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Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

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Herbst ... Gerade noch habt ihr euch in der Sonne gebräunt, schon fallen die ersten bunten Blätter. Tja, das Leben zieht viel zu schnell an uns vorbei. Es wird kühler, es regnet viel. Stürme dürfen auch nicht fehlen und die Vögel ziehen in den Süden. Bereitet euch auf den Winter vor, dieser kommt schneller als ihr denkt!

🍁 Der Herbst rückt immer näher. Blätter fallen, es wird kälter, Zeit um Vorräte zusammeln 🍁
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An Aus


#21

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 23.01.2020 21:14
von Valravn Vargström (gelöscht)
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In der Tat ließ es Valravns Herz, vor Freude, höher schlagen, wenn er in der Küche stehen und seinem Liebsten etwas zu Essen kredenzen konnte, ob nun ein schlichtes Rührei oder, wie früher, ein üppiges sechs Gängemenü, wo Valravn gerne mal den lieben langen Tag in der Küche stand. Wenn Jesse, am Ende des Abends, dann satt und zufrieden war, sie Beide bei einem Glas Wein noch vor dem Kamin ausspannten, sowie den Tag Revue passieren ließen, dann hatte sich all der Aufwand stets für ihn gelohnt. Zwar mochte dieser eine Katastrophe in der Küche sein, jedoch inspirierte Jesse seinen, ganz persönlichen, Chefkoch aus Schweden nicht nur, sondern trieb ihn, auch außerhalb der Küche, zu Höchstleistungen an.
Beinahe schade, dass sie derzeit eingeschneit waren, sodass Valravn auf bestehende Vorräte zurückgreifen musste, anstatt mit seinem Mann, nach der langen Zeit, wieder einmal auf die Jagd zu gehen. Diese Ausflüge in die unberührte Wildnis Alaskas empfand er immer als sehr erfrischend, erholsam und sie Beide konnten viel voneinander lernen, obgleich es in erster Linie der Veterinärmediziner war, der Jesse anlernte, sowie beibrachte, das erlegte Wild, noch an Ort und Stelle zu bearbeiten, allen voran, wenn sie gedachten über Nacht draußen zu bleiben. Der Schwede ging schon als Kind, gemeinsam mit seinem Vater, auf die Jagd und lernte die nützlichen Grundlagen, nicht nur im Umgang mit dem Jagdgewehr, sondern auch bei der Aufbereitung des Kadavers. Häuten, ausweiden, das Tier grob und anschließend fein in seine Einzelteile zu zerlegen.
Vermutlich erwachte dabei die Faszination und Begeisterung für die Anatomie. Zudem bot Schweden hervorragende Jagdgründe, sowie ausreichend Klein- als auch Großwild, Valravns Vater war ungemein stolz gewesen, als er seinen ersten Elch schoss. Mit Umzug in die Großstadt, aufgrund des Studiums, fehlte ihm natürlich zunehmend die Zeit, um auf die Jagd zu gehen, doch an manchen Wochenenden nahm der Schwede sie sich, anstatt, wie Andere in seinem Alter, auf Partys dem Alkoholkonsum zu erliegen, trieb es den angehenden Veterinärmediziner in die Wildnis, zur Jagd.
Es hatte gleichermaßen einen erholsamen als auch lehrreichen Effekt.
Das Einzige, was Valravn heute in seiner Küche jagte, war lediglich etwas frisch gebackenes Brot und Haferbrei, der jedoch gut Energie gab, sowie schmackhaft war, ansprechend zubereitet, als auch angerichtet, konnten selbst die simpelsten Gerichte zur Kunstform aufsteigen und am Ende zählte sowieso der Geschmack. Zumindest letzteren betreffend durfte Jesse sich nützlich machen, er durfte mit den Tisch eindecken, auch wenn sein Mann, wohl oder übel, auch das Talent haben konnte zu stolpern, über die eigenen Füße, nun ja, manchmal mutete er zumindest so an!
Sein Mann, dessen Lippen ohnehin süßer waren als Zucker, gar die Ambrosia, nachdem Valravn sich stets verzehrte, machte zudem auch von Hinten eine ebenso gute Figur, wie von vorne. Wie könnte der Schwede da nicht dem Drang erliegen, sich an diesem Anblick zu erfreuen, zu ergötzen? Dass sein Mann ihn murmeln hörte, war pure Absicht, zumindest würde Valravn alles Andere strikt leugnen, es spielte für ihn kaum eine Rolle, dass sie sich, erst kürzlich, eng umschlungen einander hingegeben hatten, deshalb verlor Jesse ja nicht an Reiz oder Anziehungskraft. Valravn war zudem beherrscht, er konnte sich an dem Anblick erfreuen, auch ohne Jesse sofort die Kleider vom Leib zu reißen. Irgendwo wäre es auch reizlos, aus seiner Sicht, wenn er stets dem Bedürfnis nachgeben würde, mit seinem Mann zu schlafen, sie waren keine, vor Hormonen überschäumenden, Teenager und auch wenn er Jesse, wie in dem Moment als er vor ihm Platz nahm, manchmal auf diese bestimmte Weise ansah, war dies auch nur eine weitere Form seiner Zuneigung, die er für ihn empfand.
Ihm gefiel zudem der Aspekt das sein Mann, der zwar augenscheinlich in einen Jungbrunnen gestolpert ist, seine schönen Züge zwar beibehielt aber dennoch ein kleines bisschen kantiger geworden ist. Der Unterschied war nicht all zu groß, minimal, gerade deshalb, sprang er dem Schweden auch so klar und deutlich ins Gesicht. Allerdings musste er Jesse dringend die Haare schneiden, fiel ihm auf, als er selbst Platz genommen hatte, sowie darüber nachdachte, seinen Pony zu kürzen. Sein Fokus rutschte ja förmlich ab, von den dunklen, zerzausten Locken seines Mannes, zu dessen, mitunter auch frechen, Mundwerk das ihm, aus dem Nichts heraus, diese schmeichelhaften Worte zukommen ließen. Noch dazu auf Schwedisch, was in der Tat etwas eingerostet klang, doch Valravn es nicht weniger bedeutete, er wusste, im Nu hatte Jesse wieder den Dreh raus. "Inte nästan lika bra som du, men tack." Für seine Verhältnisse fast schon kleinlaut, konnte Valravn das Kompliment nur liebevoll zurückgeben, früher wäre ihm das Ego sofort bis unter die Decke geschwollen.
Vielleicht wirkte es auf den ersten Blick nicht so, doch ein kleines bisschen hatte es vielleicht doch gelitten in den vergangenen zehn Jahren. Wobei Jesse jedoch nicht befürchten oder gar hoffen brauchte, dass aus dem Schweden, nun ein bescheidender Mann werden würde. Einem alten Wolf bringt man keine neuen Tricks mehr bei, jedoch schenkte er seinem Mann zusätzlich ein liebevolles Lächeln bevor er die Tasse an seine Lippen führte, um die Kehle mit dem Heißgetränk zu befeuchten, diese im Anschluss bei Seite gestellt, griff auch er zum Löffel hob etwas Marmelade auf seinen Haferbrei und tat sich daran gütlich während sein Mann zu erzählen begann. Kurz nur kam ein wissender Laut, als auch Blick, von Valravn, der jedoch nicht gedachte Jesse zu unterbrechen aber er erinnerte sich an dessen Nachbarn. Elenor und Peter, Valravn hatte vielleicht wenige Wochen, bevor er Jesse den Antrag machte, den Vorschlag unterbreitet, die Beiden einmal zum Essen einzuladen. Ab und zu hatte der Schwede ja gerne mehr als nur eine weitere Person bei Tisch, das Essen schmeckte mit mehreren Leuten manchmal einfach besser.
Er stoppte jedoch einen Atemzug lang mit dem Essen bei der Offenbarung, was mit Jesses Hunden passiert war, Isaac und Dian, liebevolle, kluge Tiere, weswegen Valravn sehr gut nachfühlen konnte, wie unfassbar schwer es seinem Mann gefallen war, diese Beiden zurückzulassen. Sie waren ihm leider auch nicht begegnet, als er, deutlich später, zurück vom Campen, in die Ortschaft gekommen war und auch beim Haus fand er sie nicht vor.
Der Schwede spann den Gedanken nicht weiter, so oder so, sie waren längst tot, sowie seine eigenen Hunde, von denen er am Ende mehr hatte, als geplant war und dies mit einer der Gründe war, weswegen er mit Jesse einmal mehr im Monat jagen ging, als vielleicht davor, wo sich Valravns Anzahl von Haustieren noch auf null beschränkt hatte. Den Löffel wieder in den Haferbrei getaucht, nahm er diesen zu sich, aufmerksam zuhörend und, wie in gewohnter Manier, mit einer stoischen Gelassenheit, seinen Mann betrachtend. Ein Schluck Tee folgte zwischendurch, ehe er einfach einwerfen musste. "Du hast dich absolut richtig verhalten, das Risiko, dass sie andere Krankheitserreger in sich trugen, war viel zu hoch und ich bin froh, dass du so geistesgegenwärtig gehandelt hast."
Valravn lehnte sich minimal nur nach vorn, hob die Hand und streckte sie nach der von Jesse aus, sachte umschloss er seine Finger, drückte sie sanft, da er sich nichts vorzuwerfen hatte, alles was zählte war das Jesse überlebte. Und das er nicht einfach aufgab, nicht das Handtuch warf, sondern kämpfte. Mit dem Daumen strich er über Jesses Handrücken, entließ ihn aber auch nach der kleinen Geste wieder, da er ihn weder am Essen, noch Erzählen hindern wollte und selbst unglaublich hungrig war. Trotz dessen, dass er aussah wie ein Wikinger, hatte Valravn noch immer dieselbe anmutige Haltung und Verhaltensweise beim Essen wie früher, wie Jesse zuvor sagte, manche Dinge ändern sich eben nie. Noch ein Löffel hier, ein Schluck Tee da, während seine dunkelbraune Iris an Jesses Lippen hing, über die mehr kamen als nur aufschlussreiche Worte, er hatte den Klang seiner Stimme schmerzlichst vermisst.
Schließlich hob der Schwede den Kopf ein Stück an, immer deutlicher zeichnete sich auf seinen Lippen ein Lächeln ab, es spiegelte Freude wider und etwas Stolzes lag in seinem Blick, mit dem er Jesse bedachte, als er von ihm erfuhr, dass er das Glück hatte auf eine Gruppe zu stoßen, die ihn aufnahm sowie seinen moralischen Wertvorstellungen am nächsten kamen. Menschen um sich zu haben war gut, zumindest die meisten Leute zogen daraus einen Vorteil, Valravn blieb da lieber für sich. Er fand es beruhigend das Jesse nicht durchweg allein gewesen ist, nicht das er es ihm nicht zutraute, im Gegenteil, sein Mann bewies mehr als deutlich, dass er allein zurechtkam aber in einer Gruppe fiel vieles leichter, dessen war er sich bewusst. So recht wollte das Lächeln auch nicht schwinden aus dem Gesicht mit den markanten, harten Zügen je länger er Jesse reden hörte. Sein Mann hatte eine wichtige Aufgabe gehabt, die Gruppe zu versorgen, er zweifelte nicht eine Sekunde daran, das ihm dies gelungen war, Jesse war ein sehr guter Jäger geworden, ein ausgezeichneter Schütze und einmal etwas erlernt, war es in seinem Kopf gespeichert. Ihm kam zudem sein Studium zugute, genau wie Valravn kannte er sich mit Anatomie aus und er hatte ruhige Hände, wusste, wo er das Messer ansetzen und wie er es führen sollte.
Valravn hatte ihm gerne dabei zu gesehen, bei seinem ersten Versuch, das erlegte Wild aufzubrechen, das umzusetzen was der Schwede routiniert, wohl sogar im Schlaf, vollbrachte nach erfolgreicher Jagd. Wer Essen will, durfte sich nicht davor scheuen, sich auch die Hände schmutzig zu machen, diese Lektion hatte sein Mann sich bestens verinnerlicht, dafür belohnte Valravn seine Mühen stets am Schluss mit einem Gourmet-Essen. "Ein richtiger Held wie mir scheint." Sprach der Schwede leise zu sich selbst, sein Mundwinkel zuckte amüsiert nach Oben und er lenkte den Blick auf das Brot, von dem er sich eine Scheibe nahm, um diese mit Aufschnitt, sowie einer kleinen Scheibe Käse zu belegen, selbst solch simple Handgriffe vollbrachte Valravn, noch heute, mit dem Hauch von Anmut. Es lag kein Spott in seiner Stimme, er fand lediglich die Vorstellung...amüsant, dass Jesse in der Gruppe Leute gefunden hatte, die ihn nicht innerhalb der ersten zwei Sekunden nervten.
"Nun, ich hoffe es wird sich die Gelegenheit ergeben, deiner kleinen Freundin zu helfen. In der Tat hätte ich, Minerva, gerne zum Essen bei uns. Mein Russisch mag eingerostet sein, aber wenn du der Auffassung bist, dass ich sie mögen würde, so zweifle ich nicht daran."
Kannte doch niemand ihn besser als Jesse, den er noch immer mit diesem schwachen Lächeln auf den Lippen ansah, bevor er sich einen Bissen vom Brot genehmigte, sein eindringlicher Blick ließ seinen Mann aber dennoch nicht los, er konnte eben nicht anders und noch immer empfand er Jesse als die faszinierendste Person, die ihm jemals begegnet ist. Genüsslich kauend, wohlig seufzend gar, aufgrund der Frische und Weichheit des Brotes, neigte der Schwede den Kopf ein wenig zur Seite, sein Blick ging an Jesse vorbei, in Richtung des Fensters, das schräg hinter ihm befindlich war. Bis auf einen Haufen Schnee konnte er nichts entdecken, dennoch war es schwer alte Gewohnheiten einfach abzulegen, zumal er die Abgeschiedenheit früher bewusst gesucht hatte. Hier innerhalb der Mauern von Balar, hatte er schnell das Gefühl eingeengt zu sein, vor allem jetzt, wo der Schnee sie eingekesselt hatte, sodass jeder, der nicht da draußen sein musste, sich in seine kuschlige Hütte verkroch aber gerne auch spontan Besuch vorbeischneite. Vorerst beließ es der Schwede beim Schweigen, immerhin hatte er ein grobes Bild davon, was Jesse die letzten Jahre getan hatte und ja, ihm war bewusst, das sein Mann noch immer nicht wusste wie es sich bei Valravn verhalten hatte. Der es jedoch vorzog erst einmal sein belegtes Schnittchen zu essen, sowie etwas Tee, zwischendurch, zu sich zu nehmen. Es lag auf der Hand, dass er sich diese Dinge durch den Kopf gehen ließ, doch für seine Verhältnisse äußerst entspannt anmutete, warum auch nicht? Er saß mit seinem Mann, wie jedes normale, verliebte Paar am Tisch und frühstückte, dabei konnten sie sich in angenehmer Stille auf das Essen konzentrieren oder angeregt miteinander plauschen.
"Was ist dein bisheriger Eindruck von den Leuten hier? Ich bin neugierig zu erfahren, was du in den wenigen Tagen, die du hier bist, analysiert und herausgefunden hast."
Hakte Valravn schließlich nach, griff nach dem Glas, sowie dem Milchkrug, um eben diese in das durchsichtige Behältnis zu füllen und anschließend davon zu trinken. Vielleicht fragte er auch, um seinen Eindruck, seine Feststellungen mit denen von Jesse abgleichen zu können, sie Beide hatten ein Auge fürs Detail, so ähnlich sie einander waren, umso unterschiedlicher könnten sie kaum sein. Natürlich wollte er Nägel mit Köpfen machen, Klarheit haben, Valravn befasste sich ungern, länger als nötig mit Problemen und verlor in der Regel nicht viel Zeit, um diese zu beheben. Der Mann schob einfach ungern Dinge auf, zumal er körperlich zwar ausgelastet war, für den Moment, sowie sich stärken, gar ausruhen sollte sogar aber sein Verstand war ungemein unterfordert. Niemand verstand das Problem besser als Jesse, Valravn hatte hier nicht seine abertausenden Bücher, nicht einmal sein Klavier, weder das Material zum Zeichnen, noch die Möglichkeit selbst ein Stück zu komponieren, um seine Gedanken auf etwas Erfreuliches zu lenken. Dank des Schnees, so schön er auch anmutete, konnte er nicht einmal ausreiten mit Sleipnir.
Er brauchte etwas zu tun, die Tiere waren alle versorgt, wirkliche Arbeit hatte er nicht und er konnte schlecht, jeden Tag die Tiere untersuchen, sein Geist wollte nach Lösungen suchen, ersehnte zugleich aber ein kreatives Ventil um den Druck ablassen zu können, der ihm nur all zu oft Kopfschmerzen bereitete.
Des Weiteren versuchte er auch den Fokus auf Jesse beizubehalten, ihm gleich vorweg zu nehmen, eine Gegenfrage an ihn zu richten, nachzubohren, was er in den letzten zehn Jahren getan hatte. Ganz der Alte eben, der sich seine Geheimnisse um jeden Preis bewahren wollte und daher womöglich etwas taktlos erschien. Nur, was sollte er machen, Leuten eine Träne nach weinen, zu denen er keinerlei Bezug hatte? Jesse sagen, dass das, was er erlebte nicht schlimm war? Sie wussten beide das würde nichts ändern, das Hier und Jetzt war wichtig. Zumal der Schwede ihm stets die Schulter zum Anlehnen darbot, wenn er sie brauchte, nur war seinem Mann wohl auch klar, dass Valravn aufgrund seines Geständnisses, sich natürlich, wortwörtlich fieberhaft, den Kopf zerbrach. Er wusste schon, weshalb er sich von Leuten lieber fern gehalten hatte in den letzten Jahren, bis auf wenige Begegnungen versteht sich, wo der Schwede sogar über seinen Schatten sprang, um zu helfen.
Von jetzt auf gleich holte er tief Luft, schob die Schüssel mit Haferbrei von sich und lehnte sich im Stuhl zurück, die Beine unterm Tisch überschlagen, verschränkte er die Arme vor der Brust und sah Jesse an, mit Strenge, die er bis eben nicht mal im Ansatz hatte aufblitzen lassen in seinem Blick. Jedoch schloss er einige Sekunden später das müde Auge, fasste sich an die Nasenwurzel und drückte zu, vielleicht lag es einfach am Fieber, sowie der Müdigkeit, weshalb ihm das Frühstück plötzlich schwer im Magen lag. Ihm gar der Appetit verging und das passierte wahrlich nicht oft.
"...Beantworte mir eine Frage,.. was wünschst du dir oder ..anders ausgedrückt, was möchtest du, das ich für dich tue Jesse? Und schiebe dein schlechtes Gewissen bei Seite, blenden wir den Umstand aus, was dein eigentlicher Aufenthalt hier in Balar bezwecken sollte. Mich interessiert nicht, was irgendwer, von dir erwartet mein Liebster, ..ich will wissen was du willst."
Trotz der anfänglichen Strenge in seinem Blick, sprach Valravn sehr sanftmütig zu seinem Mann, dessen Meinung am Ende alles war was ihn interessierte, dessen Wünsche und Vorstellungen. Vor allem wollte er wissen, was Jesse von ihm erwartete, unter den derzeitigen Umständen und es war nicht die Rede davon, ins Bett zu gehen, um das Fieber zu bekämpfen. Er ließ die Hand sinken, nachdem er sich erneut die Nasenwurzel leicht massiert hatte, den Blick anhob und Jesse auf eine Weise ansah, die Bände sprach. Sein Mann kannte seine Meinung was andere Leute betraf, wo Valravns Prioritäten letztendlich stets lagen.

@Jesse Redford


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#22

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 23.01.2020 22:35
von Jesse Redford (gelöscht)
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Obwohl Val hier nicht mehr dieselben Möglichkeiten hatte wie noch vor zehn Jahren, als er in seiner grosszügigen Wohnung in Alaska gelebt hatte, mit der modernen, grossräumigen Küche und der ebenso geräumigen Speisekammer, schmeckte das Essen nach wie vor fabelhaft. Er konnte eben zaubern, sein Verlobter. Egal welche Art Nahrungsmittel er in die Hände nahm, es wurde ein Meisterwerk daraus.
Jesse merkte, wie sehr er Vals Kochkünste vermisst hatte. In den letzten zehn Jahren hatte er nicht eine Person getroffen, die auch nur annähernd an ihn herankam. Kaum zu glauben, dass er wirklich ein Jahrzehnt lang im Glauben gelebt hatte, sein Verlobter wäre tot. Dabei hatten sie einander einfach verpasst, damals. Eine Kette dummer Ereignisse und Zufälle hatte sie für eine Dekade voneinander getrennt. Nun hatten sie sich wieder, doch zehn wertvolle Jahre waren für immer verloren. Sie wurden nun beide nicht mehr jünger.
Als Jesse darüber nachdachte, kriegte er ein banges Gefühl in der Brust. Das Gefühl, als würde ihnen die Zeit durch die Finger rieseln, unaufhaltsam, wie Sand in der Wüste.
Doch immerhin hatten sie einander. Sie konnten einander wieder diese Blicke zuwerfen, Komplimente und Zärtlichkeiten austauschen. Ihre Leidenschaft war immer noch dieselbe, das hatten sie nicht einmal 24 Stunden nach ihrem Zusammentreffen bereits wieder bewiesen.
Während er sprach, beobachtete er Val beiläufig, studierte seine Mimik und Gestik, welche tatsächlich über die Jahre hinweg dieselbe geblieben war. Manche Bewegungen wirkten womöglich ein wenig anders, weil es körperliche Einflüsse darauf gab. Doch das Grundgerüst war dasselbe geblieben. Wunderschön und anmutig. Und vor allem strahlte Val immer noch diese Würde, Eleganz und vor allem natürliche Dominanz aus, der man sich einfach unterwerfen wollte. Der er sich damals, vor fünfzehn Jahren unterworfen hatte, ohne wirklich zu merken, wie ihm geschah. Er hatte sich damals in diese sanften, schützenden aber auch strengen Hände begeben und Val letzten Endes als den Mann auserkoren, dem er immer folgen würde.
Selbst jetzt spürte er diese Ausstrahlung wieder, hatte sie gestern Abend gespürt, heute Morgen. Val hatte nie damit aufgehört und Jesse fühlte sich jetzt, wie auch damals, unaufhaltsam davon angezogen. Ob Val auch spürte, dass er ihm nach wie vor treu ergeben war?
Als Val das Wort erhob und ihn nach dem Dorf fragte, liess Jesse sich erst einen Moment Zeit, um nachzudenken. Das war keine Frage, die er schlicht aus dem Stegreif beantworten konnte und wollte. Natürlich hatte er sich bereits seine Eindrücke geholt, doch er musste das erst ein wenig sortieren. Er liess den Blick kurz schweifen, während er sich etwas Zeit zum essen nahm. Er ass europäisch. Selbst jetzt noch. Die amerikanische Art zu essen, wie Val es stets verabscheut hatte, schien aus seinem Gedächtnis nahezu gänzlich gelöscht. In all den Jahren von Vals Abwesenheit war er nicht in alte Muster verfallen. Er war Val treu geblieben, selbst in all den Kleinigkeiten, die Val ihm damals gezeigt hatte.
Sein Blick glitt zum Fenster, er musterte den Schnee, der so manchem Kind damals eine Menge Freude bereitet hätte. Niemals ihm, ihm war es nicht erlaubt gewesen sowas wie Schneeballschlachten mit anderen Kindern zu halten. Er hatte sein Talent zu fördern gehabt. Schneeballschlachten waren verlockend, genauso wie das Bauen von Schneemännern. Aber das war nunmal einfach nicht im Sinne seiner Eltern gewesen.
"Ich .. habe den Eindruck manche hier leben in einer Blase. Einer schönen, regenborgenfarbigen Seifenblase, fragil, jederzeit bereit zu platzen, wenn nur der falsche Einfluss auf sie einwirkt. Sie denken sie haben sich hier ein schönes, sicheres Leben aufgebaut, Abseits aller Gefahren, die da draussen lauern können. Sie benehmen sich wie ... Wikinger, sprechen von Odin und Valhalla..." Er schmunzelte kurz, jedoch eher auf bittere als amüsierte Weise. "Es wirkt für mich eher wie ein ausser Kontrolle geratenes Rollenspiel, um die Leute im Glauben zu lassen, dass da draussen nichts mehr ist, das ihnen gefährlich werden könnte. Aber sie haben keine Ahnung was da draussen alles lauert..."
Kurz pausierte er, gönnte sich einen Schluck Tee. "Es gibt ein paar Personen von denen ich mir vorstellen kann, dass sie noch nicht ganz so sehr in dieser Traumwelt gefangen sind, welche hier so zwanghaft aufrecht erhalten wird. Aber es sind nur wenige. Die Leute hier denken, sie wären vor allem gefeit. Aber ... Es gibt immer einen grösseren Fisch..."
Erst da sah er Val wieder an. Er kratzte sorgfältig den restlichen Haferbrei aus seiner Schüssel. "Was denkst du von diesem Ort?"
Kurz seufzte er. WEnn er daran dachte, mit was für einer Armee Scorpion hier aufschlagen könnte. Der Weg war beschwerlich, ohne Frage, vor allem für diejenigen unter den Horden an Untoten, welche nichtsdestotrotz essen und trinken und schlafen mussten. Deswegen würde er frühestens im Frühling, vielleicht auch Sommer angreifen, wenn zumindest kein Schnee lag und es einfacher war, hierher zu reisen. Jesse wusste wozu Scorpion in der Lage war. Er wanderte ungesehen mit den Toten, spionierte die Gegend aus, wie er es bereits getan hatte letzten Frühling, kurz nach Übernahme des Zoos. Da hatten sie Balar entdeckt und seither sorgte er fast durchgehend dafür, dass ein paar Beisser zusammen mit den Whisperern hier oben waren und das Dorf im Auge behielten. Und die Menshcen in ihren Seifenblasen weigerten sich die Gefahr zu erkennen...Dabei waren es immer schon die Lebenden gewesen, welche gefährlicher waren als die Toten.
Als Val sich auf einmal so ruckartig zurücklehnte, die Arme verschränkte und sein Blick ihn regelrecht durchbohrte, hielt Jesse für einen Moment komplett inne. Er kannte diesen Ausdruck. Trotzdem entspannte er sich wieder ein wenig und hörte sich die Bitte an, der er allerdings auch nicht direkt nachkommen konnte.
Er biss sich auf die Lippen, betrachtete für einen Augenblick die leere Schüssel vor sich und fuhr sich dann mit der Hand durch seine Locken, welche noch immer ein wenig verschwitzt waren von ihrer morgendlichen Tätigkeit im Bett.
"Ich würde mir wünschen, dass du mir Vertrauen entgegenbringst. Vertrauen, dass ich weiss, was ich tue...", sagte er dann, bevor sein Blick langsam, beinahe etwas unsicher zu Val hochwanderten. Seine Augen huschten flüchtig über sein Gesicht, schauten dann aber wieder zur Seite.
Er öffnete den Mund, war sich aber nicht sicher, ob er aussprechen sollte, was ihm auf der Zunge lag. "Nun... Da ich dich wieder habe, brauche ich eigentlich auch nur dich. Wir waren schon immer ein gutes Team. Was ich will ist ein sicherer Ort für dich und mich. Und ich schulde Minerva ihre Freiheit..."
Erneut pausierte er kurz, bevor er aufseufzte. "Was wünschst du dir von mir?"

