuer und er fixierte durchgehend Harry, reckte das Kinn arrogant, lief langsam ein wenig auf und ab, das machte manche Leute wahnsinnig, da Gabe nie still stehen konnte, aufgrund seines hohen Bewegungsdrangs. "...wegen ihm...wegen.." "Wegen Grimes und seinen Pissnelken ist deine Tochter tot, habe ich gecheckt und du bist sauer .... aber du erinnerst dich daran, was passiert ist, als mein Dad sich hat von seiner Wut leiten lassen? Wir haben verloren...." Ganz beiläufig kam er näher, schleichend, bedächtig, obschon er direkt im Blickfeld der Beiden war, wusste Gabe gut abzulenken, gerade weil er nie still stand. "...und diesmal läuft es anders, wenn ich diese kleine Schwuchtel hier nicht sofort umbringe?" Der noch immer das Messer an Jesus Kehle hielt.
"Ja, die alten Leute hatten ihre Chance, wird Zeit die nächste Generation an den Start zu lassen und ich begehe nicht die Fehler meines Vaters. ... komm schon Harry, die kleine Pussy ist das Maskottchen von Hilltop gewesen, jeder liebt ihn, ...die richtige Bühne, das richtige Werkzeug.... und du löst mehr als nur ein Problem. Du triffst sie da, wo sie dich getroffen haben, right in the fucking Heart!" Regte er ihn ein wenig zum Nachdenken an, dabei legte sich ein, beinahe schon teuflisches, Grinsen auf Gabes Lippen, der noch einen Schritt näher kam, ganz beiläufig. "...ich will sie Leiden sehen Gabe!.."
Dieser nickte, kam noch einen Schritt näher, hob langsam die Hand und legte sie an Harrys Hand, welche das Messer an Jesus Kehle gedrückt hielt, mit der anderen fasste Gabe, unbemerkt, hinten an seinen Rücken, schob die Finger unter die, nun locker sitzende, Jacke und umfasste eines seiner beiden Kukri-Messer.
"Ich verspreche dir, das werden sie, Winchester-Ehrenwort und du weißt, Dad,... als auch ich... wir halten immer was wir versprechen unseren Feinden gegenüber. Die Weichflöten denken sie sind uns los, sie haben keine Ahnung ... sie vergessen nämlich eine ganz wichtige Lektion...."
Die an sich auf der Hand lag und die er Harry ins Gedächtnis rufen musste, wie es schien, dessen Blick er noch immer auf sich gelenkt hatte, sowie nun direkt, dicht, neben ihnen stand, sowie lächelte voller Wiedersehensfreude, nach der langen Zeit einen alten Savior-Kollegen wiedergefunden zu haben. Wie klein die Welt doch ist. "Die da wäre..."
Gabe hob die Augenbrauen ein Stück an, so als überlege er kurz, während er noch immer lächelte, bis er urplötzlich den Griff an Harrys Handgelenk festigte, sowie seinen Arm ruckartig zur Seite zerrte, damit die Klinge weg von Jesus Hals kam und die des Bogenschützen, sich im selben Augenblick tief zwischen die Rippen von Harry bohrten. "Vertraue niemandem, ...erst recht keinem der dir ins Gesicht lächelt."
Flüsterte er ihm dabei ins Ohr, quetschte dessen Handgelenk förmlich, sodass dieser das Messer fallen ließ, aufkeuchte vor Schmerz und zur Seite geneigt förmlich einknickte, als Gabe das Messer tiefer rammte, sowie zu drehen begann. Gabe drängte ihn auch direkt an den Baum, ließ dessen Arm los und drückte den Unterarm gegen dessen Kehle um ihn am Fleck zu halten, immerhin war Harry auch ein Stück größer als Gabe, der dafür mehr Muskelmasse sowie Erfahrung hatte, ein Kämpfer ist, obschon er der Jüngste in dieser Runde sein mag. "Du hättest unter der Brücke bleiben sollen, kleiner Feigling, du hattest nie den Mumm zu kämpfen und außerdem,.. ist es sehr unhöflich, jemanden eine Schwuchtel zu nennen, Arschloch." "...er ist.. auch dein ..Feind...er ..." Gabe grinste nur eiskalt, er konnte sehr wohl umschalten, von witzig, liebenswürdig, charmant zu dem, was die letzten Jahre, sehr erfolgreich, aus ihm gemacht haben. Jemand, der sich auf das Töten versteht, ungeachtet dessen, ob er es gerne tat, er machte es, sei es, weil es befohlen wurde, um sich zu schützen oder mehr noch, jene die ihm wirklich am Herzen lagen.
"Nein, mein Feind ist nicht Paul, .... mein Feind, sind Arschlöcher wie du, die meinem Dad in den Arsch gekrochen sind, bis zum Anschlag aber dann feige den Schwanz einzogen, als es drauf ankam. ...eigentlich würde ich jetzt verlangen, entschuldige dich bei Paul aber ....who cares, right?"
Er zog das Messer nämlich aus seinem Körper, legte die Wunde frei und ließ dadurch erst recht eine starke Blutung zu. Über seine rechte Schulter, warf er einen Blick zu Paul, dem er gerne an den Kopf werfen wollte, was für ein Idiot er ist, weil er so verdammt unvorsichtig vorgegangen ist! Wollte er sein Leben echt einfach so wegwerfen, nur aus Schuldgefühlen? Das machte Gabe echt ein bisschen sauer, weil er es nicht verstand, nicht wirklich und vielleicht auch, weil er Jesus, Paul, schon jetzt etwas zu gern hatte.


