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Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

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HOT HOT SUMMER ... endlich strahlt sie Sonne und wärmt unsere abgekühlten Körper. Die Damen haben gebräunte Haut und die Herren, lassen sich ein kühles Bier schmecken. Sonne satt und so langsam kommen wir echt ins schwitzen. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 34 Grad. Packt die Sonnencreme ein, verbrannte Haut kann sehr schmerzhaft sein.

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☀ Der Sommer ist da und wird sehr sehr heiß. Dürre und starke Gewitter sind keine Seltenheit ☀

#41

RE: Dachterrasse

in Altenheim 17.02.2020 22:08
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Als Teenager war es noch leichter die Weichen für eine gute Entwicklung zu stellen, je älter man wurde, desto schwieriger war das. Was jedoch nicht hieß, dass die Wünsche oder Bedürfnisse sich änderten. Jesus hatte das Glück gehabt, dass er sehr früh jemanden gefunden hatte, der ihn gesehen und geformt hatte und das obwohl er ohne Eltern aufgewachsen war. Gabe hingegen hatte seine Eltern gehabt, nur wurde seine Mutter ihm viel zu früh genommen und sein Vater hatte selbst eine Entwicklung durchgemacht, die nicht gut für ein Kind war. Er war vielleicht nicht der schlechteste Vater gewesen aber er hatte Unglück über seine Familie gebracht durch seine Untreue. Und anschließend war niemand mehr da gewesen, der Gabe Sicherheit und Vertrauen gab, ihn so akzeptierte wie er war. Vielleicht seine beste Freundin aber von ihr wandte er sich ab, aufgrund seines Vaters. Jesus fand es furchtbar das Gabe seinem Vater gegenüber so loyal war, obwohl dieser seine Familie doch eigentlich im Stich gelassen hatte damals. Denn wären sie ihm wirklich so wichtig gewesen, dann hätte er um seine Frau und sein Kind gekämpft statt sich einfach irgendwo anders zu vergnügen. Also kein Wunder das Gabe Probleme damit hatte zu vertrauen oder daran glaubte, dass es auch anders laufen konnte wenn man jemanden gern hatte. Und auch kein Wunder, dass er niemanden an sich heran ließ, aus Angst ihm könnte dasselbe widerfahren wie seiner Mutter. Oder das er so werden würde wie sein Vater. Welche Angst in diesem Szenario überwog hatte Gabe noch nicht herausgefunden. Hatte er Angst davor betrogen zu werden oder selbst zu betrügen? In welcher Hinsicht auch immer.
„Ja, das war alles. Vielleicht versuche ich auch gerade deshalb mich so sehr danach zu richten“
Denn hätte er ihm später einfach das Geld zurück gezahlt, das er immerhin besessen hatte, dann hätte er sein Gewissen auch ‚frei‘ kaufen können. Sein Lehrmeister wollte sein Geld jedoch nicht, weshalb dieser Schwur viel verbindlicher war, da es daraus keinen Ausweg durch Geld gab. Und sollte es ihm gelingen auch zu Gabe durchzudringen, dann würde er auch von diesem niemals etwas anderes verlangen.
Aber es war wohl ein fortlaufender Kreislauf. Sein Lehrmeister hatte damals ein ähnliches Schicksal und hatte sich deshalb Jesus angenommen. Doch genau so sollte es laufen oder? jemand tat einem anderen etwas Gutes und dieser gab es später an wiederum jemand anderen weiter. Würden alle Menschen sich so verhalten, dann sähe die Welt heute womöglich anders aus.
„Dann kannst du wirklich von Glück reden. Uns fiel das untypische Verhalten der Beißer zwar auch auf, auf so eine Idee.. wären wir jedoch niemals gekommen“
Jesus war gar nicht fähig sich so etwas auszumalen oder vorzustellen. Das jemand Masken formte, aus der Haut der Toten. das war einfach abartig und völlig verwerflich. Er selbst hatte sich zwar auch schon mit deren Blut beschmieren müssen, um im Eifer des Gefechts zu überleben. aber gezielt einen Beißer zu häuten um anschließend unter ihnen zu leben? das war wirklich etwas zu viel, selbst für seine wirklich weltoffene und verständnisvolle Vorstellung.
Genau wie auch die folgenden Ereignisse mit Gabe und Harry. Natürlich sah man nun sehr deutlich von wem Gabe abstammte, das hieß für Jesus aber noch lange nicht, dass das sein wahrer Charakter war. Auch wenn es wirklich überzeugend wirkte und man ihm seine Worte zu 100% abnahm, so weigerte Jesus sich dennoch tief in seinem Inneren sie zu glauben. Denn anders als Harry wahrscheinlich, hatte Jesus eine andere Seite an Gabe kennen gelernt, eine Seite die er bei den Saviors wohl kaum gezeigt hatte. Eine Seite die sehr viel einfühlsamer und gefühlvoller war als alles was er nun zeigte. Das hier wirkte wie antrainiert, wie diese Fassade von der er sprach, um alle zu täuschen und auf Abstand zu halten. Und er hatte sie wirklich perfektioniert, das musste man ihm lassen. Dennoch bekam Jesus nicht den Eindruck als würde es ihm wirklich Spaß machen. Der einzige Zweifel der gerade in ihm hoch kochte war eher die Frage danach, ob denn diese einfühlsame Seite, die Gabe ihm gezeigt hatte sein wahres Ich war oder ob diese das wahre Schauspiel gewesen war. Ob er ihn auch nur an der Nase herum geführt hatte, um Jesus Vertrauen zu gewinnen. Aber am Ende entschied er sich gegen diese Zweifel, egal was auch passiert war. Denn Gabe hätte ihn im Schlaf oder zu anderen Gelegenheiten längst töten können. Oder ihn auch einfach nur k.o. schlagen und zu seinem Dad bringen können. Jesus hatte ihm ausreichend Möglichkeiten dazu gegeben, als er seine Deckung in seiner Nähe hatte fallen lassen. Weshalb also dieser Aufwand? Es war nicht logisch. Harrys Erklärung hingegen schon. So traurig sie auch war, sie war nachvollziehbar. Das Verhalten von Gabe jedoch nicht. Weshalb Jesus einfach an dem letzten Funken Hoffnung fest halten musste, den er in diesem Augenblick noch empfand und daran glauben musste, dass Gabe ihn nicht so verarscht hatte wie Harry, sondern er wirklich einen Blick auf sein wahres Ich erhaschen durfte, damals auf der Dachterrasse. Schon seltsam. Im Moment kam ihm diese Erinnerung so weit entfernt vor, obwohl all das doch erst gestern Nacht stattgefunden hatte. Schon seltsam welche Streiche einem das Gehirn spielte wenn man sich in einer Ausnahmesituation befand.
Erst als Gabe dem Leben von Harry ein Ende bereitet hatte, sah dieser wieder auf. Er hörte Gabes Unmut und es war berechtigt wenn er ihn nun einen Idioten nennen wollte. Denn das war er in diesem Moment gewesen. Ein gutgläubiger Idiot der einen Fehler gemacht hatte. Mehrere sogar bei genauerer Betrachtung.
Was sich nun jedoch nicht wie ein Fehler anfühlte, war es Gabe einfach zu umarmen. Auch wenn es keine Umarmung war um den ehemaligen Savior zu trösten, sondern weil Jesus diese dringend selbst brauchte. Er nahm auch in Kauf sollte Gabe versuchen ihn von sich zu stoßen oder ihn zu schlagen weil er so wütend auf ihn war. Das wäre in Ordnung. Aber wenn er ihn vorher wenigstens kurz in die Arme nahm, dann könnte Jesus das besser ertragen.
Welchem gar nicht in den Sinn kam, dass er Gabe nun angreifen könnte. Ja, die kleine Chance bestand immer noch, dass Gabriel ihm etwas vorgespielt hatte und ihn in Wahrheit nur an die Saviors ausliefern wollte. Das er Harry nur getötet hatte weil er ein Verräter war oder weil er ihm seine Beute wegschnappen wollte. Dieses Risiko bestand weiterhin. Nur sollte Jesus ein weiteres Mal auf so eine Masche reinfallen, dann hatte er es wohl nicht anders verdient und dann sollte es sein Schicksal sein.
Es fühlte sich wie eine kleine Ewigkeit für Jesus an, bis Gabe sich endlich dazu durchringen konnte ihn ebenfalls zu umarmen. Was ihm nun wohl durch den Kopf gegangen war? Vielleicht war es besser wenn Jesus es nicht wusste. Denn am Ende zählte nur eines, nämlich das Gabe sich dazu entschied ihn fest zu halten, ihm Sicherheit, Wärme und Trost zu spenden. Jesus scheute sich nicht davor nun Schwäche zu zeigen. Für ihn war das nichts wofür man sich schämen musste, weshalb Gabe auch diese Seite von Jesus sehen durfte. Wenn er nicht der erleuchtete holy Ninja war, der auf alles eine tiefgründige Antwort parat hatte. Sondern einfach mal nur ein Mensch war der selbst nicht weiter wusste in diesem Augenblick. Oder wusste was er denken oder fühlen sollte. Gabes Umarmung spendete ihm jedoch wieder etwas Zuversicht, selbst wenn die Situation dennoch schrecklich war und Jesus noch lange an seinem Fehler damals auf der Brücke leiden würde, für einen kurzen Moment schien die Welt trotz allem nicht mehr ganz so grausam zu sein wie noch vor wenigen Augenblicken. War Gabe sich überhaupt dessen bewusst was er in Jesus auslöste? das es ihm mit einer schlichten, liebevollen Geste wie dieser gelang seine Welt wieder etwas zu erhellen? Wahrscheinlich nicht. Aber das tat er.
Vor allem als er seine schöne und beruhigende Stimme zu hören bekam. Das es Gabe leichter fiel Gefühle durch Lieder auszudrücken hatte er bereits bemerkt. Doch war Jesus bisher nicht klar gewesen wie sehr seine Stimme eigentlich sein Herz berührte. Selbst wenn der Text wirklich traurig wirkte. Eher wie ein Abschied statt einem Blick in eine bessere Zukunft. War Gabe etwas gerade bewusst geworden, dass diese Freundschaft mit ihnen einfach keine Zukunft hatte? das es einfach unmöglich war aufgrund ihrer beider Vorgeschichte? Der Tatsache aus welchen Kolonien sie stammten? Denn genau danach klang es gerade. Weshalb Gabes Stimme Jesus Herz nicht nur berührte, sondern es auch wie ein Messerstich treffen konnte. Denn das was er hörte tat einfach nur weh. Gerade eben hatte er jemanden verloren, der ihm viel bedeutet hatte. Und nun sollte er auch noch Gabe verlieren? Den er zwar noch nicht lange kannte, das für Jesus jedoch keine Rolle spielte. Denn wenn eine Verbindung da war, dann war es egal ob man sich 10 Jahre oder 2 Tage kannte. Manchmal da spürte man einfach wenn die Chemie stimmte, denn das entschied sich meist nach wenigen Minuten. Und bei Gabe hatte er genau dieses Gefühl gehabt, weshalb dieses Lied ihn wahnsinnig traurig stimmte. Er löste sich auch nur etwas widerwillig von Gabes Schulter, als dieser sein Gesicht in dessen Hände nahm, um ihm in die Augen sehen zu können. Vielleicht auch weil Gabe nicht sehen sollte wie sehr er Jesus mit seinem Gesang berührte. Denn wenn er dachte Jesus Blick von vorhin war bereits traurig, so hatte er ihn in diesem Moment noch nicht angesehen. Und spätestens als die Textzeilen sich änderten, von einem sehr hoffnungslosen, hin zu einem fast hoffnungsvollem Lied, da wiesen Jesus Augen sogleich gar einen feuchten Glanz auf. Wenngleich sein Blick plötzlich nicht mehr so traurig und verzweifelt wirkte sondern es Hoffnung war, die dieses Schimmern in seinen Augen verursachte. Dieser kleine Schimmer der ihm sagte, dass vielleicht doch noch nicht alles verloren war? Das ihr gemeinsamer Weg doch noch nicht hier und heute endete?
Natürlich durfte Jesus diese Zeilen nicht zu hundert Prozent wortwörtlich interpretieren, das wusste er. Schlussendlich waren es nur Lieder, Lieder die nicht für sie beide verfasst wurden aber dennoch äußerst zutreffend waren in gewissen Situationen. So wie auch in diesem Moment. Denn für einen Augenblick schloss Jesus die Augen, als Gabe dessen Stirn an die seine lehnte und versuchte tief durchzuatmen, ehe er ganz leise flüsterte
„Forever starts today…“
Nicht der heutige Tag sollte ihre Ewigkeit sein… doch ihre gemeinsame Ewigkeit startete heute. das klang vielleicht wahnsinnig kitschig. Doch Jesus hatte wirklich das Gefühl, das dieses Erlebnis, egal wie schrecklich es auch gewesen sein mag, sie sehr viel näher zusammen brachte. Eine Verbindung geschaffen hatte, die Bestand haben könnte, selbst in einer Welt wie dieser. Dieser Gedanke gab Jesus Hoffnung, weshalb nun auch er seine Hände langsam wieder lockerte und von Gabes Rücken hinauf wandern ließ zu dessen Wangen. Denn diesmal war er es, der ein wenig Abstand zwischen sie brachte, um Gabe direkt in seine schönen Augen blicken zu können. Er neigte den Kopf ganz leicht zur Seite, nur um sich langsam seinen weichen Lippen zu nähern. Schloss sogar die Augen und fühlte bereits Gabes Atem an seinen kühlen Lippen, doch nur wenige Millimeter bevor sie sich berührten öffnete Jesus seine Augen zur Hälfte und flüsterte dagegen
„du… findest mich nicht abstoßend oder….?“
Und da war er wieder, dieser traurige Puppy Blick und doch vermischt mit dieser Sehnsucht die gerade in seinen halb geöffneten Augen lag. Er wollte es bei Seite schieben, seinen Verstand außer Acht lassen und einfach seinen Gefühlen folgen. Aber.. er konnte es nicht vollständig. Denn trotz allem hallten Harrys Worte in seinem Kopf wider. Immer und immer wieder. Sie hatten sich niemals geküsst. Doch Jesus fände es furchtbar nun Gabe zu küssen, wenn der in Wahrheit vielleicht auch angewidert von ihm war… nur weil Jesus erneut nicht erkannte, dass er seine Signale völlig falsch deutete.

@Arthur Winchester




I always found it hard getting close to anyone - neighbors, friends.... boyfriends


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#42

RE: Dachterrasse

in Altenheim 18.02.2020 18:08
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Das hieß wohl, wenn Jesus, bei Gabe, noch etwas gerade rücken wollte, hatte er wohl mehr Arbeit vor sich, als dessen Lehrmeister bei ihm, als er noch jung war und das Rad noch nicht erfunden. Allerdings schien der Holy Ninja, ähnlich wie der Robin Hood, nicht so schnell das Handtuch zu werfen, sobald er sich was in den Kopf gesetzt hatte, das konnte ja noch was werden für Gabe, der wohl noch nicht wirklich ahnte, was er sich da angetan hatte! Wobei er sich sicher war, Jesus würde irgendwann aufgeben, tat doch jeder bei Gabe, nur müsste er sich bei ihm, womöglich, ins Zeug legen, um ihn wieder loszuwerden, wenn er tatsächlich drohte, zu tief zu bohren. Für ihn war es zudem nichts Neues, dass am Ende, jeder, ihn verließ, ganz gleich auf welche Art und Weise. Sei es seine Mum, durch ihren Tod, sein Dad, der sich lieber irgendwelchen Flittchen widmete, Roxy, die nicht mit ansehen wollte, was aus ihrem besten Freund, ihrem Brother from another Mother, wurde und er ließ sich sogar selbst im Stich. Warum sollte es bei Jesus anders sein? Zumal er es, aus seiner verqueren Sicht, eh nicht verdient hatte, dass jemand sich seiner annimmt, er war schwierig, launisch, zu Dingen fähig, die er sich, wäre alles wie früher geblieben, nicht mal hätte vorstellen können und inzwischen gingen sie ihm von der Hand, wie das Atmen. War doch klar, dass er irgendwo auch die Sorge, die Angst hatte, wie sein Dad zu werden, schon ironisch, als kleiner Stift, hatte er ihm nachgeeifert, wollte so cool und witzig sein, wie sein Vater. Und heute? Wenn er in den Spiegel blickte, sah er die grünen Augen seiner Mum und die markanten Gesichtszüge seines Dads, nur irgendwie nichts mehr von sich selbst, sofern es jemals da gewesen ist.
Es war doch zum verrückt werden.
Sollte man auch meinen, wegen der Freaks, die sich die Haut, der Untoten, überstreiften und dann unter ihnen wandelten, rein strategisch betrachtet, fand Gabe diese Taktik äußerst beeindruckend, außerdem versaute man sich so, weit weniger, die Klamotten aber aus moralischer, ethischer Sicht, fand er das Ganze fragwürdig.
"Naja, es ist nicht gerade unauffällig, wenn ein wankender Beißer, plötzlich einen koordinierten Schritt zur Seite macht, kaum das ich auf seinen Kopf ziele und als Fernkämpfer, liegt meine Stärke nun mal in der Distanz, zwischen mir und meinem Ziel. Was habt ihr denn gedacht, was es mit denen auf sich hat? Dass die fucking Leichen, ernsthaft anfangen zu flüstern und sich ... weiter entwickelt haben? Ich dachte lediglich, ich verliere gänzlich den Verstand."
Dabei zuckte er gleichgültig mit den Schultern.
Erschien ihm einfach logischer, als daran zu glauben oder sich vorzustellen, dass die Toten sich veränderten, außer noch weiter zu verrotten, versteht sich. Da war es doch wahrscheinlicher, dass man selbst einfach völlig verrückt wurde, er wäre wohl nicht der Erste und erst recht nicht der Letzte.
Selbst jetzt zweifelte er ein bisschen an seinem Verstand, er tötete einen Savior, einen Verräter zwar, eine feige Ratte, die er nie hatte, leiden können aber er tat es, um jemanden zu retten, jemand, der ganz offen ihr Feind gewesen ist! Ja, Gabe musste eindeutig den Verstand verloren haben oder es war eiskalte Berechnung, trotz allem, war es bei ihm nicht leicht zu sagen, immerhin war er darin geübt sich zu verstellen, eine Maske aufzusetzen, sich einzufügen, anzupassen aber dabei alles geheim zu halten, was vielleicht seiner wahren Natur entsprach. Obschon er Jesus nichts Böses unterstellen wollte, seine ersten Gedanken, drehten sich dennoch um einen möglichen Angriff, einen heimtückischen Anschlag, sowie Gabe ihn durchgezogen hatte. Er vertraute den Leuten nicht, schon seit er klein war, er lernte es nun mal nicht oder wurde viel mehr, negativ, durch die Untreue seines Dads, geprägt. Denn egal wie freundlich Jesus war, wie hübsch anzusehen, wie lustig und charmant, Gabe blieb sich gewahr, dass der Holy Ninja, unter gewissen Umständen, eine ernsthafte Bedrohung für ihn darstellen konnte. So wie jeder Andere auch. Wenn er sich umsah, entdeckte er sehr schnell Verrat, Untreue, das Schlechte in den Menschen, weil es am Ende stets überwog und viele sich, heute, nicht mal mehr die Mühe machten, diese Seiten zu verbergen.
Wie soll man, denn an das Gute glauben, wenn das Schlechte meist überwog? Selbst jetzt, der Schnee, der das Land, in eine weiße Decke hüllte, wenngleich Gabe es hasste, mutete so friedlich, gar schön an, und trotzdem färbte das Blut, eines Mannes, den Gabe kannte, bewusst tötete, das glitzernde Weiß in ein kräftiges Rot.
Das Absurde daran war jedoch, dass trotz des Blutes an seiner Hand, an seiner Messerklinge, Jesus nicht davor scheute, ausgerechnet bei ihm, so etwas wie Geborgenheit und Schutz, zu suchen, obwohl Gabe, ohne zu zögern, den Mann getötet hatte, den Jesus, über Monate hinweg, zu mögen begonnen hatte.
Er brauchte zwar einen Moment, Bedenkzeit könnte man vielleicht annehmen, bis er dem langhaarigen Holy Ninja, die Umarmung zuteilwerden ließ, welche dieser bitter nötig hatte und Gabe konnte sie ihm, beim besten Willen, eh nicht wirklich verwehren. Nicht nur, weil Jesus, dasselbe für ihn getan hatte, gestern Abend im Zelt, sondern, weil es ewig her war, das Gabe mal jemandem, was Gutes tun konnte und sei es nur eine simple Umarmung. Die konnten auch wahre Wunder wirken. Er war nur so furchtbar unsicher, überfordert, weil er sich selbst nicht als die richtige Person, dafür betrachtete, einfach nicht würdig genug, immerhin ist er ein schlechter Mensch, aus seiner Sicht und gewiss teilten das genügend Leute. Gabe konnte einfach nicht nachvollziehen, weshalb Jesus, sich an ihm fest hielt, vielleicht lag es auch nur daran, weil er gerade da war? Ist es das? Weil es ihm an Optionen fehlte in diesem Moment?
Weil der strahlende, weiße Ritter auf sich warten ließ und Jesus, stattdessen, Vorlieb nehmen musste, mit dem frechen Dieb? Vielleicht zerbrach er sich auch viel zu sehr den Kopf, war ja seine Spezialität, die manchmal sehr anstrengend ist, vor allem, da sie Beide sich doch gut verstanden, warum auch immer, das begriff er noch nicht ganz. Musste er womöglich auch nicht, wenn die Chemie stimmte, spielten rationale Erklärungen, schlichtweg keine Rolle. Es ist halt so. Und Gabe hatte dieses Gefühl noch immer, konnte es noch weniger abstellen, jetzt in diesem Augenblick, sodass er sogar zu singen anfing, obschon ein Teil in ihm, am liebsten fluchtartig davon rennen wollte, nur um sich der Situation zu entziehen, mit der er nicht so recht umzugehen wusste. Anders als Jesus, war Gabe kein Optimist, er sah das Glas halb leer, er wusste, es wäre besser, sie Beide würden diese Begegnung vergessen, sich nie wieder über den Weg laufen, einfach unabhängig voneinander weiter existieren, wie die Jahre davor schon, was ihm wohl nicht mehr so leicht fiele. Nicht, wo Jesus, der eigentlich Paul hieß, jetzt mehr war als nur ein hübsches Gesicht aus Hilltop. Da gab es nun mehr, als nur seinen richtigen Namen, jetzt wusste er, wie Paul zur Kampfkunst gekommen war, dass er Sushi, besonders Maki, als auch Scharfes mochte und salzige Heringe, die Süßigkeit, furchtbar ekelhaft fand, dafür Schnee jedoch liebte, sowie einen Schlitten versteckt hatte, nur um einmal noch Kind sein zu können, beim Rodeln.
Von seinen Ninja-Skills braucht man gar nicht erst anzufangen.
Und offenbar vermochte Gabe es auch, unbeabsichtigt, diesen mit seiner Stimme zu berühren oder es lag an dem Songtext, welchen er aus dem Gedächtnis heraus, problemlos wiedergeben konnte, selbst ohne musikalische Begleitung. Mit wäre es zwar schöner, doch vielleicht besser so, dass er kein Instrument zur Hand hatte, denn der feuchte Glanz, der auf den herrlich blauen Augen von Paul lag, war schlimm genug. Gabe konnte nicht umgehen mit Leuten, die zu weinen anfingen, soweit war Paul zwar noch nicht, doch der Bogenschütze wusste, in solchen Momenten, schlichtweg nicht was er tun sollte und der Blick, des etwas Kleineren, vor ihm, traf tiefer als jeder Pfeil, den Gabe abschoss und der sich in seine Ziele bohrte. Je länger er diesen ansah, umso mehr drohte er, sich in dem klaren, himmlischen Blau zu verlieren, da begann sein Herz, erneut, so wild zu pochen, gar Samba zu tanzen in seiner Brust, während sich sein Magen ganz flau anfühlte, ihm beinahe schon schlecht wurde, vor Aufregung und dabei hatte er gewiss kein Lampenfieber. Er könnte vor Anderen singen, er hatte es nur nie, ganz selten vielleicht, getan aber die Pflicht, seiner Familie, seinem Dad gegenüber, überwog immer seine eigenen Wünsche.
Nur war niemand hier, nur sie Beide .. und HootHoot.
Der auf einem Ast saß, weil Gabe ihn nicht gefährden wollte, als er entschieden hatte, Harry zu konfrontieren.
Dafür blieb ihm sein, kleines verkorktes, Herz beinahe stehen als Pauls Stimme, flüsternd, an seine Ohren drang, nur das Gabe, anders als dieser, die Augen nicht schloss, als er mit der Stirn gegen seine lehnte, sondern den Blick, der einen Moment brauchte, bis er sich ausreichend fokussieren konnte, über die, etwas weicheren, Gesichtszüge des Langhaarigen wandern ließ. Dieser blieb, schon wieder, an Pauls Lippen letztendlich hängen und Gabe hatte das Gefühl, als wäre dieser ein verdammter Magnet, zu dem er sich, sobald er ihm zu nah kam, automatisch, wie magisch, hingezogen fühlte und das nicht nur auf physischer Ebene. Er schluckte nur leer, hielt automatisch, gleich darauf die Luft an, denn der Griff an seiner Jacke, am Rücken, lockerte, löste sich gar und nur einen Wimpernschlag später, lagen Pauls Hände an seinen Wangen und brachten ein wenig Abstand zwischen sie.
Was Gabe im ersten Moment vermutlich ganz falsch interpretierte, denn der ließ, seine Hände prompt sinken, wohl auch, weil ihm, durch die leichte Distanz, auffiel, dass er Paul, mit seiner blutverschmierten Hand, ins Gesicht gefasst hatte. Oh shit. Wieso hatte er daran nicht gedacht, das war irritiert, ablenkend bis zu dem Moment, wo dieser ihm erschreckend nahe kam, so nah, dass dessen Atem auf seine Lippen traf, welche Gabe, aus einem Reflex heraus, mit der Zunge befeuchtete.
In seinen Körper hielt automatisch wieder etwas mehr Anspannung Einzug, da war schon wieder kein Fenster, durch das er, unter anderen Umständen, wohl prompt geflohen wäre, noch ehe Paul, überhaupt den Gedanken zu Ende gesponnen hätte, Gabe zu umarmen. Und jetzt? War es Absicht oder einfach Zufall, dass der Holy Ninja, Gabe in freier Wildbahn, so eiskalt erwischte? Dem Ort, dem er ja nicht mehr entfliehen konnte, weil es keine räumlichen Beschränkungen gab, kein 'Gefängnis', kein Käfig, wie er es meist empfand, wenn er in einem Gebäude sein musste, länger als notwendig.
Ein winziges Stück nur, senkte Gabe, ganz von selbst, unbewusst, den Kopf, ebenso senkten sich seine Lider, während die Distanz, zwischen ihren Lippen, weniger wurde, zumindest bis zu dem Moment, wo Paul diese öffnete, um eine Frage zu stellen, bei welcher der Dieb, mit den grünen Augen, bloß irritiert blinzelte und schließlich, minimal, den Kopf schüttelte.
"....willst du eine dumme Antwort, auf die dumme Frage?..."
Entgegnete Gabe zunächst, weil es einfach in seiner Natur lag, doch seinen leise gesprochenen Worten, folgte rasch ein Seufzen, denn er konnte sich denken, dass Paul gerade nicht zum Scherzen zumute war, nicht nachdem, was Harry ihm an den Kopf geworfen hatte und demnach, wohl viele kleine Zweifel, sich in dem hübschen Kopf, des Holy Ninjas herumtrieben. Er selbst hob die Hand wieder ein Stück an, schob Paul, behutsam, eine seiner Strähnen aus dem Gesicht, hinters Ohr und blieb diesem so nah, als er ihm die ehrliche Antwort gab, die wohl das Mindeste war, was der Bogenschütze für ihn tun konnte.
"... die Antwort ist Nein, Paul. ... ich habe ... bisher nie ... jemanden getroffen, gesehen, ...der so wunderschön ist wie du, ...und.. ich meine damit nicht nur.. dein hübsches Gesicht ..."
Seine Stimme wurde dunkler, kratziger, rauchiger, je leiser er wurde, während sich auf seinen Wangen, zunehmend, immer deutlicher, eine leichte Röte offenbarte, weil es ihm eben viel leichter fiel, dumme Sprüche zu reißen, als in der Hinsicht, in diesem Moment, ehrlich zu sein, denn sein Verstand schrie ihn an, dass er sowas nicht sagen sollte. Nicht zum Feind.
Nicht zu einem anderen ...Mann.
Gabe hatte aber keinen Grund zu lügen, unabhängig davon, was sein verkorkster Verstand ihm entgegenschrie, Paul war nicht nur äußerlich sehr attraktiv, bildschön, sondern hatte, soweit er das bislang erkennen konnte, auch einen wunderschönen Charakter, klar auch er ist nicht perfekt aber, vielleicht näher dran, als alle Anderen in dieser, ziemlich beschissenen, düsteren Welt. Was im Moment, bedingt, eine Rolle spielte womöglich, denn wäre Paul nicht, wie er ist, würde Gabe sich wohl nicht so, magisch angezogen fühlen, von diesem und bei dessen Schlafzimmerblick, der ebenso traurig, wie sehnsüchtig anmutete, das letzte bisschen Distanz, aus einem Impuls heraus, überbrücken, sodass er, wie schon vor wenigen Stunden, im Schnee, dessen kühle, doch weichen Lippen, behutsam berührte. Entgegen Gabes Erscheinung, seinem oftmaligen Verhalten, das eher nach Draufgänger, gar Macho, schrie, schmiegten sich seine Lippen, bei diesem kleinen Kuss, zwar länger an Pauls, als beim ersten Mal, doch nicht weniger zaghaft. Zwar konnte man sich dieses Mal gewiss sein, dass überhaupt ein Kontakt bestanden hatte, dennoch fand der zarte, schüchterne, Kuss rasch sein Ende, während Gabe das Gefühl hatte, gleich zu platzen oder so heiß zu werden, dass der Schnee, um sie herum, zu tauen anfing. Das anfängliche Kribbeln, dass er in diesen verspürte, war so frohlockend, ungewohnt, ein Teil in ihm, wollte mehr denn je, davon rennen, aber es war nicht jener, der im Augenblick überwog, sondern der Teil in ihm, sein Herz, nicht der Verstand, dass ihn dazu anhielt, noch mal, die winzige Distanz zu überbrücken, um Paul zu küssen.
Ein bisschen mutiger, ein bisschen länger, obschon ihm das Herz, in einem Moment bis zum Hals schlug, nur um gleich darauf, in seine Kniekehlen hinabzurutschen.
Gabe hatte noch nie jemanden geküsst, in seinem ganzen Leben noch nicht, und sein, winziger Anflug von Mut, verflüchtigte sich extrem schnell wieder, beim Bogenschießen, beim Stehlen, beim Kämpfen, beim Fährten lesen wusste er genau was er tat, da machte ihm kaum wer was vor oder nur wenige, doch gerade, fühlte er sich wie auf verlassenem Posten, seine Eingeweide zogen sich krampfhaft zusammen, vielleicht sollte er doch einfach davon rennen!? Bei seinem Glück, würde er aber über die eigenen Füße stolpern, sowie eine Bruchlandung hinlegen, da die Nervosität, einfach Überhand nahm. Dabei wollte er es so sehr, zumindest sein Herz, sein Körper schrie vermutlich mit jeder Faser, danach, Paul küssen zu wollen und er hatte einfach keinen Schimmer davon, wie man es richtig macht. Selbst wenn er sich dazu überwinden würde, so konnte er ja nicht einmal, eben so, um ein wenig Hilfe bitten. Wie sah das denn aus?
Er ist 25, ungeküsst und hat keine Ahnung, was er tun sollte, ja ....was für ein richtig harter Kerl!




