Herzlich Willkommen

Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

Team


Das 4-köpfige Team steht euch stets für Rat & Tat bei Seite. Du hast Fragen oder gar ein Anliegen? Kein Problem!
Hier findet ihr den passenden Ansprechpartner

Wetterbericht

Herbst ... Gerade noch habt ihr euch in der Sonne gebräunt, schon fallen die ersten bunten Blätter. Tja, das Leben zieht viel zu schnell an uns vorbei. Es wird kühler, es regnet viel. Stürme dürfen auch nicht fehlen und die Vögel ziehen in den Süden. Bereitet euch auf den Winter vor, dieser kommt schneller als ihr denkt!

🍁 Der Herbst rückt immer näher. Blätter fallen, es wird kälter, Zeit um Vorräte zusammeln 🍁
Avatar

Kolonien & deren Bewohner

----------------------- Aktuell: 90 Überlebende ----------------------- ---------------------- Cottage Sea: 21 Bewohner ---------------------- -------------------- Anarchy Riders: 25 Bewohner -------------------- ---------------------- Balar Island: 9 Bewohner ----------------------- -------------------- Krasnaya Luna: 10 Bewohner---------------------- ------------------------- Nomaden: 23 Bewohner -----------------------

Dringend gesucht

Walking Dead Charas: Ezekiel, Enid Taylor, Conni, Tara, Henry, Lydia, Eugene, Siddiq, Pamela Milton, Sebastian Milton, Mercer, Maxwell Hawkins Fear the Walking Dead Charas: Madison, Luciana, June, Daniel, Victor, Nick Auch viele Free Gesuche warten darauf, endlich in Empfang genommen zu werden. Auch ohne Serienwissen bist du bei uns gerne willkommen !!!

 

🍁 Bitte lasst uns eine Bewerbung eures Charakters da, ehe ihr euch in die Registrierung begebt 🍁

An Aus


#1

Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 28.10.2019 00:46
von The Walking Dead Team | 2.232 Beiträge

Hier werden Hühner, Schafe und Kühe gehalten.
In dem Gehege gibt es zudem Schlaf- und Werkzeugshütten, sowie Ställe für die Tiere


nach oben springen

#2

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 23.02.2020 20:54
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

In der kleinen Wohnung, die ihm zugeteilt wurde, sowie ihm, als Wächter, zur Verfügung stand, war bescheiden, pragmatisch, klein aber mehr als ausreichend für den genügsamen Russen, der im Badezimmer, vor dem Spiegelschrank stand, sowie die schwarze Krawatte band. Seine dunkelbraunen Augen, wirkten fast schwarz, trotz seines Alters, hatte der stattliche Mann, kaum ein graues Haar, noch immer war sein, inzwischen fast schulterlanges, Haar rabenschwarz, ebenso wie der Anzug, welchen er trug und für ihn gleichbedeutend war, mit der Uniform, die er beim Militär früher getragen hatte, sofern er nicht im Kampfeinsatz war.
Vom Soldat zum Bodyguard und nun, nach Jahren, als Nomade in seinem 69er Mustang lebend, wurde ihm die Aufgabe, als auch Verantwortung eines Wächters, in der hiesigen Zookolonie zuteil.
Yuri zog die Krawatte straff, fuhr mit der Hand über den schwarzen Stoff, fasste an die Weste und schloss anschließend, einzig den Knopf in der Mitte, des Jacketts. Ein letzter prüfender Blick, sein längeres Haar trug er zurückgekämmt, streng, gestriegelt und gebügelt, wie auch der Stoff seiner Kleidung, blickte er in die dunklen Abgründe seines Spiegelbildes, das nicht ganz verbergen konnte, dass der Russe chinesische Wurzeln hatte, dank seiner Mutter. Womöglich lag darin seine Begeisterung, seine Leidenschaft für die Kampfkunst begründet, sowie die asiatische Kultur, Küche als auch Mentalität. Er war beizeiten aufgestanden, machte, wie jeden Tag, eine Stunde ungefähr Tai Chi Chuan, meditierte, ehe er sich ein schlichtes Frühstück gönnte, bestehend aus einer Tasse Tee und einer Zigarette, bevor er sich fertig machte für ...die Arbeit.
Es war ungewohnt, nach all der Zeit, wieder eine Aufgabe zu haben, einen geregelten Tagesablauf, der Zoo bot vieles, sofern man auf der richtigen Seite stand. Es kümmerte Yuri bislang nicht, dass eine Zweiklassengesellschaft in dieser Kolonie herrschte, in seiner Heimat hatte er wirklich Schlimmeres gesehen. Gegen das Leben, in einem russischen Gulag, hatten es die hiesigen Arbeiter ziemlich gut, obschon sich darunter ein, ihm bekanntes, Gesicht befand, als er in der Schmiede gewesen war vor drei Tagen, wo er sich sein neues Kampfmesser abgeholt hatte. Da hatte er wirklich gedacht, nach langer Zeit, einen Geist zu sehen, als ihm seines Landsmännin, Minerva, entgegen geblickt hatte, aus großen, erschrockenen, grünen Augen, die ihre roten Strähnen geteilt hatten. Die kleine Russin gehörte zu der Gruppe, welche Yuri, einige Zeit lang, aufgenommen hatten, nachdem ihn Jesse, der sich ebenfalls im Zoo befand, aufgegabelt hatte, verletzt, im Wald. Mehr noch, er traf hier auch seine alte Freundin, Jane, die ebenfalls bei den Wächtern eingeteilt war und mit der er sich, schweigend, blendend verstand.
Das mit Minerva war natürlich bitter, sie schien ziemlich unter den Umständen, eine Arbeiterin zu sein, zu leiden und Yuri würde ihr wirklich gerne helfen, die Frage war nur wie, vor allem, da er selbst noch nicht all zu lange hier war. Obschon es womöglich herzlos klang, so betrachtete er das Alles, sehr nüchtern, er war Soldat gewesen, leitete einige Jahre seine eigene Spezialeinheit, er war in unzähligen Kampfeinsätzen, und selbst der KGB, der russische Geheimdienst, wollte damals seine Dienste in Anspruch nehmen, was er höflichst ablehnte, nach Austritt aus dem Militär.
Yuri war dazu fähig, sein Mitgefühl, abzuschalten und so schlecht ging es Minerva nicht, sie hatte Essen, ein Dach über dem Kopf, eine Aufgabe, die ihr lag, die sie sogar erfüllte aber ja, er verstand, dass sie Angst hatte. Niemand ist gerne eingesperrt. Für ihn hingegen, boten sich, gerade als Ex-Militär, Waffenexperte und Mixed Martial-Arts Meister, der in jungen Jahren, sehr erfolgreich, auch an Turnieren teilgenommen hatte, selbstverständlich mehr Möglichkeiten hier. Der Russe war sehr still, diszipliniert, vor allem aber fokussiert, er war darauf getrimmt, ausgebildet worden, zu töten, um sein Vaterland zu schützen.
Schon ein bisschen ironisch, das seine Dienste, nun beim Feind seiner Heimat, wieder in Anspruch genommen wurden aber es war ihm ganz recht, er fühlte sich einfach wohler mit einer Aufgabe.
Tatsächlich sprang er heute für einen anderen Wächter ein, eigentlich hätte Yuri heute frei, allerdings war er, immer schon, ein Workaholic gewesen und meldete sich daher freiwillig, als Vertretung. Außerdem, konnte er so einen Blick auf das, hier lebende, Geflügel werfen, im Viehzuchtgehege gab es auch Kühe, sowie Schafe. Tiere mochte er immer schon, als Kind fütterte er die Streuner im Viertel, als er älter wurde, sowie noch die Zeit hatte, arbeitete er als ehrenamtlicher Helfer in den Tierheimen. Am Höchsten schlug sein Herz jedoch beim Anblick von Hunden, Katzen sind auch toll, doch Yuri war immer schon ein Hundenarr gewesen und vermisste, schmerzlichst, seinen treuen Begleiter. Der Verlust war noch nicht lange her, wenige Monate aber der Schmerz saß tief.
Schließlich nahm Yuri seine Schlüssel, löschte das Licht im Flur, da es erst zu dämmern begann, zu dieser Jahreszeit, und zog die Tür hinter sich ins Schloss, verriegelte diese und begab sich zum Viehzuchtgehege. Sein kalter, grimmiger Blick, sowie seine, gänzlich schwarze, Kleidung, einher gehend mit der stolzen, zugleich geschmeidigen, Bewegung einem Raubtier gleich kommend, erweckte der wortkarge Russe, wohl auf etliche Leute das Bild eines, mörderischen, Mafia-Mitgliedes aber seinem Job, als Wächter, tat diese Ausstrahlung wohl keinerlei Abbruch, sondern kam seiner Aufgabe sogar zugute. Natürlich führte er, wie jeder von ihnen, ein kleines Büchlein, sowie einen Stift, mit sich, um etwaige Verstöße, auffälliges Verhalten oder Ähnliches zu vermerken. Es gab nicht unzählig viele Regeln, doch jeder Idiot sollte sie verstehen, sowie sich daran halten können, zumindest vertrat er diese Ansicht und nahm seinen Job, seine Aufgabe, auch extrem ernst.
Das unter den Wächtern selbst, das Recht des Stärkeren, galt, damit kam er zurecht, in seiner ersten Woche, hatte einer dieser, der deutlich jünger war, als er selbst, sich mit ihm 'messen' wollen. Mit anderen Worten, er wollte ihn abstechen, doch obwohl der Russe bereits Mitte Fünfzig ist, erscheint er deutlich jünger und das verdankt er durchaus seinem Lebensstil, sowie dem Sport, mit dem er im Kindesalter bereits angefangen hatte. Er hatte den jüngeren Wächter, so schnell entwaffnet und auf die Matte geschickt, mit gerade mal zwei gezielten Bewegungsabläufen, dass er seit dem höflichst grüßte, sowie rasch das Weite suchte, sobald Yuri ihn länger, als zwei Sekunden, eines Blickes würdigte.
Immerhin besaß er noch den Luxus, Tabak zu besitzen, womit er sich Zigaretten drehen konnte, eine Solche schob er zwischen die Lippen, mithilfe eines alten Zippos, entzündete er diese, inhalierte den Rauch tief in die Lungen, hielt ihn dort gefangen und schritt über das Gelände, wie ein Wolf, der aufmerksam einen Blick auf die Schafe warf, nur waren die Seinen, auf zwei Beinen unterwegs und trugen Kleidung. In seinem eleganten, tiefschwarzen Anzug, schindete er bereits genug Eindruck, dazu kam seine stattliche Größe, obschon keiner in der Kolonie, auch nur im Ansatz, an Scorpion, ihren Anführer, heran kam. Der überragte wortwörtlich alle Anderen. Natürlich war Yuri bewaffnet, er trug seine modifizierte Glock 34 nur nicht offen am Körper, sondern verborgen unter dem Jackett, gesichert im Holster, an der linken Hüftseite, befestigt. Yuri war Linkshänder, daher griff er auch mit dieser nach der Kippe, stieß den Rauch zur Seite aus und verschaffte sich einen Überblick, das hiesige Gehege, sowie dessen Aufteilung und Arbeiter, betreffend.


@Alexis Ilex


nach oben springen

#3

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 23.02.2020 22:38
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

Auch im Winter mussten sie früh aufstehen, wie es schien. Als er hierher gekommen war, war es gerade Anfangs Sommer gewesen, da war es um die Uhrzeit schon heller gewesen. Nun war es seit einer Weile morgens noch stockfinster, wenn sie aus dem Bett geklopft wurden. Alex teilte sich seine Barracke mit vierzehn anderen Arbeitern, welche im selben Bereich arbeiteten wie er. Er verstand sich eigentlich mit allen ganz gut. Es war zwar etwas kuschelig, doch zumindest hielten sie sich gegenseitig warm, denn die Barracken waren eher spärlich isoliert, sodass die Temperatur unangenehm sank.
Auch an diesem Morgen fühlte sich Alex ein wenig verschnupft, als er sich die Decke vom Körper schob und augenblicklich ein wenig fröstelte. Eilig stand er auf, zog sich seine Klamotten an. Die Stiefel standen vor der Barracke, die Jacke hing an der Wand. Sie war ihm ein wenig zu gross, doch das war nicht schlimm, das war ihm sogar lieber als eine zu kleine Jacke, bei der es ihm unangenehm an den Rücken ziehen würde. Gemeinsam mit den andern marschierte er dann in Richtung der Ställe. Frühstück würde es erst in etwa zwei Stunden geben. Bis dahin würden sie schonmal so viele Ställe wie möglich sauber machen, die Kühe melken und eine erste Futterrunde durch die Gehege machen, damit alle Tiere schonmal versorgt waren, bevor die Arbeiter versorgt wurden. So einfach war das hier.
Alex kümmerte sich heute um die Hühner und um die Schafe. Also ging er erst einmal zu den Schafen. Im Stall hatten sie ein sehr gedämpftes Licht, das über die Solaranlage gespeist wurde. Es reichte gerade genug, damit man etwas sehen konnte. Er brachte den Tieren Heu und liess sie dann ins Aussengehege, bevor er sich daran machte, den Stall grob zu putzen. Ihn störte die Arbeit a und für sich nicht einmal gross. Er sorgte sich gern um die Tiere, obwohl ihm Hunde oder Katzen lieber wären, aber das Vieh war auch ganz okay. Während der Arbeit wurde ihm sogar so warm, dass er sich nicht mehr unwohl fühlte. Ihn störte mehr, dass er sich nicht aussuchen konnte, wann er was machte. Diese Unabhängigkeit, die nach dem Ausbruch der Suche entstanden war, hatte er eigentlich ganz gern gemocht. Sie hatten ihr eigenes Leben aufgebaut gehabt und jeder hatte seine kleine Aufgabe wahrgenommen, jedoch weil sie es so wollten und nicht, weil irgendwer sie dazu zwang.
Der Zoo hingegen glich eher einem Arbeitslager. Wenn er seine Arbeit nicht richtig machte oder ein Wächter gerade einen schlechten Tag hatte, konnten sie willkürlich bestraft werden. Oft hatte er das Gefühl, dass manche Wächter einfach ihren angestauten Frust an ihnen ausliess. Alex gab sich zwar Mühe seine Arbeit gut zu machen doch auch ihn packte manchmal die Unlust so früh morgens aus dem Bett zu kraxeln, das er sich mit zig anderen Menschen teilte, nur um dann den ganzen Tag zu ackern und bis Abends spät auf Achse zu sein, bis die Sperrstunde war und man sie ins Bett prügelte. Er könnte sich wirklich ein schöneres Leben vorstellen als das.
Als er die Schafställe soweit fertig gemistet hatte und alle Tiere ihr Futter hatte, dämmerte es gerade. Er leerte die Schubkarre auf einem der Mistplätze. Der Dung wurde als Dünger für die Äcker und Gärten benutzt, weshalb sie ihn sammelten und rotten liessen, bis er bereit war ebenfalls von den Arbeitern ausgetragen zu werden.
Leise vor sich hin summend marschierte Alexis zu den Hühnerställen. Die Hühner waren alle noch halbwegs am Schlafen, die wurden erst munter sobald es hell wurde. Trotzdem öffnete er das Schiebetörchen, welches die Hühner nach draussen liess, wenn sie wollten schonmal, bevor er den Stall betrat und auch hier die eher gedimmte Lampe einschaltete. Die Hühner antworteten mit einem einstimmigen Gegacker, wovon sich Alex aber nicht irritieren liess. Er ergriff sich einen kleinen Eimer und machte dann eine Runde durch Stall, um alle Eier einzusammeln. Ausser die von ein paar einzelnen Hennen, die derzeit den Nachwuchs ausbrüteten, damit ihnen die Hühner nicht ausstarben. Denn alles, das keine Eier mehr legte, wurde aussortiert und für Suppenfleisch verwendet. Ihm taten diese Hühner jeweils etwas leid aber ändern konnte er es trotzdem ja leider nicht. Nach einer Weile hatte er alle Eier eingesammelt. Den kleinen Eimer stellte er erst einmal weg, bevor er damit anfing den Stall zu putzen. Derweil wurde es bereits etwas heller draussen. Er musste sich beeilen, damit er fertig wurde bis zum Frühstück. Die ersten Hühner kamen nun von ihren Sitzbäumen und Nestern runter und dackelten nach draussen, um ein wenig in der Erde zu scharren. Er putzte derweil den Stall noch fertig, wechselte das Wasser und löschte dann das Licht wieder, ehe er den Stall verliess und kurz in den Himmel sah. Graue Wolken hingen über dem Himmel, vereinzelt trudelten ein paar Schneeflocken gen Boden. Selbst ein wenig Wind ging... Also so ein richtiger Wintertag. Vermutlich würden sie heute noch nicht einmal die Sonne sehen. So blieb er einen Moment einfach dort stehen, blickte in den Himmel, wobei er den Eimer mit den Eiern in den Händen hielt. Als er kurz seufzte, stieg ein kleines Atemwölkchen vor ihm in die Luft. Das Schlagen einer Stalltüre irgendwo bei den Schweinen holte ihn letztlich aus seinem Tagtraum. Er zuckte etwas zusammen, packte den Eimer etwas fester und schritt eilig in Richtung Lager, wo sie die Eier jeweils abgaben, damit sie direkt in die Essensverteilung geliefert werden konnten. Auf dem Weg dahin fiel sein Blick auf eine Person, welche selbstbewusst durch die Strassen ging. Das war kein Arbeiter, sondern ein Wächter und ... Er hoffte, dass er ihn nicht beim Tagträumen gesehen hatte.
Es gab Wächter, die alleine dafür Strafen aussprachen.. Also versuchte Alex einfach möglichst unauffällig in Richtung Lager zu gehen, wie ein emsiger Arbeiter auszusehen, der sich nichts zu Schulden hatte kommen lassen. Hatte er ja auch nicht, er hatte nur für ein paar Minuten in die Luft gestarrt. Während er ging, fixierte er einen Punkt am Boden, damit er Blickkontakt mit dem Wächter vermeiden konnte, wenn sie aneinander vorbeiliefen, was jeden Moment der Fall sein konnte. Und tatsächlich, da kamen dunkle Schuhe und eine schwarze Anzugshose in sein Blickfeld. Er versuchte es zu ignorieren und einfach weiter seines Weges zu gehen.

@Yuri Romanov


nach oben springen

#4

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 24.02.2020 09:31
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Es war recht kühl draußen, Andere würden es wohl arschkalt nennen, nur empfand der Russe, die hiesigen Winter, als relativ milde aber er war andere, härtere Winter gewöhnt, von früher, weshalb er unter dem eleganten Hemd, seines Anzuges, lediglich ein gewöhnliches T-Shirt trug. Sollte es ihm doch zu kalt werden, konnte er sich zur Not einen Schal und Handschuhe besorgen, benötigte er derzeit aber nicht, schließlich setzte er sich in Bewegung, verschaffte sich einen Überblick, die herum wuselnden Arbeiter hier vermieden es, zumeist, ihn auch nur anzusehen, die meisten ihrer Blicke stoppten spätestens an seinem bärtigen Kinn oder sie starrten, ganz bewusst, gen Boden, sobald sie merkten, ein Wächter war in ihrer unmittelbaren Nähe. Ja, ihm war schon aufgefallen, dass Angst eine große Rolle in dieser Kolonie spielte, doch das tat es früher schon, überall auf der Welt und es tangierte Yuri nicht sonderlich, obschon er das Herz am rechten Fleck hatte.
Er hieß die Behandlung nicht gut, die manche der Wächter, den Arbeitern, zuteilwerden ließen, sie, oftmals grundlos, schikanierten oder ihre Position, ihnen weit überlegen zu sein, schamlos ausnutzten. Für sie gab es, im Umgang mit den Arbeitern, ja ebenfalls Regeln aber am Ende, waren es eben sie, die Wächter, welche am längeren Hebel saßen, sowie sich das mitunter schamlos, zunutze machten. Yuri gehörte nicht dazu, er nahm seinen Job ernst, er gedachte ihn, wie früher, alles was er anfing, diszipliniert und korrekt auszuführen, allerdings hatte er nicht vor, noch weniger die Absicht, seine Position auszunutzen. Trotz seiner sehr eisigen, mitunter stets grimmig drein blickenden, Erscheinung, war er sehr höflich, zumindest nickte er dem ein oder anderen, zum Gruße sogar mal zu, war sogar gewillt, bei Dingen, welche die Arbeiter trugen, die ganz offensichtlich viel zu schwer sind, anzupacken oder es ihnen, für ein kurzes Stück abzunehmen.
Schließlich gab es keine Regel, die besagte, man müsse sie behandeln, wie den letzten Dreck, selbst wenn, diese würde Yuri wohl nicht wirklich einhalten, trotz allem betrachtete er diese als Menschen, was sie nun mal sind, allerdings verstand er, dass es sicherlich sehr viele gab, unter ihnen, die ihn allein aufgrund seiner Aufgabe hier, verabscheuten, unabhängig davon, ob er überhaupt je etwas mit ihnen zu tun gehabt hatte bislang. Der Russe konnte es ihnen nicht verübeln, die meisten Wächter, waren nicht gerade Gentleman oder besonders freundlich, zu den Arbeitern, es war demnach, für ihn zumindest, okay, wenn sie ihn, mit denen über einen Kamm scherten, vielleicht half es ihnen oder tröstete sie zumindest, wenn sie alle, auf der anderen Seite der Käfigtüren, als Feind abstempeln konnten.
Yuri trat, auf dem Weg über das Gelände, an eines der Gehege heran, die Schafe waren inzwischen nach draußen gelassen, blökend, neugierig, kam eines der wolligen Kerlchen, zur Abgrenzung des Geheges, dem Zaun, sodass der Russe, es sich nicht nehmen ließ, die Hand aus der Hosentasche zu nehmen, um das Schäfchen zu streicheln, als es den Kopf gereckt hatte und ihn an blökte. Er mochte Tiere eben, jedoch war er nicht hier, um seine Arbeitszeit damit zu verschwenden, das Vieh zu streicheln, obschon diese Beschäftigung ihm gewiss auch gefallen würde aber ihm war es zumindest vergönnt, sich die zwei Minuten Zeit zu nehmen, nur um mal ein Schaf zu streicheln. Nebenbei wanderten seine dunklen Augen aufmerksam über das Gelände, sein Fokus fiel dabei auf zwei der Arbeiter, die eigentlich im Freilauf der Schafe, etwas tun sollten aber da standen, sowie quatschten.
Während Yuri das Schaf streichelte, laberten sie weiter, er hörte sie nicht, aufgrund der Entfernung, doch er konnte ganz gut Lippen lesen, auch wenn dies bei englischsprachigen Leuten, nur bis zu einem gewissen Grad, einwandfrei, funktionierte.
Seine Hand zurückziehend, gab er einen scharf klingenden Pfiff von sich, der die Beiden, einen Mann und eine etwas jüngere Frau, sofort zusammen zucken ließen, hastig huschten ihre Blicke über das Gelände, bis sie, nahezu erschrocken, an dem groß gewachsenen Mann, im schicken Anzug, hängen blieben.
Sein grimmiger Blick, aus ausdrucksloser Miene, sprach Bände und sie sputeten sich, um rasch wieder an die Arbeit zu gehen, offenbar lag es daran, dass er bislang nicht hier eingeteilt war, sowie heute nur jemanden vertrat, weshalb sie sein Gesicht noch nicht kannten, um automatisch darauf zu achten, wie bei den eingefleischten Wächtern. Selbstverständlich könnte er sich das nun notieren, vielleicht machte er das später, sollte er sie noch mal beim Trödeln sehen, kleine Pausen sind ja kein Verbrechen, doch sich über Gott und die Welt unterhalten, obwohl alle Anderen, zu dieser Zeit, schon fleißig arbeiteten, musste nun nicht sein, damit machten sie auch ihren 'Kollegen' das Leben schwer.
Immerhin versuchte Yuri hart aber fair zu sein zum Ende des Tages hin.
Er lief weiter, inzwischen wurde es heller, wenngleich die Sonne sich heute wohl nicht blicken ließe, der Himmel war wolkenverhangen, vereinzelt tänzelten auch ein paar Schneeflocken durch die Luft, ein typischer Wintertag, sollte es heute offenbar werden. Während er seine Runde drehte, wurde er auch noch Zeuge eines lautstarken Streits, warum müssen Menschen, stets, so viel Lärm machen und rumschreien, sobald sie wütend sind?
Ja, auch er konnte laut werden, sofern er den Mund mal öffnete, um überhaupt einen Ton von sich zu geben, bislang hatte Yuri, seit er hier war, höchstens zwei oder drei Sätze, über die Tage, Wochen verteilt, von sich gegeben aber ansonsten war er still. Manch einer unter den Wächtern nahm wohl sogar schon an, dass er gar nicht reden konnte, solche Vermutungen, Gerüchte, fand er ja mitunter fast schon amüsant.
Sie wurden wohl auch dadurch bestärkt, gar gefördert, weil er sich, in seinem bisherigen Bereich, über Gebärdensprache, mit einem taubstummen Arbeiter verständigt hatte, der Ein oder Andere hatte es wohl gesehen, sowie rum getratscht aber leider trug es nicht wirklich dazu bei, dass die Leute weniger verbalen Müll von sich gaben. Im Gegenteil. Als er dem Streitgespräch auf die Spur kam, verblieb er zunächst im Hintergrund, er hörte einfach nur zu, so wie die beiden Männer sich anschnauzten, ging es wohl um, wie sollte es anders sein, irgendeine Frau, zum Glück hatte er solche Probleme nicht. Beziehungen und dergleichen hatten Yuri nie interessiert, er schien beinahe schon asexuell zu sein, da nichts oder niemand, ihn zu locken vermochte dahin gehend.
Anders als bei den Labertaschen vorhin, zückte er diesmal sein Büchlein, machte sich Notizen, eine genaue Beschreibung der beiden Streithähne, sowie den Grund ihrer Untätigkeit, er notierte sich auch worum es ging.
Erst als er dieses geschlossen hatte, mitsamt Stift, in der Hosentasche verschwinden ließ, setzte er sich in Bewegung, um diesem Streit einen Riegel vorzuschieben, was relativ schnell geschah, kaum das einer der Beiden, ihn im Augenwinkel bemerkt hatte, sowie blass um die Nase herum wurde. Konnte man ihm nicht verdenken, Yuri hatte eine gefährliche, frostige Ausstrahlung, die durch seine elegante Erscheinung, wohl noch mal anders Eindruck schindete, als bei den Wächtern, die rumliefen, als hätten sie sich an einer Tonne für Altkleidersammlung bedient.
Hier liefen generell sehr unterschiedliche Gestalten herum, manch einer wirkte wie der letzte Penner, ein dreckiger Barbar, und dann war da jemand wie Yuri, der sehr auf ein gepflegtes, ordentliches Auftreten achtete, schließlich spielte auch dies eine Rolle bei der Ausführung seines Jobs. Er musste respektabel und vorzeigbar in Erscheinung treten, innerhalb seiner kleinen Wohnung, hier im Zoo, mochte er es tatsächlich weniger elegant, Jogginghose und Shirt, das war das Höchste der Gefühle in seinen vier Wänden. Yuri fand es manchmal erstaunlich, was seine bloße Erscheinung, sein dazu gesellen, zu den beiden Streithähnen, bereits auslöst, ihnen blieben die Worte förmlich im Halse stecken, kaum dass sie begriffen, dass der Mann, im schwarzen Anzug, ein neuer Wächter sein musste. Dem Kleineren der Beiden trat der Schweiß auf die Stirn, er konnte es deutlich sehen, sie waren zudem kleiner als der Russe, seine dunklen Augen bohrten sich, unnachgiebig, eindringlich, in dessen Gegenüber, der am lautesten rumgebrüllt hatte und nun leer schluckte, sowie plötzlich sehr still war. Hörbar ausatmend deutete er mit einer Kopfbewegung in Richtung der Ställe, sie sollten verdammt noch mal wieder an die Arbeit gehen, was sie, nachdem sie irritierte Blicke getauscht hatten, rasch wieder taten und ihre Wege sich lieber trennten. Besser so.
Er setzte seine Runde fort, die Zwei würde er aber besonders im Blick behalten fürs Erste, also setzte er sich wieder in Bewegung, irgendwo weiter vorn liegend, gab es wohl sogar Hühner, schade das er keine Brotkrumen dabei hatte für das fedrige Getier, der Russe fand Hühner ganz drollig aber gut, er hatte seiner Aufgabe nachzukommen und die bestand nicht darin, im Streichelzoo mit den Tieren zu kuscheln.
Auf dem Weg in diese Richtung, kam ihm ein weiterer Arbeiter entgegen, dessen Gesicht war nicht ganz ersichtlich, weil er den Blick, den Kopf, ein Stück gesenkt hatte, um es offenbar zu vermeiden, eventuell dem Falschen, in die Augen zu schauen, während sie auf dem Weg, einander entgegenkamen, musterte Yuri diesen. Er umklammerte förmlich den Eimer mit Eiern, die er erst frisch aus dem Hühnerstall geholt haben musste, er war deutlich kleiner als der Russe, sein Haar war dunkel, jedoch nicht tiefschwarz wie bei Yuri, dieser trug eine Jacke, die augenscheinlich zu groß war und eher pragmatische, schlichte Kleidung, eben üblich für die Arbeiter. Wäre Yuri ein Arschloch, wie manch anderer hier, würde er, aus Prinzip einfach stehen bleiben und darauf pochen, dass der Arbeiter ihm aus dem Weg ging oder, was wohl fast wahrscheinlicher wäre, gegen ihn lief, nur um ihm das ankreiden zu können aber zu der Sorte gehörte Yuri nicht. Der, ganz offensichtlich, Jüngere von Beiden schien etwas in Eile zu sein, sowie auf dem Weg zum Lager, wo er die frischen Eier abgeben wollte, daher machte Yuri einen Schritt zur Seite, machte die Bahn frei und setzte seinen Weg, an diesem vorbei fort, ohne ihm, unnötig das Leben zu erschweren.
Im Augenwinkel erhaschte er einen Blick, in dem Moment wo sie, für den Bruchteil einer Sekunde, genau nebeneinander waren, auf das Profil des jungen Mannes, das ihm ...bekannt vorkam?
Yuri blieb stehen, runzelte die Stirn minimal und blickte über die linke Schulter nach hinten, zu dem Kleineren, der emsig, hastig, seinen Weg fortsetzte, um sich, ganz offensichtlich, nichts zuschulden kommen lassen wollte. Der Russe überlegte, stand einige Minuten einfach nur da, starrte in Richtung des Arbeiters, der sich dem Lager näherte, er glich im Hinterkopf das erblickte Profil mit unzähligen Personen ab, die ihm, über die Jahre, begegnet waren aber er hatte keine 100%ige Übereinstimmung, allerdings ließ ihm das nun auch keine Ruhe.
Trotzdem setzte er vorerst seine Runde fort, rieb sich den gestutzten Bart und zündete sich, auf dem Weg dabei, eine neue Zigarette an, das half etwas beim Nachdenken, doch bevor der Glimmstängel, in den fortschreitenden Minuten, gänzlich auf geraucht war, machte der Russe auf dem Absatz kehrt.
Im zügigen, zielstrebigen, Stechschritt legte er die Strecke zum Lager, relativ schnell, zurück und schaute sich nach dem jungen Mann um, doch vorfinden tat er nur die Arbeiter, die hier eh eingeteilt waren, sowie dafür sorgten, dass Alles, was hier abgegeben wurde, auch rasch entsprechend verteilt werden konnte. Sein finsterer Blick, ebenso der Fingerzeig auf die frischen Eier, machte hoffentlich deutlich, dass er wissen wollte, wo derjenige hingegangen ist, der die Fuhre Eier gerade erst gebracht hatte. Allein bei seinem Blick, ging der älteren Frau, die hier die Aufsicht hatte, wohl der Arsch auf Grundeis, etwas zögerlich zeigte sie in die Richtung, sodass Yuri, der sie einen Moment länger, beinahe schon bedrohlich, anstarrte, sich anschließend in Bewegung setzte, um sich Gewissheit zu verschaffen.
Er mochte es nicht, wenn es Dinge gab, auf die er sich keinen Reim machen kann, er brauchte Gewissheit, vielleicht war es eine simple Verwechslung, doch die Züge, in dem Gesicht, die er kurz hatte erblicken können, wirkten vertraut und wie ein verdammter Bluthund, brauchte er auch nicht lange, bis er den dunklen Haarschopf ausfindig gemacht hatte. Einen Moment lang hielt er inne, überlegte, ob er auf sich aufmerksam machen sollte oder erst nah an ihn herantrat, letztendlich entschied Yuri sich für Letzteres und schlich sich beinahe schon, wie eine Raubkatze, auf leisen Sohlen, an den Kleineren heran, bis er hinter diesem, mit etwas Abstand stehen blieb, sowie auf dessen Haarschopf herab starrte, mit grimmiger Miene.
"Dobroye utro..."
Kam es ihm sogar über die Lippen, ein simples, russisches, guten Morgen, was in Anbetracht seines Blickes, sowie seiner dunklen, leicht kratzigen Stimme, da er so selten sprach, vermutlich eher wie eine Todesandrohung klang, als nach einem höflichen Gruß am Morgen. Die russische Sprache klang ohnehin stets nach Morddrohungen, zumindest hatten ihm das früher, einige Leute, gesagt und selbst sein Akzent, wenn er englisch sprach, klang für viele wohl sehr bedrohlich.