@Jesus


1 Mitglied umarmt dich
nach oben springen

#39

RE: Dachterrasse

in Altenheim 16.02.2020 21:51
von Paul Marquand-Rovia | 513 Beiträge

„Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Anfangs empfand ich es auch als penetrant. Aber ich denke am Ende wollen alle Teenager nur in all ihren Facetten gesehen werden.. schaffen es jedoch nicht das zuzugeben.“
Denn wie oft schimpften Teenies über ihre Eltern, schickten sie aus ihrem Zimmer, schrieen sie an oder knallten die Türen, obwohl sie sich in Wahrheit etwas ganz anderes wünschten? Nämlich das ihre Eltern trotz allem hartnäckig blieben und versuchten mit ihnen zu reden, ihnen zuzuhören, egal wie wütend ihre Kinder auch waren. Teenager konnten einfach nicht zugeben, dass sie jemanden brauchten, weil sie dachten schon total erwachsen zu sein und selbstständig sein zu müssen. Nur waren sie das mitunter noch nicht. Also war es gut, dass manche Erwachsenen das durchschauten und sie trotzdem nicht aufgaben, so wie Jesus Lehrer es damals getan hatte. Völlig egal welche Gemeinheiten Jesus ihm auch an den Kopf geworfen hatte.
„Das einzige das er als Gegenleistung von mir verlangt hat.. war es mir selbst treu zu bleiben.“
Das konnte er zwar nun nicht mehr kontrollieren aber Jesus hatte es ihm versprochen und tat ja auch alles was er konnte, um diesem Weg weiterhin zu folgen. Er versuchte keine Entscheidungen zu treffen, die nicht seiner Natur entsprachen. Versuchte nie zu vergessen wer er war oder woher er kam. An manchen Tagen schwieriger als an anderen, doch bis jetzt schien er nicht gänzlich gescheitert zu sein. Und in erster Linie eiferte er seinem Lehrer wohl nach, weshalb auch er die Leute trainierte und ausbildete, ohne je eine Gegenleistung zu verlangen. Er wollte den Weg der Güte auch in der heutigen Welt aufrecht erhalten. Denn ohne Güte wären sie einfach nur noch Barbaren.
Der Unterschied zu seinem damaligen Ich und Gabes heutigem Ich war jedoch, dass Gabe kein Teenager mehr war. Jesus würde sich ihm also nicht aufdrängen, ihm jedoch deutlich machen, dass er ihn nicht fallen ließ. Ganz egal wie er sich auch entschied. Wenn er das Training abbrechen wollte dann war das seine Entscheidung aber Jesus würde ihm klar machen, dass er es jederzeit fortführen konnte, sobald er bereit dazu war. Denn das er zwischendurch mal eine Pause brauchte war verständlich. Denn es würden wohl noch viele Dinge über ihn herein brechen.
Man musste nicht aus Zucker sein oder eine Pussy um eine Entschuldigung anzunehmen. Es hieß ja nicht das Gabe verweichlicht war nur weil Jesus sich für seinen Tonfall entschuldigte, das gehörte sich einfach so wenn man einen Fehler gemacht hatte und hatte rein gar nichts mit Gabe zu tun. Man hatte ihm bei dem Saviors wirklich ziemlich viel Mist eingebläut oder?
Jedoch auch nützliche Sachen wie sein Misstrauen. Auch wenn sich darüber streiten ließe, ob das wirklich nützlich war oder ihn stattdessen eher davon abhielt sein Leben zu leben. An dem heutigen Tag jedoch war es durchaus nützlich und Jesus könnte ein bisschen mehr davon gebrauchen. Denn eigentlich sollte auch er die Dinge erkennen, die Gabe ins Gesicht sprangen. Es war ja wirklich wie eine Spur aus Brotkrumen wie bei Hänsel und Gretel. Dennoch war Jesus verblendet und verschloss die Augen vor der Wahrheit, weil er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass Harry etwas Schlechtes im Sinne hatte. Womöglich wurde er ja entführt und das hier war eine Falle? aber selbst so weit dachte er nun nicht, da er einfach nur schnellstmöglich den Mann finden wollte, den er zu diesem Zeitpunkt wirklich noch sehr gern hatte. Also hatte Gabe durchaus Recht, Jesus handelte und reagierte zu emotional. Dafür bekam er aber auch bald die Rechnung präsentiert.
„Ja leider, das hat uns gute Männer gekostet weil wir darauf nicht vorbereitet waren. Scheint für dich aber auch keine Neuigkeit zu sein?“
Denn Gabe reagierte nicht wirklich überrascht. Es klang eher danach als hätte er mit diesen Flüsterern auch schon zu tun gehabt. Jesus nahm es ihm nicht übel, dass er ihn deswegen nicht warnte. Gabe schien seine Geheimnisse nicht gerne zu teilen und das war in Ordnung. Er verlangte es nicht von ihm. Da Gabe wohl auch immer noch hin und her gerissen war, ob Jesus nun ein Freund oder Feind war. Während das für Jesus eigentlich schon nach den ersten 10 Minuten die er mit Gabe verbracht hatte, auf der Hand lag. Aber da war sie eben wieder, seine Gutgläubigkeit und sein Optimismus. Der ihm manchmal bestimmt gute Dienste leistete. Nur leider nicht immer.