@Jesus


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#43

RE: Dachterrasse

in Altenheim 19.02.2020 11:29
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Richtig, damit Jesus ihn einfach aufgab oder ihn verließ, dafür müsste Gabe sich ganz bestimmt schwer ins Zeug legen. Immerhin hatten sie ihre Abmachung mit Handschlag besiegelt und je schwieriger die Herausforderungen für Jesus war, desto mehr blühte er darin auf. Mal davon abgesehen, dass er tatsächlich etwas in Gabe sah und das nicht nur so daher sagte. Aber vor allem auch deshalb, weil er ihn auf Anhieb sehr gern hatte. Man könnte nun vielleicht denken, dass Jesus jeden sympathisch fand, weil er so einen offenherzigen Charakter besaß. Doch das war nicht der Fall. Er war vielleicht etwas offener als Gabe, jeden ließ er aber dennoch nicht an sich heran und auch in seinen Reihen gab es Leute, mit denen er einfach nicht warm wurde. Es aber auch nicht wollte. Er wählte seine Freunde und Vertrauten sehr gut und sorgfältig aus. Das er sich bei Harry so verschätzt hatte lag wohl daran, dass Gefühle im Spiel gewesen waren. Was seine Sorgfalt bei der Auswahl etwas leiden ließ. Oder besser gesagt vernebelte. Denn Gefühle entbehrten nun mal jeglicher Logik oder Vernunft. Beim nächsten Mal jedoch würde er vorsichtiger sein. Vielleicht. Denn eigentlich stürzte er sich auch mit Gabe in eine Sache, die vernünftig betrachtet nicht besonders klug war. Aber manche Menschen waren eben unbelehrbar. Und Jesus weigerte sich die Einstellung anzunehmen, dass etwas jedes Mal schief laufen würde nur weil es ein einziges Mal nicht geklappt hatte. Das war einfach nicht seine Mentalität. Er hatte also weder vor Gabe aufzugeben, noch ihn zu verlassen. Nur den Tod konnte selbst er mit seiner Willensstärke leider nicht in die Flucht schlagen. Aber er würde sein Bestes tun, um nicht so schnell das Zeitliche zu segnen. Auch wenn es im Moment danach aussah als bettle er darum, das war aber nicht der Fall. Denn eigentlich lebte Jesus gerne, versuchte das Leben als Geschenk zu betrachten, nur hatte er im Moment einfach nicht den Hauch einer Ahnung, wie er den Tod eines unschuldigen Mädchens je wieder gut machen konnte. Er könnte ein verdammtes Gegenmittel für die Zombie-Seuche finden und es würde dennoch nicht reichen, um sein Gewissen zu beruhigen. Aber er würde einen Weg finden, um mit dieser Schuld weiter zu leben, so wie er es immer tat.
Jesus könnte schon alleine deshalb keine Hautmaske der Toten tragen weil der Gestank unerträglich ein musste und er sein shiny hair dann unter der Maske verstecken müsste, das war wirklich keine Option für ihn.
„Das ist wohl der Vorteil des Fernkampfes“
Jesus war es ein wenig unangenehm, dass Gabes Worte so ein klein wenig Bewertung beinhalteten, darüber wie sie das Verhalten der Beißer interpretiert hatten. Denn er hatte vollkommen Recht mit dieser Vermutung. Rückwirkend betrachtet vielleicht nicht ihre hellste Stunde.
„Ja, genau das dachten wir. Niemand von uns versteht dieses Virus.. noch weniger wissen wir wie es sich entwickelt oder ob es vielleicht mutieren kann“
Also so dumm war diese Vermutung doch eigentlich gar nicht. Besser jedenfalls als den Glauben an den eigenen Verstand zu verlieren, so wie es Eugene und Rosita fast ergangen wäre. Und offenbar auch Gabe.
Sein Vater würde ihm wohl auch beipflichten wenn er sehen könnte was sein Sohn gerade getan hatte. Natürlich war Jesus ihm auf gewisse Weise dankbar für seine Hilfe. Doch auf der anderen Seite wollte er gar nicht, dass Gabe so etwas Schreckliches für ihn tat. Oder sich damit in eine Zwickmühle begab, da Harry ein ehemaliger Savior gewesen war. Vorräte teilen, die Nacht zusammen zu verbringen, um nicht zu erfrieren, ein wenig unterhalten, das wäre vielleicht noch tolerierbar gewesen. Aber einen Savior zu töten für einen ehemaligen Hilltop Bewohner? Das war eine Tat die gewiss nicht tolerierbar war für Gabes Vater oder dessen Kolonie. Allerdings war niemand außer ihnen hier. Und Jesus würde dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen, da er Gabe niemals verraten würde.
Und wenn das hieße Jesus wäre gleich der nächste, dem Gabe sein Messer in den Bauch rammte, um sein Geheimnis zu bewahren, dann nahm er es wortwörtlich mit ins Grab. Aber dieses Risiko ging er ein. Denn er weigerte sich trotz allem nur an das Böse in den Menschen zu glauben. Ob seine Zuversicht ein wenig gewankt hatte? Womöglich. Aber wie hatte er Gabe zuvor schon einmal gesagt? Man entschied jeden Tag aufs Neue , welchen Weg man gehen wollte. Den des Misstrauens und der Einsamkeit oder den des Vertrauens, des Risikos aber vielleicht auch des Glücks. Und Jesus entschied sich auch heute für den Weg des Vertrauens, selbst wenn seine letzte Entscheidung die Falsche gewesen war. Aber so wie er nicht alle Menschen über einen Kamm scherte, so tat er es auch nicht bei allen ehemaligen Saviors. Völlig egal was Gabe ihm nun auch vorgespielt hatte. Am Ende war es diese warmherzige Umarmung die zählte. Die ausschlaggebend war und den Grundstein für alles weitere bildete.
Denn Gabe war Vieles für ihn. Aber bestimmt nicht nur die nächstbeste Option. Und trotz der Tatsache, dass er gerade einen Mann, der Jesus eigentlich etwas bedeutet hatte, kaltblütig getötet hatte, strahlte er auf Jesus dennoch das Gefühl von Sicherheit aus, Stärke und Geborgenheit. Dieses Gefühl konnte selbst Paul nun nicht mit Worten beschreiben oder erklären, doch es war einfach da. Und er war nun mal jemand, der meist stärker auf seine Gefühle hörte, als auf seinen Verstand. Denn sein Verstand würde ihm gewiss hiervon abraten. Nur bei seinen engsten Vertrauten würde er normalerweise Trost suchen, doch mit Sicherheit nicht bei jedermann. Diese Befürchtung musste Gabe nicht haben, denn sie entsprach nicht der Wahrheit. Jesus war auch nicht auf der Suche nach einem weißen Ritter mit wallender Mähne, die hatte er selbst. Er sehnte sich einfach nur nach etwas.. das echt war und ehrlich. Nach jemandem, der ihm die Art von Nähe gab, wie Freunde es nicht vermochten. Denn obwohl Jesus stets unter Leuten war, sich mit Freunden umgab, war er am Ende dennoch einsam. Vielleicht schon zu lange. Vielleicht hatte er sich deshalb zu unvorsichtig in die Sache mit Harry hinein gesteigert. Etwas gesehen das gar nicht da war, einfach weil er es sich wünschte. Denn vielleicht waren auch Jesus Gefühle nur Einbildung gewesen, das würde er nicht mehr herausfinden können. Aber zumindest dieser Fehler würde ihm kein weiteres Mal unterlaufen. Denn wenn diese Erfahrung ihn eines gelehrt hatte, dann, dass man gewisse Dinge einfach nicht erzwingen konnte. Sie passierten dann wenn man am wenigsten mit ihnen rechnete. Vielleicht ja auch in Form einer zufälligen Begegnung mit einem vermeintlich feindlichen Dieb auf einer Dachterrasse. Wer weiß das schon so genau.
Jesus hatte wohl Glück das es hier kein Fenster gab, durch welches Gabe fliehen konnte. Was nicht hieß, dass es nicht dennoch Möglichkeiten gäbe sich aus dem Staub zu machen aber aus irgendeinem Grund blieb Gabriel. Und die Dinge nahmen ihren Lauf. Nun ja fast, denn ehe Paul das letzte Stückchen Distanz zwischen ihnen überbrückte, musste er ihm einfach diese Frage stellen. Unsicherheit war eigentlich untypisch für Jesus, zumindest überspielte er sie meist bravourös. Doch nach der Sache mit Harry, war nun selbst er nicht gefeit davor an seiner eigenen Einschätzung zu zweifeln. Weshalb er sich einfach vergewissern musste, denn niemals wollte er sich jemandem aufdrängen, der das gar nicht wollte. Weshalb er in diesem Fall nur sachte den Kopf schüttelte. Nein, diesmal wollte er ausnahmsweise keine dumme Antwort auf seine Frage sondern die Wahrheit. Etwas woran er sich sonst nicht stören würde, er hatte ja durchaus Humor, selbst in solchen Situationen. Doch nach all dem Erlebten war ihm nun wirklich nicht nach Scherzen zu Mute, denn seine Frage war ernst gemeint und nicht nur der Versuch nach einem Kompliment zu fischen. Es keimten tatsächlich Zweifel in seinem hübschen Kopf auf, die Gabe jedoch glücklicherweise schnell zerstreute mit seiner Antwort. Die fiel nämlich schöner aus als Jesus je erwartet hätte. Gabe war wirklich geschickt mit Worten, wenn er sich denn mal dazu überwand sie auch wirklich auszusprechen und nicht mit Scherzen von seiner Unsicherheit abzulenken. Denn seine Antwort vermochte es glatt Jesus Wangen einen rötlichen Schleier und seinen Augen erneut einen feuchten Glanz zu verleihen.
Das waren nicht nur leere Worte, sie klangen als kämen sie direkt, mitten aus Gabriels Herz, weshalb plötzlich jeglicher Zweifel wie fort gefegt war. Erst Recht als er erneut Gabes weiche Lippen auf den seinen spürte. Diesmal jedoch ohne den Anflug eines schlechten Gewissens wie beim letzten Mal. Denn nun gab es niemanden mehr dem Jesus sich verpflichtet fühlte, weshalb dieser Kuss sich so viel schöner anfühlte und einfach alles daran richtig wirkte. Er schloss seine Augen und spürte wie sein Herz begann fest gegen seine Brust zu hämmern. Denn auch wenn der Kuss vorsichtig und zaghaft wirkte, so hatte er dennoch keinen geringeren Effekt auf Jesus Gefühle. Ganz im Gegenteil. Denn diese überschlugen sich in diesem Moment förmlich und alle schlechten Gedanken schienen mit einem Schlag wie fort gewischt. Denn anders als Gabe haderte Jesus in diesem Moment nicht mit seinem Inneren. Er war aber auch wesentlich erfahrener in dieser Hinsicht als Gabe, hatte längst akzeptiert sich zu Männern hingezogen zu fühlen und in der Vergangenheit auch schon Erfahrungen sammeln können. Anders als Gabe, dessen Kuss sich so süß und unschuldig anfühlte. Dennoch war Jesus nicht bewusst, dass dies tatsächlich der aller erste Kuss in seinem Leben war. Mit einem Mann ja, davon ging Jesus aus nach seinem Gespräch mit Gabriel gestern. Doch das er nie zuvor ein Mädchen geküsst hatte? das konnte er einfach nicht glauben. Selbst wenn er sehr desinteressiert gewirkt hatte in seinen Erzählungen aber er konnte sich nicht vorstellen, dass es ein Mädchen noch nie versucht hatte und Gabe vielleicht einfach aus Neugier ‚nachgegeben‘ hatte. Es spielte nun aber auch keine Rolle. Denn Fakt war, es änderte nichts an der Tatsache wie gut sich dieser Kuss anfühlte. Ebenso der zweite der folgte, bei welchem Gabe schon ein klein wenig mutiger wirkte. Und dennoch konnte Jesus förmlich fühlen welch inneren Kampf Gabe gerade in sich austrug. Wie nach dem anfänglichen Mut langsam die Panik in ihm hoch zu steigen schien. Weshalb es nun an ihm war ihm diese Angst zu nehmen. Ihm etwas Halt und Sicherheit zu geben, damit das Bedürfnis wegzulaufen nicht doch noch Überhand nahm. Weswegen seine Hände von seinen Wangen nach hinten zu seinem Nacken wanderten und die Finger unter sein kurzes Haar schoben, um ihn fest zu halten und nun seinerseits den Kuss zu suchen. Er übernahm die Führung, um Gabe dadurch etwas Sicherheit zu geben. Denn dieser benötigte keine Erfahrung, alles was er tun musste war es sich fallen zu lassen und sich auf Jesus einzulassen. Dieser wusste was er tat und küsste ihn gefühlvoll aber auch etwas fordernder als Gabe zuvor. Und dabei hatte nicht nur Gabe das Gefühl als würden die Schmetterlinge in seinem Bauch Tango tanzen. Jesus erging es nicht anders. Er würde sich mit Gabe ja gegen den Baum lehnen, damit er seinen wackeligen Knien nicht erlag, jedoch lag dort eine Leiche… die Jesus nun einfach ausblenden musste. Mit Sicherheit nicht das romantischste Ambiente für ihren ersten, richtigen, Kuss aber was war im Leben schon perfekt? Dieser Kuss kam jedoch wirklich nahe an Perfektion heran, völlig egal wo sie nun auch waren.
Gabriel musste ihn nicht um Hilfe bitten, denn er machte das wirklich sehr gut. Und er war doch jemand der schnell lernte richtig? Er hätte den Dreh also ganz bestimmt sehr bald raus. Sofern dieser Kuss keine einmalige Sache blieb. Denn natürlich wusste Jesus nicht was die Zukunft brachte und ob Gabe das Geschehene nicht doch noch bereuen würde. Aber darüber wollte und konnte er sich in diesem Augenblick keine Gedanken machen, sondern wollte einfach nur den Moment genießen. Er löste eine seiner Hände von Gabes Hinterkopf und ließ sie sachte nach unten über seinen Nacken, bis hin zu seinem unteren Rücken wandern, damit er ihn noch etwas dichter an sich ziehen konnte. Wie war das? Gabe konnte 4 Minuten lang die Luft anhalten? Auch unter extremen Bedingungen? Allerdings musste er das ja auch nicht, immerhin sollte er atmen, sonst kollabierte er hier noch und das wollte Jesus bestimmt nicht, der ihn ganz behutsam und dennoch mit der nötigen Sicherheit führte, damit Gabe sich einfach nur auf das Gefühl konzentrieren konnte, welches dieser Kuss mit sich brachte und sonst an rein gar nichts denken musste.


@Arthur Winchester




I always found it hard getting close to anyone - neighbors, friends.... boyfriends


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#44

RE: Dachterrasse

in Altenheim 19.02.2020 16:56
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Es hieß doch immer, irren sei menschlich, also kann selbst einem Holy Ninja mal ein Fehler unterlaufen, nur das man in der Regel, in der neuen Welt, solche, mitunter sehr schnell bereute, denn sie konnten einem schneller das Leben kosten, als man gucken kann. Mit ein Grund, weshalb Gabe, nicht sonderlich erpicht darauf war, ernsthafte Kontakte zu knüpfen, er war gut darin, Leute um den Finger zu wickeln, ihnen etwas vorzugaukeln, doch anders als der Langhaarige, nutzte er sie aus, einzig um zu überleben, nicht der beste Wesenszug aber er nutzte jeden Vorteil, den er sah, der sich ihm bot, der ihm seinem Ziel ein Stück näher brachte. Zumindest bei Harry, offenbarte er diese Seite bravourös, das antrainierte Verhalten, das Grinsen auf den Lippen, die charismatische Art, die seinem Dad in nichts nachstand, Gabe weiß wie man Menschen manipuliert, ihre Schwächen zum Vorteil nutzt, schließlich hatte er von dem Besten gelernt. Nur in den letzten drei Jahren, musste er davon nicht mehr so oft Gebrauch machen, wie im Sanctuary, was sogar ganz erholsam gewesen war, bis vor einigen Wochen, kaum dass er sich einer neuen Kolonie anschloss. Wie auf Knopfdruck konnte er umschalten, eine Notwendigkeit, damit er nicht zu weit hinab rutschte in der Nahrungskette, denn an der Spitze stand er definitiv nicht und wollte er auch gar nicht, um ehrlich zu sein. So wie Jesus, sich in der zweiten oder dritten Reihe wohlfühlte, erging es auch Gabe, der zudem die Schatten vorzog.
"Really? How fucking cute."
Gab der Bogenschütze, vielleicht ein bisschen sarkastisch, von sich aber Jesus hatte nicht ganz Unrecht, sie wussten nichts über das Virus, hatten auch nicht mehr die Möglichkeit sich damit zu befassen, zumal sie Beide wohl kaum die Richtigen dafür wären. Da nahm er selbst es lieber in Kauf, völlig den Verstand zu verlieren, anstatt sich vorzustellen, dass die Untoten irgendwann anfingen ... gefährlicher zu werden. Wenn sie lernten, Türen zu öffnen oder gar klettern könnten, sich schneller bewegten, dann wären die letzten Menschen echt derbe gefickt! Allein die Vorstellung war Gabe too much, also zweifelte er lieber am eigenen Verstand. Hätte, hier draußen im Wald, schließlich kein Schwein gekümmert und HootHoot war der Einzige, der ihm auf dem Baum Gesellschaft leistete, der störte sich nicht an dessen Macken.
Gabe machte sich wegen Harrys Tod nicht mal groß Sorgen, er war tot, er könnte sich eine Geschichte ausdenken, die kein Schwein interessiert, am wenigsten seinen Dad oder seinen eigentlichen Boss, der wirklich an der Spitze stand, der Hüne, der kaum älter war als Gabe tatsächlich aber ihm eine scheiß Angst einjagte. Würde er Harry zum Zoo bringen, würde man die Leiche an die Beißer verfüttern, immerhin verhinderte Gabe, dass dieser zurückkam, als solcher, demnach hätte man ihm Alles, was er am Leibe trug abgenommen, sowie den Untoten zum Fraß vorgeworfen. Keine Sau würde sich darum scheren, was Gabe hier getan hatte oder aus welchem Grund, der rein zufällig, einen Namen hatte, shiny Hair und die schönsten blauen Augen, in die der Bogenschütze bislang hatte blicken dürfen. Es fuckte ihn nur ab, dass er wieder in die alte Rolle verfiel, verfallen musste, in dieser Situation und sie einfach nicht abschütteln konnte, schlimmer als sein eigener Schatten, klebte diese Fassade an ihm, das Leben, was eigentlich langsam hätte verblassen sollen, hier draußen in den Wäldern, wo er frei, für sich allein und wild sein konnte. Aber seiner Vergangenheit kann man wohl nicht dauerhaft davon rennen, zumindest fühlte es sich so an, als er Harrys Stimme vernommen hatte und den Entschluss fasste, diesen zu töten, womöglich auch, um einen kleinen Teil, seines alten Lebens, mit diesem Arschloch, sterben zu lassen. Ziemlich erfolglos, sich selbst betreffend zumindest, doch dafür hatte er, mit dem Tod des Einen, das Leben eines Anderen gerettet.
Gabe dachte nicht groß darüber nach, was er nun hätte alles Anders machen können, er hatte sich schon von Anfang an dafür entschieden, Harry nicht lebend davon kommen zu lassen, zumal es ihn echt sauer machte, wie dieser mit Paul gesprochen hatte und auch wenn er versuchte, bei diesem wohl eher erfolglos, diese Seiten unter Verschluss zu halten, so besaß Gabe einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Er konnte es nicht hinnehmen, gar ignorieren, wenn jemand scheiße, zu einer Person war, die Gabe gern hatte und ganz egal, wie sehr er es dementieren würde, Paul gehörte zu diesem winzigen Kreis bereits dazu. Immerhin hätte Paul nun ebenso schimpfen können, ihn angehen können, warum er gleich jemanden tötete, ihm an den Kopf werfen, dass er kein Stück besser war als sein Vater und genauso ein kaltblütiges Arschloch.
Tatsächlich rechnete Gabe damit eher, als mit der Tatsache, das Paul ihn umarmte aber, um ehrlich zu sein, selbst wenn er es abstreiten würde, aus Gewohnheit einfach, gefiel ihm dieser Ausgang viel besser. Denn die Alternative gefiel ihm deutlich weniger, die bestünde nämlich darin, wieder in den Modus zu verfallen, wie vor ein paar Jahren, was ihm unglaublich schwerfallen würde, denn hassen konnte er Paul nun definitiv nicht mehr. Und ihn in den Armen zu halten, fühlte sich, bei weitem, nicht so schlecht oder furchtbar an, wie sein verkorkster Verstand es ihm einzureden versuchte, dabei schrie dieser ihn förmlich an, die Flucht zu ergreifen, mehr noch, Paul einfach von sich zu stoßen aber diesen Kampf, gegen sein Herz, verlor sein Kopf dieses Mal offenbar.
Anstatt Abstand zu nehmen, wie er es tun sollte, eigentlich doch tun musste, traf das Gegenteil ein, sie kamen einander näher, anstatt sich abzustoßen, wie zwei gleich gepolte Magnete. Wäre da nur nicht diese Frage, die Paul offenbar auf der Zunge brannte, und die Gabe, viel lieber, mit einem blöden Spruch beantworten würde, doch selbst er wusste, wann er mal den Schelm bei Seite schieben musste und es mochte überraschend sein, dass er nicht einfach wieder anfing zu singen, sondern ausnahmsweise mal jene Worte fand, die sein Herz vorgab und nicht sein Kopf.
Scheinbar waren diese sogar richtig gewählt? Nicht, dass Gabe darüber nachdachte, tat er nicht, er ließ sein Herz für sich sprechen, brachte, ohne Melodie oder Songtext, über seine Lippen was er fühlte und schien damit, offenbar, die Zweifel von Paul wieder zu zerstreuen, welche Harry gesät hatte. Er sollte wahrlich nichts auf die Worte des, inzwischen toten, Saviors geben, er war voller Verbitterung, Trauer, Rachsucht gewesen und dagegen, kam auch Paul nicht immer an, obschon Gabe wohl auch deshalb nicht ganz sicher gewesen war, dass es derselbe Mann ist, den er im Kopf hatte und den der Holy Ninja suchte, weil Harry, bei den Saviors, eher den Frauen, als irgendwelchen Männern, hinter hergesehen hatte. Was sein Verhalten, nur noch schäbiger machte, in Gabes Augen, denn das war eine der Maschen, die er selbst gar nicht anwenden könnte, dafür war er wohl einfach zu verstört, nicht fähig Gefühle vorzuheucheln, die von romantischer Natur sind. Allen voran deshalb, weil er, ganz tief in sich drinnen, ein ziemlich hoffnungsloser Romantiker ist, nur nie die Gelegenheit, die Chance oder richtige Person hatte, um diese Seite von sich nach Außen zu tragen. Bei den Saviors einfach ein Ding der Unmöglichkeit, kein Schwein hätte ihn mehr ernst genommen, wenn sie gewusst, geahnt hätten, dass Gabe, hinter seiner harten Schale, in Wahrheit einen ziemlich soften Kern verbarg, umgeben von zig Mauern und Minenfeldern. Welche der Holy Ninja, ganz offensichtlich, mit spielerischer Leichtigkeit überwand, sich heranschlich, wie der geschickte Dieb der er ist, welche sie Beide sind, bei näherer Betrachtung.
Paul war nicht der Einzige, der seine Abwehr, gar Vorsicht, fallen ließ, Gabe erging es in dessen Gegenwart nicht unähnlich, ebenso gefährlich wie auch befreiend, nicht stets über die Schulter blicken zu müssen und erneut, gab er dieser Anziehung nach, die seinen Fokus, wieder, auf diese weichen, süßen Lippen lenkte, die er einfach küssen musste, wenngleich die Zweifel in seinem Kopf nicht gänzlich geschwunden waren. Gabe kannte die Theorie, sah in seinem Leben genug Pärchen, ob jung oder alt, die sich küssten aber selbst das, was eigentlich wunderschön sein sollte, hatte sein Dad geschafft, mit etwas Negativen zu beschmutzen, denn es lag ein großer Unterschied darin, wie verliebte Pärchen solch Zärtlichkeiten austauschten und sein Vater, gegenüber den Frauen, seines Harems. Er hatte gesehen wie angewidert, eingeschüchtert sie mitunter waren und ihn selbst kotzte es an, machte ihn rasend, deshalb wollte er sowas, für sich selbst, gar nicht erst.
Bis jetzt.
So absurd es klingen mochte, doch Gabe und Paul hatten, für einen winzigen Augenblick lang, dieselbe Sorge im Kopf herumschwirren, dass sie sich jemandem aufdrängten, der es nicht wollte, gerade in der Hinsicht wollte Gabe, niemals nie, werden wie sein alter Herr. Daher konnte, wollte er, zunächst auch nicht die Augen schließen, als er Paul küsste, einfach um sehen zu können, zu erfahren, ob er genauso reagierte wie Amber aus dem Harem, wie Frankie oder die Anderen. Er konnte nichts für solche Gedankengänge, sie kamen von ganz selbst, ließen den anfänglichen Mut förmlich verpuffen, wieder schwinden und räumten der Verunsicherung, mehr und mehr Platz ein, wodurch auch der Drang wieder größer wurde, einfach die Flucht zu ergreifen. Sein Kopf warf einfach nicht so schnell das Handtuch, er schlug ihm förmlich, mit einem beschriebenen Betonpfeiler, ins Gesicht, dass er fliehen sollte, dass er alles nur noch schlimmer machte, dass nicht zulassen sollte, immerhin ist Paul der Feind und so wunderschön sein Haar auch sein mag, er war ganz klar keine Frau und von Gabe erwartete man doch, dass er ein Womanizer ist. Ein elendiger Schürzenjäger, wie der Vater, so der Sohn, hieß es ja nicht grundlos.
Nur war es eher Gabe, der sich auf einen Baum flüchten würde, vor einer Schar Frauen, die ihm an die Wäsche wollten oder der sich freiwillig, nackt, unbewaffnet, in eine Herde Beißer warf, als auch nur ein einziges Mädchen zu küssen. Sicher hatte es, die Ein oder Andere, mal versucht, doch Gabe war wieselflink, hatte gute Reflexe und wahrte immer den Abstand, erst recht, wenn sich etwas oder eher jemand, seinem Gesicht näherte, wobei seine Weitsicht ihm nicht viel brachte, er musste immer alles im Blick haben, was schlecht ging, wenn er direkt jemanden vor der Nase hatte.
Was in dem Fall Paul war, aber da fühlte es sich gut an, nicht störend, nicht aufdringlich, er fühlte sich nicht bedrängt, die wachsende Anspannung, rührte mehr von seiner inneren Unruhe, seiner aufsteigenden Verunsicherung, wofür der schöne Ninja, ja nichts konnte aber offenbar förmlich spürte, wie sich Gabes ganze Haltung veränderte. Denn er kam Gabe zuvor, besser gesagt, dessen Fluchtinstinkt, der langsam, mehr und mehr, Besitz von ihm ergreifen wollte, sodass er doch noch davon rannte, aber ehe es so weit kam, spürte er Pauls Hände im Nacken, wo sich ihm die feinen Härchen automatisch sträubten, kaum dass dieser die Initiative ergriff, das Ruder übernahm und Gabe nun doch die Augen schließen konnte, kroch ihm die Gänsehaut über den Körper. Ein, fast schon erleichtertes, Seufzen entwich ihm, gedämpft durch den Kuss, welchem er sich einfach hingeben konnte, durfte, die ganze Anspannung fiel von ihm ab, seine Schultern sanken, seine Muskeln, die unter seiner Kleidung, kurz davor standen, vor Anspannung zu verkrampfen, sowie darauf vorbereitet waren, die Flucht zu ergreifen, lockerten sich wieder, ihm wurden gar die Knie weich und er sackte ein kleines Stück ab, ging leicht in die Knie, fasste automatisch an Pauls Mantel, um den er die Arme aufs Neue schlang. Nein, er kippte nicht um, wenn, dann wäre es wohl auch nicht weiter tragisch gewesen. Er hatte nur das Gefühl, gerade Wachs zu sein in Pauls Händen, der mehr als offensichtlich, wusste was er tat, wie vor allem und innerlich schmolz Gabe förmlich dahin, es kribbelte überall, obwohl es schneite, sie nicht in Decken eingehüllt, in Gabes Zelt hockten, war ihm ganz warm, seine Wangen glühten regelrecht und das nicht aufgrund der Kälte. Bislang dachte er ja wirklich, das Beste auf der Welt wäre Süßkram, Essen und salziges Knabberzeug, das musste er wohl nun revidieren, denn Pauls sinnliche Lippen vermochten es, sämtliche Unsicherheiten, Zweifel und verkorkste Ansichten, zumindest für den Moment, hinfort zu fegen, sodass Gabe sich nicht nur auf den Kuss einlassen, darauf einsteigen und fallen lassen konnte, sondern ihn auch genoss.
Er wüsste nicht mal wie er es beschreiben soll, er war ganz aufgeregt, im positiven Sinne, zugleich aber ungewohnt entspannt, da er die Führung Paul überlassen konnte, nichts beweisen musste, niemanden darstellen brauchte, der er in Wahrheit nicht ist, in den Dingen, die er wahrlich beherrschte, ließ Gabe sich nichts vorschreiben aber er war nicht so arrogant, so vermessen, zu behaupten alles auf Anhieb zu können. Von diesem näher herangezogen, nahm Gabe auch wieder seine vollständige aufrechte Position ein, ja er konnte vier Minuten lang die Luft anhalten, auch unter extremen Bedingungen, dennoch löste er sich, nur ein kleines Stück, von Pauls verlockenden Lippen um die Lungen mit Sauerstoff zu füllen. So dicht, wie sie beieinander standen, mitunter recht eng umschlungen, war er fast sicher, dass das Herz in seiner Brust, so kräftig dagegen schlug, dass Paul es, womöglich nicht nur hören, sondern auch spüren konnte. Zittrig prallte sein Atem gegen Pauls Lippen, die Augen halb geöffnet, betrachtete er diesen wenige Sekunden lang, nur um beim nächsten Wimpernschlag, den Kuss fortzusetzen, und ja, er lernte sehr schnell, Gabe war vielleicht kein ausgewachsenes Genie, doch überdurchschnittlich intelligent, mit einer sehr schnellen Auffassungsgabe.
Wie Paul selbst in Erfahrung bringen durfte, denn beim vierten Mal, als ihre Lippen aufeinander trafen, war von Gabes voriger Zaghaftigkeit nicht viel geblieben, er küsste den Holy Ninja, ebenso gefühlvoll, wie zugleich verlangend, obschon nur in den ersten Augenblicken, da er das eben Erlernte nur ausprobieren wollte, sich aber ebenso schnell, der Führung des Erfahreneren, Älteren von ihnen Beiden wieder hingab.
Dass im Hintergrund womöglich eine Leiche lag, ging Gabe an seinem wohlgeformten Arsch, in der nassen, eng anliegenden, Hose vorbei, die Untoten krebsten auch überall rum, man gewöhnt sich an Alles, außerdem verblich eine Leiche sehr schnell, wenn Gabes Fokus von etwas viel interessanterem gepackt wurde. Nämlich Paul, viel mehr diesem Kuss, bei dem er das Gefühl hatte, als könnte er darin versinken und bräuchte nichts Anderes mehr auf der Welt zum Leben. Von Luft und Liebe leben, klang doch ziemlich kitschig, was Gabe gar nicht so schlecht fände, obschon er zu verfressen war, um auf andere Dinge zu verzichten, wie Lebensmittel, aber wenn er nicht aufpasste, wurde er nach Pauls weichen Lippen, genauso süchtig, wie nach Süßigkeiten, allen voran die salzigen Lakritzheringe, die er früher so geliebt hatte. Und das sollte eigentlich nicht passieren, nur so lange sein Kopf Ruhe gab, übernahm sein Herz, was nichts mehr wollte, just in diesem Augenblick, als den Kuss nie enden zu lassen.
Was schön wäre, doch auch ziemlich tödlich, hier draußen, ungeschützt, sowohl vor Beißern als auch der Witterung, denn die tänzelnden Flocken, wurden nach und nach mehr, eine eisige Brise kam auf und spätestens, als im Hintergrund, noch in ausreichend Abstand, das altbekannte Röcheln, an Gabes Ohren drang, bedeutete dies wohl, dass sie den Kuss vorerst beenden mussten. Recht widerwillig, leise seufzend und sehnsüchtig hinab blickend, auf Pauls Lippen, fuhr Gabe sich mit der Zungenspitze über die Eigenen, ehe er auf die Untere biss, dieses intensive Kribbeln, dass sich durch seinen ganzen Körper zog, war neu, ungewohnt, aufregend. Er wollte mehr davon!
Nur musste er von Paul, wohl oder übel ablassen, denn egal wie warm ihm war, seine Hose begann zu gefrieren, aufgrund der Nässe und den eisigen Temperaturen, die noch tiefer sanken, je mehr es zu schneien begann, außerdem veränderte sich die Luft, der Blick gen Himmel gefiel ihm nicht, daher trat er einen Schritt zurück, bückte sich und hob das Messer aus dem Schnee, welches er sich zurück unter die Jacke, zwischen Hosenbund und Steißbein schob, sowie erschauderte, wegen der Kälte.
"Wir sollten schleunigst zurück, das wird ein fetter Schneesturm und dabei will ich nicht draußen sein, in nasser Hose."
Er räusperte sich, mehrmals, fuhr sich mit der Hand durchs Haar, welches aufgrund der vielen Schneeflocken, bereits feucht wurde, seine Wangen waren immer noch ganz Rot, was er deutlich spürte, daher auch überall hinguckte, nur nicht so recht zu Paul, zumindest bis jetzt, wo er sich doch traute, in die blauen Puppy Eyes zu schauen, die ihn wortlos in die Knie zwingen könnten, bildlich gesprochen.
"Ich hab da 'ne echt schicke Dachterrasse und ein gemütliches Zelt anzubieten, .... außer du begibst dich im Dauersprint zurück zum Cottage, allerdings, ..aufgrund der Entfernung zwischen diesem und hier, ...würde ich dir davon abraten, es sei denn, du kannst das Wetter beeinflussen."