@Alexis Ilex


nach oben springen

#5

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 24.02.2020 12:24
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

Eigentlich war es Alex vollkommen bewusst, dass er, je unauffälliger er versuchte an dem Wächter vorbei zu kommen, umso auffälliger wirken musste. trotzdem ging es einfach nicht anders, sein Puls stieg an, seine Haare stellten sich auf, kurz verkrampften sich sogar seine Arme um den Eimer mit den Eimern. Allerdings nur für einen kurzen Augenblick, dann war der Wächter hinter ihm, hatte ihn weder angerempelt noch angesprochen oder sonst etwas von ihm verlangt. Und er hatte offenbar nicht gesehen, dass er am Träumen gewesen war und wenn doch, sich nicht daran gestört.
So konnte Alex erst einmal tief durchatmen und mit grossen eiligen Schritten zum Lager marschieren, wo er die Eier abstellte. "Puhh...", machte er, woraufhin die Dame welche Aufsicht hatte, die Augenbrauen hob. "So anstrengend?", fragte sie. Alexis schob ihr die Eier näher und schüttelte den Kopf. "Nein. Alles in Ordnung." Er erwähnte den Wächter lieber nicht, man wusste nie so recht wem man trauen konnte und wem nicht. Obwohl er selbst eine Quasselstrippe war, hatte er hier recht schnell gelernt, dass schweigen manchmal Gold sein konnte. Jeder hier konnte versuchen sich hochzuarbeiten oder sich hoch zu schlafen, den Wächtern in den Arsch zu kriechen, um vielleicht etwas besseres für sich selbst rauszuholen. Auch hier unter den Arbeitern war das Recht des Stärkeren irgendwie vorhanden. Nicht ganz so stark wie bei den Wächtern, doch auch hier gab es eine hierarchische Dynamik, die nicht zu unterschätzen war.
In seiner Schlafbarracke hatte Alex wohl Glück gehabt, dass da fast nur anständige Männer waren. Zwei drei davon waren vielleicht ein wenig seltsam, doch die hatten sie als Gemeinschaft ganz gut im Griff. Alex selbst hatte sich einem jüngeren angenommen, der gerade mal zwanzig war und hier besonders litt. Er war auch erst seit kurzem hier, geraubt aus einer Nomadenfamilie, die niemandem was Böses wollte. Gerade solch jungen Männer waren hier unten besonders gefährdet. Zwar waren Übergriffe nicht gestattet, wurden sogar von Scorpion persönlich zutiefst verabscheut und doch kam es eben hin und wieder vor. Männer und Frauen wurden hier so gut es ging getrennt, weshalb die Männer, welche meistens gewisse Bedürfnisse hatten, eher mal übergriffig wurden. Alex versuchte Lenny, seinen Schützling besonders in den Duschen vor den Alteingesessenen abzuschirmen. Er selbst war auch schon angefasst worden, weshalb er es auch tunlichst vermied nach aussen treten zu lassen, dass er schwul war. Schon öfters hatte er Kerle hören können, die darüber gesprochen hatten, dass sie eine Schwuchtel ja ohne schlechtes Gewissen ficken könnten, weil die es zumindest geniessen würden. Entsprechend behielt er seine eigene Vorliebe unter Verschluss, scherzte manchmal sogar mit den andern mit, wenn eine besonders hübsche Arbeiterin vorbeilief. Alles, um irgendwie den Schein zu wahren. Irgendwie musste man eben überleben.
Als er die Eier abgegeben hatte, wusste er, dass es bald Frühstückszeit sein würde. Er brauchte immer ähnlich lange für seine Aufgaben. So konnte er sich nun gemütlich auf den Weg zur Kantine begeben, wo jeder seine Ration holen können würde. Auf dem Weg dahin begegnete er jedoch einem Kollegen, dem das Rad des Holzwagens aus der Achse gerollt war. Als Resultat waren einige Heuballen runtergefallen....
Alexis seufzte leise, eilte hin und half ihm die Heuballen erst alle runter zu nehmen, damit sie das Rad wieder am Wagen befestigen konnten. Sie konnten von Glück sprechen, dass das Rad nicht gebrochen sondern nur die Schrauben locker gewesen waren. Somit war er rasch repariert und sie beeilten sich die Heuballen wieder alle auf den Wagen zu stapeln.
"Ich wische die Strasse", meinte er zu seinem Kollegen, der dankbar nickte und den Wagen weiter zu den Kuhställen zog. Alex holte einen Besen und begann die Strasse rasch von Heu zu befreien, damit es hier nicht aussah wie im Saustall. Dabei merkte er gar nicht, wie jemand von hinten an ihn rantrat, weil er viel zu sehr mit Wischen beschäftigt war und dem Gedanken, dass er nun wohl zu spät zum Frühstück kam. Wenn er Glück hatte konnte er noch ein paar Reste abstauben.
Doch das undefinierbare Geknurre hinter ihm riss ihn aus seinen Gedanken. Er fuhr zusammen und drehte sich um, nur um den Wächter von vorhin vor sich zu haben. Erschrocken blinzelte er ihn an, sah als erstes dessen komplett dunklen Anzug, den er zuvor nur zur Hälfte richtig gesehen hatte, weil er den Blick so gesenkt gehalten hatte. Doch dann wanderte sein Blick zu seinem Gesicht und ihm blieb fast das Herz stehen.
War das Yuri?! Er starrte ihn einfach nur schweigend an, weil er sich gerade nicht sicher war, ob das einfach ein Doppelgänger war oder ob sein russischer Freund tatsächlich hier vor ihm stand. Wenn ja ... Standen auf einmal eine ganze Menge Fragen im Raum. Doch nicht nur das... als Alex es realisierte, dass es tatsächlich Yuri war, musste er regelrecht an sich halten dem Russen nicht an den Hals zu fallen, um ihn zu umarmen. Yuri mochte keine Berührungen und es würde wohl seltsam anmuten, wenn er einfach so einen Wächter umarmen würde.
"Yuri...?", fragte er deshalb leise, doch die Begeisterung konnte er sich kaum aus dem Gesicht wischen. "Was machst du hier?" Seit wann war Yuri ein Wächter?! Wie war das passiert? Oder hatte er sich hier reingeschlichen, um ihn zu retten?
Eilig stellte er den Besen gegen den nächsten Laternenpfosten, der längst nicht mehr in Betrieb war und machte so seine Hände frei. Yuri und er hatten oft in Gebärdesprache kommuniziert, welche Jesse zumindest ihm beigebracht hatte.
'Bitte sag mir, dass du da bist, um mich hier aus zu holen! Ich freue mich so dich zu sehen!', deutete er ihm mit den Händen, wobei er auch die Lippen bewegte, jedoch stumm. So konnten sie auf jeden Fall nicht belauscht werden.

@Yuri Romanov


nach oben springen

#6

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 24.02.2020 15:29
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Heu, welches sich auf der Straße verteilt hatte, warum auch immer, er hatte es nicht mitbekommen, wurde von dem kleineren Mann, welchen Yuri direkt ansteuerte, mithilfe des Besens zusammen gekehrt, wieder Ordnung geschafft, was er ihn womöglich erst zu Ende tun lassen sollte aber es ließ dem Russen keine Ruhe, er musste das Gesicht von ihm in Gänze betrachten und eine Antwort auf die Frage, welche ihm durch den Kopf schwirrte, bekommen.
Der Russe war ja sogar höflich, vergaß aber gerne mal, wo er sich befand und dieser Kontinent, überwiegend, von nuschelnden Amerikanern bewohnt wurde, demnach verstand, geschweige denn sprach, nicht jeder, der ihm begegnete Russisch, was ein kleines Problem war, denn wenn er gewillt war, den Mund zu öffnen, um ein paar Worte von sich zu geben, tat er dies in seiner Muttersprache. Nicht weiter verwunderlich, dass der jüngere Mann vor ihm, erschrocken zusammen zuckte, als hinter ihm plötzlich, recht knurrig, bedrohlich klingend, ihn jemand ansprach und es sich dabei, eindeutig, nicht um die englische Landessprache handelte.
Seine dunklen, beinahe so schwarz, wie sein Haar, wirkenden Augen, starrten abwartend, grimmig, man könnte fast schon feindselig sagen, hinab auf den dunklen Wuschelkopf, dessen Blick zunächst auf den Anzug fiel, welchen der Russe trug, sowie seit Jahren in seinem Besitz mit sich führte. Es war eines der wenigen Kleidungsstücke, die er seit dem Ausbruch mit sich führte, sowie akribisch auf dessen Pflege achtete, der Anzug ist die moderne Rüstung des Mannes, obschon die letzten zehn Jahre, eher den Barbaren unter ihnen wieder Platz machten, anstatt einem wohlerzogenen Gentleman. Nein, er selbst war nicht wirklich ein Gentleman, zumindest nicht im Kampfeinsatz, da war er ein Biest, ein eiskaltes Raubtier und sich selbst bezeichnete Yuri auch nicht als zivilisiert, obwohl er Manieren hatte, ebenso zuvorkommend, höflich ist. Nur würden die Arbeiter davon wohl nie sonderlich viel zu sehen bekommen, so auch nicht der junge Mann vor ihm, der es endlich vermochte aufzusehen und für einen kurzen Moment, den Bruchteil einer Sekunde, weitete Yuri überrascht die Augen.
Seine Mimik war wie in Stein oder eher Eis gemeißelt, er war sehr minimalistisch, was das anging, aber als er in das Gesicht blickte, das ihn aus großen, blauen Augen, ebenso ungläubig anstarrte, drohten ihm beinahe die Gesichtszüge zu entgleiten. Er kannte dieses Gesicht, die etwas weicheren, schön definierten Gesichtszüge, das flauschig anmutende, dunkle Haar, die ausdrucksstarken blauen Augen, es war Monate her, fast ein Jahr sogar, seit er dieses vor sich hatte.
"....Lexi..."
Eigentlich ja Alexis, doch Yuri, sofern er den Mund mal aufmachte um zu sprechen, nannte ihn, von Anfang an Lexi, seit sie sich, auf der Farm, wenn dort auch eher flüchtig, kennengelernt hatten, während seiner Genesung. Jedoch gehörte der junge Mann, der hier nun vor ihm stand, zu den Leuten, die der Russe kannte, die ihm vertraut waren, denn ehe dieser, vor knapp einem Jahr, einfach spurlos verschwunden war, waren sie eine ganze Weile zusammen gereist, lebten in seinem 69er Mustang, Lexi kümmerte sich um das Wohl seines Hundes, sein Geschick kam auch oft genug bei dem Russen zum Einsatz, wenn er verletzt war, eine Wunde genäht oder gar eine Kugel entfernt werden musste. Yuri beschützte ihn im Gegenzug, versuchte auch ihn dazu zu motivieren, die Kampfkunst zu erlernen, sowie den richtigen Umgang mit Waffen, er war ein geduldiger Lehrer, hatte vor dem Ausbruch Leute ausgebildet, auch Abseits des Militärs aber Lexi war so verdammt faul manchmal.
Dennoch hatten sie sich arrangiert, die Quasselstrippe, ging ihm manchmal wahrlich auf den Zeiger, dennoch hatte er ihn ganz gerne, oftmals 'unterhielten' sie sich mithilfe der Gebärdensprache, denn Russisch verstand Lexi kein einziges Wort und zugegeben, manchmal redete er so unendlich viel, so schnell, sein britischer starker Akzent machte es nicht besser, sodass Yuri, mehr als einmal, einfach nur da saß, nickte aber absolut keinen Schimmer hatte, wovon er zum Teufel wieder sprach!
Ja, es gab keinerlei Zweifel daran, dass vor ihm war in der Tat Lexi, er würde ihn unter tausend Anderen sofort erkennen, herauspicken können. Doch mit der Erkenntnis darüber, wer hier vor ihm stand, kroch auch der Unmut in ihm hoch, während sich, bei seinem, kleineren, Gegenüber die Begeisterung, über das Wiedersehen, kaum verbergen ließ, so verfinsterte sich die Miene des Russen mit jeder verstreichenden Sekunde, die sie einander anblickten.
Er antwortete nicht, natürlich tat er es nicht, er war nicht der redseligste Geselle, das wusste Lexi, der aber auch problemlos so viel reden konnte, wie die hiesige Kolonie, zusammen gefasst, an einem Tag. Vor allem aber empfand er es dreist, was glaubte Lexi denn, was er hier machte? Bestimmt nicht spazieren gehen! Viel mehr brannte ihm die Frage auf der Zunge, was Lexi hier machte! Er war einfach verschwunden, spurlos, nicht mal die Mühe gemacht hatte er sich, sich zu verabschieden, einen scheiß Zettel zu schreiben oder das Rückgrat zu besitzen, ihm zu sagen, dass ihre Wege sich nun trennten.
Es gab kein Anzeichen, nichts und als er zurückkehrte, am Abend, war sein Wagen verlassen, der einzige Grund, weshalb dieser überhaupt noch an Ort und Stelle gestanden war, war der, dass selbst die Reserve alle war, sich das Auto einfach nicht mehr vom Fleck rührte ohne neuen Sprit.
Schweigend beobachtete er ihn, wie er den Besen wegstellte, die Hände freihatte und ihm, sowie tonlos die Lippen bewegend, mit diesen in Gebärdensprache zu kommunizieren begann. Yuri hatte es während seiner Zeit beim Militär gelernt, Lexi von Jesse, der, ironischerweise, ja auch hier im Zoo lebte, sowie arbeitete, jedoch ebenso wie der Russe, auf der anderen Seite der Käfigtüren. Als er sehen konnte, was Lexi ihm mitteilte, 'sagte', presste er die Lippen aufeinander und spannte den Kiefer an, da er sich gerade etwas verarscht fühlte von diesem. Es war einfach, ... er verstand es nicht, Lexi war einfach abgehauen und faselte nun davon, dass er froh war ihn zu sehen? Wollte wissen, ob der Russe ihn, hier rausholen würde? Aus dem Zoo?
Ja, es lag auf der Hand, Lexi war einer der Arbeiter, die Kleidung, seine Aufgabe, die Art wie er ihm vorhin entgegengekommen war, darauf bedacht, einem Wächter keinerlei Angriffsfläche zu bieten, indem er den Blickkontakt gänzlich vermied, sich eilig bewegte, sowie versuchte unauffällig zu sein, so sehr, dass er einem umso mehr ins Auge sprang.
Yuri entließ, sichtlich etwas angespannter, als gerade noch, den Atem aus seinen Lungen und machte einen Schritt auf Lexi zu, den er beinahe drohte, in Grund und Boden zu starren oder gar mit seinem finsteren Blick zu töten, wortlos hob er die linke Hand, tippte diesem gegen die Brust, bevor seine Lippen sich teilten, da er gewillt war etwas zu sagen.
".... du warst einfach weg! ....."
Seine dunkle Stimme, kratzig, rau, kam einem Knurren gleich, welches sich, wohl oder übel, mit eingeschlichen hatte, aufgrund seines aufsteigenden Unmuts, der Tatsache, dass Lexi, wortlos abgehauen war. Etwas, dass Yuri ihm tatsächlich sehr übel nahm, denn eigentlich hatte er angenommen, dass sie Beide, in der Zeit, wo sie zusammen gereist waren, Freunde geworden sind aber offenbar hatte er sich geirrt. Womöglich war er sogar selbst Schuld, am Abend davor hatte Lexi so viel geredet, war dem Russen so derbe auf den Sack gegangen, der recht müde gewesen war, zig Möglichkeiten im Kopf hatte, wie er die Quasselstrippe zum Schweigen bringen konnte, aber jene waren alle tödlicher Natur. Selbstverständlich hegte er nicht die Absicht, diesem das Genick zu brechen, nur damit endlich Ruhe war, er hatte ihn gerne, weshalb er, ihn anders zum Schweigen gebracht hatte .... mit einem Kuss.
Aus einem Impuls heraus, nur damit Lexi aufhörte zu reden, der so sehr in seinem britischen Akzent versunken war, sodass Yuri eh nicht mehr verstanden hatte, worüber dieser redete.
Alles, was er wollte war Stille!
Aber vielleicht war er ihm wirklich zu nahe getreten, was gewiss nicht seine Absicht gewesen war, es war lediglich die einzige Möglichkeit, ihn zum Schweigen zu bringen, ohne Lexi zu töten. Er wäre ihm demnach auch nicht Böse gewesen, wenn dies der Grund war, weshalb er gehen wollte, ihre Wege sich trennen sollten, doch am Morgen hatte alles wie immer gewirkt und das machte Yuri ein bisschen sauer.
"... Warum?"
Verlangte er von Lexi zu erfahren, er war ihm eine Antwort schuldig! Yuri wollte es zumindest verstehen, seine Beweggründe, denn wenn es das ist, was ihm im in den Sinn kam, dann würde er sich, wenigstens, bei dem Kleineren dafür entschuldigen können, doch seine übereilte Flucht, verwehrte ihm ja selbst das.



@Alexis Ilex


nach oben springen

#7

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 24.02.2020 16:42
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

Dass er ausgerechnet hier und heute Yuri über den Weg laufen würde, damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Wie lange es nun her war, seit sie getrennt worden waren, konnte er auch nicht so genau sagen. Anhand des Wetters vielleicht ein paar Monate, aber noch nicht ein ganzes Jahr. Es war sonnig gewesen an dem Tag, als der Wagen sich hingelegt hatte, weil der Sprit alle gewesen war. Irgendwann am frühen Mittag hatte der Motor zu stottern begonnen und nur etwa zwei Kilometer später war er komplett gestorben. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem er am Vorabend völlig unerwartet von dem Russen geküsst worden war. An und für sich hatte die Situation nicht wirklich dazu eingeladen, er hatte aus Langweile irgendetwas über seine damalige Lieblingsserie geredet und dabei nicht bemerkt, dass Yuri schon längst nicht mehr verstand wovon er sprach. Ja, er hatte ihn vielleicht auch nicht direkt angesehen, dann hätte er womöglich gemerkt, dass der Russe nicht mehr mitkam. Doch dass er ihn derart nervte, dass er darüber nachdachte, wie er ihn zum schweigen bringen konnte, ohne ihm dabei zu schaden, darauf war Alex an diesem Abend nicht gekommen. Umso überraschter war er gewesen, als er auf einmal die Lippen des Russen auf seinen gehabt hatte. Es war kein langer oder gar sehr leidenschaftlicher Kuss gewesen. Aber es war definitiv ein Kuss gewesen... der seinem Zweck diente, denn danach war Alex erst einmal still gewesen. Aus Überraschung und vor allem, weil er doch ein wenig grübelte aus welchen Beweggründen Yuri das getan hatte. Doch nie im Leben hätte er deshalb die Flucht ergriffen. Im Gegenteil... Ein wenig Zweisamkeit hätte er durchaus geschätzt, immerhin war er ein sehr soziales Wesen.
Doch am nächsten Tag kam alles anders. Er kam noch nicht einmal dazu sich mit Yuri über diesen Vorfall zu unterhalten. Dieser verliess ihn nämlich und liess ihn beim Wagen warten, damit er sich um Sprit kümmern konnte. Alex blieb beim Auto zurück, auf welches er sich am nachmittag setzte, um die Sonne ein wenig zu geniessen. Er konnte nur hoffen, dass nicht plötzlich eine Horde an Zombies aus dem Wald gestampft kam. Er hatte nämlich nur eine Pistole und eine Machete um sich in der Not zu verteidigen. Doch statt Zombies kamen Menschen aus dem Wald. Bewaffnete Menschen, die ihn entdeckten, bevor er sie entdeckte. Eine Gruppe an fünf Männern, welche ihn anbrüllten, dass er sich auf den Boden begeben sollte. Da er unter diesen Umständen nicht wirklich das Gefühl hatte etwas tun zu können, das ihm das Leben rettete ausser zu kooperieren, tat er dies. Er wurde kurzerhand gefesselt, ihm wurden die Augen verbunden und er wurde in ein fahrtüchtiges Auto gebracht. Wohin sie ihn fuhren wusste er nicht. Zumindest, bis sie ihn wieder ausluden und an einem geschäftigen Ort verkauften. Schon da dachte er daran, wie Yuri sich wohl fühlte, wenn er zu seinem Auto zurückkehrte und er war nicht mehr da. Er hatte keine Gelegenheit gehabt ihm irgendeine Art von Nachricht zukommen zu lassen. Dazu war alles viel zu schnell gegangen.
Und nun stand Yuri wieder vor ihm und seine Begeisterung ihn zu sehen schien sich in Grenzen zu halten. Ganz anders als bei Alex, dessen Aufregung jedoch rasch abflaute, als er die eisige Stimmung bemerkte, die sich zwischen ihnen breit machte. Yuri war zwar ohnehin sehr schwer zu lesen, er sah irgendwie immer grimmig und wütend aus. Alex hatte ihn ein wenig kennengelernt und festgstellt, dass das aber nicht immer so war. Der Russe hatte nur einen ganz eigenen Weg seine Freude zu zeigen, die eben nicht zwangsläufig auf den ersten Blick ersichtlich war.
Immerhin sprach er seinen Namen auf die gewohnte Weise aus. Eigentlich bevorzugte er Alex, denn Lexi war der Name wie seine Mutter ihn oft genannt hatte und aus dem Alter war er ja mittlerweile längst raus. Doch der Russe war stur und es war kein Weltuntergang, also war Lexi auch okay. Er hatte sich daran gewöhnt so genannt zu werden.
Doch der erste Satz, der Yuri aus dem Mund kam, war direkt ein Vorwurf. Alex hörte ihm zu, liess ihn auch näher kommen, ohne zurückzuweichen. Immerhin war Yuri sein Freund, er fürchtete ihn nicht. Eher im Gegenteil. Yuri hatte ihn oft beschützt und sogar ein wenig auf ihn aufgepasst.
Die Frage, welche er stellte war durchaus berechtigt. Aus Yuris Sicht war er schliesslich einfach verschwunden und offenbar hatten seine Entführer nicht wirklich Beweise für ihre Anwesenheit hinterlassen.... Also lächelte Alex leicht traurig, trotz des Vorwurfsvollen Zeigefingers auf seiner Brust. Es tat gut, Yuri wieder zu sehen.
"Ich wurde entführt", sagte er direkt die Wahrheit, wobei er sich bemühte langsam und deutlich zu sprechen, schliesslich wusste er, wie sehr Yuri manchmal Mühe hatte Englisch zu verstehen, besonders mit seinem penetranten Akzent.
"Menschenhändler haben mich eingekreist und mitgenommen. Da warst du schon ein paar Stunden weg ... Sie waren in der Überzahl und ich konnte mich nicht gegen sie wehren..." Noch immer sprach er schön artikuliert, um seine Erklärung vor Yuri verständlich zu machen.
"Sie haben mich hierher verkauft, weshalb ich nun hier eingesperrt bin und arbeiten muss. Ich wollte dich nicht verlassen. Das war keine Absicht."