@Valravn Vargström


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#23

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 24.01.2020 14:48
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Sie hatten keine Eile, selbstverständlich wollte der Schwede Antworten haben, doch seinem Mann blieb genug Zeit darüber nachzudenken oder deutlich zu machen, dass er nicht darüber reden wollte, im Moment und Valravn würde es vielleicht sogar zunächst so stehen lassen. Das tat er nicht immer, einfach, weil es nicht seiner Art entsprach, sobald ein Problem auftauchte, wurde es in Angriff genommen, natürlich vorzugsweise schnell und gründlich, wie ein Schnitt mit dem Skalpell aber manches Mal musste er dieselbe Geduld aufbringen, wie im Umgang mit Jesse. Ein Glück, das er die nötige Geduld dafür von Anfang an mit sich brachte, sonst hätte ihre Beziehung wohl kaum eine Chance gehabt, eigentlich wäre dann nicht mal ihre Freundschaft zustande gekommen. Darüber zerbrach sich der Ältere, mit nur noch einem verbliebenen Auge, jedoch nicht den Kopf.
Zudem hatte er die Gewissheit, dass sich zwischen ihnen nichts verändert hatte, sie liebten einander, hatten dies im Bett, unter dem, von Schnee bedeckten, Dach dieser Hütte erst gründlich unter Beweis gestellt und in Bezug auf ihre Position war alles beim alten geblieben.
Valravn führte als Alpha, Jesse folgte und fügte sich als sein gleichwertiger Partner, Verlobter. Sein Mann kannte seinen Platz, war sich seines Einflusses gewahr, den er auf den Schweden hatte, wie auch umgedreht und was am wichtigsten war, ihm gefiel es. Sein weitaus dominanterer, älterer Mann musste ihn nicht in die Ecke, in diese Position zwingen, es fügte sich ganz natürlich bei ihnen Beiden. Und selbst zehn Jahre änderten nichts daran, das Ambiente um sie herum war anders, rustikaler, simpler, das neue Leben, das ihnen abverlangt wurde, hatte Spuren hinterlassen, doch sich gegenüber saß dennoch dasselbe, verliebte Paar, die einzig mit Blicken ganze Konversationen führen konnten, ohne auch nur einmal ein Wort von sich geben zu müssen. Jesse bewegte sich genauso wie früher, sein Geruch war derselbe und der Klang seiner Stimme hatte noch immer etwas Beruhigendes an sich, sie war nicht so dunkel, mitunter knurrig, wie bei seinem Mann, sondern etwas sanfter, klarer.
Zudem hatte Jesse keinen Akzent, englisch war seine Muttersprache, während Valravn in den letzten Jahren kaum Verwendung dafür hatte, es gab ja niemanden zum Reden, also gut möglich, dass seine schwedische Herkunft wieder deutlicher mitschwang in seiner Aussprache, seinem Klangbild, zumal er immer schon das 'S' etwas eigen betonte.
Zu seiner Freude durfte er beim Essen auch feststellen, bereits gestern Abend, dass sein Mann, trotz einer Dekade, nicht zurück in das alte Muster verfallen war, so zu essen, wie es die Amerikaner stets taten und ihm als Kind beigebracht wurde, stattdessen durfte Valravn sich an der europäischen Art erfreuen. Wäre es anders, hätte er den Mund ohnehin nicht halten können, weil es ihn schlichtweg wahnsinnig gemacht hätte. Er tolerierte es bei Anderen, schließlich war dieser Kontinent ...nicht Schweden.
Da blieb ihm keine Wahl, doch bei Jesse konnte er dies zu Beginn hinnehmen, trieb es seinem Verlobten aber rasch aus im Laufe der Zeit, zumal er ja durchaus mit ihm, im europäischen Raum, verreiste, als es noch möglich war.
Schließlich gab es so vieles was er seinem Mann zeigen, mit ihm erleben wollte und es war in der Tat erstaunlich, dass Jesse, der mit seinem Boot die Möglichkeit gehabt hatte, nicht nach Europa abhaute, obgleich es da wohl nicht besser sein dürfte. Bedauerlich das sein Segelboot keine Option mehr ist, sonst hätte Valravn wohl prompt alles eingepackt und wäre mit Jesse auf eine einsame Insel ausgewandert.
Stattdessen saßen sie bei Tisch, in einem Dorf, das einerseits idyllisch war, auf der anderen Seite, den hohen Ansprüchen Valravns, jedoch nicht gerecht werden konnte. Wie auch? Der Mann hatte vor dem Ausbruch einfach alles, Blut und Schweiß hatte er in seine Arbeit investiert, um seinen Wohlstand zu erreichen. Jetzt war man schon wohlhabend, wenn man mehr als ein lächerliches Messer, sowie eine saubere Wasserquelle und Lebensmittel vorweisen konnte. Aus Interesse hätte er Urlaub an solch einem Ort gemacht, weil es ein Stück Schweden im Ausland war, ein Stück Geschichte seiner Vorfahren, den Wikingern. Die Leute hier waren zuweilen auch angenehm, hätten sie nicht Winter und wären eingeschneit, würde er es Azra jedoch gleich tun, indem er sich etwas Abseits des Dorfes eine Hütte errichtete.
Darum ging es dem Schweden im Augenblick aber nicht, er wollte Jesses Meinung hören, wissen was er von dem Ort hielt um daraus ableiten zu können, was sie als Nächstes tun oder in Erwägung ziehen sollten. So wie er Jesse reden hörte, kam er nicht umhin, sich zu einem schwachen Schmunzeln hinreißen zu lassen, flüchtig nur huschte es ihm über die Lippen, sein ausdrucksstarker Blick jedoch haftete an seinem Mann und sein Eindruck war nicht unbegründet, das stimmte schon.
Ihr Blick traf sich auch erst wieder als Jesse zu ihm sah, nebenbei hörte Valravn das Kratzen des Löffels am Boden seiner Schüssel, sein Mann war zum Glück kulinarisch nicht festgefahren oder leicht abzuschrecken, zumal schwedisches Frühstück bei ihnen ausreichend zelebriert wurde. Valravn kochte Gerichte aus aller Welt, experimentierte gerne herum und sein Mann war überaus aufgeschlossen dem gegenüber, sowie anderen Dingen, die sie miteinander teilten.
Eine Eigenschaft, die er immer schon sehr an ihm gemocht hatte.
Es lag natürlich auf der Hand, dass die, von ihm gestellte, Frage auch an ihn gerichtet wurde und der Schwede brauchte ebenfalls einen Moment Zeit, zum Nachdenken, dabei rieb er sich das bärtige Kinn, vorhin hatte er überlegt sich zu rasieren aber er konnte nicht leugnen, dass es seine Natur, seine Ausstrahlung, schmeichelnd unterstrich. Jesse schien sich daran auch nicht zu stören, nun, fürs Erste konnte er diesen Stil wohl beibehalten.
"Das er seine Vor- als auch Nachteile hat, es ist nicht die erste Kolonie, Siedlung, auf die ich gestoßen bin in den letzten zehn Jahren. Was mich bewogen hat, mich ihr zu nähern war wohl, ...Heimweh, sowie der Umstand, dass ich nicht jünger werde. Ansonsten,.... es ist laut, belebt, ....du kannst dir vorstellen wie es hier für meine Nase ist. Es geht mir in der Hinsicht nicht anders als dir, wenn du in einen Raum trittst, der vor Reizen nur so aus allen Nähten platzt. Ich kann dir deinen Eindruck nicht verübeln, es erging mir nicht anders, zudem hadere ich noch immer mit vielen Dingen. Ich zweifle nicht daran, dass Balar einem Angriff trotzen kann, ...ich bin mir lediglich im Klaren darüber, dass diese Gemeinschaft hier, einigen Anderen zahlenmäßig unterlegen ist. Die Anführer sind jung, halbe Kinder, ich glaube ich bin der Älteste hier im Dorf und es bereitet mir Bauchschmerzen, dass sie womöglich nicht gewappnet sind, für gewisse Dinge, die da draußen lauern. Doch es wäre unfair, als auch dumm, sie aufgrund dessen zu unterschätzen, Balar hat eine, taktisch betrachtet, gute Lage, es ist schwer zugänglich und von einer Seite durch den See geschützt. Der Nachteil ist, die Befestigungen sind überwiegend aus Holz, Lehm, mitunter Stein aber wir haben keinen Steinmetz glaube ich...." Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, holte tief Luft, es gab Individuen hier, die ihm tatsächlich nicht gleichgültig sind, das passte ihm nicht sonderlich in den Kram, er wollte sich von so etwas nicht beeinflussen oder bremsen lassen.
"Sie leben nicht nur wie die Wikinger, sie kämpfen auch wie sie aber ich stelle keine Vermutungen an, ich kann im Augenblick nicht beurteilen, wie Balars Chancen stehen, sollte plötzlich jemand beschließen, den mühsamen Weg auf sich zu nehmen, um den Ort anzugreifen. Es ist eh wagemutig, sowie ...nicht lohnenswert aus meiner Sicht, Balar zu überfallen. Hier gibt es nichts von Wert, für ...moderner ausgestattete Kolonien, die gar Strom haben. Die einzige Ressource, die dieses Dorf bietet, die immer einen Nutzen haben wird, sind die Menschen die hier leben. ."
Sie hatten ein paar Tiere, natürlich Waffen, Nahrung, andere Ressourcen aber Balar war friedfertig, sie lebten wie die Wikinger früher aber deren Mentalität, zu rauben, zu plündern und zu erobern, teilte die Gemeinde nicht. Valravn war nicht mal sicher, ob auch nur einer von ihnen, hoch zu Ross imstande war zu kämpfen, jedoch hatte er sich dahin gehend noch keinen großen Überblick verschafft. Gab es überhaupt einen Notfallplan im Falle eines Überfalls? Er atmete hörbar aus und rieb sich mit den Händen die erhitzten Wangen, wanderte mit den rauen Fingern jedoch rauf zu seinen Schläfen, die er anfing zu massieren, er bekam Kopfschmerzen.
Das ihm zusätzlich das Essen verging, machte es nicht besser, dabei hatte er sich, wie immer, solche Mühe gegeben und es schmeckte auch vorzüglich, doch ihm geisterte zu viel im Kopf herum, Dinge für die er nicht das übliche Ventil zur Verfügung hatte um den Druck abzulassen, der von innen gegen seine Schädeldecke drückte. Der ein oder Andere hätte sich, ob seiner ruckartigen Bewegung, vielleicht erschrocken und man hätte Jesse selbiges nicht verdenken können, nur das Valravn sich dahin gehend nie sorgte oder es bräuchte. Sein Mann kannte ihn, besser als jeder Andere auf der Welt, selbst wenn der Schwede anmutete, wie ein zorniges, unberechenbares Tier, das noch haderte, ob es angreifen sollte oder nicht, so war Jesse immer schon imstande gewesen damit umzugehen, gar seinen Mann zu besänftigen. Sein Unmut richtete sich nicht gegen Jesse, das würde er deutlich erkennen, sowie sich gewahr sein, dass Valravn es ihm ins Gesicht knallen würde, verbal. Die Hand erhob er nicht gegen den Mann, den er liebte und wenn es krachte, dann nur, weil eine Tür im Streit mal zugeschlagen wurde.
Seufzend neigte Valravn den Kopf zur Seite, zog die Augenbrauen mürrisch drein schauend zusammen. "Du weißt, ich vertraue dir, ...aber ich vertraue anderen nicht."
Daran hatte sich nichts geändert. "...und wirst du mir sagen, was du gedenkst zu tun in dieser Angelegenheit?" Hakte der Schwede selbstverständlich nach, er vertraute Jesse, nur ihm sollte klar sein, dass Valravn, nach den zehn Jahren, nicht einfach hier bleiben würde und seinen Mann, allein, in die Höhle des Löwen gehen ließe. Beim besten Willen konnte er das nicht von dem Mann verlangen, der einen Kampf gegen einen Grizzly überlebt, sowie gewonnen hatte am Ende. Valravn zweifelte nicht an Jesses Fähigkeiten, auch nicht an seiner Intelligenz, doch er hatte schon immer ...ein weiches Herz.
Seine Hände ließ der Schwede sinken, legte sie, übereinander, wie in gewohnter Manier von früher, auf dem Knie ab und reckte das Kinn anschließend ein wenig. Er mochte nur einen gewöhnlichen Morgenmantel aus schwarzem Leinen tragen, wilder aussehen, doch da saß immer noch der Snob, der nie Fassade war, sondern einfach zu Valravns komplexem Wesen gehörte.
Der ebenso unerbittlich, wie auch liebevoll sein kann.
"Alles was ich mir wünsche von dir .... ist das du an meiner Seite bleibst, ....welchen Weg wir dabei beschreiten mögen spielt dabei weniger eine Rolle. Für den Moment bleibt uns nichts übrig, als zu warten bis das Wetter sich bessert, ich denke, ...wir sollten in der Zwischenzeit ein bisschen verlorene Zeit aufholen. Bedauerlich, dass wir nicht auf die Jagd gehen können, ... ich würde zu gerne sehen, wie gut du inzwischen geworden bist. Meine Wenigkeit muss wohl eingestehen, dass ich nicht mehr dazu fähig bin noch einen Bogen zu benutzen, geschweige denn ruhig ein Gewehr halten zu können ....es war nicht leicht, als ich mich dahin gehend umgewöhnen musste. Hast du noch das Jagdgewehr, ..dass ich dir damals geschenkt habe?"
Erkundigte er sich neugierig, ein wenig hoffnungsvoll womöglich, denn damals hatte er es nicht in Jesses geplünderten Heim gefunden, es war ein teures Schmuckstück gewesen, dessen Auswahl Valravn sorgfältig getroffen hatte. Sein Mann war vor ihrer Bekanntschaft bereits auf der Jagd gewesen, besaß sogar mehr als ein Gewehr für diese Tätigkeit, weshalb Valravn irgendwann beschlossen hatte, ihm ein Neues zu schenken mit entsprechend nützlicher Ausrüstung, sowie Mittel, welche für die Pflege dieses Gewehres notwendig gewesen ist.
Valravn war anfangs nämlich nicht ganz sicher gewesen, ob ein Jagdgewehr, wirklich ein gutes Geschenk ist, zum damaligen Zeitpunkt. Umso mehr hatte es ihn gefreut, gar mit Stolz erfüllt, als dieses bei ihrem nächsten Ausflug entsprechend eingeweiht wurde und sie ein vortreffliches Wildtier erlegt hatten, aus dem der Schwede, zur Feier des Tages, wieder mal in der Küche zur Höchstform aufgelaufen war, um daraus Köstlichkeiten zu kredenzen. Er hob letztendlich sogar wieder die Hände vom Knie, zog die Schüssel Haferbrei zu sich und leerte diese wenigstens, Frühstück war die wichtigste Mahlzeit des Tages, es sollte nicht vergeudet werden. Außerdem schmeckte es in Gesellschaft stets am besten. "Da fällt mir ein, du wirst es vielleicht ironisch finden, doch unter den wenigen Büchern, die ich hier in meinem Besitz habe, befindet sich tatsächlich eines deiner Werke. Ich würde ja darum bitten, dass du es mir signierst, allerdings ziehe ich es dann doch vor, mit dem Autor persönlich zu schlafen."
Brachte der Schwede plötzlich, mit einem charmanten Lächeln und diesem spitzbübischen Funkeln im Blick, über seine Lippen als er seinen Mann, sichtlich amüsiert, ob dieses Umstandes, ansah, gar diesem zuzwinkerte.
Jesses Werke hatte er immer gemocht, jedoch auch nicht mit Kritik gespart, doch unterhaltend waren sie alle Male, er liebte seine detaillierten Beschreibungen, seine anspruchsvolle Art zu schreiben und jedes Buch war besser als sein Vorgänger.
Da kehrte sogar sein Hunger langsam zurück, weswegen Valravn sich auch noch eine zweite Scheibe Brot gönnte, sowie mit etwas Fisch, anstelle von Aufschnitt, belegte und sich gänzlich entspannt zu Gemüte führte. Bedauerlicherweise hatten sie keine Musik, lediglich das Knistern des Kaminfeuers, war im Hintergrund zu hören aber es gab wahrlich schlechtere Geräuschkulissen.
Der Schwede gönnte sich sogar noch zwei weitere Scheiben Brot, was nur aufzeigte, dass er doch hungriger war, als es den Anschein hatte, aber wenn sein Kopf, was durchaus vorkam, doch mal überlastet war, verweigerte der Rest seines Körpers auch irgendwie den Dienst. Trotzdem ließ er sich natürlich nicht dazu hinreißen, seine Manieren bei Seite zu legen oder gierig zu schlingen, nein, er ließ sich Zeit, wie immer. "Hast du ....Matanus schon gesehen? Die Schwarzbärin?"
Valravn sträubten sich noch immer die Nackenhaare, dieser Bär konnte nichts dafür, er hatte keine Angst vor ihr per se, nur jedes Mal, wenn er sie sah, traf ihn die Erinnerung an den Grizzly wie ein Schlag ins Gesicht. Da kam alles sofort wieder hoch, was ihn selbst störte, das Tier an sich war faszinierend und er auch froh, dass sie gesund war, sondern scheinbar einfach keine Lust auf Winterschlaf hatte.
Mit der Tasse Tee, den er sich einmal nach geschenkt hatte, in den beiden Händen haltend, verblieb Valravn ausnahmsweise gemütlich am Tisch sitzend, nachdem er ausreichend gegessen hatte, er sprang ja nicht immer sofort auf, um den Abwasch zu machen. Daran starb er ja nicht gleich, zumal er diesen Morgen, so schön wie er war, gerne etwas länger genießen wollte und seinen Mann, der ihm gegenüber saß, wie früher, mit einem hauchzarten, jedoch umso liebevolleren, Lächeln auf den Lippen betrachtete.
"Das heißt dann wohl, du übernimmst den Abwasch und verbannst mich ins Bett? Kaum zu glauben, mein Mann, der aussieht als wäre er nur halb so alt wie mich, schickt mich auf mein Zimmer."
Merkte er sehr belustigt, ob dieses Umstands, an und trank einen Schluck seines Tees. Valravn könnte sich sträuben, er ließ sich ungern einfach ins Bett schicken, doch Jesse war nicht weniger starrköpfig wie sein Mann, der es vielleicht nicht aussprach, doch an sich ganz süß fand, wenn der Jüngere von ihnen sich ein wenig um ihn kümmerte. Kam ja nicht oft vor, dass Valravn so gesehen das Ruder aus der Hand gab, doch wenn es seine Gesundheit betraf, musste sein Stolz hinten anstehen. Ärzte sind generell auch noch so furchtbare Patienten, jedem Anderen würde Valravn seinen tödlichsten Blick zuwerfen, Jesse hingegen hatte eben das richtige Händchen für seinen alten, grimmigen Wolf.

@Jesse Redford


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#24

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 25.01.2020 21:52
von Jesse Redford (gelöscht)
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Balar war taktisch wirklich gut gelegen. Auf der einen Seite war der See, der kaum zu überqueren war ohne gesehen zu werden und eine Horde Untoter würde darin absaufen. Das stand fest. Und von unten gab es nur den Weg am Fluss entlang.
Trotzdem war Jesse überzeugt, wenn Scorpion wollte, konnte er die Kolonie einnehmen. Die Frage war nur, ob er wirklich wollte. Das war bislang die möglichkeit, die er sah, um Scorpions Interesse an der Kolonie zu verringern. Hier gab es einfach nichts, das interessant war ausser vielleicht die Bewohner. Viele von ihnen waren handwerklich begabt oder hatten andere Talente, die auch im Zoo dringend gebraucht werden konnten.
Diesen Punkt sprach auch Val an und Jesse konnte ihm nur zustimmen.
„Da hast du Recht. Scorpion ist bei seinen Erkundungen per Zufall über das Dorf gestolpert. Und er ist neugierig. Er will wissen, wer oder was ihn so umgibt, deshalb hat er mich eingeschleust. Letzten Endes werde ich ihm wohl sagen, ob sich ein Angriff lohnt. Ich kann mir vorstellen, dass er davon absieht, wenn ich überzeugend genug bin. Nichtsdestotrotz...“ Er zögerte kurz und seufzte, ließ sich sogar dazu hinreissen sein Gesicht auf seine Hände abzustützen. Keine sonderlich sittliche Geste, doch wenn er ehrlich war ... war ihm Manierlichkeit angesichts der laufenden Diskussion nicht so wahnsinnig wichtig. Die Gesellschaft von früher war sowieso nicht mehr... Auch wen er sich in Vals Gegenwart automatisch wieder ein wenig anders benahm als davor. Er achtete wieder mehr auf die Art wie er aß, sprach, sich bewegte. Da er die letzten zehn Jahre keine grimmigen Blicke oder gar scharfe, korrigierende Worte erntete, wenn er sich mal gewollt oder ungewollt daneben benahm, hatte seine Disziplin sich schon ein wenig gelockert. Es gelang ihm nur ganz gut es noch nicht so sehr durchblicken zu lassen, während Val vor ihm sass.
„Ich werde in den Zoo zurückkehren müssen, Val. Scorpion ... ist kein Mann mit dem man sich einfach so anlegen sollte. Dafür ist er zu mächtig. Der Zoo ist keine kleine Kolonie und er hat viele Anhänger...“ Erneut dachte er an Minerva. „Er hat auch Leute, die ihn nicht leiden können, ja... Aber er achtet penibel darauf, dass er immer mehr Vertraute als Feinde innerhalb seiner Mauern hat. Er ist nicht dumm, obwohl er noch sehr jung ist...“ Kurz seufzte er und pustete sich eine seiner Locken aus den Augen.
„Du kannst mitkommen wenn du möchtest. Aber einfach hier bleiben und so tun als wäre nichts, kann ich nicht. Aber ja, bis dahin...“
Kurz schaute er zum Fenster und musterte erneut die Schneelandschaft, die sich davor bot. Jetzt konnten sie eh nichts machen. Scorpion genauso wenig. Auch wenn es unten im Zoo sicher weniger Schnee hatte als hier oben in den Bergen... Im Moment würde er nicht zu ihnen hoch kommen. Also hatten sie noch etwas Zeit.
Er richtete sich wieder etwas auf, griff nach dem Löffel und ließ ihn ein wenig gegen den Rand der Schüssel klimpern. Ohne ersichtlichen Grund.
„Das Gewehr...?“ Er hob den Blick, schaute Val kurz an und lächelte dann. „Natürlich hab ich es noch. Im Moment gerade in Gewahrsam durch die hiesigen Anführer aber auch nur so lange, bis sie mir vertrauen...“ Das Gewehr, eine wunderschöne Tikka T3 Superlite aus schwarzem Holz mit dunkelroten Einlässen, war die letzten zehn Jahre sein treuester Begleiter gewesen.
Val hatte sie ihm geschenkt, eigens für ihn gebaut von Grund auf. Jesse hatte dieses Gewehr geliebt, das so leicht und zeitgleich präzise war. Und natürlich schick obendrein.
Mittlerweile sah es etwas abgegriffen aus, da ihm mit der Zeit die guten Pflegemittel ausgegangen war, dennoch behielt er nach wie vor große Sorge zu diesem prachtvollen Geschenk.
„Sie hat mir mehr als einmal das Leben gerettet. Und mich mit gutem Essen versorgt...“ Er lächelte leicht und verschränkte die Arme. „Schade, dass ich kaum noch Munition habe. Wenn ich nicht bald jemanden finde, der welche herstellen kann, wird sie wohl nur noch ein Schmuckstück sein.“ Er war sehr sparsam gewesen, hatte wirklich jeden Schuss gut abgewägt und kaum je einen vergeudet. Dennoch.. Mittlerweile hatte er nur noch etwa drei dutzend Schuss übrig, was nicht mehr wirklich viel war.
Auf seine nächste Bemerkung hin, horchte er erst auf, bevor ihm etwas der Gesichtsausdruck entglitt und er leicht rot wurde.
„Ts...“ Ihm fehlten die Worte auf diese dreiste Bemerkung seitens seines jetzigen Verlobten. Stattdessen wurde er nur noch röter und er wusste ganz genau wie sehr dies Val amüsierte.
Er war keine dreissig mehr, nicht mehr unberührt wie damals, als sie sich kennenlernten. Nein, er ging jetzt auf die fünfzig zu und immer noch errötete er wie ein Teenager, wenn Val ihm so direkt hinknallte, dass er gerne mit ihm schlief.
Um diesen halbwegs unangenehmen Moment irgendwie zu überbrücken erhob sich Jesse und klaubte das Geschirr zusammen. Als er am Tisch und somit auch an Val vorbei ging, blieb er noch einmal stehen und seufzte leise auf. Dann stellte er das Geschirr noch einmal hin, bevor er mit der rechten an Vals linke Wange griff, ihm mit den Fingern leicht durch den Bart fuhr und dabei auf ihn hinab sah. Kurz sah er weg, gen Decke, fast als würde er ein Stossgebet zum Himmel schicken, bevor er sich schliesslich zu ihm hinab beugte und ihn beinahe leidenschaftlich küsste. Noch immer schimmerten seine Wangen rot, dennoch genoss er den Kuss und vielleicht auch ein wenig die Tatsache, dass er die Situation gerade steuerte. Denn er trennte sich schon wieder von Val, bevor der die Chance hatte sich in dem Kuss zu verlieren oder gar mehr zu fordern.
„Der Autor dieses Werkes schläft ausserordentlich gern mit dir. Doch er möchte dich nun auch bitten, dich ins Bett zu begeben, auch wenn der erhoffte Beischlaf vermutlich ausfallen wird. Und wenn du nicht artig bist, versohlt er dir den Hintern...“
Kaum zu Ende gesprochen, packte er das Geschirr und floh eilig in Richtung Küche. Ja, dieses Wiedersehen lud zu einigem Übermut ein, wie es schien. Davor war wohl nicht einmal er gefeit.
Jesse stellte das Geschirr in die Spüle und begann damit es direkt abzuwaschen, solange die Reste noch nicht angetrocknet waren. Dabei versuchte er den Drang zu unterdrücken, sich umzudrehen, um sich Vals Reaktion anzusehen.

@Valravn Vargström


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#25

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 27.01.2020 12:23
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Seine Augenbraue zuckte als Jesse diesen unflätigen Namen aussprach, unter seinem Dach, zwar sagte er zunächst nichts oder reagierte groß darauf, doch es lag auf der Hand, wie extrem es dem Schweden missfiel, das sein Mann, sich von irgendwem anders etwas sagen ließ. Mal abgesehen von Valravn, doch sie waren ein Paar, schon lange vor dem Ausbruch. Und wie schon damals, hatte Jesse ein zu weiches Herz, denn gäbe es nicht einen kleinen, rothaarigen Grund im Zoo, dem er etwas schuldig ist oder zumindest glaubte zu sein, stünde dieses Thema gar nicht erst zur Debatte.
Jedoch war dieser Mann ihm nicht der einzige Dorn im verbliebenen Auge, was gerade mit ansehen musste, wie Jesses ganze Haltung, drohte den Bach runterzugehen. Minimal hob seine linke Augenbraue sich an dabei, beobachtete wie sein Verlobter das Gesicht, bei Tisch, auf den Händen abstützte und dabei in sich zusammen sank wie ein Sack Kartoffeln. Ja, ihm war vollends bewusst, dass die Zeiten sich geändert hatten aber das bedeutete, aus seiner Sicht, nicht dass man seine Manieren mit über Bord werfen musste.
"Setz dich gefälligst anständig hin." Sagte Valravn ruhig aber streng, mit entsprechend ernster Miene, offenbar hatte sein Mann an Sittsamkeit bei Tisch nachgelassen, natürlich, was auch sonst, immerhin war in den zehn Jahren niemand da, der ihn prompt mit einem stechenden Blick strafte oder strikt, gar scharfzüngig korrigierte, sobald er drohte sich zu benehmen wie ...der Pöbel. Wie der ganze Rest des Haufens von Cowboys und ungehobelten, vulgären Individuen auf diesem Kontinent. Valravn mochte bei Anderen etwas Nachsicht walten lassen, doch bei Jesse, fing er jetzt gewiss nicht damit an, ...lockerer zu werden, also wirklich. Wo kämen sie denn da hin? Wenn Valravn ihm das nun durchgehen ließ, dann war er, aus seiner Sicht, nur noch einen Steinwurf davon entfernt ehe Jesse am Tisch fraß, wie ein Schwein am Trog. Nein, nein, das wurdet tunlichst im Keim erstickt und unterbunden hier!
Es war ihm vollkommen egal, ob die Gesellschaft von früher nicht mehr existierte, das Überleben wichtiger war als Tischmanieren, doch Jesse saß hier nicht mit irgendwem bei Tisch, sondern mit dem Schweden, der sich trotz allem, vieles von früher bewahrt hatte und es schlichtweg nicht duldete, dass diese Welt ihn oder seinen Mann, zu Wilden verkommen ließ.
Hörbar 'begeistert' atmete der Schwede aus und bedachte seinen Mann, schweigend, mit einem vielsagenden Blick, natürlich würde er ihn begleiten aber es lag auch auf der Hand, dass der Veterinär ihm gegenüber, Jesse einfach mitnehmen würde, sollte es aussichtslos sein, dessen kleine Freundin, aus ihrem Gefängnis zu befreien.
Am Ende zählte für ihn nur Jesse und sein eigenes Leben, seine eigene Freiheit, er brauchte niemanden bis auf den, noch immer so jung anmutenden, Mann ihm gegenüber. "Du musst gar nichts Jesse."
Mehr sagte er vorerst nicht zu diesem Thema, doch die Art wie er es sagte, wie er ihn dabei ansah, sprach bereits Bände und machte seinen Standpunkt deutlich, der sich zu früher nicht verändert hatte.
Sein, wie in Stein gemeißelter, Gesichtsausdruck wurde jedoch weicher als Jesse seine Frage bejahte, da schlich sich sogar ein zufriedenes Lächeln auf seine Lippen, denn es freute ihn zu hören, dass Jesse noch immer das Jagdgewehr bei sich hatte, was Valravn ihm einst geschenkt hatte. Speziell für diesen angefertigt, auf ihn zugeschnitten, wie sonst die Anzüge welche Valravn selbst trug.
"Du wirst sie bald schon wieder zurück haben, dessen bin ich mir sicher, ..." Valravns Mundwinkel hob sich flüchtig an als er Jesses, Puppy Face, betrachtete. So sonderbar er auch anmuten konnte, so eigenwillig, am Ende fassten die Leute zu ihm wohl schneller vertrauen als zu Valravn, der mit jeder Faser seines Körpers, wie ein Raubtier anmutete. Im krassen Gegensatz dazu war Jesse einfach ...süß.
Jedoch wandte der Schwede den Blick von diesem ab, richtete seine Aufmerksamkeit stattdessen auf das Schwert, das in seiner ledernen, schwarzen Schwertscheide verweilend, nahe dem Kamin an der Wand anlehnte. Schusswaffen hatte er lange nicht mehr benutzt, er verließ sich auf sein Schwert, seine Streitaxt, die hinter der Hütte in einem Baumstumpf steckte, auf dem er das Feuerholz für den Kamin zuletzt gehackt hatte. Ansonsten behalf er sich mit seinem Jagdmesser oder Skalpellen, die er noch immer mit sich führte, und sollten alle Stricke reißen, nun so hatte Valravn noch immer einen extrem kräftigen Biss.
Sowie eine scharfe Zunge, die sich auch mal dazu hinreißen ließ, seinen Liebsten etwas aus der Fassung zu bringen und beim besten Willen, als er die zarte Röte in dessen Wangen aufsteigen sah, konnte er nicht anders als vor sich hin zu grinsen, ob dieses herzallerliebsten, süßen Anblickes.
Es verzückte ihn, dass er noch immer diese Wirkung hatte bei Jesse, dass es ihm gelang, mit nur wenigen Worten, seinen Verlobten zum Erröten zu bringen, wie einen niedlichen Teenager, der er zum Glück nicht ist. Valravn hegte schließlich keine solch pervertierten Gelüste und würde solche Leute eher ...beseitigen, als ihr Handeln zu ignorieren.
Jesse war trotz allem ein erwachsener Mann, der auf die Fünfzig zuging, obgleich er noch immer aussah, wie Anfang dreißig höchstens aber dafür sein Verstand umso gereifter war.
Der Schwede machte auch keinen Hehl daraus, wie sehr er sich gerade amüsierte, sowie den Anblick genoss, welcher Jesse, mit roten Wangen, ihm gegenüber darbot bis dieser sich plötzlich erhob, als auch damit begann das Geschirr abzuräumen. Sein Mann konnte zwar nicht kochen, doch Valravn begrüßte durchaus, früher schon, die Arbeitsteilung nach dem Essen, wenn der Koch sich mal eine Auszeit nehmen und beobachten durfte, wie Jesse den Abwasch tätigte. Noch immer lag das spitzbübische Grinsen auf seinen Lippen, obgleich er fragend die Augenbraue hob, da sein Mann plötzlich wieder umdrehte, das Geschirr auf den Tisch stellte und dessen, weit weniger rauen Finger, sich an Valravns Bart schmiegten. Automatisch reckte dieser das Kinn ein wenig mehr, beinahe schon darauf wartend, gar auffordernd, das Jesse ihn vielleicht ein bisschen ...kraulte.
Abwartend sah er rauf zu Jesse, der offenbar etwas unentschlossen zu sein schien, nun ja nicht lang, denn offenbar brauchte er nur einen Moment um den nötigen Mut zu fassen, ehe er seinen Mann plötzlich mit einem leidenschaftlichen Kuss belohnte, der tausendmal besser war als eine kleine Streicheleinheit.
Da ließ Valravn sich sicherlich nicht lange bitten, der Kuss war viel zu verlockend, als das er dem widerstehen könnte aber bevor er auch nur die Hand heben konnte, um Jesse kurzerhand an der Hüfte gepackt, auf seinen Schoß ziehen zu können, um den Kuss zu vertiefen, ließ dieser, fast als hatte er es erahnt, prompt von dem Schweden ab, der natürlich seinen Anflug von Missmut in einem knurrigen Laut äußerte und sich genüsslich über die Lippen leckte. Auch wenn Valravn gern stets die Kontrolle hatte, sowie den Ton meist angab, fand er es immer wieder erfrischend, gar niedlich, wenn Jesse sich traute das Ruder zu übernehmen, schließlich lag auf der Hand, dass es in bestimmten Situation stets der alte Wolf sein würde, der führt. Doch im Augenblick waren sie auch nichts weiter als ein verliebtes Paar, das sich auch mal ein wenig neckte, turtelte und Valravn sich erneut dazu hinreißen ließ, den Blick zielgerichtet auf Jesses ansehnliches Hinterteil zu lenken.
Natürlich hatte er dennoch zugehört aber er hatte keine Eile, er sah lieber Jesse hinterher, wartete bis er das Geschirr in der Spüle klimpern hörte, bevor sich der alte Wolf doch mal erhob vom Stuhl, sowie sich in Bewegung setzte. Jedoch machte er natürlich einen Abstecher zur Küche, wo er hinter Jesse stehen blieb, sowie sich hinab beugte um diesen einen Kuss auf den Nacken zu hauchen. "Obgleich du mir den Beischlaf gedenkst zu verweigern mein Schatz, hoffe ich trotzdem, du leistest mir nachher etwas Gesellschaft. Ich werde mich jetzt brav hinlegen, wie von meinem Mann gewünscht, ...damit er, oh Odin bewahre, mir nicht den Hintern versohlt."
Er ließ deutlich heraushören wie belustigt er, ob der Drohung von Jesse, in Wahrheit war und küsste seinen Nacken erneut. Hielt sich aber auch daran, was Jesse von ihm verlangte, ihm nahe legte, denn letztendlich wollte sein Mann nur das Beste für ihn und aus dem Grund kehrte Valravn auch wieder zurück ins Bett. Natürlich legte er vorher, ganz sorgfältig den Morgenmantel zusammen, sowie auf die kleine Kommode, ehe er die Decke zurückschlug, sowie sich ächzend auf die Matratze sinken ließ. Ja, seine Knochen ließen ihn deutlich spüren, dass er keine zwanzig mehr ist und anders als üblich, drehte er sich auf die linke Seite, anstatt auf dem Rücken liegend zu verweilen. Es war für diesen einfach entlastender und nicht so unangenehm, aufgrund der vielen Narben, die diesen zierten.
Die Decke zog er sich auch nur rauf bis zur Hüfte, zumal ihm schrecklich warm war, trotz der Tatsache das es Winter war und selbst in der Jahreszeit, ging er einfach schwimmen im See, zumal er vor Balar ja keine Möglichkeit hatte an Warmwasser heranzukommen aber stets darauf schaute, sich bei jeder Gelegenheit zu waschen. So kaputt, müde und erschöpft, wenn gleich in sehr positiver Hinsicht, zuweilen aber auch aufgrund des Fiebers, wie er war, dauerte es nicht lange bis der Schwede eingeschlafen war, zwar würde er trotzdem eine Stecknadel fallen hören, sowie sofort wach sein, doch etwas Erholung fand er dennoch. Vor allem da er das Wissen nun hatte, dass Jesse lebte und wieder bei ihm war. Vielleicht war dies nach über zehn Jahren gar der friedlichste Schlaf, den er seit dem hatte.



@Jesse Redford


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#26

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 27.01.2020 22:02
von Jesse Redford (gelöscht)
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Vals scharfe Worte zeigten sofort ihre Wirkung. Jesse korrigierte seine Haltung augenblicklich und setzte sich wieder gerade hin. Auch wenn er es in den letzten zehn Jahren irgendwie genossen hatte, dass niemand an ihm herummäkelte und ihn korrigierte, so hinterliess der strenge Ton in Vals Stimme ein aufgeregtes Kribbeln in seinem Bauch.
Im Laufe seines Lebens, insbesondere nachdem er Val kennengelernt hatte, hatte er sich oft mit der Frage beschäftigt, weshalb er so positiv auf strenge Worte reagierte. Wirklich zu einem Schluss war er dabei nie gekommen, doch einer seiner grössten Verdachte waren gewesen, dass seine Eltern ihn dahingehend geprägt hatten.
Seine Eltern waren stets streng mit ihm gewesen, hatten viel von ihm gefordert. Und wann immer er sich unterworfen hatte, waren sie zufrieden mit ihm gewesen und hatten ihn dafür gelobt. Letztlich hatte er sich dieses Muster eingeprägt. Und nun, fast fünfzig Jahre später zog es bei ihm immer noch.
Natürlich war ihm Vals penible art ab und an ziemlich auf die Nerven gegangen. Die ganzen Diskussionen um seinen Kleidungsstil. Als Val eiskalt seine Jogginghose in den Kamin geworfen hatte. Als er ihn stetig daran erinnerte, wenn er seinen Rücken nicht gerade machte, wenn er beim Essen die Haltung verlor, wenn er auf eine Krawatte verzichten wollte. Doch gleichzeitig hatte er diese Art von Aufmerksamkeit auch irgendwie genossen. Wenn er sich korrigierte und Val daraufhin zufrieden lächelte. Oder wenn Val an ihn herantrat, um ihm diese elendige Krawatte umzubinden.
Anfangs hatte er es sich nicht richtig eingestehen wollen, doch irgendwann hatte er realisiert, dass das dumpfe Kribbeln in seiner Magengegend angenehm war. Wenn Val auf ihn zutrat, ihn gegen eine Wand drängte und sich unmissverständlich als Alpha präsentierte. Jesse hatte es regelrecht geliebt von starker Hand geführt zu werden. Natürlich hatte er auch oft genug Widerworte gegeben, oft genug seine Grenzen getestet und immer mal wieder mit Absicht dafür gesorgt, dass Val ihn korrigieren musste. Und selbstverständlich, hatte er es auch immer verdeutlicht, wenn es gerade kein Spiel war und er seinen Standpunkt ernst meinte. Das waren oft die Momente gewesen in denen sie hitzigere Diskussionen geführt hatten, doch Jesse hatte sein Recht mit Val auf einer Augenhöhe sein zu dürfen immer wahr genommen, wenn er es für nötig hielt. Dafür begab er sich auch gern wieder in seine Rolle zurück, sobald diese Unstimmigkeiten geklärt waren.
Manch einer war vielleicht schockiert, wenn er sah, wie Val mit Jesse umsprang. Es war hie und da mal vorgekommen, dass besonders feinfühlige Personen sich ihm gegenüber besorgt geäussert hatten. Jesse und Val hatten ihre Beziehung zwar im Verborgenen geführt, doch selbst in ihrer nach aussen getragenen Freundschaft hatten sie ihr Spielchen weiter getrieben. Besonders bei Dinnerparties war es somit ab und an mal vorgekommen, dass ihr Umgang miteinander durchgesickert war. Und ab und an war er dann zur Seite genommen und darauf angesprochen worden, wie unerhört Val sich ihm gegenüber verhielt und dass er sich das doch nicht gefallen lassen musste. Jedes Mal hatte Jesse darauf erwidert, dass er Val sehr wohl bremsen würde, wenn er seine persönliche Grenze überschritt. Dies tat Val jedoch nur äusserst selten, da sie einander zu dem Zeitpunkt mehr als nur gut genug kannten.
Nun als er seine Haltung zu Tisch verlor, sich etwas lockerer mit auf die Hände gestützten Kinn präsentierte ud Vals Stimme erklang, war es nicht seine Absicht gewesen Val herauszufordern. Entsprechend rasch korrigierte er sich und ging auch nicht weiter darauf ein. Val würde zufrieden sein, dass er reagiert hatte, mehr war zum Thema nicht mehr zu sagen.
Dadurch, dass er sich augenblicklich korrigierte, gab er auch sein Einverständnis dafür, dass Val in diesem Ton mit ihm umspringen durfte. Wenn er das nicht gewollt hätte, hätte er es ihm auch gesagt. Ob er die anschliessende Diskussion gewonnen oder verloren hätte ... das war wieder ein anderes Thema.
Auch die Diskussion um den Zoo war fürs erste Verschoben. Val hatte sich nun einfach hinzulegen und auszuruhen, er selbst würde sich um den Abwasch kümmern.
Nach dem Kuss mit dem Jesse Val ein wenig ärgern wollte, begann er damit die Teller sauber zu machen. Gerade als er wehrlos war, weil seine Hände komplett Nass waren und er Geschirr in den Händen hielt, schlich sich sein Verlobter natürlich an ihn heran und hauchte ihm einen Kuss in den Nacken.
Jesse lachte leise auf. Eigentlich hatte er gar keine Lust Val den Beischlaf zu verwehren, gerade fühlte er sich wieder wie dreissig und hätte wohl den ganzen Tag nichts anderes tun können, einfach nur um ihr Zusammensein so innig wie möglich zu zelebrieren. Doch erstens würde er das niemals zugeben und zweitens musste Val sich trotz allem schonen. Er war schliesslich erkältet und als Arzt ohnehin ein schwieriger Patient.
"So ists brav", sagte er lediglich, als Val von ihm abliess. Er sah ihm kurz hinterher. Das war ein Satz, der normalerweise aus dem Mund des Schweden kam und nicht umgekehrt und nichts machte Jesse glücklicher, als von Val brav genannt zu werden. Doch zumindest hörte der alte, sture Mann für einmal auf ihn und bald darauf war es still im Schlafzimmer.
Jesse machte alles ordentlich und sauber in der Küche. Dann blieb er noch einen Moment da stehen und dachte über diese Situation nach. Er hatte nie damit gerechnet, Val eines Tages wieder zu sehen. Er war zehn Jahre lang ohne ihn ausgekommen und kaum einen Tag waren sie wieder zusammen und schon wirkte alles so wie früher. Bis auf einige Details, die eben derzeit etwas schwieriger waren. Jesse seufzte, fuhr sich mit der Hand durch die Haare, bevor er ebenfalls ins Schlafzimmer ging. Dort legte er sich aber nicht ins Bett, sondern liess den Morgenmantel fallen. Für den Moment stand er nackt im Raum und streckte sich, bevor er zu seinen Klamotten ging und sie sich anzog. Erst dann trat er ans Bett. Val schien zu schlafen. Wie tief war jedoch eine andere Frage. Kurz setzte er sich an den Bettrand und musterte seinen Verlobten einfach schweigend, bevor er ihm ein paar Haarsträhnen zurückstrich.
"Ich gehe mal eben zur Kräuterfrau. Vielleicht hat sie etwas, womit ich dir Umschläge machen kann...", sagte er leise zu ihm. Falls er wach war, kriegte er es mit, falls nicht, wars auch nicht schlimm.
Jesse erhob sich wieder, ging raus, legte noch ein Scheit ins Feuer und zog sich dann seine Stiefel und die Jacke an, bevor er nach draussen trat.
In der Zwischenzeit hatte es wieder ein wenig angefangen zu schneien. Der Pfad vor dem Haus war über Nacht wieder zugeschneit worden, sodass nicht einmal mehr ihre spuren von Gestern zu sehen waren.
Also bahnte sich Jesse seinen Weg durch den knietiefen Schnee bis zum Haus der Dame. Die kühle, frische Luft tat auch irgendwie gut, um ein wenig den Kopf frei zu bekommen.
Innert kürzester Zeit hatte er sich alle Häuser im Dorf gemerkt und sich im Kopf eine Karte erstellt. Damit hatte er keine Probleme das Haus der Kräuterfrau zu finden. Er liess sich ein paar Kräuter geben, einige für einen guten Wickel, ein paar, welche das Fieber senken sollten. Damit kehrte er dann wieder zu der Hütte von Val zurück. Vor dem haus blieb er kurz stehen, schüttelte den Kopf und trat dann wieder ein. Er schloss die Tür hinter sich, zog sich Stiefel die Stiefel aus und legte die Kräuter auf den Küchentisch. Während er zum Schlafzimmer ging, öffnete er seine Jacke, behielt sie aber noch an. Er lehnte sich in den Türrahmen und musterte Val, der beinahe so da lag, wie er ihn zurückgelassen hatte. Beinahe.
"Ich tu jetzt mal so, als hätte ich nicht bemerkt, dass du mir nach draussen gefolgt bist", sagte er in beinahe strengem Ton, während er sich die Jacke von den Schultern streifte.
"Du hast ein paar Wasserperlen von geschmolzenen Schneeflocken in den Haaren, deine Haut ist von der Kälte gerötet ... Ich hau schon nicht ab, Val..." Damit wandte er sich dann ab, um Wasser für den fiebersenkenden Tee aufzusetzen und die übrigen Kräuter gut zu zerstossen, um daraus wohltuende Wickel herzustellen.
Als alles soweit fertig war und die Küche nicht abgefackelt war, kam er schliesslich zurück. Er stellte den Tee neben Val auf den Nachttisch. Die Wickel mussten noch ein wenig abkühlen. Also zog er sich zumindest die Socken und die Hose aus, bevor er unter die Decke schlüpfte und sich zu Val legte.
"Du warst unartig, also gibt es erst recht keinen Beischlaf für dich", neckte er ihn.