@Jesus


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#45

RE: Dachterrasse

in Altenheim 19.02.2020 21:33
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Das war richtig, für die heutige Jugend war es viel schwieriger in dieser Welt aufzuwachsen. Da sie nicht einfach Fehler machen und daraus lernen konnten wie jene Generation von Jesus. Sie konnten kaum etwas ausprobieren, mal auf die Schnauze fallen oder einfach Dummheiten begehen. Denn damals wurde man vielleicht einmal in eine Schlägerei verwickelt, von der Schule geworfen, zusammengeschimpft. Aber das war es dann auch schon mit den Konsequenzen, doch heute? Heute konnte dich jeder Fehler sofort das Leben kosten. Was wirklich problematisch war. Weil man die meisten Dinge nun mal nur dann lernte, wenn man sie selbst erlebte. Besser gesagt die Konsequenzen der Fehler spürte, die man machte. Die Jugend von heute war also nicht zu beneiden, doch auf der anderen Seite vielleicht schon, denn sie kannten die Welt von damals nicht. Weswegen es nichts gab das sie vermissen konnten, während die Erwachsenen stets ihren Erinnerungen nachhingen und in der Vergangenheit lebten.
Gabe nutzte also alles das ihm seinem Ziel näher brachte? Wie sah denn dieses Ziel überhaupt aus? Bislang hatte Jesus eher den Eindruck gewonnen als lebe Gabe in den Tag hinein, hatte keine wirklichen Ziele oder Ambitionen, sondern versuchte einfach nur zu überleben ohne sich Gedanken darüber zu machen wie der nächste Tag aussah. Er überlebte aber er lebte nicht, wie Jesus ihm schon offenbart hatte. Aber wenn es etwas gab das er sich wünschte, das er erreichen wollte, dann war das eine gute Sache. Denn jeder brauchte irgendein Ziel im Leben. Jesus Ziel war es eine Welt zu erschaffen, auf die die nächsten Generationen stolz sein konnten. In der sie ein gutes Leben führen und in Frieden aufwachsen konnten. Wenn er sich Ziele steckte, dann eben meist gleich sehr hohe. Doch er arbeitete unaufhörlich an dieser Welt, also vielleicht konnte er ihr ein kleines Vermächtnis hinterlassen irgendwann. Er würde es sich wünschen.
Würde das Virus wirklich mutieren und die Beißer sich weiter entwickeln, dann wären sie wohl sehr schnell die vorherrschende Spezies auf diesem Planeten und würden ihn vollständig überrennen. Denn gegen so eine Art von Bedrohung konnte die Menschheit sich auf Dauer nicht verteidigen, nicht wenn man betrachtete in welcher Überzahl die Beißer mittlerweile waren. Zwar wusste das niemand, doch so wie die Dinge standen würde Jesus den Lebenden höchstens noch 5-6% der Population zusprechen, wenn überhaupt. Es war fraglich, ob es ihnen auf Dauer gelingen würde die Überhand irgendwann wieder zu übernehmen. Aber das war nichts worüber Jesus sich Gedanken machen musste, denn wenn es so weit war, würde er ganz bestimmt nicht mehr leben.
Alte Muster legte man nur sehr langsam ab. Gabe musste also nicht enttäuscht darüber sein, dass er seine Fassade von früher noch nicht hatte ablegen können, denn das dauerte. Und ging nicht von einem Tag auf den anderen. Manchmal dauerte es Jahre aber nach und nach würde es leichter werden. Zumindest dann wenn Gabe diesem Leben tatsächlich den Rücken kehren würde. Was er jedoch nicht tat. Denn wenn er weiterhin für den Zoo arbeitete würde es natürlich schwierig werden, da seine Verhaltensmuster dort überlebenswichtig waren.
Paul hatte jedoch gar nicht die Kraft ihn nun anzuschreien oder zu beschimpfen, zumal es ohnehin nicht seine Art war. Er war niemand der aus der Haut fuhr, wenn er mal richtig laut wurde, dann musste schon echt die Welt kurz vorm Untergang stehen. Und trotz Gabes Tat sah Jesus nicht dessen Vater in ihm. Denn Gabe hatte keinen Spaß an dem was er getan hatte, das konnte er ganz deutlich erkennen. Und das war ein riesiger aber vor allem wichtiger Faktor. Denn hätte er Spaß daran gehabt, dann hätte Jesus womöglich nicht darüber hinweg sehen können. So jedoch.. würde es ihm gelingen. Immerhin hatten auch die Menschen in Hilltop oder nun im Cottage viele Entscheidungen getroffen, die er nicht gut fand, hinter denen er nicht stand aber dennoch stand er weiter hinter den Personen und schenkte ihnen ihre Freundschaft. Denn er wusste, niemand war unfehlbar und jeder dachte in solchen Situationen das Richtige und Notwendige zu tun. Es kam immer nur darauf an weshalb man es tat. Gregory zu exekutieren hatte Jesus auch nicht gut geheißen, doch er verstand die Beweggründe dahinter. Und niemand hatte Spaß daran gehabt. Er würde Maggie dennoch sein Leben anvertrauen. Manche Entscheidungen waren eben zu groß für nur eine Person. Und daran waren schon viele gescheitert, weshalb Jesus nur versuchen konnte wenigstens das Gewissen der Entscheidungsträger etwas anzuregen, wollte selbst aber auch nicht die Person sein, die entschied. Denn das musste unfassbar schwierig sein.
Es war gut das Gabe nicht war wie Harry, das er sein wirklich atemberaubendes Aussehen nicht dazu verwendete, um andere hinters Licht zu führen, denn die nötige Veranlagung dazu hätte er. Mit dem richtigen Aussehen war es so viel einfacher das zu bekommen was man wollte. Doch in der Hinsicht waren sie sich ähnlich, denn auch Paul würde das niemals zu seinem Vorteil nutzen. Anfangs, als seine Neigung noch nicht bekannt war, hatte er die Frauen immer auf sehr höfliche und charmante Art und Weise abblitzen lassen, ihnen jedoch niemals falsche Hoffnungen gemacht, nur um sich davon Vorteile zu versprechen. Das wäre einfach nicht richtig. Und wenn es um Männer ging, dann war wohl eher er gefährdet auf jemanden hinein zu fallen als umgekehrt, hatte man schließlich gerade perfekt gesehen.
Sie alle waren wohl auf irgendeine Art und Weise verkorkst und hatten ihre Schwachpunkte. So wie auch Gabe dank seines Vaters, der ihm ein völlig ambivalentes und negatives Bild von Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit vermittelt hatte. Aber vielleicht gelang es dem holy Ninja ja dieses Bild nach und nach etwas aufzuweichen, zu verändern und neu zu zeichnen. Denn es wäre äußerst schade wenn Gabe niemals das Glück für sich finden konnte nur aufgrund der Vorbildwirkung seines Vater. Auch wenn Jesus der Meinung war, dass selbst dieses Verhalten nur eine Fassade war, um wahre Gefühle zu verschleiern. Denn niemand konnte doch ernsthaft Gefallen daran finden einen Harem zu haben, wohl wissend, dass die Frauen nicht genossen was ihnen widerfuhr. Aber auf der anderen Seite gab es viele kranke Köpfe, also wer weiß. Auch wenn so ein Verhalten für Jesus eher wie die Flucht vor den eigenen Gefühlen wirkte. Aber es spielte auch keine Rolle, denn Gabes Dad könnte und würde Jesus ganz bestimmt nicht verändern. Und das wollte er auch gar nicht, er war froh wenn er ihm nie wieder über den Weg laufen musste.
Stattdessen konnte Gabe sich selbst davon überzeugen, dass er sich Jesus kein bisschen aufdrängte. Er genoss das was sie taten in vollen Zügen und nichts davon war gespielt oder aufgesetzt und das konnte man auch sehen und vor allem spüren. Dieser Kuss war ehrlich und die Gefühle dahinter waren echt. Zumindest das konnte Jesus noch erkennen, wer weiß, vielleicht wäre es ihm auch bei Harry gelungen, wäre es jemals zu einem Kuss zwischen ihnen gekommen. Denn ein Schauspiel konnte noch so gut sein, doch wahre Emotionen vorzuspielen während man sich so nahe war, das war schier unmöglich. Denn genau dadurch erkannte er auch, dass es an der Zeit war Gabe etwas Halt zu geben. Selbst diesem gelang es nun nicht diese Tatsache vor dem Ninja zu verbergen. Und das tat er. Er hielt ihn und er hielt ihn fest, so als gäbe es auf dieser Welt nichts wovor er sich fürchten musste. Zumindest einen Moment lang wollte er ihm dieses Gefühl vermitteln.
Vielleicht verstand Gabe ja nun weshalb die Menschen aufgrund von Emotionen oder der Suche nach Liebe so viele Dummheiten begingen. Denn am Ende schien es sich für diese Augenblicke im Leben wirklich zu lohnen, weil kein saurer Hering oder eine Wasabi-Nuss könnte dieses Glücksgefühl jemals übertreffen.
Da konnte man aufs Luftholen schon mal fast vergessen. Taten sie glücklicherweise jedoch nicht und auch Jesus öffnete die Augen einen spaltbreit, um Gabe ansehen zu können, als dieser sich kurz von ihm löste. Der rote Schleier der auf seinen Wangen lag, dieses leichte Zittern und diese
Aufregung die in Gabes Augen lag, das war mitunter die schönste Bestätigung die Jesus bekommen konnte. denn diese Reaktionen konnte man ebenso wenig vorspielen. Er war gar etwas überrascht als Gabe den Kuss nun seinerseits wieder aufnahm und dabei plötzlich gar nicht mehr so zaghaft vorging. Weshalb Paul ein klein wenig in den Kuss schmunzeln musste, er lernte wirklich schnell und schien auch seine Unsicherheit Stück für Stück abzulegen, was Jesus wirklich schön fand. Denn das hieß er strahlte genau jene Sicherheit für ihn aus, die er gerade brauchte um sich wohl zu fühlen. Er tat nichts lieber als diesen Kuss ebenso innig und gefühlvoll zu erwidern, so lange es eben möglich war, bis die Hintergrundmusik in Form des altbekannten Röchelns die Stimmung etwas zerstörte.
Recht widerwillig löste auch Jesus sich von Gabes Lippen, nur das er danach nicht zur Seite sah oder den Blick gen Himmel richtete, nein. Er wollte sich gerne noch einmal ganz genau Gabes schönes Gesicht einprägen, so als würde er dieses Bild in einem inneren Tagebuch abspeichern, welches er sich fortan stets ins Gedächtnis rufen könnte. Er konnte auch nicht anders als einen kurzen Moment zu lächeln, bis naja.. die Realität sie leider wieder einholte. In Form eines nahenden Schneesturms, Beißern und… der Leiche die eben immer noch dort vor diesem Baum lag und die Jesus nicht einfach so ausblenden konnte. Eigentlich hätte er ja ausreichend Anstand, um Harry nun wenigstens zu begraben. Doch aufgrund der Wetterlage hatten sie dafür nun nicht die Zeit, zumal der Boden gefroren war und sie keine Schaufel hatten. Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit nun ein Grab für ihn auszuheben. Und gelänge es ihm doch, könnte er sich danach gleich mit Harry hinein legen weil er wohl aufgrund von Erschöpfung oder Erfrierungen sterben würde. Und gerade eben hatte er erst wieder einen wirklich schönen Grund gefunden, um morgens aufzustehen, weshalb er sein Leben nun nicht für den ehemaligen Savior wegwerfen wollte.
Stattdessen beliebte nun auch er erneut ein bisschen zu scherzen, einfach weil er wusste Gabe fühlte sich damit wohler als wenn er ihn nun weiterhin nur so verträumt anlächeln würde.
„Wir hatten noch nicht mal ein Date und schon lädst du mich zu dir nach Hause ein?“
Sagte er schmunzelnd, was natürlich nur ein Scherz war, schließlich war er ja schon bei ihm zu Hause gewesen. Aber letztlich stimmte er natürlich zu und wirkte dabei wieder ein bisschen ernster.
„Nein, es wäre Selbstmord nun ins Cottage zurück zu kehren.. außerdem war dein Kissen wirklich bequem“
Oder besser gesagt Gabes Brust auf der Jesus geschlafen hatte. Eine Weile zumindest. Weshalb er seine Einladung wirklich sehr gerne annahm. Jedoch noch nicht ganz zum Gehen bereit war wie es schien, da er etwas zögerte
„gib mir bitte noch einen Moment…“
Er wusste er sollte nun nicht trödeln, je eher sie los gingen desto besser, denn diese Schneestürme konnten wirklich heftig werden hier draußen. Hoffentlich würde Gabes Zelt den Sturm überleben. Aber wenn nicht hatten sie immer noch das Altenheim das sie notfalls säubern konnten, um dort Unterschlupf zu suchen. Zu zweit bekämen sie das ganz bestimmt auf die Reihe. Zuvor jedoch bat er Gabe darum noch kurz zu warten. Denn wenigstens eine Sache wollte Jesus aus Anstand tun. Nämlich zwei kleine Äste zu suchen, welche er mit einem ganz dünnen Ast zu einem kleinen Kreuz verknotete. Mit dem Kreuz in der Hand begab er sich zu Harry, zu welchem er sich hinab kniete und das Kreuz auf dessen Herz legte.. gemeinsam mit dem Medaillon seiner Tochter. Eine Geste die wohl erneut von Großmut zeugte, denn die meisten anderen verstünden wohl nicht weshalb Jesus das tat, nach all der Dinge die Harry zu ihm gesagt hatte. Aber das spielte nun keine Rolle mehr für Jesus, er hegte dennoch Bedauern über diesen Verlust, denn er erinnerte sich auch an den Mann, den Freund den er ihm in den letzten Monaten gewesen war und sah in ihm trotz allem nicht nur den Savior oder hörte seine letzten Worte. Die Menschen waren so viel mehr als das man sie anhand von einem Moment beurteilen sollte. Und auch Harry hatte andere Facetten an sich, am Ende hatte bloß leider seine Verzweiflung und sein Zorn überwogen. Jesus ließ seine Hand kurz an dessen Herzen liegen und flüsterte leise
„Mögest du deinen Frieden mit deiner Tochter finden..“
Er fuhr ihm mit der flachen Hand über sein Gesicht, um dessen Augen zu schließen, ehe er auch die seinen für einen Augenblick schloss, um Harry zu gedenken. Erhob sich im Anschluss jedoch wieder, da es nun wirklich an der Zeit war zu gehen.
„Okay, ich bin so weit. Lass uns gehen“
Jesus hatte diesen Abschluss nun gebraucht, um die ganze Angelegenheit hinter sich zu lassen. Was nicht hieß, dass er es vergaß. Harrys Worte hatten eine Wunde in Jesus hinterlassen, eine Schuld die er niemals wieder vergessen würde. Allerdings nahm er diese Schuld auf sich, statt sie von sich zu weisen. Er akzeptierte sie und würde versuchen einen Weg zu finden mit dieser Schuld zu leben. Denn das war es das anständige Männer taten. Sie suchten die Schuld nicht bei anderen sondern nahmen sie an und versuchten Wiedergutmachung zu leisten. Selbst wenn es ihr Leben lang dauerte. Damit er jedoch noch ein Leben hatte in dem er Wiedergutmachung leisten konnte mussten sie nun los. Glücklicherweise war der Weg nicht so weit gewesen, weshalb sie es vor Einbruch der Dunkelheit zurück schaffen sollten, zumindest unter gewöhnlichen Bedingungen. Doch der Schneesturm wurde wirklich immer stärker und unangenehmer.
„wir sollten wirklich einen Zahn zulegen“
Denn das Wetter konnte Jesus leider noch nicht beeinflussen. und er weigerte sich heute noch jemanden zu verlieren, weil der an seinen gefrorenen, nassen Hosen starb.

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#46

RE: Dachterrasse

in Altenheim 20.02.2020 18:38
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Gabe hatte immer irgendein Ziel vor Augen, sei es Schabernack, etwas zu Essen, Beute, ob nun als Dieb oder Jäger aber irgendwas trieb ihn durchaus an, nur nicht durchgehend vielleicht, hatte man keine Aufgabe, keine echten Ziele, suchte man sich selbst welche und darin war er immer schon ziemlich gut gewesen. Die Meisten waren sogar recht harmlos, manchmal bestand seine Tagesaufgabe, sein Ziel, auch nur darin, sein Training durchzuziehen oder ein Gebäude, einen Ort, auf den Kopf zu stellen, den er vielleicht zuvor entdeckt hatte. Schließlich war er kein boshaftes Genie, das plante, die Weltherrschaft an sich zu reißen, um Teufels willen, das wäre ihm viel zu anstrengend und er hasste es, Verantwortung für Andere übernehmen zu müssen, abgesehen von HootHoot versteht sich.
Aber ja, Gabe überlebte aber er lebte nicht wirklich, tat er lange schon nicht mehr aber er war ziemlich erfolgreich darin, sich selbst und Andere anzulügen, mit einem Grinsen, einem dummen Spruch, zu überspielen, was er wirklich dachte, empfand oder sich, an manchen Tagen, innerlich toter fühlte als die Beißer es sind oder eben nicht sind. Denn selbst die, hatten wohl etwas mehr Ansporn, als der Dieb an manchen Tagen aber da war er wohl kaum der Einzige auf der Welt, am Ende gab es immer jemanden, dem es weitaus schlechter ging, als einem selbst. Ist zwar kein Trost aber who cares.
Bei Gabe reichte im Gegenzug schon das falsche Gesicht, ein falsches Wort und er ging an die Decke, er hatte schlichtweg nicht die Geduld oder innere Ruhe, er war ein rastloser, ungeduldiger, hibbeliger Geselle, den man schnell auf die Palme bringen konnte, während man zumindest bei Paul sicher sein kann, man hat richtig verkackt, wenn dieser mal die Stimme erhob. Dessen ruhige Art, als auch Ausstrahlung, wohl einen guten Ausgleich schuf, zu Gabes hitzigen unruhigen Gemüt, das so schnell angestachelt und zum Explodieren gebracht werden konnte, während man bei dem Holy Ninja, sich wohl echt ins Zeug legen muss, damit dieser auch nur genervt drein schaute. Wirklich bewusst war es Gabe auch noch nicht aufgefallen, doch Paul schien sich, an seiner hibbeligen Art, nicht sonderlich zu stören, manche Leute hielten es kaum fünf Minuten in Gabes Nähe aus, weil er einfach nicht still halten konnte und der Ein oder Andere, wohl schon kurz davor stand, den Bogenschützen irgendwie ruhig zu stellen. Zumindest kam es ihm früher schon oft so vor, selbst in der neuen Welt, wenn man ihm Alkohol oder nen Joint angeboten hatte, was er immer ablehnte, weil er den Scheiß aus Gründen nicht anrührte, die er Paul sogar erzählt hatte.
Dieser schien seine Art nicht als schlimm, störend zu empfinden oder sich gar davon anstecken, mehr noch abschrecken zu lassen, selbst als Gabe eine Seite an sich zeigte, die kein Stück liebenswürdig war und worauf er auch nicht stolz war, er gab gerne mal ein bisschen an, sei es mit seinen Fähigkeiten als Bogenschütze, dem Wissen, dass in seinem Kopf gespeichert war, aber viele ihm nicht zumuteten, seinem durchtrainierten Körper aber er konnte nichts Gutes daran finden, nichts worauf man stolz sein sollte, konnte, wenn es darum ging, Leute zu töten, mitunter auf ziemlich sadistische Art und Weise. Gabe war auch nicht immer fair, am allerwenigsten edelmütig, gerade als Dieb und Späher, war Heimtücke sein Steckenpferd, er benutzte Giftpfeile, wovon er verschiedene fertigen, sowie nutzen konnte. Gift ist vielseitig einsetzbar und er kannte die hiesige Flora und Fauna bestens, er weiß was er pflücken muss, wenn er ein lähmendes Gift herstellen will, dies galt ebenso für tödliches Gift oder eines, das Halluzinationen hervorrief. Selbst seine Pfeilspitzen waren nicht alle gleich, dank der Schmiede, die dem Zoo zur Verfügung stand, besaß er auch Spezialanfertigungen, die richtig hässliche Wunden ins Fleisch reißen konnten, solche mit denen man auch Großwild, Elche oder gar Bären, Pumas töten kann. Harry konnte also von Glück reden, dass er noch relativ schnell und einfach starb, denn Spaß hatte Gabe definitiv nicht an solchen Dingen, ihm war das Blut von Wild oder Fisch an den Händen lieber, wenn er jagte, als das von Menschen.
Er verstand auch die Leute nicht, die daran Freude hatten, wobei er dann davon ausging, er war einfach zu weich und das wiederum eine Schwäche, für die einfach kein Platz ist.
Ebenso wenig wie für einen Kuss ... sollte man meinen.
Zumindest bislang dachte er so, dass es etwas Furchtbares ist, etwas worauf er verzichten wollte, denn wie er selbst sagte, man kann nicht vermissen, was man nicht kennt und schon wieder war es Paul, der ihm aufzeigte, wie schön etwas sein kann, von dem Gabe so ein verzerrtes Bild hatte über die Jahre hinweg.
Selbst als der Holy Ninja, mit seinem schönen shiny Hair, das Ruder übernahm, den, sonst so hibbeligen Dieb, anleitete, trat nicht das ein, was Gabe bislang, wie eingebrannt, im Hinterkopf hatte. Paul hatte weder vor, Gabe in die Knie zu zwingen, noch sich selbst, in irgendeiner Weise, über ihn zu stellen, während dieser förmlich, gar schmachtend, gebannt, an dessen Lippen hing, diese sich aneinander schmiegten, verspürte er, nebst dem intensiven, elektrisierenden, Kribbeln, das wohlige Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit. Er konnte demnach wirklich nicht leugnen, dass dieser Kuss, diese Küsse, solang sie ihnen vergönnt waren, sich beinahe schon zu gut anfühlten, um wirklich wahr zu sein, aber offenbar war das tatsächlich kein, merkwürdiger, Traum, sondern blanke Realität. Dessen wurde er sich spätestens dann gewahr, als das vertraute Röcheln, störend, an seine Ohren drang und sie Beide dazu ermahnte, dass der Tod hinter jedem Baum, in diesem Wald, lauerte.
Immerhin lenkte das Wetter seinen Fokus auf sich, sodass Gabe, zumindest im Moment, nicht dazu kam, seine Gedanken rotieren und das eben Geschehene, Revue passieren, zu lassen.
Auch wenn sein Herz noch immer Rumba tanzte in seiner Brust, sowie der rote Schleier auf seinen Wangen, deutliche Anzeichen dafür waren, dass dieser Kuss, zwischen ihm und Paul, wirklich passiert war und selbst jetzt, obschon nun wieder etwas Abstand zwischen ihnen herrschte, hatte er immer noch das Gefühl, dessen weiche Lippen auf seinen zu spüren. Oh, Teufel, er sollte nicht daran denken! Andere Dinge sollten und mussten nun Priorität haben, auch wenn Paul ihn, mit seiner Bemerkung, total aus dem Konzept brachte, sodass Gabe nur ein fiepender, überraschter, Laut entwich, als er den Holy Ninja mit großen Augen, ein wenig erschrocken, mit seinen grünen Puppy Eyes, ansah.
"D-D-Date?!"
Prompt machte er einen Schritt zurück, einen Zweiten, wobei er jedoch über den eigenen Fuß stolperte, sowie etwas ins Straucheln geriet aber sich gerade so noch fangen konnte, während ihm das Herz, prompt, wieder bis zum Halse schlug vor lauter Aufregung. Sein Kopf fühlte sich an als platze er gleich oder würde schon dampfen, so sehr glühten seine Wangen. "Mein..mein...what!?" Er musste sich räuspern, weil seine Stimme, glatt zwei Oktaven höher wurde, sowie sich halb überschlug, denn wenn er sich recht entsann, war er dieses Kissen gewesen und als ihm das bewusst wurde, schlug Gabe sich prompt die Hände ins Gesicht, vermutlich verblasste neben ihm das knalligste Rot, was jemals auf einem Werbeplakat geprangt hatte. Als Paul um einen Moment bat, für was auch immer, nickte der, dezent überforderte, verlegene, Bogenschütze hastig, wandte sich ab und ging rasch in die Hocke, nur um sich eine Ladung Schnee ins Gesicht zu drücken, in der Hoffnung, dass ihn das ein bisschen abkühlen würde. Seufzend hob er langsam den Kopf, ließ die Hände, sowie den Restschnee, der nicht geschmolzen war, sinken, um erst mal zu schauen, was Paul überhaupt erledigen wollte und im ersten Moment war Gabe, wie wohl manch Anderer an dessen Stelle, etwas irritiert. Die Augenbrauen zusammen ziehend, runzelte er fragend die Stirn, beobachtete zunächst auch einfach nur, wie Paul ein kleines Kreuz zusammen bastelte, um dieses, als auch das Medaillon, dem Toten zu übergeben.
Wortlos richtete sich Gabe wieder auf, sie hatten dafür keine Zeit, wieder ging sein Blick gen Himmel, fiel danach auf den Beißer, der zwischen den Bäumen angewankt kam, doch noch weit genug weg war, sodass dieser, für sie, im Grunde keine Bedrohung darstellte.
Er selbst hatte nichts übrig für Harry, vermutlich war Gabe, durch die Jahre, auch zu abgebrüht inzwischen, weshalb er Pauls Handeln, viel mehr als Zeitverschwendung, denn notwendiges Handeln, erachtete aber er verkniff es sich, dazu etwas zu sagen, denn jeder ging anders mit solchen Dingen um. Zudem besaß Paul viel Mitgefühl, wäre dem nicht so, würde er Gabe gegenüber wohl auch ganz anders sein, bestimmt nicht so verständnisvoll, freundlich, wie er es bislang war. Nur konnte er sich sowas nicht ansehen, weshalb er sich in Bewegung setzte, dem Beißer entgegenmarschierte, der einige Meter noch entfernt war, sowie diesen, mit einem gezielten ersten Tritt gegen die Kniescheibe, zu Fall brachte, sowie mit einem zweiten dessen Kopf zu Brei zertrat. Andere würden irgendwann angewankt kommen, sich auf die Leiche stürzen, von der Paul sich verabschiedete, doch der Zeitpunkt verschob sich somit etwas nach hinten.
Am Ende tat er selbst das, einzig, Paul zu Liebe, dem er auch die Zeit ließ, selbst wenn es ihn wieder unruhig werden ließ, weil er nicht mitten in den Schneesturm geraten wollte. Er ging zumindest schon mal vor, nur wenige Meter, den Weg zurück, welchen Paul genommen hatte, da Gabe ja einen kleinen Umweg gegangen war, um die richtige Ausgangsposition zu haben, für die nahende Konfrontation. Erst als Pauls Stimme wieder an seine Ohren drang, diesmal auch er gemeint war, schaute Gabe über die Schulter zu dem Holy Ninja, wartete auch, bis dieser aufgeschlossen hatte, um den Rückweg anzutreten. Für ihn war das Thema 'Harry' gegessen, weshalb er absolut keinerlei Anlass hatte, Paul an den Kopf zu werfen, dass er lang genug getrödelt hatte, er war wohl offenbar die Art Mensch, die sich verabschieden mussten, wenn jemand starb, der ihm vertraut war.
Eigentlich wäre Gabe wohl nicht anders, wenn er nicht so akribisch darauf achten müsste, im Zoo, mit dem Arsch an die Wand zu kommen, damit niemand ihn, am Nacken packen und weiter nach Unten befördern konnte, in der Nahrungskette. Bei ihnen, unter den Wächtern sowie ihm als Späher, galt nun mal das Recht des Stärkeren, während die Konflikte unter den Arbeitern, eher unterbunden wurden aber man will ja auch sicher gehen, dass sie weiter ihren Nutzen haben und keiner ausfällt.
Der Rückweg war an sich gar nicht so beschwerlich, würde der eisige, schneidende Wind, nicht immer weiter zunehmen, die vielen Flocken herumwirbeln, peitschen, sodass ihr vorankommen deutlich erschwert wurde. Sein kleiner Kauz, den er gerufen hatte auf halben Wege, verbarg sich, relativ gut geschützt, vor Wind und Wetter, wieder in Gabes Kapuze, die er tiefer ins Gesicht gezogen hatte, ebenso sein blaues Halstuch, um Mund sowie Nase vollständig zu bedecken.
"Ich hasse Schnee!!"
Schimpfte er, erneut, nur um es noch mal zu verdeutlichen aber er war auch der Typ, mit der ätzend kalten, gefrierenden, Hose am Leib, was das Stapfen, durch den Schnee, nicht angenehmer machte oder gar erleichterte. Wäre der Zoo nicht ähnlich weit entfernt, wie das Cottage, hätte Gabe sich definitiv in seine Bude dort zurückgezogen, auch wenn die mehr einem Lager glich, dem eines, sehr erfolgreichen, Diebes wohlgemerkt. So jedoch kehrten sie zurück zur Dachterrasse, während es langsam richtig ungemütlich wurde, Paul ließ er den Vortritt und kletterte erst wieder nach Oben, als dieser schon über das Geländer war, sowie sich, ebenfalls wieder festen Boden unter den Füßen habend, sofort die kalten Hände rieb, anders als der Holy Ninja, trug Gabe ja keine Handschuhe. Das Feuer war längst erloschen, inzwischen halb eingeschneit, das kriegte Gabe unter den Bedingungen nicht mehr an und das fuckte ihn dezent ab, schließlich drehte er sich zu Paul, schob die Hand in die Kapuze und hob seinen Kauz auf den Zeigefinger, der sogleich an seiner Fingerkuppe etwas knupperte, sowie sich aufplusterte, als er aus der schützenden Stoffhöhle genommen wurde. "Geh mit HootHoot ins Zelt, kannst du ihm aus ner Decke eine kleine Höhle bauen?" Diesen reichte er auch direkt an Paul, der kleine Kauz kniff die großen Augen zusammen, aufgrund des Wetters, plusterte sich auf und ließ sich an den Holy Ninja übergeben. Er gab Paul auch seinen Bogen, nahm ebenso den Gürtel, mit seinem Köcher daran, ab damit er dies ebenfalls ins Zelt nahm, ehe der ehemalige Pfadfinder sich sofort rasch in Bewegung setzte, damit er das Zelt etwas abschirmen, sichern konnte. Viel hatte er dafür nicht zur Verfügung, jedoch eine große Plane, sowie ausreichend, große Blumentöpfe und heraus gebrochene Steinplatten, der Terrasse, um eben diese zu beschweren. Während er diese, schützend, über das Zelt drapierte, fluchte und schimpfte Gabe wie ein Rohrspatz, weil ihm das Ding laufend drohte davon zu fliegen oder ihm ins Gesicht schlug, weshalb es eine halbe, gefühlte, Ewigkeit dauerte bis er sie da hatte, wo er sie haben will.
Nicht verwunderlich, das er schnaufend, ein bisschen außer Atem, sowie mit lauter Schnee im Haar, rasch ins Zelt kam, dieses verschloss und extrem grimmig drein schaute, oh wie sehr er es doch hasste, Wintersport ist toll, doch bei so einem Wetter draußen sein, nicht gerade prickelnd. Er nahm auch gleich Platz, schlang die Arme um sich und rieb über das, steif gewordene, kalte Leder seiner schwarzen Jacke, was absolut nichts brachte, weswegen er diese prompt auszog, sowie in die Ecke flackte, gleich darauf rubbelte er sich wieder die Oberarme, um wenigstens ein bisschen warmzuwerden. Wäre er allein, würde er sich komplett ausziehen, in den Schlafsack kriechen, sowie sich, mit allen Decken, die er hier lagerte, einwickeln, wie so eine Raupe in ihren schützenden Kokon. Konnte er jetzt allerdings schlecht machen.
Außerdem schaute er auch gleich nach seinem Käuzchen, am wichtigsten war Gabe, dass dieser eine geschützte, kuschelige Höhle hatte, worin er sich verkriechen konnte, denn bei dem Wetter, ließ er den Kleinen nicht raus, nahm aber mit zittrigen Fingern, den kleinen Lederbeutel von der Gürtelschlaufe seiner Hose, öffnete diesen und fütterte seinem Kauz einen Engerling, ja der lebte noch und HootHoot schnappte gierig danach, um zu fressen. Gabe kümmerte sich eben um seinen kleinen gefiederten Freund, er sammelte Larven, Regenwürmer, Raupen, Engerlinge, je nach Jahreszeit, von denen er immer ein paar am Mann hatte, um seinen Kauz zu füttern, wenn er, wie jetzt, nicht rausfliegen konnte, um selbst zu jagen. Außerdem war es auch eine Belohnung. Den Beutel wieder fest verschlossen, da sein Kauz erst mal damit beschäftigt sein würde, den Engerling zu fressen, in seiner kleinen Deckenhöhle, packte Gabe diesen bei Seite, rieb sich wieder die Arme und lenkte seine Aufmerksamkeit zu dem Holy Ninja.
"..alles okay?"
Stellte er die Frage, die ihm schon seit, der Begegnung mit Harry, auf der Zunge lag, gut war vielleicht nicht die beste Frage aber.... Gabe hoffte einfach, dass Paul sich das Ganze, nicht zu sehr, zu Herzen nahm, was dieser ihm wütend entgegen geschimpft hatte. Sein Blick fiel auch prompt auf den roten Strich, den feinen, wenn auch nur leichten, Schnitt an Pauls Hals, zumindest war nichts Schlimmeres passiert, was wenigstens ein kleiner Trost ist.