@Yuri Romanov


nach oben springen

#8

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 25.02.2020 13:29
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Yuri zermarterte sich seit Monaten das Hirn, darüber, warum Lexi gegangen war, weshalb er es nicht für nötig hielt, es ihm wenigstens ins Gesicht zu sagen. Ja, er schloss nicht aus, dass diesem etwas passiert war, als sie, er und sein Hund, mit Sprit zurückgekommen waren, gab es keine Anzeichen eines Kampfes, keine Beißer, in unmittelbarer Nähe, die womöglich eine Flucht vom Wagen gerechtfertigt hätte. Lexi hätte, in Anbetracht dieser, sich schon zu helfen gewusst oder sich, wie zuletzt, als sie eine Herde vorbeiziehen lassen mussten, sich im Auto verschanzt, alle Fenster abgedunkelt, so wie Yuri es seit dem Ausbruch machte. Sein Hund hatte zwar die Fährte aufgenommen, doch diese verlief sich rasch im Sand, als habe Lexi sich einfach in Luft aufgelöst, obschon Yuri dazu fähig war, Spuren zu lesen, beschränkte sich dieses Talent auf simple Grundkenntnisse. Er war Soldat gewesen, kein Pfadfinder oder Jäger, der unentwegt im Wald lebte, natürlich wusste er sich, in freier Wildbahn, zu behaupten, selbst zu versorgen aber als er zurückgekehrt war, dämmerte es bereits. Yuri konnte sich einfach keinen Reim darauf machen, wenngleich er, sehr stark, davon ausging, dass sein Handeln, am Abend zuvor, Lexi vergrault hatte. Dennoch suchte er, mit seinem Hund, wochenlang, das umliegende Gebiet ab, drehte nahezu jeden Stein um, auf der Suche nach irgendeiner Spur, einem Anzeichen, das Lexi hier gewesen ist, denn, trotz allem, musste der Russe auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass dieser sich verletzt hatte, vielleicht sich allein nicht zu helfen wusste oder schlimmer noch, längst als Untoter durch die Gegend schlurfte. Ein schrecklicher Gedanke, egal wie abgehärtet, abgebrüht Yuri auch ist, er mochte die Quasselstrippe, zumal, wenn Lexi etwas Schlimmes zugestoßen war, es sein Verschulden gewesen ist. Der Russe hatte sich seiner angenommen, geschworen ihn zu beschützen, weil es in seiner Natur lag, er nun mal der ausgebildete Kampfexperte war, der Ex-Soldat, der zum Killer geformt wurde, der sein Mitgefühl abschalten und eiskalt sein konnte, als läge sich ein Schalter um in seinem Kopf. Es oblag ihm Lexi zu beschützen, die Vorstellung, dass diesem, in seiner Abwesenheit, etwas zugestoßen ist, was hätte verhindert werden können, ließ ihm keine Ruhe, es machte ihn schier wahnsinnig und er durchforstete das Gebiet sehr intensiv.
Ohne Erfolg.
Lexi war einfach fort gewesen und jetzt, nach Monaten, er wusste nicht mal mehr wie vielen, weil er kein Zeitgefühl mehr hatte, seit Jahren schon nicht, stand dieser vor ihm, schaute ihn, mit seinen blauen Augen, begeistert an, wie so ein kleiner Guppy, als welchen er Lexi, ebenso gerne betitelte, wenn ihm danach der Sinn stand, mit diesem zu kommunizieren. Nur die Miene des Russen wurde, mit jedem weiteren Atemzug, der beim Entlassen aus den Lungen, aufgrund der Kälte, in weißen Wölkchen sichtbar aufstieg, immer finsterer und bedrohlich. Allein von weitem, würde manch einem wohl ein Schauer über den Rücken laufen, gar Angst in die Knochen kriechen, wie wohl auch Erleichterung, nicht die Zielscheibe, des finsteren, Wächters zu sein, vor dem Lexi stand, als habe er ein unverzeihliches Verbrechen begangen. Irgendwie war dem auch so, nur hatte dies nichts mit dem Zoo zu tun, mit der Arbeit, welche der Kleinere hier zu verrichten hatte.
Sein Vergehen lag viele Monate zurück, lange Monate der Ungewissheit für Yuri, denn der vergaß nicht so schnell, vor allem aber hasste er ungeklärte, unerledigte Dinge. Er brauchte Klarheit, Gewissheit, einen Abschluss, ob nun durch den Tod einer Person oder einer Nachricht, einem klärenden Gespräch. Das Lexi ihm Letzteres verweigert hatte, sich einfach aus dem Staub machte, traf den Russen tief, selbst wenn er nicht den Anschein erweckte, hatte er eine sehr soziale Ader, er war lediglich kein Quell überschäumender Emotionen oder ein Mann vieler Worte, er ließ zumeist Taten für sich sprechen. Seine, sehr dunklen, Augen bohrten sich unaufhaltsam in sein Gegenüber hinein, den er wirklich anblickte, als würde er Lexi, jeden Moment, den Hals umdrehen aber tatsächlich hatte dieser ihn nicht zu fürchten, auch wenn Yuri sauer war auf ihn, er hatte ihm nie ein Haar gekrümmt, täte es auch jetzt nicht. Yuri wurde nur handgreiflich, wenn man sein Leben oder das seiner Freunde, in dem Fall Lexi, bedrohte, er tötete auch nicht sofort jeden, oftmals entwaffnete er die Leute, machte sie kampfunfähig, doch wenn man nicht einlenkte, ernsthaft boshafte Absichten hegte, wurde er gnadenlos.
Der Russe ließ dann auch nicht mehr ab von der Person, er jagte sie, bis er sie zur Strecke brachte, unerbittlich. Nichts dergleichen hatte Lexi zu befürchten, dieser hatte Yuris Leben nie bedroht, ihm nie schaden wollen, er war lediglich, ohne ein Wort zu ihm zu sagen ..... verschwunden.
Das begeisterte Strahlen wich langsam aus dem, deutlich jüngeren, Gesicht vor ihm, missmutig zog Yuri die Augenbrauen zusammen, seine Miene, die wie in Stein gemeißelt, grimmig, gar wütend wirkte, wie immer, schien ungerührt zu sein, als er das traurige Lächeln auf Lexis Lippen erblickte. Er blinzelte einmal bei dessen Antwort. Entführt? Wollte er ihn gerade verarschen oder was? Lexi hatte, gerade als Brite, einen eigenwilligen Sinn für Humor, der dem des Russen nicht mal unähnlich war, bei Beiden merkte man oftmals schlichtweg nicht, wenn sie scherzten. Dazu kam aber noch Lexis Akzent, es mag ironisch klingen, doch Yuri beherrschte mehrere Sprachen, fließend, fehlerfrei, darunter chinesisch und japanisch, aufgrund seiner asiatischen Wurzeln, mütterlicherseits. Der Witz war, dass von allen Sprachen, die er beherrschte, die Einfachste, nämlich Englisch, die Einzige war, welche der Russe tatsächlich nicht komplett gemeistert hatte und das, obwohl er seit gut zwanzig Jahren, vielleicht ein paar mehr oder weniger, bereits auf diesem Kontinent lebte.
Er hatte wirklich oftmals Probleme zu folgen, was in erster Linie an der verwaschenen Aussprache, den komischen Dialekten, der Amerikaner lag, weswegen er manchmal, bloß noch nickte aber kein Wort verstand. Das Lexi, als waschechter Brite, noch mal ein anderes Kaliber war, machte es nicht leichter, Yuri verstand ihn besser als die Amerikaner, weil er sich klarer ausdrückte, allerdings war das schnell vorbei, wenn dieser in seinen Redefluss verfiel, sein britischer Akzent, Überhand nahm und der Russe sich nur noch wünschte, dass er die Klappe hielt! Was gerade nicht der Fall war, er wollte nämlich Antworten und Lexi, nun, er sprach langsamer als sonst, artikulierte sich deutlich, klarer, was vielleicht auf Andere wirken könnte, als verarsche der großen Schwarzhaarigen, mit dem finsteren Blick, als wolle er ihn als dumm darstellen.
Ja, den Eindruck konnte man wirklich bekommen, nur das Yuri nicht dumm war oder Lexi, auf diese Art, versuchte frech, pampig zu sein. Sie hatten sich kennengelernt, Lexi auch irgendwann gemerkt, wenn Yuri ihn, mit einer Mischung aus Konzentration und Irritation, die kaum merklich zu erkennen war, ansah, dass er absolut nicht mehr folgen konnte, aber so tat als ob, indem er schlichtweg, zwischendurch mal nickte.
Wenn dieser sich also, wie in diesem Augenblick, etwas langsamer artikulierte, empfand Yuri dies nicht als Provokation oder gar Beleidigung, sondern war insgeheim froh darüber, denn so hatte er ausreichend Zeit, das Gehörte, was er auch von dessen Lippen ablas, auf welche sein finsterer Blick gerichtet war in diesem Moment, in seinem Kopf ins Russische zu übersetzen. Einmal nur nickte er knapp, als Zeichen dafür, dass Lexi weiter reden und sich erklären sollte, was dieser auch tat, wenngleich Yuri, seinen Worten nicht so recht Glauben schenken wollte. Es klang einfach absurd in seinen Ohren! Warum sollten Leute, in solchen Zeiten, in der neuen Welt, wo sie wahrlich andere Probleme hatten, umherziehen und .. Menschen entführen?!
Das ergab für ihn schlichtweg keinen Sinn!
"..... Okay...."
Kam es dem Russen über die Lippen, der zeitgleich auch die Hand wieder sinken ließ, in die Hosentasche schob und Lexi noch zwei Atemzüge lang anstarrte. " .... entführt? Und ... das soll ich glauben?" Entgegnete er vollkommen ernst gemeint, da es ihm schlichtweg nicht in den Kopf wollte und Yuri das Ganze so absurd fand, warum macht man sich die Mühe, streunt rum, nur um jemanden zu entführen? Nicht wissend, ob derjenige überhaupt einen Nutzen hatte und er konnte diese Erklärung, beim besten Willen, nicht so recht glauben. Tief Luft holend, noch immer auf hin herab starrend, ohne auch nur einen Muskel im Gesicht zu verziehen, nahm er die Hände aus den Hosentaschen, um mit ihnen, sowie tonlos die Lippen bewegend, seine Meinung, seine Gedanken dazu zum Ausdruck zu bringen. Schweigend.
'Du erwartest nicht ernsthaft von mir, dass ich so eine absurde Geschichte glaube, oder? Warum sollte man dich entführen? Die Menschheit hat wahrlich andere Probleme, oder nicht? Warum sagst du mir nicht einfach die Wahrheit, ...dass ...es..' Er zögerte, blickte grimmig zur Seite und entließ Lexi aus seinem bohrenden Blick, Yuri musste definitiv erst einmal darüber nachdenken, weshalb er sich umentschied, wieder zu ihm sah und in Gebärdensprache fortfuhr. 'Geh wieder an die Arbeit! Ich muss ... darüber nachdenken. .... und versuch weniger krampfhaft unauffällig zu sein Lexi, du springst uns Wächtern, damit nur deutlicher ins Auge, weil es verdächtig, erscheint.'
Wies er ihn sogar darauf hin, ließ die Hände sinken und wandte sich ab von ihm, da er seine Runde fortsetzen, sowie Lexi, vorerst, nicht von seinen Aufgaben oder gar der Pause abhalten wollte. Da er nun weiß, dass er hier ist, sowie nicht wegkann, entschied der Russe sich, ihn vorerst stehenzulassen, er musste dessen Erklärung erst einmal verarbeiten, sacken lassen und sich auch erkundigen, vielleicht wandte er sich auch an Jesse, der wieder im Zoo war, Minerva könnte er auch fragen, wobei diese in ihrer Schmiede verweilte. Sich lieber abschottete von dem Treiben auf dem Markt und der Leute, verständlich. Ehe er darüber entschied, ob er Lexis Worten glaubte oder nicht, wollte er sich Gewissheit verschaffen, Fakten, auch wenn er, zugegeben, nicht davon ausging, dass Lexi ihn anlügen würde. Dazu hatte er nie Anlass gehabt oder er traute sich einfach nicht, ihm ins Gesicht zu sagen, warum auch immer, dass er wegen dem Russen, seinem Handeln, an jenem Vorabend, abgehauen ist.
Yuri brauchte seine Bedenkzeit, er traf keine leichtfertigen Entscheidungen, Lexi konnte sich daher gewiss sein, dass der Russe, eher früh als spät, wieder an ihn herantreten würde Heute, um das zu klären, sowie ihm mitzuteilen, ob er diesem Glauben schenkte oder nicht.



@Alexis Ilex


nach oben springen

#9

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 25.02.2020 19:53
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

So hatte sich Alexis das Zusammentreffen mit Yuri nun wirklich nicht vorgestellt. Er hatte in den letzten Monaten oft an den Russen gedacht. Hatte sich immer und immer wieder vorgestellt, wie er ihm erklären würde, weshalb er verschwunden war, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Er hatte sich in seiner Fantasie ausgemalt, wie sie sich wieder treffen würden. Manchmal nahm Yuri dabei die Rolle des Ritters in schwarzer Anzugrüstung an, der in den Zoo gestürmt kam, alle niedermetzelte, nur um ihn hier raus zu holen.
Nun, dass das eher unwahrscheinlich war, wusste der Brite natürlich, seine Fantasie war aber schon immer sehr eindrucksvoll gewesen und gerne mal mit ihm durchgegangen. Sie half ihm im Moment seinen Alltag zu bewältigen. Denn obwohl er nun schon auf die Vierzig zuging, vermutete er zumindest so ungefähr, war er einfach immer ein Träumer geblieben. Er war ohne jeden Zweifel reifer geworden im letzten Jahrzehnt, hatte angefangen sich auch erwachsener zu fühlen im Allgemeinen, doch manche Grundzüge konnte man eben einfach nicht ändern. Er hatte schon immer ein flatterhaftes Gemüt gehabt, sich sehr gerne irgendwelche Szenarien im Kopf ausgedacht, welche ihn erheiterten.
Nun stand er Yuri tatsächlich wieder gegenüber, doch dessen Reaktion war nicht annähernd so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er schien nicht hier zu sein, um ihn hier raus zu holen. Offenbar hatte er noch nicht einmal gewusst, dass er im Arbeiterbereich sein Dasein fristete, nicht mehr war als ein Sklave des hiesigen Systems. Diese Erkenntnis verpasste ihm einen leichten Stich. Denn das bedeutete nichts Anderes, als dass Yuri es irgendwie zum Wächter geschafft hatte. Bei seinen Fähigkeiten nicht weiter verwunderlich, doch es erstaunte Alex schon ein wenig. Immerhin war Yuri doch eigentlich einfach der Strasse treu geblieben. Hatte er nun per Zufall zum Zoo gefunden, beschlossen, dass es hier gemütlich war und sich als Wächter einstellen lassen?
Das würde zumindest auch erklären, warum sich keinerlei Freude im Antlitz des Russen spiegelte, als sie sich begegneten. Im Gegenteil, je länger er ihm zu erklären versuchte was passiert war, desto grimmiger schaute Yuri ihn an, bis es selbst ihm kalt über den Rücken lief und das obwohl er Yuri mittlerweile ein wenig kannte. Er wusste, der Russe hatte zwar eine Schale wie eine Kokosnuss, doch darunter schlummerte ein sehr weicher, sozialer Kern. Yuri war ihm zwar noch immer in vielerlei Hinsicht ein Rätsel, doch dahingehend war er sich sicher. Der Russe konnte mehr als grimmig schauen.
Dieser ließ sich dann zumindest zu einer Antwort herab, nonverbal, in Gebärdensprache. Alexis schaute ihm zu, beobachtete ganz genau, was er zur Antwort bekam... Nur um etwas hilflos die Schultern hängen zu lassen. Yuri glaubte ihm nicht? Warum sollte er eine solche Geschichte bitte erfinden?!
Dass Yuri, sein Freund, ihm nicht glauben wollte, erschütterte ihn zutiefst. Er hatte den Russen nie angelogen, nicht ein einziges Mal. Sie waren immer sehr aufrichtig zueinander gewesen. Nicht nur, weil Alex einfach nichts vom lügen hielt, sondern auch, weil Yuri ihm nie Anlass gegeben hätte lügen zu müssen. Von eher scherzhaft gemeinten Notlügen vielleicht abgesehen.
Somit sah er ihn mit entgleisten Gesichtszügen an, die deutlich verrieten, wie hilflos er sich gerade fühlte. Hilflos und alleingelassen von dem Menschen von dem er dachte, ihm bedingungslos vertrauen zu können. Nicht nur wurde er hier mitten auf dem Weg stehen gelassen, nein, sein bester Freund war auch noch zum Wächter und damit Sklaventreiber geworden. Nun konnte er noch besser nachfühlen wie es Minerva mit Jesse ging. Wobei er immer noch daran glaubte, dass Jesse alles tat, um sie beide herauszuholen, das Ganze aber einfach mehr Zeit benötigte, als sie zu Beginn dachten. Alex sah sogar von einer Antwort ab, so sehr war er brüskiert, dass seine wahrheitsgetreue Erklärung einfach abgeschmettert wurde. Er sah Yuri hinterher, fassungslos und überrumpelt. Er hatte nicht damit gerechnet ihm hier zu begegnen und schon gar nicht, dass das Treffen auf diese Weise verlaufen würde.
Erst nach einem längeren Augenblick fasste er sich soweit, dass er den Besen wieder ergriff und die Strasse fertig wischte und das Heu vom Boden hob, um es auf den nächsten Misthaufen zu werfen.
Mit einer derartigen Verzögerung machte er sich dann doch noch auf zur Kantine, in der Hoffnung noch ein wenig Frühstück abstauben zu können. Erstaunlich schweigend und nachdenklich marschierte er den ewig langen Weg bis dahin. Die Hände hatte er in den Jackentaschen vergraben, während er sich die Absurdität der eben geschehenen Szene nochmals vor Augen führte.
Selbst seine Kollegen guckten ihn schief an, als er die Tür öffnete, schweigend seine Ration holte und sich dann alleine wo hinsetzte. Was ziemlich untypisch für ihn war, denn normalerweise sass er gern mit den Leuten zusammen, mit denen er sich in den letzten Monaten angefreundet hatte. Jetzt wollte er aber einfach seine Ruhe haben, er musste nachdenken, brüten und grübeln. Lustlos kaute er auf dem Stück Brot rum, auf dem sich ein wenig Käse befand. Ihm war irgendwie der Appetit vergangen und das wurde nicht besser, als vom Nachbarstisch ein Kerl aufstand und zu ihm rüber kam. Carlos. Ein Arbeiter durch und durch, groß, eigentlich sogar ganz gutaussehend, gut gebaut... Früher hatte er bestimmt einen Wohlstandsbauch vom vielen Bier, jetzt war er, wie alle andern hier auch, eher auf der dünneren Seite, doch er sorgte dafür, dass er und seine Jungs ganz bestimmt immer genug zu essen hatten. Zwar waren er und seine Kumpels den Wächtern schon das eine oder andere Mal aufgefallen, doch Alex hatte den Verdacht, dass die Kerle dem zuständigen Wächter so tief in den Arsch krochen, indem sie für ihn spionierten, dass sie sich nahezu alles erlauben konnten.
Schon mehr als einmal hatte Carlos sich Einzelhaft eingefangen, weil er Frauen bedrängt hatte, aus irgendeinem ominösen Grund war das aber nie an Scorpion weitergeleitet worden, denn sonst hätte er garantiert keine Eier mehr. Er hätte sie wohl serviert bekommen, garniert mit Petersilie. Zumindest erzählte man sich das... Das tat Scorpion mit einem, wenn man andere Leute belästigte.
An Frauen schien er sich dennoch nicht mehr so recht heranzutrauen. Entweder war er sehr verzweifelt oder mehrseitig gepolt, denn seither hatte er begonnen, den Männern vor allem in der Dusche auf die Pelle zu rücken. Er war in einem ähnlichen Alter wie Alex, zumindest schätzte er das so ungefähr. Wenn überhaupt, war er wohl nur wenige Jahre älter oder jünger.
„Hast du dir Ärger eingeholt?“, wurde er gefragt, während Carlos ihm die Eiermatsche vom Teller klaute, welche das Personal hier Rührei nannte. Er führte es zu seinem Mund und kaute darauf, während Alex sich vorstellte, dass es keine Hühnereier, sondern Carlos’ Eier waren, die er da gerade genüsslich verpeiste.
„Seltsam. Dabei lässt du dir sonst nichts zu Schulden kommen... Was hast du gemacht?“, wollte der Typ vom Schlag Bauarbeiter wissen.
Alex seufzte bloß. „Nichts. Er hat nur gemeckert, weil ich zu langsam gewischt habe“, meinte er.
Carlos grinste daraufhin. „Hmm... Dann sollte ich ihm besser wohl nicht stecken, dass du gerne Löcher in die Luft starrst statt zu arbeiten, hm?“ Er lachte und Alex senkte sein halbherzig belegtes Brötchen, das ihm Carlos daraufhin ebenfalls abnahm, um hinein zu beissen.
„Er ist bloß eine Aushilfe ...Der wird kein zweites Mal hier runter kommen...“, behauptete Alex einfach mal. Er hatte schliesslich keine Ahnung, was genau Yuris Funktion denn nun eigentlich war und wie lange er schon hier war.
„Und wenn doch ...Wird er viel über dich erfahren... Ausser natürlich du kommst mir ein wenig entgegen. Mir wurde zugetragen, dass du Frank richtig gut einen geblasen hast. Und ich hab echt Stau da unten. Na komm, heute Abend in der Dusche. Du darfst ihn auch vorher waschen...“
Alex schloss kurz die Augen. Er hatte keine Ahnung warum hier jeder über jeden solche Dinge erzählte. Er war sich ziemlich sicher, dass er auf keinste Weise nach aussen getragen hatte, dass er tatsächlich auf Männer stand. Nur nicht auf solche wie Carlos.
Als er eine Hand an der Wange spürte, schlug er die Augen wieder auf und schob Carlos’ breites Handgelenk von sich weg.
„Erzähl dem Wächter was du willst. Ich beiss dir den Schwanz ab, wenn du mir auch nur zu nahe kommst heute Abend“, knurrte er ihn an, bevor er sich erhob. Vom Nachbarstisch war triumphierendes Johlen zu hören. Beinahe fühlte Alex sich in die Schulzeit zurückversetzt. Nur, dass es diesmal nicht um Mobbereien sondern um ernsthafte Drohungen ging. So ungefähr hatte er sich das Leben im Knast vorgestellt.
Carlos erhob sich nur kurz nach ihm und stellte sich ihm in den Weg. Zwar wäre die Pause noch ein wenig länger, doch ihm war der Appetit nur noch mehr vergangen und er wollte hier weg. Also schob er sich an dem Kerl vorbei, der es sich nicht nehmen ließ, mit seiner Hand grob an seinen Hintern zu fassen. Alex ließ sich nichts anmerken, weil er die Aufmerksamkeit der Aufsicht nicht auf sich ziehen wollte, bevor er mit möglichst gelassenen, jedoch großen Schritten den Raum verliess. Kaum hatte er die Tür hinter sich, ging er im Stechschritt in Richtung Viehzuchtställe. Vielleicht konnte er sich bei den Kälbern verkrümmeln. Gerade mochte er wirklich niemanden sehen.