@Valravn Vargström


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#27

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 30.01.2020 13:21
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Es war wohl nicht zu leugnen, dass Valravn sichtlich zufriedener anmutete, auf seine minimalistische Art und Weise, nachdem Jesse prompt seine Haltung korrigiert hatte, sich brav fügte, obschon er nicht selten auch dazu neigte, es ein wenig auszureizen. So unschuldig er auch aussehen mochte, Valravn kannte seinen kleinen Teufel mit dem Engelsgesicht in- und auswendig, obschon Jesse sich meist brav fügte, hatte er ebenso seine widerspenstigen Anwandlungen, er wusste ganz genau was Valravn in den Wahnsinn trieb, was den Ordnungsfanatiker vor ihm, der so penibel auf Manieren sowie eine vornehme Aussprache achtete, reizte. Nicht selten war dies der Auftakt zu einem Machtspielchen, das Niemand außer ihnen verstand, doch das tangierte den Schweden am wenigsten, der vor dem Ausbruch, als sie nach Außen hin nur eine enge Freundschaft pflegten, öfter beobachten konnte, wie mancher Jesse zur Seite nahm.
Es mochte wohl daran liegen, dass Valravn auch öffentlich dazu neigte seinen Partner prompt zu korrigieren, recht streng sogar, mehr einem Befehl gleich kommend als einer Bitte die er an ihn herantrug, in den Augen anderer womöglich gar zu bevormunden, was sich zu einem gewissen Grad auch nicht leugnen ließe aber Jesse war nicht weniger starrsinnig, wie der Schwede. Er fügte sich, weil er es wollte, nicht weil Valravn ihn dazu zwang und sie hatten klare Grenzen, eigene kleine Regeln im Umgang miteinander, denn obgleich es oftmals anders wirkte, spielte Respekt in ihrer Freundschaft, allen voran in ihrer Beziehung, stets mit die größte Rolle. Vor hitzigen Diskussionen waren sie dennoch nicht gefeit, wie wohl jedes Paar, da flog dann auch schon mal eine Tür lautstark ins Schloss oder der Ton wurde schärfer, doch in der Regel überwanden sie diese Streitgespräche ebenso rasch, wie sie zustande gekommen sind.
Mitunter fand Valravn es irgendwann sogar amüsant, wenn sie einer Dinnerparty beiwohnten und man Jesse zur Seite nahm, der sich das doch nicht gefallen lassen konnte, wenn der Schwede ihn tadelte, wie ein Kind bei Tisch, dass sich augenscheinlich nicht zu benehmen weiß. Immerhin war Jesse ein erwachsener Mann, der sich durchsetzen konnte, sehr gut sogar und sein Partner sich, nach solch besorgten Konversationen, fragend, manchmal gar schmunzelnd, bei ihm erkundigte was denn dieses Mal für Ratschläge oder Sorgen geäußert wurden. Zudem war es auch faszinierend, wie die Leute mitunter auf sie reagierten, wenn es doch mal Situationen gab, wo ein wenig durchsickerte welch Dominanzgefälle bei ihnen vorherrschte. Bis zu einem gewissen Grad nahm der Schwede es mit Humor, beliebte mit Jesse, im Anschluss, gar darüber zu scherzen oder kleine verbale Spitzen vom Stapel zu lassen. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, denn was Valravn zutiefst missfiel, sowie von ihm auch nicht geduldet wurde, war eine ernsthafte Einmischung in ihre Beziehung, selbst wenn sie nur als 'Freunde' in Erscheinung traten.
Es gab durchaus, feinfühlige, wenn gleich penetrante Leute, aus seiner Sicht, die Jesse mit gut gemeinten Ratschlägen und Absichten, am liebsten zu retten versuchten, vor dem großen bösen Wolf.
Bei dem es schrecklich schnell passieren konnte, dass man in Ungnade fiel und dann Gnade einem Gott, wenn der Wolf seine Beute im Fokus hatte. Jesse, der sonst manchmal etwas länger brauchte um etwas zu begreifen, zumindest auf zwischenmenschlicher Basis scheinbar, lernte jedoch sehr schnell, dass es kein gutes Zeichen war, sobald Valravn jemanden förmlich fixierte mit seinen dunkelbraunen Augen und das den ganzen Abend lang.
Valravn war letztendlich ein dominanter Mann, der keine Einmischung duldete, ganz gleich wie sich diese äußern mochte und manchmal genügte schon ein bestimmter Geruch, ein winziges Detail im Gesicht seines Gegenübers, den Klang seiner Stimme, vielleicht eine seltsame Bewegung und schon stand man auf der Liste unliebsamer Personen, gar Störfaktoren. Im Augenblick war der einzige Störfaktor jedoch Kilometerweit entfernt, besser so, denn aufgrund des Wetters konnten sie Beide Balar eh nicht verlassen, nicht mal auf die Jagd gehen, gemeinsam, nach so langer Zeit. Man könnte es fast schon eine Zwangspause nennen aber Valravn konnte sich wahrlich Schlechteres vorstellen, als eingeschneit, in einer rustikalen Hütte mit Jesse zu sein. Bei näherer Betrachtung war es gar romantisch.
Nun ja, wenn es nur ein vorübergehender Zustand wäre, anstatt das Leben, was sie nun zu führen hatten unter den gegebenen Umständen. Sie konnten niemals wieder in das schicke Haus des Schweden zurück, weil es abgebrannt war, ein Haufen Schutt und Asche, der über die vergangenen zehn Jahre wohl längst von Mutter Natur überwuchert wurde. Aber das Ambiente spielte auch keine all zu große Rolle, solange Jesse und er zusammen sind, würden sie sich dieser Welt genauso stellen, wie früher. Am Ende waren sie auch nur zwei, sich liebende, Menschen, die zumindest nun wohl nicht mehr gedachten, ihre Beziehung geheim zu halten, obschon Valravn gewiss sein zurückhaltendes Verhalten weiterhin an den Tag legen würde. Zum einen ging ihre Beziehung andere nichts an, zum anderen war er immer schon extrem darauf erpicht seine Privatsphäre zu schützen und generell kein überschäumender Quell an Emotionen.
Nur ein paar bestimmten Personen gegenüber verhielt er sich etwas weniger höflich distanziert.
Am Ende war Jesse jedoch der Einzige, der die ganze, äußerst umfangreiche, Palette zu Gesicht bekam, welche Valravn an Emotionen zu bieten hatte. Sein Verlobter kannte all seine guten, wie auch schlechten Eigenschaften und er akzeptierte sie, wie auch umgedreht. Daher war dieser wohl kaum überrascht, wenn Valravn, trotz seines Alters auch verspielte, gar neckende Züge an den Tag legte, so wie in dem Moment, als Jesse nahezu wehrlos den Abwasch tätigte, sodass sein Mann es schamlos ausnutzen konnte, um sich an ihn heranzuschleichen. Er konnte einfach nicht zu Bett gehen, nicht wenn Jesse so verlockend anmutete und sie so lange ohne einander sein mussten. Sein Liebster entlockte ihm ja gar ein Lachen als Valravn sich zu Bett begab und jene Worte zu hören bekam, die sonst über seine Lippen kamen.
Ja, auch der Wolf konnte brav sein, wenn er denn wollte.
Der zwar friedlich schlafend anmutete, jedoch unterbewusst die Bewegung im Raum mit bekam, seine Nackenhaare stellten sich auf, aufgrund der Präsenz einer anderen Person, jedoch vernahm seine Nase den vertrauten Geruch, sodass der Schwede, anders als die letzten Jahre, nicht sofort wieder wach wurde, um nach der Axt zu greifen. Die eh nicht in der Hütte war. Er rührte sich nicht, Jesse hatte jedoch vorhin schon erwähnt, dass er gedachte zur Kräuterfrau zu gehen also lag es auf der Hand, dass dieser gedachte die Hütte zu verlassen und dies gewiss nicht im Morgenmantel tun würde. Mal davon ab, dass Valravn das sofort verhindern würde. Als die Tür zur Hütte ins Schloss fiel, bis auf das leise Knistern im Kamin, kommend aus Richtung Wohnraum, nichts mehr zu hören war, schlug Valravn das Auge auf und starrte vor zum Schlafzimmerfenster. Sofort griff er an die Decke, schlug sie bei Seite und erhob sich, Jesse war gegangen, er musste also nicht erst in der Hütte nach ihm Ausschau halten, sondern steuerte sofort, nur in den verblichenen Unterhosen, das Fenster an um es zu öffnen, bevor er aus diesem heraus kletterte und kurz aufgrund der Kälte erschauderte.
Der Schnee lag wirklich hoch, was das vorankommen etwas erschwerte aber Valravn konnte nicht anders, die eiskalte Luft, die ihm entgegen schlug, verschaffte ihm zwar Abkühlung, war jedoch zweitrangig, als er um die Hütte herum schlich, wie das Raubtier das er war, nur um zu schauen, wohin Jesse ging. Ja, er sagte es ihm vorhin bereits, doch Valravn konnte die Sorge, den Gedanken nicht einfach abschütteln, dass sein Mann, aufgrund eines lächerlichen Anfluges von schlechtem Gewissen oder Moral, plötzlich den Entschluss fasste abzuhauen. Jesse hatte immer schon ein weiches Herz, Valravn zweifelte nie an seiner Treue, seiner Liebe zu dem Schweden aber es lagen zehn Jahre zwischen ihrem Leben früher und dem Jetzigen. Es missfiel ihm, weswegen sein Mann hier war, obschon es nur dem Grund zu verdanken war, dass sie wieder zueinander gefunden haben.
Aufgrund des Wetters waren die meisten Bewohner des Dorfes wenigstens in ihren Hütten, obgleich es von Innen heraus womöglich fragwürdig anmutete, wenn der Veterinär, nur in Unterhose, zwischen den Gebäuden herumschlich und es tunlichst zu vermeiden versuchte den Hauptweg durch das Dorf zu benutzen, während sein Blick auf dem Neuling lag, der ein bestimmtes Ziel ansteuerte. Tatsächlich begab sich Jesse nur zur Hütte der Kräuterfrau, verschwand darin, während Valravn hinter einem der Gebäude, auf der gegenüberliegenden Seite, auf der Lauer lag, fröstelnd rieb er sich die Hände, stieß den Atem keuchend aus während er wartete und sich ein paar Schneeflocken in seinem ergrauten Haar verfing, jene die auf seine Haut trafen, schmolzen sogleich, aufgrund der erhöhten Körpertemperatur, welche das Fieber mit sich brachte.
Trotzdem versuchte sich sein Körper warmzuhalten, das Zittern, sowie auf der Stelle im Schnee zu treten, schaffte jedoch kaum Abhilfe, erst als Jesse wieder aus der Hütte kam, sowie den Rückweg antrat, setzte Valravn sich eilig in Bewegung und sprintete, so gut es bei knietiefem Schnee halt möglich war, zurück zu seiner Hütte, um durch das Schlafzimmerfenster rasch wieder hineinzuklettern. Sein Vorsprung war gering, er war, ob dieser Anstrengung, mehr außer Atem als ihm lieb war, doch bei hoch liegendem Schnee, konnte man noch so fit sein, es erschwerte das Vorankommen einfach viel zu sehr und zehrte weitaus schneller an den Kräften. Hastig rieb er sich die Hände, die Arme und trat sich schnell die nassen Füße an den Fellen ab, die auf dem Boden lagen, bevor er sich gleich wieder ins Bett legte, genau so wie Jesse ihn zurückgelassen hatte, nur das Valravn erst mal wieder zu Atem kommen musste und seine Haut gerötet war, sowie einen feuchten Film aufwies, zum einen durch den geschmolzenen Schnee, zum Anderen, weil er durch die Anstrengung vielleicht etwas ins Schwitzen geraten war.
Er widerstand sogar dem Drang, sich die Decke rauf, bis zum Kinn, zu ziehen um sich darin einzukuscheln aber das wäre verdächtig, oder nicht? Angestrengt versuchte er, zumindest etwas, seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen, hielt diesen sogar an und atmete langsam, beherrscht wieder aus, wiederholte dies mehrmals, bis er nicht mehr japste wie ein alter Wolf, solange bis er die Tür hörte und prompt das Auge schloss, sowie einen Arm unters Kissen schob, um denselben Eindruck zu erwecken, wie vor seinem kleinen Spaziergang.
Er konnte Jesse nur hören, war ja sogar gewillt wirklich ein Nickerchen zu machen, nun wo er Gewissheit hatte, dass sein Mann nicht einfach das Weite suchte, sondern, mit entsprechenden Kräutern, für sein Vorhaben und die Versorgung des Schweden, zurückgekommen war. Als dessen Stimme jedoch im Schlafzimmer erklang, öffnete Valravn das Auge und presste die Lippen fest aufeinander als er zur Wand ihm gegenüber starrte.
"Eidetisches Gedächtnis...." War alles was er vor sich hin murmelte, sowie anschließend kapitulierend seufzte, wie konnte er nur davon ausgehen, dass Jesse nicht bemerkte, dass Valravn draußen gewesen ist? Gerade er sollte doch wissen, wie sein Mann seine Umgebung wahrnahm, wie er tickte und das es diesem förmlich ins Auge sprang, die feinen Unterschiede, zwischen dem Bild, was sich ihm vor einigen Minuten geboten hatte, sowie dem Jetzigen. Es war ja fast schon wieder absurd und ungewollt komisch bei näherer Betrachtung, weshalb Valravn sich mit der Hand über das Gesicht fuhr, sowie die feuchten Strähnen zurückschob, welche ihm wenig später doch wieder in dieses zurückfielen. Nun, wo er eh schon entlarvt wurde, konnte er genauso gut nach der Decke greifen, welche er sich fröstelnd sofort rauf zog, bis zum Kinn damit sein Körper sich wieder erholen konnte.
Nur weil er abgehärtet ist, bedeutete dies nicht, dass er gerne mit eiskalten Füßen im Bett lag, allerdings galt seine Sorge doch mehr Jesse oder besser gesagt der Küche!
Er konnte nur hoffen, dass sein Mann diese nicht abfackelte und das, obwohl er nur Tee kochte, sowie Wickel fertig machte aber wie der Schwede so gerne sagte, Jesse taugte in der Küche höchstens als hübsche Deko. Hatte sonst aber nicht viel dort zu suchen, sie war Valravns Revier und Königreich, indem er sich kreativ austoben konnte, sowie dafür Sorge trug, dass sie sich köstlicher Gerichte erfreuen konnten. Langsam kroch die Wärme, sowie das Gefühl, wieder zurück in seine kalten Glieder während Jesse, wenig später, mit dem Tee als auch den Wickeln zurückkehrte, die Hütte stand auch nicht in Flammen, daher konnte Valravn nun wohl auch erleichtert aufatmen. Seinem Auge gönnte er zumindest ein bisschen Ruhe, weshalb er nur auf die Geräusche hörte, die Jesse in seinen Bewegungen verursachte als er durch das Schlafzimmer lief, sowie sich offenbar der Kleidung entledigte, Valravn konnte den Stoff rascheln hören aber widerstand dem Drang, sofort nachzusehen, wo Jesse diese liegen ließ.
Erst als die Matratze sich auf der anderen Seite absenkte, die Decke angehoben wurde und Jesse ebenfalls darunter gehuscht war, öffnete Valravn sein Auge einen Spalt breit, sah zu ihm vor, mit einem hauchzarten Lächeln auf den Lippen, das unweigerlich entstand beim Anblick seines Mannes, auch wenn seine Nase zuckte.
"Du weißt, du kriegst das Alles wieder zurück Schatz."
Wies Valravn ihn darauf hin, sein Mann war ja richtig mutig, gar frech und der Schwede konnte nicht leugnen, dass er dies ebenso an ihm liebte, wie wenn er kapitulierte, sich ihm hingab, wenn er Jesse deutlich aufzeigte, dass er sich im Ton vergriff aber im Augenblick wollte der Wolf brav sein. Selbst er konnte nicht leugnen, dass es ihm gefiel, ein wenig umsorgt zu werden von dem Mann, den er liebte und der seine Bestie richtig zu handhaben wusste. Auch ein alter Wolf wie er, brauchte mal eine Pause, eine liebevolle Hand, die sich nach ihm ausstreckte und das knurrige Biest streichelte, ohne Furcht davor von diesem gebissen zu werden. "Hast du alles bekommen?"
Erkundigte er sich, blinzelte und schob die Hand unter der Decke vor, um sich das müde Auge zu reiben, ehe diese rasch wieder unter dem kuschligen Bezug verschwand, jedoch darunter nach Jesses Hand fasste, der mochte ihm zwar gerade den Beischlaf 'verbieten' doch diese kleine Geste war ihm wohl gestattet, immerhin gedachte er nun wahrlich brav zu sein, indem er sich schonte und erholte. "Ich weiß ...ich bin ein schrecklicher Patient aber ....Jesse, bei aller Liebe.. wann hast du das letzte Mal ein Bad genommen? ... meine Nase kann das nicht länger ignorieren, wir haben einen Zuber im Haus ...also bitte...nimm ein Bad oder ich sehe mich dazu gezwungen, dich aus diesem Bett zu schubsen."
Wies er ihn, noch halbwegs nett umschrieben, darauf hin das er stank! Vielleicht nicht so penetrant in den Augen, viel mehr Nasen, anderer aber Valravn hatte ein hochsensibles Riechorgan, fast wie ein Bluthund könnte man meinen, da er Leute bereits am Geruch wahrnahm, sowie erkannte, bevor sie den Raum betreten haben. Bei einem seiner Lehrer hatte er sogar dessen Erkrankung, Krebs, riechen können und es gab nur wenige Menschen, mit solch fein ausgeprägten Geruchssinn. Es war Segen und Fluch zugleich, wie man sich denken konnte. Besonders schlimm war es für Valravn ja auch noch, weil er selbst so extrem reinlich und penibel war, er duschte früher mehrmals am Tag, zumindest bei hohen Temperaturen und er neigte dazu, stets die Kleidung zu wechseln, sobald er nur etwas ins Schwitzen geraten war. Jesse hingegen ...trug ein einziges T-Shirt mitunter mehrere Tage, hintereinander, eine absolute Katastrophe für den Schweden.
"....ich verspreche dir auch, dass ich danach den Rest des Tages, im Bett bleiben werde aber ...wie du dir denken kannst, verspüre ich das brennende Bedürfnis, ebenfalls ein Bad zu nehmen...." Weshalb er die Decke zur Seite schlug, sich aufsetzte aber auf halber Strecke prompt zurück ins Kissen fiel, sowie keuchend ausatmete, da übermannte ihn der Schwindel, ob dieser urplötzlichen Bewegung, dann doch und er fasste sich an die Nasenwurzel, rieb sich diese, kniff das Auge zu. Ja, es rächte sich schnell, wenn er es übertrieb und seinem Körper zu viel abverlangte, allen voran mit Fieber. Es brauchte einen Moment bis der Schwindel sich langsam wieder gelegt hatte, geschwunden war, sodass er das Auge wieder aufschlug, sowie den Kopf seitlich zu Jesse drehte, nur um in dessen herrlich blaue Augen zu schauen. "Verkneif es dir."
Meinte er mit einem kleinen Schmunzeln, das für wenige Sekunden auf seinen Lippen lag, aber rasch wieder verschwand, er merkte selbst, dass es dämlich war raus zu gehen, sowie sich nicht zu schonen oder besser gesagt mal etwas langsamer zu machen. Er wollte jetzt wirklich keine bissige Bemerkung von Jesse hören, obgleich seine Warnung nur halbherzig klang, trotz seiner strengen, zumeist sehr ernsten Art, besaß Valravn dennoch Sinn für Humor. "...ich meinte das mit dem Bad allerdings ernst mein Liebling, ich rieche noch immer das Pferd an dir, sogar das Stroh, einen Hauch von Hafer, sowie das Leder des Sattels."
Ausführlicher musste er wohl nicht werden, er konnte noch weit aus mehr an Jesse riechen aber kurz um, er sollte dringend ein Bad nehmen. "Ich gehe dir auch gerne helfend zur Hand."
Kam es etwas leiser über seine Lippen, die er sich mit der Zunge leckte, befeuchtete und anschließend leer schluckte, danach setzte er sich erneut auf, langsamer jedoch, sodass er nicht wieder dem Schwindel erlag, schob die Beine über den Rand der Matratze auf seiner Seite und warf einen Blick auf die, dampfende, Tasse Tee, nach der er sogar griff. "Wärm dich noch etwas auf, ich bereite dir ein heißes Bad."
Entschied der Schwede, der eh keinerlei Ruhe finden würde unter diesen Umständen, jedoch pustete er ein paar Mal, ehe er einen Schluck von dem fiebersenkenden Tee nahm, er war heiß, doch auf die angenehme Art, weshalb er noch einen Schluck davon nahm, bevor er die Tasse zurückstellte, sowie mit einer Hand auf dem Nachttisch abstützte beim Aufstehen. Über die Schulter sah er hinter zu Jesse, ehe er das Schlafzimmer verließ um ein heißes, erholsames Bad für seinen Mann vorzubereiten.

@Jesse Redford


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#28

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 30.01.2020 18:40
von Jesse Redford (gelöscht)
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Hatte Val wirklich geglaubt vor ihm verheimlichen zu können, dass er ihm nachgestellt hatte? Einfach alles an ihm verriet ihm. Noch nicht einmal exakt dieselbe Position hatte er eingenommen und eigentlich hätte er wissen müssen, dass Jesse in der Lage war die zwei Bilder abzugleichen in seinem Kopf. Aber ja, eigentlich überraschte es ihn auch nicht, dass Val es nicht hatte lassen können. Dass er dafür aber in Unterhose hinter ihm her gerannt war, war ja schon ein wenig übertrieben.
"Wo soll ich bei dem Wetter bitte hin? Und warum sollte ich dich hier lassen und mich durch den Schnee kämpfen, wenn ich stattdessen bei dir sein kann und dich wieder gesund kuriere...?", fragte er ihn, während er wieder zu ihm ins Bett stieg. Scorpion würde nicht morgen schon hier aufschlagen, der hatte selbst alle Hände voll mit dem Winter zu tun, da war er sich sicher. Ausserdem konnten die Zombies bei Minustemperaturen gefrieren. Nein, dieses Risiko würde er nicht eingehen. Also hatte er noch Zeit, bevor er in den Zoo zurückkehren würde. Und das würde er so tun, dass Val es nicht ahnte. Irgendwann, wenn er am wenigsten damit rechnete. Und es würde wieder eine Trennung auf Zeit werden, wie damals...
"Nicht ganz alles aber genug, dass wir ein paar Tage über die Runden kommen und du hoffentlich schnell wieder gesund wirst. Wäre ja ironisch, wenn wir uns wiedersehen und du stirbst an der nächsten Pneumonie..."
Er legte sich zu ihm und Val griff nach seiner hand. Eine Geste, die er noch so gern erwiderte. Sie schlangen ihre Finger ineinander. Vals Hand war ganz schön kühl. Wohl auch noch Nachwirkungen von seinem kleinen Ausflug nach draussen. Hach, warum war dieser Mann nur so fürchterlich stur? Manchmal wollte er ihn am liebsten ohrfeigen... Und im nächsten Moment konnte er ihm wieder nicht widerstehen.
Gerade wollte er sich etwas mehr an ihn schmiegen, vielleicht den Kopf an seine Brust betten und so über ihn wachen, während er das Fieber wegschwitzte .... Da begann Val in guter alter Alte Mann Manier zu meckern. Er stank ihm also zu sehr?
Jesse seufzte leise und setzte sich wieder auf. Er roch also noch immer nach Pferd, Leder und ... wahrscheinlich noch nach einer ganzen Menge mehr.
"Na gut...", sagte er. "Ich geh mich wasch..." Noch bevor er den Satz zu Ende gesprochen hatte, hatte sich Val auch schon wieder aufgesetzt. Sein Ernst? Jetzt hatte er ihn endlich ins Bett geprügelt und nun stand er schon wieder auf? Zumindest versuchte es, denn er kam gar nicht so wahnsinnig weit, da sank er ächzend zurück in die Kissen. Na? Machte der Kreislauf allmählich nicht mehr so mit?
Jesse verkniff es sich auf Vals Wunsch und sagte nichts dazu. Ein Bad konnte nunmal wirklich nicht schaden. Seit er hier war hatte er sich vielleicht drei Mal gewaschen. Im Zoo war es einfacher, da gab es zumindest noch funktionierende Duschen. Aber hier oben musste man sich wie im Mittelalter in einem Zuber waschen, was ihm dann doch irgendwie zu anstrengend war. Zumal er noch keinen eigenen Zuber besass.
"Natürlich willst du mir zur Hand gehen. Du wirst wohl nie genug von meinem ganzen ... Das hier... kriegen..." Dabei deutete er an sich runter. Bis auf die Unterhose war er nackt und das reichte Val ja meistens schon, um ordentlich ins Schwitzen zu kommen. Jesse schmunzelte leicht. Es brachte wohl nichts, wenn er Val jetzt zurück ins Bett zog. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass sie nun gemeinsam baden würden, also würde das wohl nun auch passieren.
"Ich kann mir mein Badewasser aber auch selbst einlassen", sagte er dann dennoch, als Val an aufstand und aus dem Raum ging. Jesse blieb noch einen Moment lang sitzen, erhob sich dann aber auch und folgte seinem Verlobten. Gemeinsam machten sie das Badewasser dann bereit, was ein wenig Zeit in Anspruch nahm. Schliesslich konnte man heutzutage nicht mehr einfach den Heisswasserhahn einschalten und schon hatte man was man wollte.
"Weisst du... Eigentlich wollte ich dir den Beischlaf gar nicht verweigern", meinte er, als sie endlich fertig waren und der Zuber voll genug war, dass man sich reinsetzen konnte. Früher einmal hatte er sich geschämt sich vor Val auszuziehen, doch das war lange, lange her. Mittlerweile kannten sie wohl jeden Zentimeter des anderen Körpers in und auswendig. "Aber du schaffst es einfach nicht zumindest fünf Minuten im Bett zu bleiben..." Er sagte es tadelnd, meinte es aber tatsächlich gar nicht wirklich so. Jesse zog sich seine Unterhose aus und trat an Val heran, um ihm einen kurzen Kuss aufzudrücken. Ja, irgendwie fühlte er sich gerade zehn Jahre jünger, zurückversetzt in die Phase ihres Lebens, als sie damit begonnen hatten sich mehr miteinander auseinander zu setzen und sie beinahe beständig miteinander geschlafen hatten, weil sie die Finger nicht mehr voneinander lassen konnten. Es hatte lange gedauert, bis Jesse soweit gewesen war, weil ihm das alles recht lange sehr unheimlich gewesen war. Doch als er es für sich entdeckt hatte, war er genauso von Leidenschaft erfüllt gewesen wie Val selbst.
Nach dem Kuss lächelte er ihn knapp an und stieg dann in das heisse Wasser. Er zog etwas die Luft ein, weil es tatsächlich etwas heisser war, als er mochte, doch es würde bald abkalten. Langsam setzte er sich, bis ihm das Wasser bis zur Brust stand. Die wohltuende Hitze war enorm aber nun da er drin sass war es irgendwie sehr angenehm.
Früher hatten sie auch ab und zu zusammen gebadet. Angefangen hatte es, dass Val eines Tages einfach mit ihm unter die Dusche gegangen war. Von da an hatten sie immer mal wieder gemeinsam geduscht. Und schliesslich auch mal den einen oder anderen Abend in der grosszügig geschnittenen Badewanne in Vals Heim verbracht. Val hatte immer hinter ihm gesessen, sodass er sich an seine Brust hatte lehnen können. Diese Abende waren immer sehr schön und ruhig gewesen. Nichts im Vergleich zu den gemeinsamen Campingausflügen an den See, wo sie mitunter auch mal gealbert hatten wie zwei verliebte Teenager. Ja, sie waren beide schon über dreissig gewesen, als sie die Liebe zueinander entdeckt hatten und doch hatten sie ihre Phasen gehabt in denen man sie gut zehn Jahre jünger geschätzt hätte einfach nur von der Art und Weise, wie sie tatsächlich albern konnten, wenn sie wollten.
Kurz tauchte Jesse unter, sodass auch seine Haare nass waren und sich platt an seinen Kopf drückten. Er strich sie sich aus den Augen. Wann hatte er sie das letzte mal geschnitten? Er erinnerte sich nicht wirklich daran wenn er ehrlich war
"Kommst du zu mir?", fragte er Val und rutschte etwas nach vorne. "Es hat Platz für zwei... Und ich würde mich liebend gern an dich anlehnen..."