@Jesus


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#47

RE: Dachterrasse

in Altenheim 20.02.2020 22:06
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Jesus redete dabei eher von einem langfristigen Ziel. Etwas das er im Leben erreichen wollte. Was leichter gesagt war als getan. Früher hatten die Menschen sich schließlich größtenteils über ihren Job definiert. Immer wenn man gefragt wurde was man in seinem Leben tun wollte, lief es darauf hinaus irgendeinen Beruf auszuwählen. Heute war das jedoch anders. Zwar gab es immer noch gewisse Aufgaben denen man nachgehen konnte, wie beispielsweise die Kinder zu unterrichten, das Handwerk des Farmers zu erlernen, zu jagen oder die Kolonie zu beschützen. Doch richtige Jobs die der Selbstverwirklichung dienen sollten gab es in dieser Zeit nicht mehr. Man tat was getan werden musste, ungeachtet dessen, ob es das war was einem gefiel. Jesus hatte das Glück dennoch tun zu können was er mochte, nämlich seine Kampfkunst zu unterrichten. Eine Fähigkeit, die in der alten Welt fast ausgestorben war, heute jedoch mehr Bedeutung hatte denn je. Aber nicht alle hatten so ein Glück und wussten genau was sie aus ihrem Leben machen sollten, nun wo es nur noch so erschreckend wenige Möglichkeiten gab. Sie waren von völliger Reizüberflutung zurück zu den Wurzeln des menschlichen Daseins geworfen worden. Nur hatten sich die Bedürfnisse und Wünsche dadurch trotzdem nicht geändert. Aber es war okay nicht zu wissen was man wollte, auch früher gab es genug Orientierungslosigkeit, trotz der vielen Möglichkeiten. Jesus war lediglich neugierig, ob Gabe irgendein langfristiges Ziel verfolgte oder nicht, er würde ihn bei Gelegenheit fragen.
Dieser lag richtig mit seiner Annahme, dass Paul sich nicht an Gabes hibbeliger Art störte. Sie gehörte eben zu ihm und war Teil seines Charakters. Weswegen er nie auf die Idee käme den Versuch zu starten seinen Bewegungsdrang zu unterbinden. Wenn es ihm gut tat dann sollte er ihn einfach rauslassen. Ihm fehlte es vielleicht an der nötigen Förderung aber ganz bestimmt nicht an irgendwelchen Tranquilizern. Also wenn es ihm gut tat herum zu laufen während er redete oder etwas in den Händen halten musste, mit dem er spielen konnte, dann sollte er das machen. Sie waren alle Individuen mit unterschiedlichen Eigenschaften und wenn man jemanden mochte, dann sollte man ihn auch so annehmen wie er war, ohne ständig Kritik zu üben. Zumal Jesus sich davon ohnehin nicht anstecken oder aus der Ruhe bringen ließ. Er war eben voll der entspannte Ninja-Kage.
Der ohnehin die Meinung vertrat, dass für die schönen Dinge im Leben immer Platz sein sollte. Denn wofür lebte man sonst? Wenn man anfing sich nur noch auf das Negative zu konzentrieren aber alles was gut sein könnte fern hielt. Das war einfach kein Leben in seinen Augen und wenn er Gabe mit diesem Kuss dahingehend ein klein wenig die Augen öffnen konnte, dann verbuchte er das bereits als großen Erfolg.
Jesus musste ein wenig Schmunzeln weil Gabe erneut so in Verlegenheit geriet wegen seiner Bemerkung. zu früh? Vielleicht. Aber es war besser ihn so aus dem Konzept zu bringen als das er gegen den nächsten Baum lief weil er mit seinen Gedanken irgendwo war, nur nicht bei den Beißern und diesem Schneesturm. Sehr schmeichelnd für Paul keine Frage, doch es wäre ihm dann doch lieber wenn Gabe überleben würde und nicht in einen Schneehaufen voll Beißer stürzt weil er nicht aufpasst. Allerdings ging er nun nicht weiter auf seinen kleinen Scherz ein. Er musste keine Panik haben, Jesus würde ihn nun nicht um ein Date bitten. Er wusste, dafür war es viel zu früh. Gabe musste das was zwischen ihnen geschehen war nun erst einmal richtig verarbeiten. Für sich selbst entscheiden, ob er es gut oder schlecht fand. Denn Jesus würde ihn nun bestimmt nicht überschwänglich zu irgendetwas drängen. Er wollte Gabe genau die Zeit geben die er brauchte, um herauszufinden wie er zu alledem und zu Paul.. stand. Oder aber auch zu sich selbst und der Tatsache, dass er sich ganz offensichtlich zu Männern hingezogen fühlte statt zu Frauen. Auch das konnte anfangs schließlich sehr verwirrend sein. Jesus erinnerte sich noch gut daran als es ihm bewusst geworden war. Eine wirklich äußerst aufreibende Zeit.
Und Gabe war noch nicht so weit es sich richtig einzugestehen, selbst nach diesem Kuss wie es schien, sonst klänge seine Stimme nun nicht sofort zwei Oktaven höher. aber Jesus fand das ehrlich gesagt nur ziemlich entzückend und lächelte ihn daher beschwichtigend an. Es war alles gut, kein Grund in Panik zu verfallen.
Also vielleicht war es gut, dass nicht nur Jesus sich einen Moment nahm, um Harry die letzte Ehre zu erweisen sondern auch Gabe so einen Augenblick bekam, um wieder etwas durchzuatmen. Denn Jesus fände es wirklich höchst bedauerlich würde nun einfach sein Kopf platzen. Der sowieso viel zu schön dafür war.
Jesus wusste, dass sie für das was er tat nun eigentlich keine Zeit hatten. Er war aber nun mal jemand der der Ansicht war, für so etwas musste man sich Zeit nehmen. Denn es war wichtig, um nicht völlig abzustumpfen in dieser Welt. Zu Hause im Cottage wurden alle Toten begraben, es gab Abschiedszeremonien für sie und den Angehörigen wurde so die Möglichkeit gegeben zu trauern und ihre Liebsten zu besuchen wenn ihnen danach war. Niemand wurde einfach draußen liegen gelassen wenn er fiel, nein oft verbrachten sie nach einem Unfall mit den Beißern Tage oder Wochen damit ihre Leute zu suchen und nach Hause zu bringen. Denn niemand sollte dort draußen als seelenlose Kreatur herum wandern, fernab von den Menschen, denen man wichtig war. das nannte man einfach Anstand und Menschlichkeit wie Jesus fand, weshalb er es sich auch in diesem Fall nicht nehmen ließ und vielleicht auch einfach nicht anders konnte. Selbst wenn sich das Risiko für Gabe und ihn dadurch erhöhte. Aber er beeilte sich ja auch, doch diese zwei Minuten würden hoffentlich nicht den Ausschlag für ihre sichere Rückreise geben.
Gabe musste ihm dabei keine Gesellschaft leisten, doch es war lieb von ihm, dass er versuchte die Beißer noch etwas länger von Harrys Leiche fern zu halten. Was aufs Neue bewies, dass Gabes Herz am rechten Fleck saß, denn nicht immer waren es Worte, die jemanden zu einem guten Menschen machten, manchmal waren es auch einfach nur diese kleinen, stummen Taten, die von niemandem bemerkt wurden.
Nun war es aber wirklich an der Zeit zu Gabe aufzuschließen, denn der Wind wurde zunehmend unangenehmer und peitschte ihnen mit jedem weiteren Schritt mehr und mehr ins Gesicht. Weshalb nun auch Jesus sein weißes Halstuch über Mund und Nase zog, seine Ninja-Tarnung, die er häufig auf seinen Raubzügen trug.
„Stell dir einfach vor das hier ist eine angenehm warme Meeresbrise und auf deiner Terrasse warten schon die Pina Coladas auf uns…“
Oder in Gabes Fall eine Virgin Colada. Die man wirklich so nannte wenn sie ohne Alkohol war!!! Aber Meerwasser das einem ins Gesicht peitschte wäre wohl mindestens ebenso unangenehm, nur nicht ganz so kalt vermutlich.
Hätte Gabe Jesus einfach hier in dem Schneesturm zurück gelassen wäre der Zoo näher entfernt? oder hätte er ihn mitgenommen? was wohl einem Todesurteil gleichen würde. Auf der anderen Seite waren sie beide professionelle Diebe deren Leben häufig davon abhing nicht gesehen zu werden. Wäre also nicht einmal verwunderlich wenn es ihnen gelänge dort einfach unbemerkt ein und aus zu steigen für eine Nacht.
Aber die Dachterrasse tat es auch, hoffentlich. wenn sie morgen beide erfroren waren dann hatten sie wenigstens eine schöne, letzte Erinnerung zusammen. Allerdings war der Körper durchaus dazu in der Lage sich selbst warum zu halten, wenn man es nur richtig anstellte.
Naja und wenn das Zelt keine Risse bekam oder weg flog aufgrund des Sturmes. Immerhin war auch die Gefahr gegeben, dass Dinge durch die Luft geweht wurden, die das Zelt beschädigen könnten, wie Äste beispielsweise. Aber sie würden diese Nacht überstehen. Es wäre doch gelacht wenn man in der Zombieapokalypse wegen einem Schneesturm sterben würde. Das wäre sowas von gar nicht heldenhaft.
Wieder oben auf der Terrasse angekommen nahm Paul HootHoot an sich und strich seinen gefiederten Freund über den Kopf ehe er nickte und Gabe auch noch seinen Bogen sowie Köcher abnahm, um alles in dem Zeit zu verstauen. Er baute für HootHoot behutsam eine kleine, stabile Höhle aus einer Decke, damit er es schön warm hatte. So ein Gefieder war schon praktisch, denn der Kauz fror wahrscheinlich am wenigsten von ihnen beiden. Jesus fragte sich was Gabe draußen noch herum werkelte und dabei so fluchte, weshalb er den Kopf kurz aus dem Zelt streckte und fragte
„Brauchst du Hilfe?“
Aber da schien Gabe schon fertig zu sein und begab sich ebenfalls zu ihm ins Zelt. Wo Jesus erst mal seine Handschuhe und seine Lederjacke auszog. Denn nichts davon wärmte ihn noch. Es war einfach nur nass und kalt und einfach unangenehm. Eine Nacht so ganz ohne Feuer würde hart werden, denn gestern Nacht wurden sie wenigstens von draußen etwas gewärmt und der Schnee hatte sich wie eine behutsame Decke über das Zelt gelegt, doch heute drohte er es stattdessen auseinander zu reißen und hatte rein gar nichts anmutend friedliches an sich.
„Versteh das jetzt nicht falsch aber… du solltest deine Hose ausziehen. Ohne ein Feuer wird sie nicht trocknen und das könnte hässliche Folgen haben“
So eine Prostata- oder Blasenentzündung war wirklich nicht angenehm. und der Schlafsack würde Gabe wesentlich besser wärmen als diese nasse Hose. Welchen er Gabe nun auch reichte. Es war nett gewesen, dass er ihn gestern Nacht darin hatte schlafen lassen. Aber heute brauchte Gabe ihn dringender als Jesus. Der lief immerhin schon den ganzen Tag in nassen Hosen rum und dann war es viel schwieriger sich wieder aufzuwärmen wenn man dauerhaft fror.
Erneut zeigte Gabe eine Seite die bewies, dass er ein guter Kerl war, denn bevor er sich um sich selbst kümmerte, stellte er zuerst sicher, dass es seinem Kauz gut ging und er zu fressen und einen warmen Unterschlupf hatte. Eine ziemlich liebenswürdige Seite an Gabe wie er fand, weshalb er die beiden auch nur mit einem schwachen Lächeln beobachtete.
Welches ihm bei Gabes Frage jedoch wieder ein bisschen verging.
„Möchtest du nun eine ehrliche Antwort darauf haben?“
Es war lieb von Gabe, dass er Jesus danach fragte, ob alles okay mit ihm war. allerdings wusste dieser sehr gut, dass die meisten Leute darauf eigentlich gar keine ehrliche Antwort haben wollten. Sie wollten lediglich hören ‚ja ja es geht mir gut‘. Fragten aus Anstand nach und weil es sich einfach gehörte, wollten in Wahrheit aber gar nicht wissen was in ihrem Gegenüber vorging, weil es mitunter keine angenehme Antwort wäre. Und wer wollte sich schon mit den Problemen eines anderen belasten? Die Wenigsten heutzutage, da sie selbst genug Probleme hatten. Und Jesus verstand das auch. weshalb er ja auch genau abwägte wem er sich wirklich öffnen sollte und wem nicht. bei Gabe jedoch hatte er das Gefühl, dass er nicht nur aus Anstand fragte, weshalb er ihm auch wirklich ehrlich darauf antworten wollte. Selbst auf die Gefahr hin ihn damit vielleicht zu überfordern.
„Einerseits erfüllt es mich mit Traurigkeit wenn ich daran denke was wir Harrys Tochter angetan haben.. und was dieser aufgrund unserer Verantwortungslosigkeit erleiden musste. Zumal ich wirklich nicht weiß wie ich Susans Tod je wieder gut machen soll. Ich denke das kann ich nicht.. aber dennoch ist es kein Grund für mich aufzugeben. Denn wenn ich aufgebe kann ich rein gar nichts besser machen.“
er würde sich bemühen noch mehr gute Taten zu vollbringen, um Susans Vermächtnis zu ehren und so viel er konnte zurück zu geben, damit die Last auf seinen Schultern vielleicht nach und nach ein klein wenig leichter wurde. während er sprach blickte er hinab auf seine roten, kalten Hände, die trotz der getragenen Handschuhe nicht so recht auftauen wollten. erst anschließend sah er mit seinen blauen, tiefgründigen Augen wieder in jene von Gabe
„aber auf der anderen Seite bin ich auch… glücklich. Denn wäre all das nicht geschehen, dann wären wir uns wohl niemals begegnet. Nicht auf diese Art und Weise. Und dafür bin ich dankbar“
Gabe wusste ja bereits, dass Jesus versuchte in jeder schrecklichen Erfahrung auch irgendetwas Gutes zu sehen. Und in diesem Fall war dies die Begegnung mit Gabe auf dieser Terrasse. Denn hätte er nicht nach Harry gesucht, dann hätte er Gabe niemals getroffen. Welchen er bei seinen Worten sanft anlächelte. Er zog nun auch seine Wollmütze vom Kopf, die Haare, welche nicht davon bedeckt gewesen waren, waren stellenweise sogar gefroren. Das Shiny Hair war nun also wortwörtlich übersäht mit glänzenden Eiskristallen. Was jedoch weniger angenehm war, da sie langsam zu schmelzen begannen und sein Haar so ziemlich nass wurde. er fuhr sich durch eine seiner Strähnen und sah dann auf seine feuchten Hände hinab. Welche er im nächsten Moment anhob und etwas näher an Gabe rückte, um mit seinen Fingern zaghaft das restliche Blut von Gabes Stirn zu streichen, bevor es wirklich noch verkrustete. Anschließend machte er mit seinem Daumen ein kleines Kreuz darauf und sprach
„im Namen des Vaters…“
So begann man doch schließlich in der Kirche das Kreuzzeichen und Jesus musste automatisch wieder ein wenig lachen, als er die Hand wieder zurück zog und an seiner Hose abwischte. Selbst in ernsten Situationen war es wichtig, dass man zwischendurch mal ein bisschen lachte. Denn Humor war immer noch der beste Weg, um düstere Gedanken zu vertreiben. Dennoch wurde Paul danach wieder etwas ernster und fragte Gabe im Gegenzug
„und was ist mit dir?“
war denn mit ihm alles okay? ob Jesus nun darauf anspielte, dass er jemanden getötet hatte oder darauf das… er einen Mann geküsst hatte, nun das musste Gabe für sich selbst beantworten. Je nachdem welches dieser Dinge ihn im Moment mehr beschäftigte.