@Yuri Romanov


nach oben springen

#10

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 26.02.2020 10:59
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Der Russe brauchte Abstand, er brauchte Bewegung und eine Zigarette, bereits die Dritte in den frühen Morgenstunden, er sollte sparsamer sein aber nach dieser Begegnung, der Offenbarung, dass Lexi, nicht nur hier war, sondern auch noch, wie er zumindest behauptete, entführt sowie an den Zoo verkauft wurde, hatte er einen Glimmstängel dringend nötig. So recht wollte ihm diese Story nicht in den Kopf, daher legte er einen Zahn zu, absolvierte seine Runde, nickte einem der anderen Wächter zu, schließlich konnte ein Einzelner, ein solches Gebiet, nicht allein überblicken oder überall zugleich sein aber Yuri musste das prüfen, wenigstens in Erfahrung bringen, ob sie tatsächlich, hier im Zoo, mit Menschenhändlern/Fängern zusammen arbeiteten. Bislang hatte ihn das nicht groß interessiert, er war gut darin, Scheuklappen aufzusetzen, sich zu fokussieren auf sein Ziel und dabei, alles Andere, auszublenden und sein hiesiges Ziel, bestand bislang, nur darin zu arbeiten, aufzupassen auf die Arbeiter, sie zu beschützen, doch ebenso auch darauf zu achten, dass sie ihre Arbeit machten. Yuri war Russe, seine Mentalität, seine Zeit beim Militär, hatte ihn stark geprägt, er kannte Gefangenenlager, den Gulag, er lernte beizeiten sich zu distanzieren, seine Gefühle, nahezu komplett, abzuschalten. Und ja, er sah sich tatsächlich, mehr als Beschützer, denn als Sklaventreiber oder Gefängniswärter, natürlich war das Zweiklassensystem keine Demokratie, das Recht des Stärkeren galt unter den Wächtern, ebenso, vielleicht etwas entschärfter, unter den Arbeitern aber Yuri, er sah seine Schäfchen, als Schützlinge, nicht als Sklaven.
Obschon er den Eindruck nicht erwecken mochte, war ihm sehr daran gelegen, zumindest in seinem Bereich, während seiner Schicht, für Ordnung, als auch Disziplin zu sorgen, er hatte keine Skrupel einem anderen Wächter, den Kiefer zu brechen, die Schulter auszukugeln oder ihn, sollte es wirklich einmal dazu kommen, diesen zu töten.
Er würde unter seiner Aufsicht keinen Machtmissbrauch dulden, ihm war bewusst, dass die Schafe nicht des Wolfes Freund sind, sowie umgedreht, trotzdem wollte er, dass sie sich, unter seiner Aufsicht, sicher und gerecht behandelt fühlten, obschon er auch nicht zögerte, einen Arbeiter zurechtzustutzen, sollte er sich nicht an die Regeln halten.
Yuri war in der Regel hart aber fair.
Sowie nicht gänzlich unbeliebt, in seinem bisherigen Bereich, bei den Landwirten, gab es durchaus Arbeiter, die sich ohne Furcht an ihn wandten, sogar, mit der Zeit, freundlich grüßten oder sich ihm anvertrauten, Yuris Beschützerinstinkt, sowie sein leichter Helferkomplex, der manchmal eben doch noch an der Oberfläche kratzte, machte ihn, sofern man ihn etwas länger um sich hatte, zu einem der wenigen Wächter, der seinen Status, Rang, nicht schamlos ausnutzte und Andere auch nicht schikanierte. Er verteilte nicht willkürlich, aufgrund von persönlichen Abneigungen, Strikes an die Arbeiter und ebenso wenig, sah er darüber hinweg, wenn andere Wächter, ihre Kompetenzen überschritten. Die lieferte er genauso eiskalt ans Messer, wie Arbeiter, wenn sie gegen die Regeln verstießen. Während Letztere, ihre Pause nutzten, sowie sich stärken konnten, verließ Yuri den Bereich, er begab sich zum Markt, auf dem Weg dahin, war seine Zigarette schneller auf geraucht als er Guppy sagen konnte, der Russe wusste, an wen er sich wenden konnte. Einen anderen Wächter, der auf dem Markt arbeitete, darauf aufpasste, dass die Nomaden, die sich hier herumtrieben, sowie handelten, sich an die Regeln hielten, zwar war Yuri nicht redselig, wusste sich aber vielseitig zu behelfen, nur um den Mund nicht aufmachen zu müssen. Nicht weiter verwunderlich, dass er mit einigen Wächtern, tatsächlich schriftlich kommunizierte, weshalb er die simpelsten Fragen, Anliegen, einfach aufschrieb, sowie eine Antwort abwartete. Die er meistens nur zur Hälfte verstand, aufgrund dieser verwaschenen Aussprache, weil sie zu schnell, undeutlich oder mit einem Dialekt sprachen, was es dem Russen ungemein erschwerte, zu verstehen, was diese Leute redeten.
Bislang merkte auch niemand, dass Yuri, wenn er sehr konzentriert, auf die Lippen seines Gegenübers schaute, längst den Faden verloren hatte und irgendwann bloß noch brummte, mal nickte, damit fuhr er bislang auch ziemlich gut, denn der Einzige, der dies bislang durchschaut hatte, war Lexi. Der auch genug Zeit mit Yuri verbracht hatte, sodass es unvermeidlich war, dass der Russe irgendwann aufflog, denn ab irgendeinem Punkt, hatte Lexi ihm mal eine Frage gestellt, die er als solche gar nicht wahrnahm, da er ihn längst nicht mehr verstanden hatte und seine Reaktion, ein simples Nicken, daraufhin, machte deutlich, dass Yuri, mit der englischen Sprache die größten Probleme hatte.
Auch dieses Mal, verstand er nur die Hälfte, konnte aber die nötigsten Informationen heraushören, weshalb er sich, nach einem knappen, dankbaren Nicken, fünf Minuten später, wieder abwandte, sowie einen der Buchhalter aufsuchte, da Menschen Waren sind, wichtige Ressourcen, die ebenso gehandelt wurden, angekauft, wie Lebensmittel, Vieh, Kleidung und alles Andere, musste es demnach auch eine Auflistung dieser geben, mit Preisangabe. Immerhin musste man doch einen Überblick behalten. Von Minerva wusste er zumindest, dass diese, vor der Übernahme des Zoos, bereits in der Kolonie gewesen war, sie müsste demnach, nicht aufgelistet sein, weil Niemand sie verkauft hatte.
Nur warum hatte sie oder Jesse, ihm gegenüber nicht erwähnt, das Lexi hier war? Ihm schwirrten viel zu viele Dinge durch den Kopf, weshalb er etliche Fragen, Gedanken, erst einmal ausklammern musste, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, dass er seine Pause dafür opferte, war nicht weiter tragisch, generell aß er erst spät, manchmal sogar erst nach Feierabend, wenn er in seine kleine Wohnung zurückkehrte, sowie sich etwas kochte. Manchmal holte er sich auch etwas zu essen aus der Kantine oder vom Markt, wenn er gar keinen Elan dazu hatte, noch einen Finger krumm zu machen, in seinen vier Wänden.
Yuri musste durch den halben Zoo, bis er in der Buchhaltung angekommen war, sowie den Richtigen, den Zuständigen, für den Menschenhandel gefunden hatte, ein kleiner, älterer Mann, mit zu großer Brille, glubschte ihn, von unten, nur an bis er ihm eines der Bücher herausholte. Yuri konnte schließlich den Zeitraum etwas eingrenzen, er wusste wonach er suchte, wollte es nur prüfen aber war nicht sicher, welche Antwort ihm lieber war, dass Lexi log, sich eine Ausrede einfallen ließ oder dass er, so absurd es klingen mochte, wirklich die Wahrheit gesagt hatte, dass man ihn entführt hatte.
Denn in dem Fall, wäre es ebenso Yuris Schuld gewesen, da er ihn allein gelassen hatte.
Jedoch war er allein einfach schneller gewesen, Lexi war nicht unfähig, doch der Russe war effektiver, wenn er sich gänzlich auf sein Ziel fokussieren konnte, ohne Ablenkung, damals war das nun mal, die Beschaffung von Sprit. Konnte er doch nicht ahnen, sobald er Lexi, einmal aus den Augen ließ, der Pechvogel, entführt wurde, denn als er das Buch durchging, mit den Leuten, die im Frühjahr, Sommer, dieses Jahres, an den Zoo verkauft wurden, stach ihm die Beschreibung einer Person prompt ins Auge. Er kannte Lexis Tattoos, die Beschreibung war eindeutig, der Zeitraum passte auch und der Russe, er starrte die Zeilen einige Sekunden lang nur an, schloss dann das Buch, welches er dankend, dem Buchhalter übergab, bevor er wieder ging und sich auf den Rückweg machte.
Das bedeutete Lexi hatte ihn nicht angelogen, sich diese Geschichte, dank seiner blühenden Fantasie, einfach ausgedacht, weil er, warum auch immer, sich womöglich nicht traute, ehrlich zu Yuri zu sein, wobei dieser ihm, doch niemals Anlass zur Sorge gegeben hatte, oder? Ja, er schaute immer grimmig, gar wütend, doch das war halt sein Gesicht, dafür konnte er ja nichts und das richtige Auftreten, konnte wahre Wunder bewirken, vor allem unter den hiesigen Bedingungen, jedoch hatte Lexi, niemals, Angst davor haben müssen, dass Yuri ihm ein Haar krümmt.
Als dieser zurückkehrte, erblickte er, in der Ferne, Lexi, der sich, im Stechschritt, zu den Viehställen begab, allein und das, wo die Arbeiter noch Pause hatten, weshalb Yuri sich schon wunderte, weshalb dieser die Ruhephase nicht nutzte, vor allem um etwas zu essen, schließlich musste niemand hier hungern. Jedoch hatte er selbst keine Eile, er setzte den Weg, im üblichen Tempo fort, bog lediglich ab und begab sich, ebenfalls, zu den Ställen, mit den Kälbchen, wenn er richtig informiert war. Vor diesen stehen geblieben, ließ er den eisigen Blick noch einmal umherschweifen, bevor er sich Zutritt verschaffte, sowie die Tür hinter sich schloss, nachdem er den Stall betreten hatte.
Seine dunklen Augen mussten nicht lang suchen, bis sein Fokus auf Lexi fiel, seinen dunklen Wuschelkopf, würde er nur übersehen, wenn er blind wäre, außerdem war sonst niemand hier, nur die Kälbchen und der Guppy, als den er Lexi gerne bezeichnete, unabhängig davon, was dieser davon hielt. Yuri war ein Dickschädel, bei dem der Kleinere sich auch früh geschlagen geben musste, denn der Russe nannte ihn, trotz allem, stets Lexi. Warum? Weil er es mochte, es kam ihm leichter über die Lippen und war, aus seiner Sicht, passend, was diesen betraf.
Schließlich atmete er hörbar aus, behielt die Hände aber noch in den Hosentaschen, während er da stand, wie eine Statue, vor dem Eingang des Stalls, wie ein Wachhund, der Niemanden hier rein oder viel mehr rauslassen würde, sofern er dies nicht wollte, natürlich schaute er Lexi, nach wie vor, äußerst grimmig an aber der war daran gewöhnt.
"YA veryu tebe i mne zhal'..."
Kam es dem Russen, dunkel, über die Lippen, die er anschließend zusammen presste, sowie schnaubend ausatmete, da er sich, schon wieder, ins Gedächtnis rufen musste, dass Lexi kein Wort Russisch verstand! Höchstens Ja, Nein und Guppy. Yuri machte einen Schritt auf ihn zu, neigte den Kopf ein kleines Stück zur Seite, während seine dunklen Augen, noch immer bohrend, auf dem jüngeren Mann lagen, dem wohl kaum jemand glauben würde, dass er schon auf die Vierzig zuging. Lexi sah einfach sehr jung aus, um ehrlich zu sein und er war ein kleiner Tagträumer.
Er überlegte sich derweil was er sagen sollte, so, dass es auch Lexi verstand, an den er schließlich, gänzlich, heran getreten war, sowie auf diesen herab sah, mit grimmiger Miene, was nicht immer bedeutete, dass Yuri wirklich schlecht gelaunt ist oder die Absicht hatte, jemanden umzubringen, obschon er stets diesen Eindruck erwecken mochte.
"... ich glaube mir.."
Brachte er schließlich über die Lippen, starrte hinab auf den Wuschelkopf, nahm die Hände aus den Hosentaschen und war gewillt, noch ein paar mehr Worte von sich zu geben, etwas Anderes, wäre Lexi gegenüber sonst unfair, sowie unangemessen, denn ihm war es ernst.
".... und es tut mir leid." Entschuldigte sich der Russe, dafür, dass er Lexi nicht glaubte, einfach, weil es zu absurd klang in seinen Ohren aber auch dafür, dass er nicht da war, dass er ihn nicht beschützte, obwohl er es ihm versprochen hatte und Yuri sich, ihm gegenüber, verantwortlich fühlte. Auch jetzt noch, schließlich war die Quasselstrippe sein Freund. Schließlich hob er die Hände, wartete, bis Lexi ihn eines Blickes würdigte, egal wie lange es dauerte, ehe er in Gebärdensprache fortfuhr, da es ihm so, generell, auch viel leichter fiel, sich ihm gegenüber auszudrücken.
'Ich habe versagt und dich nicht beschützt, das werde ich wieder gut machen, wenn du mich lässt. Ich habe dir nicht geglaubt, weil es absurd klang, ich nahm nicht an, dass Leute, ihre Zeit, damit vergeuden, Menschen einzufangen und hier zu verkaufen, aber ich sah den Eintrag, dich betreffend. Kannst du mir verzeihen?'
Die grimmige, eiskalt wirkende Miene des Russen veränderte sich, minimal nur, doch seine Züge wurden etwas weicher, sein Blick weniger bedrohlich, mutete nicht mehr so bohrend, sondern viel mehr bittend an, denn er mochte Lexi und seine Entschuldigung war ebenso aufrichtig, wie Yuri es von Anfang an schon gewesen ist. Er war kein Lügner, kein Täuscher, er knallte jedem, wenn nötig, seine Meinung ins Gesicht und Lexi, er hatte Einblick erhalten, so eiskalt wie Yuri wirkte, ist er nicht, leichtfertig entschuldigen täte er sich ebenfalls nicht. Es tat ihm ernsthaft leid und er wollte es wieder gut machen, sein Versprechen, was er ihm gegeben hatte, weiterhin einhalten, nun, da er ihn hier vorfand, im Zoo, das hieß er konnte ihm hier helfen, ein Auge auf ihn haben und Lexi beschützen.
'Wir, ich .. dachte, du bist verschwunden, weil ich dir, am Vorabend, zu nahe getreten bin. Du hattest am nächsten Tag nichts gesagt, daher nahm ich an, alles ist in Ordnung aber als wir zurückkamen, warst du weg. Wir haben dich gesucht, wochenlang...' Er ließ die Hände langsam wieder sinken und starrte Lexi einfach nur an, er war kein Quell überschäumender Emotionen, doch seine, fast schwarzen, Augen blickten ihn mit einem Anflug Traurigkeit an, die man dem Russen wohl nicht zumuten würde, aber er war nicht tot. Er hatte sehr wohl Gefühle, er war nur zu beherrscht, um diese nach Außen zu tragen, aber Lexis verschwinden hatte ihn verletzt, eben weil es so plötzlich kam, keine Anzeichen, keine Nachrichten gab, er hatte ihn gesucht, sich Sorgen gemacht und irgendwann stellte sich die Wut darüber ein, sowie die Ungewissheit, die er nicht ausstehen konnte.
'Wir haben dich vermisst.'
Ließ er ihn dann doch wissen, mit 'Wir' meinte er seinen Hund, der es jedoch nicht geschafft hatte, sondern, ein paar Monate, nach Lexis Verschwinden, zu Tode gekommen ist, ein weiterer, herber Schlag für den Russen, der somit gänzlich wieder allein war.

@Alexis Ilex


nach oben springen

#11

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 28.02.2020 22:03
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

Manchmal fragte er sich wirklich, wie er es verdient hatte hier unten zu landen. Bei den Arbeitern, die täglich schuften mussten, damit die Wächterbereiche sie "beschützen" konnten. Klar, sie hatten auch mal freie Tage und sie mussten sich nicht selber um ihr Essen oder ihre Klamotten kümmern, konnten es sich dafür aber auch nicht wirklich aussuchen. Doch er fand, dass er es nicht verdient hatte, hier zu sein. Würde er fair behandelt werden, Lohn kriegen und sich frei bewegen können, würde er die Arbeit tatsächlich wohl freiwillig machen, weil er es mochte und es ihm Spass bereitete. Doch unter Zwang und deren Regeln, war das alles etwas ganz Anderes, das ihm definitiv missfiel. Trotzdem gab er sich Mühe sein fröhliches Naturell zu bewahren, sich nicht davon unterkriegen zu lassen. Manchmal fiel ihm das jedoch schwer. Seit Monaten war er hier und das Erschreckendste war, dass er sich schon fast an die Schikanen gewöhnt hatte. Seine Laune litt mehr als er wollte und tatsächlich war er kurz davor Carlos einfach zu geben was er wollte. Doch die Befürchtung es dadurch nur noch schlimmer zu machen, war ihm dann definitiv irgendwie zu gross. Dazu kam nun auch noch Yuri, der dachte, er würde sich so eine Geschichte nur ausdenken ... Was ihn tatsächlich irgendwie sauer machte. Yuri und er waren Freunde. Es war nichts zwischen ihnen passiert, was das geändert hätte, im Gegenteil! Er hatte es sich nicht ausgesucht ihn zu verlassen.
Im Stechschritt, kurz vor einem kleinen Nervenzusammenbruch ging er in den Viehstall, wo im hinteren Bereich die Mutterkühe mit ihren Kälbern waren. Um Zeit und Aufwand zu sparen, liess man die Kälber bei den Müttern und teilte sich die Milch mit ihnen. Das fand Alex tatsächlich ganz gut. Die Kälber hatten aber ihren eigenen Bereich, in den nur sie gelangen konnten, weil der Durchgang da hin für die erwachsenen Kühe zu klein war. Dort lagen sie gerne und ruhten sich aus. Als Alex dort hin trat, standen zwei von ihnen auf und kamen neugierig zu ihm. Er kraulte sie an der Stirn und an den Wangen. Eigentlich hatte er es ja gut. Er durfte mit Tieren arbeiten, hatte Essen und ein Dach über dem Kopf. Er hätte auch in der Wäscherei eingeteilt werden können und jeden Tag die Klamotten der Wächter oder gar von Scorpion persönlich zu waschen, die oftmals mit Blut und Eingeweiden voll waren. Das würde er sich auf keinen Fall wünschen. Also alles in allem hatte er ein akzeptables Leben. Jedoch... trotz aller Bemühungen, konnte eben nicht verhindert werden, dass die Arbeiter untereinander oftmals doch ein wenig grob wurden und es Hackordnungen gab. Männer wie Carlos, die es liebten andere zu unterjochen und ihren Frust an den Schwächeren ausliessen konnte man nicht komplett kontrollieren. Alexis wusste, dass Scorpion sowas eigentlich nicht duldete, doch ein einziger Mann konnte eben auch nicht jeden seiner Arbeiter komplett kontrollieren. Die Wächter gehorchten ihrem Boss zwar allesamt, doch das eine oder andere korrupte schwarze Schaf gab es immer und diese deckten einander dann eben einfach. Es war eine Dynamik, die sich ganz von selbst bildete, ohne dass man dagegen etwas tun konnte. Hin und wieder lieferte man einen ans Messer, dann war wieder Ruhe für eine Weile. Aber die währte oft weniger lange als man sich wünschen konnte.
Alex selbst war frustriert. Obwohl er eigentlich sonst immer g ut gelaunt war, immer das Beste in jeder Situation zu sehen versuchte, wurde ihm langsam alles zu viel. Nicht nur, dass er monatelang ein schlechtes Gewissen gehabt hatte, weil er einfach verschwunden war ohne dass er Yuri hätte Bescheid sagen können. Anschliessend war er hier gelandet und hatte zu seinem Schrecken feststellen müssen, dass sein Exliebhaber Alistair hier eine der besseren Positionen inne zu haben schien. Alistair war ein Arschloch, ungefähr wie Heroin. Alex hatte sich nie wirklich in ihn verliebt, ihre Beziehung war immer mehr so eine Freundschaft plus gewesen. Ja, sie harmonierten im Bett wirklich gut, der Sex mit Alistair machte süchtig, sie verstanden sich viel zu gut. Sein Geld, seine Geschenke, seine kleine Aufmerksamkeiten konnte Alex gut gebrauchen. Selbst die Fotoshootings, welche sie ab und zu abgehalten hatten, hatte Alex eigentlich ziemlich geliebt. Nichtsdestotrotz war Alistair eben ein hinterhältiger Hund und er liess keine Möglichkeit aus, ihm auf den Zeiger zu gehen, ihn zu triezen und schikanieren, wann immer er konnte. Manchmal sass er auch nur da und schaute ihm bei der Arbeit zu, einfach weil er es konnte. Alex versuchte ihn zu ignorieren, sich nicht allzu sehr auf ihn einzulassen, obwohl er schon öfters mit dem Gedanken gespielt hatte, ihn wieder um den Finger zu wickeln und Alex dazu zu benutzen, in den Wächterbereich zu kommen. Doch das würde heissen, dass er sich dessen Toxizität erneut aussetzen würde und das liess sein Stolz nicht zu. Alistair würde ihn betteln sehen wollen...
Und dann war da die Sahnehaube auf der kirsche... Yuri, sein einziger richtiger Freund in der Zeit vor dem Zoo, war nun offenbar auch Wächter hier, ebenso ein verdammter Sklaventreiber und obendrauf glaubte er ihm noch nicht einmal, dass er entführt worden war. Als hätte er sich selbst ein Schleifchen umgebunden und sich versklaven lassen!
Ihm stiegen vor Wut und Frustration sogar die Tränen in die Augen, er war kurz davor die Hoffnung komplett aufzugeben, sich von den negativen Gefühlen endlich mal richtig übermannen zu lassen. Es war niemand da, der den Zusammenbruch miterleben könnte. Dachte er zumindest.... bis er ein fremdländisches Geknurre hörte. Er hob den Kopf und wischte sich über die Augen, bevor er in die Richtung blickte.... Nur um Yuri dort stehen zu sehen. Er wusste nicht, was er von dessen Anwesenheit halten sollte. Er arbeitete offensichtlich hier... Wie konnte er das gutheissen?! Er hatte immer geglaubt Yuri würde sich für die Schwachen unterdrücken, nicht sie unterjochen!
Der Russe kam näher, Alex senkte den Blick zurück auf die zwei Kälbchen, die unbedingt an seinen Fingern saugen wollten, was er aber gerade nicht zuliess. Stattdessen kraulte er ihnen die Schnauze.
Yuri ergriff das Wort erneut. Seine Worte ... sie taten gut und gleichzeitig fühlte es sich an wie ein Stich. Alex musste sich zurückhalten, nun nicht doch noch zusammen zu brechen und den aufgestauten Gefühlen freien Lauf zu lassen. Er hob langsam den Blick zu ihm, als nichts mehr kam. Doch dann erklärte Yuri sich in der Sprache, die er besser beherrschte als Englisch. Gebärdensprache...
Das funktionierte gut zwischen ihnen, damit gab es am wenigsten Missverständnisse, so viel war klar. Er konnte Yuris Worten folgen, und doch war die Wut und der Frust gerade zu gross, um sich wirklich darauf einzulassen. Seine Geschichte klang also absurd?!
Aber immerhin hatte er nach ihm gesucht. Auch wenn es ihn schmerzte daran zu denken, wie Yuri und der Hund versucht hatten ihn zu finden und das ohne jeglichen Erfolg. Dieses schlechte Gewissen zusammen mit dem Frust liess seine Hände ein wenig zittern, als er sie hob. Ob er ihm verzeihen konnte? Gerade irgendwie nicht. Er wusste, Yuri war unter Umständen seine einzige Chance hier raus zu kommen, doch konnte er ihm trauen? Immerhin war er einer der Übeltäter, die ihn hier festhielten.
'Warum sollte ich mir eine solche Geschichte ausdenken?', fragte er stumm. 'Als ob ich einfach abhauen würde, nur weil du mich geküsst hast. Hätte ich ein Problem damit gehabt, hätte ich etwas gesagt! Als ob ich freiwillig hier in diesem verdammten Ort schuften würde....'
Er hielt kurz inne, während er seine Tränen nun doch nicht mehr zurückhalten konnte. Er, Alex, die Frohnatur, der Optimist zerbrach beim Gedanken seinen besten Freund an diesen giftigen, miesen Ort verloren zu haben.
"Wie kannst du es wagen mich um Verzeihung zu bitten?", fragte er dann, Wut schwang in seiner Stimme mit. "Ich habe die letzten Monate hier verbracht, als Sklave, als Arbeiter der absoluten Unterschicht. Ich kriege gerade genug zu essen, dass ich nicht komplett verhungere. In unserer Bettstatt hat es Ungeziefer, wir leben fünfzehn Personen zusammen in einer Barracke." Nun stiess er Yuri den Finger vor die Brust, nur um dann direkt seinen Anzug zu packen. "Warum sollte ich freiwillig wählen hier zu sein, wenn ich dafür da draussen mit dir sein könnte?! Wie konntest du nur glauben ich wäre freiwillig weggegangen! Ich dachte wir seien Freunde! Wie kannst du es verdammt nochmal wagen für Scorpion zu arbeiten?! Wie kannst du das hier befürworten?!"
Er wurde lauter und lauter, doch schliesslich vergrub er sein Gesicht an Yuris Brust.
"W-wie soll ich dir das verzeihen?", wimmerte er in den Stoff hinein, während seine Stimme beinahe abbrach. "Ich habe dich so vermisst. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass es dir gut geht.. manchmal auch gehofft, dass du kommen wirst, um mich zu befreien. Und stattdessen schliesst du dich den Leuten an, die mich versklavt haben..."

@Yuri Romanov ur


nach oben springen

#12

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 29.02.2020 12:15
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Natürlich musste Yuri sich die Frage stellen, warum Jesse nicht erwähnt hatte, dass Lexi sich auch im Zoo befand, schließlich war er eine Weile, auf derselben Ranch gewesen, mit der Gruppe, die sich um den blauäugigen Lockenkopf gebildet hatte. Lag es da nicht auf der Hand, dass man ihm vielleicht sagen sollte, dass nebst Minerva, auch Lexi unter den Arbeitern war? Hätte er heute nicht die Vertretung übernommen, von einem der Wächter, wer weiß, wann er Lexi dann getroffen hätte, vielleicht gar nicht? Klar, er selbst war noch nicht lange hier, wenige Wochen, gerade mal, kurz nach seiner Ankunft, seiner Einstellung, brach Jesse ja schon auf, wohin auch immer und bislang war der Russe damit beschäftigt, zu arbeiten, sich einzurichten, zurechtzufinden und daran zu gewöhnen, wieder sesshaft zu sein, nach zehn Jahren, nur auf der Straße, schon eine Umstellung aber er war ja sehr anpassungsfähig.
Doch der heutige Tag, die heutige Begegnung, warf irgendwie alles über den Haufen, er hatte Lexi gesucht, wochenlang, selbst jetzt noch, hatte er die Hoffnung nie gänzlich aufgegeben, ihn zu finden, umso ironischer, dass Lexi, der einfach verschwunden war, die letzten Monate hier verbrachte, während der Russe damit beschäftigt war, ihn zu suchen. Und jetzt? Er erzählte ihm eine Geschichte, die so absurd klang, in den Ohren des Russen, doch wahrer kaum sein konnte und natürlich tat es ihm, kaum dass er den Beweis, schwarz auf weiß hatte, unendlich leid, dass er Lexi nicht geglaubt hat. Obwohl es auf der Hand lag, in den Monaten, wo sie unterwegs waren, in seinem Mustang lebten, sich miteinander arrangierten, gar anfreundeten, hatte der Brite, mit den blauen Augen und dunklen Wuschelhaar, ihn nie angelogen, höchstens mal geflunkert, manchmal so schlecht, dass Yuri es einfach wortlos so stehen ließ, ohne ihm zu sagen, dass er ihn durchschaute.
Sicher, Lexi hatte eine blühende Fantasie, er redete auch gerne um den heißen Brei herum, während Yuri, wenn er kommunizierte, sehr direkt ist und die Sache schnell auf den Punkt bringt, meistens, auch er wich diversen Themen aus, doch er hielt nicht viel davon, ewig herumzudrucksen, das kostete nur unnötig Zeit, sowie Sauerstoff. Demnach, wenn er den Mund aufmachte, um zu reden, sagte er oftmals nicht viel aber umso mehr Gewicht, hatten seine Worte dann auch. So wie jetzt, als er Lexi im Stall aufsuchte, worin dieser, nahezu fluchtartig, verschwunden war und langsam dämmerte dem Russen auch warum, denn als er sich bemerkbar machte, Lexi sich abwandte von den Kälbchen, die er streichelte, wischte er sich über die Augen.
Ein Indiz darauf, dass es ihm nicht gut ging, sie hatten viel Zeit zusammen verbracht, obschon Lexi eine Frohnatur ist, ein hoffnungsloser Optimist, so war der Russe ein scharfsinniger Beobachter, der die Leute analysierte, vielleicht in einem anderen Ausmaß als es ein Psychiater tat, doch auch er musste Leute einschätzen können, sie in Kategorien einordnen, während seiner Zeit beim Militär. Auch ein Optimist stieß irgendwann an seine Grenzen.
So wie es schien, brauchte es demnach nur noch den Russen, der sich bei ihm entschuldigte, als auch zu erklären versuchte, weshalb er ihm zuerst nicht glauben wollte, nicht so recht konnte aber es tat ihm leid, denn sein ausgeprägtes Misstrauen, brachte er Lexi für gewöhnlich nicht entgegen. Aber es war Monate her, seit er verschwunden war und auch Yuri, war irgendwann, nach dem Tod seines Hundes, so unfassbar wütend, denn wäre Lexi bei ihm gewesen, er hätte vielleicht etwas tun können, schließlich hatte er, vor dem Ausbruch, mit Tieren gearbeitet. Zwar war er kein Veterinär aber er hätte sicher helfen können, doch so war Yuri, mit seiner Trauer, ob des Verlustes seines Vierbeiners, nur wenige Wochen, nach Lexis spurlosen Verschwinden, wieder ganz allein, das war er gewohnt aber die Quasselstrippe fehlte ihm, nicht weniger, als sein Hund.
Und nun standen sie, unter demselben Dach, eines Stalls, während neugierig, zwei Kälbchen, über das Gatter lugten und der Russe die Hände sinken ließ, nachdem er sich Lexi, zumindest versuchte, zu erklären oder viel mehr sein Verhalten, von vorhin, diesem gegenüber. Denn nun, wo er Fakten, Gewissheit hatte, den wahren Grund kannte, weshalb Lexi verschwunden war, konnte die anfängliche Wut verrauchen, stattdessen stellte sich, zum einen, Erleichterung ein, gar Freude ihn zu sehen aber auch ein schlechtes Gewissen, denn er hätte ihn beschützen müssen! Wenn er schneller gewesen wäre oder Lexi mitgenommen hätte, dann wären sie vielleicht noch da draußen, hätten den Zoo vielleicht nur zum Tauschhandel besucht, sich Sprit besorgt, um dann einfach weiterzufahren aber stattdessen, standen sie nun hier im Stall, der Russe im gewohnt schwarzen Anzug, auf der Seite der Wächter und Lexi, auf der anderen Seite des Käfigs, bei den Arbeitern.
Als dieser, mit den Händen, sowohl tonlosen Lippenbewegungen, sich dazu äußerte, zuckte Yuri lediglich mit den Schultern, er hatte darauf keine Antwort, sowie sich doch entschuldigt. Allerdings rückte diese Thematik, für ihn zumindest, etwas in den Hintergrund, als er den feuchten Glanz auf Lexis, herrlich blauen, Augen entdeckte, er sah nicht gut aus, also hübsch war er schon, nach wie vor, doch er sah... fertig aus.
Gestresst, müde, etwas dünner, vor allem aber so unfassbar traurig, in diesem Moment, was den Russen nicht kaltließ, er ertrug es nicht, wenn jemand traurig war, den er kannte, gar mochte, wie in diesem Fall Lexi. Der ihm, von jetzt auf gleich, mit Wut begegnete, sodass er die Hand, welche er ein kleines Stück angehoben hatte, nach ihm ausstrecken wollte, prompt sinken ließ, sowie kerzengerade da stand, lediglich seine Augenbrauen hoben sich ein Stück nach Oben, während seine dunklen Augen, ein wenig ratlos, auf Lexi hinab blickten. An sich hätte der erste Satz schon gereicht, um den Russen, dazu zu bewegen, einfach zu gehen und Lexi in Frieden zu lassen, schließlich wollte er ihn nicht, unnötig, mit seiner Präsenz provozieren, aber was ihn davon abhielt, dies zu tun, war die Tatsache, dass Lexi aufgewühlt war, ihm war zum Weinen zumute.
Also blieb Yuri, stand einfach da, reagierte auch nicht, als Lexi mit dem Finger gegen seine Brust stieß, ehe er, es sich sogar wagte, seinen Anzug zu packen, etwas, dass ihm bei jedem anderen Wächter, sofort mindestens einen Strike einbringen würde aber der Russe hatte nichts dergleichen im Sinn. Ja, er war im Dienst, er war einer der Wächter, der auf die Arbeiter schaute, dafür sorgte, dass sie ihre Arbeit machten und nicht rumtrödelten, doch in diesem Augenblick, hier im Stall, vor Lexi, stand Yuri nicht als Wachhund, sondern als sein Freund, als welchen er sich, noch immer, betrachtete.
Es war ihm zudem lieber, er ließ seinen Frust, seine Wut und Verzweiflung, an ihm aus, selbst wenn er ihn schlagen würde, so würde der Russe es schweigend hinnehmen, über sich ergehen lassen, wenn es Lexi half, wenn er sich danach, vielleicht, besser fühlte, weil er es einfach rauslassen konnte, ohne Angst haben zu müssen, dafür in Einzelhaft zu landen oder schlimmer noch, der Arena womöglich. Yuri konnte ihm sogar folgen, obwohl Lexi, so aufgebracht wie er war, viel stärker in seinen britischen Akzent verfiel, als so schon und es dem Russen, dann ziemlich erschwerte, zu verstehen, wovon dieser redete.
Doch selbst wenn er ihn nun nicht verstehen würde, so hatte er Augen im Kopf, alles was relevant und wichtig, zu wissen, war, sah er direkt vor sich, spürte er, durch den Griff an seinem Anzug, bis Lexi sein Gesicht an seiner Brust vergrub. Instinktiv, ohne darüber nachzudenken oder zu zögern, hob Yuri die Arme, schlang sie um den Kleineren und zog diesen in eine, feste, beschützende, Umarmung, strich ihm behutsam über den Rücken.
Mitfühlend sah er auf ihn herab, legte eine Hand auf Lexis Kopf, strich ihm tröstend, sacht durchs Haar, während er ruhig alles rauslassen sollte, was auf ihm lastete, ihn bedrückte, wenn er ihn erneut anschnauzen möchte, nur zu. Die sonst so eisigen, harten Gesichtszüge des Russen, wurden weicher, je länger auf Lexi herab schaute, ihn einfach im Arm hielt und durchs Haar, sowie den Rücken strich.
"..... wir sind Freunde ... und ich beschütze dich, ich .. mache es wieder gut, da?"
Ließ er ihn wissen, denn es stand für ihn, seit er ihn gesehen hatte, fest, dass er Lexi helfen und beschützen wollte, wie vor seinem Verschwinden. Er war sein Schützling, sein Freund, er konnte und würde ihn, ganz gleich, ob Lexi sauer auf ihn war, nicht im Stich lassen, sondern sich etwas überlegen, um ihm zu helfen. ".... ich finde eine Lösung, ... ich bin nur noch nicht lange hier und ich wusste nicht, dass du dich hier befindest." Sonst hätte er vielleicht wirklich, auf dem Weg zu Lexi, einfach jeden umgelegt, ihn geschnappt und wäre mit ihm davon gebrettert in seinem Mustang, doch jetzt sah die Sache etwas anders aus. Yuri hatte hier einen Job, eine Aufgabe, die er sehr ernst nahm, gar gerne machte und nichts ist perfekt, er hieß diese Zweiklassengesellschaft nicht gut aber er hatte viel Schlimmeres gesehen, im Kampfeinsatz, in seiner Heimat. Verglichen mit einem Gulag, einem Gefangenenlager im Kriegsgebiet, hatten es die Arbeiter hier, sogar noch recht gut.
Jedoch war Yuri, anders als Lexi, beim Militär darauf getrimmt worden, sich zu distanzieren, seine Gefühle abzuschalten, denn von ihnen, durfte, konnte, er sich im Kampfeinsatz nicht hemmen, beeinflussen lassen. Nur was brächte es, dies Lexi nun zu sagen? Er würde es nicht verstehen, nicht nachvollziehen können, er hatte Yuris Leben nicht geführt, seine Erfahrungen nicht gemacht und dem Russen war bewusst, dass in dessen, traurigen blauen Augen, jeder auf der anderen Seite, der Böse sein musste. Es war normal, verständlich, für den Ex-Soldaten, vor allem weil Lexi das Herz am rechten Fleck hatte.
"Du... bist länger hier, ...du kennst die Möglichkeiten, die euch Arbeitern zur Verfügung stehen."
Er wusste zumindest, dass sie sich hocharbeiten konnten, wozu Lexi scheinbar die Ambition fehlte oder er vielleicht auch einfach zu.. gutherzig ist. In seinem bisherigen Bereich, hatte er, unter den Arbeitern, Spitzel, die ihm Dinge zutrugen, welche er nicht mitbekam, die sich dann abspielten, wenn die Arbeiter unter sich sind und kein Wachhund zugegen. Solche Leute lebten gefährlich, vor allem, wenn man Wind davon bekam und sie vielleicht, innerhalb der Arbeiter-Hierarchie, nicht ganz oben in der Nahrungskette standen. "...ich bin froh, das du lebst Lexi ..."
Das meinte er auch so, selbst wenn er, damit leben muss, dass Lexi ihm wohl nicht einfach verzieh, aber das war in Ordnung, er würde ihm dennoch helfen, ihn so gut beschützen, wie es ihm möglich war. Er ließ ihn nicht einfach fallen, wie eine heiße Kartoffel, unabhängig davon, ob Lexi ihn als Freund oder Feind betrachtete, aufgrund seiner Position, innerhalb der Kolonie, Yuri würde alles erdenkliche Tun, jede Möglichkeit nutzen, um dem Briten zu helfen. Das hatte er versprochen und er hielt seine Versprechen, immer, denn sie waren nicht zeitlich begrenzt.