Denn heute war das Gegenteil der Fall, da Jesus nicht länger warten konnte und deshalb auch Gabes Warnung nicht wahr nahm. Er lief einfach los, weil er dort hinter dem Hügel keine Gefahr vermochte, sondern einfach nur einen engen Freund der sich in einer Notlage befand. Da gab es für ihn kein Zögern oder Abwägen, in solchen Momenten wollte er einfach nur rasch helfen und war überglücklich darüber, dass Harry noch lebte.
Naja bis zu dem Augenblick als er ihm die ungeschönte Wahrheit an den Kopf warf. Das Schlimme daran war, auch wenn Harry Jesus mit seinen Worten wirklich mehr als nur verletzte, so empfand er es als gerechte Strafe, als verdient, dafür was mit seiner Tochter geschehen war. Und das war auch der Grund weshalb er sich nicht wehrte. Er konnte einfach nicht, denn er hatte Harry offenbar bereits genug Leid zugefügt mit seiner Unachtsamkeit damals. Selbst wenn es nicht Jesus selbst gewesen war, dessen Aufgabe es gewesen war die Umgebung unter der Brücke zu untersuchen, so lag das Projekt unter seiner Verantwortung. Er hätte selbst noch einmal alles kontrollieren müssen statt nur seine Leute zu schicken. Das wäre seine Aufgabe als Letztverantwortlicher gewesen, das hatte er jedoch nicht getan. er hatte sich auf den Suchtrupp verlassen und das war dem kleinen Mädchen zum Verhängnis geworden. Also wenn Harry ihm das Messer in den Hals rammen wollte war es wohl nur eine gerechte Strafe, selbst wenn auch das seine Tochter nicht wieder zum Leben erwecken konnte. Aber vielleicht brachte es Harry ein bisschen Seelenfrieden. Den er nun ja auch trotz allem nicht hassen konnte. Umgekehrt schien es zwar anders zu sein aber Jesus Gefühle für ihn waren ehrlicher Natur gewesen. Er hatte ihn wirklich gern gehabt und fand die Entwicklung die alles hier nahm wirklich furchtbar, da er in ihm trotz allem immer noch den Mann sah, mit dem er sich stundenlang unterhalten, mit ihm gelacht und trainiert hatte. Es war doch unmöglich, dass Harry das alles nur vorgespielt hatte… aber offensichtlich war das wirklich der Fall, egal wie weh es auch tat. Und egal wie dumm Jesus sich nun fühlte weil er es einfach nicht bemerkt hatte. War er wirklich so verzweifelt und hatte sich so sehr jemanden an seiner Seite gewünscht, dass er einfach die Augen vor der Wahrheit verschlossen hatte? Er hätte seine Abneigung doch sehen oder wenigstens spüren müssen. Aber da war nicht ein Funke des Zweifels gewesen. Jedoch wurde er aus den Gedanken gerissen, als da plötzlich dieses altbekannte Pfeifen ertönte, bei dem sich in Jesus immer noch alles verkrampfte wenn er es hörte. Was tat Gabe da? Wollte er Harry etwa mit dieser Melodie einschüchtern? Sie alle kannten immerhin das Lied der Saviors. selbst wenn Harry erst später zu ihnen gestoßen war, Negan saß bei ihnen im Kerker. Man kannte ihn und seinen Ruf also.
Jesus war sichtlich irritiert von Gabes Verhalten. Im Moment fühlte er sich so als wäre sein Kopf völlig leer, da er all die Ereignisse die aufeinander folgten nun einfach nicht verarbeiten konnte.
Den Vogel schoss er allerdings mit seiner plötzlichen Begrüßung von Harry ab. Die beiden kannten sich?? woher? Auch das wurde schnell deutlich. Harry war also ein ehemaliger Savior? Das war gerade wirklich etwas zu viel für Jesus und er wusste nun wirklich nicht mehr was er denken sollte. Denn wenn Gabe Harry kannte.. wieso hatte er nichts zu ihm gesagt? nachdem er ihm seinen Namen verraten, ihm seine Beschreibung gegeben und ihm das Foto von seiner Tochter gezeigt hatte? Spätestens in diesem Moment hätte er sich doch daran erinnern müssen wer Harry war und hätte Jesus aufklären können. Wieso tat er es nicht? Diese Gedanken lösten ein unangenehmes Gefühl in Jesus aus. Denn eigentlich war er anfangs davon überzeugt gewesen, dass Gabe hier nun nur eine Show abzog, um ihm zu helfen. Aber was wenn er sich irrte? Gerade wurde ihm immerhin durch Harry mit Bravour bewiesen, dass er eine grottenschlechte Menschenkenntnis hatte. Also was wenn er sich auch in Gabe getäuscht hatte? Wenn diese Verbundenheit die er zu ihm gefühlt hatte auch nur einseitig war und Gabe ihn in Wahrheit genauso verabscheute und verarschte wie Harry? Nein, er wollte diese Dinge nicht denken. Er wollte Gabe vertrauen, doch das war schwierig bei allem was er hörte. Denn er wirkte wahnsinnig überzeugend in seinen Worten. War es wirklich möglich, dass er Jesus tatsächlich ausliefern oder ein Exempel an ihm statuieren wollte, um Grimes und die anderen Cottage Bewohner einzuschüchtern? Weil er ein neues Sanctuary aufbauen wollte, nun wo sein Dad wieder frei war? Jesus Gedanken überschlugen sich gerade in alle Richtungen. Und er hatte das Gefühl er konnte sich im Moment nicht länger auf seinen Menschenverstand