@Arthur Winchester




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#48

RE: Dachterrasse

in Altenheim 21.02.2020 16:17
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Oh, ein langfristiges Ziel? So etwas wie eine Lebensaufgabe? Erweckte Gabe auf ihn den Eindruck, als habe er so etwas? Tatsächlich, nope, letztendlich folgte er seinem Dad, ergo auch dessen Zielen, die selten, gar nicht, den Vorstellungen seines Sohnes entsprechen, denn der kam im Grunde wunderbar allein zurecht. Wäre die Welt normal geblieben, wäre er wohl beizeiten ausgezogen, allen voran, nach dem Tod seiner Mum, doch wenn die Toten wandeln, man mit ansiehst, wie diese sich auf die Lebenden stürzen und du plötzlich selbst töten musst, um zu überleben, klammert man sich, an das kleine bisschen Familie, was Einem noch geblieben ist. Aus Angst und Sorge, dieses auch noch zu verlieren. Ging dem Ninja doch nicht anders, nur das seine, neue, Familie nicht blutsverwandt war mit diesem, anders als bei Gabe und er hatte den Vorteil, er konnte sie sich selbst aussuchen, sowie gründlich sein bei der Auslese.
Gabe bräuchte oder viel mehr wollte gar nicht so viele Leute um sich, ihm reichte ein, sein, Lieblingsmensch und der war bislang stets Roxy gewesen. Die vermutlich schon, viele Jahre früher, bemerkt, begriffen hatte, dass ihr bester Freund, genau wie sie, kein Interesse am anderen Geschlecht hatte aber das Thema war heikel, in ihrer eigenen Familie, wie auch der von Gabe. Als sie sich vor Gabe geoutet hatte, dem Ersten überhaupt, war der nicht mal überrascht, er war ein guter Beobachter, bei Anderen, bei sich selbst, da war er viel mehr blind wie ein Maulwurf und ein Spätzünder. Er hatte sie unterstützt, ermutigt, wenn jemand ein Problem damit hatte, dass sie offen mit ihrer Neigung umging, war Gabe ihre Rückendeckung, Unterstützung, der nicht immer nur mit den Fäusten, Probleme aus der Welt schaffte, obschon ihn viele dieser Spinner, damals, wie wohl auch heute noch, derbe abfuckten mit ihrer Intoleranz, ihrer Homophobie oder schierer Dummheit! Zudem ist er auch nicht religiös, weshalb er darin kein sündhaftes Verhalten oder gar eine Krankheit sah, seine musikalischen Vorbilder waren mitunter homosexuell, aber deshalb käme er nie auf die Idee, dass er womöglich genauso tickte. Tatsächlich empfand er deren Gegenwart weitaus angenehmer, wohl auch, weil ihn dann nicht ständig irgendwelche Tussis fast ansabberten, das Sprichwort: Gleich und gleich gesellt sich gern, kam ihm nie in den Sinn. Bis heute nicht. Und Gabe gehörte nicht zu den Typen, die gleich Panik schoben oder davon ausgingen, dass jeder schwule Mann, der ihn nur anguckt, freundlich grüßt, sofort anspringen möchte. Er checkte es schon nicht, wenn Mädchen, inzwischen Frauen, ihn anschmachteten, als ob er es begreifen würde, wenn es ein anderer Mann täte.
Okay, der Kuss war eindeutig mehr, als nur eine subtile, kleine, unscheinbare Avance oder ein schmachtender Blick, nur herrschte in Gabes Kopf das reinste Chaos, Gefühlschaos wohl gemerkt, was die Bemerkung mit dem Date nicht besser machte. Zum einen brachte es ihn aus dem Konzept, die aufsteigende Panik, drohte sich mit der romantischen Vorstellung, zu verheddern, die Gabe im Hinterkopf hatte. In der Theorie, bislang nur, war er eigentlich der Ansicht, man sollte jemanden, den man mag, vorher ausführen, eben auf ein Date gehen, so gehörte sich das doch, oder nicht? Nur kam ihm dies, bezüglich Paul, gar nicht in den Sinn, weil er ein Mann ist! Gut, der Altersunterschied juckte Gabe tatsächlich null, wohl auch, weil der Holy Ninja, kein Stück wirkte wie ein alter Mann und noch weniger danach aussah!
Oh Teufel, er war verwirrt, realisierte, zum Glück, auch noch nicht so wirklich was da zwischen ihnen geschehen war, denn sein Kopf war noch zu wirr, zu benebelt von dem überwältigenden Gefühl, den der Kuss zwischen ihnen ausgelöst hatte. Sein erster richtiger Kuss überhaupt. Glückwunsch! Und er konnte es nicht mal mit Roxy teilen, die ihm, früher zumindest, wohl nur auf die Schulter geklopft und einen Milchshake zur Belohnung gereicht hätte, weil er das ganz toll gemacht hat, der hibbelige Trottel. Paul hätte sie wohl nen High Five gegeben, zumal der Kerl, wohl wirklich jemand ist, den sie auf Anhieb mögen würde, vor allem aber den guten Einfluss, den der Holy Ninja, auf Gabe haben könnte, um ihn doch noch davor zu retten, nur seines Dads wegen zu verrecken. Aus ihrer Sicht hatte Gabe, immer schon, besseres verdient.
Der sich, zum Glück, vorerst auf das Wetter konzentrieren konnte, anstatt sich damit auseinander zu setzen, warum seine Lippen, noch immer, so heftig kribbelten und in seinem Bauch, zig tausende Schmetterlinge herumflatterten, dabei war HootHoot doch derjenige, von ihnen Beiden, der gern mal Raupen verputzte. Zudem brachte der Schnee, den er sich ins Gesicht geklatscht hatte, auch nur bedingt Abkühlung, seine Wangen glühten noch immer, besser also das er zunächst ausreichend Ablenkungen hatte, denn früher oder später, würde Gabe sich damit auseinandersetzen müssen, nicht nur, dass er einen waschechten Kuss hatte, sondern zu allem Überfluss, nicht, wie von ihm erwartet wurde, mit einer hübschen jungen Frau, sondern dem, vermeidlichen, Feind und Holy Ninja. Oh ja, sein Dad wäre bestimmt mega stolz auf Gabe.... nicht!!!
Der tatsächlich weniger zum Scherzen aufgelegt war, aufgrund des Wetters, allerdings auch nicht verwunderlich, wenn man, wie er die letzten Jahre, ununterbrochen draußen lebte, da vergeudete man ungern Zeit mit ... Anstand oder Mitgefühl, wenn das Wetter drohte gefährlich zu werden, ob ein Gewittersturm im Sommer oder, wie jetzt, ein Schneesturm im Winter, Gabe bevorzugte es, ehe die Hölle über ihn hereinbrach, in seinem Zelt oder anderen Unterschlupf zu sein. "Keine Ahnung was ne Pina Colada ist aber ich würde Salzwasser, dem scheiß Schnee, definitiv vorziehen." Außerdem klang Strand und Meer nach Surfen, sowie Shorts, die als Garderobe völlig ausreichend waren. Okay, nein, Stop. Er sollte sich das jetzt nicht bildlich vorstellen, dafür war gerade echt kein Platz! Sonst liefe er wirklich noch, vor lauter Ablenkung, irgendwo gegen oder einem Beißer in die Arme, darauf konnte er getrost verzichten, um ehrlich zu sein. Wait, eine Pina Colada, ohne Alkohol, nannte man wirklich Virgin Colada? Sure why not.
Läge der Zoo näher, hätte Gabe zumindest in Erwägung gezogen, Paul mitzunehmen, gerade weil sie Beide geschickte Diebe sind, die nicht durch das Haupttor gehen mussten, um sich Zutritt zu verschaffen und Gabe nutzt eh Fenster, statt Türen. Zudem lag seine Bude im zweiten Stock, da hochzuklettern war für ihn kinderleicht, Paul hätte damit wohl auch keine Probleme, obschon der Bogenschütze wohl einfach, ganz offiziell, Zuflucht im Hotel des Zoos gesucht hätte, denn das stand den Nomaden offen zur Verfügung, ebenso die Bar und der Markt.
Sofern man sich an die Regeln hielt, wäre das kein Problem, der Handel mit den Nomaden florierte, der Zoo war ziemlich gut aufgestellt, war man nur Gast, hatte man auch nichts zu befürchten, sofern man keinen Ärger machte, sowie brav im Nomadenbereich blieb. Allerdings spielte das keine große Rolle, der Zoo war ebenso weit entfernt wie das Cottage, er und Paul hatten also nur als, erreichbare, Alternative, das Zelt des Bogenschützen. Wo dessen Kauz, dank Paul, eine kleine Höhle gebaut bekam, in die sich der kleine Raubvogel zurückzog, sowie sein aufgeplustertes Gefieder zu putzen anfing, das war wahrlich kein angemessenes Wetter, um draußen herumzuflattern oder gar um zu jagen. Gabe verweilte dagegen noch länger draußen, schimpfend, fluchend, weil er so etwas normalerweise machte, wenn sich die ersten Anzeichen eines Unwetters anbahnten, nicht erst, wenn es schon in die Gänge gekommen war!
Doch ändern konnte er es auch nicht, er würde auch nicht meckern, denn nüchtern betrachtet, war es Pauls Trödelei, weshalb ihm der peitschende Wind, die dicke, dunkelblaue Plane, laufend um die Ohren peitschte aber er hatte seine Gründe. Humane Gründe, die Gabe vielleicht nicht teilen konnte, weil er auf das Überleben mehr getrimmt war, als soziale Interaktionen inzwischen, aber er verstand sie. "Nein, alles gut."
War dessen Antwort, als Paul, den Kopf aus dem Zelt reckte und seine Hilfe anbot, war nicht nötig, zumal Gabe auch nur noch rein ins Zelt wollte, damit der eisige, schneidende Wind ihm nicht länger ins Gesicht peitschte. Warum zur Hölle, erfror er fast, zweimal, am selben Tag wegen Paul? Im Ernst, langsam fing Gabe an, dass persönlich zu nehmen. Auch wenn er diese, unterschwelligen, beinahe Attentate, dem Holy Ninja prompt wieder verzieh, als er die Höhle aus Stoff sah, die dieser für HootHoot aus der Decke gebaut hatte, damit sein kleiner Kauz sicher und warm war. "Danke." Sagte er diesbezüglich auch, gab seinem kleinen Kauz zu fressen, nur um anschließend, mit skeptisch gehobener Augenbraue zu Paul zu sehen, sowie fragend die Stirn in Falten zu legen. "Was sollte ich daran falsch verstehen? Erste Hilfe bei Hypothermie: Sofort raus aus der nassen Kleidung und gegen Warme tauschen. Keine externen Wärmequellen zuführen, wie Wärmflaschen, und nicht zu stark bewegen, weil ...das kalte Blut zurück in den Körperkern geleitet wird, was ...weitere Abkühlung bedeutet. Warme, gut gezuckerte Getränke, kein Alkohol, helfen aber ...damit kann ich nicht dienen. Aber ich zittere noch, ergo ...liegt meine Körpertemperatur, noch über 33 °C ... sonst hätte ich ein echtes Problem." Es war nur umständlicher, mit zitternden Fingern, die nasse, eiskalte Hose zu öffnen aber nein, er wird Paul nicht darum bitten, ihm zur Hand zu gehen, was eher ein Prinzip seinerseits ist, als damit zu tun hat, dass der Holy Ninja auf Männer steht und man es womöglich falsch interpretieren könnte.
Gabe tat sich zudem ja schwer damit Hilfe anzunehmen, egal in welcher Form, wäre er allein, müsste er das auch gebacken bekommen, auch wenn es umständlich war, gelang es ihm selbst die Hose zu öffnen, nur dass er sich hinlegen, sowie den Hintern anheben musste, um den klebenden Stoff von der Hüfte zu bekommen. Das fiele ihm leichter, wenn sich seine Beine, als auch seine Hände, nicht so scheiß kalt und taub anfühlen würden, den Kopf etwas zur Seite gedreht, in Richtung Paul, während er hier, versuchte, den Kampf gegen seine Hose zu gewinnen, aus der er nun wieder rausmusste, schaute er diesen etwas grimmig an. "Nein, ich will das du mir nen kitschiges Märchen erzählst, mit ner hübschen fucking Disney Prinzessin und ner guten Fee ..." Kam es garstig über seine Lippen, ehe er schnaufte und nebenbei versuchte, diese scheiß Hose loszuwerden. "....ich will keine Floskeln hören Paul, ..gib mir ne ehrliche Antwort ..oder gar keine.. wenn dir nicht nach Reden zumute ist."
Es war diesem überlassen, entweder war er ehrlich oder hielt den Mund, denn diese Floskeln, die Antworten, die Gabe jedem gab, wenn man ihn danach fragte, wie es ihm ging, kannte er zur Genüge und sowas wollte er von Paul nicht hören, weil er es ihm nicht glauben würde. Anders als der Bogenschütze, wirkte dieser nämlich nicht, wie ein guter Lügner. Er fragte auch nicht aus Anstand nach, davon hatte Gabe zwar mehr als man glauben mag, doch wäre Paul ihm egal, sowie dessen Befinden, hätte er auch nicht nachgefragt, sondern einfach geschwiegen. Da dieser ihm, zuvor, seinen Schlafsack gereicht hatte, warf er ihn sich kurzerhand über die Beine, bedeckte sich, denn seine Shorts waren inzwischen auch komplett durchnässt, weshalb die gleich mit runtermussten, zudem fehlte ihm das Gefühl in den Fingern, um die beiden Stofflagen, die förmlich aneinander klebten, nun auseinander zu fummeln, also zog er sich komplett aus, streifte vorher noch die Stiefel ab, sodass er den Kampf, gegen die Hosenbeine, in Angriff nehmen konnte, nachdem er sich wieder aufgesetzt hatte, nach vorn beugte und nach dem Stoff fasste, um diesen abzuziehen. Nebenbei hörte er Paul aufmerksam zu, brummte kurzzeitig leise, doch unterbrach ihn nicht, denn er war definitiv etwas anderer Meinung was die Vergabe der Schuld betraf, bezüglich der Tochter von Harry.
"Du kannst nicht jeden retten... "
Meinte er schließlich mit gesenkter Stimme, das war nun mal ein Fakt und aus seiner Sicht, traf Paul keine Schuld daran, was dem Mädchen widerfahren ist. Sie war nicht die Erste und wird nicht die Letzte sein, die so zu Tode kommt. "...und ehe du es sagst, ja, ich weiß ...aber man kann es versuchen.. schon klar." Fügte er hinzu und sah rüber zu Paul, denn das oder etwas Ähnliches, lag ihm doch schon auf der Zunge oder irrte er sich da? Einen Moment lang hielt er inne, rieb sich die Augen, fuhr sich mit der Hand über das kalte Gesicht, während sein Körper noch immer zitterte, was ihm lieber war, als wenn er zur Ruhe kam, weil seine Temperatur in den kritischen Bereich absank. Aufhorchen, sowie den Kopf heben, tat er jedoch bei den darauf folgenden Worten, trotz allem, was Heute passiert war und gesagt wurde, war Paul glücklich? Weil er, aufgrund der herrschenden Umstände, Bekanntschaft mit Gabe machte? Was sollte daran gut sein?
Endlich bekam er die scheiß Hose aus, warf sie in die Ecke und schlüpfte in den Schlafsack, den er nur rauf bis zur Hüfte schloss, sowie sich eine der Decken nahm, die er sich um die Schultern legte, eng um sich schlang, nur um sich dann hinzulegen. Auf die Seite gedreht, mit dem Gesicht zu Paul, damit er ihn ansehen konnte, zog er die Beine an und machte sich etwas kleiner, kuschelte sich in die Decke dabei. "Dankbar, ...ich bin gerade ehrlich am überlegen, ob ich das auch so sehe .... fällt mir ein bisschen schwer, weil ich durchgefroren bin bis auf die Knochen .... but who cares..."
Er nahm es, trotz allem, irgendwie mit Humor und bislang gab es nichts zu bereuen, Pauls Gesellschaft war angenehm, selbst wenn er wegen diesem, schon wieder halb am erfrieren war, sowie ständig die Klamotten verlor, okay seinen Pullover hatte er noch an. Seine grünen Puppy Eyes, beobachteten Paul, so gut es auf kurze Distanz halt möglich war für ihn, ohne Brille, während sein Körper noch immer zitterte und er die Lippen aufeinander presste. Als dessen Hand sich nach seinem Kopf ausstreckte, zog Gabe ihn, einem Reflex gleich kommend, ein Stück zurück, blinzelte ein paar Mal und schob die Hand unter der Decke hervor, um sich die müden Augen zu reiben. Pauls Hand war kalt, nicht weniger als Gabe selbst, nur zusätzlich auch noch nass, leise brummend ließ Gabe ihn an seiner Stirn rumwischen, er hatte ja nach wie vor nicht bemerkt oder realisiert, dass dort noch Blut von Harry klebte, dafür schloss er die Augen für einen Moment, ob der kurzen Berührung, die sich nicht so schlecht anfühlte. Zumindest bis Paul diese blöde Bemerkung von sich gab, woraufhin Gabe, prompt die, grimmig drein blickenden, grünen Augen öffnete, die ein Stück weiter rauf, in das himmlische Blau des Holy Ninjas blickten.
"Not cool Paul, not cool ....ich geb nen Fick auf den Vater, den Sohn und den scheiß heiligen Geist ...."
Brummte er ihm entgegen, folgte mit den Augen aber der Bewegung von dessen Hand, nach welcher er, ohne groß darüber nachzudenken, fasste und etwas zu sich zog. "Du bist eiskalt..."
Stellte er scharfsinnig fest, betrachtete dessen gerötete Haut, lagen ja noch Decken hier rum, weshalb Paul sich dringend in eine einwickeln sollte oder gleich Alle davon, denn ohne Feuer, würde das eine wirklich arschkalte Nacht werden. Auch die andere Hand, die inzwischen minimal wärmer wurde, schob er unter der Decke hervor, sodass er die von Paul, einfach zwischen seine Hände nahm, um das bisschen Wärme, das er langsam zurückgewann, abzugeben. Bei dessen Frage Gabe ihn mit großen, müde wirkenden, traurigen Puppy Eyes ansah. Das Adrenalin, was ihn seit Harry auf Hochtouren hat laufen lassen, verzog sich längst wieder, dafür kroch ihm die Kälte in die Knochen, womit auch Müdigkeit, Erschöpfung Einzug hielt, was Gabe unter solchen Umständen nicht mochte, wenn er 'gezwungen' wurde etliche Gänge runter zu schalten. Die Unterkühlung war für ihn nicht weniger schlimm, gar unangenehm, wie der Einfluss von Alkohol oder einem Joint, die Kälte zwang ihn dazu ruhig zu bleiben, sich hinzulegen, dazu kam, dass das Wetter auch nicht zuließe, dass er draußen herumhüpfte, kletterte oder sich eine andere Beschäftigung suchte, wo er seinem Bewegungsdrang nachgeben konnte. Er hasste das Gefühl so sehr!
Er fühlte sich nicht wohl.
Daher war er auch ein bisschen weniger empfänglich für blöde Bemerkungen als sonst, ihm schlug es aufs Gemüt, wenn er, ungewollt, gebremst wurde, nicht so agieren und sich bewegen konnte, wie er es eigentlich wollte. "Mir ist kalt, mein Körper fährt, gezwungenermaßen, runter, ...ich kann mich nicht bewegen, wie ich es will, ... ich fühl mich nicht wohl...ich hab Hunger, weiß aber das ich gerade nichts runterbekommen würde ..." Gab er offen und ehrlich zu, anstatt Paul, eine Phrase, an den Kopf zu werfen, nur damit er sein Gewissen beruhigen kann, sowie einen Punkt auf seiner Liste abhaken. Denn anders als die Meisten, fragte Paul ihn wohl auch nicht nur aus Anstand, nach seinem Befinden und da dieser ehrlich war, wollte Gabe es auch sein. Vielleicht verstand dieser nun auch, ein bisschen besser, weshalb Gabe Schnee so hasste oder generell den Winter nicht all zu sehr mochte, sobald ihm die Kälte in die Glieder kroch, fühlte es sich, für ihn zumindest, so an, als habe man ihm ein Beruhigungsmittel untergejubelt, nur damit er aufhörte hibbelig zu sein. Die Kälte machte ihn müde, obwohl er, noch lange nicht, gewillt war zu schlafen oder auch nur im Ansatz sich ausgepowert hatte heute.
".... ich hab Harry nie gemocht, ..er war in einem unserer Außenposten, wo auch ne Freundin war, von Roxy und mir, ..Künstlerin, totaler Sonnenschein, war kaum älter als ich. An sich war der Typ mir egal, hab manchmal mit ihm Schach gespielt oder Susan was zum Spielen beschafft, was Süßes gegeben, ... bis Grace, mir sagte, sie fühle sich von ihm bedrängt. ... sie ist ne Hübsche, klein, süß, zierlich aber ziemlich schlagfertig, ..." Er zog eine Hand wieder zurück, fuhr sich mit dieser übers Gesicht, rieb sich neuerlich die Augen und atmete tief durch. "Hab den Außenposten, heimlich, ein paar Tage beobachtet, ein Auge auf sie gehabt, ... und ja, er war scheiße aufdringlich, weshalb ich ihn verdroschen habe ..sowie androhte, ihn zu töten, sollte er Grace oder jemand Anderem zu nahe kommen, der das nicht will. ... Ha, ...welch Ironie, dass ich Jahre später meine Drohung umsetzen muss..."
Ja, er sagte muss, denn Spaß hatte er daran nach wie vor nicht, unabhängig davon was er von dem Kerl hielt.
".. die Wahrheit ist, egal welches Szenario mir durch den Kopf gegangen ist, ...ich hatte nicht vor ihn lebend davon kommen zu lassen. ...er hat eine Freundin von mir bedrängt, dafür gesorgt, dass sie sich nicht mehr wohl und sicher fühlte, bis ich ihn mir zur Brust nahm. .... er ist feige geflohen, als der Konflikt mit euch sich zuspitzte, ...und hat seine Lektion nicht gelernt, ... er hat wieder jemanden verletzt, den... ich gerade anfange zu mögen ..."
Für einen Augenblick lang schaute er dabei auch zu Paul, ehe er rasch wieder den Blick senkte, auf dessen Hand, die Gabe, noch immer, in seiner Anderen hielt, um etwas Wärme abzugeben. Er wollte ihm Harry nicht schlecht reden, jedoch deutlich machen, weshalb Gabe gehandelt hat, wie er es tat, vor wenigen Stunden und das keine Option, die ihm gekommen war, daraus ausgelegt gewesen war, dessen Leben zu verschonen. Gabe hatte einfach keinen Grund dazu, um in diesem Mann, irgendwas Gutes zu sehen, er war auch nur eines der Arschlöcher, die es zu Hauf gab bei den Saviors. Der einzige Grund, um diesen zu verschonen, wäre dessen Tochter gewesen aber jene war bereits tot.
Gabe betrachtete daraufhin, zunächst schweigend, ermattet, nachdenklich Pauls Hand, welche er in der Einen hielt und mit den Fingerspitzen, der Anderen, den Linien seiner Handfläche, fast schon ein wenig gebannt, als beobachtete er irgend ein faszinierendes Lebewesen, folgten seine Augen, den eigenen Bewegungen. Pauls Hand fühlte sich weicher an, nicht so rau wie Gabes, der nun mal keine Handschuhe trug, sowie hier draußen lebte, hart arbeitete um zu überleben, denn Holz hackte sich nicht von allein, ein guter, sicher gelegener Unterschlupf, fiel nicht vom Himmel, er kletterte auf Bäumen, an Gebäuden hinauf, er hatte sich so oft schon geschnitten, den Finger geklemmt, gebrochen, sich die Hände aufgeschürft und, früher vor allem, auch zig mal an der Bogensehne verletzt, als er den Dreh noch nicht raus hatte.
Die Hände eines Menschen sagten viel über jemanden aus, über das Leben, das er führte, zumindest sah er das so.
"...So far from who I was... from who I love... from who I want to be..." Der heulende Wind draußen, der gegen die Plane peitschte, die das Zelt umhüllte, übertönte beinahe das leise, brüchig klingende, zugleich melodische, Flüstern was Gabe über die ausgekühlten Lippen kam. "....So far from all our dreams.... from what love means... from you here next to me.. " Er legt die Handfläche an Pauls, die Finger an Seine, nur um zu schauen, wie groß oder auch gering, der kleine Unterschied zwischen ihnen war. "So far from seeing hope.... I stand out here alone... Am I asking for too much?.." Dabei wanderte sein Blick, aus melancholisch, traurigen Puppy Eyes, flüchtig hinauf zu dem sanften Blau, das unter Tausenden, für Gabe zumindest, sofort herausstechen würde. "So far from being free... of the past that's haunting me... The future I just can't touch.. And if you take my hand... Please pull me from the dark... and show me hope again..." Doch lang konnte, wollte, er nicht rauf schauen und lenkte den Blick, wieder zurück, auf ihre Hände, anders als bei Paul, hatte Gabe viele kleine, mitunter so feine, schwer erkennbare, Narben an den Händen aber hervorheben, tat sich die schräge, schmale Narbe, auf seinem linken Handrücken, welche sich auf seiner Handfläche widerspiegelte. Sie stammte von einem Jagdmesser, das ihm jemand mal durch die Hand gerammt hatte, komplett durch, ihn förmlich auf dem Tisch festgenagelt hatte damit und das nur, weil er sicher war, Gabe bescheißt beim Poker. Dabei war er nur aufmerksam, klug, zählte die Karten und achtete auf die Details in den Blicken, Gesichtern, der Anderen.


@Jesus


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#49

RE: Dachterrasse

in Altenheim 22.02.2020 22:29
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Gabes Verhalten war verständlich, Jesus verurteilte ihn auch nicht dafür. Denn er wusste nicht wie er es an seiner Stelle gehandhabt hätte. Womöglich würde er ebenso alles für seine Eltern tun und um jeden Preis bei ihnen bleiben. Jedoch würde er das niemals herausfinden. Denn selbst wenn er die Cottage-Bewohner als Familie bezeichnete, so war es dennoch niemals dasselbe wie eine ‚echte‘ Familie. Die Wahrheit war, Jesus wusste nicht wie sich das anfühlte, da er es schon als Kleinkind verloren hatte. So eine starke Verbindung, die einen selbst die schlimmsten Dinge verzeihen ließ und man den anderen dennoch bedingungslos liebte. Diese Art von Liebe hatte Jesus nie erfahren oder zumindest erinnerte er sich nicht mehr daran. Es stünde ihm also gar nicht zu Gabes Beziehung zu seinem Dad in Frage zu stellen und das würde er auch nie.
Also wenn Gabe nun immer noch nicht checkte, dass Jesus ihn wirklich sehr sehr gut fand, dann war ihm wirklich nicht zu helfen. Denn das war mittlerweile doch sowas von offensichtlich. Nicht nur dieser Kuss, sondern auch die Art wie er ihn ansah. Jesus war nach diesem Kuss noch angetaner von ihm als vorhin schon, er versuchte sich bloß etwas zurück zu halten, um Gabe nicht zu verschrecken, der nämlich immer noch so filigran wirkte in gewisser Hinsicht. Oder wie jemand, den man mit nur einem einzigen falschen Wort für immer vergraulen oder gegen sich aufbringen konnte. Und das wollte Jesus gewiss nicht. Denn ihre Vorgeschichte war schon Grund genug für etwaige Konflikte und Probleme.
„Magst du Kokos?“
Fragte Jesus ihn einfach wegen der Pina Colada, denn als Jugendlicher war er noch zu jung gewesen, um Cocktails zu trinken. Auch wenn das Gabe damals nicht davon abgehalten hatte. Aber Teenies standen ja weniger auf Cocktails sondern tranken irgendwelche billigen Mischgetränke, da Cocktails einfach zu teuer waren. und zu versnobt in den Augen vieler junger Leute. Also eigentlich kein Wunder das Gabe keine Ahnung davon hatte. Jesus war jetzt auch nicht der große Cocktailtrinker aber als Erwachsener kannte man so etwas dennoch irgendwoher.
Mit dem Wetter hatte Gabe allerdings definitiv mehr Erfahrung. Paul hatte zwar auch schon häufig draußen übernachten müssen, schließlich war er nicht von Anfang an in Hilltop gewesen sondern hatte auch eine Weile auf Reisen gelebt. Aber dennoch war er in der Zwischenzeit tatsächlich etwas an sein warmes Bett gewöhnt und musste nicht jede Nacht im Winter, um sein Überleben kämpfen. Vielleicht war das mit ein Grund weshalb er sich weniger Sorgen gemacht hatte als Gabe, weil Jesus das Wetter einfach nicht so gut einschätzen konnte wie der schöne Bogenschütze.
Aber wenigstens konnte er Deckenhöhlen für Eulen bauen. Jeder hat eben unterschiedliche Talente. Gabe sorgte dafür, dass sie beide nicht erfroren und Jesus dafür, dass der Kauz es gemütlich hatte.
„Nicht der Rede Wert“
es war doch wirklich selbstverständlich das er HootHoot half. Den er mittlerweile schon fast so sehr ins Herz geschlossen hatte wie Gabe. Sie gehörten einfach zusammen. Und er fand die Tatsache, dass der kleine Kauz bei Gabe blieb wirklich süß.
Der vor allem nicht nur Schwachsinn redete, sondern auch wirklich Ahnung von den verschiedensten Dingen hatte. Denn als er ihm etwas über Hypothermie erzählte klang es, als würde er ein Lexikon zitieren. Er musste ein wirklich beachtliches Gedächtnis besitzen und alle Informationen aufsaugen wie ein Schwamm.
„bei einer Sache kann ich vielleicht Abhilfe schaffen…“
Er griff nach seinem Rucksack und kramte etwas darin. Immerhin hatte er noch nicht all seine Vorräte aufgebraucht und zog demnach eine kleine Dose Fanta daraus hervor. Er schob sie Gabe hinüber mit den Worten
„Ist leider nicht warm aber hat definitiv genug Zucker“
Warmhalten war bei diesem Wetter leider nicht möglich. Also ob die Fanta wirklich ihren Zweck erfüllte wusste Jesus nicht. Aber es war einen Versuch Wert wenn Gabe sich dann besser fühlen würde. Jesus selbst war zwar auch wahnsinnig kalt aber dessen Klamotten waren wenigstens noch halbwegs trocken. Wobei auch er sich seiner Stiefel und seiner Hose entledigte, da diese durch den Schneesturm ebenfalls nass geworden war. Immerhin war sie dem Unwetter direkt ausgesetzt und nicht wie sein Pullover, durch eine Jacke geschützt. Nun durfte also auch Gabe die Shorts von Jesus betrachten, nur dass sich darauf keine Möpse befanden, sondern es einfach nur dunkelgraue, schlichte Shorts waren. Allerdings keine lockeren, weiten, sondern eng anliegende. Das empfand er einfach als angenehmer und wärmer.
Es fiel ihm wirklich schwer Gabe nun nicht beim Öffnen seiner Hose zu helfen, solche Probleme wie er damit hatte aber so lange er ihn nicht darum bat würde er es nicht tun. Denn das war schon irgendwie eine intime Geste und Jesus wusste nicht, ob er seine Gedanken dabei völlig rein halten könnte. Alles andere wäre also nicht angebracht, weshalb es Gabe glücklicherweise alleine gelang, ohne das Jesus einschreiten musste.
„und einem Prinzen mit Föhnwelle..“
Fügte Jesus noch auf Gabes etwas grimmige Antwort hinzu. Er war im Moment wirklich nicht zum Scherzen aufgelegt oder? Verständlich natürlich. Weshalb Jesus es ja auch nicht ausreizen wollte. Es war in Ordnung wenn Gabe nun genervt und mies drauf war. Nur weil Jesus das nicht zu 100% teilte hieß das nicht, dass andere seinem Beispiel folgen mussten.
Am Ende gab er Gabe aber die ehrliche Antwort, nach welcher dieser verlangte, selbst wenn das Thema kein Einfaches war.
Zuvor jedoch wickelte nun auch er sich in zwei Decken, blieb vorerst allerdings noch eingewickelt sitzen und sah zu Gabe hinab.
Naja einen Moment lang, denn als dieser sich nun auch die Shorts von der Hüfte streifte, blickte Jesus automatisch zur Seite. Ihn dabei zu beobachten wäre wirklich schäbig.
Er setzte auch bereits zu einer weiteren Antwort an bei Gabes Worten, stattdessen schloss er den Mund jedoch wieder mit einem bitteren Lächeln, da Gabe mit seiner Vermutung sowas von ins Schwarze traf.
„Du kennst mich bereits besser als erwartet…“
Natürlich wollte er so etwas in die Richtung sagen. Auch wenn ihm bewusst war, dass er nicht jeden retten konnte. Aber er musste es einfach versuchen.
„Ich weiß, dass ich nicht die ganze Welt retten kann. Aber ich möchte wenigstens kein Blut Unschuldiger an meinen Fingern kleben haben.. deshalb muss ich meine Lehre daraus ziehen und darf mir solch einen Fehler kein weiteres Mal leisten“
Denn leider lernte man manche Dinge nur auf dem harten Weg. Aber nun wusste Jesus, dass er die Dinge selbst prüfen musste, wenn sie heikel waren und sich nicht einfach auf andere verlassen durfte. Einmal einen Fehler zu machen war menschlich, doch den selben Fehler ein weiteres Mal zu begehen war dumm. Er würde das Erlebte demnach nicht einfach vergessen sondern wenigstens etwas aus Susans Tod lernen. Wenn er schon sonst keinen Sinn hatte..
Naja und jenen, dass er Gabes Bekanntschaft gemacht hatte. Nur das Gabriel darüber nicht so dankbar zu sein schien wie Jesus. Kein Wunder.. er war zweimal halb erfroren. Wenn sein Immunsystem das unbeschadet überstand, dann war Gabe wirklich extrem hart im Nehmen.
Und natürlich tat es Jesus Leid das er so empfand, weshalb dieser etwas den Blick senkte und hinab auf seine geröteten Hände sah.
„Ich weiß ich habe dir viel zugemutet. Glaub mir, ich hätte dich niemals gebeten mich zu begleiten, wenn ich nur den Hauch einer Ahnung gehabt hätte, wie sich all das hier entwickelt. Es tut mir wirklich Leid das du meinetwegen zweimal fast erfroren bist und…. ich habe mich noch nicht einmal richtig dafür bei dir bedankt“
Weshalb Jesus sich nun ebenfalls hinlegte und seinen Blick nun wieder in Gabes Augen lenkte.
„Also… danke. Du hast mich in mehr als nur einer Hinsicht gerettet“
Er hatte nämlich nicht nur sein Leben gerettet, welches Jesus womöglich bereitwillig gegeben hätte als ausgleichendes Opfer. Nein, er hatte auch seine Seele gerettet. Denn wäre Gabe nicht da gewesen, um ihn aufzufangen nach Harrys Offenbarung, wer weiß was mit ihm geschehen wäre. Er verdankte Gabe also mehr als nur sein Leben, denn dank ihm konnte er weiterhin ein Fünkchen Hoffnung haben.
Das Blut an Gabes Stirn rief jedoch ständig die Erinnerung an zuvor wach, welche Jesus zwar nicht verdrängen aber nicht jedes Mal denken wollte, wenn er Gabe betrachtete. Weshalb er sich dazu entschloss sie etwas zu reinigen. Unter anderen Umständen hätte Gabe mit Sicherheit über seinen Witz gelacht, doch im Moment wirkte er wirklich recht grimmig. Weshalb er entschuldigend und unschuldig lächelte. Als er seine Hand zurück ziehen wollte stoppte Gabe ihn jedoch und nahm sie in die seine. Was ihn sein Lächeln aufrecht erhalten ließ, nur das es diesmal kein entschuldigendes war, sondern ein seliges.
„Es ist ein gutes Zeichen wenn du das erkennen kannst“
Denn das hieß, dass Gabe langsam auftaute. Wäre das nicht der Fall würde er den Temperaturunterschied zwischen ihnen wohl nicht bemerken. Doch so fühlte seine Hand sich tatsächlich angenehm warm an, obwohl sie in Wahrheit wohl immer noch ziemlich kalt war. Pauls jedoch noch ein klein wenig kühler.
Welcher sich nun ebenfalls in die Decken gewickelt hinlegte, zur Seite drehte, sodass er Gabe ansehen und dieser weiterhin seine Hand halten konnte. Denn das war wahrlich mehr als nur angenehm. Und er konnte fühlen wie langsam wieder etwas Gefühl in seine Fingerspitzen zurück kehrte. Ob das nun daran lag das Gabes Hände wieder etwas wärmer waren oder an der Tatsache, dass er seine Hand hielt, das wusste er nicht. Aber es löste ein angenehmes Kribbeln aus.
Anders als Gabes müder und trauriger Blick, bei dem Jesus das Herz weh tat, weil er rein gar nichts tun konnte, damit Gabe sich besser fühlte. Mitfühlend sah er ihn demnach nur an und nickte. Er konnte vielleicht nicht zur Gänze verstehen wie er sich fühlte aber er glaubte ihm, dass es furchtbar für ihn sein musste. Weshalb Jesus beschloss etwas näher an Gabe heran zu robben in seinem Deckenkokon, nur um seine freie Hand an Gabes Hinterkopf zu legen und ihn einfach ein bisschen… zu streicheln. Wenn sie näher beisammen lagen, dann froren sie vielleicht nicht so und das Streicheln, vielleicht beruhigte es ein wenig sein Gemüt oder trug dazu bei, dass er sich ein bisschen besser fühlte. Selbst hier im Zelt konnte man den Atem der beiden sehen, weil es so kalt war und der Sturm unaufhörlich tobte. Wenn sie diese Nacht überlebten, dann hatten sie wohl wirklich so etwas wie einen Schutzengel. Denn wirklich warm wurde es auch unter diesen Decken nicht.
„Wir werden das durchstehen. Und wenn der Sturm sich morgen früh verzogen hat, dann starten wir mit einem kleinen Workout in den Tag, um unsere Lebensgeister wieder zu wecken“
Dann konnte Gabe sich auch wieder auspowern und alles nachholen was er nun nicht tun konnte.
Als Gabe ihm plötzlich ein wenig über den Harry erzählte, den er kannte, schwieg Jesus und hörte ihm einfach nur stumm zu. Zwar rechtfertigte das Gehörte dennoch nicht was Gabe getan hatte, denn den Tod hatte Harry in seinen Augen trotzdem nicht verdient, aber es half Jesus dennoch dabei sich ein wenig besser zu fühlen, wenn er hörte, dass Harry absolut kein guter Mensch gewesen war. Ganz anders als der Mensch, den er die letzten Monate kennen gelernt hatte. Immer mehr wurde ihm bewusst, dass dieser Mensch wohl nie richtig existiert hatte, es nur ein Schauspiel war und rein gar nichts Aufrichtiges daran gab.
„Ich wünschte die Menschen würden diese Welt nicht als Ausrede für ihre primitivsten und finstersten Bedürfnisse und Triebe verwenden….“
Denn Jesus hatte so oft das Gefühl, dass die Menschen es nun plötzlich wieder in Ordnung fanden anderen zu bedrängen oder gar zu schänden, obwohl es ihnen früher gelang sich an die Regeln zu halten und diese Triebe zu unterdrücken. Doch wieso schafften sie es jetzt nicht mehr? Nur weil es keine Polizei mehr gab, die Gesetze regelte war das doch lange noch kein Grund sie dennoch über Bord zu werfen. Er verstand einfach nicht weshalb die Menschen ihr Verhalten mit den Umständen dieser Welt rechtfertigten, denn in seinen Augen war es keine Rechtfertigung sondern einfach nur eine Ausrede.
Dennoch lächelte er schlussendlich etwas als Gabe sich eingestand Jesus ein klein wenig zu mögen. Es war schön das zu hören, also vielleicht war ja doch nicht alles so furchtbar an dieser Begegnung? Jesus empfand es jedenfalls nicht so.
Welcher seinen Blick nun ebenfalls zu ihren Händen hinab wandern ließ als Gabe sie etwas erkundete. Jesus Hände waren womöglich etwas zarter als jene von Gabe, die von seinem Gegenüber hingegen erzählten eine Geschichte. Sie waren stark und zeugten von den vielen Dingen die Gabe schon widerfahren waren. Und doch waren sie auf eine Art und Weise zart und sanft, genau wie auch Gabriels Charakter. Nach außen hin rau wirkend, war jedoch jede seiner Berührungen so gefühlvoll und zärtlich, das Jesus das Bedürfnis bekam diese Berührungen nie wieder missen zu wollen. Langsam ließ er den Blick wieder in Gabes herrliche Augen wandern, als dieser ihm solch traurige, melodisch anmutende Worte entgegen flüsterte. Kaum lauter als der Wind, so flüchtig als könne jeder noch so kleine Windhauch die darin liegende Hoffnung wieder hinfort wehen.
Jedoch ließ Jesus sie nicht einfach entwischen. Dennoch bevor sie sich verflüchtigen konnte, verkreuzte Jesus seine Finger mit jenen von Gabe und zog ihn mit der anderen Hand ganz dicht an ihn. Hielt ihn fest und sicher in seinen Armen. Blickte in das melancholische Grün und sagte voller Sicherheit
„Ich verspreche dir, das werde ich. Wenn du mich lässt“
Er wollte ihn aus seiner Dunkelheit befreien, ihm wieder Hoffnung geben. Ihm zeigen was es hieß zu leben. Alles was er dafür brauchte war… ein klein wenig Vertrauen von Gabe. Wohl wissend, dass so etwas für ihn wahnsinnig schwer war. Aber wenn er Jesus einen Vertrauensvorschuss gab, so würde er diesen mit Sorgfalt behandeln. Niemals missbrauchen oder leichtfertig verspielen. Nein, er meinte seine Worte mehr als ernst. Er würde ihm nicht nur Hoffnung geben, denn das alleine war genug, er würde ihm auch beweisen, dass Hoffnung manchmal zur Realität werden könnte. selbst wenn es ein langer und harter Weg sein würde. Aber ein Blick in Gabes Augen reichte für Jesus um zu wissen, dass dieser Kampf sich lohnte. Und um seine Überzeugung zu untermalen, legte er ein weiteres Mal seine mittlerweile nicht mehr ganz so kühlen Lippen auf die von Gabriel, versiegelte damit nicht nur ihre Lippen sondern Besiegelte auch sein Versprechen.