@Alexis Ilex


nach oben springen

#13

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 02.03.2020 19:28
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

In diesem Augenblick war einfach alles ein wenig zu viel. Die letzten Monate hatte Alex hier ausgeharrt, weil es ohnehin keine Aussicht auf Flucht gab für ihn. Die Zäune, welche ihn von der Freiheit abschirmten, waren hoch und gut bewacht. Er fühlte sich wie in einem Gefängnis. Den Wächterbereich hatte er nur ein paar wenige Male gesehen, als er ausnahmsweise mal rübergehen konnte, um jemandem etwas zu helfen. Ansonsten hatte er sein Leben hier gefristet, wie er es wohl tat, bis er zu alt war oder an irgendetwas starb. Sterben war heutzutage nahezu einfach geworden. Zwar war Alex zu optimistisch, zu erfreut am Leben, um sich komplett in einen Sumpf aus Frust zu begeben und sich darin womöglich sogar zu verirren.
Anfangs hatte er oft darüber nachgedacht, wie er vielleicht wegkommen könnte. Manchmal hatte er zu den Zäunen gestarrt, gefiebert, was er tun könnte, um auf die andere Seite zu gelangen. Vielleicht war er sogar ein wenig rebellisch gewesen, hatte auch mal gestreikt, das Essen verweigert.... Doch mit der Zeit hatte er einfach feststellen müssen, dass sein Kampfgeist nunmal nicht so ausgestattet war, wie es für soetwas nötig war. Er arrangierte sich mit der Situation, wie er sich immer arrangierte. Redete sie sich schön, es war okay, er sah das Beste darin, suchte sich das Positive. Das konnte er gut, schon immer. Eine Fähigkeit, die er trotz dieser vorherrschenden Trostlosigkeit in dieser Welt nie eingebüsst hatte. Irgendetwas Gutes gab es fast immer, wie er zumindest oftmals fand. Klar, er vermisste Yuri und den Hund, manchmal vermisste er sogar die Nächte im Auto oder in irgendeinem Unterschlupf, der sich bot. Ab und an vermisste er auch die Ranch, dachte daran zurück. Dachte an Jesse, der mit seinem herausragenden Intellekt eine gute Position innehatte, eine, die er nie haben würde. Er dachte an Minerva, die noch viel mehr unter den hiesigen Umständen litt als er. Sie sah nichts positives, redete sich nichts schön. So unterschied sich der Optimist von der Realistin.
Doch täte Alex dies nicht, wäre er wohl längst zerbrochen. Er war schon immer ein Freigeist gewesen, hatte es geliebt das Leben in vollen Zügen zu geniessen. Obwohl er auch sehr faul war, war er in manchen Dingen eben doch auch ambitioniert. WAs er gerne tat, tat er mit einer Leidenschaft, die man ihm womöglich gar nicht zutraute. So wie der Sport und das Trainieren. Trotz Faulheit, war er durchtrainiert, sein Körper zeigte keine Spuren von einem ungesunden sich gehen lassen, im Gegenteil auch unter den Arbeitern gehörte er wohl zu denjenigen, die am fittesten. Nun, er war etwas dünner geworden, nicht nur aufgrund seines Hungerstreikes, sondern auch weil es hier einfach weniger zu essen gab und in letzter Zeit hatte er kaum je ungestört sein Mahl geniessen können. Irgendwer ging ihm immer auf die Nerven. So wie heute, als Marcus meinte ihn belästigen und ihm sein halbes Frühstück wegputzen zu müssen.
Allerdings spielte dabei auch sein emotionaler Zustand durchaus eine Rolle. Ja, er war aufgewühlt, auch sein ständig sonniges Gemüt litt unter den Zuständen, die hier herrschten. Er war einst frei gewesen, erst auf der Ranch, danach zusammen mit Yuri auf der Strasse. Keine Grenzen, keine Zäune, nur der alltägliche Kampf ums Überleben, der heutzutage aber so normal war wie der frühere Weg zur Arbeit in überfüllten Bussen oder mit dem Fahrrad, wenn das Wetter stimmte.
Nun jedoch steckte er in erster Linie in einem Arbeitslager, schuftete für die Obrigkeit mit einem freien Tag in der Woche, der sich noch nicht einmal frei anfühlte, weil er ja doch nicht unbeaufsichtigt überall rumlaufen konnte. Er wünschte sich wirklich nichts sehnlicheres, als hier raus zu kommen. Ein Ding der Unmöglichkeit... Zumindest bis zum heutigen Tag, an dem er erfahren musste, dass sein bester Freund nun ebenfalls hier war.
Klar, auch Jesse war hier, doch der hatte es innerhalb eines Jahres nicht wirklich geschafft ihn aus dem Arbeiterbereich raus zu kriegen. Er nahm es ihm nicht übel, soweit er wusste war der Hochbegabte in einer hohen Position und entsprechend wohl viel beschäftig. Und im letzten Monat hatte er gar nichts von ihm gehört.
Doch nun war auch noch Yuri hier. Ausgerechnet Yuri, mit dem er sich wirklich gut angefreundet hatte. Der Russe war anfangs etwas zu still gewesen für seinen Geschmack, es war eine Zweckgemeinschaft gewesen, nicht mehr... Doch mit der Zeit hatte sich gezeigt, dass Yuri ein wahres Herz aus Gold hatte. Alex mochte ihn unglaublich gerne, sie verstanden sich trotz ihrer vielen Unterschiede.
Dass der ihm nun jedoch im ersten Moment nicht glauben wollte, dass er keineswegs abgehauen war, traf ihn tiefer als er gedacht hätte. Es tat in seiner Seele weh zu wissen, dass Yuri ihm eher zutraute, ihn einfach im Stich zu lassen. Als ob er sowas jemals tun würde! Er hatte selbst Alistair noch lange zur Seite gestanden, obwohl er dessen Charakter mit der Zeit auch richtig einzuschätzen lernte. Die Leute die er mochte würde er niemals enttäuschen.
Umso tiefer sass der Schmerz über die Erkenntnis, was Yuri von ihm dachte und dann besass dieser auch noch die Dreistigkeit ihn um Verzeihung zu bitten. Es war einfach zu viel. Viel zu viel in diesem Augenblick, das ihm zusetzte. Am liebsten hätte er Yuri weggeschickt, ihn aus dem Stall geprügelt, ihn zum Teufel gejagt, damit er sich mit seinem scheiss dämlichen Auto verpisste. Doch gleichzeitig wollte er dann doch nicht, dass er ging. Der einzige Mensch, dem er noch immer vollkommen vertraute. Das mochte womöglich der Grund sein, weshalb er ihn am Jackett packte, wohlwissend, dass ihm das einen Strike einbringen konnte, wenn Yuri die Wächtersache ernster nahm, als er dachte. Yuri war ein disziplinierter Mann. Entsprechend würde es ihn wohl noch nicht einmal überraschen.
Womit er allerdings nicht rechnete war, dass Yuri sofort seine Arme ebenfalls um ihn legte, als er das Gesicht an dessen Brust vergrub und sich an ihn klammerte. Auf einmal hatte er die starken Arme um sich, die ihn so oft beschützt hatten. Er hatte Yuri oft kämpfen sehen, der Mann war eine Maschine, seine Art zu kämpfen übertrumpfte alles, was Alex in seinem Leben je gesehen hatte. Und doch war die Umarmung so sanft und liebevoll, dass er sich darin sofort wohlfühlte.
Er hörte die dunkle jedoch ruhige Stimme mit dem starken Akzent, der sich stets wie ein Knurren anhörte. Doch es war so vertraut, die Worte eine einzige Wohltat. Alex versuchte sich zu beruhigen, den Anfall so rasch wie möglich abbeben zu lassen, denn er wusste, dass er sich das eigentlich nicht leisten konnte. Wenn irgendwer zusah oder mithörte, konnte ihm dadurch eine Strafe drohen, die das Ganze nun nicht besser machen würde.
Alex atmete einige Male tief durch, atmete den vertrauten, beruhigenden Geruch ein, bevor er den Blick langsam hob. Yuri war ein wenig grösser als er, obwohl er nun selbst nicht unbedingt sehr klein war.
"Ich bin auch froh, dass du noch lebst...", sagte er schliesslich leise und trat einen halben Schritt, liess Yuri jedoch nicht los. Noch immer blieben seine Hände in dessen Anzug gekrallt. Zwar schaffte er es nicht, es ihm zu verzeihen, dass er wirklich davon ausgegangen war, er sei abgehauen, was schlicht nicht stimmte. Das verletzte ihn zu sehr, als dass er darüber einfach so hinweg sehen konnte. Doch zumindest konnte er sich ein Lächeln abringen. Es war sogar so ehrlich gemeint wie das erste, als sie sich vorhin unverhofft begegnet waren. Er war wirklich froh, war Yuri noch immer wohlauf und noch einigermassen in einem Stück.
"Ja, ich kenne mich halbwegs aus aber auch nur im Arbeiterbereich. Bei euch drüben weiss ich nicht so genau wie das alles funktioniert", gab er zu. "Meine Möglichkeiten wären mich hochzuarbeiten aber ... ich weiss nicht wo ich anfangen soll. Ausserdem gehöre ich zu den leuten deren Gutmütigkeit schnell ausgenutzt werden...", murmelte er, bevor er Yuri nun doch langsam losliess, um ihn kurz zu mustern.
Dann senkte er den Blick und zuckte mit den Schultern. "Oder ich könnte mich hochschlafen... Ein paar Kandidaten gäbe es dafür. Aber das ist auch nicht so einfach und ein grosses Risiko..." Gerade da wurde man ebenso schnell ausgenutzt. Kurz schnaufte er, legte sich die Hände aufs Gesicht und fuhr sich dann über seine Haare. Nun merkte er langsam, dass die paar Bissen Frühstück einfach nicht wirklich reichten, zumal er schon nicht wirklich viel zu Abend gegessen hatte... Sein Magen knurrte lautstark, was ihn die Hände senken liess und die Arme vor seinem Bauch verschränken.
"Wie kam es dazu, dass du hierher gekommen bist? und ... diesen job gekriegt hast? Wie lange schon?", wollte er wissen. Yuris plötzliches Auftauchen war ihm noch immer ein Rätsel, zumal er nicht aussah, als wäre er eben erst gestern hier aufgeschlagen.

@Yuri Romanov


nach oben springen

#14

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 03.03.2020 10:02
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Mehr tun als sich zu entschuldigen, konnte Yuri letztendlich nicht, außer Lexi dabei zu helfen, aus dem Arbeiterbereich zu kommen, aber dies war, für ihn zumindest, eine Selbstverständlichkeit, denn er war sein Freund, sein Schützling, für den er durch die Hölle und zurück gehen würde, sich mit dem Teufel persönlich anlegen täte. Yuri war eine harte Nuss, es war nicht einfach, an den Russen heranzukommen, er brauchte viel Zeit bis er wirklich jemandem Vertrauen schenkte, zwar war er von Natur aus, höflich, hilfsbereit, früher mehr als heute, denn damals versuchte nicht jeder, den Anderen, gleich zu töten für einen Schluck Wasser aber auch solche Zustände waren ihm nicht fremd. Hatte man aber die Geduld, die Nerven und auch die Hartnäckigkeit, um nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, weil der Russe so unnahbar, zurückgezogen ist, zeigte sich spätestens dann eine neue Seite, wenn es einem gelang, dessen Vertrauen, seine Freundschaft zu gewinnen. Yuri war im Kampf unerbittlich, überaus fokussiert, konzentriert, er suchte die Konfrontation nicht einmal, da er, entgegen seiner Erscheinung und Ausbildung, tatsächlich sehr friedfertig ist, aber die Idioten, die meinten, sich mit ihm anlegen zu müssen, flogen ihm förmlich entgegen, keine Ahnung warum.
Doch Tatsache ist, wenn Yuri, jemanden als Freund annahm, ins Herz schloss, würde der Mann, mit den dunklen Augen, dem schwarzen, inzwischen fast schulterlangen, Haar alles tun für diese Person und sogar, bereitwillig, sterben bei dem Versuch, dieser zu helfen. Sein eigenes Leben war, für ihn, nicht viel wert, er betrachtete sich als unzivilisierten Kampfhund, er wurde zum Killer ausgebildet, tötete beim Militär im Kampfeinsatz, über Jahre, unterschiedlichste Menschen, Bedrohungen für sein Vaterland, für seine Kameraden und schaltete, in der Spezialeinheit, Ziele aus, die im Nachhinein womöglich sogar unschuldig waren. Es hatte Gründe, dass er aus dem Militär austrat, nachdem seine Spezialeinheit aufgelöst wurde, dass er, die stetigen 'Angebote' des KGB, des russischen Geheimdienstes damals, ablehnte und einem, mickrig bezahlten, Aushilfsjob in einem kleinen Buchladen den Vorzug gab. Er wanderte letztendlich sogar aus, nach dem Tod seiner Eltern, und weil der KGB ein 'Nein', nicht wirklich akzeptierte.
Und hier, in Amerika, setzte er seine erlernten Fähigkeiten, zumindest seine Kampfkünste, dazu ein um Andere zu beschützen, statt wahllos zu töten, nur weil irgendwer, an seinem Schreibtisch sitzend, darüber entschied, dass diese Person eliminiert werden sollte und Yuri, der Kampfhund, der er ist, blind dem Befehl folgte.
In Wahrheit wollte er lediglich beschützen, nicht zerstören.
Doch wie hieß es so schön: Si vis pacem, para bellum - If you want peace, then prepare for war.
Er trug diese Weisheit, in Form eines verschnörkelten, feinen Schriftzuges, sogar als Tattoo auf der Haut, auf der Innenseite, seines linken Oberarms, worüber seine Kennnummer, die er beim Militär hatte, ebenfalls verewigt war. Sein erstes Tattoo überhaupt, eher unfreiwillig, mehr ein Mahnmal für ihn, als Kunst, wie jene die seinen Rücken zierten und ebenfalls, in der Zeit beim Militär, gestochen wurden.
Einem distanzierten, zugeknöpften und strikten Mann, wie Yuri es ist, traute man Tattoos vermutlich nicht einmal zu aber ja, er hatte ein Paar, die Lexi sogar kannte, unvermeidlich, da er den Russen, mehr als einmal, hatte zusammen flicken müssen, zumal sie im selben Auto schliefen oder draußen im Freien campten. Da bekam man schon mal mit, wenn der Andere sich umzog oder im See schwimmen ging, nicht nur um sauber zu werden, sondern um in Form zu bleiben. Daher wusste der Russe auch, dass Lexi, der solch unschuldig anmutendes Gesicht hatte, selbst tätowiert war, mehr noch, er war sogar gepierct.
Was ihn, unter den hiesigen Bedingungen, den Umständen wie er lebte, leben musste, nicht weniger zur Zielscheibe machte, für aufdringliche, unverschämte Arschlöcher.
Yuri weiß schließlich wie es in Gefängnissen, in einem Militärstützpunkt ablief, es spielte keine Rolle was es war, es kam immer zu einer Hackordnung, zu Übergriffen, der Russe wusste das leider zu gut, schließlich hatte es Gründe, weshalb er so unnahbar war, regelrecht asexuell erschien, weil Avancen, Annäherungen, ganz gleich, ob von Mann oder Frau, bei ihm abprallten. Man biss bei ihm auf Granit. Wäre Lexi ihm nicht vertraut, sein Freund, hätte er dessen Hände von sich geschoben, sanft aber bestimmend, weil er es nicht mag angefasst zu werden aber es war, wie vieles bei ihm, eine Frage des Vertrauens, denn dies hatte der Kleinere, weshalb Yuri ihn, ohne zu zögern, in die Arme schloss und dieser, all seinen Frust rauslassen sollte, konnte.
Es war okay, er würde ihm keinen Strick daraus drehen, Yuri hatte zu viel Ehrgefühl, Stolz, trotz allem, seinen eigenen kleinen Kodex, den er hier, so gut es eben ging, weiter befolgte und er war nicht wie, viele Andere, der Wächter. Er missbrauchte seine Position nicht, er schikanierte die Arbeiter nicht, auch wenn er kaum, gar nicht, redete, behandelte er sie wie Menschen aber ja, natürlich, griff er ein bzw. durch, falls nötig, allerdings war es auch schon vorgekommen, dass er einen anderen Wächter, in seinem bisherigen Bereich, das Handgelenk fast brach und dessen Schulter auskugelte, als er mitbekommen hatte, wie er sich einer der Arbeiterinnen aufgedrängt hatte. Yuri machte da keine Unterschiede, egal ob Arbeiter oder Wächter, wer die Regeln nicht befolgt, sich nicht benimmt, unter seiner Aufsicht, den wies er prompt in seine Schranken.
Dazu kam, er war unbestechlich, weshalb der Russe, bei einigen Wächtern, als auch Arbeitern, nicht sonderlich beliebt war, er nahm seinen Job extrem ernst, fackelte nicht lange, wenn er Ungerechtigkeit oder gar Machtmissbrauch bemerkte, dass er zu den Ältesten im Zoo gehörte, spielte dabei keine Rolle. Der Mann trainierte täglich, betrieb, seit er ein Kind war, Mixed Martial Arts, er war eine Maschine und ein zäher Hund, mit dem Herz am rechten Fleck, selbst wenn er aussah wie ein Auftragskiller, der russischen Mafia.
Demnach hatte Lexi nichts zu befürchten, er bekäme keinen Strike, keine Abmahnung, er würde sich keine Notizen machen, sondern darüber hinwegsehen, weil es, aus seiner Sicht, kein Regelverstoß oder gar Verbrechen ist, seinen Gefühlen, wenn auch nur kurz, freien Lauf zu lassen.
Sein britischer Freund schien sich, langsam, wieder zu beruhigen, dennoch behielt Yuri ihn in seinen Armen, strich ihm, ganz von selbst, tröstend über den Rücken, bis Lexi einen halben Schritt Abstand nahm, er dessen Griff an seinem Jackett aber noch immer deutlich spürte und einfach ignorierte. Zwar ließ er seine Hände ruhen, lockerte die Umarmung, löste sie aber noch nicht ganz, sondern betrachtete das, ihm so vertraute, bekannte, Gesicht, dass er zuletzt vor Monaten gesehen hatte, noch dazu lächelnd und ja, er hatte ihn wirklich vermisst.
Vielleicht verzieh Lexi ihm auch, irgendwann, dass er seine Erklärung nicht glauben konnte, es nachprüfen musste, bis er erkannte, dass der Brite sich, so absurd es halt klang, diese Geschichte nicht ausgedacht hatte. Wenn er ihm deshalb böse ist, war das völlig in Ordnung für den Russen, für den letztendlich nur zählte, dass Lexi am Leben ist und ihm gestattete, diesem zu helfen. Okay, Yuri täte es selbst dann, wenn Lexi es nicht wollen würde, denn für ihn stand fest, dass er nicht tatenlos rumsitzen oder gar dabei zusehen würde, wie dieser sich hier, bei den Arbeitern, womöglich noch zu Tode schuftete, sowie irgendwann, doch noch, Opfer eines Übergriffs wurde. Das konnte und würde er nicht zulassen.
Hörbar atmete der Russe aus, nickte gar zustimmend, Lexi war mitunter faul, ihm fehlte die Ambition, die verbissene Zielstrebigkeit, welche bei Yuri umso stärker ausgeprägt war.
Er hörte ihm zu, ließ den Blick, für einen kleinen Moment, zu den Kälbchen wandern, die sie, mit großen Augen, noch immer anglubschten, als warteten sie auf etwas, womöglich Futter oder Streicheleinheiten. Erst als Lexi, gänzlich, abließ von ihm, nahm Yuri die Hände von dessen Rücken, ließ die Arme sinken und nahm wieder Haltung an, wie der Soldat, der noch immer tief in seinen Knochen steckte, natürlich kerzengerade, die Schultern gestrafft. Er besaß eben nicht nur, aufgrund seines Aussehens, eine bedrohliche, stolze Ausstrahlung. Bei dem Russen schien jeder Faser seines Körpers, Gefahr, zu schreien.
Hocharbeiten war also keine wirkliche Option, nur verfinsterte seine Miene sich schlagartig, als Lexi ihm die Alternative dazu aufzählte. Hochschlafen? Er meinte prostituieren!
Da sträubten sich ihm, vor Wut wohl gemerkt, förmlich die Nackenhaare und er schnaubte, sein gewohnt grimmiger Blick, bohrte sich förmlich in Lexi, was nichts Persönliches war, er guckte schließlich immer so, als würde er gleich irgendwen töten. Und Lexi kannte ihn wohl, durch ihre gemeinsame Zeit, gut genug, um die kleinen aber sehr feinen Unterschiede zu bemerken, womöglich nicht immer, doch der Russe war, bei weitem, nicht so gefühlskalt oder bedrohlich, wie er aussah.
Okay, er ist eine wandelnde Waffe, er nutzte alles, um seinen Feind zu töten.
Ob nun mit einer Schusswaffe, einem Messer, seinen bloßen Händen, das spielte keine Rolle, er hatte Leute schon mit Alltagsgegenständen getötet, wie einem Buch oder einem verdammte Bleistift! Ja, Yuri ist gefährlich, sehr sogar aber nur, wenn man ihm Anlass dazu gibt, Lexi hatte nichts zu befürchten, denn wenn der Russe, in diesen Modus wechselte, in dessen Gegenwart, dann nur um den Briten zu beschützen.
Der wissen wollte, wie er hier gelandet war und zu der Anstellung kam, eine berechtigte Frage, die Yuri gedachte zu beantworten, nur nicht mit Worten, während er, im Hinterkopf, die paar Informationen, Möglichkeiten, die Lexi ihm gerade aufgezählt hatte, durchdachte. Schließlich nahm Yuri seine Hände zur Hilfe, in Gebärdensprache konnte er sich besser ausdrücken, außerdem führte es seltener zu Missverständnissen, viel wichtiger jedoch, vor allem unter den hiesigen Bedingungen, war es, dass man sie so nicht belauschen konnte.
'Mir ging der Sprit aus, mein Wagen blieb liegen und ich stieß, beim Erkunden des Gebietes, auf den Zoo, sah die intakten Fahrzeuge, hörte den Lärm und ging zurück um meinen Mustang zu holen. Habe ihn bis auf den Parkplatz geschoben, mich dann im Nomadenbereich umgesehen, den Markt vor allem, weil ich Sprit brauchte und Vorräte eingetauscht, nachdem ich einen Überblick hatte, sowie sah, dass es eine Bar, sowie ein Hotel gibt.' Begann er, hielt kurz inne um sich das bärtige Kinn zu kratzen, als auch kurz zu horchen, er war immer wachsam, es lag einfach in seinem Blut aber er vernahm nichts Verdächtiges, weshalb seine dunklen Augen sich wieder, weit weniger grimmig, auf Lexi legten und er fortfuhr.
'Ich wollte eigentlich nicht lange bleiben, allerdings war ich ..... verletzt, sowie müde, also blieb ich eine Nacht und traf am nächsten Morgen, als ich Sprit kaufen wollte, für das bisschen Zoowährung, "Geld", was es hier gibt, auf Jesse. Er sah gut aus, gepflegt, sauber, bei Kräften und ich war froh, nach der langen Zeit, ein bekanntes Gesicht zu sehen aber er wirkte beschäftigt, daher habe ich ihn zunächst in Ruhe gelassen, habe mir stattdessen die Bar angesehen. Bekam sogar die Drinks aufs Haus, sehr freundlich von Alice, dem Barkeeper, ...Barbesitzer sogar, wie ich inzwischen weiß aber ... er redet zu viel.'
Er hatte ja keine Ahnung, dass Lexi den Barkeeper oder besser gesagt Barinhaber sogar persönlich kannte, sie eine gemeinsame Vergangenheit hatten aber vermutlich, verstand der Brite, viel zu gut, weshalb der Russe, den anderen Briten, ebenfalls für eine anstrengende Quasselstrippe hielt. Wohl nicht verwunderlich, Politiker redeten gefühlt ununterbrochen!
Und noch weniger wunderte Lexi sich vermutlich, anders als Yuri, weshalb Alice, dem Russen, die Drinks spendiert hatte.
'Er ist Brite, wie du sogar und ich nahm mir vor, spätestens am nächsten Tag aufzubrechen. Da ich den ganzen Tag in der Bar war, kam irgendwann auch Jesse vorbei, keine Ahnung was er und Alice besprachen, ich wollte nur meine Ruhe aber hatte die Gelegenheit mit ihm zu kommunizieren, als sie fertig waren. Jesse weiß was ich kann, wozu ich fähig bin und er erzählte mir von den .. Vorzügen, dieser Kolonie. Alice, der für meinen Geschmack zu gut zuhört, warf ein, dass bei den Wächtern, ein guter Platz frei wäre, für einen Ex-Soldaten wie mich und sie immer so jemanden gebrauchen können.'
Er schnaubte, schob sich, rasch die schwarzen Strähnen hinters Ohr und unterbrach nicht einmal den Blickkontakt zu Lexi, dem er in Gebärdensprache, immerhin, eine sehr ausführliche Antwort gab, geben konnte, denn würde er den Mund zum Reden aufmachen, kämen wohl nur knappe Stichworte und fertig.
'Da ich weder ein Ziel, noch eine Aufgabe hatte, da du weg warst .... ich niemanden beschützen konnte, habe ich überlegt, eine Nacht darüber geschlafen und mich dann, das Angebot betreffend, an Jesse gewandt, sowie letztendlich bei Scorpion vorgestellt oder viel mehr beworben, auf eine Stelle als Wächter. Da Jesse mich und meine Fähigkeiten kennt, konnte er ein gutes Wort für mich einlegen, ich bin erst wenige Wochen hier aber habe eine kleine Wohnung, Kleidung, Lebensmittel, eine Aufgabe. Ich arbeite seit Wochen durch, die freien Tage, die mir zustehen, nehme ich nicht, da ich nicht weiß, was ich sonst mit mir anfangen soll, deshalb habe ich mich, für heute, auch freiwillig als Vertretung gemeldet. Ich bin fleißig, gewissenhaft, fokussiert, streng aber fair. Wenn ich Schicht habe, dulde ich keinen Machtmissbrauch anderer Wächter, ich bin unbestechlich wie du weißt und obschon nicht alles hier perfekt ist, hat die Kolonie viele Vorzüge.'
Er atmete hörbar aus, musterte Lexi einen Moment lang und blickt wieder in dessen blaue Augen.
'Es ist ein Stück Normalität, Zivilisation und glaub mir, im Vergleich zum Gulag, haben es die hiesigen Arbeiter noch gut. Was, du gewiss anders siehst und ja, du hast recht, ... aber ehe du mich gleich wütend ohrfeigst, ... versuch bitte zu verstehen, dass ich Soldat war, ich bin darauf getrimmt mich zu distanzieren von diesen Dingen. Mir wäre es lieber, es gäbe diesen Zwang, den man euch auferlegt, nicht aber früher war es auch nicht anders. Dir gefällt es womöglich nicht aber ich mag meinen Job, meine Aufgabe hier, ich weiß, ich kann die Welt nicht retten aber ich kann mein Bestes geben, um, während ich arbeite, dafür zu sorgen, dass Wächter und Arbeiter anständig miteinander umgehen, ich betrachte euch nicht als Sklaven, sondern als meine Schützlinge.'
Seine Züge wurden minimal weicher, als er Lexi, beinahe schon bittend, um dessen Verständnis, Nachsicht, anblickte.
'Du siehst das sicher anders, dazu hast du jedes recht, ich bin ein Wächter, ich habe Privilegien, die euch verwehrt, sind aber ich bin nicht dein Feind, Lexi. Ich werde alles tun, was ich kann, um dir zu helfen, aber ich lebe, bisher, ganz gern hier, der Ort hat Struktur, Ordnung, Regeln, ein funktionierendes Währungs- als auch Wirtschaftssystem.'
Nichts ist perfekt aber das war die Welt früher auch nicht, gerade in Russland, unter dem Regime, in dem er aufwuchs, spielte Unterdrückung eine große Rolle, er war es gewohnt.
'Wenn du mir deshalb böse bist, ist das okay für mich, es ist mir lieber, du lässt all deinen Unmut, deinen Frust und Zorn an mir aus, Lexi. Ich möchte nicht, dass du dir Ärger einhandelst, wenn es dir hilft, schlag zu, ich werde dir nichts davon ankreiden oder übel nehmen.'
Der Russe war gewillt, zu Lexis Wohl, falls es diesem half, dessen Sandsack zu sein, wenn diesem danach zumute sein sollte, irgendwen zu schlagen. Lieber ihn, als einen anderen Wächter, was Lexi den Kopf kosten könnte und das wollte er um jeden Preis verhindern. Er seufzte schließlich. 'Hätte ich, von Anfang an gewusst, dass du hier bist, hätte ich einfach jeden, auf dem Weg zu dir, getötet und dich mitgenommen aber Jesse erwähnte dich nicht, ich wusste nur, dass Minerva hier ist, auch, weil ich Ausrüstung von ihr brauchte. Ein neues Kampfmesser.'
Inzwischen mehr als das, er hatte, im Laufe der Wochen, sogar anspruchsvolle Sonderwünsche gehabt, weshalb er, in seiner kleinen aber feinen Wohnung, die für den bescheidenen Mann, mehr als ausreichend war, ein Katana und ein Wakizashi hatte, das die kleine Russin ihm geschmiedet hatte. Als er an die kleine Rothaarige dachte, senkte er den Blick ein Stück, seufzte leise, seine Landsmännin litt extrem unter den Umständen, so tapfer sie sich auch gab, Yuri sah ihr an, wie sehr sie an dem Leben hier zerbrach und es tat ihm leid, er wollte ihr gern helfen aber sie hatte in der Tat, eine viel zu wichtige, Aufgabe in der Kolonie als Schmiedin. Sie bekam man nicht so leicht da raus aber Lexi womöglich schon, er war, so bitter das klang, einer von vielen und nicht zwingend herausragend oder unverzichtbar in seinem Bereich. Er war wohl am ehesten dem, neuen, Veterinär eine Hilfe aber dessen Dienste waren nicht täglich gefordert. Ihm fiel aber etwas ein, als er an die kleine Russin und den Veterinär dachte, den Schweden, der ebenso unnachgiebig war wie Yuri, sogleich hob er dem Kopf als auch den Blick wieder an.
'..... Minerva erwähnte, dass Wächter Arbeiter beanspruchen können. Ich habe nicht weiter gefragt, da ich an die Arbeit musste und immer überpünktlich bin aber ... weißt du, was sie damit meinte?'
Wollte er von ihm wissen, während, die ganze Zeit über, einfach nur Totenstille im Stall herrschte, obwohl Yuri, verdammt viel sprach, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben, doch genau aus dem Grund, kommunizierte er, vor allem mit Lexi, vorwiegend in Gebärdensprache.