und sein Gefühl verlassen. Denn sein Gefühl sagte ihm, dass diese Zweifel unberechtigt waren. Das er Gabe vertrauen konnte. Allerdings hatte ihn sein Gefühl bei Harry auch getäuscht. Vielleicht war er ja aufgrund seiner Gutgläubigkeit wirklich nur ein leichtes Opfer und das machten sich die ehemaligen Saviors nun zu Nutze. Ob Gabe innerlich wohl tausende Tode gestorben war, als er Jesus flüchtig geküsst hatte? Nur damit sein Interesse glaubhafter wirkte? Er könnte noch stundenlang darüber grübeln, würde jedoch keine Antwort auf diese Frage finden. Also war es womöglich besser, dass er gar nicht so viel Zeit hatte, um weitere, klare Gedanken zu fassen. Da plötzlich alles ziemlich schnell ging.
Jesus schwieg während die beiden sich unterhielten, er hielt einfach nur still und blickte Gabe in die Augen. Der plötzlich so verändert wirkte. Nun bekam er einen Eindruck davon wie er sich als Savior verhalten hatte. Es war nun nicht so, dass es Jesus schockierte. Ihm war schon bewusst, dass er nicht nur der hübsche, süße junge Mann mit Mops-Boxershorts war.. sondern bei den Saviors auch andere Saiten aufziehen musste. Dennoch war es nicht schön diese so direkt vor die Augen geführt zu bekommen. Denn Jesus fand, dass ihm das ganz und gar nicht zu Gesicht stand.
Anders als Harry bemerkte Jesus jedoch, dass Gabe an seinen Rücken fasste und er wusste auch, was er dort aufbewahrte. Was wollte er mit diesem Messer machen? Wohl kaum Jesus die Kehle aufschlitzen, denn das könnte er mit dem Messer von Harry machen. Weshalb Jesus eine Vermutung hatte und mit den Lippen ein stummes ‚nicht‘ formte. Harry mochte vielleicht ein Savior sein, er mochte Jesus vorgeführt und ausgenutzt haben. Aber Jesus machte ihm nichts davon zum Vorwurf, denn er hatte einen verdammt guten Grund dafür. Doch Gabe schien seine Entscheidung bereits getroffen zu haben. Wohl auch weil es niemanden geben durfte der bezeugte, dass der Sohn des ehemaligen Saviors Anführer einen Cottage-Bewohner gerettet hatte. Das Jesus gerade Gabe begegnet war, war also wirklich großes Pech für ihn. Denn wie sich diese Begegnung entwickelt hätte wäre er nun nicht aufgetaucht, das würden sie nie herausfinden. Nun jedoch war das Ende dieser Begegnung besiegelt. Nämlich mit dem Tod des ehemaligen Saviors. Jesus schloss die Augen als er hörte wie Gabe ihm das Messer in die Rippen rammte und ihn nach hinten gegen den Baum drängte. Er wollte das nun nicht sehen.. denn auch wenn Harry nun eigentlich der Feind war, so empfand er dennoch Mitgefühl für ihn und keinen Hass. Weshalb es ihm weh tat welches Ende diese Begegnung nun nehmen musste. Doch nun konnte er wenigstens endlich seine Tochter wieder sehen und war mit ihr wiedervereint. Das war zumindest ein kleiner Trost. Denn so verbittert wie Harry war, wäre ihm ein Neustart niemals gelungen. Seine Gedanken hätten sich auf Ewig nur um Rache gedreht und das war am Ende kein besonders lebenswertes Leben. Also vielleicht war es besser so, denn nun konnte er endlich seine wohlverdiente Ruhe finden und würde seine Tochter hoffentlich wieder sehen.
Jesus hörte nur wie das Blut aus Harrys Brustkorb suppte und er anschließend zu Boden fiel wo er den Schnee unter ihm blutrot färbte. Erst langsam öffnete Jesus seine Augen wieder und blickte zu Gabe. Welcher ihn so.. wütend und vorwurfsvoll ansah. Kein Wunder, er hatte gerade einen seiner ehemaligen Leute getötet. Und zwar nur.. seinetwegen? In diesem Moment tat es ihm natürlich gleich wieder Leid, dass er an Gabes Aufrichtigkeit gezweifelt hatte. Aber war es ihm zu verdenken nach allem was er eben gehört hatte? Es tat ihm Leid, das Gabe diese Entscheidung treffen musste. Und das nur weil Jesus so unvernünftig und voreilig gewesen war. Er verstand also auch seinen Zorn. Nur das Jesus damit nun nicht umgehen konnte und ihn einfach nur mit sagenhaft traurigen puppy eyes ansah. wenn es ihm half dann sollte er Jesus anschreien, ihn beschimpfen oder schlagen. aber bitte erst… etwas später. Denn alles was Jesus jetzt brauchte war ein bisschen Nähe und Trost. Weshalb er wortlos mit wackeligen Beinen auf Gabe zuging und einfach nur die Arme um ihn schlang. Mit seinen Fingern krallte er sich förmlich an seine Lederjacke und vergrub das Gesicht in Gabes Schulter. Das er ein bisschen zitterte lag mit Sicherheit nur daran, dass es in diesem Moment schon wieder zu schneien begann. Als würde der Himmel mit Jesus weinen. Er schloss seine Augen, denn er konnte es nun einfach nicht ertragen den toten Körper von Harry zu sehen. Es gab Vieles worüber sie nun wohl reden mussten aber.. nicht jetzt. Jetzt brauchte Jesus einfach nur Gabriels Nähe.