@Arthur Winchester




I always found it hard getting close to anyone - neighbors, friends.... boyfriends


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#50

RE: Dachterrasse

in Altenheim 23.02.2020 11:44
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Womöglich hatte die Menschenkenntnis von Jesus, bei Harry, ein bisschen versagt, doch bei der Einschätzung von Gabe, lag er gar nicht so falsch, der mochte noch so abgehärtet sein, in Bezug aufs Kämpfen, Töten, Überleben, doch in Liebesdingen war er sehr unschuldig, sowie leicht zu verschrecken, da er schlichtweg keine Ahnung hatte, überfordert war und zudem ein recht verzerrtes Bild von diesen Dingen hatte, durch die prägenden Jahre der Vergangenheit. Es war mitunter, fast schon zu einfach, ihn zu verstimmen oder gegen sich aufzubringen, abhängig vom Thema, versteht sich und in der Regel, war für ihn zumindest, die beste Form der Verteidigung, letztendlich stets der Angriff, vor allem, wenn er sich nicht zurückziehen konnte, durfte, immerhin könnte man ihm dies als Schwäche oder gar Feigheit auslegen, was er nicht ist. Jedoch zog er den strategischen Rückzug in vielen Dingen vor und mit zwischenmenschlichen Interaktionen, die definitiv, über etwas Platonisches, harmloses hinausgehen, war er ein unbeschriebenes Blatt. Würde ihm doch keine Sau glauben, dass er, mit 25, bis heute zumindest, ungeküsst gewesen war und eine Jungfrau ist, nicht das Sternzeichen wohlgemerkt. Er war Schütze, passender könnte es wohl kaum sein, für den Robin Hood, aus den ehemaligen Reihen der Saviors.
Die Frage nach dem Kokos kam so unerwartet, dass Gabe wirklich irritiert war, sowie nicht wusste, verarschte er ihn oder war das eine ernst gemeinte Frage. "Ja?" Was sollte er dazu groß sagen? Er mochte Kokos ganz gerne, vor allem im Sommer, als Eiscreme oder diese Pralinenteile, mit der leckeren Cremefüllung, er durfte nicht dran denken, sonst fängt er echt noch an zu sabbern, weil ihm der süße Zahn triefte und man an sowas nicht mehr ran kam! Oh ja, Cocktails konnte Gabe sich damals nicht leisten, zumal er minderjährig war, sie tranken dann eher Cola gemischt mit billigem Fusel, auch wenn er seine Lektion sehr schnell gelernt hatte in Bezug darauf. Also ein Cocktail wäre da wohl auch nichts für ihn gewesen, zumindest jene mit Alkohol. Aber Fanta war okay, womit Gabe ja nun weniger rechnete, das der Holy Ninja sowas bei sich hatte, die Dose musste steinalt sein, allerdings hielt sich der Kram, dank Konservierungsstoffen und Co. ja relativ lang, natürlich machte er große Augen, als er diese sah und presste die blassen, kalten Lippen aufeinander. Zucker war ein zweischneidiges Schwert, vor allem bei jemandem wie ihm, zum einen brauchte sein Körper das, zum anderen, wenn er zu viel zu sich nahm, drehte er völlig am Rad. Energydrinks waren demnach der absolute Overkill für jemanden mit Gabes Bewegungsdrang, hohen Energielevel und unruhiger, hibbeliger Art.
"Geiler Scheiß ..... was hast du noch in deinem Wunderrucksack?"
Musste er ihn einfach fragen, als er zu der Dose sah, die Jesus rübergeschoben hatte, die konnte er nachher trinken, vielleicht auch erst morgen, wenn er sich wenigstens, dann entsprechend, auch auslasten konnte. Ja, mit seinem Wissen glänzte Gabe eher selten, was eher daran lag, dass er allein war die meiste Zeit und eben darauf achtete, niemandem Vorteile zu geben, immerhin hieß es nicht grundlos: Wissen ist Macht. Gabe hatte nicht nur, schön definierte, Muskeln zu bieten, sondern eine Menge im Kopf und das war nicht nur Unfug, er las liebend gerne Horror- und Krimiromane, Comics, ebenso aber auch Fachbücher, immerhin hatte er eines über Anatomie, zwischen seiner kleinen Auswahl von H.P. Lovecraft hier im Zelt liegen. Bist du allein, vor allem hier draußen, schadet es nicht, sich zu belesen in den verschiedensten Bereichen, zumal Erste Hilfe, mit zu den Dingen zählte, die er bei den Pfadfindern damals zuerst erlernt hatte. Selbst wenn es nur Grundwissen war, es könnte einem den Arsch retten, denn Gabe hatte weder die Geduld, noch Ruhe, um sich tief reinzuknien in Bezug auf Medizin, er kann sich, bis zu einem gewissen Grad, selbst versorgen aber egal was er weiß, das ersetzte keinen ausgebildeten Arzt.
Allerdings war die einzige 'Fachkraft', wenn man sie denn so nennen kann, im Zoo, in der Hinsicht eine Masochistin und Gabe, nun, er machte dann doch lieber einen Bogen drum, solange er den Kopf nicht unter dem Arm trug, konnte es demnach eh nicht so schlimm sein. Da war er dann doch, typisch Kerl, könnte man sagen, der Arm ist ab und er würde dennoch sagen, dass es nur ein Kratzer ist. Da schaute man nur einen Moment lang nicht hin und schon strippte Jesus? Gabe vernahm nur das Rascheln des Stoffes, im ersten Moment dachte er sich nichts dabei, da er selbst am Kämpfen war, mit seiner verdammten Hose, doch als sein Blick, neugierig wie er nun mal ist, hinüber wanderte zu dem Holy Ninja, entledigte dieser sich ebenfalls seiner Beinbekleidung. Deutlich schneller als Gabe dies gelang, allerdings war seine Hose auch schon seit heute Morgen, durchgehend nass.
Dafür musste er sich ermahnen schnell wieder wegzuschauen, wobei, ihm wurde zumindest etwas wärmer, als er Einblick erhielt auf Pauls Unterwäsche, anders als Gabe, mochte er es also anschmiegsam und schlicht, ganz offensichtlich, denn auf dem Stoff waren keine süßen Möpse oder irgendwelche Kruzifixe, was der Bogenschütze wohl sehr witzig gefunden hätte. Wenn er mal Shorts fand, mit religiösen Motiven, musste er die einfach Paul bringen. Aus Prinzip schon!
Und sei es nur um dessen Gesicht sehen zu können, wenn er ihm sowas brachte, auch auf die Gefahr hin, dass dieser ihn dann einfach, wortlos, auf die Matte schickte, weil er unmöglich ist.
Gabe wandte aber den Blick rasch wieder ab, summte nur etwas, während des Kampfes mit der Hose, um seine Nervosität zu überspielen, war an sich ja nichts dabei, gab nichts was sie einander abgucken könnten, deutlich schlimmer wäre es für ihn, wenn echt ne Frau in seinem Zelt wäre und sich auszieht. Da würde Gabe prompt in den Schneesturm hinaus rennen und lieber in Kauf nehmen, zu erfrieren, als auch nur eine weitere Sekunde, mit einem weiblichen Gast, im Zelt zu verweilen. Die Einen würden sagen, er ist einfach nur schräg, er würde sagen, das ist Anstand, Gabe spielte gerne Streiche, klaute auch mal Klamotten von den Leuten, verteilte sie im Baum, nur um auf einem Anderen, weiter weg, zu hocken, sowie sich darüber zu amüsieren, wie die Leute ihre Sachen, versuchten, wieder an sich zu nehmen. Allerdings spielte er solche Streiche nur Männern, bei einem Mädchen, einer Frau, würde sich das einfach nicht ziemen aus seiner Sicht, er machte da also schon Unterschiede, in welchem Ausmaß er Schabernack trieb und mit wem.
Sein Schnauben war wohl Antwort genug, nein, er war nicht zum Scherzen aufgelegt, würde aber vermutlich, viel später, zumindest darüber schmunzeln, wegen der Föhnwelle des Prinzen, doch wenn er sich unwohl fühlte, sowie ernsthaft etwas wissen wollte, schwand der hibbelige Scherzkeks ziemlich schnell. Es verlangte ja auch keiner, dass Paul seinen Humor deshalb ebenfalls ablegte, Gabe konnte, wollte, nur nicht darauf eingehen, wie er es sonst täte, dafür war er schlichtweg nicht in Stimmung. Bei dem Thema hätte er auch nicht nachgebohrt, hätte Paul sich dazu entschieden zu schweigen, doch er antwortete ihm und Gabe, versuchte das Ganze ja auch etwas, aus dessen Sicht, zu betrachten aber seine Meinung änderte das dennoch nicht wirklich. Nur, nahm er sich etwas zurück womöglich, weil er sonst ganz andere Dinge sagen würde, die richtig herzlos klingen würden oder den Holy Ninja, vor den Kopf stoßen könnten, was er ungern tun wollte, da biss er sich einmal mehr auf die Zunge.
"Du hast Prinzipien, ...das Herz am rechten Fleck, ...das macht es leichter, dich, in Bezug auf bestimmte Dinge, einzuschätzen ... aber, falls es dich beruhigt, ich versteh dich dennoch nicht wirklich."
Besser gesagt seine Mentalität und Ansichten, die sich nun mal sehr von Gabes unterschieden, er tickte halt anders, nur der Stärkste überlebt. Nein, das Paul noch lebte, war, aus seiner Sicht auch kein Wunder, er hatte seine Ninja-Skills gesehen, auch schon am eigenen Leib zu spüren bekommen, wenn auch nur zur Demonstration, doch schwach war Jesus kein Stück aber er sah die Welt nun mal anders als der Bogenschütze. Er war der Optimist, Gabe der Pessimist.
Der sich, eingekuschelt, zu dem Holy Ninja gedreht hatte, sowie argwöhnisch die Augenbraue hob.
"Dann wärst du jetzt vermutlich ziemlich tot, was ... ziemlich bedauerlich und beschissen wäre, .. ich hab schon schlimmeres überlebt. Ich gehe zu dieser Jahreszeit in Seen schwimmen, Paul, ... ich kann mit Hypothermie umgehen. ...hmpf, ich hab das nicht getan, weil ich deinen Dank will, davon kann ich mir auch nichts kaufen..." Grummelte Gabe, zum Schluss hin, leiser werdend, eher vor sich selbst hin, als das seine Worte an den Holy Ninja gerichtet wären, er wollte, brauchte seinen Dank nicht und war noch immer, mit sich selbst, am Hadern, weshalb er so dämlich war, weil er ihm helfen wollte. Gut, vermutlich ist er einfach nur ein verdammter Idiot, das wird es sein, anders kann er es sich schlichtweg nicht erklären.
Schön, er sagte zwar, er brauchte keinen Dank, doch als Paul, der sich ebenfalls hingelegt hatte, sich wirklich für seine Hilfe bedankte, schaute Gabe ihn verwundert an, schließlich bekam er das nicht oft zu hören, in den letzten drei Jahren, gar nicht mehr, weshalb es sich seltsam anfühlte. Er wollte einfach am liebsten immer noch so tun, als wäre ihm alles egal, als hätte er sowas wie Gefühle gar nicht, was er, wenn er musste, auch glaubhaft verkaufen konnte aber die Wahrheit sah natürlich ganz anders aus, Gabe war sensibler als es den Anschein machte oder er sich selbst eingestehen kann, einfach weil, eigentlich, kein Platz in der Welt war für sowas. Nicht in seiner Welt, die sich nun mal, in vielen Punkten, gravierend, von Pauls unterschied.
Trotzdem, schienen sie sich, zumindest in diesem Zelt, auf neutraler Ebene, der verschwimmenden Grenze, beider Welten, zu befinden, wo der Rest, zumindest im Augenblick, keine große Rolle zu spielen schien. Er wusste noch immer nicht, weshalb Paul an seiner Stirn rumwischte, konnte ihm aber egal sein, denn unangenehm empfand er die kurzlebige Berührung nicht, wäre ihm vielleicht nur lieber gewesen, wenn der Holy Ninja ihm etwas durchs Haar streicheln würde. Allerdings, durfte er solch Gedanken gar nicht erst zulassen, geschweige denn aussprechen, er ist doch kein Hund!
Außerdem was würde das denn für einen Eindruck machen?
Das wäre ja ... ein Eingeständnis dessen, dass selbst er, der sich vehement gegen Alles in die Richtung zu sträuben schien, in Wahrheit, auch nur ein bisschen Zuneigung wollte. Gabe war spontan, abenteuerlustig, er hatte eine Menge Unfug im Kopf, doch er fand die Vorstellung, sich in eine Decke gekuschelt, auf ein Sofa zu werfen, um Filme zu gucken, viel verlockender, als um die Häuser zu ziehen. Konnte er doch nicht ahnen, dass Paul, nur wenig später, in seinem Kokon aus Decken, näher an ihn heranrobbte und die andere Hand nach Gabe ausstreckte, der, ob nun aus Müdigkeit oder einem Reflex heraus, die Augen für einen Moment zukniff und erst wieder öffnete, als er Pauls Finger am Hinterkopf spürte, die sich leicht in seinen kurzen Haaren vergruben, sowie ihn streichelten. Das war in der Tat sehr angenehm, beruhigend sogar, schwer seufzend atmete er aus, als wäre gerade, eine große Last von ihm abgefallen, die er nicht mehr länger hätte tragen können oder wollen, stattdessen drang ein leises, dunkles, Brummen aus seiner Kehle, was durchaus von Wohlgefallen zeugte.
"Jesus, ..mein Personal Trainer, ha!"
Okay, er konnte doch noch blöde Bemerkungen von sich geben, er stand also noch nicht auf der Schwelle des Todes, ein bisschen Humor wahrte er sich noch immer, auch wenn er ihn weniger hervorkehrte, im Moment, als sonst, da er sich nicht so recht danach fühlte. Sein Körper zitterte noch immer, eingehüllt von der Decke und trotz Schlafsack, allerdings wurde es weniger, das unangenehme Kribbeln, das sich eher wie tausend Nadelstiche anfühlte, zeugte davon, während er sich Pauls Hand besah, die er ein wenig in Beschlag genommen hatte, mit den Seinen.
Anders als vielleicht erwartet, nickte Gabe sogar zustimmend, auf dessen Aussage hin, sie waren einer Meinung, unfassbar! Doch er fand es ebenfalls furchtbar, dass die Leute, die neue Welt, als Ausrede missbrauchten, um ihre niedersten Triebe, ungeniert und ungestraft, ausleben zu können, wobei sogar die Saviors ihre Regeln hatte. Sie hatten harte Strafen, doch wenn sich jemand, einer anderen Person aufdrängte, sich gar an dieser verging, fand Gabe es gut, dass sein Dad da eiskalt durchgriff und es nicht duldete, wenn er es denn mitbekam. Doch wenn nicht er, dann definitiv sein Sohn, der da auch nicht lange fackelte.
Es war einfach nicht richtig, sich über Alles und jeden hinwegzusetzen, schön er ist ein Dieb, jedoch würde er sich niemals jemandem aufdrängen, war ja eh mehr Gabe, der sich sehr schnell bedrängt fühlte, sowie sein Heil in der Flucht suchte aber er war umso gnadenloser, wenn sich jemand an einer Person vergriff, die er mag, wobei das nicht mal zwingend gegeben sein muss. Es musste einfach gewisse Regeln geben, ein bisschen Struktur.
Als er kurz aufschaute, blieb sein Blick an Pauls Lippen hängen, er lächelte und er wusste nicht mal warum, er kam gerade nicht darauf, dass es vielleicht an seinen eigenen Worten lag, dem Zugeständnis, dass er den Holy Ninja, ganz gern hatte, obwohl er seinetwegen schon zum zweiten Mal, an diesem Tage, halb erfroren ist. Jedoch konnte er nicht gerade behaupten, dies zu bereuen, denn heute Morgen, hatten sie einfach etwas rumgealbert, im Schnee gespielt, konnte man sagen und das war schön gewesen, selbst wenn Gabe die Quittung schnell dafür bekam, so hatte es sich gelohnt. Mehr sogar noch, Paul bei der Suche zu helfen, okay, es gab nen Toten aber Gabe blieb der Kuss definitiv stärker in Erinnerung, als der Typ, den er eh nicht hatte leiden können, der war in der Tat schon wieder, Schnee von gestern, zumindest für ihn.
Was man von Paul nicht sagen konnte, dessen Hand langsam wärmer wurde, die Gabe in aller Ruhe, als habe er alle Zeit der Welt und keine Eile, betrachtete, sowie mit den rauen Fingern erkundete. Ihm war auch nicht wirklich bewusst, dass er in dessen Gegenwart, ständig dazu neigte zu singen, dabei vermied er das sonst tunlichst, doch bei Paul, da schien sein Herz fast zu platzen, aufgeregt in seiner Brust zu tanzen, sowie seinen verkorksten Verstand auf die Ersatzbank zu schicken, nur damit er, ein wenig, seinen Gefühlen freien Lauf lassen konnte und das äußerte sich bei ihm nun mal in Gesang.
Hätte er Instrumente hier, würde er Paul auch schweigend etwas vorspielen, doch ein Blick auf den Holy Ninja genügte und zig Songtexte schwirrten in seinem Kopf herum, die er am liebsten Alle ungehemmt zum Besten geben wollte, manche Zeilen würde er auch gern in sein Büchlein schreiben, später vielleicht, da er sich selbst Texte zusammen reimte, wenn er inspiriert war. Was, in der Nähe von Paul, womöglich zum Dauerzustand werden könnte, da sein Herz sich so beflügelt fühlte, förmlich überquoll, vor den Emotionen, die der verkorkste Bogenschütze, so sehr unter Verschluss hielt. Mit Musik konnte er zudem Dinge über die Lippen bringen, die er sonst nicht aussprechen kann, nicht will oder sich einfach nicht zu sagen traute, selbst wenn es etwas so simples ist, wie ... um Hilfe zu bitten.
Dabei hatte er sonst kein Problem damit direkt zu sein, gar taktlos dadurch zu wirken manchmal, doch wenn es ihn selbst betraf, dann schaffte er es nur, wenn er es in eine Melodie verpacken konnte, ein bisschen versteckte zwischen den Zeilen, auch wenn jene Zeilen, die ihm gerade über die Lippen kamen, schon ziemlich eindeutig waren und Gabe, spätestens morgen, vielleicht auch erst in einigen Tagen, womöglich bereute, so etwas von sich gegeben zu haben. Spätestens wenn er allein war, mit sich selbst, seinen Gefühlen, Gedanken, den Erwartungen, die man an ihn hatte, würde er wohl am Rad drehen und die Krise bekommen. Es sollte und musste simpel sein, Paul, Jesus, ist der Feind und Punkt!
Dabei hätte er es belassen sollen, doch stattdessen, sah er in die schönsten blauen Augen, die er jemals gesehen hatte und wünschte sich, einfach auf ewig, hier in diesem Zelt, zu bleiben, während sich die Menschheit da draußen selbst zerfleischte. Als ihre Finger sich miteinander kreuzten, Paul ihn näher an sich heranzog, legte sich prompt wieder ein rosiger Schleier auf seine Wangen, während die grünen Puppy Eyes, ihn einen Moment lang ansahen, wie ein staunender Welpe, der zum ersten Mal etwas ganz Tolles erblickte. Doch ganz schnell senkte Gabe den Blick wieder, biss sich einen Moment lang fest auf die Unterlippe, Paul versprach es ihm? Es lag auf der Hand, dass Gabe, solchen Aussagen kein Vertrauen schenkte, nicht daran glaubte, obschon der Holy Ninja, anders als der Savior, weitaus ehrlicher ist und das wusste er, dennoch, die Sache mit dem Vertrauen war für ihn extrem schwer zu bewerkstelligen. Nicht mal seinem Vater konnte er wirklich vertrauen, wieso sollte er es bei Paul tun? Den Blick hebend, langsam, einen Moment innehaltend, als das helle Grün an Pauls Lippen hängen blieb, er mit sich wieder haderte, bis er sich doch traute, wieder in dessen blaue Augen zu blicken.
"Pfadfinderehrenwort?"
Gabe machte tatsächlich einen extrem großen Unterschied zwischen einem Versprechen und dem Pfadfinderehrenwort. Letzteres, hatte für ihn Gewicht, wenn er dieses jemandem gab, würde er durch die Hölle und zurück gehen, um sein Wort zu halten. Einfache Versprechen können gebrochen, umgangen und neu ausgelegt werden, das hatte er Harry gegenüber bewiesen, da hatte er ihm sein Wort gegeben und ihn heimtückisch abgestochen. Doch als waschechter Pfadfinder, der darauf eingeschworen war, auf einen Kodex, konnte man fast sagen, der dem von Paul nicht so unähnlich womöglich ist, legte Gabe viel Wert auf ein Pfadfinderehrenwort und verstand dabei auch keinen Spaß. Aus dem Grund, gab er dieses seit Jahren niemandem mehr, weil er keinem traute und nicht gewillt war, sich dadurch binden zu lassen. Durchaus besaß Gabe noch Ehrgefühl, sowie eine Menge Stolz, er war gern bei den Pfadfindern gewesen, heute hätte er wohl den Rang eines Rangers/Rovers oder gar selbst seine eigene Gruppe leiten können. Paul war vielleicht kein Pfadfinder, doch das spielte keine Rolle für Gabe.
Der noch ein kleines Stück näher an diesen heranrückte, einfach, weil es schrecklich kalt war, kurz nur hob er den Kopf etwas an, schaute zu der kleinen Höhle aus Decken, wo HootHoot sich darin befand, gut geschützt, gewärmt, satt und im Dunkeln. Seinem kleinen Kauz ging es gut, das war die Hauptsache für ihn. Daher fiel sein Blick auch wieder zurück auf Paul, gegen dessen Lippen er leise seufzte, da diese ihm plötzlich so nahe waren, er dessen warmen Atem auf seinen spüren konnte, bis dieser ihn, erneut an diesem Tag, küsste und dabei wieder dieses Kribbeln, dieses Gefühl tausender Schmetterlinge im Bauch, auslöste.
Was machte er nur mit ihm?
Was wollte der diebische Holy Ninja, Gabe denn noch stehlen, abgesehen von seinem allerersten Kuss, sowie einem Vertrauensvorschuss? Wenn er nicht aufpasste, stahl er dem Bogenschützen, dem schelmischen Robin Hood, noch das Herz und so heftig, wie es in seiner Brust schlug, würde es Paul wohl freiwillig in die Hände springen. An dessen, herrlich süßen, Lippen er hing, den Kuss erwidernd, wie ein Ertrinkender an einem Rettungsring, wobei er die Augen auch einfach schloss, das intensive Kribbeln deutlicher spürte, dass sich in seinem Körper ausbreitete und ihm so warm wurde. Ihm stellten sich die Nackenhaare auf, seine Hand löste er von Pauls, nur um sie, unter dessen Deckenkokon, zu schieben und sie auf seinem Rücken zum Erliegen kommen zu lassen, den Holy Ninja zog er lediglich, das letzte Stück, was überhaupt noch zwischen ihnen bestand, zu sich um dieses bisschen Distanz auszumerzen. Natürlich nur, weil sie so weniger frieren würden, während der Sturm draußen peitschte, lautstark an der schützenden Plane rüttelte, die über dem Zelt lag, etwas das Gabe völlig ausblendete, weil einfach kein Platz war, für derartige, störende, Details seiner Umgebung in diesem Augenblick.
Alles worum sich seine Sinne, seine Gedanken, wie benebelt, drehten ....war Paul.
Ob er dafür in die Hölle kam oder einen Sonderplatz erhielt, weil er, als Atheist, einfach Jesus küsste?
Die halbe Nacht lang womöglich, weil er schlichtweg nicht genug davon kriegen konnte, bis doch irgendwann die Müdigkeit obsiegte.

@Jesus


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#51

RE: Dachterrasse

in Altenheim 23.02.2020 20:53
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Jesus war sich der Verantwortung bewusst, die er Gabriel gegenüber nun trug. Denn ob dies nun wirklich sein erster Kuss gewesen war oder nicht, spielte keine Rolle. Fest stand für den Holy Ninja nur, dass er Gabriel Gefühle entlockte, die er bislang nie gespürt hatte. Das er etwas in ihm auslöste, das sich nicht mehr ungeschehen oder rückgängig machen ließ. Würde er ihn jetzt einfach fallen lassen, es als einmalige Sache abtun oder sich mit diesem Kuss rühmen wie mit einer Trophäe, könnte er wirklich irreparablen Schaden bei dem schönen Bogenschützen anrichten. Welcher sich ihm endlich ein bisschen öffnete. Eine Verantwortung und Ehre die Jesus zu schätzen wusste und mit Sorgfalt tragen würde. Ihn jetzt auf diesem Weg alleine zu lassen wäre fatal. Und er würde sich wohl niemals wieder jemandem öffnen. Aber zum Glück hatte Jesus nichts dergleichen vor. Er nahm sich seiner an und das nicht weil er so ein guter Mensch war und jeden retten wollte, sondern weil Gabe in ihm genau dieselben Gefühle auslöste wie umgekehrt. Denn auch Jesus hätte große Probleme damit klar zu kommen, sollte Gabe sich plötzlich einfach von ihm abwenden, einfach verschwinden ohne je wieder zu kehren. Dafür war er ihm einfach schon viel zu nahe gekommen. Und Jesus wollte das nicht. Am liebsten würde er jede freie Minute die er hatte nun mit Gabe verbringen. Wohl wissend, dass das leider nicht möglich war und den geschickten Dieb wohl auch überfordern würde. Aber für den Moment hatte er seine Gesellschaft kein bisschen satt, denn es gab noch so viel das sie nicht voneinander wussten, das sie zusammen erleben und teilen konnten. Jesus musste sich also wirklich dazu ermahnen sich etwas zu bremsen und sein Herz etwas unter Kontrolle zu halten, damit es nicht völlig durchdrehte.
„Nicht mehr all zu viel fürchte ich, denn eigentlich hatte ich nicht vor so lange weg zu bleiben“
Ein paar Kleinigkeiten befanden sich zwar noch darin aber länger als einen weiteren Tag könnte er sich davon nicht ernähren ohne zusätzlich jagen zu gehen oder plündern.
Ja richtig, Jesus bevorzugte seine Kleidung als auch Unterwäsche eher schlicht. Auch wenn er nicht wirklich wählerisch war. In der heutigen Zeit musste man nehmen was man kriegen kann. Natürlich konnten sie einander nichts abschauen aber das war auch nicht das Problem. Sondern viel eher Jesus Fantasie die mit ihm durchging während Gabe sich auszog. Er war nun mal ein sehr attraktiver, junger Mann und Jesus nicht klinisch tot. Nur zu Ostern drei Tage. Weshalb die Vorstellung in seinem Kopf ausreichte, um Jesus etwas unruhiger werden zu lassen. Er war ein anständiger Kerl aber ein paar nicht ganz jugendfreie Gedanken konnte eben selbst er nicht unterdrücken. Aber wozu gab es Deckenkokons, die verhüllten wieder jegliche nackte Haut, weshalb auch seine Fantasie sich wieder etwas beruhigte.
„Lies die Bibel, dann tust du es“
Scherzte Jesus erneut, irgendwann musste er Gabe doch ein kleines Lächeln entlocken. Natürlich würde er ihn dann kein Stück besser verstehen aber das war auch nicht weiter schlimm. Gegenseitiges Verständnis entwickelte sich nach und nach. Auch Jesus benötigte Zeit, um Gabriels Verhalten und sein Handeln zu verstehen. Das Wichtigste bei alledem war lediglich, es zu versuchen. Nicht nur auf seiner eigenen Meinung zu beharren, sondern zu probieren die Situation aus dem Blickwinkel des anderen zu betrachten. Mehr als das brauchte es nicht, der Rest kam irgendwann von alleine. Und Jesus hatte nicht den Anspruch Gabe bereits nach 1,5 Tage in und auswendig zu kennen oder zu lesen wie einen seichten Roman. Er zog etwas anspruchsvollere Lektüre, für die man sich mehr Zeit nehmen musste, definitiv vor.
Eine Sache stand jedoch fest, sollte Paul je sterben, dann bestimmt nicht aufgrund mangelnder Stärke oder Ninja-Fähigkeiten sondern weil er irgendetwas Selbstloses, Dummes tat um anderen zu helfen. Aber im Moment war der Tod wirklich das Letzte an das er denken wollte, denn das Leben schien in Gabes Nähe sehr viel verlockender zu sein.
Das Gabe seinen Dank nur schwer annehmen konnte verwunderte Jesus weniger. es passte einfach zu dem Gesamtbild das Gabe ihm vermittelte. Was für ihn aber auch bedeutete, dass er die ganze Sache vordergründig zwar herunterspielte, sich innerlich aber hoffentlich dennoch über seine Worte freute. Denn Jesus wusste, dass Gabe es nicht getan hatte, nur um sich Jesus Dankbarkeit zu sichern. Und dennoch war es ihm ein Bedürfnis sich bei ihm zu bedanken, weil er das vollkommen ehrlich meinte. Er war ihm dankbar und es war nicht selbstverständlich was Gabe getan hatte, ganz egal, ob er in dieser Jahreszeit im See schwimmen ging oder nicht. Jedoch ließ er es nun einfach so stehen, vielleicht konnte Gabe seine Dankbarkeit dann insgeheim ja doch ein wenig annehmen.
Oh ja, es wäre schrecklich würde Gabe sich eingestehen, dass er sich in Wahrheit auch nur nach ein bisschen Zuneigung und Geborgenheit sehnte. Denn dann würde bestimmt etwas total Schreckliches passieren…. wie beispielsweise, dass er diese Zuneigung einfach erhielt. Und das ging doch wirklich nicht.
Wie gut das Jesus nicht darauf wartete, dass Gabe ihm klare Signale sandte, sondern einfach aus dem Bauch heraus handelte. Seinem Gefühl folgte und ihn einfach instinktiv zu streicheln begann. Würde es ihm missfallen, so wäre Gabe mit Sicherheit jemand, der das sehr deutlich machte. Deshalb musste er keine Sorge haben ihm etwas aufzuzwingen. Gabe konnte sich sehr gut wehren, nur das sein Brummen eher von Wohlgefallen als von Missmut sorgte, weshalb Jesus Instinkt nicht so falsch sein konnte.
„Wenn ich mit dir fertig bin, glänzt du heller als mein Heiligenschein“
Scherzte Jesus erneut, der vor hatte Gabe etwas ins Schwitzen zu bringen. Gabe hatte angefangen mit seiner dummen Bemerkung, was Jesus wirklich schön fand. Denn das hieß er war noch nicht verloren und würde die Nacht überleben.
Mit seinen Worten, seinem sanften Gesang, übertrug er Jesus neuerlich ein großes Stück an Verantwortung. Welches dieser jedoch gerne entgegen nahm. Noch war Jesus jedoch nicht bewusst, wie kompliziert die Situation zwischen ihnen wirklich war, doch selbst wenn Gabe sich irgendwann dazu entschied ihm die Wahrheit zu sagen, so würde er sich davon nicht abschrecken oder hinfort jagen lassen. Denn gerade eben da gab er ihm ein Versprechen. Und dieses Versprechen würde er halten, ungeachtet dessen wie die Umstände sich veränderten oder wie schwierig es werden würde. Er ließe Gabe nicht im Stich. Komme was wolle. Denn dieser kleine, melodische Hilferuf, war für Jesus von allergrößter Bedeutung. Da konnte Gabe es noch so oft bereuen oder so tun als hätte er es nicht so gemeint. In der Hinsicht folgte Jesus nun nämlich den Fußstapfen seines Lehrmeisters. Der diesen Hilferuf auch von dem jungen Paul vernommen hatte, selbst wenn dieser ihn nie direkt ausgesprochen hatte. Doch am Ende hatte er Recht damit. Er hatte sich nach irgendeiner Form von Rettung gesehnt, war nur nicht fähig dazu es sich selbst einzugestehen. Und ganz ähnlich schien die Situation sich nun auch mit Gabe zu gestalten. Der vorgab sein Leben okay zu finden.. doch in Wahrheit wünschte er sich wohl genau wie Jesus damals, das jemand ihn aus diesem Dilemma befreite. Ob Jesus der Richtige dafür war würde sich noch zeigen. Aber er würde es wenigstens versuchen.
Sofern Gabe ihm sein Vertrauen schenkte. Eines der wertvollsten Geschenke überhaupt wie Paul fand. Denn es hatte viel mehr Bedeutung als jedes materielle Geschenk es je könnte.
Weshalb Jesus Gabriel müde anlächelte und bei seiner Frage dessen Hand zu seinen Lippen führte um sie sanft zu küssen. Bevor er sie unter seinen Deckenkokon schob und Gabes Hand nun ganz direkt auf Jesus Herz ablegte.
„Pfadfinderehrenwort“
Bei seinen Worten sah er ihm direkt und frei von jeglicher Arglist in die Augen. Sein Herz schlug schneller als die eisigen Schneeflocken, die der Wind gegen die Plane peitschte. Nur das Gabe es diesmal direkt fühlen konnte. Jesus war also nicht weniger aufgeregt als dieser. Und nun war es nicht nur ein Pfadfinderehrenwort, sondern auch noch ein ‚Hand-aufs-Herz Versprechen‘. Also wenn das nicht stand hielt, dann war wohl jedes weitere Versprechen auf dieser Welt wertlos.
Im Moment war aber ohnehin nichts von Bedeutung. Nichts außer diesem Kuss und Gabriels Lippen. So kalt es draußen auch war, so sehr der Sturm auch tobte, selbst in diesem Moment konnte Jesus der Situation etwas Gutes abgewinnen. Denn auch wenn es unangenehm für Gabe war sich nicht so bewegen zu können wie er es wollte, so hatten sie nun wenigstens eine Ausrede um die halbe Nacht hier in diesem Zelt einfach nur zu knutschen wie zwei verliebte Teenager, die einfach nicht die Hände voneinander lassen konnten. Es gab keinerlei Anlass das Zelt zu verlassen oder die Lippen voneinander zu lösen, denn es machte die Kälte eindeutig erträglicher. also vielleicht konnte ja auch Gabe dieser Nacht noch etwas Positives abgewinnen. Jesus tat es ganz gewiss.
Bis auch er irgendwann mit einem Lächeln in den Schlaf versankt. Zuvor jedoch hatte er die Decken noch um sie beide gelegt, so war es einfach noch ein klein wenig wärmer.
Womit er jedoch nicht rechnete war es, am nächsten Morgen nicht durch einen erfrorenen kleinen Zeh oder dergleichen geweckt zu werden, sondern durch einen warmen Sonnenstrahl, der sich durch die Plane in ihr Zelt kämpfte und Paul direkt ins Gesicht schien. Zögerlich öffnete er ein Auge und konnte kaum glauben was er sah und spürte. Es war warm, die Sonne schien unaufhörlich, keine Wolke trübte den Himmel. Es wirkte so, als wäre dieser Sturm nur Einbildung gewesen, als hätte er niemals gewütet. Die Sonne erhitzte das Zelt sogar so sehr, dass Paul sich einer seiner Decken entledigen musste, weil ihm richtig warm war. Dennoch blieb er eng an Gabriel geschmiegt liegen und betrachtete ihn schweigend. Was wohl gerade in seinem Kopf vorging? ob er träumte? Er sah so wahnsinnig friedlich und unschuldig aus wie er da vor ihm lag. Weshalb Jesus gar nicht anders konnte als ihm einen ganz kleinen, sanften Kuss auf die Lippen zu hauchen. Jedoch nur flüchtig, immerhin wollte er ihn nicht wecken wenn er noch müde war. Auch wenn Jesus nicht wusste wie Gabe nach dem Aufwachen über die ganze Sache hier denken würde.. er blieb zuversichtlich. Dennoch hieß es nun mal nicht umsonst ‚eine Nacht über etwas schlafen‘. da man am nächsten Morgen häufig einen klareren Blick über eine Angelegenheit hatte. Aber darüber wollte er sich nun nicht den Kopf zerbrechen. Stattdessen beobachtete er Gabe noch eine kleine Weile, ehe er sich ganz leise und vorsichtig aus den Decken schälte. Seine Hose sowie seinen Rucksack nahm und so lautlos wie ein Ninja das Zelt verließ. Nicht um abzuhauen, er wollte sich bloß draußen anziehen, um Gabe nicht zu wecken. Und er konnte wirklich nicht glauben was er sah. Einen strahlend blauen Himmel und kein Lüftchen war mehr zu spüren. Es war ein wunderschöner, windstiller Morgen. Nur die Verwüstung rund um das Gebäude ließ vermuten wie heftig der Sturm gestern Nacht hier gewütet hatte. Aber sie hatten überlebt. Sie hatten es überstanden und nun belohnte das Wetter sie endlich mit etwas Sonnenschein. Selbst der Schnee auf der Terrasse war zum Großteil geschmolzen, weshalb es Jesus nun möglich war wieder ein kleines Feuer zu entzünden. Er wollte Frühstück für Gabe machen. Wie es sich für den ‚Morgen danach‘ gehörte. Selbst wenn sie einander nur geküsst hatten, so war dieser Abend für Jesus dennoch etwas ganz Besonderes gewesen, welcher ihm auf Ewig in Erinnerung bleiben würde. Er putzte einen der Töpfe etwas aus und holte dann eine Glasflasche mit Milch aus seinem Rucksack. Sie war halb gefroren.. aber das Feuer würde sie schon wieder erwärmen. Außerdem holte er noch eine weitere Lunchbox aus seinem Rucksack, wo sich Frühstücksflocken darin befanden, direkt im Cottage hergestellt und verarbeitet. Müsli war vielleicht nicht das aufregendste Frühstück aber naja, es war reichhaltig und besaß alle nötigen Vitamine. Er wollte sich nun aber nicht ungefragt an Gabes Vorräten vergehen, weshalb er es erst mal beim Müsli machen beließ und dabei die Sonne auf sein holy Haupt scheinen ließ.