@Alexis Ilex


nach oben springen

#15

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 10.03.2020 21:58
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

Es war tatsächlich so, dass Alex in den letzten Monaten zwar oft darüber nachgedacht hatte, wie er hier wieder rauskam, jedoch nicht wirklich viel dafür getan hatte. Wie so oft wusste er nicht so recht, wo er da anfangen sollte. Ausserdem war er ehrlich, aufrichtig und viel zu nett. Die Gefahr ausgenutzt zu werden war gross, auch wenn die meisten Leute ihn oftmals mochten. Doch auch wenn die meisten Wächter eigentlich recht neutral zu sein versuchten und ihre Position nicht ausnutzten, gab es eben auch die schwarzen Schafe, welche genau das taten. Und zu welcher Sorte die Wächter gehörten, fand man dann in der Regel erst raus, wenn es viel zu spät war.
Deshalb war Alexis eigentlich froh, war Yuri hier, denn der war nicht korrupt, dessen war er sich sicher. Yuri war zwar angsteinflössend, grumpy und sehr, sehr wortkarg, doch Alexis kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er auch enorm pflichtbewusst war. Er würde sicher nicht zu einem dieser arschlochwächter werden, welche die Position der Arbeiter schamlos ausnutzen würden. Allerdings war es natürlich trotzdem unschön, dass Yuri hier war. Das bedeutete, dass er das System unterstützte, das hier herrschte, was ihre Freundschaft definitiv auf eine Probe stellen würde, ob sie nun wollten oder nicht... Dass Yuri davon ausging, dass er abgehauen war, nagte mehr an ihm, als er gedacht hätte. Es verletzte ihn wirklich, dass ihm das zugetraut wurde. Yuri musste es doch besser wissen... Oder etwa nicht?
Trotzdem wollte er dem Russen zumindest die Chance geben sich ihm gegenüber zu erklären. Dass dieser das wohl kaum in Worten tun würde, damit rechnete er bereits. Deshalb schaute er nur kurz zu den beiden Kälbern, streichelte ihnen über die Stirn und blickte dann wieder zu Yuri, damit er der Gebärdensprache folgen konnte. Auch wenn er diese Sprache ganz gut beherrschte musste er sich dennoch gut konzentrieren, um wirklich alles zu verstehen, was ihm damit gesagt wurde.
Yuri drückte sich zum Glück sehr gewählt und langsam aus, sodass er ihm ganz gut folgen konnte. Doch er rechnete nicht wirklich damit, dass Yuri ihm so viel erzählen würde. Eigentlich war der Russe für gewöhnlich sehr kurz angebunden, weshalb Alex doch ziemlich erstaunt war, als eine regelrechte Flut an gedeuteten Worten aus Yuri heraussprudelten. Die ganze Konversation war stumm, sodass niemand mithören konnte. Und dass hier irgendwer ausser ihnen beiden Gebärdensprache beherrschte, wagte Alex zu bezweifeln. Schon vor der Apokalypse gab es kaum Leute, die das taten. Er selbst tat es nur, weil Jesse es konnte.
So erfuhr Alex, dass Yuri tatsächlich schon seit einer kurzen Weile hier war, sich offenbar einen ganz guten Platz als Wächter gesichert hatte ... dank Jesse. Es schien, als würde ihre alte Gruppe langsam wieder zusammenfinden. Wenn nun auch noch Noah hier auftauchen würde...
Nun verstand er auch, warum Yuri hier einfach arbeitete, ohne ihm ein Wort darüber zu sagen. Er hatte offenbar also selbst nicht gewusst, dass er sich hier befand. Jesse hatte es ihm nicht gesagt. Oder es vergessen ihm zu sagen. Immerhin hatte er ihn auch schon eine Weile nicht mehr gesehen, er konnte sich also vorstellen, dass es einfach untergegangen war.
"Verstehe...", sagte er schliesslich, als Yuri seinen stummen Monolog beendet hatte. Das musste er nun erst einmal verdauen. Da kam gerade so viel auf ihn zu mit dem er nicht wirklich gerechnet hatte. Überhaupt, dass Yuri nun hier war und dann auch noch als Wächter ... Das war einfach gerade ein wenig viel auf einmal. Zusätzlich zum sonstigen STress, der sich hier bildete mit Marcus und dessen behinderten Leuten.
Mit einem tiefen Seufzen wandte er sich wieder dem Gehege zu, wobei er sich auf der Abschrankung abstützte und weiter die beiden Kälber streichelte, die das super toll fanden. Die letzte Frage des Russen liess ihn aufseufzen. wie erklärte er ihm das alles am besten? Er wusste wirklich nicht so richtig, wo genau er eigentlich anfangen sollte... Aber er wusste, Yuri war geduldig und würde ihm die paar Minuten geben, die er im Moment brauchte, um das alles irgendwie zu bewältigen, das er da gerade hörte.
Für einen Moment dachte er auch darüber nach, was das alles für ihn bedeuten konnte. Wenn Yuri hier war, hatte er zumindest einen Verbündeten auf den er auf jeden Fall zählen konnte! Yuri würde ihn nicht hintergehen, ihn nicht verraten. Er bot ihm sogar an, dass er ihn schlagen und ihn anbrüllen durfte, was er beinahe sogar annahm, doch letztlich liess er es bleiben, obwohl der Frust allmählich wirklich sehr tief sass. Jedoch musste er sich eingestehen, dass es ihm wohl nicht besser ging, wenn er nun einfach Yuri schlug auch wenn der es sicher gut wegstecken würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass er selbst sich beim Versuch verletzen würde, war vermutlich sogar deutlich höher.
So atmete er tief durch, fuhr sich nochmals kurz über das Gesicht, um sich zu sammeln. "Nun... Was Minerva meinte war... Es kommt hin und wieder vor, dass ein Wächter und ein Arbeiter sich ineinander verlieben. Dann kann der Wächter oder die Wächterin den Arbeiter oder die Arbeiterin aus dem Arbeiterbereich holen, indem er den Arbeiter beansprucht...", versuchte er das so einfach wie möglich zu erklären, bevor er erneut seufzte und Yuri ansah.
'Es ist eine Möglichkeit für uns Arbeiter aus dem Arbeiterbereich zu kommen. Allerdings haben natürlich auch einige versucht damit zu schummeln, indem sie nur so getan haben als ob. Deshalb ist es nicht immer ganz einfach. Einige Wächter nutzen es auch einfach aus, um an schnellen Sex zu kommen oder so...', erklärte er ihm in Gebärdensprache noch ein wenig ausführlicher worum es da ging.
'Ich habe darüber nachgedacht, das mit Alice zu machen... Den Barkeeper. Ich kenne ihn von früher. Allerdings traue ich ihm dahingehend nicht wirklich. Er ist vermutlich sauer, weil ich ihn damals mehrmals versucht habe abzuservieren...'
Ja, das war eine lange und eher etwas kompliziertere Geschichte... Die er Yuri nun nicht in jedem Detail erklären würde, weil es ihn schlichtweg nichts anging.
'Ich hab bisher leider niemanden gefunden, der sich in mich verliebt hätte. Ich dachte an Alice oder auch Jesse aber ... Jesse ist so selten hier unten und wenn dann eher in den anderen Bereichen...' Er zuckte mit den Schultern.
'Und du solltest dich nicht zu sehr darauf versteifen mir irgendwie zu helfen, Yuri... vielleicht wäre es besser, wenn du erst einmal so tust, als kennst du mich nicht. Ich will dir keinen Ärger bereiten.'

@Yuri Romanov


nach oben springen

#16

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 11.03.2020 14:38
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Nun, reden tat der Russe ja nicht wirklich und in Anbetracht dessen, wie viel Zeit verstrichen war, seit ihrer letzten Konversation, war es gar nicht so überraschend, das Yuri, mit den Händen, ein wenig mehr zu erzählen hatte als sonst, zumal er Lexi natürlich nichts zu verheimlichen hatte aber noch weniger wollte er, dass sein britischer Freund, ein falsches Bild von ihm erhielt. Hätte er gewusst, dass Lexi hier war, als Arbeiter, wäre der Russe niemals auf ein Angebot eingegangen, um hier zu arbeiten, er hätte vermutlich seinen Kofferraum geöffnet, alles an Munition und Waffen genommen, was er für einen Kampfeinsatz benötigte, sowie ohne Einschränkung tragen konnte, nur um sich den Weg, zu Lexi, frei zu schießen und diesen mitzunehmen. Vielleicht hätte es aber auch die Möglichkeit gegeben ihn freizukaufen und ja, in so einem Fall, hätte Yuri alles eingetauscht, sogar seinen geliebten 69er Mustang, sein letztes Hemd, die letzte Patrone, ja womöglich sich selbst, einzig um den Briten aus seiner misslichen Lage zu befreien. Es gab nie viele Menschen in seinem Umfeld, welche Yuri als Freunde bezeichnen würde, als Leute, die es geschafft hatten, sich einen Platz, in seinem Herzen, dass von einer dicken Eisschicht geschützt wurde, zu erarbeiten aber für eben diese Personen, würde der Russe alles hergeben, aufopfern. Sein ausgeprägter, sehr starker Beschützerinstinkt, in Kombination mit seinem Helferkomplex, machten den Mann, der wahrlich wirkte wie ein Auftragsmörder, in Wahrheit zu einem sehr zuverlässigen, aufopferungsvollen und fürsorglichen Menschen, der für jene, die er Freunde nannte, nur das Beste wollte. Lexi gehörte zu diesen Leuten und nun die Gewissheit zu haben, dass er lebte, war eine Erleichterung, doch zugleich bitter, in Anbetracht der Umstände, dass Lexi, anders als der Russe, sich hier nicht frei bewegen konnte und das nur, weil er auf der falschen Seite des Käfigs stand. Selbstverständlich konnte Yuri sich davon nicht distanzieren, wie bislang, denn jetzt betraf es ihn direkt, allen voran deshalb, weil er sich natürlich Vorwürfe machte, seit Monaten, wegen Lexis Verschwinden und er würde ihn gewiss nicht im Stich lassen, er war es ihm schuldig, nicht nur als Freund, sondern auch als Bodyguard, sein Beschützer, alles erdenkliche zu tun, um den Briten aus seiner Situation heraus zu befreien.
Der Russe ließ die Hände sinken, nickte nachdrücklich, ehe sich Lexi, vorerst, abwandte und den Kälbchen widmete, die im Gegenzug ein paar Streicheleinheiten erhielten, während Yuri sich, in gewohnter Manier, schweigend nicht einen Zentimeter vom Fleck rührte, sondern geduldig wartete. Er hatte keine Eile, er würde Lexi nicht drängen, immerhin musste auch dieser, das Erfahrene, wohl erst einmal sacken lassen, schließlich war der Mann, der sich sein Freund und Beschützer nannte, nun einer der Wächter, auf jener Seite, die es sich gut gehen lassen konnte, welche Komfort zur Verfügung stand, gar Luxus, wenn man will, sowie das entsprechende Geld besaß. Sparsam wie Yuri ist, legte er natürlich den Großteil zur Seite, er besorgte sich nur das Nötigste, nahm höchstens, nach Feierabend, einen oder zwei Drinks in der Bar zu sich. Meist in der Gesellschaft von Levi, dem deutlich jüngeren Israeli und ebenfalls einem ehemaligen Soldaten, der, anders als Lexi, zumindest fähig war, sich mit dem Russen in dessen Muttersprache zu verständigen. Viel mehr reden tat Yuri zwar auch dann nicht, doch es gab hier, unter den Wächtern, auch jemandem, dem er Vertrauen entgegenbrachte, sowie als Freund bezeichnete, nicht alle auf der anderen Seite des Käfigs, waren skrupellose, boshafte Bastarde, auch in ihren Reihen gab es gute Menschen aber es lag auf der Hand, dass Lexi sowas nicht wusste, zumal es stets leichter war, gleich alle über einen Kamm zu scheren, ein Feindbild zu haben. So funktionierten die Menschen nun mal aber Yuri hoffte, inständig, dass Lexi, trotz allem, sein Vertrauen in den Russen, nicht gänzlich verlor, nur weil dieser hier als Wächter im Zoo tätig war und ein recht gutes Leben führte.
".....da?"
Was Lexi ihm erzählte klang, im ersten Moment, seltsam aber es lag wohl eher daran, dass Yuri nicht sehr empfänglich war, augenscheinlich, für Romantik oder zwischenmenschliche Beziehungen, trotz seiner sozialen Ader, die er unter der knallharten Schale verbarg, tat er sich schwer mit sozialer Interaktion. Viele empfanden ihn, aufgrund seiner stillen, extrem disziplinierten Art, gefühlskalt, was so nicht wirklich stimmte aber als Soldat, distanzierte er sich, trennte Arbeit sehr strikt von seinem Privatleben, was nach endlos vielen Jahren, hier im Zoo, wieder erforderlich war. Lexi hingegen bekam Einblick auf den Russen, der er privat immer gewesen ist, natürlich sehr schweigsam, beherrscht, diszipliniert vor allem, denn er folgte, einem gewissen Tagesplan und machte, mindestens zwei Stunden am Tag Sport, plus eine Stunde Meditation, um auch seinen Geist in Einklang zu bringen mit seinem Körper. Lexi bekam den Kampfhund zwar oft genug zu Gesicht, ob nun gegen Untote oder Menschen, die ihnen nicht wohl gesonnen waren, doch er erfuhr auch, dass Yuri, im Umgang mit seinem Hund, sehr liebevoll, freundlich war, mit ihm spielte und auch Humor besaß, den man nur nicht sofort verstand.
Dahingehend waren der Russe und der Brite sich auch nicht unähnlich, ihr Humor war recht trocken. Doch Yuri hatte mehr als nur einen, sehr finsteren, Gesichtsausdruck, er hatte meist nur keinen Anlass, zu lächeln aber der Kleinere von ihnen, mit den blauen Augen, sowie dem grenzenlosen Optimismus, bekam mit der Zeit zu sehen, dass der Russe auch nur ein Mensch ist, der sehr wohl Gefühle besaß und sich sehr um seine Mitmenschen kümmerte, sobald sie ihm ans Herz gewachsen sind. Lexi gegenüber war Yuri stets respektvoll, geduldig, er kam ihm nie zu nahe oder benahm sich ... ungebührlich, aufdringlich.
Yuri war ein anständiger Mann, der sich seine moralischen, als auch ethischen Wert bewahrt hatte, selbst wenn viele seiner Ansichten, sehr wahrscheinlich, mehr denn je in der neuen Welt, sehr altmodischer Natur sind aber er war auch nicht mehr der Jüngste und wuchs in einem Regime auf, dass der Brite, höchstens, aus dem Geschichtsunterricht kannte.
Aber vielleicht half dieses Wissen, seine Person betreffend, dass Lexi sich nun nicht abschottete oder ihm gar die Freundschaft aufkündigte, denn das war das Letzte, was Yuri wollte.
Der seinen Blick, aufmerksam, auf Lexis Hände lenkte und 'zuhörte' als dieser näher auf diese Thematik, das Beanspruchen, sowie die Aufstiegsmöglichkeiten für Arbeiter, einging. Es war definitiv wichtig dies zu wissen, aus mehreren Gründen. Natürlich war es keine Überraschung, dass diese Möglichkeit des Aufstieges diverse Risiken barg, sowie auch schamlos ausgenutzt wurde, allen voran einige der Wächter, nahmen das Angebot, für kostenlosen, Sex gewiss gerne an, von verzweifelten Arbeitern, die es nicht ertrugen so zu leben.
Seine Augenbraue hob sich ein Stück weit an, fragend glitt sein Blick, von Lexis Händen, hinauf in dessen Gesicht, als er anmerkte selbst darüber nachgedacht zu haben, sich beanspruchen zu lassen, von dem Barbesitzer aus England oder Jesse selbst? Natürlich kamen ihm ein paar Fragen in den Sinn, allen voran, weil Lexi offenbar eine gemeinsame Vergangenheit mit Alice hatte, aber natürlich würde Yuri, dahingehend, nicht nachfragen. Er war niemand der nachbohrte bei solchen Dingen, zumal der Jüngere vor ihm, sich bestimmt daran entsinnen konnte, dass der Russe ein guter Zuhörer ist und ihm stets eine starke Schulter zum Anlehnen bot, falls ihn der Kummer oder irgendwelche Sorgen plagten. Ihn ins Kreuzverhör nehmen täte Yuri nicht, außer es gäbe wahrlich einen guten Grund aber in der Regel respektierte er Lexi, sowie dessen Privatsphäre, schließlich mochte er selbst es auch nicht, wenn man zu neugierig wurde, hinter seine Geheimnisse kommen wollte oder ihn mit Fragen löcherte.
Schließlich trat der Russe, schweigend, sowie mit finster wirkender Miene, an Lexi heran und blickte auf diesen herab, eindringlich, bohrend, während seine Hände vorerst keine Bewegung aufkommen ließen oder versuchten Worte zu gebärden. Nein, er dachte nach, atmete tief durch und ließ ein paar Minuten verstreichen, bis er diese doch anhob, sowie seine Gesichtszüge eine Spur weicher wurden.
'Ich kann und werde nicht so tun, als wärst du nicht hier, als wüsste ich nicht, dass du dein Dasein im Arbeiterbereich fristest und etlichen Gefahren ausgesetzt bist. Menschen sind nach wie vor, die gefährlichste Spezies in unserer Welt, sie sind neidisch, missgünstig, hinterhältig und neigen, gerne, dazu sich auf die Schwachen oder .... gutherzigen Leute zu stürzen. Du kannst nicht von mir verlangen, erwarten, dass ich es ignoriere Lexi.'
Begann er stumm, bemühte sich aber nicht zu energisch, gar verbissen, zu gestikulieren, immerhin sollte der Brite ihm folgen können und verstehen, was der Russe ihm mitteilte, denn Fakt ist, er würde nicht wegsehen, ganz gleich was Lexi dazu nun zu sagen gedachte. 'Du bist mein Freund.. Lexi und ich habe geschworen dich zu beschützen, ich bin ein Wächter, ich mache meinen Job gewissenhaft, gut, lasse mir nichts zuschulden kommen.' Fuhr er fort, ließ die Hände sinken und starrte, umso eindringlicher in die blauen Augen, bevor Yuri sich ein Stück hinab beugte, Lexi etwas näher kam, sich förmlich auf Augenhöhe begab ehe er gedachte den Mund aufzumachen. ".... ich werde dich beanspruchen!..."
Knurrte er ihm, aufgrund seines starken Akzentes, wild entschlossen und doch leise, sodass niemand, außer den Kälbchen und Lexi, es hören konnte entgegen. ".... was muss ich dafür tun? ...ein Formular ausfüllen? ..dich unter den Arm klemmen und raustragen,... wie eine Handtasche?"
Letzteres war ein Anflug seines trockenen Humors, hoffentlich. Bei Yuri weiß man nie so genau, da dieser auch mitunter dazu neigte, manche Aussagen sehr wortwörtlich zu nehmen. "... ich werde dich beschützen, versprochen."
Mehr aber noch, denn Lexi hatte bei Yuri nichts zu befürchten, er würde ihm niemals weh tun oder anderweitig Schaden zufügen, vor allem aber musste der Brite sich nicht verkaufen, denn dem Russen lag es fern, seine Situation schamlos auszunutzen, nur um irgendwelche niederen Bedürfnisse zu befriedigen. So ein Mann war Yuri nicht, würde er niemals sein und Lexi konnte auf ihn zählen, sich auf ihn verlassen, der Russe ließ ihn nicht im Stich. "Alles... worum ich dich bitte, Lexi, .. ist es, mir zu vertrauen, obschon ich als Wächter hier arbeite, bin ich immer noch der alte, russische Kampfhund, der .. seinen Freund nicht im Stich lassen wird. Unabhängig davon ... was du sagst ... ich werde dir helfen ...."
Da gab es für ihn kein wenn und aber, Yuri würde alles tun, damit Lexi hier rauskam, raus aus dem Arbeiterbereich, vielleicht auch irgendwie, irgendwann, gänzlich raus aus dem Zoo. "... ich werde dein Schwert ... und dein Schild sein ...wie vorher ..." Da gäbe es nichts zu diskutieren, nicht aus seiner Sicht, denn Lexi war nicht nur sein Schützling, eine Aufgabe, die dem Russen überhaupt erst einen Sinn gab im Leben, sondern er war sein Freund, fast schon Familie und Yuri würde jede Möglichkeit nutzen, um zu helfen, egal welchen Preis er dabei selbst zahlen müsste. Dies spielte für ihn keine Rolle, sein Leben war wertlos, allen voran ohne Aufgabe, ohne jemanden, den er schützen konnte und der ihm am Herzen lag.
Lexi hatte mehr als nur einen überaus loyalen Freund in dem Russen gefunden, er hatte einen scharf gemachten, ausgebildeten, russischen Kampfhund, dem er nur mit einem Fingerzeig sein nächstes Ziel geben bräuchte und er würde es, gnadenlos, zur Strecke bringen ohne Rücksicht auf Verluste.


