Herzlich Willkommen

Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seid ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.

Team

Wetterbericht

HOT HOT SUMMER ... endlich strahlt sie Sonne und wärmt unsere abgekühlten Körper. Die Damen haben gebräunte Haut und die Herren, lassen sich ein kühles Bier schmecken. Sonne satt und so langsam kommen wir echt ins schwitzen. Die Temperaturen liegen zwischen 20 und 34 Grad. Packt die Sonnencreme ein, verbrannte Haut kann sehr schmerzhaft sein.

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Kolonien & deren Bewohner

----------------------- Aktuell: 89 Überlebende ----------------------- ---------------------- Cottage Sea: 23 Bewohner ---------------------- -------------------- Anarchy Riders: 15 Bewohner -------------------- ---------------------- Valley Balar: 7 Bewohner ----------------------- -------------------- Krasnaya Luna: 14 Bewohner---------------------- ------------------------ The Zoo: 12 Bewohner -------------------------- ------------------------- Nomaden: 34 Bewohner -----------------------

Dringend gesucht

Walking Dead Charas: Rosita, Ezekiel, Aaron, Enid Taylor, Carol, Conni, Tara, Henry, Lydia, Eugene, Siddiq, Pamela Milton, Sebastian Milton, Mercer, Maxwell Hawkins Fear the Walking Dead Charas: Madison, Luciana, June, Daniel, Victor, Nick Auch viele Free Gesuche warten darauf, endlich in Empfang genommen zu werden. Auch ohne Serienwissen bist du bei uns gerne willkommen !!!

 

☀ Der Sommer ist da und wird sehr sehr heiß. Dürre und starke Gewitter sind keine Seltenheit ☀
#1

Wohnbereich

in leerstehende Hütte 13.01.2020 22:56
von Valravn Vargström | 179 Beiträge

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#2

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 14.01.2020 17:14
von Valravn Vargström | 179 Beiträge

>>>Reitplatz

Um ganz ehrlich zu sein, dem Schweden kam der Weg, vom Reitstall bis zu seiner Hütte, vor wie eine Ewigkeit und immer wieder musste er rüberschauen, zu dem kleineren Mann, dessen Wollmütze sein lockiges Haar zumindest ein bisschen in Zaum hielt. Den Weg nach Hause kannte Valravn schon auswendig, daher bemühte er sich kaum auf den Weg zu achten, zumal es ihm gerade auch nicht gelingen wollte, sich auf andere Dinge als Jesse zu fokussieren, der Schwede konnte noch immer nicht glauben, dass er hier in Balar war. Bei..ihm.
Doch es gab keinen Zweifel daran, er war echt, aus Fleisch und Blut, er sah kaum älter aus als früher, an ihm haftete noch immer der vertraute Geruch, der Geschmack seiner Lippen war noch immer derselbe und an seinen Bewegungen hatte sich nichts verändert. Ja, eindeutig, neben ihm lief der Mann, den er gewillt war zu heiraten, obwohl er nach der Scheidung nie wieder vorhatte ein solches Versprechen abzugeben aber in Jesses Fall, da war sein Herz, als auch sein Verstand, Feuer und Flamme für diesen Schritt gewesen. Monate lang hatte Valravn sich den Kopf darüber zerbrochen, das Für und Wider abgewogen, unzählige Szenarien im Kopf durchgespielt wo, wie und wann er Jesse den Antrag machen sollte. Spontanität war nicht gerade sein Steckenpferd, er konnte es sein, manchmal, doch in der Regel plante der Schwede sehr akribisch was er tat, sei es in der Küche oder bei solch einer wichtigen Frage, wie nach dem passenden Verlobungsring.
Es war natürlich von vorneherein klar, dass er ihm keinen filigranen Diamantring vor die Nase halten würde, Jesse mochte wenige Zentimeter kleiner sein als Valravn, war aber noch immer ein Mann und keine Frau. Zudem war dieser, anders als Valravn, weniger der Typ für Prunk und Protz, kleidete der Schwede sich stets, stilsicher und vornehm, vorwiegend in maßgeschneiderte Anzüge, legte Jesse den Fokus mehr auf Bequemlichkeit. Seine Bodenständigkeit fand Valravn liebenswert, obgleich er dennoch gemordet hätte, um seinen Partner einmal seinem persönlichen Schneider vorstellen zu können, Jesse konnte schließlich alles tragen und sah hinreißend darin aus. Es musste umso ironischer für diesen anmuten, dass der Snob neben ihm, der früher manchmal Stunden im Bad verbrachte oder vor dem Kleiderschrank stand, jetzt herumlief wie ein wilder Wikinger. Schlicht, pragmatisch und dennoch tat es Valravns stolzem, geschmeidigen Gang, sowie seiner Ausstrahlung keinerlei Abbruch, der Anzug mochte fehlen, doch bewegen tat er sich noch immer als wäre die Welt sein verdammter persönlicher Catwalk. So wie man den Reiter, der in Wien an der spanischen Hofreitschule gelernt hatte, nicht aus Jesse rausbekam, würde man aus dem Tierarzt niemals den Tänzer rausbekommen.
Der den ganzen Weg über kein Wort hervorbrachte, vielleicht ein oder zweimal dazu ansetzte, die Lippen bereits einen Spalt geöffnet hatte aber sich dann doch dagegen entschied, stattdessen richtete er den Blick, wenn auch nur kurz, wieder auf den Weg oder grüßte mit einem knappen Nicken, einige der wenigen Dorfbewohner, die bei dem Wetter noch nicht Zuflucht in den warmen Hütten gesucht hatten.
Auf die letzten Meter begann sein Herz auch wieder schneller zu schlagen, kaum zu glauben, er war inzwischen wie alt? 54? Trotzdem fühlte er sich gerade wie ein Teenager, der seinen großen Schwarm, das Erste Mal zu sich nach Hause einlud. Es war so absurd, ob es Jesse ähnlich erging?
Vor der Hütte hielt er schließlich an und nahm Sleipnir das Zaumzeug ab, ebenso zog er das Bärenfell von dessen Rücken und strich dem Rappen noch einmal den Hals entlang. "Mach kein dummes Zeug mein Junge, ich weiß, wo du dich rumtreibst." Warnte er ihn mit gespielt ernster Miene, woraufhin Sleipnir natürlich nichts Besseres einfiel, als den Kopf zu heben und das silbrige Haar von Valravn anzuknabbern, nur kurz da dieser die Hand hob, um sachte seine Schnauze wegzuschieben. Anschließend wandte dieser sich zu Jesse, überbrückte die wenigen Schritte zu seiner Hütte und öffnete deren Tür. "Willkommen in meinem bescheidenden Heim."
Man könnte es als Scherz verbuchen, doch die traurige Wahrheit ist, die Räumlichkeiten der Hütte waren wirklich bescheiden und bislang nur mit dem Nötigsten ausgestattet.
Für den Schweden war es unglaublich bitter, natürlich war die Hütte, im Vergleich zu dem Leben da draußen, der reinste Palast aber Jesse wusste wie Valravn früher gelebt hatte, wie viel Wert er legte auf stilvolle Möbel, stimmige Farben, dekorative Antiquitäten, unzählige Bücher, vor allem aber auf eine penibel saubere, hochmoderne Küche in der er sich austoben konnte. Von seiner, schier unendlich großen, Auswahl an Anzügen ganz zu schweigen. Bei null anzufangen war Valravn gewöhnt, dennoch blutete ihm das Herz, wenn er daran dachte was er alles verloren hatte. In erster Linie seine Liebsten, die Hunde, danach erst kamen die materiellen Dinge, die er sich über Jahrzehnte hinweg so hart erarbeitet hatte. Alles war weg. Sogar sein linkes Auge.
Aber er sollte sich nicht zu sehr grämen, das wusste er selbst, vor allem jetzt, in Anbetracht der Tatsache, dass etwas, viel mehr jemand, aus seinem alten Leben wieder zurückgekehrt war.
Valravn trat zuerst ein, entschlüpfte den alten Stiefeln, die noch ihre Dienste taten und dem Wetter standhielten, um sich in gewohnt alter Manier an das Ende der Tür zu stellen, sowie mit einer simplen Geste der Hand, Jesse bedeutete bitte einzutreten. Anschließend schloss er die Tür, seufzte schwer und legte das Zaumzeug seines Pferdes auf dem kleinen Schemel, der links von der Tür stand, ab. Nur einen Steinwurf entfernt, auf der linken Seite beim Fenster, stand ein simpler Holztisch, sowie vier Stühle, immerhin war es Valravn gelungen an rote lange Kerzen zu kommen, die mittig auf dem Tisch standen, sowie ein schlichtes Gesteck aus Tannenzweigen und Tannzapfen. Der Eine würde sagen, hübsch hatte er es hier, der Schwede aber fand es mitunter deprimierend. Es gab so viel zu tun, so viele Ideen, deren Umsetzung er jedoch alleine nicht bewerkstelligen konnte oder entsprechende Materialien dafür einfach nicht zur Verfügung standen.
Natürlich sprach nichts gegen den rustikalen Charme, welcher die Hütte versprühte aber Valravn hatte hohe Ansprüche, in erster Linie an sich selbst, so absurd es klingen mag, es war ihm unangenehm, dass er Jesse nicht mehr bieten konnte als ...das hier.
Der Schwede, der sich das Bärenfell unter den Arm geklemmt hatte, bewegte sich zum hinteren Teil des Wohnraumes, rechts ging es zur Küche oder was dem zumindest am nächsten kommt, auf selbiger Seite aber ein Stück weiter hinten zum Schlafbereich.
Die Feuerstelle, in der das Holz knisterte und knackte, sowie die Hütte mit wohliger Wärme erfüllte, wurde von einem simplen Sofa, sofern man es so nennen kann, vom Rest des Raumes abgetrennt, sodass man gemütlich dort bei einem Glas Wein, den tänzelnden Flammen zusehen konnte. Dieses altertümlich anmutende Sofa, auf dem sich einige Felle befanden, mutete nun nicht sonderlich prunkvoll an aber Valravn war froh, überhaupt eine Hütte für sich alleine zu haben, die nicht völlig leer stand.
Das Grizzlyfell warf er auf die lange Sitzfläche, die immerhin Platz für drei Leute bot oder zumindest ihm die Möglichkeit gab, ein Nickerchen dort ausgestreckt zu machen, sofern er das tun würde aber wann war das je der Fall?
"Nun, fühl dich ...wie Zuhause. Den einzigen Wein, den ich dir derzeit anbieten kann, wäre Honigwein aber, falls du hungrig bist, ich habe Wildeintopf gemacht." Bot Valravn ihm an und rieb sich die Hände, sein Körper war ein wenig angespannt, die Schultern gestrafft und der Rücken kerzengrade, doch seinem Gast, der ihn besser kannte als jeder Andere, entgingen die nervösen, unruhigen Schwingungen wahrscheinlich nicht welche der Schwede aussendete. Neben der inneren Aufregung, kam dazu, dass Valravn hier drinnen wirklich ein wenig ins Schwitzen geriet, draußen in der Kälte war ihm bereits den ganzen Tag über furchtbar heiß gewesen, er war sogar schon am überlegen, sich einfach Nackt in den Schnee zu werfen, in der Hoffnung etwas Abkühlung zu erfahren.
Ja, er war Arzt, er kannte die Anzeichen, doch es war auch bekannt, dass Ärzte die schlimmsten Patienten sind, die es gibt.
So fürsorglich und wachsam der Schwede bei Tieren, Kindern oder Jesse stets gewesen ist, sich selbst neigte der Schwede stark zu vernachlässigen, obwohl seine Krankenakte förmlich danach schrie, sich zu schonen und nicht mal einen Schnupfen auf die leichte Schulter zu nehmen.
Natürlich wusste hier niemand von seiner Krebserkrankung, die er zwar bezwungen hatte vor Jahren, doch das Risiko noch immer bestand, dass dieser irgendwann zurückkehrte. Dessen war Valravn sich bewusst, das änderte nichts an seinem fahrlässigen Umgang mit sich selbst, hatte er Tabak in die Finger bekommen, hatte er sogar wieder geraucht in den vergangenen zehn Jahren. Womöglich sollte er das Jesse lieber nicht erzählen, der steinigte ihn sonst noch, erst recht vor dem Hintergrund, das Krebs in seiner Familie ebenfalls ein Thema gewesen war. Fast ironisch oder einfach nur bitter, dass sein Partner, ebenfalls damit zu kämpfen hatte und kaum mehr als zwei Jahre krebsfrei galt, als sie sich kennenlernten.