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#52

RE: Dachterrasse

in Altenheim 24.02.2020 19:00
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Ah, richtig, Jesus war ja gar nicht darauf bedacht, hier draußen, länger als nötig, zu verweilen und nun verbrachte er die zweite Nacht, im Zelt des Bogenschützen, wer hätte das gedacht. Vermutlich keiner von ihnen Beiden, denn Gabe war auf Besuch nicht eingestellt, noch weniger auf Jesus in Persona, der so freigiebig seine Vorräte mit ihm teilte, obwohl er dies nicht tun bräuchte, wie Gabe jedes Mal beteuert und darauf pochen würde. Großzügigkeit war schließlich bislang eher ein Mythos, zumindest nicht weit verbreitet, in seinem Umfeld und es war fraglich, das sich Gabe, jemals richtig daran gewöhnen könnte, zumal er es nicht wollte, denn Leute wie Jesus, gab es in seiner Kolonie nicht wirklich, erst recht nicht im Haifischbecken, in dem sich der Bogenschütze bewegte und dankbar dafür war, seine Tätigkeit als Späher, allein hier draußen, ausleben zu können. Er musste sich aber spätestens Morgens auf den Rückweg machen, sowie sich melden, wenn er nicht als Verräter deklariert und zum Abschuss freigegeben werden will.
Jetzt war es ihm wohl noch nicht bewusst, er würde es wohl, wie immer, verdrängen, ignorieren, abstreiten, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit, würde er Paul schneller vermissen, als ihm lieb ist. Nicht nur, weil da, ganz offensichtlich, etwas zwischen ihnen war, dass sie einander, schier magisch, anzog, sondern auch weil dessen Gesellschaft, schlichtweg angenehm, wohltuend war, so friedfertig und ruhig, was den hibbeligen Bogenschützen, ganz von selbst, ein bisschen erdete zumindest. Der sich ja entschuldigen würde, dafür, dass Paul, ungeplant, solang bei ihm verweilte aber es wäre eine glatte Lüge, denn leid tat ihm dieser Umstand nicht, zumal er selbst Vorräte hatte, die er mit ihm teilen könnte, würde, wenn er dann etwas länger bliebe aber Gabe musste selbst bald aufbrechen, sein Zeitfenster wurde immer kleiner. Von hier aus, brauchte er ungefähr, einen halben Tag bis zum Zoo, das Gebiet lag mittig, zwischen Cottage und seiner neuen Kolonie, die Dachterrasse diente ihm ja öfter als Rückzugsort, er wusste wie lange er brauchte, um von A nach B zu gelangen. Wenn er vom Zoo zum Cottage wollte, sowie wieder zurück, musste Gabe in der Regel zwei Tage einplanen, da er meist zu Fuß unterwegs war, er hatte zwar ein Pferd im Zoo, konnte sich sogar eine Privatbox dafür leisten, weil er als Dieb unglaublich viel 'Geld' machte dort, mit seinem Diebesgut, doch sein Hottehüh kam schlecht auf Bäume und bei dem Wetter, sollte es lieber im warmen Stall sein. Die Ironie daran war aber, dass Gabe das Pferd, vor vier oder fünf Jahren, aus einer der anderen Kolonien gestohlen hatte, heimlich, bei Nacht und Nebel.
Er klaute eben alles!
Unter anderen Umständen wohl auch Decken, allerdings, würde er Paul, die Seinen, wohl nicht klauen und auch nicht wollen, dass dieser ihm an den Schlafsack ging, den Gabe nur bedingt mochte, er war eben nicht gern eingeengt, eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit aber im Moment musste er das Teil dulden, um wieder warmzuwerden. Selbst beim Anblick von Paul, in seinen Shorts, war Gabe wohl der Unschuldigere von Beiden, klar verstand er zweideutige Anspielung, haute selbst manchmal gewisse Bemerkungen raus, sofern sie Andere betrafen, doch irgendwelche anzüglichen Gedanken kamen ihm nicht, sondern eher die Sorge, dass Paul friert, wenn er sich nicht rasch in die Decken einwickelt. Womöglich würde er etwas anders denken, wenn er gewisse Erfahrungen schon gesammelt hätte, doch entweder schreckte es ihn ab, verstörte ihn zutiefst oder er war unschuldiger als ein neu geborenes Lämmchen.
Das gleich garstig blökte, wenn Paul ihm weiter solche blöden Bemerkungen an den Kopf warf.
"... Vollidiot."
Warf er Paul ziemlich trocken, sowie ohne mit der Wimper zu zucken, bitterernst an den Kopf, nein, er schmunzelte jetzt nicht, innerlich vielleicht ein bisschen aber nach Außen trug er es definitiv nicht, momentan. Vor allem, weil Gabe, ganz ehrlich, einen kleinen Moment gebraucht hatte, bis es Klick machte, wegen der Bibel, wäre doch peinlich, wenn Paul das merken würde, denn er an seiner Stelle, würde ihn damit foppen, ganz sicher aber im Moment wäre das wirklich unfair, weil er selbst nicht in Bestform war, ergo wäre dies dann voll ungerecht, sowie langweilig. Ganz zu schweigen davon, dass es sich noch viel besser anfühlte, von Paul ein wenig gestreichelt zur werden, durchs Haar, was sich einfach zu gut anfühlte und er ihn, sobald er wieder allein sein würde, vermutlich dafür verteufeln wird, weil der Holy Ninja ihm Dinge näher brachte, zuteilwerden ließ, die man sich allein schlecht geben kann. Klar, er konnte sich selber durchs Haar streicheln, es fühlte sich aber einfach nicht so an, wie wenn Paul dies tat, dessen Berührungen, die zwanghafte, unangenehme, bleierne Schwere, die auf seinem Körper lag, dank der Kälte, viel erträglicher machte und der Bogenschütze dies, auf seine brummende Art und Weise, sogar zum Ausdruck brachte.
Ja, er wird das definitiv vermissen und sauer auf Paul sein, sobald er wieder allein war, er konnte ja schlecht zu jemandem gehen und verlangen, dass er ihm den Kopf streichelt, wie einem braven Hund, mal davon ab, dass Gabe die Leute ungern nah an sich heranlässt aber der Holy Ninja, scherte sich nicht um seine Mauern, er verließ sich auf ... was auch immer.
Gabe wusste es nicht, seine Überlebensinstinkte waren 1A, in zwischenmenschlichen Dingen hingegen, naja er schlug sich irgendwie durch, konnte man wohl sagen.
"Ich hoffe nicht, dann sieht mich Nachts doch jeder, das wäre echt ungeil für mich als Dieb.."
Also sollte Paul ihn bitte nicht auf Hochglanz polieren, dessen Heiligenschein wollte er wahrlich keine Konkurrenz machen! Aber immerhin ging er darauf ein bisschen ein, selbst sein Mundwinkel zuckte kurz nach oben, unter den gegebenen Umständen wahrlich ein Fortschritt. Jedoch verging ihm dieses schnell wieder, letztendlich war ihm nicht wirklich nach Scherzen oder gar Lachen zumute, nicht bei der Frage, der Bitte, nach Vertrauen, mit dem Gabe sich unendlich schwertat und es ihn, in der Tat, viel an Überwindung kostete, denn wenn er es tat, Paul die Chance einräumte, etwas Vertrauen zu erhalten, einen Bonus, Vorschuss, öffnete er diesem, noch im selben Atemzug, Tür und Tor, gab ihm die Möglichkeit ihn zu enttäuschen, es auszunutzen, mehr als das, er gab ihm damit die Möglichkeit ... ihn zu verletzen.
Das Einzige, worauf er in der Hinsicht, tatsächlich bauen konnte, war der Punkt, das Paul, selbst in solch einer ähnlichen Situation gewesen ist in seinem Leben, dass er womöglich besser verstand, als man glauben mag, wie schwer es Gabe fiel, jemandem zu vertrauen, denn wenn schon nicht der Familie, wie sollte dies dann erst bei einem Außenstehenden der Fall sein? Dem einzigen Erwachsen, dem er damals, etwas Vertrauen entgegenbrachte war der Leiter seiner Pfadfindergruppe, mit ihm war er gut ausgekommen, hatte sich an manchen Tagen sogar gewünscht, ihn als Dad zu haben, anstatt dem Eigenen, vor allem, wenn er wieder stank, als hätte er in irgendeinem billigen Parfum, von einer seiner Schlampen, gebadet. Besonders dann, wünschte Gabe sich, einfach abhauen zu können aber seine Mum, die da noch lebte, hielt ihn davon ab, sie war der Kitt, Kleister, der ihre kleine Familie zusammen hielt, irgendwie. Es war einfach nicht fair, dass der Krebs bei ihr zuschlug, von allen Menschen, in Gabes Umfeld, hatte sie es am wenigsten verdient aber auch das war eine Lektion, fürs Leben, denn das ist niemals fair. Meist erwischt es die Guten, während die Arschlöcher, zu Hauf, in der heutigen Welt, weiterlebten.
Alles, was Gabe hoffen konnte, war wohl, dass Paul diese Chance, nicht verbaute, denn wenn er nicht mal Jesus trauen konnte, dann wohl niemandem mehr auf der Welt, selbst wenn der Kerl, ihm gegenüber, nicht über Wasser, im flüssigen Aggregatzustand, laufen konnte, so kam er wohl am nächsten an seinen Namensvetter heran.
Was sein Handeln erneut unter Beweis stellte, der Bogenschütze sah ihn nur an, mit seinen traurigen Puppy Eyes, die sich, verlegen, senkten, kaum dass Paul, dessen Hand, an seine Lippen führte, er das schwache Kribbeln auf der Haut spürte, bis er diese, unter die Decken schob und Gabe im ersten Moment, sofort die Luft anhielt, sowie mit dieser zurückzuckte. Allerdings war Paul anständig, selbst wenn Gabe gerade lieber einen Punkt, auf dem Boden des Zeltes, fixierte, entwich ihm, erleichtert, der zittrige Atem als er nur den Stoff von Pauls Hemd unter den Fingern spüren konnte, welches seine Brust bedeckte. Zögernd, blinzelnd, hob er wieder den Blick an, er hatte genug Anatomie-Kenntnisse, um zu wissen, wo Paul seine Hand aufgelegt hatte, wäre die Stoffschicht nicht dazwischen, so fragte er sich, könnte er womöglich sogar dessen Herzschlag fühlen.
Paul gab ihm also nicht nur sein Pfadfinderehrenwort, sondern sogar ein Hand-aufs-Herz-Versprechen.
Er musste verdammt überzeugt von sich selbst sein oder sehr motiviert, wenn er dies einzuhalten gedachte.
Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war da letztendlich der Kuss, dem sie Beide sich, die halbe Nacht lang widmen konnten, bis lediglich die Müdigkeit ihnen dazwischen kam.
Welche Gabe tiefer in den Knochen saß als die Nacht davor, denn diesmal war er es, der noch tief und fest schlief, während die ersten Sonnenstrahlen, hindurch drangen und zumindest den Holy Ninja weckten, der Bogenschütze hatte sich auch kaum gerührt, er lag immer noch so da, wie er eingeschlafen war letztendlich, dicht an Paul herangerückt, der nun mal die einzige, sowie perfekte, Wärmequelle bot unter den kuschligen Decken. Er schnarchte lediglich, nur ganz leise, vor sich hin im Moment oder brummte viel mehr, als Bewegung aufkam, sowie ein kühler Luftzug ihn streifte, weil ihm seine Wärmequelle abhandenkam. Zumindest war ihm ein traumloser Schlaf vergönnt, weswegen er wohl auch so friedlich anmutete, was nicht immer der Fall war, doch das konnte nur HootHoot bezeugen, welcher aus seiner Deckenhöhle heraus kam, sich schüttelte, aufplusterte und einen leisen Laut von sich gab, ehe er geschwind über den Boden flitzte, bis er vor dem Eingang des Zelts verweilte, förmlich darauf wartend, dass jemand diesen öffnete. Den Kopf um 180° drehend, starrten die großen, gelben Eulenaugen, mit den langen Wimpern, den Holy Ninja an, der kleine Raubvogel schreckte auch nicht zurück, als dieser sich bewegte, die Hose anzog, sowie seinen Rucksack nahm, im Gegenteil, er verharrte, beobachtete ihn und hüpfte nach draußen, in den Schnee, kaum das er endlich hinaus konnte. HootHoot flatterte sogleich davon, er käme schon wieder zurück, das täte er immer oder spätestens dann, wenn Gabe ihn rufen würde.
Der wiederum noch ein Weilchen länger schlief oder viel mehr döste, bis er sich murrend, mit den ganzen Decken, auf den Rücken drehte, die Hände hob und sich müde, gähnend, die Augen rieb, anschließend streckte er sich ausgiebig, strampelte sich die Decken, als auch den Schlafsack vom Leib, nur um sich ruckartig aufzusetzen.
Es war dezent frisch unten rum, weshalb er sich rasch erhob, kurz schaute, nur um sich seine Shorts aus der Hose zu friemeln, naja die Klamotten waren immer noch klamm, das wird nen ätzender Rückweg werden, murrend schlüpfte er erst mal wieder hinein, kämpfte sich dann in seine Hose und schimpfte, allerdings in fremden Zungen, was wohl ulkig klang, denn Gabe fluchte auf Niederländisch. "Wat een verdomde shit! Het is koud... ik haat het!!"
Die Stiefel folgten, ebenso wie seine Lederjacke, ehe er rauskam, sowie prompt die Augen zusammen kniff, weil es so verdammt hell war inzwischen, zumindest konnte er sich, erneut, ausgiebig strecken, ehe er gleich mal ein paar Kniebeugen zum Aufwärmen machte. "Goede morgen."
Begrüßte er ihn, verblieb in der Hocke und streckte das linke Bein in gerade Linie zur Seite aus, danach das Rechte, wobei er problemlos runter auf den Boden sank, um einen professionellen Spagat zu machen, vielleicht nicht geil in so einer Hose, allerdings war der meiste Schnee weg, da war ihm alles Schnuppe, zudem musste er etwas in die Gänge kommen. Er hatte sich nach dem Trip gestern nicht mal anständig dehnen können, fahrlässig, er hasste es Muskelkater zu bekommen, die Arme hob er dabei wieder nach Oben, ehe er sich nach vorn, beugte, flach über den Boden. Ja, Gabe war sehr gelenkig, als ehemaliger Turner wohl auch weniger verwunderlich.
"Shit, is dat melk?!!.." Sein Blick fiel auf die Flasche, dann zu Paul, ehe er sich räusperte, er hörte sich ja selbst reden und hatte sich früher halb tot gelacht, als er das Erste Mal holländisch gehört hatte, sowie finnisch, doch beide Sprachen hatte er gelernt, dank dem schwulen Pärchen, was aus Europa, in sein Viertel damals gezogen war. "..ehem ich ...meine ist das Milch, was du dabei hast? Sorry, manchmal rutsche ich einfach ins Niederländische ab, ich muss nicht extra sagen, dass ich dir einen Pfeil ins Knie jage, solltest du es jemals jemandem erzählen, right?"
Oder wie gut er darin war sich zu verbiegen wie eine Brezel, das ging einfach niemanden was an und nein, er wollte nicht vor Paul angeben, schön, vielleicht unterbewusst, ein winzig kleines bisschen? Er ist halt jung, sowie manchmal, ein kleiner Angeber, der so spitzbübisch grinsend schon wieder drein schaute, sowie Paul frech zuzwinkerte.
"Ich nehme an du ... machst dich wieder auf den Rückweg zum Cottage, heute?"
Einen Moment lang hielt er inne, biss sich auf die Unterlippe, überlegte, hin und her, bis er sich dann doch dazu entschied zu fragen. "Kann ich dich besuchen kommen? Ich weiß ja wo dein Shampoo schläft." Wobei er auch noch mit den Augenbrauen provokant wackelte, das klang nach einem Witz, war es jedoch nicht.

@Jesus


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#53

RE: Dachterrasse

in Altenheim 24.02.2020 21:50
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Jesus empfand es nicht als Großzügigkeit seine Vorräte mit Gabe zu teilen, sondern als Selbstverständlichkeit. Er hatte ihm geholfen, ihn begleitet, war zweimal fast erfroren und teilte seine wärmende ‚Unterkunft‘ mit ihm. Also was wäre er für ein Mensch täte er es nicht? Das kam gar nicht in Frage für ihn. Hätte er mehr dabei, würde er ihm wohl sogar all seine Vorräte überlassen. Denn Jesus kam leichter an Nahrung heran als Gabe, naja zumindest dachte er das im Moment noch. Da er Gabe tatsächlich glaubte hier draußen in der freien Natur zu leben. Selbst wenn er dafür ein bisschen zu gepflegt wirkte. aber naja.. vielleicht hatte er Mittel und Wege gefunden seine Sachen sauber zu halten. Unmöglich war es schließlich nicht. Dennoch sah Gabe alles andere als verwildert aus. Aber darüber zerbrach Jesus sich nicht weiter den Kopf, Misstrauen lag nun mal nicht in seiner Natur. Und das wollte er auch nicht. Selbst wenn es manchmal nützlich wäre. Doch statt Menschen sofort zu misstrauen gab er jedem von ihnen zuerst eine Chance. Erst wenn diese verspielt war ließ er Misstrauen walten.
Jesus wusste bereits jetzt, dass er Gabes Nähe wahnsinnig vermissen würde, kaum das er zurück im Cottage war. und bereits jetzt kreisten seine Gedanken sich darum wann sie sich wieder sehen würden. Jesus hatte zwar gewisse Aufgaben im Cottage aber am Ende blieb er dennoch eher ein Freigeist und teilte sich seine Zeiten frei ein. Was genug Spielraum für ein neuerliches Wiedersehen gäbe. Jedoch war Jesus nicht sicher, ob Gabe das überhaupt wollte. Denn sobald er weg war kämen mit Sicherheit seine Zweifel, Zweifel die Jesus dann nicht einfach weg küssen konnte, kaum das er sah wie sie sein hübsches Gesicht zeichneten. Dann war er alleine mit seinen Zweifeln. Mit seinem Pessimismus und vielleicht auch seiner Panik. Weshalb Jesus wirklich nur hoffen konnte, dass Gabe all das überwinden würde und ihre gemeinsame Zeit keine einmalige Sache blieb. Natürlich machte selbst Jesus, der unverbesserliche Optimist, sich ein paar Sorgen. Immerhin hatte er auch mit Harry ein Treffen, ein Date, vereinbart und dieser war niemals aufgetaucht. Würde es ihm mit Gabe genauso ergehen? Würde auch er kalte Füße bekommen und ihn einfach sitzen lassen? Jesus wollte nicht negativ denken in dieser Hinsicht. Aber da die Wunde die Harry ihm zugefügt hatte noch so frisch war, war es schwierig diese Gedanken zur Gänze aus seinem Kopf zu verbannen. Dennoch sah Jesus mit Zuversicht in die Zukunft. Gabe war nicht wie Harry. Denn wenn er nicht zu einem Treffen auftauchte.. dann hätte das andere Gründe. Und Jesus würde nach ihm suchen, mit der selben Verbissenheit wie er es auch bei Harry getan hatte. Wohl wissend, dass der Bogenschütze sich wesentlich besser verteidigen konnte und ihm wohl nichts zugestoßen war. Aber dennoch. Er hatte ihm ein Versprechen gegeben und das würde er einhalten, selbst wenn Gabe ihn von sich stoßen würde. Genau wie sein Lehrmeister es getan hatte. Aber vielleicht war all das auch gar nicht nötig. Er musste wohl oder übel abwarten, um das herauszufinden.
Das Gabe etwas herum schimpfte und ihn wegen seiner dummen Bemerkungen beleidigte war nicht weiter schlimm. Jesus nahm das nicht ernst sondern schmunzelte bloß etwas dabei. Er ließ sich seinen Humor und seine warmherzige Art eben auch von Gabes schlechter Laune nicht nehmen. Es brauchte viel um Jesus ebenfalls zu verstimmen, etwas Kälte war da zu wenig. Vor allem wenn man die Kälte mit wirklich anziehender Gesellschaft fristen durfte. da schien sie für ihn fast nebensächlich zu sein, da Gabe ihn voll und ganz in seinen Bann zog. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass das schon jemals jemandem vor ihm gelungen war. Und Jesus war kein Kind von Traurigkeit gewesen. Er hatte durchaus schon einiges an Erfahrung gesammelt. Hatte jedoch den Eindruck, dass es diesmal irgendwie anders war.. denn auf irgendeine Art und Weise ging es tiefer als alle anderen Bekanntschaften die er zuvor gemacht hatte. Eine Erklärung hatte Jesus dafür nicht. Musste er aber auch nicht. Da es keine Rolle spielte. Sein Herz tat ohnehin was es wollte und sein Kopf hatte dabei Sendepause. Denn bei ihm war es eindeutig das Herz das den Ton angab und nicht sein Verstand.
„Du hättest aber auch stets Licht dabei“
was ja auch nicht so unpraktisch war des nachts, wenn man selbst so strahlte, dass man keine Taschenlampe benötigte. Die waren nämlich echt eine Rarität in der heutigen Zeit, da es kaum noch geladene Batterien gab. Weshalb diese Kurbellampen, die man früher im 1-Euro Shop bekommen hatte, mittlerweile fast ein kleines Vermögen Wert waren. Immerhin besaß nicht jede Kolonie das Privileg von Strom.
Ja, Paul konnte Gabes Situation besser verstehen als dieser ahnte.. natürlich gab es immer gewisse Unterschiede. Aber er konnte sich wirklich gut in ihn hinein versetzen und vielleicht erinnerte er ihn in gewisserweise sogar ein wenig an sich selbst in jungen Jahren. Er erwartete also längst nicht das er ihn mit seinem Vertrauen überhäufte, nein ganz im Gegenteil. Ihm reichte bereits ein ganz kleiner Funken. Denn auch aus einem Funken konnte irgendwann ein großes Leuchtfeuer entstehen.
Aber Jesus war geduldig. Eine Eigenschaft die in Gabes Gesellschaft mit Sicherheit von großem Nutzen war. Weniger geduldig schien am nächsten Morgen der kleine Kauz, der, kaum das Paul sich bewegte, zum Eingang des Zeltes vor flatterte. Was Jesus schmunzeln ließ und dieser ihm ganz kurz über sein schönes Federkleid strich ehe er flüsterte
„Na? du kannst es wohl auch nicht mehr erwarten endlich wieder in die Freiheit entlassen zu werden.“
Kurz sah er von HootHoot zu Gabe. Wie es schien hatten die beiden sogar eine Gemeinsamkeit. Denn ihre Freiheit schien ihnen wahnsinnig wichtig zu sein. Und sie wollten wohl nicht länger als nötig unter einem festen Dach verweilen. Aber das konnte Jesus verstehen, HootHoot war trotz seines niedlichen Erscheinungsbildes ein Raubtier, kein Haustier mit dem man in seiner Wohnung kuschelte. Er musste fliegen, jagen und einfach die freie Natur erkunden, so wie es sich für eine Eule gehörte. Weshalb Jesus ihn nicht länger auf die Folter spannte sondern den Eingang des Zeltes öffnete, damit dieser hinaus huschen konnte. Genau wie Jesus auch, welcher wirklich den Eindruck hatte das Wetter passte sich ein wenig seiner Stimmung an. Gestern nach der Sache mit Harry ein Schneesturm und heute nach einer sehr.. intensiven und schönen Nacht mit Gabe, strahlender Sonnenschein.
Gabe musste bei seinem nächsten Ausflug definitiv Ersatzkleidung einpacken. Denn das die Klamotten im Winter nass wurden und in der freien Natur nicht wirklich trockneten lag doch eigentlich auf der Hand. Hoffentlich bliebe ihm eine Erkältung oder Schlimmeres erspart wenn er ständig so kalte Klamotten am Leib trug. nun konnten sie aber zumindest wieder ein Feuer machen und sich daran wärmen. Wodurch vielleicht auch seine Klamotten wieder etwas auftauten.
Während Jesus draußen das Frühstück machte horchte er jedoch irritiert auf als da plötzlich jemand fluchte auf…. Holländisch? Zumindest klang es so. Jesus sprach diese Sprache zwar nicht aber er konnte sie erkennen, einfach weil sie so lustig und irgendwie auch ein bisschen niedlich klang. Denn wie sagte man so schön? Wenn ein Holländer fluchte hörte sich das dennoch an als würde er von fluffigen Wölkchen erzählen.
Als Gabe nach draußen kam rührte Jesus gerade etwas im Topf herum, damit die Milch nicht anbrannte. Das wäre eine wirkliche Verschwendung. und er musste wirklich aufpassen, dass er sich von Gabe nicht ablenken ließ. Denn so direkt über dem Feuer konnte Milch schnell verbrennen. Schmunzelnd und mit eindeutig guter Laune blickte er rüber zu dem grumpy Bogenschützen
„Guten Morgen? Weshalb sprichst du Holländisch?“
Es irritierte Jesus ein wenig aber irgendwie fand er es wahnsinnig süß, weshalb er auch nicht anders konnte als ihn einfach nur anzulächeln. Vielleicht war er als Kind ja mal auf Sprachreise in den Niederlanden gewesen oder seine Mutter war Holländerin. All das wusste er noch nicht über Gabe. wollte es aber gerne herausfinden und seine Geschichte hören.
Allerdings noch besser als zu reden war es Gabe ein wenig beim Morgensport zu beobachten, der wirklich beachtliche, turnerische Fähigkeiten besaß. Beeindruckend. Er wäre wohl ein klasse Balletttänzer.
Naja nein, diese Vorstellung verbannte er lieber wieder aus seinem Kopf, denn es war nicht besonders sexy sich Gabe nun in einem Tütü vorzustellen. ein hautenger Anzug hingegen wäre schon ansprechender. Gut das Gabe ihn jedoch mit seiner Frage aus den Gedanken riss und Jesus zu der Flasche rüber sah.
„Ja, das ist Milch. Wir halten ein paar Kühe im Cottage. Ich hoffe du magst Müsli? Die Cerealien haben wir selbst angebaut, im Sommer geerntet und dann für den Winter getrocknet“
Nein auch er wollte damit nun nicht angeben, Gabe sollte nur wissen, dass die Zutaten wirklich aus frischem Anbau stammten und es nicht irgendwelche abgelaufenen, alten Cerealien waren. Das was Jesus an Vorräten besaß hatte tatsächlich noch so etwas wie Nährstoffe. Sie waren mittlerweile eben wirklich schon ziemlich weit in ihrer Kolonie.
„Ein Pfeil in meinem Knie würde mich nicht davon abhalten zu reden“
Stellte Jesus lachend fest und winkte dann ab. Natürlich würde er Gabes Geheimnis hüten wie seinen Augapfel, darauf konnte er sich verlassen. Auch wenn das nun wirklich nichts war das man gegen ihn verwenden könnte in Pauls Augen aber naja. womöglich war es ihm ja peinlich oder so.
Das Müsli oder besser gesagt Porridge war mittlerweile auch schon fertig und Jesus reichte erst Gabe seine Portion in einer kleinen Schüssel und nahm dann sich selbst etwas davon.
„Ja, ich sollte mich dringend mal wieder dort blicken lassen. Sonst schicken sie aus Sorge noch einen Suchtrupp und das will ich wirklich vermeiden“
Niemand sollte sich in Gefahr bringen weil er nach Jesus suchte, der gar nicht in Gefahr war sondern hier mit einem unfassbar schönen Robin Hood rumturtelte. Würde jemandem dabei etwas geschehen würde Jesus sich das niemals verzeihen. Weshalb er auf jeden Fall nach Hause musste, um den anderen zu versichern, dass mit ihm alles in Ordnung war. Naja und ihnen von Harry zu berichten.
das Gabe ihn jedoch danach fragte, ob er ihn besuchen durfte überraschte Jesus tatsächlich. Der ging bislang nicht davon aus, dass Gabe solch ein Risiko eingehen würde. nicht für ihn, wenn er nicht mal seinen Vater besucht hatte.
„Offenbar muss ich dich nicht über unsere Sicherheitsvorkehrungen aufklären, da du sie… ganz offensichtlich bereits kennst.“
das war ein wenig bedenklich für Jesus Kolonie ehrlich gesagt, wenn es Gabe wirklich so leicht gelänge ihre Wachposten zu überwinden aber ihm traute er es tatsächlich zu.
„naja, wenn es dir gelingt dir Einlass zu verschaffen ohne jemanden zu verletzen dann.. würde ich mich darüber freuen“
Wobei Jesus bereits die Tatsache freute, dass Gabe sich überhaupt ein Wiedersehen mit ihm wünschte. Denn das war längst nicht selbstverständlich.
„aber vielleicht, habe ich sogar eine bessere Idee.“
auch wenn Jesus tatsächlich kurz ein bisschen zögerte bevor er ihn fragte, einfach weil er nicht wollte, dass Gabe sich gleich lachend von der Terrasse warf. Fragte ihn schlussendlich aber dennoch
„bist du.. morgen Abend bereits verplant? Ich kenne da einen Ort, den ich dir gerne zeigen und an den ich dich gerne einladen würde. Wo wir uns ganz ohne Risiko treffen könnten.“
Das war also indirekt die Einladung zu einem Date. Auch wenn Jesus es nicht als solches bezeichnete, denn sonst würde Gabe wohl wirklich nicht auftauchen. Aber er wollte ihn gerne ausführen, ganz altmodisch, so wie es sich eben gehörte wenn man jemanden gern hatte. Und dabei musste Gabe nicht das Risiko eingehen ins Cottage einzusteigen. Denn auch wenn er ihm das problemlos zutraute, so wollte er sich nicht in seiner eigenen Kolonie mit ihm verstecken müssen. Zumal es für Gabe dort wohl nicht so angenehm war, aufgrund der Anwesenheit gewisser Personen die er verachtete. Weshalb Jesus sich dazu entschied ihn an einen anderen Ort einzuladen, sofern Gabe gewillt war diese Einladung anzunehmen. Jesus wusste ja nicht was seine Pläne für die nächsten Tage waren, ob es irgendwelche Verpflichtungen gab, denen er nachkommen musste. Aber er hoffte nun einfach das Gabe… ‚ja‘ sagen würde.

@Arthur Winchester




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#54

RE: Dachterrasse

in Altenheim 25.02.2020 17:43
von Arthur Winchester (gelöscht)
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Gabe war nicht Harry, in all den Jahren, war er Paul gegenüber wohl ehrlicher gewesen, als zu irgendwem sonst, abgesehen von Roxy versteht sich aber das, was der Holy Ninja, zu Gesicht bekommen hatte, war ein tiefer, wenn auch riskanter, Blick hinter die Kulisse des Bogenschützen, welcher im Laufe der Jahre nun mal, sehr viele, Mauern als auch Masken, Fassaden, hochgezogen hatte, einzig um sich selbst zu schützen. Vor Anderen und vor allem dieser neuen Welt, der er sich rasch anpasste, jedoch, wie jeder Andere auch, manchmal seine Probleme damit hatte. Allerdings würde er den Wasserläufer, gerne wiedersehen, immerhin hatten sie eine Vereinbarung getroffen, nicht wahr? Paul wollte ihm die Kampfkunst näher bringen und Gabe, er liebte sportliche Herausforderungen, sowie neues zum Erlernen, allein dies wäre schon Grund genug, um ihn aufzusuchen, dass er den Holy Ninja, ganz zufällig, auch noch anfing sehr zu mögen, sich zu ihm sogar sehr stark hingezogen fühlte, kam ihrer Abmachung wohl ganz gelegen.
Auch wenn, keiner der Beiden, sagen konnte, wie sehr Gabe sich, sobald er allein war, mit seinen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, davon beeinflussen ließe aber er war ein sturer, kleiner Wadenbeißer. Vielleicht tat er einfach so als wären diese Dinge, zwischen ihnen, niemals passiert, womöglich zerbrach er sich den Kopf und wurde fast wahnsinnig, er wusste es nicht, denn noch hatte sein Herz die Oberhand, nicht sein verkorkster Verstand, sodass dem Dieb, mit den grünen Puppy Eyes, in all den Jahren, mal ein paar schöne, glückliche Momente beschert wurden, egal wie flüchtig sie am Ende vielleicht sein mögen, aus seinem Gedächtnis schwinden, würden sie niemals, nicht bis zu seinem Tod zumindest.
Im Ernst, Gabe dachte ja schon, er wäre schlimm, weil er immer das letzte, meist freche, Wort haben musste aber ganz offensichtlich, nahmen er und Paul sich, dahingehend, nicht sonderlich viel, was er besser fand, als er wohl zugeben würde, weil er zu grumpy war in dem Moment. Was sich auch am Morgen nicht ändern würde, er und HootHoot waren eingefleischte Morgenmuffel, sowie sehr freiheitsliebend, obschon der Sperlingskauz, natürlich wartete, sowie sich streicheln ließ von dem Holy Ninja, bis dieser die Güte besaß, ihm das Tor zur Freiheit zu öffnen, wo er sofort hinausflatternd verschwand.
Sein Besitzer kam erst etwas später in die Gänge, schimpfend, ob der klammen Kleidung, sobald er zurück im Zoo war, würde er erstmal ausgiebig und vor allem heiß duschen, sowie die Sachen in die Wäscherei bringen. Für gewöhnlich hatte er auch Wechselkleidung dabei, nur hatte er nicht geplant, solange draußen zu bleiben, eben wegen dem, derzeit recht unberechenbaren, Winterwetter aber dann kam ihm ja ein Holy Ninja dazwischen. Ja, so schnell kanns da halt gehen, dass sämtliche Pläne oder eben Nicht-Pläne, über den Haufen geworfen wurden.
Allerdings verzieh Gabe es diesem, seinetwegen zweimal fast erfroren zu sein, wenn er ihn, als er aus dem Zelt kam, am Lagerfeuer hockend vorfand, sowie in einem Topf herumrührte. Machte er wieder Frühstück? Wow, wenn Paul so weiter macht, gewöhnte Gabe sich an den Service und das sollte er eigentlich nicht tun, allerdings war es ganz nett von diesem, sodass der Bogenschütze sich ein paar kleineren Übungen am frühen Morgen widmen konnte.
"Eh ... weil ich es kann?"
Entgegnete Gabe selbstbewusst, zuckte die Schultern und grinste ein bisschen arrogant, allerdings war er gewillt, Paul eine anständige Antwort zu geben, einfach, weil er so lieb fragte, sowie ihn mit diesem Lächeln, was auf seinen Lippen lag, schon wieder um den Finger wickelte. Tat er das eigentlich mit Absicht? Wenn ja, dann war Paul sehr erfolgreich damit. Zuvor aber stützte er sich mit den Händen auf dem Boden ab, änderte die Position, streckte die Beine wieder nach hinten aus, ging auf die Zehenspitzen und machte ein paar Liegestützen nebenbei. Er hatte viel zu viel Energie, die er irgendwie abbauen und ihr ein Ventil geben musste, außerdem war er eh keine große Bereicherung, wenn es darum ging, etwas zu kochen.
"In unserem Viertel gabs mal ein homosexuelles Pärchen, beides Europäer, der eine Finne, der andere Holländer. Das Haus, was sie bezogen hatten, war das Größte und somit höchste im Viertel, wo wir gewohnt haben, daher hockte ich dort sehr oft auf dem Dach, um Alles zu überblicken. ..... bin da auch rumgeklettert, als sie eingezogen waren, dummerweise ... musste ich so laut und heftig lachen, als ich sie das erste Mal habe reden hören auf der Veranda, dass ich vom Dach gefallen bin. Die skandinavischen Sprachen sind schon mega ulkig, sehr melodisch aber Holländisch? Ich habe geweint vor Lachen ... okay und wohl auch, weil ich mir den Arm gebrochen hatte aber ...who cares."
Er grinste ein bisschen als er daran zurückdachte. "Die Zwei haben sich zu Tode erschreckt, jedoch sofort Erste Hilfe geleistet, Krankenwagen gerufen und meine Mum, naja ich war so neugierig, als auch belustigt, dass ich erst Recht bei ihnen rum hing, kaum dass ich wieder aus dem Krankenhaus raus war. Sie erlaubten mir, nachdem ich es ihnen geklärt hatte, weshalb ich auf dem Dach hockte, weiterhin dort oben sitzen zu können, im Sommer hab ich dafür ihren Pool gereinigt, ein bisschen geholfen im Garten oder mit ihrer Karre und lernte so holländisch als auch finnisch. ....leider waren unsere anderen Nachbarn, weniger nett, sie sind nach drei Jahren, leider, wieder weggezogen."
Was Gabe sehr Schade gefunden hatte, er hatte das Paar gemocht, sie waren wirklich nett gewesen, sehr lustig, spontan, großzügig aber er konnte verstehen, dass sie sich nicht sonderlich wohlgefühlt haben, nicht weiter verwunderlich, seine anderen Nachbarn, waren nicht sonderlich tolerant, sondern konservativ, religiöse Arschlöcher halt. "Sinulla on suloinen hymy." Sagte er mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen, sah Paul direkt an dabei und leckte sich flüchtig die Lippen, nur um diese zu befeuchten, ehe er schnell wegsah. "Das war gerade finnisch ... und Nein, ich werde dir nicht sagen was es übersetzt heißt." Denn sonst würde Gabe, rot wie eine Tomate werden, sowie rasch über das Geländer hechten, da er Paul, schlicht und ergreifend ein Kompliment machte, weil er so ein süßes Lächeln hatte. "Ich kann auch noch Russisch und perfektes british English. ... meine Mum, hatte .. Familie in England. Außerdem war mein Leiter bei den Pfadfindern waschechter Brite."
Gab er ein wenig preis, das waren ein paar der schönen Dinge, aus seiner Jugend, an die er sich gerne erinnerte und sich leicht auf die Unterlippe biss, als er daran zurückdachte. Er bekam Gänsehaut beim britischen Akzent und ja, womöglich, hatte er seinen Leiter bei den Pfadfindern, etwas mehr gemocht, ohne sich darüber überhaupt im Klaren zu sein aber Gabe, sah die Welt halt mit anderen Augen, meist von Oben, was andere Perspektiven darbot als am Boden. Für ihn war es kein Indiz, selbst auf Männer zu stehen, nur weil er ein paar davon vielleicht hübsch fand. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, er verstand nicht, warum manche das nur an einem bestimmten Geschlecht festmachen wollten.
Also ja, trotz der, sehr innigen, wunderschönen, Küsse, die er gestern mit Paul geteilt hatte, würde er immer noch, felsenfest davon überzeugt behaupten, nicht homosexuell zu sein! Er war eben noch nicht so weit, überhaupt die Möglichkeit zuzulassen, geschweige denn, sich dies auch noch einzugestehen und davon, es Preis zu geben, war er noch Lichtjahre entfernt.
"So, jetzt habe ich aber genug angegeben. Sprichst du eine Fremdsprache?"
Sonst schubste Paul ihn noch, weil er so multilingual begabt ist und das durchaus, auch ein bisschen, zum Angeben nutzte, zumindest Paul gegenüber, denn vor Anderen, hielt er auch das geheim, weil es ihm einen strategischen Vorteil bot, wenn keiner weiß, welche Sprachen er beherrscht sowie versteht.
Aber da sie gerade beim Angeben sind, Paul brillierte also mit der Vielfalt als Zerealien, die sie im Cottage selbst anbauten, sowie den Kühen? Wow, heftig!
"Habt ihr auch eine lila Kuh? Wenn ja, dann klau ich die!"
Kam es frech über Gabes Lippen, dem saß der Schalk schon wieder im Nacken, auch wenn er seine Liegestütze in senkrechter Position vorführte, okay, wie war das noch mal mit dem angeben? Er schnaufte, nahm sogar eine Hand auf den Rücken und bewies, überaus professionelle Körperbeherrschung, sowie entsprechende Spannung, definitiv ist er eine Sportskanone, was Paul sicherlich zu schätzen weiß. Als künftiger Lehrmeister versteht sich, denn Gabe war körperlich durchtrainiert, fit, gelenkig, ausdauernd, er musste ihn also nicht erst in Form bringen, denn das brachte der Bogenschütze bereits alles mit. Die größte Hürde wird wohl viel mehr sein, Gabe zur Ruhe zu bringen, denn Meditation war gewiss nichts, was einfach werden würde, für den hibbeligen Dieb, der die Hand wechselte, sowie sein ganzes Körpergewicht auf und ab stemmte.
".. und was das Müsli angeht, ich esse es, bin aber kein großer Fan von. Ich hasse Rosinen oder allgemein getrocknetes Obst, bah. Ich hab früher gerne Fruit Loops gegessen oder die Dinger mit Zimt!"
Sowas gab es Heute leider auch nicht mehr, das war so bitter aber was soll man machen, außerdem war er, trotz allem, jemand der bei Essen nicht so wählerisch ist und Zerealien sind wichtig, für einen Sportler wie ihn definitiv, eine gute Wahl zum Frühstück. Schließlich ließ er die Beine wieder auf den Boden sinken, richtete sich auf aber verblieb in seiner, üblichen, hockenden Position am Feuer, rasch die Hände an der Hose abgewischt, nahm er dankend die Schüssel entgegen mit dem Müsli oder viel mehr Porridge. Lustigerweise fand er das sogar besser als staubtrockenes Müsli, zumal es warm war, was bei den hiesigen Temperaturen, sehr viel angenehmer ist. So nahm er sich auch gleich den Löffel, um sich die erste Fuhre rein zu schaufeln, manierlich wohl gemerkt, er kann sich benehmen.
"Oh Gosh, please don't. Das Letzte, was ich gebrauchen kann, ist der Redneck-Köter mit Armbrust, der hier auf der Terrasse aufkreuzt, weil er deiner Witterung gefolgt ist."
Gab er von sich, Paul nahm ihm solche Bemerkungen hoffentlich nicht übel, Gabe sagte meist was er denkt, sparte auch nicht mit Beleidigungen, Spitznamen oder Sticheleien, es lag ihm einfach im Blut, kann man sagen, vielleicht keine seiner besten Eigenschaften aber man kann ihm nicht verübeln, dass er keine hohe Meinung hat, von den Leuten aus dem Cottage, zumindest einigen gewissen Personen, die dort leben.
Bei Pauls Worten konnte, nein wollte, Gabe sich das Grinsen nicht verkneifen, langsam nur hob er den Blick und zwinkerte dem Holy Ninja, frech wie er ist, zu während er noch einen Löffel Porridge verputzte. "Ich bin ein Dieb Paul, für gewöhnlich vermeide ich es, jemandem zu begegnen, wenn ich mir irgendwo ungefragt Zutritt verschaffe, also sei unbesorgt, ich bring schon niemanden um, wenn ich dich besuchen komme. ... was hinterlässt das sonst für einen Eindruck?" Murmelte Gabe gegen seinen Löffel, ehe der rasch wieder in seinem Mund verschwand und er hinab auf seine Schüssel Porridge sah.
Außerdem würde es auffallen, sowie die Leute vorwarnen, wäre kontraproduktiv für den Späher, war ihm lieber, die Leute wähnten sich in Sicherheit, folgten ihrem Trott, behielten den bisherigen Wachwechsel, sowie ihre Routinen bei.
Die Augenbrauen fragend angehoben, sah er Paul mit schief gelegten Kopf an und aß nebenbei weiter, er war ganz Ohr, weitete allerdings die grünen Augen überrascht bei dessen Frage, er verschluckte sich sogar, woraufhin er zu husten begann, jedoch gleich abwehrend die Hand hob, damit Paul blieb, wo er ist.
Er kam schon zurecht, brauchte halt nur einen Augenblick um sich zu fangen, ehe er sich den Hals rieb, sowie ein wenig zerknirscht drein blickend, zu Paul rübersah.
"Ich kann nicht, ich .. muss meinen Dad aufspüren und ne Bleibe für ihn finden, sorry aber .. er hat Priorität."
Gut, finden musste er ihn nicht erst, er weiß, wo er seinen alten Herrn geparkt hatte, könnte man sagen aber tatsächlich hatte Gabe, die kommenden Tage ein paar Verpflichtungen, nicht nur als Sohn und denen musste er nachkommen, Paul nahm ihm das hoffentlich nicht übel.
"Aber ... du kannst es als Drohung oder Versprechen nehmen, wie es dir beliebt, ... aber so schnell wird man mich nicht los und wir haben nen Deal, schon vergessen Holy Ninja?"
Gabe hatte also ein paar gute Gründe, um Paul zu besuchen, dessen Vorschlag er aber auch, aus taktischen Gründen, ablehnen musste, denn der Holy Ninja lebte im Cottage. Das konnte Gabe, vom Wald aus, zum Großteil einsehen aber nicht im Detail, nicht zum Strand hin und noch weniger das Gebiet der Verbündeten, die Grimes wohl an Land gezogen hatte, wie auch immer. Er wollte und musste ins Cottage rein, Paul war, nun ja, er war genau die Versteckmöglichkeit, die Verbindung zu der Kolonie, die er brauchte, wobei er hoffte, so naiv es auch klang, dass er beides irgendwie haben kann. Die Informationen die er brauchte, die Fakten, die wichtig waren für seinen Boss und .... ein wenig Zeit mit Paul, den er wirklich gerne hatte inzwischen, den er auch nicht täuschen oder ausnutzen wollte, wirklich nicht. Doch Gabe hatte einen Job, wenn er den nicht machte, gut machte, kann er sich gleich den Beißern in der Arena, in die Arme werfen, denn wer sich nicht nützlich macht, ist entbehrlich.
Außerdem infiltrierte Gabe nicht das erste Mal eine Siedlung, er weiß was er tut, worauf er achten muss, er ist klein, unscheinbar, wenn er das will und fällt nicht weiter auf, eben der perfekte Dieb.
Daher leerte er auch seine Schüssel, in die er anschließend, ein wenig grüblerisch, hinab schaute und mit dem Löffel, etwas auf dem Boden derer herumschabte, sein rechtes Bein war schon wieder unruhig, er brauchte Bewegung, er hatte etwas Zeitdruck, sowie einige Dinge vor sich, um die er sich noch kümmern muss. Und doch fiel es ihm irgendwie schwer, seinen Rucksack, den Bogen und Köcher zu schnappen, sowie das Weite zu suchen, er wollte ungern aus dieser, kleinen aber feinen, Seifenblase heraus.
Brachte aber am Ende nichts, denn die Welt dreht sich weiter und er hängt zu sehr an seinem Leben, um den Hals unnötig zu riskieren, mehr denn je, wenn er, zu gegebener Zeit, mehr davon mit Paul verbringen konnte, dem er die leere Schüssel zurückreichte, sowie direkt in die fesselnden blauen Puppy Eyes schaute.
"Lass dich auf dem Rückweg nicht fressen alter Mann, dein Holy Shampoo würde dich schmerzlichst vermissen und ich glaube, das hat nicht so coole Moves drauf wie du, die ich gerne noch lernen will."
Mit den Worten erhob er sich, schloss seine Lederjacke und kroch kurz ins Zelt, wo er sich seinen Rucksack nahm, ebenso den Bogen, mitsamt Köcher, welchen er an seinem Gürtel wieder festmachte, nur um sich anschließend die Kapuze aufzusetzen, wie auch das blaue Halstuch ins Gesicht zu ziehen.
"See ya Sweetheart."
Gab er rotzfrech, breit grinsend, verborgen von seinem Tuch, von sich als er schon Anlauf nahm, auf das Geländer sprang, von diesem sich abstieß und an den Ast, weiter vor ihm zu hechten, ehe er sich fallen ließ, um wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen, nur um geschwind abzudampfen. Gabe war eben, wie sein Kauz, ein Freigeist, der sich nicht ganz so einfach einfangen ließ.

@Jesus


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#55

RE: Dachterrasse

in Altenheim 25.02.2020 21:59
von Paul Rovia | 245 Beiträge

Gabe hatte da wohl etwas falsch verstanden, Jesus wollte ihm nicht bloß die Kampfkunst näher bringen, sondern auch die Mentalität die dahinter lag. Was auch sehr viel psychisches Training mit sich brachte. Das wäre wohl die größere Herausforderung, denn den sportlichen Teil würde Gabe wohl mit links bewerkstelligen, so wie er körperlich drauf war. Was er auf der Terrasse ja mit Bravour unter Beweis stellte. Wahrscheinlich war es gut, dass sie diese Vereinbarung getroffen hatten, denn so konnte Gabe immer einen Grund vorschieben, um Jesus zu besuchen, ganz ohne sich eingestehen zu müssen, dass er sich zu ihm hingezogen fühlte. Wirklich praktisch für den schönen Bogenschützen. Während Jesus keinen Grund vorgeben musste, er stand zu seinen Gefühlen. Aber er verlangte nicht von Gabe, das dieser das ebenso tat. Wenn er einen Vorwand brauchte dann war das in Ordnung.
Und sei es nur ein leckeres Frühstück, denn Jesus kochte in der Tat wirklich ziemlich gut. Im Cottage könnte er ihm natürlich mehr Abwechslung bieten und es auch viel schöner anrichten als hier. Aber naja, man nahm was man kriegen konnte. Und schmecken tat das Frühstück auch über dem Lagerfeuer mit gefrorener Milch. Eines der Dinge die diese Welt die Menschen wirklich lehrte, war zumindest etwas Genügsamkeit.
Während Gabe sich daran gewöhnen könnte, dass Jesus Frühstück machte, so könnte Jesus sich daran gewöhnen Gabe bei seinem Morgensport zuzusehen. Denn das war wirklich faszinierend und mehr als ansehnlich. So als würde man sich ein Fitnessvideo mit einem heißen Trainer ansehen. Jesus musste wirklich aufpassen, dass die Milch ihm nicht anbrannte, bei dem Anblick der ihm hier geboten wurde.
Gabes kleine Anekdote wie er zur holländischen Sprache gekommen war, war wirklich amüsant und Jesus konnte sich bildlich vorstellen wie klein Gabe die beiden belauscht hatte. Und auch wie sie sich erschraken als da plötzlich ein Kerl von ihrem Dach fiel. Natürlich musste er dabei schmunzeln und fragte sich wie oft er sie belauscht hatte wenn er so gut Holländisch und Finnisch dabei gelernt hatte.
„Das ist sehr schade, klingt als wären sie tolle Nachbarn gewesen“
Und offenbar auch wichtige Bezugspersonen für Gabe. Das sie aus dem Viertel vertrieben wurden nur wegen ihrer Sexualität war natürlich furchtbar. Auch wenn es Jesus ähnlich ergangen war in seiner Zeit bei der Army. Wobei dort niemand gecheckt hatte, dass er schwul war. Aber die Witze oder Aussagen die er dort ständig gehört hatte, hatten ihm gereicht. Zumal die Mentalität auch nicht der seinen entsprach. Aber er wollte es wenigstens versucht haben.
Allerdings war nicht nur Gabes Workout wirklich beeindruckend sondern auch seine Fremdsprachenkenntnisse. Er war wirklich ein Multitalent wie es schien. Hätte man ihn ordentlich gefördert als Jugendlicher dann hätte er es wohl sehr weit gebracht.
„Ja, neben Englisch und ein paar Brocken Deutsch spreche ich auch noch ziemlich gut Japanisch. Immerhin stammt Aikido aus Japan und in meinem Training musste ich mich viel mit dem Japanischen Wortschatz auseinandersetzen, sodass ich beschloss es professionell zu lernen.“
Und es ergänzte sich auch wunderbar mit seiner Liebe für japanische Speisen und deren Kultur. Leider war er nie nach Japan gereist.. denn ehe er es tun konnte, brach die Apokalypse aus. Dabei hätte er wirklich gerne mal für eine Weile dort gelebt.
„Natürlich, wie sollen wir denn sonst unsere Schokomilch herstellen?“
Entgegnete Jesus ganz selbstverständlich auf die Frage mit der Lila Kuh. Denn es war doch ganz logisch, dass der Kakao von der Lila Kuh stammte. Traurig aber wahr, dass manche Stadtkinder so etwas wirklich dachten.
Jesus nahm es Gabe nicht übel, dass dieser über Daryl oder auch die anderen schimpfte. Es war verständlich. Er hatte nun mal auf der gegnerischen Seite gestanden und niemand von ihnen war unschuldig gewesen in diesem Krieg. Es war also sein gutes Recht viele Leute aus seinen Truppen zu verachten und Jesus gedachte auch nicht ihm das auszureden. Es reichte immerhin schon, dass er Jesus nicht hasste. Das war im Moment alles was zählte. und so lange er niemanden umbrachte war alles in Ordnung.
Natürlich fand Jesus es trotz Gabes Zuversicht nicht gut wenn dieser einfach ins Cottage einbrach. Mal davon abgesehen, dass er damit ganz deutlich auf einen Sicherheitsmangel hinwies, so fand er es trotz allem zu riskant. Er wollte nicht das Gabe seine Leute unterschätzte und wirklich noch zu Schaden kam weil er zu sehr von sich überzeugt war. Das würde er sich niemals verzeihen.
Das Gabe seine Einladung zu einem Date ablehnte wegen.. Negan, war natürlich nicht sehr schön zu hören. Aber Jesus hatte Verständnis dafür. auch wenn er sich fragte weshalb Gabe sich darum kümmern musste, dass Negan einen neuen Unterschlupf fand. Er war erwachsen und Anführer der Saviors gewesen, also sollte er das doch alleine hinbekommen. Aber gut, das war ein Thema und eine Angelegenheit in die er sich definitiv nicht einmischen wollte. Denn trotz allen Bemühungen könnte er wohl nicht völlig neutral dabei bleiben. Weshalb er bloß sanft lächelte und dabei nickte.
„Ist schon gut, ich verstehe das..“
Familie hatte eben Vorrang vor einem Kerl, den er gerade erst kennen gelernt hatte. Er konnte nicht erwarten, dass seine Prioritäten sich dahingehend so schnell änderten. Jedoch hoffte Paul darauf, dass sie sich dann vielleicht ein paar Tage später treffen könnten. Nur irgendwie schien Gabe nicht vor zu haben irgendetwas mit Jesus zu vereinbaren. Was nun verschiedene Gründe haben könnte. Entweder weil er nicht wusste wie lange die Angelegenheit mit seinem Dad sich hin zog, oder weil er bereits jetzt kalte Füße bekam und das eigentlich nur eine Ausrede war. Und er Paul überhaupt nicht wieder sehen würde. Es war schwierig für ihn nun einzuschätzen wie Gabe in der Hinsicht tickte, dafür kannte er ihn einfach noch zu schlecht.
Aber ihm blieb auch nichts anderes übrig als es zu akzeptieren. Wenigstens sagte er ihm klipp und klar, dass er keine Zeit oder Interesse hatte, statt ihn einfach wortlos zu versetzen.
„wie könnte ich das vergessen“
nur irgendwie war er gerade nicht überzeugt davon, dass Gabe ihn nur aufgrund dieses Deals wieder aufsuchen würde. Aber er musste sich wohl überraschen lassen, ob er seine ‚Drohung‘ bzw. für ihn besser gesagt sein Versprechen in die Tat umsetzen würde.
Wüsste er jedoch, dass er vor allem deshalb lieber ins Cottage wollte als sich mit ihm außerhalb zu treffen, um Informationen zu sammeln, wäre Jesus wohl bitter enttäuscht und ziemlich wütend. Denn er war schon oft genug ausgenutzt worden weil er den Leuten gegenüber so freundlich war. Das war also durchaus ein etwas wunder Punkt bei ihm, denn auch er schenkte nur wenigen Leuten sein volles Vertrauen. Wenn das jedoch enttäuscht wurde, dann war das keine Wunde die so schnell wieder verheilte.
„Mein Holy Shampoo würde sich bestimmt auch bei Carl wohlfühlen aber.. ich gebe mein Bestes. Genau wie du hoffentlich“
Denn nichts was mit Negan zu tun hatte war ungefährlich. aber schön, es war nun mal so wie es war und ihre Wege mussten sich vorerst wieder trennen.
Eigentlich hätte Jesus Gabe nun ja gerne noch einen Abschiedskuss abgerungen. Aber Gabe schien es plötzlich ziemlich eilig zu haben, weshalb Jesus letztlich alleine auf der Terrasse zurück blieb und ihm noch hinterher sah.
„Machs gut Gabriel“
Flüsterte er ihm noch nach, ehe er seine Sachen zusammen packte. Zuvor jedoch noch Gabes Geschirr etwas putzte, immerhin sollte er die Sachen doch wieder verwenden können. Danach machte auch er sich auf den Rückweg ins Cottage. Etwas Körperhygiene, vor allem Zähneputzen und so war echt langsam dringend notwendig. Und um ehrlich zu sein freute er sich auch schon wieder auf eine warme Dusche und sein weiches Bett. Und dennoch blieb irgendwie ein seltsames Gefühl zurück, als er den Rückweg antrat.. was es war? Nun wie es schien vermisste er Gabriel jetzt schon.

@Arthur Winchester




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