@Alexis Ilex


nach oben springen

#17

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 16.03.2020 17:43
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

In den Monaten nach seiner Flucht von der Farm auf der sie sich ein schönes Leben aufgebaut hatten, als Yuri ihn zufällig fand und aufgabelte, hatten sie sich wirklich gut angefreundet. Es war eine seltsame Freundschaft gewesen, vor allem zu Beginn. Er, der normalerweise so viel redete und quasselte und Yuri, der einmal im Monat ein Wort sagte, das meistens aus zwei Buchstaben bestand. Ja, gut, das war etwas übertrieben formuliert, aber irgendwo war das auch wahr. Yuri zog es ohnehin vor über Gebärdensprache zu kommunizieren, da gab es ein wenig weniger Missverständnisse.
Warum genau sie es hingekriegt hatten sich tatsächlich anzufreunden, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein konnten, war Alex irgendwie bis heute ein Rätsel, fakt war jedoch, dass Yuri ihn ins Herz geschlossen hatte und umgekehrt ebenso. Er mochte den Russen und war vielleicht sogar ein wenig stolz, dass er auf eine Weise an ihn rangekommen war, wie es sonst kaum einer hinkriegte. Er hingegen hatte es geschafft, wenn auch durchaus unabsichtlich. Er hatte tatsächlich nicht damit gerechnet, dass Yuri und er Freunde werden würden, als er sich in das Auto hatte setzen dürfen, völlig verstört und um sein Leben fürchtend. Immerhin waren sie angegriffen worden, hatten sich in alle Winde zerstreut und naja er war ... noch nie ein guter Kämpfer gewesen. Er hatte in der Apokalypse in erster Linie mit seiner Freundlichkeit gepunktet, immer versucht seine Menschlichkeit zu wahren. Was ihm eigentlich auch ganz gut gelungen war. Tatsächlich hatte er sehr wenige Menschen getötet, im Vergleich zu anderen. Hie und da in Notwehr oder weil es einfach wirklich nicht mehr anders ging. Jedes einzelne Leben, das er genommen hatte, hing ihm bis heute ein wenig nach. Immer mal wieder wachte er aus Albträumen auf, weil er das einfach genauso wenig verarbeiten konnte, wie die unzähligen Menschen bei denen er hatte zusehen müssen, wie sie von Untoten zerfleischt wurden.
Auch wenn es mittlerweile Normalität geworden war, sogar die Untoten irgendwie zum Leben dazu gehörten und das Köpfen derselbigen an der Tagesordnung war, so war es eben doch nicht immer ganz so einfach auch die Psyche darauf einzustellen. Entsprechend war er schon froh gewesen, als er auf einmal diesen russischen Kampfhund an seiner Seite gehabt und sich sogar auch noch unheimlich gut mit ihm verstanden hatte. Yuri hatte alles für ihn getötet. Menschen, Untote und auf der Jagd sogar Tiere. Er selbst hatte sich zwar nicht auf die faule Haut gelegt, doch er hatte die Gewissheit gehabt, dass er nicht die schlimmste Arbeit machen musste. Yuri war regelrecht darauf getrimmt, er tötete wie kein anderer. Was eindrucksvoll aber auch irgendwie traurig war. Alex hatte oft versucht hinter dessen dunklen Augen zu sehen, zu ergründen ob da noch mehr war als der eiskalte, trainierte Killer. Zu seinem Erstaunen war da tatsächlich mehr gewesen! Yuri hatte sich zwar als sehr beherrscht, gar verhalten herausgestellt, doch dennoch war da auch eine sehr sanfte, sogar ein wenig humorvolle Seite in ihm, die sich nur nicht allzu oft zeigte.
Die sanfte und vor allem auch sehr beschützende Seite, zeigte sich jedoch nun umso mehr. Alex sah Yuri ein wenig ungläubig an, als dieser ihm mitteilte, dass er ihn auf jeden Fall beschützen würde. Dass er ihn ... beanspruchen würde.
Für einen Augenblick war er erneut sprachlos, starrte ihn bloss an, während es in seinem hübschen Kopf ratterte. Bitte was? Er wollte ihn beanspruchen? Er, Yuri, der in etwa so ... romantisch war wie ein Stein? Gut, Yuri hatte einen immensen Beschützerinstinkt, er konnte schier nicht anders, als sich für andere, Schwächere einzusetzen. Doch wie wollte er denn um Himmels Willen eine romantische Beziehung mit ihm vorgaukeln? Klar, sie hatten sich einmal geküsst, doch wie sich nun herausgestellt hatte, war dieser Kuss nicht wirklich mit romantischen Gefühlen begründet, sondern mehr mit der Zwangslage in der sich Yuri befunden hatte. Weil er ihn hatte zum Schweigen bringen wollen und sich nicht anders zu helfen wusste. Und so jemand wollte tatsächlich versuchen den anderen Wächtern und Scorpion vorzugaukeln, dass sie sich unsterblich liebten?
Alex lachte kurz auf. Es war kein Auslachen, sondern eher ein erschrockenes Geräusch, das er von sich gab, um den Moment irgendwie zu überbrücken in dem er nicht wusste, was er sagen sollte. Dabei konnte er noch nicht einmal über diesen Anflug von Humor lachen. War sich Yuri bewusst wie riskant das war, was er da vorschlug?
Kurz schluckte er und hob die Hände. Erst wollte er ihn fragen, ob das sein Ernst war, doch dann erinnerte er sich daran, dass Yuri dahingehend keine Scherze machte. Das war sein absoluter Ernst. Also liess er das und atmete stattdessen kurz auf.
'Bist du schwul?', fragte er ihn schliesslich erst einmal per Gebärdensprache. Er dachte nämlich Yuri sei im besten Fall asexuell - umso mehr hatte ihn dieser Kuss überrascht und umso weniger hatte er daraus ein riesiges Drama machen wollten, weil es ein sehr seltsamer, gefühlvoller Moment gewesen war.
'Wir werden das überzeugend spielen müssen. Wir müssen wie ein authentisches Pärchen wirken. Verliebt. Du wirst mich hin und wieder küssen müssen und umgekehrt. Wir sollten uns treffen, nicht zu offensichtlich aber so, dass man es sieht. Kannst du sowas?'
Er war natürlich ein wenig skeptisch, weil nun, Yuri hatte sich bislang nicht als sonderlich leidenschaftlich gezeigt, ausser vielleicht im Kampf und wenn es darum ging, Menschen das Licht auszublasen. Der Mann schoss so zielsicher wie kein Anderer, Alex konnte sich an keinen Moment erinnern in dem er Yuri effektiv hätte verfehlen sehen. Aber nicht nur mit der Pistole war er unglaublich geschickt. Der Mann war auch noch unheimlich kreativ, nutzte alles in seiner Umgebung, um seine Opfer zu töten. Selbst der Autotür war jemand zum Opfer gefallen damals...
Aber ja, dazu kam noch das andere Problem. Yuri war der Feind. Zumindest gewissermassen. Kurz senkte Alex die Hände wieder, als er über dessen Bitte nachdachte ihn nicht dafür zu verurteilen, dass er nun als Wächter hier im Zoo arbeitete. Aber wenn er so darüber nachdachte ... Yuri war nicht hinterhältig. Yuri war aufrichtig, der aufrichtigste Mensch, den er bislang getroffen hatte, vielleicht neben Minerva. Er betrachtete ihn als seinen Freund, also war das hier garantiert keine Falle. Sowas würde der Russe schlicht und ergreifend nicht tun. Konnte er ihm also vertrauen?
Er musste einfach. Es gab keine andere Antwort darauf. Yuri war seit langem seine erste richtige Chance! Er konnte es ausnutzen, dass dieser den Zoo von der anderen Seite her sah. Das war sein Glück. Und im Gegensatz zu Alice würde Yuri nichts versuchen, um ihn zu verarschen oder ihn aufs Maul fallen zu lassen.
Also lächelte er leicht und hob die Hände erneut ein wenig.
'Wir sind Freunde. Ich vertraue dir.'

@Yuri Romanov


nach oben springen

#18

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 17.03.2020 13:23
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Auf den ersten Blick wäre es wohl vielen ein Rätsel, wieso der Russe, der so redselig war wie ein Stein, und Alexis, der quasselte wie ein Wasserfall, sich angefreundet haben, doch Yuri selbst erschien dies gar nicht so seltsam, obschon sie auf der Farm, als er dort genesen konnte, nachdem Jesse ihn, sowie seinen Hund, aufgegabelt hatte, nicht sonderlich viel miteinander zu tun hatten. Kein Wunder, Yuri war ein ziemlich grimmig dreinschauender Zeitgenosse, der in erster Linie auf Russisch kommunizierte, wenn überhaupt und Lexi, nun er war nicht so bewandert in Fremdsprachen wie Jesse, zumal Minerva, ebenfalls Russin ist und dahingehend oftmals mit dem großen Schwarzhaarigen sprach. Auf der Farm selbst, hatte er Lexi natürlich bemerkt, schließlich war er aufmerksam, nur geredet hatten sie nicht, also Yuri hatte nicht gesprochen, es war auch eher Zufall, dass er mitbekam, dass sich die Gruppe, rund um Jesse, mit Gebärdensprache verständigte, denn die beherrschte der Russe. Also kam man so, gelegentlich mal, ins Gespräch, wenn auch nur oberflächlich, denn der Russe zog nach seiner Genesung weiter, umso überraschter war er gewesen, was man ihm nur nicht angesehen hatte, als da plötzlich der verstörte, abgehetzte, kleine Brite wieder seinen Weg kreuzte. Selbstverständlich hatte er ihm die Tür geöffnet zu seinem Wagen, Yuri schaute immer drein als töte er jeden, doch er war kein herzloser Mensch, selbst wenn Lexi kein bekanntes Gesicht gewesen wäre, hätte er ihm geholfen aber so musste er nicht die Waffen auf ihn richten, sondern konnte ihn direkt einsteigen lassen.
Ab da waren er und sein Hund plötzlich in, sehr redseliger, Gesellschaft, eine Umstellung für den Russen, während sein Pittbull, sich sehr darüber freute, noch jemanden zum beschmusen zu haben. Yuri fand den Umstand nicht schlimm, dass der Brite kein großartiger Kämpfer ist, dass er festhielt an seinen moralischen, als auch ethischen Vorstellungen, an seiner Menschlichkeit und das Herz am rechten Fleck trug, er mochte ihn, zumal es gut war, dass er es lieber vermied Menschen zu töten. Für ihn selbst war es kein Problem, er war darauf getrimmt, nicht stolz darauf, doch zu töten war das Handwerk, welches Yuri meisterhaft beherrschte und es war für ihn selbstverständlich, Lexi zu beschützen, die Kämpfe zu führen, die er nicht führen konnte oder gar wollte. Er war sein abgerichteter Kampfhund, um den sich der Brite im Gegenzug kümmerte, wenn der Russe, oft genug, sich verletzte dabei und es oftmals nicht merkte, meist aufgrund des Adrenalins, welches durch seinen Körper rauschte aber auch, weil er eine hohe Schmerzgrenze hatte. Schließlich wurde er abgehärtet in seiner Heimat, nicht gerade auf humanste Weise, wie einige der Narben an seinem Körper beweisen, und Yuri war eh .... eigen.
Für ihn stand das Wohl derer, die ihm etwas bedeuten, am Herzen liegen, an erster Stelle und dafür war er gewillt, bereit, einfach alles zu geben und zu opfern, doch auf sich selbst gab er dabei keinerlei acht, er war im Umgang mit seinen Feinden ebenso rücksichtslos wie mit sich selbst. Yuri würde sein letztes Hemd hergeben, sogar seinen Mustang, den er über alles liebte, dieser Wagen ihn schon mehr als sein halbes Leben lang begleitete, nur um Lexi zu helfen und er täte es gerne. Der Russe war ein mehr als fähiger Kämpfer, Soldat, ein richtiger Killer, wenn man so will aber dafür mangelte es ihm, abseits eines Schlachtfeldes, an diversen Kompetenzen, welche Lexi mitunter ausgeglichen hatte, als sie zusammen reisten, in seinem Wagen lebten, gemeinsam überlebten und um ehrlich zu sein, Yuri fand das ganz schön. Er selbst mag nicht so redselig sein, dennoch war es schön, eine andere Stimme zu hören als die in seinem Kopf, wenn er wieder alles mögliche zerdachte, vor sich hin grübelte, es aber nicht auf die Kette bekam, darüber zu sprechen. Kein Wunder, die meiste Zeit, seit dem Ausbruch, verbrachte er allein.
Immerhin konnten er und Lexi sich über Gebärdensprache gut miteinander verständigen, sowie auch jetzt, hier in diesem Stall, mit den Kälbchen, die sie neugierig beobachteten. Für ihn lag es auf der Hand, dass er alles Erdenkliche tun würde, um seinem britischen Freund zu helfen, selbst wenn dies bedeuten würde, ihn zu beanspruchen, was auch immer das wirklich bedeuten mochte, denn das Ausmaß dessen kannte der Russe nicht aber für ihn stand fest, er scheute sich nicht davor, um Lexis Leben hier zu verbessern, ihn womöglich gänzlich befreien zu können, ohne Blutvergießen, wenn möglich, alle Register zu ziehen. Lexi war sein Freund, er brauchte Hilfe und Yuri ließ ihn nicht im Stich, auch wenn der Brite plötzlich, unerwartet, auflachte, eine Reaktion, die der Russe nicht wirklich nachvollziehen konnte aber sich in dessen Gesicht auch nichts rührte, kein Muskel zuckte, während er sein Gegenüber nur grimmig anschaute, wie immer.
Er war wild entschlossen, was immer es auch hieß jemanden zu beanspruchen, was nötig war dafür, er war gewillt dies zu tun für Lexi, immerhin taten Freunde das füreinander, sich helfen, selbst wenn es keine einfache oder schnelle Lösung gab, der Russe war hartnäckig, geduldig, zielstrebig und im höchsten Maße diszipliniert, vor allem aber loyal. Im Vergleich zu vielen Anderen hier, die im Zoo lebten oder Lexi Hilfe anbieten würden, wenn überhaupt, wollte er ihn weder ausnutzen, noch austricksen oder in irgendeiner Form schaden, dies alles lag Yuri absolut fern. Eher würde er sich die Hand abhacken, ohne zu zögern, anstatt Lexi auch nur ein Haar zu krümmen oder ein falsches Spiel zu treiben, das war nicht seine Art, der Russe war brechend ehrlich, er mag keine Lügner oder Menschen, die ihre Machtposition, schamlos ausnutzten oder auf Andere herab blickten. Ja, dennoch lebte und arbeitete er im Zoo aber die Welt war nie perfekt, würde sie auch nicht, etwas moralisch flexibel musste er durchaus sein, sich distanzieren aber bei Lexi, da war es schier unmöglich. Da wollte und würde er nicht einfach tatenlos rumstehen!
Ihm war bewusst, dass der hübsche Brite, mit den blauen Augen, dem oftmals verschmitzten, frech anmutenden Grinsen auf den Lippen, nicht aus Zucker ist oder gar auf den Mund gefallen, Lexi hatte es faustdick hinter den Ohren, jedoch nicht auf negative Art und Weise, er war einer von den Guten. Sein unschuldig anmutendes Gesicht, seine gutmütige, optimistische Art, ja das waren sehr wohl ausschlaggebende Dinge, weshalb der Brite bei dem russischen Kampfhund, von Anfang an, dessen Beschützerinstinkt immens triggerte und in diesem das Bedürfnis weckte, ihn zu beschützen, jede Gefahr auszumerzen, die ihm Schaden zufügen würde oder könnte, denn aus seiner Sicht war Lexi, gerade in dieser Welt, eine Rarität. Gerade Yuri weiß, wie schnell es passierte, wie einfach es ist, seine Menschlichkeit zu verlieren, zu töten ohne zu zögern, das tat er viele Jahre vor dem Ausbruch, umso wichtiger erschien es ihm, jene Leute wie Lexi, zu retten und zu schützen, denn Menschen wie ihn, mit dem Herz am rechten Fleck, die von vielen heutzutage belächelt, gar als schwach bezeichnet wurden, durften nicht einfach aussterben. Diese Welt war rau und grausam genug, es musste solche Lichtblicke geben, gute Leute, die nicht den einfachsten Ausweg suchten, indem sie sich dazu entschieden, den Abzug zu drücken. Wenn es mehr Leute wie Lexi gäbe, die Welt ein wenig besser werden würde durch sie, bräuchte es vielleicht irgendwann auch keine Leute mehr wie ... Yuri.
Wenn er mit seinen Fähigkeiten dafür sorgte, Menschen wie Lexi zu beschützen, konnte er vielleicht ein bisschen, die Verbrechen wieder gut machen, die er als Soldat, im aktiven Dienst, begangen hatte, er war sich im Klaren darüber, dass es die Toten nicht aufwiegen würde, wenn er einen oder zwei gute Menschen rettete, doch einen Versuch war es wert. Aus seiner Sicht war Lexi einer dieser Lichtblicke in dieser finsteren, grausamen Welt, die in den Menschen, selten, das Beste herausholte, sondern eher das Schlechte förderte. Er würde nicht zulassen, dass Lexi hier, unter den Arbeitern, zugrunde ging oder an dem Leben hier zerbrach, das hatte er nicht verdient, also egal was es Yuri abverlangen würde, um zu helfen, er war bereit alles zu tun, selbst wenn er sich dafür aus seiner gewohnten Komfortzone begeben musste.
Yuris Augenbrauen hoben sich verwundert an, denn um ehrlich zu sein, hatte er sich nie Gedanken darüber gemacht, welche sexuelle Orientierung bei ihm vorhanden war, wenn überhaupt, tatsächlich hatte er die ein oder andere Erfahrung gesammelt, er war schließlich 55 Jahre alt und trotz seiner introvertierten, sehr zurück gezogenen Art, nicht gänzlich unberührt geblieben. Dabei hatte er tatsächlich mit Männern und Frauen diverse Erfahrungen gemacht. Zunächst ging er darauf auch nicht ein, blickte schweigend, in gewohnt grimmiger Manier, zu Lexis Händen, welche die nächsten Worte formten und ihm etwas Aufschluss darüber gaben, was ihm abverlangt werden würde, wenn sie glaubhaft einen Anspruch auf den Briten geltend machen wollten. Sie müssten also überzeugend sein, ein verliebtes Paar mimen im Endeffekt, was natürlich nicht von jetzt auf gleich geschehen dürfte, das wäre zu auffällig, selbst wenn Yuri angab, dass sie einander schon vor dem Zoo kannten.
Mal abgesehen davon, es ließ sich nicht leugnen, dass der Russe nicht gerade ein guter Schauspieler ist, noch dazu gehörte er zu einer anderen Generation, er hatte nicht das Bedürfnis, sofern es sich ergeben würde, nach Außen zu tragen, für wen sein Herz schlug aber er konnte nicht ganz abstreiten, dass es schon Anzeichen geben musste, die verdeutlichten, dass zwischen ihnen mehr ist, sodass sein Anspruch, auf Lexi, rechtens ist. Er war ja nicht dumm, sonst wäre er schon in jungen Jahren im Einsatz gefallen, Yuri war sich im Klaren darüber, dass viele diese Möglichkeit auch ausnutzten, egal von welcher Seite aus, denn die Arbeiter waren mitunter wohl nicht weniger skrupellos, wenn sich ihnen die Möglichkeit bot oder die Umstände sie dazu zwangen, andere Saiten aufzuziehen.
Zu solchen Leuten gehörte Lexi jedoch nicht, zumindest nicht aus der Sicht des Russen, der eine sehr hohe, positive Meinung hatte bezüglich des Briten, der deutlich jünger aussah, als er in Wahrheit ist, aber Yuri hielte man wohl auch nicht für Mitte fünfzig, gute Gene, sowie viel Sport, hielten ihn wohl ziemlich jung, obschon man die grauen Haare sehen würde, wenn er seinen Bart einfach wild wachsen ließe, anstatt ihn, regelmäßig, zu stutzen. Der Russe hüllte sich nach wie vor in Schweigen, so als wartete er ab, was ja auch der Fall war, denn erst als Lexi ihm, mit seinen Händen, aufzeigte, versicherte, dass er Yuri, trotz seinem Job als Wächter hier, vertraute und ihn als Freund ansah, nickte dieser brummend, bevor er einen Schritt näher an ihn herantrat, sowie auf ihn herab schaute. Selbst wenn der Größenunterschied bei ihnen nicht so gravierend ausfiel, so war der Russe dennoch größer als der Brite, zumal er anders als Lexi, auch eine weitaus bedrohlichere Ausstrahlung hatte.
Für manch Einen würde es wohl wirken, als stünde der schwarze, russische Wolf, vor einem unschuldigen Schäfchen, dass ihn aus blauen Augen, freundlich anschaute, sowie sich der Gefahr nicht bewusst zu sein schien, doch zu befürchten hatte Lexi nichts vor Yuri. Dieser starrte ihn einige Sekunden lang schweigend an, nutzte auch nicht seine Hände, um sich mitzuteilen, obschon er sie doch hob einen Moment später, zumindest die linke Hand, mit der er Lexis Kinn, behutsam, umfasste sowie ein Stück anhob, damit er ihm besser ins hübsche Gesicht schauen konnte. Unter den hiesigen Lichtverhältnissen wirkten die, grimmig drein blickenden, Augen von Yuri wirklich schwarz, genauso wie sein Haar oder der Anzug, den er trug, sowie niemals darauf schließen ließe, dass dieser russische Killer, nach Feierabend am liebsten in Jogginghose herumlief, in seiner kleinen Wohnung hier im Zoo und sehr bescheiden lebte.
Lexi hatte gefragt, ob er homosexuell ist, ob er es hinbekäme, ein verliebtes Paar, mit ihm gemeinsam, zu mimen, damit es glaubhaft wirkte, wenn der Russe gedachte Anspruch auf den Briten zu erheben, damit er ihn aus diesem Bereich heraus holen konnte. "Ich bin nicht homosexuell .... ich ...habe mir nie etwas daraus gemacht, ... aus anatomischen Details ... aber ich fühle mich unwohler bei Frauen..." Gab der Russe offen zu, der tatsächlich ein größeres Problem damit hatte, wenn eine Frau ihm auf die Pelle rückte, im Vergleich zu einem anderen Mann, gut, er mochte es generell nicht einfach angefasst zu werden, von Fremden, doch bei Frauen war es für den Russen sehr viel schlimmer. Tatsächlich mit ein Grund, weshalb er sich lieber selbst zusammen tackern würde, anstatt zu dieser Irren zu gehen, die aus Mangel an Fachpersonal, augenscheinlich einen Posten hatte, dem sie weder gerecht wurde, noch dessen Anforderungen standhalten konnte. Seine Freundin Jane war da tatsächlich eine Ausnahme, sie war aber auch von einem ganz anderen Schlag, eine taffe Lady mit Biss, die Yuri nicht nur mochte, sondern vor allem respektierte und auch vertraute, zudem zählte sie nicht zu den Damen, welche einem überschwänglich um den Hals fielen oder Bussis verteilten, sie verteilte eher Arschtritte und das war gut so.
Das ausgesprochen, senkte er plötzlich den Kopf hinab, bettete ohne Vorwarnung oder dergleichen, seine Lippen auf denen von Lexi und küsste diesen, jedoch nicht, wie vielleicht erwartet kalt, lieblos wie ein toter Fisch, gar ein Stein, sondern sehr gefühlvoll, innig, sanft schmiegten sich seine Lippen, küssend, an jene des Briten. Es war wohl ziemlich verwunderlich, doch Yuri war, bei weitem, nicht so kalt und abweisend, seine extrem harte Schale brauchte er nicht nur im Kampf, um Leben und Tod, sondern auch um sich selbst zu schützen, denn das Leben hatte ihn gelehrt, auf unschöne Art und Weise, seine Gefühle stark unter Verschluss zu halten. Nicht nur aufgrund seiner Ausbildung, seines Jobs, ehe er nach Amerika kam, sondern weil er Erfahrungen gemacht hatte, die er niemandem wünschte, selbst seinen Feinden nicht. Yuri war weitaus sensibler und gefühlvoller als er zeigte, selbst Lexi hatte, in den Monaten ihrer gemeinsamen Reise, lediglich einen kleinen Einblick erhalten, an der Oberfläche aus dickem Eis gekratzt aber hinter der wortkargen, harten Schale mit tödlichem Blick, verbarg sich ein sehr gefühlvoller Mann. Der aber nun mal darauf getrimmt wurde, diese Gefühle zu unterdrücken, so wenig zu fühlen wie nur irgendwie möglich und sich daher, abseits eines Schlachtfeldes, sehr schwer damit tat, diese zum Ausdruck zu bringen, darüber zu reden oder sie manchmal gar zu verstehen. Dazu kam, dass er mehr ein Mann der Tat ist, als mit Worten um sich zu werfen, außer er fluchte.
Das merkte Lexi einmal mehr, als der Russe ihn einfach küsste, um zu demonstrieren, dass er dazu imstande ist, sowie gewillt war, sich nicht davor scheute, den Briten auch zu küssen, wenn es dabei half, ihren Plan, um ihn hier raus zu holen, in die Tat umzusetzen.
Nein, es kostete ihn keine Überwindung, es schreckte ihn nicht ab, ebenso wenig empfand er dies abstoßend oder furchtbar, Yuri hatte keine Präferenz, hatte er sich, früher, lange vor dem Ausbruch, mal auf intimerer Ebene mit jemandem befasst, spielte ein anatomisches Detail keine Rolle für ihn. Für den Russen war in erster Linie Vertrauen ausschlaggebend, Sympathie und beides empfand er für Lexi, er war sein Freund, er mochte ihn, vertraute ihm. Yuri löste sich, nach einigen Augenblicken, die sich gar länger anfühlten, als tatsächlich andauerten, von Lexis Lippen, welche sich erstaunlich weich anfühlten, gar ein kleines bisschen süß schmeckten und ein leichtes Kribbeln zurückblieb auf den Eigenen. Den Kopf ein Stück zurückgezogen, blickte er zurück in das angenehme Blau, welches Yuri sehr schön anzusehen fand.
"...glaubhaft... genug?"
Wollte er wissen und flüsterte nur, was wohl dennoch ziemlich knurrig klang, doch dafür fiel sein Blick, weit weniger grimmig aus, mit dem er Lexi, viel mehr fragend, ein bisschen ratlos womöglich, anschaute. Schließlich war er kein wirklicher Experte in solchen Dingen und das letzte Mal jemanden geküsst, auf diese Art und Weise, lag schon sehr sehr lange zurück, vermutlich war er extrem eingerostet, sofern das möglich war. "Können ... Wächter auch ..Arbeiter in ihre Wohnungen nehmen, .. über Nacht?" Wollte er von ihm wissen, für den Bruchteil einer Sekunde huschten seine dunklen Augen über Lexis Gesicht, hängen blieben sie, ganz kurz nur, an dessen Lippen und richteten den Fokus, gleich darauf wieder in das freundliche Blau. Noch immer hatte er Lexis Kinn umfasst, was ihm auch jetzt erst auffiel, weshalb er sogleich die Hand zurückzog, sinken ließ und hinter den Rücken nahm, schließlich wollte er den Briten nicht bedrängen oder das er sich unwohl fühlte. Yuri war dahingehend tatsächlich sehr .. vorsichtig, aufmerksam, rücksichtsvoll und dies nicht zwingend nur zum Wohle seines Gegenübers, sondern auch aus reinem Selbstschutz.
Was du nicht willst, was man dir tut, das füge keinem Anderen zu.
Ein sehr altes, weises Sprichwort, dass der Russe sich immer im Hinterkopf behielt.

@Alexis Ilex


nach oben springen

#19

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 20.03.2020 07:41
von Alexis Ilex (gelöscht)
avatar

Worum sich Alexis bei der ganzen Sache tatsächlich am meisten Sorgen machte war nicht einmal, dass Yuri zu gefühlskalt war, um die Scharade irgendwie aufrecht zu erhalten. Er wusste, es war nicht ganz einfach, Gefühle nur zu spielen. Einige hatten es bereits probiert und waren gescheitert. Ob es nun daran lag, dass sich Wächter und Arbeiter von früher kannten, so wie sie, und deshalb bloss wollten, dass sie beide auf der Wächterseite arbeiten konnten, oder ob einer der beiden den anderen über den Tisch zog, um die eigene Position zu verbessern. Alles kam vor ... Es gab Wächter, welche Arbeiter damit lockten ihnen helfen zu wollen, nur um sie dann ans Messer zu liefern, wenn es soweit war. Das passierte zwar auch nicht enorm oft, kam aber durchaus vor. Doch es gab auch die umgekehrte Variante, in der ein Arbeiter womöglich für einen anderen Wächter spionierte, um sich hoch zu arbeiten und dann die unlauteren Methoden eines anderen Wächters aufdeckte... Es war perfide. Die Zustände hier waren dahingehend wirklich nicht einfach. Alexis wusste zwar, dass Scorpion Korruption so gering wie möglich halten wollte, doch der junge Anführer der Kolonie konnte seine Augen eben auch nicht überall haben. Auch wenn Alexis hoffte, dass das eine oder andere aufflog, insbesondere durch Leute wie Yuri, die ihren Job sehr ernst nahmen. Yuri war so unglaublich pflichtbewusst und treu, manchmal fand Alexis, dass Yuri wie ein wohlerzogener Dobermann wirkte, der insgeheim in dieser Zeit nur auf der Suche nach einem Herrchen war, das sich seiner annahm. Doch womöglich war das auch ein doofer Vergleich.
Dieses Pflichtbewusstsein war es aber ,das Alexis am meisten Angst einjagte. Yuri war oftmals sehr ehrlich und aufrichtig und vor allem korrekt. Alexis konnte ihn sich nicht vorstellen, wie er korrupt war oder seine Situation für sich ausnutzte. WAs er hier aber vorhatte, war ein übler Regelverstoss, konnte gar mit der Hinrichtung geahndet werden. Nicht, dass er glaubte Yuri würde sich dafür fürchten, geköpft zu werden, doch sich gegen seinen Boss stellen....? Das tat er ja gewissermassen in dem er die Regeln brach. Konnte er das mit sich vereinbaren? Lungerte irgendwo in diesem stoischen, korrekten Mann tatsächlich sowas wie ein eigensinniger Geist, der bereit war sich nicht an vorgegebene Linien zu halten, nur um einem Freund zu helfen? Alex vertraute ihm, man konnte es Yuri ansehen, dass er das Ganze durchaus ernst meinte und nicht vorhatte ihm in den Rücken zu fallen. Wenn das Ganze jedoch aufflog ... würde Yuri garantiert alles auf sich nehmen. Er würde sich zur Verantwortung ziehen lassen, nur um ihn erneut zu schützen. Eigentlich wollte er den Russen nicht weiter in dieses Debakel hineinziehen. Dazu musste er aber zugeben, dass Yuri sich gerade selbst hineinzog. Er hatte ihn gewarnt, ihn versucht davor abzuschirmen. Yuri sollte einfach seinen Job machen und ihn vergessen. Doch das kam für ihn nicht in Frage, also wollte er diesen höchstriskanten Plan ausführen. Alex war beileibe kein Feigling, früher hatte er einige Regeln gebrochen, hatte mehr als einmal in Handschellen auf dem Boden gehockt, war der Bullerei davongekommen oder für ein paar Tage in der Zelle gelandet. Ja, es waren meistens keine schwerwiegenden Delikte gewesen, eher jugendlicher Übermut oder das falsche Umfeld. Da wurde man bei einer Razzia eben einfach mal mit eingepackt. Auch während der Apokalypse war er nicht feige gewesen, lediglich menschlich. Gegen die Untoten ging er vor wie jeder andere auch, meistens mit einem langen, schweren Gegenstand, wie beispielsweise Schaufeln. Er hatte viel gelernt in den letzten zehn Jahren, war sich nie zu fein gewesen Umgebungen von den Beissern zu befreien und tatkräftig mitzuhelfen. Nur bei Menschen war er immer möglichst nach Vernunft gegangen. War es wirklich nötig jemanden zu töten? Oder gab es auch eine andere Lösung? Ja, er war sozial und freundlich. Es gab viele Menschen heutzutage, die das nicht mehr waren. Umso wichtiger war es, so fand er, dass seine Art erhalten blieb. Seine Menschlichkeit zählte hier. Auch wenn es ihn letztlich in ein Arbeitslager gebracht hatte.
Alex seufzte leise auf. Das hier war nichts,wofür er ein paar Tage im Gefängnis sitzen würde. Wenn alles schief ging, konnte es ihnen beiden unweigerlich den Kopf kosten. Die Zeiten hatten sich eben geändert. Sowas wie eine Polizei gab es nicht mehr, es galt das Recht des Stärkeren... Und dahingehend war er nunmal verdammt schwach. Sein Kopf liess einfach nicht zu, dass er sich blindwütig auf seine Mitmenschen stürzte, um sich seinen Platz zu erkämpfen. Das war primitiv ... Das war nicht, was er für die Menschheit wollte.
Zu seiner, eher milden, Überraschung, ging Yuri tatsächlich auf seine Frage ein. Was nicht unbedingt nötig gewesen wäre, denn eigentlich war ihm die Frage nach der Sexualität des Russen einfach nur rausgeplatzt, nichts weiter. Doch natürlich beantwortete Yuri die Frage... wie konnte er auch anders. Bei der Antwort musste er sogar ein klein wenig schmunzeln.
"Verstehe...", sagte er darauf. Er könnte dem Russen nun erklären, dass man das wohl am ehesten als Pansexuell bezeichnen würde, was er da beschrieb, doch eigentlich ... vermutlich würde es ihn mehr verwirren als Aufschluss geben, also behielt er diese Information für sich. Wobei das Detail, dass er eine Präferenz eher in Richtung Männer hatte, weil er auf Frauen nicht richtig eingehen konnte ... Hm, naja, letztlich waren Sexualitäten nichts, das man in diesem Falle richtig fassen konnte. die ganzen Begriffe dafür waren wieder einmal der Spezies Mensch zu verdanken, die einfach alles sortieren und in irgendwelche Schubladen stecken können musste, um glücklich zu sein. Warum war da überhaupt dieser fürchterliche Zwang dem einen Namen zu geben mit wem man letztlich einfach gerne Intimitäten austauschen wollte?
Noch während er sich darüber vermutlich ziemlich unnötige Gedanken machte, überraschte Yuri ihn einmal, indem er auf einmal von diesem geküsst wurde. Wieder ohne jegliche Vorwarnung. Alexis hob im ersten Moment etwas irritiert die Augenbrauen, spürte die Hand an seinem Kinn, die Lippen des Russens auf seinen. Es war kein enorm inniger oder gar leidenschaftlicher Kuss, doch er war definitiv gefühlvoll. Etwas das man bei Yuri definitiv nicht einfach so aus dem Nichts erwartete. Alexis öffnete die Lippen ein klein wenig, liess sich auf den Kuss ein und legte Yuri gar eine Hand an die Wange, während er sich ihm ein klein wenig entgegen schob. Für einen Augenblick schloss er sogar die Augen, liess sich ganz auf den erstaunlich sanften aber offenbar liebevoll gemeinten Kuss ein, sodass es ihn, als Quell überschwänglicher Gefühle, beinahe zu der Frage führte, ob der Kuss nicht nur gespielt war. Doch das war eine Frage, die er sich gerade definitiv nicht stellen sollte. Sowas machte alles nur komplizierter!
Der Kuss dauerte einen Augenblick, Alex konnte nicht wirklich sagen ob es ihm lang oder kurz vorkam, von beidem ein wenig. Als Yuri sich von ihm löste, seufzte er fast ein wenig frustriert auf, lächelte Yuri jedoch sachte an.
Die Frage, welche darauf folgte hatte sogar ein wenig etwas freches. "Hmm... Du küsst gut", stellte er dabei fest, die Hand immer noch ein wenig nach Yuri ausgestreckt, senkte sie dann jedoch. Er leckte sich ein wenig über die Lippen, die noch ein wenig kribbelten und insgeheim nach mehr verlangten.
"Ich freu mich darauf, das öfters zu machen..." Ja, er musste ein wenig Seitenhiebe verteilen. "Siehst du wie wenig sauer ich auf dich bin, weil du mich vor Monaten mal geküsst hast?" Ja, dass Yuri gedacht hatte, er hätte ihn deshalb sitzen gelassen. Pfss.... Warum zur Hölle sollte er? Was gab es schöneres als ein wenig intim zu werden? Einen Menschen komplett, mit allen Ecken und Kanten, kennen zu lernen?
Auf die nächste Frage hin atmete er etwas ratlos aus. "So genau weiss ich das ehrlich gesagt nicht. Ich hab es schon beobachten können aber frag mich nicht ob und wie es funktioniert", meinte er und hob leicht abwehrend die Hände. Er war schliesslich nicht Dr. Allwissend. Im Gegenteil, er kriegte von Wächterseite nicht wahnsinnig viel mit. "Ich hätte behauptet ja ... Allerdings weiss ich nicht, wie es Zustande kommt und wie es geregelt ist. Das ist wohl an dir herauszufinden..."

@Yuri Romanov


nach oben springen

#20

RE: Viehzuchtgehege

in Arbeiterbereiche 20.03.2020 16:09
von Yuri Romanov (gelöscht)
avatar

Ein Herrchen brauchte der russische Kampfhund gewiss nicht, viel mehr eine Aufgabe, eine Beschäftigung, welche seinem Naturell, mehr noch seinen Fähigkeiten entsprach, sowie diesen gerecht werden konnte, wobei Yuri natürlich gerne etwas Gutes tun wollte und seinen Job, hier im Zoo, tatsächlich als positiv betrachtete. Er konnte Leute beschützen, Arbeiter, ebenso Wächter, sorgte in seinem Bereich für Fairness und Ordnung, so gut es eben möglich ist, denn die Menschen, die am unteren Ende der Nahrungskette standen, waren für ihn keine Sklaven, sondern Individuen. Natürlich war das hiesige System nicht perfekt aber welche Gesellschaft war das schon? Das war früher auch nicht anders, zudem musste man seinem Anführer Scorpion, zugutehalten, dass dieser eine gewisse Struktur etabliert hatte, damit nicht alles drunter und drüber ging. So wild er auch anmutete, manche ihn deshalb wohl auch für einen, eher minderbemittelten, Barbaren hielten, er war viel klüger als er aussah und der Zoo war gut aufgestellt. Der Russe wurde zudem nicht jünger, sicher hätte er in einer anderen Kolonie auch ein friedliches Eckchen finden können, doch sein Wagen war beim Zoo liegen geblieben, zumindest in dessen Nähe und Yuri kam mit den hiesigen Umständen gut zurecht, er selbst brauchte zum Leben ja nicht viel, außerdem musste er zugeben, nach all den Jahren, ob vor dem Ausbruch als Soldat oder seit diesem, stets auf Achse, waren seine alten, geschundenen Knochen, sehr froh darüber, sich Abends in einem bequemen Bett ausruhen zu können, nach einer heißen ausgiebigen Dusche.
Zudem war er es gewohnt allein zu sein, er hatte sich, im Laufe seines Lebens, bewusst dafür entschieden, allein stehend zu bleiben, er wollte weder Kinder, noch Heiraten und auch nicht mit jemandem zusammen wohnen, Yuri war als Einsiedler, Eremit kann man beinahe sagen, sehr zufrieden gewesen. Hier in Amerika hatte er seinen Job als Bodyguard, half ehrenamtlich in Suppenküchen oder Tierheimen aus, und gab kostenlose Kurse in Selbstverteidigung, sodass er durchaus sozial ausgelastet war, sich aber am Ende des Tages stets allein zurückzog. Für ihn war es demnach eine ziemliche Umstellung gewesen, mit Lexi in seinem Wagen zu leben, er konnte ihn ja schlecht aufs Dach binden, wenn er Ruhe haben wollte oder in den Kofferraum sperren, da war gar kein Platz die meiste Zeit drin. Der Brite hatte sich seinen Platz, im Herzen des Russen, mühsam erarbeitet, vielleicht auch ein wenig erschlichen, schwer zu sagen aber Fakt ist, er bedeutete ihm viel, was für Yuri hieß, dass er im Notfall auch seine geliebten Regeln, Prinzipien, verbiegen, gar brechen würde, falls es sich nicht umgehen ließe aber er damit Lexi helfen konnte.
Yuri liebte Regeln, Ordnung und Disziplin, immer schon, er brauchte Struktur, einen geregelten Tagesablauf, er kam nicht damit zurecht, einfach nur in den Tag hineinzuleben, was sich wohl auch deutlich darin aufzeigte, dass er bislang, seit er im Zoo arbeitete und lebte, nicht einen Tag freigenommen hatte. Er war ein Workaholic, der jedoch seine Prioritäten mitunter verschob, sobald jemand involviert war, der ihm etwas bedeutete also würde er, vielleicht, ein oder zwei Regeln etwas biegen müssen, wenn er Lexi hier rausholen will. Allerdings, würde er nicht zur Waffe greifen, das könnte er, doch es lag ihm fern, unnötig Blut zu vergießen und er wollte gerne hier weiter leben, der Zoo bot vieles, Dinge die Lexi nicht kannte, da er nie aus seinem Bereich heraus durfte, aber wenn alles klappte, sie einfach überzeugend genug sind, müsste niemand sterben, der Russe konnte brav seiner Aufgabe nachkommen, sowie Lexi zu sich holen. Alles wäre gut, oder nicht? Stellte er sich das etwas zu einfach vor? Womöglich, doch Yuri war tatsächlich sehr friedliebend, so tödlich er auch ist, eigentlich wollte er nur in Ruhe vor sich hin existieren und Lexi wieder bei sich zu haben, direkt in seiner Nähe, wäre ganz schön. Seine Gesellschaft hatte ihm sehr gefehlt, in welchem Ausmaß, hatte der Russe auch erst gemerkt, als der Brite eben einfach verschwunden war, ohne irgendein Anzeichen.
Yuri hatte keine Ahnung, ob Lexi seine Antwort beruhigte oder nicht, der Russe war lediglich ehrlich und bei dem Briten, störte es ihn nicht, sogar über ein heikles Thema, wie Sexualität, zu sprechen, wenn es ihn selbst betraf. Natürlich tat er das ungern, doch er wollte auch nicht, dass Lexi das Gefühl bekam, ihm vielleicht etwas aufzudrängen, was er selbst nicht wollte, also ja, er war nicht homosexuell aber auch nicht wirklich hetero. Allerdings wohl insgeheim dankbar, dass der Brite das Thema nicht weiter zu vertiefen gedachte oder ihm erklärte, dass auf den Russen Pansexuell wohl am ehesten zutreffen würde, damit könnte er ja noch weniger anfangen, als mit einem englischen Redeschwall! Bei aller Liebe für Struktur und Regeln, Yuri musste nicht alles in eine Schublade stecken oder namentlich benennen, wenn er jemanden gerne hatte, womöglich sogar anziehend fand, spielte es für ihn keine Rolle, ob männlich oder weiblich, schwarz oder weiß.
Das zeigte sich doch auch deutlich, als der Russe den Briten küsste, aus dem Nichts heraus, was eben wieder aufzeigte, dass Yuri nun mal ein Mann der Tat ist, sowie weniger Worte, diese sind am Ende oftmals Schall und Rauch, doch Taten sagen weit mehr aus. Jeder konnte sagen, dass er helfen will, dass er jemanden beschützen würde aber im Ernstfall dann kniff, den Schwanz einzog und die Flucht ergriff, etwas das Lexi bei dem Russen nicht zu befürchten hatte, immerhin hatte der Kampfhund sich oft genug ins Gefecht gestürzt. Yuri fing sich für Lexi nicht nur bildlich gesprochen Kugeln ein, die ein oder andere, hatte dieser im Laufe ihrer gemeinsamen Reise rausholen müssen. Doch diese Mission, dieser Kampf, um den Briten aus dem Bereich der Arbeiter herauszuholen, erforderte eine ganz andere Strategie, Vorgehensweise, denn seine Waffen, seine kreative Art zu töten, brächte sie in Teufels Küche und das wollten sie Beide nicht. Um zu helfen, musste er andere Geschütze auffahren, die auf einem Schlachtfeld sonst nicht zum Einsatz kamen, nämlich mitunter seine Lippen, die sich an jene von Lexi schmiegten, mit so viel Gefühl, einer Sanftheit, die man dem Russen wohl niemals zutrauen würde. Der auch nicht erwartete, dass der Kleinere darauf wirklich einging aber ja, das war wohl logisch, immerhin mussten sie Beide, glaubhaft, eine Rolle spielen und ihr Umfeld überzeugen, dass da wirklich romantische, echte Gefühle im Spiel sind. Yuri hatte keine Ahnung, ob er das wirklich hinbekommen würde, zumal er eigentlich nicht der Typ dafür ist, irgendwas vorzutäuschen oder zu lügen, das widerstrebte ihm, doch wenn dies die beste Möglichkeit war, um Lexi zu helfen, musste er über seinen Schatten springen. Er sollte sich wohl nur selbst, regelmäßig daran erinnern, dass sie nur Freunde sind und lediglich eine Show abzogen, die überzeugender sein musste, als bei Anderen, damit es sie nicht den Kopf kostete. War es demnach gut oder schlecht, wenn er diesen Kuss, womöglich, angenehmer empfand, als es der Fall sein sollte? Lexis Lippen schmeckten wie zwei süße, softe, weiche Kissen und spätestens, als er dessen Hand an seiner Wange spürte, kroch eine leichte Gänsehaut über seinen Körper, womöglich hatte der Stall auch eine Heizung, zumindest wurde ihm ein bisschen wärmer.
Dennoch musste er den Kuss lösen, ein Experte war er darin wie gesagt nicht, doch Lexis Bemerkung überraschte den Russen gar ein wenig, der sich sogleich räusperte, sowie an seine schwarze Krawatte fasste, um deren Sitz zu korrigieren, dabei saß sie perfekt, wie auch der Rest seines dunklen Anzuges, der ihn wie den eleganten Tod in Persona erscheinen ließ.
"Danke? ...." Er atmete schnaubend aus. ".... ich bin eingerostet, befürchte ich."
Und mit dem Austausch von Zärtlichkeiten, gar Intimitäten tat Yuri sich sehr schwer.
Dabei war er, tief in seinem Inneren, ein abgerichteter Kampfhund, der sich durchaus nach ein bisschen Nähe, Streicheleinheiten sehnte, diese sogar gerne erhielt aber er musste jemandem vertrauen können, um überhaupt so viel Kontakt zuzulassen. Flüchtig verfolgte er mit den dunklen Augen Lexis Hand, der diese wieder sinken ließ, fast bedauerlich aber natürlich besser so, schließlich sind sie nur Freunde. Von denen Lexi, ganz eindeutig, der Frechdachs war und dem Russen gar eine Regung im Gesicht entlockte, denn dieser hob überrascht die Augenbrauen an, starrte Lexi an, ehe er schnaufend zur Seite sah, seinem Blick für einen Moment auswich und leise vor sich hin brummte. Er verarschte ihn gerade, oder?
Wobei er nicht sicher ist, tat Lexi dies damit, dass sie sich, wirklich öfter küssen sollten, um den Schein zu wahren oder, dass er sich darauf freute? Er wusste es nicht, noch weniger, was davon ihm lieber wäre, wenn überhaupt. Allerdings blickten die dunklen Augen des Russen, sofort wieder in die Blauen von Lexi, der den Kuss ansprach, welchen Yuri ihm vor Monaten gegeben hatte, im Grunde nur, damit er die Klappe hielt. Da hatte er impulsiv gehandelt, wusste keinen anderen Ausweg, zumindest keinen der Lexis Leben nicht gefährdete, denn schaden, gar töten, wollte er die kleine Quasselstrippe schließlich nicht. Er seufzte leise, hob die linke Hand und fuhr sich durchs schulterlange Haar, schob sich die Strähnen hinters Ohr und erschien dabei weniger frostig, grimmig, wie sonst, sondern viel mehr etwas beschämt, womöglich auch verlegen. Ob wegen dem Kuss an sich oder seinem, offenbar ziemlich dämlichen, unsinnigen, Gedankengang, dass Lexi deshalb gegangen war, wusste er selbst nicht so genau.
"... du wirst mich, noch öfter ...damit aufziehen, ..richtig?"
Vermutete der Russe, schaute aber bei weitem nicht so grimmig wie sonst, sein Mundwinkel hob sich flüchtig an, denn viel mehr überwog letztendlich die Erleichterung darüber, dass Lexi ihm nicht böse war deswegen.
Was sich jedoch sehr schnell wieder änderte und Yuri nickte, richtig, Lexi konnte nicht wissen, wie die Wächter das regelten, wenn sie sich dazu entschieden, einen Arbeiter mit zu sich zu nehmen, in die Wohnung, gar für ein paar Stunden oder mitunter über Nacht. Das oblag ihm, dass herauszufinden, weshalb der Russe wieder Haltung annahm, typisch für einen Soldaten eben, kerzengerade, stattlich und stolz, mit weitaus grimmigeren Blick, welcher bei Yuri an der Tagesordnung war aber Lexi ja gewöhnt ist. Jedoch hob er die Hände, sodass er sich wieder in Gebärdensprache ausdrücken konnte, ohne ständig zu knurren, wie der Brite es wohl empfand, wenn der Russe in dessen Muttersprache redete, mit seinem starken Akzent.
'Ich kümmere mich darum, ich hoffe es ist nicht so kompliziert, dann kann ich dich, nach Feierabend mit in meine Wohnung nehmen aber versprechen, kann ich es im Moment nicht, ob es heute schon klappt. Tut mir leid, ich hätte mich dahingehend längst informiert, wenn ich gewusst hätte du bist, hier aber ich werde mich beeilen, darauf hast du mein Wort, Lexi.' Sein Blick ging kurz zu den Kälbchen, an deren Gatter er herantrat, sowie eines davon streichelte, sich sogar ein schwaches Lächeln auf seinen Lippen abzeichnete, sowie seine ganze Haltung, seine Gesichtszüge, wesentlich entspannter wirkten. Yuri mochte Tiere, sie waren angenehme Gesellschafter, viel besser als Menschen und vor allem bewerten sie dich nicht, sondern nehmen dich wie du bist. Die Kälbchen sahen wohl keinen russischen Auftragsmörder im schicken Anzug in ihm, sondern einfach einen komischen Zweibeiner, der sie etwas kraulte, bevor er die Hand zurückzog und sich wieder Lexi zuwendete.
'Du solltest wieder an die Arbeit gehen, ebenso ich, denn die Pause solltest du nicht überziehen und ... wenn alles klappt, koche ich dir Pelmeni, damit du etwas Gescheites isst heute Abend. Halt dich einfach bedeckt Lexi, okay? Je weniger du auffällst, umso besser aber ... tue es nicht so verbissen, so krampfhaft, damit stichst du heraus, wie heute Morgen. Ich werde auch mit Jesse reden und darum bitten, dass er mich in die Viehzucht versetzt, normalerweise arbeite ich bei den Landwirten.' Er schnaubte, war jedoch relativ zuversichtlich, mehr oder weniger, der Optimist von ihnen war schließlich Lexi, während Yuri der Realist ist. 'Es wird alles gut werden.' Yuri würde sein Bestes geben, weshalb er auch die linke Hand hob, sowie Lexi, ganz sachte über das flauschige Haar strich, ja, dieser ist kein Hund, doch seine wuschelige Mähne lud förmlich dazu ein, außerdem hatte der Russe manchmal diese kleine Anwandlung. Er war halt echt nicht so gut, wie 'normale' Leute, seine Gefühle richtig zum Ausdruck zu bringen, schließlich nickte er ihm brummend zu, drehte sich auf dem Absatz um und verließ den Stall, mit gewohnt finster drein blickender Miene, die manchen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er würde sich definitiv an einen der Wächter wenden müssen, ob noch während der Arbeitszeit oder nach Feierabend, vielleicht sogar bei Jesse, würde sich zeigen. Doch Lexi sollte erst mal brav weiter arbeiten, wie bisher, ebenso der Russe, der zwar als Wächter über den Arbeitern stand, doch er gehörte dennoch nicht zur absoluten Spitze in der Nahrungskette, es gab genug Leute, die über ihm standen, da sie eben mehr konnten als nur Leute zu töten oder grimmig drein zu schauen.
Der Russe ging in gewohnter Manier wieder seiner Arbeit nach, drehte seine Runden, wie versprochen, erkundigte er sich auch, obschon dies bei ihm manchmal umständlich war, da er einfach ungern redete, weswegen er sich schriftlich mit manchem Wächter austauschte. Da er Abends gerne in der Bar, nach Feierabend, einen Absacker trank, kannte er auch einige der hier eingeteilten Wächter und bekam so relativ zügig die Informationen, die er benötigte, was ihn ein wenig beruhigte, weil er auf seiner imaginären Liste einen Punkt abhaken konnte. Natürlich hatte er, dann und wann, auch Lexi direkt in seinem Sichtfeld in den darauf folgenden Stunden, er gehörte eben zu den Schafen, über welche der russische Kampfhund mit Argusaugen wachte, beobachtete aber eben auch diese beschützte. Seine Schäfchen sollten fleißig sein, doch ebenso fair behandelt werden, es lag ihm fern sie zu degradieren oder gar ihres Status als Mensch zu berauben, wie manch einer es tat, etwas wofür Yuri keinerlei Verständnis hatte aber er gehörte noch nie zu den Leuten, die sich für besser hielten als der Rest, die Macht ausüben oder Andere einfach schikanieren möchten, bloß weil sie es konnten. Der Russe tat vorbildlich seine Pflicht, wie es sich gehörte, ehe er am Abend, selbst endlich Feierabend machen konnte aber im Viehzuchtbereich verblieb, er rauchte mit einem anderen Wächter in Ruhe eine, ein Luxus, der den Arbeitern verwehrt blieb, sofern sie nicht gerade gute Kontakte zu den Wächtern pflegten, indem sie für diese spionierten. Es war wie im Gefängnis, Zigaretten waren eine beliebte 'Währung', mehr denn je, da man in der neuen Welt auch nicht mehr so einfach an Tabak kam, den Kiosk um die Ecke konnte man ja nicht mehr aufsuchen. Yuri blieb aber nicht nur deswegen noch hier, sondern weil er die Augen aufhielt nach Lexi, den er gedachte abzufangen, ehe er mit den anderen Schäfchen, wieder brav in seine Baracke zurückkehrte, denn dieser durfte er heute Nacht definitiv fern bleiben.
Den Rauch in den Lungen behaltend, nachdem er einen tiefen Zug genommen hatte, erfassten seine dunklen Augen, den Briten recht schnell, zu dem sich ein anderer Arbeiter gesellt hatte, wohl einer von der netteren Sorte, was das Misstrauen des Russen nicht wirklich schmälerte, aber der schlich sich auch förmlich an, nicht einmal mit Absicht, doch da es noch immer, beizeiten Dunkel wurde und bis Abends gearbeitet wurde, war es für den schwarzen Mann, Baba Yaga, wie Yuri in seiner Einheit früher genannt wurde, ein Leichtes, förmlich aus dem Nichts aufzutauchen. Er lief sogar, einige Sekunden, unbemerkt hinter den Beiden, musterte den anderen Arbeiter, ehe sein Blick wieder auf Lexis Wuschelkopf fiel und der Russe, plötzlich, knurrte, sowie mit der Zunge schnalzte, um auf sich aufmerksam zu machen. Nein, er hatte keinen Spaß daran, Leute zu erschrecken, ... okay, manchmal vielleicht ein kleines bisschen! Auch Yuri hatte Sinn für Humor, den verstanden nur eben die Wenigsten. Der Mann wirkte tagsüber ja schon bedrohlich, doch im Dunkeln, jagte er einem wohl wirklich, gelegentlich, eine scheiß Angst ein, wenn Yuri einfach aus dem Schatten trat. Zu allem Überfluss war er ja dafür ausgebildet worden, er konnte sich lautlos anschleichen, aus dem Hinterhalt hart und schnell zuschlagen, töten ohne bemerkt zu werden, egal ob mit Waffe oder bloßen Händen. Jedoch hatte er nicht vor die Beiden zu ermorden, er jagte ihnen nur einen kleinen Schreck ein, wobei er da eher die Reaktion des Anderen wissen wollte, denn Lexi, nun, man sollte meinen, der sei es gewohnt, wenn Yuri einfach, gefühlt, aus dem Nichts auftauchte, wie der Boogeyman. Was auch nicht korrekt wäre, denn Yuri war derjenige, den man schickte, um den Boogeyman zu töten.
Sein grimmiges, eiskaltes Pokerface gab auch keinerlei Aufschluss darüber was er dachte oder fühlte, sofern er etwas fühlte, er starrte, im Dunkeln, nur noch finsterer drein, hob die Hände und wandte sich am Ende schweigend, lediglich gestikulierend, an Lexi.
'Du hast Feierabend, ich ebenfalls also komm mit, ich kann dich über Nacht mit zu mir nehmen, Lexi. Es sei denn, du möchtest mit ...wer auch immer das ist, ... gehen. Es steht dir frei, Wächter oder nicht, ich kann dich schlecht zwingen, das wäre nicht meine Art aber Arbeiter müssen einverstanden sein, auch dahingehend gibt es Regeln und klare Vorgaben, ..kein Zwang, beide Seiten müssen einverstanden sein.' Sein finsterer, schier alles vernichtender, Blick wanderte von Lexi zu dessen Kollegen, Freund, was auch immer und schien dabei noch bedrohlicher zu werden, ehe er wieder zu Lexi sah. Gut, den schaute er nicht weniger feindselig an, so als wolle er ihm gleich das Genick brechen, doch wenigstens der Brite, hatte Gewissheit, dass Yuri ihm nichts antun würde und einfach immer so drein schaute, er setzte halt auf eine bedrohliche, abschreckende Ausstrahlung, was viele bereits davon abhielt, den Kampf mit Yuri zu suchen. Nicht alle, doch Einige ließen sich davon bereits verschrecken, sowie einschüchtern, sodass sie mit dem Leben davon kamen und der Russe nicht gezwungen war, erneut zu kämpfen, als auch zu töten. 'Also, ... möchtest du heute Nacht bei mir schlafen? Ich werde kochen und in der Zwischenzeit kannst du eine heiße Dusche nehmen, wegen Klamotten musst du dir auch keine Sorgen machen, du kannst was von mir anziehen ...' Sein Blick wanderte kurz an Lexi hinab und wieder rauf in dessen Gesicht. '.... wäre ja nicht das erste Mal, wenn alles klappt, besorge ich dir bei Gelegenheit, ein paar Sachen zum Wechseln. Einverstanden?' Wollte der Russen wissen, schnaubte und guckte erneut, sehr grimmig zu dem anderen Arbeiter, ehe er einen Schritt näher kam, direkt vor Lexi trat, auf den er schließlich hinab sah, so als gedenke er gleich, diesem den hübschen Kopf abzureißen aber den Eindruck sollten andere ruhig haben oder nicht? Verdammt, Lexi musste ihm das definitiv noch mal erklären, wie genau sie sich dann verhalten müssten oder besser gesagt Yuri, der brauchte nun mal, in manchen Dingen, klare Anweisungen oder eine gewisse Vorgabe, woran er sich orientieren kann.

@Alexis Ilex


nach oben springen


Besucher
2 Mitglieder und 8 Gäste sind Online:
Liz Bennet, Merle Dixon

Besucherzähler
Heute waren 105 Gäste und 27 Mitglieder, gestern 343 Gäste und 58 Mitglieder online.


disconnected Survive Talk Mitglieder Online 2
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen