Herzlich Willkommen

Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

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Herbst ... Gerade noch habt ihr euch in der Sonne gebräunt, schon fallen die ersten bunten Blätter. Tja, das Leben zieht viel zu schnell an uns vorbei. Es wird kühler, es regnet viel. Stürme dürfen auch nicht fehlen und die Vögel ziehen in den Süden. Bereitet euch auf den Winter vor, dieser kommt schneller als ihr denkt!

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Kolonien & deren Bewohner

----------------------- Aktuell: 90 Überlebende ----------------------- ---------------------- Cottage Sea: 21 Bewohner ---------------------- -------------------- Anarchy Riders: 25 Bewohner -------------------- ---------------------- Balar Island: 9 Bewohner ----------------------- -------------------- Krasnaya Luna: 10 Bewohner---------------------- ------------------------- Nomaden: 23 Bewohner -----------------------

Dringend gesucht

Walking Dead Charas: Ezekiel, Enid Taylor, Conni, Tara, Henry, Lydia, Eugene, Siddiq, Pamela Milton, Sebastian Milton, Mercer, Maxwell Hawkins Fear the Walking Dead Charas: Madison, Luciana, June, Daniel, Victor, Nick Auch viele Free Gesuche warten darauf, endlich in Empfang genommen zu werden. Auch ohne Serienwissen bist du bei uns gerne willkommen !!!

 

🍁 Der Herbst rückt immer näher. Blätter fallen, es wird kälter, Zeit um Vorräte zusammeln 🍁

An Aus


#1

Schlafbereich

in leerstehende Hütte 13.01.2020 22:54
von Valravn Vargström (gelöscht)
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#2

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 16.01.2020 23:16
von Jesse Redford (gelöscht)
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Als sich Val allmählich beruhigte, atmete auch Jesse leicht durch. Er hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass bereits seine erste Frage einen derartigen Aufruhr verursachen würde. Doch er nahm es Val nicht übel. Sie hatten ja Zeit einander näher zu bringen was in den letzten Jahren alles passiert war. Er hatte das Gefühl, Val hatte soeben das erste Mal richtig darüber sprechen können, also war es kein Wunder, dass er so zusammengebrochen war unter der Last der letzten Jahre.
Selbstverständlich verurteilte er ihn dafür nicht. Er war für ihn da, wie es sich für einen guten Ehemann nun mal gehörte. Selbst wenn sie sich nie offiziell verlobt hatten, weil er immer zu zögerlich war und deshalb seine Antwort bis zum heutigen Tage ausgeblieben war. Und nun war er sich nicht mehr sicher, ob er der Mann war, den Val sich verdient hatte.
Die Gefühle waren offensichtlich gegenseitig nach wie vor vorhanden. Zumindest spürte er wieder die Schmetterlinge im Bauch, dieselben wie damals, auch wenn sie bei ihm immer eher zurückhaltend gewesen waren, im Vergleich zu denen, die in Val herumschwirrten.
Val hatte sich auf ihn eingeschossen, noch bevor Jesse überhaupt daran gedacht hatte, dem etwas älteren Mann je näher zu kommen. Jesse war noch nie sonderlich sensibel Avancen seiner Person gegenüber gewesen. Ihn beschäftigte es schlichtweg nie, ob sich jemand für ihn interessierte. Sein Kopf war ständig auf andere Dinge fokussiert, weshalb man regelrecht mit der Tür ins Haus fallen musste, um an das scheue Genie heranzukommen. Val hatte es mit Bravour und vor allem sturer Hartnäckigkeit geschafft, zu Jesse durch zu dringen und ihn zur Kapitulation zu zwingen. Jesse hatte letztlich nachgegeben und sich auf den sturen Veterinär eingelassen. Was mitunter etwas vom Besten gewesen war, das er in seinem Leben getan hatte. Obwohl Val ihn immer und immer wieder über seine Grenzen hinaus gestossen hatte, ihn immer und immer wieder in Verlegenheit gebracht hatte. Val brachte deutlich mehr Erfahrung mit in die Beziehung, während Jesse in seinen Dreissigern noch immer ohne jegliche Erfahrung war.
Nun jedoch sah die Situation einfacher aus, als sie tatsächlich war. Val rechnete vermutlich damit, dass er einfach hier bleiben würde. Dass er die Probezeit überstand und sie hier ein neues Leben aufbauen und vielleicht sogar heiraten konnten. Flüchtig huschte sein Blick zu dem Ring, der noch immer in der Tischmitte lag, bevor er kurz aufseufzte.
„Nein, du trägst heute niemanden über die Türschwelle“, sagte er für seine Verhältnisse recht streng. Es schien aber, als wollte Val zumindest alleine ins Bett gehen. Gut, das sei ihm vergönnt. Dann würde er hier noch rasch aufräumen, bevor er sich zu ihm gesellen würde.
„Ich räume hier nur kurz auf. Dann komm ich gleich“, sagte er zu ihm. Noch einmal strich er Val über die Schulter, bevor dieser in Richtung Schlafzimmer ging. Jesse fuhr sich dann erst einmal tief atmend über den Hinterkopf. Das war nun wirklich anders gelaufen als geplant, doch das ... kam vor. Etwas überfordert ließ er den Blick über den Tisch gleiten, bevor er als erstes nach dem Ring griff und sich die Kette wieder über den Kopf streifte.
Dann hob er seinen Teller, warf einen Blick über seine Schulter und registrierte, dass Val im Schlafzimmer verschwunden war. Also griff er zum Löffel und schaufelte sich den Eintopf in etwas weniger gesitteter Manier noch rein, weil er wirklich unsäglich hungrig war. Doch das musste Val nun wirklich nicht zu Gesicht kriegen. Anschließend räumte er alles ab und brachte das Geschirr zu der Spüle. Vals ungegessene Portion schob er in den Topf zurück. In Zeiten wie diesen wurde nichts verschwendet. Schon gar nicht bei einem derartigen Blizzard, der gerade über sie hinweg fegte. Rasch säuberte er das Geschirr, damit es nicht dreckig herumstand, bevor er den Met kühl stellte, wofür das Wetter draußen Automatisch sorgte.
Im Anschluss legte er noch ein paar Scheite ins Feuer. Für ein paar Minuten beobachtete er die Flammen, ließ diesen sonderbaren Tag noch einmal Revue passieren. Er hatte nicht damit gerechnet Val noch einmal wieder zu treffen und nun waren sie sich heute einfach ohne es zu ahnen ineinander gelaufen... Zehn Jahre später... Und alles war so kompliziert. Dabei hatte er noch nicht einmal die Chance gehabt irgendetwas davon zu erzählen, was ihm widerfahren war. Und vor allem, dass er ... Ohne wirklich gute Absichten hier war. Nichts davon hatte er Val näher bringen können. Was vielleicht auch gar nicht so furchtbar schlecht war.
Mit einem Seufzen erhob er sich wieder und holte in der Küche dann zwei Tücher. Damit ging er nach draußen, wo er etwas Schnee in beide Tücher einwickelte. Danach schloss er die Tür wieder und begab sich dann endlich ins Schlafzimmer, wo sich Val auch bereits brav hingelegt hatte.
Jesse drückte die tür hinter sich leise zu, bevor er sich zum Bett begab und Val eines der mit Schnee gefüllten Tücher auf die Stirn bettete. Das Andere hatte er zum wechseln, falls sich das erste zu schnell aufheizte. Er legte es erst einmal auf die Matratze, bevor er damit begann sich sein Hemd aufzuknöpfen, bevor er es sich von den Schultern streifte und zusammenfaltete, um es dann auf eine kleine Kommode zu legen. Anschließend folgte seine Hose und seine Socken. Nur noch mit einer Unterhose bekleidet schlug er die Decke auf der anderen Seite des Bettes zurück und legte sich darunter, bevor er zu Val rückte.
„Hast du noch andere Anzeichen ausser erhöhte Temperatur...?“, fragte er ihn sanft.
Er hatte schon einmal jemanden an einer Lungenentzündung verloren, weil er unfähig gewesen war zu helfen. Bei Val würde er das verhindern. Komme was wollte.

@Valravn Vargström


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#3

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 17.01.2020 01:58
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Seufzend aber einverstanden nickte er, ob der strengen Tonlage seines Liebsten, so hatte der Abend wohl nicht ausklingen sollen aber ehrlich gesagt, hatte doch keiner von ihnen Beiden, auch nur im Ansatz geahnt, was Heute auf sie zukommen würde. Fakt jedoch war, nun wo Jesse hier war, wieder Teil seines Lebens, würde Valravn alles tun damit dies so blieb. Er konnte, würde und wollte nicht zulassen, dass er den Mann, den er liebte, noch einmal aus den Augen verlor. Hier in Balar konnten sie im Grunde noch mal von vorne anfangen, sollte es Jesse doch zu turbulent hier werden, könnten sie es wie Azra machen, indem sie außerhalb des Dorfes eine Hütte bauten, sowie aufs Neue, ihre eigene kleine Welt erschufen, in der Niemand sie störte. Selbst versorgen konnten sie sich und wäre etwas mit den Tieren, wäre der Weg nicht weit, man könnte sagen, dass es beinahe wie in Alaska, hoch oben im Norden wäre, nur etwas kleiner und mit echt schrägen Leuten, die jedoch mitunter ziemlich liebenswürdig sind.
So grimmig Valravn auch war, er mochte ein paar von ihnen bereits sehr gern und war sich sicher, dass die Leute sich schnell an Jesses eigenwillige Art gewöhnen würden, taten sie bei ihm doch auch.
Er konnte doch nicht ahnen, was wirklich hinter Jesses Ankunft in Balar steckte oder mit was sich sein Mann herumschlug, dort oben drin, in seinem Kopf.
Jedoch hatten sie alle Zeit der Welt, denn sein eigener Kopf wollte momentan nicht mehr, er kochte und als er die Türschwelle zum Schlafzimmer überschritt, fasste Valravn nach dem Türrahmen, hielt inne und brauchte einen Moment bis der aufgetretene Schwindel wieder schwand. Eigentlich müsste er den Tisch abräumen, oh wie sehr er es hasste, wenn Geschirr stehen blieb aber er musste dies, unter diesen Umständen, wohl Jesse überlassen, der nur zu gut wusste, was für ein Ordnungsfanatiker der Schwede ist. Er würde mitten in der Nacht aufstehen, nur um den Abwasch zu tätigen oder weil ihm eine kulinarische neue Kreation plötzlich in den Sinn kam, die ihm keinerlei Ruhe ließ. Solche Sprünge konnte oder sollte er für heute aber wohl ruhen lassen, zumal er das Gefühl hatte, Jesse brauchte ihn nur anpusten und er würde kommentarlos umkippen. Immerhin hörte er Bewegung im Wohnraum aufkommen, der Drang nachzusehen war da, doch stattdessen stieß Valravn sich vom Türrahmen ab, fasste an das verschwitzte, sowie kaputte, Hemd, dass er sich halb vom Leib gerissen hatte und zog es sich aus. Das konnte man flicken, aus dem Grund legte er es, trotz allem, recht ordentlich zusammen und auf der kleinen Kommode ab. Danach folgte der alte Gürtel der, kaum geöffnet und aus den Schlaufen gezogen, die Lederhose nicht mehr an Ort und Stelle hielt, er rollte ihn zusammen, während das gegerbte Leder recht locker auf seinen Hüften lag, sowie bloß einer Bewegung nach vorn gebeugt bedurfte, sodass diese ihm gänzlich in die Knie rutschte. Immerhin musste Valravn sich nicht extra bücken, sondern konnte einfach aus der Lederhose steigen, die wahrlich keine Maßanfertigung war, wie einst seine Anzughosen. Trotzdem konnte er diese ebenso wenig achtlos auf dem Boden belassen, weswegen er sich doch bückte und im selben Atemzug bereute, ihm wurde schwindelig, er kniff das Auge zu, weil ihm ganz schwummrig wurde, mit der freien Hand hielt er sich an der Ecke der Kommode fest.
Er atmete ruhig ein und wieder aus, inzwischen hatte er sich weitestgehend beruhigt, sodass es ihm ein wenig besser gelang als zuvor noch. Schließlich setzte er sich wieder in Bewegung, fischte mit den Fingerspitzen die Hose vom Boden und richtete sich langsam auf, ehe er diese zusammen gefaltet ebenfalls ablegte. Socken trug er nicht, also zumindest ungern daheim, wenn er wusste, er verließ das Haus nicht mehr aber er trat sie sich an dem Hirschfell ab, das am Fußende des Bettes auf dem Boden verweilte.
Früher Armani und Dolce, heute war es bloß eine verblasste, ausgeleierte Boxershorts die Valravn trug um nicht nackt durchs Haus laufen zu müssen, nicht dass er groß Probleme damit hätte aber bei so vielen Nachbarn, die neugierig vielleicht mal durchs Fenster lugten, ging er lieber auf Nummer sicher. Er brauchte dringend Vorhänge oder etwas in der Art für die Fenster, ein weiterer Punkt auf der Liste in seinem Kopf, von den Dingen, die er ändern, anbringen und verbessern wollte, um sich hier heimisch zu fühlen, sowie einen gehobenen Standard zu erreichen. Draußen mochte er rumlaufen wie ein Wikinger, kämpfen wie ein wildes Tier, falls nötig, doch wohnen wollte er schon mit Stil! Jetzt mehr denn je, wo Jesse, selbstverständlich mit ihm hier leben würde, nicht wahr?
Ehrlich gesagt stand diese Frage für ihn gar nicht im Raum, es war für ihn einfach Fakt, dass Jesse hier bliebe, bei ihm und sie endlich das umsetzten, wovon sie damals nur gesprochen hatten, in den Monaten vor dem Ausbruch, denn das ewige Hin und Her war keine Lösung auf Dauer gewesen.
Bevor Valravn ihm den Antrag machte, kam es natürlich zur Sprache endgültig zusammen zu ziehen, sie lebten über die Jahre ja schon die meiste Zeit zusammen, es wäre also kaum eine Umstellung gewesen, obgleich er am liebsten mit Jesse nach Schweden gezogen wäre. Zurück in die Heimat, von der er sicher war, dass Jesse sich dort wohlgefühlt hätte oder zumindest in Erwägung zog, vielleicht dort etwas Neues aufzubauen mit ihm.
Heimweh allein war auch nicht der Grund für Valravns Wunsch zurück nach Schweden zu gehen, in erster Linie lag es an seinen Töchtern, die er gern wieder näher bei sich gehabt hätte. Er hatte sogar ein altes Gestüt gefunden, das viel Arbeit mit sich gebracht hätte, doch vielleicht hätte es Jesse gefallen, dazu bewogen, Schweden, als neue Wahlheimat in Betracht zu ziehen. Was, außer dem Gestüt, das er verpachtet hatte, hielt ihn schon groß in Alaska?
Doch das stand nun nicht mehr zur Debatte, sofern sie kein flugfähiges kleines, einmotoriges Flugzeug fanden, bliebe die Rückkehr in seine Heimat ein unerfüllter Wunschtraum.
Zudem hieß es doch: Zuhause ist dort, wo dein Herz ist.
Dass Seine war nur einen Raum weiter, während Valravn die Decke bei Seite schlug und sich brav ins Bett begab, kaum dass er auf der Matratze saß, ächzte er leise und fuhr sich über den verspannten Nacken, anschließend nahm er das Lederband mit den Bärenkrallen, welches er sich über den Kopf zog und auf dem kleinen Nachttisch neben dem Bett ablegte. Er wischte sich über die Stirn, in der Tat, er war unnormal heiß und ein leichter Schweißfilm benetzte seine Fingerkuppen als er auf diese hinab blickte, automatisch rieb er sich den Hals, sowie das Brustbein, versuchte aber an etwas anderes zu denken als Symptome.
Letztendlich legte er sich gänzlich ins Bett, auf den geschundenen Rücken, was manchmal mehr, manchmal weniger unangenehm war aber er schlief früher schon bevorzugt so, die Decke griff er zwar, doch aufgrund der Hitze, die sein Körper abstrahlte, warf er sie sich nur lieblos über. Wo er diese, einen Atemzug später, doch wieder zur Seite schlug sowie den Kopf in das Kissen drückte, am liebsten würde er sich in den Schnee draußen werfen aber da könnte er genauso gut in sein Schwert springen.
Müde hob er die Hand, um sich die Nasenwurzel zu massieren, anschließend presste er Zeige- und Mittelfinger beider Hände an seine Schläfen, sein Schädel pochte, weshalb er zumindest versuchte sich Linderungen zu verschaffen, indem er massierend dagegen vorging. Mehr schlecht als Recht.
Während er gefühlt hundert Jahre brauchte, um es ins Bett zu schaffen, schien Jesse wohl allein den Haushalt zu schmeißen. Zumindest dauerte es ein Weilchen, bis dieser in der Tür zum Schlafzimmer stand, prompt öffnete der Schwede das Auge wieder, welches er nur kurz ausruhen lassen wollte, um Jesse betrachten zu können. Er hatte etwas bei sich, was Valravn aufgrund der Lichtverhältnisse sowie Erschöpfung, nicht mehr recht erkennen konnte aber die Frage beantwortete sich von selbst, als die eisige, wohltuende Kälte plötzlich auf seiner Stirn auflag. Da entwich dem Schweden unverblümt ein Stöhnen voller Erleichterung, das tat unbeschreiblich gut. "Danke." War ja wohl das Mindestes, was er seinem Liebsten sagen konnte, der sich gedachte zu entkleiden und Valravn, wäre nicht er selbst, wenn er nicht mit Argusauge dabei zusehen würde. Er fasste an das Tuch mit dem Schnee, presste es gegen seine Stirn und hinderte es daran, runter zu fallen, als er den Kopf ein kleines Stück abhob, nur damit er einen besseren Blick hatte auf Jesse.
Dem nach all den Jahren, noch immer nicht wirklich bewusst war, wie unfassbar attraktiv und ästhetisch er aussah, richtig? Kein Wunder, dass die Temperatur des Schweden in dem Moment eher stieg, als zu sinken, wenn sich nach zehn langen Jahren, dieses Meisterwerk auf zwei Beinen ungeniert vor ihm auszog. Sein aufmerksamer Blick lag ungeniert auf Jesse, der sich erst des Hemdes entledigte und Valravn sich mit der anderen Hand über den Mund fuhr, bevor ihm wirklich noch ein verräterischer Laut entschlüpfte. Es war fast schon unfair, dass Jesse in den zehn Jahren, keine offensichtlichen Spuren davon getragen hatte und lediglich gereift war, wie ein guter Wein. Er hatte noch immer diesen schlanken, athletischen Körperbau, fein definierte Muskeln und der Schwede biss sich fest auf die Unterlippe, als sein Blick genüsslich Jesses Bewegungen folgte als er sich seiner Hose entledigte.
Welch süße Qual und Verlockung gleichermaßen, da zog es doch glatt in seinen Lenden, er war vielleicht keine zwanzig mehr aber tot war der Schwede auch noch nicht.
"Wärst du mir böse, wenn ich dich ein klein wenig dafür hasse, dass du sogar noch anziehender geworden bist über die Jahre?"
Raunte seine kratzige Stimme vom Bett aus durch den Raum, für einige Sekunden haftete sein Blick auf Jesses, wohlgeformten Hintern und er konnte nicht anders, als schwer atmend sich die Lippen zu lecken. Das war als würde man einem ausgehungerten Wolf, ein saftiges Steak vor die Nase halten, dass er aber nicht fressen, geschweige denn anlecken durfte! Hätte er nicht Sorge, sofort wieder zurück ins Bett zu fallen, sobald er ruckartig aufstand, hätte er sich längst an Jesse herangeschlichen.
So blieb ihm aber nichts weiter übrig als die, ihm gebotene, Aussicht zu genießen, welche sich auf zwei Beinen zu ihm ins Bett gesellte. Aus Gewohnheit lag er immer Rechts im Bett, nun natürlich etwas ärgerlich, denn er musste den Kopf auf die linke Seite drehen, damit er seinen Liebsten anschauen kann, dessen Anblick ihm ein müdes aber glückliches Lächeln auf die Lippen zauberte.
"Ein bisschen Schwindel, ansonsten bin ich einfach nur... müde."
Er drehte sich auf die Seite, winkelte den linken Arm an und schob ihn unter das Kopfkissen, so verschob sich zwar etwas der kühlende Umschlag auf seiner Stirn, doch er konnte Jesse so wenigstens direkt ansehen, sowie die rechte Hand heben, welche er nach dessen Gesicht ausstreckte, wo er ihm eine seiner dunklen Locken, die ihm, wie so oft, ins Gesicht fielen, zurückschob.
"Und doch will ich nicht schlafen, geschweige denn das Auge schließen, .....weil ich befürchte, dass wenn ich später aufwache, der heutige Tag nichts weiter war als ein Fiebertraum." Seine angeschlagene Stimme, überstieg die Lautstärke eines Flüsterns nicht, doch es war so friedlich, so still, dass es auch nicht notwendig war lauter zu sprechen. Mit den Fingerspitzen wanderte er behutsam, als könne Jesse unter seinen Berührungen, wie Glas, einfach zerspringen, seinen Wangenknochen entlang und glitt langsam hinab bis zur Kontur seines Kiefers, dessen Verlauf er vor bis zum Kinn zärtlich folgte. Natürlich blieb sein Auge einen Moment lang an dem Ring hängen, welchen Jesse wieder um den Hals trug und ihm gut zu Gesicht stand, obgleich Valravn diesen lieber an dessen Finger sehen würde. "Wie lange bist du schon hier und...wie bist du in Balar gelandet?"
Valravn stand nicht der Sinn nach Machtspielchen, wie zu Tisch vorhin, er wollte einfach nur ein paar Antworten und Klarheit, in Erfahrung bringen, was Jesse so weit rauf in die Berge verschlagen hat, das Dorf war schließlich nicht leicht zu finden. Mehr noch, wie lange war er schon hier, wie viele Tage atmeten sie dieselbe Luft, bewegten sich unter denselben Leuten und verpassten einander stetig bis auf Heute? "....dich beschäftigt etwas, das sehe ich dir an der Nasenspitze an Jesse und du weißt das."
Er fasste nach dem Ring um Jesses Hals, er wollte nur mit dem Daumen über das kalte Metall streichen aber sein Blick blieb an Jesses Augen hängen, während er dies tat. "Was lässt dir keine Ruhe? Wieso weichst du ständig meinem Blick aus und bist so angespannt, wie ein Tier in der Falle, dass weiß, dass es kein Entkommen gibt. Ich mag nur noch ein Auge haben my Love, doch blind bin ich noch lange nicht." Valravn wusste das irgendwas nicht stimmt oder er hatte es zumindest im Gefühl, es war nicht die Dekade, die sie voneinander getrennt hatte, weshalb er so ausweichend reagierte. Das deckte sich einfach nicht damit, das Jesse sich überwinden konnte, in aller Öffentlichkeit Valravn um den Hals zu fallen, als sie sich begegnet sind. Ein Sprung zurück wäre da logischer gewesen, wenn es an ihrer Zusammenkunft lag.
Trotz des Kratzens im Hals, klang der Schwede ruhig, fast schon monoton und ließ sich auch nicht ablenken von Jesses verlockend süßen Lippen, die er natürlich lieber küssen würde, doch im Moment taugte er wohl kaum als Liebhaber, wenn er mit Fieber im Bett lag. "Ich würde dir wieder und wieder, dieselbe Frage, wie damals stellen, Jesse Charles Montgomery Redford, ...ob du mich heiraten willst, weil ich noch immer, in guten, wie auch in schlechten Zeiten, die Jahre, die uns vergönnt sein mögen, an deiner Seite sein will. Ja, ich habe Dinge getan, die.. nicht richtig aber notwendig waren, doch ich habe auch nie behauptet ein Heiliger zu sein. Was ich da draußen tat, tat ich um zu überleben ....aber so wild, vernarbt ich inzwischen auch aussehen mag, meine Absichten dir gegenüber sind immer noch dieselben. ...Ich liebe dich, mehr als alles Andere auf dieser Welt, ... ich werde kämpfen wie ein Wolf, selbst wenn meine Krallen und Zähne langsam abstumpfen, ..um dich zu beschützen. Selbst wenn du mich nicht mehr willst, wie früher, ...gebe ich dich nicht auf, ...ich habe dein Herz einmal erobert, ich bin sicher, es würde mir erneut gelingen ...wenn du mir die Chance gibst. Du bist Alles, was ich habe, ...alles was ich will..und brauche... Also..du kannst mir das Herz brechen, ..du kannst mir auch das andere Auge ausstechen, ....nur ..lüg mich nicht an."
Machte Valravn deutlich als seine Finger sich an Jesses Kinn legten, es war kein fester Griff, nichts Bestimmendes lag dahinter und auch seine Stimme blieb monoton, ruhig, leise, einzig sein Blick gewann etwas an Strenge dazu, denn früher gab es keine Geheimnisse zwischen ihnen und Jesse sollte nicht damit anfangen.


@Jesse Redford


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#4

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 17.01.2020 09:33
von Jesse Redford (gelöscht)
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Als Jesse sich entkleidete dachte er sich wirklich nicht viel dabei. In den letzten zehn Jahren hatte er es immer so gemacht. Oftmals hatte er ein normales Shirt zwar anbehalten, doch heute trug er ein Hemd und die waren im Bett mehr als unbequem. Weil er bei Val nächtigen würde, hatte er seine wenige Wäsche zum wechseln ja auch gar nicht dabei.
Doch ein Blick in Vals Richtung genügte, um zu wissen, dass er das gar nicht schlimm fand. Beinahe zehn Jahre trennte sie beide auseinander. Er war nun selbst ein wenig älter als Val damals gewesen war, als sie sich kennengelernt hatten. Und schon damals war Val definitiv der ungestümere von ihnen gewesen.
Jesse hatte bis zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens kein Interesse an Frauen gezeigt und sich auch selbst nicht mehr mit seiner Sexualität auseinandergesetzt als er für nötig empfand. Es war ohnehin ein Tabuthema in ihrer Familie gewesen, im privaten Unterricht hatten seine Eltern tunlichst vermieden, dass er über mehr als die normale Reproduktion der Menschen aufgeklärt wurde. Er wusste wie Kinder gezeugt wurden, mehr war erst einmal nicht wichtig. Natürlich kriegte er im laufe seines Lebens zwangsläufig Dinge mit, unter anderem, weil sein eigener Körper schliesslich auch erwachsen wurde und auch er bloß ein Sklave seiner Hormone war. Allerdings kümmerte er sich nie so exzessiv darum, wie andere Männer das vielleicht taten und das selbst, obwohl trotz seiner etwas verschrobenen Art durchaus die Chance auf Partnerinnen gehabt hätte. Alleine auf dem Gestüt seiner Eltern gingen einige Frauen ein und aus, welche ihre Pferde in dem Stall untergestellt hatten und manch eine davon hätte sich den jungen Reiter gern geschnappt. Jedoch erfolglos. Zu diesem Zeitpunkt wusste Jesse bereits, dass ein ein attraktives männliches Gesicht oder vielleicht auch ein wohlgeformter Männerhintern eher seine Aufmerksamkeit erregte als das weibliche Pendant dazu. Doch, um dahingehend irgendwie weiter nachzuforschen woran das liegen könnte, hätte er sich eingestehen müssen, dass er womöglich Homosexuell war und das passte einfach nicht in die eigenen Vorstellungen seines selbst. Entsprechend verschob er die Thematik auf später. Avancen von Männern versuchte er weitestgehend zu ignorieren oder wann immer möglich höflich abzulehnen. Wobei letzteres eher seltener Erfolg erzielte, weil die meisten Männer deutlich dominanter auf den Plan traten als er.
Zwar hatte Jesse schon immer seine bissigen und bockigen Seiten gehabt, die er einem besonders hartnäckigen Individuum auch aufzeigte, doch wenn auch das ohne Erfolg war, so floh er vor diesen früher oder später einfach, weil er sich wirklich nicht damit auseinandersetzen wollte. Bis zum Zeitpunkt, als er Val kennenlernte, hatte noch kein Mann genug Durchhaltevermögen bewiesen, um sein Herz erfolgreich zu erobern. Dann trat Val auf den Plan. Ein ausserordentlicher Mann, welcher nicht ein, oder zwei Jahre älter war, wie die üblichen Kandidaten, sondern ganze acht. Er hatte bereits eine Familie gegründet, sich ein Leben aufgebaut und wie Jesse später erfahren sollte, selbst einer schwerwiegenden Krankheit die Stirn geboten. Und dieser Mann war so hartnäckig, anfangs war es beinahe lästig. Die ersten Annäherungsversuche waren subtil, kaum als solche zu erkennen. Zumindest nicht für Jesse, der in dieser Hinsicht ohnehin Scheuklappen trug und alles in diese Richtung gehende gekonnt ausblendete. Doch Val gab nicht auf, im Gegenteil. Er kreiste ihn ein, langsam mit gezielten Schritten. Umgarnte sein Herz mit einer beinahe beängstigenden Entschlossenheit.
Val sagte ihm unverblümt wie attraktiv und ästhetisch er seinen Körper fand. Wie gerne er ihm zusah bei was auch immer er gerade tat. Wie angenehm er roch.
Schließlich kapitulierte er, gab seine zuweilen vehemente innere Gegenwehr auf. Doch nicht aus Erschöpfung, sondern weil der Schwede es irgendwie geschafft hatte seine Neugierde zu wecken. Wie ein scheues, wildes Pferd, das zum ersten Mal die Ohren in Richtung des Menschen drehte, der versuchte sein Vertrauen zu gewinnen und vielleicht auch die ersten zögerlichen Schritte in dessen Richtung ging, öffnete auch Jesse seine Gedanken allmählich für die Idee, dass er zulassen konnte, was Val ihm mit zärtlicher Beharrlichkeit näher bringen wollte.
Noch immer etwas skeptisch und scheu, begann er sich auf die Avancen einzulassen. Er gab das Tempo vor, während Val dies grösstenteils akzeptierte. Nur hin und wieder verpasste er ihm einen leichten Schubs nach vorn, wenn er sich sicher war, dass er dazu bereit war.
Man begann sich öfters zu sehen, was Val öfters die Gelegenheit gab Jesse gewollt oder ungewollt in Verlegenheit zu bringen. Jesse gewöhnte sich an die Blicke des Älteren, wann immer er sich aus welchen Gründen auch immer um- oder anzog. Val machte klar, dass er ihn nicht nur auf intellektueller, sondern ebenso auf körperlicher Ebene begehrte. Anfangs waren ihm diese Blicke unangenehm gewesen, er wusste nicht wie er damit umgehen sollte. Doch mit der Zeit gewöhnte er sich daran. Als sie sich schliesslich auch auf diese Weise näher kamen, begann Jesse sogar, die Blicke, die nur ihm galten zu geniessen.
So wie er eben jetzt, eine Dekade später hier stand. Er begegnete Vals Blick, erkannte sofort, dass er unter anderen Umständen wohl intensiver darauf reagiert hätte. Jesse dachte selten über die Wirkung seines Äusseren auf andere Menschen nach. Ausser es war Val.
Als er sich das Hemd von den Schultern streifte, erkannte er, dass sich eines in den zehn Jahren offensichtlich nicht geändert hatte. Val begehrte ihn wie am ersten Tag. Ein Begehren, das er mittlerweile erwiderte, wenn auch nicht ganz so ausdrucksstark wie sein Liebster. Dafür war er schlicht nicht mutig genug.
Auf Vals Kommentar bezüglich seines Äusseren, hob Jesse ein wenig den Mundwinkel. Wenn Val noch solche Aussagen treffen konnte, lag er zumindest nicht auf der Schwelle des Todes.
Er warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, ehe er unter die Decke schlüpfte. „Ich könnte dir niemals dafür böse sein“, antwortete er ihm mit dem Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht. Dann schaute er kurz an sich runter. Ja, mittlerweile sah er wieder ganz in Ordnung aus, seit er wieder Gewicht zugelegt hatte.
„Es gab Monate, da sah ich schrecklich aus“, gestand er ihm. „Und nicht nur, weil sich meine Augenringe permanent auf meinem Gesicht verewigt hatten...“ Er war beinahe den Hunger- und Kältetod gestorben, vor ungefähr einem Jahr. Doch das war eine Geschichte für ein anderes Mal...
Kurz seufzte er auf, als Val die Hand nach ihm ausstreckte. Sie lagen nah genug beieinander, dass er das ohne weitere Probleme tun konnte. Er genoss die sanften Berührungen. Er selbst winkelte den Arm an, legte ihn aufs Kissen und bettete seinen Kopf darauf, während er sein Gegenüber musterte. Das silberne Haar stand seinem Mann auf jeden Fall ganz gut. Es tat seiner Ästhetik absolut keinen Abbruch. Im Gegenteil, er genoss diese Reife, die Val ausstrahlte.
„Ich bin kein Traum, Val...“, sagte er dabei leise. Kurz legte er seine Hand auf die von Val, strich über den Handrücken zum Handgelenk, bevor er seine Hand wieder sinken ließ.
„Ich ... Es müsste jetzt ungefähr zwei Woche her sein. Grob geschätzt, vielleicht ein, zwei Tage länger. Ich kam an, kurz bevor es so richtig zu schneien begann...“
Er stockte und zögerte, als Val nach dem Ring griff, den er nach wie vor nicht wie gewünscht an der linken Hand trug. Doch nicht etwa, weil er an Val als Ehemann, sondern viel mehr an sich selber zweifelte.
Mit seinen nächsten Worten machte Val klar, was er zuvor nicht ausgesprochen hatte. Er wusste, dass er etwas verheimlichte. Etwas Gravierendes.
Jesse senkte automatisch den Blick, als Val eben diesen Umstand ansprach. Das Flattern seiner Augen, wenn er den Blick abwandte, weil er nicht zu dem stehen konnte, was seine Gedanken ihm sagten.
Hätte Val ihn angebrüllt oder mit eisernen Strenge nach der Wahrheit verlangt, hätte Jesse seine Mauer bauen und ihn ausschliessen können. Sich abwenden und einfach nicht darüber reden. Doch die leise, fast verzweifelte Bitte ihn nicht anzulügen, unterstrichen mit der leicht zunehmenden Strenge in Vals Blick, ließ sein Herz schrumpfen. Er spürte die Finger an seinem Kinn, welche es gar nicht nötig hatten fest zu greifen. Val konnte seinen Standpunkt auch auf andere Weise klar machen. Konnte er schon immer sehr gut.
Jesse schaute ihn einen Moment lang schweigend an, bevor er sich langsam auf den Rücken drehte und sich damit auch aus dem sanften Griff befreite. Er schaute an die Decke, wo sich das Schattenspiel des flackernden Licht der Öllampen zeigte. Wenn er es Val verriet, war womöglich alles vorbei. Doch er wusste, er konnte unmöglich ein Geheimnis vor seinem Mann wahren. Kein derart Schwerwiegendes. Früher oder später würde er unter dem strengen Blick seines Angebeteten brechen und wenn nicht darunter, dann unter der Enttäuschung, die Val zum Ausdruck bringen würde. Jesse hasste es andere Menschen zu enttäuschen und doch hatte er gefühlt sein ganzes Leben lang nichts anderes getan. Er hatte den Geigenunterricht abgebrochen, weil er es nicht schaffte vor Publikum zu spielen, er hatte die Hofreitschule abgebrochen, weil er sich nicht genug gefördert gefühlt hatte, er hatte das Medizinstudium abgebrochen, um seiner Mutter auf dem Gestüt zu helfen, er hatte das Gestüt verpachtet statt es im Namen seiner Familie weiter zu bewirtschaften, wie seine Eltern es sich gewünscht hatten und letztlich hatte er Romane geschrieben, welche aus seiner Sicht nur Val hatten zu begeistern vermögen. Er war eine einzige Enttäuschung und das trotz seines herausragenden Intellekts. Er war an jeglichen Erwartungen als Wunderkind, als Genie gescheitert. Und nun scheiterte er auch noch als Ehemann, der er letztlich nie wirklich gewesen war.
„Wie du habe ich einige schreckliche Dinge getan, um zu überleben“, begann er leise, mit belegter Stimme, den Blick noch immer gen Decke gerichtet. „Was genau... Tut nicht wirklich etwas zur Sache. Das Übliche. Ich tat eben, was das Leben forderte, um irgendwie weiter am Leben zu bleiben...“ Kurz schluckte er und griff nach dem Ring, der schräg auf seiner Brust lag. Ähnlich wie seine beste Freundin Minerva tat er das, wenn er Halt brauchte. Halt den er normalerweise bei seinem Mann gesucht hätte. Doch genau der konnte ihm auch jetzt, trotz seiner Anwesenheit nicht geben was er brauchte. Weil es sich anfühlte, als würde er ihn verraten. Hier in diesem Augenblick.
„Wir fanden eine Kolonie. Eine große, reiche Kolonie, reicher als Balar. Sie hatten Vieh, Felder, Waffen, Alkohol ... Es war ein Paradies. Man konnte mit ihnen handeln, wenn man wollte und das nötige Zeug dafür hatte. Hatten wir nicht... Und sie nahmen keine neuen Mitglieder auf. Dennoch konnte ich sie überreden, zumindest die beiden Frauen in unserer Gruppe aufzunehmen...“
Erneut stockte er, wusste nicht, ob er fortfahren sollte oder ob er hier jetzt gehen sollte.
„Dann lernten wir Scorpion kennen. Ein faszinierender Mann, Val... Ich denke du könntest ihn nicht leiden. Er ist alles, was du an einer Person verabscheust. Aber ich sah mehr in ihm. Sehe... mehr in ihm. Er ist jung, wild, ungestüm und voller Entschlossenheit seine Ziele zu erreichen. Dafür kämpft er selbst an vorderster Front. Er ist ein Mann, dem man gerne folgt. Er hat uns einen Weg gezeigt, wie wir in diese Kolonie kommen konnten. Wir waren am verhungern. Am erfrieren. Wir hatten schon so viele verloren...“ Nun begannen seine Augen zu brennen. Er legte sich die freie Hand aufs Gesicht.
„Also haben wir sie uns genommen. Die Kolonie... gehörte uns. Wir konnten endlich wieder etwas essen, schlafen ohne ständig Angst haben zu müssen. Wir konnten uns Ausruhen, unsere Wunden lecken. Unser Anführer baute die Kolonie nach seinen Vorstellungen auf. Und verdammt, er ist erfolgreich. Es ist ein System, das nicht allen gefällt, zugegeben. Aber er holt das Beste aus diesen Mauern heraus. Und er weiß, dass andere haben wollen, was wir haben. So wie wir es einst wollten...“
Langsam nahm er die Hand runter und behielt sie für einen Augenblick auf dem Mund, bevor er sich langsam zu Val drehte und ihn nun doch wieder direkt ansah.
„Deshalb hat er mich hierher geschickt. Um zu beurteilen, ob diese Leute hier die Guten .... oder die Bösen sind...“


@Valravn Vargström


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#5

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 17.01.2020 14:56
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Satt sehen konnte der Schwede sich generell nie an Jesse, ganz gleich, ob bekleidet oder hüllenlos, sein attraktives Äußeres war auch nie ausschlaggebend gewesen für das Interesse, was Valravn an ihm hatte, es war seine Art wie er sich bewegte, seine Umwelt wahrnahm und manchmal furchtbar verloren darin wirkte. Er selbst war nicht die Art von Mann, der sich einen Zeitvertreib ins Bett holte oder stetig seine Partner/innen wechselte, Intimität war für Valravn beinahe so heilig wie gutes Essen, stilvolle Kleidung und vor allem Manieren! Der charismatische Schwede war sich seiner Wirkung, seiner äußeren Erscheinung, damals wie heute, vollkommen bewusst und genoss es natürlich auch, wenn schmachtende Blicke auf ihm lagen, wohingegen Jesse, ihn zu Beginn lediglich ansah wie einen Störenfried, einen Eindringling, obgleich er es eh nie vermochte ihm länger als zwei Sekunden, wenn überhaupt, mal in die Augen zu sehen. Jesse hatte deutlich gemacht, dass er ihn eher als lästig empfand, kein Wunder, denn recht schnell war klar, dass der Jüngere mit seiner bockigen, gar biestigen, Art und Abwehrhaltung, bei Valravn absolut keinen Erfolg hatte, um diesen auf Abstand zu halten.
Das Gegenteil erreichte er dadurch nur bei ihm, es steigerte sein Interesse an Jesse als Person, er wollte hinter die Fassade blicken, in seinen komplexen Verstand hinein, sein Wesen beobachten, erforschen und für sich einnehmen. Gut, man könnte womöglich von einer winzig kleinen Besessenheit sprechen, die Valravn mitunter an den Tag gelegt hatte aber er würde es abstreiten. Da Jesse zusätzlich noch, wenn er keinen Erfolg hatte mit seiner bitchigen Art, sich zurückzog, in der Hoffnung das Problem schwand von selbst, schmälerte das Interesse an seiner Wenigkeit kein bisschen. Der hübsche Krimiautor hatte sich nur selbst in eine Sackgasse manövriert, sodass Valravn nur abwarten brauchte, um ihn letztendlich eines Tages zu überrumpeln.
Liebe ging zudem durch den Magen, so hieß es doch, obgleich das nicht seine erste Intention war, als er Jesse eines Tages einfach Frühstück brachte, sowie ihn 'überfiel'. Ihm blutete einfach das Herz, nachdem er einmal gesehen hatte, was in dessen Einkaufswagen landete, sodass er dagegen dringend vorgehen musste! So ein intelligenter, facettenreicher Mann wie Jesse ....stopfte sich Junkfood rein, er konnte nicht einmal Wasser kochen, ohne das Valravn innerlich Panik bekam, sowie befürchten musste, dieser fackelte die Küche ab.
Vermutlich war ihm deshalb, bis heute, noch etwas mulmig dabei, wenn Jesse alleine in der Küche war und in ihm der Drang aufkeimte, sofort nachzusehen, ob schon das halbe Haus in Flammen stand oder nicht. In Flammen stehend fühlte der Schwede sich in erster Linie zwar wegen dem Fieber, doch eine kleine Mitschuld, zumindest im Moment, trug auch sein Mann, der noch immer dieselbe Anziehungskraft auf ihn ausübte. Da könnte er schon sauer auf seinen eigenen Körper sein, doch nach all der langen Zeit da draußen, fast durchweg ohne Unterschlupf, wunderte es ihn nicht wirklich, dass er nun, wo er endlich rasten und ruhen konnte, etwas kränkelte. Er musste sich an einen völlig neuen Lebensstil gewöhnen und er hatte hier etliche Menschen um sich, die auch mal verschnupft waren, Faktoren, die ihn die letzten Jahre nie tangiert hatten.
Jedoch musste Jesse sich nicht sorgen, solange Valravn immer noch die Kraft hatte, ihn mit einem einzigen Blick förmlich zu verschlingen, sowie mit Komplimenten um sich zu werfen, würde er ihm schon nicht unter der Hand wegsterben. Nein, jetzt noch weniger als zuvor, denn das wäre echt bitter, wenn er einen Bärenangriff überlebte aber an einem simplen Schnupfen starb. Das wäre unfassbar peinlich und demütigend für den stolzen Schweden. In Valhalla wäre er dann ja wirklich das Gespött der Leute, nein Danke. Daher ließ er Vernunft walten und hörte auf seinen Liebsten, anstatt seinen Dickschädel durchsetzen zu wollen.
Immerhin wurde er dafür auch belohnt, in gewisser Weise, nicht nur mit dem kalten Umschlag, der seiner glühenden Stirn kühlende Linderung verschaffte, sowie den Kopfschmerz milderte, sondern in Form des reizvollen Anblickes, den Jesse ihm bot und letztendlich neben ihm lag.
Dieses Lächeln, das auf den Lippen seines Mannes lag, den er auch ohne Ring am Finger als solchen betrachtete, war noch immer zauberhaft aber änderte nichts daran, dass Valravns Misstrauen, gut versteckt hinter seinem Pokerface, noch immer vorhanden war. "Ich fand sie immer ganz liebreizend." Schmunzelte Valravn mit sanfter Stimme und lächelte schwach, als könne etwas Jesse entstellen, nicht aus seiner Sicht aber ihm war klar, dass es hier eigentlich nicht darum ging, ob Jesses Augenringe dunkler geworden sind als früher. Der Ernst der Lage war ihm bewusst, es lag ihm zudem fern, irgendetwas herunterzuspielen und das tat er auch nicht, er wollte ihm nur aufzeigen, dass es keine Rolle für ihn spielte, wie Jesse aussah, für ihn blieb er ein Meisterwerk, dass er gerne zeichnete. Inzwischen war er wohl etwas eingerostet, er hatte bislang nicht mehr zum Block und Kohlestift gegriffen, weil er solche Dinge schlichtweg nie zur Hand hatte oder die Muse, doch wer weiß, vielleicht konnte Grace ihm etwas leihen von ihren Zeichenutensilien.
Dann könnte er mit seinen Händen, die so rau geworden sind, in den letzten Jahren, wieder etwas Schönes kreieren, auch außerhalb der Küche. Ein leiser Seufzer entwich ihm und er schmiegte den Kopf mehr ins Kissen, betrachtete Jesse, dessen zarte Berührung seiner Hand der Schwede schweigend genoss. Es waren diese kleinen Gesten, die so viel Gewicht hatten, schließlich hatten selbst diese viel Zeit, seitens Jesse, bedurft bis er sich traute auch mal die Hand, zu mehr als einer freundschaftlichen Berührung, nach dem Schweden auszustrecken. Mit einem leisen Brummen nahm er Jesses Antwort zur Kenntnis, knapp zwei Wochen war er schon in Balar und er hatte nichts davon bemerkt? Nun, in der Tat hatte Valravn so viel um die Ohren, so viel was ihm durch den Kopf ging, noch immer kannte er nicht jede Person mit Namen und wie zu erwarten, zog er sich, wenn er nicht gebraucht wurde als Veterinär, rasch zurück da er sich erst einmal wieder an Leute gewöhnen musste.
Obgleich er deutlich länger als Jesse hier war, tat er sich noch immer schwer damit sesshaft zu sein, er war noch immer rastlos, hörte den Ruf der Freiheit und verspürte den Drang, wieder in den Wäldern zu verschwinden um als Eremit zu leben. Es brauchte noch etwas bis auch sein Verstand endgültig hier ankam, denn ein großer Teil von ihm war da draußen nicht nur gestorben, sondern auch stark verwildert, obgleich er noch immer aus dem Stehgreif Shakespeare oder Andere zitieren konnte.
Als Jesse sich auf den Rücken drehte, somit dem sanften aber bestimmenden Griff seines Kinns entzog, ließ Valravn die Hand auf dem Bettlaken liegen und blickte mit neutraler Miene seinen Liebsten an.
Seine Reaktion, auf Valravns Bitte, sprach Bände.
Valravn hörte, wie so oft, einfach nur zu und beobachtete, völlig wertfrei, jede noch so kleine Bewegung seines Mannes, der Griff an den Ring um seinen Hals, offenbar Halt suchend, obwohl neben ihm doch der Mann lag, der ihm das früher schon geben konnte und auch wollte. Stattdessen klammerte Jesse sich an das kleine runde Stück Metall, dass an der alten Segelschnurr hing, die ihre besten Tage auch längst hinter sich hatte. Natürlich regte sich nichts in Valravns Miene während Jesse mit belegter Stimme sprach, ihm davon erzählte, eine Kolonie gefunden zu haben, die reich war aber ihnen die Aufnahme verwehrte oder viel mehr ihm. Denn offenbar war es ihm gelungen die Frauen, die bei ihm waren, dort unterzubringen.
Edel von ihm, etwas Anderes erwartete Valravn nicht von seinem Mann, schließlich hatte Jesse, trotz sozialer Inkompetenz, ein gutes Herz, also warum wog ihm dieses, in jenem Moment, offenbar so schwer? Auch wenn er getötet hatte, um zu überleben, würde Valravn nicht weniger gut von ihm denken, er wusste was nötig war um heute hier stehen, ok liegen, zu können. Doch Jesse sprach weiter und Valravn, der seine Mimik perfekt beherrschen konnte, zuckte die linke Augenbraue, nicht beim Klang des, fragwürdigen, Namens eines anderen Mannes, sondern indem Moment als Jesse....diesen als faszinierend bezeichnete.
Sein Magen zog sich krampfhaft zusammen, ihm gefiel nicht in welche Richtung sich das gefiel, was Jesse ihm hier erzählte, über diesen Anführer ..den er faszinierend fand. Es war dieses Wort, diese einzelne Beschreibung, die in Valravn das Bedürfnis weckte, sein Schwert und die Axt zu holen, um loszuziehen.
Seine Lippen wurden zu einer schmalen Linie als er sie aufeinander presste, er hörte weiter zu, beobachtete wie sein Liebster mit sich zu ringen schien, viel mehr belastet von dem, was er getan hatte, dennoch ...überzeugt von dem was dieser, wie hieß er noch gleich? Valravn wusste den Namen noch, nur würde er dieser Person, gewiss nicht mehr Raum geben oder gar Platz in seinem Kopf zugestehen.
Jesse fand ihn faszinierend, das war ehrlich gesagt bislang das, was den Schweden am meisten störte aber sein Mann, schien auch das noch toppen zu wollen.
"Du klingst wie ein Sektenmitglied."
Warf Valravn ihm scharfzüngig aber mit monotoner Stimme an den Kopf, er griff nach dem Umschlag, der längst durchnässt war und der Schnee darin geschmolzen, Bewegung ging von ihm aus als er sich herumdrehte, sowie aufrecht sitzend Position bezog. Kurz zur Seite gebeugt, legte er das nasse Tuch auf dem Nachttisch ab, winkelte die Beine etwas an und lenkte den Blick starr gerade aus, in Richtung Wand, mit den Händen fuhr er sich schwer seufzend durchs Gesicht.
"Schlimmer noch, du bist ein Spion."
Murmelte er in seine Hände und in diesem Moment, wünschte Valravn sich wirklich, nicht hier zu sein, an diesem Ort. Nur einige Wochen früher, irgendwo im Wald und dieses Geständnis hätte den Schweden nicht gekümmert, weil er keine Verbindung zu anderen Leute hatte. Es war einer dieser Momente, wo er wirklich gerne eine Zigarette zur Hand hätte, ganz gleich, ob ihn das früher umbringen würde, die Erfahrung hatte er ja schon fast gänzlich gemacht.
"Gib...gib mir einen Moment ..."
Er musste das erst mal sacken lassen, er wollte keine Erklärung, keine Rechtfertigung hören von Jesse, nur einen kleinen Augenblick Zeit um das in seinem Kopf ordnen zu können. Tief Luft holend, ließ er die Hände sinken, legte die Oberarme locker auf den ran gezogenen Knien ab und schaute noch immer vor zur Wand, an welche die Öllampen flackernde Schatten warfen. So viel dazu, er wolle schlafen. Die Anspannung seines Körpers war nicht nur zu sehen, man konnte hören, wie er die Zähne aufeinander rieb, mit ihnen knirschte während er nachdachte. Schließlich ließ er die, zuvor angespannt und hoch gezogenen, Schultern sinken, fuhr sich über den verspannten Nacken und anschließend durch das verschwitzte silbrige Haar, dass er sich aus dem Gesicht schob, weil er es gerade als extrem störend empfand.
"Jesse, .... es ist mir gleich, was du tun musstest, um zu überleben, ich verstehe es und ich bin froh, dass du hier bist, ich werde dich nicht dafür verurteilen, was du tun musstest um an diesen Punkt zu gelangen. Weder steht es mir zu, noch habe ich das Recht, die Moralkeule zu schwingen, diese Welt versucht uns täglich zu brechen, zu töten, ...wie könnte ich dir vorwerfen überleben zu wollen, überlebt zu haben."
Er drehte den Kopf nach Links, um ihn dabei anzusehen als er mit ihm sprach, es wäre sonst unhöflich, zumal er in seinem Gesicht dessen Reaktion ablesen wollte. Der Klang seiner Stimme, als auch sein Blick, waren, indem Moment auch völlig wertfrei, er verurteilte Jesse nicht dafür, es beschämte ihn nicht oder enttäuschte ihn, zu wissen, dass Blut an den Händen klebte, welche vielleicht keine Besteller schrieben, doch Valravn sich an Jesses Werken stets erfreut hatte, sowie unterhalten fühlte. Vielleicht hätte er in den zehn Jahren, wäre die Welt geblieben wie früher, sogar mehr als einen Bestseller verfasst, ausgeschlossen hatte der Schwede es nie, denn mit jedem Buch war Jesse besser geworden.
Nur ging es hier nicht um ein Buch, es ging hier, leider, nicht einzig um sie Beide, denn mit dem, was Jesse ihm gestand, involvierte es mehr als ihr beider Leben, sondern das vieler Anderer. Leute, die ihm vor etlichen Wochen noch egal gewesen wären, von denen zählte er nun einige Wenige zu seinen Freunden. Bei Odin, die kleine Skadi würde er am liebsten adoptieren und Ivar, einem der Anführer dieser Kolonie, war, nebst dem kleinen Mädchen, von neun Jahren, die erste Person, der Valravn langsam Vertrauen entgegenbrachte. Das kriechende Würstchen im Speckmantel hatte eine große Klappe, er war halb so alt wie Valravn, wenn überhaupt, er könnte locker sein Sohn sein, der sich nicht einschüchtern oder abschrecken ließ von des Schweden Erscheinung sowie bösem Blick.
"....ich muss mir nicht die Frage stellen, ob Balar zu den Guten gehört, die Leute hier leben friedlich, versorgen sich selbst, ..sie ..."
Er musste erneut tief Luft holen, fuhr sich fahrig mit der Hand über das stoppelige Kinn als sein Blick zum Fenster wanderte, den Schnee sah, der wie Zuckerguss, schwer aber schön, auf den Dächern der Hütten des Dorfes lag.
"Seit ich hier bin, ...habe ich das Gefühl ein Stück meiner Heimat wiedergefunden zu haben, einen Ort... der mir ein bisschen Frieden bringen kann. Es gibt Kinder hier Jesse, ...so jung, dass sie unsere Welt gar nicht kennen, die nicht wissen was wir verloren haben. Weißt du was das für ein Schock für mich war, plötzlich wieder Kinderlachen zu hören? Sie sorglos spielen zu sehen? Die Menschen hier, mögen mitunter etwas eigen, charmant aber auch ziemlich bekloppt, sein ...aber es sind gute Menschen, die hier in Frieden leben. Die jedem...gewillt sind eine Chance zu geben, solange du dich einbringst ..und deine Taten, deine Vergangenheit, dort lässt, wo sie hingehören, vor die Tore unserer Mauer."
Fuhr er fort und sah Jesse wieder direkt an, er verblieb jedoch lieber sitzend, denn ruhig liegen bleiben könnte er im Augenblick wohl einfach nicht.
"Jede Stimme hier zählt und hat Gewicht, auch die der Kinder, ...Skadi, das Mädchen mit der Schwarzbärin Matanus, war, ist die Erste gewesen, die für mich gebürgt hat und die sich nicht abschrecken ließ..davon."
Er zeigte auf das vernarbte Gewebe wo einst sein linkes Auge sich befand.
"Es ist eine demokratische Gemeinschaft.... und du nennst einen Mann,....faszinierend..."
Valravn knurrte förmlich und stark überbetont, jene Formulierung, die Jesses Lippen verlassen hatten und ihm wahrlich der größte Dorn im Auge war.
"Der ....offenkundig andere Kolonien überfällt, erobert ... und dich ....los geschickt hat, um die Stärken, vor allem aber Schwachstellen ...Anderer zu finden. Das erste Mal in meinem Leben, habe ich das Bedürfnis, dich zu ohrfeigen Jesse. Und nein, ...es spricht nicht die Eifersucht aus mir."
Stellte er klar , auch wenn sie womöglich mit einfloss gerade aber was erwartete Jesse von ihm zu hören? Von dem Mann, der am besten wusste, dass es unglaublich schwer war, Jesse neugierig zu machen, gar zu faszinieren. Ja, er hatte recht, dieser Mann, dem er folgte, den würde Valravn nicht mögen und dazu genügte nur ein einziges Wort. Faszinierend. Jesse konnte sich nicht vorstellen wie sehr das an dem Schweden nagte, ihn förmlich provozierte und das Bedürfnis aufkeimen ließ, diesen Störfaktor zu beseitigen. Der Schwede schloss die Hände, immer wieder zu Fäusten, nein er würde die Hand nicht gegen seinen Mann erheben. Das hatte er weder nötig, noch wäre dies seine Art seinem Unmut Luft zu machen, er tat es nur, um Spannung abzubauen und verblieb ja weiterhin in seiner sitzenden Position.
Ruhig anmutend nach Außen hin, doch seine Stimme, klang deutlich schärfer und nicht ganz so gelassen wie sonst. Letztendlich ließ er sich sogar wieder zurück auf die Matratze sinken, drehte sich auf die Seite, mit dem Gesicht natürlich Jesse zugewandt, nach dem er gezielt die Hand ausstreckte und an seine Wange legte. Behutsam strich er mit dem Daumen über seine weiche Haut, fuhr mit den Fingerspitzen hinauf zu dessen Schläfe und schob ihm, aufs Neue, ein paar seine dunklen Locken aus dem Gesicht. Es gab unglaublich viel das Valravn noch zu sagen hatte, sagen wollte aber es hatte Jesse so viel Überwindung gekostet, er konnte, nein wollte, ihn nicht noch mehr in die Ecke drängen, in die er sich, mal wieder, selbst hinein manövriert hatte. Stattdessen rückte der Schwede ein Stück rüber, näher an seinen Liebsten heran, dem er direkt wieder in die feucht glänzenden blauen Augen sah.
"Nicht Balars Gesinnung solltest du infrage stellen, ...sondern ob du auf der falschen Seite stehst aber ...."
Valravn seufzte, bevor er den Kopf ein Stück hob und Jesse entgegenkam, doch anstelle seiner herrlich weichen Lippen, hauchte der Schwede ihm den Kuss auf die Stirn.
"....es tut mir leid, was dir abverlangt wurde, und ich nicht für dich da sein konnte, um dich zu beschützen, wie ich es dir versprochen habe." Schlug er liebevolle, leise Töne an, gefolgt von einem weiteren Kuss, der dieses Mal auf seine Wange traf bevor Valravn, nach dessen Hand fasste, die sich so krampfhaft beinahe schon, dessen Ring klammerte. Ruhig aber bestimmt, löste er seine Finger von dem Metall, umschloss sie stattdessen mit seinen, deutlich wärmeren und zog sie zu sich. Er führte Jesses Hand an seine Brust, die sich ruhig hob und wieder senkte, genau an die Stelle wo sein Herz schlug während er seinen Blick nicht von ihm nahm.
"Wir finden eine Lösung, ....vorerst werde ich Ivar nichts sagen, ich muss das selbst erst einmal ausführlich überdenken. Ich bitte dich nur um Eines, verkriech dich nicht vor mir Jesse, dieses Problem wird nicht von alleine schwinden, egal wie sehr du es dir wünscht. Du musst diese Bürde, diese Last, nicht länger alleine tragen, ...lass mich dir etwas davon abnehmen,...immerhin weißt du doch, dass du mich nicht so leicht wieder loswerden wirst. Und ...ich warte immer noch auf eine Antwort."
Redete er ruhig auf ihn ein und drückte sachte dessen Hand dabei, ihm war vollkommen bewusst, dass diese Angelegenheit, sehr schnell aus dem Ruder laufen konnte aber was wäre er für ein Mann, für ein Ehemann, wenn er nicht gewillt wäre, für Jesse auch durch die Hölle und wieder zurückzugehen? Ganz gleich was vor ihnen liegen mochte, Valravn würde sein Schwert und sein Schild sein, wie früher, selbst wenn der Preis zu hoch sein sollte, er konnte diesen bezaubernden Mann nicht im Stich oder gar ziehen lassen. Dafür liebte er ihn viel zu sehr...

@Jesse Redford


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#6

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 17.01.2020 19:00
von Jesse Redford (gelöscht)
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Als Jesse die Worte ausgesprochen und damit Val gestanden hatte, dass er nicht hier war, um Asyl zu suchen, sondern um sein Wissen über die Kolonie entweder für oder gegen Balar zu verwenden, wurde sein Herz noch schwerer. Er hatte sich Erleichterung erhofft, doch die erhielt er nicht. Dafür fühlte er sich viel zu sehr in einem Dilemma gefangen. Er wusste, dass viele Leute Scorpion nicht so sahen, wie er es tat. Viele hatten in erster Linie Angst vor ihm, während er ihn beinahe bewunderte. Der Mann war rücksichtslos aber fair und vor allem verkroch er sich nicht. Er stand für seine Leute ein, so wie es ihm richtig erschien. Er führte die Kolonie sehr erfolgreich. Der Zoo gefiel ihm deutlich besser als Balar. Balar fühlte sich an wie in der Zeit eingefroren. Alle machten auf Vikingerzeit, beteten zu irgendwelchen nordischen Gottheiten... Es fühlte sich an, als wären es hier ein Haufen Nerds, die den Ernst der Lage nicht begriffen hatten, die verweigerten zu sehen, dass sie verdammtnochmal keine Vikinger waren. Es hatte einst eine richtige Zivilisation hier existiert und diese Leute hier spuckten darauf. Während Scorpion im Zoo alles tat, um das Leben so zu gestalten, wie es früher eben gewesen wäre. Vor zehn Jahren.
Vals Reaktion auf seine Worte sprach Bände. Jesse schaute zwar nur jeweils sehr kurz zu ihm hinüber, doch diese Eindrücke reichten ihm aus, zusammen mit dem Klang seiner Stimme, um zu beurteilen, was ungefähr in Val vorging. Er konnte sich in dessen Standpunkt hineinversetzen.
Val würde Scorpion nicht leiden können. Scorpion war laut, vulgär, hatte ein grosses Maul und zeigte sich selten manierlich. Doch Jesse wusste, dass vieles davon nur Show war. Scorpion sah das Leben als eine Bühne mit ihm als Hauptdarsteller und er spielte seine Rolle nun mal perfekt. Jesse wusste, dass er sich anpassen könnte, wenn er wollte. Doch in dieser Welt gab es keine gesellschaftlichen Regeln mehr, denen er sich beugen musste und somit konnte er dieses Schauspiel ungeniert für sich selbst spielen.
Jesse blieb liegen wie er war, während Val sich aufsetzte. Seine Worte klangen wie Peitschenhiebe. Doch Jesse beschloss zu schweigen, obwohl sich allmählich ein Knoten in seinem Magen bildete.
Spion. Ja, er war ein Spion und nichts Anderes. Er würde zum Zoo zurückkehren. Er musste es. Wenn er es nicht tat, konnten die Folgen unter Umständen gravierend sein. Ausserdem hatte er Minerva versprochen, dass er heil zurückkehren würde.
Jesse konnte an Vals Stimme hören, dass er Scorpion bereits verabscheute, ohne ihn auch nur zu kennen. Weshalb auch immer. Trotzdem hörte er ihm erst einmal geduldig zu. Ließ ihn aussprechen, was er alles zu sagen hatte. Dabei versuchte er sich nicht zu viel anmerken zu lassen. Das gelang ihm sogar ganz gut. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als Val ihm eiskalt sagte, dass er ihn am liebsten ohrfeigen würde. Obwohl er es nicht tat, die Worte selbst fühlten sich bereits wie eine Ohrfeige an. Jesse zuckte leicht zusammen und biss sich auf die Lippen. Er hasste es, wenn Val solche Worte wählte. Natürlich war es gut, dass er ehrlich zu ihm war und vor allem, dass er seine Worte nicht in die Tat umsetzte. Das war deutlich unter dessen Niveau. Nie hatten sie gegeneinander je die Hand erhoben, egal wie sauer sie vielleicht aufeinander gewesen sein mochten. Dennoch... Er fühlte richtig, wie Val enttäuscht von ihm sein musste. Dabei verstand er es wohl auch einfach nicht! Er war nicht in derselben Situation gewesen! Er hatte es nie erlebt. Vielleicht mochte es klingen wie eine Sekte, vielleicht war es das sogar. Wer wusste das schon? Auf jeden Fall hatten sie da Sicherheit, Nahrung und es schneite da unten nicht so sehr wie hier oben. Die Winter waren beinahe gemütlich im Vergleich zu hier...
Ausserdem war Vals Sicht offenbar auch dadurch verschleiert, dass er schon länger hier sein musste. Er hatte eine emotionale Bindung zu dem Dorf. Das erschwerte seine Mission umso mehr. Nun war er nicht nur irgendwo zwischen Tür und Angel gefangen, er hatte sich auch noch die Finger eingeklemmt. Er wollte Scorpion nicht enttäuschen, Minerva nicht in Gefahr bringen und gleichzeitig Val nicht wieder verlassen müssen. Aber vielleicht war es besser, wenn er direkt wieder ging.... Er konnte Scorpion erzählen, dass es gescheitert war. Dass sie ihn gar nicht reingelassen hatten... Val würde das Dorf warnen und sollte sich Scorpion dazu entscheiden das Dorf anzugreifen, hatten sie wenigstens etwas Zeit gehabt sich vorzubereiten. Jetzt würde er es ohnehin nicht tun, solange die Untoten im Schnee kaum vorankommen würden.
Als Val sich schliesslich wieder hinlegte und ihm übers Gesicht strich, zuckte Jesse erneut leicht zusammen. Er schaute Val auch nicht mehr an, selbst dann nicht, als er nach seiner Hand griff und sie an seine Brust legte. Jesses Hand verkrampfte sich ein wenig.
Vals Reaktion, die Art wie er gerade mit ihm sprach, seine Wortwahl und seine Gesten... Alles schien sich zu widersprechen, ergab einfach keinen Sinn für ihn. Seine Gedanken rasten, sein Kopf drohte ihm zu explodieren.
„Wir sind keine Sekte! Wir passen aufeinander auf. Wir bewachen die Arbeiter ... und ... Und ich kann ihn nicht einfach hintergehen, Val!“, sagte er dann, während er die freie Hand, die nicht an Vals Brust ruhte gegen seine Schläfe presste.
„Balar ist ein ... Ein Traumland. Die Leute hier denken sie können ein wenig Vikinger spielen und sind dabei sicher! Wir dachten das auch mal und wir wurden überfallen und verdammt Val ... Ich weiß nicht, ob die andern das überlebt haben. Ich konnte froh sein, konnte ich Minerva in den Zoo bringen...“ Er stockte und biss sich auf die Lippen bis es blutete. Sein Kopf schwirrte dermassen, er hatte das Gefühl gleich zu ersticken. So ähnlich wie Val zuvor am Tisch, so verlor nun Jesse allmählich die Kontrolle, nur dass es bei ihm öfters Mal vorkommen konnte.
„Scorpion hat getan, was nötig war, damit wir überleben konnten. Er hatte den Arsch in der Hose uns zu zeigen wie wir uns verteidigen konnte. Wie die Untoten uns nicht mehr fressen wollten. Du warst nicht dabei!“ Er krümmte sich zusammen, presste die Augen zu und atmete zischend ein.
Dann zwang er sich zur Ruhe, setzte sich langsam auf. Seine rechte Hand lag noch immer zur Faust geballt auf Vals Brust, die linke presste er sich gegen den Schädel.
„Ich steh nicht auf der falschen Seite. Nur wer stark ist überlebt da draußen. Hier in Frieden leben macht schwach, das musst du doch einsehen....?“ Sein Atem zitterte, seine Brust hob und senkte sich beinahe unkontrolliert bei jedem Atemzug. Seine Haut begann zu kribbeln von den vielen Eindrücken und Gedanken, die er zu verarbeiten versuchte.
Weglaufen. Alles in ihm schrie danach wegzulaufen. Er hätte schon gar nicht erst zustimmen sollen, dass er diese Mission machte. Scorpion vertraute auf seinen analytischen Verstand, stattdessen brannten ihm die Sicherungen durch, weil genau die eine Variable im Plan geschehen war, die alles zunichte machte. Er traf seinen Mann. Die Person auf dem Planeten, die ihm am meisten bedeutete. Die ihn am besten manipulieren konnte. Die ihn am besten kannte. Die ihn mit einem einzigen Blick durchschauen konnte.
„Ich muss zurück... Ich kann nicht hierbleiben“, flüsterte er mehr zu sich selbst als zu Val. Wenn er nicht zurückkehrte, dann war Minerva in Gefahr. Er war sich sicher, Scorpion wusste dass sie ihm etwas bedeutete. Und wenn nicht, würde er es herausfinden.
„Ich hätte gar nicht erst herkommen sollen....“ Seine Linke wanderte zu dem Ring, dann packte er die Schnur und zog sie sich vom Hals, um den Ring schliesslich zwischen sie auf die Matratze fallen zu lassen.
Erneut schnappte er beinahe nach Luft, als er Val das erste Mal wieder ansah. „Ich bin nicht mehr der, den du geliebt hast, Val... Ich bin nicht der, den du heiraten wolltest.“
Damit wollte er sich erheben, die Flucht ergreifen. Er musste das weite suchen und von hier verschwinden, bevor er völlig durchdrehte. Er hatte das Gefühl keine Luft zu kriegen, während gleichzeitig ein pochender Schmerz gegen seine Schädeldecke hämmerte. Doch gerade als er aufstehen wollte, spürte er einen eisernen Griff um sein Handgelenk.
Jesse hielt inne und blickte auf Vals Hand, die ihn festhielt. Sein Blick wurde finster, sein Atem noch eine Spur schwerer.
„Lass mich los!“, sagte er mit der Aggressivität in seiner Stimme, wenn er kurz davor war sich komplett abzukapseln. Dass er damit genau das Gegenteil tat von dem, worum Val ihn gebeten hatte war ihm zwar bewusst, doch es schien ihm gerade unmöglich, dass Val ihn nicht dafür hassen würde.
Er packte seinerseits Vals Handgelenk und versuchte so den Griff zu lösen. „Lass mich los!“

@Valravn Vargström


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#7

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 17.01.2020 21:41
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Wenn er könnte, würde Valravn diesen Augenblick zurückspulen, analysieren und womöglich anders reagieren, doch jene Worte, die ihrer beider Lippen verließen, konnten nicht wieder eingefangen oder zurückgenommen werden. Es ratterte in seinem Kopf, der eh schon schmerzte, woraufhin die Kopfschmerzen wieder zu statt abnahmen, der sich aufbauende Druck, dass Verkrampfen seines Magens, mehr noch seines Herzens, ließ ihn sich die Frage stellen, wie oft er an einem Tag, dieses Auf und Ab noch ertrug. War das vielleicht die ultimative Strafe für sein Versagen, für seine Fehlentscheidung, die seine Töchter das Leben kostete und den Mann, den er so sehr liebte, dass es schmerzte, nun in diese Zwickmühle brachte?
Könnte er doch nur zu dem Abend zurück, zu jenem, an dem er vor ihm auf das Knie gesunken war und um seine Hand anhielt. Hätte er diesmal nicht nach gegeben, ihm nicht seinen Freiraum gelassen, wäre ehrlich zu seinen Töchtern gewesen, dann... dann wären sie womöglich zu Viert zum Camping gefahren. Alles hätte anders sein können, doch egal wie sehr er es zerdachte, das Hier und Jetzt ließe sich nicht einfach ausblenden, die Vergangenheit nicht umschreiben. Dieser winzige Funke, der kleine kümmerliche Rest Hoffnung, der ihm geblieben war, schien sich gänzlich zu verflüchtigen, ihm durch die Finger zu rinnen wie Sand, den er unmöglich halten konnte. Balar war ein friedliches Fleckchen, dass Jesse hier war um diese Kolonie auszukundschaften, zu analysieren, es ...enttäuschte ihn, obwohl er gegen das Gefühl ankämpfte. Doch ganz gleich was Valravn selbst getan hatte, er hatte Prinzipien, Wertvorstellungen, er hatte sich nicht brechen lassen von dieser Welt, nicht vollständig, ganz gleich wie sehr sie es auch versuchte. Er nahm es in Kauf, von einer Frau, einem Teenager oder gar Kind ausgeraubt, gar getötet zu werden, da er seinen eigenen kleinen Kodex niemals derart verletzen würde. Frauen und Kinder, er hatte ihnen nie geschadet, waren sie ihm doch begegnet. Jene, die er tötete, waren durchweg Männer gewesen. Der Schwede hatte noch immer ein gesundes Maß an Ehrgefühl, mehr als das jedoch, hatte er von seinem Mann stets die höchste Meinung, selbst wenn Blut, an dessen Händen klebte, er musste gute Gründe gehabt haben, sowie keinen anderen Ausweg mehr gesehen.
Doch eine Kolonie zu übernehmen, allein seine Wortwahl, ihm sträubten sich die Nackenhaare dabei, wenn er das hörte.
Dass er den Drang verspürte, Jesse zu ohrfeigen, um ihn zur Vernunft zu bringen, konnte er nicht ignorieren, ausblenden aber ebenso wenig in die Tat umsetzen. Diese Art Beziehung führten sie nie, Valravn hatte solch primitives Niveau nicht nötig, er konnte bestimmend sein, sehr sogar, hatte es jedoch nicht nötig, seinen Standpunkt mit erhobener Hand zu verdeutlichen. Obgleich seine Worte manchmal schärfer sein konnten und tiefer schnitten, als ein Skalpell. Alles, was er wollte war, ein bisschen Frieden, er ging auf die Sechzig zu und viele erreichten nicht einmal sein Alter in der vergangenen Dekade. Jesse mutete zumindest jünger an, als er in Wahrheit war, nicht so sein Partner, der schon etwas länger auf dieser Welt um seinen Platz kämpfte.
War es so abwegig, dem kleinen Traum nachzujagen, der Heute erst geboren wurde und schon jetzt ersterben musste, mit Jesse hier in Balar zu leben? Wenn nicht hier, dann in einer Hütte, irgendwo verborgen in den Wäldern, wo sie für sich sein konnten, im Grunde brauchte er nur ihn.
Nur vielleicht brauchte Jesse ihn nicht mehr? Allein diesen Gedanken zuzulassen, in Erwägung zu ziehen und sich selbst diese Frage zu stellen, brach ihm das Herz. Doch er ließ es sich nicht ansehen, nicht dieses Mal. Ebenso wenig war er gewillt Jesse einfach aufzugeben, gar ziehen zu lassen, ob dieser verzwickten Umstände. Er konnte es nicht, er wollte es nicht. Und wie es schien, gab Jesses Mauer endgültig nach, nicht imstande, dieser Belastung länger standzuhalten. Kein ungewohnter Anblick für Valravn, der sich in solchen Momenten jedoch auf ein russisches Roulette einlassen musste, wenn Jesse diese Phase erreichte, war er schwer zu analysieren. Ließ er sich das Eine mal berühren, gar beruhigen, konnte auch nur die geringste Annäherung beim nächsten Mal, dafür Sorge tragen, das er wie ein Raubtier zornig um sich biss, zumindest verbal. Valravn blieb zunächst nichts weiter übrig, als ihn zu betrachten, zuzuhören, obgleich ihm prompt etwas auf der Zunge lag, kaum das Jesse den Mund öffnete und wie ein Verrückter klang, der darauf beharrte, nicht verrückt zu sein, obwohl alle Fakten dafür sprachen.
"Bewacht ihr sie oder kontrolliert ihr sie, wie Gefangene?"
Hakte er nach, je gestresster Jesse erschien, drohte die Kontrolle zu verlieren, umso ruhiger, bedächtiger wurde der Schwede, welcher sich im Klaren war, mit solchen Fragen, seinen Liebsten noch mehr in die Ecke zu drängen. Nur manchmal, zwang er ihn förmlich dazu, dass zu tun um Jesse die Augen öffnen zu können. "Minerva? ...eine Freundin, nehme ich an, in welchem Lager ist sie? Ist sie glücklich, in eurer...fairen..Kolonie? Wo ist sie, bei den Arbeitern ..oder passt sie auf ..eure "Freiwilligen" auf? Teilt sie deine Meinung? Ist sie..dir dankbar, dafür, dass du sie in solch eine Lage gebracht hast?" Er bohrte nach, schluckte seine eigenen Empfindungen runter, fokussierte sich einzig darauf Jesse weiter zu puschen, Stück für Stück, wohl wissend, dass er zornig auf ihn sein würde. Er ließ ihm aber keine Wahl. Der Schwede war sich immer schon im Klaren darüber, dass Jesse empfänglich, gar anfällig war für ... gewisse Individuen.
Er zog sie förmlich an, doch in den letzten zehn Jahren da, ...da war Valravn nicht bei ihm, nicht da um ihn vor solch schädlichen Einflüssen zu beschützen. Seine sensible Nase zuckte kaum merklich, er roch die eisenhaltige Note des Blutes, bevor sein Auge es erfasste und hinab auf Jesses Lippen sah, auf die er so fest biss, sodass sich der rote Lebenssaft hervortat. Den Arsch in der Hose? Bei Odin, diese Ausdrucksweise, doch er hielt an sich, verwies ihn nicht darauf, das er drohte auf ein Niveau herabzusinken, dass wahrlich unter seiner Würde, war. Selbstverständlich versetzte es ihm einen Stich, von ihm gesagt, viel mehr vorgeworfen zu bekommen, dass er nicht da war, nicht bei ihm und dem war, bedauerlicherweise, ja auch so.
Ausdruckslos, gar ungerührt, gab Valravns Miene noch immer nichts Preis während Jesse, einem Häufchen Elend gleich, förmlich bebte, sich zusammen krümmte, bis er offenbar langsam wieder die Kontrolle zurückerhielt, ausreichend um sich aufzusetzen. Verkrampft war er dennoch, er sah es ihm an, er spürte es durch Jesses Hand, die er ergriffen und an seine Brust gelegt hatte, die anders als seine Eigene, zur Faust geballt war inzwischen. Jesse hielt die Bewohners Balar für schwach?
Unter anderen Umständen hätte Valravn zumindest geschmunzelt, nur war ihm nicht danach und er musste ...abwägen, ob er den Eindruck korrigieren sollte oder nicht. Der Schwede war länger hier, hatte weit mehr Einblick erhascht als Jesse, der zwar unschuldig aussah, jedoch sehr wohl auch Zweifel, sowie Misstrauen erwecken konnte, eben weil er so sonderbar anmutete. Die Leute spielten nicht Wikinger hier, sie waren weder dumm, noch schwach aber Jesse war nicht hier, mit der Absicht, sich anzuschließen, seine Dämonen hinter sich zu lassen, sondern um sie auszuspionieren. Der Schwede entschied, für den Moment zumindest, seine Annahme nicht zu widerlegen aber auch nicht zu untermauern. Er ließ es im Raum stehen und fokussierte einen ganz anderen Punkt, den Jesse angesprochen hatte.
"Seit, wann ist es dir so wichtig ..stark zu sein Jesse? Seit, wann ist sie das oberste Gebot für dich? Stärke definiert sich auf unterschiedlichste Weise, ist derjenige schwach in deinen Augen, welcher der Versuchung widersteht, sich auf das Niveau eines Tieres herabzulassen? Der Frieden, dem Krieg vorzieht? Ein starker, ein weiser Krieger, vermeidet den Kampf und sucht ihn nicht. Hältst du mich für schwach, weil ich mir etwas Seelenfrieden herbeisehne und es müde bin zu töten, zu kämpfen? Sag mir, wieso glaubst du, stark ist nur derjenige, der in der Schlacht voran schreitet? Mir scheint dein,....Anführer...."
Valravn machte keinen Hehl daraus welch Abscheu und Ablehnung er empfand, einem Mann gegenüber den er nicht kannte, doch bei dem ein einziges Wort genügte, um darüber nachzudenken, auf die Jagd zu gehen.
"..kennt keinerlei Angst, ...wie ..bemitleidenswert. Angst ist was uns am Leben hält, was dich....dazu antrieb Dinge zu tun, von denen du genau weißt, es ist nicht richtig. Die Freiheit, alles zu tun, in einer Welt ohne Regeln und Grenzen, ist keine Freiheit Jesse, es ist eine Last. Wenn wir uns selbst nicht beherrschen können, unserer niedersten Instinkte, nicht unter Kontrolle behalten können, dann sind wir Tiere, gar noch weniger als das, denn Tiere töten nur, um zu fressen, um zu überleben und nicht aus ...Freude, Langeweile."
Da kam ganz der Psychiater in ihm zum Vorschein, er merkte es manchmal nicht einmal und es war lange her, doch hätte er eine höhere Meinung von den Menschen, sowie die Geduld, sich mit nervigen Individuen zu befassen, hätte er womöglich, Anstelle einer Tierarztpraxis, den geschundenen Geist seiner Mitmenschen versucht in die korrekten Bahnen zu lenken, sowie zu heilen. Langsam zog er den Arm unter dem Kissen hervor, stützte sich mit dem Unterarm auf der Matratze ab und richtete so den Oberkörper ein wenig auf. Er wusste Jesse wollte am liebsten nur entfliehen, dieser Situation, diesem Gespräch, einfach allem hier, selbst Valravn. Er ließ locker, sodass Jesse seine Hand zurückziehen konnte, die er stattdessen an seinen Ring führte, um diesen abzunehmen, der Schwede schluckte leer als das kleine metallene Ding, das so lange um Jesses Hals hing, plötzlich lieblos auf der Matratze lag, zwischen ihnen. Wie ein Mahnmal, ein Schlussstrich, den dieser zu ziehen versuchte und die Flucht wählte, wie immer.
Ihm wurde das Herz schwer, doch Valravn ließ Jesses Worte, diese unliebsame Antwort, unkommentiert im Raum verhallen und griff stattdessen nach vorn, nach dem Handgelenk seines Mannes, der zu erheben und fliehen gedachte.
Wie sehr dieses Bedürfnis in diesem zu brennen schien, machte seine wütende Reaktion deutlich, der Versuch sich Valravns Griff zu entreißen, der nicht eisern zupacken oder gar seine Fingernägel in die weiche Haut drücken musste, blieb recht fruchtlos. Der Schwede war kräftiger als er, immer schon gewesen, wenn gleich nicht übertrieben muskulös aber ein Athlet, ein Tänzer, der in den letzten zehn Jahren ein schweres Schwert, sowie eine Axt schwang, um am Leben zu bleiben. Der gegen einen Bären gewann, obgleich er fast dabei verreckte, glaubte Jesse wirklich, dass er diesen Raum verlassen kann, wenn sein Mann das nicht will?
Jesse war nicht schwach, man konnte an Valravns Oberarm deutlich erkennen, dass seine Muskeln beansprucht wurden, um den Griff nicht zu lösen, die Spannung, das Zucken, es zeichnete sich deutlich unter der hellen Haut des Schweden ab. Der trotzdem, anders als sein Liebster, die andere Hand nicht einmal brauchte um ihn an Ort und Stelle zu halten.
Dabei empfand Valravn keinerlei Spaß, keinen Reiz oder gar Kick, er hasste es, es widerstrebte ihm zutiefst Jesse auf diese Weise im Raum halten zu müssen, doch wenn er jetzt losließ, ihm nachgab, Freiraum ließ, so war er sich sicher, würde er den Mann, den er liebte und gerade, wie ein bockiges Kind, sich loszureißen versuchte, ihm womöglich für immer entgleiten.
Ein Atemzug, ein kurzer prüfender Blick auf seinen Mann, ehe das Laken unter ihm raschelte, trotz seines Alters war Valravn wendig, sowie flink, Kraft allein machte eben keinen Kämpfer aus und obgleich er Frieden herbeisehnte, auf seine alten Tage, trainierte er jeden Morgen, wie seit Jahrzehnten. Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor. Worte, die in dieser neuen Welt, wahrer kaum sein konnten.
Jesses halb aufrechte Position war ideal, für den Schweden, der kurz los zu lassen drohte, um eben diesen aus dem Konzept zu bringen, sein Griff um dessen Handgelenk lockerte sich für den Bruchteil einer Sekunde, just zur selben Zeit, so leid es ihm auch tun mochte, trat er ihm in die linke Kniekehle, nicht all zu fest, nur ausreichend um den Reflex auszulösen, der ihn einknicken ließ. Valravn schaffte noch heute einen perfekten Spagat, gut, er kam nicht mehr so schnell und galant auf die Beine, wie mit zwanzig aber vermutlich wünschte Jesse sich, zumindest in diesem Moment, sein Mann wäre weniger sportlich und fit für sein Alter. Der genau abpasste, wann der Druck in die Kniekehle den Reflex triggerte, um im selben Moment, wie eine Bärenfalle oder viel mehr eine Schnappschildkröte, den Griff um dessen Handgelenk zu festigen und mit einem Ruck schräg nach hinten, auf die Matratze zu ziehen. Seine rechte Schulter, die unweigerlich strapaziert wurde, würde es ihn sicherlich später wieder schmerzhaft spüren lassen, ob der ruckartigen Zugbewegung, doch darauf konnte er keine Rücksicht nehmen.
Valravn ließ sein Handgelenk im entsprechenden Moment los, stieß sich mit dem anderen Arm gänzlich nach Oben, von der Matratze ab und zog die Beine an um sich, in einer flinken Wende kniend auf dem, nachgebenden Untergrund zu begeben. Sein Liebster hatte noch immer einen Wolf im Schlafzimmer, vielleicht keinen ungestümen Welpen, doch einen Erfahrenen, der seine Beute gezielt zu erlegen wusste und den richtigen Moment abzupassen, ehe er zuschlug. Er hatte nur ein kleines Zeitfenster, indem er Jesse unvorbereitet erwischen konnte, sein komplexes Hirn musste zu viele Eindrücke auf einmal verarbeiten, das nutzte er schon früher schamlos aus, nur unter weit erfreulicheren Umständen als diesen.
Doch ehe er sich versah, legten sich Valravns kräftige Finger um seine beiden Handgelenke, legten sich um diese wie eine Würgeschlange um ihre Beute, um jegliches Entrinnen zu verhindern. Über ihn gebeugt, jedoch mit entsprechenden Abstand, sodass er mit durchgestreckten Armen, Jesses Handgelenke festhalten und neben dessen, so hübschen, Gesicht in die weiche Matratze drücken konnte. Seine Körperbeherrschung zeigte sich erneut deutlich darin, dass er genau wusste wie viel Kraft er benötigte, wie fest er zupacken musste, um den gewünschten Effekt zu erhalten aber, ohne dabei Jesse ernsthaft weh zu tun, dazu kam seine vorteilhafte Position diesem gegenüber, er musste den Griff nicht unnötig enger um dessen zarter anmutende Handgelenke schließen, allein mit seinem Gewicht sollte es ausreichen, ihn zumindest für den Moment unten zu halten.
Ja, er konnte versuchen ihn zu beißen, ihn treten, sich winden und zappeln wie ein Fisch an Land, vielleicht war genau das auch Valravns Intention, ihn dazu zu nötigen, zu zwingen, seinen angestauten Gefühlen ein Ventil zu geben, um Dampf abzulassen, um sich selbst zu erschöpfen, bis der Fluchtinstinkt abebbte. Valravn würde es erdulden, ertragen, was wäre ein Biss, ein Tritt von Jesse schon gegen das Gewicht eines Grizzlys, gegen die heftigen Schmerzen in seiner rechten Schulter als er hinein biss, ihn herum wirbelte wie, weine Katze ihr Spielzeug, das Brennen als er ihm die Krallen über den Körper zog, Wunden durch Kleidung und Haut riss, als wäre der Schwede aus Papier.
Er tat auch nichts weiter, er wollte nur das Jesse sich wieder runterfuhr, sich der Situation stellte und ihm ins Gesicht sagte, dass er ihn nicht mehr liebte und es auch so meinte, dass es nichts mehr gab, dass er für den Älteren über ihn empfand, dessen Atem kontrolliert und regelmäßig, ruhig, ging. Der sich einzig in Geduld übte, warten würde und ihn bloß schweigend ansah, auf dieselbe, faszinierte, sanfte und neugierige Art wie bei ihrer ersten Begegnung, ja, es gab vermutlich einige Dinge, die ihm nicht gefallen werden, die er nicht hören will aber unter ihm war noch immer derselbe Mann, den er gänzlich zu seinem machen wollte, mit einem schlichten Ring am Finger. Jenem, den er zehn Jahre lang mit sich trug, trotz Ungewissheit was Valravn betraf.


@Jesse Redford


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#8

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 17.01.2020 22:53
von Jesse Redford (gelöscht)
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Im Grunde hatte Jesse schon lange gewusst, dass das, was im Zoo passierte nicht wirklich rechtens war. Schon als sie unter den Untoten wandelnd gegen die Zäune und Mauern gestürmt waren, als sie sich ihren Weg hinein gekämpft und schliesslich die Anführer zusammengetrieben hatten, damit Scorpion sie exekutieren konnte, hatte Jesse gewusst, dass es falsch war, was sie taten. Sie waren eine verzweifelte Meute gewesen. Scorpion hatte diese Verzweiflung kaltblütig ausgenutzt. Vermutlich hätte es ihn nicht gekümmert, wenn sie beim Angriff alle gestorben wären.
Die Exekution verkaufte er ihnen als das Abnehmen der moralischen Bürde indem er es selbst tat. Jesse hatte ihn damals dafür bewundert. Scorpion war in der Lage zu töten ohne weiter darüber nachzudenken. Er war dieser Welt gewachsen auf eine Art und Weise, wie er es niemals sein würde. Menschen wie er konnten in einer Welt wie dieser Grosses erreichen. Das hatte er ihnen bewiesen.
Jesse war von ihm begeistert gewesen, war froh darum gewesen, konnte er die moralische Last an ihn abtreten, ohne sich selbst Gedanken zu machen. Doch wer wäre Jesse, wenn er sich keine Gedanken machen würde...?
Er hatte als allererstes direkt nach Minerva gesucht und mit Entsetzen festgestellt, dass sie in den Arbeiterbereich gesperrt wurde, während er als treuer Anhänger des Anführers auf der anderen Seite des Gitters verblieb.
Sie hatte sich daraufhin verändert. Obwohl es schön gewesen war sie wieder zu sehen, sie wollte ihn dafür hassen, dass er geholfen hatte Scorpion an die Spitze des Zoos zu bringen. An seinen Händen klebte das Blut genauso. Egal was er sich einredete.
Jesse wusste, im Grunde war er schwach. Er hatte nachgegeben, hatte seinen moralischen Kompass aufgegeben für das Gefühl von Sicherheit, für gesicherte Nahrung und einer halbwegs fordernden Arbeit. Er versuchte sein Bestes, um sein Gewissen zum Schweigen zu bringen. Um einfach abzuschalten, es zu ignorieren. Doch es ließ ihn nicht ruhen. Körperlich ging es ihm zwar besser, er gewann an Stärke zurück, trainierte auch regelmässig, unter Anderem mit seinem Kompositbogen.
Doch wie lange sollte er sich selbst belügen...? Jede Begegnung mit Minerva ließ die Mauer bereits bröckeln, die er sich so mühsam aufgebaut hatte. Eine Mauer aus Lügen an sich selbst.
Scorpion tat die schlimmen Dinge. Er nahm ihnen diese Bürde ab. Beinahe wie ein Jesus der Hölle, nahm er alles auf sich. Einfach nur, weil er nicht mit diesen Gewissensbissen zu kämpfen hatte. Wie sich das anfühlen musste...? Es musste sich anfühlen wie das Paradies. Zumindest stellte Jesse es sich so vor. Wenn man das Gewissen, die Gedanken einfach ausschalten konnte...
Man gewöhnte sich an alles, hiess es immer. Ja, auch Jesse begann sich an das moralische Dilemma in seinem Kopf zu gewöhnen. Er vermied es tunlichst in gewaltverherrlichende Tätigkeiten zu geraten, versuchte zwischen Wächtern und Arbeitern zu vermitteln, irgendein Gegenpol zu Scorpion zu sein. Gleichzeitig bemühte er sich darum, Scorpion zu verstehen. In seinen Kopf zu schauen, herauszufinden was darin anders lief als bei allen andern.
Es tat so unglaublich gut, jemanden da zu haben, den man ohne schlechtes Gewissen vorschieben konnte. Scorpion schien ein regelrechtes Vergnügen an der Drecksarbeit zu haben, was grundsätlich verstörend sein konnte. Doch wer hinterfragte es schon, wenn man bequem die Augen davor verschliessen konnte.
Und nun sass er auf diesem Bett. Hatte endlich zurück, was er für längst verloren gehalten hatte. Den Mann, den er liebte und von dem er sich nichts sehnlicheres wünschte, als dass er bei ihm blieb. Val traktierte ihn ungehemmt mit der Wahrheit. Die Wahrheit, die Jesse so mühsam weggesperrt und eingemauert hatte, um sein eigenes Gewissen zu entlasten. Um es irgendwie abzustellen. Er drängte ihn in eine Ecke, raubte ihm den Atem. Jesse wollte es nicht hören, er wollte sich doch einfach bloß weiterhin anlügen. Die Wahrheit nicht an sich ran lassen. Doch mit jedem Wort riss Val die Mauer unbarmherzig ein.
Jesse wusste, wenn er länger hier blieb, sich länger die Wahrheit anhörte aus dem Mund des Menschen, der ihm am meisten bedeutete ... Er würde wahnsinnig werden. Zumindest fühlte es sich an.
„M-Minerva ist ...“ Sie war nicht glücklich. Das hatte sie ihm so oft gesagt. Sie war eingesperrt. Ihrer Freiheit beraubt. Und das seinetwegen. Er konnte nichts dagegen tun oder sagen, es war einfach so... Er hatte mitgewirkt und trug Mitschuld an ihrem Schicksal. Er hatte mitgeholfen sie zu versklaven, genauso wie alle andern ehrlichen Bürger der Kolonie.
Jesse musste weg. Doch der Plan scheiterte. Nicht nur, weil er einfach zu einfach für Val zu lesen war und er vermutlich schon ahnte was er tun würde, bevor er nur dazu angesetzt hatte, sondern auch, weil Val trotz Fieber und dem doch allmählich fortgeschrittenen Alter immer noch ziemlich fit war.
Er wollte den Griff um sein Handgelenk lösen. Val war schon immer kräftiger gewesen als er. Selbst wenn sie ihre Kräfte bloß spielerisch gemessen hatten, hatte Jesse immer nur dann gewonnen, wenn Val es so beabsichtigte. Zumal Jesse nach wie vor kein guter Kämpfer war. Ja, er konnte mit einem Gewehr oder mittlerweile auch einem Bogen umgehen. Wenn es sein musste würde er sein Leben auch mit einem Messer verteidigen. Doch es hatte durchaus seine Gründe, weshalb er lieber aus der Ferne auf seine Gegner schoss, als ihnen direkt zu begegnen.
Noch während er an Vals Hand zerrte und ihm der Schweiss auf die Stirn trat, der seine dunklen Locken daran kleben ließ, kam auf einmal Bewegung in den Schweden.
Jesse war halb aufgerichtet, bereit zu gehen, sobald er sich losgerissen hatte. Kaum einen Wimpernschlag später wusste er kaum, was gerade geschah. Er spürte wie sich der Griff lockerte und im selben Moment der Überraschung traf ihn etwas in die Kniekehle. Noch bevor er den Reflex hätte abfangen und dagegen wirken können, spürte er den festen Griff um sein Handgelenk erneut und einen Augenblick danach wurde er zurück aufs Bett gerissen. Er wollte seine freie Hand hochreissen, um sich aus dem Bett zu winden, doch dieses Handgelenk wurde ebenfalls gepackt und neben seinen Kopf gepinnt.
Jesse schaute zu Val auf, der über ihm war, in beinahe stoischer Ruhe hielt er ihn aufs Bett gedrückt, während er in seiner Verzweiflung angesichts der Wahrheit, die auf ihn niederprasselte, der einstürzenden Mauer, nicht mehr wusste was er tun sollte. Er drückte gegen den festen Griff, wand sich mit dem ganzen Körper und trat Val so gut es ging mit seinen Füssen. Das Erstaunliche dabei war, dass er, ob nun bewusst oder unterbewusst nirgendwo hintrat, wo es wirklich weh getan hätte. Er wollte Val nicht verletzen, nicht einmal in diesem Augenblick als alles aus ihm herausbrach, das er so sorgfältig weggepackt hatte.
Seine Gegenwehr war da und gleichzeitig kam sie nur halbherzig. War er im Grunde froh, dass Val ihn zurückhielt? Ihn beschützte, selbst wenn es nur vor ihm selbst war...?
„Lass mich los! Lass mich los!“, keuchte er, während er Val mehr von sich weg zu schieben versuchte, als ihn wirklich zu treten. Er warf den Kopf herum, seine Kiefer schnappten ins Leere beim Versuch ihm ins Handgelenk zu beissen.
Sein Blick verschwamm, als immer mehr Tränen in seine Augen stiegen. Er sah Vals Gesicht verborgen hinter einem Schleier, während er sich aufbäumte, seine Handgelenke drehte, versuchte sogar sich selbst irgendwie zu drehen.
Doch allmählich gingen im die Kräfte aus. Das Adrenalin in seinem Körper hätte ihn zwar gern noch weiter kämpfen lassen, gleichzeitig spürte er einfach, wie er nicht mehr konnte. Er konnte das Lügengebilde in seinem Kopf nicht mehr weiter aufrecht erhalten.
Jesse schluchzte auf, sein Atem ging bebend, er biss die Zähne zusammen bis es im Kiefer knackte. Unterdessen floss etwas Blut von seiner Lippe über sein Kinn, seinem Kiefer entlang, hinab zum Hals.
Rund zwei Minuten dauerte der verzweifelte Anfall, der sich anfühlte wie zwei Stunden. Dann wurde er ruhiger.
„I-ich wollte sie nicht einsperren...“, wisperte er. „Ich wollte das alles nicht... Ich wollte nicht, dass sie sie wegsperren. Es ist nicht fair...“ Er wimmerte beinahe tonlos und gab selbst das letzte Bisschen Gegenwehr auf.
„I-ich wollte doch bloß dass wir alle in Sicherheit sind... Eine Zukunft haben, Val... E-es war nicht meine Absicht, dass ... ich wollte das nicht...“
Leise schniefte er. „Ich bin nicht mehr der, den du liebtest, Val... Du hast was besseres verdient als mich... Ich bin ein Verräter.“
Er hatte Minerva verraten, als er geholfen hatte den Zoo zu stürmen. Und nun verriet er Val, indem er hier spionierte.
„Ich bin schlimmer als er... Er hat kein Mitgefühl. Er ist immun dagegen... Aber ich wusste es immer... Ich wusste, dass ich ... dass ich versagt hab. Ich... Val... Es tut mir so leid... Ich wollte doch niemandem weh tun. Ich will niemandem schaden... Es tut mir leid....“

@Valravn Vargström


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#9

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 18.01.2020 01:27
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Keine Antwort, nicht mal der Versuch sich herauszureden, schien Jesse zustande zu bringen und es überraschte Valravn nicht im Geringsten, obwohl er durchaus mit mehr Gegenargumenten gerechnet hatte, aber ganz offensichtlich traf der Schwede, wie so oft, den Nagel auf den Kopf. Jesse konnte nichts vorbringen, weil es nur Lügen wären, was ganz offensichtlich war, denn für gewöhnlich knickte er nicht so schnell ein oder brach förmlich zusammen. Er schwitzte ja beinahe schon so sehr wie Valravn zuvor, der zwar dank des Umschlags etwas Linderung erfahren hatte, seine Temperatur aber noch immer über dem Normalwert befindlich war und Jesse? Nahezu jede Faser seines Körpers schien vor Anspannung und Stress zu schreien, der Anblick den er bot, bereitete Valravn schon früher Sorge, bloß konnte er diese, wenn von ihm verlangt, in den Hintergrund schieben, sodass er weiter bohrte, so hässlich es auch sein mochte.
Zu Recht könnte ihm sein jüngerer Partner vorwerfen grausam zu sein, weil er ihn schubste, triezte, mit Worten und Argumenten, einem Skalpell gleich, in der Wunde herumbohrte bis er auf den Knochen traf, jedoch nicht stoppte. Seine Mauer hatte Valravn so oft eingerissen, selbst zehn Jahre Trennung, schienen nicht zu verhindern, dass es dem Schweden gelang, seine kleine Welt der Lügen zum Einsturz zu bringen. Er tat es nicht, um ihn zu quälen, er hatte die gegenteilige Intention, er wollte Jesse helfen aber diese äußerte sich nun mal nicht immer, in Form von Blumen, selbst gekochten Essen oder einer tröstenden Umarmung. Manchmal musste er mit dem Vorschlaghammer kommen, der verbalen Abrissbirne, welche er mit stoischer Gelassenheit einsetzte bis all die schützenden Fassaden, wie ein Scherbenhaufen, am Boden lagen und Preis gaben was er wirklich sehen wollte. Jesse, nicht seine unzähligen Masken, die er sich aufsetzte, vorgaukelte um in Ruhe gelassen zu werden oder halbwegs ins System zu passen, sondern den zarten, verletzlichen Kern, den dieser vor der Welt zu verstecken versuchte.
Gelang ihm bei vielen ja auch, nur war sein Partner, vieles aber nicht wie die gewöhnlichen Leute. Kein Wunder, dass er ihn überrumpelte, nicht nur mental, sondern auch physisch aus dem Gleichgewicht brachte, um ihn genau dort hin zu lotsen, wo er Jesse haben wollte. In seinem Bett, nur mit anderer Intention aufgrund der herrschenden Umstände. Hatte Valravn ein schlechtes Gewissen, als er auf ihn herab sah, lediglich den Hals reckte um den Kopf etwas zur Seite zu neigen, damit dieser nicht doch, im Eifer des Gefechtes, von einem Tritt getroffen wurde? Nein, hatte er nicht, schließlich wollte er Jesse helfen, ihn beschützen, und zwar in dem Fall, vor sich selbst.
Dessen Gegenwehr wirklich heftig anmutete, er wirklich versuchte ihn zu beißen, sich wand wie eine Schlange unter ihm, was Valravn unter anderen Umständen und Bedingungen, wahrlich reizvoll fände, sowie genießen würde aber nicht jetzt. Jesse trat um sich, fast als ginge es hier um Leben und Tod, wobei, nein, dann wären seine Tritte vermutlich treffsicherer und nicht so halbherzig. Zwar traf er durchaus Valravns Seite, seine Hüfte oder den Oberschenkel, doch keiner seiner Tritte schien gezielt vonstatten zu gehen, dabei kannte Jesse die menschliche Anatomie, sogar ausgesprochen gut, ebenso auch den Mann über sich, der genau wie sein zorniges Liebchen, um die Stellen am menschlichen Körper wusste, die besonders angreifbar waren oder wo man den größten Effekt erzielte. Während Jesse unter ihm tobte, übte er selbst sich in Geduld, er tat sich noch selbst weh, wenn er so weiter machte und sich nicht langsam beruhigte, doch anders als früher, hatte Valravn hier keine kleine Kiste mit Schloss in der Nähe, in der sich Spritzen, sowie Fläschchen mit Schmerz- oder gar Beruhigungsmitteln befanden. Nicht, dass er Jesse jemals etwas verabreicht hätte, gegen dessen Willen oder gar heimlich, er war eh kein großer Fan davon, dass dieser sich mit Schlaftabletten behalf, auch wenn er es verstand aber die Suchtgefahr war ungemein hoch.
Zwar könnte er einen Tee für ihn anmischen und aufsetzen, doch das würde voraussetzen, dass Jesse brav hier sitzen bliebe, was er wohl kaum gedachte zu tun. Er verhielt sich wie ein Tier, ein wildes Tier, das verletzt war, gefangen, sich gegen Alles sträubte und wehrte, sogar gegen die helfende Hand, die sich nach ihm ausstreckte, die ihm lediglich den Schmerz nehmen, zumindest lindern wollte. Langsam nur schien das Adrenalin abzuebben, seinem Liebsten ging der Sprit aus könnte man meinen, doch Valravn war nicht so fahrlässig, kaum dass dieser ruhiger anmutete, sofort diesen wieder freizugeben. Er wartete, besah sich Jesses Gesicht ganz genau, sein Kiefer knackte hörbar laut, so unglaublich fest biss er die Zähne zusammen, ein schmaler Rinnsal von Blut bahnte sich den Weg hinab, begonnen bei seiner Unterlippe, hinterließ es eine rote Spur bis zu seinem Kinn, doch selbst die dunklen Stoppeln bremsten diesen nicht. Einen kleinen Augenblick nur gestattete er es sich dem Rinnsal zu folgen, lediglich mit seinem Blick, dem Drang widerstehend, sich hinabzubeugen um mit der Zunge, diese rote Spur auf Jesses Haut wieder zu entfernen. Valravn störte der Geschmack von Blut nicht, allerdings war es nicht der richtige Zeitpunkt, solch Verhalten wäre nun völlig fehl am Platz und würde ein völlig falsches Signal vermitteln.
Das Schluchzen, dieses leise Wimmern, dass an seine Ohren drang, dieser Blick aus glasigen Augen, so schmerzhaft und verzweifelt, überfordert mich sich selbst sowie den Entscheidungen, die Jesse getroffen hatte, ihn so zu sehen schmerzte Valravn zutiefst. Die Welt vor zehn Jahren war mitunter schon grausam, harsch, nicht wirklich geschaffen für jemanden mit Jesses Fähigkeiten, seinem Verstand und damit einhergehenden Problemen. Doch was die letzte Dekade, allen voran offenbar die letzten Monate, seinem Liebsten angetan hatte, vermochte Valravn sich wohl kaum ausmalen zu können. Anders als der Schwede, schien Jesses es vollbracht zu haben in einer Gruppe zu überleben, offenbar sogar Freundschaft mit jemandem zu schließen. Minerva. Anhand des Namens eine Frau, womöglich ebenfalls Europäerin, einzig darauf bezogen aber viel gravierender war, dass Jesse diese Freundin erst rettete und am Ende mit dazu verdammte, eine Gefangene zu sein.
Wahrlich bitter.
Wenigstens beruhigte er sich, zumindest dahingehend, dass seine körperliche Gegenwehr endlich nachließ, aber frei kam er deshalb noch immer nicht, zunächst hörte Valravn ihm einfach nur zu, ohne Jesse zu unterbrechen, was er diesmal zu hören bekam, klang schon eher nach seinem Mann. Nach der Person, an die er sein Herz verloren hatte, ganz egal, ob er davon sprach, ein Verräter zu sein, versagt zu haben und ...sich entschuldigte. Es war nicht der Mann über ihm, dem er eine Entschuldigung schuldig war, zunächst aber ließ er ausreichend Zeit verstreichen, bis er sicher war, dass Jesse sich der Ermattung und Erschöpfung hingab, anstatt Valravn noch mal heraus zu fordern, wenn auch gar nicht von ihm beabsichtigt gewesen.
"Ich denke nicht, dass du darüber entscheidest, für wen mein Herz schlägt Jesse, ...es hat diese Wahl, dir gehören zu wollen, allein getroffen und nicht, weil es eine willentlich getroffene Entscheidung war."
Gab er in gewohnt monotoner Manier von sich, sein schwedischer Akzent drang ein wenig stärker in den Vordergrund als sonst, sein Griff um Jesses Handgelenke lockerte sich, löste sich gänzlich, als er sicher war, er hatte kapituliert. Er räumte Jesse wieder mehr Bewegungsfreiheit ein, dennoch senkte sich die Matratze ein wenig unter Valravns Gewicht, der dieses auf das rechte Knie verlagerte und mit einer schlichten, geschmeidigen, Bewegung wieder rücklings auf der weichen Fläche zum Erliegen kam. Allerdings zog er Jesse, am Arm ergriffen, einfach mit aber vor allem zu sich, noch inmitten der Bewegung schob sich seine andere Hand unter Jesse hindurch und kam auf seinem Rücken zum Erliegen, um ihm zeitgleich anzuschieben. Sachte, ruhig aber dennoch bestimmt, beinahe wie bei einem kleinen Tanz, änderte Valravn die Ausgangsposition ihrerseits nahezu ins Gegenteil, nur das es hierbei nicht darum ging, seinen Liebsten auf die Matratze zu pinnen. Er zog ihn mit sich, damit sein Mann, geplagt von Schuldgefühlen und dem nie ruhen wollenden Verstand, eben diesen Kopf auf Valravns Brust betten konnte und der Schwede ihn, schlichtweg zärtlich in den Arm nahm. Unabhängig davon, was zuvor noch in Valravn brodelte, seinen Unmut aufkeimen ließ, nichts dergleichen strahlte er aus oder gedachte er wieder an die Oberfläche kommen zu lassen.
Alles, was er vermitteln wollte und auch konnte, war Ruhe. Daher bedurfte er nicht mehr Worte bislang, sondern wanderte mit der Hand lediglich den, zuvor ergriffenen, Arm von Jesse zärtlich entlang bis rauf zu seiner Schulter, setzte kurz aus und schob ihm, wie so oft, die dunklen Locken aus dem Gesicht, wischte sie nach hinten, sodass sie nicht länger an seiner feuchten Stirn klebten.
"Genug der Entschuldigungen und Vorwürfe für heute, .... ich weiß, dass du nicht wolltest, wie diese Dinge sich entwickelt haben. Wir ...treffen nicht immer die richtigen Entscheidungen beim ersten Mal, ...irren ist nun mal menschlich und niemand von uns ist frei von Fehlern."
Sorgsam, tröstend streichelte er seinem Liebsten über den Rücken und ließ, ganz beiläufig, fast schon tänzelnd, die Fingerspitzen der anderen Hand wieder Jesses Arm erkunden. Er verurteilte Jesse nicht, aus seiner Sicht traf die Schuld jemand ganz Anderen, den Mann, der diesen Moment der Schwäche, dafür ausgenutzt hat, seinen Liebsten zu Dingen zu verleiten, die sonst seinem Wesen total widerstrebten. Den Kopf ein Stück angehoben, gab er Jesse einen Kuss auf den Haarschopf und konnte nicht umhin, erneut an ihm zu riechen, um anschließend tief durchatmend den Kopf wieder ins Kissen sinken zu lassen. Milde, ein wenig nachdenklich, ruhte seine Aufmerksamkeit, sein Blick auf Jesse, während er für sich selbst, den Entschluss fasste, diese Nacht nicht zu schlafen. Es wäre nicht die Erste und beim besten Willen, konnte er nicht riskieren, dass Jesse die Flucht ergriff, ebenso wenig, konnte er seinen Liebsten in diesem Dilemma stecken lassen. "Versuch ein bisschen zu schlafen." Entschied der Schwede schließlich, auch wenn Jesse damit ja auch große Probleme hatte, doch vielleicht fand er zumindest etwas Ruhe, nun wo er dieses Lügengebilde nicht länger aufrecht halten musste oder allein war. Er selbst musste nachdenken, ihm kam natürlich als Erstes der Gedanke, Jesse in den Zoo zu begleiten, um sich einen Überblick zu verschaffen, um selbst einen Eindruck zu gewinnen und abwägen zu können, ob diese Kolonie in absehbarer Zeit wirklich eine Bedrohung für Balar werden konnte.
Der Vorteil ist, der Winter setzte Allen zu, man igelte sich in der Regel ein und sparte Ressourcen wo es nur ging, um über die folgenden Wochen zu kommen. Etwas worauf Valravn sich niemals verlassen hatte, ebenso wenig auf die Einschätzung von Leuten bezüglich anderer Personen, da bildete Jesse keine Ausnahme. So hochbegabt und klug, doch sein Mann checkte die simpelsten Anzeichen nicht, wenn jemand von ihm angetan war.
Vielleicht ließe sich auch ein Weg finden um, Jesses kleine Freundin, aus ihrer Misere zu holen, damit diesem das Herz nicht mehr so schwer wog und Zuflucht könnte sie ebenfalls hier finden. Allerdings, wenn Jesse zum Spionieren hier war, bedeutete das, dass dieses Dorf nicht mehr so geheim war wie angenommen. Er käme nicht drum herum Ivar zumindest vorzuwarnen, ob er Jesse entlarven würde? Nein. Er wollte etwas in die Richtung vermeiden, seinen Mann plagten genug Gewissensbisse und Schuldgefühle. Dieser atmete seufzend aus, sie würden Morgen dieses Gespräch fortführen müssen, zum einen waren sie eh eingeschneit, zum anderen brauchte der Schwede mehr Informationen um das Gesamtbild richtig vor Augen zu haben.
So sollte sein Verstand erst mal auf Hochtouren laufen, während er hoffte, dass Jesse, wenigstens ein bisschen, zur Ruhe kam.

@Jesse Redford


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#10

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 18.01.2020 17:52
von Jesse Redford (gelöscht)
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Der misslungene Fluchtversuch hatte ziemlich an seinen Kräften gezehrt. Doch nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass Val die Wahrheit verbal aus ihm heraus geprügelt hatte und es nicht zugelassen hatte, dass er gehen konnte.
Jesse atmete immer noch schwer, doch er wehrte sich schon lange nicht mehr, als Val ihn endlich losliess. Er wäre wohl einfach so liegen geblieben, erschöpft und erledigt. Doch Val packte ihn erneut, diesmal aber sanfter und weniger streng und zog ihn so an sich, dass er halb auf ihm zu liegen kam. Kraftlos ließ Jesse es einfach zu und bettete seinen Kopf auf Vals warmer Brust. Die eine Hand lag an Vals Schulter, die andere auf seinem Rippenbogen. Kurz dachte er daran, dass irgendwo zwischen ihnen der Ring liegen musste. Doch er war einfach zu müde, um jetzt danach zu suchen. Er wollte sich erst einmal nicht mehr rühren müssen. Seine Kiefer schmerzten, weil er sie so sehr zusammengepresst hatte, die Fersen seiner Füsse fühlten sich wund an, weil er mehrmals über die Matratze gescheuert war. Vermutlich hatte er sie sich dabei ein wenig verbrannt. Seine Handgelenke schmerzten ebenfalls. Obschon Val ziemlich sicher versucht hatte seinen Griff so locker wie möglich zu lassen, hatte Jesse mit aller Kraft dagegen gedrückt und nun spürte er die Nachwehen davon.
Nun hatte er sich ausgesprochen. Er hatte alles gesagt, was ihm auf der Seele gelastet hatte. All die Dinge, von denen er gewusst hatte, dass sie nicht richtig waren... Trotzdem, er konnte dem Zoo nicht einfach den Rücken kehren. Er würde zurück müssen...
Völlig erschöpft schloss er die Augen. Er hörte Vals Herzschlag an seinem Ohr. Er ging etwas schneller als gewöhnlich, was wohl von der vorangegangenen Anstrengung kam.
Jesse versuchte sich einfach nur auf dieses Geräusch zu konzentrieren. Alles andere blendete er so gut es eben ging aus, ließ sich nur von dem rhythmischen Geräusch einlullen, während ihm allmählich die Augen zufielen. Was zwar noch lange nicht hiess, dass er auch schlafen würde. Doch der Anfall und die mentale Herausforderung durch Val hatten ihn wirklich fertig gemacht. Allmählich legte sich ein bleierner Schleier aus Müdigkeit über ihn. Manch anderer hätte sich vielleicht ob des lauten Herzschlages genervt, doch für Jesse war es etwas, woran er sich festhalten konnte. Das Geräusch drängte alle seine Gedanken ein wenig in den Hintergrund. Dazu die Wärme, welche Val ausstrahlte, zusammen mit der Umarmung und seinem vertrauten Geruch. Das erste Mal seit einem Jahrzehnt fühlte sich Jesse mal wieder sicher, obwohl er sich davor so vehement gegen die Hilfe gewehrt hatte.

Von der Erschöpfung komplett eingenommen, dämmerte Jesse tatsächlich innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten in einen mittelmässig tiefen Schlaf. Er begann ruhig zu atmen und es bildete sich sogar eine gewisse Regelmässigkeit. Für eine Weile blieb er auch so ruhig. Zumindest so lange, bis er zu träumen begann. Die Träume waren teilweise ziemlich beängstigend. Immer wieder sah er Scorpion, wie er ihn für seinen Verrat bestrafen würde. Auf die kreativsten Arten und Weisen. Scorpion fand heraus, dass Val sein Partner war, was ihm natürlich eine große Menge Spielmöglichkeiten gab.
Selbst im Traum ging sein Kopf sämtliche möglichen Szenarien durch, die nun auf ihn zukommen konnte, nachdem er Scorpion verraten hatte. Dies äusserte sich auch darin, dass Jesse im Schlaf zu sprechen begann. Am häufigsten fielen Vals und Scorpions Namen. Der Rest war kaum verständlich, weil er derart nuschelte.
Während der Nacht schreckte er mehrmals auf einmal auf, schien jedoch trotzdem nicht richtig aufzuwachen. Jedes Mal schaute er sich beinahe panisch um, atmete schwer und starrte Val dann völlig schockiert an, bevor er realisierte, dass wohl alles okay war und er sich wieder normal hinlegte. An Vals Seite schlief er oftmals grundsätzlich besser, vor allem wenn er mental derart kaputt war. Trotzdem konnte man ihm ansehen, dass der Schlaf alles andere als Erholsam war, so oft wie er scheinbar aufwachte, nur um danach direkt wieder in den Dämmerzustand zurück zu fallen. Mit der Zeit begann er zu zittern, was erst besserte, als Val ihm die Decke über die Schulter legte.
Erst gegen den frühen Morgen schien sich ein Schlaf etwas zu beruhigen. Er wachte nicht mehr auf, atmete wieder ruhiger und vor allem hörte er auf zu brabbeln. Für ein, zwei Stunden wirkte er ziemlich normal, bis er schliesslich die Augen aufschlug. Es dämmerte gerade, weshalb er, als er zum Fenster blickte den silberblauen Streifen sehen konnte, der sich am Himmel abzeichnete. Es hatte aufgehört zu schneien in der Nacht, doch noch immer war der Himmel wolkenverhangen. Mehr konnte er von hier aus aber nicht sehen.
Er fühlte sich absolut gerädert und zerstört und im ersten Moment realisierte er gar nicht, dass er nicht alleine war, obwohl sein Gesicht an Vals Schulter gelegt war und er immer noch in dessen Armen lag. Erst nach einigem Blinzeln und als er den Kopf hob, sah er Val an. Er hatte die Augen geschlossen, sein Gesicht war entspannt, fast wie in Stein gemeisselt. Jesse starrte ihn an. Die Züge, die ihm einst so vertraut waren, hatten sich doch recht verändert. Gestern hatte er das Gesicht zwar schon mehrmals ausgiebig gemustert, doch nie wirklich in Ruhe.
Trotz der Narbe hatte er noch immer dieselben faszinierenden Gesichtszüge. So streng und doch irgendwie sehr elegant.
Als er ihn so ansah, war er sich fast sicher, dass Val wohl kaum tief schlief. Er sah eher aus, als würde er maximal dösen. Vielleicht ruhte er auch bloß das eine Auge ein wenig aus. Trotzdem setzte Jesse sich auf und fuhr sich mit der hand über das Kinn. Das Blut war verschmierte und getrocknet, auf seiner Lippe hatte sich ein kleiner Schorf gebildet, der sicherlich rasch heilen würde.
Seufzend zog er die Knie an und schlang die Arme darum. Nun sass er halb mit dem Rücken zu Val. Einen Moment lang blickte er schweigend aus dem Fenster, beobachtete die grauen Wolken, welche sicherlich noch mehr Schnee bringen würden. Dann senkte sich sein Blick auf Vals Körper neben ihm, bevor er den Ring entdeckte, der die ganze Nacht wohl zwischen ihnen halbwegs eingeklemmt gewesen war. Er griff danach und klemmte den Ring zwischen Daumen und Zeigefinger. In all den Jahren an der Segelschnur war er recht abgewetzt. An einer Stelle war der Ring etwas dünner geworden, da wo er fast immer hing und im laufe der Zeit war es fast zu einer Kerbe geworden.
Jesse musterte ihn einen Moment lang, bevor er den Knoten der Segelschnur zu lösen begann. Er brauchte eine Weile dafür, weil der Knoten ziemlich fest sass. Mit Einsatz seiner Zähne schaffte er es dann aber und das erste Mal seit einem Jahrzehnt befreite er den Ring von der Schnur. Diese legte er neben sich, bevor er den Ring in seine Handfläche legte.
Vielleicht war heute endlich der Tag an dem er Val die Antwort gab, die er ihm seit einer Dekade schuldig war...

@Valravn Vargström


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#11

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 19.01.2020 01:30
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Er war froh, einfach nur erleichtert darüber, das Jesse seine Gegenwehr gänzlich aufgab und sich auch nicht dagegen sträubte, in eine sanfte Umarmung seines Liebsten, gezogen zu werden damit sie Beide etwas ruhen konnten. Valravn würde über ihn wachen, wie früher, ihn beschützen und womöglich waren seinem Mann, tatsächlich, ein paar Stunden Schlaf vergönnt. Vielleicht nicht so viel, wie er dringend nötig hätte, doch ausreichend, damit sein Körper Zeit hatte zum Erholen, während Valravn, einmal mehr, entschied die Nacht durchzumachen, es wäre ja nicht das erste Mal. Zudem schien es die richtige Entscheidung zu sein, darauf zu verzichten und indes auf seinen Liebsten achtzugeben, der unruhig schlief, mehr als einmal vernahm er dessen Murmeln, seinen Namen und den dieses ..Individuums.
Jesses Körper geriet immer wieder unter Spannung, er schreckte mehr als einmal in dieser Nacht auf, mehr benebelt als wach, sodass Valravn ihm immer wieder mit der Hand, behutsam, streichelnd über dessen Rücken glitt und später auch nach der Decke griff, die er seinem Liebsten um die Schultern legte, ihn zudeckte. Immerhin schien sich wirklich irgendwann ein ruhiger Schlaf bei ihm einzustellen und Valravn, der sich in den vergangenen Stunden, nicht vom Fleck gerührt hatte, hob lediglich die Hand um sich das müde Auge zu reiben oder legte sie auf den Mund, als er gähnen musste. Doch er vermied es zu viel Unruhe, zu viel Bewegung aufkommen zu lassen, er wollte diese kostbaren Minuten, in denen Jesse einmal Ruhe, sowie Schlaf, fand nicht unnötig verkürzen. Sein Mann hatte so viel durch gemacht, was war da schon der Verzicht von ein paar Stunden Schlaf für den Schweden, wenn diesem im Gegenzug ein bisschen Erholung vergönnt war.
Dennoch wurde ihm das Lid immer wieder schwer, fiel zu, doch nicht länger als einen Atemzug lang, prompt öffnete Valravn es wieder, blinzelte die Müdigkeit hinfort oder versuchte es zumindest. Als es langsam dämmerte, gab er jedoch nach, zumindest für ein paar Minuten wollte er sein Auge ausruhen, dass ohnehin schon überstrapaziert war, aufgrund dessen, dass ihm gestern ständig die Tränen hochgekommen sind. Er schlief nicht, er döste lediglich, wenn überhaupt und konnte generell viel schwerer abschalten als die Leute hier in Balar, die Meisten waren ja schon über längeren Zeitraum hier, ein Teil von ihm war noch immer da draußen, ruhte angelehnt an einem Baum oder in einer Höhle an der feuchten, kalten Wand, für kaum mehr als wenige Minuten am Stück. Ein Windzug genügte und Valravn war prompt wach, hatte die Hand an der Axt und suchte permanent die Umgebung nach Bedrohungen ab. Dieses Dorf, war nach zehn langen Jahren, die erste Kolonie, an die Valravn nicht nur in der Ferne vorbeiritt, sondern sich darin befand, vor hatte zu bleiben, sich häuslich einzurichten, die damit einher gehende, vermeidliche, Sicherheit hatte ihn noch längst nicht erreicht.
Seine Finger zuckten kaum merklich als Jesse munter wurde, seine Hand lag ruhig zwischen dessen Schulterblättern, noch immer hielt er seinen Mann im Arm. Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig, ebenso ruhig, wie Valravns Gesichtszüge beinahe friedlich anmuteten, nun ja, wären diese vielleicht etwas weicher, nicht so markant, scharf wie sein Verstand oder seine Zunge, wenn er jemanden mit Worten zusammen faltete, wie sonst eine Serviette bei Tisch. Sein ergrauter Pony, der deutlich eine schlohweiße Strähne aufwies, war ihm ins Gesicht gerutscht, ein wenig wirr lag dieser Deckmantel, seines seidig glatten Haares über den Augen oder zumindest das, welches ihm geblieben war. Unter seiner Hand, auf seinem Brustkorb, kam Bewegung auf oder viel mehr, schwand die angenehme, vertraute Last welche Valravn als solche nie empfand. Schließlich war auch das, in einem Bett zu liegen, ein langer Weg gewesen, der unfassbar viel Geduld erforderte von Valravn, denn selbst als er Jesse soweit hatte, nicht gleich panisch aus dem Bett zu springen, sowie die Flucht zu ergreifen, näherten sie sich auch hier in winzig kleinen Schritten an. Umso größer war dann die Belohnung, das Glücksgefühl, als Jesse, das erste Mal, von sich aus, die Nähe im Bett zu dem Schweden suchte und sie einfach nur da lagen, ein wenig kuschelten.
Da ließ sich sogar der Veterinär gerne mal dazu verleiten, etwas länger im Bett liegenzubleiben, die Zweisamkeit zu genießen, bis er dann doch irgendwann aufstand, im Bad verschwand, sich fertig machte und Frühstück machen ging, ehe er später dann, in seine Praxis fahren oder Hausbesuche machen würde. Schließlich konnte und wollte er dies nicht Jesse überlassen, er hatte einfach zu viel Angst davor, dass dieser ihm die Bude abfackelte! So gesehen, hatte Valravn ihn wohl sehr verwöhnt, er war derjenige der Stundenlang in der Küche stand, jedoch unfassbar viel Freude daran hatte, sowie dies als Entspannung empfand. Es war wie das Segeln für Jesse, wenn er kochte, bekam er den Kopf frei, konnte seine Gedanken ordnen, sich zugleich kreativ ausleben und zu allem Überfluss sich selbst, als auch Jesse, mit einem leckeren Essen beglücken.
Das Rascheln des Lakens, sowie der kühle Luftzug, der seinen Körper streifte, veranlasste ihn zwar nicht dazu, das Auge zu öffnen, doch Valravn war definitiv wach, konzentrierte sich jedoch auf das, was er zu hören bekam, was die Matratze darüber verriet was Jesse tat. Sie senkte sich etwas ab, nur verlagerte sich dieser Punkt und verteilte sich nicht mehr so gleichmäßig wie zuvor, als er sich dazu entschied das Auge doch zu öffnen, sah er auch warum. Jesse saß, wie er selbst Stunden zuvor, wenn auch weit angespannter, mit ran gezogenen Beinen im Bett, er schien etwas in der Hand zu halten, es lag nahe, dass es sich dabei um den Verlobungsring handelte.
Hörbar sog Valravn die Luft in seine Lungen, hielt den Atem an und richtete den Oberkörper auf, mit den Händen auf der Matratze abstützend, rutschte er zeitgleich etwas im Bett zurück, er nahm eine gerade Haltung an, hob die Arme und streckte sich. Sein Körper fühlte sich noch etwas bleiern an, schwerfällig, doch diese Müdigkeit wich einen Moment später einem schmerzhaften Ziehen, einem Ziepen, in der rechten Schulter, woraufhin der Schwede zischend die Luft einzog. Wenn auch nur für einen Wimpernschlag, so zuckte der Schwede minimal zusammen, wobei der Schwerpunkt eindeutig rechts lag, da der Schmerz seiner Schulter fast in seine ganze rechte Seite abstrahlte. Er nahm den rechten Arm auch rasch wieder runter, hielt aber kurz inne auf halber Strecke, fasste grob mit der linken Hand an die Narbe, welche die Zähne des Bären hinterlassen haben, um den Bereich zu massieren. Half generell nicht viel, außerdem drückte Valravn viel mehr zu, so als beabsichtigte er Schmerz mit Schmerz zu bekämpfen, nicht ganz unüblich bei ihm, vielleicht auch aus dem Grund, weil er ein anderes Schmerzempfinden hatte, als die meisten Leute in seinem Umfeld. Valravn konnte viel ertragen, er hatte keine Schmerzmittel zur Verfügung, nachdem der Grizzly ihn durch den Fleischwolf gedreht hatte, er musste sich zusammen flicken, wobei er immer wieder zwischendurch das Bewusstsein verloren hatte. Es glich einem Wunder, dass er überlebt hatte aber seit dem, war er abgestumpft. Natürlich nahm er einen kleinen Schnitt noch genauso intensiv wahr, wie gebrochene Rippen oder eine tiefe, klaffende Bisswunde, nur knickte er nicht so schnell ein oder gab einen Mucks von sich.
Der Schwede rieb sich im Anschluss über das müde Gesicht, senkte die Hände und legte den Fokus auf seinen Mann, dessen Rücken eindeutig ebenso entzückend war, wie seine Front. Den Kopf ein winziges Bisschen zur Seite geneigt, betrachtete er ihn, entschied sich dann aber dazu, an diesen heranzurutschen, sodass er schräg hinter ihm verweilte, sowie den Kopf nach vorn reckte um, unauffällig, an Jesse zu riechen. Gut, vielleicht unauffällig für Andere, doch Jesse wusste um seine kleinen Macken, seine Eigenarten, wozu nun mal auch gehörte, das Valravn gerne an ihm roch, sowie sich über seine hochsensible Nase, ähnlich wie ein Tier, zusätzliche Informationen über etwas oder jemanden verschaffte.
Bei dieser Geste, die Nähe einforderte, jedoch ohne zu berühren, beließ Valravn es jedoch nicht, denn je länger er auf Jesses nackte Schulter schaute, umso verlockender wurde es, weswegen der Schwede, sich weiter vorlehnte, das bisschen Distanz überwand und seine Lippen an diese schmiegte. Ein Seufzen entwich ihm selbst dabei. "Waren die Alpträume sehr schlimm?" Fragte Valravn in seiner stoisch gelassenen Manier, ließ seiner Frage aber prompt den nächsten Kuss folgen, der länger auf Jesses helle, noch immer samtig weiche, Haut traf, nur versetzt, da er sich dessen Hals annäherte. "Was möchtest du zum Frühstück?" Seine Worte drangen gedämpft, rauchig, an Jesses Nacken, da Valravn sich dazu entschied, dort den nächsten Kuss zu platzieren, wohl wissend welch sensible Hautpartie am Körper eines Menschen dies sein konnte. Nebenbei hatte er die rechte Hand gehoben, seine Fingerspitzen strichen hauchzart, erkundend, vielleicht auch unbewusst dadurch kitzelnd, an Jesses Rippenbogen hinauf und schoben sich schließlich nach vorn, wo er seine Hand auf seinem Brustbein platzierte. Er übte nur geringfügig Druck auf Jesses Oberkörper aus, wollte lediglich testen, ob er dagegen hielt oder sich, die wenigen Zentimeter, zurückfallen ließ, mit dem Rücken an seinen Mann gelehnt.
Der nicht umhin konnte, mit der Nasenspitze, tief seinen Duft einatmend, Jesses linke Halsseite zu streifen, zeitgleich atmete der Schwede wieder aus, sodass sein warmer Atem die weiche Haut streifte, bevor er aufs Neue seine Lippen an diese schmiegte. Flüchtig huschte sein Schlafzimmerblick über den Ring, den Jesse zwischen den Fingern hatte, bewusst streifte sein Atem wieder dessen Hals, bevor Valravn die freie Hand anhob und nach diesem fasste, ihn förmlich aus dessen Fingern pflückte, um ihn ein Stück hochzuhalten. Er nahm ihn, wie Jesse zuvor, zwischen Daumen und Zeigefinger, drehte ihn etwas, während sein Blick auf dem kleinen Metallring lang, ganz beiläufig, einfach, weil ihm der Sinn danach stand, rieb er sein, von dunklen als auch weißen Stoppeln übersätes, Kinn an Jesses Halsseite. Früher vermied Valravn tunlichst einen Bart, spätestens am zweiten Tag, musste er sich einfach rasieren, da er sich selbst sonst als ungepflegt empfand, jedoch war nicht zu leugnen, das ihm dieser ebenfalls sehr gut zu Gesicht stand.
"Heb deine linke Hand." Forderte Valravn ihn auf, mit gewohnt liebevoller strenge, streiften seine Worte direkt Jesses Ohr, auf dessen Höhe er den Kopf angehoben hatte, den Seinen, leicht gegen den dunklen Wuschelkopf lehnend.

@Jesse Redford


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#12

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 19.01.2020 06:09
von Jesse Redford (gelöscht)
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Es dauerte nicht lange, nachdem er sich aufgesetzt hatte, den Ring aus der Schnur gefädelt und ihn nachdenklich betrachtet hatte, dass auch Val sich hinter ihm rührte.. Jesse sah nicht hin, was er hörte gab ihm genug Informationen. Wie Val sich aufsetzte, seinen Körper streckte und dehnte und dabei offenbar Schmerz erfuhr. Ihm entging das leise Zischen nicht, als der Schmerz durch seinen Körper zuckte. Von dem was er am Tag zuvor gesehen hatte, die ganzen Narben, die den Körper seines Liebsten übersäten , erstaunte es ihn überhaupt nicht, dass Val mit mehr oder weniger permanent anhaltenden Schmerzen zu kämpfen hatte.
Sein eigener Blick lag immer noch auf dem Ring. Gestern Abend hatte er einen seiner Anfälle gehabt, die ihm höchst unangenehm waren. Er konnte diese Anfälle nicht immer verhindern, sie kamen ab und zu einfach, wenn er mental dermassen unter Druck stand, dass er das Gefühl hatte in tausend Scherben zu zerbrechen.
Danach fühlte er sich immer ziemlich schlapp. Sein Körper war überstrapaziert und erschöpft nach diesen Zusammenbrüchen in denen er sich gegen jeden äusseren Einfluss wehrte wie ein Tier. Natürlich erinnerte er sich dennoch an nahezu alles was in diesen Sekunden geschah. Nicht einmal in diesen Momenten konnte sein Kopf weit genug abschalten, dass er das vergessen konnte.
Er erinnerte sich auch daran, wie er die Kette von sich gerissen hatte, nur Sekunden bevor er die Flucht ergreifen wollte, welche Val erfolgreich verhindert hatte, weil er heute wie auch vor zehn Jahren einfach der Kräftigere von ihnen beiden war.
In dem Moment musste das Kleinod irgendwie zwischen sie gerutscht und bis zum heutigen Morgen dort vergessen worden sein.
Nun hielt er es wieder zwischen seinen Fingern, unschlüssig was er damit tun sollte. Wie immer waren sich Kopf und Herz uneins was zu tun war.
Da war die Ablenkung durch Val irgendwie willkommen. Nachdem dieser sich gestreckt hatte, ging es nicht lange, da spürte er, wie er sich etwas vorbeugte, nur um anschließend seine Lippen an seiner Schulter zu spüren. Val war schon immer der gewesen, der weniger Probleme mit Körperkontakt hatte. Er hatte Jesse beigebracht wie schön es sein konnte Zweisamkeit mit jemandem zu teilen.
Bei den sanften Berührungen, den sachte und sanft anmutenden Küssen auf seiner Haut, nachdem er an ihm gerochen hatte, wie er es so oft tat, kriegte Jesse eine leichte Gänsehaut.
Es hatte eine Weile gedauert, bis er ein Aftershave gefunden hatte, das den Ansprüchen von Vals exzellentem Geruchsinn genügte und vor allem auch, bis er die richtige Dosierung gefunden hatte, welche nach dem sensiblen Empfinden Vals nicht die Luft verpestete.
So richtig hatte Jesse nie verstanden, weshalb Val es so mochte an ihm zu riechen, doch an diese Eigenart hatte er sich irgendwann gewöhnt. Es störte ihn längst nicht mehr. Jetzt sogar empfand er es sogar als beruhigend. Es war eine gewohnte Geste von einem Mann, den er viel zu lange nicht gesehen hatte.
„Ich habe dich heute Nacht einige Male sterben sehen...“, beantwortete er ihm seine Frage mit Flüsterstimme. „Er war ... nicht erfreut über meinen Verrat. Also hat er mir die einzigen Dinge genommen, die mir auf dieser Welt noch etwas bedeuten...“ Seine Stimme war tonlos, als er von seinen Albträumen erzählte. Er hielt sie vage und doch war mehr als klar, was heute Nacht in seinem Kopf alles geschehen war. Mehr wollte er eigentlich auch nicht darüber reden. Gerade war ihm Vals Nähe auch wichtiger als das. Val schien das zu spüren, denn kurz darauf spürte er ihn wieder etwas mehr, unweigerlich reckte Jesse ein wenig den Hals, ohne sich dessen selbst gewahr zu sein. Er machte platz für die Zärtlichkeiten, die Val mit ihm teilen wollte, genoss dessen warmen Atem auf seiner Haut. Selbst wenn er nicht wirklich wirkte, als würde er es geniessen, Val wusste, dass die Regungslosigkeit mit der er diese Annäherungen akzeptierte bei ihm bereits mehr als Einwilligung war. Jesse war selten zurückhaltend gewesen, wenn er verdeutlichen wollte, dass er keine Lust hatte oder nicht angefasst werden wollte.
Heute morgen empfand er diese Annäherung durchaus als tröstend. Auch als Vals Hand allmählich an seinem Körper langsam nach oben an seine Brust wanderte. Für einen Augenblick hielt Jesse tatsächlich gegen den sanften Druck, doch schliesslich gab er mit einem leichten Schnaufen nach, überbrückte die kurze Distanz zwischen ihnen, indem er sich zurück und an seinen Partner lehnte.
Dabei warf er das erste Mal einen kurzen Blick zu ihm. Für den Hauch einer Sekunde streiften ihre Wangen aneinander, als Jesse den Kopf ihm zuwandte. Dabei schmiegte er sich hauchzart an ihn, bevor er jedoch den Blick wieder auf den Ring in seiner Hand richtete.
Jenen Ring, den Val ihm mit einer geschickten Handbewegung wegnahm und ihn selbst für einen Moment betrachtete. Jesse entspannte seine Hände und lehnte seinen Kopf erneut an den von Val, während er seinem Blick folgte.
Er wusste wie sehr sich Val wünschte, dass er dieses kleine Schmuckstück endlich an seinem Finger trug. Dass die Art ihrer Beziehung endlich offiziell den Namen erhielt, den er dafür vorgesehen hatte.
Er wollte ihn schon damals zu seinem Mann machen, obschon Jesse unerfahren gewesen war und sich seine Erfahrungen bis zu diesem Tag nur auf den Mann beschränkten, der nun bei ihm im Bett sass. Selbst im letzten Jahrzehnt war er nie jemandem wirklich näher gekommen. Was ihn aber nie wirklich gestört hatte. Nun jedoch, unter diesen ganzen kleinen Zärtlichkeiten, stellte Jesse fest, wie sehr er sie eigentlich vermisst hatte. Val hatte ihm gezeigt, wie schön Nähe sein konnte und auch wenn es meistens der Ältere von beiden gewesen war, der die Initiative ergriff, so war im Laufe der Zeit auch Jesse soweit auf den Geschmack gekommen, dass er Val mitgeteilt hatte, dass er ihn gerade wollte. Nicht ganz so offensiv wie Val jeweils, eher unterschwellig, indem er ihn auf seine eigene, beinahe unschuldige Art dazu provozierte diese Lust zu erwidern.
Auch jetzt schoss sein Herzschlag sprunghaft in die Höhe, wobei die hauchzarten Liebkosungen nur am Rande der Auslöser dafür waren. Hingegen bat Val ihn, ihm die linke Hand zu reichen. Die Hand, an welche die Ringe kamen, mit denen man sich Gegenseitig die absolute Treue schwor. In Amerika zumindest. In anderen Ländern konnte es auch die rechte Hand sein. Hier glaubte man daran, dass die linke Hand näher am Herzen war, weshalb der Verlobungs- und Ehering an diese Hand kamen.
Kurz warf er ihm einen zögerlichen Blick zu, bevor er leise ausatmete und seine linke Hand mit leicht gespreizten Fingern vor ihrer beider Gesichter etwas in die Höhe hielt.
Ja, er fühlte sich, als wäre er bereit dafür. Wenn nicht jetzt, wann dann?

@Valravn Vargström


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#13

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 19.01.2020 14:03
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Zugegeben, er war unsicher, darüber wie es sein würde, am nächsten Morgen festzustellen, dass Jesse wirklich kein Fiebertraum war, sondern der gestrige Tag, verbunden mit all den emotionalen Höhen und Tiefen, die sie Beide, nahezu in Rekordzeit, durchlaufen mussten, tatsächlich geschehen war. Sein Verstand hatte die letzten Stunden damit verbracht, nach Lösungen zu suchen, Möglichkeiten zu finden um, möglichst mit geringem Blutvergießen, Jesse aus seinem Dilemma, dass ihn nun zwischen den Fronten gefangen hielt, zu befreien. Valravn wäre unter anderen Umständen, wenn er nicht die ein oder andere Person hier, lieb gewonnen hätte, wortlos mit Jesse, sowie der wenigen Habe, die der Schwede immer schon bei sich hatte auf seiner, nie enden wollenden, Wanderung, zum Stall gegangen, hätte Sleipnir gesattelt und wäre mit ihm einfach davon geritten.
Weg von alledem, zumindest hätte er Ivar eine Nachricht hinterlassen, Valravn war nicht gut in Abschieden aber das Problem war, vielleicht aber auch ein glücklicher Umstand, dass sie vollkommen eingeschneit waren im Moment. Es wäre Tierquälerei sein Pferd bei dem Wetter zu strapazieren, Sleipnir war das Leben im Freien gewöhnt, wie der Schwede, doch er wägte immer sehr genau ab, welche Belastungen er seinem Hengst zumutete und was er ihm abverlangen konnte. Valravn nahm große Umwege in Kauf, wenn ihm das Verletzungsrisiko für sein Pferd zu hoch war, der Hang zu steil, die Strömung des Flusses zu stark oder die Distanz zu groß für einen Sprung.
Sein Liebster hätte wohl auch nichts dagegen einzuwenden, im Grunde brauchte es nur sie zwei, um glücklich zu sein aber, wie Valravn, hatte auch Jesse Freundschaft geschlossen. Minerva. Der Schwede überlegte, ob er ihm sagen sollte, dass der Name ihm geläufig war, dass er ein Gesicht dazu vor Augen hatte. Rotes Haar, grüne Augen, feine Gesichtszüge, schön geschwungene Lippen, eine kleine senkrechte Narbe, die ihre Augenbraue teilte, eine zierliche, kleine Frau mit Feuer im Blick, sowie geschickten Händen, die ihm, vor vielleicht ungefähr einem Jahr, die Hufe seines Pferdes beschlagen und ein neues Schwert geschmiedet hatte. Er erinnerte sich an den russischen Akzent, weshalb der Schwede entschied, linguistisch begabt und vielfältig wie er war, in ihrer Muttersprache etwas mit ihr zu plaudern. Sein Russisch war etwas eingerostet, sie hatte seinen Akzent sehr amüsant gefunden und von seinem bedrohlichen Erscheinungsbild, mit Augenklappe, Bärenpelz und grimmigen Blick, nicht einschüchtern lassen. Nun, wo er darüber nachdachte, musste er Jesse um wenige Wochen, vielleicht einen oder zwei Monate verpasst haben, wie bitter und ironisch zugleich. Denn die Frau, mit diesem einprägsamen Namen, bewegte sich frei, sie hatte ein zauberhaftes Lächeln, nicht das es für Valravn wichtig war, sein Herz gehörte nur einem und sie war viel zu jung. Erinnerte ihn aber ein bisschen an seine ältere Tochter, die so unglaublich grimmig und verbissen schauen konnte, wenn sie sich auf etwas fokussierte, wie die Schmiedin.
Vielleicht brachte er es später zur Sprache, zumal es noch vieles gab, dass der Schwede in Erfahrung bringen musste, ehe er sein weiteres Vorgehen plante, mit Jesse zusammen.
Der für ihn jedoch immer schon im Fokus lag, obgleich der Schwede sich problemlos sozialen Herausforderungen stellte, gar Dinner veranstaltete für mehrere Leute, vor allem in Stockholm, so war er weit weniger an solchen Interaktion interessiert, wie es den Anschein erweckte. Valravn lebte nicht grundlos abgeschieden, er ertrug andere Leute nur für bestimmte Zeit, meist langweilten sie ihn ungemein schnell oder waren, aufgrund von banal erscheinenden Kleinigkeiten, schlichtweg nervtötend. Es konnte die Art sein wie jemand lachte, der Klang der Stimme, ein störender Geruch, schlechter Modegeschmack, was schnell dazu führen konnte, dass der Schwede sofort tiefste Abneigung empfand jener Person gegenüber. Er gab auch nicht jedem die Hand.
Umso seltsamer musste es sein, dass Valravn bei Jesse, sich von solchen Dingen nicht hatte abschrecken lassen, obwohl dessen Aftershave damals, seine empfindliche Nase, fast erschlagen hatte, mit seinem penetranten Gestank. Wie hatte er gesagt, es musste etwas Billiges sein, mit einem Schiff auf dem Etikett, weil es so beißend war und von Jesses, nicht vorhandenen, Modegeschmack ganz zu schweigen. In der Hinsicht musste Valravn ihn sich, mit den darauf folgenden Jahren, erst noch ein bisschen erziehen aber nicht um ihn, nach seinen Wünschen zu formen, sondern weil er lediglich das Beste aus seinem Mann heraus holen wollte. Er liebte Jesse wie er war, wie er ist, für sein komplexes, wenn gleich mitunter auch anstrengendes, Wesen aber der Schwede gehörte auch nicht zur pflegeleichten Sorte Mensch. Jesse konnte mit ihm umgehen, sie begegneten sich auf Augenhöhe, wenn er wollte, bot er Valravn die Stirn, ebenso vermochte er es, seinen Mann zu zügeln, wenn er doch dazu neigte, auf seine so beherrschte, höflich, wenn gleichermaßen scharfzüngige Art, seinem Umfeld verbale Ohrfeigen zu verpassen.
Ihre Beziehung war kein einseitiges Geben oder Nehmen, des jeweils anderen, für sich selbst hatte Valravn den Partner gefunden, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen wollte, im Grunde hatte es auch nie einen Ring am Finger gebraucht, doch der Schwede war altmodisch, klassisch was das anbelangte.
Jesse war sein Ehemann, ganz gleich, ob ein Ring seinen linken Ringfinger zierte oder nicht. Es wäre nur die Krönung, das, in Metall gefasste, Symbol ihrer Verbundenheit. Die sich darin äußerte, dass er, trotz der Jahre, die sie getrennt hatten, keinerlei Scheu hatte, sich seinem Mann, wie früher am Morgen, anzunähern und mit kleinen Liebkosungen, sanften Küssen, zu begrüßen. Dabei ließ er sich von Jesses Antwort auf seine Frage nicht abhalten, dieser ging nicht ins Detail, er äußerte nur die Kernaussage seiner Alpträume und dies genügte bereits. Mit einem leisen Brummen nahm er diese zur Kenntnis, überlegte, ob er dazu etwas sagen sollte, doch der Traum war geträumt, Valravn hatte auf viele Dinge Einfluss aber nicht darauf, das hatte niemand. Ihnen war zudem bewusst, das solche Träume lediglich der Versuch war, des eigenen Unterbewusstseins, emotionale Erlebnisse und damit verbundene Eindrücke zu verarbeiten. Den Tod fürchtete Valravn nicht, dem hatte er inzwischen mehr als einmal, in seinen 54 Jahren auf dieser Welt, direkt ins Auge geblickt und sterben taten sie Alle irgendwann.
Dafür fände er keine tröstenden Worte, zumal Jesse viel zu intelligent war, um sich von fadenscheiniger Schönfärberei blenden zu lassen. Selbstverständlich dienten seine Annäherungen, seine Liebkosungen auch dazu, Jesse auf andere Gedanken zu bringen, es war aber nur der Nebeneffekt, denn Valravn nahm sich stets die Zeit, selbst wenn er in die Praxis musste, seinen Mann wissen, gar spüren zu lassen, dass er immer an erster Stelle stand. Der Schwede zelebrierte ihre kleinen Rituale, Liebe war mehr, als sich nur in den Laken zu wälzen, sie musste respektiert, wertgeschätzt und gepflegt werden, in all ihren vielschichtigen Facetten, Formen und Farben. Er war gewiss nicht der Mann, der nur flüchtig, zwischen Tür und Angel, in Eile, seinem Liebsten einen Kuss auf die Wange presste, um dann für den Rest des Tages in Arbeit zu versinken. Zwar hielt Valravn seine Zuneigung, in der Öffentlichkeit, im Zaum aufgrund diverser Umstände, doch daheim, in ihrem eigenen kleinen Reich, sah er dazu keinerlei Anlass und selbst wenn Jesse nicht den Eindruck erweckte, wusste er ganz genau, das ihm diese Zuwendung gefiel, nachdem er sich endlich überwinden konnte, sie zuzulassen, anstatt sich gegen Alles zu sträuben.
Wie so oft lag der Teufel im Detail, Jesse hatte es nicht nötig, sich willig die Kleider vom Leib zu reißen oder sich auf den Schweden zu werfen, es reichte bereits diese winzig kleine Bewegung, das Recken seines Halses, um den Schweden wissen zu lassen, dass er Gefallen daran hatte und ihn förmlich dazu einlud, weiterzumachen. Dem kam er nur zu gerne nach, selbst als Jesse nicht gleich, dem sanften Druck, nachgab und sich zurückfallen ließ, jedoch hieß das ebenso wenig, das Valravn es nicht erneut versuchte. Er wäre nie bis zu diesem Punkt gekommen, dazu eine Beziehung mit Jesse zu führen, hätte er immer beim kleinsten Widerstand sofort den Rückzug angetreten. Manchmal brauchte sein Liebster einfach einen Moment, um alte Gewohnheiten abzulegen, und sich nicht auf Anhieb gegen Alles zu sträuben, schließlich ließ er sich letztendlich ja doch zurückfallen.
Er würde ganz anders reagieren, wenn ihm wirklich nicht der Sinn danach stünde, ein wenig Zweisamkeit mit dem Schweden zu teilen am Morgen. Jesse konnte mitunter ja auch recht biestig sein, vielleicht strahlte er nicht Valravns Selbstbewusstsein aus, doch auf den Mund gefallen war er definitiv nicht, der dunkelhaarige Wuschelkopf, war sehr wohl dazu fähig seinen Standpunkt deutlich zu machen. Natürlich gab es Momente, wo der Schwede ihn dann trotzdem in die Ecke drängte, wissend, dass der Schritt einfach notwendig war, um wieder eine Schicht abzutragen, von der Mauer, die dieser um sich herum errichtet hatte. Sein Partner wusste jedoch und konnte sich darauf verlassen, dass Valravn ihn respektierte, er überschritt keine Grenze, wenn er Jesse dadurch ernsthaft, körperlich als auch mental, verletzen, ihm etwas aufzwingen oder gar erniedrigen könnte. Diese Dinge lagen ihm fern und darauf basierte ihre Beziehung auch nicht.
Stattdessen wollte Valravn diese auf die nächste Stufe erheben, schon vor dem Ausbruch, als er nach langer Überlegung diesen Schritt wagte, indem er um Jesses Hand anhielt. Eigentlich befanden sie sich längst auf dieser Stufe, obgleich sie noch kein gemeinsames Haus bezogen hatten, doch obgleich Valravn älter war, hatte er nie das Gefühl die Dinge überstürzen zu müssen. Auch jetzt nicht, sie hatten alle Zeit der Welt aber dieser Ring, welchen er ein Stück hochhielt, damit er ihn betrachten konnte, es wurmte ihn einfach, dass Jesse ihn noch immer nicht am Finger trug. Ja, er wusste wie banal es eigentlich ist, sein sollte, es war ein Stück Metall, dessen Symbolik ihn jedoch nicht losließ. Er war viel zu stolz, vielleicht lag es daran, seinen früheren Ehering hatte er nie abgelegt, erst als die Scheidung komplett durch und abgeschlossen war, zog er diesen vom Finger, legte ihn eine Schatulle und öffnete sie nie wieder.
Valravn ließ seinen Blick auf dem Ring liegen, er sah nicht rüber zu Jesse, der im Gegenzug den Kopf minimal bewegte, ob der Aufforderung des Schweden, seine linke Hand zu heben. Zwar wiederholte er sich nicht, er hasste es sich wiederholen zu müssen, doch sein Mann wusste, Valravn würde den ganzen Tag lang, sich nicht vom Fleck rühren, geschweige denn Jesse aus dem Bett lassen, wenn er seiner Aufforderung nicht nachkam. Er war eben sehr...beharrlich.
Und er hatte die Geduld, die Jesse oftmals fehlte.
Sein eigener Herzschlag begann lauter in seinen Ohren zu dröhnen, es schlug kräftiger in seiner Brust, obgleich er die Ruhe selbst, nach außen, hin verkörperte und wartete, so lange bis Jesse endlich die linke Hand anhob, die Finger leicht gespreizt, sodass Valravn ihm, nach so vielen Jahren, endlich den Ring an den Finger steckte, wo schon damals sein Platz hätte sein sollen. Am linken Ringfinger. Zwar mochte der Ring etwas in Mitleidenschaft gezogen worden sein, ebenso wie der Mann, der ihn vor über zehn Jahren, bei einem Goldschmied, in Auftrag gegeben hatte aber das spielte keine Rolle, alles was zählte war, dass er endlich an seinem vorher bestimmten Platz saß.
Valravn betrachtete Jesses Hand, er atmete auf, erleichtert, zufrieden wirkend, obwohl er augenscheinlich nicht mal mit der Wimper zuckte, doch überschwängliche Gefühlsausbrüche gab es bei diesem Mann selten, er war doch kein Teenager mehr. Gut, nicht mal als Teenager war er sonderlich emotional gewesen oder anders ausgedrückt, hatte er sich nie von ihnen übermannen lassen. Seine Hand drehte er so, dass seine Handfläche an Jesses auflag, er schob seine Finger zwischen die Seinen, griff zu und zog Jesses Hand zu sich um, endlich, nach dieser langen Wartezeit, einen innigen Kuss auf das Metall an seinem Finger zu betten.
Unbewusst hielt er in dem Moment den Atem an, hatte das Auge geschlossen und somit jeglichen, überflüssigen, Außenreiz abgeschottet. Dieser Moment, auf den er so ewig lange gewartet hatte, den ließe er sich von Nichts und niemanden nehmen.
Endlich konnte diese Ungewissheit von ihm abfallen. Die stetige Frage, ob Jesse, damals, wenn nicht die Welt untergegangen wäre, wie sie, sie kannten, gewillt war ihn zu heiraten, hatte endlich ihre Antwort.
Mitunter mochte Valravn sich selbst gerne reden hören, doch er konnte ebenso ein Mann weniger Worte sein, der lieber Taten für sich sprechen ließ und mit Jesse, hatte er den Partner gefunden, der ihn auf so vielen, unterschiedlichen, Ebenen klar und deutlich verstand. Er war sein Gegenstück, Valravns Schwächen, glich Jesse mit seinen Stärken aus und umgedreht.
Dieser Moment, dieser Kuss, mag vielleicht nur ein paar Augenblicke andauern, für Valravn war es als stünde die Zeit still, es war befreiend, die ultimative Belohnung, für all die Jahre, für die unglaubliche Geduld und Hartnäckigkeit die er an den Tag gelegt hatte, um Jesse Charles Montgomery Redford für sich zu erobern, sein Herz zu gewinnen. Er gehörte ihm, nein, er gehörte zu ihm, an seiner Seite war Jesses Platz, immer schon gewesen, seit Valravn in diese herrlich blauen Augen geblickt hatte.
Als er den Kuss langsam löste, bebten seine Lippen förmlich, er befeuchtete mit der Zunge, hielt Jesses Hand weiterhin fest und drehte den Kopf zur Seite, blickte seinem Ehemann, der er immer schon für ihn war, in die herrlich blauen Augen und obwohl Valravn, noch immer einen sehr beherrschten Eindruck machte, gar ungerührt erschien, nicht einmal den Mund minimal zu einem Lächeln verzog. So sprach sein Blick wahrlich Bände, ein feuchter Glanz hatte sich auf seine dunkelbraune Iris gelegt, er leckte sich erneut die Lippen, öffnete sie einen Spalt, denn für gewöhnlich fand er immer die passenden Worte, aber diesmal war er sprachlos.
Er konnte schlichtweg nicht in Worte fassen, weil keines auch nur im Ansatz ausdrücken könnte, was er in dem Moment fühlte, wie viel es ihm bedeutete, dass Jesse endlich diesen Ring am Finger trug.
Doch Worte bedurfte es auch nicht, sein Arm legte sich um Jesses Bauch, obgleich sie bereits so nah beieinander im Bett saßen, drückte er seinen Ehemann mehr an sich, damit nicht mal ein Blatt Papier sich zwischen sie drängen konnte, im selben Atemzug verringerte er den, eh schon geringen, Abstand ihrer beiden Lippenpaare und doch küsste er Jesse nicht. Obgleich nicht mal mehr ein Zentimeter Abstand sie voneinander trennten, hielt der Schwede bewusst inne, blickte Jesse in die Augen und streifte lediglich, als er sich, erneut, die Lippen befeuchtete, dabei die seines Mannes mit der Zunge, nur um deutlich zu machen, wie verdammt nah er ihm war, sogleich aber fern.
Es war einer dieser Augenblicke, wo der Schwede bewusst, entgegen seiner eigenen Wünsche und Sehnsüchte, nicht den letzten Schritt ging, sondern diesem Jesse abverlangte, der auch manchmal dazu aufgefordert wurde, von seinem Mann, aus seiner Komfortzone herauszukommen, um zu erhalten, einzufordern, was er selbst auch wollte. Möglich das Valravn ihm manche Dinge abnahm, weil es schlichtweg in seiner Natur lag, doch das bedeutete nicht, das Jesse sich stets zurücklehnen und genießen konnte, manchmal musste er auch den Mut fassen, sowie Eigeninitiative zeigen. Der Schwede mochte ihm an den Augen ablesen können, was er wollte, das bedeutete aber nicht, dass er es dann auch jedes Mal bekam.

@Jesse Redford


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#14

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 19.01.2020 18:12
von Jesse Redford (gelöscht)
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Obwohl Jesse die traditionellen Worte nie ausgesprochen hatte, war klar, dass er es nicht tun musste. In all den Jahren hatte er sich nie in jemand anderes verliebt. Er hatte den Ring ständig mit sich rumgetragen, nur nicht am Finger, weil es ihm falsch vorgekommen wäre, da er nie die Gelegenheit gehabt hatte, offiziell Ja zu sagen.
Vals Tonfall nach zu urteilen hatte er das Warten nun auch satt. Seine Stimme klang streng und zugleich sanft. Es war die Art, welche Jesse einen Schauer über den Rücken jagte, der jedoch nicht zwingend negativ war.
Er hob seine linke Hand, während er an Vals Schulter lehnte und beobachtete, wie Val endlich das tat, was er schon vor zehn Jahren hätte tun wollen. Er streifte ihm den Ring über den Finger, platzierte ihn endlich da, wo er hingehörte und damit war eigentlich schon alles gesagt. Sie waren offiziell verlobt.
Jesse konnte die Kerbe fühlen, welche die Schnur im Laufe der Jahre im Metall hinterlassen hatte. Der Ring war durchgewetzt und trotzdem passte er ihm eigentlich ganz gut. Allerdings konnte ein neues Paar, diesmal nicht nur Verlobungsringe sondern wirklich Eheringe, nicht schaden. Er wusste auch schon, wen er damit beauftragen würde... Wenn er sie aus dem Zoo befreien konnte. Das war natürlich die Voraussetzung für die Umsetzung seiner Idee.
Einen Moment lang musterte er den Ring, ehe Val nach seiner Hand griff. Sie verhakten die Finger ineinander und kurz darauf spürte er Vals Lippen auf dem Ring. Jesse schaute ihm schweigend dabei zu. Er war erstaunlich ruhig dabei. Noch vor einem Tag hatte er nicht damit gerechnet, seinen Mann jemals wieder zu sehen. Und nun sassen sie hier, frisch und offiziell verlobt, für einander bestimmt und einander versprochen.
Als Val ihre Hände wieder senkte und ihn ansah, erwiderte Jesse seinen Blick. Er schaute in die braunen Augen, die leicht feucht anmuteten. Val war genau wie er selbst kein Mann grosser Emotionen, weshalb dieses Detail schon ausreichte, dass Jesse gerührt war. Dieser Moment war von Val sehnlicher herbeigesehnt worden, als man auf den ersten Blick vielleicht denken konnte.
Jesse hob ein klein wenig den Mundwinkel. Er wusste auch nicht, was er gerade sagen sollte, doch Worte waren in diesem Augenblick auch nicht wirklich nötig. Kurz atmete er durch, da näherte sich Val mit seinem Gesicht, hielt aber kurz vor dem zu erwartenden Kuss inne. Statt seiner Lippen spürte Jesse Vals Zunge über seine Lippen fahren.
Jesse verstand die Aufforderung. Dafür kannte er Val und dessen Eigenarten gut genug. Von Anfang an war ihre Beziehung von einem unverkennbaren Dominanzgefälle geprägt gewesen. Vals Präsenz, seine ganze Ausstrahlung ließ Jesse schon immer erschaudern. Ja, Anfangs hatte er es beinahe beängstigend gefunden. Weil er davon überfordert gewesen war, dass Val ihn mit Leichtigkeit in eine Ecke drängen konnte, wenn er das wünschte. Und dazu musste er noch nicht einmal etwas sagen oder etwas besonderes tun. Die natürliche Dominanz, die er ausstrahlte reichte vollkommen. Jesse hatte Anfangs versucht dem auszuweichen und entfliehen, doch Val zog seine Kreise immer enger, bis es für ihn kein Entkommen mehr gab. Schließlich jedoch begriff Jesse den Reiz dieser Ausstrahlung. Dass er sich dem hingeben und unterwerfen konnte und dennoch auf Augenhöhe mit ihm sein konnte. Val brachte ihm den Reiz dieser kleinen Spielart sanft aber bestimmt näher. Also ließ er sich darauf ein, weil er wusste, dass er Val damit vertrauen konnte. Sie waren dennoch gleichgestellt, obwohl Jesse freiwillig die sich fügende, unterwürfige Rolle einnahm, bis zu dem Grad zu dem er es auch wollte.
Als Val ihn nun stillschweigend dazu aufforderte ihn zu küssen, unterwarf er sich dieser stummen Bitte und überbrückte die kleine Distanz zwischen ihnen. Er legte seine Lippen auf Vals und küsste ihn liebevoll. Dabei löste er ihre Hände voneinander, um sie stattdessen an Vals Wangen zu legen. Jesse schloss die Augen, bevor seine Hände von Vals Wangen zu dessen Nacken wanderten und ihn dort umschlossen. Es war eigenartig ihn nun wieder hier zu haben, ihn riechen und schmecken und vor allem küssen zu können. Erst jetzt merkte er, wie sehr er das eigentlich vermisst hatte. Zärtlichkeiten austauschen, Val nahe zu sein, seinen Körper an ihn schmiegen zu können.
Langsam begann er dann sein Gewicht nach hinten zu verlagern, wollte Val davon überzeugen sich über ihn zu beugen, sodass er selbst sich zurück in die Kissen legten konnte, ohne den Kuss zu lange unterbrechen zu müssen.
Dies tat er für einen kurzen Atemzug.
„Jag älskar dig“, flüsterte er dabei in Vals Muttersprache. Er atmete etwas schwerer, weil die Emotionen wieder etwas hochkamen. Val war sein Verlobter. Er war endlich wieder hier. Sie hatten sich wieder gefunden...
Langsam ließ er sich zurücksinken und behielt lediglich seine Hände in Vals Nacken, um ihn langsam über sich zu ziehen. Dabei musterte er ihn einen Augenblick lang schweigend aber mit einem sanften Lächeln, bevor er die Hände wieder etwas nach vorne nahm, um Val erneut über die Wangen zu streichen.
Dafür, dass der Abend gestern so mies geendet hatte, begann der heutige Tag umso besser. Kurz seufzte er, während er zu Val hochsah und dann seinen Blick über ihn gleiten ließ. Er fühlte sich immer noch warm an. Eigentlich sollte er sich wohl ausruhen...



@Valravn Vargström


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#15

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 20.01.2020 04:13
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Worte konnten beim besten Willen nicht wiedergeben, welch Gefühle dieser Anblick in ihm auslöste, in was für einem Ausmaß er diese empfand, als Jesses Ringfinger endlich, dieses kleine, in Mitleidenschaft gezogene, Stück Metall zierte, für das Valravn damals eine beachtliche Summe hingeblättert hatte. Dass die Jahre, an der Segelschnurr, ihre Spuren hinterlassen hatten, ebenso Wind und Wetter, war nicht tragisch, ebenso wie dieser Ring, der für Valravn mehr als nur Schmuck darstellte, waren auch sie Beide keine unverbrauchte, unbefleckte zwanzig mehr. Obgleich Jesse sich, aufgrund seines Desinteresses, sowie anderen Begebenheiten, seine Unschuld recht lange bewahren konnte, der Schwede war der Erste gewesen, der ihm überhaupt erst begreiflich machen musste, nein viel mehr das Privileg genoss, was Intimität, Zärtlichkeit und Lust zu bedeuten hatte, wie viele Facetten diese Begrifflichkeiten prägten. Sollte er sich die Frage stellen, ob Jesse in den zehn Jahren, die vergangen sind, einem anderen Mann, als Valravn, gestattet hatte ihm näherzukommen? Nein, wäre dem so, würde Jesse es ihm erzählen, wohl wissend, dass er es eh nicht lange vor dem Schweden verbergen konnte, schließlich zeigte sich erst Stunden davor, wie kläglich er daran scheiterte.
Und er selbst? Die Antwort war simpel: Nein. Valravn hatte, sofern sich eine Begegnung mit Anderen, friedlicher Natur, ergab, schlichtweg kein Interesse und schon immer war er jemand, der sich nicht von niederen Trieben leiten ließ. In all den Jahren, trotz der Ungewissheit, hielt der Schwede Jesse die Treue, wie ein Pinguin, der sein Herz weder leichtfertig, noch oft verschenkte in seinem Leben. Geliebt hatte er seine Ehefrau, danach, so dachte er, würde er die letzten Jahre seines Lebens in trauter Einsamkeit verbringen, vor dem Kamin, mit einem Buch in der einen, einem Glas Wein, in der anderen Hand. Mit dem Umzug nach Alaska und der Begegnung mit Jesse änderte sich Alles, das romantische Interesse war zu Beginn auch gar nicht gegeben, nur eine, schier unstillbare Neugier und Faszination für diesen Mann, mit den blauen Augen, war in dem Schweden entbrannt.
Unterschiedlicher konnten sie kaum sein und doch teilten sie vielerlei Gemeinsamkeiten, Eigenarten, schleichend war aus der platonischen Zuneigung, auch körperliche Begierde, Sehnsucht erwachsen. Es war dieses, wie all zu oft beschriebene, kitschig klingende, Gefühl von abertausenden Schmetterlingen im Bauch, welche der Anblick von Jesse, in dem Schweden freisetzte. Sein Herz schlug schneller, wenn er nur an ihn dachte, sein fürchterliches Aftershave vermisste er sogar, war er nicht bei ihm oder gar auf hoher See, Valravn kannte die Anzeichen der schlimmsten Krankheit, die es je vermochte zu entstehen. Die Liebe.
Das Jesse, wie er selbst, ein Mann war, tangierte den Schweden nicht, er verliebte sich nicht in ein anatomisches Detail, es war dessen komplexes Wesen, seine widersprüchliche, mitunter garstige Art, die er oft an den Tag legte, doch nur einen Atemzug später, anmutete wie ein unschuldiges Kind, das sich ohne Hilfe nicht einmal die Schuhe zubinden kann.
Um fair zu bleiben, Jesse konnte sich allein die Schuhe binden, doch der Schwede war es, der ihn in vielen Dingen, manchmal gar wortwörtlich, an die Hand nehmen musste, um nicht auf der Straße des Lebens zu stolpern. Valravn kochte, trug als Freund und später als Lebensgefährte, die kulinarische Verantwortung damit Jesse, niemals wieder, eine billige, fertige Pizza Hawaii aus der Gefriertruhe holen musste. Außer um Valravn zu ärgern höchstens.
Mit Jesse zu seinem eigenen Schneider zu gehen wäre eine Katastrophe gewesen, er konnte ihn ja nicht mal dazu bewegen, neues Schuhwerk zu kaufen, weshalb der Schwede am Ende, nach Augenmaß, shoppen ging, um die Garderobe des Kleineren aufzustocken, sowie dessen elende Jogginghose, wortwörtlich, im Kamin zu verbrennen. Mitunter war es anstrengend, denn nebst der unendlich vielen Geduld, die Valravn an den Tag legen musste, den ständigen von Fort- und Rückschritten in ihrer Beziehung, bedurfte es vor allem eines besonderen Fingerspitzengefühls um Jesse nicht zu verschrecken, allen voran in Bezug auf Intimität, den Austausch von Zärtlichkeiten, kleinsten Liebkosungen, bis hin zum leidenschaftlichen Akt.
Gestern noch hatte Valravn befürchtet wieder bei null anfangen zu müssen, dass all die Arbeit, vor dem Ausbruch, die er in ihre Beziehung investiert hatte, vergebens gewesen war.
Doch nur wenige Stunden später, begleitet von Alpträumen bei Jesse, sowie einer schlaflosen Nacht für den Schweden, saßen sie nun hier, wie früher, als hätte es diese zehn Jahre, ohne einander, nie gegeben und waren ...verlobt.
Ein wahrlich mühsamer, beschwerlicher Weg lag hinter ihnen, jener vor ihnen, schien auch nicht weniger steinig zu sein aber das war nicht weiter tragisch, sie würden auch dies gemeinsam in Angriff nehmen, ihn bewältigen, sowie sich ihren Platz schaffen, für ihre ganz eigene kleine Welt, wo sie Niemand stören konnte. Oh, sie würden neue Ringe brauchen, Eheringe, bedauerlich das die Welt, von früher, so nicht mehr existierte, das würde Valravns ganze Hochzeitsplanung gewaltig über den Haufen werfen aber nichts überstürzen. Die Zeit rannte ihnen nicht davon, zumal dieser Moment zelebriert, genossen werden musste, und Valravn sich, in diesem Moment, zuhause fühlte. Nicht aufgrund von vier stabilen Wänden oder einem Dach über dem Kopf, sondern weil Jesse wieder an seiner Seite war, sie waren nun offiziell verlobt, oh hoffentlich forderte Jesse nicht erneut zehn Jahre Bedenkzeit, wenn es um die Frage ging, ob er Valravns Nachnamen annehmen würde.
Was sie definitiv auf später verschieben konnten, in diesem Augenblick wollte er lieber einen Kuss, den er sich einfach nehmen, einfordern könnte, wissend, dass sein Verlobter, dasselbe wollte aber der Schwede verlangte stattdessen etwas Eigeninitiative, ohne es aussprechen zu müssen. Es war das altbekannte Spiel zwischen ihnen Beiden. Wie erwartet, auch ein wenig erhofft womöglich, machte Jesse den letzten Schritt und kaum, dass dessen Lippen, sich küssend, an die Seinen schmiegten, schloss auch Valravn das Auge um sich einzig dem hinzugeben, was er spüren, riechen und vor allem schmecken konnte. Es war der erste Kuss als verlobtes Paar, ganz gleich wie oft er Jesses Lippen berührt, gekostet, mitunter auch ein wenig geneckt hatte, indem er ihn in die Unterlippe biss, ohne dabei grob sein zu müssen, es fühlte sich jedes Mal aufs Neue überwältigend an.
Wie an dem Tag, als Valravn ihn, vielleicht nicht zum ersten Mal küsste, sein Liebster jedoch endlich bereit war, sich darauf einzulassen, auf einen richtigen Kuss, der über eine flüchtige Berührung ihrer Lippen hinaus ging. Ein wohliger Schauer kroch seinen Rücken entlang, die feinen Härchen im Nacken, sowie an den Armen stellten sich auf und verdeutlichten die schwache Gänsehaut, die dieser lang ersehnte Kuss verursachte.
Sein Herz begann schneller zu schlagen, sein Gehirn schüttete Glückshormone aus, die Berührung seiner Wangen, sorgte für ein angenehmes Kribbeln auf der Haut, die sich spürbar erhitzte, sein Kreislauf kam in Schwung, mutete sein Körper bis eben noch in einer Art Trance an, erwachten seine Lebensgeister nach einer gefühlten Ewigkeit wieder. Dennoch hastete er nicht, es gab keinerlei Anlass dazu, Jesse lief ihm wohl nun kaum davon, hoffte er zumindest. Jedoch sprach so ziemlich alles gegen diese Befürchtung, dessen Hände im Nacken spürend, spannten seine Muskeln sich an, lediglich für den Bruchteil einer Sekunde, da Valravn dort nicht weniger empfindlich war, als die meisten Anderen, jedoch aus Gründen für gewöhnlich um sich beißen würde, sollte ihn dort jemand berühren. Doch Jesse war nicht irgendwer, jede seiner Berührungen zeugten nur von einem, seiner Zuneigung die er für den älteren Schweden empfand, der dem sanften Druck im Nacken, ohne weiteres nachgab und sich so mitziehen ließ von seinem Liebsten. Er hätte auch dagegen halten, sich weigern können, doch warum? Jesse wollte wieder zurück in die Kissen sinken, seinen Mann über sich haben, nun Valravn war sein unausgesprochener Wunsch gerne Befehl.
Auch wenn dies hieß, den Kuss für einige Augenblicke unterbrechen, lösen zu müssen, so war es ein geringer Preis, den er zu zahlen bereit war. Gemeinsam mit seinem Mann ließ er sich zurück auf die Matratze sinken, fing sich jedoch abstützend mit dem Unterarm darauf ab, schien sogar fast in seiner Bewegung erstarrt als über Jesses sinnliche Lippen die schönsten Worte kamen, die man in einer Partnerschaft zu hören bekommen konnte, nur ...dass sein Liebster sie in Schwedisch aussprach. Valravns Herz machte einen Sprung in seiner Brust beim melodischen Klang dieser Worte, so kräftig, dass er befürchtete, es hüpfte gleich heraus und Jesse entgegen. Dieser kleine Teufel, mit dem Gesicht eines Engels, hatte ihm damals verheimlicht, dass er Valravns Muttersprache lernte und demnach, mehr als einmal, verstehen konnte, was sein Mann so vor sich hin murmelte, während sein Blick, womöglich etwas zu lange auf dem wohlgeformten Hintern seines Partners lag, gar fluchte, wenn er sich zum Schimpfen verleiten ließ oder mit seinen Töchtern telefonierte. Wohlig seufzend atmete er aus, betrachtete seinen Verlobten, wobei sich sein Mundwinkel anhob für einen Augenblick, während er mit dem Knie, nur leicht, gegen Jesses Oberschenkel tippte, um ein bisschen Platz zu erbitten. So verlagerte er sein Gewicht auf sein Knie, zog das Andere nur einen Wimpernschlag später nach, als er zwischen Jesses Beinen Stellung bezog und sich mit beiden Unterarmen, nach vorn beugend, auf dem weichen Untergrund, rechts und links, von seinem Liebsten, abstützte. Da war immer noch zu viel Platz zwischen ihnen, was der Schwede jedoch rasch gedachte zu ändern, er brauchte nur die richtige Ausgangsposition, das ist alles, zumal er diesen Anblick genoss, wenn Jesse unter ihm lag, da nahm er sich stets die Zeit um langsam, genüsslich, fast als würde er ein Gemälde oder eine kunstvolle mehrstöckige Torte betrachten, den Blick über diesen wandern zu lassen.
Sein Auge wanderte über die feineren Gesichtszüge seines Liebsten, auf ihre Weise markant, doch im Vergleich zu Valravn viel weicher, bildschön, wie auch der Rest von Jesses äußerlicher Erscheinung. Langsam, als müsse er sich erst wieder Alles einprägen, nach der langen Zeit, wanderte sein Blick tiefer, sein Mann hatte er einen äußerst schönen Körperbau, schlanker als Valravn, im Vergleich zu ihm, könnte man fast von zierlich sprechen, was nicht ganz korrekt wäre. Jesse mochte etwas kleiner sein, war jedoch kein zerbrechlich anmutender Knabe, sein schlanker, athletischer Körper wies, in nahezu vollendeter Perfektion, die nötige Portion, schön definierter Muskulatur auf. Jesse war ein attraktiver Mann, kein Bübchen, er verbarg seine Vorzüge meist nur hinter weniger figurbetonter Kleidung, Valravn wusste, dass es zahlreiche Frauen, als auch Männer gibt, die seinen Mann nicht weniger begehrenswert finden als der Schwede selbst. Ein Umstand, der ihn einerseits durchaus stolz machte, auf der anderen Seite aber zutiefst missfiel. Er teilte nun mal nicht und hatte ....besitzergreifende Züge.
Der Schwede konnte Jesse stundenlang betrachten, er fand es früher schon immer bedauerlich, dass dieser innerhalb von Minuten unter der Dusche bereits entschied fertig zu sein, zumindest so lange bis Valravn entschied, sich dazuzugesellen, dann fiel die Dusche durchaus länger aus als üblich.
Auch wenn sein Blick intensiv war, er sich, auch jetzt wieder, die Lippen leckte, aufgrund des Anblicks, den Jesse bot, dessen schwerer Atem, seine Brust stärker sich heben und senken ließ, so betrachtete er Jesse nie wie ein Stück Fleisch, wie es Andere vielleicht täten oder sich dazu hinreißen ließen. Natürlich gab es Momente, da war selbst dem Snob, im Gesicht abzulesen, dass er keine sonderlich keuschen Gedankengänge verfolgte. Er hatte es nicht nötig Jesse gierig anzugaffen, wie eine Hyäne das saftige Fleisch, ebenso wenig musste er mit Worten lobpreisen, wie bildschön sein Mann ist, das Alles vermochte er mit nur einem einzigen Blick und ließ Jesse anhand dessen wissen, fast schon spüren, wie begehrenswert der Schwede ihn fand. Heute noch immer wie damals, es hatte sich kein bisschen etwas an der Art geändert, wie er Jesse ansah und sich dabei leicht auf die Unterlippe biss, ehe er den Fokus wieder auf dessen blaue Augen lenkte, nebenbei die Beine ausstreckte, sowie die große Distanz binnen eines Atemzuges fast gänzlich überbrückte, indem er sich auf ihn herab sinken ließ. Den Großteil seines Gewichtes fing er mit den Unterarmen ab, mit denen er sich noch immer abstützte, um Jesse nicht gänzlich damit zu belasten, in dessen Hände er seine warme Wange schmiegte als diese wieder zurück zu seinem Gesicht gewandert waren. Seiner Kehle entlockte es einen knurrigen Laut, leise, unterschwellig aber deutlich von Wohlgefallen geprägt, zumal Valravn auch das Auge einen Moment geschlossen hielt, ob der Liebkosung, welche förmlich Balsam für seine Seele, mehr noch seinen geschundenen Körper darstellte.
Zugegeben, es graute ihm ein wenig davor, wenn sein Mann sich dazu entschied, sich nicht auf seine Wangen oder den Nacken zu beschränken, sondern die Hände über seinen Rücken wandern ließe, früher gab es nichts was sich unter Jesses Fingerspitzen hervorheben würde, keine Narbe, keine Tätowierung und vor allem gewiss kein Brandzeichen, das auf Valravns Haut heute prangte. Der eitle Mann war froh, am Hinterkopf keine Augen zu haben, sich das Elend nicht ansehen zu müssen, ihn beschäftigte vor allem ob Jesse sich davon ...abschrecken ließ. Die letzten Jahre hatten gravierende Spuren hinterlassen an dem athletischen Schweden. Dessen Bedenken vielleicht total unbegründet waren, denn alles, was Jesse ihm schenkte, war ein Lächeln, so lieblich und sanft, dass Valravn, zu Recht, sich fragen musste, womit er eigentlich diesen umwerfenden Mann verdient hatte. Schließlich schmiegte er seinen Körper gänzlich an den Kleineren unter ihm, jedoch noch immer mit den Unterarmen abstützend. Jesse würde zwar nicht gleich platt wie eine Briefmarke sein, doch Valravn achtete stets darauf, dass seinem Mann die Möglichkeit blieb, sich zu entziehen oder es deutlich zu machen, wenn ihm die Nähe doch zu viel wurde.
"Jag älskar dig." Hauchte er ihm, auch erst jetzt, wo er eine bequemere Position bezogen hatte, gegen die verführerischen Lippen, denen Valravn sich aufs Neue annäherte, jedoch diesmal keine Initiative von Jesse einforderte, sondern innig den, zuvor unterbrochenen, Kuss wieder aufnahm. Zunächst sanft, liebevoll, langsam aber stetig inniger werdend, kroch immer mehr die Leidenschaft hervor, zu welcher Valravn, der stets so beherrscht ist, durchaus fähig war und davon nicht gerade wenig besaß. Ein Mann ohne Leidenschaft könnte genauso gut tot sein, beides traf definitiv nicht auf den Schweden zu, der sich gewiss schonen sollte, aber man konnte zumindest behaupten, dass er sehr wohl das Bett hütete! Valravn gelang zudem nicht nur, wortwörtlich, ein Spagat, falls nötig, sondern auch dahingehend, dass er es vermochte sich zu beherrschen, zurückzuhalten, indem er sich weiterhin mit den Unterarmen abstützte, statt die Hände begierig, forschend über Jesses Körper wandern zu lassen.
Nichts mehr als das wollte er, zeitgleich nahm er dafür Jesses Lippen küssend in Beschlag, weit weniger brav oder gar zurückhaltend, sondern leidenschaftlich, gar fordernd, als er mit der Zunge diese auseinander drängte, nicht um höflich um Einlass zu bitten, sondern darauf zu bestehen. Nicht nur Jesse war ein Widerspruch an sich, sein Mann war da nicht anders, einerseits die Selbstkontrolle scheinbar in Persona, auf der anderen Seite brodelte auch in ihm ein Vulkan, lauerte eine Bestie, die deutlich machen wollte das Jesse ihm gehört und er ihn Notfalls ausführlich daran erinnern würde.



@Jesse Redford


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#16

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 20.01.2020 19:14
von Jesse Redford (gelöscht)
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Jesse dachte daran, wie er noch vor vierundzwanzig Stunden in der kleinen Hütte, die ihm übergangsweise zugeteilt worden war, alleine aufgewacht war, nach einem eher ungemütlichen Schlaf. Da hatte er sich noch nicht zu träumen erwagt, dass er nur einen Tag später offiziell mit Val verlobt sein würde. Es gab keine Anzeichen dafür, dass sein Mann hier im Dorf war. Irgendwie hatten sie es geschafft einander komplett aus dem Weg zu gehen, was natürlich absolut nicht so geplant gewesen wäre, hätten sie von der Anwesenheit des jeweils anderen gewusst.
Und nun lagen sie hier im Bett, fast wie in alten Tagen. Zumindest in denen, als er Körperkontakt in diesem Masse bereits zugelassen hatte.
Jesse hatte Vals Geduld mehr als einmal kräftig auf die Probe gestellt. Val war wirklich ein geduldiger Mann und gleichzeitig so unglaublich hartnäckig. Jesse behauptete bis heute, dass er wohl von Anfang an keine Chance gehabt, diesem Mann zu entkommen.
Natürlich war ihre Freundschaft, welche später zu bedingungsloser Liebe wurde, nicht immer so harmonisch. Sie hatten alle beide ihre Eigenarten, Vorlieben und Gewohnheiten und alle beide konnten sie in ihren Ansichten stur wie Esel sein. Damit war das Konfliktpotenzial natürlich vorhanden. Sie mussten sich erst aufeinander einspielen, einander begreifen können und das hatte doch einige Zeit in Anspruch genommen.
So hatte sich ihre Beziehung allmählich von Freundschaft zu Liebe gewandelt. Obschon sie die spätere Partnerschaft in erster Linie in ihren vier Wänden oder vielleicht draußen in den Wäldern oder auf seinem Segelboot ausgelebt hatten, gab sie ihnen die Möglichkeit, sich aufeinander einzulassen.
Hin und wieder knallte es, wenn Vals ganz eigensinnige Art, welche mitunter selbst narzisstische Züge aufweisen konnte, Jesse zu sehr in die Ecke drängte und er einfach keine Lust auf diese Spielchen hatte. Doch mit der Zeit lernte Jesse seinen Platz an Vals Seite zu akzeptieren. Er verstand, dass Val ihn wirklich aus tiefstem Herzen liebte und vor allem verstand er, dass er dessen Leitung gerne annahm. Sein Herz begann stets aufgeregt zu pochen, wenn Val diesen bestimmten Ausdruck in den Augen kriegte. Und dann reichte seine Körpersprache in der Regel aus, um Jesse in seine Schranken zu weisen. Weil er das mochte. Er nahm es an von Val geführt zu werden. Denn mit der Zeit wuchs auch das Vertrauen ineinander und er wusste, dass Val ihm niemals etwas antun würde.
Wenn er es übertrieb, konnte er es ihm sagen, ihn zurückweisen, eine Grenze aufzeigen, die Val für gewöhnlich respektiere.
Ihre Beziehung entwickelte sich nach und nach auf diese Weise, wobei Jesse bis heute nicht wusste, wie viel davon tatsächlich Vals Absicht gewesen war, wie sehr er sich von ihm hatte manipulieren lassen. Letzten Endes spielte es auch keine Rolle, denn er war glücklich mit dem Ergebnis.
Auf Aussenstehende konnte ihre Beziehung mitunter etwas seltsam anmuten, wenn es zu solch seltenen Gelegenheiten dazu kam, dass sie durchsickern ließen, in welchem Machtgefälle sie zueinander standen. Manche hätten sich vielleicht um Jesse gesorgt, doch das wäre nie nötig gewesen. Ihre Beziehung war nicht toxisch, sondern wohlwollend. Jesse tat nichts, was er er nicht wollte.
So schaffte es Val bis zum heutigen Tag nicht ein einziges Mal, ihn davon zu überzeugen ihn zu einem Schneider zu begleiten, damit er ihn in einen massgeschneiderten Anzug zwängen konnte. Was Jesse nicht wollte, verweigerte er so vehement, dass selbst Val nicht in der Lage war ihn umzustimmen. Und Jesse genoss diese Form der Beziehung in vollen Zügen. Val passte auf ihn auf, gab auf ihn Acht, bekochte ihn mit dem besten Essen, das irgendwie menschenmöglich war und im Gegenzug schenkte er Val das vertrauen sich von ihm dominieren zu lassen. Im Gegenzug war er gehorsam, passte sich an, so weit es für ihn in Ordnung war und ließ sich sogar eine Krawatte umbinden. Er stellte seine Position nie in Frage, weil es schlicht nicht nötig war.
Nun lagen sie hier in diesem kleinen Vikingerdorf, eingeschneit, während die Sonne allmählich über den Horizont kletterte und kühle Strahlen durchs Fenster schickte. Hätte sich jemand nach draußen getraut und per Zufall durch das Fenster nach drinnen geschaut, hätte die Person ein leidenschaftliches Pärchen erblicken können. Jesse ließ sich in die Kissen zurücksinken, Val folgte ihm ganz seinem Wunsch entsprechend und beugte sich über ihn.
Jesse ließ seine Hände wieder etwas über Vals Schultern wandern. Er fühlte die fleischigen Narben, welche der Bär an seinem Liebsten hinterlassen hatte. Doch sie störten ihn nicht im Geringsten. Sie machten ihn neugierig.
Als Val sich schliesslich auf ihn hinab senkte und er dessen Gewicht gut verteilt auffing - Val achtete natürlich darauf sich nicht voll auf ihn zu legen- wanderten Jesses Hände etwas weiter über dessen Rücken. Er spürte mehr Narben, kleinere Unebenheiten und letztlich auch das Brandzeichen, dessen Ursprung Val ihm noch immer nicht verraten hatte.
Die Narben machten ihn gewissermassen sogar ein wenig neugierig. Es war aufregend, schliesslich war alles neu. Er selbst ... Nun er hatte auch die eine oder andere Narbe davongetragen, doch nicht eine davon war so auffällig wie die von Val. Eine trug er am unteren Rücken, wo er mit einem Messer von einem Angreifer getroffen worden war. Eine weitere befand sich an seiner Hüfte. Beide Narben waren gut verheilt und hoben sich nur sehr leicht schimmernd vom Rest seines Körpers ab, weshalb man sie auf den ersten Blick gar nicht wirklich zur Kenntnis nahm.
Val küsste ihn erneut, nachdem sie sich für ein paar Sekunden gegenseitig traktiert hatten. Es war ein liebevoller, zärtlicher Kuss. Zumindest so lange, bis er sich auf einmal veränderte. Jesse kannte das nur zu gut. So zärtlich und liebevoll Val auch sein konnte, so sehr zögerte er nicht, leidenschaftlicher zu werden und ihm bereits in dieser Phase der gemeinsamen Intimität zu zeigen, wo sein Platz war.
Wo ein anderer vielleicht neckisch mit der Zunge nachgefragt hätte, ob ein Vertiefen des Kusses erwünscht wäre, machte Val deutlich klar, dass er nichts anderes duldete, als dass Jesse ihn gewähren ließ. Er kannte das Spiel und er genoss es. Manchmal stand ihm der Sinn danach, sich Val in diesen Augenblicken spielerisch zu verweigern, ihn herauszufordern, um zu sehen, ob der Wolf in ihm immer noch da war, ob er ihn immer noch in seine Schranken weisen konnte, wenn er es wollte. Doch nicht heute. Heute öffnete er brav die Lippen, gewährte Val den gewünschten Einlass. Der Kuss wurde damit intensiver, gieriger und leidenschaftlicher. Jesse gab ein wohliges Geräusch von sich, sein Atem erzitterte und seine Fingernägel bohrten sich verlangend in Vals Rücken.
Als er Val vor fünfzehn Jahren das erste Mal begegnet war, hätte er nie gedacht, dass er empfänglich für diese Spielart war. Dass er sich dominieren lassen wollte, weil er daraus tatsächlich Lust gewinnen konnte. Heute wusste er es besser.

@Valravn Vargström


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#17

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 22.01.2020 14:32
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Dem Schweden war klar, dass die zehn Jahre, die sie voneinander getrennt hatten, nicht einfach weggewischt werden konnten, dennoch, es war beruhigend, zu wissen, zu sehen, als auch zu spüren, dass manche Dinge sich trotzdem nicht geändert hatten zwischen ihnen. Hätte er auch nur geringfügig mehr Interesse an seinen Mitmenschen, wäre er, wie einige Andere im Dorf, gewiss bei der Ankunft des Neulings dabei gewesen, um sich einen Eindruck zu verschaffen, doch da viele ihn grundsätzlich langweilten, hatte er sich nicht dazu hinreißen lassen. Wäre ihm bewusst gewesen, das vor, kaum mehr als zwei Wochen, Jesse, das Frischfleisch war, das angegafft wurde, dann hätte der Schwede gewiss anders gehandelt aber es wäre ja nichts das erste Mal, in ihrer beider Leben, dass sie unbemerkt voneinander im selben Ort lebten. Außerdem war sein Mann nun bei ihm, mehr noch, er trug endlich den Ring am Finger, der auch Anderen aufzeigte, dass Jesse zu jemandem gehörte, vermutlich werden einige im Dorf höchst verwundert sein, dass es ausgerechnet, der finster drein schauende, Schwede mit Augenklappe war, der an dessen Seite schritt. Valravn war höflich, distanziert, zu einigen Wenigen hier auch sehr freundlich, fast liebevoll, wie im Falle von Skadi, doch Kinder hatten immer schon einen Sonderstatus bei ihm. Durch die Narben, die Spuren, welche das Leben draußen und die voran geschrittenen Jahre, an ihm hinterlassen hatten, wirkte er nur noch härter, gefährlicher, wie das Raubtier, das er in seinem Nachnamen trägt. Varg, der Wolf.
Und der Einzige, der diese Bestie, wenn überhaupt, besänftigen, gar zähmen konnte, war der sonderbare Mann, der scheinbar keinen Tag gealtert war, sondern noch immer dieses unschuldige Gesicht eines Engels aufwies, mit herrlich blauen Augen, von denen Valravn wusste, das sie im Grunde alles sahen, selbst Klänge in Form von Farben.
Ja, Jesse war einzigartig, schon vor dem Wandel der Welt, in der sie nun lebten, und Valravn, war immer schon ein Mann gewesen, der stets bekam, was er haben, erreichen wollte. Das verhielt sich bei seinem Verlobten nicht anders, obgleich er erst im Laufe ihrer Freundschaft, romantische Interessen entwickelte, doch Fakt war, diesen Mann konnte, wollte und würde er um keinen Preis der Welt, gehen lassen. Mutete dies besitzergreifend an? Vermutlich, doch ganz gleich, wie ihre Beziehung auf Andere wirken würde, es scherte den Schweden nicht, sie Beide wussten, wie sie zueinander standen, welche Regeln, Grenzen es gab, sie kannten einander in- und auswendig. Valravn wusste ganz genau, wann es besser war, einzulenken, einen Schritt wieder zurückzugehen, wenn Jesse ihm deutlich machte, dass er nicht in Stimmung war, ob nun für eine Diskussion, körperliche Nähe oder ihre kleinen Spielchen, die sie meist auf intellektueller Ebene ausfochten, manchmal aber auch im Bett oder der Dusche.
Verhielt sich anders herum genauso, Jesse wusste ganz genau, wann man den Schweden besser nicht zu nahe kam, ihn einfach in Frieden lassen sollte, da sonst ein falscher Atemzug genügen konnte, damit dieser seine Beherrschung verlor, selten, sehr selten war dies der Fall aber auch Valravn hatte Temperament, das unter gewissen Umständen hervorbrechen konnte. Zumeist zog er sich freiwillig zurück, wenn er nicht bester Laune war, und Jesse konnte sich, ihm gegenüber, vieles herausnehmen, wofür er andere, mit Blicken, bereits in ihre Einzelteile zerlegte.
Der Mann, der inzwischen wirklich anmutete wie ein Wikinger, anstelle eines eitlen Snobs, hatte ebenso seine wunden Punkte, sein Mann kannte sie, obgleich Valravn eindeutig der Dominantere von ihnen Beiden ist, hieß das nicht, das Jesse keinerlei Einfluss hatte, ganz im Gegenteil. Sie wertschätzten einander, befanden sich stets auf Augenhöhe, selbst wenn es nicht den Anschein erweckte, da der Schwede eine einnehmende, zugleich gefährlich anmutende, Präsenz hatte und Jesse, im absoluten Kontrast dazu, wiederum scheu, sanft wirkte. Dabei hatte sein kleiner Teufel, mit dem Welpenblick und dunklen Locken, gewiss keine Probleme damit verbal auszuteilen, niemand gab Valravn so viel Kontra, wie Jesse es tat, schließlich stritten auch sie im Laufe ihrer Freundschaft, später ihrer Beziehung, da sie Beide ungemein starrsinnig, sowie bissig sein konnten. Der Unterschied zu anderen Menschen, die Valravn eher nervten, statt herausforderten sowie faszinierten, lag darin, dass Jesse, wie er selbst, durch einen enorm scharfsinnigen Verstand und hohen Intellekt brillierte. Sein Mann war, vielleicht Kräftemäßig ein kleines bisschen unterlegen, doch auf allen anderen Ebenen absolut ebenbürtig.
Was Valravn bei Anderen enorm störend, gar belästigend fand, wenn man ihn einfach berührte, so genoss er jede kleine Form von Zärtlichkeit, Zuwendung und Liebkosung, die sein Mann ihm zuteilwerden ließ, für ihn war eine schlichte Berührung seiner Wange, nicht weniger intensiv und ausdrucksstark wie ein Kuss. Sie beide konnten, eng umschlungen, sich küssend, stundenlang im Bett verbringen und diese Nähe ebenso zelebrieren, genießen, wie das schlichte Beisammensein im selben Raum, ohne auch nur den geringsten Körperkontakt zu haben. Nicht selten kam es vor, dass Jesse, mit seinem Laptop am Tisch saß, umringt von einem Chaos aus beschriebenen Blatt Papier, wenn er ein neues Buch schrieb und Valravn, stattdessen auf dem Sofa lag, ein Buch las oder, wenn sie bei dem Schweden waren, dieser die Finger über die Tasten seines Klaviers gleiten ließ.
Sie mussten nicht stets aneinander kleben, nur um einander nah sein zu können, allein das Wissen, seinen Partner in denselben vier Wänden zu haben, genügte Valravn schon, schließlich waren sie auch dazu fähig, sich an stiller Zweisamkeit zu erfreuen, da reichte ein Blick oftmals schon aus und alles war gesagt.
Trotz dieser tief dringenden Verbundenheit, die zwischen ihnen bestand, keimte für einen winzigen Augenblick in Valravn das Bedürfnis auf, sich Jesses Händen zu entziehen, es war schlichtweg ungewohnt plötzlich in dem Ausmaß berührt zu werden, an den Schultern, wo nichts dabei sein sollte, aber es lag im Grunde an den Narben. Valravn konnte Schmerz in hohem Maße ertragen, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben, doch seit zehn Jahren, vermied er es, wo er nur konnte, von jemandem berührt zu werden und erst recht nach dem Bärenangriff. Der eitle Mann hatte sich bislang nicht drum scheren müssen, was sein Liebster davon hielt, ob es ihn abschreckte oder gar anwiderte, er war bis gestern ja nicht an seiner Seite gewesen. Aber jetzt? Sein Rücken war gezeichnet, zerschunden und gepeinigt, das ließ sich nicht so einfach verstecken, nicht so wie den Aspekt, dass er seit Jahren dauerhaft mit Schmerzen lebte, an die er sich lediglich gewöhnt hatte.
Sie waren immer da, an manchen Tagen stärker als an Anderen, schier unerträglich, weshalb er Umarmungen noch weniger mochte als früher. Doch Jesse schien sich nicht abschrecken zu lassen, als wäre nichts dabei, als kenne er es nicht anders, während Valravn gegen den Impuls ankämpfte, sich zurückzuziehen, kaum das sein Mann vorhatte von seinen Schultern, hinter zu seinem Rücken, zu wandern, schien dieser einzig Neugierde zu empfinden. Natürlich spannte sich seine Rückenmuskulatur automatisch an, deutlich spürbar, nebst den Narben, unter Jesses Händen, die jedoch nur Eines zum Ausdruck brachten und versprachen, Zärtlichkeit anstelle von Schmerz. Einen Atemzug lang, den Valravn gar anhielt in dem Moment, brauchte er damit sein Verstand, sein Körper, nicht wie sonst schaltete und entsprechend abwehrend reagierte, sozusagen zwang er sich dazu innezuhalten, es zu erdulden, damit sein Kopf die bisherige Erfahrung überschreiben und etwas Positives mit einer Berührung seines Rückens assoziieren konnte.
Sein Mann war liebevoll, behutsam, erkundete seinen Rücken neugierig aber mit derselben Selbstverständlichkeit wie früher, während er das tat, war es jedoch der Schwede, der, anders als sonst, den Blickkontakt vermied, sowie das Auge schloss und den Kopf etwas zur Seite abwandte als sich die Fingerspitzen dem annäherten, was er keinem Tier, sondern Menschen verdankte.
Angestrengt atmete Valravn aus, sein Kiefer spannte sich an, da er die Zähne aufeinander biss, als erwartete er, erneut, den Schmerz zu spüren, wie zu dem Zeitpunkt als sich das heiße Eisen in seine Haut gebrannt hatte.
Jesse hatte einen Blick darauf ja bereits erhaschen können, nun konnten seine Finger deutlich dem vernarbten Ring folgen, der großzügig das Wappen, mit Krone darüber, sowie der Darstellung eines Wildschweins, dem Wappentier auf den Hinterbeinen aufgerichtet, als auch die Buchstaben, welche den Namen 'VERGER' formten, umschloss.
Es war ein Brandzeichen, das man einem Tier verpasste, nicht unüblich bei Rindern, Schweinen, mitunter ja auch Pferden früher um seinen Besitz entsprechend zu markieren.
Nun, es lag wohl auf der Hand, dass der Grizzly nicht mit einem heißen Eisen, auf den Schweden losgegangen war aber, wie so vieles, was diesen anbelangte, gedachte Valravn, dieses Geheimnis lieber ins Grab mitzunehmen, als darüber zu sprechen. Selbst Jesse blieb er vorerst eine Antwort schuldig und ob er gedachte, ihm diese auf seine Frage von gestern zu geben, hatte Valravn noch nicht entschieden.
Lieber zog er es vor, sich vom eigenen Fokus, der auf Jesses Erkundung seines Rückens lag, zu lösen und sich etwas Schönerem zu widmen. Einem Kuss, der längst überfällig war und ihn auf andere Gedanken bringen sollte, ablenken am besten, sodass er nicht doch dem Drang erlag, eilig das Bett zu verlassen, nur damit sein Rücken nicht länger mit Berührungen konfrontiert wurde. Und hätte er es getan, so konnte Valravn sich zumindest sicher sein, dass sein Mann dafür Verständnis haben würde.
Der Schwede kapitulierte nur nicht gern, nicht mal vor sich selbst, weswegen der aufgenommene Kuss, als Angriff und nicht Flucht verstanden werden konnte, obgleich dieser sich nicht danach anfühlte, sondern nur davon zeugte, wie sehr er Jesse liebte, begehrte.
Immer schon gehörte Valravn zu den Leuten, die nicht fixiert waren auf den Beischlaf, der Sex nicht als Zeitvertreib oder Stressabbau betrachtete, er hatte welchen, es war nur keine Priorität in seinem Leben oder innerhalb einer Beziehung, sodass man ihm womöglich vorwerfen könnte, leidenschaftslos zu sein. Doch dem war ganz und gar nicht so, wenn er sich dieser Intimität hingab, dann mit Leib und Seele, er zelebrierte es, wie ein Ritual, da es für ihn die höchste Form der Verschmelzung war, die zwei Liebende, auf körperlicher Ebene, erreichen konnten, weswegen er sich dafür auch Zeit nahm.
Mit dem Schweden hatte Jesse immerhin einen Partner, einen Liebhaber gefunden, der nicht nur überaus geduldig war, sondern ebenso sanft, einfühlsam, wie auch bestimmend sein konnte und dazu fähig war, seine eigene Lust hinten anzustellen, um seinen Liebsten glücklich zu machen. Woraufhin dieser besonders viel Wert legte, da er sein Erster war und auch der Letzte bleiben sollte. Es hatte lange gedauert bis Jesse so weit war, gewillt aber auch selbst neugierig, um den nächsten Schritt in ihrer Beziehung zu wagen. Valravn erarbeitete sich dessen Vertrauen, Schritt für Schritt, übernahm als Erfahrener natürlich die Führung aber zeigte immer deutlich auf, das Jesse stets den Rückzug antreten konnte, was er nicht wollte, zwängte der Schwede ihm gewiss nicht auf, sondern wartete. Er war nicht nur da um ihn zu führen, ihm zu zeigen was Intimität für zahlreiche Facetten und Möglichkeiten barg, er war auch dafür da, dass Jesse sich fallen lassen konnte, das er keine Angst haben brauchte, sondern stets in fürsorglichen, sicheren Händen war, bei einem Mann, der auch im Bett den Respekt nicht vor ihm verlor, obgleich der Jüngere sich ihm unterordnete. Er war sein Mann, kein Stück Fleisch, sein gleichwertiger Partner und kein bedeutungsloser Zeitvertreib.
Wie auch jetzt, wo er Valravns Zunge Einlass gewährte, ob seiner Forderung und sich fügte, anstatt aufzubegehren, was durchaus von Valravn auch erwünscht war, nur nicht in diesem Moment, was nur erneut davon zeugte, was für ein eingespieltes Team sie im Grunde sind.
Ihm stand nicht der Sinn nach Spielchen, er wollte seinen Mann wieder spüren, schmecken, riechen und sicher gehen, dass noch dasselbe Feuer in ihnen loderte, wie vor zehn Jahren, was ganz offensichtlich der Fall war, da ihr Kuss intensiver wurde, Valravn ihn einen leidenschaftlichen kleinen Tanz ihrer Zungen verwickelte und dabei sein Gewicht etwas nach rechts verlagerte.
Kaum merklich und auch aus alter Gewohnheit, belastete er die rechte Seite, obgleich seine Schulter ihn später dafür strafen würde, doch es war der linke Arm, den er zurückzog, nur damit er selbst diesen wunderschönen Körper, der unter ihm verweilte ausgiebig berühren, erkunden konnte. So wanderte er mit der Hand über Jesses Brust, die sich unter seinen Fingern zügiger hob und wieder senkte, seine Haut war noch immer samtig weich, angenehm warm und frei von Makeln, er war ein Kunstwerk aus Sicht des Schweden, dass ganz allein ihm gehörte.
Jeder Zentimeter, den er langsam in Beschlag nahm, mit dem Daumen, absichtlich nur flüchtig, dessen Brustwarze streifte, bevor er sich seine Hand, die gleichermaßen Kraft und Sanftheit zum Ausdruck bringen konnte, langsam zu seinem Rippenbogen hin bewegte und daran hinab, gehörte ihm. Und was dem Schweden gehörte, gab er niemals mehr her, wie ein Wolf, der sich in seiner Beute verbissen hatte.
Nur das er Jesse, momentan, nicht gedachte zu beißen, ganz gleich wie verlockend es auch sein konnte, sowie auch Raum dafür gab in ihrem Liebesleben, stattdessen löste er, keuchend, beinahe grollend beim Ausatmen den Kuss als sich die Nägel seines Liebsten in seinen Rücken bohrten, den er reflexartig durch drückte. Er mochte es durchaus, das Jesse Krallen zeigen konnte, obgleich sein Blick grimmig anmutete, mit dem er seinen Liebsten in dem Moment ansah, blieb er seinen Lippen nahe, befeuchtete sich die Seinen und streifte zugleich auch Jesses. Dem Leidenschaft, sowie ein wenig mehr Mut, zu entlocken wahrlich harte Arbeit gewesen war für den Schweden, den Ton gab er stets an aber das hieß nicht das Jesse nicht selbst Wünsche, Interessen äußern bzw. umsetzen konnte. Valravn mochte in vielen Dingen altmodisch sein, gar spießig, doch seinem Liebsten würde er es nie verwehren etwas Neues auszuprobieren, sofern sie es stets gemeinsam taten und teilten.
Für ihn war Jesse der perfekte Partner, sie konnten sich aufeinander einlassen, gemeinsam Grenzen überschreiten und neue Erfahrungen sammeln. Seine Art, die mitunter sehr einschüchternd sein konnte, hatte seine Ex-Frau überfordert, sie konnte nie damit umgehen und bezeichnete ihn sogar als gefährlich, während Jesse, nachdem er sich selbst eingestehen konnte, dass es ihm gefiel, sich mit einer Selbstverständlichkeit darauf einließ, die ihresgleichen suchte.
Er hatte keine Angst vor dem Schweden, der auch nicht wollte, das Jesse so empfand, er selbst konnte nur manchmal etwas ...herrisch sein.
Den kleinen Moment, den Valravn nur dazu benötigte, um seine Lungen mit ausreichend Sauerstoff zu füllen, sowie das Gesicht seines Mannes in Augenschein zu nehmen, verflog rasch da es wahrlich nur eine notwendige Unterbrechung war, bevor er aufs Neue die süßen Lippen leidenschaftlich, gierig küssend in Beschlag nahm. Seine Hand machte ja auch nicht Halt, obgleich sie an Jesses Hüfte zum Erliegen kam, kaum das er den Bund, von dessen Shorts erfühlen konnte, sich davon aber nicht groß aufhalten ließ und die Finger einfach unter diesen schob. Nur bewegte sich seine Hand ziemlich zielstrebig zwischen Matratze und Jesse, besser gesagt, zu dessen wohlgeformten Hintern, an dem Valravns Blick schon früher oftmals länger als ein paar Sekunden hängen geblieben ist.
Mitunter so lang und auffällig, dass selbst Jesse, der bei Avancen oder Flirtversuchen von Anderen Scheuklappen trug, es bemerkte, sodass der Schwede, wenn er denn ertappt wurde, rasch die Krawatte zurechtrückte, sowie den Blick, mit einer spitzfindigen Bemerkung, abwandte um das Thema zu wechseln. Bei Frauen fand Valravn schlanke, lange Beine sehr ästhetisch, bei Jesse ....nun einfach alles. Ganz besonders jedoch seine Augen und seinen knackigen, wohlgeformten Hintern, der selbst manche Frau vor Neid erblassen ließe.
Der, als Valravn, leise knurrend in den Kuss vor Erregung, mit der Hand zupackte und die Fingernägel in die warme Haut grub, um zu verdeutlichen, dass ihm all das nach wie vor gehörte und immer noch wie für ihn geschaffen wirkte. Sein Herzschlag dröhnte bereits in den Ohren, so kräftig hämmerte es in seiner Brust, noch immer war der Schwede zudem fiebrig, obwohl er nicht mehr glühte wie gestern Abend noch, lag dennoch ein Schweißfilm auf seiner Stirn, sowie seinem Rücken, allerdings war der Hauptgrund, dafür das sein Blut so in Wallung geriet, weniger das Fieber, sondern sein Mann, der einfach kein Stück so alt aussah, wie er in Wahrheit ist. Sogar Valravn fiel es zu dessen Geburtstagen schwer zu glauben, dass sie tatsächlich 'nur' acht Jahre trennten.
Vermutlich würden sie jetzt noch mehr Blicke auf sich ziehen, weil Valravn durch die harten zehn Jahre, komplett Grau, gar Weiß geworden ist und lediglich sein Bart noch dunkle Stellen aufwies, doch ihm war definitiv anzusehen, dass er wirklich schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dieser Welt war. Doch, zu seinem Glück, alterte er wie guter Wein, sowie mit Würde und Stolz.
Dass sein Mann im Gegenzug den Alterserscheinungen, imaginär den Mittelfinger zeigte, störte ihn zudem kein bisschen und trotz Valravns besitzergreifender Art, sowie durchaus dem Hang zur Eifersucht, fühlte er sich schon damals nicht bedroht, wenn Andere seinem Mann Avancen machten.
Er vertraute Jesse und hatte nie an seiner Treue gezweifelt, mal davon ab, das sein Mann meist nicht einmal merkte, wenn ihn jemand mit den Augen förmlich auszog, nun ja, außer bei Valravn vielleicht aber diesen kannte er auch schon lange genug, um genau zu wissen, wann sein Mann nicht so anständig dachte, wie er sich nach Außen hin benahm.


@Jesse Redford


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#18

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 22.01.2020 21:01
von Jesse Redford (gelöscht)
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Die Narben unter seinen Fingern fühlten sich für Jesse keineswegs abstossend an. Es war natürlich, dass sich ein Körper im Laufe der Zeit veränderte. Manche mehr oder auch weniger. Er selbst hatte sich kaum verändert. Ja, hier und da ein paar Sorgenfältchen mehr, sein Gesicht war vielleicht ein klein wenig kantiger geworden aber das wars dann auch schon. Er hatte zwischendurch an Gewicht verloren, war schmächtiger geworden, das hatte er mittlerweile wieder aufarbeiten können. Und dank dem Training, das er sich im Zoo jeweils gegönnt hatte, war auch die Muskulatur zurückgekehrt. Selbst seine Haare verweigerten es, grau zu werden, wogegen er auch nichts einzuwenden hatte. Und zu guter letzt hatte er es geschafft irgendwie aus gröberen Kämpfen fern zu bleiben. Er hatte viel mit seinem Jagdgewehr gemacht, sich eigentlich nie von einem Untoten erwischen lassen und sich selten auf direkte körperliche Auseinandersetzungen eingelassen. Im Vergleich zu Val, der mit einem Grizzlybären gekämpft und die entsprechenden Spuren mitgenommen hatte. Ausserdem musste er irgendeine Konfrontation mit irgendwelchen Menschen hinter sich haben. Denn die wulstige Narbe, die sich von ihrer Art deutlich von den Kratz- und Beissspuren durch das Raubtier unterschied, war eindeutig nicht natürlichen Ursprungs.
Alleine von dem was er gesehen und nun ertasten konnte, wies alles auf eine Brandnarbe hin. Was um alles in der Welt hatte Val getrieben, dass jemand ihn gebrandmarkt hatte wie ein Stück Vieh? Er wusste dass es einige sehr kranke Individuen gab auf diesem Planeten und durch die ausgebrochene Anarchie wurden ebendiese in ihrem Tun verstärkt. Jesse würde aber nicht weiter nachfragen. Val hatte es ihm beim ersten Mal nicht beantwortet, also würde er es entweder gar nicht tun oder erst, wenn er es für richtig hielt. So lange würde er damit einfach leben müssen.
Während er die narben unter seinen Händen fühlte, stellte er fest, dass Val sich ein wenig verkrampfte. Ob er sich fürchtete, dass er es abstossend finden könnte? Ob er sich vielleicht gar dafür schämte? Weil er nicht aufdringlich sein wollte, wanderte er mit den Händen ein wenig weiter. Gleich darauf entspannte sich sein Verlobter auch wieder ein wenig. Gut ... Er wollte nämlich nicht, dass er sich deswegen schlecht fühlte.
Jesse würde ihn lieben und treu bleiben, egal was mit ihm geschah. Klar, er hatte sich damals in den überaus gutaussehenden, nahezu perfekten Mann verliebt, welcher so penibel auf sein Äusseres achtete. Doch nun, zehn Jahre später gefiel ihm Val genauso gut, trotz ergrauten Haaren, dem verlorenen Auge und den unzähligen Narben. Es schmälerte seine Liebe nicht im Geringsten. Im Gegenteil...
Der Kuss zwischen ihnen wuchs leidenschaftlich heran. Wie früher einst, nach den ewig langen Anstrengungen seines Verehrers, als Jesse schliesslich entdeckte wie reizvoll Intimität sein konnte. Obwohl sie beide sich im Zenit des Lebens befanden, waren sie beide offenbar noch fast so leidenschaftlich wie in jungen Jahren. Val ohnehin, Jesse hatte zwar erst später damit angefangen, hatte aber doch noch dazu gefunden.
Dieser Augenblick nun zeigte erneut, dass sie sowohl Physisch wie auch Psychisch auf einer Ebene standen. Die feurige Leidenschaft entflammte innert Sekunden zwischen ihnen. Val unterbrach den Kuss für einen Atemzug, in dem sie sich einfach gegenseitig in die Augen schauten, nur um dann direkt weiter zu machen. Jesse hielt sich an ihm fest, versank regelrecht in den Berührungen durch seinen Mann, den er so lange vermisst und für tot gehalten hatte.
Jesse konnte fühlen wie das Blut durch seinen Körper pumpte, aufgeregt und berauschend. Er spürte Vals Hand immer tiefer wandern, unter seine Unterwäsche wandern, bis er seinen Hintern fest packte, wie er es schon in früheren Jahren zu tun pflegte. Jesse schmunzelte in den Kuss hinein. Wie er diese kräftigen Hände an seinem Körper vermisst hatte....

Der kalte Wintermorgen war bereits fortgeschritten. Mittlerweile war die Sonne komplett aufgegangen, nur dass sie noch immer hinter grauen Wolken hing und somit lediglich diffuses Licht auf das kleine Dorf fallen liess, welches wie von Zuckerguss komplett mit Schnee bedeckt war. Über Nacht war fast ein halber Meter davon gefallen, wie man sehen konnte, wenn man aus dem Fenster blickte. Jesse trug einen recht schlichten Morgenmantel aus ausgeblichener, blauer Leine von der örtlichen Schneiderin. Er war ihm etwas zu gross, weil er eigentlich auf Val zugeschnitten war, doch zum Glück war das für Morgenmäntel nicht sonderlich tragisch.
Er sass vor dem Kamin in der Hocke, darum bemüht die Glut wieder mit Feuer anzustecken, damit die Hütte nicht runterkühlte. Der Schnee auf dem Dach und an den Mauern isolierte zwar ganz gut, doch trotzdem wäre es durchaus unangenehm, wenn die Kälte Überhand nehmen würde. Jesses Haare waren etwas zerwuschelt, war er doch noch vor kaum einer halben Stunde noch recht ins Schwitzen geraten. Sein Körper fühlte sich noch immer aufgeregt aufgeheizt an, das kribbelnde Gefühl würde hoffentlich noch eine Weile anhalten. Er hatte es durchaus vermisst.
Er kümmerte sich um das Feuer, weil Val ihn einmal mehr aus der Küche verbannt hatte. Dort hatte er als völlig unfähige Person schliesslich nichts zu suchen, also respektierte er das auch und sorgte stattdessen für etwas mehr Kulisse in dem das Feuer schliesslich knisternd damit begann sich in die klein geschnittenen, gut durchgetrockneten Hölzer zu fressen.
Vorsichtig legte er dann noch langsam aber stetig ein paar mehr Scheite hinzu, bis er sicher war, dass er das Feuer nicht versehentlich erstickte. Als alles schön brannte, richtete er sich auf und streckte sich, bevor er einen Blick in die Küche wagte. Val hatte zwar immer noch Fieber, bestand aber darauf ein Frühstück zuzubereiten. Sie konnten ohnehin den ganzen Tag im Bett verbringen, wenn sie wollten. Das Dorf war zugesperrt, man machte nur die nötigsten Arbeiten und es wurde von niemandem verlangt aus dem Haus zu gehen, um sich in dem Schneesturm wiederzufinden - der im Augenblick zwar gerade pausierte, doch so dunkel und bedrohlich die Wolken über dem Dorf hingen, war es lediglich eine Frage der Zeit, bis erneut dicke Flocken niederrieseln würden.
Für einen Moment beobachtete er seinen Mann, der ebenfalls einen Morgenmantel trug. Er hatte nur seine Rückenansicht vor sich, doch das störte ihn nicht weiter. Er betrachtete das breite Kreuz, die starken Schultern, die nach wie vor sehr elegante Figur mit den perfekt dazu passenden Bewegungen. Er hatte ihn wirklich wieder ... Obwohl sie vor kaum einer Stunde noch im Bett miteinander sichergestellt hatten, dass ihre Körper wirklich beide da und voll funktionsfähig waren und so ihre Verlobung zelebrierten, schien es ihm nun wieder so surreal nach all den Jahren mit seinem jetzigen Verlobten in einem Raum zu stehen und ihn einmal mehr dabei zu beobachten, wie er mit filigraner Eleganz ein Frühstück kredenzte, ein Meisterwerk aus den einfachsten Zutaten. Die Möglichkeiten in diesem Dorf waren nunmal eher rar.
Schliesslich kam er wieder etwas näher, seine nackten Füsse machten kaum Geräusche auf den Fellen, mit welchen der Boden ausgestattet war.
"Sobald wir gegessen habe, mache ich dir wieder kalte Umschläge und du gehst zurück ins Bett. Je nach Wetter werde ich unsere Kräuterkundige besuchen und dir etwas für einen guten Wickel holen. Ich möchte nicht, dass du ernsthaft krank wirst..."

@Valravn Vargström


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#19

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 23.01.2020 11:50
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Vielleicht sprach Valravn irgendwann über die Geschichte, die hinter dem Brandzeichen auf seiner Haut steckte, ihn jedoch zu drängen, würde absolut nichts bringen, in der Hinsicht unterschieden sich der Schwede und Jesse nicht, sie machten beide komplett dicht, wenn man trotz jeglicher Signale weiter bohrte. Gerade dieses Wissen, dass sie einander so lange und gut kannten, war wohl auch der Grund weshalb Jesse eben nicht nachhakte, Valravn war ein Mann mit Geheimnissen, immer schon gewesen, der selbst entschied, ob und wenn ja was, er über sich Preis gab. Sein Mann konnte das akzeptieren, sowie sich in der Hinsicht gar in Geduld üben, kaum zu glauben aber der Schwede erwartete von ihm auch dieselbe Rücksicht, die er Jesse zukommen ließ. Der ganz und gar wieder seins war, mit Leib und Seele, sowie jeder Faser, seines herrlich schön anmutenden Körpers, der trotz zweier, feiner Narben, nicht im Geringsten an Sexappeal einbüßte. Zwischen den Laken machte sein Skandinavier dies auch mehr als deutlich, zumal sie, mehr als nur ihr Wiedersehen zu feiern hatten, nicht nur das sie zehn Jahre nachholen mussten, zumindest fühlte es sich so an, nach der langen Zeit war Jesse endlich offizielle auch sein Verlobter. Er trug den Ring am Finger, den Valravn ihm vor langer Zeit schon hatte anstecken wollen, bedauerlicherweise war das Gegenstück dazu, genauso abgebrannt, wie dessen Haus, als er von der Jagd zurückkam damals.
Und jetzt, nachdem er schon mit Allem abgeschlossen hatte, sehr oft sogar mit sich selbst, sowie einfach nicht mehr weiter machen wollte, hatte er seinen Mann zurück, der sich, nachdem sie es doch mal schafften das Bett zu verlassen, um den Kamin kümmerte während Valravn, typisch für ihn, in der Küche stand. Zwar war es gewöhnlicher Leinenstoff, statt feinster Seide, welcher sich an seinen Körper schmiegte, doch in der heutigen Welt musste man Abstriche machen, zumal Valravn zehn Jahre lang auf Wanderschaft war. Er hatte nie eine Gruppe, eine Kolonie, er war der einsame Wolf, der durch die Wälder streifte und manchmal wirklich mehr wie ein Tier anmutete, es gab mitunter sehr schlechte Zeiten, schlimme Phasen, die ihre Spuren hinterlassen hatten. Darunter Wunden, die vielleicht ein bisschen Heilung erfuhren, nun, wo seine kleine Welt ihren Kern zurück hatte, seinen Mann, dessen Geruch noch immer in seiner Nase lag, nach den vielen Jahren, hätte er womöglich sogar dessen schreckliches Aftershave gerne gerochen. Wobei, nein, eigentlich nicht, es war furchtbar gewesen!!
Der Schwede fühlte sich nach langem ausgeglichen, vielleicht ein bisschen erschöpft, was teilweise am Fieber lag aber mehr noch an Jesse, dessen Berührungen er noch immer, angenehm kribbelnd, auf seinem Körper spüren konnte. Möglich das sie Beide nicht mehr die Jüngsten sind, Valravn mehr als Jesse, jedoch tat das ihrer Leidenschaft, ihrer Zuneigung zueinander keinerlei Abbruch wie es schien, der Schwede hätte an sich zwar gerne weiter im Bett gelegen, den Schlaf nachgeholt, den er eigentlich bräuchte aber sein Magen knurrte.
Nicht nur der Seine, außerdem war es die ideale Zeit, gefühlt zumindest, eine Uhr gab es hier nicht, um zu frühstücken weswegen sich Valravn letztendlich doch aus dem Bett wälzte, immerhin könnten sie Beide, sobald der Schwede alles fertig hatte, sich rasch zurück in dieses verkrümeln. Das Wetter, als auch das Ambiente, luden ja förmlich dazu ein, sich im Schlafzimmer einzuigeln während da draußen, der Winter sein Unwesen trieb, dabei wirkte es, beim Blick aus dem Fenster, sehr idyllisch, gar malerisch. Im Moment, doch das konnte rasch umschlagen, nicht grundlos schien das Dorf selbst, beinahe zumindest, in einer Art Winterschlaf zu sein und so lange es keinen Notfall gab, mit Mensch oder Tier, hatte Valravn ohnehin nichts zu tun. Bei Odin, zum Glück war sein Mann hier, sonst wäre er vermutlich durch gedreht unter diesen Umständen. Zwar war Valravn dazu fähig einfach nichts zu tun, wobei man es so nicht nennen konnte, er entspannte gerne bei einem Buch, zeichnete oder spielte, früher, gerne auf dem Klavier, wenn im Haus alles erledigt war, sowie die Praxis geschlossen, da es in der kleinen Gemeinde, bei weitem nicht so zuging wie in Stockholm. Eine Umstellung, die der Schwede nun aufs Neue durchleben musste, denn verglichen mit ihrem Wohnsitz in Alaska, war hier fast noch weniger zu tun für ihn, womöglich sollte er zusätzlich wirklich den Dorf-Psychiater mimen, wäre da nicht seine geringe Begeisterungsfähigkeit für die Sorgen der Leute. Was nicht hieß, dass Valravn nicht zuhörte, oh, er hörte immer ganz genau hin, doch eine Zwangsneurose oder Winterdepression empfand er als langweilig. Es hatte schließlich Gründe, das er lieber Hauptberuflich als Veterinär gearbeitet hatte in der Vergangenheit, wie auch jetzt, wobei er Arbeit anders definieren würde. Immerhin bot es ihm die Möglichkeit, mit den, zur Verfügung stehenden, Zutaten zu kochen, was er trotz der zehn Jahre da draußen, nicht im Geringsten verlernt hatte.
Aus dem Grund scheuchte er Jesse auch sofort raus aus der Küche, als dieser ebenfalls beschlossen hatte, vorerst, das Bett zu verlassen aber bei aller Liebe, Jesse hatte viele Talente, doch ein Koch war an ihm nicht verloren gegangen. Natürlich hatte Valravn ihn gerne als Gesellschaft, er war schließlich multitaskingfähig, doch alles was Jesse in der Küche gut konnte, war es Hübsch auszusehen und den Koch vielleicht zu motivieren, mit einem kleinen Kuss auf die Wange, oder einer anregenden Konversation. Jedoch hörte es da dann auch schon auf, Valravn bekam noch heute fast einen Herzinfarkt, allein bei der Vorstellung, dass Jesse gedachte zu kochen, er war überzeugt davon, dass sein Mann selbst beim Versuch, Wasser zu erhitzen, es vermochte die Küche in Brand zu stecken. Gut, eventuell war das etwas theatralisch und übertrieben, doch sind wir ehrlich, Jesse taugte in der Küche nicht wirklich viel!
Aber zu dessen Glück hatte er einen Mann, der es liebte zu kochen, der daran tatsächlich Freude empfand, sowie allerhand Rezepte im Kopf hatte, auch wenn es Heute problematisch war, sie Alle so umzusetzen wie früher, es mangelte einfach an zu vielem und er konnte nicht einfach in den nächsten Feinkostladen gehen, um Kaviar zu kaufen, Austern und dergleichen. Es war frustrierend, denn für das Rührei, das er vorbereitete, musste er normale Hühnereier nehmen! Ganz furchtbar, doch zumindest kannte er die Hennen, ebenso ihren Gesundheitszustand und Valravn legte in erster Linie natürlich Wert auf Qualität, er hätte sich früher eher die Hand abgehackt, als abgepacktes Fleisch aus dem Kühler mitzunehmen. Gerne war er sogar bei der Schlachtung dabei, wählte sich das Tier selbst aus, wie zu Weihnachten die Gans, denn Essen war schon immer mehr für ihn, als bloß dazu gedacht den knurrenden Magen zum Schweigen zu bringen. Während Jesse das Feuer im Kamin am Leben erhielt, war Valravn damit beschäftigt Frühstück zu machen, aufgrund der Umstände, sowie gegebenen Zutaten, entschied er sich für ein schwedisches Frühstück, weshalb er als Erstes auf der Kochstelle einen Topf ansetzte, in den Haferflocken, eine Prise Salz und Milch kam, um Havregrynsgröt zu machen, ganz normaler Haferbrei, der in der Regel ungesüßt serviert wird, jedoch unzählige Varianten in Schweden gegessen wurden, sodass die Vielfalt immens war. Valravn bevorzugte ihn in der Regel mit etwas Apfelmus, statt Marmelade, doch Letztere hielt sich einfach länger, weshalb er sich damit zufriedengeben musste und diese auftischen würde.
Den Teig für das, typisch schwedische, leicht gesüßte und deutlich hellere Weizenbrot, hatte er am gestrigen Tag gemacht, bevor er gedachte mit Sleipnir reiten zu gehen, stattdessen aber seinen Mann wieder traf. Immerhin hatte der Brotteig so ausreichend Zeit gehabt sich gehen zu lassen, sodass Valravn diesen, in einem Topf, in den Ofen schieben konnte zum Backen. So verbreitete sich bereits ein angenehmer, süßlicher Duft und Valravn konnte einen großen Teller anrichten, mit Käse und auch Wurst, vielleicht nicht die üppige Auswahl von früher, doch mit dem Geschmack und der Qualität war er recht zufrieden.
Natürlich fiel es ihm schwer, dass er nicht den gehobenen Standard, von früher, zurückbekam was die Vielfalt seiner Kochzutaten betraf aber er machte das Beste daraus. Zumindest aus den Eiern machte er Rührei, in erster Linie für Jesse, obgleich Valravn sie lieber hart gekocht hätte aber sie hatten nicht mal Kaviarcreme, womit man diese in seiner Heimat gerne bestrichen hatte. Da sie aber direkt an einem See lebten, gab es zumindest stets ausreichend, sowie frischen Fisch, denn obgleich Valravn fähig war zu angeln, hatte er nicht viel Glück. Jesse sprangen die Fische ja förmlich entgegen, er hatte keine Ahnung wie sein Mann das machte, früher schon nicht, als der Schwede sich, von diesem, erst einmal zeigen ließ wie man richtig angelt, davor hatte Valravn kein Interesse am Fischen gezeigt.
Zwar verbrachte er mit Jesse gerne ein paar Tage, auf dessen Segelboot, draußen auf dem Meer aber Valravn bereitete den Fisch lieber zu, während sein Mann diesen angelte. Perfekte Arbeitsteilung, wie auch jetzt, wo der Schwede, dessen feuchtes Haar er sich zurückgestrichen hatte, ihm aber trotzdem ein paar graue, sowie die weiße, Strähne seines Ponys rasch zurück in das markante Gesicht fielen, während er damit beschäftigt war, die feinen Wurst- und Schinkenscheiben, kunstvoll anzurichten. Drum herum drapierte er die Käsescheiben. Auf einem anderen Teller hingegen, richtete er Fisch an, durchaus beliebt zum Frühstück aber leider kein Sill, Hering, sondern vorwiegend Forelle, die sich zu Hauf im See fangen ließen. Geräuchert, gebraten, gedünstet und eingelegt, drapierte er den Fisch, in kleinen separaten Bereichen, auf dem Teller. Was der Schwede in der Tat ärgerlich fand, nebst vielen Dingen, auf die er keinerlei Zugriff mehr hatte, war der Mangel schlichter Dekoration, früher hatte er, vor allem beim Dinner, prunkvolle Gedecke angefertigt, geschmückt mit Federn, Tierschädeln, Knochen aber auch Früchten, herrlich duftenden Blumen.
Und was blieb ihm jetzt? Er konnte ja nicht mal eben eine Rübe dekorativ schnitzen, weil es eine Ressource war, aus der er in der Not eine Suppe oder Rübenschnitzel machen konnte, falls alle anderen Lebensmittel doch ausgehen sollten. Es war so ärgerlich.
Obgleich er zugeben musste, er hatte nun deutlich mehr Möglichkeiten, seinen Speiseplan zu gestalten, als vor seiner Ankunft in Balar.
Schließlich deckte er den Tisch ein, stellte die großen Teller mit Aufschnitt, sowie separat Fisch, in die Mitte, ebenso reihte er schlichte Einmachgläser auf, etwas Honig und Marmelade. Normalerweise kochte er die Marmelade selbst ein, doch da er zum Ende des Jahres hier aufgeschlagen war, musste er nehmen was er kriegen konnte, sowie manche Dinge, gegen Gefälligkeiten, eintauschen um seine Vorräte etwas aufstocken zu können. Die Leute hier waren freundlich, großzügig keine Frage, doch Valravn war zu stolz um sich Dinge einfach schenken zu lassen, selbst wenn es als solches gedacht war, ließ er sich etwas einfallen, um diese Großzügigkeit zurückzugeben, eine Diskussion darüber mit ihm zu führen wäre eh sinnlos, dafür war der Schwede zu stur. Mal davon ab, das etliche Leute, sich eh nicht trauen würden, dem stattlichen Mann, mit dem grimmigen Blick, sowie diesen furchtbaren Narben und Augenklappe, Widerworte zu geben, wenn er eine Entscheidung gefällt hatte.
Seine Erscheinung schreckte in erster Linie ab, was ihm ganz recht war, wohlgemerkt aber Jesse bekam auch seine sanften Seiten zu Gesicht, seine Fürsorge, die sich in unterschiedlichen Formen ausdrückte, sowie seinen eigenwilligen Humor, der mitunter äußerst makaber und trocken anmutete.
Mithilfe zweier Geschirrtücher holte Valravn gerade das Topf-Brot aus dem Ofen, stellte es rasch auf die Ablage und schüttelte die Hände, es war heiß, trotz Allem aber auch nicht weiter verwunderlich, er nahm hurtig den Deckel ab, legte ihn zur Seite, um so einen Blick auf das, dampfend heiße, Brot zu werfen. Mit dem langen Stiel seines hölzernen Kochlöffels stach er in den Laib, zog ihn raus und besah sich diesen. Der Teig war gut durch, es klebte keine zähe Masse an dem Holz, das Brot sollte fluffig und weich sein, er konnte nur hoffen inzwischen den richtigen Riecher dafür zu haben. Es war eben eine Umstellung, wenn man vor Jahren noch einen Gasherd hatte, sowie moderne Küchengeräte, plötzlich aber wie ein Wikinger sich behelfen musste, mit simpelster Ausstattung.
Schließlich legte er ein Tuch über den Topf, fasste mit dem Zweiten an dessen Henkel und stürzte ihn, sodass das Brot in das Tuch fiel und er das heiße Gefäß hastig zur Seite stellte mit einem leichten Scheppern, er brauchte dringend Topflappen! Seufzend besah Valravn sich seine Handflächen, sie waren nur leicht gerötet und stark erhitzt, jedoch nicht verbrüht oder verbrannt, unangenehm empfand er es dennoch und kühlte sie daher rasch in einer Schüssel Wasser ab, die er frisch befüllt, auf der Ablage stehen hatte um sich immer wieder die Hände zu säubern. Die Arbeit in der Küche war schließlich durchaus ein schmutziger Job manchmal, vor allem wenn er ein Tier auseinander nahm und zubereitete. An einem dritten Tuch die Hände getrocknet, warf er es sich aus Gewohnheit auf die rechte Schulter, den Topf mit dem Haferbrei nahm er von der Kochstelle, prüfte Konsistenz und Geschmack mit einem Löffel, bevor er diesen in zwei, bereit stehende, kleinere Schüsseln gab.
In dem Moment zuckte auch schon seine Nase, er witterte Jesse förmlich, der sich zwar leise bewegte, doch dem Bluthund auf zwei Beinen entging dennoch nicht, dass er sich annäherte und schaute daher auch prompt zu seinem Mann rüber, noch bevor er wirklich in sein Sichtfeld getreten war oder auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die Augenbrauen ein Stück angehoben, betrachtete Valravn seinen Mann in Ruhe, eingängig, ließ seinen milden Blick an dessen Körper hinab und wieder hinauf wandern, ehe er an dessen blauen Augen hängen blieb.
Der Morgenmantel war in der Tat eine kleine Spur zu groß für Jesse, allerdings gefiel dem Schweden dieser Anblick, selbst wenn es ihm in den Fingern juckte, prompt Jesses dunkle, widerspenstige Mähne ein wenig zu ordnen aber auf der anderen Seite, fand er diesen, gerade Aufgestanden-Look, äußerst anziehend. Es war nahezu verlockend, Jesse den leichten Stoff von den Schultern zu streifen, den Stoffgürtel des Morgenmantels zu lösen und ihn gegen die Küchenzeile zu drängen. Allerdings war die Küche für solche Dinge eindeutig Tabu! Valravn hatte Prinzipien, seine Küche war kein Spielplatz, Tiere, außer jene die gegessen wurden, hatten darin nie etwas zu suchen und selbst Jesse scheuchte er oft genug hinaus, wenn er doch drohte, eine zu große Ablenkung zu werden. Der Schwede mag da vielleicht etwas eigen sein.
"Es geht mir gut Jesse..." Begann der Schwede, seufzte dann jedoch leise, wohl wissend, dass es seine Standard-Antwort war, Ärzte sind eben schlechte Patienten, und Jesse hatte durchaus gute Gründe, um bei seinem Mann darauf zu beharren, dass er sich schonte, sowie ausruhte. Er war der Einzige, noch Lebende aus seiner Vergangenheit, der von seiner Krebserkrankung wusste, Valravn hatte es ihm erzählt und konnte es ab einem gewissen Punkt nicht länger für sich behalten, schließlich warf es berechtigte Fragen auf, weswegen Valravn bei dem kleinsten Husten, plötzlich eine Panikattacke bekam. "....aber ich werde mich brav, nach dem Frühstück, wieder ins Bett legen." Lenkte er daher auch ein, diese Diskussion würde Valravn nicht gewinnen, ergo begann er sie gar nicht erst. Stattdessen nahm er die beiden Schüsseln Haferbrei und drückte sie Jesse in die Hand, zu dem er sich vorbeugte und ihm einen zarten Kuss auf die Lippen hauchte, er musste wohl nicht extra sagen, dass er diese bitte zum Tisch bringen soll.
Ihm fielen auch wieder die grauen Haare zurück ins Gesicht, vielleicht sollte er sie doch mal schneiden, wobei er sich inzwischen daran gewöhnt hatte, sie nicht mehr so kurz zu tragen wie früher. Jesse wäre erschrocken gewesen, hätte er ihn im letzten Sommer gesehen, Valravns Haar war so gewachsen, dass sie ihm bis über die Schultern reichten und sein Bart war auch ziemlich zottelig gewesen. Da sah er wirklich furchtbar aus! Vielleicht nicht wirklich, hätte er die Möglichkeit gehabt, beides entsprechend zu pflegen und zu stylen, hätte ihm das auch keinen Abbruch getan, Valravn war ein vielseitiger, attraktiver Mann, sowie sich dessen stets bewusst. Der sich wieder aufrichtete, sowie dem frischen Brot widmete, das er auf ein Holzbrett legte, sowie ein Messer zur Hand nahm, um die ersten zwei Scheiben abzuschneiden, so konnten sie etwas abkühlen und er zeitgleich schauen, ob das Brot wirklich durchgebacken war. War es, weshalb er das Brett, mit diesem darauf befindlich, in die Hand nahm und Jesse zum Tisch folgte, um es dort abzustellen, nun fehlten bloß noch die Getränke, weswegen er sich zurück in die Küche begab. Leider hatte er keinen Kaffee, eine Tragödie für den Schweden, der allein Herkunftsbedingt Literweise davon trank früher, stattdessen gab es Tee und Milch, in der Kanne sowie im vorgesehenen Krug, die er ebenfalls auftischte, die Tassen, sowie zwei Gläser, waren in Windeseile geholt.
Selbstverständlich schenkte Valravn den heißen, frisch gebrühten, Wildbeeren-Kräutertee, zuerst ein, flüchtig nur schaute er nach Jesse, rückte auf dem Tisch noch einmal alles, auf den Zentimeter genau zurecht, bevor er sich hinter den Stuhl, der für seinen Mann gedacht war, stellte und ihn, ganz Gentleman wie er ist, für diesen zurückzog, damit er Platz nehmen konnte. Zugegeben, er tat es nicht nur aufgrund seiner Erziehung, sondern weil er, kaum das sein Mann in Position war, den Hals etwas reckte um an diesem zu riechen, während sein Blick an Jesses, sehr hübscher, Rückseite hinab wanderte. "Snygg rumpa." Murmelte er dabei leise vor sich hin, als sein Mann Platz nahm, während sich der Schwede hinter ihm, unbewusst mal wieder, die Lippen leckte aber rasch die Schultern straffte, sowie Haltung annahm. Mit nur wenigen, geschmeidigen Schritten ging er zu seinem Stuhl, zog ihn zurück und nahm Jesse gegenüber Platz, den er zunächst schweigend betrachtete, auf seine ganz neutrale, fast schon ungerührte, Art und Weise, zumindest so lange bis sein Mundwinkel sich anhob und er sich seine Tasse Tee nahm. "Njut av din måltid."
Wünschte er ihm, führte die Tasse zum Mund und pustete, trank jedoch noch nicht. "Ich war bei dir Daheim, damals, du warst fort und der Ring, ....als ich den Hafen erreichte war dein Boot weg. Ich war nicht sicher, wurde es gestohlen oder ..hast du es geschafft dich damit in Sicherheit zu bringen."
Er musste die Frage nicht stellen, was er ansprach implizierte bereits, dass Valravn gerne erfahren wollte, wie Jesse es schaffte, so lange, bis zu diesem Augenblick, zu überleben.


@Jesse Redford


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#20

RE: Schlafbereich

in leerstehende Hütte 23.01.2020 14:30
von Jesse Redford (gelöscht)
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Kochen gehörte zu den Dingen, die Jesse noch nie wirklich interessiert hatten. Ihn packte einfach die Faszination nicht wirklich, Zutaten aufeinander abzustimmen und sich hundert Jahre Zeit zu nehmen ein einziges Gericht zu perfektionieren, nur damit es innert fünf Minuten im Magen landete.
Die einzige Faszination für das Zubereiten von Speisen hatte ihn erst da gepackt, als Val ihm die gemeinsame Jagd nähergebracht hatte. Klar, Jesse, der zwar schon immer mehr ein Fischer als ein Jäger gewesen war, hatte auch alleine oft und viel gejagt, doch er hatte das Wild stets von jemand anderem ausnehmen lassen. Dem örtlichen Metzger.
Val hingegen, als sie gemeinsam zu jagen begannen, vollbrachte dieses Handwerk natürlich auch selbst und zeigte Jesse alles, was er über das Aufbrechen von Kadavern wissen musste. Val brachte ihm dahingehend eine Menge bei. Selbst, wie man den Rest des Körpers verwerten konnte, um möglichst wenig davon zu verschwenden.
Da sie heute aber nicht jagten, blieb Jesse brav ausserhalb des Reiches seines Mannes, der ihn da sowieso nicht hätte haben wollen. Als er näher zur Küche kam, dauerte es nicht lange, da wandte sich Val zu ihm um und drückte ihm nebst zwei Schüsseln Haferbrei nach schwedischer Art auch noch einen Kuss auf. Es waren die kleinen Gesten, die ihr Zusammenleben derart schön machten. Natürlich hatten sie auch immer wieder Auseinandersetzungen, der wer dachte, Jesse und Val wären immerzu einer Meinung, der irrte sich gewaltig. Es eskalierte selten so heftig wie letzte Nacht, als das Ganze in einem Anfall seinerseits gipfelte, doch in manchen Fällen wurden auch mal Türen zugeschlagen. Keiner von ihnen beiden war grundsätzlich streitsüchtig. Doch ihre Persönlichkeiten, ihre Sturheit und mitunter auch Eigenarten krachten manchmal so heftig aufeinander wie Wellen gegen einen Felsen im Sturm.
Umso mehr genoss Jesse es nun hier zu sein, Vals sanfte Lippen auf seinen zu fühlen. Seinen Blick zu sehen mit dem er ihn förmlich auszog, obwohl sie erst vor kurzem leidenschaftlich im Bett zugange gewesen waren. Ihnen fehlten zehn Jahre ihrer Beziehung. Die Zwangspause hatte vielleicht einiges verändern können, doch im Grunde waren sie immer noch das verliebte Pärchen von damals, die sich jedes Geheimnis teilten, so düster es auch sein mochte.
Jesse brachte die beiden Schüsseln zum Tisch und wartete dann geduldig, bis Val auch die restlichen Speisen zu Tisch gebracht hatte. Obwohl mit einfachsten Mitteln hergestellt, glich das Frühstück einem halben Festmahl, was selbstverständlich einzig und allein dem Talent seines Mannes zu verdanken war.
Dieser ergriff die Lehne seines Stuhls und zog ihn zurück, damit Jesse sich setzen konnte. Ohne hinsehen zu müssen, wusste Jesse, dass er diesen kurzen Augenblick ausnutzte, um an ihm zu riechen. Allein dieses Wissen entlockte ihm ein kurzes Lächeln, bevor er die Bemerkung in Vals Muttersprache über sein Gesäss hörte. Er liess sich auf den Stuhl sinken und rückte ihn etwas näher.
"Det finns saker som aldrig förändras", sagte er bezüglich der Bemerkung mit einem leicht amüsierten Unterton in der Stimme. Sein Schwedisch war in den Jahren vielleicht ein wenig eingerostet, zumindest was die Aussprache anging. Doch er war sich sicher, dass das nun wieder besser werden würde.
Val setzte sich ihm gegenüber, Jesse musterte ihn kurz. Die widerspenstigen silbergrauen Haarsträhnen, die ihm ins Gesicht fielen, der Bart, der ihm eigentlich ganz gut stand. Früher hatte er sich stets penibel rasiert.
"Du är fortfarande vacker", sagte er, bevor er zum Besteck griff, um sich erst einmal an dem Haferbrei gütlich zu tun, den er sehr gerne mit Marmelade ass.
Er pustete den ersten Löffel sachte an, als Val das Gespräch anschnitt, das allmählich überfällig wurde. Was war in den letzten zehn Jahren passiert...?
Er nahm den ersten Bissen und kaute ihn bedächtig, bevor er den Löffel erneut in den Haferbrei sinken liess. "Ich habe versucht dich anzurufen, als das Chaos auch bei uns ausbrach. Ich habe es erst nicht mitgekriegt, meine Nachbarn hingegen waren im Ort unterwegs und sind zu mir gefahren..." Seine Nachbarn wohnten immerhin auch gut fünfzehn Minuten Autofahrt von ihm entfernt. "Elenor und Peter haben mir erzählt, was los ist und dass wir wohl auf dem Meer am sichersten sind. Also haben wir das wichtigste zusammengepackt, ich hab dich mehrmals angerufen, dir eine Nachricht hinterlassen und sind dann gegangen. Wir haben es bis zu meinem Boot geschafft aber wir waren nicht die Einzigen mit der Idee. Schon da war das Chaos deutlich spürbar..." Sie hatten von Glück sprechen können, dass der Hafen nicht sonderlich gross war. "Viele Menschen wollten mit uns mit aber ich hab nur die beiden mit uns mit gelassen. Wir haben niemandem vertraut... Als wir wegfuhren hab ich nach dir Ausschau gehalten. Vergebens. Isaac und Dian hab ich zurückgelassen. Ich hätte sie nicht ernähren können auf dem Boot..." Das war neben dem zurücklassen von Val das schlimmste gewesen. Seine beiden Hunde, welche das Auto noch eine Weile verfolgt hatten, bevor sie schliesslich stehen geblieben waren. Noch heute sah er sie im Rückspiegel des Autos, wenn er daran dachte.
"Wir blieben auf dem Meer so lange es ging. Wann immer wir an Land gegangen sind, dann nur für kurze Zeit, um die Häfen zu plündern und weiter zu fahren. Es lief gut, wir gewöhnten uns daran..."
Kurz machte er eine Pause, nahm dabei ein Stück von dem fluffigen, warmen Brot zu sich und gönnte sich einen Schluck Tee. "Peter wurde krank. Ich konnte nichts für ihn tun, Val... Er erlitt eine Pneumonie. Ich hatte nicht die richtigen Antibiotika um ihm zu helfen, alles schlug fehl..."
Man sah Jesse an, dass er begann um seine Fassung zu kämpfen. Wenn er an diese stressige Zeit dachte, zog sich in ihm alles wieder zusammen.
"Elenor passte auf ihn auf, während er starb. Wir wussten zu dem Augenblick noch nicht, dass diese... Krankheit in uns drin ist. Dass er wieder aufstehen würde. Elenor rechnete nicht damit und fiel ihm zum Opfer, als er zurückkehrte... Ich schaffte es ihn zu töten und ... Ich warf beide über Bord."
Erneut hielt er inne und sah Val seufzend an. "Ich weiss was du jetzt denkst ... Aber ich wusste einfach nicht, ob diese Krankheit mir schaden würde. Deshalb hab ich mich entschieden sie zu entsorgen..."
Er atmete tief durch und nahm noch einen Bissen. "Danach war ich lange Zeit alleine. Ich blieb auf dem Meer so lange es ging, war aber manchmal sehr kurz davor einfach aufzugeben..." Sein Blick huschte kurz zu dem Ring an seinem Finger. "Aber ich entschied mich weiter zu kämpfen. Irgendwann war das Boot kaputt, ich konnte sie nicht mehr flicken, also musste ich zwangsläufig an Land gehen. Ich trieb mich alleine rum, ernährte mich von allem was mir vor die Flinte lief und versuchte einfach unauffällig zu leiben. Ich hab immer mich gerettet. Und nicht gezögert zu töten." Er schaute Val für ein paar Sekunden in die Augen, mit bedeutungsvollem Blick.
"Schliesslich traf ich auf Menschen, die ganz anständig wirkten. Wir freundeten uns an, schlossen uns zusammen. Wir zogen gemeinsam umher, hielten uns gegenseitig den Rücken frei und landeten schliesslich auf einer alten Ranch, die wir bebauten und uns einrichteten. Es war eine schöne Zeit. Alles was du mir über die Jagd beigebracht hast, war nützlich. Ich habe hauptsächlich für die Nahrung gesorgt, andere haben auch geholfen und ... wir hatten unseren Frieden. Da war Minerva... Sie hat mir etwas Russisch beigebracht und ich war oft für sie da, wenn sie verängstigt war. Minerva war keine kämpferin... Ich musste sie öfters retten. Aber sie ... war wie eine kleine Schwester für mich. Du würdest sie mögen... Und Noah, mein kleiner Praktikant. Er war schlau genug, dass ich es ausgehalten habe ihm etwas beizubringen. Vor allem mein medizinisches Fachwissen... Für den Fall, dass ich von der Jagd nicht mehr nach Hause komme."
Wieder machte er eine Pause, diesmal länger. Allmählich ging es auf die Geschehenisse der letzten zwei Jahre zu, die weniger angenehm waren.
"Wir wurden überfallen. Unser kleines Paradies war am Ende nicht so sicher wie wir dachten und sie nahmen uns alles. Wir mussten fliehen, ich weiss nicht wie viele es tatsächlich geschafft haben... und nun... den Rest kennst du ja bereits... Ich brachte Minerva in sicherheit und ... Bald darauf erinnerte ich mich daran, was du mir eingeprägt hast..."

@Valravn Vargström


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