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Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

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Herbst ... Gerade noch habt ihr euch in der Sonne gebräunt, schon fallen die ersten bunten Blätter. Tja, das Leben zieht viel zu schnell an uns vorbei. Es wird kühler, es regnet viel. Stürme dürfen auch nicht fehlen und die Vögel ziehen in den Süden. Bereitet euch auf den Winter vor, dieser kommt schneller als ihr denkt!

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Walking Dead Charas: Ezekiel, Enid Taylor, Conni, Tara, Henry, Lydia, Eugene, Siddiq, Pamela Milton, Sebastian Milton, Mercer, Maxwell Hawkins Fear the Walking Dead Charas: Madison, Luciana, June, Daniel, Victor, Nick Auch viele Free Gesuche warten darauf, endlich in Empfang genommen zu werden. Auch ohne Serienwissen bist du bei uns gerne willkommen !!!

 

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An Aus


#41

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 07.02.2020 16:25
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Beruhigen musste Valravn sich wahrlich nicht, er war die Ruhe in Persona, als er sich die Zeit nahm und, sorgfältig wie immer, sein folgendes Handeln, genau abwog, dabei spielten sich dutzende Szenarien gleichzeitig in seinem Kopf ab, welche allesamt zu ganz unterschiedlichen Enden kamen. Manches weniger erfreulich als das Andere, doch Fakt ist, Valravn ließ sich dieses ungebührliche Verhalten seines Mannes, der ganze acht Jahre zudem jünger war als er, ganz gewiss nicht bieten oder ungestraft diesem durchgehen. Offenbar hatte Jesse vergessen, wo sein Platz ist, welche Position, in ihrer Beziehung, ihm innewohnte und was für eine Bedeutung hinter dem Besitzanspruch, welchen der Schwede auf ihn erhob, immer erhoben hatte und aufrecht hielt, steckte. Musste er also doch noch mal von vorne anfangen?
Wie überaus anstrengend, doch Valravn liebte die Herausforderung und würde seinem widerspenstigen Mann, sehr genau aufzeigen, worin der Denkfehler lag, bei den Worten, die er ihm so biestig entgegengeschmettert hatte. Liebreizend, dass Jesse einmal Krallen und Zähne zeigte, dabei aber offenbar vergessen hatte, wo die Grenze lag, seinem Mann gegenüber.
Er würde Jesse gewiss nicht am Genick packen, auf den Boden drücken und ihn nachdrücklich spüren lassen, wo sein Platz ist. Schließlich ist er kein Hund und Valravn, nutzte ungern, seine Hände um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, er hatte dies nie nötig, daher fing er jetzt wohl kaum damit an.
Jesse hatte zu viel Freiheit, Unabhängigkeit in den letzten Jahren erfahren, ein dummes Missgeschick, mehr nicht, die letzten Jahre, sein unflätiger Umgang, hatten ihm Flausen in den Kopf gesetzt. Ganz normal und im Grunde hatte Valravn sich darauf längst eingestellt, er hatte nur nicht erwartet, dass sein Mann ihm derart entgleist ist, aber er hatte Glück, denn seine Beharrlichkeit würde nicht zulassen, dass Jesse ihm gänzlich entglitt.
Sein Platz war bei dem Schweden, an seiner Seite, bei der Jagd in seinem Schatten, weil Jesse stets der Trumpf war, die Gefahr, die man erst dann erkannte, wenn es längst zu spät war.
Valravn holte sich seinen Mann schon wieder zurück, ebenso seinen Jagdgefährten, ... seinen Besitz.
Selbst wenn dies, eventuell in den Augen anderer, bedeutete zu etwas unfairen Mitteln und Methoden zu greifen, doch er als auch Jesse, führten jeher eine sehr eigenwillige, spezielle Beziehung, die nur sie Beide in ihrer Gänze und Tiefgründigkeit erfassen, sowie verstehen konnten.
Etwas Anderes interessierte den Schweden ohnehin nicht, ihn interessierte nur eines, Jesse abzulenken, seinen Verstand mit Reizen zu überfluten, sodass, wie so oft, wenn er in eine neue Situation, ein Umfeld geworfen wurde, die Überforderung zunächst die Oberhand hatte. Jesse sah auf Anhieb, wenn Valravn, wie heute Morgen, das Bett verlassen, sowie durch den Schnee gestapft war, um ihm zu folgen, seine Sinne erfassten alles auf einen einzigen Blick hin, er speicherte sich ganze Buchseiten ab und musste sie danach nie wieder lesen. Sein Mann war hochbegabt, überragend, sein eidetisches Gedächtnis ermöglichte es ihm, seine Umgebung, wie zwei Bilder im Kopf, abzugleichen um sofort die Unterschiede, so gering sie auch sein mögen, zu entdecken. Es war eine seiner größten Stärken und zugleich auch Schwächen, zumindest für Valravn, der ihn nun mal besser kannte als Jesse sich selbst in mancher Hinsicht.
Er nutzte diese Schwäche eiskalt aus, um sich selbst den Vorteil zu verschaffen, aus Jesses Fokus zu entweichen, im Dunkel zu entschwinden und somit die Jagd zu eröffnen. Man könnte sich wundern, darüber, dass Jesse in Gegenwart seines Mannes so ... unvorsichtig erschien, obschon er dessen dunkelstes Geheimnis kannte, wusste, wozu dieser fähig ist. Allerdings konnte man Jesse dies nicht zum Vorwurf machen, er war, nun mehr denn je, der Einzige, dessen Leben Valravn als kostbar empfand, dessen schiere Existenz den Schweden anzog, faszinierte, sie waren Gleichgesinnte, zwei Seiten einer Medaille. Valravn liebte ihn, war gar ein wenig besessen von seiner Wenigkeit, doch wer wäre es nicht, wenn unter Millionen, Milliarden von Individuen es nur ein einziges Wesen gab, dass ihm ebenbürtig war, auf jeder Ebene, das ihn verstand, sein Handeln, sein Denken begreifen konnte und fähig war, ihn trotz dieses Wissens, um seine blutrünstige Natur, .... zu lieben.
Valravn hatte mehr als einmal Jesses Leben verschont, aus purer Zuneigung, Verbundenheit und Liebe.
Niemand konnte daher verlangen, das Jesse stets und ständig, um sein Leben bangte, dazu hatte er keinerlei Grund.
Was nicht bedeutete, dass er sich auf ewig darauf verlassen sollte, dass sein Mann nicht doch irgendwann, aus welchem Anlass auch immer, die Entscheidung fällte Jesses Leben zu beenden.
Doch nun, wo er so viele Grenzen überschritten hatte, diesem Gegenüber, musste Jesse sich wohl zurecht die Frage stellen, ob dies nun eine Lektion war oder Valravn, ernsthaft, gedachte seinen Mann zu töten. Wenn ja, wie würde er es tun? Jesse wusste um seine Taktiken, er kannte seine 'Lieblingsmethoden', wusste um dessen kreative Ader, die er auf makaberste Weise mit einem toten Leib zur Schau stellte, wenn er davon absah jemanden zu verspeisen, sondern eine kleine Anekdote hinterließ. Eine kleine Aufmerksamkeit für die Öffentlichkeit. Eine Botschaft.
Valravn hatte es selten getan, eine Leiche der Welt offenbart, in makaberer, doch kunstvoller Inszenierung und dies aus unterschiedlichsten Beweggründen.
Er gehörte zu den Bestien, die zu klug, zu gründlich waren und keinen Fehler begingen, jene die nicht das Rampenlicht suchten, sondern im Schatten verweilten. Während seiner Zeit in Florenz, als Jesse, der absurden Idee erlegen war, eine räumliche Trennung über wenige Monate, würde das Ende ihrer Beziehung bedeuten, hatte der Schwede, ganz offen, eine Botschaft hinterlassen, eben für seinen Mann. Sein gebrochenes Herz, dargeboten, offen zur Schau gestellt, in einer prunkvollen Kathedrale, in Form eines gehäuteten Leichnam, Kopf, Hände als auch Füße entfernt, fand sich der Körper, in abstrakter Verrenkung, einem menschlichen Herz nachempfunden, aufgespießt auf metallenen Stützen wieder und schrie hinaus, was Jesses Überraschung am Ende angerichtet hatte.
Die Entdeckung von Valravns Geheimnis, die Nötigung, welche die Frage in den Raum warf, ob er gedachte Jesse an jenem Abend zu töten oder zu verschonen, brach dem Schweden das Herz.
Sie konnten ohne einander überleben, sein, atmen, essen, sich einfügen und doch war die Trennung, von dem Mann, der einzigen Person die ihn verstand, ein unerträglicher Schmerz gewesen, der konstant in seiner Brust vorhanden war. Damals in Florenz, wie auch zuletzt in den zehn Jahren, wo es Valravn danach sehnte, sein Gegenstück zurückzuerlangen. Auf welchem Wege auch immer.
Nun hatte er es zurück und es weigerte sich offenbar, seinen Platz zur Gänze wieder einzunehmen, ob der absurden Feststellung, dass Freiheit gar nicht so schlecht war.
Dabei wollte Valravn ihn dessen nicht berauben, sondern Jesse zurückholen, in seine schützenden Hände, ihn wieder anleiten, führen durch eine Welt, in der sie Beide, noch immer, herausstachen und nicht ganz hineingehörten. Er wollte seinem Mann wieder den Schutz bieten, die Geborgenheit, Sicherheit und Führung, wie früher, sein sicherer Hafen sein, wo Jesse, sich seinem Naturell entsprechend, wieder fallen lassen konnte. Valravn wusste, welche Belastung es ist, welch psychischer Stress und Druck, wenn ein Hund, seiner Natur widersprechend, in eine Rolle einsteigen musste, für die er nicht geschaffen war. Ein devoter Hund, scheu, empfindsam, besaß nicht die Qualifikationen um das Rudel zu führen, um Situationen richtig einzuschätzen, sowie entsprechend zu handeln. Jesse mochte kein Hund sein, doch er war kein Anführer, er war fähig jene zu kontrollieren die unter ihm standen, unterlegen waren aber Valravn gehörte wahrlich nicht dazu.
Er war das konkurrenzlose Raubtier, der Alphawolf, der sich Niemandem beugte und wohl selbst die Götter herausfordern, sowie bezwingen würde, falls möglich.
Wie also konnte Jesse annehmen, ohne ihn ...wahrlich frei zu sein? Wenn er in eine Rolle gedrängt wurde, die seinem Wesen nicht entsprach, die ihm Dinge abverlangte, für die ihm die nötige Kompetenz fehlte? Jesse mangelte es an Geduld, sein flatterhafter Geist wollte überall zugleich sein, er brauchte einen Anker, einen Fokus, jemanden der ihm Halt gab und ihn einfing, damit er einmal zur Ruhe kam. Wahrlich frei konnte Jesse doch nur bei Valravn sein, frei von Verantwortung, frei von der Last Entscheidungen treffen zu müssen, die ihn überforderten, die sein Gewissen belasteten, ..man sah ja, wohin ihn seine 'Freiheit' geführt hatte oder eher jene Person, die er im Grunde nur schützen wollte. Die kleine Russin war eine Gefangene, während Jesse sich frei um ihren Käfig herum bewegen konnte, obschon seine Absicht, sie zu beschützen, löblich war, ehrenhaft, so hatte er auf ganzer Linie versagt und warum? Weil er selbst zu viel Freiheit hatte und eine Situation kontrollieren wollte, musste, wofür es ihm eindeutig an nötiger Erfahrung, gar Qualifikation mangelte.
Es war dringend nötig, dass Jesse, der kleine Dickschädel, wieder erkannte und einsah, dass zu viel Freiheit, der Mangel an Führung, ihm mehr schadete, als guttat. Valravn hatte ihn früher doch auch nicht eingeengt, im Gegenteil, obschon der Schwede den Ton angab, ermöglichte er Jesse dadurch sich frei zu entfalten, wäre die Welt nicht untergegangen, wäre er heute womöglich ein Bestsellerautor und würde mit seinen Büchern ganze Regale füllen.
So nun jedoch standen sie in völliger Dunkelheit, wobei es mehr Jesse war, der vor Schreck und Kälte förmlich erstarrt schien, ganz anders Valravn, welcher kontinuierlich, wenngleich lautlos, in Bewegung blieb und seine Beute gedachte dahin zu drängen, wo er sie haben wollte. Ausnahmsweise nicht mit dem Rücken zur Wand, er ließ Jesse in der Ungewissheit, wo im Raum sich der Schwede befand, denn die Wand im Rücken, würde ihm unter diesen Umständen gar Sicherheit bieten, anstelle der Leere, die ihn räumlich umgab und es ermöglichte, dass der Wolf, urplötzlich, aus jeder beliebigen Richtung kommen konnte. Zudem hatte Jesse es, in diesem Moment, schlichtweg nicht verdient, Aug in Aug mit der Bestie in Kontakt zu treten, er benahm sich mehr als nur daneben, überschritt Grenzen, also würde Valravn, der ihn zum Löwen erhoben hatte, ebenso dafür Sorge tragen, ihn wieder zu einem Schaf zu degradieren.
Denn er entschied am Ende, welche Position Jesse innehatte oder haben durfte, eines vergaß er nämlich, alles was Valravn ihm einst gegeben, gelehrt hatte, konnte er ihm genauso auch wieder wegnehmen.
Und dieses Mal, lag keine romantische, gar neckende, Intention dahinter, sich an seinen Mann heranzuschleichen, welcher gar zitterte wie Espenlaub, fror und das Klappern seiner Zähne, die aufgrund der Kälte aufeinander schlugen, an seine Ohren drang, sowie den Raum mit etwas Leben erfüllte. Nein, er empfand keinerlei Freude daran, Jesse vor Augen führen zu müssen, was er in seinem Leben nicht geschafft, vollendet hatte. Es gab ihm keinerlei Genugtuung, denn so sprach Valravn sonst mit den Leuten, die seiner weder würdig noch ebenbürtig sind, doch Jesse war dies ...eigentlich.
Nur hatte er sich selbst, durch sein Aufbegehren, seine rebellische Unvernunft, in eine Position befördert, die förmlich danach verlangte, dass Valravn ihm ebenso herablassend, wenn gleich ruhig, höflich klingend, begegnete wie den anderen Schafen in ihrem Umfeld. Jesse hatte, erneut, aufgrund seiner angeblichen Freiheit, eine Fehlentscheidung getroffen, deren Folgen er nicht abgewogen hatte, nicht gründlich genug. Dabei sollte gerade er Valravn am besten kennen. Der Schwede erwartete keine Antwort, sondern verlangte nur, dass Jesse ihm zuhörte, sich seine Worte genau durch den Kopf gehen ließ, darüber nachdachte, wo der Fehler in seinem Verhalten lag und wieso, sein Mann, sich dazu herablassen musste, mit ihm zu sprechen, wie mit einem der Schafe! Valravn empfand es als bedauerlich, schließlich liebte, respektierte er seinen Mann, es missfiel ihm zutiefst, diesen Weg einschlagen zu müssen, um ihm den Kopf geradezurücken, dazu zu ermahnen, daran zu erinnern, wen er hier vor sich oder besser gesagt hinter sich, stehen hatte.
Jesse zwang ihn jedoch förmlich dazu, er sollte sich wahrlich schämen, dass er seinen Mann dazu brachte, nötigte, zu solch Worten greifen zu müssen. Schließlich ging Jesses Reaktion weit an einer Debatte, einem kultivierten Streitgespräch vorbei und die Konsequenz dessen musste er nun auch ertragen können.
Also nahm Valravn ihm nicht nur das Licht, die Möglichkeit zur Flucht, seinen hart erarbeiteten Rang als Löwen, sondern auch das Handtuch um seinen Mann, vollends entblößt, vor sich stehen zu haben, zu verdeutlichen, wie schutzlos er just in diesem Augenblick ist. Wie ...angewiesen er doch in Wahrheit war, auf den Mann, der hinter ihm stand, ihm nahe sein konnte, ohne ihn zu berühren und einzig seine Präsenz für sich sprechen lassen ließ. Jesse hatte die Wahl, beharrte er weiter darauf, 'frei' sein zu wollen? Nicht länger Valravns Besitz zu sein, obschon sie Beide, dies nicht als den richtigen Begriff empfanden, denn ganz gleich wie devot, unterwürfig Jesse auch sein mag, sie waren stets auf Augenhöhe. Er konnte gehen oder es zumindest versuchen, denn entschied er sich dazu, auf etwas zu beharren, was absoluter Unfug war, lag auf der Hand, dass Valravn Jesse lebend nicht entfliehen ließe.
Jedoch sollte dieses Wissen seine Entscheidung nicht so gravierend beeinflussen, wie vielleicht andere, denn Jesse wusste, immer schon, dass Valravn darüber entscheiden würde, wann Jesse starb, es jedoch vorzog, wenn sie Beide, als die Löwen, Liebenden, die sie sind, diese Welt ebenso gemeinsam verließen, wie sie sich diese, jagend, lauernd, zu ihrem Reich erhoben hatten und in ihr gewandelt waren. Der Schwede würde Jesse mit sich in den Tod reißen, sollte er diesem nahe sein, ohne Aussicht auf Genesung, und ebenso würde er, sollte es seinen Mann vor ihm erwischen, sein eigenes Leben beenden, denn eine Welt ohne Jesse, war eine triste, langweilige Welt, in der er nicht länger verweilen wollen würde. Sie lebten zusammen, jagten zusammen und irgendwann, in ferner Zukunft hoffentlich, würden sie auch zusammen sterben.
Nur sollte dieser Tag nicht heute sein, weswegen Jesse gut überlegen sollte, welchen Schritt er ging, welches Wort er über seine Lippen brachte und wie immer, gab Valravn ihm auch die Zeit. Beharrlich, lauernd und geduldig wartend, ließ er seine Worte, sein Handeln, auf seinen Mann wirken, er konnte förmlich hören, wie es in seinem hübschen Kopf ratterte, ebenso dessen Herzschlag oder man konnte es zumindest annehmen, dass Valravn selbst dies wahrnahm. Trotz der Dunkelheit hatte der Schwede ein klares Bild vor sich, weniger leibhaftig, denn selbst er vernahm nur Umrisse, weshalb er das Auge geschlossen hielt und Jesse vor seinem Geistigen stehen hatte. Er kannte jeden Zentimeter am Körper seines Mannes, jedes Detail hatte er vor seinem geistigen Auge, sein Liebster fror, umklammerte sich selbst, Schutz, Wärme suchend, ob der Nacktheit und Wehrlosigkeit, mit der er sich im Raum stehend vor ihm befand. Obwohl er nicht hinsah, wusste er wie er zitterte, die Fingernägel in seine Oberarme drückte, wie sich seine Muskeln vor Kälte, Anspannung zusammen zogen, sich fein definiert, dennoch klar, deutlich unter seiner hellen Haut abzeichneten. Unter anderen Umständen genügte dieses Bild vor seinem geistigen Auge, um die Lust in seinen Lenden zu wecken, doch Raubtier oder nicht, dieses Mal war das hier kein Spiel, sondern bitterer Ernst.
Valravn erlaubte es nicht, dass sich unsittliche Gedanken dazwischen schoben, ganz gleich wie sehr er seinen Mann begehren mochte.
Jesse hatte es herausgefordert, sich selbst zuzuschreiben, dass er nun fror, sich schutzlos und gedemütigt fühlte, sowie seinen Mann dazu brachte, zu solch einer Lektion zu greifen, wohl wissend, dass es ihn nicht weniger betrübte seinen Liebsten so vor sich stehend zu haben. Als er sich dazu entschied, Jesses Ohr mit den Lippen zu streifen, hatte er seine Worte wohlüberlegt und traf damit genau ins Schwarze. Jesse schnappte hörbar nach Luft, es glich fast einem japsenden Laut und diesem folgte ein weit aus Verzückender, welcher Bände sprach! Valravn hatte Jesse da wo er ihn haben wollte, wo sein Platz war und es bedurfte nur dieser kleinen Ermahnung, Erinnerung daran wie es schien, damit er, nach den zehn Jahren, losgelöst von seinem Schweden, wieder dahin zurückfand, in die Obhut seines starken, dominanten Partners, der mit sanfter Strenge die Zügel in die Hand nahm.
Jesse tat sich, anders als Valravn, schwerer damit, offen auszusprechen, zuzugeben, dass er es prickelnd, gar erregend fand, sich seinem Raubtier in Menschengestalt bereitwillig, demütig hinzugeben und sich seiner Führung anzuvertrauen.
Er wusste wie sein Mann tickte und dieser stöhnende Laut, der Jesse über die sinnlichen Lippen kam, sowie im Nu wieder verklungen war, sagte alles was Valravn wissen musste.
Warten, mehr musste er nun nicht tun, weshalb er lediglich den Kopf zurückzog, seine gewohnt stolze, mitunter bedrohlich anmutende Haltung einnahm, deren Präsenz problemlos einen ganzen Palast füllen könnte. Sein Blick ruhte auf dem Schemen vor ihm, er lauschte der Atmung von Jesse, so zittrig, angespannt, frierend, während die Seine beherrscht, kontrolliert, ruhig und leise vonstattenging.
Sein Mann bedurfte etwas Zeit, sie hatten davon wahrlich genug, der Schwede verharrte einfach bis Jesse sich langsam zu ihm drehte, trotz der Dunkelheit ruhte der Blick des Schweden auf diesem, schließlich wusste er genau, auf welcher Höhe sich dessen hübsches Gesicht, mehr noch seine blauen Augen befand, die er so sehr liebte. Es war so still, dass man eine Stecknadel fallen oder einen Floh husten hören konnte und es würde in diesem Moment wohl ohrenbetäubend laut erscheinen. Schließlich spürte er es, die zarte, vorsichtige Annäherung von Jesses Fingerspitzen, die offenbar zunächst nicht wagten die Bestie zu berühren, unsicher, ob dessen Reaktion nicht in einem tödlichen Biss enden könnte. Valravn tat nichts, er erlaubte es Jesse, die Berührung seines Leinenhemdes, dass etwas größer geschnitten ausfiel, nicht figurbetont, maßgeschneidert wie einst dessen edle Hemden, die er ebenso sehr vermisste wie seine Küche oder das Klavier im Wohnzimmer.
Nach anfänglichem Zögern legte sein Mann die Hand gänzlich auf Valravns Brust, diese hob und senkte sich, im ruhigen Rhythmus seiner Atmung, er war warm, immer noch etwas mehr als üblich wegen des leichten Fiebers, was jedoch bereits stark gesunken war, im Vergleich zur gestrigen Nacht. Spätestens morgen sollte es gänzlich verflogen sein.
Trotz seiner stolzen Haltung, unterschied sich die Spannung, die sein Körper innehatte, von jener, die zuvor seine Muskeln gepackt hatte vor Unmut, aufgrund Jesses Verhalten. Valravn war, für seine Verhältnisse, gar entspannt und eben dazu fähig, dennoch eine anmutige, sowie auch einschüchternde Haltung aufrechtzuerhalten.
Schließlich kam Jesse näher, zaghaft, gar scheu, bat er stumm um Verzeihung, darum sich wieder seiner Führung, seinem Schutz hingeben zu dürfen und zurückzukommen, in die strenge, doch liebevolle Obhut, welche Valravn ihm viele Jahre geboten hatte. Er gestattete es Jesse, seinen Kopf an seiner rechten Schulter zu betten, sich anzunähern, wobei ihm kurz der Gedanke kam zurückzutreten, ihm diese Nähe zu verweigern aber es war Strafe genug, ihn jeglichen Stoffes zu berauben, der zumindest vortäuschte Schutz zu bieten.
Sein Standpunkt war klar und deutlich, Jesse hatte seine Lektion erhalten, nahm sie an aber es bedurfte mehr als dieser Geste, damit Valravn seine Entschuldigung akzeptierte, ihn wieder Willkommen hieß. Dann, endlich, erklang Jesses Stimme, leise, zitternd vor Kälte, im Raum und wählten jene Worte, die den Schweden mehr als zufrieden stellten, sondern diesen auch Willens sein ließen, seinem Mann diesen Fauxpas zu verzeihen. Valravn war schließlich streng, dennoch fair und ebenso liebevoll, sein Mann fügte sich, fand sich wieder ein, in seiner Rolle, voll und ganz, daher wäre es nun falsch, ihn länger zu strafen, also schloss der Schwede ihn schließlich in seine starken Arme. Sanft, doch innig, drückte er seinen Mann an sich, hob die linke Hand und streichelte diesem über das nasse Haar, er würde ihn wärmen, als auch den Schutz gewähren, geben, den sein Liebster dringend brauchte. "En sådan bra pojke."
Den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, senkte er ihn herab und gab Jesse einen Kuss auf sein nasses Haupt. Er würde Jesse nun keinen Kuss auf die Lippen hauchen, ebenso wenig mit solch einem verdeutlichen, dass er ihm gehörte, denn .... das hatte er sich in diesem Augenblick einfach nicht verdient. Jedoch würde er seinem Mann nicht verwehren sich an ihn zu schmiegen, sich an ihm zu wärmen und Zuflucht zu finden, in dessen Armen, die ihn schützend umschlungen hielten. Nur wenige Minuten verweilte Valravn so mit Jesse, ehe er, diesen an sich gedrückt haltend, sowie zeitgleich auch stützend, damit er seinen verletzten Fuß entlasten konnte, in Richtung Sofa begab, sowie ihn dort, auf dem trocken gebliebenen Eck, Platz nehmen ließ. Er tastete kurz über die Sitzfläche, die Lehne, bis er sein Bärenfell zu fassen bekam, dies war zum Glück verschont geblieben und somit trocken, daher legte er es Jesse auch sogleich um, damit sein Mann sich hineinkuscheln, sowie wärmen konnte in dem dicken Fell, welches Valravn durch viel harte Winter gebracht hatte. "Bleib sitzen und leg den Fuß hoch, du hast ihn schon zu sehr strapaziert."
Schlug Valravn andere Töne an als wenige Augenblicke zuvor, es kam wieder die liebevolle, sanft klingende, Fürsorge zum Vorschein, die ihn veranlasste sich zu erheben, sowie Jesse noch einmal zärtlich über das nasse Haupt zu streicheln, bevor er rasch im Schlafzimmer entschwand, wo er nebst frischer Kleidung, auch seine Tasche an sich nahm, weil Jesses Fuß endlich behandelt werden musste. Außerdem musste er den Kamin reinigen, sowie neu das Feuer entfachen, nicht nur um der Wärme wieder Einzug zu gewähren in den vier Wänden, sondern auch um Licht zu spenden.
Mit zügigen, zielstrebigen Schritten kehrte Valravn zurück zu seinem Mann, da er sich blind zurechtfand, legte er problemlos die Tasche auf dem niedrigen Couchtisch ab, die Kleidung, frische Unterhose, warme Socken und ein T-Shirt, sowie eine wärmende Strickjacke legte er Jesse auf den Schoß. Im Anschluss widmete er sich dem Kamin, dabei nahm er sich den, am Boden befindlichen, Eimer zur Hand und das Kehrblech, um die nasse Asche, sowie das verkohlte, unnütze Holz in den Eimer zu befördern, sowie Platz zu schaffen für neues Feuerholz.
Es dauerte vielleicht ein paar Minuten, bis Valravn, mit wenigen Handgriffen, wieder eine Glut entfachte, die erst zaghaft aufflammte, aber schon bald Besitz ergriff, von den neu eingelegten Holzscheiten, die gierig von der wachsenden Flamme verschlungen wurden. Endlich fiel wieder Licht in den Raum, verdrängte flackernd, mit tanzenden Flammen, einen Großteil der Dunkelheit im Bereich des Kamins und spendete zusätzlich wohlige Wärme. Rasch entschwand er, mitsamt der beiden Eimer, zurück in die Küche und wusch sich die Hände ausgiebig, schließlich hatte er zuvor mit Holz, sowie der Asche hantiert, er würde sich so gewiss nicht Jesses Fuß annehmen. Zu dem der Schwede, wenige Augenblicke später, wieder zurückkehrte und sich vor diesem, auf dem Sofa sitzend, hinab auf das linke Knie begab, wie damals, als er im nächsten Moment die kleine Schatulle gezückt hatte, nur um mit einem Ring, den Jesse endlich am Finger trug, um dessen Hand anzuhalten.
Einen zweiten Antrag hatte er demnach nicht zu befürchten, denn Valravn rückte etwas zur Seite, damit der Schein des Kaminfeuers, nicht von seinem Körper verdeckt wurde und er sich Jesses Fuß ansehen konnte, welchen er schließlich, an und auf sein Knie hob, so hatte er wenigstens ausreichend Licht, als auch Möglichkeit dessen Verletzung zu versorgen. "Ist dir langsam wieder wärmer, ich kann dir einen Tee aufsetzen, wenn du willst Liebling. Ich will schließlich nicht, dass du krank wirst."
Sagte er und griff zu seiner Tasche, diese an seine Seite herangezogen, holte er ein abgekochtes, so steril gemachtes Tuch, wie es eben möglich war unter den hiesigen Umständen, hervor, tränkte es mit dem, ebenfalls abgekochten, Wasser aus einer kleinen Flasche und säuberte, behutsam, doch relativ zügig Jesses verletzten Fuß, sowie die Schnittwunde.
Sich diese betrachtend seufzte er leise, daran trug er ausnahmsweise die Schuld, wenn auch unbewusst, aufgrund der Panikattacke aber es hätte schlimmer sein können, er musste nicht nähen, ein schützender Verband, sowie entsprechende Schonung, dürfte das Problem in absehbarer Zeit behoben haben.
Valravn nahm sich eine kleine Dose zur Hand, öffnete diese, nahm einen tiefen Atemzug und trug etwas von der Salbe, welche gänzlich auf natürlicher Kräuterbasis bestand, sowie ihm treue Dienste leistete in der Wildnis, auf Jesses Wunde auf, bevor er ihm einen entsprechenden, schützenden Verband anlegte. So sparsam und einsam wie er in der Wildnis war, besaß Valravn sogar noch eine ziemlich gute, sowie umfangreiche Auswahl an medizinischen Versorgungsmaterialien, als auch Medikamenten. So gerissen wie er ist, befand sich aber nur ein Teil davon im Haus, sowie in seiner Tasche, Valravn war viel zu vorsichtig, misstrauisch und sparsam als, dass er alles in Balar horten oder Preis geben würde.
Der alte Wolf traute letztendlich nun mal niemandem und hielt sich stets Hintertüren offen, es wäre dumm dies nicht zu tun, er hatte immer einen Plan im Hinterkopf. Nach Anlegen des Verbandes, verweilte Valravn sogar einen Moment lang, kniend vor dem Sofa und hob den Blick an, lenkte ihn Jesses Bein hinauf, bis rauf in dessen hübsches Gesicht, das er recht neutral in Augenschein nahm, weil er, wie so oft, einfach nicht durchblicken lassen wollte, was ihm durch den Kopf ging.
"Ich werde auf dem Sofa schlafen, ... falls es dir heute Nacht lieber sein sollte."



@Jesse Redford


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#42

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 07.02.2020 21:33
von Jesse Redford (gelöscht)
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Es war damals Vals Exfrau gewesen, die ihn vor dem Schweden gewarnt hatte. Bedelia, eine wirklich hübsche Frau mit einem eindeutig interessanten Gemüt und Charakter und ausserdem trug sie denselben Namen wie das beste Zuchpferd der Redfords, welches ein ganz lustiger Zufall war. Zumindest in Jesses Augen.
Nichtsdestotrotz war ihm die Frau nicht sonderlich sympathisch gewesen. Zugegeben, womöglich war er etwas voreingenommen gewesen, schliesslich war sie Vals Exfrau und die beiden hatten sich öfters gestritten, besonders als es schliesslich hässlich wurde, bezüglich des Sorgerechts der jüngeren Tochter.
Bedelia war eine der wenigen Menschen gewesen, welche erfahren hatte in was für einer Beziehung Val und er zueinander standen. Dass sie Partner waren und dass sie ihre Partnerschaft auf spezielle Art und Weise führten. Val und Jesse weihten sie ein, weil sie wussten, dass Bedelia dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen würde.
Sie hatte sich Jesse gegenüber besorgt geäussert, ihn angesprochen in einem kurzen Augenblick in dem Val ihn mit ihr alleine gelassen hatte. Sie hatte ihn vor Val gewarnt, dass er ein übler Mann sei und dass besitzergreifend nur eine milde Umschreibung für das Naturell ihres Exmannes war und dass da in Wahrheit einiges mehr dahinter steckte. Gar in Narzissmus gründete.
Jesse hatte damals nicht auf sie gehört. Hatte nicht auf sie hören wollen, obwohl er im Grunde bereits gewusst hatte, dass sie nicht unrecht hatte. Allerdings hatte er es sich nicht eingestanden, weil er Gefühle für diesen faszinierenden Mann hatte. An jenem Tag, als er Bedelia begegnet war, wurde ihm vollends klar, dass er sich niemals von Val trennen würde. Nichts würde sie trennen ausser der Tod. Val kriegte immer was er wollte und er selbst gehörte zu den Dingen, die der Schwede am meisten wollte.
Bedelias gut gemeinte Warnung kam viel zu spät. Zu diesem Zeitpunkt gab es für Jesse längst kein Zurück mehr. Und er hatte sein Schicksal akzeptiert, weil er den Mann liebte, dem er so demütig ergeben war.
Und dann kam die Trennung. Eine Trennung, die von keinem der beiden beabsichtigt war, einfach nur weil eine Gewalt zuschlug, grösser noch als Val selbst. Eine Naturgewalt, der selbst Val sich beugen musste.
Erst hatte Jesse sich ohnmächtig gefühlt ob der plötzlichen Einsamkeit. Gefangen mit zwei Schafen auf einem Boot, die er am Ende nicht einmal essen konnte, weil er sich nicht sicher war, ob was auch immer diese seltsame Krankheit war, ihn töten würde. Doch mit der Zeit hatte er gelernt selbstständig zu sein, ohne Val zurecht zu kommen. Er wusste nicht, ob sie einander je wieder sehen würden. Wider erwarten hatte er die Trennung von Val überlebt und letztlich zogen zehn lange Jahre ins Land und er begegnete ihm tatsächlich erneut. Das Schicksal, das sie unwiderruflich aneinander kettete, schlug erneut zu. Es war, als könnte er ihm einfach nicht entkommen. Er konnte und wollte es nicht. Als er seinen Mann in dieser Reitbahn entdeckte überwog die Freude. Er hatte seinen geliebten Mann wieder. Doch an dessen besitzergreifende Art musste er sich dennoch wieder gewöhnen. Jesse war aus dem alten Muster ausgebrochen, vor langer Zeit. Er war älter und reifer geworden, selbstständiger, hatte Entscheidungen getroffen. Zehn Jahre waren nicht spurlos an ihm vorbei gegangen und seine neu entdeckte Freiheit gipfelte in diesem Moment in der Dunkelheit in der er erneut realisierte, dass er entweder mit Val zusammen alt wurde und mit ihm sterben würde. Oder Val würde ihn frühzeitig töten und essen. So oder so, war es sein Mann, der entscheiden würde, wann, wie und wo er sterben würde. Das Schicksal hatte sie nach zehn Jahren wieder zusammengeführt. Es wollte es nicht anders.
Als Jesse seinen Kopf an Vals Schulter lehnte, wusste er, dass er sich erneut entschieden hatte, seine unmittelbare Freiheit aufzugeben, um sich von Val zu besserem leiten zu lassen. Er war kein Gefangener, nicht im Geringsten. Doch sein Mann war es, der ihm den Rahmen aufzeigte in dem sich seine Möglichkeiten bewegten. Und das war in Ordnung so.
Seine Finger krallten sich ein wenig in den Leinenstoff. Wenn Val nun zurücktrat und ihm die Nähe verweigerte, wusste er, würde er wohl in tausend Scherben zerspringen. Also bat er ihn auf schwedisch ihm zu verzeihen, machte seine Position wieder klar, gab sich hin und akzeptierte den Platz an den er gehörte. Schwedisch, weil er Val respektierte und es immer mehr bedeutete, wenn sie in dessen Muttersprache miteinander kommunizierten.
Kurz darauf fühlte er die starken Arme, die ihn umschlossen und sanft aber bestimmt gegen den warmen Körper drückten, welcher so viel Schutz versprach. Noch immer zitterte er vor Kälte, die ihn fest im Griff hielt. Die Wärme die ihm entgegen strahlte liess ihn ein klein wenig entspannen, seine Finger krallten sich fester in den Stoff.
Auf Vals Antwort hin seufzte er erleichtert auf. Ob er es ihm wirklich verzieh...? Er lehnte sich an ihn, hielt sich an ihm fest und liess sich, als Val sich mit ihm zusammen bewegte, von ihm leiten. Er selbst hatte längst die Orientierung verloren, weshalb er die Augen geschlossen liess. Val führte ihn sicher zum Sofa, zu dem Teil, der Trocken geblieben war. Jesse liess sich darauf nieder und kurz darauf spürte er das warme Bärenfell um seine Schultern, das er mit den Händen packte und um seine Brust zog. Es wärmte wirklich gut, weshalb sein Körper endlich damit aufhörte unkontrolliert zu zittern. Er war müde und erschöpft schon wieder von der ganzen Aufregung und dem bangen Gefühl, das Val in ihm ausgelöst hatte. Umso liebevoller kümmerte er sich nun wieder um ihn, jetzt da er wieder an seinem Platz war.
Jesse behielt die Augen geschlossen, bis Val zurückkehrte und ihm die Klamotten auf den Schoss legte. Er brauchte einiges an Überwindung das warme Bärenfell zurück zu streifen. Dann begann er die Klamotten abzutasten, bis er die Unterwäsche gefunden hatte. Das schaffte gerade noch so blind, während Val am Kamin hantierte und dafür sorgte, dass wieder Licht und Wärme in die Hütte zurückkehrte. Als er wieder etwas sah, streifte er sich das Shirt ebenfalls über und darüber die Strickjacke, ehe er das Bärenfell wieder über sich zog, um schön warm zu bleiben. Val ging vor ihm in die Knie und begann sich um den Fuss zu kümmern, der in der Zwischenzeit ein wenig geschwollen war von der Belastung auf den Schnitt. Es wäre wohl besser, wenn er sich die nächsten paar Tage nicht zu sehr belastete.
Val legte ihm den Verband an und fragte, ob er einen Tee wollte. Gut täte es ihm wohl, denn seine Haare waren noch immer komplett nass, teilweise lösten sich noch immer kleine Tropfen aus den dunklen Locken, die ihm an der Stirn und Schläfe klebten. Doch mit dem Feuer, den Klamotten und dem Bärenfell fühlte er sich allmählich wieder einigermassen wie ein anzunehmender Mensch.
"Danke aber ... du musst dir nicht die Mühe machen noch einen Tee zu kochen", sagte er zu ihm. "Mir gehts gut... Ich muss mich bloss aufwärmen..." Seine Beine und Füsse waren beide noch immer eisig kalt, so sehr, dass er bezweifelte, dass die heute noch einmal warm wurden. Sein Blick glitt zur nassen Seite des Sofas, der Pfütze auf dem Boden und den durchtränkten Fellen. Val hatte wirklich alles gegeben, um ihm diese Lektion zu erteilen.
"Du bist krank, du schläfst sicher nicht auf der nassen Couch", sagte er und löste eine Hand aus dem Bärenfell, um nach Vals zu greifen. "Ich fände es schön, wenn wir gemeinsam in einem Bett schlafen würden. Und wir das hinter uns lassen ..." Vielleicht war es viel verlangt, immerhin war alles davon irgendwie seine Schuld. Doch er wollte Val nicht aus dem Bett verbannen. Sie sollten Frieden schliessen und die gemeinsame Zeit miteinander einfach geniessen.
"Ich würde heute Nacht gerne bei dir sein... Ich war es viel zu lange nicht..."

@Valravn Vargström


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#43

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 08.02.2020 12:09
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Valravn war froh darüber, dass Jesse diese Lektion annahm, als auch zurückkehrte in seine Arme, gänzlich, nicht nur allein auf physischer Basis, sondern auch seinem Naturell entsprechend, gab er diese trügerische Freiheit wieder ab, überließ dem Schweden wieder vollends das Ruder und sein Mann würde es nicht bereuen. Das hatte er doch früher schon nicht und Valravn hegte nicht die Absicht ihn einzuschränken, er sorgte nur dafür, dass sein Mann sich entfalten konnte, unter den richtigen Rahmenbedingungen, dass er behütet, beschützt wurde von seinem Schweden, sodass nichts auf der Welt, seinem flatterhaften Geist, seinem mitunter sensiblen Wesen Schaden konnte. Jesse hatte schon immer etwas Zerbrechliches an sich, besaß zugleich aber auch eine immense Stärke, er war nicht schwach, obschon er ein sehr devotes Naturell hatte, konnte er sich behaupten aber anders als sein Mann, der Schwede, der immer schon ein kaltblütiges Raubtier war, erschien es fast schon zu einfach Jesses Herz zu erweichen. Er war fähig eine Bestie zu lieben, trotz des Wissens über dessen, mitunter sehr grausames, Naturell und Bedelia, Valravns Ex, hatte ihn damals zu warnen versucht, in dem Augenblick, wo der Wolf den Raum verlassen hatte, sie unter vier Augen sprechen konnten und die Schwedin, mit französischen Wurzeln, dem Dunkelhaarigen dazu anriet, lieber das Weite zu suchen, da ihr Ex-Mann gefährlich war. Auf eine Art und Weise, die ihr Angst machte und dabei war sie keine Frau gewesen, der man schnell Angst machen oder sie gar erschüttern konnte. Sie hatte nicht weniger Selbstbewusstsein und einen willensstarken Charakter wie Valravn, der damals, noch während dem Studium, die Blondine gesehen und für sich entschieden hatte, diese zu heiraten, ganz gleich was er dafür tun musste. Am Ende, hatte er bekommen, was er will, das tat er immer und hätte Bedelia nicht versucht, das Band zwischen ihm und seinen Töchtern zu lockern, zu trennen, nur weil er auf einem anderen Kontinent lebte, wäre ihr Leben vielleicht verschont geblieben.
Schon damals zeigte sich, endgültig, dass Jesse oder Bedelia, am Ende sich nur so lange ihres Lebens erfreuen konnten, bis der Schwede den Entschluss fasste es zu beenden. Bis zum letzten Atemzug behielt er die Kontrolle, etwas Anderes würde er schlichtweg nicht akzeptieren.
Anders als Jesse war sie nicht die Richtige am Ende gewesen, sie war unfähig mit seinen besitzergreifenden Zügen umzugehen, Valravn war, ab einem bestimmten Punkt, sogar sicher, es wäre ihr lieber gewesen, der Krebs hätte ihren, damaligen, Ehemann dahin gerafft aber selbst solch eine Krankheit schaffte es nicht, den Wolf, zu töten.
Er raffte sich immer wieder auf, stärker, zäher als zuvor und noch gefährlicher. Valravn lernte, lange, vor dem Ausbruch, bevor die Toten zu wandeln begannen, zu überleben, sich zum Raubtier empor zu heben, diese Welt zu beschreiten, als wäre er nur ein Gast, auf der Suche, welcher sich die Zeit vertrieb mit den dummen Schafen, solange bis das Schicksal ihm jemanden schickte, der auf einen Schlag alles veränderte.
Vielleicht war es Zufall, vielleicht Schicksal, dass Jesse ihm begegnete. Vielleicht war es der Versuch, des Universums, einen Ausgleich zu schaffen, indem es der Bestie jemanden vor die Füße warf, der fähig dazu war, dieses Monster zu besänftigen, gar zu zügeln, nicht immer aber des Öfteren, hatte Jesse ihn dazu gebracht, jemandes Leben zu verschonen, ganz gleich, ob Valravn ihm jedes Mal dann vorwarf .... ein zu weiches Herz zu haben.
Doch vielleicht war gerade Jesse sein perfektes Gegenstück, weil er Valravns Kaltblütigkeit, mit Mitgefühl aufwog, den Fokus seines Wolfes auf sich zu lenken vermochte, weg von der Beute, die somit die Chance erhielt, weiter dämlich blökend zu grasen. Sie beeinflussten einander, positiv, negativ, es lag im Auge des Betrachters, denn Jesse war selbst ein Wolf, sie waren ein tödliches Paar aber im Vergleich zu dem Schweden, war das Töten einer Person nicht zwingend die erste Option für ihn, wäre es, früher und vermutlich auch heute, nach diesem gegangen, hätte er wohl jeden ermordet den er nicht riechen kann. Jesse erkannte es an dessen Blick, dann lag es an ihm, seinen Wolf rasch dazu zu ermahnen, dass er nicht jeden umbringen konnte, wenngleich Valravn dann gerne widersprach, denn er konnte es schon aber es wäre wohl sehr auffällig, riskant.
In solchen Momenten war Jesse die Stimme der Vernunft, denn Valravn von einem Entschluss abzubringen war ein Kunststück, dass einzig sein Partner, mit viel Glück, vollbringen konnte, selbst wenn er nicht immer Erfolg hatte.
Zumindest das hatte er in den letzten zehn Jahren nicht verlernt, verloren, das Wissen darum, welche Signale er senden, welche Worte aussprechen musste, um die Bestie vor ihm, die er selbst erzürnt hatte, obschon er nach Außen hin nicht den Eindruck erweckte, wieder zu besänftigen.
Jesse krallte sich in sein Leinenhemd, wählte nicht nur die richtigen Worte, sondern auch Sprache, sodass Valravn ihn in die Arme schloss und den gesuchten Schutz, die ersehnte Wärme, darbot welche sein Liebster brauchte. Warum musste er erst zu solch Mitteln greifen, damit sein kleiner Dickkopf begriff, dass Valravn, nach wie vor, nur sein Bestes wollte aber es war ja nicht das Erste Mal und würde wohl auch nicht das letzte Mal sein.
So wunderbar sie auch harmonierten, sich glichen, waren die Unterschiede zwischen ihnen umso gravierender, da blieben Kollisionen ihrer starrsinnigen Charaktere nicht aus. Aber da musste jedes Paar durch, wichtig war am Ende nur, dass sie es vermochten, so etwas zu klären, sowie hinter sich lassen zu können, um weiter voran zu schreiten, gemeinsam.
Daher ließ Valravn das Thema nun auch ruhen, sorgte lieber dafür, dass sein Mann Platz nahm, sich aufwärmte und dazu eignete sich das Bärenfell ideal, ein bisschen ironisch, die Bestie, die den Wolf fast umgebracht hatte, deren Pelz hatte ihm letztendlich im Winter mehr als einmal das Leben gerettet und sorgte nun dafür, dass sein geliebter Mann, darin eingekuschelt, wieder warm wurde.
Als er das Kaminfeuer neu entfacht hatte, sowie darauf wartete, dass die Glut übersprang, zu einer tanzenden Flamme wurde, blickte er über die rechte Schulter zu Jesse hinter, sie sagten zunächst beide nichts, was völlig in Ordnung war und der Schwede sich auf andere Dinge konzentrieren konnte. Nebst dem Feuer, damit Licht als auch Wärme wieder Einzug hielt, widmete er sich auch dem verletzten Fuß von Jesse, dieser war leicht geschwollen, er würde darauf bestehen müssen, dass sein Mann sich vorerst schont. Gut, momentan hatten sie eh keine Kühe zu melken, ehrlich gesagt langweilte Valravn sich immens, das lahmende Fohlen befand sich auf dem Weg der Genesung, Matanus war kerngesund und einfach nicht Willens Winterschlaf zu halten und die anderen Tiere, sein Pferd eingeschlossen, erfreuten sich bester Gesundheit. In der Tat erfreulich, es hieß nur das Valravn absolut nichts zu tun hatte. Wäre Jesse nicht hier, er würde wohl durchdrehen.
Diesem legte er, sorgsam, präzise und mit ruhiger Hand, den Verband an, behielt dessen Fuß auch noch auf seinem Knie aufliegend, während er mit der Hand Jesses Schienbein hinauf glitt, die Finger schließlich hinter zu dessen Wade wandern ließ und sanft zugriff. Sein Bein war ganz kalt, vermutlich würde es ein Weilchen dauern und hätte er eine Wärmflasche hier, würde er sie für Jesse fertig machen, damit er wieder seine normale Betriebstemperatur erreichte, bedauerlicherweise konnte er so etwas aber nicht vorweisen. Als Jesse das Wort ergriff, sowie den Tee ablehnte, schwieg Valravn zunächst, nachdenklich betrachtete er seinen Mann, dabei fiel sein Fokus auf einen der Wassertropfen, der sich von dessen, noch immer nassem, Haar löste und sich den Weg, dessen Schläfe entlang, hinab bahnte.
Seine Aufmerksamkeit richtete sich jedoch rasch, aufgrund der aufkommenden Bewegung seines Mannes, ein Stück hinab, als sich unter dem Fell, dessen Hand hervorwagte um nach der Seinen zu greifen, sanft drückte er diese leicht, hob sie an und ließ es sich nicht nehmen, wie sonst auch, einen zarten Kuss auf Jesses Handrücken zu hauchen. Eine versöhnliche Geste seinerseits, die er Jesse als Antwort gab, anstelle von Worten.
Dann bliebe das Sofa verwaist, es war ihm auch lieber so, es war furchtbar unbequem, da er eine ganze Weile brauchte, bis er nicht mehr auf dem Boden der Hütte ruhte, mit Blick gen Tür gerichtet, sondern irgendwann, soweit er wieder etwas zivilisierter war, sich in ein Bett zu legen.
Valravn führte Jesses Hand an seinen Nacken, er sollte sich festhalten, denn laufen ließe er seinen Mann heute nicht mehr, sein Fuß musste sich schonen, er wurde schon zu sehr belastet, weswegen der Schwede den linken Arm unter Jesses Knie schob und den Anderen um dessen unteren Rücken schlang, sowie festhielt, bevor er sich, schnaufend, ruckartig mit seinem Mann aufrichtete, um ihn zu tragen. Das Kinn gereckt, fasste er noch mal richtig nach, behielt Jesse aber wie eine hübsche Prinzessin bei sich, er war nach wie vor nicht schwer aus Sicht des Schweden, der seinen Mann, wortwörtlich nun mal auf Händen trug, unter gewissen Umständen. Er sagte auch gar nichts, sondern trug Jesse um das Sofa herum, zurück ins Schlafzimmer, bis hin zum Bett, wo er seinen Mann auf dessen Seite absetzte, sowie noch einmal in die Hocke ging vor diesem, sowie nach Jesses Händen fasste, die er zärtlich in seine nahm. Erneut hob er sie an, hauchte, jeweils einen, liebevollen Kuss auf dessen Handrücken und einen Dritten, spürbar innigeren, auf den Ring an Jesses Finger, der dort verweilen sollte, hoffentlich aber bald ersetzt wurde durch einen anständigen Ehering, welchen Valravn ebenfalls zu tragen gedachte.
"Ich wechsel noch rasch das Laken auf meiner Seite und räume die Scherben weg."
Ließ er Jesse wissen, küsste erneut den Ring seines Verlobten und schaute dabei rauf zu diesem, diese Liebe, Besessenheit, Gier, nach diesem Mann war schlimmer als ein, alles verzehrendes Feuer, das seit ihrer ersten Begegnung in dem Schweden entfacht wurde und seither nie erloschen war. Schließlich entließ er Jesses Hände wieder, richtete sich auf, lehnte sich vor und küsste dessen Stirn, bevor er sich abwandte, um das Bett herum ging, sowie erst einmal das Laken, das auf seiner Seite völlig durchnässt war, aufgrund seines Schweißausbruches während er schlief, abzog. Er nutzte es gleich dazu, um darin die vereinzelten Scherben zu sammeln und halten zu können, ohne sich dabei versehentlich zu schneiden, lange brauchte er nicht und das Gröbste war beseitigt, daher brachte er das Laken, samt den Scherben, erst einmal rüber in die Küche. Morgen früh, wenn es wieder hell war, würde er sich in Ruhe darum kümmern, obschon es ihn wurmte, er am liebsten die ganze Hütte schrubben wollte, brächte es nicht sonderlich viel, allein schon, weil ihm manche Mittel fehlten. Kaum zu glauben, doch er vermisste manchmal, den beißenden chemischen Geruch, jener Mittel, mit denen er einen Tatort klinisch steril geputzt hatte, um ja keinerlei Spuren zu hinterlassen, wenn er allein oder mit Jesse zusammen, auf der Jagd gewesen ist.
Der Schwede wusch sich bei dieser Gelegenheit noch mal die Hände, blickte aus dem Küchenfenster hinaus, beobachtete ein wenig das Schneegestöber, die herum wirbelnden, gepeitschten Schneeflocken, die der eisige Wind vor sich hertrieb und heulte dabei, wie ein verwundetes Tier. Es vergingen nur ein paar Minuten ehe er sich abwandte, noch mal beim Kamin einen Holzscheit nachlegte und sich dann, zurück zu seinem Mann, ins Schlafzimmer begab, sowie sich auf seiner Seite auf die Matratze sinken ließ. Er würde morgen in Ruhe das Bett komplett frisch beziehen, doch selbst er hatte nun keine Lust, noch groß durch die Hütte zu wuseln, dafür war er tatsächlich zu erschöpft und bedurfte noch immer etwas Ruhe. Im Hinterkopf ging er noch mal die Hütte ab, alle Fenster waren verschlossen, die Haustür hatte er verriegelt belassen, aus Gründen.
Das Letzte, was er wollte war, falls Jesse doch etwas Schlaf finden sollte, dieser anfing herumzuwandern, anders als Valravn war Jesse Schlafwandler, das Letzte, was er wollte, gebrauchen konnte, war es, dass sein Mann bei einem Schneegestöber, nach draußen gelang und womöglich erfror, weil er es nicht mit bekam.
Was unwahrscheinlich, jedoch nicht gänzlich undenkbar, war, denn selbst Valravn bekam nicht immer alles mit oder sofort, nur rührte sein leichter Schlaf nicht daher, in freier Wildbahn gelebt zu haben die letzten zehn Jahre. Er kannte es nicht anders und als er mit Jesse eine Beziehung eingegangen war, sie das Bett teilten, war es sogar von Vorteil, dass Valravn eine Stecknadel fallen hörte, sowie prompt wach war. Es hatte schon seine Gründe, weswegen Valravn, stets, ein extrem wachsames Auge auf seinen Mann hatte und nicht immer, lag dies an seinen besitzergreifenden Zügen. Womöglich klang es etwas seltsam, doch Jesse war eben nicht nur Valravns Partner, Mann, Jagdgefährte und Schützling, sondern auch in gewisser Weise sein Patient, bis zu einem gewissen Grad. Er musste darauf schauen, besonders früher, dass dieser es mit den Schlaftabletten nicht übertrieb und dies blieb wohl auch jetzt noch ein Streitthema, denn Jesses Suchtpotenzial war nicht ungefährlich, für ihn selbst.
Außerdem war er hochintelligent, er kannte sich aus mit Medikamenten, deren Zusammensetzung, weswegen Valravn ihm bislang auch vorenthielt, noch im Besitz diverser Medikamente zu sein, denn das Letzte, was er wollte, war, dass sein Mann auf die Idee kam danach zu suchen und sich daran zu vergreifen. Er war aufgrund seiner Schlafstörungen einfach viel zu schnell dazu verleitet, sich etwas einzuwerfen, was seinen, stets rotierenden, Verstand ein bisschen zur Ruhe brachte.
Seufzend legte Valravn sich richtig hin, auf den Rücken dieses Mal, ganz gleich wie unangenehm es sich auf der vernarbten Haut auch anfühlen mochte, früher schlief er immer so, erst recht als Jesse das Bett mit ihm teilte, sowie sich gerne an den Schweden kuschelte, den Kopf auf dessen Brust bettete und so, ein ums andere Mal, ein bisschen Schlaf bekam. Sein Leinenhemd hatte er ja noch immer an, weshalb er schnaufend, den Oberkörper etwas aufrichtete, an den Stoff fasste und sich diesen über den Kopf zog, sowie notdürftig zusammen gefaltet, auf dem Nachttisch ablegte, welchen er vorhin auch wieder richtig hingestellt hatte.
Zurück in die Matratze sinkend, rieb er sich das müde Auge, drehte den Kopf zur Seite, blickte im Dunkel in Richtung Jesse und brummte lediglich leise auf, er wartete einen Moment bevor er seinen Mann, kurzerhand, zu sich, in seine Arme zog, sowie mit den Fingern durch dessen Haare fuhr.
"Versuch ein bisschen zu schlafen und ..vor allem den Fuß morgen zu schonen, Liebling. Hast du immer noch Eisbeine?"
Wollte er wissen, fasste nebenbei nach der Decke und warf diese über seine Beine, zog sie rauf bis zum Bauchnabel, da ihm selbst zu warm war im Moment, dafür Jesse aber ein gutes Wärmekissen sein dürfte. Den er natürlich bei sich haben wollte, schließlich hatte Jesse zuvor nicht ganz Unrecht, es waren zehn lange Jahre, die ihnen fehlten, kostbare Zeit, die sie nicht zurückholen konnten und daher jene, die ihnen blieb, lieber dafür nutzen sollten, sie zusammen so schön zu gestalten wie möglich.
Daher wollte Valravn auch seinen Mann bei sich haben, einfach im Arm halten, das Auge schließen und wie früher, gemeinsam mit ihm die Nacht verbringen, schließlich war es wahrlich ein aufreibender Abend gewesen, der weit mehr schlauchte, als ein Kampf mit Axt und Schwert.



@Jesse Redford


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#44

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 08.02.2020 22:05
von Jesse Redford (gelöscht)
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Die Kälte war ihm regelrecht unter die Haut gekrochen. Vor allem seine Beine fühlten sich noch immer so kalt an, dass es fast schmerzte. Immerhin war das Shirt eine absolute Wohltat, nebst dem Bärenfell natürlich, das ihn regelrecht aufwärmte. Nun da er das alles überstanden hatte und Val ihm nicht das Genick gebrochen hatte, fühlte er sich unheimlich schlapp und müde. Er hätte wohl auch direkt hier auf dem Sofa einschlafen können. Zumindest in diesem Augenblick. Wohlwissen, dass er, kaum würde er die Augen schliessen, nicht im geringsten würde schlafen können. Er machte sich schon auf eine schlaflose Nacht gefasst, weil sein Verstand das alles noch ein paar Mal umwälzen würde. Da war er sich absolut sicher.
Müde beobachtete Jesse, wie Val seinen Fuss verband und dabei akribisch vorging, wie man es von ihm gewohnt war. Normalerweise kümmerte er sich zwar eher um Tiere, doch was war er, wenn nicht ein Tier? Val war schon immer sehr sorgfältig gewesen, wenn es um das Verbinden von Wunden ging. Jesse vertraute ihm da komplett.. Er lehnte sich etwas zurück und kurz machten sie dann aus, dass sie beide in einem Bett schlafen würden. Jesse war froh drum. Er hoffte, dass das Thema damit nun gegessen war und sie einfach wieder so leben konnten wie früher. Mit ihren Ecken und Kanten aber auch den vielen schönen Seiten und den gemeinsamen Dingen, welche sie gerne gemeinsam unternahmen. Jesse wollte einfach nur Val zurück und den Rest seines Lebens mit ihm geniessen.
Er liess es zu, dass Val seinen Arm nahm und ihn sich um den Nacken legte. Jesse wusste schon, was er vorhatte, weshalb er sich bemühte sich möglichst an ihm festzuhalten und leicht zu machen. Val trug ihn schon immer gern auf Händen, doch nun war er auch keine zwanzig mehr, bestand aber ganz offensichtlich immer noch darauf, obwohl Jesse durchaus in der Lage gewesen wäre zu laufen. Oder zumindest von ihm gestützt zu humpeln. Allerdings beschwerte er sich nicht schon wieder, sondern liess seinen Mann einfach machen und sich durch das Wohnzimmer ins Schlafzimmer tragen.
Kurz darauf wurde er auch schon ins Bett gelegt und zugedeckt. "In Ordnung", antwortete er Val, als dieser beschloss die Unordnung zumindest grob noch aufzuräumen. Was durchaus sinnvoll war, nicht, dass er sich auch noch eine Scherbe eintrat. Währenddessen schloss Jesse schonmal die Augen und versuchte ein wenig runter zu kommen. Vor seinem geistigen Auge sah er nochmal die Szene von davor. War er dem Tod von der Schippe gesprungen? Und wenn ja, warum fürchtete er sich nicht? Hatte er sich wirklich schon damit abgefunden, dass er eines Tages durch Vals Hand sterben würden, genau gleich wie Bedelia es damals getan hatte...?
Jesse zog die Decke über sich, zog sie hoch bis über seine Schulter und drehte sich dann auf die Seite in Richtung der leeren Bettseite. Dort schlug er die Augen wieder auf und beobachtete Val, der alles zusammenräumte, um damit dann aus dem Zimmer zu verschwinden. Als er zurückkehrte, bezog er die Matratze auf seiner Seite neu und kurz darauf liess Val sich auf diese Seite sinken. Jesse atmete leise aus. Seine Haare waren immer noch nass und kühlten seinen Kopf. Gleichzeitig wurde das Kissen darunter feucht aber er war gerade einfach zu müde, um sich darum zu scheren.
Jesse musterte Val, wurde dann aber gleich zu ihm gezogen. Also bettete er seinen Kopf an dessen Brust. "Es geht.. Ich werd schon wieder warm...", murmelte er. Ja, ihm war immer noch kalt, doch die Laken und vor allem Vals Körperwärme würden ihm wohl ziemlich sicher helfen sich wieder aufzuwärmen. Spätestens morgen früh würde er wohl kaum noch frieren. Sofern er schlafen konnte, was er nach wie vor stark anzweifelte.
"Gute Nacht", wünschte er leise, als er die Augen schloss.
Vals Befürchtungen bezüglich seiner Schlafwandlerei waren nicht unbegründet. Schon als Kind neigte Jesse zu sehr ausgeprägtem Schlafwandeln, dessen Ursache nie so richtig gefunden werden konnte. Ein grosser Teil war wohl genetische Veranlagung, da seine beiden Eltern in ihrer Kindheit ebenfalls sehr häufig schlafwandelten. Allerdings vermuteten die Ärzte, als Jesse auch in seiner Jugend und dem frühen Erwachsenenalter nicht damit aufhörte, dass es womöglich mit den Schlafproblemen, die ihn quälten oder unter Umständen sogar mit seiner Hochbegabung zusammenhing. Es gab Phasen, da wandelte er kaum, manchmal über Monate hinweg vielleicht ein oder zwei Mal. Doch wenn er wieder wenig schlief oder sich psychischen Belastungen ausgesetzt sah, wurde es oftmals wieder schlimmer. Die Art seines Wandelns war ausserdem ausgesprochen vielfältig. Als er von dem Gestüt weggezogen war, in sein neues Haus in der Pampa hatte er nächtliche Spaziergänge unternommen. Manchmal nur für wenige Minuten, war ein paar Meter vor seinem Haus wieder aufgewacht. Manchmal war er aber auch fast eine Stunde unterwegs gewesen. Ab und an war er nicht einmal raus gegangen, sondern hatte damit angefangen seine Bücher neu zu sortieren oder gar auf seiner Geige zu spielen. Meistens erinnerte er sich am nächsten Morgen nicht mehr wirklich daran, was er getan hatte.
Sein Zustand wurde allerdings besser, als er sich in seine Wohnung zurückzog und die grösste psychische Belastung darin bestand regelmässig einkaufen gehen zu müssen. Dann kam Val und ... Val brachte ihm das Morden bei. Etwas, das sein Verstand wohl nie richtig verarbeiten konnte. In dieser Zeit wurde es wieder schlimmer, so schlimm, dass Jesse damit begann richtig komplexe Handlungen zu vollführen. Mehr als einmal war er mit dem Auto gefahren ohne es zu merken, nur um entweder im Graben zu landen oder irgendwann in Vals Wohnung zu stehen, wenn er Glück hatte.
Wenn er bei Val schlief, wandelte er auch ausgesprochen häufig. Nicht immer weit, zwischendurch auch mal einfach nur in die Küche, um sich im Schlaf den Bauch an den vorbereiteten Häppchen für die Dinnerparty des nächsten Abends vollzuschlagen. Es gab wohl nichts, das Jesse noch nicht im Schlaf getan hatte. Dabei hielten ihn verschlossene Fenster und Türen auch nur bedingt auf, es kam immer wieder vor, dass er nach ein paar Versuchen tatsächlich lernte den Schlüssel im Schloss zu drehen oder eine Verriegelung zu öffnen.
Auch hier in Balar hatte er die ersten Tage ausgiebig im Schlaf gewandelt, wenn er denn mal eingeschlafen war. Nach der ersten Woche war er im Pferdestall wieder aufgewacht. Was aber auch normal war, denn immer wenn er an fremden Orten schlief, fing er früher oder später wieder damit an. Nach dem eher psychisch belastenden Erlebnis heute Abend konnte es durchaus sein, dass er, sollte er einschlafen, zu wandern beginnen würde.
Der Einsatz von Schlaftabletten oder anderen Mitteln in diese Richtung minderte seine Aktivität tatsächlich. Ein weiterer Grund, weshalb er früher wirklich gern zu Medikamenten gegriffen hatte, um seine Schlafprobleme in den Griff zu kriegen. Selbst wenn es Val nicht wirklich gefiel und er ihm die Medikamente manchmal sogar verweigerte. Jesse fühlte sich einfach sicherer, wenn er durchschlafen konnte, ohne umher zu wandern. Nicht selten kam es vor, dass er sich auf seinen nächtlichen Touren irgendwie verletzte, weil er irgendwo drüber stolperte oder mit Gegenständen hantierte, mit denen man im Schlaf nicht hantieren sollte.
Einmal hätte er fast einen Spiegel zerschlagen, doch Val konnte das schlimmste verhindern, in dem er ihn noch rechtzeitig aufgeweckt hatte, sodass nichts weiter schlimmes passiert war.
Erschöpft, erledigt, zittrig von der Kälte und noch immer ziemlich aufgewühlt, schlief Jesse in dieser Nacht tatsächlich ein. Allerdings schlief er von Anfang an eher unruhig, nachdem er fast eine Stunde benötigt hatte, um überhaupt mal endlich in den Schlummer zu fallen, den er so herbeisehnte.
Nach etwa einer Stunde, in der er sich auch von Val weggedreht hatte, setzte er sich auf einmal tatsächlich auf. Er hatte die Augen geöffnet, schlug die Decke zurück und erhob sich. Dadurch, dass er schlief bemerkte er den Schmerz nicht, der sein Bein hoch kroch, als er den verletzten Fuss belastete. Langsam schob er einen Fuss vor den nächsten, bis zur Schlafzimmertür, welche er öffnete und die Tür aufschob. Man hätte meinen können, er müsse vielleicht zur Toilette oder wolle sich ein Glas WAsser holen. Nur reagierte er überhaupt nicht auf die Wunde, welche ihn eigentlich beeinträchtigen sollte.
In seinem wandelnden Schlaf ging er zum Wohnzimmer, wo er für einen Augenblick stehen blieb. Das Feuer war nahezu runtergebrannt, nur die helle Glut gab einen warmen Schimmer in den Wohnraum ab. Dann spazierte Jesse weiter, bis zur Haustür. Er drückte die Klinke runter, doch nichts geschah. Es war wohl sein Glück, dass er diese Verriegelung noch nicht bewusst geöffnet hatte, denn so blieb er einfach vor der Tür stehen und starrte sie mit leerem Blick an, ohne hinaus in das tobende Schneegestöber zu treten.

@Valravn Vargström


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#45

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 09.02.2020 14:19
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Jesse kannte doch seinen dickköpfigen Mann, sobald er sich etwas in den Kopf setzte, beharrte er darauf und tat es, manchmal entgegen jeglicher Vernunft, dennoch aber so lange er, körperlich als auch geistig, fit genug war, sah er nicht ein, etwas zu unterlassen, bloß weil es ihm, aufgrund des Alters, womöglich etwas schwerer fiel als in seinen Zwanzigern. Er liebte seinen Mann und so lange er noch dazu imstande war, diesen auf Händen zu tragen, wortwörtlich, gedachte der Schwede es auch zu tun, zumal er doch jetzt, wo er seinen Mann zurück hatte, ein bisschen üben musste, für später, wenn sie endlich Eheringe tragen würden. Darüber, ob sie, für sich selbst, eine kleine Zeremonie abhalten sollten, machte er sich momentan weniger Gedanken, obschon dies zumindest ein Thema war, dass Valravn mit großer Vorfreude erfüllte, selbst wenn man sie ihm nicht ansehen mochte.
Valravn konnte außerdem nicht auf seiner Haut, er war ein Gentleman, noch von der ganz alten Schule, weshalb er wohl, in vielerlei Hinsicht, sehr altmodisch, traditionell, gar konservativ erschien aber das war nur die halbe Wahrheit.
In Liebesdingen war er in erster Linie ein Romantiker, er zelebrierte die Liebe und alles, was mit dieser einherging.
Und sobald die Jahreszeit es wieder zuließe, würde er gewiss, mehr als einmal, so wie früher, seinen Mann mit ein paar hübschen Blumen überraschen.
Schließlich waren solch Gesten, aus seiner Sicht, nicht abhängig vom Geschlecht. Er hatte dieses Denken schon früher als idiotisch, gar störend empfunden. Ein Mann konnte sich, ob solch einer Geste, ja wohl genauso freuen dürfen, wie es eine Frau tat. Noch dämlicher fand der Schwede dieses Klischee, dass ein Partner, in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, eine gewisse Rolle einnahm. Ja, Valravn war der Dominante in ihrer Beziehung, das machte Jesse jedoch nicht automatisch zur "Frau" in dieser. Es gab bei ihnen nicht diese Rollenverteilung, obschon es Paare gab, die da durchaus gewisse Rollen auch nach Außen trugen, sowie in ihrem Auftreten, ihrer Kleidung verdeutlichten. Jedem wie es ihm beliebt, pflegte der Schwede da immer schon zu sagen. Bei ihm und Jesse gab es diese Schubladen, Rollenverteilungen, nicht. Nicht in dieser Form.
In ihrer Beziehung war Valravn, trotz seiner Art, seiner Präsenz, derjenige der kochte, der sich darum kümmerte, dass sein Mann versorgt war, gut gekleidet, sich benahm und gepflegt in Erscheinung trat.
Man könnte sagen, er verwöhnte ihn gar zu sehr, früher schon.
Es war aber auch nur wieder eine, von unzähligen, Facetten die ihre Beziehung gestaltete, ausmachte.
Wenngleich er Jesse auf Händen trug, so war dieser sein Mann, hätte er eine Frau an seiner Seite haben wollen, hätte der Schwede sich eine genommen. Anders als sein Partner, war Valravn schließlich beiden Geschlechtern zugetan, immerhin hatte er eine Frau geheiratet und Kinder mit ihr gezeugt.
Für ihn war das Buffet daher viel üppiger gedeckt, bot mehr Auswahl aber was interessierten ihn schon Häppchen, wenn er Hauptgang sowie Dessert auf einmal haben konnte?
Jesse war alles was er wollte, brauchte und für den er bereit war auch Alles zu tun.
Daher beeilte er sich womöglich auch ein bisschen, räumte nur grob auf, sodass er sich beizeiten zu seinem Mann ins Bett begeben konnte, den er selbstverständlich in seine Arme zog, obschon dessen nasses Haar, von dem etwas Wasser auf seine Brust tropfte, ihn kurz erschaudern ließ, aufgrund des Temperaturunterschiedes aber das war nicht weiter schlimm. Stattdessen zog er ihn dicht an sich, atmete tief durch und schloss das Auge. "God natt, älskling." Erwiderte er, gähnte und hielt sich, anständig wie er war, auch im Bett die Hand vor den Mund, während er mit der Anderen, Jesse ein wenig den Rücken streichelte bis er selbst wieder in einen leichten Schlaf fand.
Wie gesagt, leichten Schlaf, denn Valravn bekam es sehr wohl mit, als Jesse sich im Bett zu bewegen begann, sich gar entfernte und plötzlich die gewohnte Wärmequelle wich, unterbewusst hob er nur den Arm, rieb sich die Stirn, bevor er sich auf die Seite drehte, die Hand unters Kissen schob, in der Hoffnung doch noch den Tiefschlaf zu erreichen. Ziemlich vergebens, seine Wahrnehmung, sein Geist als auch sein Körper war auf das Überleben getrimmt, darauf bei dem kleinsten Geräusch, das eine Bedrohung darstellen könnte, zu reagieren, sowie ihn aus dem Halbschlaf zu reißen. Allerdings hatte Jesse sich im Schlaf nur weggedreht, erst einige Zeit später, als Valravn endlich abzudriften begann, kam wieder Bewegung auf, nur dass sich die Matratze zentrierter am Bettrand absenkte und danach wieder die gewohnte Höhe annahm, nachdem die Belastung geschwunden war.
Der Schwede brummte nur etwas ins Kissen, dennoch fokussierte sein Gehör sich auf die Geräusche, welche Jesse verursachte, das Schlurfen seiner Füße über die Felle am Boden, das Öffnen und Aufschieben der Schlafzimmertür. Vielleicht hatte er Durst oder musste mal zur Toilette.
Es dauerte, Valravn konnte, leise das Ächzen einiger Dielen hören, deren Position im wohlbekannt war, nämlich aus dem Bereich um die Haustür herum, schließlich fuhr er sich übers Gesicht mit der Hand, er war doch eh schon wach, weil er automatisch unruhiger wurde, sich auf die Geräusche fokussierte, kaum das Jesse einmal in Bewegung gewesen ist. Sein Mann war Schlafwandler, Valravn musste also immer damit rechnen, dass er anfing zu wandern, ja manchmal ließ er ihn bewusst herumlaufen, folgte ihm aus reiner Neugierde aber mehr als einmal, musste er auch eingreifen, seinen Mann gar wecken, weil er eine Gefahr für sich selbst darstellte. Als Valravn das Auge öffnete, war die Seite neben ihm verwaist, noch immer, müde drehte er sich auf den Rücken, setzte sich auf und schlug die Bettdecke zur Seite, schob die Beine über die Bettkante und erhob sich. Gähnend hob er die Hände, rieb sich übers Gesicht und setzte sich langsam in Bewegung. "Jesse?"
Brummte er aber erhielt keine Antwort, er verließ das Schlafzimmer, sein Blick fiel auf das Glimmen im Kamin, den er ansteuerte, sich neuerlich das müde Auge rieb, blinzelte und zwei Scheite griff, die er hinzulegte, damit die Glut wieder etwas zum Greifen, festhalten und fressen hatte. "Schatz?" Versuchte er es noch mal, etwas klarer, deutlicher aber nicht all zu laut, ihm steckte die Müdigkeit in den Knochen aber auch darauf reagierte sein Mann nicht, den er, als er sich vom Kamin abwandte und in Richtung Haustür blickte, davor stehen sah, wie bestellt und nicht abgeholt.
Einige Sekunden lang sah er nur zu diesem, seufzte leise auf und setzte sich in Bewegung, allerdings ließ er jene Dielen aus, die unter dem Gewicht einen knarzenden Laut von sich gegeben hätten, sein Mann schlafwandelte, wenn nicht zwingend nötig, sah Valravn in der Regel davon ab ihn behutsam zu wecken. Entweder wurde Jesse selbst wach oder es reichte aus, seinen Mann an die Hand zu nehmen, sowie langsam zurückzuführen, zum Bett, damit er sich wieder hinlegte, sowie weiter schlief. Valravn hatte Jesse damals sogar zu einem Bekannten geschleift, einem Neurologen, weil Schlafwandler im Erwachsenenalter sehr selten waren und er die Befürchtung hatte, dass sein Mann an einer Hirnerkrankung, vielleicht einer Form der Epilepsie litt.
Dabei konnte Schlafwandel verschiedene Ursachen haben, bei Jesse war die familiäre Vorbelastung bereits gegeben, dazu kam, dass er an sich introvertiert war, nicht gut mit Stresssituationen umgehen konnte, zumindest wenn diese länger andauerte als für seinen Verstand greifbar, erträglich ist, sein Mann war, rein psychisch betrachtet, nicht all zu belastbar. Genie und Wahnsinn liegen oftmals nah beieinander, diese Redewendung besaß durchaus ihre Berechtigung.
So bewandert der Schwede auch war, selbst er musste sich damals, eingehender mit der Thematik befassen, weil es Schlafwandler in seinem früheren Umfeld nicht gab, sein Wissen bezog sich auf das Übliche, was man so mit bekam, im Laufe der Zeit aber durch Jesse befasste er sich ausgiebig am Ende mit der Materie. Allen voran auch, um entsprechende Vorbereitungen zu treffen, das Haus zu sichern, wenn Jesse bei ihm schlief und wieder anfing zu wandern. Manchmal vergaß aber auch Valravn etwas und sei es nur, das liegen lassen seines Autoschlüssels oder dem von Jesse, der mehr als einmal seinen eigenen Wagen aber auch den seines Mannes in den Graben gefahren hatte. In solchen Augenblicken schimpfte Valravn sich selbst am meisten, vor allem zu Beginn, als ihm das Ausmaß von Jesses Schlafwandeln noch nicht bekannt war, er noch nicht wusste, welche Dinge er allesamt beachten musste, damit sein Mann, wenn er doch mal, von Valravn unbemerkt, herumwanderte, sich nicht dabei verletzte.
Er musste sogar den Inhalt seines Kühlschrankes ganz neu anordnen, denn in diesem Zustand aß Jesse alles, ob gekocht, roh, noch verpackt, es spielte keine Rolle, selbst die Seife im Bad, gewöhnte Valravn sich an, vor dem Schlafen gehen wegzupacken, bloß um zu vermeiden, dass Jesse des Nachts diese zu essen gedachte. Wobei, er dachte in diesem Zustand nicht wirklich, ein Teil seines Gehirns war wach, der Andere schlief. Seine Reaktionszeit war stark verzögert, er nahm Schmerz oder Temperaturunterschiede gar nicht mehr war und meist bewegte er sich einfach gerade aus, manchmal zu einer Lichtquelle hin.
Valravn konnte von Glück reden, dass Jesse dieses Umfeld noch nicht vertraut genug war, dass er den Schließmechanismus der Tür noch nicht, unzählige Male, betätigt hatte, um dies auch im Schlaf zu tun. Das Faszinierende, zugleich auch Problematische war, dass Jesse dazu lernte und sogar der Schwede fiel aus allen Wolken, als Jesse in dem Zustand einmal Geige spielte, in derselben Perfektion, wie er es im Wachzustand vermochte.
Im Moment jedoch stand sein Mann nur vor der verschlossenen Tür, daher näherte er sich ihm an, streckte die Hand aus und fasste, behutsam, nach der von Jesse, um diesen langsam, gar vorsichtig, dirigierend, wieder zurück zum Schlafzimmer, zum Bett zu führen ohne ihn wecken zu müssen. Wenn Jesse von sich aus aufwachte, war das eine Sache, wurde er jedoch herausgerissen, nicht einmal von Valravn selbst, sondern einem Geräusch, konnte es passieren, dass er sich nicht nur erschreckte, gar panisch reagierte, sondern die Gefahr bestand, dass er sich dabei noch selbst verletzte. Ebenso bestand die Gefahr, dass sein Mann, ob der plötzlichen Orientierungslosigkeit, sowie dem Schreck, nicht versuchte sich fluchtartig der Situation zu entziehen, sondern womöglich in den Angriff ging, weil er sich bedroht fühlte.
In den Jahren vor dem Ausbruch, in Alaska, hatten sie genug Zeit sich dahingehend anzupassen, Valravns Haus, als auch Jesses zuhause, entsprechend zu sichern, immerhin war der Schwede nicht immer zugegen und obwohl er damit lebte, dachte auch Jesse nicht immer an Alles. Die für ihn einfachste Methode waren Schlaftabletten, einer der größten Streitpunkte in ihrer Beziehung, zum einen verstand Valravn warum Jesse, sich derartig behalf, behelfen musste manchmal aber er war Arzt, er wusste um die Suchtgefahr und wollte Jesse nicht verlieren, weil er sich die Dinger reinzog, wie andere Leute früher Tic Tacs. Schließlich setzte er Jesse, ohne dessen Wissen, auch auf Entzug, mehr als einmal, oder verweigerte ihm Medikamente, ein Sedativum. Die Ausnahme machte der Schwede tatsächlich nur dann, wenn es Jesse wirklich sehr schlecht ging, wenn absolut nichts zu helfen schien, dann ließ er sich manchmal darauf ein, seinem Mann eine Schlaftablette zu reichen oder gar ihm eine kleine, harmlose, Dosis Sedativum zu verabreichen, lediglich zur Beruhigung, wie es man es unter anderem auch bei Angstpatienten tat.
Valravn hatte wahrlich einen anspruchsvollen, mitunter auch anstrengenden, Partner in sein Leben gelassen aber er liebte ihn, wäre er nicht willens, Jesse mit all seinen guten, wie auch schlechten Eigenschaften anzunehmen, hätte ihre Beziehung keinerlei Bestand gehabt oder gar eine Zukunft. Inzwischen wusste er auf wen er sich eingelassen hatte und Valravn war, damals wie heute, dazu imstande damit auch entsprechend umzugehen, wie gesagt, er war nicht nur Jesses Lebensgefährte, bester Freund, Liebhaber und Beschützer, er war in gewissen Punkten auch sein Arzt.
Der seinen Liebsten wieder zu Bett brachte, sowie abwartete, dass er sich, dort angekommen, einfach wieder hinsetzte, hinlegte und weiter schlief.



@Jesse Redford


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