@Jesse Redford


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#3

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 14.01.2020 18:33
von Jesse Redford (gelöscht)
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CF <-- Reitbahn

Eigentlich konnte Jesse sich bereits sicher sein, dass er heute Nacht kein Auge zumachen würde. Zu viel war in den letzten zehn Minuten passiert, als dass sein Verstand das alles für ein paar Stunden nicht verarbeiten wollte.
Freilich, als er noch auf der Reitbahn gewesen war, um einem jungen Pferd beizubringen sich richtig unter seinem Reiter zu bewegen, war die Welt noch so in Ordnung gewesen, wie sie eben konnte. Er hatte eine Lektion auf die er sich konzentrieren konnte und damit pausierte auch sein ständig rotierendes Hirn.
Doch diese Harmonie, dieser Moment der Ruhe wurde jäh unterbrochen, als einem Vorschlaghammer gleich Val zurück in sein Leben trat, ohne dass er auch nur den Hauch einer Sekunde Zeit gehabt hatte sich irgendwie mental darauf vorzubereiten. So viele Emotionen, die er in kürzester Zeit durchlief waren Gift für ein Hirn, das ohnehin schon viel zu viel dachte. Fassungslosigkeit, überwältigende Freude, Trauer und nun dieses bange Gefühl der Ungewissheit. Es war eine Ewigkeit her seit sie sich das letzte Mal getroffen hatten und alleine von sich selbst wusste er, wie viele Entscheidungen er getroffen hatte, welche seinen Charakter in der letzten Dekade geprägt hatten. Solche Jahre gingen nicht spurlos an einem vorbei. Und wenn er vielleicht äusserlich noch fast genau gleich aussah wie damals, so war er innerlich doch ein wenig verändert. Er hatte Blut an seinen Händen. Nicht nur von wiederauferstandenen gierigen Monstern, sondern auch von lebenden Menschen, die für ihn eine Bedrohung geworden waren. Er hatte mitgeholfen, aus reiner Verzweiflung und seinem Selbsterhaltungsdrang heraus, eine einigermassen friedliche Kolonie zu überwältigen und neu zu erfinden. Damit hatte er die zweite tiefergehende Freundschaft in seinem Leben willentlich aufs Spiel gesetzt. Und noch heute stand er hinter dem Mann, in dem er mehr als ein gefühlskaltes Arschloch sah, das wild und unberechenbar mordete. Vielleicht ein weiterer Fluch seines wachen Verstandes?
Auf jeden Fall würde er das Val irgendwie beibringen müssen. Aber wann? Und vor allem, wie? Damit würde er seine eigene Mission gefährden, selbst wenn er dem Mann neben sich absolut vertraute.Er wusste nicht ob er es ansprechen sollte oder nicht. Und wenn nicht, wie lange konnte er verheimlichen, dass er ein derart schwerwiegendes Geheimnis am bewachen war?
Da er den jungen Hengst nicht mit zu Val nehmen wollte, mussten sie einen kurzen Abstecher zum gegenüberliegenden Stall machen. Dort sattelte er den Hengst rasch ab und nahm sich auch die Zeit ihn noch einmal kurz zu striegeln, damit das Fell wieder schön glatt war und er richtig trocknen konnte. Durch die Unterbrechung war er aber gar nicht richtig ins Schwitzen geraten. Was bei dem Wetter ganz ok war. Er stellte das Tier zurück in seine Box, gab ihm noch ein wenig Hafer als Belohnung. Anschliessend konnten sie zu Vals Hütte aufbrechen.
Draussen wirbelten weiterhin die Schneeflocken ungestüm durch die Lüfte. Wenn es den ganzen Tag und die Nacht so durchschneite würden sie morgen wohl kaum noch sehen wo die Strassen waren. Jetzt schon türmte sich der Schnee gut einen halben Meter hoch auf den Dächern und es schien einfach kein Ende zu nehmen.
Jesse steckte die Hände in die Taschen seines Winterparkas, den er vor Ewigkeiten mal geplündert hatte. Er sah mittlerweile ziemlich abgeranzt aus, doch noch tat er seinen Dienst ganz in Ordnung. So gingen sie schweigend nebeneinander her. Es tat gut zu schweigen. So konnte er effizienter denken, jedoch kam er trotzdem nicht wirklich zu einem Schluss. Einmal nahm er kurz eine Hand aus der Tasche und streckte sie nach Vals Hand aus. Für einen Augenblick verhakten sich ihre kleinen Finger ineinander. Jesse schaute nicht zu ihm rüber. WArum genau er es tat wusste er selbst nicht. Checken, ob Val immer noch keine Halluzination war?
Doch bevor die Gelegenheit entstand Hand in Hand zur Hütte zu gehen, zog er die Hand doch wieder zurück und gab ein kurzes Seufzen von sich. Der Schnee wirbelte um sein Gesicht, Flocken blieben in seinen Wimpern hängen, die er wegblinzelte. Eigentlich war es ein wunderschönes Schneegestöber... Wenn es einem das Überleben niht noch mehr erschweren würde.
Letztlich erreichten sie die Hütte ohne auch nur ein einziges Wort gewechselt zu haben. Für ihn war das in Ordnung. Schweigen war okay, damit konnte er leben.
Zu seiner Verwunderung hatte es keinen Stall für Sleipnir. Stattdessen liess Val ihn einfach ziehen. Okay? Das war ... fahrlässig. Und das Pferd war wohl wirklich ziemlich eigensinnig.
Gemeinsam stapften sie den letzten Rest bis zur Tür, welche Val in gewohnter Manier öffnete und für ihn offen behielt. Jesse klopfte seine festen Schuhe am Türrahmen ab, bevor er eintrat und sich kurz umsah. In kürzester Zeit hatte er die meisten Details ausgemacht. Es gab nicht sonderlich viele, wenn er ehrlich war. Das Heim war tatsächlich ziemlich bescheiden. Kein Vergleich zu dem Zuhause, das Val sich in Alaska aufgebaut gehabt hatte. Oder zu dem Gestüt das Jesse immer wieder besucht hatte. Seine eigene kleine Wohnung, welche er nach der Verpachtung des Gestüts bezogen hatte war auch eher einfach eingerichtet gewesen. Schlicht und nützlich. Der meiste Platz ging damals für die Bücherregale drauf.
Es roch nach Holz, Feuer und ein wenig nach nassem Fell. Der Geruch störte ihn nicht, vom Gestüt war er sich ständiger Pferdegeruch gewöhnt gewesen. Auch die eher sporadische Einrichtung kümmerte ihn nicht. Er mochte das. Je weniger Eindrücke, desto besser. Gummizellen waren zum Beispiel auch ganz ok.
Jesse tat es Val gleich. Er zog sich erst die Jacke aus, welche er sich über den Arm faltete, bevor er sich hinab beugte und seine Stiefel öffnete, bevor er hinausschlüpfte und sie ordentlich hinstellte. Da war er sehr penibel und akribisch.
So sah er sich erst einmal um, trat etwas weiter in den Wohnbereich, bis sein Blick am Feuer hängen blieb. Er hatte Zuhause selbst auch einen Kamin gehabt.
Kurz seufzte er auf und zog sich dann auch noch die Mütze vom Kopf. Seine Haare darunter waren plattgedrückt, weshalb er sie mit der Hand wieder etwas aufwuschelte, was das Ergebnis aber nicht unbedingt ansehnlicher machte.
Unter der Jacke trug er einen Wollpullover, der auch schonmal bessere Tage gesehen hatte. Nachdem er die Jacke über einen Stuhl gehängt hatte, zog er sich auch den Pullover aus. Dabei rutschte ihm das Hemd darunter ebenfalls hoch und entblösste für einen Augenblick seinen Körper. Jesse war schon immer eher athletisch gebaut gewesen, was die Reiterei nur positiv beeinflusste. Er hatte seine Figur weitestgehend behalten, bis zu dem Zeitpunkt als sie von der Farm verjagt wurden. In dem Winter war er so sehr abgemagert, dass er wirklich untergewichtig gewesen war. Seit er im Zoo lebte hatte sich das aber wieder gekriegt und nun hatte er fast seine alte Figur wieder zurück.
Er zog den Pullover aus, legte ihn ebenfalls über die Lehne und zupfte dann das Hemd zurecht. Nun war auch der Ring zum Vorschein gekommen, der über dem Hemd auf seiner Brust ruhte.
"Sehr ... gemütlich", urteilte er über die Wohnung und schenkte Val ein knappes Lächeln. "Und nun, wenn du etwas von deinem Essen abgeben möchtest, würde ich dieses Angebot nur ungern ausschlagen. Mir ist nämlich ordentlich kalt..." Dabei rieb er sich die Hände. Val hingegen hatte leicht gerötete Wangen und wirkte allgemein als wäre ihm ziemlich warm. Schon nur vorhin, als sie sich geküsst hatten war der Temperaturunterschied zu fühlen gewesen. Noch war er sich aber nicht sicher, ob das lediglich die Aufregung gewesen war, oder ob er gerade etwas am ausbrüten war und er deshalb eigentlich eher ins Bett gehörte.

@Valravn Vargström


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#4

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 14.01.2020 21:03
von Valravn Vargström | 179 Beiträge

Man konnte wohl von Glück reden, dass sie Beide gut damit zurechtkamen, einfach nur zu schweigen und den eigenen Gedanken nachzuhängen. Es war diese angenehme, friedlich anmutende, Stille welcher der Schwede einiges abgewinnen konnte, auch wenn er ein wenig die klassische Musik im Hintergrund vermisste, die leise, unterschwellig den Raum erfüllte. Dafür verweilten sie im Stall ein wenig länger, es lag auf der Hand, dass Jesse den jungen Hengst erst versorgen würde und in der Zwischenzeit konnte Sleipnir auch etwas Hafer abgreifen, welchen Valravn ihm zu fressen gab, während sie geduldig warteten.
Auf dem Heimweg wäre der Schwede ja fast vor Schreck gestolpert, früher achteten sie so penibel darauf, in aller Öffentlichkeit jede überflüssige oder verdächtig wirkende Berührung zu vermeiden, dieses Verhalten war noch immer tief verankert in dem Einäugigen. Umso überraschender war es, dass ausgerechnet Jesse, derjenige war, der den kleinen Finger nach Valravns ausstreckte und sie miteinander eingehakt ein kleines Stück weiter liefen, trotz dessen das man es sehen könnte.
Auf der anderen Seite, was hatten sie denn jetzt noch zu verlieren oder zu verstecken? Die Gesellschaft von früher gab es in dem Sinne nicht mehr, die Schubladen wurden überflüssig und viele wären womöglich froh darüber, auf dieser Welt nicht allein zu sein, sondern den täglichen Kampf des Überlebens, an der Seite ihrer oder ihres Liebsten zu beschreiten. Das Problem war demnach eigentlich nur in seinem Kopf, das alte Verhaltensmuster war noch immer da, doch einem alten Wolf brachte man keine neuen Tricks bei oder gewöhnte ihm alte Gewohnheiten nur extrem schwer wieder ab. Sein Herz machte, ob dieser Geste, sogar einen kleinen Sprung vor Freude und dennoch wurde es von diesem bittersüßen Gefühl des Bedauerns begleitet.
Zehn ganze Jahre waren ihnen genommen worden, eine ganze Dekade, die mit Sicherheit nicht nur äußerliche Spuren hinterlassen hatte. Vermutlich bei Valravn stärker als bei Jesse aber wie sah es tief in ihm drinnen aus? Was hatte er alles erlebt, gesehen oder gar ...getan um an diesen Punkt anzukommen, hier in Balar?
Ebenso musste Valravn sich, wohl oder übel, auch die Frage stellen, wenn er Jesse alles erzählte, was er selbst getan und erlebt hatte, könnte, würde er ihn noch immer lieben wie früher? Valravn war sich all seiner Taten bewusst, er war sich im Klaren darüber was die neue Welt ihm abverlangte, was für ...verwerfliche, grausige Dinge er getan hat und gerade jene, hatten wenig mit Überleben zu tun. Es war schierer Zorn und Rachsucht gewesen, was ihn dazu angetrieben hatte. Oh, ihm wurde das Herz schwer, wenn er nur daran dachte, darüber sprechen zu müssen. Geheimnisse wollte er nicht haben, zumindest nicht vor Jesse, er verdiente, nach wie vor, Ehrlichkeit, obgleich sie unschöne Dinge Preis geben würde über den, einst so vornehmen, Veterinärmediziner.
Dass Sleipnir bei seiner Hütte keinen Unterstand oder gar Stall hatte, lag schlichtweg daran, dass noch keine Zeit war Einen zu bauen und der Rappe war das Leben in freier Wildbahn gewöhnt, schon bevor er Valravn geschenkt wurde. Der Schwede machte sich auch keine großen Sorgen um ihn, bei Bäh und Mäh, den Ziegen von Ivar, war sein Pferd gut versorgt und innerhalb des Dorfes drohte Sleipnir keine Gefahr von Raubtieren. Selbst Matanus, die Bärin, schien keine Bedrohung darzustellen, da war es eher der Reiter von Sleipnir, der bei ihrem Anblick noch immer mit seinem Trauma zu kämpfen hatte, sowie dem Drang erlag sich tot zu stellen. Blöd nur, dass dieser Trick bei Schwarzbären nicht funktionierte, sondern eher ihre Neugierde weckte, zum Leidwesen des Schweden. Der innerlich drei Kreuze machte, da sie es schafften Matanus nicht zu begegnen, bis sie bei seiner Hütte angelangt waren.
Vermutlich brauchte Jesse nicht lange um sich einen Eindruck von Valravns, neuer, Wohnsituation zu verschaffen, es gab schließlich nicht viel zu entdecken. Etwas das der Schwede wiederum ganz anders sah, nur lag dessen Fokus nicht auf dem Ambiente seiner Hütte, sondern auf dem Mann, der noch Heute ganz akkurat seine Stiefel nebeneinander stellte und Valravns Mundwinkel nach Oben zuckten bei diesem Anblick. Der Teufel lag stets im Detail. Anders als Valravn, der kaum mehr als das Hemd aus Leinen und die Lederhose trug, schien Jesse dick eingepackt zu sein. Schicht für Schicht schälte er sich, wie eine Zwiebel, aus der Kleidung und der Schwede konnte nicht umhin, ihn dabei zu beobachten, sowie sich auf Neue die Lippen zu lecken bei dem Anblick. Vielleicht war er keine zwanzig mehr, tot ist er aber auch noch lange nicht, früher hätte er sich nun einen Spaß gemacht, mit der Fernbedienung die MP3-Anlage eingeschalten, nur um irgendeine erotische Hintergrundmusik erklingen zu lassen, während Jesse sich den Pullover über den Kopf zog. Die Musikanlage fehlte hier leider. Dafür neigte der Schwede den Kopf ein wenig zur Seite, drückte die Zähne auf die Unterlippe und biss fest zu, er ermahnte sich gedanklich ja selbst dazu, Jesse nicht so anzusehen. Doch es sei ihm wohl verziehen, dass er sich an dem Anblick ein bisschen ergötzte, nach zehn langen Jahren, wenn dessen Hemd nach Oben rutschte und ein bisschen nackter Haut Preis gab.
Jedoch glitt sein Blick ein Stück weiter hinauf, eigentlich nur um sicherzugehen, dass Jesse ihn nicht längst ertappt hatte, doch hängen blieb sein dunkelbraunes Auge an dem Ring, welcher an einer Segelschnur um dessen Hals lag. Natürlich erkannte er den Ring, er hatte ihn schließlich selbst ausgesucht und ein halbes Vermögen dafür ausgegeben, doch Jesse war es ihm mehr als wert. Valravn hätte ihm die Welt zu Füßen gelegt, er hätte nur ein Wort sagen brauchen, wobei, nein das musste dieser nie, der Schwede stand auch ohne Wink mit dem Zaunpfahl, des Öfteren mit einem Strauß Blumem, einer Flasche teuren Wein oder einem Buch vor seiner Tür. Selbst nachdem er den Zweitschlüssel zu Jesses Wohnung hatte. Für ihn war dies selbstverständlich, was das anging, war der Schwede noch von der ganz alten Schule, hätte er demnach gewusst, dass Jesse ihm Heute über den Weg lief und ihn zu seiner Hütte begleitete, er hätte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn mit einer Kleinigkeit zu überraschen.
Aber gut, heute war wohl Valravn selbst diese Überraschung.
Der sich losriss von dem Ring, der um Jesses Hals hing, sowie wieder die Frage in den Raum warf, wie dessen Antwort lautete. Zehn Jahre Bedenkzeit waren doch wohl hoffentlich ausreichend, oder nicht?
Außerdem wollte er die Augenklappe loswerden, daher fasste er in seine silbern gewordenen Haare am Hinterkopf, löste den kleinen Knoten des schmalen Lederbandes und nahm das unliebsame Ding ab, er trug sie ungern, der Druck, den diese auf das Narbengewebe ausübte, empfand er als höchst unangenehm aber er wollte die Kinder ja nicht gänzlich verschrecken im Dorf. "Nimm ruhig Platz, ich hole dir sofort etwas." Valravn wandte ihm den Rücken zu, hob erst dann auch wieder den Kopf und bewegte diesen kurz ruckartig, nach rechts, sodass sein längerer Pony, der zwischen den grauen Haaren sogar eine gänzlich weiße Strähne aufwies inzwischen, sich über das linke Auge legte oder besser gesagt das Narbengewebe, wo mal ein Auge gewesen war.
Für den eitlen Mann, der früher so viel Wert darauf gelegt hatte, wie aus dem Ei gepellt in Erscheinung zu treten, war der Verlust seines Auges nicht das eigentliche Problem, sondern die Narben, die zurückblieben in seinem Gesicht und dort wie ein abscheuliches Mahnmal prangten. Eine Erinnerung an sein Versagen als Vater und daran zu was er fähig sein konnte. Die Meisten hatten Menschen getötet in den letzten Jahren, um sich oder ihre Liebsten zu schützen, jedoch nahmen sich wohl die Wenigstens so viel Zeit dazu, wie Valravn in diesem einen Winter, wo er wochenlang auf der Jagd nach einer einzigen Person gewesen war.
Er schnaubte, fuhr sich mit den Fingern über den verspannten Nacken, ein Wimpernschlag genügte und das Alles kam vor seinem inneren Auge wieder hoch, der Schmerz, das warme Blut, das einfach überall an seinem Körper zu sein schien, das Knirschen und knacken der Knochen. Die faszinierende Beobachtung, wie einfach es war, mit einer Streitaxt, den Schädel eines Mannes zu spalten, als wäre es nur eine Wassermelone. Er konnte es noch immer riechen, Angstschweiß vermischt mit dem eisenhaltigen Geruch von Blut, dieser Gestank von billigen Fusel und verbrannten Fleisch, vermischt mit Tannengrün.
Es hielt nur einen Atemzug lang an, bis Valravn die Hand abrupt sinken ließ, das Knacken des Holzscheites im Kamin an sein Ohr drang und er den Kopf in die entsprechende Richtung drehte, die feinen Haare im Nacken stellten sich automatisch auf. Unter dem feuchten, verschwitzten Leinenstoff seines Hemdes, dass bereits anfing am Rücken und der Brust zu kleben, war deutlich erkennbar wie jeder Muskel sich angespannt hatte, fast wie bei einem Raubtier das zum Sprung ansetzte. Stets bereit zuzuschlagen, wenn es die Situation erforderte. Ja, physisch war Valravn in Balar definitiv angekommen, doch ein Großteil von ihm, war wohl noch immer da draußen in den Wäldern.
Wortlos setzte er sich in Bewegung, fasste nach dem feuchten Stoff und zog ihn sich, leise knurrend, über den Kopf als er sich in sein Schlafzimmer begab. Er mochte noch nie das Gefühl feuchter Kleidung auf der Haut, manchmal zog er sich mehrmals am Tag sogar um, früher zumindest, wo er noch die Möglichkeiten gehabt hatte. Normalerweise achtete er penibel darauf allein zu sein, vor allem wenn er sich umzog oder gar schwimmen ging, nur früher hatte er auch kein Problem gehabt sich vor Jesse um- bzw. auszuziehen, auch nach den zehn langen Jahren, nahm er ihn nicht als Störenfried oder gar Feind wahr. Dass sein gesamter Rücken voller Narben war, war ihm in dem Moment auch nicht bewusst, schließlich lebte er seit Jahren damit und Jesse war der Einzige, der wusste, dass all diese Spuren damals noch nicht existiert hatten auf seinem Körper.
Die Meisten verdankte er dem Grizzly, dessen scharfe Krallen, von denen er vier Stück an einem Lederband um den Hals trug, sich auf seinem Körper verewigt hatten, am längsten waren jene die von seinen Schultern fast bis zur Mitte seines Rückens reichten, etwas kürzer und fast waagerecht prangten die Krallenspuren an seinen Seiten, am unteren linken Rippenbogen und rechts auf Hüfthöhe. Als wäre er ein verdammter Kratzbaum gewesen, da er die meisten Wunden nicht hatte nähen können, mussten diese sich von selbst schließen. Seine rechte Schulter hatte es am schlimmsten erwischt, die Narbe, die der Biss, hinterlassen hatte, reichte bis vor zum Schlüsselbein, er hatte verdammtes Glück, dass dieses Biest ihm nicht die Schulter ganz herausgerissen hatte, nicht dass er es nicht versucht hätte. Valravn hatte aber wohl noch tiefere Spuren hinterlassen, schließlich lag der Pelz der Bestie auf dem Sofa und dessen Krallen hingen um seinen Hals, es war mehr Glück als alles Andere, damals hatte er auch noch ein Jagdgewehr und seinen letzten Hund, der diese Begegnung ebenfalls nicht überlebte.
Er war aber nicht der Einzige, der unliebsame Begegnungen mit Wildtieren hatte, dessen war er sich sicher, wie sich, dass bei dem Brandzeichen verhielt, das zwischen seinen Schulterblättern prangte und einem Wappen gleich kam, womit man früher Vieh markierte, wusste er nicht.
Der Schwede, dem so schrecklich warm war, holte sich ein frisches Hemd und zog es sich über als er wieder herauskam, sowie gleich in den Küchenbereich steuerte, er wollte ja nicht das Jesse noch vom Fleisch fiel. Für sein Alter war Valravn noch immer ziemlich fit, ebenso wie Jesse hatte er einen athletischen Körperbau, da er einen beschleunigten Stoffwechsel hatte und bereits als Teenager hobbymäßig leidenschaftlich gern, sowie viel, tanzte, darunter sogar Ballett, hatte er sogar Probleme an Gewicht zuzulegen. Eigentlich müsste er den ganzen Tag essen, um ordentlich etwas auf die Rippen zu bekommen, jedoch würde er sich auch nicht wohlfühlen, wenn er zu viele Kilos auf die Waage brächte.
Trotzdem war er froh, dass er nun wieder eine Möglichkeit hatte ordentlich zu kochen, es polterte auch nur kurz etwas in der Küche als Valravn nach passablen Geschirr suchte aber das Silberbesteck war leider aus. Nun ja, Jesse fand das wohl nur halb so schlimm, wie der Schwede selbst. Der recht zügig mit zwei großen Schüsseln, aus schlichten gebrannten Ton, sowie zwei Löffeln zurückkam und servierte, jedoch nicht gleich Platz nahm, natürlich begab er sich noch einmal zurück, immerhin gehörte ein vernünftiges Getränk dazu. Er wünschte er könnte Jesse Rotwein anbieten, doch alles was ein wenig feierlich anmutete, war der Met, der jedoch ausgesprochen gut schmeckte und ihm vermutlich schon zu Gemüte geführt wurde. Wenigstens konnte Valravn zwei Weingläser ergattern, zumindest etwas mit mehr Eleganz und Stil, die er ebenfalls auf den Tisch stellte, sowie befüllte. Aus der Hosentasche zog er sein altes Zippo, ja er hatte es immer noch, das schwarze Feuerzeug mit silbernem Wolfskopf, der auf beiden Seiten prangte. Mit diesem entzündete er die zwei roten Kerzen auf dem Tisch, schob das Feuerzeug, wieder in die Hosentasche und hastete noch ein drittes Mal in die Küche. Er brauchte eindeutig mehr Arme oder mehr Zeit, immerhin war das Dinner zu Zweit, völlig unvorbereitet eingetroffen.
"Ich wünschte, ich könnte dir etwas musikalische Untermalung bieten aber du weißt ja wie es ist." Sagte er bei seiner Rückkehr, ihm fehlte ja leider die Zeit, daher legte er die beiden dunkelblauen Stoffservierten, ganz einfach gefaltet neben das simple Gedeck und erlaubte sich dann auch mal wieder durchzuatmen, als er sich mit den Händen auf der Rückenlehne des Stuhls vor ihm, abstützte, sowie den Blick über den Tisch gleiten ließ. Nun ja, es musste wohl genügen und am aller wichtigsten war doch eh, dass das Essen schmeckte. "Zu meinem Bedauern ist die Auswahl an Kräutern und Gewürzen sehr spärlich, vor allem zu dieser Jahreszeit aber ich hoffe dennoch, ich habe in den letzten Jahren nicht zu viel eingebüßt an meinen Fähigkeiten in der Küche."
Nun bislang hatte niemand sich beschwert, Ivar futterte sich, sogar regelmäßig, bei ihm durch also musste er noch immer ein guter Koch sein. Dem es guttat, wieder in einer Küche stehen zu können, sich kreativ auszuleben, sowie Jesse früher beim Schreiben seiner Bücher. Diesem schenkte er ein knappes Lächeln bevor er Platz nahm und nun wohl keine Ausflüchte mehr hatte, der Tisch war gedeckt, zu Essen und zu trinken stand bereit, das Feuer im Kamin knisterte friedlich vor sich hin. Allein speiste er auch, in gewohnter Manier, am Kopf der Tafel aber jetzt saß er diesem gegenüber, wie früher.
Einzig das Ambiente war kleiner, rustikaler gehalten und sie Beide um zehn Jahre gealtert, leider getrennt voneinander.
"Nun, ich denke wir sollten darauf anstoßen, dass die neue Welt auch noch ein paar schöne Überraschungen bereithält."
Er griff zum Glas, hob es an und blickte vor zu Jesse, um mit diesem anzustoßen.


@Jesse Redford


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#5

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 14.01.2020 22:41
von Jesse Redford (gelöscht)
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Die Wohnung gab wirklich nicht allzu viel her, das er hätte beobachten können und trotzdem sah er wohl mehr als so manch anderer. Jedes Detail sprang ihm ins Auge und sogleich fühlte er sich gezwungen es zu analysieren. Manchmal wünschte sich Jesse sein Hirn einfach ausschalten zu können. Aber das war ihm ja in der Regel nicht vergönnt. Selbst nachts nicht, wenn normale Menschen eigentlich schliefen.
Als er den Pullover ausgezogen hatte und sich die Klamotten zurecht gezupft hatte, schaute er sich erneut um. Er konnte sich vorstellen, dass Val diese Hütte gern noch etwas mehr nach seinem Geschmack gestalten wollte. Jetzt war bloss die Frage, ob er bisher nicht dazu gekommen war oder ob sein Lebensstil doch simpler geworden war. Wie lange er wohl schon in Balar lebte?
Da er seine Umgebung relativ rasch gescannt hatte, legte Jesse seinen Fokus recht bald auf Val. Er beobachtete ihn, wie er sich bewegte und wie er sich verändert hatte. Er zog die Augenklappe aus, für einen kurzen Augenblick konnte er die dahinterliegende Narbe sehen. Das Auge fehlte tatsächlich. Die Narbe liess das Antlitz seines Liebsten härter wirken. Val besass ohnehin bereits sehr markante Gesichtszüge mit dem scharfen Kinn und dem Blick, der an einen Raubvogel erinnerte. Doch die Narbe gab dem Ganzen nun noch einen härteren Touch. Es war kein vergleich zu dem herausgeputzten, edlen Veterinär, der seiner Zeit penibel auf sein Äusseres achtete und auch nicht davor zurückschreckte dafür zu sorgen, dass Jesse ihn nicht beschämte, wenn sie mal zusammen aus ging. Trotz seiner gut betuchten Herkunft hatte Jesse einfach keinen wirklichen Sinn für Mode oder gar so lästige Dinge wie übertriebene Körperpflege. Fünf Minuten eiskalt duschen, wenns zu üppig wurde vielleicht mal eine Rasur, alle zwei Monate beim Friseur "so wie immer" bestellen und das musste dann reichen. Sein Vater hatte vergebens versucht ihm das Binden einer Krawatte näher zu bringen und später hatte Val das für ihn übernommen. Wie oft hatte er gesagt er sei bereit, doch noch bevor er aus dem Raum entwischt wäre, wurde er sanft aber bestimmt zurück gezogen und in strenger doch fürsorglicher Manier hatte Val ihm anschliessend eine Krawatte umgebunden und sein Hemd etwas ordentlicher gezupft. Und fürs brave Stillhalten gab es anschliessend immer einen kurzen Kuss. Und irgendwann hatte Val ihn sogar so gut erzogen, dass er schliesslich mit der Krawatte in den Händen zu ihm gegangen war. Sie waren nicht enorm oft zusammen weggegangen, doch dieses kleine Ritual war immer schön gewesen. Anfangs hatte es fast ein wenig genervt, doch irgendwann fühlte sich ein Abend einfach unvollständig an, wenn es nicht dazu kam.
Überhaupt hatte sich Val sehr verändert, vor allem äusserlich. Doch wie Jesse gleich sehen sollte, war das verlorene Auge noch harmlos zu dem, was sonst noch alles anders war. Val entledigte sich seines Hemdes auf dem Weg zur Tür, die vermutlich ins Schlafzimmer führte. Schweigend musterte Jesse den athletischen Körper seines beinahe Verlobten. War er früher nahezu unberührt von äussern Einflüssen gewesen, so verhielt es sich nun ganz anders. Da waren unheimliche Narben über seinen ganzen Rücken und die Schulter, die aussahen, als wären sie von einem Tier. Einem grossen Tier, das ihn durch den Fleischwolf gedreht hatte. Kombiniert mit den Bärenkrallen und dem Fell, das zuvor als Sattel für Sleipnir gedient hatte ...
Doch die Narben waren tatsächlich noch nicht einmal das Auffälligste. Was Jesse viel mehr ins Auge fiel war das Brandzeichen, das zwischen den Schulterblättern des Schweden prangte. Beinahe hätte er ihn aufgehalten, doch er hielt sich zurück. Dafür war später auch noch Zeit.
Er liess Val sich in Ruhe umziehen und beobachtete ihn dann weiterhin, als er damit begann alles vorzubereiten. Dabei ging er rasch, effizient und akribisch vor, wie er es von Val gewöhnt war. So und nicht anders... Er gab sich alle Mühe ihm hier so rasch wie möglich etwas zu zaubern. Unbewusst begann Jesse mit der Kette um seinen Hals zu spielen. Irgendwie... Er seufzte und wartete, bis Val soweit war, dass er ihm bedeutete, dass er sich setzen sollte. Also tat er das und atmete dann erst einmal tief durch. Sie hatten einander wirklich eine Menge zu erzählen.
Val goss ihnen etwas von dem Honigwein ein, den es hier in Balar offenbar en masse gab. Der schmeckte ganz gut, doch Jesse bevorzugte normalen Rotwein nach wie vor.
Als sie sassen, tat er es Val gleich und hob sein Glas, um es sachte gegen das seines Gegenübers klirren zu lassen. Für den Moment sah er über die Gläser hinweg in Vals Augen, doch er schaffte es nicht zu lächeln. Er hätte gern gelächelt, den Moment genossen. Doch dafür sass ihm der Kummer gerade zu tief im Nacken. Er senkte den Blick ein wenig, als die Gläser gegen einander stiessen und den sanften Klang von sich gaben, dann führte er es sich an die Lippen und trank einen Schluck des herbsüssen Getränkes. Anschliessend stellte er das Glas ab, griff sorgfältig nach Messer und Gabel.
"Du möchtest eine Antwort", eröffnete er das Gespräch. "Auf die Frage von vor ... grob geschätzt zehn Jahren..." Kurz nahm er sich Zeit, um etwas Fleisch auf die Gabel zu spiessen und zu seinem Mund zu führen. Im Zoo hatte man ihn oft für seine ausserordentlich guten Tischmanieren belächelt. Doch hier wusste er, dass es einfach zu einem gesitteten Essen dazu gehörte. Val würde es nicht anders von ihm erwarten. Nachdem er das zart gekochte Fleisch zerkaut und geschluckt hatte, legte er Messer und Gabel ordentlich ab und nahm das erste Mal seit er ihn trug, den Ring von seinem Hals. Er streifte die mittlerweile ebenfalls sehr in Mitleidenschaft gezogene Segelschnur einfach über seinen Kopf und legte den Ring in die Mitte zwischen ihnen.
"Ich fürchte, du wirst dich noch so lange gedulden müssen, bis wir uns gegenseitig darüber aufgeklärt haben, was für Menschen der Zusammenbruch der Zivilisation wie wir sie kannten aus uns gemacht hat. Ich schätze wir haben beide schreckliche Dinge getan und erleben müssen", sagte er. Wie immer bei solchen Gesprächen fiel es Jesse schwer zu lange den Augenkontakt zu halten. Er sah einfach zu viel, wenn er ständig die Mimik und vor allem die Augen seines Gegenübers musterte. Es lenkte ihn ab von dem was er sagen und ausdrücken wollte.
"Du hast offensichtlich den Kampf gegen einen Bären überlebt und sogar gewonnen ... Und..." Er hielt inne, ergriff Gabel und Messer erneut und hob flüchtig den Blick. "Erklärst du mir den Ursprung des ... Brandmals auf deinem Rücken? Und wie es zum Verlust deines Auges kam?"
Er wollte Vals Geschichte zuerst hören. Vielleicht auch um Zeit zu schinden, bis er entschied, ob er ihm die Wahrheit sagte oder sich weiter im moralisch fragwürdigen Spinnengeflecht verhedderte, indem er dem Mann, den er mehr liebte als alles andere, während ihrer ersten Begegnung seit einem Jahrzehnt, ins Gesicht log.

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#6

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 15.01.2020 14:03
von Valravn Vargström | 179 Beiträge

Wie sehr wünschte, Valravn sich einen eleganten Dreiteiler tragen zu können zu diesem Anlass, ihrem Wiedersehen, er vermisste das Gefühl von Kaschmir und Seide auf der Haut, er hatte unzählige Krawatten, eine schöner als die Andere, es gab Einige darunter die er Jesse früher überlassen hatte, sie ihm akribisch mit geschickten Handgriffen band, wenn sie gedachten außerhalb zu dinieren. Der Schwede sah es ihm nach, dass er Bequemlichkeit der Eleganz vorzog, dass er nicht stetig herumlaufen wollte, als wäre er zum Bankett geladen aber bei besonderen Anlässen beharrte Valravn auf ein entsprechendes Outfit. Sein Liebster hatte eine ansehnliche Figur, feinere Gesichtszüge als Valravn, beinahe wie gemalt oder in Marmor geschlagen, er konnte so viel mehr aus sich machen und ...tat es kaum. Während der Schwede, penibel wie er war, erst das Rasiermesser am Lederriemen schärfte, genügte Jesse ein Griff zur elektronischen Variante um sich den Bart zu trimmen, drohte dieser doch mal Überhand zu nehmen. Der Jüngere von Beiden war meist schon fertig, komplett eingekleidet, da hatte Valravn gerade erst mal zur Rasur angesetzt und stand noch, frisch geduscht, mit Handtuch um die Hüfte vor dem großen Spiegel im Badezimmer.
Sie waren so unterschiedlich und doch harmonierten ihre Eigenarten miteinander, was Reibereien nicht ausschloss. Jedes Paar hatte seine Höhen und Tiefen, auch bei Ihnen konnte die Laune des Einen negativ überschwappen, sodass der Andere sie erdulden musste, Valravn war nicht weniger kompliziert als Jesse. Sie konnten lediglich besser damit umgehen, als Andere in ihrem Umfeld und etwas Abstand genügte meist, damit sich die Wogen wieder glätteten. Zudem Valravn, wenn der Fehler bei ihm lag, es wenig später mit einer kulinarischen Überraschung oder Blumen wieder gut machen wollte und Jesse, bei ihm genügte schon sein Welpenblick, sodass der Schwede ihm gar nicht lange böse sein konnte. Bitchig konnten sie Beide sein, meist bekam es nur ihr Umfeld ab, weshalb einige Leute ihnen eine gewisse Arroganz zu sprachen. Jesse hatte nur den Vorteil, anders als Valravn, dass er im Vergleich zu seinem Partner nicht anmutete wie ein Raubtier, sondern wie ein Unschuldslamm.
Was die Leute umso mehr erschrak, wenn es nicht der Snob war, der eine bissige Bemerkung vom Stapel ließ, sondern der Kleinere von Beiden, der doch augenscheinlich viel zu lieb war.
Da sollte man sich eigentlich die Frage stellen, erst recht nach diesen zehn Jahren, wer von ihnen war der Gefährlichere von Beiden? Der alte Wolf, der mit jeder Faser es vermochte Gefahr auszustrahlen, sobald er nur grimmig drein blickte oder das, vermeidliche, Unschuldslamm, mit seinen herrlich blauen Augen, den dunklen Locken, den man lieber in Watte packen wollte.
Eine Frage, die auch Valravn sich stellen musste nach der langen Zeit, wusste er doch am besten was hinter einem freundlichen Gesicht für Abgründe lauern konnten. Fände er die meisten Menschen nicht so anstrengend, hätte er sich, auf seine alten Tage, vielleicht sogar offiziell als Psychologe versucht aber die Tiere lagen ihm mehr am Herzen, bis heute.
Da saßen sie nun, am gedeckten Tisch, den herzurichten nicht all zu viel Zeit kostete oder Aufwand, Valravn hatte ja nicht viel, dass er auffahren konnte. Nicht mal mehr ein edles Hemd samt Krawatte, mit dem er sich, Jesse gegenüber, nun vermutlich wohler fühlen würde als diesem schlichten Leinen. Dieser Abstieg nagte unterschwellig am Stolz des Schweden, der jedoch Mittel und Wege finden würde, um zumindest ein bisschen mehr Stil in diese Hütte zu bringen, sowie in den Kleiderschrank.
Als sie miteinander anstießen, das Klirren der Gläser langsam verklang, jedoch auf keinem ihrer Gesichter auch nur der Hauch eines Lächelns erkennbar war, schien man förmlich den Umschwung spüren zu können. Valravn führte das Glas ebenfalls an seine Lippen, nahm einen Schluck von dem Honigwein, doch sein Fokus lag auf seinem Gegenüber, während Jesse nicht lange den Augenkontakt aufrecht halten konnte. "Here we go again." Sprach der Schwede im Flüsterton zu sich selbst, es war naiv zu glauben, nach den langen Jahren, dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatten, dessen war er sich bewusst aber man hätte ihm diesen Wunschtraum zumindest zwei Minuten länger gönnen können. Das hieß sie starteten wieder bei null, an dem Punkt, wo Jesse seinen eindringlichen Blicken auswich, so als würde es dabei helfen, den Schweden von sich fernzuhalten aber dessen Beharrlichkeit suchte ihresgleichen.
Zunächst schwieg Valravn nur, setzte stattdessen das Glas ab und griff zum Besteck, auch er bevorzugte ein Stück Fleisch, spießte es auf und betrachtete es einen Moment lang, während er aufmerksam Jesses wohlklingender Stimme lauschte. Täuschte ihn sein Gehör oder klang er angespannt? Das Fleischstück in den Mund geschoben, langsam und genüsslich kauend, ruhte sein Blick auf seinem beinahe Verlobten, der von sich aus die Frage aufgriff, die seit zehn Jahren unbeantwortet im Raum stand. Immerhin war es löblich zu sehen, dass Jesse seine Manieren nicht verlernt hatte. Valravn war, was das anging, sehr eigenwillig und penibel, er erwartete ein Mindestmaß an Benehmen, wenn man bei ihm speiste, dass verlangte er auch der kleinen Skadi ab, ebenso Ivar. Zwar lebten sie hier wie die Wikinger früher, das bedeutete jedoch nicht, dass man sich bei Tisch benehmen sollte wie ein Schwein am Trog! Wie auch früher nahm der Schwede sich Zeit beim Essen, er war ein Genießer, ein Gourmet, der sich das zarte Fleisch auf der Zunge zergehen ließ, nun wo er endlich wieder eine Küche zur Verfügung hatte, durften seine Geschmacksnerven endlich zu neuem Leben erwachen. Beinahe ausdruckslos, jedoch äußerst aufmerksam, lauschte er Jesses Worten und beobachtete haargenau jede einzelne seiner Bewegungen. Schon wieder! Sein Liebster konnte den Blickkontakt einfach nicht aufrecht halten, war ihm bewusst, dass dies Valravns Misstrauen, mehr und mehr, weckte? Sehr wahrscheinlich. Hier saßen zwei Analytiker am selben Tisch, nur das ihr Verstand völlig unterschiedlich arbeitete, sowie der Schwede andere Details beachtete als Jesse. Auf seine Augen allein verließ er sich nicht, selbst als er noch zwei hatte, in der Hinsicht erfasste Jesse viel mehr Informationen als der Schwede ihm gegenüber. Der Ton machte die Musik, der Geruch, welcher in der Luft lag und das Gesamtbild prägte. Die Frage war, wer analysierte hier gerade wen?
Seine Fixierung auf Jesse riss erst ab, als dieser den Ring vom Hals nahm und mittig auf den Tisch legte, natürlich lenkte das Valravns Aufmerksamkeit auf das bekannte Schmuckstück. Er schluckte das Fleisch runter, atmete ruhig ein und wieder aus, nebenbei griff er nach dem Glas mit Honigwein um sich einen weiteren Schluck zu Gemüte zu führen. Doch noch immer sagte er kein Wort. Stattdessen blickte er Jesse aufs Neue direkt an, sein Pokerface gewährte nicht viel Einblick auf seine Gemütsregung, doch auch das änderte nichts daran, dass Jesse ihm auswich, nur kurz aufschaute, um auch gleich wieder den Fokus auf etwas Anderes zu lenken. Etwas das seinen rotierenden Verstand vielleicht weniger mit einer Flut an Informationen zu erschlagen drohte. Die Frage nach dem Bären erklang, Valravn führte sich ein Stück Kartoffel zum Mund, ließ es zwischen den Lippen verschwinden und gedachte weiterhin sich in Schweigen zu hüllen. Es schien Jesse so viel Überwindung zu kosten, da wollte er ihn nicht unterbrechen oder gar aus dem Konzept bringen. Außerdem musste er seine eigenen Gedanken sortieren.
Das Brandmal? Ja, natürlich, selbst wenn Jesse nur flüchtig einen Blick auf seinen Rücken erhaschen konnte, lag es auf der Hand, dass ihm all die Details regelrecht ins Gesicht sprangen. Vor ihm war es wahrlich schwer, beinahe unmöglich, etwas zu verbergen. Faszinierend, noch immer, wie auch anstrengend mitunter, für Jesse mehr als für den Schweden, der konnte seinen Verstand abschalten, sein Liebster fand indes kaum Ruhe. Das bezeugten die Augenringe seit Jahren, die waren nämlich nicht weniger geworden. Sein durchdringender Blick, den er ohne zu blinzeln, lange aufrecht halten konnte und auf Jesse ruhte, senkte sich schließlich hinab zu seinem Besteck, mit dem er ein größeres Stück Fleisch halbierte, um eine der Hälften zu essen. Jedoch stoppte er kurz vorher, hielt in der Bewegung inne und blickte zu Jesse. "Wie ist das Fleisch?"
Da war er endlich gewillt zu sprechen und wollte wissen wie das Fleisch ist, typisch Valravn, dessen Mundwinkel nach Oben zuckten zum Schein, bevor er die Gabel in den Mund schob, um weiter zu essen. Dieses Spiel, das Schinden von Zeit, beherrschte der Schwede ebenso wie Jesse. Offenbar musste er ihn daran, nach all den Jahren, erst wieder erinnern.
Er senkte das Besteck, kaute vornehmlich, sowie in Ruhe und schluckte dann, der Griff zur Serviette folgte, die er auseinander faltete und sich die Lippen abtupfte, man wollte sich ja nicht Gefahr laufen, sich womöglich zu bekleckern bevor sich Valravn im Anschluss von seinem Stuhl erhob. Wortlos ging er um den Tisch herum, schier lautlos, aufgrund dessen, dass er sich barfuß bewegte innerhalb der Hütte, und begab sich zu Jesse, allerdings hielt er am Fenster, dass sich versetzt hinter diesem befand, inne um einen Blick hinauszuwerfen. Vor allem in Richtung Boden, aus Gründen, die Jesse gewiss erahnen konnte, mit Sicherheit hatte er Bekanntschaft mit Ivar gemacht. Der kriechenden Sushirolle, wie Valravn ihn mitunter bezeichnete.
Niemand war zu sehen, weswegen er sich schräg hinter Jesse stellte, die linke Hand auf dem Tisch abstützend, fasste er mit der Anderen nach Jesses linker Schulter bevor Valravn sich, langsam und mit Bedacht, zu ihm nach vorn beugte, hin zu seinem Ohr, dem er so nahe kam, dass sein warmer Atem Jesses Ohrmuschel streifte. Der Griff an Jesses Schulter war nicht fest, nicht grob und auch nicht von Dauer, denn der Schwede übte nur kurz etwas sanften Druck aus. "Lass noch Platz für das Dessert." Flüsterte Valravn zeitgleich in Jesses Ohr, nur einen Wimpernschlag später nahm er Abstand, bewegte sich hinter Jesse vorbei und wieder rum um den Tisch, bevor er ihm gegenüber erneut Platz nahm, sowie das Besteck ergriff, um weiter zu speisen.
Nur diesmal fixierte er Jesse nicht, sondern schaute ungerührt hinab auf das Essen, dessen größere Fleischstücke er klein schnitt, ebenso ein paar grob gewürfelte Kartoffeln.
"Du möchtest also meinen moralischen Kompass ausloten und herausfinden, ob ich getötet habe." Stellte Valravn nüchtern fest, seine monotone Art, die er dabei an den Tag legte, gab viel zu viel Spielraum für Interpretationen. "Selbstverständlich habe ich das, Untote wie auch Menschen, sie ließen mir keine Wahl. Ist es nicht das, was ein jeder behaupten würde? Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit solch einer Anmerkung, das eigene Gewissen zu erleichtern. Schließlich kann niemand das Gegenteil behaupten und diese Aussage wiederlegen. Habe ich nicht recht? Niemand wird auf solch eine Frage oder Anschuldigung antworten, dass er getötet hat aus Spaß an der Freude, weil es ihn danach dürstete Blut zu vergießen oder die Neugierde ihn übermannte, zu beobachten wie das Leben aus einer Person entweicht. Täte man dies, wäre man ein Psychopath in den Augen der Anderen, das will niemand. Ich korrigiere mich, die Meisten würden vermeiden solch Eindruck zu erwecken aber es gibt...Ausnahmen."
Valravn klang eiskalt, viel mehr so als würde er vom Wetter sprechen, betrachtete sich ein Stück Fleisch und sah anschließend, mit dem Anflug eines freundlichen Lächelns vor zu Jesse. Es hielt nicht länger als einen Wimpernschlag, bis der Schwede sich das Fleisch zu Gemüte führte, im Anschluss noch ein Schluck Honigwein.
Nach Absetzen des Glases, sowie bei Seite legen des Besteckes, fixierte er das blaue Augenpaar vor sich.
"Du willst eine Erklärung, dann sieh mich dabei an Jesse." Forderte er von ihm ein, denn das war das Mindeste, selbst wenn es ihm schwerfiel, es wäre schlichtweg unhöflich und sie waren doch früher so viel weiter gewesen. Er kannte Valravn, warum fiel es ihm so schwer ihn anzusehen, lag es an den Narben im Gesicht? Hatte er Angst etwas an ihm zu entdecken, was ihm nicht gefallen könnte oder war es genau anders herum? Befürchtete Jesse, dass Valravn an ihm etwas erblickte, das den Schweden abschrecken würde?
"Der Verlust meines Auges liegt am längsten zurück,... ich nehme an, du erinnerst dich daran, dass ich mit..." Auch wenn Valravn seine Mimik perfekt unter Kontrolle zu haben schien, zumindest noch, bebte seine Stimme ein wenig ehe er gänzlich verstummte. Er hatte ihren Namen nie wieder ausgesprochen seit...dem Vorfall. Die Namen seiner Töchter, seinen Augensternen und nebst Jesse, die Menschen, die ihm mehr bedeuten als sein eigenes Leben. Valravn blinzelte, ein wässriger Schleier legte sich über sein verbliebenes Auge, drohte ihm die Sicht zu nehmen und der Kloß, der plötzlich in seinem Hals steckte, machte ihm das Atmen schwer. Er befeuchtete sich die Lippen, presste sie aufeinander und drehte den Kopf zur Seite weg, wandte den eindringlichen Blick von Jesse ab und fixierte einen Punkt oberhalb des Türrahmens, durch den man in den Küchenbereich kam. Zehn Jahre und er konnte es noch immer nicht, darüber sprechen, geschweige denn ihre Namen zu nennen, er wusste selbst nicht was für ihn schlimmer war, dass er nicht darüber reden kann oder noch immer, nach all der Zeit, Tränen vergießen konnte, obwohl er glaubte, sie seien längst versiegt. Scharf zog er die Luft ein, alles in ihm kämpfte um seine Selbstbeherrschung, es fiel ihm ja immer schon schwer die Kontrolle abzugeben, vor allem über sich selbst. Nützen tat es ihm nur geringfügig, es bahnte sich dennoch eine einzelne Träne den Weg über seinen markanten Wangenknochen, nur um weiter unten, am Kiefer, von den Bartstoppeln aufgefangen zu werden. Hastig hob er die rechte Hand, wischte sich über die Wange, nur um die feuchte verräterische Spur zu beseitigen.
Er brauchte einen Moment, stieß zittrig den Atem wieder auf und blickte hinab auf seine Hand, auf die Fingerspitzen, die leicht benetzt waren von der Tränenflüssigkeit.
"...ich verlor mein Auge, weil ich den Fehler machte, einem anderen Menschen helfen zu wollen. Ihn in meinem Haus Unterschlupf gewährte, unser Essen mit ihm teilte und allein ließ....mit ...ihnen...um jagen zu gehen! Als ich zurückkam.. am zweiten Tag.. stand mein Haus in Flammen, ...und ..."
Valravns Stimme bebte, ebenso wie sein ganzer Körper, den er krampfhaft versuchte unter Kontrolle zu halten und die Hände vom Tisch nahm, auf den Oberschenkeln ablegte und dort die Fingernägel immer tiefer in das Leder seiner Hose bohrte. "...sie starrten mich nur an, ....meine wunderschöne Freya.... und meine kleine Eulalia.....starrten mich an als ich zurückkam, ...und alles...was sie von sich gaben...war dieses Röcheln....als sie ihre blutigen Finger..nach mir ausstreckten..."
Es war nur eine Frage von Sekunden, wie bei einem Vulkan, in dem es so lange brodelte und schwelte, bis er endgültig ausbrach. Alles kam wieder hoch, dieser Blick aus leeren, toten Augen, dieser kehlige Laut und die wankenden Gestalten, zu denen seine Töchter, geworden waren reckten die kalten Hände nach ihm aus. Von jetzt auf gleich hämmerte Valravn mit der Faust auf den Tisch, der Stuhl kippte nach Hinten und blieb liegen, ob seiner ruckartigen Bewegung beim Aufstehen ehe er sich nach vorn über die Tischplatte beugte. Seine Fingernägel bohrten sich regelrecht in das dunkle Holz, seine Fingerkuppen liefen weiß an während seine dunkle Iris, deren Sicht durch die aufsteigenden Tränen geschmälert war, voller Zorn zu Jesse vorsah, begleitet von einem kehligen Knurren, das dem einem wilden Tier gleich kam. "Ich habe ihn gejagt,...wochenlang...und gefunden! Ja, ich habe getötet, doch weder Frauen... noch Kinder... in den zehn Jahren auch nur ein Haar gekrümmt oder Hilfe verweigert. Nur einmal...tötete ich, weil ich es wollte, mit jeder Faser meines Körpers, ...und ich ließ mir Zeit..dabei ...viel Zeit... damit dieses ..Schwein...zumindest ansatzweise...zu spüren bekam, was er mir angetan hat!"
Valravn beugte sich tiefer über den Tisch, einem Raubtier gleich, dass kurz vor dem Sprung war um anzugreifen und seiner Beute die Kehle zu zerfetzen. Den Kopf leicht zur Seite geneigt, verrutschte sein längerer Pony und gab seine linke Gesichtshälfte gänzlich Preis und die Spuren, die ihn immer an sein Versagen als Vater erinnern würden.


@Jesse Redford


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#7

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 16.01.2020 00:58
von Jesse Redford (gelöscht)
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Ihre Beziehung war stets ein interessantes Wechselspiel gewesen. Jesse gab zwar oftmals das Tempo vor, das eher gemächlich war, aufgrund seiner zurückgezogenen Art. Val hatte sich dabei als sehr geduldig herausgestellt und ihm nahezu immer sein Tempo gelassen, sich ihm und seinen Wünschen gebeugt. Doch zeitgleich hatte er ihn auch immer mal wieder in die richtige Richtung gestossen. Schon zu Beginn, als aus Freundschaft allmählich Liebe wurde und aus der Liebe zwischendurch auch die knisternde Erotik entstand, hatte Val den Ton angegeben. Wie bei einem Tanz stets einer der beiden Partner führte, so war es Val, der in dieser Sache den dominanten Part übernahm und Jesse mitunter auch mal über seine Grenzen hinaus schubste.
Sie waren als Partner auf einer Augenhöhe, vollkommen gleichberechtigt. Sie wechselten sich in vielen Bereichen ab, balancierten ihre Stärken und Schwächen auf dem Parkett des Lebens gekonnt aus.
Jesse hatte keine Probleme damit sich Val in Liebesdingen zu unterordnen. Im Gegenteil, er genoss die ihm zuteilte Aufmerksamkeit durch den Erfahreneren der beiden in vollen Zügen, selbst wenn Val mitunter beinahe besitzergreifende Züge zeigte. Ihm sollte das Recht sein, es gab mehr als genug Bereiche in denen er eher mal die Richtung vorgab, auch wenn er sich allgemein mehr zurückhielt als seine bessere Hälfte Val.
Nun, mehr als zehn Jahre später hatte sich das wohl kaum geändert. Jesse war zwar auch älter geworden, reifer, hatte Dinge durchgemacht, um zu überleben. Er war gereift, hatte sich für Menschen eingesetzt, die ihm wichtig waren. Hatte Fehler begangen und bitter um sein Leben gekämpft. Doch manches änderte sich wohl einfach nicht. Er liebte Val über alles und ihm nun endlich wieder gegenüber zu sitzen fühlte sich so unfassbar schön an, dass er es kaum in Worte fassen konnte. Doch Val hatte nach wie vor dieselbe Wirkung auf ihn. Er zog ihn in seinen Bann und ihm gegenüber konnte er kaum etwas geheim halten. Weshalb die Begegnung mit ihm seine Mission derart gefährdete, was ihm eine Heidenangst einjagte. Es hing viel davon ab, dass er erfolgreich war. Wenn er auch nur einen Fehler machte, konnte das gravierende Folgen für jeden hier und im Zoo haben. Er dachte an Minerva, mit der er schon so oft diskutiert hatte. Wie sehr sie sich gewünscht hatte, er hätte sich anders entschieden. Seine eigene Entscheidungen hatten ihr letztlich die Freiheit gekostet und wenn er auf diesem Minenfeld noch einmal stolperte, konnte es auf einmal Leben kosten.
Aus diesem Grund konnte er Val nicht wirklich ins Gesicht sehen. Jede Gefühlsregung darin, die ihm verraten würde, dass Val seine Fassade bereits zum Bröckeln bringen wollte, würde ihn nur weiter aus dem Konzept bringen. Es war für ihn schon schwierig genug überhaupt alle Möglichkeiten zu zerdenken, die letzten Endes dabei rauskommen könnten, wenn Val erfuhr, dass er für eine andere Kolonie am spionieren war. Leider hatte Jesse nunmal dieses von Natur aus freundliche und unschuldige Gesicht. Und selbst wenn seine Art ab und an etwas auf Widerstand stiess, die meisten Leute misstrauten ihm nicht per se. Dafür sah er zu sehr aus wie ein Weichei.
Nun stellte er erst einmal die Fragen, welche ihm am wichtigsten erschienen. Und was gab Val ihm als Antwort...?
Kurz stockte Jesse und hob den Blick. Das Fleisch? Wie das Fleisch schmeckte...? Er runzelte die Stirn und kurz blitzte sowas wie Unmut in seinen ansonsten sanften, blauen Augen auf. Er konnte es nicht leiden, wenn Val seine Ungeduld bewusst herausforderte. Er zweifelte sogar daran, dass Val überhaupt eine Antwort auf diese Frage wollte. Sie war bloss ein Lückenfüller, ein Ablenkungsmanöver, um ihn aus der Balance zu bringen. Denn noch bevor er überhaupt zu seiner Antwort ansetzen konnte, erhob sich Val in gewohnt eleganter Manier und trat langsam, beinahe lautlos an ihm vorbei. Sein Stuhl knarzte, als er sich etwas mehr aufrichtete und einen vagen Blick über seine Schulter wagte. Dabei senkte er Messer und Gabel erneut. In dieser Position verharrte er, bis Val sich zu ihm umwandte. Er konnte aus dem Augenwinkel sehen, dass er sich zu ihm hin bewegte und kurz darauf legte sich Vals linke Hand auf den Tisch neben seiner eigenen linken und Val beugte sich zu ihm hinab. Ihm stellten sich alle Härchen auf. Sowohl im Nacken wie auch auf den Armen, wo die Gänsehaut für das geschulte Auge schnell ersichtlich war. Er erwartete alles, als er Vals Atem an seinem Ohr spürte. Er erwartete, Val würde ihm nun sagen, dass er alles wusste. Über die Spionage, über den Zoo. Über den Grund, weshalb er hier war. Dass er eine unmittelbare Gefahr sein konnte für diese kleine Kolonie. Er hielt den Atmen an und als Vals Stimme erklang verkrampfte sich sein Griff um sein Messer ein wenig. Er war so angespannt und Val wusste es. Da war er sich sicher....
Dessert. Platz für das Dessert.... Für einen Augenblick schloss Jesse die Augen, versuchte krampfhaft sich wieder zu entspannen. Er behielt die Augen geschlossen, bis er hörte, wie Val wieder an ihm vorbei ging. Als er sich setzte, sah er ihn an. Doch diesmal begegneten sich ihre Blicke nicht, denn Val schien das Essen gerade interessanter zu finden. Also senkte er selbst den Blick auch wieder auf sein Essen. Wie es sich gehörte zertrennte ein zu grosses Stück Kartoffel mit der Gabel, nicht etwa mit dem Messer. Dann spiesste er das Stück auf und führte es zu seinem Mund. Während er kaute, begann Val zu reden.
Er hatte getötet, wie die meisten anderen heutzutage auch. Jesse kannte nur wenige, die bislang nach wie vor nicht zu Mördern geworden waren.
Er wollte sich gerade das nächste bisschen Essen auf die Gabel befördern, als Val ihn dazu aufforderte ihn anzusehen. Er zögerte einen kurzen Moment, doch dann hob er den Blick und versuchte Val so ausdruckslos wie möglich anzusehen. Dabei unterbrach er das Essen allerdings, weil er seinem Liebsten seine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen wollte. Was jetzt kommen würde, war bestimmt nicht einfach zu verdauen und Jesse hoffte, dass es eine Frage beantworten würde, welche er sich bislang nicht getraut hatte zu fragen. Vielleicht, weil er die Antwort darauf nicht unbedingt hören wollte.
Während Val zu erzählen begann, ging eine Veränderung in ihm vor. War er davor noch schwer beherrscht, beinahe unnahbar gewesen, so kamen nun langsam und schleichend Emotionen hinzu, die für Jesse nichts Gutes bedeuteten. Vals Stimme wurde zittriger, brach ab. Er spannte sich an, sein Körper begann zu krampfen. Nicht unähnlich jenen Momenten in denen er Panik hatte, aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme, die er einst hatte und die ihm fast das Leben geraubt hätten. Doch das hier war anders. Das war keine Angst. Das war Trauer. Und jede Menge Wut.
Langsam und lautlos legte er das Besteck auf den Teller. Er schluckte leer, als er begriff, was geschehen sein musste, noch bevor Val es ausgesprochen hatte.
Er hatte es vom ersten Moment an geahnt, in dem er diese Hütte betreten hatte. Selbst wenn Val seine Töchter nie über seine Liebschaft mit einem Mann, mit Jesse, aufgeklärt hatte, so kannten die beiden ihn. Jesse hatte die zwei gerne gemocht, doch sie waren noch zu jung, um die subtilen HInweise zu verstehen, dass ihr Vater und er Gefühle füreinander hatten. Beim Ausbruch der Seuche waren Vals Töchter bei ihm gewesen. Deshalb war er auch er nicht bei ihm gewesen, weil er der kleinen Familie ihren Freiraum lassen und sich ihnen nicht aufdrängen wollte.
Und hier fehlten sie. Sie waren nicht da gewesen und Val hatte sie von sich aus mit keinem Wort erwähnt. Das hatte Jesse schnell darauf schliessen lassen, dass die beiden es nicht geschafft hatten. Um nicht taktlos zu sein, hatte er es aus diesem Grund nicht direkt angesprochen. Das war heutzutage ohnehin ein Spiel mit dem Feuer. Viele Leute hatten es nicht geschafft.
Doch das Schlimmste an der Geschichte war, dass nicht die Toten Schuld am Tod der Mädchen hatten. Seit dem Ausbruch der Seuche hatte sich Jesse stets mehr vor den Lebenden als vor den Toten gefürchtet. Immer berechtigt.
Vals Reaktion war heftig. So zeigte er sich selten, nicht einmal ihm gegenüber. Sein Stuhl kippte krachend nach hinten, als er aufstand, vor Wut und Trauer gleichermassen zerfressen, innerlich zerrissen von Vorwürfen, die er sich wohl seit jenem Tag machte. Leise schob Jesse seinen Stuhl zurück und erhob sich. Die Serviette, welche er davor auf dem Schoss gehabt hatte, legte er fein säuberlich neben den Teller hin, bevor er auf Vals Seite schritt und ihm eine Hand auf die Schulter legte.
Nun noch mehr als davor konnte er die Wärme spüren, die von Val ausging. Unnatürlich warm...
Jesse wusste, es gab keine Worte, um den Schmerz und die Trauer weg zu wischen, um einer solchen grauenvollen Tat gerecht zu werden. Sachte legte er den anderen Arm ebenfalls um ihn und zog Val einfach sanft in seine Arme.
Ihm tat es unheimlich leid. Und anders konnte er das gerade nicht ausdrücken, als nun, zehn Jahre später, endlich für ihn da zu sein.

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#8

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 16.01.2020 15:00
von Valravn Vargström | 179 Beiträge

Man konnte zu Recht wohl das Gefühl bekommen, dass der Schwede es förmlich riechen konnte, wenn jemand etwas verbarg, so hochsensibel seine Nase auch sein mochte, er würde diese Behauptung amüsiert belächeln, sowie es auf seine Lebenserfahrung zurückführen, die er gesammelt hatte im Umgang mit Anderen. Natürlich hatte Valravn auch gute Instinkte, ein feines Gespür für sein Umfeld, Gedanken lesen konnte er jedoch beim besten Willen nicht, zumal die Meisten ihn wohl abstoßen oder langweilen würden, aufgrund ihrer primitiven Basis.
Da stach Jesse einfach von Beginn an heraus, er war so widersprüchlich, einerseits ein hochbegabtes Genie, auf der anderen Seite in bestimmten Bereichen so unbeholfen wie ein Kind, dass man an die Hand nehmen und anleiten musste. Zumindest sein schwedischer Partner würde ihn so grob mit einem Satz beschreiben, wohl wissend, das Jesse unfassbar komplex war, jedoch würde Valravn wohl kaum diesen anpreisen, sowie bewusst das Interesse Anderer auf seinen Liebsten lenken. Dafür war er schlichtweg zu ....besitzergreifend.
Er liebte Jesse, mehr als er seine Frau je hatte lieben können, was nicht hieß das ihre Gefühle nicht intensiv gewesen waren, sie hatten schließlich geheiratet, Haus und Kinder in Stockholm gehabt. Doch mit seinem Liebsten, aus Alaska, fühlte sich Alles ganz anders an, intensiver, ebenbürtig, herausfordernd, es gab keine strikte Rollenverteilung, sie waren gleichwertige Partner, die einander akzeptierten wie sie sind, mit all ihren Fehlern und Facetten. Valravn mochte vor Selbstbewusstsein nur so strotzen, doch Jesse bot ihm stets die Stirn, es war ein gegenseitiges Fordern und fördern, ein harmonisches Zusammenspiel zweier überaus komplexer Persönlichkeiten, wo mancher Beobachter früher darüber grübelte, ob sie nun Freund oder Feind waren.
Aus seiner Sicht, schloss das Eine, das Andere nicht aus und wen interessierte es, was Andere über ihre Beziehung zueinander dachten? Wichtig war nur, dass sie Beide wussten, wie sie zueinander stehen.
Und trotz der vergangenen zehn Jahre, wussten sie es doch noch immer ganz genau, nicht wahr? Hier an diesem Tisch, einander gegenüber sitzend, wie früher, gemeinsam speisend und welche Gespräche bei Tisch geführt wurden, wenn überhaupt, ergab sich stets spontan. Ob nun ganz banal, über den Tagesablauf, begeistert, von einem Buch, dass einer von Beiden sich zu Gemüte geführt hatte oder unvorhersehbar, wie jetzt, mit dieser unterschwelligen Spannung, dem Knistern in der Luft, die wie ein unsichtbarer, dritter Gast bei ihnen im Raum stand. Schließlich war es nicht ungewöhnlich, dass sie einander auch nur schweigend bei Tisch Gesellschaft leisteten, manchmal genügte auch einfach nur ein Blick und alles war gesagt.
Doch es war nicht einer dieser Momente, etwas lag in der Luft, beschäftigte seinen Liebsten, der nicht fähig dazu war, ihm lange in das verbliebene, dunkelbraune Auge zu blicken. Einige Leute könnten es Jesse nicht verdenken, auch mit nur einem Auge, war Valravns Blick scharf wie ein Skalpell und genauso präzise, mit ruhiger Hand geführt, schnitt er sich in sein Gegenüber hinein, wie bei einer Operation in das Fleisch seines Patienten. Gewiss, man könnte Jesses Verhalten auch darauf zurückführen, dass viele Jahre vergangen sind, dass sein Verstand noch immer zu realisieren versuchte, was hier geschah aber sie wussten beide, dies war nicht der Grund für sein ausweichendes Verhalten.
Der Schwede trug auch nicht nach Außen, was er dabei empfand, als er die Neugierde von Jesse nicht einfach befriedigte, indem er ihm eine Antwort darauf gab, sondern bewusst eine Banalität in den Raum warf, wohl wissend, dass Jesse nicht sehr geduldig war. Seine Reaktion, auf die Frage wie das Fleisch war, entging dem wachsamen Schweden nicht, es war nicht mehr als dieser Blick, mit dem Jesse ihn strafte und doch alles zum Ausdruck brachte, was er ob dieser Ablenkung empfand. Unmut.
War es nicht erstaunlich, wie schnell man in alte Verhaltensmuster zurückfallen konnte?
Der Schwede blieb Jesse, zunächst, eine Antwort schuldig und wollte sich lieber vergewissern, das Niemand sie belauschen konnte, das Problem bei einem Dorf ist, die Leute bekamen gefühlt alles mit, was Valravn nicht sonderlich gefiel. Er liebte seine Privatsphäre, seine Geheimnisse, doch mehr als das, liebte er Jesse, der trotz dieser langen Zeit, nicht von ihm erwarten sollte, dass Dr. Valravn Hannibal Vargström, sich einfach so Alles entlocken ließ, auch nicht von ihm. Der Moment, wo er hinter seinem Liebsten stand, sich herab beugte zu seinem Ohr, die leichte und doch ausdrucksstarke Berührung seiner Schulter, machte dies wohl mehr als deutlich.
Dazu stand im Kontrast das plötzliche Desinteresse, an Jesses Person oder viel mehr dessen Fragen, nachdem er wieder Platz genommen hatte, jedoch auf diese Weise ebenfalls verdeutlichte, wer hier gerade das Tempo vorgab. Jesse, der so wenig Geduld hatte, musste sich nun darin üben, ob es ihm gefiel oder nicht, doch so wie Valravn stets darauf achtete, seinen Liebsten die nötige Zeit einzuräumen, sowie selbst zu entscheiden, wann er gewillt war, einen bestimmten Schritt zu gehen, so funktionierte es auch anders herum. Natürlich, manchmal ließ der Schwede ihn bewusst zappeln, um seinen Liebsten etwas zu provozieren, herauszufordern oder schlichtweg ein bisschen zu necken. In dem derzeitigen Kontext jedoch lag darin nicht die Absicht, Jesse auf die Probe zu stellen, sondern der Fakt, dass Valravn derjenige war, der diesmal Geduld und Zeit seines Partners einforderte, da dessen Fragen ihn Überwindung kosteten, sowie die Antwort wohlüberlegt sein musste.
Sollten diese doch offenbar, erheblich, Einfluss darauf nehmen, ob Jesse noch mit dem Mann, der vor ihm saß, den Rest seines Lebens verbringen möchte oder nicht. Er konnte von Valravn nicht verlangen, spontan zu antworten, nicht wenn der Preis so hoch war. Seine Gefühle für Jesse waren noch immer dieselben, der Zahn der Zeit hatte sie nicht geschmälert, der Anblick des Jüngeren vor ihm, bescherte ihm noch immer Schmetterlinge im Bauch, ließ sein Herz schneller schlagen und jeder Faser seines Körpers, verzehrte sich sehnsüchtig nach dessen Nähe.
Ohne ihn an seiner Seite erschien die Welt trist, farblos, wie eine nie enden wollende Odyssee und es fehlte einfach etwas, seine bessere Hälfte, der Ansporn um aus sich selbst das Beste herauszuholen, nur um diesem Unikat, diesem Mensch gewordenen Meisterwerk, dass Jesse für den Schweden darstellte, gerecht werden zu können. Konnte man ihm da verdenken, dass Valravn, der penibel darauf achtete, wie er sich bewegte, sprach und verhielt, mit dem Gedanken spielte zu lügen?
Etwas das ihm zutiefst widerstrebte, doch was wäre er nicht alles gewillt zu tun, nur für diesen Mann? Ohne den die letzten zehn Jahre nur Schmerz, Zorn und Einsamkeit beherbergt hatten. In Balar fand er zwar ein neues Zuhause, einen Ort, der ihm vielleicht etwas Frieden bescherte und sogar ...Freundschaften.
Nur die Liebe konnte es nicht ersetzen,..... bis heute.
Valravn könnte sich nun darstellen wie einen weißen Ritter, sagen, er habe nie einen Menschen getötet aber es wäre eine Lüge. Etwas vor dem er nicht zurückschreckte bei Anderen, Jesse jedoch war sein Partner, sein bester Freund, sein Seelenverwandter. Nur weil ein paar Zentimeter Größenunterschied zwischen ihnen lag, hieß das nicht das der Schwede auf ihn herab sah, er respektierte Jesse, lange bevor die Liebe sich eingeschlichen hatte, sie waren einander ebenbürtig und auf Augenhöhe. Ihn jetzt anzulügen erschien ihm nicht richtig, es widerstrebte ihm zutiefst und Liebe, war mehr als die rosarote Brille. Er wollte Jesse heiraten, weil er die Person war, der er am meisten vertraute, von dem er wusste, sie würden gemeinsam jede Höhe aber auch all die Tiefen bewältigen können, die das Leben für sie bereithielt. Der Schwede war die starke Schulter, der Fels in der Brandung, der Jesse stets Halt gab und jener gestattete im Gegenzug auch Valravn, Schwäche zeigen zu dürfen. Es gab nicht einfach Schwarz und Weiß in ihrer Beziehung, es war ein buntes Farbenspiel, das zusammen harmonierte.
Was sich einmal mehr bewies, trotz der langen Zeit ohne einander, als Valravn doch gewillt war Licht ins Dunkel zu bringen und die Wahrheit darüber entscheiden ließ, ob Jesse den Mann vor ihm, trotz seiner unrühmlichen Taten, dennoch lieben konnte, sowie zurück in seinem Leben haben will. Wie viel Überwindung es Valravn kostete, über seine Töchter zu sprechen, war nicht in Worte zu fassen und er hätte zuerst etwas Anderes ansprechen können, das Brandzeichen auf seinem Rücken zum Beispiel, wonach Jesse ebenfalls gefragt hatte aber es fühlte sich ..respektlos an.
So schmerzhaft es auch war Valravn liebte seine Töchter bis heute, selbst wenn er manchmal wollte, sich wünschte, sie vergessen zu können, so würde es ihn zugrunde richten, wäre dem wirklich so. Es war nur schwer, sich an sie zu erinnern, an ihr Selbst als sie nicht diese wankenden Leichen waren, die ihn zu fressen gedachten. Dieses Bild hatte sich so eingebrannt, dass es ihm manchmal die Luft zum Atmen raubte, denn so wollte er sie nicht in Erinnerung haben, was schwerfiel, da er nicht mal Bilder von ihnen hatte, da Alles verbrannt war. Wofür er dieses Schwein, dass er gejagt hatte, fast noch mehr hasste. Alles, was ihm geblieben ist, sind Erinnerungen, daran wie genervt Freya die blauen Augen verdrehte, als sie im Wald, nach ihrer Ankunft, ein Zelt aufschlugen und sie sich darüber beklagte, keinen Empfang für ihr Handy zu haben. Ganz anders Eulalia, die ihrem Vater dabei half, ihr Haar, das so dunkelbraun wie das Seine, früher einmal, gewesen war und ganz wirr in ihrem Gesicht hing, weil sie während der Autofahrt geschlafen hatte. Seine Jüngste wollte am liebsten Alles auf einmal machen, konnte es kaum erwarten, jagen und angeln zu gehen, sowie endlich zu lernen, wie man das Hundeschlittengespann lenkte, sowie nach dem Camping Jesse auf dem Gestüt zu besuchen. Ihr Vater mochte reiten können, doch seine Jüngste machte ja nie einen Hehl daraus, dass ihr alter Herr zwar eine stolze Erscheinung war, aber total alt aussah gegen Jesse, hoch zu Pferde. Sie hatte den seltsamen Krimiautor rasch ins Herz geschlossen, während Freya zu Beginn recht verhalten, sowie skeptisch war, doch mit der Zeit diesen ebenfalls mochte, auch wenn sie nicht verstand, warum Jesse, seine kostbare Zeit, mit einem alten Kerl wie ihrem Dad vergeudete. Bis heute wusste Valravn nicht, ob seine Töchter einverstanden gewesen wären, ob es sie verstört hätte, dass er mit einem jüngeren Mann eine Beziehung führte, heimlich, in ihrer kleinen eigenen Welt.
Hätten sie ihm das Liebesglück gegönnt? Seine Ex hatte längst einen neuen Partner zu dieser Zeit, womit ihre Töchter begrenzt einverstanden waren, sie mochten ihn nicht, darüber beschwerten sie sich am Telefon über via Video-Chat ständig, wenn sie Daheim waren aber, regelmäßig, mit ihrem Vater sprachen. Womöglich wäre es Freya egal gewesen ob Jesse und ihr Dad ein Paar sind, sie hatte mit ihren 18 Jahren doch ganz andere Probleme, Jungs, ihr angehendes Jura-Studium und die Frage, welche Klamotten gerade IN sind. Und Eulalia, mit ihren zarten 14? Nur zwei Jahre vorher, hatte sie noch vorgehabt, Jesse eines Tages selbst zu heiraten, weil er sie an einen Märchenprinzen erinnerte und so tolle blaue Augen hatte, als auch auf einem Pferd wie einer anmutete.
Doch was nützte es sich darüber noch den Kopf zu zerbrechen? Das Problem war, egal wie sehr man sich darüber im Klaren ist, dass nichts rückgängig gemacht werden kann oder sich dadurch änderte, man stellte sich dennoch, an manchen Tagen, solche dämlichen Fragen. Was, wäre wenn...?
Etwas das den Schweden fast schon in den Wahnsinn getrieben hat, vor allem wenn plötzlich Erinnerungen an seine Töchter hochkamen, ausgelöst durch banalste Dinge. Ein Geruch, ein Geräusch, ein altes Filmplakat oder eine Zeitschrift, von der er wusste, sie hatten sich dafür interessiert oder darüber gesprochen. Vielleicht zog er deshalb durch die Wälder, mied die Städte und Dörfer voller Untoter, es war weniger die Gefahr diesen in die Arme zu laufen, die ihn fern hielt von den Betonwäldern, sondern die Sorge, dort etwas zu sehen, was Alles wieder hochkommen ließ und das er stets unterdrückte.
Umgehen konnte er es diesmal nicht, es platzte förmlich aus ihm heraus, wie eine Flut welche den Damm durchbrach, sich Platz schaffte und alles mit sich riss mit lautem Getöse. Es gab nur wenige Momente, in denen der Schwede aus der Haut fuhr, viel zu beherrscht war er sonst, zumal es lange brauchte bis der Punkt erreicht war bei ihm, wo die Sicherungen durchknallten und er nur noch Rot sah. Jesse wusste, dass Valravn durchaus impulsiv sein kann, selten aber es kam vor, jedoch war der Schwede noch nie in seiner Gegenwart derart aus der Haut gefahren, sodass man wirklich Angst davor bekommen konnte, dass er den Tisch gleich zur Seite riss um seiner Beute den Hals, mit bloßen Händen, umzudrehen.
Nur war der Jüngere vor ihm weder Beute, noch der Mann, der diesen Zorn in Valravn entfacht hatte aber er war wohl der Einzige, der diese, von Trauer und Wut zerfressene, Bestie in Menschengestalt, zu bändigen und besänftigen vermochte. Sein keuchender Atem ging schwer, leichte Splitter lösten sich aus dem Holz, je fester der Schwede die Fingernägel voll Zorn in dieses hinein drückte und sein Körper bebte, zitterte aufgrund der Anspannung seiner Muskeln, die fast zu zerreißen drohten, zumindest fühlte es sich so an und alles an ihm schrie danach auf Abstand zu gehen, ihm fernzubleiben.
Valravn hasste es angefasst zu werden, erst recht wenn er wütend war oder sich unwohl fühlte, er mochte es schlichtweg nicht bedrängt zu werden in solchen Momenten. Doch Jesse schien das nicht abzuhalten, wie früher schon, der stechend zornige Blick ging durch ihn ja förmlich hindurch, sodass der Schwede gar nicht reagierte als dieser sich erhob, so als sah er wirklich nur noch Rot und nicht die Person vor sich, die mit ihm im selben Raum war, sowie dieselbe Luft atmete.
Das Atmen fiel ihm generell schwer, er schnaufte, wie ein Stier oder ein Pferd, dem man zu viel abverlangt hatte, jeder Atemzug brannte, dieses beklemmende Gefühl breitete sich im Brustkorb aus, als wären seine Lungen zu klein, als würden sie sich nicht mit Sauerstoff füllen wollen oder können. Eine Schweißperle lief seine Schläfe hinab, obwohl er das Hemd erst frisch angezogen hatte, war es am Rücken und vorn an der Brust schon wieder feucht, begann unangenehm an der Haut zu kleben. Er hasste es, es engte ihn ein und er fasste mit der rechten Hand an den Kragen, der gar nicht an seinem Hals anlag, sondern rund sowie großzügig ausgeschnitten war, trotzdem war das Gefühl immer stärker gegeben, dass eine Schlinge sich darum legte, sich zuzog, immer enger, je mehr er versuchte Sauerstoff in seine Lungen zu pressen. Er zog ruckartig daran, was er bei seinen teuren Hemden damals nie getan hätte, doch in diesem Moment war es ihm egal, das Reißen des Stoffes drang eh nicht bis zu seinem Hirn durch, der kurze Luftzug verschaffte ihm auch keine Abkühlung und die unsichtbare Schlinge um seinen Hals löste sich auch nicht.
Erst die plötzliche Berührung, scheinbar aus dem Nichts, durchfuhr seinen Körper wie einen Stromstoß, er zuckte zusammen ehe er knurrend, ruckartig mit dem Kopf rumfuhr und ...in die sanften blauen Augen von Jesse sah.
Jedem Anderen hätte Valravn nun vermutlich ins Gesicht gebissen, so finster wie er drein blickte oder zumindest von sich gestoßen, stattdessen ließ er aber zu, dass Jesse ihn in seine Arme zog.
Im ersten Moment zögerte er, erneut, wie zuvor an diesem Tag, bis dann doch endgültig alle Dämme bei ihm brachen, der Tränenfluss nahm Überhand, sodass blinzeln gar nichts mehr zu bringen schien, so vergrub er bloß noch sein Gesicht an Jesses Schulter und krallte sich mit zitternden Händen, Halt suchend, in den Stoff seines Hemdes das dessen Rücken bedeckte. Der, sonst so stolze, Schwede sank förmlich in sich zusammen, schluchzend, bitterlich weinend, ob des Verlustes seiner Töchter und dem Aspekt, dass er die letzten zehn Jahre nicht trauern konnte, es nicht wollte, sondern stattdessen, Stück für Stück immer mehr, von dieser Last erdrückt zu werden drohte.
Er hätte Jesse damals an seiner Seite gebraucht, vielleicht wäre es ihm sogar gelungen Valravn von seiner Rachsucht abzubringen, ihn zu stoppen, bevor er sich auf ein Niveau herab begab, das er so sehr an der menschlichen Spezies verachtete. Primitiver Blutdurst, blinde Wut und der brennende Wunsch, dieser Person, die Hölle auf Erden zu bereiten, sowie die schlimmsten Qualen zuzufügen, die er sich ersann. Nun könnte man sagen, jeder verspürte diese Gelüste, vor allem unter solchen Umständen, doch es ging nicht darum, dass Valravn bewusst, in voller Absicht, jemanden tötete, ohne in Lebensgefahr zu schweben, sondern es war die Art wie er es getan hatte. Penibel durch geplant, geduldig, bestens darüber informiert und ausgebildet, was die Funktion, sowie den Aufbau eines Tierkörpers betraf, nun Menschen sind auch nur Tiere. Anatomie begeisterte ihn von klein auf, daheim fertigte er gerne Zeichnungen, Skizzen mit solcher Thematik und Jesse kannte Valravns umfangreiche Büchersammlung, in und auswendig.
Er besaß nicht nur berufsbedingte Fachliteratur, Romane, Biografien und Geschichtsbücher, seine Interessen waren so vielfältig, wie Jesse komplexe Denkvorgänge im Sekundentakt verarbeitete. Eines der letzten Bücher, vor dem Ausbruch, dass Valravn gelesen hatte, zumeist mit einem Glas Wein, vor dem Kamin oder in seiner kleinen Privatbibliothek sitzend, befasste sich ausführlich mit den Foltermethoden des Mittelalters, welche in Europa, als auch Asien, verbreitet waren und Anwendung fanden.
Ob er Jesse, im Detail, erzählen würde, wie er es getan hatte, sollte er fragen, wusste Valravn in diesem Moment nicht und er konnte sich damit auch nicht auseinandersetzen, da im Augenblick sein Verstand einfach aussetzte, sowie den Gefühlen freien Lauf ließ, welche der Schwede sonst akribisch unter Kontrolle hielt.
Bei seinem Liebsten war er dazu nie gezwungen oder hatte das Gefühl sie unter Verschluss halten zu müssen, im Gegenteil, Jesse gegenüber fiel es Valravn unglaublich leicht, diese herausbrechen zu lassen, ohne sich mit dem Gefühl auseinandersetzen zu müssen, sich dafür zu schämen oder gar zu rechtfertigen. So wie der Schwede Jesse auffing, wenn er den Halt und Boden unter den Füßen zu verlieren drohte, konnte Valravn sich bei diesem ebenfalls fallen lassen. Niemand musste die Last dieser Welt allein auf seinen Schultern tragen, sie taten es gemeinsam, wie auch jetzt, wo es nicht der Schwede war, der wie ein Fels in der Brandung da stand, sondern Jesse, der ihm ohne Worte das Gefühl vermittelte... es ist ok.
Er war einfach nur da, nach zehn langen Jahren, war es Valravn möglich seiner Trauer freien Lauf zu lassen, in dem Wissen, damit nicht allein zu sein, wie bislang. Keine Ahnung wie lange dieser Moment anhielt, es spielte doch auch keine Rolle, das Feuer im Kamin knisterte dennoch friedlich vor sich hin, obgleich es draußen Dunkel wurde inzwischen, so war Jesse einfach da. Alles Andere schien zunächst keine Rolle mehr zu spielen.
Das Beben seines Körpers ließ irgendwann nach, der Halt suchende Griff an Jesses Rücken lockerte sich, das bitterliche Schluchzen verstummte mit der Zeit und Valravn wurde wieder ruhiger, er fühlte sich nur unglaublich müde, ausgelaugt, kraftlos. Sein Körper fühlte sich an wie ein Stein, noch immer war ihm unerträglich heiß, seine Kehle kratzig, trocken, weshalb er schluckte aber der Kloß im Hals war noch immer da. Langsam ließ er die Arme sinken, jedoch stoppten seine Hände, anständig, wie es sich für einen Gentleman gehörte, oberhalb von Jesses Steißbein, wo er sie einfach nur auf dem Stoff des Hemdes auflagen, ruhten. Ebenso hob der Schwede langsam den Kopf, noch einmal schniefte er leise, blinzelte die brennende Träne weg bevor er, zunächst schweigend, seine Stirn an die von Jesse lehnte, den er einfach nur unglaublich erschöpft, mit geröteten Auge anblickte.
"Bleib bei mir..."
War alles, was seine heiser gewordene, dunkle Stimme ihm bittend entgegenflüsterte.


@Jesse Redford


It's dark on the other side, and madness is waiting.



You're not alone, in that darkness. I'm standing right beside you.

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#9

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 16.01.2020 19:00
von Jesse Redford (gelöscht)
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Es kam selten vor, dass Val die Fassung verlor. Tatsächlich erinnerte sich Jesse kaum an eine Situation in der das geschehen war. Hie und da, doch es blieben stets Ausnahmen. Andere Personen hätten sich davon vielleicht einschüchtern lassen, hätten abgeschreckt und distanziert reagiert. Nicht so Jesse. Er kannte Val schon eine Weile. Gut, da war eine Lücke von zehn Jahren dazwischen, doch das tat nichts zur Sache. Sie hatten sich fünf Jahre lang immer öfters gesehen und selbst wenn sie damals nichts überstürzt hatten, was vor allem Jesses Verschulden gewesen war, so hatten sie beileibe genug Zeit gehabt, um sich gegenseitig kennen zu lernen. Ihr erstes Treffen war noch ziemlich verhalten gewesen und letzten Endes hatte Val dafür gesorgt, dass sie einander kennengelernt hatten. Er war dahingehend schon immer der treibende Motor gewesen, mitunter hatte er auch die eine oder andere Grenze seitens Jesse übertreten müssen, um ihn aus seiner Komfortzone zu holen, bis er gemerkt hatte, dass ihm eigentlich gefiel was hier passierte.
Ihr gegenseitiges entspanntes Schweigen wechselte sich mit tiefgründigen Gesprächen ab, welche manchmal auch über mehrere Stunden hinweg stattfanden.
Val gestattete Jesse einen tiefen Einblick in dessen Seele. In sein Befinden, in seine Vergangenheit und alles, was ihn bis zu jenem Punkt gebracht hatte. Und Jesse tat das selbe für ihn. Val war einer der wenigen Menschen, die hinter seine Fassade blicken durften und die dann auch verstanden, was sie da zu sehen bekamen.
Als Val nun vor Wut zitternd die Hände in den Tisch schlug, wusste Jesse, dass es unter Umständen schlecht war, wenn er ihn jetzt anfasste. Doch das Risiko ging er ein. Schließlich hatte er es vor zehn Jahren versäumt an seiner Seite zu sein und ihn zu unterstützen. Er hätte auf die beiden Töchter aufpassen können oder gar selbst zur Jagd gehen können. Val hätte niemanden Fremdes an seine Mädchen heranlassen müssen.
Doch natürlich konnte er auch nicht sich selbst die Schuld geben. Er war selbst mit Überleben beschäftigt gewesen. Beim Versuch zu Val durchzudringen wäre er vielleicht gestorben und damit hätten sie sich heute nicht mehr treffen können. Und es wäre niemandem besser gegangen. Jesse vernahm das Geräusch von reissendem Stoff, als Val sich das Hemd halb vom Leib riss. Er konnte die Hitze die von ihm ausging spüren, noch bevor er die Hand nach ihm ausstreckte und ihn so an sich zog.
Statt ihn zu schlagen oder ihn wegzustossen, ließ Val die Umarmung zu. Jesse atmete tief durch und zog ihn an sich, um ihn einfach festzuhalten. Im ersten Moment zuckte Val zusammen wie ein erschrockenes Tier. Ihre Blicke begegneten sich. Jesse blieb beharrlich in seiner Sanftmut, mit der er Val zu beruhigen gedachte. Es schien als hätte Val in den zehn Jahren nie wirklich die Möglichkeit gehabt seinen Kummer bei jemandem abzuladen. Er hatte womöglich alles in sich hineingefressen, denn natürlich war der Verlust seiner Töchter auch mit dem Tod ihres Mörders nicht rückgängig zu machen gewesen. Er hatte alles auf einmal verloren, hatte sich den tiefsten und widerwärtigsten Instinkten hingegeben.... Was genau er mit dem Mörder angestellt hatte, musste Jesse nicht wissen. Es spielte für ihn erst einmal keine Rolle. Wichtiger war jetzt, dass Val diesen Kummer endlich loswerden konnte. Also hielt er ihn fest, strich ihm über den Rücken, der mittlerweile schon wieder schweissnass war. Irgendetwas stimmte nicht mit seinem Liebsten. Das war nicht normal wie sehr er schwitzte, denn allzu heiß war es nun in der Hütte auch nicht.
Schließlich begann der Schwede zu schluchzen. Er drückte sein Gesicht an Jesses Hemd und er hielt sich an ihm fest. Jesse wollte für ihn da sein, wollte nachholen was er versäumt hatte. Dabei versuchte er sich nicht selbst zu sehr davon beeinflussen zu lassen. Er musste eine Mauer aufbauen, das Ganze nicht zu sehr an sich heran lassen. Das durfte er nicht. Aber es gelang ihm gut. Er konnte sich davon einigermaßen abgrenzen, obwohl es die Person war, die ihm am allerwichtigsten war. Wenn er jetzt auch noch emotional werden würde, würde das alles sicherlich nicht sonderlich gut enden. Das konnte Val nun wirklich nicht gebrauchen.
Es dauerte einen Moment, bis Val allmählich wieder ruhiger und gefasster wurde. In der Zwischenzeit tat Jesse nicht viel mehr als vorher.
Bis Val schliesslich beinahe gänzlich zur Ruhe gekommen war und auch den Kopf wieder hob. Jesse legte ihm eine Hand an die Wange und strich ihm die Tränen mit dem Daumen weg, welche noch da waren.
„Ich bin hier, Val...“ Für wie lange... das war noch die Frage, die ausstand. Vielleicht konnte er Val überzeugen mit ihm mitzukommen, auch wenn er seine Zweifel hatte, dass er scorpion mögen würde. Der junge Anführer des Zoos stand für alles, was Val nicht leiden konnte...
Er küsste ihn kurz auf die Stirn, welche ebenfalls glühte.
„Ich würde dich gern ins Bett bringen. Du scheinst erhöhte Temperatur zu haben und Val, du brauchst jetzt Ruhe. Kein Wenn und Aber...“ Trotzdem seiner klaren Worte, wartete er, ob Val ihm zustimmen würde oder nicht. Gegen seinen willen würde er ihn sowieso nicht ins Bett kriegen.

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#10

RE: Wohnbereich

in leerstehende Hütte 16.01.2020 21:48
von Valravn Vargström | 179 Beiträge

Der Einzige, der Schuld am Tod seiner Töchter trug, war Valravn selbst und er war der Letzte, der darauf gepocht, gar gewollt hätte, das Jesse seine eigene Sicherheit riskierte, sein Leben aufs Spiel setzte, nur um zu ihnen zu kommen. Dieser tat was wichtig und richtig war, er rettete sich selbst, weswegen es ihnen, wenn auch eine Dekade später, zumindest vergönnt war, wieder zueinander zu finden. Zufall? Ein Wink des Schicksals? Wie man es bezeichnete spielte keine Rolle, nicht für den Schweden, nicht in diesem Moment, alles was zählte war...Jesse lebt.
Vermutlich der einzige Mensch, der es vermochte den Schweden, selbst rasend vor Wut, noch zu erreichen und dafür nicht einmal Worte gebrauchen musste, so sehr alles in diesem auch danach schreien mochte, nicht berührt, sondern in Frieden gelassen zu werden. So sehr lechzte sein gebrochenes Herz nach etwas Liebe, Zuneigung, einfach diesem Gefühl, nicht allein zu sein und das Wissen, da ist jemand, der fängt dich auf. Diesen jemand starrte Valravn, schnaufend, schwer keuchend und um jeden Atemzug ringend, direkt in die Augen, deren klares, sanftes Blau ebenso scharfsinnig, wie auch liebevoll war. Welch Bild für die Götter sie doch sein mussten. Der elegante Tierarzt von früher, der Heute eher wie eine Bestie anmutete und dem Wolf in seinem Nachnamen, alle Ehre zu machen schien, blickte in das Antlitz der Schönheit, dem der Zahn der Zeit, keinerlei Abbruch getan hatte und er wirkte für den Bruchteil eines Augenblicks wie erstarrt. Fassungslos, ungewiss was zu tun war, stünde nicht Jesse vor ihm, so hätte Valravn seinem Zorn vermutlich mit der Faust nachgegeben.
So jedoch war es nicht schiere Gewalt, die ihm ein Ventil bot für seinen Zorn, für seine Trauer, sondern eine schlichte Umarmung, die weit mehr Last von ihm nahm, als jemandes Gesicht zu Brei zu schlagen. Dieses Gefühl der Geborgenheit, es war ihm in solchem Ausmaß so unbeschreiblich fremd geworden, dass es einen Moment brauchte bis sein Verstand schalten, sein Körper realisieren konnte, dass alles in Ordnung war. Als es aber Klick machte, sich förmlich der Schalter in ihm umlegte, brach einfach alles aus ihm heraus und Jesse war einfach bloß da, der ihm beruhigend, tröstend, über den Rücken strich, sowie die physische als auch psychische Stütze bildete, welche Valravn in dem Moment dringender brauchte, denn je. Solche Momente machten deutlicher denn je, dass Jesse eben nicht, wie böse Zungen früher vielleicht behaupteten, der jüngere Liebhaber eines wohl habenden Mannes in seinen Vierzigern war, eine kleine Abwechslung um sich selbst zu bestätigen oder gar nur ein flüchtiger Zeitvertreib, dem er gönnerisch zugetan war. Zwar mögen es nur wenige Jahre sein, die zwischen ihnen lagen, doch äußerlich war der Unterschied erkennbar, heute vielleicht sogar noch mehr, aufgrund der Spuren, welche die neue Welt an Valravns Körper hinterlassen hatten, während Jesse nahezu unberührt schien von alldem.
Weckte das Misstrauen, Eifersucht? Nun, in keiner Beziehung blieben solche Dinge, Sorgen, wohl aus und das Problem für den Schweden hierbei war nicht mangelndes Vertrauen in Jesse, diesem vertraute er blind, doch er wusste wie andere Menschen sind, wie sie tickten, welche Verlockung sie reizten. Er wollte vielleicht lieber nicht wissen, wie viele im Dorf bereits ein Auge auf Jesse geworfen hatten, seit er hier war, denn obgleich seiner seltsamen Art, seinem scheuen Wesen, übte er auf diverse Leute eine unglaubliche Faszination und Anziehungskraft aus. Der Schwede war das beste Beispiel dafür, er hatte sich nicht einfach abwimmeln lassen, obwohl Jesse sehr wohl versucht hatte, diesen loszuwerden oder besser gesagt das Problem auszusitzen, indem er sich verkroch. Valravn würde nie vergessen, wie 'begeistert' Jesse gewesen war, als er eines Morgens, natürlich elegant gekleidet wie immer, einfach vor dessen Tür stand und ihm, wie selbstverständlich, verkündete ihm Frühstück gebracht zu haben. Rührei aus Wachteleiern, dazu selbst gemachte Würstchen aus Koberindfleisch, das er extra hatte importieren lassen, dazu ein frischer Obstsalat, Bananen-Pancakes, Kaffee, Tee und frisch gepresster Orangensaft.
Alles hatte er dabei gehabt, sorgfältig verpackt in praktischen Tupperboxen, fein säuberlich und hübsch drapiert, sowie garniert mit ein paar Kräutern, tischte er schließlich auf, nachdem er, wortwörtlich beinahe, mit der Tür ins Haus gefallen war. Valravn war dreist und hatte Erfolg, denn letztendlich führte dieser 'Überfall' zu dem hiesigen Moment.
Der ihm nicht nur half, seine Last, seine Schuld, zur Sprache zu bringen, sondern sie auch zu teilen, mit seiner besseren Hälfte, dessen vertrauter Geruch seinen Zorn schmälerte, dessen Wärme, ob der eigenen unerträglichen Hitze in seinem Inneren, Geborgenheit vermittelte und seine Berührungen, das aufgewühlte Gemüt zu besänftigen vermochte. Viel wichtiger aber war, für keine vergossene Träne würde man ihm Schwäche unterstellen, einen Strick daraus drehen oder gar verspotten.
Es beschämte ihn nicht, als er Jesse, ins Gesicht sah, wenn gleich er prompt das Auge schloss, ob seiner sanften Berührung als er die Tränen von seiner Wange wischte. Er wusste sein Stolz würde darunter nicht leiden, Gefühle zu zeigen war keine Schande als Mann, obgleich Valravn sich selbst auferlegte, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten aber das lag in seiner Natur, in seinem akribischen Bestreben sein wahres Ich vor Anderen verborgen zu halten.
Jesse hatte hinter die Fassade geschaut, sein wahres Ich gesehen und blieb letztendlich an seiner Seite.
Er würde bleiben, das war im Moment alles was er wissen musste, was er hören wollte und sein Herz nicht mehr so schwer in seiner Brust wiegen ließ. Kaum merklich nickte der alte Wolf, seufzte leise auf, denn seltsamerweise fühlten sich Jesses Berührungen angenehm kühl an, was jedoch nicht an seinem Liebsten lag, sondern bei ihm selbst.
Seine Stirn glühte förmlich, das bekam Jesse deutlicher zu spüren als Valravn wirklich bewusst war, nicht weiter verwunderlich das er ihn ins Bett stecken wollte. Im ersten Moment glaubte er ja, sich verhört zu haben, sein Blick senkte sich gen Boden, schien sich aber nicht fixieren zu können, da er beim Knacken des Holzes im Kamin, sofort den Kopf in diese Richtung drehte, aus alter Gewohnheit den Bereich absuchte, obwohl da nur die hölzernen Wände der Hütte waren. Keine Möglichkeit für Untote oder Lebende sich zu verstecken, gar anzuschleichen aber alte Gewohnheiten, wurde man nur schwerlich wieder los.
Sein Auge brannte, er rieb es sich, musste sich aber mehr auf sein Gehör verlassen, was ihm zumindest erleichterte sich auf Jesses Stimme zu konzentrieren, der kaum gewillt schien eine Diskussion mit dem Schweden zu führen.
Nun, Valravn wusste, wann er einen Kampf nicht gewinnen kann, egal welcher Form und so stur er auch sein konnte, so nickte er letztendlich einverstanden.
"Tut mir leid, ....das heißt wohl, ich schaffe es heute nicht, dich noch über die Türschwelle zu meinem Bett zu tragen."
Seine dunkle Stimme klang kratzig, trocken, so wie sich sein Hals auch anfühlte, sein ganzer Mund und was er wirklich trinken sollte war Wasser oder Tee. Alkohol bei Fieber war das Dümmste, was man tun kann. Trotz allem versuchte er sich an einem kleinen Scherz, der als solcher sogar erkennbar war, obwohl Valravn solch Aussagen auch gerne mal in die Tat umsetzte. Im Augenblick jedoch keines davon umsetzen konnte, sein Körper zeigte ihm zwar eine Grenze auf, doch in gewohnt sturer Manier, überschritt der Schwede sie, weshalb es gut war, dass Jesse wieder in sein Leben zurückgekehrt war, denn der duldete es schlichtweg nicht und hatte seine, ganz eigenen, Mittel und Wege, um seinen dickköpfigen Wikinger in die richtige Spur zu lenken.
Er stieß erneut schnaufend den Atem aus, fasste nach der rechten Hand von Jesse, die er ein Stück anhob, um sich selbst nicht zu weit hinab beugen zu müssen, bevor er auf seinen Handrücken einen Kuss hauchte, wie der Gentleman, der er früher auch nach Außen hin war, jedoch tief in ihm verwurzelt ist.
Eine Geste die Valravn nicht an einem Geschlecht fest machte, ebenso wenig jedem zukommen ließe, es war für ihn mehr als Höflichkeit, es war ein besonderer Ausdruck von Zuneigung, die er für Jesse noch immer aus tiefsten Herzen empfand. Schließlich ließ er seine Hand wieder aus seinen rauen Fingern gleiten, verweilte leicht nach vorn gebeugt und schaute auf, in das Gesicht seines Liebsten, auf eine Art und Weise die einzig Jesse vorbehalten war, sowie einst seinen Töchtern. Nämlich auf die sanfte, verletzliche Art und Weise, die er ungern Preis gab, weil ihn damals die Krankheit fast getötet hatte und aus dem stolzen, athletischen Tänzer, dem vornehmen Arzt, ein zerbrechliches Häufchen Elend gemacht hatte. Eine Phase die Jesse zwar nicht mit ihm durch gemacht hatte, doch oft genug die Folgen dessen erlebte, wenn Valravn, aufgrund des kleinsten Husten, einem unangenehmen Gefühl im Brustkorb, sehr schnell in eine Panikattacke verfallen konnte.
"Lass mich nicht zu lange warten.."
Krächzte er heiser, doch selbst zu einem Lächeln schien ihm die Kraft zu fehlen, letztendlich setzte er sich, brav, in Bewegung um in sein Schlafzimmer zu verschwinden, nicht wie das lauernde Raubtier, dass auf der Jagd war, sondern wie ein verletzter, alter und vor allem müder Wolf, der schon zu viele Kämpfe hatte austragen müssen.


>>>Schlafbereich

@Jesse Redford


It's dark on the other side, and madness is waiting.



You're not alone, in that darkness. I'm standing right beside you.

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