@Valravn Vargström


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#29

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 31.01.2020 12:34
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Zu seiner Verteidigung sollte gesagt sein, dass Valravn ein wenig fiebrig war, da arbeitete sein Verstand womöglich weit weniger präzise, vorausschauend wie sonst und konnte Jesse es ihm wirklich verdenken? Die Sorge, dass sein Mann einfach wieder verschwand? Bloß wegen so etwas wie einem schlechten Gewissen? Er konnte von dem Schweden nicht verlangen, nach zehn Jahren Ungewissheit, jetzt, wo er seinen Mann endlich wieder in die Arme schließen, ihn küssen, gar necken konnte, einfach im Bett liegenzubleiben, nach dessen Geständnis am Vorabend. Es ging einfach nicht. In diesem Fall lag es auch weniger an seinen besitzergreifenden Zügen, an dem Drang, stets die Kontrolle zu behalten, sondern schlichtweg daran, dass er Angst hatte Jesse noch einmal zu verlieren aber dieses Mal womöglich für immer.
Diese Welt war weitaus gefährlicher als früher, sie war aus den Fugen geraten, jeder machte seine eigenen Regeln und ein falscher Schritt genügte bereits, eine winzige Unachtsamkeit, welche Einem das Leben kostete. Dieser sollte sich gewahr sein, dass Valravn ihm überall hin folgen würde, sogar durch die Hölle und wieder zurück, denn jünger wurden beide nicht mehr und niemand konnte sagen wie viel Zeit ihnen noch blieb.
Also lag es doch auf der Hand, dass Valravn, alles erdenkliche tun würde, um so viel Zeit wie irgend möglich mit Jesse herauszuschlagen. "....weil du ein weiches Herz hast und ein Gewissen..." War die ruhige, brummige Antwort, welche der Schwede seinem Mann gab und diese war wohl aussagekräftig genug, wäre Jesse in der Hinsicht mehr wie Valravn, wäre er wohl nicht in Unterhose durch den knietiefen Schnee gehuscht, nur um sicherzugehen, dass sein Verlobter auch wirklich nur zur Kräuterfrau ging. Jedoch lachte er auf oder gab zumindest einen brummigen Laut von sich, der ähnlich anmutete, bei Jesses Worten. "Ja, das wäre wahrlich bitter."
Stimmte er diesem zu, weshalb er wirklich im Bett verweilen sollte aber es war schwer, Valravn war früher ein Workaholic, er hatte stets etwas zu tun, ob nun körperlich oder geistig, die letzten zehn Jahre verbrachte er in der Wildnis, überlebte, da konnte er sich Ruhe oder Entspannung auch nicht leisten. Immerhin wusste er, dass er kein einfacher Patient war und Jesse wohl auch ein bisschen nervte damit, allerdings lag es auf der Hand, dass, wenn Valravn wirklich zu sehr übertrieb, sein Mann ihm einen Riegel vorschieben würde. Es mochte nie nach Außen hin so wirken, doch der Schwede wusste wohl am besten, wie gut sich Jesse bei ihm durchsetzen konnte, sofern er wollte oder es als ernsthaft notwendig erachtete. Was hatte es für ein Theater gegeben als Valravn, einmal in ihrer Beziehung dem Drang erlegen war und sich eine Zigarette genehmigte, nicht damit rechnend erwischt zu werden von seinem Lebensgefährten oder auf dessen Geruch achtend, da ihm zu der Zeit einfach zu viel durch den Kopf gegangen war.
Der Schwede hatte schließlich an irgendeinem Punkt Jesse von seiner Krebserkrankung erzählen müssen, den er zwar bezwungen hatte, doch das Risiko, dass dieser zurückkehrte, war dennoch gegeben und es gab keine wirklich glaubhafte Ausrede, wenn Valravn, bei dem geringsten Anflug eines Hustens, manchmal auch nur einem unangenehmen Gefühl im Brustkorb, drohte eine Panikattacke zu bekommen. Dazu kam auch noch, dass Jesse in der eigenen Familie, jemanden mit Krebsleiden gehabt hatte, weshalb dieses Thema bei Beiden heikel war. Sie passten aufeinander auf, womöglich wirkte der Schwede dabei harscher, strikter als sein Lebensgefährte und doch klappte es.
Es war ja beinahe erstaunlich, dass Jesse nicht prompt graue Haare bekam, weil sein Mann schlichtweg unmöglich sein konnte, dieser alte sture Wolf. Der es nicht länger ignorieren, gar ertragen konnte, welch Gerüche an seinem Mann hafteten und ja, er vermisste es einfach rasch unter die Dusche hüpfen zu können, fließend Warmwasser zu besitzen aber nun gut. Dennoch war der Mangel dessen, zumindest für ihn, keine Ausrede um sich so gehen zu lassen. Wenigstens willigte Jesse ein und würde ein Bad nehmen, zumal es ihm gewiss guttäte, zwar war er nur kurz draußen gewesen aber ein heißes Bad konnte wahre Wunder bewirken. Nur das Valravns Übereifer ihm erst mal ins Gesicht schlug, sowie zurück in die Kissen beförderte, der Blick seines Mannes sprach Bände, weshalb der Schwede ihm auch prompt zuvor kam, indem er ihn darauf verwies ja den Mund zu halten. Er wusste selbst, dass er alt ist und sein Kreislauf ihm gerade den imaginären Mittelfinger zeigte.
Das musste Jesse ihm nicht noch verbal unter die Nase reiben.
Tat er zum Glück auch nicht, dafür ließ er es sich aber wohl nicht nehmen, Valravn dezent darauf hinzuweisen, weswegen er ja so sehr gewillt war, Jesse zur Hand zu gehen. Dessen Blick automatisch an Jesse entlang wanderte, er sich aufs Neue die Lippen leckte und tief durchatmete, sowie sich auf die Unterlippe biss, sein Kiefer spannte sich leicht an bis er wieder zurück in Jesses hübsches Gesicht blickte. Nun, er konnte nicht bestreiten, gar leugnen, dass sein Mann total recht hatte und sein Anblick allein genügte, um in dem Veterinär das Blut in Wallung zu bringen.
Er begehrte ihn nicht weniger als damals, im Gegenteil, sogar noch mehr aufgrund der Dekade, die ihnen das Beisammensein verwehrt hatte, wegen einer Reihe unglücklicher Ereignisse. Jesse war einfach von Kopf bis Fuß pure Perfektion aus der Sicht seines Mannes, nicht grundlos hatte Valravn ihn am liebsten gezeichnet, wenn er ein wenig den Kopf freibekommen und seine kreative Ader ausleben wollte. Mal davon ab, dass er es schlichtweg liebte, wenn er Jesse, ganz unverblümt, einen erotischen Akt seiner Wenigkeit zeigte und dieser drohte, Rot wie eine Tomate, zu werden.
"Wäre es dir etwa lieber, wenn ich so gar kein Interesse mehr an dir bezeugen würde, mein Schatz?"
Entgegnete der Schwede mit diesem Ausdruck im Gesicht, der Jesse nur zu bekannt war und verdeutlichte, was für unanständige Gedanken seinem Verlobten wohl gerade durch den Kopf gingen, dabei hatten sie sich erst vor dem Frühstück ausgiebig einander hingegeben. Sich geliebt, hatten ausgiebig geprüft, dass dies kein Wunschtraum war und leidenschaftlich festgestellt, dass sie noch immer perfekt miteinander harmonierten. Sie mochten zehn Jahre älter sein als damals, nur merkte man davon nicht viel, wenn man sie, wie in ihren vier Wänden, miteinander umgehen sah aber an Liebe, Lust und Leidenschaft mangelte es ihnen gewiss nicht.
Allerdings lag auf der Hand, dass Valravn wohl noch immer nicht ins Bett kam oder besser gesagt dort bleiben würde, weswegen er mit Jesse das heiße Bad vorbereitete, das nahm zwar etwas Zeit in Anspruch aber davon hatte sie doch eh genug.
Es gab keine Praxis mehr, welche der Schwede leiten musste, die Tiere im Dorf waren versorgt, er hatte nichts zu tun und musste sich nun eh auskurieren, wobei ein heißes Bad doch auch hilfreich sein konnte. Schade das sie keinen Eukalyptus hatten für ein Erkältungsbad.
"Nun, das würde ich so nicht sagen, ich habe fünf Minuten im Bett gelegen, ...bevor du zur Kräuterfrau gegangen bist." Konterte Valravn mit dieser dreisten, selbstverständlichen Art und Weise, nur um Jesses aufzuzeigen, dass er etwas übertrieb oder anders gesagt, keinerlei Grund für seinen Tadel hatte. Jedoch lag der Fokus seines Schweden rasch auf etwas Anderem, nun wo der Zuber ausreichend gefüllt war, der Wasserdampf aufstieg und alles bereit für das heiße Bad war, wanderte er mit seinem Blick noch einmal über Jesse, welcher sich, anders als früher, ungeniert vor ihm die Unterhose auszog.
Da konnte Valravn nicht anders, als schnaufend auszuatmen, neuerlich leckte er sich die Lippen, presste diese kurz aufeinander und betrachtete seinen wunderschönen Verlobten genüsslich, gar an dem Anblick labend, welcher dieser ihm bot. Jesse hatte unglaublich lange dafür gebraucht, bis es für ihn erträglich, okay war, wenn Valravn mehr sah als nur seinen entblößten Oberkörper und der Schwede hatte sich, ganz Gentleman, auch immer vorbildlich verhalten, indem er ihm seine Privatsphäre ließ oder sich abwendete. Er war stets darum bemüht Jesse das Gefühl zu vermitteln geborgen, in Sicherheit zu sein, dass er seinen Wunsch respektierte und ihn nicht anstarrte wie ein Stück Fleisch.
Umso mehr erfreute er sich selbstverständlich an der Tatsache, dass sein Verlobter mit der Zeit seine Scham ablegen konnte, sich nicht rasch ins Badezimmer flüchtete, wenn sie sich fertig fürs Bett machten um zu schlafen. Heiser knurrte der alte Wolf sogar auf, er konnte nicht leugnen, dass es ihn erregte, nachdem Jesse einfach nackt an ihn herangetreten war, sowie ihm einen Kuss gab, der seinen Verlobten umso spitzbübischer erscheinen ließ. Anders als Jesse hatte Valravn nie ein Problem mit Nacktheit, was wohl auch an der unterschiedlichen Mentalität lag, zwischen dem Schweden und dem Amerikaner, der nun mal ganz anders erzogen wurde. Zudem strotzte der Veterinär vor Selbstbewusstsein, war sich stets darüber im Klaren was er zu bieten hatte, die Phase in seinem Leben, wo er sich nicht mal mehr im Spiegel anzusehen vermochte, blendete er lieber aus aber die Jahre zuvor, als auch danach, hatte er keinen Anlass um sich seines Körpers zu schämen. Valravn hatte Jesse, im Scherz, sogar mal vorgeschlagen an einen FKK-Strand zu gehen, als sie einen kleinen Trip nach Deutschland gemacht hatten. Zwar war der Schwede mehrerer Sprachen mächtig, doch Deutsch gehörte nicht dazu, dafür beherrschte sein Mann diese Sprache ziemlich gut, gar fließend, obgleich es sich seltsam anhörte, wenn er so streng plötzlich klang, die Worte so hart betonte und sich Alles irgendwie aggressiv anhörte, selbst wenn er nur freundlich Grüßte. Tatsächlich hatte Valravn sich damals erschrocken, war regelrecht zusammen gezuckt, als sein Lebensgefährte plötzlich Deutsch sprach und der Schwede sich nur fragte, weshalb er plötzlich so aggressiv ist, so wütend.
Vor allem, weil sein Mann auch mal dazu neigte, plötzlich auf Französisch oder Deutsch zu fluchen, Ersteres war ja noch erträglich, obgleich Valravn auch davon kein Wort verstand aber, wenn aus dem Nichts heraus, Jesse auf Deutsch zu schimpfen begann, war dem Schweden vor Schreck schon mehr als einmal ein Glas oder der Kochlöffel aus der Hand geglitten. Es war eine furchtbar aggressive Sprache, seinem Empfinden nach und Jesse war so hübsch, mitunter gar niedlich, umso schockierender war es für diesen, wenn er so redete. Es war ähnlich entsetzend wie damals, als Valravn sein Geigenspiel durch die Haustür vernommen hatte, nur um wenig später sehen zu müssen, dass dieses musikalische Genie eine .....Jogginghose trug.
Während Jesse in den Zuber stieg, ließ Valravn es sich auch nicht nehmen, jede seiner Bewegungen mit dem verbliebenen Auge zu verfolgen, er konnte sich an seinem Liebsten nicht satt sehen aber er gedachte durchaus, ihn allein baden zu lassen, weshalb er bereits dessen Unterhose vom Boden fischte, sowie sich zum Gehen abwandte.
Er würde ihm etwas Frisches zum Anziehen bringen, nur kam er kaum weiter als einen Schritt bis Jesse nach seinem Verbleib fragte oder viel mehr darum bat, ihm Gesellschaft zu leisten. Natürlich blieb er prompt stehen, blickte über die rechte Schulter zu Jesse, der im Zuber saß, sowie sein nasses Haar aus dem Gesicht zurückgestrichen hatte. Jetzt fiel auch Valravn wieder deutlich auf, das dessen Haare dringend einen Schnitt bedurften, darum würde er sich auch noch kümmern müssen, er liebte Jesses wuschelige Mähne, hatte es aber selbstverständlich lieber, wenn sein Mann nicht aussah wie Kraut und Rüben um den Kopf herum.
"Dein Wunsch ist mir Befehl."
Valravns Unterhose landete schneller auf dem Boden als man gucken konnte, nur dass er diese natürlich erst aufhob, weil ... er es nicht ertrug, wenn Kleidung auf herum lag! Alles musste stets seine Ordnung haben. Daher räumte er sie schnell weg, legte zudem noch zwei Handtücher zurecht, ehe er zu Jesse, hinter diesem, in den Zuber stieg und zischend, aufgrund der Hitze, die Luft scharf einzog. Schließlich nahm er Platz, die Hitze brachte ihn ja förmlich ins Schwitzen, ob nun im Zuber oder im Bett, spielte nun aber wohl die geringste Rolle. Die Beine an Jesse vorbeigeschoben, ließ Valravn sich etwas tiefer sinken, machte es sich bequem und hob die Arme auf den Rand, des Zubers, zumindest so lang bis sein Mann, mit dem Rücken an seiner Brust lehnte, dann erst schlang er diese um Jesses Bauch und hauchte einen Kuss auf dessen nasses Haar.
"Ich muss dir bei Gelegenheit die Haare schneiden Honey."
Merkte er dabei an, leicht vergrub er die Nasenspitze in Jesses nassen, aufgrund dessen fast schwarz anmutenden, Haaren während er seine Arme, locker, um dessen Bauch geschlungen beließ, ein wenig nur streichelte Valravn mit den Fingerspitzen über dessen weiche Haut. Wohlig seufzend schloss er das Auge, es war ewig her, seit sie zusammen ein Bad genommen hatten, wie bedauerlich, dass sie keinen Plattenspieler hatten, keine Musik im Hintergrund, zudem fehlten auch ein paar Kerzen, die leider Ressourcen waren und daher lieber nicht verschwendet werden sollten. Aber gut, sie brauchten diese Dinge auch nicht zwingend, um für ein bisschen romantische Atmosphäre zu sorgen, die stellte sich von selbst bei ihnen ein. Alles, was sie brauchten, hatten sie doch bereits hier, nämlich sich selbst, in trauter Zweisamkeit als wären die letzten Jahre ihnen nicht dazwischen gekommen.
"Warum bist du hier an Land gegangen Jesse, solange dein Boot intakt war, hättest du überall hinsegeln können, gar auf eine einsame Insel."
So nah beieinander genügte es, wenn er seine Worte mit gesenkter Stimme über seine Lippen brachte, die sich hauchzart, nachdem Valravn den Kopf etwas gesenkt hatte, an Jesses Schulter schmiegten. Er war neugierig, immerhin hätte Jesse überall hinsegeln können, er hätte sich auf einer Insel ein schönes Leben machen können, ohne jemals einem Untoten noch mal über den Weg zu laufen. Klug, fähig und talentiert genug war er um zu überleben. "Bedauerlich, dass du sie nicht mehr hast, dann hätten wir, sobald das Wetter es zulässt, einfach zum Meer reiten und hinfort segeln können."
Eine schöne Vorstellung, obgleich Valravn auf hoher See nur als Smutje taugte, denn das war wahrlich das Revier von Jesse, immer schon gewesen seit er ihn kannte. Tatsächlich war der Schwede nie ein Freund von Bootstouren gewesen, doch in See zu stechen mit Jesse und seinem Segelboot war aufregend, eine schöne Abwechslung zum stressigen Alltag und diese Auszeiten hatte er sehr genossen. Wiederholt betteten seine Lippen sich an Jesses Schulter, langsam erkundete Valravn mit einer Hand dessen Oberkörper, schob behutsam, zärtlich die Finger über die Konturen von Jesses, fein definierten, Bauchmuskeln und wanderte langsam weiter hoch, dessen Brustbein rauf bis hin zu seinem Hals. Er legte die Hand an diesen, ließ sie einfach nur auf Jesses Kehle ruhen, ohne es nötig zu haben zuzupacken, immerhin er wollte ihn ja nicht erwürgen, auch nicht das Genick brechen oder ihm die Luftzufuhr rauben, sondern nur dafür sorgen das Jesse den Kopf zurücklegte, den Hals reckte.
"Sag mir Jesse..."
Seine dunkle Stimme blieb gesenkt, mutete etwas knurriger vielleicht an, als er mit der Nasenspitze Jesses Halsseite streifte, im Anschluss auch mit den Lippen berührte aber weder ein Kuss auf die weiche Haut bettete, noch etwas Anderes tat. "...anders als ich, hast du dich ...Menschen angeschlossen. Gab es jemals ....jemand Anderen.. oder eine Situation in der du dich ...jemandem hingegeben hast?" Es war doch nur eine Frage der Zeit bis Valravn fragte, er traute Jesse, anderen aber nicht und zehn Jahre Ungewissheit, auf beiden Seiten, boten wohl einen gewissen Raum für Möglichkeiten. Seine Finger schmiegten sich, minimal nur, deutlich spürbarer als zuvor an Jesses Hals und Valravns warmer Atem streifte die, vom Wasser benetzte Haut, an die der Wolf seine Zähne legte, nachdem er die Lippen geöffnet hatte. Er biss nicht zu, übte keinen Druck aus aber ließ Jesse zugleich wissen, dass das Biest, dass in seinem Mann lauerte, noch immer vorhanden war und abhängig von dessen Antwort, würde es vielleicht die Zähne neckend, gar sanft in seine Haut graben oder so fest, dass er wahrlich Sorge haben musste, das Valravn ihm die Kehle aufriss. Er musste nicht betonen, dass Jesse ehrlich sein sollte, er roch es förmlich, wenn er ihn anlog.


@Jesse Redford


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#30

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 31.01.2020 16:32
von Jesse Redford (gelöscht)
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Schon immer war Jesse derjenige gewesen, der von ihnen beiden barmherziger und freundlicher gewesen war. Val hatte also nicht Unrecht, wen er davon sprach, wie weichherzig er war. Dass er tatsächlich ein Gewissen hatte, dass ihm ab und an in den Weg geriet. Jesse hatte stets versucht ein aufrichtiger Mensch zu sein, frei von moralischen Mankos. Dies hatte sich zwar rapide geändert, als er Val und dessen tiefschürfendstes Geheimnis herausgefunden hatte. Im Anschluss hatte Val ihm gezeigt, wie er sich über seine Mitmenschen erheben konnte. Er hatte in ihm eine Blutlust geweckt, die man dem jungen, so unfassbar unschuldigen Mann niemals zugetraut hätte. Während Val mit seiner Ausstrahlung in mancher Hinsicht bedrohlich wirken konnte, verschwand Jesse in dessen Präsenz. Doch das machte ihn nicht weniger tödlich.
Noch bevor die Apokalypse ausgebrochen war und damit die brutale Anarchie Einzug gehalten hatte, hatte Jesse seine reine Unschuld mit mehr Blut befleckt als manch anderer Mensch in seinem ganzen Leben. Val hatte ihm gezeigt, wie er sich vom Beutetier zum Jäger mausern konnte. Gemeinsam waren sie die Löwen unter den Schafen gewesen, um in perfekter Zusammenarbeit ihren gemeinsamen Hunger zu stillen.
Irgendwann hatte Jesse keinen Unterschied mehr darin gesehen einen Hirschbock auszuweiden und in Stücke zu schneiden, oder selbiges mit einem Menschen zu tun.
Wenn es um die Jagd ging war Jesse Val ebenbürtig geworden. In jeder Hinsicht. Doch er gewann nie dieselbe Impulsivität, welche Val zuweilen packen konnte. Ohne Jesse und sein weiches Herz, wären weitaus mehr Menschen gestorben. Nicht nur war er Vals ebenbürtiger Jagdgefährte gewesen, ab und zu fungierte er auch als moralische Bremse zwischen Val und dessen Opfer. Nicht immer nur, um des Opfers Willen, sondern auch, weil es schlicht zu riskant gewesen wäre in dem besagten Augenblick zuzuschlagen.
Jesse wusste, dass das nun mit Scorpion dasselbe war. Er würde Val bremsen müssen, den Anführer des Zoos zu töten. Nicht nur war Scorpion ein ernst zu nehmender Gegner, er überragte Val um ein gutes Stück, war rücksichtslos und frei von jeglicher Angst. Scorpion war genauso ein Raubtier wie sie beide und wenn Val ihm entgegentreten wollte, würde dies nur schrecklich enden, wenn es aus einem Impuls heraus geschah. Das wusste Jesse. Er kannte Scorpion.
Trotzdem sagte er erst einmal nichts mehr dazu. Sein Plan war klar. Er würde zum Zoo zurückkehren, Scorpion versuchen davon abzubringen das Dorf anzugreifen. Dann würde er versuchen Minerva zu befreien, nur um dann selbst möglichst unerkannt abzuhauen und zu Val zurück zu kehren. So konnte er unnötiges Blutvergiessen vielleicht verhindern und vor allem würden Scorpion und Val niemals aufeinander treffen. Das musste er verhindern. Val hatte zwar sicherlich eine Chance gegen Scorpion, wenn er es anständig anstellte. Doch im direkten Kampf würde er dem Jüngeren ziemlich sicher unterliegen.
Jesse mochte vielleicht ein weiches Herz haben, doch deshalb würde er sich noch lange nicht durch einen Blizzard kämpfen, nur um dann verfrüht bei Scorpion aufzukreuzen und ihm obendrein noch schlechte nachrichten verzapfen.
Stattdessen würde er jetzt erst einmal die Zeit mit seinem Liebsten geniessen. Ein heisses Bad war dafür auch perfekt geeignet. Er musste den Schmutz der letzten Tage weg kriegen. Nun da er auch wieder darauf achten musste, Vals sehr sensible Nase nicht zu überstrapazieren.
Sein Mann war eben schlimmer als jeder Bluthund. Neben Zuber lag auch noch etwas Seife. Wenn der Dreck also schön eingeweicht war, konnte er sich auch mit Seife noch etwas porenrein runterputzen.
Ausserdem ging er davon aus, dass Val ihm Gesellschaft leisten würde. Dieser wandte sich zwar zur Tür, kaum war er im Wasser, doch es gelang ihm mühelos ihn zurück zu pfeifen. Als ob Val widerstehen könnte, sich mit ihm ein Bad zu teilen.
Lächelnd sah Jesse ihm dabei zu, wie er auch die letzte Hülle fallen liess und liess es sich natürlich auch nicht entgehen ihn erneut einer ausgiebigen Musterung zu unterziehen. Gestern Abend hatte er nur kurz einen Blick auf ihn erhaschen können und heute morgen... naja, da waren sie anderweitig beschäftigt gewesen, als dass er sich wirklich auf jedes Detail von Vals Körper hätte achten können. So eng umschlungen, wie sie im Bett miteinander zugange gewesen waren hatte er sich Val auch nicht wirklich richtig ansehen können und danach war er zu erledigt gewesen, um sich wirklich darauf zu achten. Nun aber sah er ihn in seiner vollen Pracht vor sich und er musste zugeben... Val war trotz seines Alters einfach nach wie vor verdammt ansehnlich. Die ganzen Narben, die silbernen Haare... Nichts tat seiner Attraktivität auch nur annähernd einen Abbruch. Noch nicht einmal das fehlende Auge schreckte ihn ab, diesen Mann einfach nur zu vergöttern.
Auch wenn Jesse mit seinen Blicken deutlich subtiler vorging als sein Mann, konnte ein geübtes Auge vielleicht sehen, wie sehr ihm der Anblick gefiel.
Als Val die Unterwäsche schön weggeräumt und zwei Tücher bereit gelegt hatte, kam er dann auch endlich dazu. Er liess sich hinter Jesse ins heisse Wasser gleiten, das ein wenig dampfte. Das Wasser schwappte ein klein wenig über, was aber nicht weiter schlimm war. Kaum sass Val hinter ihm, legte Jesse wie früher jeweils den Kopf an dessen Schulter und schmiegte sich mit seinem Rücken an ihn. Da dauerte es auch nicht lange, bis er Vals Hände an seinem Körper spürte.
"Hmpf.... Meinetwegen", seufzte er. Er mochte seine Haare eigentlich und es kümmerte ihn selten wie lang sie nun waren. Solange Val ihm keine Kurzhaarfrisur aufzwang, wie seine Eltern früher, war es ihm recht, wenn der sich um das Schneiden kümmerte. Mit zu kurzen Haaren sah er einfach irgendwie blöd aus, fand er selbst. "Aber nicht zu kurz. Wie immer..." Man konnte kaum glauben, dass sie einander tatsächlich zehn Jahre lang nicht gesehen hatten.
Jesse schloss die Augen, genoss die Berührungen und das leise Plätschern des Wassers. Im Rücken spürte er wie sich Vals Brust beim Atmen leicht hob und senkte.
Auf Vals nächste Worte hin seufzte er erneut und schlug die Augen wieder auf. Auch den Kopf hob er wieder ein wenig an. Ja, er hatte Shirley Ann, sein Boot leider an einer Küste zurücklassen müssen, nachdem es ihm nicht mehr gelungen war sie zu reparieren. Nicht mit den wenigen Mitteln, die zu dem Zeitpunkt noch zur Verfügung standen.
"Ich wollte erst in der Nähe Amerikas bleiben für den Fall, dass die Situation sich wieder beruhigt", erklärte er. "Und woher sollte ich wissen, wie es auf irgendeiner Insel aussieht. Ob ich dort überleben könnte, falls ich es überhaupt da hin schaffe..." Er hielt kurz inne, um leise durchzuatmen. "Wir kamen gut damit zurecht die Küstenregionen zu plündern. Ich schätze ... letzten Endes war ich aber auch sentimental. Ich wollte das Land nicht verlassen. Ich hatte die irrationale Hoffnung dir eines Tages wieder zu begegnen. Nachdem ich beschloss für dich weiter zu kämpfen..." Für einen Moment schwieg er, bevor er erneut seufzte. "Ich wünschte mir auch, ich hätte noch ein Boot. Aber heutzutage ... Ein seetaugliches Boot zu bauen wird schwierig. Nicht unmöglich. Aber schwierig..."
Kurz hauchte er Val einen Kuss auf die bärtige Wange. "Ich würde gerade nichts lieber tun. Einfach nur du und ich... Gegen den Rest der Welt..." Dann legte er den Kopf wieder etwas an seine Schulter und schloss die Augen erneut.
Die Hände seines Liebsten wanderten über seinen Bauch, wo er seine Bauchmuskeln etwas anspannte von der sanften Berührung, die minimal kitzelte, bis die Hand nach oben wanderte, über seine Brust, bis hoch zu seiner Kehle. Jesse seufzte leise auf und kam der Aufforderung nach. Er reckte den Hals ein wenig, sodass Vals Hand an seiner Kehle bequem Platz fand. Es war eine Geste, die so bedrohlich wie zärtlich sein konnte. So dominant wie beschützend.
Jesse atmete tief durch und genoss dieses Gefühl einfach. Zumindest so lange, bis Val wieder das Wort ergriff. Diesmal klang seine Stimme anders. Rauer, knurriger, fast ein wenig streng. Jesse ahnte bereits, dass gleich ein Satz kommen würde, der ihn unter umständen unangenehm sein konnte.
Val sprach die Worte aus, die ihn vermutlich beschäftigte seit sie sich gestern wieder begegnet waren. Es passte zu ihm. Seine besitzergreifende, eifersüchtige Art verlangte wohl regelrecht danach, zu wissen ob Jesse in den letzten zehn Jahren untreu gewesen war, trotz der Umstände, der Ungewissheit, ob sie sich jemals wieder begegnen würde.
Der Griff an seiner Kehle wurde minimal fester, Jesse atmete etwas stockend tief ein. Der Griff fühlte sich unterschwellig mahnend an, beinahe ein wenig bedrohlich. Kurz darauf kamen die Zähne dazu, die nur leicht über seine Haut schabten.
Jesse wusste, dass Lügen zwecklos war. Val würde es wohl merken, bevor er die Lüge überhaupt über seine Zunge gebracht hätte.
Er nahm sich etwas Zeit die letzten Jahre Revue passieren zu lassen, öffnete dabei die Lippen ein wenig und benetzte sie dabei mit seiner Zunge. Jesse schlug die Augen auf, blickte an die hölzerne Decke und schluckte dann trocken. Dabei spürte er den leichten Druck auf seine Kehle umso mehr.
"Es gab gewisse Situationen....", sagte er dann leise. "Es gab ein paar Personen..." Er wusste nicht recht wie er es formulieren sollte. Er wollte nicht, dass Val sich unnötig provoziert fühlte und gleichzeitig wollte er die Wahrheit sagen. Denn nichts als die Wahrheit würde Val akzeptieren. Er konnte noch nicht einmal behaupten sich nicht richtig zu erinnern, denn ... Jesse erinnerte sich an alles. Er erinnerte sich an jede zärtlichere Berührung, an jedes nähere Anschmiegen an eine andere Person, selbst wenn es bloss war, um sich gegenseitig warm zu halten. Er erinnerte sich an eine Nacht in einem Zelt, bittere Kälte, die Decken reichten kaum um sie warm zu halten. In dieser Kälte, im Schutze der Nacht, war man sich vielleicht näher gekommen. Jesse erinnerte sich, wie er geküsst wurde, wie er nichts dagegen getan hatte, weil die Einsamkeit ihn zu verzehren drohte. In diesem Augenblick hatte er sich nach Nähe gesehnt und es zugelassen, dass die Hände unter seinen Pullover gekrochen waren, dass er sich über ihn geschoben hatte. Dass sie sich gegenseitig zu erkunden begonnen hatten. Es hatte sie nicht explizit nach einander verzehrt, sie waren bloss auf der Suche nach etwas Nähe, etwas Zweisamkeit in der Einsamkeit, die sie gemeinsam Mangels Alternativen ausleben und erforschen wollten... Jesse erinnerte sich noch daran, wie der Wind geheult hatte, wie die Plane des Zeltes flatterte und damit die entzückten Geräusche der beiden Männer im Zelt nahezu gänzlich schluckte.
"Wir sind einander näher gekommen... Wir haben uns angefasst aber nicht miteinander geschlafen... Nicht so...", sagte er leise und schloss die Augen wieder. Er musste Val vertrauen, auch wenn er ihm hier Dinge gestand, die dieser wohl nicht gerne hörte. "Es ging eine Weile so ... zwei, drei Monate vielleicht. Danach musste ich ihn töten..." Es war tatsächlich eine schöne Zeit gewesen. Ihre kleine Liebelei war nie auch nur annähernd auf dem intensiven Level wie mit Val gewesen. Sie hatten sich gegenseitig Trost gespendet in einer dunklen, einsamen, kalten Welt. Letztlich hatte er aber im besten Fall mit ihm gespielt. So lange, bis das Proviant leer gegangen war.....
Er erinnerte sich an jenen Tag, als ein junger Mann, zwanzig Jahre jünger als er, ihn in jugendlichem Übermut geküsst hatte. Der Junge war sein Schüler gewesen, knappt zwanzig Jahre alt und hatte wohl einfach für seinen älteren Mentor geschwärmt.
"Ein Junge ... hat mich geküsst... aufgrund einer Schwärmerei. Er hat mehr in unsere Lehrer-Schüler-Beziehung hineininterpretiert als da war. Ich habe ihm erklärt, dass das nichts mit uns wird. Daraufhin hat er auch direkt Abstand genommen...", zählte er das zweite Ereignis auf, an das er sich glasklar erinnerte. Harmlos aus seiner Sicht. Aber aus seiner Sicht war noch viel mehr harmlos..
"Im Zoo gab es einen ... unhöflichen Typen, der mich ein paar Mal begrabscht hat. Aber Scorpion hat rasch interveniert..."
Vor der letzten Geschichte machte er eine weitere kurze Pause, bevor er leicht zitternd einatmete. Er hatte keine Angst. Das musste er nicht. Trotzdem hatte er sich gewünscht, Val von seiner absoluten Treue erzählen zu können. Die Realität sah aber wie in vielen Dingen oftmals leider anders aus.
"Dann war da ... noch etwas ... Jemand hatte ein Auge auf mich geworfen. Ich hab ihm klar gemacht, dass das nichts wird und er hat es akzeptiert. Er hat es nicht weiter versucht...." Er leckte sich über die Lippen, nach wie vor unsicher, wie er das am besten erzählte. "Und als wir dann den Zoo endlich unter uns hatten ... und wir feierten... Wir waren betrunken, Val... Wir haben miteinander geschlafen. Es war eine einmalige Sache und wir haben danach nie wieder darüber gesprochen..." Er entliess den angespannten Atem.
"Ich habe mich niemandem so hingegeben wie dir", flüsterte er schliesslich. "Niemandem."

@Valravn Vargström


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#31

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 01.02.2020 13:13
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Ginge es nach Valravn, würde er mit Jesse einfach alles Stehen und Liegen lassen, sowie gehen, um sich irgendwo etwas Neues aufzubauen. Mehr als einander brauchten sie nicht, sie jagten und überlebten schon lange vor dem Ausbruch gemeinsam, sie könnten gar zurück nach Alaska kehren, obschon der Weg weit wäre aber sie hatten ja keine Termine mehr einzuhalten. Sie könnten sich ein altes Haus sichern, reparieren, wieder wohnlich machen oder gar, irgendwo verborgen in den Wäldern, eine Unterkunft errichten. Anders als sein Verlobter besaß der Schwede kein Gewissen im üblichen Sinne, sie waren Löwen in einer Welt voller Schafe und Valravn vertrat stets die Meinung... Save yourself, kill them all.
Sein Mann jedoch tickte da, weitaus humaner konnte man sagen, im Vergleich zu seinem Partner, der keinerlei Beweggrund brauchte um darüber zu entscheiden, ob und wen er tötete, besaß Jesse noch immer viel Mitgefühl. Wie oft hatte er Valravn gebremst, versucht sein Vorhaben auszureden, manchmal gelang es ihm und manchmal nicht. Es war immer ein reines Glücksspiel, zumal der Schwede, durchaus, zu impulsiven Handlungen fähig war, unter gewissen Umständen und selbst Jesse vermochte es nicht, ihn durchgehend zu durchschauen. Valravn konnte seine Absichten und Vorhaben vor den blauen Augen verbergen, sich abschotten, sodass auch Jesse, nur auf ein leeres Blatt Papier starrte, in Form seines Verlobten, der es ihm verweigerte in ihm zu lesen, wie in einem offenen Buch.
Meist sah er nur keinen Anlass dazu aber es kam vor.
Doch im Moment wollte auch Valravn, ein paar der unliebsamen Themen, bei Seite schieben und ließ es sich gewiss nicht nehmen, mit seinem Mann ein heißes Bad zu genießen, ein bisschen schade war es schon, dass sie keinen Badezusatz hatten, damit das Ganze noch schön schäumte, sowie gut duftete. Obschon Valravn dezente Gerüche immer noch die Liebsten waren, es war demnach wohl nicht verwunderlich, dass er damals, ohne zu zögern, Jesses ganzes Bad auf den Kopf gestellt hatte, um sein furchtbares Aftershave zu beseitigen und durch ein Anderes, das viel milder, als auch passender war, zu ersetzen. Selbiges tat er auch mit seinem Shampoo und Duschgel, heute lag dafür ein Stück Seife neben dem Zuber, was zumindest seinen Zweck, indem es Jesse von den unliebsamen Gerüchen befreien, erfüllen würde.
Dass dieser sich, ebenso wie Valravn es gerne tat, die Zeit nahm, seinen Mann einer kleinen Musterung zu unterziehen, ließ der Schwede sich natürlich gerne gefallen, der automatisch, als er im Augenwinkel Jesses Blick bemerkt hatte, mehr Haltung annahm und sein Mundwinkel sich anhob. "Gefällt dir was du siehst?" Musste er ihn einfach fragen, auch um zu schauen, ob Jesse sogleich verlegen wurde oder diesmal gar konterte, auf den Mund gefallen war er schließlich nicht, zumal das gegenseitige Necken ebenso in ihrer Beziehung stattfand, wie bei anderen Paaren.
Trotz der Narben auf seinem Rücken, strotzte er noch immer vor Stolz, sowie Selbstbewusstsein, einen Vorteil hatten die letzten Jahre da draußen, allein in der Wildnis, sein Körper war in Bestform, trotz seines Alters und leichten Einschränkungen im Bewegungsablauf, nach dem Bärenangriff, als auch dem Verlust seines linken Auges. Dem alten Wolf gefiel es zudem, wenn Jesse ihn so betrachtete, und ließ es sich manchmal auch nicht nehmen, seine Freude darüber, durch ein kleines, selbstgefälliges Grinsen zu untermalen, weil er sich seines guten Aussehens noch immer vollends bewusst war.
Abgesehen davon, jeder genoss es, wenn sein Partner oder seine Partnerin, sich am Anblick des Liebsten nicht satt sehen konnte. Äußerlichkeiten hatten bei ihm und Jesse zwar keine oberste Priorität, dennoch schmeichelte es selbstverständlich als attraktiv erachtet zu werden.
Nun hinter Jesse sitzend, konnte er sich zum Teil auch an dessen Anblick, mehr aber noch an dessen Nähe, erfreuen, obschon es ihm prompt in den Fingern juckte, seinem Verlobten die Haare zu schneiden. Sie waren eindeutig zu lang geworden, was Jesse nicht weniger attraktiv machte, er war ein wunderschöner wuscheliger Lockenkopf, nur war es Valravn lieber, wenn ein bisschen Ordnung und Feinschliff vorhanden war. Richtig fein herausgeputzt, wirkte Jesse auch mehr seinem Alter entsprechend, zwar nach wie vor jung aussehend, doch stattlicher, vornehmer und daran hatte Valravn immer schon Gefallen gefunden. Dessen Begeisterung war ja nicht zu überhören, weswegen Valravn hinter ihm sogar leise auflachen musste, es war einfach Jesses typische Reaktion und der Schwede drückte ihm sogleich einen Kuss auf die Schläfe.
"Selbstverständlich nicht zu kurz, ich liebe es viel zu sehr mit deinen Haaren zu spielen .. aber ein bisschen Feinschliff schadet deiner chaotischen Mähne nicht, mein Schatz."
Valravn klang, noch, recht gut gelaunt, gar heiter für seine Verhältnisse und er würde nachher auf jeden Fall Jesses Mähne bändigen, sowie einen anständigen Schnitt reinbringen, damit sein Mann auch vernünftig aussah, anstatt wie jemand, der in die Steckdose gefasst hatte, während seine Haare sich jeglicher Ordnung oder gar Annäherung einer Bürste zu verweigern schienen. Selbst das hatte der Schwede bereits im Laufe ihrer Freundschaft übernommen, als sich erst langsam tiefere Gefühle eingeschlichen hatten und er diesen Wildwuchs auf Jesses Kopf nicht länger hatte mit ansehen können.
Begeisterung sah zwar jedes Mal anders aus, so wie jetzt auch, doch am Ende hatte Jesse sich immer gefügt, sowie den Schweden sein Haar schneiden lassen, damit er nicht länger rumlief, wie der letzte Penner.
Es mochte überraschen oder auch nicht, doch als Vater zweier Töchter, lernte man(n) auch wie man Haare zu schneiden hatte ohne das danach rumgeheult wurde. Freya hatte das Geschick und Valravns Auge für Schönheit, oft in Anspruch genommen, während Eulalia, wie Jesse, höchstens gewillt war sich die Spitzen schneiden zu lassen, meist auch, nur wenn sie dafür einen Keks zur Belohnung erhielt.
Kein Wunder, das seine Jüngste mit Jesse so gut zurechtgekommen war, sie konnten an solchen Tagen, wenn Valravn die Haarschere auspackte, darüber schimpfen, lästern und nörgeln, wie lästig es doch war, sowie ihn tausendmal darauf hinweisen ja nicht zu viel abzuschneiden. Valravn verdankte an solchen Tagen, wenn seine Töchter bei ihm waren und Jesse, den Beiden gleich ein Dutzend neuer grauer Haare auf dem Kopf. Was würde er nicht alles dafür geben, noch einmal solch einen Tag erleben zu dürfen. Den Gedanken daran verdrängte er jedoch rasch wieder, obgleich es wahrlich schwerfiel, zwar wussten seine Töchter nichts von ihrer Beziehung, die sie geführt hatten, doch der beste Freund ihres Vaters war sehr oft zugegen, demnach gab es viele Erinnerungen die Valravn mit seinem Liebsten und seinen Töchtern verband. Wenn alles anderes gekommen wäre, die Welt nicht so drastisch über den Haufen geworfen worden wäre, hätten sie eine glückliche Familie sein können und wer weiß, was für wunderbare Frauen aus seinen beiden Mädchen hätte werden können.
Valravn blinzelte kurz, holte tief Luft und schüttelte kaum merklich den Kopf, um jene Gedanken wieder dahin zu verbannen, wo sie hingehörten, ins Dunkel, nicht ins Vergessen aber hinter verschlossene Türen und hohe Mauern in seinem Geiste. Er konnte sich zum Glück auf Jesses Stimme konzentrieren, der sein geliebtes Segelboot irgendwann aufgeben musste und aus Sentimentalität nicht ans andere Ende der Welt schipperte. Natürlich war der Schwede froh darum, sonst säßen sie wohl nun nicht gemeinsam im Waschzuber, um ein Bad zu nehmen, während es draußen schon wieder mit Schneien anfing. "Mit Verlaub, ich schwimme lieber zurück nach Schweden, als den Versuch zu unternehmen, ein Boot zu bauen. Bedauerlich dass es sich mit Flugzeugen nicht anders verhält heut zutage."
Seufzte er leise, auch wenn es verlockend war, sie müssten nur entsprechendes Material, Zeit und viel Arbeit investieren, doch selbst wenn es ihnen gelänge, ein Boot zu bauen, was auf hoher See Bestand hatte, wäre das andere Problem der Proviant. Es bedurfte entsprechender Ausrüstung, sonst würden sie ganz schnell, mitten auf dem Ozean, umgeben von Salzwasser, verdursten. Ein Kleinflugzeug aufzutreiben, gar wieder in Schuss zu bringen wäre auch nicht einfacher, wahrlich bedauerlich.
Jedoch war die Frage bezüglich des Bootes kaum mehr als Ablenkung, Valravn hatte eine ganz andere Intention und war immer schon ein Meister darin, seine Beute geschickt zu lenken, ohne deren Wissen, bis sie an dem Fleck stand, in dem Fall saß, wo er sie haben wollte. Zudem war es normal, dass der Schwede die Finger nicht bei sich behalten konnte in Bezug auf Jesse, nicht selten überkam ihn spontan die Lust, das Begehren weshalb er seinen Mann nicht länger einfach nur in seinen Armen hielt, sondern mit der Hand, angefangen bei seinem Bauch, bis rauf zum Hals wanderte und seine rauen Finger darum legte. Jesse kam der stummen Aufforderung auch nach, brav, so wie es immer schon war und auch sein sollte, legte er den Kopf zurück um dem Wolf seine Kehle darzubieten. Der Schwede wusste wie bedrohlich es mitunter wirken konnte, vor allem wenn man, wie Jesse, wusste das Valravn sich, typisch für einen Wolf, von hinten anschlich, um seine Beute zu überwältigen, zu packen und sie zu töten aber sein Mann hatte dahingehend nichts zu befürchten. Selbst wenn dessen bedrohliche Präsenz sich hinter ihm aufbaute, musste Jesse nie die Sorge haben, dass Zeitliche zu segnen, viel mehr erwartete ihn dann ein plötzlicher Anflug von Zuneigung, weil der Schwede es sich nicht nehmen ließ, wie vorhin in der Küche, als Jesse den Abwasch machte, dessen Nacken zu küssen oder gerne auch die Arme um ihn schlang. Nur standen sie nicht in der Küche, sie saßen im Zuber, Jesse mit dem Rücken an seinen Mann gelehnt, der noch immer einen Arm um dessen Bauch geschlungen hatte und die andere Hand an der Kehle seines Liebsten ruhen ließ, ...mit anderen Worten, Jesse saß in der Falle.
Was diesem selbst bewusst wurde als Valravn von ihm wissen wollte, ob er die letzten Jahre, wie zu der Zeit vor Valravn, abstinent gelebt hatte oder es gar jemandem gelungen war, seinem Mann, nahezukommen, auf eine Art und Weise, die einzig dem Schweden vorbehalten bleiben sollte! Jesse nahm sich Bedenkzeit...das war Antwort genug.
Er wollte es nicht hören, tat es dennoch als Jesse zu reden begann, er schloss das Auge, obgleich er es sofort bereute, weil sein Verstand es sich vorstellen konnte, wie jemand, außer ihm selbst, die Hände über den Körper des Mannes schob, der gerade an ihn gelehnt im heißen Wasser bei ihm saß. Der ihn berührte, erkundete, schmeckte....
Valravn verharrte zunächst einfach, er sagte nichts, er hörte nur zu und zählte stumm die Stiche, welche jedes weitere Wort von Jesse tief in seiner Brust verursachten, sein Brustkorb hob, senkte sich noch immer gleichmäßig, ruhig und beherrscht ... wie immer. Minimal nur wandte er den Kopf von Jesses Kehle ab, nur so weit, sodass seine Zähne nicht mehr an der weichen Haut auflagen, denn diese presste er, wie auch seine Lippen, fest zusammen, woraufhin sein Kiefer sich anspannte. Zwar schien der Schwede, nach Außen hin, ruhig zu sein, doch Jesse lehnte direkt an seinem Körper, weshalb er am Rücken wohl deutlich spüren konnte, wie sich die Muskeln unter der erhitzten Haut des Schweden anspannten. Dennoch machte Valravn nichts, bis zu dem Punkt, wo Jesse ihm von der durchzechten Nacht erzählte, der Feier, nach der Eroberung des Zoos, wo er sich jemandem hingegeben hatte, ...zur Gänze. Sein Kiefer begann zu schmerzen, so fest biss er die Zähne aufeinander, seine Fingernägel drückten sich, spürbar und doch ohne Absicht zu verletzen, in die weiche Haut von Jesses Kehle, seine Finger schlangen sich enger um diese, übten mehr Druck aus aber noch immer war Valravn weit davon entfernt seinen Mann, hier und jetzt, zu erwürgen.
Auch wenn ... auch wenn ein Teil in ihm es wollte, das wütende Biest, die reißende Bestie, die schier wahnsinnig wurde, nur bei der bloßen Vorstellung das jemand außer ..ihm.. Jesse nahe gekommen ist. Das andere Hände, außer die Seinen, jeden Zentimeter dieses Körpers vor ihm berührt hatten, dass jemand die Lippen seines Mannes kostete und ihm verzückte Laute entlockte ...es machte ihn rasend vor Wut. Er sollte ihn töten, hier und jetzt, weil es Jesse war, würde er es schnell machen, so schmerzlos wie möglich, nur ein kurzer Ruck mit beiden Händen, ein Genickbruch, die sauberste Art zu töten ohne das Fleisch zu verderben.
Zwar könnte er ihm die Luftzufuhr abschnüren, den Griff eisern festigen, doch das hätte Gegenwehr zur Folge, da Valravn selbst saß, könnte er sich nicht einfach zurück lehnen, um Jesse den Boden unter den Füßen zu nehmen, der Größenunterschied nützte ihm hier nichts, Jesse könnte in seine Haare fassen, daran ziehen, ihn kratzen oder mehr noch sein verbliebenes Auge als Schwachpunkt ausnutzen. Abgesehen davon das jemand es hören könnte, wenn etwas zu heftig 'geplantscht' wurde.
Nein.. das Risiko war zu hoch.
Zumal nicht nur Wut Besitz von ihm ergriff, die Bestie zum Schäumen brachte, wild um sich beißen wollte, sondern auch...Schmerz sich breit machte, an jener Stelle, die jedes Lebewesen zugrunde richtete, wenn man sie dort traf. Das Herz. Es stockte, verkrampfte, krümmte sich zusammen bei jedem Wort, welches Jesse über die Lippen gekommen war, es blutete, ob dieser tief reichenden Stiche, wie mit einer heißen Klinge zugefügt. Ja, zehn Jahre sind eine lange Zeit, dazu die Ungewissheit und immerhin war Jesse ehrlich, weil er wusste, Valravn roch es regelrecht, sobald er nur daran dachte ihm etwas zu verheimlichen oder gar zu lügen. Doch es änderte nichts daran, dass es ihm ...das Herz brach.
Nach Außen hin merkte man dem Schweden nichts an, doch innerlich focht er erneut einen Kampf aus, zwischen der wütenden Bestie, die Jesses Kehle zerfetzen, ihn fressen und bestrafen wollte für seine Untreue, seinen Verrat. Doch ihr gegenüber stand der alte Wolf, winselnd, verletzt, der nicht töten wollte, was er so sehr liebte, ganz gleich wie tief die Wunde reichen mochte, die Jesse ihm zugefügt hat in diesem Moment. ...zum zweiten Mal...
Vielleicht vergingen nur wenige Sekunden, ein paar Minuten, in denen bedrückende Stille den Raum erfüllte und erst das laute Knacken, des Feuerholzes im Kamin, aus dem Wohnraum kommend, Valravn sich wieder bewegen ließ, indem er die Hand von Jesses Kehle zog aber auch seinen Arm zurück. Mit den Händen auf dem Rand des Zubers stützend, erhob er sich aus dem heißen Wasser, welches überschwappte, auf den Boden plätscherte und von seinem Körper hinab lief, der Abstand nahm, um nach einem der bereit gelegten Tücher zu greifen, welches er nur um seine Hüfte band. "Scheu irrt ein Hund von Tür zu Tür, ob wieder tritt sein Herr herfür. ...Doch kalt die Hand, die ihn gestreichelt, ...die Stimme still, ..die ihm geschmeichelt. ..Der Hund jagt irr und scheu durchs Land,... suchenden Blickes, unverwandt. ...Starrt fragend neu in jeden Tag, lauscht nach dem einen... Herzensschlag."
Seine Stimme wahrte ihre ruhige Monotonie, wie in gewohnter Manier, während er mit dem Rücken Jesse zugewandt stehen blieb.
"..Sank auch des Herren Leib in Tod, im Weltall seine Seele loht, des harrend, der ihm Nacht und Tag in Liebe... treu zur Seite lag. ..Sie harrt in einem neuen Kleid! Der Hund muß suchen nah und weit;.. Auf Wüstenweg, ..bei Hungerbrot, doch ohne Liebe dünkt's ihm Tod."
Mit beiden Händen strich er sich das Haar aus dem Gesicht, atmete schwer aus und blickte über die rechte Schulter hinter zu seinem Mann, doch anders als zuvor nicht voller Verzückung, Zuneigung oder Freude ob seiner Frage, ihm Gesellschaft zu leisten und ganz gleich wie gut Valravn darin war, seine Gefühle zu verbergen, ließ sich der feuchte Glanz nicht gänzlich aus der Welt schaffen, der sich auf sein Auge gelegt hatte. "...So sucht er irr von Tür zu Tür, aus keiner tritt sein Herr herfür. ...Das Hundeherz tobt heiß und stark ,...die Einsamkeit frisst.. ihm am Mark. ..Im Blut gärt ihm das wilde Gift, des Brand noch jede Sehnsucht trifft! Nach Liebe auf dem Erdenrund, sucht nur ...ein toller,.... kranker ...Hund..."
Er fuhr sich mit der Hand über den Mund und das bärtige Kinn, senkte gar den Blick einen Moment lang zu einer der kleinen Pfützen, die sich am Boden beim Zuber gebildet hatten.
"...Ich weiß deine Ehrlichkeit zu schätzen..." Fügte er mit hörbar belegter Stimme hinzu, hielt einen Moment lang inne und überlegte, bevor er sich etwas zur Seite drehte, um Jesse direkt wieder in die Augen sehen zu können. "...und du musst nicht erst fragen, ..es gab niemanden. ....mein Herz, mein Leib, meine Seele gehören dir, hat es immer, ...wird es immer ....im Winter wärmte mich der Pelz des Grizzlys und die Erinnerungen ..an dich. Tja, ..ich bin ein Pinguin, ..nur ohne Frack, ..ich gehe zu Bett, ich bin müde...wasch dich gründlich, auch die Haare."
Ließ er ihn wissen und begab sich ohne eines weiteren Blickes oder Wortes zurück ins Schlafzimmer, wo er sich zumindest noch abtrocknete, sowie eine frische Unterhose anzog, ebenso leerte er die Tasse mit Tee so hastig, wie ein Verdurstender in der Wüste, ehe er sich zurück ins Bett begab, sowie sich zudeckte, um zu schlafen oder es ...zu versuchen.


@Jesse Redford


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#32

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 01.02.2020 15:05
von Jesse Redford (gelöscht)
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In den letzten zehn Jahren hatte Jesse oft an Val gedacht. Nicht umsonst hatte er den Ring um seinen Hals nicht ein einziges Mal abgelegt. Er hatte stets gehofft, Val und seine Töchter hätten alles überlebt, sich irgendwo in Sicherheit bringen können und sich etwas kleines aufbauen. Eine Hütte irgendwo im Nirgendwo, Val hätte für seine Töchter gesorgt, wie er es einst für ihn getan hatte. Oft hatte er daran gedacht, wie gern er bei ihnen gewesen wäre, so wie sie es ab und zu beim Einschlafen besprochen hatten. Freya und Eulalia kamen einigermassen mit Jesse klar und er konnte die beiden eigentlich auch ganz gut leiden, obwohl er nie so wirklich der Typ für Kinder oder Teenager gewesen war. Er hatte sich nie selbst welche gewünscht, doch wäre es Vals Wunsch gewesen, hätte er für dessen Töchter genauso gesorgt, als wären es seine eigenen.
Im Laufe der Zeit hatte Jesse Val nie vergessen. Er hatte den Verlobungsring bei sich, als stummes Versprechen ihn immer bei sich zu haben. Doch er musste sich eingestehen, dass er nicht mehr damit gerechnet hatte, seinen damals beinahe Verlobten jemals wieder zu treffen. Ihn jemals wieder in den Armen halten zu können, ihn zu küssen, riechen, spüren und Zweisamkeit zu geniessen. Trotzdem hatte er sich auch nie mehr auf eine Beziehung eingelassen. Ja, er hatte ein paar Zärtlichkeiten mit einem Begleiter ausgetauscht. Doch auf rein platonischer Ebene. Der Mann war ihm sogar so egal gewesen, dass er keine Sekunde gezögert hatte, als er ihm schliesslich die Kehle durchgeschnitten und ausgeweidet hatte, um ihn als Proviant zu verspeisen. Er hatte nichts für diesen Mann gefühlt. Nicht einmal annähernd und schon gar nicht auch nur ansatzweise so, wie er für Val auch jetzt noch fühlte. Es hatte sich damals auch nicht wie ein Seitensprung angefühlt. Er hatte ja nicht gewusst, ob er Val je wieder begegnen würde.
Der Kuss mit Noah hatte ohnehin nichts zu bedeuten gehabt, der Grabscher im Zoo war ... einseitig gewesen...
Jesse liess diese Etappen in seinem Leben noch einmal durch seinen Kopf gehen, während er sie Val erzählte. Er wusste, dass es nicht das war, was sein Verlobter hören wollte. Seit jeher war definitiv der eifersüchtigere in ihrer Beziehung gewesen. Während Jesse deutlich mehr erduldet hatte, bis es ihm zu viel geworden war. Val hatte diese Wirkung, sowohl auf Frauen wie auch auf Männer. Jesse hatte das oftmals einfach akzeptiert und hingenommen, er wusste Val würde ihm auf jeden Fall treu bleiben. Sein Unmut richtete sich jeweils mehr auf die Personen, die es nicht unterliessen sich an Val heran zu machen, ihn mit grossen Augen anzuschmachten, ohne dass er sie abwies. Weil sie nach aussen hin lediglich Freunde und keine Partner waren, konnten sie es natürlich auch nicht besser wissen. Val jedoch hatte die wahl, wie weit er die Verehrerinnen und Verehrer gehen liess. Während es umgekehrt oft reichte, wenn Jesse Komplimente erhielt, um Val den gesamten Abend zu versauen, war Jesse dahingehend deutlich geduldiger.
Jesse wusste, spätestens wenn er die letzte Geschichte erzählen würde, würde es Val vermutlich packen, er würde an sich halten müssen. Er spürte die Hand an seiner Kehle, wie sich die Nägel leicht in seine Haut bohrten. Er konnte fühlen, wie sich Val anspannte. Er betrachtete es auf jeden Fall als vollkommener Verrat. Ungeachtet der Umstände, dass es fast ein Jahrzehnt gebraucht hatte, bis Jesse der Lust in einer durchgefeierten Nacht erlegen war. Und ungeachtet dessen, dass Jesse in jener Nacht das erste und einzige Mal oben gewesen war. Er hatte den gebenden Part übernommen, hatte den anderen unter sich gehabt. Eine völlig neue Erfahrung, schliesslich war in seiner Beziehung zu Val auch in dieser Hinsicht seine Rolle als empfangender Part glasklar und indiskutabel. Er hatte sich diesem Kerl nicht hingegeben. Nicht auf diese Weise, wie er es bei Val tat.
Angesichts der Reaktion seines Liebsten schien das aber nicht wirklich ins Gewicht zu fallen.
Es war still. Beinahe gespenstisch, der Druck an seiner Kehl liess erst gar nicht nach und dann auf einmal ruckartig. Die Hand verschwand, der Arm um seinen Bauch ebenso und dann musste er sich fangen, weil sich Val hinter ihm erhob und aus dem Zuber stieg.
Jesse hörte ihm nur mit halbem Ohr zu. Stattdessen blickte er auf die unruhige Wasseroberfläche in der er sich verschwommen spiegelte. Sein Spiegelbild bewegte sich in wellenartigen Bewegungen unter ihm. Er sah die dunklen Locken, die an seiner Stirn klebten und ihm mittlerweile leicht über die Augen reichten. Er sah die dunklen Augenringe, welche seine hellen, blauen Augen untermalten, sah den leichten Dreitagebart, weil es schon wieder ein paar Tage her war, seit er sich die Mühe gemacht hatte sich zu rasieren.
Gerade war er nicht fähig seinen Blick davon loszureissen, ob der Anspannung in Vals Stimme. Die Enttäuschung, untermalt mit Wut, die er aus seiner Stimme hören konnte, egal wie sehr er versuchte neutral und ungerührt zu klingen.
Val wütend zu machen störte ihn weniger. Damit kam er klar, dem konnte er Kontra geben oder sich unterwerfen, jenachdem was gerade die bessere Taktik war, um die Wut zu mildern.
Doch Enttäuschung war etwas ganz anderes. Enttäuschung, gerade in dieser Form, war nicht rückgängig zu machen. Alles winseln, betteln, unterwerfen oder gar Widerworte geben machte es nicht besser.
Er hatte gehofft, val würde zumindest ein kleines Bisschen Verständnis zeigen. Es waren zehn Jahre Ungewissheit gewesen. Selbst ihr Zusammentreffen hier ... Es war eine Laune des Schicksals gewesen. Scorpion hätte so viele andere auserkoren können, hierher spionieren zu gehen. Vielleicht wären sie einander nie wieder begegnet. Jesse war davon ausgegangen, dass Val gewollt hätte, dass er irgendwie glücklich war. Aber allen Anschein nach, zählte dessen Anspruch auf seinen Besitz mehr.
Einem geschlagenen Hund nicht unähnlich, sass Jesse in dem Zuber, starrte auf die Oberfläche, die sich langsam nur beruhigte. Sein Antlitz im Wasser wurde klarer. Er starrte sich selbst an, reumütig und enttäuscht von sich selbst diesen Augenblick mit der Wahrheit zerstört zu haben. Nur sehr wenige Entscheidungen in seinem Leben hätten anders verlaufen gefällt werden müssen und er hätte Val mit einem simplen Nein antworten können. Dann würde er noch an ihn gelehnt im heissen Wasser lehnen und das Bad in trauter Zweisamkeit geniessen. Doch der Moment zerbrach wie ein heruntergefallener Spiegel in tausende Scherben.
Vals Enttäuschung schnitt in seine seine Haut wie ebendiese Scherben. Es tat mehr weh, als Jesse zugeben wollte. Val zu enttäuschen war schon immer das Schlimmste gewesen.
Für einen Augenblick war es wieder still. Val hatte seinen poetischen Monolog beendet. Jesse wusste, das war der Moment in dem er ihn anblicken sollte, wenn die Enttäuschung nicht noch tiefer schneiden sollte. Also hob er langsam den Blick, löste sich von seinem eigenen Antlitz, bevor er auf Vals dunkelbraune Augen traf, die in dem gedämmten Licht beinahe schwarz erschienen. Jesse gab sich Mühe so ausdruckslos wie möglich zu ihm zu sehen, doch es war einer dieser Momente in denen Val nichts tun musste, um ihn in die Knie zu zwingen. Die Last der Schuld auf seiner Schulter tat dazu genug. Dazu die Enttäuschung und in Jesses Augen spiegelte sich automatisch wie unwohl er sich fühlte.
Auf Vals Anweisung hin nickte er kaum merklich. "Mach ich...", sagte er leise, mit rauer Stimme, bevor er den Blick wieder senkte und hörte, wie Val den Raum verliess.
Für einen Augenblick blieb er so, die Lippen aufeinandergepresst, starrte er sein Spiegelbild erneut an. Warum hatte Val die Vergangenheit nicht einfach ruhen können?
Erst nach einigen Minuten, knurrte Jesse leise auf und zerschlug mit der rechten Faust sein Spiegelbild, bevor er sich zurücklehnte, den Kopf auf den harten Rand des Zubers legte und einen Moment lang einfach an die Decke starrte. Er hatte keine Ahnung wie er das Problem lösen sollte. Was passiert war konnte er nicht ungeschehen machen. Er konnte nur darauf hoffen, dass Val ihm verzieh und ihm glaubte, dass er ihm nun da sie wieder zusammen waren, so treu sein würde wie davor. Dass sein Herz nur für ihn schlug und sonst niemandem. Aber bis dahin musste er Vals Unmut wohl über sich ergehen lassen und hoffen, dass dessen Zuneigung die Eifersucht überwog.
Da ihn die Lust aufs Baden verlassen hatte, seit Val dem Zuber entstiegen war, er sich aber ihm zuliebe aber trotzdem noch richtig waschen wollte, griff er schliesslich nach der Seife und begann sich den Dreck wegzuschubbern. Keinen einzigen Zentimeter seines Körpers liess er aus. Von den Zehenspitzen bis hinter den Ohren schmierte er sich mit Seife ein. Auch sein Gesicht liess er nicht aus und natürlich seifte er sich auch die Haare ein. Der Part, den eigentlich Val hätte übernehmen dürfen, übernahm er also selbst. Gründlich massierte er sich die Kopfhaut und die Haare bis in die Spitzen, bevor er sie gut und ausgiebig ausspülte. Wenigstens dahingehend wollte er Val nicht enttäuschen. Zumal er sich absichtlich Zeit liess, weil er Val nicht gegenübertreten wollte. Er wollte ihn nicht noch mehr stören. Dafür musste er erst einmal herausfinden, ob dieser wollte, dass er sich bei ihm entschuldigte, oder ob er ihm verzeihen wollte.
Als er schliesslich fertig war und sich sogar ziemlich sauber fühlte, war das Wasser nur noch maximal lauwarm, weshalb er ihm entstieg und sich mit dem Tuch trocken rieb, bevor er es sich um die Hüfte band. Dann leerte er den Zuber, spülte ihn aus und liess ihn umgedreht stehen, damit er richtig trocknen konnte. Anschliessend stellte er sich an das kleine Fenster hier im Bad und schaute nach draussen. Es schneite wieder heftiger. Eigentlich zog es ihn trotzdem irgendwie nach draussen. Er wollte raus aus diesem Haus und sich der Einsamkeit hingeben. Nur damit er Val aus dem Weg gehen konnte. Val und vermutlich auch seiner eigenen Schuld. Er schob das Fensterchen auf, das gerade mal gross genug war, damit man den Kopf hinaus strecken konnte und legte das Kinn darauf, um hinaus zu blicken in die verschneite Landschaft. Kühler Wind strich um seine noch feuchten Ohren und das nasse Haar, was ihn erschaudern liess.
Raus schleichen lag wohl nicht drin. Seine Klamotten lagen bei Val im Zimmer. Er würde es also merken, wenn er sich anzog und .. naja, nach draussen ging. Er wollte auch nicht zwingend ins Zimmer gehen und Val beim Schlafen stören.
Mit einem Seufzen schloss er das Fensterchen wieder und trocknete den Boden noch ein wenig, um Zeit zu schinden, bevor er schliesslich doch das Bad verliess und erst einen Moment im Flur zwischen Wohnküche und Schlafzimmer stehen blieb, unsicher was er tun sollte. doch dann ging er auf leisen Füssen am Schlafzimmer vorbei, betrat den Wohnbereich und legte noch ein paar Scheite ins Feuer, bevor er sich auf die Liege legte, auf der auch das Bärenfell lag. Nach kurzem Zögern ergriff er es an einem Ende und schlang es dann um sich, bevor er den Kopf ablegte und ins Feuer starrte. Schlafen würde er ohnehin nicht können, das wusste er. Es war wohl einfach besser, wenn er hier blieb und erst einmal abwartete, wie übel Val ihm diesen Patzer in der Vergangenheit nahm.
Nachdenklich streichelte er dabei über den Ring, der nun an seinem Finger sass. Val hatte sich mit ihm verlobt, bevor er nachgefragt hatte, ob es andere Männer gegeben hatte. Ob er diese Entscheidung nun bereute...?
Jesse musterte den Ring in dessen abgegriffenen Metall sich das Feuer dumpf spiegelte. Er hatte den Drang ihn wieder auszuziehen, weil er seiner nicht würdig war. Er hatte Val enttäuscht. Ihn hintergangen und verraten.
Sachte umschloss er den Ring mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und zog ihn langsam von seinem Ringfinger. Doch kurz nach dem Fingergelenk hielt er inne. Was wenn er ihn dadurch nur noch mehr enttäuschte...? Für einen Moment verharrte er so, unschlüssig welche Entscheidung die Richtige war. Doch dann schob er den Ring wieder zurück und schloss die Linke zur Faust. Es war Vals Entscheidung ob er seiner noch würdig war oder nicht. Es war definitiv Vals Entscheidung.

@Valravn Vargström


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#33

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 02.02.2020 00:53
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Verrat. Ja, genau das war es aus Sicht von Valravn, die Umstände spielten keine Rolle für den Schweden, es war ihm gleich wie viel Zeit ins Land gezogen war, wie hoch oder gering die Chance war, jemals wieder seinen Lebensgefährten wiederzusehen, lebend noch dazu. Jesse hatte sich, bevor Valravn überhaupt in sein Leben getreten war, nicht einmal im Ansatz mit Lust oder der eigenen Sexualität auseinandergesetzt, Schritt für Schritt für Schritt, war es der Schwede gewesen, der seinen Liebsten heranführte, langsam, geduldig, einfühlsam bis er die Freuden entdeckte, die eine Liebesbeziehung mit sich brachte.
Er war es gewesen, der Jesse seinen ersten Kuss stahl, mit den Händen seinen Körper erkundete, ihn für sich einnahm, ...und diese hart erarbeiteten Erfolge, diese köstlichen Früchte, teilte er einfach mit irgendwem!?
Jeher war Valravn der Eifersüchtigere von ihnen gewesen, er leugnete es auch nicht, seine besitzergreifenden, gar narzisstischen Züge ließen etwas Anderes gar nicht zu. Jesse gehörte zu ihm, er hatte dafür gesorgt, dass aus dieser kleinen, scheuen Raupe, ein wunderschöner, blutiger Schmetterling wurde, der sich zu einem Löwen erhob, in einer Welt voller Schafe!
Und er ließ zu, das eines dieser erbärmlichen Schafe, dass seiner weder würdig war, noch seine Aufmerksamkeit verdient hatte, ihn seine Bettstatt kroch?
Vielleicht hatte Valravn zu viel erwartet, eine zu hohe Meinung von dem Mann, dem er sein Herz vollends schenkte, sogar seine Freiheit einst in dessen Hände legte, indem er ihn verschonte, anstatt ihn zu töten, trotz des Wissens, des dunklen Geheimnisses, welches Jesse an diesem einen Abend entdeckt hatte. Er bereute es gar, Jesse diese Welt gezeigt zu haben, seine Erfahrung mit ihm zu teilen, denn hätte er es nicht, wäre er vielleicht wie vorher für sich geblieben, ein verschrobener, unnahbarer Eremit, der nicht mal ansatzweise empfänglich war für Avancen, geschweige denn körperliche Nähe zugelassen hätte.
Vor allem aber hätte Jesse die Contenance gewahrt, nein, er wollte nicht wissen, weshalb er sich zu einem primitiven Besäufnis hatte hinreißen lassen.
In diesem Moment wollte Valravn nur eines, seinen Verstand abschalten, dessen war er fähig, doch es änderte nichts an dem Bild, was sich bereits, ob Jesses Worten, eingebrannt hatte vor seinem inneren Auge. Es spielte keine Rolle was die Zukunft bringen würde, Valravn würde in diesem Zoo auf die Jagd gehen, unabhängig von irgendwelchen Interessen Dritter, er würde den Mann finden und er würde seine minderwertige Existenz tilgen. Auf die gute, alte Art und Weise, wie früher. Damit ließ sich Jesses Vergehen nicht ausradieren, nicht rückgängig machen, doch vielleicht gab es Valravn, zumindest im Ansatz, einen Anflug von Genugtuung ....oder auch nicht.
Das Wissen war nun vorhanden, unauslöschlich, prangte es in seinem Hinterkopf, wie ein spottendes Mahnmal, als Verweis darauf, offenbar nicht deutlich genug gewesen zu sein. Obschon zehn Jahre vergangen waren, sie getrennt voneinander überlebten, hatte Valravn Jesse stets die Treue gehalten, es war wohl nicht zu viel verlangt, das dieser Selbiges tat! Doch offenbar war dem so und es war erneut die Liebe, zu Jesse, die den Schweden daran hinderte, auf der Ferse umzudrehen, zum Zuber zu schreiten und ihm das Genick zu brechen, wie einem Huhn oder einer Taube, welche als Essen dienlich sein würde am Abend. Dass er seinen Gemütszustand nicht gänzlich verbergen konnte, war ihm gleich, vielleicht wollte er aber auch, dass Jesse, sein Verlobter, sein Mann, erkannte wie tief die Enttäuschung bei seinem Skandinavier reichte, welch Schmerz sein Geständnis ihm bescherte, den er weder lindern, noch auslöschen konnte.
Er war da, er saß tief und der Vertrauensbruch war nicht mehr rückgängig zu machen.
Viele Möglichkeiten hatte der Schwede nun um darauf zu reagieren, doch er gab seinem Impuls nicht nach, nicht seinem Zorn, er ließ Jesse die Folgen seines Verrates spüren, jedoch nicht, indem er die Hand gegen ihn erhob, nicht indem er lauter wurde, sondern indem er einfach zu Bett ging und sich abwandte, nachdem das Nötigste gesagt war.
Er tat es diesmal auch wirklich, trank den fiebersenkenden Tee, legte sich auf die Matratze, deckte sich zu und drehte sich, mit dem Rücken zur Tür gewandt, zur Seite um den geschundenen Rücken zu entlasten. In der Tat schlief er ein, rührte sich nicht als Jesse, irgendwann, draußen vorbeischlich und zu Beginn, war es auch ein traumloser Schlaf, nichtssagend, still und leer, unterbewusst vernahm er nur das Knistern, welches gedämpft aus dem Wohnraum drang.

Die andere Seite des Bettes war verwaist, ausgekühlt, er hatte Platz aber verweilte auf demselben Fleck, so wie er sich zum Schlafen gebettet hatte, nur seine rechte Hand schob sich währenddessen rüber, griff in das Laken, wo eigentlich Jesse liegen sollte, wo er früher immer lag. Auf der rechten Seite des Bettes, in Valravns Haus, als auch hier mit dem Fenster im Rücken. Inzwischen war es draußen wieder dunkel geworden, das Schneegestöber war auch wieder mehr, statt weniger, geworden und der Wind heulte vor den Fenstern, wie eine verwundete Bestie, die nach Erlösung verlangte aber keine fand.
Oder war es die Bestie in seinem Inneren? Der ergraute Wolf, dessen Krallen und Zähne in absehbarer Zeit drohten stumpf zu werden? Nein, sie waren messerscharf, wie die Skalpelle, welche Valravn noch immer mit sich führte, die mitunter das Leben des einen Tieres retteten und das eines Anderen nahm, um ihm den Bauch zu füllen.
Seine Nackenhaare sträubten sich, das Knacken des Feuerholzes vom Wohnraum aus, klang durch die Distanz wie das von Geäst, das unter der großen Last hilflos entzwei brach, trotz des geschlossenen Fensters, fühlte er eine Brise auf der Haut, nein, viel mehr den schweren Atem, das Schnaufen im Nacken, das Schnüffeln einer großen feuchten Nase. Seine Muskeln spannten sich an, verkrampften sich und der Griff ins Laken wurde fester, der Stoff spannte, sein Atem wurde unruhiger, das beklemmende Gefühl in der Brust machte sich bemerkbar, als würde fast eine ganze Tonne an Gewicht auf dieser lasten. Nein, nicht auf der Brust, auf seinem Rücken, die großen Pranken, die langen Klauen, die seinen Körper in den matschigen Boden unter sich drückten, der Geruch von Blut lag in der Luft.
Er hatte es vor sich, das Blut getränkte, zerrissene Fell seines letzten Hundes, seines Lieblings, dem Alaskan Malamute Garm, dessen Körper reglos im Matsch lag, die Innereien die aus der aufgerissenen Bauchdecke quollen, die zerfetzte Kehle, die blutige Zunge die aus dem Maul hing. Sein Hund, der, wenn Valravn nicht zugegen war, das Rudel anführte, welches oftmals den Hundeschlitten im Winter gezogen hatte.
Sie waren jagen, der Bogen, ein einfaches Modell aus Holz, im Anschlag gehabt, folgten sie der Fährte eines Wapitis, irgendwo im Norden, es war später Herbst, der Winter lugte bereits bedrohlich um die Ecke. Valravn hatte es nicht bemerkt, war so sehr darauf aus, diesen verdammten Wapiti zu erlegen, dass er zu spät das Raubtier bemerkte, dass plötzlich versetzt hinter ihm aufgetaucht war, ein Grizzlybär, ein Männchen, vielleicht um die 600-700 kg schwer stand da einfach, schaute ihn an und aus einem Reflex heraus ließ der Schwede die Bogensehne los, als er zeitgleich einen Schritt zurückwich. Das Dümmste, was er hatte tun können, doch selbst ihm unterliefen Fehler, er hatte es bislang vermeiden können einem Grizzly über den Weg zu laufen, doch sein Fokus auf das ersehnte Fleisch, der knurrende Magen, die an ihm zerrende Müdigkeit, ließen ihn einen winzigen Fehler begehen, den er rasch bereuen sollte.
Das massive Tier, strotzend vor Kraft griff ihn an, nachdem der Pfeil es gestreift hatte, alles, was er in dem Augenblick noch tun konnte war den Arm zu heben, sodass sich die Zähne des Bären in seinen Unterarm, anstatt seine Kehle gruben. Garm, der dem Wapiti auf der Spur war, ihm nachstellen sollte, kehrte zurück als er die Schreie seines Herrchens gehört hatte und versuchte ihm zu helfen. Valravn hatte seine Hunde abgerichtet, scharf gemacht, schon vor dem Ausbruch, allen voran Garm setzte er sogar zur Jagd auf Menschen ein, doch gegen einen Grizzly war der Hund machtlos.
Sein Opfer verschaffte dem Schweden nur Zeit, wenige Augenblicke um über den Boden zu robben, um an sein Jagdgewehr zu kommen, da spürte er es auch schon, den Biss in die linke Wade, das Zerren, das ihn ruckartig über den Boden schleifte und das Jagdgewehr in weite Ferne rücken ließ.
Im Bett trat Valravn automatisch aus, die Decke förmlich von sich, es brannte, es schmerzte, so sehr, dass selbst der Schwede, der eine hohe Schmerztoleranz besaß, fast daran zu zerbrechen drohte als der Bär ihn in die Mangel nahm, packte, schüttelte, als wäre er nur das Spielzeug eines Hundes oder einer Katze. Die scharfen Krallen rissen durch seine Felle, das Leder, aus dem seine Kleidung bestand, als wäre es Papier, er hörte es, spürte es, das warme Blut auf seiner Haut, den Speichel, der auf ihn hinab tropfte, die Zähne die sich in seine rechte Schulter bohrten, das Knirschen und Knacken, das Malmen, gefolgt von einem kräftigen Schütteln als wolle er ihm die Schulter samt Arm heraus reißen. Alles drehte sich, trotz des Adrenalins im Körper wusste er was geschah, welchen Schaden das Tier anrichtete und er wünschte sich, dass es endlich der Spielerei ein Ende setzte, ihn tötete, fraß oder liegen ließ.
Noch immer konnte er es spüren, wie sich schnüffelnd die blutige Schnauze in seinem lang gewordenen Haar vergrub, die Zunge darüber fuhr, sein Blut kostete und er schon damit rechnete, dass sich dessen Zähne gleich durch seine Schädeldecke bohrten, ihn knackten wie eine Walnuss ...dann wäre es endlich vorbei.
Es war noch immer da, dass einzige Biest, dass den alten Wolf noch immer verfolgte, obwohl dessen Fell im Wohnraum lag, gar den Mann wärmte, den Valravn glaubte an jenem Tag wiederzusehen, auf der anderen Seite. Dessen klare blauen Augen, die so viel sanfter waren als das kalte dunkle Braun seiner eigenen Iriden. Er hatte es so deutlich vor sich sehen können, fast greifbar, die dunklen Locken, die Jesse, wie so oft, ins Gesicht gerutscht waren, wirr und chaotisch, ebenso rebellisch wie der verschrobene Schlumpf, den Valravn viele Wochen lang nur aus der Ferne gesehen, sowie höflich gegrüßt hatte, bis zu dem Zusammentreffen im Supermarkt. Der Dreitagebart, der ihm so gut zu Gesicht stand, das Lächeln, zaghaft und gar ein wenig unbeholfen wirkend, was er zunächst nur selten an den Tag gelegt hatte. Die weichen Züge, die Jesse, deutlich jünger erscheinen ließen als er tatsächlich ist....
Das Laken auf Valravns Seite war schweißnass, wie der Schwede selbst, es waren nicht die Morde, die er zu verschulden hatte, nicht die Opfer, die er aß, um sich ihrer zu entledigen, dass was Andere ein Gewissen nennen würden, was ihn so oft im Schlaf plagte, sondern dieser verdammte Grizzly.
Das einzige Biest, was ihn in die Knie gezwungen hatte, dass ihn durch den Fleischwolf drehte und Spuren an ihm hinterließ, die er nicht einfach ausblenden konnte, es war immer zugegen, jedes Mal, wenn er den rechten Arm bewegte, wenn das Wetter um schwang, fühlte er wieder die Zähne im Fleisch und das Ziehen der Narben. Er konnte damals nicht entfliehen und konnte es auch heute nicht, obschon sein Körper es wollte, die Muskeln bis zum Zerreißen gespannt waren, genügte das laute Knacken von Feuerholz um den Schweden, plötzlich herauszureißen, sein Körper reagierte bevor sein Verstand realisierte was los war. Ruckartig stieß er sich aus dem Bett, kam polternd auf dem Boden auf, wobei er aus Reflex noch nach der Kante des Nachttisches gegriffen hatte und diesen mit sich riss, klirrend zerbarst die Tasse auf dem Holzboden beim Aufprall.
Instinktiv wich er zurück, stieß mit dem Rücken gegen die Wand, was verhinderte, dass er weiter kam, ihm lief der Schweiß übers Gesicht, geriet ihm ins Auge, weshalb er sofort dieses rieb sowie mehrmals blinzelte, weil es brannte und er somit gänzlich blind war, wenn gleich nur für ein paar Sekunden.
Er schwitzte als wäre er in der Sauna gewesen, sein Herz hämmerte in seiner Brust als liefe er einen Marathon ohne Unterbrechung, als drohte es ihm gleich heraus zu springen, wäre da nicht das plötzliche Ziehen, links in der Seite, oberhalb des Rippenbogens, wo er sofort mit der rechten Hand hingriff. Sein zittriger Atem drang aus seinen Lungen, die gefühlt nicht genug Sauerstoff einsaugen konnten, wie es notwendig war. Sein Brustkorb fühlte sich beengt an, als würden sich seine Rippen zusammen ziehen, seine Organe zusammen quetschen, ihm war schlecht, schwindelig und er stieß mit dem Hinterkopf bewusst gegen die Holzwand hinter sich, während seine linke Hand sich in den hölzernen Boden krallte. Er wusste er hatte eine Panikattacke, dass sein Körper sich reinsteigerte, es schlimmer statt besser machte, obwohl er sich dessen gewahr ist, besaß nun mal auch Valravn nicht über alles die Kontrolle, nicht mal seinen eigenen Körper oder viel mehr Verstand betreffend.
Sich dessen bewusst zu sein, sich zu sagen, dass es nur eine 'Verarsche' seines Körpers ist, er aber nicht in Gefahr schwebte, es keinerlei Anlass zu einer panischen Reaktion gab, half ihm nur zu Beginn, doch gerade wurde er förmlich rausgerissen davon und wenn ihn solche überkamen, in den letzten Jahren, war der einzige Balsam für seine Seele nicht zugegen. Er wusste ja nicht mal ob Jesse noch lebte zu jener Zeit.
Er hatte das Gefühl keine Luft zu kriegen, seine Kehle wurde trocken, schnürte sich zu, sein Körper wollte sich bewegen und konnte es nicht, ihm war nicht mal wirklich klar, wo er sich gerade befand, es spielte zehn Jahre lang keine Rolle, warum sollte es jetzt anders sein? Alles, was für ihn relevant ist, war, dass sein eigener Körper, viel mehr sein Kopf seinen größten Feind darstellte.

@Jesse Redford


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#34

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 02.02.2020 10:56
von Jesse Redford (gelöscht)
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Es war unheimlich still. Wobei, Stille war nie komplett. Irgendetwas gab es immer zu hören. Selbst wen man dachte, es herrsche absolute Stille, war dem selten wirklich so. Auch jetzt... Es war ruhig und doch drangen unzählige Geräusche an seine Ohren.
Das Knacken und Knistern des Feuers ihm gegenüber in welches er starrte, dessen Flammen sich in seinen Augen spiegelten, war das Dominanteste der Geräusche.
Draussen heulte der Wind, der immer mehr zunahm. Es würde wohl eine stürmische Nacht werden, wenn es bis Abends so weiterging. Jesse hörte sein eigenes Herz in seiner Brust dumpf schlagen. Ein regelmässiger, beruhigender Rhythmus, ausgehend von seinem eigenen Körper. Obwohl er nicht schlafen konnte, kam er zumindest ein wenig zur Ruhe. Das Bärenfell wärmte ihn, zusammen mit dem Feuer vor ihm. Sein Körper schaltete in den Ruhemodus, während sein Kopf noch immer auf Touren lief. Wie immer.
Er dachte darüber nach, wie wenig er darüber nachgedacht hatte, als er in seinem betrunkenen Zustand die Annäherungen des Mannes zugelassen hatte. Es war fast ein Jahr her, sie hatten einen widerlichen Winter überstanden, hatten endlich ein Dach über den Kopf und mehr als genug zu Essen. Scorpion liess sie ein wenig feiern, ihrer Freude über ihren Erfolg ausdrücken. Nach fast zehn Jahren ohne seinen Partner, jedoch mit dem eingeimpften Wissen wie schön das Austauschen von Zärtlichkeiten sein konnte, hatte er nachgegeben. Val war ziemlich sicher tot. Und wenn nicht, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich wieder begegneten so gering, dass das hier nichts zu bedeuten haben würde. Val würde es verstehen. Da war er sich sicher gewesen.
Allen Anschein nach hatte er sich geirrt. Selbst zehn Jahre zusammengebrochene Zivilisation vermochten es nicht dessen besitzergreifende, narzisstische Ader abzuschwächen.
Jesse hätte ihn anlügen können, sein Gewissen damit belasten, dass er obendrauf auch noch unehrlich war. Doch das hätte alles nur noch schlimmer gemacht. Er wusste, wie sehr Val wohl nun danach gierte diesen einen Störfaktor aus dem Weg zu räumen, obwohl dieser Mann Jesse gleichgültig war. Er empfand nichts für ihn. Sie waren maximal Arbeitskollegen die einmal einen gemeinsamen Fehltritt aufgrund gegenseitiger Einsamkeit gemacht hatten. Doch Val war manchmal gnadenlos. Jesse war sich sicher, dass er selbst mit dem Leben davonkommen würde. Noch... Denn beinahe ebenso sicher war er, dass Val darauf bestand zu entscheiden wann und wie er eines Tages das Zeitliche segnen würde. Dieser Gedanke war Jesse schon vor der Dekade das eine oder andere Mal gekommen. Val hatte sich damals schon einmal entschieden ihn am Leben zu lassen, doch irgendwie hatte er seit jenem Tag das Gefühl gehabt, dass die Entscheidung ihn zu töten lediglich nach hinten verschoben worden war. Val würde nicht zulassen, dass er durch irgendeine andere Hand als die seine starb.
Jesse mochte den Gedanken eigentlich. Er hoffte nur, dass Val ihm noch etwas Zeit liess. Besonders jetzt, da sie einander wieder hatten. Vielleicht konnte er ja sogar darüber hinwegsehen, was einmal in zehn Jahren passiert war und stattdessen die Zeit geniessen, die noch vor ihnen lag. Wenn es sein musste würde er ihm sogar freiwillig diesen Kerl ausliefern, nach dessen Blut Val zweifellos gierte.
Er seufzte leise und wischte sich über die feuchten Augen. Sein schlechtes Gewissen Val gegenüber liess ihn nicht zur Ruhe kommen. Er wälzte die Gedanken ruhelos hin und her, ohne zu einer Lösung zu kommen. Nur sein Verlobter konnte ihm eine Lösung geben. Indem er ihm verzieh und akzeptierte, dass seine Liebe ihm gegenüber trotz allem immer noch dieselbe war.
Wie lange Jesse auf dem Sofa lag, eingekuschelt in das Bärenfell, das seinen Verlobten so viele Nächte ebenfalls warm gehalten hatte, wusste er nicht. Zeit war relativ geworden, seit man keine Termine mehr zum einhalten hatte.
Irgendwann fielen ihm doch die Augen zu. Er träumte nicht, schlief aber auch nicht richtig. Es war ein dunkles Dösen, herbeigerufen von der Erschöpfung, die Körper und Geist derzeit innewohnten. Immerhin kam er halbwegs zur Ruhe, konnte sich eine Weile lang in diese tiefe Dunkelheit fallen lassen und sich ausruhen.
Als er die Augen das nächste Mal aufschlug war es nahezu dunkel im Raum. Es war noch stiller geworden, was daran lag, dass das Feuer mehr oder weniger runter gebrannt war und nur noch die rote Glut in der Feuerstelle vor sich hin glimmte.
Jesse hob den Kopf und fuhr sich durch die mittlerweile halbwegs getrockneten Haare, die ihm auf der rechten Kopfhälfte platt am Schädel klebten und aussahen wie ein Vogelnest, weil er sie nicht getrocknet hatte, bevor er sich hingelegt hatte. Seufzend schob er sich die Haare zurück und setzte sich dann auf. Er warf einen kurzen Blick zum Fenster. Draussen sah man nur Dunkelheit aber vermutlich schneite es noch immer unerbittlich, denn auch der Wind heulte noch immer. Jesse erhob sich, band sich das Duschtuch neu um, das beim Schlafen auch ein wenig verrutscht war, bevor er sich zum Feuer begab. Er kniete sich hin und legte wieder frische Scheite in die Glut, nachdem er die Asche ein wenig verschoben hatte, damit sie das frische Feuer nicht erstickte.
Es dauerte nicht lange, da frass sich die Glut in das frische Holz und die ersten Flammen züngelten empor. Jesse blieb sitzen wo er war, beobachtete beinahe fasziniert, wie sich die Flammen erst langsam und zögernd, dann zunehmend wilder in das Holz frassen und von dort aus zu einem schönen Feuer heranwuchsen. Als es stark genug war, legte er noch ein paar Scheite mehr dazu und blieb dann so sitzen. Die Hitze strahlte an seinen Oberkörper, fühlte sich eigentlich ganz angenehm an. Doch schliesslich erhob er sich mit einem Seufzen. Ihm war langweilig. Theoretisch könnte er etwas lesen, doch dafür war das Licht zu schlecht und er wollte nicht unnötig Ressourcen vergeuden in dem er die Öllampen entzündete. Also setzte er sich wieder aufs Sofa. Er war froh, war Val offensichtlich immer noch am Schlafen - oder er strafte ihn mit Schweigen - sodass er ihn nicht stören wollte. Er würde wohl selbst einfach auf dem Sofa bleiben, versuchen noch ein wenig zu schlafen und die Stunden zählen, bis der nächste Tag anbrach und er das Haus verlassen konnte, ohne dass es seltsam wirkte.
Gerade als er sich wieder bequem hinlegen wollte, zerbarst eines der Scheite im Feuer unter einem lauten Knacken. Jesse warf einen Blick zum Feuer, dachte sich aber nichts weiter dabei. Er schüttelte das Bärenfell auf, legte es sich um die Schulter und liess sich wieder auf das Sofa nieder. Er schloss die Augen, versuchte sich wieder der ruhigen Dunkelheit hinzugeben, als ein Poltern ihn zusammenzucken liess. Auf das Poltern folgte ein Klirren und ein dumpfes Geräusch, das er nicht richtig einordnen konnte. Es kam aus dem Schlafzimmer. Jesse schlug das Bärenfell zurück, erhob sich leise und ging zum Schlafzimmer, wo er die Tür leise öffnete. In der Dunkelheit erkannte er nicht sofort was passiert war. Er sah die Umrisse des Nachttischchens, das auf dem Boden lag. Von da aus wanderte sein Blick zur Wand, an der Val sass und ein vertrautes Bild abgab, obwohl er auch ihn eher als Schemen erkennen konnte. Doch die Art wie er dort sass, verkrampft, den Kopf den er gegen die Wand schlug. Jesse brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass es eine Panikattacke war. Sofort schaltete er in den Modus, den zuletzt vor Ewigkeiten benötigt hatte, doch es kam von selbst. Er blieb ruhig. Er wusste, es passierte nichts schlimmes aber er konnte Val helfen. Er ging zum Bett, nahm eines der Kissen - das kühle, das nicht voller SChweiss war - und packte es, bevor er sich zu Val begab. Auf dem Weg dahin trat er in eine Scherbe der zersplitterten Tasse, die er nicht wahrgenommen hatte in der Dunkelheit. Die Scherbe schnitt tief in seine Haut und blieb stecken. Jesse atmete kurz scharf ein, versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen. Er stellte sich zu Val, legte ihm vorsichtig eine Hand an den Kopf.
"Ich bin hier Val", sagte er möglichst ruhig, trotz des brennenden Schmerzes in seinem linken Fuss. Er schob das Kissen hinter Vals Kopf, bevor er sich vor ihm in die Knie begab. Die Hand behielt er dabei an seinem Kopf, wanderte nur an seine Schläfe, während er die Linke vorsichtig aber bestimmend unter Vals eigene Hand schob, die sich so verzweifelt an seine Brust klammerte.
"Ich bin hier... Wir sind in Balar in deiner kleinen Wohnung", sprach er und beobachtete dabei, worauf er reagierte. "Schau mich an Val ... und versuch gleich zu atmen wie ich, ja?" Er nahm vorsichtig Vals Hand in seine und drückte sie sanft, damit er sich an ihm festhalten konnte, wenn er wollte.
Dann atmete er tief ein und tief wieder aus. Dabei liess er keine Sekunde den Blick von seinem Mann, der so verstört wirkte, wie man es ihm niemals zutrauen würde, wenn man ihn nie so gesehen hatte. Vorsichtig lehnte Jesse seine Stirn an die von Val, weiterhin tief atmend, die Hand an seiner Wange, die andere dargeboten als Anker zum Festhalten.
"Wenn du dich bereit fühlst, sag mir was du riechen kannst... zwei, drei Dinge. Sag mir, was du hören kannst...", sagte er leise, zwischen zwei tiefen Atemzügen. Gerade musste er der Ruhepol sein, den Val verloren hatte.
Obwohl es eine gefühlte Ewigkeit her war, seit er das gemacht hatte, fiel es ihm erstaunlich leicht so ruhig wie möglich auf die Attacke zu reagieren. Bei seinem ersten Mal war er selbst halb in Panik verfallen, mittlerweile war ihm längst klar, dass das mit das schlechteste war, das passieren konnte.
Jesse ignorierte den brennenden Schmerz in seinem linken Fuss in dem noch immer die Scherbe steckte, bewahrte Ruhe und versuchte Val die Sicherheit zu geben, die er benötigte um sich zu beruhigen, um die Attacke vorbeiziehen zu lassen wie ein kurzes Gewitter. Nichts währte ewig. Nicht einmal einmal eine Panikattacke.

@Valravn Vargström


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#35

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 03.02.2020 16:29
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Die allumfassende Dunkelheit machte es nicht besser, er wusste in dem Moment nicht wo er wahr, obschon auf der Hand lag, dass es nicht mehr der Wald war mit den uralten Mammutbäumen, es war kein matschiger Untergrund unter ihm, der Boden aufgeweicht vom Herbstregen sowie dem Blut, welches Mensch und Tier aus den Wunden lief. Der Untergrund, auf dem er saß war hart, zum Großteil mit Fellen bedeckt, welche sich, ob seiner hastigen Rückwärtsbewegung, verschoben hatten und er japsend, gar nach Luft schnappend, den Rücken gegen die Wand presste. Der Schwede realisierte dennoch nicht wo genau er sich befand, im Moment hatte er das Gefühl alles engte ihn ein, die vier Wände, das Dach, sein eigener Körper wurde zum Gefängnis, dem er zu entfliehen versuchte, indem er den Kopf gegen die Wand hinter sich schlug. An sich keine Lösung, nur alles wozu er im Augenblick fähig war, als hoffe er darauf, die Fehlstellung zu korrigieren, das verklemmte Rad im Getriebe zu lösen, damit sein Verstand wieder normal arbeitete und aufhörte ihm eine Situation vorzugaukeln, die seinen Körper in Panik versetzte.
Er bemerkte nicht mal das Öffnen der Tür, zwar hatte er Schemen vor sich, doch fokussieren konnte er nichts, so als wäre er nur körperlich anwesend oder anders ausgedrückt, zu sehr in der aufgekommenen Panik gefangen, sodass alles um ihn herum zu einer rauschenden Masse wurde. Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren, wie kräftige Trommelschläge, die so laut erschienen, als würde sein Kopf jeden Moment zerspringen wie Glas. Doch anstatt dieser ihm in tausende von Scherben zersprang, spürte er plötzlich eine Hand, die warmen Finger, die sich an sein feuchtes Haar legten, die Berührung ließ ihn zusammen zucken, gar knurren und die Fingernägel kräftig in seine eigene Haut graben, er fühlte sich wie gelähmt, nicht mal fähig dazu, den vermeidlichen Feind zu packen, sowie zu töten.
Jedoch war es kein Feind, es war die Hand, die das Biest vor Jahren gezähmt hatte und sich in solchen Momenten, behutsam, tröstend, nach ihm ausstreckte um zu helfen, es war nur zehn lange Jahre her, seit dies zuletzt geschehen war. Es gab diese Momente, draußen im Wald, wo Valravn sie gebraucht hätte, die Wärme, die tröstende, zarte Berührung, die ihn wissen ließ, er war nicht allein, er musste diesen inneren Kampf nicht einsam ausfechten, sondern konnte darauf vertrauen, dass Jesse ihm beistand, auf seine Weise half. Den Anfang machte das Kissen, was sein Mann zwischen Wand und seinen Kopf schob, den er sogleich dagegen presste, sein Brustkorb hob und senkte sich noch immer hektisch, das Gefühl nicht genug Luft zu kriegen wurde schlimmer, sein Kiefer schmerzte bereits, so krampfhaft biss er die Zähne zusammen. Obschon er die Berührung am Kopf spürte, die Finger die über sein Haar glitten, bis zu seiner Schläfe, nahm Valravn seinen Liebsten nur bedingt wahr, viel zu sehr steigerte er sich in den Strudel, die kleine Teufelsspirale hinein, die drohte ihm die Luft zum Atmen zu rauben.
Es brauchte einen Moment bis sich Jesses Stimme hindurchkämpfen konnte, bis sie bei ihm ankam, zunächst kaum mehr als ein zartes Wispern, kämpften seine Worte sich durch den ohrenbetäubenden Lärm, welcher Valravns eigenes Herz in seinen Ohren verursachte. Etwas schob, drängte sich zwischen seine Hand und seine Brust, in die er sich krampfhaft hinein krallte, so als würde es ihm dabei helfen das beengende Gefühle schwinden zu lassen, wenn er nur tief genug die Fingernägel in die Haut bohrte, doch dem war nicht so und er wusste es im Grunde auch. Aus einem Reflex heraus drückte Valravn sofort Jesses Hand, vielleicht etwas zu fest, verkrampft, als habe er die Absicht ihm diese zu quetschen, aber das war das Letzte, was er wollte, viel mehr war es der verzweifelte, unterbewusste, Versuch Halt zu finden, zu haben.
In solchen Momenten war Jesse sein Anker, sein Ruhepol, der den Fokus des Schweden mit wenigen Worten und Taten auf sich zog, minimal nur zuckte dieser zurück, blinzelte gar erschrocken, als Jesse, scheinbar aus dem Nichts heraus, plötzlich vor ihm hockte, es war seine Hand die an seiner Wange ruhte, ebenso jene die er in der Anderen festhielt, damit sie ihm Halt gab und er nicht drohte zu ertrinken, zu ersticken in dieser elendigen Panikattacke.
Dessen Worte rauschten zunächst nur an ihm vorbei, ja, er vernahm seine sanfte, beruhigende Stimme, sie ergab zunächst nur wenig Sinn bis Jesse ihm abverlangte ihn anzusehen, das tat Valravn just in dem Moment auch, er riss sich los von der dunklen Leere, den schemenhaften Umrissen der Inneneinrichtung, die spärlich und pragmatisch war. So gar nicht sein Stil. Er hatte es vor sich, das klare Blau, obschon es recht dunkel war, wusste Valravn wie schön Jesses Augen waren, dazu brauchte er kein Licht, um sich dessen bewusst zu werden und er wusste, welch Sanftmut in ihnen lag. Er schluckte, versuchte es, doch die Enge um seinen Hals erschwerte es ungemein, obgleich nichts darum befindlich war, kam die Erinnerung hoch an kaltes Metall, er konnte den, daran haftenden, Rost des breiten Halsbandes auf der Haut schaben spüren, regelrecht riechen.
Es ging einher mit dem Brandzeichen auf seinem Rücken, eine Geschichte, bei der Valravn noch immer nicht wusste, ob er sie seinem Mann anvertrauen würde, konnte.
Im Augenblick spielte sie auch keine Rolle, er starrte im Dunkeln vor in das Gesicht des Mannes, den er sich in den letzten Jahren sehnlichst herbeigewünscht hatte, von dem er dachte, ihm erst im Tode, auf der Schwelle dessen, wieder gegenüber treten zu können. Wie früher, in solchen Momenten, hatte Jesse die Führung inne, wahrte Ruhe, war der Fixpunkt für den Schweden, an dem er sich orientieren, festhalten und in Sicherheit begeben konnte. Wie von Jesse mit ruhiger Stimme gefordert, tat Valravn es ihm gleich, obschon zittrig, versuchte er mit Jesse Luft zu holen, einzuatmen, einen ruhigen Rhythmus zurückzuerlangen, anstatt nach Luft zu schnappen wie ein Fisch an Land.
Es fiel ihm schwer, der erste Atemzug, sein Körper wollte etwas Anderes aber er passte sich an, atmete ruhig ein und wieder aus, damit er langsam wieder Kontrolle erhielt. Jesse war ihm dabei eine große Hilfe, nicht nur, weil er die Ruhe wahrte, sondern sich an ihn herantraute, nicht nur seine Hand hielt, sondern die Stirn an seine lehnte und dem Schweden über die Wange strich. Valravn konnte unberechenbar sein, generell, weil er jemand war, der nicht berührt werden wollte, wenn er gestresst oder gar wütend ist, er war kein sehr kontaktfreudiger Mensch in der Hinsicht. Was Andere beruhigte, Trost spendete, puschte ihn, wie ein Tier, dass zubiss, sobald es in die Ecke getrieben wurde aber Jesse, er vollbrachte das Kunststück, indem er die Bestie, ob zornig, gestresst oder wie jetzt, panisch, mit seiner Nähe zu beruhigen, anstatt aggressiv werden zu lassen.
In solch Augenblicken fiel es Valravn unglaublich schwer sich zu fokussieren, die Reizüberflutung, welcher Jesse ständig ausgesetzt war, packte den Schweden nur in solchen Momenten, machte es ihm unmöglich sich auf etwas zu konzentrieren, doch er versuchte es, schloss dafür gar das Auge. Jesse war bei ihm, vor ihm, alles war gut, also versuchte er seinen aufgewühlten Geist auf etwas zu fixieren, was die Augen seines Liebsten im kleinsten Detail auf einen Blick erfassen konnten, vollbrachte Valravns feinsinnige Nase. Also holte er tief Luft, konzentrierte sich auf die Gerüche, die Geräusche und gönnte seinem Auge Ruhe um nicht abgelenkt zu werden.
"...ich rieche .." Seine Stimme glich nun mehr einem heiseren, dunklen Kratzen, er schluckte, sein Mund fühlte sich trocken an aber er sollte sich konzentrieren. Was roch er? Was hörte er? "..Tannengrün...eine salzige Meeresbrise..." Kurz um, Jesse. So beschrieb Valravn schon früher dessen Geruch, wenn er kein Aftershave trug. "....ich rieche Seife, ...Fichtenholz, ..Kräuter ...etwas wilde Minze, .." Er nahm einen weiteren Atemzug, der feste Griff, mit dem er Jesses Hand bei sich behielt, wurde lockerer mit der Zeit, langsam aber stetig mehr kam Valravns Körper, sein Geist wieder zur Ruhe, begann zu entspannen. "...ich rieche Blut.." Das Auge öffnend blickte er vor zu seinem Mann, hatte er sich etwa verletzt? Wie, wann und wo?
"Ich höre ...den heulenden Wind, das Knistern des Kamins, ... deinen Herzschlag ...und den Meinen..."
Seine Stimme wurde leiser und beides war wohl richtig, sein Herzschlag beruhigte sich, ebenso wie seine Atmung, passte sich auch dieses Jesse an, wie ein Spiegelbild, nur aus Fleisch und Blut. Schon früher kam es nicht selten vor, dass sie sich nahezu synchron bewegten und sei es nur das gleichzeitige Heben des Kopfes in eine Richtung, aus der ein Geräusch, eine Person oder gar Worte gedrungen waren.
"Wo hast du dich verletzt.." Wollte Valravn wissen, dessen Anspannung abfiel, nachdem die Panikattacke endlich abgeebbt war, stattdessen der Erschöpfung Platz einräumte. Die Beine streckte er gänzlich aus, fasste dafür mit der freien Hand nach Jesses Hüfte, zog ihn zu sich, auf seinen Oberschenkel damit er Platz nahm, sich mit der Seite an den Schweden lehnen konnte, der sein Gesicht an Jesses Halsbeuge vergrub, sowie ihn einfach nur einen Moment lang bei sich haben wollte. Das beengende Gefühl um seinen Hals ließ nach, sein Auge ließ er ruhen, geschlossen, er musste nicht sehen können um zu wissen, dass er Jesses Hand wohl recht eisern gedrückt hatte in seinem kleinen Anfall von Panik. "... habe ich dir weh getan?..."
Seine kratzige Stimme blieb ein Flüstern während er Jesses Hand, die er so eisern umschlossen gehalten hatte, anhob, an seine Lippen führte und behutsam dessen Finger küsste, jeden Einzelnen.
"Wir sollten uns um deine Verletzung kümmern, ... heutzutage kann ein Schnupfen sogar wieder tödlich sein..." Meinte er und würde sich das ansehen, auch wenn Jesse sehr gut imstande war, sich selbst zu verarzten aber Valravn wusste ja nicht, was er für eine Wunde er sich zugezogen hatte. Er roch nur das Blut.
Schließlich hob er den Kopf, atmete schwer aus und wieder ein, betrachtete aus der Nähe die Züge seines Mannes, den er in all den Jahren so furchtbar vermisst hatte, sowie sich dessen gewahr sein musste, dass Jesse ebenso der Einzige war, der es vermochte den Wolf tiefer zu verletzen als die Krallen eines Bären oder ein Messer, dass in seinen Körper drang. "Ich liebe dich Jesse, ...daran ändert nichts und niemand etwas ...du bist alles was ich brauche, an meiner Seite haben will .... wo du hingehst, dahin folge ich dir .... welchen Kampf du auch führen musst, ich kämpfe mit dir. ...du hast diesen alten Wolf gezähmt, ..vergiss das nicht, ...du bist verantwortlich, für immer, für das was du gezähmt hast ..."
Valravn ließ Jesses Hand seiner entgleiten, hob die Seine stattdessen und schob seinem Liebsten die wirren Strähnen aus dem Gesicht, wanderte seine Schläfe hinab bis zur Wange, um schließlich sein Gesicht ein Stück zu sich zu drehen, bevor er seinem Mann einen liebevollen Kuss auf seine weichen Lippen hauchte, denen er so lange entsagen musste.


@Jesse Redford


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#36

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 03.02.2020 20:59
von Jesse Redford (gelöscht)
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Es war eine ganze Weile, deutlich mehr als zehn Jahre, her, seit Jesse das letzte Mal auf einen solchen Anfall hatte reagieren müssen. Ganz am Anfang, als er Val kennengelernt hatte, hatten solche Anfälle ihn erschreckt und überfordert. Er wusste nicht woher es kam und was gerade passierte, doch mit der Zeit öffnete sich Val ihm gegenüber, liess ihn Teil haben an all den Ängsten, die ihn plagten und die so tief in ihm schlummerten, weil Val immerzu versuchte sie nicht zu sehr an sich ran zu lassen. Dafür brachen sie umso heftiger hervor und gipfelten hin und wieder in diesen unkontrollierten Anfällen.
Mit der Zeit hatte er herausgefunden worauf Val am ehesten reagierte, wie er mit ihm reden musste und was er tun konnte, damit die Panik verebbte und sein Liebster wieder in der Lage war richtig zu atmen.
Irgendwann hatte er selbst keine Angst mehr davor gehabt Val in diesen Momenten anzufassen, mit ihm zu sprechen, einfach für ihn da zu sein und ihn sachte wieder heraus zu führen.
Nun, zehn Jahre später reagierte er immer noch beinahe automatisch. Ohne Hast oder Unruhe sicherte er erst einmal Vals Kopf davor, Schaden zu nehmen, bevor er sich ihm näherte, ihn berührte und sanft aber bestimmt versuchte Val auf andere Gedanken zu bringen. Möglichst etwas, das seine Ängste nicht wieder triggerte. Jesse wusste nicht, ob es immer noch die Nachwehen des ehemaligen Krebsleiden waren, die ihn jetzt in diesem Augenblick packten oder ob in den zehn Jahren Dinge vorgefallen waren, welche solche Anfälle ebenfalls auslösen konnten. Ein Kampf mit einem Bär vielleicht. Unwahrscheinlich war es nicht. Aber wirklich wissen tat er es nicht, solange Val es ihm nicht erzählte.
Doch eigentlich war es egal, was genau ihn gerade derart ängstigte, dass sein Körper ihn in Panik versetzte. Jesses Aufgabe bestand darin ihn da wieder heraus zu holen. Also musste Val auf andere Gedanken kommen. Bisher hatte es immer am besten funktioniert in dem er ihn aufgefordert hatte seine Umgebung wieder zu riechen. Etwas, das bei Val am sensibelsten war... Seine Nase. Gerüche konnte er oftmals schnell wieder wahrnehmen und sich so ablenken.
Jesse lächelte leicht, als Val damit begann die ersten Gerüche aufzuzählen. Tannengrün und eine salzige Meeresbrise. Seit jeher definierte er so Jesses Geruch, wenn er nicht gerade wieder das verfluchte Aftershave benutzt hatte. Er liess ihn weiter aufzählen, bis er zu dem Blut gelangte. Natürlich roch er es... Dass er sich verletzt hatte.
Jesse war froh, dass er schon so weit zu ihm durchgedrungen war, nachdem Vals erste Reaktion bloss ein Knurren und Zucken gewesen war. Seine Hand, die er unter jene von Val geschoben hatte, wurde in der Zwischenzeit unheimlich fest gequetscht. Jesse ertrug den Schmerz für Val, so gern er seine Hand auch zurückgezogen hatte, er musste es aushalten. Val drückte so fest zu, dass er das Gefühl hatte, seine Finger würden demnächst brechen. Doch er musste standhaft bleiben für seinen Liebsten, der diesen Halt gerade nötig hatte.
Allmählich begann er auch seinen Atem mit ihm zu synchronisieren. Der erste Atemzug war mehr ein Japsen als ein Atmen, ein verzweifeltes Luftholen, das ihm die Lungen zu verweigern drohten, doch schliesslich konnte er die Luft rein lassen und anfangen die Atemübung mitzumachen. Nach und nach kam Val dann zum Glück auch wieder runter, er übergab sich Jesses Führung, was er sonst nie zuliess. Normalerweise waren die Rollen andersrum, doch in diesen Situation oblag Jesse die leitende Hand, bis Val sich beruhigen konnte. Manche Dinge schienen sich eben nie zu ändern.
Der Griff um seine Hand begann sich zu lockern, Jesse atmete etwas weiter auf, versuchte sich aber nicht zu sehr anmerken zu lassen, wie sehr seine Hand gerade schmerzte.
"Alles okay... Nichts passiert...", sagte er leise, als Val entspannt genug war, dass er seine Beine strecken konnte. Kurz darauf wurde Jesse in eine Umarmung gezogen. Er liess sich mitziehen, achtete aber gut darauf, nicht versehentlich mit dem verletzten Fuss auf den Boden aufzukommen und die Scherbe womöglich noch tiefer in sein Fleisch zu jagen. Er legte Val einen Arm um den Nacken, zwischen ihn und das Kissen und hielt sich so an ihm fest.
Sachte spürte er die Lippen seines Liebsten an der misshandelten Hand, als er sie küsste, wohlwissend was er ihr angetan hatte, wenn auch unabsichtlich. Jesse nahm es ihm nicht übel. Vor ungefähr einem Tag hatte er schliesslich wie ein Wilder um sich gebissen und Val versucht zu treten in einem eigenen Anfall, dessen Ursprung ein anderer gewesen war.
Er antwortete ihm nicht direkt auf seine Frage. Schliesslich war es bloss eine Scherbe, die in seinem Fuss steckte. Nicht schlimm. Er würde wohl ein paar Tage humpeln aber das war okay...
Doch auf seine nächsten Worte hin senkte Jesse den Blick. Er war Val nicht würdig. Er hatte ihn verraten und hintergangen in dem er einen anderen an sich herangelassen hatte. Hatte Val ihm dies bereits verziehen...?
Jesse seufzte tief. Ja, er hatte die Bestie vielleicht gezähmt. Oder hatte sie sich viel mehr zähmen lassen? Manchmal wusste er es nicht so recht...
"Ich war unachtsam und habe mir eine Scherbe eingetreten. Von der Tasse", sagte er leise. "Nichts schlimmes...", fügte er gleich hinzu, damit sich Val nicht noch unnötig Sorgen deshalb machte.
Dann fühlte er seine Hand an seiner Wange und schliesslich wurde er in einen sanften Kuss gezogen. Jesse erwiderte den Kuss, wenn auch noch etwas unsicher. Es war schliesslich erst ein paar Stunden her, seit er Val enttäuscht hatte. Er traute dem Frieden noch nicht ganz. Val war nachtragend und er war sich sicher, dass das irgendein Nachspiel haben würde. Dass er erst dann Ruhe geben würde, wenn er den vermeintlichen Nebenbuhler vom Antlitz dieser Welt radiert hatte.
Als sie sich wieder voneinander lösten, seufzte Jesse.
"Du hast etwas Besseres als mich verdient", sagte er leise. "Ich habe dich enttäuscht..." Langsam löste er sich von Val, hielt dann aber noch einmal inne und sah ihn an, um ihm über die Wange zu streichen. "Ich kann wohl nicht in Worte fassen wie schlecht ich mich fühle..." Er biss sich auf die Lippen, bevor er sich an der Wand hochzog und scharf die Luft einsog, als er fast mit dem verletzten Fuss aufstand. STattdessen hüpfte er einen Schritt zur Seite, winkelte das Bein an und zog endlich die Scherbe heraus.
"Ah verdammter Dreck!", entfuhr es ihm, als der brennende Schmerz durch sein gesamtes Bein zuckte. Zittrig atmete er ein und schaute zum Bett. Mit dem Fussballen konnte er abtreten, wenn er vorsichtig war. Dies versuchte er dann, sodass er die kurze Distanz zwischen Wand und Bett überbrücken konnte, um sich hinzusetzen. Anschliessend reichte er Val beide Hände. "Zieh dich hoch", verlangte er sanft. "Aber sei vorsichtig, nicht dass du dir auch noch was eintrittst." Mittlerweile hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt und somit konnte er die Scherben auch besser sehen. Trotzdem war Licht vielleicht keine schlechte Idee.
Er packte Vals Hände, stemmte seine Fersen in den Boden, wobei er versuchte den unversehrten rechten Fuss stärker zu belasten, als er sich gegen Vals Gewicht stemmte, damit er aufstehen konnte. Er behielt ihn so gepackt, bis er sicher war, dass Val nicht direkt wieder umkippte, bevor er ihm half ebenfalls zum Bett zu kommen.
"Ich versau wohl den ganzen Teppich...", stellte er fest. Wobei es ja mehr Felle als Teppiche waren. Aber trotzdem, das Blut kriegten sie da wohl nicht mehr raus.
"Leg dich wieder hin, ich ... komm klar. Ich verbinde den Fuss und dann räum ich hier auf..." Das war ja das Mindeste, das er tun konnte, nachdem er Val derart enttäuscht hatte.

@Valravn Vargström


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#37

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 05.02.2020 14:20
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Valravns unbändiger Stolz, sowie der Fakt Arzt zu sein, machten ihn wohl wirklich zu einem anstrengenden Patienten, zumindest dann, wenn es wirklich notwendig war, sich helfen lassen zu müssen, von jemand Anderem. In der Regel machte er alles selbst, doch es gab Momente, Situationen, wo er es nicht konnte, nicht schaffte. Durch sein Krebsleiden, mitten in seinen Dreißigern, verschlimmerten sich vermutlich einige seiner, eh schon stark ausgeprägten, Züge und der Einzige, den er danach noch an sich ran ließ, ran lassen musste, war am Ende Jesse gewesen.
Für gewöhnlich verbarg Valravn seine Schwächen, ignorierte sie, ließ nicht zu, dass sie ihn übermannten, doch seit seiner Krankheit, vor gefühlt einer Ewigkeit, suchten ihn manches Mal Panikattacken heim, wogegen all sein Wissen, sein Stolz, einfach nichts ausrichten konnte. Die letzten zehn Jahre, wenn so etwas passierte, waren die Hölle, alles, was er dann tun konnte war zu verharren, zu warten, sich daran zu erinnern, wie Jesse ihm immer geholfen hatte, ihn, wortwörtlich auch, an die Hand nahm und rausführte aus diesem Strudel.
Zu Beginn tat Valravn das Ganze natürlich einfach mit einer bissigen Bemerkung ab, wollte nicht darüber reden, doch mehr als einmal wurde Jesse Zeuge dessen, weshalb er irgendwann dazu angehalten war darüber zu sprechen. Sie wussten beide zu Beginn nicht wirklich, wie sie damit umgehen sollten, Valravns Vernunft fand keinen Platz, wenn ihn solch eine Attacke überkam, und Jesse war heillos überfordert gewesen. Es brauchte seine Zeit, bis sie den richtigen Weg fanden, Jesse eine Möglichkeit, gar Taktik ersonnen hatte, in solch einem Moment Valravn nicht zu puschen, sondern sicher wieder herauszuführen aus diesem Anfall, worauf er dessen Fokus lenken musste und wann eine Berührung ihn beruhigte, statt zu provozieren.
Trotz der Dekade schien Jesse nichts vergessen zu haben und noch weniger an Wirkung auf seinen Mann verloren, der sonst unfähig war Kontrolle abzugeben, doch unter diesen Umständen, sich ganz und gar seinem Liebsten anvertraute. Wenn dieser es zuließ, hatte Jesse die Kontrolle über das Biest in Menschengestalt, dass sich in dessen schützende Hände begab, die ihn nicht fürchteten, trotz des Wissens um dessen Gefährlichkeit, Grausamkeit und Kaltblütigkeit, die dieser innewohnte.
Der Anfall ging vorbei, ohne das Valravn sich unnötig selbst dabei verletzte, obschon er dafür, wenn auch unbeabsichtigt, Jesses Hand ein wenig in Mitleidenschaft zog, trotz seines Alters hatte der Schwede immer noch viel Kraft. Kein Wunder, er lebte ununterbrochen da draußen, jagte, kämpfte, sein Körper hatte gar nicht die Zeit um sich Schwäche zu leisten, er musste immer bereits sein, sein Leben zu schützen. Jeher war er zudem sportlich tätig, so kopflastig Valravn auch war, liebend gerne kochte, zeichnete oder das Klavier spielte, als er noch eines besaß, er brauchte auch die körperliche Auslastung, die er eben nicht nur im Tanzen fand, sondern auch durch das Schwimmen erhielt, sowie seinen ganz eigenen Stil von Kampfsport.
Die Wärme, die Jesses Körper abstrahlte, nachdem der Schwede ihn zu sich gezogen hatte, war wohltuend, beruhigend, sein Eigener war der Entspannung wieder fähig, dennoch brauchte sein aufgewühltes Gemüt ein wenig länger, bis es die Panikattacke verdaut hatte. Da mutete sogar der Schwede kuschel bedürftig an, Außenstehende würden ihm dies nicht zumuten, Jesse wusste es aus erster Hand, dass sein Mann, sehr wohl Gefallen an dem Austausch von Zärtlichkeiten hatte, ohne das sie gleich in höchster Ekstase endeten. Valravn mochte es schlichtweg nicht, wenn man einfach in seinen persönlichen Raum eindrang, ihn antatschte, er war distanziert, hielt nichts von Bussi rechts, links und einer überschwänglichen Umarmung, von irgendwelchen Leuten, die auf Anhieb dachten, man wäre befreundet, nur weil man davon absah, sie zu verspeisen.
Kinder bildeten da die Ausnahme und Jesse, der Valravn vollstes Vertrauen als auch Zuneigung genoss.
Jesses tiefes Seufzen sprach Bände, auch wenn der Schwede gerade nicht sicher war, rührte es daher selbst müde zu sein, begründete es sich auf sein Geständnis, dass er seinem Mann im Zuber gegeben hatte, als er auf dessen Frage antwortete, mit Worten welche Valravn mehr verletzten als erzürnten?
Im Moment war er selbst zu erschöpft, um überhaupt wütend zu sein oder Jesse gar von sich zu stoßen, natürlich strafte er ihn, wenn es etwas gab, dass den alten Wolf verletzte, mit Ignoranz. Er fand dies immer schon effektiver als laut zu werden oder gar die Hand zu heben, schließlich wendete man sich auch von Hunden ab, die aufdringlich, aufgeregt waren, man wartete, bis sie nachgaben und die Signale erkannten, dass Kontakt nicht gewünscht war.
Natürlich war das ein seltsamer Vergleich, doch Valravn wusste, dass seine Taktik stets mehr Erfolg erzielte, sowie verdeutlichte was man angerichtet hatte, indem man besagte Person mit Schweigen, mit Ignoranz strafte. Diese war oftmals schlimmer, als alles Andere, denn man schmorte in der Ungewissheit.
Im Augenblick jedoch schob Valravn den Verrat seines Mannes bei Seite, er hatte zehn Jahre auf ihn verzichten müssen, was die Zukunft brachte, war ungewiss, also konnte er nicht zulassen, dass sein Stolz, sein gekränktes Ego, ihm die Zeit raubte, welche er mit Jesse verbringen konnte.
Sie brauchten einander, sie waren eins.
"Tasse?" Valravn hatte gar nicht bemerkt, dass er den Nachttisch mit sich mitgerissen hatte, aber ja, darauf hatte die Teetasse gestanden, welche er immerhin zuvor geleert hatte, ehe er sich schlafen gelegt hatte. Der dumpfe Aufprall, das Poltern und Klirren, war völlig an ihm vorbeigegangen aber es erklärte natürlich den Geruch von Blut, im Dunkel muss Jesse in die Scherben getreten sein, nicht sehend, dass diese am Boden lagen.
Leise seufzend lösten seine Lippen sich wieder von seinem Mann, dessen Nähe, sein Geruch, das aufgewühlte Gemüt des Schweden wieder zur Ruhe brachte, zurückversetzte in einen Zustand der Entspannung, obschon die Müdigkeit mit dieser einherging aber er gerade nicht wusste, ob er sich noch einmal hinlegen sollte, um zu schlafen. Es schien auch rasch in den Hintergrund zu rücken als Jesse davon sprach, dass Valravn, besseres verdient hatte als den Mann, welchen er im Arm bei sich behielt und dessen Nähe er so herbeisehnte in all den Jahren ohne ihn. Er sagte fürs Erste auch nichts dazu, denn Jesse hatte recht, er hatte ihn enttäuscht und dass er sich schlecht fühlte, zeigte deutlich, dass er erkannte Fehler begangen zu haben, welche er nicht rückgängig machen konnte, egal wie sehr er es nun womöglich wollte. Wortlos, hörbar ausatmend nur, neigte er den Kopf ein wenig und die Wange, welche Jesse sanft berührte, schmiegte sich dessen Hand entgegen.
Er wollte sich dieser liebevollen Geste nicht entziehen, vollbrachte es aber im Gegenzug nicht, Jesse etwas Tröstendes auf seine Worte zu erwidern. Valravn war niemand der etwas sagte, was er nicht auch meinte, Jesse hatte ihn verletzt, verraten, er würde jetzt nicht versuchen dessen Untreue schönzureden, so zu tun als hätte es ihn nicht verletzt, enttäuscht aber er hatte es auch nicht nötig, nun Salz in die Wunde zu streuen.
Dass er Jesse nicht einfach den Hals umdrehte, sollte schließlich deutlich genug machen, dass er gewillt war, dessen Fauxpas in der Vergangenheit zu belassen, mal davon ab, dass er gedachte, denjenigen zu jagen, der Hand an seinen Mann gelegt hatte. Doch sein Liebster, er hatte die rasiermesserscharfen Fänge des Wolfes nicht zu fürchten, früher nicht und auch jetzt nicht, dafür liebte Valravn ihn zu sehr, zudem wusste Jesse, wo sein Platz ist. An wessen Seite.
Daher senkte der Schwede den Arm, lehnte sich schwer seufzend gegen die Wand, drückte den Kopf zurück gegen das Kissen und folgte, schweigend, mit dem Blick seinem Mann, der sich an der Wand hochzog, um den Splitter zu entfernen. Ausnahmsweise tadelte Valravn ihn nicht wegen dem Gefluche, er nahm lediglich einen Atemzug und leckte sich, automatisch, über die Lippen wegen dem Geruch des Blutes, der in der Luft lag.
Einzig mit dem Auge folgte er Jesse, der humpelnd die Distanz zum Bett überwand, sowie sich darauf sitzend niederließ und ihm die Hände entgegenstreckte, Valravns Mundwinkel zuckte nach oben bei dessen Aufforderung, sich mit dessen Hilfe wieder hoch auf die Beine zu ziehen. "Ich passe schon auf." Versicherte er seinem Mann, nach dessen Händen er fasste, die Beine wieder ran zog, sowie die Füße auf den Boden stellte um sich dann, mit Jesses Hilfe, sowie etwas Schwung, ächzend wieder vom Boden abzustoßen, hoch zu stemmen, aufzustehen. "....bei Odin, mein Rücken..."
Scherzte Valravn, auch wenn er stöhnte, ächzte wie ein alter Mann dabei, der er durchaus schon ist, schließlich ging er auf die 60 zu, obschon er für sein Alter immer noch körperlich, als auch geistig in Topform war, sowie unbeschreiblich gut aussah. Er war wie guter Wein, je älter, desto besser.
Dank Jesse, fand er auch im Dunkeln problemlos wieder zurück zum Bett, sowie dieser ihn dirigierte, vermied er es auch in die Scherben zu treten und ließ sich neben seinem Mann, auf dem Bett sitzend, nieder, hob dessen Hand, die er noch immer hielt, an und küsste seinen Handrücken. "Na Schatz, wie fühlt es sich an ....alt zu sein? Der Humpelnde und der Einäugige, ...was für ein Paar."
Valravn klang müde aber in hohem Maße amüsiert, manchmal musste man sich selbst auf die Schippe nehmen und er wollte Jesse deutlich machen, dass er nicht so viel Trübsal blasen sollte. Seine Gefühle für Jesse änderten sich nicht, ebenso wenig sein Wunsch, sein Entschluss, ihn zu heiraten und hoffentlich, in absehbarer Zeit, denselben Ring am Finger zu tragen, wie sein Mann neben ihm. Den Kopf zur Seite gedreht, damit er Jesse auch ansehen konnte, hob er die andere Hand und strich seinem Liebsten durch die wirren Locken, er konnte nur erahnen, wie chaotisch er gerade wieder aussah um den Kopf herum. "Gegenvorschlag, du versorgst deinen Fuß, ich räume hier auf,.. das Laken und der Bettbezug muss eh gewechselt werden, danach nehme ich ein Bad, esse eine Kleinigkeit und wir kuscheln uns anschließend ins frisch gemachte Bett. Wie klingt das? ... oder hast du etwa vor, im eisigen Schneegestöber, deinen Mann allein schlafen zu lassen?"
Wollte er wissen, lehnte sich rüber zu Jesse und hauchte ihm einen Kuss auf die Schläfe, es lag auf der Hand, dass er ihn bei sich im Bett haben wollte, obschon er gute Gründe hatte, ihn daraus zu verbannen, doch nach zehn einsamen Jahren, sollte Valravn vielleicht einmal weniger nachtragend sein als sonst. Am Ende war schließlich nicht Jesse der Feind, sondern der minderbemittelte Primat, welchen der alte Wolf jagen wird, gnadenlos.
Sobald das Wetter es zulassen würde.
Jesse erhielt noch einen liebevollen Kuss auf die Wange, ehe Valravn sich wieder vom Bett erhob, sowie einen Bogen um den Bereich des Nachttisches machte, er ging eine der Öllampen holen, entzündete diese und kehrte mit ihr zurück ins Schlafzimmer um sie auf die Kommode zu stellen, so machte sich wenigstens ausreichend Licht im Raum breit, um die Scherben erblicken zu können, die auf dem Boden verteilt lagen. "Du solltest deinen Fuß im Wohnzimmer versorgen, dort hast du besseres Licht und ich hol dir Alles was du benötigst."
Entschied Valravn, der zwar nicht den strengen Ton anschlug wie sonst, noch immer war die Müdigkeit in seiner Stimme herauszuhören und auch in seinem Gesicht abzulesen, doch das änderte nichts daran, dass der Schwede sehr schnell wieder die Führung übernahm, sowie Jesse die Hand reichte, um ihm aufzuhelfen, sowie zu stützen, damit er seinen verletzten Fuß anheben, als auch entlasten konnte. Mit Sicherheit würde es andere irritieren, wie schnell sich dieser Wechsel zwischen den Beiden vollziehen konnte, denn Valravn erweckte nicht den Eindruck, als habe er vor fünf Minuten noch, panisch, verkrampft, nach Luft ringend, auf dem Boden gesessen und Jesse die Kontrolle innegehabt. Seinen Liebsten zog er wieder auf die Beine, mehr noch, förmlich in seine Arme, dabei huschte ihm sogar ein Grinsen über die Lippen, weil er bewusst Jesse ruckartig zu sich zog, sowie den anderen Arm um dessen Hüfte schlang, nur um ihn bei sich zu halten als sein dunkelbraunes Auge, was unter den gegebenen Lichtverhältnissen, gar schwarz erschien, hinab in Jesses hübsches Gesicht sah.
"Glöm aldrig vem du tillhör igen."
Sagte er weitaus weniger sanft, sondern in gewohnt ruhiger, gar strenger Manier als seinen markanten Gesichtszügen, jeglicher Anflug von Weichheit entwichen war und Jesse in das Antlitz der kaltblütigen Bestie blickte, die Valravn ebenso war, wie der liebevolle, fürsorgliche Mann, der seinen Partner auf Händen trug.



@Jesse Redford


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#38

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 05.02.2020 20:41
von Jesse Redford (gelöscht)
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Schwäche zu zeigen war noch nie Vals Stärke gewesen. Der stolze Mann, der sonst immer unnahbar wirkte, kaum aus der Ruhe gebracht werden konnte, hatte seine liebe Müh damit gehabt, Jesse über die Panikanfälle und deren Ursprung aufzuklären. Erst nach einigen Malen hatte er schliesslich nachgegeben und ihm von seinem Krebsleiden erzählt, der Phase seines Lebens in dem er manchmal gar zu schwach gewesen war, um überhaupt den Kopf aus dem Bett zu heben.
Umso stolzer war er danach geworden, wie ein Phönix, der sich aus der Asche erhob, hatte Val sich zu einem noch stärkeren Mann gemausert, einem schier unbezwingbaren Löwen.
Wenn dann die Momente zurückkehrten in denen er panisch nach Luft schnappte und wie ein Häufchen Elend auf dem Boden sass, war es Jesse erlaubt die Führung zu übernehmen. Temporär. Und nichtsdestotrotz war es wieder nur eine weitere Art der Unterwerfung seinem Mann gegenüber. Sich in eine Position zu begeben, die ihm nicht gehörte, um zu helfen, jedoch nur so lange, bis es wieder ging...
Deshalb verzichtete Jesse darauf, Val zu betüdeln, sobald er bemerkte, dass sein Mann wieder ruhig war. Er wollte den Moment der Schwäche so kurz gestalten wie möglich. Entsprechend hatte er kein schlechtes Gewissen Val auf dem Boden sitzen zu lassen, während er sich zum Bett begab und ihm schliesslich auf die Beine half. Danach wechselten sie augenblicklich wieder ihre Plätze, wie es sich nunmal in ihrer Beziehung gehörte.
Ganz so elegant wie noch vor einigen Jahren kam zwar auch Val nicht mehr auf die Beine, doch bei dessen Worten schnaubte er kurz. "Ich bin noch keine fünfzig. Also bin ich noch nicht alt", grummelte er, ohne wirklich durchsickern zu lassen, ob er ernsthaft beleidigt war oder sich Vals Humor anschloss.
Er hob sein Bein und legte seinen rechten Fuss über das linke Knie, um sich die Wunde anzusehen, obwohl er nicht wirklich viel sah, der Dunkelheit sei Dank. Die Matratze gab neben ihm leicht nach, als Val sich zu ihm beugte und ihm erst durch die Haare streichelte, die sprichwörtlich in jede erdenkliche Richtung schauten, weil er sie nach dem Baden weder gekämmt noch sonst wie gebändigt hatte und sich anschliessend schlafen gelegt hatte. Entsprechend wild gebarte sich die Lockenpracht nun auf seinem Kopf. Jesse liess die Berührung und auch den anschliessenden Kuss über sich ergehen. Einerseits genoss er die Berührungen und Zärtlichkeiten, die ja auch irgendwie bedeuteten, dass Val ihn nicht abgrundtief verabscheute für das was er getan hatte. Doch angesichts seiner eigenen Schuld hielt sich seine Laune gerade in Grenzen. Er liess die Berührungen zu, erwiderte aber nichts davon, was Zeichen genug war, dass er gerade nicht bester Laune war. Ja, vielleicht herrschte von seiner Seite her sogar ein gewisser Unmut gegen Val, obwohl der Fehler bei ihm lag. Aber wie konnte Val es ihm übel nehmen was passiert war? Es hatte neun Jahre gedauert, bis er jemanden anderes so an sich rangelassen hatte, weil er davon hatte ausgehen können, dass Val tot war! Sie waren kein Paar mehr gewesen zu dieser Zeit, es hätte sein können, dass sie einander nie wieder begegnet wären! Tatsächlich grenzte es an ein Wunder, dass sie sich überhaupt wieder begegnet waren und er ... er entschied sich sauer zu werden, weil er ihm ein einziges Mal fremdgegangen war. Erwartete er, dass er bis zum Ende seines Lebens das Zölibat lebte? Er verstand es einfach nicht. Und es nervte ihn auch ein wenig, doch er versuchte sich zusammen zu reissen und stattdessen reumütig zu sein, um Val so rasch wie möglich sanft zu stimmen.
Seine Worte quittierte er mit einem kurzen Seufzen und erst einmal blieb er ihm eine Antwort schuldig, bis Val aufstand, um schliesslich mit einer Öllampe zurück zu kehren. Damit beleuchtete er auch endlich den Tatort mit der zerbrochenen Tasse.
"Wenn du darauf bestehst", sagte er und lächelte knapp. Es bezog sich darauf, dass Val aufräumen wollte, Jesse realisierte aber, dass Val es auch falsch verstehen konnte und damit seine Aussage mit der Kuscheleinlage im Bett meinen konnte. "Ich kümmer mich drum und dann komm ich ins Bett, wenn du dir das wünschst", fügte er also an, um Missverständnisse zu vermeiden. Auch wenn er vielleicht gerade etwas missgestimmt war, er wollte auf keinen Fall, dass Val direkt wieder sauer wurde. Dafür hatte er nicht die Nerven.
Also liess er sich aufhelfen. Jesse hielt sich an Vals Schulter fest, als er einen ersten Schritt an seiner Seite humpelte. Doch dann riss Val ihn ruckartig an sich. Jesse stolperte beinahe, wurde von Val aber aufgefangen und er spürte dessen starken Arm um seine Hüfte, während er sich an seine Schulter krallte. Dabei entwich ihm ein kurzer überraschter Laut und er schaute zu Val auf, von dem er dachte, dass er ihn ärgern wollte. Doch statt auf ein verschmitztes Grinsen traf sein Blick auf Vals eisigen Gesichtsausdruck. Und die nächsten Worte die er hörte, liessen ihm die Haare zu Berge stehen. Gerade eben war Val noch so sanftmütig, fast gut gelaunt gewesen, nur um in diesem Augenblick wieder auf leicht bedrohlich umzuschlagen. Jesse hatte nicht damit gerechnet und für den Bruchteil einer Sekunde war es wohl nicht nur Reue und Schuld, sondern ein kleiner Anflug von Angst, der sich in seinem eigenen Blick spiegelte, den er rasch senkte.
Der Satz war definitiv mahnend gemeint, vielleicht sogar ein wenig drohend. Und trotzdem biss Jesse die Zähne zusammen, nicht aus Angst oder weil er sich bedroht fühlte, sondern mehr, weil ihn die Wut stach. Er war kein Besitz! Die letzten zehn Jahre hatte ihm niemand gesagt was er tun und was er lassen sollte, wie er sich ausdrücken sollte, was er anziehen, wie er sich bewegen sollte. Hatte er womöglich zu viel Freiheit geschnuppert? Wäre er früher bei so einem Satz auch wütend geworden? Er spürte das Kribbeln in seinem Bauch, sein Drang sich Val zu Füssen zu werfen, sich ihm zu ergeben und ihm zu versichern, dass er niemandem ausser ihm gehörte. Und gleichzeitig wollte er sich nicht dafür rechtfertigen müssen, was er in Vals Abwesenheit getan hatte. Val hatte sich nicht bei ihm gemeldet, er war weg gewesen um sich um seine Töchter zu kümmern. Also warum war es seine Schuld, dass sie getrennt gewesen und er, verdammt nochmal sich die Freiheit genommen hatte nicht komplett zu vereinsamen?!
Im ersten Moment war seine Reaktion auf die Worte kuschen. Er wollte sich ergeben. Doch der Funke Freiheit der letzten zehn Jahre drängte sich dazwischen und im nächsten Moment löste er sich aus Vals Griff, schob ihn gar von sich. Er geriet dabei zwar ein wenig ins Wanken und musste sich am Türrahmen festhalten.
"Ich bin niemandes Besitz!", knurrte er, sich wohl bewusst, dass Val diesen Tonfall wohl kaum lange dulden würde. "Du warst die letzten zehn Jahre nicht da, um über mein Leben zu bestimmen! Meinetwegen kannst du sauer sein, dass ich es gewagt habe jemanden an mich ranzulassen. Ich bring dich auch gern zum Zoo, zeig ihn dir und du kannst mit ihm machen, was auch immer deinen Rachedurst befriedigt. Es ist mir egal, der Kerl bedeutet mir nichts." Kurz stockte er, da ihm bewusst war, dass er sich auf dünnem Eis bewegte. Er konnte ahnen, dass Val darüber nachgedacht hatte, ihm die Lichter auszuknipsen, als Strafe dafür, was er getan hatte. Und alles was ihn davon abhielt war, dass sie einander liebten.
"Wir haben einander nun wieder und ich werde bei dir bleiben, bis ich sterbe. Das versprech ich dir. Aber nenn mich nie wieder deinen Besitz!"
Er atmete zitternd ein und raffte sich etwas auf.
"Ich schaffs alleine ins Wohnzimmer." Damit ging er humpelnd an ihm vorbei, nicht ganz so elegant wie gewünscht aber immerhin ohne sich hilflos an Val festzuklammern. Er liess sich aufs Sofa fallen und nahm seinen Fuss wieder auf sein Knie. Vielleicht verwehrte Val ihm nun doch, gemeinsam mit ihm in einem Bett zu schlafen. Vielleicht hätte er schweigen sollen. Aber Val durfte sehr wohl merken, dass er eine Dekade alleine verbracht hatte, ohne Zügel, ohne Anweisungen. Er war da draussen genauso ein Raubtier gewesen, wie Val es ihm persönlich beigebracht hatte und nur weil er gewillt war, sich ihm erneut zu unterordnen, wie damals, hiess das noch lange nicht, dass er sich besitzen liess!

@Valravn Vargström


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#39

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 06.02.2020 11:56
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Natürlich könnte Valravn nun darauf verweisen, dass Jesse in wenigen Jahren, ebenfalls die Fünfzig knackte, während Valravn dann schon kurz vor der Sechzig stand, sich jedoch die meiste Zeit deutlich jünger fühlte, zumindest in der Nähe seines Mannes. Es ließ sich ja nicht leugnen, dass sie mitunter noch immer Anwandlungen an den Tag legten, wie verliebte Teenager oder als wären sie nur halb so alt. Traute man ihnen wohl gar nicht mehr zu, doch für Valravn zählte ohnehin nur, dass sein Mann ihn liebte, noch immer begehrte und sie füreinander da sind. Dass sich, unter gewissen Umständen, die Rollen auch mal vertauschten, kam selten vor aber es passierte, dennoch waren sie fähig, sehr schnell wieder ihren angestammten Platz einzunehmen.
Valravn sträubte sich ja nicht gänzlich gegen Fürsorge, er konnte sie nur schwer annehmen, ohne direkt an die Zeit erinnert zu werden, als er gar nichts mehr tun konnte, ohne stets auf Andere angewiesen zu sein. Für jemanden, der von klein auf sehr selbstständig war, sowie immer schon recht zielstrebig, dickköpfig und ein Einzelkämpfer gewesen ist, war es pure Folter, plötzlich ein Gefangener seines eigenen Körpers zu sein, mit ansehen zu müssen wie er schwächer wurde, ihm sein schönes, einst dunkelbraunes Haar ausfiel, überall aufgrund der Bestrahlung und Chemotherapie.
In den Jahren, wo er den Krebs bekämpfte, besaß der Schwede keinerlei Kontrolle mehr, über nichts, nicht einmal über sich selbst. Demnach nicht verwunderlich, dass dieser, anschließend, nach seiner Genesung, vielleicht sogar noch verschärfter dem Drang unterlag alles unter Kontrolle zu haben.
Dass ihn, diese Panikattacken, noch immer in die Knie zwangen, hasste er zutiefst, doch in Jesse hatte er einen Partner gefunden, der diesen Augenblick der Schwäche, nicht bewertete oder dies ihre Beziehung, negativ, beeinflusste. Sein Mann übernahm, in diesen Momenten, die Führung, eine Position, die seinem Naturell nicht wirklich entsprach, Jesse war kein Alphatier, kein Leitwolf, er folgte, er gab keine Befehle außerhalb seines Metiers. Was in erster Linie Pferde und die hohe Reitkunst war.
Er war fähig anderen Anweisungen zu geben, doch für Valravn lag auf der Hand, dass er sich in anderer Position wohler fühlte, was wohl auch ein wenig seiner strengen Erziehung zugrunde lag.
Der Schwede sah Jesse, nach all den Jahren, jedoch noch immer an der Nasenspitze an, wenn dessen Gemüt umschlug, anders als Valravn, hatte sein Mann nicht so viel Kontrolle über seine Mimik, was aber auch nur daran lag, dass dieser Menschen sein Leben lang analysierte und auf Details achtete, die den meisten Leuten entgingen. Der Teufel lag im Detail.
Jesse erschien verstimmt zu sein, Valravns Berührungen eher zu dulden, oh, ihm ging etwas durch den Kopf, dass offenbar seinen Unmut förderte oder war es etwas Anderes?
Nein, es schien Unmut zu sein, denn seine Reaktion, auf Valravns Gegenvorschlag, sprach für diesen Bände und er kannte Jesse einfach viel zu gut. Sein knappes Lächeln, das, wiederholte, vermeiden von Blickkontakt, die kurz angebundene Antwort und auch die Tonlage sprachen für sich, entweder schluckte Jesse alles im Endeffekt runter oder, was Valravn für wahrscheinlicher hielt, brauchte es nur ein Stichwort, eine Reaktion und schon würde der kleine Vulkan, mit den blauen Augen, vermutlich ausbrechen. Mitunter war es ja recht niedlich anzusehen, unfreiwillig sogar komisch, vor allem wenn Jesse so sauer wurde, dass er über seine eigenen Füße stolperte und Valravn eher in Sorge war, dass sein Mann sich verletzte, als auf dessen Zorn ernsthaft eingehen zu können. Sein Mann war immer schon ein Widerspruch in sich gewesen, in jeglicher Hinsicht.
Allerdings hatte wohl auch der Schwede nicht damit gerechnet, was folgen würde, nachdem er seinen Mann, zu sich, in seine Arme gezogen hatte und seinen Standpunkt, Jesse betreffend, sehr deutlich formulierte, selbstverständlich auf Schwedisch, was auch nur wieder eine Verdeutlichung von Valravns Position als dominanten Part in ihrer Beziehung ist.
Zwar sprach er durchgehend mit Jesse auf Englisch, doch nur, weil er so gütig war, sich in der Hinsicht ihm anzupassen, wechselte Valravn jedoch in seine Muttersprache, hatte das weit mehr Bedeutung, als nur dem Wunsch zu erliegen, normal zu reden. Damit erhob er sich, in vornehmer, linguistischer Form über die Leute dieses Kontinents, deren Sprache so verwaschen, vulgär, roh und furchtbar war. Er hatte die englische Sprache nie gemocht, behielt daher die britische Variante bei, was zudem, seine 'versnobte' Art noch einmal mehr unterstrich.
Jesse hatte sich auch dahingehend im Laufe der Jahre angepasst, ohne Valravns Wissen damals, indem er Schwedisch lernte und sie im Alltag sehr oft zwischen ihren Muttersprachen wechselten. Vor allem dann gerne, wenn sie nicht wollten, dass jemand Anderes in ihrem Umfeld, ihre Konversationen mit bekam, Jesse als auch er selbst, beherrschten schließlich mehrere Sprachen aufgrund ihrer hohen Intelligenz und Begabung.
Doch das spielte keinerlei Rolle als Jesse, nachdem Valravn seinen Standpunkt deutlich gemacht hatte, in nahezu bedrohlicher, eiskalter Manier, ihn zunächst, mit dem Anflug von Angst, anblickte aber nur einen Augenblick, nach offensichtlichem hadern, mit sich selbst, plötzlich einen Ton anschlug, welchen der Schwede nicht duldete. Zumindest nicht ihm gegenüber. Nicht nur das Jesse plötzlich aufmüpfig, gar vorlaut und widerspenstig wurde, er besaß die Dreistigkeit Valravn von sich zu schieben, womit er eine Grenze überschritt, die eindeutig ein Nachspiel haben wird.
Valravn akzeptierte Jesses Unmut, er gab ihm auch stets seinen Freiraum, weshalb sein Mann, es eigentlich nie nötig hatte, ihn ..von sich zu schieben. Der Schwede ging dann von sich aus auf Abstand, hätte er wohl auch in diesem Augenblick getan, wenn Jesse nur ein paar Sekunden gewartet hätte aber, dass er die Unverfrorenheit besaß, ihn, von sich zu schieben, als wäre er nur, irgendein daher gelaufener, Hampel ging zu weit!
Seine Miene versteinerte regelrecht, kaum ein Unterschied zu sonst, sollte man meinen, denn sein Pokerface war legendär. Er fixierte Jesse auch nicht mit seinem Blick, sondern einen Punkt über dessen Kopf hinweg an der Wand, den Kopf minimal zur Seite geneigt, hörte er sich dessen Gezeter an, langsam, doch erkennbar, spannten sich die Muskeln unter seiner Haut an, deutlich definiert am Bauch, den Oberarmen, Brust und Rücken. Valravn hatte immer noch die Statur eines Athleten, Tänzers und Schwimmern, doch durch das Leben draußen, aufgrund dessen, was die zehn Jahre ihm abverlangt hatten, deutlich ein paar mehr Muskeln als früher, wo er nun mal sportlich war, jedoch lieber am Klavier saß, in der Küche stand, als hier zu jagen, Holz zu hacken oder täglich mit dem Schwert zu trainieren. Für sein Alter und trotz kleinerer Einschränkungen im Bewegungsablauf, vor allem den rechten Arm, die Schulter betreffend, hatte Valravn den Körperbau eines Raubtiers, das problemlos Beute oder andere Raubtiere niederringen konnte, welche ihm vielleicht von der Größe, Statur her überlegen erschienen.
Er atmete ruhig, tief ein und wieder aus ehe er sich langsam zu Jesse herumdrehte, genau in dem Moment, wo dieser ins Wohnzimmer humpelte, nicht sehend, wie, der Schwede seinen Mann mit dem verbliebenen Auge fokussierte. Wie konnte er es wagen, so mit ihm zu reden? Sich so zu gebärden ihm gegenüber? Da war wohl jemand zu lange von der Leine los gewesen, wurde übermütig, ..... unvorsichtig.
Denn ja, die Frage, ob diese Bestie, mit den Narben und dem Brandzeichen auf dem Rücken, gänzlich gezähmt wurde oder Jesse lediglich gestattete, ihn zu zähmen, stand seit Jahren unbeantwortet im Raum. Schließlich setzte Valravn sich in Bewegung, er hatte keine Eile, trat an die Öllampe und ließ sie erlöschen, damit Dunkelheit wieder den Raum erfüllte. Das Auge schließend, reckte er das Kinn, gar die Nase in die Höhe, nahm einen tiefen Atemzug und fuhr sich mit der Hand über den Mund, das bärtige, kratzige Kinn, die Kehle hinab, in der ein leises Knurren langsam hinauf kroch, während sich der Geruch von Jesse, vermischt mit Blut, für den Schweden problemlos aus der Luft filtern ließ. Jesse überschritt seine Kompetenz, nach zehn Jahren, mit Anlauf und wie es schien, musste Valravn seinen, ungezogenen, kleinen Welpen erst mal wieder einfangen, sowie zurechtweisen. Er verweilte nicht lange im Schlafzimmer, fünf Minuten vielleicht, ehe er sich, lautlos wie immer, geschmeidig, wie das Raubtier das er ist, aus dem Schlafzimmer stahl und in der Küche verschwand, er nahm zwei der vier Eimer voll Wasser, die er stets in der Küche stehen hatte, zur Hand, hielt kurz inne und sah aus dem Fenster, draußen tobte das Schneegestöber, der Wind heulte, vermischte sich mit dem Knistern, dem Knacken, des Feuerholzes im Kamin. Einen Moment lang blieb sein Blick hängen, an einem seiner scharfen Messer, dass im schlichten Messerblock steckte, ja, ganz kurz blitzte der Gedanke auf, sich die Klinge zur Hand zu nehmen aber nein, er liebte Jesse, er wollte ihn auf seinen Platz verweisen und ihn nicht filetieren.
Mit den Eimern in den Händen begab er sich zum Wohnzimmer, Jesse hockte auf dem Sofa, gut, genau da wo er ihn vermutet hatte. Er blieb genau hinter ihm stehen, stellte den einen Eimer ab, behielt den Anderen in der Hand und schüttete diesen, eiskalt, über Jesse aus ehe er den Eimer, scheppernd, zu Boden fallen ließ, im selben Atemzug den Anderen nahm, zügig um das Sofa ging und mit dessen Inhalt das Kaminfeuer löschte, ehe auch dieser scheppernd auf dem Boden aufschlug. Auf einmal war es stockfinster in Valravns Hütte und er kannte Jesse, es war ihm ein leichtes, dessen, alles erfassenden, Verstand zu seinem Vorteil zu nutzen, da sein Mann, anders als er selbst, nicht fähig war auf Anhieb unwichtige Details herauszufiltern. Er brauchte stets etwas länger als Valravn, der sich im Dunkeln immer schon recht wohlfühlte. Dafür sorgte er für genug Ablenkung, akustisch, optisch, physisch, sodass Jesses Aufmerksamkeit auf Allem lag, nur nicht auf dem Schweden.
Es lag auf der Hand, dass dieser, wie einst in seinem Haus in Alaska, sich blind zurechtfand, er kannte jede knarzende Diele im Boden, wusste, wo jedes Möbelstück stand, Valravn verließ sich, anders als Jesse, mehr auf seine Nase, sowie das Gehör, was in den Jahren feinsinniger geworden ist, aufgrund der Tatsache, dass der Schwede nur noch ein Auge hatte. Er gewöhnte sich an, sich wortwörtlich blind zurechtzufinden, weil er sich seines Schwachpunktes bewusst war. Als Nahkämpfer war sein verbliebenes Auge, die offensichtlichste Schwachstelle, es lag auf der Hand, das jeder Gegner, mit mehr Grips als einem Stein, die Gelegenheit nutzen würde, sich diesen zum Vorteil zu machen. Valravn trainierte seit Jahren mit seinem Schwert, sowie der Axt im Wald, blind.
Jesse wollte nicht länger sein Besitz sein, nun wie wäre es dann damit, stattdessen die Beute zu sein?
War es ihm lieber?
Im vertrauten Revier des alten Wolfes?
In völliger Dunkelheit, Stille, nicht einmal dazu fähig wegzurennen?
Es war fast schon wieder absurd, wenn man darüber nachdachte, dass Jesse, offenbar, ein Talent dafür hatte, seinen Mann dann zu erzürnen, wenn er unfähig war, sich vor diesem in Sicherheit zu bringen. Damals in dessen Küche, vorhin im Waschzuber und jetzt, nachdem er sich eine Scherbe eingetreten hatte. Man könnte fast den Gedanken hegen, dass Jesse von seinem Mann ermordet, sowie gegessen, werden möchte oder warum hatte er solch schlechtes Timing?
"Here we go again...."
Knurrte es aus dem Dunkel, leise, heiser, bedrohlich. Seine Stimme kam auch nicht aus einer bestimmten Richtung, obschon Valravn schlich, lag es auf der Hand, dass er, einem Raubtier nun mal gleich, in Bewegung blieb, sodass Jesse ihn nicht einfach ausfindig machen konnte. Dass dieser erst einmal fluchte, schimpfte, sowie wohl auf den verletzten Fuß aufkam hatte er einkalkuliert, nur spielte es keine Rolle für den Schweden, denn dadurch verriet Jesse nur noch mehr, wo er sich befand. Sein Mann beharrte plötzlich darauf, nicht mehr sein Besitz zu sein, nun, vielleicht gefiel es ihm besser, stattdessen die Beute des Wolfes zu sein, der nicht selten mit dieser spielte. Denn Valravn gab danach keinen Mucks mehr von sich, es war totenstill, bis auf das Heulen des Windes draußen, man könnte sogar fast glauben, Jesses Herz schlagen zu hören, während Valravn ihn genau im Fokus hatte, trotz der herrschenden Dunkelheit. Er selbst bewegte sich, setzte sehr gezielt, mit Bedacht, lautlos einen Fuß vor den Anderen, wohl wissend welche Diele im Boden, verborgen durch die Felle, geräuschvoll verraten würde, wo er auftrat. Jesse kannte diese Hütte erst seit gestern, während Valravn schon etliche Wochen hier wohnte.
"Du hast offenbar zu viel Freiheit geschnuppert, nun denn... wenn du diese so heiß begehrst, bitte...es steht dir frei zu gehen..." Die Haustür öffnete sich, weil Valravn sich dort hingeschlichen hatte, sie aufriss, sodass der eisige Wind ins Innere strömte, sowie ein paar Schneeflocken in die Hütte beförderte, gedanklich zählte Valravn runter bis zehn, bevor er plötzlich, recht bissig aber in gewohnt ruhiger Manier, hinzufügte. "Nein? Du willst doch nicht raus? ...Schatz, .... du solltest dich schneller entscheiden."
Schon fiel die Tür schwungvoll, lautstark, zurück ins Schloss und Valravn riegelte sie ab, ehe er auch schon von dort verschwunden war. Wieder nur nahm das Heulen des Windes, der draußen tobte und die Schneeflocken peitschte, die Hütte geräuschvoll, wenn auch gedämpft, für sich ein, während jeder Muskel in Valravns Körper angespannt war. Hatte er zuvor noch Probleme Luft zu bekommen, blieb seine Atmung nun ebenso beherrscht, wie seine versteinerte Miene, der kalte Blick, der auf der einzigen anderen Person in diesen vier Wänden lag, würde im Schein des Kaminfeuers wohl nahezu dämonisch, teuflisch anmuten, doch Valravn zog die Dunkelheit vor. Tatsächlich zog er, bis er Sleipnir vor knapp einem Jahr erhielt, vorzugsweise Nachts umher.
Daher war es nicht sonderlich überraschend, schon lange vor Ausbruch nicht, dass er plötzlich, nahezu aus dem Nichts heraus, direkt hinter Jesse stand, der sich inzwischen ja auch etwas bewegt hatte.
Valravn packte ihn jedoch nicht, er berührte ihn nicht mal, sondern stand, mit einer halben Armlänge Abstand hinter Jesse, bewegte sich zeitgleich, nahezu synchron, mit diesem, hielt den Atem an, sodass seine Anwesenheit noch einen Augenblick länger unbemerkt blieb. Solange bis er den Moment für richtig hielt, dann erst, lehnte er sich vor und ließ seinen warmen Atem den Lungen entweichen, stieß diesen gegen Jesses Nacken aus, um ihn wissen zu lassen, dass der Wolf hinter ihm war.
Sowie einen Schritt näher kam, doch noch immer eine handbreit Abstand zwischen ihnen befindlich blieb, dafür richtete Valravn sich zu seiner vollen Größe wieder auf, straffte die Schultern und starrte hinab auf seine ...Beute.
"... da du offenbar entschieden hast, plötzlich der irrsinnigen Schnapsidee nachzugeben, ..'Niemandes Besitz' zu sein...so scheint es mir.." Noch während er sprach, näherte er sich von hinten, Jesses linkem Ohr. "... dass unser Arrangement hiermit hinfällig wird, Jesse Charles Montgomery Redford. Das heißt dann wohl, ich sollte den Ring zurückfordern, ...ist er doch auch nur...ein Symbol ...für die Inbesitznahme einer anderen Person, nicht wahr?" Fragte er ihn, monoton, ausdruckslos, viel zu ruhig und gleichgültig, wenn man ihn kannte würde man dessen Tonlage gar als Form herablassender Arroganz werten können und Jesse ...kannte ihn sehr gut. Er reckte das Kinn leicht, atmete dessen Geruch tief ein und doch kam keinerlei Berührung zustande zwischen ihnen, obschon Valravn es tun könnte, doch er behielt, noch, die Hände hinter seinem Rücken und war sich dessen gewahr, dass seine bedrohliche Präsenz vorerst genügte, damit Jesse ihm Gehör schenkte, denn Valravn fing jetzt erst an und wechselte zur anderen Seite, um Jesses Ohr, neuerlich, mit dem Atem zu streifen als er fortfuhr.
"Bedauerlich, ....so viel Potenzial, so viele Fortschritte Jesse, ...und es bedarf nur weniger Jahre, sodass du vom Löwen, wieder herabsteigst zum Schaf, ...nein, ...viel mehr einem räudigen, streunenden Straßenköter. Der offenbar vergessen hat, wie unklug es ist, jene Hand zu beißen, die ihn füttert, die ihn ..liebevoll streichelt und mahnend, den Finger hebt, wenn er sich falsch verhält. ....ich bin ...wahrlich ...enttäuscht von dir."
Ließ er seinen Mann wissen, natürlich ganz bewusst solch Worte wählend, denn Jesse bedurfte einer strengen, doch liebevollen Hand, welche ihn führte, ihn ermahnte, ihn ..lobte. Jesse wollte Valravn doch nie enttäuschen und tat es neuerlich, in sehr kurzen Abständen, wie bitter. "...wieder einmal hat sich gezeigt, kaum dass du dich von deinem heimischen Nest, der strengen, doch liebevollen Obhut, entfernst ... Dinge beginnst aber nicht zu Ende führst. Die Hofreitschule, ...das Medizinstudium, ...die Spionage und Infiltration dieser Gemeinde, ...oh Jesse, ...die Liste deiner Verfehlungen wird immer länger, schämst du dich denn nicht?" Raunte er ihm ins Ohr, lehnte sich zurück, entfernte sich jedoch nicht wirklich, er verweilte hinter ihm stehend, doch hüllte sich einen Augenblick lang in Schweigen, um seine Worte wirken zu lassen, mit denen er Jesses, stetiges Scheitern im Leben, verdeutlichen wollte und um ihn daran zu erinnern, dass er sehr wohl jemanden brauchte, der ihn an die Hand nahm. Denn ganz offensichtlich, bekam er nichts auf die Reihe, wenn er auf sich gestellt war oder zumindest nicht dauerhaft, in einem Ausmaß, dass auch wahrlich seinem Potenzial gerecht werden konnte.
"Selbst deine Bücher, ... wem verdankst du es noch gleich, tiefe Einblicke erhalten zu haben, in eine Welt, die dich faszinierte aber dir lange verschlossen blieb? Oh, richtig, das war ich. Ebenso...wie ich es war, mein Liebling, der gewillt war, sich deiner Wenigkeit anzunehmen, dich zu führen, anzuleiten, zu beschützen..mitunter vor dir selbst, sonst stündest du nicht hier. Ich ...zeigte dir wie man überlebt, sich erhebt über Andere ... und nun glaubst du, in deinem ...jugendlichen Leichtsinn, obschon du längst kein Welpe mehr bist, dich über mich erheben zu können? Sag mir Jesse...."
Wieder kam seine Stimme näher, streifte sein Atem Jesse, doch nicht dessen Ohr, sondern seinen Hals an der linken Seite, zu dem er sich hinab beugte aber ihn noch immer nicht berührte. "...wie hat es sich angefühlt, als ich nicht da wahr? Verlockend? Befreiend? ...oder war es schlichtweg ...einfacher? Kein Schaf hat Ansprüche, an ein anderes Schaf, sie blöken, grasen, und erkennen das Raubtier in ihrer Mitte nicht, dass sich deren Pelz übergeworfen hat. Fraglich nur Jesse, ...war es nur Tarnung, dich herabzulassen auf ihr Niveau... oder bist du wieder zum Schaf verkommen? ...willst du zurück zu dieser dummen Herde? ...Hast du wieder keine Lust etwas zu Ende zu bringen?"
Er atmete hörbar aus, zog neuerlich den Kopf zurück, ließ den Blick an Jesse herab wandern, zu dem Handtuch, nachdem er nur die Finger ausstreckte, sowie daran zog, sodass es sich löste und von dessen Hüfte glitt, hinab fiel zu Boden und seinem Mann gänzlich das letzte bisschen Stoff vom Körper fiel. Also gab es nichts mehr, wohinter er sich verbergen konnte. Valravn berührte Jesse auch jetzt nicht, obschon er die Hand hob, dessen Rücken hinauf, als würde er diesen entlang streicheln aber dazwischen war ein winziger Abstand. Es kam kein Kontakt zustande aber er wusste, Jesse konnte die Wärme, ausgehend von seiner Hand spüren, erahnen was Valravn tat oder zumindest auf diese Weise andeutete.
"Wie hat es sich.... angefühlt, die Führung zu haben? Die Verantwortung,...Jesse? Hat es sich gut angefühlt? ...Richtig? ...Natürlich? .. Gefiel... gefällt dir diese Rolle? Wenn dem so ist, habe ich dich womöglich mehr gelehrt, als von mir beabsichtigt ...bedauerlich, du warst perfekt, so faszinierend... und sieh dich jetzt an, .... so ..gewöhnlich."
Valravn konnte das schönste Süßholz raspeln, Jesse mit blumigsten, schmeichelhaftesten Worten überhäufen, umgarnen aber genauso gut, war der Schwede darin, mit Worten tiefer zu schneiden, als mit seinen Skalpellen während einer OP. Er zerlegte die Leute nicht nur mit dem Hackbeil und Messer, sondern oftmals mit Worten, die er so höflich, freundlich verpacken konnte, dass keines dieser Schafe merkte, wie er sie im Grunde zu etwas degradierte, was noch weit unter einem Insekt stand.
Er seufzte, klang gar betroffen bei seinen letzten Worten, denn Jesse war doch etwas Besonderes aber wollte sich offenbar dazu entscheiden, ...so langweilig, 'eigenständig' wie die Schafe da draußen zu sein, weil es bequemer für ihn ist offenbar. All die Jahre, die Geduld, die Arbeit und Nerven, die er in Jesse gesteckt hatte, schienen nun umsonst gewesen zu sein, ..wie bitter.
"Du scheinst meine Wenigkeit ja offensichtlich nicht mehr zu brauchen Jesse, bist meiner ...Art, meinem Wesen nun offenbar ..überdrüssig oder irre ich mich? Sag mir ..."
Valravn befeuchtete sich die Lippen, trat sogar ein klein wenig dichter an Jesse heran, sodass er dessen Körperwärme deutlicher zu spüren bekam aber der Schwede es noch immer, tunlichst, vermied diesen zu berühren. Erneut beugte er sich herab zu Jesses Ohr, kam diesen ganz nah, so nah, dass er bei den folgenden Worten, die er nahezu bedrohlich, mit gesenkter Stimme, sowie deutlicher Strenge aussprach, dieses mit den Lippen streifte. "Får du fortfarande gåshud, din lilla undergivna tik?"


@Jesse Redford


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#40

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 07.02.2020 10:52
von Jesse Redford (gelöscht)
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Eigentlich hatte Jesse erwartet, dass Val ihn sofort zurechtweisen würde, schon nur weil er einen Ton anschlug, den sein Mann normalerweise nicht duldete. Doch nichts dergleichen geschah. Val blieb still ... was an und für sich auch schon sehr seltsam war. Jesse warf ihm einen kurzen Blick zu, konnte erkennen, dass er doch etwas angespannter war. Um eine halbe Sekunde verpasste er den eisigen Blick seines Partners, als er sich abwandte und zum Sofa humpelte, wo er sich hinsetzte. Ja, es kam selten vor, dass er Val eine derartige Standpauke hielt oder sich ihm so klar widersetzte. Die letzten Jahre taten dabei ihr Übriges. Er war ein Jahrzehnt ohne Val ausgekommen, hatte die Freiheit beinahe genossen, selbstständig entscheiden müssen. Aus seiner Sicht war er gewachsen. Natürlich unterwarf er sich Val noch immer sehr gern. Doch als dessen Besitz betrachtete er sich nicht. Schmuck konnte man besitzen. Stühle, Tische, ja sogar Haustiere. Aber einen anderen Menschen? Sollte er sich das wirklich gefallen lassen? Er wusste ja, dass Val durchaus besitzergreifend war und dazu auch stand. Aber alles hatte irgendwie ein Grenze, oder...?
Leise schnaubend musterte er die blutverschmierte Wunde an seinem Fuss, die definitiv verbunden werden musste, damit kein Dreck hinein gelangte, denn der Schnitt war doch ordentlich tief.
Mangels Alternativen drückte er erst einmal ein Stück von seinem Tuch auf die Wunde, während er darauf wartete, dass Val wie versprochen mit dem Material zurückkehren würde, das er benötigte, um sich um die Wunde zu kümmern. Sein Mann liess sich aus irgendeinem Grund allerdings Zeit. Vielleicht musste er die vorherige Situation etwas überdenken und sich erst einmal beruhigen. Das war in Ordnung, Jesse gewährte ihm die Zeit gern, war selbst vielleicht sogar ganz froh darum. Mit einer Hand drückte er das Tuch auf die Wunde, mit der Anderen fuhr er sich über das Gesicht. Das Ganze war doch etwas belastend für ihn. Er hasste es, sich mit Val zu streiten, besonders wenn es um solche Themen ging. Er vergrub das Gesicht in seiner Hand und atmete tief durch. Klar plagte ihn das schlechte Gewissen. Hätte er sich dem Kerl nicht hingegeben, nicht mit ihm geschlafen, müsste er sich jetzt nicht vor Val rechtfertigen und sie könnten vielleicht freundlicher miteinander umgehen. Doch Val nahm es ihm natürlich übel und dadurch wurde die ganze Situation einfach direkt komplizierter. Und dann auch noch seine Anwandlungen von wegen Besitz... Warum genau es Jesse dermassen störte so genannt zu werden, konnte er gar nicht richtig sagen. Vielleicht hing es auch damit zusammen, dass er im Zoo lebte, wo es wichtig war, dass man möglichst frei war. Dass man sich nach oben kämpfte, um irgendwie zu existieren. Das hatte er geschafft. Klar, es gab immer noch Leute, die über ihm waren, doch er war einer derjenigen, denen es dort definitiv am besten ging. Umso schlimmer, wenn er an Minerva dachte, die im Arbeiterbereich vor sich hin vegetierte.
Gerade als Jesse sich fragte, warum Val so verdammt lange brauchte, um ihm das Zeug zu bringen, hörte er diesen näher kommen. Nun, nicht ihn direkt, doch er hörte das leise Plätschern von Wasser, das in einem Eimer hin und her geworfen wurde. Den Blick immer noch auf die Wunde gerichtet, fragte er sich, wozu Val wohl so viel Wasser benötigte. Allerdings sah er nicht auf. Er vertraute seinem Mann. Vielleicht weil er immer schon etwas naiv und gutherzig gewesen war. Er hörte, wie ein Eimer abgestellt wurde und gerade, als er zu Val hinauf schauen wollte, passierten so viele Dinge gleichzeitig, dass sein Verstand nicht mehr richtig hinterher kam. Als erstes wurde er von Kälte umfasst. Wasser floss ihm in einem kaskadeartigen Schwall über den Kopf. Sein ganzer Körper fuhr zusammen ob des plötzlichen Temperaturwechsels auf der Haut, er schnappte erschrocken nach Luft. Gleichzeitig drang ein lautes Scheppern an sein Ohr, das seine Aufmerksamkeit hinter ihn lenkte. Jesse sprang auf, eine natürliche Reaktion, die wohl jeder gezeigt hätte, der gerade mit kaltem Wasser übergossen worden war.
Das nächste was er spürte war ein brennender, beissender Schmerz, der durch sein ganzes linkes Bein fuhr, als er im Schreck auf die Wunde stand, die er sich vor kurzem versehentlich selbst zugefügt hatte. Er zog scharf die Luft ein, in dem Augenblick fauchte das Feuer wütend auf, als es ebenfalls mit Wasser übergossen wurde. Jesse nahm die Geräusche und die Gerüche von Rauch und aufsteigendem Dampf wahr und gleich darauf schepperte es erneut. Es waren so viele Dinge, die alle in seinen Verstand eindrangen. Sinneswahrnehmungen, Geräusche, Gerüche und Empfindungen. Zu viel für ihn, um es sofort zu verarbeiten, weil er alles in jedem Detail mitkriegte. Jedes Knacken und zischeln verdampfenden Wassers im Kamin drang an sein Ohr, ebenso wie der Eimer, der Schepperte, als er offenbar zu Boden gefallen lassen wurde. Zeitgleich spürte er die Wassertropfen von seinen Haaren auf sein Gesicht laufen, hörte das Wasser auf den Boden tropfen, spürte die Pfütze zu seinen Füssen, die Kälte auf seiner Haut, der gottverdammte Schmerz in seinem linken Bein.
"Was zur Hölle, Val?!", entfuhr es ihm, während er den linken Fuss etwas zu entlasten versuchte und sich umsah. Es war stockfinster. Der Rauch, der vom nassen aber eben noch entzündeten Holz aufstieg und nicht durch den Kamin nach oben gezogen wurde, brannte in seinen Lungen und Augen.
Er konnte Val nirgends sehen. Überhaupt hatte er über die ganzen Eindrücke, die auf ihn niederprasselten wie ein Sturmgewitter, für einen Augenblick regelrecht die Orientierung verloren. Jesse blinzelte und verharrte dann, als er realisierte, dass das ein Ablenkungsmanöver gewesen war. Ein gezieltes Ausnutzen seiner überpotenten Wahrnehmung als grösste Schwäche, wenn man wusste, wie man dagegen vorgehen konnte. Val wusste das. Er wusste, dass zu viele Reize auf einmal seinen Verstand überforderten. Das hier war ein Angriff auf ihn gewesen, ein Manöver, um Val Zeit zu geben im Schatten zu verschwinden.
Jesses Herz raste in seiner Brust, noch immer hörte er unentwegt das Tropfen, die Geräusche vom gelöschten Feuer, spürte wie das Restwasser über seinen Körper rann und ihn frösteln liess. Er schaffte es kaum, sich auf seine Umgebung zu konzentrieren, zu horchen, ob er Val irgendwo hören konnte. Dieser war geübt darin sich beinahe lautlos zu bewegen. Diese Erfahrung hatte Jesse immer wieder gemacht und es war ihm nicht nur einmal zum Verhängnis geworden.
Jesse zuckte leicht zusammen, als er Vals Stimme hörte. Oder zumindest dachte sie zu hören, er war sich nicht ganz sicher. Er drehte sich in die ungefähre Richtung und hielt den Atem an, was ihm aber nur kurz gelang. Er fror aufgrund des kalten Wassers an seinem Körper, welches auch das Tuch um seine Hüfte völlig durchnässt hatte. Jesse beugte sich hinab, ertastete das Sofa. Seine Finger strichen über das Leder, als er langsam drum herum ging. Wenn er mit Bedacht auf den linken Fuss trat, war der Schmerz berechenbar. Unangenehm, ja, aber zumindest nicht überraschend heftig. So ging er langsam um das Sofa herum, wohlwissend, dass Val längst nicht mehr an dem Punkt war, den er im Dunkeln fixierte. Val war kein Raubtier, das an einem Ort blieb, er schlich herum, drängte sein Opfer in eine Ecke. Und nicht mehr als Beute war er hier im Moment. Das hatte Jesse realisiert. Val spielte mit ihm. Und er konnte nicht wissen, ob er ernsthaft um sein Leben fürchten musste, oder ob es eine Lektion war, die ihm erteilt wurde. Sich auf Letzteres zu verlassen wäre dumm, also machte er sich auf das Schlimmste gefasst.
Jesse verharrte, als Vals Stimme erneut erklang, diesmal aus Richtung Tür. Sein Kopf fuhr in die Richtung und dann wurde auch schon die Haustür aufgerissen. Jesse zischte leise auf, als eine eisigkalte Windböe den Raum erfüllte und ihn erzittern liess. Das ohnehin bereits kalte Wasser auf seiner Haut und seinen Haaren, wurden von dem eisigen Wind umfasst und liess ihn augenblicklich zittern. Er schlang die Arme um sich selbst, spürte die Gänsehaut, die sich über seine beinahe schlagartig verkrampfenden Muskeln spannte. Seine Zähne schlugen unkontrolliert zusammen, als er zu zittern begann. Für ein, zwei Sekunden überlegte er sich tatsächlich, ob er den Fluchtweg nutzen und rausstürmen sollte. Gegen jede Vernunft nackt in den Schnee zu rennen. Er konnte es vielleicht bis zu seiner Hütte schaffen, wenn er schnell vorankam. Doch die Wunde und der hohe Schnee, sowie die Tatsache, dass er nass und nackt war, verschlechterte seine Chancen deutlich. Es war durchaus möglich, dass er in kürzester Zeit da draussen erfror in seinem Zustand. Doch Val gab ihm nicht viel Zeit sich zu entscheiden, die Tür fiel wieder zu, knallte regelrecht und Jesse hörte die Verriegelung. Er war gefangen, sein einziger Fluchtweg verriegelt. Ein Fluchtweg, der ebenso sein Todesurteil sein konnte, wie die Falle in der er sass.
Noch immer spürte er die Kälte auf seinem Körper, als würde sie sich wie ein Geschwür in seine Haut fressen. Sein Körper zitterte unkontrolliert, sein Atem ebenso, weil seine Zähne aufeinanderschlugen. Er stand da, wie festgewurzelt, obwohl er wusste, er musste sich bewegen. Selbst wenn er sich dazu zwingen musste, einen Fuss vor den andern zu setzen. Val hatte die Überhand, das war klar. Selbst wenn er unwahrscheinlicherweise ihn per Zufall finden und überwältigen könnte, war Val nochi mmer in der besseren Verfassung. Er war nicht verletzt, es war dunkel, sein fehlendes Auge war also keine Schwäche mehr, die man ausnutzen konnte. Ihm war nicht kalt, er war weder nass noch quasi nackt. Jesse wusste, seine Karten standen schlecht. Trotzdem suchte er den Raum nach Val ab, obwohl er die Hand vor Augen nicht gesehen hätte. Langsam trat er Fuss für Fuss auf dem Boden auf. Eine der Dielen knarzte leise, was ihn innehalten liess. Spätestens jetzt hatte er sich verraten und Val wusste genau wo er war. Jesse drehte sich einmal um die eigene Achse und ging dann ein, zwei Schritte rückwärts. Für einen Augenblick fürchtete er, dabei gegen Val zu stossen, doch nichts dergleichen passierte.
Gerade als er die Hand ausstreckte, um nach dem Sofa zu tasten, damit er sich wieder im Raum orientieren konnte, spürte er einen warmen Atem im Nacken. Jesse erstarrte Augenblicklich in seiner Position, sein Herz begann wieder zu hämmern. Val war direkt hinter ihm. Er berührte ihn nicht und doch konnte er seine Präsenz regelrecht spüren. Und schon hörte er dessen Stimme, ganz nah an seinem Ohr, dass es an ein Wunder grenzte, dass sie einander tatsächlich nicht berührten.
Vals Stimme klang ruhig, rau, leise und bedrohlich. Es war der Tonfall, der sich anhörte wie ein Messer, das durch Fleisch schnitt. Jesse wusste, nun war es besser, wenn er einfach zuhörte. Sich anhörte, was sein Mann zu sagen hatte, egal wie sehr es schmerzte. Er richtete sich etwas mehr auf und zog die Arme wieder an den Körper.
Heute Morgen noch, hatte Val ihm endlich den Ring an den Finger gesteckt und nun sprach er davon, ihn ihm wieder wegzunehmen. Weil er sich nicht als Besitz deklarieren lassen wollte. Doch Jesse wusste, Val würde ihn nicht gehen lassen, selbst wenn er das Angebot annahm. Er würde vielleicht den Anschein machen, doch Val war keine Person, die loslassen konnte, die Kontrolle zurück gab, wenn er sie einmal gehabt hatte. Wenn er diesen Ring aus seiner Hand gab, konnte er sich auch gleich direkt das Messer in den Bauch rammen und sich auf einen Teller legen. Dann würde es nichts mehr geben, das Val davon abhielt ihn endlich zu verspeisen. Val würde nicht zulassen, dass er wegkam, verschwand, ohne, dass er die Genugtuung erfuhr, den letzten Akt der Kontrolle über ihn auszuüben, in dem er ihm das Leben nahm und schlachtete, wie das Schaf zu dem er ihn soeben zu degradieren drohte.
Doch er war kein Schaf! Egal was Val ihm einzureden versuchte! Konnte man wieder zum Schaf werden, wenn man einmal ein Löwe war? Er hatte geholfen eine Gruppe zu führen, hatte selbst zwar die Alphaposition nie für sich beansprucht. Denn das war nicht er. Trotzdem hatte er für das Überleben der Gruppe gesorgt, indem er für sie gejagt hatte. Egal ob Wild oder Mensch, irgendwie hatte er Noah, Minerva und die andern durchgefüttert.
Allerdings hatte Val mit einem Recht. Er hatte das in ihm schlummernde Potenzial entdeckt, zum Leben erweckt und ihm die Welt aus den Augen eines Löwen gezeigt. Val hatte ihn stets geleitet, angeführt und gemeinsam waren sie ein Rudel aus zwei Wölfen geworden. Val als Alpha, als die offensichtliche Gefahr, dessen Präsenz alleine eine Bedrohung sein konnte, wie in diesem Moment in dem Jesse einmal mehr zu spüren bekam, dass Val ein konkurrenzloses Raubtier war. Er selbst war ihm gefolgt, in seinem Schatten, aus denen er zuschlug, wenn niemand es erwartete. Während Vals Aura regelrecht Prädator schrie, war Jesse immer der Unauffälligere gewesen, mit den sanften Gesichtszügen. Er war der Seltsame, manchmal etwas arrogante aber grundsätzlich nette Typ von Nebenan gewesen. Er, der eine helfende Hand ausstreckte, wenn jemand verängstigt war, nur um der Person dann mit der anderen Hand das Messer in den Körper zu rammen. Er selbst war nicht weniger gefährlich als Val, wenn er es wollte. Doch er war gutherziger und es war ziemlich selten der Fall, dass er impulsiv tötete.
Aber machte ihn das direkt wieder zu einem Schaf, nur weil er sich nicht als Vals Besitz betrachtete...? Val, dessen Worte so tief schnitten, wie kein Messer dieser Welt es konnte?
Jesse biss die Zähne zusammen. Ja, er hatte einiges nicht geschafft in seinem Leben, hatte selten an etwas festgehalten, das er begonnen hatte. Oft aus Unterforderung, weil die Langeweile ihn gepackt und nicht mehr losgelassen hatte, weil es für ihn zu wenig anspruchsvoll gewesen war. Doch er hatte nie aufgegeben ein Raubtier zu sein. Oder...?
Wieder zuckte er ein wenig, als er den kurzen Zug an dem Tuch um seine Hüfte spürte, das völlig durchnässt ohnehin schon recht locker war. Es glitt mit einem nassen Geräusch zu Boden, entblösste ihn zur Gänze. Jesse wollte sich mit den Händen bedecken, doch er gab dem Impuls nicht nach. Es war stockfinster, niemand konnte ihn sehen. Höchstens Val, der sich direkt hinter ihm befand, dessen raubtierhafte Präsenz sich langsam nach ihm ausstreckte und ihn erneut für sich vereinnahmen wollte. Und Val hatte schon alles an ihm gesehen. Es gab nichts, das Val nicht an ihm kannte. Trotzdem, kein Mensch war gern nackt. Es machte verletzlich. Man fühlte sich entblösst, gedemütigt und wehrlos. So wie er in diesem Augenblick. Er wollte sich in Vals starke Arme begeben, sich seinem Schutz wieder hingeben, sich von ihm führen lassen. Jede Faser seines Körpers verzehrte sich nach der schützenden Wärmequelle hinter ihm. Jesse erschauderte, als er auf einmal ein leichtes Gefühl der Wärme auf seinem Rücken fühlen konnte. Es war keine Berührung und trotzdem... irgendetwas war ihm so nah, dass er es beinahe fühlen konnte.
Jesse krallte seine Fingernägel in seine Oberarme. Noch immer umarmte er sich selbst, versuchte sich die Wärme zu spenden, die er dringend nötig hatte. Noch immer zitterte er, seine Muskeln waren angespannt, zwischendurch klapperten auch seine zähne wieder etwas aufeinander, wenn er den Kiefer entspannte, beim Versuch sich von der Kälte die ihn gerade beherrschte nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen.
Ein Tropfen Wasser löste sich aus seinen komplett durchnässten Haaren, die ihm platt am Schädel klebten, rann ihm das Rückgrat hinab. Er konnte ihn genau spüren. Sein ganzer Körper war noch immer übersät mit kleinen Wassertropfen, manche von ihnen gaben der Erdanziehung nach und rannen langsam zu Boden, andere blieben wo sie waren. Ein weiterer Tropfen floss von seiner Haarsträhne in seinem Gesicht über seine Nase und blieb an seinen Lippen hängen.
Ja, er hatte eine Gruppe quasi geführt, sich in einer Position gefunden, die nicht wirklich seinem Naturell entsprach. Er hatte getan, was er tun musste. Doch wie dankbar war er gewesen, als er Scorpion kennengelernt hatte. Scorpion, der ebenso wie Val ein natürliches Raubtier war. Von einem anderen Schlag, ja, doch auf Menschen wie Jesse wirkte er wie eine Droge. Er wollte ihm folgen, an seiner Seite jagen, sich von ihm führen lassen. Es war wohl kein Zufall, dass er sich Scorpion so dankbar angeschlossen hatte, war er doch seit Val der erste Mensch gewesen, der ihm diese Führung hatte geben können, nach der er sich so sehr sehnte.
Sein Atem zitterte hörbar in der Stille, als Val sich näher an ihn beugte. Er konnte ihn regelrecht fühlen, obwohl sie einander nicht berührten. Er spürte Val, bemerkte dessen warmen Atem an seinem Ohr. Und dann war da die erste, kaum spürbare Berührung an seinem Ohr, als Val mit seiner bedrohlichen, strengen Stimme sprach.
Die Worte drangen ihm durch Mark und Bein, es war ein Gefühl, wie beim Drop auf einer Achterbahn. Seine Eingeweide zogen sich zusammen, verkrampften sich für den Bruchteil einer Sekunde und sendeten ein Kribbeln durch seinen ganzen Körper, das ihn leicht nach Luft schnappen liess, bevor er ausatmete und dabei ein zitterndes, leicht angespanntes Stöhnen entliess. Jesse schloss die Augen, die Gänsehaut fuhr kribbelnd über seinen ganzen Körper. Er wusste er verriet sich sofort, allein das leise Geräusch, das über seine Lippen kam, das er nicht zurückhalten konnte, sprach mehr als tausend Worte. Er gab Val seine Antwort, ohne dass er sprechen musste. Er konnte nichts für seine devote, submissive Natur, die ihn sich nach dominanten Menschen wie Val verzehren liess und so verriet sie ihn innerhalb eines Wimpernschlags gegen seinen Willen.
Danach war es für einen Moment still. Jesse wusste, das war der Augenblick in dem er sich entscheiden durfte. Sich Val erneut hingeben, sich in seinen Besitz zurück geben, ihm gehören. Oder sich weiter dagegen sträuben und damit vermutlich sein Todesurteil unterschreiben. Es würde ihn nicht verwundern, hätte Val in diesem Augenblick ein Skalpell bei sich, das er im Anschlag hatte, um es ihm über die Kehle zu ziehen, wenn seine Antwort falsch ausfiel. Oder vielleicht benötigte er noch nicht einmal ein Skalpell dafür, er konnte auch nur einfach seine Hände heben und ihm das Genick brechen. Er hatte es Val schon mehr als einmal tun sehen. Es brauchte nichts, nicht einmal zwei Sekunden und die undurchdringbare Dunkelheit in diesem Raum wäre das Letzte gewesen, was er in seinem Leben sah.
Langsam drehte er sich um. Sein Atem zitterte, sein Körper war noch immer kühl, er zitterte, sein Herz pochte in seiner Brust, aufgeregt und angespannt, wie der Rest von ihm. Jeder Muskel zitterte. Sein Fuss protestierte schmerzend, als er sich langsam darauf stellte, um sich zu drehen, bis er sein Gesicht zu Val gedreht hatte. Er konnte ihn nicht richtig sehen, der Sturm draussen blockte nahezu jedes Licht, das von draussen hätte reinkommen können. Nicht einmal der weisse Schnee sorgte für genug Kontrast, obwohl sich Jesses Augen mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt hatten, blieb Val vor ihm nicht mehr als ein Schemen, von dem er nicht einmal wusste, ob er ihn auch wirklich so sah oder ob er es sich nur einbildete.
Leise atmete Jesse ein, behielt den Sauerstoff für einige wenige Sekunden in seiner Lunge, bevor er durch die Nase leise wieder ausatmete. In seinem Kopf rasten die Gedanken, die Möglichkeiten, die er hatte aber nur die wenigsten davon erschienen sinnvoll zu sein. Das Beste was er tun konnte war kapitulieren. Wie immer. Akzeptieren, dass Val ihn besass, über ihn bestimmte und ihn anleitete. Seine Freiheit zurück in die starken, schützenden Hände geben und sich ihm hingeben.
Langsam löste er die Arme, mit denen er sich selbst so krampfhaft festhielt. Er hob die rechte Hand ein wenig, streckte die Finger zaghaft aus und hielt inne, als er das Gefühl hatte Val gleich zu berühren. Doch dann gab er nach und seine Fingerspitzen streiften den Stoff von dessen Leinenhemd. Rauer als die edlen Stoffe, die er früher immer trug. Er konnte die kleinen, feinen Fasern an seinen Fingerkuppen kitzeln spüren, kurz bevor er die Finger ganz ausstreckte und seine Handfläche an Vals Brust legte. Erneut atmete er zitternd ein und aus, jeder seiner Atemzüge klang viel zu laut in seinen Ohren, im Vergleich zu der unnahbaren Stille, die Val ausstrahlte. Könnte er dessen Körper nicht deutlich unter seiner Hand fühlen, wäre er nach wie vor nicht sicher, ob die Gestalt, die er vor sich zu sehen glaubte, nicht ein Streich seiner Augen war.
Anschliessend neigte er den Kopf zur Seite und kam auch mit diesem Näher, um ihn seitlich sanft, Schutz suchend an Vals rechte Schulter zu betten. Er bat um Verzeihung, darum sich seinem Schutz wieder hingeben zu dürfen, seinen Platz wieder einzunehmen, den er so leichtfertig verlassen hatte.
"Jag ...", begann er. Seine Stimme klang leise, rau und zittrig. "Jag tillhör dig och bara till dig till slutet av mitt liv. Jag är din egendom. Du vet bäst vad som är bra för mig. Förlåt mig."

@Valravn Vargström


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