@Arthur Winchester




Fall in love with someone who sees the wars within you and not only chooses to stay, but chooses to stand by your side and help you fight them.

nach oben springen

#40

RE: Dachterrasse

in Altenheim 17.02.2020 18:51
von Arthur Winchester (gelöscht)
avatar

Alle Teenager, hm? Gabe fühlte sich angesprochen, obwohl er längst keine 15 mehr war, sondern bereits Mitte zwanzig aber spielte das Alter dahingehend überhaupt eine Rolle, wollte nicht jeder, wenigstens von einer Person, auf diesem gottverdammten Planeten, gesehen und so akzeptiert werden, wie man ist? Trotz all der Ecken und Kanten, Macken, sowie Päckchen, die man zu tragen hatte? Natürlich würde Gabe es nicht zugeben, konnte er nicht, doch tief in ihm drin, hatte sich, zu früher, dahingehend nicht viel geändert, außer vielleicht die Tatsache, dass er inzwischen älter wurde und daher, weit weniger, darauf hoffte, dass sein Dad ihn in den Arm nahm, sowie nicht abschrecken ließ, wenn sein Sohn, mal wieder, vor Wut überkochte, sowie tobte, da er seinem Zorn, seinem Unmut, einfach ein Ventil geben musste. Er gehörte nun mal, leider, worauf er gewiss nicht Stolz war, zu der Sorte, die sehr schnell laut aber auch handgreiflich wurde, sobald er zornig war, sowie das richtige Ziel vor Augen hatte, allerdings besaß Gabe noch genug Kontrolle über sich, sodass er nie Hand an eine Frau oder ein Kind legen würde. Doch wenn ihm, in so einer Phase, jemand mit dem falschen Gesicht vor die Nase kam, ging er schon mal, wie ein kleiner, gemeingefährlicher, Wadenbeißer auf die Person los, aus heiterem Himmel. Nur das Gabe, deutlich mehr Schaden anrichten konnte, als ein Handtaschenwauwau von früher. Bei ihm sollte man eh Abstand wahren, wenn er auf 360 ist, denn dann reichte eine Berührung und er platzte regelrecht, seine Impulskontrolle war nur dann gut, wenn er nicht wütend ist, leider war es nicht schwer, Gabe so richtig abzufucken, aufgrund seines Temperamentes. Die meisten Leute in seinem Umfeld, waren aber genauso ein Pulverfass, wie er selbst, also blieben Reibereien einfach nicht aus, dabei hasste er es, ständig sauer zu sein, und empfand daher Jesus Gegenwart, der das totale Gegenteil ist, als sehr angenehm, sowie beruhigend mitunter.
"Das ist Alles? Really? ....dir selbst treu bleiben.."
Mehr hatte dessen Lehrmeister nie als Gegenleistung verlangt? Man konnte das ja nicht mal als Gegenleistung bezeichnen! Okay, wow, der Typ muss verfickt viel gutes Karma haben, wenn der, lange vor Jesus, schon so drauf war und diesen, quasi, damit angesteckt hat. Gruselig und beeindruckend, in gewisser Weise.
Na, da war Gabe ja genau an den Richtigen geraten, von dem er etwas mehr über die Kampfkunst erfahren oder besser gesagt erlernen wollte, denn Fernkämpfer oder nicht, es war Sport in erster Linie, womit Gabe immer zu ködern war, erst recht wenn er sich dabei bewegen konnte. Selbst wenn dies, nur eine von vielen, Facetten sein würde des Trainings aber mal schauen, wie gut Jesus darin war, Gabe zu motivieren, sollte er, sehr schnell, frustriert das Handtuch werfen und bockig abdampfen, weil es ihm schlichtweg zu unbequem wurde, womit dieser ihn, wohl sehr wahrscheinlich, mitunter konfrontieren wird.
Mitteilsam war der Holy Ninja ja sogar in Bezug auf die Whisperer, welche Gabe, leider, zu gut inzwischen kannte und mit manch einem sogar im Zoo schon gesprochen hatte oder diese beklaute.
"Nope, bin schon über sie gestolpert, ich lebe im Wald, für mich war das Flüstern so laut, wie du gerade normal mit mir redest. Die allererste Begegnung hat Spuren hinterlassen, ich bin sehr weitsichtig, auf kurze Distanz sehe ich ohne Brille nur schlecht oder brauche länger, um mich zu fokussieren. Hab einen Untoten in der Ferne gesehen, der untypisch reagiert hatte als ich den Pfeil im Anschlag hatte und auf seinen Kopf gerichtet, in der Zwischenzeit schlich sich einer ran, ...naja, sich an einen Dieb ran zu schleichen, ist deutlich schwerer, als an normale Leute, wie du selbst wohl weißt. Hab ihn rechtzeitig bemerkt."
Er zuckte die Schultern, da er allein war, hatte er niemanden verloren an diese Gestalten, allerdings hatte er zu dem Zeitpunkt wirklich an seinem Verstand gezweifelt, damals hatte er HootHoot auch noch nicht, weshalb flüsternde Beißer durchaus als Hirngespinst abgehakt werden konnten aber spätestens, als er den Untoten untersucht hatte, stellte sich raus, er ist nicht verrückt und musste sich stattdessen auf eine neue Gefahr, unter den Beißern befindlich, einstellen.
Unversehrt war er dennoch nicht davon gekommen, er hatte eine schmale Narbe davon getragen, nur war die nicht ersichtlich, solange er seine Shorts trug und so freizügig er auch war, so ließe er gewiss nicht alle Hüllen fallen, nur um jemandem eines seiner Andenken, von einem Kampf, zu zeigen.
Außerdem konfrontierte er wohl kaum einen Feind mit herunter gelassener Hose! Wobei Gabe nicht ersichtlich machte, war für ihn Jesus der Feind oder Harry, den er sehr wohl kannte. Jedoch keinerlei Anlass sah, Jesus darüber zu informieren, das war nicht einmal böswillige Absicht, sondern hatte viel mehr mit seiner Aufgabe als Späher zu tun. Gabe stellte ungern Vermutungen an, er brauchte Fakten und wenn er sich nicht zu 100 % sicher ist, schwieg er lieber, anstatt sich am Ende komplett zu irren, immerhin gab es viele Leute mit Tattoos, mit dem Namen Harry, die ein Kind verloren haben in dieser Welt. Selbst als Jesus ihm das Medaillon gezeigt hatte, mit dem Bild des Mädchens, hatte Gabe tatsächlich noch Zweifel, man hätte es schließlich, wie er selbst, stehlen und sich eine Geschichte drum herum ausdenken können. Er dachte einfach viel hinterhältiger als Jesus ganz offensichtlich, denn der handelte wie ein blutiger, dummer Anfänger!
Doch spätestens beim Klang der Stimme, hatte Gabe das letzte Puzzleteil parat, um das Bild in seinem Kopf zu vervollständigen. Er kannte Harry und er entschied sich dafür, diesen zu konfrontieren, in guter alter Savior-Manier, die seinem Dad nicht unähnlich war, aber es lag ihm wohl schlichtweg im Blut. Wusste man, wer sein Dad ist und sah ihn, wie Jesus jetzt, mehr den Savior heraushängen lassend, war es unverkennbar mit wem Gabe tatsächlich verwandt ist. Allen voran, weil er das Talent hatte, die Leute zu zuquatschen, sie abzulenken, um so, Stück für Stück, nah genug an sie heranzukommen, während er lächelte, grinste, gar freundlich, vertrauensvoll klang, bis zu dem Punkt, wo er das Messer zückte und zu stach. Eiskalt, ohne mit der Wimper zu zucken, Jesus stumme Bitte war ihm nicht entgangen, doch er konnte sie aus mehreren Gründen nicht erfüllen, ob er das verstand oder nicht .... es spielte keine Rolle.
Gabe handelte wie er handeln muss in diesem Fall, nicht nur, damit Jesus am Leben blieb, sondern weil er eine Rechnung zu begleichen hatte, mit einem Verräter, einer feigen Ratte, denn aus seiner Sicht, war Verrat das Schlimmste, was man tun konnte, obschon es ironisch ist, weil er seine Geheimnisse wahrte. Doch so lang kannten er und Jesus sich nicht, er mochte ihn wohl oder übel zu gern bereits, doch Gabe war ein Bluthund, ein Späher, der nicht nur Wildtiere jagte für Felle oder Fleisch, er hatte auch Ausreißer oder Verräter gejagt früher. Es lag doch auf der Hand, dass Gabe, bei den Saviors, vieles lernte und ihm auch viel abverlangt wurde, unabhängig davon, ob er das wollte oder gern tat, es spielte keine Rolle.
Jeder muss seinen Beitrag leisten.
Was er auch jetzt tat, indem er seine Klinge zwischen Harrys Rippen stieß, sowie ihn gegen den Baum drückte, damit der Abstand zu Jesus größer wurde, er aus der Schusslinie war, denn letztendlich tat Gabe das nur, seinetwegen, um ihm zu helfen, wenngleich auch auf eine extreme Art und Weise, die der Holy Ninja wohl nicht guthieß. Aber darin lag der Unterschied, Gabe war darauf 'abgerichtet' zu töten, allen voran den Feind und niemand, wirklich niemand, durfte wissen, dass der Sohn von Negan, jemandem half, der Grimes dabei unterstützt hatte, Gabes 'Zuhause' zu zerschießen und in den Krieg gegen die Saviors zog. Am allerwenigsten durfte sein Dad davon erfahren, der es wohl lieber sehen würde, wenn Gabe den Holy Ninja auslieferte, anstatt ihm zu helfen.
Ihm kroch ein leises Knurren die Kehle hinauf, er rümpfte die Nase und starrte Harry förmlich in die Augen, nachdem er das Messer herauszog, sowie der Blutung freien Lauf gab, was diesen blasser, schwächer werden ließ, obschon er noch versuchte, mit einer Hand, auf die Wunde zu drücken aber es half nichts. Schon gar nicht, da Gabe, den Unterarm fester, gegen dessen Kehle drückte, bis dieser leise röcheln musste beim Atmen.
Schließlich drehte Gabe das Messer in seiner blutigen Hand, umfasste den Griff fester und rammte es Harry in den Kopf, er konnte ein Arschloch sein aber er war kein Sadist, ihm machte das hier keinen Spaß, ebenso wenig hatte er Lust darauf, von Harry ins Bein gebissen zu werden, wenn er zurückkam, daher kam er dem zuvor. Er ließ den Arm sinken, folgte mit den Augen, wie dessen Körper leblos am Baumstamm hinab rutschte, ehe er zur Seite kippte und sich der Schnee, rot vom Blut, verfärbte. Die Zähne fest aufeinander gepresst, spannte sein Kiefer sich an, er fing an zu knirschen und hob die Hand, aus einem Reflex heraus, um sich die Stirn zu reiben, dabei war sein Haar gar nicht lang genug, um störend in sein Gesicht zu fallen, zu allem Überfluss verteilte er auch noch das warme Blut an dieser, ohne es wirklich zu merken.
"Du ... du ...verdammter Id-!"
Idiot, wollte er Jesus schimpfen, als er sich schnaubend, gänzlich herumdrehte zu diesem, nur um direkt in diese traurigen Puppy Eyes zu blicken, die wirklich entwaffnend waren und Gabe zunächst irritierten, sowie den Wind aus den Segeln nahmen. Er konnte, nein, sollte, ihn nicht so ansehen verdammt! Wie sollte er so bitte sauer auf ihn sein? Wobei sein Unmut ja nur bedingt gegen Jesus gerichtet war, er handelte unüberlegt, emotional, total normal halt, wie wohl die meisten Leute und Harry bedeutete Gabe wiederum nichts, er hatte vielleicht ein paar mal Schach, im Außenposten, gespielt, dessen Tochter Stofftiere gebracht oder was zum Spielen, doch Harry selbst war ihm nie all zu sympathisch. Vielleicht lag es aber auch daran, dass dieser zwar ein guter Vater war, jedoch der einzigen Freundin, die Gabe als solche zumindest bezeichnete damals, etwas zu sehr auf die Pelle gerückt war, sodass er Harry windelweich geprügelt hatte, kaum das Grace es ihm erzählt hatte.
Gabe war öfter in den Außenposten unterwegs als sein Dad, schaute demnach auch mal nach dem Rechten, er war halt nicht nur Dieb oder Späher, wen er mochte, dem half er, er hörte sich auch an, was die Leute brauchten, spielte schon mal den Boten, wenn es sich ergab oder griff etwas härter durch, falls jemand den Bogen überspannte.
Demnach war es Gabe scheiß egal, dass er Harry gerade getötet hatte, was ihn sauer machte war, dass auch alle anderen Optionen, die ihm gekommen waren, letztendlich so geendet wären. Er hatte von Anfang an nicht vor Harry lebend gehen zu lassen, unabhängig davon, wen er bedrohte in diesem Augenblick.
Im Grunde war er kein Stück besser als früher, als Harry oder die anderen Arschlöcher unter den Saviors.
Sein Blick fiel hinab zu seiner Hand, wo das Blut, nebst dem Messer, auch an seiner Haut klebte, sowie aufgrund der Kälte, ziemlich schnell abkühlte, gar gefror aber dieses fiel ihm vor Schreck fast aus der Hand, weil er einen Moment lang nicht auf Jesus geachtet hatte, der urplötzlich demnach, vor ihm stand und die Arme um ihn schlang. Im ersten Moment erstarrte Gabe förmlich, hielt den Atem an, festigte den Griff um sein Messer, da sein Verstand automatisch auf einen hinterhältigen Angriff eingestellt war, so wie er es gerade bei Harry getan hatte. Doch der Messerstich blieb aus, stattdessen spürte Gabe lediglich das Zittern, nicht von ihm selbst, sondern Jesus, der sich förmlich in seine Lederjacke hinein krallte und sein Gesicht an der Schulter, des Saviors, vergrub. Zögerlich hob Gabe seine Hand, die nicht voller Blut war oder das Messer hielt, er war tatsächlich ein bisschen überfordert oder viel mehr unsicher, sollte er was machen? Lieber still halten?
Schließlich presste er die Lippen aufeinander, versuchte seine rotierenden Gedanken, die zig tödliche Szenarien, ausarbeiteten, etwas in den Hintergrund rücken, er versuchte sich das ins Gedächtnis zu rufen, was Jesus gestern getan hatte. Ihn nämlich einfach getröstet, weswegen Gabe schließlich die Hand auf Jesus Kopf legte, gleichzeitig ließ er sein Messer in den Schnee fallen, hob den Arm und schlang ihn um den Holy Ninja, nur um ihn etwas fester an sich zu drücken, während er ihm behutsam über die Mütze strich. Seine eigene Anspannung wich, nachdem er sich sicher war, dass Jesus ihm kein Messer in den Rücken rammen wird.
Nur sein Blick wanderte nach Oben, gen Himmel, als die erste Schneeflocke auf seine Nasenspitze fiel, sowie rasch dahin schmolz. Gabe war ehrlich gesagt nicht sicher, was er tun oder sagen sollte, schließlich ist er kein herzloser Bastard, obschon Harry ihm am Arsch vorbeiging, so tat es ihm leid, für Paul, wie sich das hier entwickelt hatte und das man ihn so an der Nase herumführte, das hatte er schlichtweg nicht verdient. Vielleicht sollte er sich darüber weniger den Kopf zerbrechen, seinen Verstand pausieren und stattdessen sein Herz übernehmen lassen? Das zerbarst ihm förmlich in der Brust, denn anders als sein verkorkster Verstand, schien es genau zu wissen, was zu tun war und erinnerte sich daran, was Gabe früher tat, bei seiner Mom, bei Roxy, wenn diese traurig waren. Dann teilte er sein größtes Geheimnis, seine Leidenschaft mit ihnen.
"There's no time for us. ..There's no place for us. ...What is this thing that builds our dreams, yet slips away from us?"
Begann er leise, flüsternd viel mehr, zaghaft singend und rief sich eines der Lieder ins Gedächtnis, was er von klein auf liebte von Queen. "Who wants to live forever? ...Who wants to live forever?" Er holte kurz Luft. "..There's no chance for us. ..It's all decided for us. ..This world has only one sweet moment set aside for us...." Schade das er keine Geige, ein Klavier oder eine Gitarre zur Hand hatte, wobei fraglich war, ob er spielen würde, wenn die Alternative war, Paul im Arm halten zu können, bei dessen Nähe ihm, schon wieder, wärmer wurde, zu dem er hinab sah letztendlich. "Who wants to live forever? ..Who wants to live forever? ..Who dares to love forever ..When love must die?.." Seine Stimme wurde kräftiger, kratziger mitunter, wenn er eine tiefere Tonlage erreichte, Gabe hatte als Kind schon, wenn er allein war, Freddie Mercury oder Elton John nachgeeifert. Vielleicht hätte aus ihm wirklich ein berühmter Sänger werden können, das Talent hatte er und er konnte sich so, viel besser, ausdrücken. Seine Stimme war sehr vielseitig, er kam sogar richtig hoch und ebenso tief, wenn er wollte, obwohl er nie Unterricht genommen hatte, nicht mal Noten lesen konnte. Er sang und musizierte nach dem Gehör, mehr noch nach Gefühl. "But touch my tears with your lips, ...Touch my world with your fingertips..." Er lehnte sich etwas zurück, hob beide Hände und legte sie an Pauls Wangen, nahm sein Gesicht in die Hand, sodass er seinen Kopf ein Stück anheben konnte, damit er ihn direkt ansah. "...And we can have forever, ...And we can love forever. ...Forever is our today!" Mit den Daumen strich er diesem über die Wangen und sah in diese blauen, traurigen Puppy Eyes, was ihm wirklich das Herz brach und er eigentlich was Fröhliches singen sollte? Wenn er schon mal den Mut fasste, es zu tun, vor jemandem außer HootHoot? In der Tat war Gabe melancholischer als man dachte, so gern er auch lachte, Witze riss, seine Welt bot nicht viel Schönes oder Fröhliches und er mochte, immer schon, die gefühlvolleren Stücke. "Who wants to live forever? ..Who wants to live forever? ..Forever is our today." Er senkte den Kopf ein Stück, nein, er hatte nicht vor ihn zu küssen, eher würde er gegen einen Baum rennen, vor Panik, allerdings lehnte er seine Stirn an die von Paul, wobei ihm der letzte Teil des Liedes, wieder nur flüsternd über die Lippen kam. "..Who waits forever anyway?"



@Jesus


nach oben springen


Forum Statistiken
Das Forum hat 2282 Themen und 123408 Beiträge.

Heute waren 91 Mitglieder Online:
Aaron Marquand, Adam Frost, Adelaide Carlisle, Aerik Kristjanson, Agron Leonidas, Alexander Watson, Alexiane Grimaldi, Alicia Clark, Andrina Rostowa, Anna Avery, Auron Montanari, Bellamy Carey, Beth Greene, Brian Daniels, Brianna Williams, Carl Grimes, Chloé Deneuve, Cole Montanari, Curt Davies, Damon Pierce, Daryl Dixon, Devlin OConnor, Diego Torres, Duo Maxwell, Elijah Magoro, Elisa Harington, Ella Harris, Glenn Rhee, Gracie Marquand, Harley Ann Hawk, Ian Underwood, Iljuscha J. Iwanow, Isabell White, Ivar O Bryan, Ivy Sullivan, Jack Daniels, Jamie Adams, Jasmine Fraser, Jason Avery, Jennica Magoro, Jordan Carter, Judith Grimes, Juna Armstrong, Juri Valentin, Kaidan Reynolds, Kaspar Harding, Kasumi Kuran, Katherina Romanowa, Kenshin Sota Himura, Killian Pierce, Kimberley McKenzie, Levi Rosenthal, Lexie Murdock, Liam Beaufort, Linnea Driscoll, Logan McCallister, Lorelei Kennedy, Lyanna Lockhart, Maggie Greene-Rhee, Mason McKenzie, Matt Watson, Merle Dixon, Mira Hawk, Natalja Iwanow, Negan Iwanow, Nezumi Sojiro Yukishiro, Nico Vazquez, Nishiki Zhang, Njola Tjara Dahl, Raven Merino, Raymond Richardson, Rick Grimes, Riley Murphy, Rosita Espinosa, Samuel Murdock, Sarah Amara Johnsen, Seth Stewart, Seven, Shinya Nakamura, Sophia Peletier, Talinda Ann Marshall, Tamara Raisa Iwanow, Tegan Malebranche, Thomas Marshall, Tori Linnaeus, Tsukino Kinoyaichi, Vidar Hellström, Yannik Shadow O Sullivan, Yuki Kuran, Zoé Cornet, Zyan Murdock

Besucherrekord: 192 Benutzer (10.07.2021 03:55).

disconnected Survive Talk Mitglieder Online 21
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen