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Herbst ... Gerade noch habt ihr euch in der Sonne gebräunt, schon fallen die ersten bunten Blätter. Tja, das Leben zieht viel zu schnell an uns vorbei. Es wird kühler, es regnet viel. Stürme dürfen auch nicht fehlen und die Vögel ziehen in den Süden. Bereitet euch auf den Winter vor, dieser kommt schneller als ihr denkt!

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🍁 Der Herbst rückt immer näher. Blätter fallen, es wird kälter, Zeit um Vorräte zusammeln 🍁

An Aus


#1

Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 10.02.2020 17:26
von The Walking Dead Team | 2.202 Beiträge
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#2

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 10.02.2020 17:48
von Jesse Redford (gelöscht)
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Annähernd eineinhalb Meter hoch stapelte sich der Schnee in Balar. Er glänzte und glitzerte in der morgendlichen Sonne beinahe märchenhaft. Das Dorf war den Schneemassen mittlerweile Herr geworden. Wege waren in emsiger Arbeit gepflügt worden, kaum hatte der Sturm sich gelegt. Das Dorf, das wie ausgestorben gewirkt hatte, erwachte zu neuem Leben, sobald die Sonne sich wieder zeigte.
Jesse, der nun seine Probezeit von einem Monat bestanden und ein offizielles Mitglied Balars war, hatte sich schon in den letzten Tagen darauf vorbereitetet in den Zoo zurück zu kehren. Offiziell hatte er vor nach einer Freundin zu suchen, die er vermisste. Natürlich wusste nur Val, dass es darum ging Minerva aus dem Zoo zu holen und vielleicht Scorpion davon abzuhalten das Bergdorf anzugreifen. Hier gab es nichts zu holen ausser vielleicht einige Menschen und Tiere. Hingegen konnte Jesse sich vorstellen, dass Minerva sich hier oben wohl fühlen könnte, weshalb er sie gern nach Balar bringen würde. Doch die genauen Pläne würden sie wohl erst dann entscheiden können, wenn sie wussten, ob sich Scorpion von seinen Plänen abbringen ließ.
Mit geschultertem Rucksack und zwei gefüllten Satteltaschen betrat Jesse den Pferdestall. Er stellte alles gegen eine Box, bevor er das Halfter nahm, das an der Tür zu der Box lehnte und diese betrat. Die junge Stute darin hob den Kopf und kam ihm entgegen. Flicka war eine grossgewachsene braune Morgan Horse Stute, um welche sich Jesse im letzten Monat am meisten gekümmert hatte. Sie hatte ein gutes Alter, war nicht zu jung um ordentlich geritten zu werden. Sie war ausgewachsen, kräftig und besass einen menschenbezogenen Charakter. Trotzdem hatte sie auch einen sehr gesunden Vorwärtsdrang, was Jesse an ihr sehr schätzte. Er war sich sicher, dass sie ihn sicher zum Zoo bringen würde.
Das Pferd mit dem er hierher gekommen war, würde er auch wieder mitnehmen, allerdings als Packpferd. Die Reise würde ungefähr drei Tage dauern bei den gegebenen Wetterverhältnissen. Es schneite zwar nicht mehr, doch der Schnee lag hoch und es war bitterkalt. Alleine bis sie im Tal waren, würde es wohl einen guten Tag, vielleicht sogar zwei dauern. Sie mussten sich auf eine Menge Umwege gefasst machen. Nicht nur wegen dem Schnee sondern auch wegen der Untoten, die immer noch sehr vielzählig unterwegs waren.
Jesse nahm sich nicht allzu viel Zeit heraus, um die Stute zu putzen, das hatte er gestern bereits erledigt. Stattdessen reinigte er lediglich die Sattellage und kratzte ihr die Hufe aus, wobei er den Sitz der Hufeisen noch einmal kontrolliert und Stollen montierte, die das Rutschen vermindern sollten.
Anschließend legte er Flicka ein gegerbtes Rehfell auf den Rücken. Er zupfte es zurecht, damit es gut lag, bevor er den Sattel holte, welchen er ihr möglichst sanft über den Widerrist legte und ihn von dort nach hinten zog, damit er schön auf dem Rehfell zu liegen kam. Eine richtige Schabracke besass er nicht, weshalb er sich eben mit dem Fell behelfen musste.
Den Sattel bespannte er zudem mit einem Lammfell, das aber mehr dazu diente ihn warm zu halten in den nächsten Tagen, die er hauptsächlich reitend verbringen würde. Nachdem alles gut festgezurrt war, befestigte er die Satteltaschen ebenfalls noch am Sattel. Jesse hatte sowohl das Jagdgewehr dabei, das Val ihm einst geschenkt hatte, wie auch den Kompositbogen, dessen Handhabung er sich in den letzten Jahren selbst beigebracht hatte. Es hatte sehr viel Übung beansprucht, bis er einigermaßen zuverlässig seine Ziele getroffen hatte, doch letztlich war es nötig gewesen, da ihm die Munition für das Gewehr nun bald ausgehen würde. Stattdessen nutzte er nun die Pfeile, die er zur Hälfte selbst gebaut hatte. Die Spitzen waren von Minerva und töteten nicht nur Untote, Menschen und Wild, sondern auch Grosswild wie Elche, Pumas und womöglich sogar Bären ziemlich zuverlässig. Der Bogen war also eine gute Alternative zu seinem Gewehr auch wenn er es wohl vermissen würde damit zu schiessen, wenn er die letzte Patrone durch hatte. Doch der Tag würde irgendwann wohl gezwungenermassen kommen.
Ein Messer trug er auch mit sich und von Azra hatte er sogar eine Machete erhalten.
Als Flicka soweit fertig war, holte er den Wallach mit dem er hergeritten war. Auf dessen Rücken zurrte er das Zelt und die Schlafdecken fest. Dann begab er sich in Flickas Sattel und ritt mit dem Wallach an der Hand zum Haus zurück, wo Val bereits wartete.
Um dem garstigen kalten Wetter zu trotzen, trug Jesse seine gefütterten Schuhe, lange Unterhosen und darüber normale Hosen, sowie alte Regenhosen, die er mal gefunden hatte. Mittlerweile waren sie etwas löchrig, doch den schlimmsten Wind hielten sie noch immer gut ab. Den Oberkörper hielt er gut verpackt mit dickem Pullover und demselben Winterparka, den er bereits getragen hatte, als er hierher gekommen war. Mittlerweile war die Kapuze aber mit Fell gefüttert. Ein Accessoire, das zu früheren Zeiten verpönt gewesen war, nun aber doch wieder den Unterschied zwischen warme oder kalte Ohren machen konnte. Zusätzlich waren seine Ohren durch die Wollmütze geschützt, die ihn nun auch schon einige Jahre begleitete. Seine Hände steckten in Handschuhen, die dünn genug waren, dass er damit sowohl reiten wie aber auch den Bogen benutzen konnte.
So holte er Val bei dessen Haus ab, bevor sie sich auf den langwierigen Weg zum Zoo machten, welcher im Sommer deutlich einfacher zu bewältigen wäre. Doch Jesse wollte nicht länger warten als nötig. Erstens wollte Val seine Rache... Jesse tat es immer noch leid, dass er einen Seitensprung gewagt hatte und hoffte seinen Mann besänftigen zu können, indem er ihm den Kerl auf dem Silbertablett servierte, der ihn in Versuchung gebracht hatte.
Sie hatten nicht mehr groß darüber gesprochen, Jesse wollte das Thema auch so gut wie möglich meiden, denn er hoffte, dass es sich dann irgendwie im Sand verlief und Val würde es vielleicht vergessen. Obwohl er sich sicher war, dass das Thema gegessen war, sobald der Kerl auf seinem Teller landete, also nur ein Grund mehr, zum Zoo zu gelangen.
Der Weg dahin stellte sich tatsächlich als eher mühselig und verzwickt heraus. Durch den vielen Schnee waren viele Bäume umgefallen und die Strassen waren teilweise dadurch noch weniger einfach zu begehen, selbst zu Pferd.
Die Landschaft war zwar atemberaubend. Sie kamen vorbei an unzähligen gefrorenen Flüssen, eiszapfenbehangenen Wasserfällen und jede Menge unberührten Schneemassen, welche den Wald in einen Märchenwald verwandelten. Hin und wieder entdeckten sie Tierspuren im Schnee, besonders da, wo er dank den Bäumen nicht allzu hoch lag. Die Gegend schien alles in allem aber ziemlich ausgestorben zu sein. Es mutete immerzu fast friedlich an. Hie und da begegneten sie gefrorenen Untoten, die sich nicht rühren konnten und man wusste sofort, dass vermutlich noch einige mehr unter dem Schnee begraben lagen. Diese Zonen umritten sie so gut es ging, um sich keiner unnötigen Gefahr auszusetzen.
Hin und wieder unterhielten sie sich über alles mögliche. Über Jesses Schlafwandeln, das nie wirklich aufgehört hatte. Selbst auf der Ranch hatte er es immer mal wieder getan. Dort war es hauptsächlich Minerva gewesen, die auf ihn aufgepasst hatte. Er hatte wohl wirklich Glück gehabt, dass er es nie ausserhalb der Tore geschafft hatte und im Schlaf von Untoten attackiert wurde. Doch während der Zeit auf der Ranch war es eigentlich fast komplett abgeflaut. Nur immer, wenn er mal wieder einen Menschen getötet, geschlachtet und an seine Freunde verfüttert hatte, nahmen die Wandlereien wieder zu, doch ansonsten schien sein Geist ruhig genug zu sein, um ihn nur alle paar Wochen, manchmal sogar Monate, des Nachts umherwandeln zu lassen.
In den letzten zwei Wochen war er wieder vermehrt am Schlafwandeln gewesen, zumindest hatte Val ihm das erzählt. Jesse vermutete, dass es mit dem ganzen psychischen Stress zusammenhing, den er hatte durchmachen müssen. Die ganze Sache mit dem Seitensprung, Minerva, die er unbedingt retten wollte, seit seinem Anfall am Tag seiner Begegnung mit Val. Er träumte oft von ihr und realisierte nun allmählich, dass er sie so nicht vor sich hin vegetieren lassen konnte.
Allerdings nahm die Wandlerei nun auch schon wieder ab. Seit er Val getroffen hatte war er in den letzten zwei Wochen vier Mal aufgestanden, fast jede zweite Nacht und seither eigentlich nicht mehr. Womöglich war es also wieder nur ein kurzer Schub gewesen.
Auf der Reise zum Zoo waren die Nächte für Jesse tatsächlich das schlimmste. Sie stellten jeweils irgendwo geschützt ein Zelt auf, tarnten es mit Schnee und Ästen und banden die Pferde an, die sie in der Zeit fressen ließen. Sie kuschelten sich in die Decken, welche sie dabei hatten und hielten sich gegenseitig im Arm, um sich warm zu halten. Es erinnerte ihn an damals, ganz am Anfang, als er den Kerl getroffen hatte, dem er schliesslich auch näher gekommen war. Nur nicht so sehr wie dem Anderen. Sie hatten sich gegenseitig warm gehalten und anschließend hatte er ihn gegessen. Nun machte er dasselbe mit Val, nur dass er nicht vorhatte ihn zu verspeisen. Umgekehrt war das zwar nicht komplett gegeben aber mit dem Gedanken versuchte Jesse sich seit Jahren abzufinden.
Obwohl Val neben ihm lag, schlief Jesse gefühlt keine Minute. Er hörte jedes Geräusch da draußen, alles konnte ein Untoter sein. Ausserdem war es verdammt kalt. Eigentlich zählte er bloß die Minuten, bis die Sonne aufging und sie genügend Licht hatten, um weiter zu reiten. Nicht einmal ein heisses Getränk lag morgends drin, weil sie nichts hatten, um Wasser für einen Tee zu erhitzen.
So war Jesse spätestens am Morgen des dritten Tages ordentlich gereizt. Schon so litt er einen grauenhaften Schlafmangel, den er noch nie wirklich gut vertragen hatte, doch in dem Ausmass wurde er dann erst recht garstig. Immerhin waren sie mittlerweile aus dem schlimmsten Schnee draußen. Hier unten im Tal lag er nicht so hoch wie in den Bergen und wenn die Sonne schien war es beinahe warm. Je länger die Reise dauerte und je weniger Jesse dabei schlief, desto weniger hatte er Lust sich mit Val zu unterhalten, was weniger mit ihm persönlich zusammen hing. Mehr, weil er einfach nur noch runter vom Sattel in ein anständiges Bett oder wahlweise davor unter eine heisse Dusche wollte. Obwohl er sich reiten gewöhnt war, schmerzte ihm allmählich der Hintern. Ja, er war auch nicht mehr der Jüngste und tagelang im Sattel sitzen war anstrengender als man es vielleicht meinen könnte. Immerhin machten die Pferde ganz gut mit. Sie hatten es so gemacht, dass jeder Tag ein anderes Pferd Packesel spielen musste und somit Pause vom Reitergewicht hatte, das schwerer war als das Zelt und die paar Decken.
Als sie dann endlich auf den Weg kamen, der zum Zoo führten, war es Sleipnir, der das Gepäck trug. Jesse sass auf Flicka, welche am Vortag Pause hatte und Val musste sich mit dem Wallach aus dem Zoo begnügen, der immerhin ein ganz anständiges Gemüt hatte.
Nachdem sie den Weg erreichten, dauerte es noch etwa eineinhalb Stunden, bis sie endlich die große Einfahrt erreichten, die eins ein Parkplatz gewesen war. Dort parkten nun immer noch Autos, jedoch deutlich abgeranzter als früher. Sie gehörten vermutlich irgendwelchen Nomaden, die gerade hier zum Tausch waren. Hinter dem Parkplatz kam der mit Holz und Metall verbaute Zaun zum Vorschein, der mittlerweile mehr der Mauer einer Festung glich. Darauf bewegten sich die Wachposte.
Jesse warf Val einen kurzen Blick zu. „Wir sind da ... Das ist der Zoo“, sagte er mit Erschöpfung in der Stimme. Die Tore waren offen, wie immer tagsüber. Allerdings streng bewacht, damit weder Untote noch unerwünschte Menschen einfach so reinkommen konnten. Ausserdem führte das Tor nur in den Nomadenbereich. Wächter und Arbeiterbreich waren noch einmal befestigt und abgetrennt, damit wirklich niemand einfach so angreifen konnte oder man sich rasch zurückziehen könnte, falls eine unkontrollierte Horde Untote aus dem Nichts heranwanken würde.
Jesse ritt mit Val auf das Tor zu, wo sie angehalten wurden. Also schwang sich Jesse aus dem Sattel und nickte Val zu, damit er es ihm gleich tat.
„Jesse“, sprach die Wache ihn dann an, als er ihn erkannte und lächelte sogar. Die zwei drückten sich kurz. „Du bist früh zurück. Solltest du nicht ein paar Monate oben bleiben?“
Jesse schüttelte den Kopf. „Kleine Planänderung. Das ist mein Mann, Valravn Vargström, er möchte mich gern begleiten. Ich wird alles persönlich mit Scorpion besprechen.“
Die Wache musterte Val kurz eingehend.
„Du weißt ja, wo das Waffenlager ist“, meinte er dann und winkte sie beide durch. Jesse nickte Val erneut zu und gemeinsam gingen sie durchs Tor und durchquerten den Nomadenbereich, der heute nicht so voll war, wie im Frühling und Sommer jeweils. Doch wie es aussah war das Hotel ganz gut bewohnt, was bei dem Wetter kaum verwunderlich war.
Jesse ging voran, führte Val an der Bar vorbei zum Tor in den Wächterbereich, wo Val um seine Waffen erleichtert wurde. Jesse durfte seine behalten, weil man ihn kannte aber Neulinge wurden da anders behandelt, selbst wenn sie noch so romantisch mit jemandem zusammen waren wie sie zwei.
„Du kriegst die Waffen zurück, sobald ich mit Scorpion gesprochen habe. Versprochen. Bis dahin wirst du sie ohnehin nicht brauchen“, meinte er zu Val, während sie zum Pferdestall gingen, wo sie die Tiere absattelten, noch einmal durchschrubbten und gemeinsam auf Druckstellen oder andere Verletzungen untersuchten. Jesse nahm die Stollen raus, wobei er feststellen musste, dass sie drei verloren hatten, was ärgerlich aber nicht weiter schlimm war.
Dann kamen die Pferde in grosszügig angelegte Boxen. Auch Sleipnir musste sich erst einmal damit abfinden. Doch die Boxen, die eigentlich für Zebras und Antilopen gedacht hatten, würden dem Hengst garantiert standhalten können, egal wie sehr er darin vielleicht tobte.
Jesse Schulterte einen Teil ihres Gepäcks, den Rest überliess er Val, bevor er ihn zu seiner Wohnung führte. Dafür mussten sie den Zoo einmal halb durchqueren, bis sie bei den Wächterwohnungen ankamen. Angefangen bei dem großen Bürokomplex, der mehr einem Studentenwohnheim glich, über die eher kleinen Gebäude, in denen sich so was wie WG’s gebildet hatten, bis zu den großen Wohnungen, die auch früher schon mal Gästewohnungen gewesen sein mussten, oder die von den Leuten, welche die Kolonie gegründet hatten, so umgebaut worden waren.
Jesses Wohnung war eine der ehemaligen Gästewohnungen. Jesse kramte seinen Hausschlüssel aus der Jackentasche, schloss auf und ließ Val erst einmal eintreten. Das Innere war nicht gigantisch. Es öffnete sich ein Flur, der eher sporadisch eingerichtet war. Da hingen noch zwei Jacken, auf dem Boden stand eine Schuhablage, wo ein paar Stiefel stand. Jesse warf das Gepäck erst einmal auf den Boden neben die Schuhablage. Der Boden des Flurs war mit einem verblichenen Teppich belegt. Die erste Tür rechts führte direkt in ein kleines Bad mit einer Dusche und einer Toilette. Die Badewanne war zu Gunsten eines Boilers für Heisswasser herausgerissen worden. Dieser zeigte gerade an, dass kein Heisswasser vorhanden war, weil Jesse den letzten Monat nicht da gewesen war. Das Wasser wurde nämlich durch Feuer geheizt und das mussten sie erst einmal entzünden. Hinter dem Bad öffnete sich ein kleines Wohnzimmer in dem nicht viel mehr stand als ein altes Sofa aus abgegriffenem Leder, sowie einen kleinen Beistelltisch. Vom Wohnzimmer aus führte eine Schiebetür in die Küche, welche auch eine Art Tresen hatte von wo aus man sich von der Wohnzimmerseite heranstellen konnte. Die Küche war ebenfalls nicht sonderlich groß aber es war alles vorhanden, das man benötigte, um Gerichte zu zaubern. Da durch die Photovoltaikanlage sogar Strom vorhanden war, funktionierte der Herd noch ganz gut. Die Küche war aber derzeit ausgeschaltet und den Kühlschrank benutzte Jesse wirklich nur durch den Sommer, weil der ein elendiger Stromfresser war.
Auf der anderen Seite des Flurs führte eine Tür ins Schlafzimmer. Dort stand ein Bett, zwei Bücherregale, ein Schreibtisch und eine Kommode.
Obwohl die ganze Wohnung eigentlich eher sporadisch eingerichtet war, hatte Jesse es irgendwie schon hingekriegt darin sein Chaos walten zu lassen, denn überall lagen irgendwie Bücher, Notzen, Zettel und Pläne, Klamotten und in seinem Schlafzimmer auf der Kommode stand tatsächlich sogar eine Geige.
„So ... Das ist mein kleines, trautes Heim“ meinte er zu Val und schnaufte leise. Im Wohnzimmer stand der große Ofen, den man anfeuern musste, damit er das Wasser heizte. „Fühl dich wie Zuhause ... Ich mach mal Feuer. Essenslieferung sollte heute noch kommen, ich bin ja jetzt angemeldet, dass ich wieder da bin. Dann sollten wir wohl auch bald Strom haben.“ Der Strom war zwar ebenfalls sehr stark rationiert, doch für ein wenig Licht am Abend und zum Kochen reichte es für gewöhnlich.
Jesse zog seine Winterklamotten aus und warf einfach alles mal aufs Sofa, bevor er sich daran machte, ein Feuer im Ofen zu entzünden. Es war ganz schön frisch in der Wohnung, doch das würde sich bald ändern.
Als das Feuer brannte, ließ Jesse sich aufs Sofa fallen. „Wenn der Boiler 50-60 Grad anzeigt kannst du duschen so heiß du magst...“, sagte er noch. Aber das würde wohl eine, bis vielleicht zwei Stunden dauern.
Ausnahmsweise legte sich Jesse hin und schlief sofort ein. Die Reise war anstrengend gewesen, ihm tat gefühlt alles weh und er hatte zwei Nächte nicht geschlafen. Ihm fielen also sofort die Augen zu und für die nächsten paar Stunden schlief er einfach erstaunlich friedlich auf dem Sofa. Bei Val hatte er keine Gedenken, der würde es ihm entweder gleich tun oder die Zeit nutzen und sich ein wenig umsehen.


@Valravn Vargström


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#3

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 10.02.2020 22:27
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Der schwarze Kladruber schnaufte, scharrte mit der Hufe, während Valravn ihn, bei seiner Hütte aufsattelte, sowie die gefüllten Satteltaschen an jenem alten Modell befestigte, dass er schon bei seiner Ankunft, vor einigen Monaten, auf dem Rücken seines Pferdes gehabt hatte. Als Satteldecke diente ein altes Lammfell, dass ebenfalls vor Ankunft in Balar diesem Zweck diente, sein Rappe kaute auf der Trense herum, wieherte, als der Schwede mit der Hand über dessen Hals strich, bereits gestern hatten er und Jesse, die Pferde weitestgehend fertig gemacht, geputzt, sowie die Taschen gepackt, die Ausrüstung die sie bedurften für ihre Reise. Es lag auf der Hand, dass Jesse, sobald das Wetter es zuließ, zurückkehren würde zum Zoo und ebenso, sollte klar sein, dass Valravn seinen Mann begleiten würde, schließlich wollte er ihn, wo er ihn nach zehn Jahren zurück hatte, nicht wieder ziehen lassen und diesem dabei helfen, seine kleine Freundin zu befreien.
Außerdem hieß es ja auch, dass zunächst nur noch zu zweit Ausflüge unternommen wurden, sei es zur Jagd oder dem Plündern, nun ja und niemand, wirklich niemand, konnte von Valravn verlangen, seinen Mann allein gehen zu lassen. Zudem sah er dies als Gelegenheit, wenn er sich recht entsann, hatte der Zoo, damals als auch heute, einen florierenden Markt, weswegen der Schwede gern seine Vorräte aufstocken wollte, sowohl privater Natur, als auch in beruflicher Hinsicht, wenn man so will. Außerdem war er ein wenig neugierig geworden und hatte seine ganz eigene, private, Mission im Zoo zu bewältigen. Nämlich den Mann finden, der es gewagt hat, sein Eigentum nicht nur zu lange anzusehen, sondern eine Situation schamlos, zu seiner Vergnügung, ausgenutzt hatte. Valravn würde sich nicht davon abbringen lassen, diesen Mann zu jagen, zu verspeisen und erst dann zu töten, denn die Reihenfolge ließ sich beliebig variieren.
Bevor er seinen Plan jedoch umsetzen konnte, mussten sie erst einmal die Reise antreten, ihn kleideten seine Sachen aus Leder, Fellen, wie bei seiner Ankunft damals, nicht zuletzt das Bärenfell, das er sich überwarf wie einen Poncho, darüber ersichtlich, das Lederband mit den Bärenklauen, nebst dem Pelz, eine weitere Trophäe, die verdeutlichte, dass der Schwede dem Tod, schon so oft von der Schippe gesprungen war, dass er sich mit den Krallen schmückte, die auf seinem Rücken die unzähligen, groben Narben hinterlassen hatten.
Anders als sein Mann, mutete Valravn in dieser Kluft wahrlich an wie ein Barbar, ein wilder Wikinger, dessen grimmiger Blick, das Blut in den Adern seiner Feinde gefrieren ließ, in den letzten Wochen, in denen sie eingeschneit waren, hatte der Schwede sich auch nicht weiter groß um seinen Bartwuchs gekümmert. Sein silbriges Haupthaar, dessen Pony eine schneeweiße Strähne schmückte, war inzwischen so lang geworden, dass es ihm bis zu den Schultern beinahe reichte und er sich, aufgrund der Langeweile, sogar ein paar kleine Zöpfchen hatte hineinflechten lassen von Jesse. Bereits gestern hatte er sich zudem von Skadi verabschiedet, Valravn war kein Freund von Abschieden, dennoch nahm er sich die Zeit, hatte auch etwas zu Essen in die Haupthütte gebracht, damit auch Ivar, die vorlaute Sushirolle, sowie Anouk, die Kräuterfrau, davon profitieren konnten.
Ja, er hatte für Matanus sogar Honigkuchen gebacken, für Bären geeigneten Kuchen versteht sich. Jedoch hatte er nicht vor, die Abreise unnötig in die Länge zu ziehen, weswegen er, als auch Jesse, beizeiten bereit für den Aufbruch waren. Alles, was er brauchte, hatte er dabei, er war es gewohnt, mit leichtem Gepäck zu reisen, wichtig waren vor allem seine Waffen, Proviant und seine Tasche bei sich zu haben, in der sich nicht nur sein chirurgisches Besteck befand. Sein Schwert trug er auf dem Rücken, die Streitaxt machte er, am Gürtel fest, die Lichter in der Hütte waren gelöscht, alles darin war ordentlich hinterlassen worden, die Zeichnung seines Pferdes, das kleine Geschenk, was er einst erhalten hatte im Herbst dieses Jahres, nahm er mit. Sachte strich er Sleipnir noch mal den Hals, ehe er sich rauf in den Sattel schwang, die Zügel ergriff und den Hengst in Richtung Pfad lenkte, wo ihm Jesse bereits, hoch zu Ross, entgegen kam. Er trug, anders als Jesse auch keine Kopfbedeckung, keine Handschuhe, sondern an den Händen Stoffbandagen, sowie Lederriemen, sollte es nötig sein, er sein Schwert ziehen müssen, brauchte er den richtigen Grip, welchen er bei Handschuhen nicht hatte oder anders gesagt, er kam die Winter davor auch ohne wunderbar zurecht.
Anders als Jesse, lebte Valravn schließlich ununterbrochen da draußen, seine ganze Kluft war angepasst an dieses Leben, Leder, Felle, ein altes Leinenhemd unten drunter, er trug mehrere Schichten und hatte sich über die Jahre das Nötigste selbst zusammen geflickt.
So finster er auch drein schauen mochte, gar mehr als er es so schon tat, seit er im Dorf lebte, Valravn war froh, endlich mal wieder raus zu können, er saß einfach nicht gern untätig herum, ebenso wie er, hatte auch Sleipnir den Drang wieder hinaus zu wollen, in die Wildnis, die Freiheit und Einsamkeit des Waldes. Kein Wunder, dass er seinen Hengst zügeln, zurückhalten musste, als sie durchs Dorf ritten, zum großen Tor, er ließ seinem Rappen erst mehr Spielraum als dieses weit genug offen stand, sodass er vom beschleunigten Schritt, übergehen konnte in den Trab und letztendlich den leichten Galopp. Er erlaubte Sleipnir, für ein paar Minuten, etwas angestaute, überschüssige Energie loszuwerden, ehe er ihn wieder zurücknahm, dazu anhielt langsamer zu werden bis Jesse aufgeschlossen hatte, um mit ihm zusammen die Reise anzutreten.
So gern Sleipnir auch wollte, es galt die Kräfte der Tiere richtig einzuteilen, außerdem barg die hohe Schneedecke vielerlei Gefahren, vor allem auf dem Weg hinab ins Tal, was sie ganze drei Tage kosten sollte. Unterhielten sie sich am Ersten noch recht angeregt, hüllten sie sich nach der ersten Nacht, mehr und mehr, in Schweigen, obschon dies eher an Jesse lag, der absolut kein Auge zubekam, wenn sie zelteten und er es offenbar nicht mehr gewohnt war, in der Wildnis Mutter Natur, als auch den Untoten, ausgesetzt zu sein.
Sein Mann tat sich damit weniger schwer, störte sich an der Stille aber auch nicht, er hatte ein ganzes Jahrzehnt lang, mitunter monatelang keinen Mucks mehr von sich gegeben, seine Stimme hatte wie ein Reibeisen geklungen, als er in Balar angekommen war, sowie dazu genötigt mit jemandem zu reden. Jesse war an sich auch nicht aus Zucker, dennoch relativ dünnhäutig, gereizt am dritten Tag im Sattel, Valravn ließ ihn so weit auch in Frieden, er hatte keine Lust auf einen Streit, der nur darauf begründete, das Jesse keinerlei Schlaf gefunden hatte und schon bei dem kleinsten Anlass vermutlich an die Decke gehen würde.
Als sie den Zoo erreichten, ritt Valravn den Wallach, während Sleipnir die Packlast zu tragen hatte, welche dennoch leichter anmutete als der Schwede und daher eine Schonung seines Rappen bedeutete, obschon es ungewohnt war, nach all der Zeit, ein anderes Pferd unter sich zu haben. Der Wallach hatte durchaus noch ein anspruchsvolles Gemüt, für den Schweden aber keine Herausforderung im Handhaben des Tieres, er ritt schließlich nicht erst seit Sleipnir ihm geschenkt wurde.
Er ritt nur anders als sein Mann, hoch zu Ross war Jesse der Anmutige, der Schwede hingegen der stolze Krieger, der da weniger Wert auf Eleganz legte aber sich an dem Anblick erfreuen konnte, welcher sein Mann sonst darbot.
Doch als sie den Zoo erreichten, war Jesse wohl froh, als er endlich aus dem Sattel kam, während Valravn noch hoch zu Ross verweilte, sowie mit eisiger Miene, den Blick über den Bereich schweifen ließ, bis rauf zu den Wachen. Als er damals hier war, sein Pferd beschlagen und ein neues Schwert schmieden ließ, glich der Ort noch nicht einer solchen ...Festung.
Er nahm einen tiefen Atemzug, reckte das Kinn ein wenig, schloss das Auge und gab ein heiseres Knurren von sich, das langsam, ein wenig lauter werdend, seine Kehle hinauf kroch.
Viele Dinge konnte er riechen, viel zu viele, weshalb es seiner hochsensiblen Nase äußerst missfiel, in diesen Pott aus Gerüchen geworfen zu werden aber das musste noch nichts heißen, diese Reizüberflutung bedurfte einfach etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen bis er spezielle Düfte, Noten, wieder herausfiltern konnte.
Schließlich schwang er sich aus dem Sattel, nachdem er beobachtet hatte, wie die Wache und sein Mann sich begrüßten, kurz umarmten, wobei der durchdringende Blick des Schweden allen voran auf dem Gegenüber seines Mannes lag, unnachgiebig, undefinierbar, eisern. Wie immer.
Er war sogar kurz geneigt Jesse zu ermahnen, dass er doch bitte, vor diesem Schaf, seinen Doktortitel erwähnen sollte aber fürs Erste wollte der Schwede sich zurücknehmen, erst einmal die Lage sondieren, sich einen Überblick verschaffen. So folgte er, zunächst schweigend, seinem Mann, nebenbei konnte er einen Blick auf das Hotel erhaschen, die Bar, den Markt, der ihm sogar noch halbwegs vertraut war, aber nach wie vor, sah er davon ab, Jesse zu sagen, dass er diese Kolonie kannte, wusste wie sie vor Scorpion gewesen ist.
Da er es in Balar gewohnt war, als er eingetroffen, aufgenommen wurde, kam Valravn damit zurecht, sein Schwert, die Axt und das Jagdmesser abgeben zu müssen, damit diese unter Verschluss genommen werden konnten, allerdings würde er nicht seinen Skalpell ablegen, welchen er, als Lebensversicherung, schon vor dem Ausbruch, beinahe immer im Ärmel versteckt, mit sich führte.
Das wusste Jesse vermutlich auch, nur sollte er sich die Blicke oder eine Anmerkung sparen, Valravn gab sein chirurgisches Besteck nicht ab, zumal er gerade nicht erwog, jemanden zu töten, obschon er impulsiv sein konnte, so hatte der lange Ritt auch ihn geschlaucht, etwas Ruhe war ihm lieber, vor allem aber musste er erst mal das Revier sondieren. Sich einen Überblick verschaffen, die Regeln einprägen, dann erst, wenn er vertraut mit der Umgebung war, der hiesigen Mentalität, würde er sich auf die Jagd begeben. Außerdem wussten sie Beide, dass Valravn keine Waffen benötigte, um jemandes Leben zu beenden, doch sein Mann konnte beruhigt sein, der Schwede war im Augenblick nicht auf der Jagd, er war einerseits müde, doch zugleich auch ein wenig neugierig, weshalb er sich auch recht wortkarg gab und Jesse nur zunickte, sowie ihm folgte zum Stall.
Allein das Absatteln der Pferde, das Schrubben, Untersuchen und in die Box führen, nahm ausreichend Zeit in Anspruch, wobei es Sleipnir natürlich nicht all zu sehr gefiel eingesperrt zu werden, wäre es nicht Winter, sowie zu viele Untote unterwegs, würde er ihn einfach frei laufen lassen. Doch das Risiko war zu hoch, dass Sleipnir sich verletzte oder in eine Lage geriet, die ihn das Leben kostete. Obwohl Jesse eher der Pferde- als auch Hundenarr war, liebte der Schwede diesen Rappen, er war das letzte Jahr lang, die einzige Gesellschaft gewesen, die er hatte.
Als er ihn erhalten hatte, überlegte er sogar das Tier nach seinem Mann zu benennen, doch die Gefahr, dass Pferd zu verlieren, war zu hoch und einen weiteren Verlust, dieser Art, könnte er nicht ertragen. Zudem war er Skandinavier, ein solch stattliches Ross, hatte den Namen Sleipnir mehr als verdient und es ist ihm ein treuer Gefährte bislang gewesen. Da nahm er sich natürlich auch die Zeit, putzte ihn richtig ab, kratzte die Hufen aus, streichelte seinen Hengst damit dieser sich, ob der neuen Umgebung, etwas beruhigte, ehe er Jesse bei dem Wallach und seiner Stute half. Alle drei Tiere hatten die Reise aber gut überstanden, konnten sich nun ausruhen, während Valravn und Jesse, die übrige Last aufgeteilt, durch den halben Zoo tragen mussten, wobei der Schwede sich natürlich im Rahmen dessen einen Überblick verschaffte. Grob nur im Augenblick, doch vorerst ausreichend um sich zu orientieren.
Er folgte seinem Mann querfeldein, bis hin zu dessen Wohnung offenbar, nun war er wirklich gespannt, wie es dort aussehen würde und vor allem, ob die Vorzüge überwogen, im Vergleich zur, doch recht geräumigen, Hütte mitsamt Kamin, in Balar. Auf Eines stellte Valravn sich jedoch jetzt bereits ein, nämlich Jesses Chaos, was er immer schon, nebst perfider Ordnung, in seinem Zuhause aufzeigte. Dieser Mann war solch ein Widerspruch in sich, weshalb er noch einmal tief Luft holte, Haltung annahm, trotz des Ballastes, den er zu schultern hatte und er seinem Mann in die Wohnung folgte.
Es offenbarte sich ein recht schlichter Flur, es war recht kalt in Jesses vier Wänden, dennoch minimal wärmer, zu den Temperaturen, die Draußen herrschten, aber kein Wunder, er war nicht hier gewesen also gab es keinerlei Anlass Ressourcen zu verschwenden, nur um eine leere Wohnung zu beheizen.
Ausnahmsweise tat er es Jesse gleich, er lud die Satteltaschen und das restliche Gepäck im Flur ab, zog auch die Stiefel aus, die er, trotz allem, sorgsam auf der Schuhablage abstellte, während Jesse schon mal vorging, in seine heimischen vier Wände, anders Valravn, der zunächst im Flur stehen blieb. Ja, er brauchte einen Moment um all das auf sich wirken, zu lassen, allen voran, da er es nun war, der rein äußerlich, so gänzlich fehl am Platz erschien. Der wilde Krieger, Wikinger aus den Bergen, stand in einer Wohnung, wie er sie zuletzt vor zehn Jahren betreten hatte, zwar nicht Jesses Heim, doch es war Zivilisation.
Der Schwede hörte seinem Mann dennoch zu, verweilte aber einfach ein Weilchen, im Flur stehend, wie bestellt und nicht abgeholt, ohne einen Mucks von sich zu geben. Es war ...ungewohnt.
Keine knarzenden Dielen, kein Geruch von Tieren, der durch das offene Fenster drang, kein Lärm vom regen Treiben im Dorf. Er hörte nur Jesse, der im Wohnzimmer hantierte, ein Feuer entzündete, weshalb er zu ihm aufschließen wollte, jedoch nur zwei Schritte weit kam bis sein Blick an etwas hängen blieb, was er ewig nicht mehr gesehen hatte. So absurd es klang .... einen intakten Spiegel, der gegenüber der spärlichen Garderobe hing, mit den zwei Jacken von Jesse.
Es waren aber nicht die Jacken, welche seine Aufmerksamkeit erlangten, sondern sein eigenes Spiegelbild, dass er im ersten Moment nicht mal mehr erkannte oder gar erkennen wollte.
Valravn sah .... alt aus, nicht weniger attraktiv als früher, doch viel stärker gezeichnet, von den Kämpfen, von dem Wetter, dem Leben unter freien Himmel und das eine ganze Dekade lang. Er sah aus wie ein Wilder, nicht mal ansatzweise mehr wie der Mann, der früher penibel darauf achtete, dass jede Haarsträhne, perfekt, an ihrem Platz lag. An dessen Körper nur feinste Stoffe kamen, der sich stets rasierte, stundenlang mitunter im Bad zubrachte oder in seinem Ankleidezimmer, wenn er noch überlegte, welchen Dreiteiler er denn heute tragen wollte.
Sein ergrautes Haar, die weiße Strähne seines Ponys, es war so lang geworden, hing wirr in seinem Gesicht, verdeckte die Augenklappe, die er auf der linken Seite trug, statt glatt rasiert zu sein, zart wie ein Babypopo, prangte in seinem Gesicht ein voller Bart, der zwar noch dunkel anmutete aber bereits zu großen Teilen anfing zu ergrauen. Da stand ein völlig Fremder, dessen Spiegelbild Valravn anstarrte, sogar die Hand hob, um sicher gehen zu können, dass es keine Täuschung war, und sich an der Wange berührte, das wirre Haar aus dem Gesicht schob, mit den dreckigen Fingerspitzen über das Leder der Augenklappe fuhr. Das Spiegelbild tat Selbiges also ja, dass da war er. Ein wilder Krieger und kein eitler Snob, wie noch vor zehn Jahren.
Hörbar atmete er aus, er kannte diese Person nicht und er war nicht sicher, ob er sie mochte, jemals mögen könnte, denn der Anblick machte ihn ...wütend.
Schließlich wandte er sich ab, warf einen Blick in das Bad, ebenso das Schlafzimmer, wo sein Fokus zuerst auf die Geige fiel und sein Herz einen Sprung machte, endlich ein Zeichen von Kultur! Oh, Jesse musste einfach für ihn spielen, es war zu lange her und er sehnte sich nach den freudigen Klängen des Czardas, der seit jeher, eine ganz besondere Bedeutung für das seltsame Paar hatte. Es war das Stück, was er zuerst zu hören bekam von Jesse, durch die geschlossene Tür, nichts ahnend, dass auf der anderen Seite der Schwede stand, ihm lauschte und ihr beider Leben von da an, unwiderruflich, miteinander verkettet sein würde.
Natürlich herrschte hier Chaos, nicht zu fassen, dass Jesse, vor seiner Abreise nach Balar, nicht einmal aufgeräumt hatte aber es war so typisch für seinen Mann!
Den er letztendlich auf einem alten Sofa vorfand, schlafend, während im Ofen das Feuer brannte, das Holz knackte und sein Werk vollbrachte. Valravn nahm sein Bärenfell ab, trat an das Sofa heran und deckte seinen Liebsten mit dem wärmenden Fell zu, er hoffte, dass er tief genug schlief, zu k.o. war um zu wandern im Schlaf.
Schließlich sah der Schwede sich um, er war erschöpft, doch nicht Willens zu schlafen, wie könnte er denn, ob dieses vorherrschenden Chaos? Er entledigte sich seiner Fellkleidung, den Schichten aus Leder, bis er nur noch im, zu großen, Leinenhemd und einer wild geflickten, locker auf der Hüfte sitzenden, Lederhose, anfing, so leise wie möglich, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Jesse hatte eh davon gesprochen, dass es eine Weile dauern würde bis der Boiler erhitzt war, also räumte Valravn auf, ordnete all den Papierkram, entpackte die Satteltaschen, verstaute die wenige Habe, die sie eigentlich dabei hatten und wischte auch noch Staub, nachdem er fündig geworden war, bezüglich eines Lappens.
Der Schwede hetzte auch nicht, da er Jesse zudem nicht wecken wollte, sah er davon ab, die Möbel zu verrücken oder unnötig Lärm zu machen, dafür fand er sich aber, vielleicht zwei oder auch drei Stunden später, im Bad ein. Er entledigte sich seiner Kleidung, die er nicht mal mehr zusammen legte, sondern auf einem kleinen Haufen, in der Ecke, sammelte und noch einmal einen Blick in den Spiegel warf, der sich über dem Waschbecken befand. Valravn hatte sich bereits Alles mit ins Bad genommen, die Tür geschlossen, jedoch nicht verriegelt, was er brauchte und griff nach den schmalen Lederbändern, die seine Zöpfchen beisammen hielten, eines nach dem Anderen löste er, fuhr mit den Fingern durchs Haar, drehte schließlich den Wasserhahn auf und ließ dieses, zunächst nur kalt, über seine Finger rinnen, einige Sekunden lang, sah Valravn dem Wasser nur dabei zu wie es über seine Finger lief und sich im Abfluss verlor. Im Anschluss drehte er den Hahn weiter auf, senkte den Kopf und durchnässte mit den Händen sein Haar ausreichend, danach drehte er den Hahn wieder ab, richtete sich auf, griff zum Kamm und focht den Kampf gegen die wilde Mähne aus, die sich im Laufe der letzten Wochen, Monate gebildet hatte auf seinem Kopf.
Valravn legte zumindest vorher ein Tuch ins Waschbecken, ehe er damit anfing sich das Haar zu schneiden, zu kürzen, nicht so sehr wie früher, dafür war er vielleicht schon zu alt, er beließ es ein wenig länger, abgestuft, nahm sich aber eine ganze Stunde lang Zeit, bis das Unkraut auf seinem Kopf, nach endlos langer Zeit, wieder Form sowie einen Feinschliff hatte. Danach nahm er den Bart in Angriff, eigentlich gedachte er ihn ganz abzurasieren, doch Jesse schien es gar zu gefallen, wenn er ein wenig Bart trug, daher stutzte und trimmte Valravn ihm letztendlich, sodass er wieder aussah wie ein Mensch, mehr aber noch, sich wieder ein wenig mehr wie er selbst fühlte.
Anschließend wandte er sich der Dusche zu, trat darunter und drehte das Wasser auf, im ersten Moment war es kalt, er zuckte kaum merklich zusammen, hob die Hände und fuhr sich übers Gesicht, langsam wurde es wärmer, lauwarm, dann intensiver, bis Valravn es gänzlich heiß aufdrehte und sich mit den Händen an den Fliesen abstützte, während das heiße Wasser, einerseits schmerzhaft brennend aber zugleich wohltuend, über seinen Kopf lief, den Rücken hinab, was unangenehm war, aufgrund der vielen Narben aber es war so nötig.
Einige Minuten verharrte er einfach nur unter dem Duschkopf, ließ zu, dass der gröbste Dreck hinab gespült wurde, ehe er zur Seife griff, die er aus Balar mitgenommen hatte, weil sie dezent roch und seine sensible Nase nicht traktierte, das Wasser stellte er natürlich ab, als er damit begann sich gründlich einzuseifen, ausgiebig zu waschen, förmlich zu schrubben. Nicht nur das Haar, das Gesicht, den Oberkörper, einfach jeden Zentimeter an seinem Körper unterzog er einer gründlichen Reinigung, fast wie ein Besessener, der versuchte, die letzten zehn Jahre Wildnis von seinem Körper zu schrubben. Das heiße Wasser danach wieder aufgedreht, duschte er sich ausgiebig ab, spülte all den Dreck runter, er fühlte sich deutlich besser als die Seife von seinem Körper wich, sich im Abfluss verlief und die Hitze, der Wasserdampf, den ganzen Raum zu einem wohligen Ort machte. Nach zehn Jahren eine heiße Dusche nehmen zu können, war für jemanden wie Valravn, mehr als nur eine Wohltat.
Dennoch wollte er nicht zu viel verschwenden, drehte das Wasser ab, trat aus der Dusche und nahm sich ein Handtuch zur Hand, womit er sich zunächst, erleichtert aufatmend, das Gesicht trocknete.
Schließlich öffnete er die Badtür, trat nackt, nass hinaus in den Flur und atmete erst einmal tief durch, ließ die Schultern sinken, bevor er sich in Bewegung setzte. Sein nasses Haar hatte er zurückgeschoben, die Wassertropfen liefen seinen Körper hinab, der Temperaturunterschied, zwischen Badezimmer und Flur, war zwar spürbar aber nicht so gravierend wie in der Hütte, oben in den Bergen. Auf dem Weg ins Wohnzimmer trocknete er sich langsam, in aller Ruhe die Arme ab, tupfte sich das gröbste Wasser vom Brustkorb und warf einen Blick in Richtung Sofa, um zu schauen, ob sein Mann noch schlief.



@Jesse Redford


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#4

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 11.02.2020 23:16
von Jesse Redford (gelöscht)
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Die Erschöpfung, bleierne Müdigkeit war in seine Glieder gekrochen, kaum hatten sie die Wohnung betreten. Es war kühl hier drin aber nicht unangenehm. Aber trotz seiner einmonatigen Abwesenheit roch es immer noch recht vertraut. Ausserdem war das Chaos genau so wie er es zurückgelassen hatte. Offenbar hatte niemand etwas hier drin verändert, was er auf den ersten Blick sehen konnte. Er mochte es, nach Hause zu kommen und alles war noch so, wie er es zurückgelassen hatte. Sein Gedächtnis war ihm dabei eine grosse Hilfe, jede noch so kleine Veränderung hätte er sofort bemerkt.
Doch kaum fiel sein Blick aufs Sofa, schrie alles in ihm danach sich einfach rasch hinzulegen, die Augen auszuruhen. Er liess sich auf das weiche Leder nieder, kaum hatte er sich noch dazu durchgerungen zumindest den Ofen einzufeuern. Das Sofa gab unter ihm nach, er zog die Beine etwas an und ausnahmsweise dauerte es anschliessend keine drei Minuten und er war weggedämmert. Die vertraute Umgebung half dabei, genauso wie das Gefühl auf der Couch zu liegen. Das Bett wäre zwar noch besser gewesen, doch tatsächlich schlief Jesse oft auf dem Sofa ein, wenn er völlig übermüdet war. So wie jetzt.
Dass Val ihm das Fell umlegte kriegte er schon gar nicht mehr mit, da war er längst ins Land der Träume abgeschweift. Früher, vor der Apokalypse hatte Jesse oft gezeltet und nächtelang in der Natur übernachtet, obschon es im Wald Bären, Wölfe und selten auch Pumas gab. Das hatte ihn nie geängstigt. Er hatte es sogar geliebt im Sommer direkt unter dem Sternenzelt zu schlafen, manchmal auch auf dem Deck seines Bootes. Zusammen mit seinen Hunden, welche ihn geweckt hätten, hätte sich ein Raubtier genähert. Diese Nächte waren oftmals diejenigen gewesen in denen er sich am nächsten Morgen am Erholtesten gefühlt hatte. Die Tage in der unberührten Natur Alaskas waren für ihn ein Balsam für die Seele gewesen. Erst wenn er sich wieder um seine Alltagsprobleme hatte kümmern müssen, waren die Schlafprobleme oft schlagartig wieder schlimmer.
Die Apokalypse machte das alles nicht besser, im Gegenteil. Auf einmal war das ganze Leben ein einziges Alltagsproblem. Jesse war kein Mensch, der für solche Umstände geschaffen war. Die ständige Gefahr liess ihn ein wenig irre werden. Er war schon vorher psychisch eher fragil gewesen, hatte Mühe gehabt immer alles zu verarbeiten, was er in seinem Leben erlebt hatte. Das Schlafwandeln hatte sich nie verbessert und obendrein hatten sich weitere Beschwerden eingestellt, welche Jesse zu Beginn gar nicht wirklich aufgefallen waren. Erst als er wieder unter Menschen gekommen war und er hin und wieder Dinge sah, welche anderen verborgen blieben, stellte er fest, dass er offenbar bei zu heftiger Übermüdung nun auch zu halluzinieren begann. Das hatte er Val bislang nicht erzählt. In Balar war es auch kaum wirklich passiert - und wenn doch, wusste er es nicht. Er sah die Dinge, war überzeugt, dass das real war, was er sah. Bis es auf einmal verschwunden war.
Draussen in der Natur, gerade wenn er nicht wirklich schlafen konnte, passierte es ihm gehäufter. Deshalb waren die letzten zwei Nächte für ihn ein kleiner Höllentrip gewesen. Nicht nur hatte er nicht wirklich schlafen können, wegen der ganzen Geräuschen, der Kälte und der ständig drohenden Gefahr. Er hatte auch andauernd Dinge gehört von denen er nicht wusste, ob sie nun real waren oder nicht, doch um sich vor Val nicht die Blösse zu geben, hatte er ihn nie gefragt. Denn wären die Geräusche und die Schatten, die er sah nicht real, hätte er wieder eine Menge Fragen seitens seines Mannes beantworten müssen. Er hasste es schon, behandelt zu werden wie ein irrer Patient, weil er in der Nacht umherwandelte, von Schlaftabletten abhängig war und ohnehin eher psychisch labil war. Wenn Val nun auch noch erfahren würde, dass er manchmal Dinge sah, die nicht existierten... Darauf konnte er verzichten.
Doch nun war er in seinen vier Wänden, in seiner Wohnung die ihm Sicherheit und Schutz bot. Jesse schlief erst einmal, kriegte nicht mit, dass Val nebenher aufräumte. Sein Körper brauchte jetzt einfach die Ruhe, selbst wenn es nur für ein paar wenige Stunden war. Er schlief ohnehin immer viel zu wenig, doch jede Stunde zählte.
Erst als Jesse das Wasser rauschen hörte, was relativ laut war, wurde er allmählich wieder wach. Er nahm den muffigen Geruch des Bärenfells wahr, das um seine Schulter gelegt war und ihn warm hielt. Er ergriff es mit der Hand und zog es ein wenig höher, während er gleichzeitig versuchte das Geräusch rauschenden Wassers auszublenden. Val war wohl unter der Dusche. Bestimmt erfreute er sich daran, einfach wieder den Hahn aufdrehen zu können und sich waschen zu können, ohne das Wasser erst mühselig erhitzen zu müssen...Es war ein Luxus, der in Balar einfach nicht mehr existierte.
Nach einer Weile stoppte das Wasserrauschen abrupt. Jesse seufzte müde, er hörte die Tür und dann leise Schritte in seine Richtung kommen. Als die Schritte stoppten, schlug er die Augen auf und drehte den Kopf in Richtung des Flurs. Kurz strich er sich mit der Hand über das Gesicht und setzte sich halb auf, wobei er das Bärenfell zurückschob, dann drehte er sich auf den Rücken. Sein Blick fiel dabei auf Val, der komplett nackt im Flur stand, lediglich ein Tuch in den Händen. Er war noch fast komplett nass, offenbar hatte er es nicht für nötig gehalten sich im Bad abzutrocknen.
"Hej...", sagte er leise und lächelte ihn an. Er fühlte sich immer noch müde aber immerhin nicht mehr ganz so vernichtet, wie als sie hergekommen waren. Dafür tat ihm gefühlt alles weh. Er hoffte, dass eine heisse Dusche das richten würde.
"Du siehst gut aus...", stellte er fest. Val hatte sich auch verändert... Er hatte seinen Bart gestutzt, die Haare etwas runtergeschnitten. Fast ein wenig schade um die süssen kleinen Zöpfchen, die er ihm spasseshalber eingeflochten und die Val danach einfach behalten hatte. Doch dafür glich er nun wieder deutlich mehr dem Mann, den er einst kennengelernt hatte. Es fehlte nur noch der Anzug oder Dreiteiler und er wäre perfekt.
Gerade wollte er das Fell zurückschlagen und sich erheben, um sich ebenfalls zu duschen, damit er sich im besten Fall wieder wie ein richtiger Mensch fühlte, als er hinter Val einen Schatten sah, der sich bewegte. Dazu ein altbekanntes, keuchendes, knurrendes Geräusch. Jesse erstarrte, sein Blick wanderte da hin, hinter Val, wo der Flur im Halbdunkeln lag. Er war sich ganz sicher, dass sich dort etwas bewegte, die gierigen, fauligen Finger nach seinem Mann ausstreckte. Für einen Augenblick sah er die verfaulte Fratze, die näher kam, hörte die schlurfenden Schritte. Jesse riss die Augen auf.
"Vorsicht!", rief er aus, noch bevor er realisierte, dass Val den Untoten eigentlich längst hätte bemerken müssen. Da erst hielt er inne und fuhr sich mit der Hand erneut übers Gesicht, bevor er sich erhob und einfach so tat, als wäre nichts gewesen. Tatsächlich, als er in den Flur linste war da niemand. Dafür stand Val in seiner ganzen Pracht vor ihm. Jesse lächelte ihn an. "Wie war die Dusche?", fragte er gähnend und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Sein Blick huschte immer wieder kurz in den Flur, weil er sichergehen wollte, dass wirklich kein Untoter in seine Wohnung geschlichen war.
"Ich werde wohl auch erst einmal duschen... Und du zieh dir was an, bevor du dich erkältest..." Er blickte Val an und dann an ihm hinab. So frisch geduscht, ohne Dreck und lange Haare sah sein Mann schon verdammt gut aus!

@Valravn Vargström


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#5

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 13.02.2020 15:06
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Valravn konnte nicht leugnen, dass es sich wunderbar anfühlte, einfach den Wasserhahn aufzudrehen, sich in die Dusche zu stellen und sich, mit heißem, Wasser berieseln zu lassen. Obschon er früher gerne ein ausgiebiges Schaumbad nahm, vor allem mit Jesse, ganz romantisch, mit Kerzen im Badezimmer verteilt, klassischer Musik im Hintergrund, vielleicht auch etwas Jazz zur Abwechslung, sowie einem guten Glas Wein, liebte er es ebenso, mindestens eine halbe Stunde lang in der Dusche zu stehen. Vorzugsweise heiß, schließlich ging er, damals, auch sehr gerne in die Sauna und er vermisste diese Annehmlichkeiten. Vor allem, wenn man bedachte, dass Valravn sich, sein Leben lang, den Arsch aufgerissen hatte, hart arbeitete, lernte, um sich seinen Wohlstand zu verdienen. Ihm wurde, anders als Jesse, der goldene Löffel nicht in die Wiege gelegt, er hatte sich, aus eigener Kraft, ganz allein, bis nach Oben gearbeitet, in die gehobenen Kreise und bewegte sich, in den sehr gut betuchten Ebenen der Gesellschaft, knüpfte Kontakte, veranstaltete Dinnerpartys, verweilte auf Banketten, im edlen Smoking, tanzte in prunkvollen Ballsälen oder besuchte eine exklusive Kunstausstellung, die Eröffnung einer Galerie. Valravn war finanziell mehr als abgesichert, er hatte kluge Investitionen getätigt, mitunter in seine Antiquitäten, Kunstsammlungen, Kleidung, in Alaska hätte er nicht mal mehr eine Praxis eröffnen müssen, doch der Workaholic gedachte nicht, damals in seinen frühen Vierzigern, schon in den Ruhestand zu gehen.
Er hatte alles, Immobilien, einen teuren Bentley, eine Triumph, sogar ein eigenes Kleinflugzeug, er hatte es sich verdient, sein Heim seinen, enorm hohen, Ansprüchen gemäß einzurichten, nur feinste Stoffe, gefertigt nach Maß, zu tragen und wenn Andere ihn einen 'Snob' schimpften, tangierte es ihn nicht. Warum hätte er sich für seinen Wohlstand, seinen Reichtum schlecht fühlen sollen? Er hatte Blut und Schweiß investiert, um so weit zu kommen, doch dann kam der Ausbruch.
Alles, wofür er in den, über vierzig, Jahren gearbeitet, gekämpft hatte, war plötzlich null und nichtig. Es war furchtbar, wie immer passte der Schwede sich an, doch trotz allem, war er, tief in seinem Inneren, immer noch der eitle Mann, dessen Ansprüchen niemand, jemals wirklich, gerecht werden konnte und der sich über Alles, jeden, erhob.
Zu dem Leben in freier Wildbahn war Balar eine Verbesserung, eine Steigerung der Lebensumstände, der Schwede lebte sich gut ein, obschon er manchmal frustriert war, nicht nur, da er sich langweilte, sich unterfordert fühlte, geistig als auch körperlich, an manchen Tagen, aber es war an sich ganz schön dort. Auch wenn er, ganz ehrlich, lieber außerhalb der Dorfmauern eine Hütte bezogen hätte, wie Azra, der auch lieber etwas Abseits für sich lebte. Valravn war immer schon jemand, der sich wunderbar in die Gesellschaft einzufügen wusste, der mit seinem Charme, Charisma und stattlichen Erscheinung brillierte, begeisterte, doch er zog es vor, in der Abgeschiedenheit zu leben, sich zurückzuziehen. In Schweden lebte er außerhalb Stockholms mit seiner Familie, er hasste es eben, lästige Nachbarn zu haben, leicht auffindbar zu sein oder ständig durch Lärm, Gerüche, von Anderen, belästigt zu werden.
Als er unter der Dusche gestanden war, schaltete sein Verstand auch einmal ab, anders als Jesse war er dazu problemlos fähig, er benötigte auch keine Hilfsmittel dafür, zumal er als Arzt, sowie ehemaliger Krebspatient, noch mal einen ganz anderen Blickwinkel auf solche Dinge hatte. Vor allem seinen Mann betreffend. Der wenigstens etwas Schlaf fand auf dem Sofa, nicht einmal bemerkte wie Valravn, zuvor aufgeräumt hatte, wohl wissend, das Jesse vermutlich erst mal empört sein würde, aber daran musste er sich wieder gewöhnen. Valravn hasste Chaos, Unordnung, bei ihm musste alles, auf den Millimeter genau, an seinem Platz stehen, sauber sein, man könnte fast sagen, es musste klinisch sauber, steril sein und das war vor allem in der Küche der Fall, früher vor allem. Der Schwede war ein richtiger Putzteufel, der am meisten eh bei Jesse zu tun hatte, der nur leider, weniger begeistert davon war, wenn sein Mann, in dessen vier Wänden, seinen Putzwahn auslebte.
Auch Valravn war, trotz allem, nicht perfekt, er hatte ebenso seine Macken, wie jeder Andere auch, allerdings gewöhnte man es sich an, er zumindest, extrem darauf zu achten, keinerlei Spuren, Dreck, gar Fasern zu hinterlassen, wenn man, mehr als sein halbes Leben lang schon mordete und erpicht darauf war, nicht erwischt, gar eingesperrt zu werden.
Als er, wohlig seufzend, ins Wohnzimmer getreten war, feuchte Fußspuren auf dem Boden hinterlassen hatte, kam Bewegung aus Richtung Sofa auf, weswegen Valravn sogleich den Kopf, als auch Blick hob, der prompt auf seinen, verschlafen wirkenden Mann fiel, dessen Haar, chaotisch, wirr wie immer, als auch viel zu lang inzwischen, in dessen Gesicht hing und in alle erdenklichen Richtungen abstand. "Hej... Vaknade jag dig?"
Wollte er wissen, beließ die Stimme leiser, gesenkt, für den Fall, dass Jesse doch noch mal den Kopf ablegte, sowie versuchte weiter zu schlafen. Er schenkte seinem Liebsten gar ein sanftes, liebevolles Lächeln, was nicht nur davon zeugte, dass der Schwede sich wieder sichtlich wohlfühlte in seiner Haut, trotz der Narben an seinem Körper, sondern auch höchst erfreut darüber war, endlich wieder mit seinem Mann zusammen sein zu können. Das Bild, wie Jesse auf dem Sofa lag, noch ganz verschlafen, war so vertraut, so hatte er ihn früher öfter vorgefunden, nur dass er dann seinen Liebsten mit einer Decke, anstelle eines Bärenfells, wie heute, zugedeckt hatte. Bei dessen Feststellung Valravn gar nicht anders konnte, als wie ein Pfau, stolz das Kinn zu recken, mehr Haltung anzunehmen, sowie ein wenig überheblich, drein zu blicken, während sein Mundwinkel sich ein Stück anhob.
Ja, er war eitel, immer noch und extrem stolz, sowie sich seines Aussehens bewusst. Valravn hatte Schmeicheleien nicht nötig aber, wie jeder Andere auch, hörte er sie ganz gerne, vor allem, wenn sie seinem Mann über die süßen Lippen kamen. Der mit Komplimenten nie um sich warf, auch nicht werfen musste, sie Beide drückten es eher selten mit Worten aus, wie angetan sie voneinander sind, meist reichte schon ein Blick und Jesse hatte die Gewissheit, dass er, in Valravns Augen, Auge nur noch, nach wie vor das schönste, leibhaftig wahr gewordene, Meisterwerk auf zwei Beinen war, wie früher.
"Nun, ich fühle mich auch ausgesprochen gut, muss ich zugeben, .. wieder mehr ..wie ich selbst."
Gestand er, hob das Handtuch und tupfte sich das Wasser vom Hals, das aufgrund des, noch klitschnassen, Haares, immer wieder von den Haarspitzen tropfte, sich den Weg über seinen Körper bahnte, allen voran am Rücken.
Als Jesses Blick an ihm vorbeiging, augenscheinlich in Richtung Flur, dachte Valravn sich nichts dabei, warum auch? Er hörte nichts, roch nichts, was ihm Anlass gäbe seine Aufmerksamkeit von Jesse, auf etwas Anderes, zu lenken, nur sein Mann schien etwas irritiert? Er fixierte etwas, dass offenbar hinter ihm, im Flur befindlich, sein musste aber auch wenn Valravn nicht hinsah, so wusste er, dass da nichts ist. Kein Geruch von Tod, von Verwesung, der ihm in die Nase drang und man müsste schon taub sein, um das Röcheln eines Untoten nicht zu hören oder dessen schlurfende Schritte über den Boden.
Nichts aber auch gar nichts, wies auf eine drohende Gefahr hin, die hätte Valravn längst bemerkt, also wunderte er sich zurecht, über Jesses plötzlichen Ausruf, der ihn zur Vorsicht gemahnte, ihn warnen sollte. Doch warnen vor was?
Schweigend betrachtete der Schwede seinen Mann, der kurz innegehalten hatte, sich dann aber doch vom Sofa erhob, sowie etwas näher kam, vielleicht lag es an den Strapazen der Reise, daran das Jesse, erst aufgewacht war, für den Moment ließ Valravn dessen Verhalten unkommentiert, womöglich war er einfach noch etwas neben der Spur.
"Es war eine Notwendigkeit und ...wahrlich eine Wohltat, bedauerlich, dass die Ressourcen, nach wie vor begrenzt sind.... ich wäre gerne länger unter der Dusche gestanden."
Seufzte der Schwede ein wenig betrübt, Jesse wusste ja, wie viel Zeit sein Mann früher schon im Bad verbracht hatte, wenn er nur zwanzig Minuten lang unter der Dusche stand, war das für dessen Verhältnisse wirklich extrem schnell und er in Eile. Sein Blick folgte Jesses Hand, mit der er sich durch die chaotische Mähne fuhr, in den letzten beiden Wochen, hatte er Jesse verschont, doch es lag auf der Hand, dass sein Schwede dessen Mähne schon bald bändigen, sowie kürzen würde. "Ich muss dir dringend die Haare schneiden, am besten gleich, ehe du duschen gehst."
Das war kein Vorschlag seinerseits, obschon es womöglich so klingen mochte, da er nicht so ernste Töne anschlug wie sonst, doch es war eine Entscheidung, die längst getroffen war und die er auch umsetzte, ganz gleich wie sehr es Jesse widerstrebte, seine Mähne kürzen zu lassen aber die Debatte verlor er seit Jahren, daran würde sich nichts ändern. Valravn liebte seinen Wuschelkopf, keine Frage, er spielte gerne mit Jesses Locken, doch diese Unordnung, dieser Wildwuchs, machte ihn kirre, zumal Jesse dadurch noch jünger anmutete, als so schon. Mag ja für manch einen ganz reizvoll sein, Valravn leugnete auch nicht, dass er es genoss, einen jung gebliebenen Mann zu haben, doch er mochte es lieber, wenn auf seinem Kopf etwas mehr Ordnung herrschte. Wenn Jesse, zurechtgemacht, ordentlich gekämmt, gar in Schale geworfen, nicht mehr wirkte wie ein junger Hüpfer in seinen Zwanzigern, Dreißigern, sondern eben wie ein stattlicher, eleganter Mann, der er hoch zu Ross sehr wohl sein konnte. Nur auf dem Boden leider viel zu selten dieselbe Haltung annahm.
Sein Mann war so bildschön, er hatte es damals immer sehr geliebt, wenn sie ausgingen, natürlich in gehobenen Etablissements, fein zurechtgemacht und Jesse, irgendwann, von sich aus, auch zu ihm kam, mit der Krawatte in der Hand, welche der Schwede ihm, ganz stolz, gar fröhlich mitunter, band. Es war eines dieser kleinen Rituale geworden in ihrer Beziehung, in ihrem Alltag, das Valravn stets Freude bereitet hatte, wenngleich er sich sicher war, dass Jesse längst fähig war, sich selbst die Krawatte zu binden, er hatte es so oft bei seinem Mann gesehen, er kannte die Handgriffe aber es war schön, dass dieser seinem Schweden die Möglichkeit ließ, ihn zurechtzumachen.
Valravn neigte den Kopf minimal, ein Stück zur Seite, weil er schon wieder dazu angehalten wurde sich einzukleiden, ehe er sich noch eine Erkältung zu zog. Also langsam fühlte er sich beleidigt, wenngleich Jesse nicht ganz grundlose Bedenken hatte, sein Immunsystem war über die Jahre zwar stabil geworden, wieder zu Kräften gekommen, nach der Krebserkrankung aber ja, er war immer noch anfälliger als Andere womöglich. Dennoch hatte er keinerlei Eile, schon gar nicht als Jesses, herrlich blaue, Augen an seinem Körper hinab wanderten und der Schwede, ein wenig keck, den Mundwinkel anhob, sowie die linke Augenbraue.
"Schatz, es ist unhöflich so zu starren."
Ein, gespielt empörter, Unterton schwang in seiner Stimme mit, vor allem, da Valravn nicht gedachte sich mit dem Handtuch, was er in der Hand hielt, zu bedecken, sondern es durchaus genoss, wenn Jesse sich genau ansah, was für einen tollen Fang er gemacht hatte, mit seinem Schweden. "Vielleicht sollte ich mich nun doch besser anziehen?"
Nicht das Jesse noch auf .... dumme Gedanken kam.
Schließlich trat Valravn einen Schritt näher an seinen Mann heran, ließ den Blick über diesen wandern, ganz in Ruhe, ehe er sich diesem näherte, bis ihre Nasenspitzen sich berührten. "Geh duschen Schatz, danach fühlst du dich gleich besser."
Seinen Worten folgte ein sanfter Kuss auf dessen Lippen oder fast, denn kurz bevor diese aufeinander trafen, klopfte es und Valravn zog den Kopf prompt zurück, wandte sich von Jesse ab und lief, wie von Mutter Natur geschaffen, nackt zur Wohnungstür, band sich dabei jedoch das Handtuch um die Hüfte bevor er einen Blick durch den kleinen Spion warf.
Richtig, Jesse hatte etwas von Lieferung gesagt, bezüglich der Lebensmittel, wie überaus praktisch, das hieß sie mussten nun nicht extra noch mal hinaus in die Kälte. Was für ein Service!
Valravn öffnete die Tür schließlich und blickte, stolz erhobenen Hauptes, mit eisigem, durchdringenden Blick, unnachgiebig auf die Person vor ihm, offenbar kein Arbeiter, sondern einer der Wächter? Nun, nicht weiter von Belang für den Schweden, der nicht mal mit der Wimper zuckte, während sein Gegenüber, ein deutlich jüngerer Mann, als er selbst es ist, ein wenig überrascht schien, weil nicht, wie wohl erwartet und gewohnt, Jesse die Tür öffnete, sondern ein Fremder. Ein halbnackter Fremder, der noch nass war und offenbar aus der Dusche gekommen war.
"Ja, bitte?"
Verlangte er zu erfahren, obschon auf der Hand lag, weshalb der junge Mann hier war, er hatte schließlich eine ganze Kiste, sowie mehrere Beutel aus Leinen bei sich, die voller Lebensmittel waren. Einer sehr üppigen Auswahl an Lebensmittel, soweit Valravn, dass in dem Moment einsehen, sowie auch riechen konnte mitunter, oh sein kulinarisches Herz machte da glatt einen Sprung! "Ich ... bringe die Lebensmittel? ..Jesse?" Als er an Valravn vorbeisah, sichtlich irritiert, weil vor ihm ein Wildfremder stand, schnippte der Schwede und lenkte dessen Blick sofort zurück auf sich, bei ihm spielte die Musik, mit unnachgiebigem Blick, der sich förmlich hineinbohrte in den Jüngern, der unbewusst, leer schlucken musste. Es lag auf der Hand, dass Valravn sich nicht 'übergehen' ließ, von Niemandem und wenn er an der Tür war, hatte es keine Rolle zu spielen, was oder mehr wer sich im Hintergrund befand. Das hier war nun sein Revier und der alte Wolf machte schnell deutlich, wer in diesem an der Spitze stand. "Vielen Dank, dann nehme ich ihnen, dass doch gleich ab."
Das war kein Vorschlag, denn Valravn machte nur einen Schritt nach vorn, den der Jüngere, fast einem Reflex gleich kommend, wie bei Jesse oftmals der Fall, dieselbe Distanz zurückwich, bis er sich dazu ermahnte stehen zu bleiben, selbst wenn der Blick, dieses Raubtieres einem förmlich unter die Haut ging, mit dem er fixiert wurde, während der Schwede ihm die schwere Kiste aus den Händen nahm. "Schatz, wärst du so freundlich..." Wandte er sich an Jesse, ohne den Blick abzuwenden, von dem Jungspund, der höchstens Mitte zwanzig war, etwas größer als Jesse, dennoch ein Stück kleiner als Valravn, mit dunkelblonden, mittellangen Haaren, die aufgrund des Wetters, sowie der Eile, etwas chaotisch und wirr in alle Richtungen ab standen, seine Augen waren haselnussbraun, deutlich heller, freundlicher, im Vergleich zu dem dunklen Abgrund, der aufgrund der Lichtverhältnisse bei dem Schweden fast schwarz erschien. Der sich zumindest so zur Seite drehte, damit Jesse ihm die Kiste abnehmen konnte, bevor der Schwede sich die schweren Beutel reichen ließ, die er selbst zu tragen gedachte, sein durchbohrender Blick lag noch ein paar Sekunden länger auf dem jungen Wächter, bis dieser den Blick von sich aus abwandte, was den Schweden innerlich zufrieden stimmte. Schon mal einer, der nun wusste, wo sein Platz ist in Valravns Gegenwart. "Vielen Dank."
Sagte er höflich distanziert, trat den Schritt wieder zurück und schob mit dem Fuß die Wohnungstür zurück ins Schloss, bevor er sich rumdrehte zu Jesse, sowie die Beutel hochhielt ein Stück.
"Ich kann es kaum erwarten zu kochen, Liebling!"
Er begab sich auch gleich zur Küche, stellte die Beutel dort ab und war natürlich sofort dabei, alles, auszupacken, sowie entsprechend zu verräumen, um die Küche wieder zu seinem Reich zu machen, mit seiner ganz persönlichen Ordnung, weshalb er kurz innehielt, sowie sich zu seinem Mann drehte, einen Schritt auf ihn zuging, sowie die Hand hob um Jesse, am Kragen zu packen, ehe er ihn ruckartig zu sich zog, sowie im selben Atemzug hinab beugte um ihn innig, leidenschaftlich zu küssen. Zwar mochte der Kuss nur wenige Augenblicke andauern, war dafür aber umso intensiver, ehe sich der Schwede, langsam, leise seufzend von dessen Lippen löste, während sich auf den Seinen ein seliges Lächeln schlich.
"Jag älskar dig mer än någonting, älskling." Flüsterte er ihm entgegen, küsste seine süßen Lippen erneut und ließ wieder ab von seinem Mann, der sich lieber unter die Dusche scheren sollte.


@Jesse Redford


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#6

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 13.02.2020 20:11
von Jesse Redford (gelöscht)
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Luxus hatte für Jesse etwas sehr zwiespältiges. Im Gegensatz zu Val, der sich sein Vermögen mit Schweiss und Arbeit verdient hatte, war Jesse in ein wohlhabendes Elternhaus geboren worden. Für ihn war das Gestüt seine ganze Kindheit lang ein goldener Käfig gewesen, der Reichtum und das überhebliche Benehmen seiner Eltern unangenehm. Er hatte das nie gemocht, wie sie sich aufführten, ihn nach dem privaten Unterricht noch in die Reitstunde und dann zum Geigenunterricht schickten oder ihn in Anzüge steckte, welche ihm schon als Kind den Atem raubten. Sie hatten so viel von ihm erwartet und gefordert und das alles nur, weil er überdurchschnittlich intelligent und begabt war.
Nur das Beste war gut genug für den jungen Redford mit den unheimlich vielen Vornamen gewesen, schon als kleiner Junge hatte er gelernt am Tisch still zu sitzen und sich die langweiligen Gespräche der Erwachsenen anzuhören.
Wien war für ihn das erste Stück Freiheit gewesen, das man ihm mit 16 gewährt hatte. Auch da hatte er sich finanziell nicht im geringsten Sorgen machen müssen, seine Eltern schauten stets, dass er alles hatte, was er benötigte. Selbst als er schliesslich wechselte und sich statt der Reiterei einem Medizinstudium widmete, liessen seine Eltern das Geld stets fliessen.
Dann zersprang sein Traum irgendwann ein hoch angesehener Chirurg zu sein in tausend Scherben, als sein Vater unerwartet starb. Kurz darauf auch seine Mutter und Jesse erhielt ein riesiges Erbe sowie ein lukratives Gestüt. Er entschied sich das Gestüt zu verpachten und von dem Einkommen zu leben. Vom Erbe kaufte er sich ein Haus und lebte schliesslich nur noch vom Geld das durch das Gestüt reinkam. Arbeiten brauchte er nicht mehr, weil er seinen Lebensstandard derart senkte, dass er locker über die Runden kam. Er wählte freiwillig ein eher bescheideneres Leben und doch mangelte es ihm an keinem Luxus, wenn er ihn haben wollte. Er konnte endlich seine vollumfängliche Freiheit geniessen, sich erden und ohne Sorgen mit dem nötigsten Leben, was ein Mensch so brauchte. Zumindest bis er Val kennenlernte, der dahingehend das komplette Gegenteil war. Arm aufgewachsen, selbstständig reich geworden und diesen Reichtum gern zur Schau stellte. Selbst Val hatte eine Weile gebraucht, um zu realisieren, dass Jesse gar nicht so ärmlich und verwahrlost war, wie er auf den ersten Blick vielleicht anmuten konnte. Dass er die hohe Kunst der gehobenen Etikette ebenso beherrschte wie eine eloquente Sprache. Einiges davon hatten ihm seine Eltern zwar regelrecht eingeprügelt und kam auch so oftmals raus, ohne dass er es wirklich beabsichtigte, doch die meiste Zeit vor Val hatte er einfach keine Lust sich aufzuführen wie ein Gockel.
Mit Val änderte sich das wieder. In seiner Gegenwart, gerade wenn sie gemeinsam in gehobeneren Gefilden ausgingen, benahm sich Jesse angemessen, wenn auch in erster Linie, um seinen Partner nicht zu beleidigen. Auch Anzüge und vor allem dazugehörige Krawatten zog Jesse lediglich an, weil Val darauf pochte. Sie hatten einige sehr leidenschaftliche Diskussionen deswegen geführt, die Jesse jedes Mal verlor. Letztlich kriegte Val eben immer was er wollte und somit auch einen gepflegten Partner an seiner Seite. Im Nachhinein betrachtet hatte Val ihn sehr beeinflusst. Selbst jetzt, als Jesse aufwachte und schon ziemlich bald bemerkte, dass die Wohnung weitaus ordentlicher war als davor, merkte er es wieder. Val war jetzt in seiner Wohnung, es war jetzt dessen Revier, also würden wohl alsbald wieder die alten Regeln Einzug halten.
Als er an seinen Verlobten herantrat, lenkten diesen seine langen Haare wohl von der Halluzination ab, die Jesse gerade erlitten hatte. Er war erleichtert, dass sein Mann nicht weiter darauf einging, was er gesehen hatte. Dafür musste er sich damit auseinandersetzen, dass es Val immer noch missfiel, wie lang seine Haare mittlerweile geworden waren. Klar, er mochte es auch nicht, wenn die Haare sehr gewachsen waren, weshalb er sie die letzten Jahre entweder selbst geschnitten oder es jemand anderes hatte tun lassen. Spätestens wenn sie ihm nur noch in die Augen hingen, kürzte er sie. Vals Toleranzgrenze war da allerdings deutlich weniger hoch.
"Vattnet vaknade mig....", antwortete er ihm, als er vor ihm stand und noch einmal den Flur nach dem Untoten absuchte, der da vorhin herumgelungert war. Er hatte ihn genau gesehen! Val hingegen nicht und das war ... Er hasste dieses Gefühl. Denn da war immer noch nichts. Wenn ein Untoter da wäre, hätte er auch längst angegriffen. Also schaute er wieder Val an, der völlig ungeniert nackt vor ihm stand ohne die Absicht sich irgendwie zu bedecken. Früher hätte er das wohl ziemlich befremdlich gefunden. Jesse hatte noch nicht einmal seine Eltern je nackt gesehen und damit war es auch seltsam gewesen, als er Val das erste Mal nackt durch die Wohnung hatte stiefeln sehen. Doch Val stand es auch einfach verdammt gut. Er war ein stattlicher Mann, gutaussehend, der ruhig zeigen konnte was er hatte.
"Wir sind nunmal eine Gemeinschaft... wir müssen die Ressourcen mit den anderen teilen..." Er selbst war froh um den Luxus... Nun da er ihn nicht mehr so selbstverständlich hatte wie früher und er die Wahl gehabt hatte, ärmlicher zu leben als er sich hätte leisten können, war er froh um alles was er kriegen konnte an gehobenem Standard. Deshalb mochte er Balar nicht wirklich. Die Leute machten sich da das Leben schwerer als nötig, weil sie sich damit abgefunden hatten, wie die alten Wikinger zu leben. Hier hingegen bemühte man sich zumindest sowas wie Zivilisation zurückkehren zu lassen, auch wenn es eine Zweiklassengesellschaft war. Aber das war ja früher auch nicht anders gewesen. Jeder der nicht reich gewesen war, hatte sich letztlich für den Staat den Arsch abgeschuftet....
Jesse war sich ziemlich sicher, dass Val sich relativ schnell an die hiesigen luxuriösen Umstände gewöhnen würde. Vielleicht würde er den Zoo gar nicht mehr verlassen wollen. Verdenken würde es ihm auf keinen Fall. Allerdings gehörte Val nach Balar, während er selbst nur ein Spion war. Er gehörte hierher... zu Scorpion und den andern. Das war sein neues Zuhause...
Kurz seufzte er innerlich, als sein Blick wieder an Val hinauf glitt und schliesslich an dessen Gesicht hängen blieb. Er hatte Val wieder. Und Val traf letztlich immer die Entscheidungen, die sie beide betrafen. Val würde entscheiden, ob sie hier blieben oder tatsächlich mit Minerva flohen, zurück in das Wikingerdorf. Genauso wie er entschied, dass seine Haare heute noch geschnitten würde. Vals Tonfall verriet ihm, dass es ihm durchaus ernst war und er jetzt seine Schonfrist wohl durch hatte. Deshalb verzichtete er auf Gegenworte, er wusste schliesslich doch hin und wieder, wann die Grenze von Vals Gutmütigkeit erreicht war.
Val kam derweil näher, Jesse lächelte leicht und wollte ihn gerade küssen, als ein Klopfen die aufkommende Zweisamkeit zerstörte. Sofort zuckte Vals Kopf herum und Jesse wollte eigentlich schon zur Tür gehen, weil es war ja auch irgendwie seine Wohnung. Doch Val kam ihm zuvor, also blieb er einfach im Flur stehen und wartete ab. Immerhin band sich sein Verlobter das Tuch um die Hüfte, bevor er die Tür öffnete und den jungen Kerl davor direkt mal zurecht stutzte. Auf seine ganz eigene Art. Der Kleine konnte einem fast leid tun. Ein klein wenig fand es Jesse auch doof, dass Val sich derart aufspielte, doch es war letztlich einfach gegeben, dass er der Herr im Haus war. Dabei spielte es keine Rolle in wessen Haus er gerade war und naja... das hier war jetzt wohl erst einmal ihre gemeinsame Wohnung...
Erst als Val ihn herbat, damit er die Kiste abnahm, kam Jesse näher und tat wie geheissen. Er trug die Kiste in die Küche, wobei der dem jungen Kerl kurz zunickte. Nico war sein Name, wenn er sich richtig entsann. Dann trug er die Kiste direkt in die Küche, Val war nur kurz hinter ihm. "Und ich kann es kaum erwarten endlich mal wieder etwas Anständiges zu essen...", meinte er, bevor er die Kiste auf die Theke hievte, welche er vom Wohnzimmer aus erreichte, bevor er darum herum ging und in die Küche trat. Er liess Val mit den Beuteln an ihm vorbei.
"Im Moment haben wir wohl vor allem gut lagerbares Wurzelgemüse und einige Früchte....", meinte er und wollte gerade damit helfen, die Sachen auszupacken, als Val dies an seine Brust riss. Also hob er die Hände. Die Küche war ohnehin Vals Reich, da hatte er gar nichts zu melden. Also wollte er sich direkt einmal auf den Weg in die Dusche machen. Noch bevor er sich umgedreht hatte, wurde er aber auf einmal gepackt. Jesse fuhr etwas zusammen, ehe er sich versah spürte er Vals Lippen auf seinen und wurde in einen tiefen, innigen kuss verwickelt. Jesse schloss die Augen und erwiderte den Kuss, der nicht sonderlich lang, dafür aber umso leidenschaftlicher war. Als Val sich wieder von ihm löste, war er noch immer etwas überrumpelt, weshalb er ihn einen Augenblick lang anstarrte.
"Ich liebe dich auch", erwiderte er dann mit einem leichten Schmunzeln. Jesse leckte sich über die Lippen und wandte sich dann ab, um ins Bad zu gehen, damit er selber endlich duschen konnte. Offenbar wurden seine Haare also noch verschont oder aber erst nach der Dusche geschnitten. Allerdings war es unwahrscheinlich, dass Val es vergass...
Jesse ging in sein Bad, das er so vermisst hatte in der Zeit in Balar, wo er sich in einen Waschzuber hatte setzen müssen um halbwegs sauber zu werden. Er zog sich die ranzigen Klamotten aus, die nach Pferd und Schweiss rochen und warf sie direkt mal in eine Ecke, damit er sie später in die Wäsche geben konnte. Dann betrachtete er sich erst einmal im Spiegel. Die Haare, die ihm fast in den Nacken reichten und seine Augenbrauen überdeckten. Das schmutzige Gesicht, der Dreitagebart, der nun langsam schon etwas zu sehr wucherte für seinen Geschmack. Die Augenringe, welche wie permanent verewigt wirkten. Er war noch immer völlig übermüdet. Dunkle Flecken tanzten vor seinen Augen herum. Die paar Stunden Schlaf hatten ihm nicht wirklich grossartig geholfen. wie lange hatte er geschlafen? zwei, drei Stunden?
Nachdem er sich einige Minuten lang einfach angestarrt hatte, öffnete er das Spielschränkchen. Darin befand sich eine Holzzahnbürste und ein kleines Töpfchen mit einer selbsthergestellten Zahnpasta, die hier im ZOo wie einige andere Pflegemittel hergestellt wurde. Er nahm es und roch kurz daran. Da die Zahnpasta auf öliger Basis war, fürchtete er, dass das Öl vielleicht ranzig geworden sei, doch es roch nicht einmal so schlimm, weshalb er etwas davon auf die Zahnbürste schmierte und sich erst einmal ausgiebig die Zähne schrubbte, bevor er sich den Mund ausspülte, die Zahnbürste gut wusch und sie zurück legte. Nebst Zahnbürste und Zahnpasta befand sich noch ein wenig Seife hier, sowie zwei Büchsen mit Schlaftabletten, welche er gehortet hatte. Eigentlich hatte er sie illegal aus dem Medikamentenlager gestohlen und war dabei nie erwischt worden. Die beiden Dosen jetzt wieder zu sehen, liess sein Herz kurz hüpfen. Heute Nacht würde er also ziemlich sicher gut schlafen. Jesse griff nach einer Dose, schüttelte sie leicht und hörte das vertraute rasseln. Das Mindesthaltbarkeitsdatum war längst überschritten, doch das interessierte ihn nicht. Für einen Moment dachte er sogar darüber nach sich direkt ein, zwei Stück einzuwerfen, doch dann dachte er daran, dass Val noch kochen wollte und es wohl doof wäre, wenn er direkt wegpennen würde. Ausserdem hoffte er, dass Val die beiden Dosen noch nicht gesehen hatte. Deshalb nahm er sie beide raus und steckte sie stattdessen ganz hinten in die Schublade der Theke und verdeckte sie mit ein paar kleinen Tüchern. Anschliessend schloss er das Spielschränkchen wieder, bevor er endlich unter die Dusche trat. Das Wasser war noch warm, der Tatsache sei Dank, dass Val vor ihm geduscht hatte. Jesse schaltete das Wasser ein und genoss die Wärme, welche über seinen Körper lief. Als erstes wusch er sich die Haare ausgiebig, massierte sich die Kopfhaut, bevor er sich mit Seife seinem Körper widmete. Nach Tagen in der Wildnis und nach dem Monat in Balar hatte selbst er das Bedürfnis sich mal etwas gründlicher zu waschen, um den omnipräsenten Geruch nach Pferd loszuwerden. Während er sich einseifte, hatte er das WAsser ausgeschaltet. Dabei beobachtete er, wie sich der Dreck langsam löste und bräunlich an ihm hinunter lief. Die Dusche war wirklich ziemlich nötig. Selbst die Haare wusch er sich noch einmal gründlicher, bevor er sich abspülte. Das Wasser hatte er mehr oder weniger bloss lauwarm, erst für die letzten zwei Minuten stellte er es noch auf richtig heiss, bevor er es ausschaltete und kurz tief durchatmete. Im Gegensatz zu Val hatte er für die Komplettreinigung kaum zehn Minuten benötigt. Für einen Augenblick verharrte er noch so. Die Glasscheiben der Dusche waren komplett beschlagen.
Erschöpft und von der Hitze nun auch ziemlich ermattet, lehnte Jesse die Stirn gegen die beschlagene Scheibe und schloss für einen Augenblick die Augen. In ihm schrie alles nach den Schlaftabletten, die er vor Val versteckt hatte. Er wollte was essen und sich dann schlafen legen, etwas anderes kam für ihn gerade nicht in Frage.
In dem Augenblick erklang ein dumpfes Geräusch, wie von Händen, die gegen Glas schlugen. Jesse schlug die Augen auf - nur um in leblose, blutunterlaufene Augen zu starren. Jesse schrie erschrocken auf, taumelte rückwärts und schlug mit dem Rücken gegen den Wasserhahn. Das Wasser sprang an und raubte ihm für einen Augenblick die Sicht. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er das heisse Wasser wieder ausschalten konnte, weil er in der Dusche ausrutschte, sich den Kopf an der Wand schlug und sich dann erst einmal wieder hochziehen musste. Zitternd krallte er sich am Wasserhahn fest, wobei er den Schmerz ignorierte, er durch seinen Kopf pochte. Aber auch den Schmerz an seiner Hand, weil er den Hahn an den heissen Rohren gepackt hatte. Viel zu spät, erst nach einigen Sekunden liess er es los, weil er den Blick immer noch auf die zombifizierte Gestalt vor sich gerichtet hatte, welche mit ihren gierigen Finger über das Glas kratzte und dabei Blut überall hin schmierte. Jesse atmete schwer und packte den Türknauf der Glastüre und ging näher mit dem Kopf an das Glas heran. Die Züge des Untoten kamen ihm so bekannt vor.
"Marcus...", flüsterte er und legte die freie Hand an die Scheibe. Dabei bemerkte er noch nicht einmal, dass ihm sein eigenes Blut vom Kopf in den Nacken über seinen nassen Körper floss und sich zu seinen Füssen sammelte, um sich langsam im Abfluss zu verlieren.

@Valravn Vargström


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#7

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 14.02.2020 12:18
von Valravn Vargström (gelöscht)
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"Jag är ledsen, jag borde ha väntat." Kam es dem Schweden entschuldigend über die Lippen, er wollte seinen Mann wirklich nicht um den, wenigen, doch umso mehr verdienten, Schlaf bringen aber woher sollte er ahnen, dass das Rauschen des Wassers derart laut sein würde. Aber gut, Valravn hörte Flöhe husten, da sollte ihn so etwas nicht verwundern, es blieb wohl nur zu hoffen, dass Jesse, später noch mal in den Schlaf finden würde, ohne herumzuwandern, wie zuletzt in Balar. Immerhin war die Wohnung vertrautes Terrain, was für Valravn wieder eine Umstellung bedeutete, an die er sich jedoch schnell gewöhnen würde, bedeutete für Jesse, der hier schon länger lebte, Sicherheit also konnte er darauf hoffen, dass dessen Schlafwandeln wieder etwas nachließ. Außerdem war es definitiv einfacher, diese Wohnung entsprechend zu sichern, für den Fall, dass Jesse herumwanderte, als die Hütte in Balar, wo auch noch ein Bär frei herumlief.
Auf jeden Fall würde Valravn viel zu tun haben, um diese Wohnung, entsprechend nach seinen Vorstellungen, Wünschen zu gestalten, obschon er noch nicht entschieden hatte, wie lange er hier bleiben würde, denn eigentlich gehörte er nach Balar, er trug den Armreif, der ihn als Mitglied dieser Kolonie auszeichnete und er hatte Kontakte geknüpft, sowie als Veterinär einen guten Stand innerhalb des Dorfes. Allerdings hatte er Jesse versprochen zu helfen, wegen Minerva, dessen kleiner Freundin, der rothaarigen Russin und Schmiedin, die in dieser Kolonie dahin vegetierte, aufgrund der Fehlentscheidungen, Fehleinschätzungen seines Mannes. Nun ja und dann wäre da noch dieser Mann, den er unbedingt tot sehen wollte, nicht mehr heute aber er hatte sich bereits, mehr als einen, Plan ersonnen, um dessen letzten Stunden, äußerst prägend zu gestalten, damit er sich gewahr wurde, welch großen Fehler er begangen hatte, indem er seinen Mann anfasste!
Zudem hatte Jesse, keinerlei Anlass, sich nach etwas Anderem um zu sehen, er hatte einen wahrlich stattlichen Mann, mit sehr komplexen Charakter, Geheimnissen, Ausstrahlung und er wusste, seinen sonderbaren, Mann zu handhaben. Der früher halb die Krise bekommen hat, als Valravn, ungeniert, nackt durchs Haus lief, ohne sich zu bedecken, weil er einfach keinerlei Anlass dafür sah. Allein darin zeigte sich deutlich, die unterschiedliche Mentalität, Erziehung, der Beiden, denn der Schwede, war bei weitem, nicht so prüde wie der Amerikaner.
Inzwischen jedoch konnte sein Mann ihn dabei ansehen, ohne direkt Rot zu werden, wie eine Signalleuchte oder verstrahlte Tomate mit Wuschelkopf. Dessen Europäer sogleich mit der Zunge schnalzte, sowie das Auge verdrehte, eine Reaktion, die er sehr selten zeigte aber davon zeugte, dass er das Gerede, von Gemeinschaft, sowie Rücksichtnahme, langsam nicht mehr hören konnte. "Bitte erspare mir das, ich war zehn Jahre allein, hatte meine Ruhe, und durfte mir nun in den letzten Monaten, ständig dieses Gerede anhören. Ich kann es langsam nicht mehr hören."
Diesmal schlug er sogar entsprechende Töne an, die kein Geheimnis daraus machten, dass Valravn absolut nicht so gesellig war, wie er sich gab, er hatte es Jesse nur wenige Atemzüge vorher gesagt, er fühlte sich nach dieser heißen Dusche, nachdem wieder Ordnung auf seinem Kopf, in seinem Gesicht, herrschte, nach der langen Zeit, endlich wieder ein bisschen mehr wie er selbst und sein Mann, wusste wohl am besten, wie Valravn wahrhaftig tickte. Er war immer schon ein Einzelgänger, Einzelkämpfer, der auf Andere herab sah, wenngleich er fähig war Freundschaften zu schließen, am Ende war er ein Narzisst, ein Mann, der viele Züge eines Psychopathen aufwies, der sich niemals zu hundert Prozent einfügte und am Ende, sein Leben, stets oberste Priorität hatte. Seines und das von Jesse. Valravn drehte und wendete sich Alles so wie er es haben wollte, ob Worte oder Regeln, das spielte keine große Rolle, er fand immer seinen Weg, sein Schlupfloch, um sich über alle Anderen zu erheben. Der Schwede hatte unzählige Masken, Facetten, die er nach Belieben, ohne Probleme, innerhalb von Sekunden wechseln konnte aber Jesse, der weiß, was hinter dem ruhigen Pokerface verborgen lag, seien es dessen gute als auch schlechte Eigenschaften.
Diesen wunderte es daher wohl kaum, dass sein Mann, innerhalb eines Augenblicks, von charmant, gar amüsiert, wechseln konnte in seinen üblichen, recht dominanten Modus, was einfach seine Natur war, die er sich nicht scheute nach Außen zu tragen, kaum dass die Tür geöffnet war und der Welpe in seinen Fokus fiel. Es lag auf der Hand, dass Valravn, egal wo er sich befand, erst einmal sein Revier abstecken würde, Jesses Wohnung war nun, ein waschechter, Wolfsbau und er gewiss nicht der Leitwolf ihres kleinen Rudels. Valravn würde Jesses Autorität, die er im Zoo innehatte, gewiss nicht untergraben, vor Anderen, doch es lag auf der Hand, dass dieser seinen Mann, höchstens um etwas bitten konnte oder einen Vorschlag unterbreiten, ob der Schwede es dann tat, stand auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. Für Valravn lag auf der Hand, dass es nur ein Raubtier in dieser Kolonie gab, mit dem er sich wahrhaftig arrangieren musste, dem Mann, der diesen Zoo übernommen hat, der, von Jesses Erzählungen her, dem Schweden bereits ein Dorn im Auge war aber wer weiß, Wolf und Puma konnten sich in freier Wildbahn auch arrangieren.
Der Schwede war sich sicher, es fände sich ein Weg, zur Not, tötet er Scorpion oder stirbt bei dem Versuch selbst.
Allerdings stand auf seiner Liste, zumindest im Augenblick, jemand Anderes weit über dem Hünen, den der Schwede noch nicht gesehen hatte und vielleicht, trotz allem, ein bisschen neugierig darauf war, allein schon deswegen, weil sein Mann vermutlich, dezent, die Krise bekommen würde, sollten diese beiden Raubtiere aufeinander treffen.
Etwas das sich nicht vermeiden ließ, noch weniger, wenn Valravn gedachte hier länger zu verweilen.
Im Augenblick machte der Schwede sich darüber aber noch weniger Gedanken, er faltete, auf seine Weise, erst mal den jungen Wächter zusammen, ohne überhaupt wirklich etwas zu tun, doch sein Blick, seine Ausstrahlung, genügten schon, damit dieser auf seinen Platz verwiesen wurde. Manchmal war es fast schon zu einfach, doch der Schwede war zufrieden, er hätte diesen Wächter auch noch verbal in die Zange nehmen können, allerdings war er heute erst hier angekommen, da wusste auch Valravn, sich zu beherrschen, gar zurückzunehmen. Erst Recht, wenn der Bote ihm Lebensmittel brachte, die ersehnten Zutaten, mit denen er die Küche, welche er ganz klar wieder an sich reißen würde, im Nu, einweihen und Jesse etwas Leckeres kredenzen würde.
Der Schwede bekam, allein schon aufgrund dessen, offenkundig gute Laune, er wirkte, für seine Verhältnisse, regelrecht begeistert, voller Tatendrang und Vorfreude, was Jesse all zu vertraut sein dürfte, Valravn kochte leidenschaftlich gern, er empfand es als entspannend, erholsam, dabei konnte er seine Gedanken ordnen, sich kreativ als auch kulinarisch austoben.
Da musste es, zumindest für Leute, die Valravn nur vom sehen her kannten, fast schon unheimlich anmuten, dass auf dessen Lippen ein kleines Lächeln lag, nachdem er Jesse gefolgt war, in seine neue Küche, und sogleich gedachte auszupacken. Der Blick zur Seite, zu seinem Mann, entlockte ihm einen amüsierten Laut, weil Jesse prompt die Hände hob, förmlich das Handtuch werfend aber es lag auf der Hand, dass sein Liebster in der Küche nichts zu melden hatte.
Er würde Valravn eher stören, sollte er jetzt mit auspacken, denn der Schwede, musste erst mal seine Ordnung hier Einzug halten lassen, ehe er es seinem Mann, eventuell, erlaubte, ihm helfend zur Hand zu gehen. "Ich rieche Käse..."
Merkte der Schwede an, blickte sogar zu dem Beutel, indem dieser sich befand, Valravns feiner Nase entging einfach nichts und sein Kopf wurde förmlich durchflutet von Ideen, Kochrezepten, die er so lange nicht mehr hatte umsetzen, gar aufschreiben können. Er könnte sich, in Ruhe, wieder eine Kartei anlegen, erst Recht, wenn er einen besseren Überblick hatte was die hiesigen Bestände, Ressourcen betraf. Oh, er war ein bisschen aufgeregt!
Da ließ er sich förmlich hinreißen von seinen Gefühlen, indem er sich seinen Mann, unvorhergesehen, einfach packte, zu sich zog und leidenschaftlich küsste, einzig um zum Ausdruck zu bringen, wie zufrieden, gar glücklich, fröhlich, der Schwede just in diesem Moment war. Eine heiße Dusche, ein anständiger Herd, abwechslungsreiche Lebensmittel und der Schwede fühlte sich schon jetzt wie Zuhause, allen voran, weil er seinen Mann wieder hatte. Wenn er nicht aufpasste, gefiele es ihm womöglich doch noch ... zu gut und er würde bleiben wollen.
Valravn schmunzelte amüsiert, offenbar hatte er seinen Mann, äußerst erfolgreich, überrumpelt, denn, nachdem sich seine Lippen von Jesses gelöst hatten, starrte dieser ihn einen Augenblick lang an, es war nicht zu leugnen, dass der Schwede seinen Mann, gern mal, aus dem Konzept brachte und offenbar hatte er dies immer noch bravourös drauf. Er toppte da Ganze sogar noch, nämlich als er, kaum das Jesse sich zum Gehen abwandte, um unter die Dusche zu treten, seinem Mann, ganz selbstverständlich, einen leichten Klaps auf den Hintern gab und diesen, mit einem spitzbübischen Grinsen auf den Lippen, ansah, kaum das er guckte, wo er zu allem Überfluss auch noch mit den Augenbrauen wippte. Valravn konnte solch ein Schelm sein, wenn er denn wollte oder in der richtigen Stimmung war, wie in diesem Augenblick, war er unbeschreiblich gut gelaunt, gar ein bisschen verspielt.
Solch Verhalten würde man ihm gar nicht zumuten, so bitterernst und unnahbar, wie er sonst immer ist.
Während Jesse sich also ins Bad begab, wandte er sich wieder der Lieferung zu, er begann sorgfältig Alles auszupacken, betrachtete die Zutaten, nahm sich die Zeit, nicht nur um einen Überblick zu bekommen, sondern auch, um einfach mal, über die Früchte, das Gemüse gebeugt stehend, einen tiefen Atemzug zu nehmen. Dabei schloss er das Auge, ließ die Gerüche, Aromen, einfach auf sich wirken, welche seinen kreativen Geist sogleich zu beflügeln schienen.
Er würde Jesse wahrhaftig tolle Gerichte daraus kreieren können.
Sein kulinarisches Herz schlug höher, vor allem den Käse, nahm er in Augenschein, gut gereift, offenbar selbst hier hergestellt im Zoo, mit einem interessanten Aroma, da musste Valravn einfach zum Messer greifen, sowie sich ein, ganz kleines, Stück abschneiden und probieren. Zwar war er kein Synästhetiker, wie sein Mann, doch dafür zerging ihm der Käse auf der Zunge, er war noch recht weich, eine milde, leicht nussige Note, konnte er herausschmecken, ja der Käse konnte noch etwas länger reifen aber schon jetzt fielen ihm ein paar Gerichte ein, die er damit verfeinern oder rund um den Käse, dessen Aromen, anrichten kann.
Bester Laune, gar ein wenig vor sich hin summend, schaffte Valravn in der Küche seine Ordnung, er räumte komplett alle Schränke aus, nur um diese, nach seinem Ermessen, nach seiner alten Ordnung, wieder neu einzuräumen und auch die Lebensmittel entsprechend zu verstauen. Er ließ nur das Draußen auf der Küchenzeile liegen, womit er gedachte zu kochen, dabei sollte er sich eigentlich auch einmal anziehen, doch der Schwede war so freudig erregt konnte man sagen, voller Tatendrang, der einfach nicht anders konnte, als sich in der Küche austoben zu wollen.
Der Schwede legte sich alles, wie sonst für eine OP, akribisch angeordnet zurecht, öffnete den Wasserhahn der Spüle und säuberte das Wurzelgemüse, Möhren, Kohlrabi, Pastinaken, Rote Bete. Er schwankte noch etwas, zwischen einem Wurzelgemüse-Auflauf oder gefüllten Maultaschen, mitsamt einem Kohlrabi-Carpaccio, sowie zum Nachtisch womöglich beschwipstes Kompott. In Ruhe begann er das Gemüse zu schälen, kleinzuschneiden, sowie vorzubereiten, oftmals überkam ihm allein bei der Vorbereitung wieder zig neue Ideen, weshalb man nie genau weiß, was am Ende von dem Schweden serviert wurde. Die Pfanne stand auch schon auf dem Herd, ebenso ein Topf, jedoch war der Herd noch aus, weil Valravn noch bei den Vorbereitungen war und sich fast in die Hand schnitt, als plötzlich dieser Aufschrei aus dem Bad kam. Klirrend fiel das Messer, sowie die halb geschälte Möhre auf die Küchenzeile, zügigen Schrittes eilte der Schwede, noch immer mit Handtuch um die Hüfte, zum Bad.
"Jesse? Ist alles in Ordnung?"
Fragte er durch die Tür hindurch, wenngleich sein Blick auch hinab auf die Klinke fiel, doch trotz allem war Valravn immer noch ein Gentleman, der sich erst mal so erkundigen wollte, was los war und warum sein Mann plötzlich aufschrie, so als habe er sich erschrocken. Nur vor was? Seinem eigenen Spiegelbild?
Das Wasser war inzwischen wieder angesprungen, was an sich Entwarnung geben sollte, doch es klang nicht danach, er vernahm ein dumpfes Geräusch auf der anderen Seite, weshalb er die Badtür schließlich öffnete und eintrat, sein Blick ging sofort zur Dusche, wo sein Mann an deren Tür klebte, während dem Schweden der Geruch von Kräutern, Seife und ...Blut in die Nase stieg. Sofort schritt er zur Tür der Dusche, sein Mann schien ihn ja nicht mal wahrzunehmen im ersten Moment. Er zögerte auch nicht die Tür sofort zu öffnen, denn offensichtlich hatte sein Mann sich verletzt, er roch es nicht nur, er konnte an dessen Hals, zum Nacken hin, einen Rinnsal Blut sehen, was darauf schließen ließ, dass Jesse sich den Kopf angeschlagen hatte. War er ausgerutscht? Hatte er sich deshalb erschrocken oder davor und verletzte sich deshalb?
"Schatz, du blutest..."
Was Jesse ja nicht einmal zu merken schien offenbar, natürlich fasste der Schwede nach seinem Mann, wollte sein Gesicht in die Hände nehmen, er sorgte sich, wollte sich das auch sofort ansehen, sowie versorgen, falls wirklich notwendig. Was machte sein Mann nur immer für Sachen? Er konnte ja nicht wissen, ahnen, dass sein Mann, inzwischen sogar unter Halluzinationen litt, denn sonst würde er womöglich etwas anders vorgehen, reagieren und vor allem auch damit rechnen, dass dieser sich, eventuell sogar wehren würde, weil er den Schweden als solchen einfach nicht erkannte in diesem Moment.


@Jesse Redford


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#8

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 14.02.2020 22:32
von Jesse Redford (gelöscht)
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Nachdem Val ihm bei seinem Abgang so spielerisch einen Klaps auf den Hintern gegeben hatte, hatte sich Jesse darauf gefreut bald aus der Dusche zu kommen und anschliessend mit seinem Mann zusammen zu Abend zu essen. Vielleicht hätten sie danach noch ein wenig gekuschelt oder miteinander rumgealbert. Val war so gut gelaunt wie schon lange nicht mehr, dass es Jesse beinahe leid tat, dass er selbst so gereizt und übermüdet war. Umso mehr hatte er Lust sich ein paar Tabletten einzuverleiben, damit er wenigstens morgen anständig ausgeschlafen wäre.
Doch vermutlich würde all das gar nicht geschehen, denn statt rasch wieder aus der Dusche zu kommen, sah er sich in jener einem Untoten gegenüber, den er nur zu gut kannte. Die Augen, das Haar, die Knochenstruktur in seinem Gesicht, seine Grösse, Statur ... Alles sah aus wie Marcus in verrottet. Jesse starrte dem Untoten in die Augen, beobachtete, wie dessen blutige Hände über das Glas zwischen ihnen kratzte, wie er verzweifelt versuchte in die Dusche einzudringen, um sich an Jesses Fleisch zu laben. Jesse konnte das Knurren und Gurgeln des Untoten hören, es drang an seine Ohren lauter als jedes andere Geräusch im Bad.
Nur die Abwesenheit eines entsprechenden Geruchs und der Tatsache, dass Val das Eindringen eines Untoten hätte bemerken müssen, hätten Jesse eigentlich zeigen sollen, dass die Kreatur vor ihm ein Hirngespinst war. Eine Einbildung seines übermüdeten, verstörten Verstandes. Er konnte nicht einsehen, dass das, was er sah nicht echt war. Stattdessen rotierte sein Verstand um den GEdanken, warum ausgerechnet Marcus als Untoter hier stand und was das für Auswirkungen auf Val haben würde, wenn er erfuhr, dass er seine Rache nicht würde haben können. Jesse merkte kaum wie sich seine Hand am Glas verkrampfte, wie ihm warmes Blut über den Rücken floss. Auch das pochen in seiner anderen Hand welche er sich am heissen Metall verbrannt hatte, bemerkte er nicht, er war so gebannt von der Halluzination, die sich direkt vor seinen Augen abspielte. Er blendete alles andere aus und somit auch, dass sein Name gerufen wurde, dass die Tür aufgerissen wurde und Val ins Bad trat.
Das erste was er mitkriegte war, dass ihm die Tür aus der Hand gerissen wurde, obwohl er sie festhielt. Doch die augen des Untoten hatten ihn derart gefesselt, dass er von diesem Manöver komplett überrascht wurde. Erneut schrie er erschrocken auf, als der Untote nun ohne Glas zwischen ihnen vor ihm stand und seine Hände nach seinem Gesicht ausstreckte.
"Fass mich nicht an!", rief er panisch und stolperte wieder zurück gegen die Duschwand und schlug die Hände weg, die nach ihm greifen wollten. Reflexartig griff er nach dem Duschkopf, um damit auf den Kopf des Untoten einzuschlagen, der allerdings erstaunlich geschickt auswich und stattdessen seine Handgelenke eisern ergriff.
"Lass mich los! Du frisst mich nicht!", knurrte er allmählich panisch, während er sich versuchte aus dem Griff zu winden. Allerdings war der Untote stärker als er aussah, seine Hände hielten ihn unnachgiebig fest und zogen an ihm.
"Nein... n-nein .... lass mich!", wimmerte er, während seine Kräfte nachliessen und das faulende Monster ihn schliesslich komplett an sich zerrte. Jesse kniff die Augen zusammen in Erwartung eines Schmerzhaften Bisses, als die Arme sich um ihn legten, stark und fest. Er selbst zitterte unkontrolliert am ganzen Körper, so stark, dass teilweise gar seine Zähne zusammenschlugen. Bis auf einmal Vals Stimme an sein Ohr drang. Er konnte die Worte nicht wirklich ausmachen, wusste nicht so recht was zu ihm gesagt wurde. Doch als er die Augen wieder aufschlug, war die verfaulte Haut weg, das Röcheln ebenso und stattdessen spürte er den warmen Körper seines Verlobten an seinem eigenen, spürte dessen schützende Arme.
Jesse hob den Blick, sah in Vals Gesicht, das besorgt auf ihn niedersah, während er nicht wirklich in der Lage war auch nur ein Wort aus sich herauszubringen. Was war soeben passiert...? Wohin war der Untote verschwunden?! Warum war Val hier und...
Verwirrt, als wäre er gerade aus einem Traum aufgewacht, schaute Jesse nach links und rechts, als müsste er sich seiner Umgebung erst wieder gewahr werden. Seine Zähne schlugen noch immer aufeinander, sein Körper schüttelte sich regelrecht vor Anspannung. Er merkte noch nicht einmal, dass er sachte losgelassen wurde, nur um einen Augenblick später ein warmes Handtuch um seine Schultern zu spüren, das er automatisch enger um sich zog.
Noch immer ergaben die Worte, welche zu ihm gesprochen wurden nicht wirklich einen Sinn, er sah Val verständnislos an, völlig verwirrt und durcheinander von den Geschehnissen, die er nicht einordnen konnte. Nur langsam begann er das Pochen an seinem Hinterkopf zu realisieren, das Brennen an seiner Hand, die er sich verbrannt hatte.
"W-wo ...", begann er zu stottern, ohne zu begreifen, dass sein partner damit beschäftigt war ihn dazu zu kriegen ihm die Wunde zu zeigen, damit er versorgt werden konnte. "W-wo ist M-marcus hin? E-er ist untot Val ... Er ist verschw-schwunden ... Er muss hier noch irgendwo sein....", faselte er beinahe wie im Wahn, während er sich fast panisch nach dem Untoten umsah, der wie vom Erdboden verschluckt war.

@Valravn Vargström


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#9

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 15.02.2020 14:54
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Jesse hatte bislang kein Wort darüber verloren, dass er Dinge sah, gar hörte und das in einer Intensität, welche wahrlich bedenklich ist aber mehr noch gefährlich, denn wie sollte der Schwede gewappnet sein, gar helfen können, wenn sein Mann, sich ihm nicht anvertraute? Jedoch war es unvermeidlich, nicht dauerhaft zu verheimlichen, dass Valravn damit konfrontiert wurde und man konnte wohl von Glück reden, dass es in ihren eigenen vier Wänden geschah, nicht irgendwo draußen in der Wildnis oder einer anderen ungünstigen Situation. Allen voran da Jesse, aufgrund der Halluzinationen, die damit verbundenen Reaktionen und Gefühle, nicht nur für sich eine Gefahr darstellen konnte, sondern auch für sein Umfeld, selbst für seinen Mann, der bislang nicht darauf vorbereitet war, was die labile Psyche seines Mannes, sich dieses Mal 'ausgesucht' hat, um seinem Liebsten das Leben zu erschweren.
Dieser nahm den Schweden nicht einmal wahr, er starrte auf die Glaswand der Duschkabine, gebannt, fokussiert, als stünde dort etwas, dass seiner vollen Aufmerksamkeit bedurfte aber da war nichts, Jesse reagierte nicht einmal, als Valravn ihn ansprach, zumindest bis zu dem Augenblick, wo dieser die Tür der Dusche öffnete, um an seinen Mann herantreten zu können. Er blutete, wirkte apathisch, bis zu dem Moment, wo die, offenbar schützende, Barriere verschwunden war und sein Mann, erneut, erschrocken aufschrie, sowie zurückwich, als wäre Valravn sein schlimmster Feind, gar eine Bedrohung. "Jesse, ..beruhige dich." Wie immer wahrte der Schwede die Ruhe, versuchte seinen Mann zu fassen zu kriegen, der mit dem Rücken gegen die Fliesen prallte, sowie nach dem Duschkopf fasste, mit dem er ihn schlagen wollte, nur wich Valravn geschickt aus, einmal, zweimal ehe er Jesses Handgelenke zu fassen bekam. "Jesse. Jesse! Beruhige dich, ..Niemand frisst dich!"
Er hörte ihm ja nicht mal zu, erkannte ihn nicht einmal mehr, im Grunde nahm sein Mann ihn nicht wahr, zumindest nicht als den Schweden, der Valravn ist, Jesse wirkte panisch, verstört, verängstigt und knurrte sogar, als sein Versuch, die vermeidliche Bestie von sich fernzuhalten, kläglich scheiterte, denn sein Mann bekam ihn zu fassen.
Nicht grob, doch fest genug, damit er ihn daran hindern konnte wild, um sich zu schlagen, Valravn hatte keine Ahnung was in ihn gefahren ist, zwar schossen einige Vermutungen durch seinen Kopf, nur konnte, wollte, er sich darauf gerade nicht konzentrieren, denn sein Mann bereitete ihm wahrlich Sorge. Trotzdem ließ er sich von dessen Unruhe, Panik, gewiss nicht anstecken, er bewahrte seine stoische Gelassenheit, welche man ihm auch als Gleichgültigkeit auslegen konnte, in Bezug auf Andere auch zutreffend aber vor ihm stand sein verwirrter Mann, den er liebte. "Jesse... Schatz, hör mir zu. ...sieh mich an."
Redete er ruhig auf diesen ein, als sein Liebster, dem kurzen Anflug von Wut nachgegeben hatte, stattdessen sein Wimmern an seine Ohren drang und er Jesse, kurzerhand, an sich ran zog, nicht dass er erneut mit dem Kopf gegen die Fliesen schlug. Valravn schlang sogleich die Arme um seinen Mann, kaum, dass er ihn an sich herangezogen hatte, ihn somit bei sich behielt, an sich drückte und einerseits daran hindern wollte, erneut zurückzuspringen, mit der Gefahr sich zu verletzen, zum anderen damit er seinem Mann Schutz bieten konnte.
"Älskling, det är allt bra. Det finns inget här som kan skada dig..."
Wandte er sich ihm nun auf Schwedisch zu, vielleicht half dies ja, damit Jesse realisierte, dass sich keinerlei Gefahr in diesem Raum befand. Okay, Valravn ist ein Raubtier, doch keines, was sein Mann zu fürchten hatte. Vielleicht konnte er ihn so ein wenig aus seinem Wahn reißen, er wusste es nicht, doch es war einen Versuch wert, denn immer mehr breitete sich Sorge in dem Gesicht des Schweden aus, dessen markante Gesichtszüge immer so hart, unnahbar anmuteten. "Älskling, jag är här, jag ska skydda dig. ..Allt är bra..." Redete er weiterhin ruhig auf ihn ein, Jesse zitterte am ganzen Leib, war angespannt, völlig nass, und Valravn spürte das warme Blut, dass auch auf seine Haut traf, als er seinen Mann, umarmend, an sich gedrückt hielt. Besorgt blickte er auf seinen Liebsten hinab, das nasse, viel zu lange Haar, das platt hinab hing, er zitterte, so stark, dass sogar seine Zähne klappernd aufeinander schlugen und Valravn nur eines tun konnte, ihn festhalten, behütend, wärmend, in seine Arme geschlossen und an seinen Körper gedrückt, damit Jesse, wenigstens spürte, er ist nicht allein.
Als dieser zu ihm hinauf sah, so orientierungslos, verwirrt, blieb Valravn beinahe das Herz stehen, er holte tief Luft, wahrte weiterhin die Ruhe und gab Jesse die Zeit, die er, wie so oft benötigte, als er sich hektisch, suchend umsah, ja der Schwede folgte sogar dessen Blick aber da war schlichtweg nichts. "Vad letar du efter, älskling?"
Das Zittern seines Mannes ließ auch nicht nach, Valravn konnte nicht mal genau sagen, ob er fror oder die Anspannung, Jesses Körper so schüttelte, dieser schien nicht einmal zu wissen, wo er sich befand, nicht mal wirklich zu merken, dass der Schwede abließ von ihm, nur um zwei Handtücher an sich zu nehmen. Das Erste legte er Jesse auch prompt um die Schultern, in dass dieser sich reflexartig krallte, enger zog, schützend, wie sonst eine Decke, während Valravn seinem Mann, das zweite Handtuch, um die Hüfte band, damit er hier nicht völlig entblößt stand und sich noch schutzloser fühlte, als es längst der Fall ist offenbar.
Ihm fiel dabei auch die Rötung an Jesses Hand auf, weshalb der Schwede, noch einen Grund mehr zur Sorge hatte, er nahm sich noch ein drittes, kleines Handtuch, das man für Gesicht und Hände sonst nahm, an sich und trat dichter an Jesse heran, der so zerstreut wirkte.
"Schatz, ...du bist verletzt und offenbar nicht nur am Kopf, ...lass mich das sehen, bitte."
Nur irgendwie drang er noch immer nicht durch zu seinem Mann, was ihn seufzen ließ, er zumindest vorsorglich erst mal, das Handtuch an Jesses Hinterkopf legte, sacht drückte bevor er es zurückzog und anhand des Blutes, was sich in dem hellen, saugfähigen Material, offenbarte, wenigstens die Lage lokalisieren konnte, wo Jesse sich diesen aufgeschlagen hatte. "Was machst du nur für Sachen Jesse..." Es war viel mehr ein seufzendes Flüstern seinerseits, voll Sorge, als er das Handtuch wieder auf die Blutung drückte an Jesses Hinterkopf. "Lass mich deine Hand sehen, bitte."
Valravn hielt einen Moment lang inne, dann als Jesse den Mund aufmachte, nicht mehr nur mit den Zähnen klapperte, sondern zu stottern, zu stammeln begann, sowie von Dingen sprach, die im ersten Moment gelinde gesagt keinerlei Sinn ergaben, da brachte es dem Schweden auch nichts, nach der Hand von Jesse zu fassen, die er von dem Handtuch lösen wollte, um sich die Rötung anzusehen, vor allem wo hatte er sich die zugezogen? Sein Blick fiel zu den Rohren der Dusche, hatte er sich vielleicht daran fest gehalten vor Schreck, es aber nicht gemerkt und sich deshalb womöglich gar verbrannt?
Ruhig atmete Valravn durch, hielt das Tuch an Jesses Hintergrund gedrückt, betrachtete ihn voller Sorge und schluckte leer, in den Jahren, wo sie zusammen waren, ob als Freunde oder als Paar, hatte der Schwede sämtliche Höhen, wie auch Tiefen, mit Jesse durchlebt, allen voran seinen Mann betreffend aber das gerade ..... toppte alles.
Es tat ihm in der Seele weh, Jesse so zu sehen, wohl wissend, dass sie, heute nicht mehr dieselben Möglichkeiten hatten, wie noch vor zehn Jahren, um ihm entsprechend zu helfen.
Sein Mann war psychisch immer schon labiler als Andere, er war anfällig, sein Wesen war mitunter so zerbrechlich, so verquer, dass er sich zu Menschen, wie den Schweden selbst, hingezogen fühlte, mehr noch, er konnte ihr Wesen verstehen, erfassen, ihnen sich anpassen. Zu einem Mörder, einen Kannibalen, einen Mann den viele als Psychopath bezeichnen würden, hätten sie je eine Begegnung überlebt, welche mehr offen legte, als dass was er der Welt nach Außen hin zeigte und sie glauben ließ. Im Moment brachte es nichts, sich dessen Hand anzusehen, Jesse wollte das Handtuch einfach nicht loslassen, konnte sich nicht fokussieren, weswegen Valravn die Hand an dessen Hinterkopf sinken ließ, sich das Tuch auf die Schulter legte, sodass er beide Hände freihatte und diese, behutsam, an Jesses Wangen legte.
"Jesse, sieh mich an, sieh mir ins Gesicht."
Forderte er ihn ruhig, im sanften, gar liebevollen Ton auf und suchte den wirren Blick seines Mannes, um diesen, als auch seinen flatterhaften, verstörten, Geist wieder einzufangen, auf sich zu fokussieren, zu konzentrieren, damit er dem Schweden endlich zuhörte. "Hier ist niemand, nur du ... und ich, mein Liebling." Er behielt Jesses Gesicht in den Händen, streichelte zärtlich mit den Daumen seine Wangen, Valravn begab sich sogar, das kleine Stück hinab, nur um mit Jesse auf Augenhöhe zu sein, in der Hoffnung seinen Fokus so besser auf sich lenken zu können. "Jesse, was hatte ich damals im Einkaufwagen, eingetütet, als wir im Supermarkt zusammen gestoßen sind?" Fragte Valravn seinen Mann, darauf hoffend, dass er seinen Verstand so wieder ködern konnte, ihn wieder in die Spur brachte, indem er ihn zum Nachdenken anregte, anstatt etwas verarbeiten zu wollen, was ganz offensichtlich nicht da war. "Welches Fleisch hatte ich damals zubereitet, als ich damals vor deiner Tür stand und dir Frühstück gebracht habe?"
Er war sich gewahr, dass es ihm nun nichts bringen würde, Jesse nach dem zu fragen, was er offenbar gesehen hatte, solange er sich nicht mal auf Valravn konzentrieren konnte, brächte eine Befragung absolut nichts und es galt, wie immer, ein Schritt nach dem Anderen, ganz gleich, wie klein und mühsam sie sein mögen.


@Jesse Redford


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#10

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 16.02.2020 22:52
von Jesse Redford (gelöscht)
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Seine Gedanken rasten wie ein gigantischer Strudel, den er nicht abstellen konnte. Als hätte jemand den Stöpsel einer zu überlaufen drohenden Badewanne gezogen, bildete sich ein Sog in seinem Schädel, welcher diesen pochen liess. Jesse konnte sich auf kaum etwas konzentrieren. Das Einzige was ihm wichtig erschien war dieser Untote, der nun einfach verschwunden war. Hastig und völlig verwirrt liess er den Blick schweifen, ohne seine Umgebung wirklich wahr zu nehmen. Er realisierte noch nicht einmal richtig, dass er sich in seinem eigenen Bad in seiner Wohnung im Zoo befand, so sehr war er gerade ausser sich. Doch zumindest schlug er Val nicht mehr weg, den er so langsam wieder zu erkennen begann.
Er fühlte dessen Hände an seinen Wangen, die Wärme, die auf sein Gesicht abstrahlte, hörte seine Stimme, realisierte sogar, dass er hauptsächlich auf Schwedisch mit ihm sprach. Trotzdem dauerte es eine ganze Weile, bis Jesse seine angespannte Kiefermuskulatur soweit entspannen konnte, dass er selbst einige Worte über die Lippen brachte, welche jedoch eher wirr als aufschlussreich waren. Nur langsam schaffte er es, dieses unangenehme, ausserordentlich penetrante Hintergrundrauschen in seinem Kopf loszuwerden. Als wäre er gerade aus den tiefen Fluten des Meeres aufgetaucht, konnte er auf einmal wieder richtig nach Luft schnappen. Sofort hob er die Hände und hielt sich an Vals Oberkörper fest, bevor er ihn ansah und dessen dunkle Augen fixierte.
Vals Frage brachte ihn komplett aus dem Konzept. Doch das war wohl genau das was er gerade brauchte, denn sofort stoppte sein Gedankenfluss und er wollte nur noch wissen, was damals in dem Einkaufswagen gelegen hatte. Er benötigte nur wenige Millisekunden, bis das Bild von damals vor seinem inneren Auge auftauchte. Er sah Val vor sich in diesem Dreiteiler, seine Hände steckten in anschmiegsamen Lederhandschuhen und im Einkaufswagen befanden sich wenige, auserlesene Dinge. Besonders an die eine Tomate erinnerte er sich. Er sah sie genau vor sich, wie sie komplett alleine in der kleinen Plastiktüte vor sich hin dümpelte.
"D-da war eine Tomate....", antwortete er Val. "Sie wog 94 Gramm... du hast sie um 16.43 gewogen...." Er sah das Etikett direkt vor sich, ganz genau, als wäre er in diesem Augenblick in diesem überfüllten hässlichen Supermarkt, den er so sehr verabscheute. Zum Glück kam die nächste Frage und Jesse konnte sich erst einmal darauf konzentrieren, was sie damals zum Frühstück gegessen hatten. An jenem Tag, als er kaum geschlafen hatte, schon früh mit den Hunden raus gegangen war. Er erinnerte sich an den Geruch des Nebelgetränkten Feldes welches er mit den Hunden überquert hatte, bevor er nach Hause gekommen war. Danach hatte er geduscht und schliesslich zur Geige gegriffen, um sich ein wenig Ruhe zu gönnen. Das Geigenspiel beruhigte ihn immer sehr. Doch bevor er das Stück - den Czardas - hätte zu Ende spielen können, war er von der Klingel unterbrochen worden und Val hatte unerwartet in der Tür gestanden. Damals ... Er hatte ihn in sein Haus gelassen und sie hatten gemeinsam gefrühstückt. Die Würstchen...
"Koberind... Hauptsächlich Koberind...", beantwortete er die Frage etwas ruhiger. Sein Herzschlag kam allmählich runter, seine angespannten Muskeln kamen ein kleines bisschen zur Ruhe. Nur seine Fingerknöchel standen schon richtig weiss heraus, weil er das Tuch um seine Schultern so verkrampft festhielt. Langsam löste er die Finger, zumal seine Hand richtig schmerzte, ähnlich wie sein Hinterkopf, der dröhnte. Allmählich bemerkte er, dass er sich tatsächlich verletzt hatte vorhin.
"Autsch...", entfuhr es ihm etwas gepresst und erhob die unverletzte Hand, führte sie an seinen Hinterkopf, wo er sich in das feuchte Haar griff, das es erschwerte die verletzte Stelle zu finden. Doch dann zuckte er zusammen, als er die Wunde fand und berührte. Zitternd nahm er seine Hand wieder hervor, sah das Blut das an seinen Fingern klebte, vermischt mit Wasser. Sogleich wurde sein Zittern wieder stärker. Normalerweise hatte Jesse kein Problem mit dem Anblick von Blut, immerhin ermordete und schlachtete er regelmässig sogar Menschen. Doch das Blut, gemischt mit der sich anbahnenden Gewissheit, dass er gerade eine der schlimmsten Halluzinationen seit langem durchmachen musste, liess ihn beinahe wieder in Panik verfallen.
"W-was passiert mit mir, Val...?", fragte er, wobei seine Stimme sich leicht überschlug. Er hatte wirklich Angst. Klar, die Halluzinationen waren auch vorher schon da gewesen, teilweise auch wirklich schlimm. In den letzten Jahren hatte er solche Episoden mehr als einmal durchgemacht und war, wenn es so schlimm gewesen war, dann meistens in irgendeiner Ecke kauernd wieder zu sich gekommen.
Doch glücklicherweise waren die meisten Halluzinationen eher flüchtig gewesen und nicht so furchteinflössend wie diese. Es waren oftmals nur Geräusche oder manchmal auch Schemen in der Distanz. Oftmals sah er auch Blut wo keines war, Wasser das irgendwo rausfloss, wo es nicht rausfliessen sollte. Sein Wahrnehmungen waren so einzigartig, dass er oft auch gar nicht damit rechnet. Doch er konnte Val unmöglich sagen, dass er damit nun mittlerweile schon eine ganze Weile kämpfte, oder...? Es wäre wieder nur ein eingeständis mehr seines schwachen, immer weiter bröckelnden Verstandes... Oder vielleicht war es gar nicht deswegen. Vielleicht hatte sich über die Jahre ein Hirntumor manifestiert, der ihn vollends Wahnsinnig werden lassen würde... Sie würden es nicht herausfinden können, weil heutzutage die Mittel dazu fehlten.
Nur Val würde es wissen, falls er starb und er ihm in den Schädel schauen würde. Jesse zweifelte kaum daran, dass Val das tatsächlich tun würde, einfach nur aus Neugierde, ob sich die Hirnstruktur eines Genies von der eines Schafes unterschied.

@Valravn Vargström


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#11

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 17.02.2020 15:20
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Valravn hasste es, wenn er nur begrenzte Möglichkeiten hatte, um seinem Mann zu helfen, er wünschte wirklich, er könnte mit einem Fingerschnippen, manche seiner Probleme einfach auslöschen, dessen Schlafstörungen zum Beispiel. So talentiert, facettenreich und genial er auch sein mag, Wunder vollbrachte aber auch der Schwede nicht, nicht in solch einem Ausmaß, nicht seinen Liebsten betreffend. Dem es zumindest langsam zu gelingen schien, Valravn, als solchen, wieder wahrzunehmen, ihn zu erkennen und in sein Gesicht zu blicken, dessen markante Züge, deutlich weicher, sanfter anmuteten, obschon der Unterschied minimal war aber Jesse, nahm die Feinheiten wahr. Wenn der Schwede sich vor ihm nicht verschloss, konnte sein Mann ihn lesen, wie kein Anderer, die kleinste Regung, in dessen, oftmals ausdruckslosen Pokerface, nahm er wahr und wusste dieses auch entsprechend zu deuten.
Valravn war jeher minimalistisch, seine Mimik und Gestik betreffend, doch nicht weniger ausdrucksstark dadurch, im Gegenteil. Der Schwede hütete seine Geheimnisse, seine Emotionen, wie einen Schatz und gewährte nur selten, wenn auch nur seinem Mann, wahrlichen Einblick. Wie in diesem Moment, wo ihm zwar daran lag, Kontrolle über die Situation zu erlangen, doch in erster Linie, spiegelte sich Besorgnis in dem dunkelbraunen, verbliebenen, Auge wider, dass ebenso kalt, bedrohlich anmuten konnte, wie auch sanft, voller Güte und Verständnis. Sein Liebster schnappte förmlich nach Luft, ehe er sich im nächsten Augenblick an ihn klammerte, da Valravn noch immer selbst im Handtuch verweilte, spürte er die Fingernägel von Jesse, mit deutlichem Druck, auf seiner nackten Haut. Unter anderen Umständen fände er es vielleicht sogar prickelnd, doch im Moment, war dies nichts weiter, als der verzweifelte Versuch, seines Liebsten, Halt zu finden, an dem Fels in der Brandung, welcher der Schwede immer schon für ihn darstellte und auch sein wollte.
Noch immer hielt er das Gesicht seines Mannes in den Händen, streichelte, behutsam, liebevoll, dessen Wangen und ließ nicht ab, von dessen blauen Augen, die ihren Fokus, auf Valravn, langsam zurückerlangten scheinbar. Es brauchte einen Moment aber Jesse antwortete auf seine, wenngleich ungewöhnlich anmutende, Frage, nach dem Inhalt seines Einkaufswagens. Was nun mehr als ganze 15 Jahre zurücklag. Doch ebenso wie Valravn, erinnerte Jesse sich an dieses Detail, obschon sein Mann, da noch weitaus präziser war, aufgrund seines eidetischen Gedächtnisses.
"Richtig, eine Tomate ..."
Bestätigte er ruhig, ließ seinen Mann fortfahren, der, wie sollte es anders sein, sich an die genaue Uhrzeit, sowie das Gewicht der Tomate erinnerte, die Einzige, welche Valravns Ansprüchen genügen konnte, gerade so. Aber das war nicht alles, was er wissen wollte, sein Mann brauchte auch dafür nicht lange, obschon die Antwort später über seine Lippen kam, so wusste der Schwede, dass Jesse, das Bild genau vor Augen hatte, als sie, zum ersten Mal, unerwartet, am Tisch gesessen und gefrühstückt hatten, weil Valravn, es als seine Pflicht sah, Jesse einmal etwas Anständiges zu kochen.
Weil er ..neugierig war auf diesen Mann.
Der wahrlich auf dem schmalen Grat, zwischen Genie und Wahnsinn, zu wandeln schien, mehr denn je, seit die Welt, seine eigene kleine Welt, völlig aus den Fugen geraten war. Hätte Valravn ihm nicht gezeigt, wie man sich über die Schafe erhebt, wie man zum Wolf, zum Löwen, unter ihnen wird, wer weiß, wie lange sein Mann überlebt hätte. Womöglich gar nicht? Doch diesen Gedanken schob der Schwede von sich, die, aus dem Kontext gerissenen, Fragen, schienen Jesse dabei zu helfen wieder zu sich zu kommen, langsam etwas zu entspannen, unter diesen Umständen zumindest. Sein Mann schien nun auch den Schmerz wahrzunehmen, zu realisieren, dass er sich verletzt hatte und Valravn atmete erleichtert auf, während Jesse, dem pochenden Schmerz, am Hinterkopf, auf die Spur ging. "Du hast dir den Kopf gestoßen Schatz, ... bist du ausgerutscht?"
Fragte Valravn ganz neutral, so als habe er Jesses, seltsames, verwirrtes, Verhalten gar nicht mit bekommen aber er drückte sich bewusst so aus, wollte vorerst, nicht mehr als nötig, nachbohren, ihn mit Fragen löchern. Wichtiger war, dass Jesse wieder runterkam, sich beruhigte, aufhörte zu zittern vor Anspannung, gar Angst, wie es schien. Zunächst schien es auch so, als würde sein Mann langsam wieder zur Ruhe kommen, in winzig kleinen Schritten, doch kaum, dass er das Blut an seinen Fingern sah, sein Eigenes Wohl gemerkt, spannte sein Körper sich wieder an. Valravn jedoch wahrte die Ruhe, obschon er wusste, worauf es hinauf lief, Jesse war an dem Punkt, wo es nicht mal mehr einen Schubs brauchte, bis er einen Anfall bekam, ein Luftzug schien da schon zu genügen, wenn überhaupt. Als dessen Stimme sich förmlich überschlug, sah Valravn ihn zunächst schweigend an, sein Mann war fix und fertig, ab diesem Punkt war es schwer, Jesse noch zurückzuholen, dieser Episode den Riegel vorzuschieben, manchmal klappte es aber oftmals musste der Schwede sie einfach zulassen, abwarten oder sich anderweitig behelfen, als mit Worten, um seinen Mann eine Stütze sein zu können. "Schatz, sieh mich an. Jesse."
Redete er beruhigend auf seinen Mann ein, dessen Blick er erneut einzufangen versuchte, vergebens, die letzten Nächte waren die Hölle für seinen Mann, Valravn war an sich sogar darauf eingestellt, dass es, irgendwann, wieder passierte und Jesses Verstand komplett dicht machte, aufgrund der Reizüberflutung, des Schlafmangels, dem Stress, als auch Druck, der seit Wochen auf ihm lastete, seit seine Mission, in Balar, durch Valravns Rückkehr in sein Leben, in eine völlig andere Richtung verlief, als durchgeplant war.
Jesse konnte nur schwer damit umgeben, wenn sein, akribisch geplanter, Ablauf gestört wurde und sein ganzes Konzept über den Haufen geworfen wurde. Er brauchte seine Routine, seine mentale Vorbereitung, seine Struktur, sogar einen simplen Einkauf betreffend, den er so akribisch durchplante, wie ein militärisches Manöver im Krisengebiet. Valravn war die einzige Variable, die Unbekannte, die Jesse, nach zehn Jahren, einfach nicht mehr eingeplant und auf dem Schirm hatte. An jenem Abend hatte sein Mann einen Anfall, in den letzten beiden Wochen, seit ihrer Wiedervereinigung, schlafwandelte er vermehrt, er fühlte sich nicht wohl in dem Dorf, das wusste Valravn, noch dazu waren sie eingeschneit gewesen, ohne Möglichkeit dem Treiben, den Geräuschen und Leuten entkommen zu können. Es hatte Gründe, weshalb sie früher, so abgeschieden gelebt haben, obschon sie unterschiedlicher kaum sein konnten. Jesse wollte so wenig Reize wie möglich um sich herum haben, weil er schlichtweg Alles, auf einen Blick wahrnahm und sein Mann, er wollte seine Geheimnisse wahren, seine Ruhe haben, er war ein Einzelgänger.
Und jetzt standen sie hier, im Badezimmer von Jesses Wohnung, im Zoo, dessen Verstand, sein Körper, den Punkt erreicht zu haben schienen, wo er drohte einen Anfall zu kriegen. Nein, nicht drohte, spätestens, als dieser das Blut sah, war Valravn klar, der Point of no Return war überschritten, ab da könnte er auf ihn einreden wie er will, natürlich versuchte er es noch, doch Jesse machte dicht. Sein ganzer Körper verkrampfte, er zitterte, es war nicht mehr nur Duschwasser, dass von seinen Haarspitzen tropfte, er schwitzte, so als wäre er gerade einen Marathon gelaufen, sein Atem ging stoßweise, schnappend und sein Mann?
Alles was Valravn tun konnte ab dem Punkt, war es zu warten, lediglich darauf zu schauen, dass Jesse ihm nicht umkippte, sich dadurch unnötig verletzte. "Jesse?"
Sprach er ihn dennoch an, seine rechte Hand, wanderte von Jesses Wange hinab, sodass er seinen Unterkiefer, sein Kinn greifen und somit den Kopf seines Mannes anheben konnte, ihn dazu brachte den Hals zu recken. Beinahe schon ungerührt betrachtete der Schwede seinen Mann, doch in solchen Momenten, war er mehr Arzt, denn Jesses Verlobter, weshalb er mit der anderen Hand, dessen nasses Haar zurückschob, nach hinten strich und die Stirn seines Mannes fühlte. Womöglich hatte er leichtes Fieber, aufgrund dessen, dass die letzten drei Tage, wie auch Nächte, die Hölle gewesen sein muss für seinen Mann, es würde ihn nicht wundern, wenn sein Immunsystem, aufgrund des anhaltenden Stresses, anfälliger wurde.
Valravn ließ die Hand sinken, jedoch nur ein Stück, sodass er Jesses Augenlider bewegen, nach Oben bzw. Unten zog, um zu schauen, wo sich die Position seiner Iris befand, doch er sah nur weiß, ja, sein Mann hatte einen leichten Anfall in diesem Moment. Leicht, aus Sicht seines Mannes, der die Hände sinken und Jesse einfach so stehen ließ, er kippte nicht um, er wirkte viel mehr als befände er sich im Leerlauf, nicht fähig zu handeln, geschweige zu denken oder zu reagieren.
Der Schwede atmete ruhig durch, sah ihn einen Moment lang an und verließ wortlos das Bad, Jesse würde sich nicht vom Fleck rühren, sie hatten solche Episoden früher schon oftmals gehabt, meist wenn sie intensiver gejagt haben, Jesses schlechtes Gewissen wieder Einzug hielt, er sich unnötig belastete mit ... Mitgefühl.
Sein Mann war weitaus sensibler als der Schwede, obschon sie Beide, bravourös, nach Außen hin eiskalt aber auch arrogant sein konnten. Valravn natürlich mehr als Jesse, doch er hatte auch seine Anwandlungen, wo er richtig scharfzüngig, überheblich wurde. Er begab sich ins Schlafzimmer, wo er die Satteltaschen von Sleipnir verstaut hatte unterm Bett, diese hervorgezogen, nahm er daraus seine schwarze Tasche, mit dem chirurgischen Besteck, sowie anderen Utensilien, die er nutzte. Seine eigentliche Arzttasche, stand oben auf dem Kleiderschrank, die er jedoch nicht benötigte, denn das, was er brauchte, versteckte er ganz woanders in der Wohnung, aus Gründen.
Auf dem Esstisch legte er seine Tasche ab, holte eine der, ihm verbliebenen, steril verpackten Spritzen hervor, sowie ein kleines dunkles Fläschchen, dessen Etikett schon etwas verblasst war, doch mit seinen Vorräten ging Valravn, immer schon, sehr sparsam um. Zudem nahm er, manchmal, selten, das Risiko auf sich, in eine Ansiedlung, eine Großstadt zu gehen, um nach medizinischen Vorräten zu suchen.
Natürlich hatte er Medikamente, deren Mindesthaltbarkeitsdatum schon abgelaufen war, doch man wusste nie, ob sie nicht doch noch mal einem das Leben retten konnten. Er riss die kleine Verpackung auf, nahm sich die Spritze zur Hand und zog, eine kleine Dosis, von dem übrig gebliebenen Sedativum auf, was sich noch in seinem Besitz befand. Manche Dinge musste er bereits auf anderem Wege aufstocken, natürliche Alternativen finden, Schlafmohn zum Beispiel, doch den würde er gewiss nicht für Jesse nehmen. Das Suchtpotenzial seines Mannes war viel zu stark ausgeprägt.
Mit der Spritze begab sich Valravn zurück ins Bad, klemmte sie zwischen die Zähne, als er an seinen Mann herantrat, er hob die Hand, bewegte sie vor dessen Gesicht, auf und ab, doch es kam keine Reaktion. Wie erwartet, stand er noch immer so da, wie er ihn im Bad belassen hatte.
Wortlos nahm er sich Jesses linken Arm, sowie die Spritze in die andere Hand, sein Blick richtete sich, für einen Atemzug lang, auf das Gesicht seines Liebsten, der ihm mehr graue Haare beschert hatte, als irgendwer sonst, er würde sogar behaupten, dass Jesse die Arbeit dem Zahn der Zeit, schon vor dem Ausbruch, abgenommen hatte.
Er führte die Nadel unter Jesses helle Haut und verabreichte ihm die kleine Dosis Beruhigungsmittel, vielleicht entspannte sein Körper sich dann etwas, ungern griff der Schwede zu solch einem Mittel aber manchmal, da war es unumgänglich, schließlich wollte Valravn auch nicht, dass sein Mann unnötig litt oder zu lange, in solch einem Zustand verweilte. Zum Glück hatte er sich nicht auf die Zunge gebissen, so verkrampft wie er war, könnte das wirklich eine blutige Angelegenheit werden und Valravn musste ihm, früher einmal, förmlich den Kiefer aufzwingen, als er bei einem Anfall, kurz davor war sich die Zunge abzubeißen, dafür waren seine Daumen Jesses Zähnen zum Opfer gefallen, was der Schwede recht gelassen genommen hatte. Am Ende hatte er zwar selbst geblutet aber es war noch alles an ihm dran.
"Schatz? ... Jesse? Hörst du mich?"
Wandte er sich seinem Mann zu, zog die Spritze wieder weg und legte diese, hinter sich, auf dem Rand des Waschbeckens an, sein Blick glitt dabei über Jesses Körper, bis rauf zu dessen Gesicht. "Jesse, wenn du mich hörst, tust du mir einen Gefallen? Auch wenn du dich nicht danach fühlst, lächel doch bitte einmal für mich." Wies Valravn ihn ruhig an, wollte sehen, inwiefern er zu ihm durchdringen konnte in diesem Moment. Ab jetzt hieß es erst einmal für ihn zu warten, sowie dann, dafür Sorge zu tragen, dass sein Mann, definitiv, ins Bett kam.

@Jesse Redford


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#12

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 18.02.2020 15:53
von Jesse Redford (gelöscht)
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Die Mission in Balar wäre für Jesse kein Problem gewesen. Er hatte sich darauf vorbereitet und hatte gewusst, was er tat. Seine moralische Flexibilität war vielleicht nicht ganz so sehr ausgeprägt wie bei manch anderen Leuten heutzutage. Auch wenn er schon mehr als einen Menschen getötet hatte, noch bevor die Welt in ihre tiefsten Abgründe gestürzt war, so hatte er das Herz stet am rechten Fleck behalten. Er hatte Menschen zwar genau wie sein Partner als Vieh betrachtet. Doch diese Menschen verzehrten selbst Vieh, hielten sich jedoch zeitgleich Haustiere, die sie manchmal besser behandelten als ihre eigenen Kinder. Val hatte ihm diese Weltsicht gelehrt. Menschen waren Vieh. Trotzdem, Jesse war eben auch gutmütig und freundlich, wenn er wollte. Grundsätzlich hatte er es zwar immer vorgezogen alleine zu sein, den Menschen aus dem Weg zu gehen, doch in kleinen Dosen empfand er soziale Interaktion durchaus als angenehm. Er hatte seine Reitschüler immer sehr geschätzt und auch mit seinen Nachbarn ein ganz gutes Verhältnis gepflegt. Niemand von ihnen hatte je geahnt, dass er zur Beschäftigung und dem gemeinsamen Amüsement mit seinem Mann Menschen tötete, ausnahm und anschliessend verspeiste. Niemand von ihnen wusste, dass er ein Kannibale war, der sie im Grunde wie seine Haustiere unter dem Vieh betrachtete.
Deswegen hatte er kein Problem gehabt nach Balar zu gehen in der Absicht diese Kolonie auszuspionieren. Es hatte ihn nicht gestresst. Oder zumindest nicht mehr als ihn alles andere stresste. Unter anderen Umständen hätte er dieses Dorf sogar irgendwie geniessen können, früher vielleicht als Ausflugsziel. Immerhin hatte er sich damals schon gern in die Natur zurückgezogen, wenn ihm der Alltag zu viel wurde.
Doch dann geschah das, womit er am allerwenigsten gerechnet hatte. Der Mann, der ihn in seinem Leben massgeblich beeinflusst hatte, tauchte ohne Vorwarnung wieder auf. Val, der kein Nein von ihm je akzeptiert hatte, der ihn so lange umgarnt, umworben und manipuliert hatte, bis er ihm verfallen war. Der Mann, der ihm gezeigt hatte, wie nah Leben und Tod beieinander stehen konnten, wie schön es sein konnte, darüber zu verfügen. Der Mann, von dem er viel zu spät realisierte, dass er seinem Bann nie wieder entkommen würde. Er hatte sich einmal erfolglos versucht von ihm zu trennen, weil ihm seine moralischen Bedenken dazwischen gekommen waren, doch auch das hatte der Schwede nicht akzeptiert. Dann hatte das Schicksal sie getrennt und Jesse hatte gelernt, dass er doch auf eigenen Beinen stehen konnte. Dass er sein gutes Herz mit dem Wissen kombinieren konnte, das Val ihm nähergebracht hatte. Doch er hatte die Freiheit auch irgendwie genossen. obwohl er Val jeden Tag vermisst hatte, weil ihm dessen Führung fehlte und er den Mann schliesslich von ganzem Herzen liebte, hatte er wieder gelernt selbstständig zu sein, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Ein ganzes Jahrzehnt lang, bis er erst Scorpion und nur ein Jahr später schliesslich Val wieder begegnet war. In dem Augenblick in der Reithalle hatte er solche Erleichterung und Freude verspürt, den Mann wieder zu sehen, dem er sein Leben zu Füsse gelegt hatte. Gleichzeitig war jedoch auch die Gewissheit in seinen Verstand zurückgekehrt, dass damit die Tage der völligen Freiheit gezählt waren. Val tat, was er immer tat. Er röntgte ihn, fand innert kürzester Zeit heraus, dass Jesse aus anderen Gründen da war, als er vorgab. Dass seine Anwesenheit auf einem Lügenkonstrukt thronte. Val war in der Lage Jesses Lügen zu enttarnen, schliesslich hatte er ihn dazu erzogen ihn nie, unter keinen Umständen jemals anzulügen. So sehr, dass Jesse nicht mehr in der Lage war Val anzulügen ohne nervös zu werden, ohne in ein Verhaltensmuster zu fallen, das ihn direkt verriet. Ganz anders als bei anderen Menschen, denen er lächelnd ins Gesicht lügen konnte. Bei Val funktionierte das nicht mehr.
Val brachte das Lügenkonstrukt mit wenigen bohrenden Fragen zum Einstürzen, liess die Mauern bröckeln, die Jesse aufgebaut hatte, spiesste ihn mit seinem Blick auf und brachte ihn auf seinen Platz zurück. An Vals Seite als dessen Partner und Besitz.
Die Rückkehr seines mittlerweile Verlobten war ungeplant, eine Variable die absolut nicht hätte in Erscheinung treten sollen, so sehr Jesse sie auch begrüsste. Doch es brachte alles durcheinander, was die letzten paar Wochen und vor allem Tage für ihn zu einer einzigen mentalen Achterbahnfahrt machte.
Der erste Anfall erfolgte prompt am ersten Abend, es war einer der aggressiven Anfälle gewesen, die Jesse durchaus zeigte, wenn er unter Druck stand, wenn man ihn mit unbequemen Fragen löcherte oder auf seine Fehler und Verfehlungen hinwies, die er sich nicht eingestehen wollte. Oder wenn er sich ungerecht behandelt fühlte. Diese Anfälle hatte er schon im Kinds- und Jugendalter hin und wieder gezeigt, wenn ihm einfach die Hutschnur geplatzt war und er einfach nicht mehr alles aushielt, was auf ihn einprasselte.
Die Art Anfall, die er nun fast drei Wochen später erlitt war anders. Das kam erst im Erwachsenenalter und wurde erst dann häufiger, als er mit dem Morden begann. Wenn seine Mordlust, seine neue Lebensansicht sich mit seinem mentalen Stress, der Überforderung und seinem moralischen Empfinden stritt und sein ganzes inneres System zu kollabieren drohte, verfiel er in diesen Zustand.
Als er das Blut auf seinen Fingern sah, realisierte was passiert war, weil er etwas gesehen hatte, das womöglich nicht echt war, obwohl er von tiefstem Herzen überzeugt war, dass der Untote hier vor ihm gestanden hatte, löschte es ihm ab. Er selbst bemerkte den Übergang gar nicht, stattdessen verkrampfte sich sein Körper einfach komplett, er senkte die Hände, verfiel in einen angespannten, tranceartigen Zustand, der mit einem Schweissausbruch einher ging. Seine Körpertemperatur stieg innert kürzester Zeit rasant an. Wäre er nicht schon vom Duschwasser komplett nass gewesen, so hätte sich das Tuch um seine Schultern spätestens jetzt langsam feucht angefühlt. Schweiss tropfte ihm von den Schläfen über die Wange, perlte ihm auf der Stirn, trat ihm regelrecht aus allen Poren. Seine Augen rollten unkontrolliert nach oben, seine Augenlider flatterten, seine Kiefermuskulatur war so verkrampft, dass die Kiefer knackten. Sein Atem ging stossweise, unregelmässig, klang mehr wie ein Hecheln, während ein konstantes, leichtes Zittern ihn beherrschte. In seinem Kopf herrschte absolute Leere, er war auf Standby, völlig unfähig sich zu bewegen, zu artikulieren oder auch nur annähernd irgendetwas wahrzunehmen. Er würde sich später nicht einmal mehr an diese Minuten erinnern, es würde ein weiterer, dunkler Fleck ohne Erinnerung in seinem ansonsten makellosen Gedächtnis sein, das sonst immer viel zu sehr auf Hochtouren lief. Wie ein überhitzender PC stand er in dem Raum und bewegte sich nicht mehr. Er fiel aber auch nicht um, seine verkrampften Muskeln hielten ihn aufrecht und liessen nicht zu, dass er zusammenklappte.
Erst als das Sedativum in seinen Körper gelangte, durch die Spritze, welche sein Mann ihm gab, lockerte sich sein Körper langsam wieder. Es dauerte einen Augenblick, bis das Mittel seine Wirkung entfaltete und ihm dabei half, sich aus dem verkrampften Griff zu lösen, mit dem sein Körper ihn gefangen hielt. Entspannung hielt langsam wieder Einzug, Jesses Atmung wurde regelmässiger, flachte ein wenig ab und er schloss die Augen gänzlich. Das Erste was er wieder wahrnahm war dass sein ganzer Körper schmerzte. Seine ganzen Muskeln waren für einige Minuten ein einziger Krampf gewesen, der sich nun löste und trotzdem noch immer strahlte. Es fühlte sich als würde er jede Muskelfaser in seinem Körper spüren können. Damit hielt auch ein Zustand der Erschöpfung Einzug. Natürlich war das auch dem Sedativum zu verschulden. Jesse atmete zitternd ein, seine Augenlider flatterten, als er die Augen halb öffnete. Er hörte Vals Stimme sehr dumpf, als würde er in tiefem Wasser liegen, in einem Wassertank und jemand klopfte von aussen gegen die Scheibe. Nichts weiter war sein Verstand im Moment. Er fühlte sich an wie die tiefsten Tiefen des Ozeans, dunkel, dumpf und bedrückende Leere. Nur langsam startete sein Gehirn wieder, liess ihn auf das reagieren, was er hörte. Er beantwortete Vals frage zwar nicht, seine Zunge fühlte sich so schwer an, zu sprechen war ihm viel zu anstrengend. Auch um seiner Bitte nachzukommen benötigte Jesse einige Sekunden, weil er erst einmal wieder die Kontrolle über seine Gesichtszüge zurückerhalten musste. Er sah Val an und verzog den Mund zu einem Lächeln, das mehr einer Grimasse dem einem Lächeln glich, doch es war zumindest ein Anfang. Doch er konnte es nicht lange aufrecht erhalten, es fühlte sich an, als würde er Gewichte stemmen.
"Ich ... ich will ins Bett", sagte er mit rauer Stimme und schaute sich nach der Tür um. Immerhin spürte er sich wieder, er war nur elendig erschöpft. Trotzdem rechnete er irgendwie nach wie vor damit, dass der untote Marcus gleich wieder ins Bad gestürzt kam er war sich SO sicher, ihn gesehen zu haben und das war das Letzte woran er sich gerade erinnerte. Immerhin senkte das Sedativum sein Schmerzempfinden auch wieder, sodass er die Wunde an seinem Kopf und seine verbrannte Hand gar nicht wahrnahm. Er wollte sich einfach nur noch hinlegen.

@Valravn Vargström


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#13

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 18.02.2020 20:45
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Tatsächlich hegte der Schwede nie ein schlechtes Gewissen, er besaß einfach keines, er empfand keinerlei Reue, wenn er jemandes Leben beendete, er selektierte, schritt durch die Menschen, besah sie sich, wie das Vieh auf einem Markt, einen Hummer im Aquarium, eines noblen Restaurants und traf dann, oftmals mit seinem Mann, dann die Entscheidung, welches Schaf zur Schlachtbank geführt, sowie später verspeist werden sollte. Bei seinem Mann verhielt es sich etwas anders, wenngleich Valravn ihn wunderbar abgerichtet, ausgebildet, förmlich trainiert hatte, besaß dieser, oftmals, zu viel Mitgefühl. Zumindest kam es, dann und wann, zum Vorschein, irgendwann gipfelte, dessen schlechtes Gewissen, dieser Anflug von Moral, in einem Anfall, der sich stark unterschied, von jenem, den Jesse in Balar gehabt hatte, am Abend ihrer Wiedervereinigung.
Der Schwede war daran angepasst, dafür gewappnet, darauf vorbereitet, jedoch nicht auf die Situation, die sich, an diesem Tage, im Badezimmer der Wohnung abspielte, welche Jesse, als Mitglied von Scorpions Gefolgschaft, bezogen hatte.
Sein Mann war außer sich, verwirrt, weitaus schlimmer, als wenn er schlafwandelte und plötzlich wach wurde, sei es von selbst oder durch ein Geräusch, was Valravn nicht beeinflussen konnte, aber er war nicht geschlafwandelt. Jesse hatte etwas angestarrt, fixiert, als stünde es auf der anderen Seite der Glasscheibe, leibhaftig, vor ihm aber da war nichts gewesen, das ließ die Vermutung zu, dass sein Mann, nebst all den anderen Päckchen, die er zu tragen hatte, womöglich eine Halluzination gehabt hatte. Eine solch Reale, dass Jesse, außer sich war und den Unterschied nicht festmachen konnte, sich selbst daraus nicht zu befreien vermochte, wenn Valravn Recht behielt und er hatte immer recht, mit seiner Vermutung, dann würde dies auch Jesses, seltsame, Reaktion erklären, als er ihn vor einer, vermeidlichen, Gefahr zu warnen versucht hatte.
Den Anblick, welcher Jesse bot, zitternd, verkrampft, da stehend wie angewurzelt, doch völlig außer Stande, sich zu bewegen, zu sprechen, die Augen völlig verdreht, der Schweiß, der förmlich über sein Gesicht lief, mutete mit Sicherheit auf einen Außenstehenden, befremdlich, gar verstörend an. Gewiss würde Valravn Unverständnis entgegenschlagen, aufgrund seiner, kalten, ungerührten Reaktion, dem perfekten Pokerface, das sich auf seinem Gesicht eingestellt hatte, aber er konnte sich davon professionell distanzieren, er war Arzt, Veterinär und Psychiater gleichermaßen, zwei Doktortitel hatte er inne. Gefühle hatten keinen Platz, nicht in solch einer Situation, was wäre er Jesse für eine Hilfe, wenn er nun panisch, übertrieben fürsorglich, reagieren würde? Er heulte doch auch nicht, bei jedem Hund, den er in seiner Praxis damals hatte einschläfern müssen oder andere Tiere. Das wäre schlichtweg fehl am Platz, es oblag ihm, als Älterer, wie auch führender Part, in ihrer Beziehung, Jesse eine Stütze zu sein, ihn zu beschützen und ihm zu helfen, betüdeln konnte er ihn immer noch, sobald der Anfall abebbte aber im Moment, musste er einen emotionalen Abstand wahren. Das bedeutete nicht, dass er Jesse nicht liebte, so etwas würde nur jemand behaupten, der absolut keinerlei Ahnung hatte.
Stattdessen prüfte er seinen Zustand, versicherte sich, dass sein Mann, sich nicht auf die Zunge biss, ja, seine Temperatur war sprunghaft angestiegen, doch das war normal unter diesen Umständen, ebenso der Schweißausbruch, auch das war nicht ungewöhnlich bei Jesse. Nicht selten, wechselte sein Mann, Nachts, sogar das Shirt oder legte sich mit Handtuch ins Bett. In solchen Momenten entschied Valravn sich auch, wenn es wirklich keine Alternative gab, dafür, seinem Mann mit einem Beruhigungsmittel zu helfen, keine Dosis, die ihn ausknocken oder völlig handlungsunfähig machen sollte, nur so viel, dass sein Körper sich entspannen konnte und sein Verstand, ebenfalls, etwas zur Ruhe kam. Er könnte sich auch dagegen entscheiden, doch Jesse hatte sich, in seinem wahnhaften Verhalten, selbst verletzt und Valravn wollte nur eines, dass sein Mann zur Ruhe kam, allen voran damit er ihn verarzten konnte.
So wartete er geduldig, es brauchte ein paar Augenblicke, bis das Sedativum anfing Wirkung zu zeigen, ungerührt, nach Außen hin, beobachtete Valravn die Lockerung seiner Muskeln, Jesses Atmung wurde ruhiger, flacher, es glich nicht länger einem Hecheln, seine Kiefer entspannten sich und er schloss gänzlich die Augen. Der Schwede trat lediglich etwas näher heran, nicht zu nah, damit Jesse sich nicht bedrängt fühlte, schließlich musste sein Verstand erst wieder hochfahren, und Valravn wollte nicht, dass er sich erneut erschreckte, aber er kam nah genug, damit er, im Notfall, seinen Mann packen, halten konnte, sollte er doch drohen einfach umzukippen.
Es dauerte etwas bis Jesse reagierte, seiner Aufforderung, seiner vermeidlichen Bitte, nachkam, nicht weiter schlimm, sie hatten alle Zeit der Welt. Wie immer. Schließlich vollbrachte sein Mann es, den Schweden, anzusehen und zu lächeln, was Valravn, ebenso erwiderte, liebevoll, gar unpassend fröhlich, wenn gleich auch nur für einen winzigen Augenblick. Er trat an Jesses Seite, legte den Arm, schützend, ebenso führend, um seinen Mann, fasste an dessen Schulter und hielt ihn stützend fest, nur zur Sicherheit, dem Schweden lag viel daran, dass sein Mann sich nicht noch mehr, als eh schon, verletzte. Schweigend erfüllte er Jesses Wunsch, er verließ mit ihm das Bad, sein Blick ruhte dabei, unentwegt auf seinem Mann, den er ganz in Ruhe, ohne jegliche Hektik, Eile, durch die Wohnung führte und zum Bett im Schlafzimmer geleitete. Sein Liebster wirkte ganz erschöpft, nicht nur aufgrund des Sedativum aber zumindest verschaffte es ihm etwas Ruhe, Valravn führte ihn zu Jesses Seite des Bettes, ließ ihn darauf erst einmal Platz nehmen. "Warte bitte noch einen Moment, ehe du dich hinlegst, ja?"
Bat der Schwede ihn mit ruhiger, sanfter Stimme und streichelte liebevoll über Jesses Wange, es dauerte auch kaum mehr als eine Minute, er holte aus der Kommode lediglich ein frisches Handtuch, dass er zu seinem Mann brachte, dem er das Feuchte von den Schultern nahm und stattdessen, das Frische, Trockene, um diese legte, damit er sich nicht gänzlich unwohl fühlte. Immerhin hatte er, zuvor schon, daran gedacht eine Kompresse, auf dem Weg zum Schlafzimmer, mitzunehmen, die er zusammen gerollt, verpackt, zwischen die Finger geklemmt hatte.
Er öffnete die sterile Verpackung, nahm die Kompresse heraus und beugte sich, nach vorn, jedoch an Jesse vorbei, sodass er einen Blick auf seinen Hinterkopf werfen konnte, er hatte sich die Stelle gemerkt und drückte die Kompresse auf den Bereich, wo er sich den Kopf angeschlagen hatte. Seine Hand ließ er noch an dieser aufliegend. "Schatz, leg dich vorerst auf den Rücken, bitte. Ich möchte mir noch deine Hand ansehen." Der Schwede half natürlich etwas nach, so erschöpft, ermattet, wie Jesse, durch den Anfall und das Sedativum, nun war, hatte Valravn keinen großen Widerstand zu erwarten, er beließ die Hand an seinem Hinterkopf, legte die Andere an Jesses Schulter, ehe er ihn zurückschob, sachte aber doch bestimmend, bis er sich, wie gewünscht hinlegte. "Ich weiß, du bist erschöpft und müde, ich brauche nicht lang, dann lasse ich dich in Ruhe."
Vielleicht konnte Jesse dann noch ein wenig schlafen, der Schwede hoffte es durchaus, denn Schlaf war solch seltenes Gut für seinen Mann und diese, immense, Erschöpfung, die seinen Mann gepackt hatte, verhalf ihm womöglich noch zu ein paar friedlichen, erholsamen Stunden. Einen Moment lang sah er Jesse nur an, nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte, er sagte nichts, sondern setzte sich sogleich in Bewegung, denn nun holte er seine Arzttasche vom Schrank herunter, die wenigen Schritte, zurück zu Jesses Seite des Bettes, waren rasch überbrückt, bevor er auf dem Bettrand, bei seinem Mann Platz nahm.
Nach vorn gebeugt, öffnete er die Tasche, welche er vor sich, auf dem Boden, zwischen den Füßen abgestellt hatte, hervorholte er eines der sauberen Tücher, faltete es etwas zusammen und drehte sich zu Jesse, dem er erst einmal den Schweiß von der Stirn, aus dem Gesicht und vom Hals wischte, damit er sich, nicht ganz so schrecklich fühlte.
Valravn hatte daran kein direktes Vergnügen, empfand es aber auch nicht als Pflicht, er ... kümmerte sich einfach.
So kaltblütig er auch mordete, Valravn hatte einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt, er war Vater zweier Töchter gewesen, hatte den Haushalt geführt, nebst der Arbeit in der Praxis, ihnen die Haare geschnitten, mit ihnen gespielt, täglich dafür gesorgt, dass seine Familie anständiges Essen auf dem Tisch hatte oder in der Lunchbox.
Alles was vom Rudel, des alten Wolfes, übrig geblieben war ... ist Jesse.
Sein Gefährte, sein Seelenverwandter, sein Gegenstück.
Er legte das feuchte Tuch auf dem Nachttisch ab, fasste nach Jesses Handgelenk, um seinen Arm auszustrecken, zu sich zu ziehen, damit er sich dessen Handfläche ansehen konnte, sein Mann hatte, nicht mal bemerkt, wie er sich verbrannt hatte.
Für einen, vielleicht zwei, Atemzüge lang, sah der Schwede, ein wenig Gedankenverloren, hinab auf die Hand seines Mannes, sein frisch geschnittener, Pony, mit der weißen Strähne, fiel dabei zurück in sein Gesicht, schließlich hob er den Kopf, drehte auch den Oberkörper ein wenig zur Seite, sodass er ihn besser ansehen konnte und schenkte diesem, ein kleines, schwaches Lächeln. An sich wollte er ihn aufmuntern, doch das Verhalten seines Mannes, bereitete ihm Sorge, weshalb es ihm vielleicht dieses Mal, nicht so bravourös wie sonst, gelang diese gänzlich unter Verschluss zu halten, sein Lächeln wirkte mehr traurig, als aufbauend.
Er liebte Jesse, so sehr, dass es ihn wahnsinnig machte an manchen Tagen.
In der Dusche hätte er sich ernsthaft, schlimmer noch, verletzen können, Jesse hätte ausrutschen und sich das Genick brechen können! Erst jetzt kam ihm dieser Gedanke, in den Sinn, weshalb der Schwede, erneut, hinab sah auf Jesses Hand, tief Luft holte und mit der Eigenen über seinen Mund, das bärtige Kinn fuhr.
"Schatz, ... ich weiß, du bist müde aber ...beantworte mir bitte, noch, diese eine Frage."
Valravn hob den Blick wieder an, betrachtete seinen Mann, der so ermattet, K.O. wirkte und dem er, seine wohl verdiente Ruhe gönnen wollte. "Hast du in der Dusche, .... im Bad, etwas gesehen? Etwas .. dass dich erschreckt hat?"
Fragte er vorsichtig, ruhig nach, da er Jesse nicht das Gefühl geben wollte, unter dem Mikroskop zu liegen, er wollte auch keine Details, ein schlichtes Ja oder Nein, das würde Valravn, im Moment, genügen und sie würden dieses Gespräch, viel später, führen. So wie immer. Ein kleiner Schritt nach dem Anderen.

@Jesse Redford


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#14

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 19.02.2020 23:36
von Jesse Redford (gelöscht)
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Auf dem Weg ins Schlafzimmer versuchte Jesse sich zu erinnern was genau passiert war. Trotz Sedativum kriegte er seine Umgebung noch voll mit. Val hatte ihm nur eine kleine Dosis gegeben, genug, damit er sich erst einmal entspannen konnte. Er wusste, Val würde früher oder später wissen wollen, was ihn dermassen erschreckt hatte, dass er ausgerutscht war.
Noch einmal liess er sich durch den Kopf gehen. Er hatte geduscht ... War so unglaublich müde gewesen, hatte sich gegen das kühle Glas gelehnt.... und dann waren da diese Augen. Diese blutunterlaufenen, toten, leeren Augen eines Untoten. Marcus... Warum sah er Marcus als Untoten? Er war offensichtlich nicht hier, sonst ... Aber er war sich so sicher, dass er ihn gesehen hatte! Vielleicht hatte er eine Untotenmaske getragen...Das konnte es sein! Vielleicht wollte Marcus ihn erschrecken, weil er mitgekriegt hatte, was Val mit ihm vorhatte.
Sein Verstand rotierte, doch zum Glück nicht so stark wie auch schon. Den Weg zum Schlafzimmer kriegte er so beinahe nicht mit. Er liess sich auf die Matratze drücken, wo er sich hinsetzte aber auf Vals Worte hin noch nicht hinlegte. Er wollte allerdings wirklich einfach nur noch schlafen. Erschöpft und in sich zusammengesunken wartete er darauf, dass Val zurückkehrte. Dieser legte ihm ein frisches Handtuch um, das JEsse erneut etwas enger zog um seine Brust, es anschliessend aber wieder losliess. Er schaute zu, wie Val eine Kompresse herausholte und spürte kurz darauf den sanften Druck auf der Wunde an seinem Hinterkopf. Der Schmerz war zum Glück nicht mehr so intensiv dank dem Sedativum. Also liess er seinen Mann einfach machen. Auch als der ihn dann langsam auf das Bett drückte, gehorchte Jesse augenblicklich und legte sich auf den Rücken. Er starrte an die Decke, wobei sein Hinterkopf beinahe hypnotisierend pochte. Jedoch nicht schmerzhaft, sodass er es einigermassen ignorieren konnte. Er blickte zu Val, der seine Hand betrachtete, die er sich offenbar verbrannt hatte. Nun erinnerte er sich sogar einigermassen daran... Er war umgefallen, da hatte er sich den Kopf angeschlagen. Als ers ich hochziehen wollte, hatte er an die heisse Wasserleitung in der Dusche gefasst, war aber so auf den untoten fixiert gewesen, dass er den Schmerz nicht wirklich bemerkt hatte.
Jesse sah Vals Lächeln, das sein Auge nicht erreichte. Machte er sich Sorgen....? Hatte er einen Verdacht was es sein konnte? Mehr als bloss Ermüdung? Was, wenn wirklich etwas mit seinem Hirn nicht stimmte...? War er nun vielleicht dazu verdammt an irgendeiner Hirnerkrankung zu sterben. Ausgerechnet jetzt, da sie einander wieder hatten? Als grausamen Wink des Schicksals? Wenn selbst Val besorgt war, hiess das selten etwas gutes... Kurz seufzte Jesse auf und blickte wieder an die Decke, fragte er sich, wie er das Gespräch dahingehend starten konnte, als Val ihm mit seiner Frage dazwischen kam.
Einen AUgenblick schwieg er daraufhin noch. Er wusste nicht, wie gut es war, Val tatsächlich die Wahrheit zu sagen... Allerdings blieb ihm wohl kaum etwas anderes übrig. Es war offensichtlich gewesen, dass irgendetwas vorgefallen war.
"Ich sag einen Untoten...", sagte er. "Ich weiss, dass er da war. Vielleicht war es auch einer von uns mit einer maske...", murmelte er. "Aber da war jemand, Val..." Glaubte er zumindest. So wie der Untote urplötzlich verschwunden war, konnte es schon sein, dass es vielleicht doch eine Halluzination gewesen war.
"War da wirklich nichts....?", fragte er ihn dann und legte seine Finger um Vals Hand. Es tat ihm leid, dass er ihm solche Sorgen bereitete. Vermutlich war er für die meisten der grauen Haare auf Vals Kopf verantwortlich. Erneut seufzte er. Ja, der Wunsch zu schlafen war gerade sehr mächtig. Er hatte sogar den Eindruck, dass er heute vielleicht ausnahmsweise mal richtig gut schlafen würde nach dem aufregenden Ereignis, das soebens stattgefunden hatte. Die Müdigkeit kroch ihm immer weiter in die Knochen, es fiel ihm immer schwerer die Augen offen zu behalten. Er fühlte sich, als hätte jemand eine bleierne Decke über ihn gelegt.
"Denkst du ich werde sterben...? Was wenn es ein Hirntumor ist?", fragte er ihn dann doch noch leise. Seine Stimme war kaum mehr ein Flüstern. Gleichzeitig fielen ihm die Augen zu. Sein Körper musste runterfahren und sich endlich den Schlaf holen, der schon längst überfällig war.
Bevor er also überhaupt Vals Antwort hätte abwarten können, schlief Jesse ein, Vals Hand noch immer in seiner, obwohl seine schliesslich erschlaffte. Sein Kopf sank ein wenig zur Seite und bald darauf wurden seine Atemzüge tief und langsam.
Dank des Sedativums erlebte Jesse den Schlaf als recht ruhig. Obwohl er nach wie vor ziemlich schwitzte, was wiederum dem Sedativum zu verdanken war. Diesmal störte es ihn aber nicht, weil er tatsächlich die komplette Nacht durchschlief. Zeitweise etwas unruhiger, vor allem gegen Morgens, als das Sedativum allmählich nachliess. Zu dieser Zeit suchte er dann mehr Vals Nähe auf, als er merkte, dass der mittlerweile neben ihm lag. Er kuschelte sich an die vertraute Wärmequelle neben sich und griff selbst im Schlaf nach dessen Hand, weil es ihn irgendwie beruhigte, dass er neben ihm lag. Als Val sich neben ihm zu bewegen begann am früheren Morgen, schlug auch Jesse die Augen auf. Er lag mittlerweile auf der Seite, weil der Druck auf seinen Hinterkopf unangenehm schmerzhaft war. Er blinzelte und schaute zu Val, der ihm irgendetwas mitteilte, von wegen, dass er liegen bleiben sollte und er ihm später Frühstück brachte. Jesse nickte einfach, drehte sich auf die andere Seite und spürte wie er bis zur Schulter zugedeckt wurde,. Dann schloss er auch schon wieder die Augen und schlief noch eine ganze Weile weiter.
Als er die Augen das nächste Mal aufschlug war er definitiv wacher. Ein Strahl Wintersonne schien durch den Spalt zwischen den Vorhängen in den Raum. Jesse starrte eine ganze Weile lang nur die helle Lücke zwischen den beiden Stoffen an. Er fühlte sich erschlagen, hatte Kopfschmerzen, doch gleichzeitig war zumindest diese furchtbare Erschöpfung vom Vorabend verschwunden. Seine Knochen fühlten sich nicht mehr an, als wären sie mit Blei gefüllt. Nur sein Schädel dröhnte, vermutlich von der Verletzung, die protestierte, als er sich verschlafen auf den Rücken drehen wollte. Doch kaum berührte sein Kopf das Kissen, zuckte er zusammen und legte sich direkt wieder auf die Seite, was definitiv die bessere Idee war. Jesse nahm Geräusche wahr. Er hörte das konstante Knistern von Feuer, hörte Geschirr klimpern...
Langsam drehte er sich auf die andere Seite, sodass er die Tür und die leere Seite des Bettes im Blick hatte. Val war wohl in der Küche und bereitete wohl wirklich Frühstück vor. Die Tür stand halb offen, liess ebenfalls einen Lichtschein in das ansonsten eher abgedunkelte Zimmer hinein. Kurz hob Jesse den Kopf, blickte auf sein Kissen, das unangenehm warm war. Dabei entdeckte er einige blutige Flecken und die zerknautschte, blutdurchtränkte Kompresse, die nach unten gerutscht war. Müde schüttelte er das Kissen kurz ein wenig durch, bevor er sich neu darauf drapierte und einfach den Geräuschen lauschte. Dabei versuchte er sich zu erinnern, was von all den Dingen in den letzten Stunden tatsächlich alles passiert und was er wohl geträumt hatte. Beispielsweise, dass Val ihm mitgeteilt hatte, dass er garantiert an einem Hirntumor sterben würde. Er wusste, er hatte irgendetwas von Hirn geredet, doch was davon war tatsächlich gesagt worden und was nicht? Alles war so verschwommen, verworren und undurchsichtig für ihn. Der ganze letzte Abend war ein einziges Durcheinander für ihn. Hatten sie etwas gegessen...? War er davor oder danach in der Dusche gewesen...? Er erinnerte sich daran mit Val am Tisch gesessen und eine Mahlzeit mit ihm zusammen gegessen zu haben. Doch war das wirklich passiert? Oder war doch erst die Essenslieferung gekommen....?
Für einen Augenblick schloss er die Augen, atmete tief durch. Val würde ihm helfen seine Gedanken zu sortieren. Er würde ihm sagen, was er geträumt hatte und was er tatsächlich erlebt hatte. Dann schlug er die Augen wieder auf, stiess sich von der Matratze ab, schlug die Decke zurück und rutschte über Vals Betthälfte, wo er sich hinsetzte, die Beine auf den Boden stellte und sich einen Augenblick Zeit gab, um sich umzusehen. Er entdeckte einen Stapel frischer Klamotten, die Val irgendwann bereit gelegt haben musste. Da erst fiel ihm auf, dass er noch immer splitternackt war. Im Bett verteilt lagen die zwei Handtücher mit denen er sich hingelegt hatte.
Er ergriff sich die Unterhose, zog sie sich an und griff dann zum Shirt, um es sich vorsichtig über den Kopf zu streifen. Es war nicht ganz seine Grösse, minimal zu gross, hatte ein paar wenige Löcher, doch darüber musste man nunmal einfach hinweg sehen. Immerhin roch es frisch, weil es aus der Wäsche gekommen war.
Obwohl sein Kopf ihn leicht schwindeln liess, erhob sich Jesse und tapste auf nackten Füssen aus dem Raum, trat in den Flur und bog um die Ecke um zum Wohnzimmer zu kommen, wo er die Hand vor das Gesicht hob. Hier draussen war es ihm viel zu hell, es brannte ihm regelrecht in den Augen, weshalb er den Kopf etwas senkte und blinzelte. Der Geruch von frischem Essen stieg ihm in die Nase, gemischt mit dem Rauchgeruch vom Feuer, welches den Raum erwärmte.
"Val...?", gab er mit rauer, brüchiger Stimme von sich, während er sich zu dem Kücheneinblick begab.

@Valravn Vargström


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#15

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 20.02.2020 15:37
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Hätten sie noch die Möglichkeiten, wie vor zehn Jahren, würde Valravn längst einen Kollegen kontaktieren, sowie einen Termin für den nächsten Morgen machen, wo er seinen Mann hingefahren hätte, einzig um seinen Kopf, erneut, durchleuchten zu lassen, wie schon damals, als er sicher gehen wollte, dass Jesses Schlafwandeln keiner Hirnerkrankung zugrunde lag oder womöglich einem Tumor. In der Hinsicht war nichts gefunden worden, doch zehn Jahre sind eine lange Zeit, sowie dieses Thema, bei ihnen, durchaus manchmal zur Sprache gekommen, selten, doch in ihrer beider Leben, spielten schwere Krankheiten eine gravierende Rolle und obschon Jesse keinen Doktortitel hatte, anders als sein Mann, waren sie beide sehr bewandert im medizinischen Bereich. Ärzte, als auch angehende Ärzte, zerbrachen sich wohl mehr den Kopf über mögliche Ursachen, für einen Vorfall, wie in der Dusche, als es ein Laie tun würde, der sich schlichtweg nicht damit auskannte.
Immerhin verhielt sein Mann sich nun ruhiger, kein Wunder, der Vorfall in der Dusche, der Anfall, dieses extreme, emotionale Auf und Ab, innerhalb kürzester Zeit, war auslaugend und dazu kam das Sedativum, was Jesses Müdigkeit zusätzlich forderte, etwas das der Schwede derzeit begrüßte, obschon ihm viele Fragen auf der Zunge lagen aber das hatte Zeit. Nur gelang es ihm selbst nicht, seine Sorge gänzlich zu verbergen, er war sich, bei Jesses Blick, der erschöpft auf ihm lag, als er sich an einem Lächeln versuchte, gewahr, dass sein Mann ihn, selbst in diesem leichten Dämmerzustand, lesen konnte.
Dabei wollte er das nicht aber auch Valravn war, nach der langen Reise, den letzten Wochen, ein wenig geschlaucht, mitunter müde, da er in den letzten Wochen, kaum bis gar nicht, zum Schlafen gekommen war.
Wie früher, nur war er da auch noch zehn Jahre jünger, konnte schlaflose Nächte besser ab, als heute. Während Jesse auf dem Sofa bereits etwas Schlaf gefunden hatte, wenngleich nur für wenige Stunden, war Valravn dennoch auf den Beinen gewesen, hatte aufgeräumt, sich wieder zu einem stattlichen Mann, Menschen, gemausert. Er gedachte zu kochen, mit Jesse zu Abend zu essen, um sich dann, vielleicht heute mal beizeiten, mit seinem Liebsten, zu Bett zu begeben, in der Hoffnung die Erschöpfung der Reise, würde ihnen Beiden, ausnahmsweise mal, eine ruhige Nacht bescheren.
Der Schwede war, anders als sein Mann, extrem belastbar, körperlich und psychisch, er erschien nahezu unerschütterlich, unbezwingbar zu sein, doch lag dies eher seinem Stolz, seinem Dickschädel, zugrunde, der ihm nicht gestattete Schwäche zu zeigen, weder vor sich selbst und noch weniger vor Anderen.
Valravn konnte es sich da draußen nicht leisten, auch nicht in Balar, ebenso wenig würde er dies hier im Zoo tun, doch in ihren vier Wänden, kam selbst er nicht, manchmal, drum herum, wie in diesem Augenblick, an seine Grenzen zu stoßen. Die Szene im Bad hatte ihm gar den Appetit geraubt, tatsächlich wollte er sich nur noch um Jesse kümmern, rasch aufräumen und dann zu Bett gehen, etwas schlafen, wenngleich er, wie immer, sofort aufhorchen täte bei dem kleinsten Geräusch, dem Anzeichen, dass sein Mann anfinge zu wandern im Schlaf oder gar nicht zur Ruhe kam. Schon früher in ihrer Beziehung, sowie auch die letzten Wochen in Balar, fand Valravn Nachts nicht viel Schlaf, nicht wenn Jesse schlafwandelte oder gar nicht einschlafen konnte, dann schlug er sich die Nächte ebenfalls um die Ohren, teilte das Los der Schlaflosigkeit mit diesem und versuchte seinem Mann einfach beizustehen, zu helfen. Manchmal half es ihm etwas vorzulesen, Valravn trug ihm dann sogar Gedichte vor, griff auf alte Hausmittel zurück, wie heiße Honigmilch mit Schuss aber in manchen Nächten half nichts, daher kam es nicht selten vor, dass Valravn tagsüber, den Schlafmangel ausglich, in dem er kurze Nickerchen machte.
Er war zum Glück, immer schon, dazu fähig, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen und dafür tagsüber, wenn er die Augen ausruhte, einfach für ein paar Minuten, einzunicken. Natürlich kam dies auch mal ungewollt vor, wenn er wirklich zu erschöpft war, sich in einem Moment noch mit Jesse unterhielt, nur die Augen ausruhen wollte, während er im Sessel saß, seinem Mann zuhörte und dann keine Antwort mehr gab, sondern bloß sein Kopf etwas absank, spätestens dann, wenn der Schwede zu schnarchen begann, wozu er tatsächlich neigte, war Jesse klar, dass er vorerst keine Antwort mehr erhalten würde, sofern er Valravn nicht weckte. Schlaf war beiden fast schon ein seltenes, kostbares Gut, dass sie einander stets vergönnten, selbst wenn sie womöglich andere Pläne hatten.
Aus dem Grund wollte Valravn seinen Mann auch nicht mit präzisen Fragen löchern oder die Versorgung seiner Hand länger herauszögern, weswegen er den Blick abwandte, zurücklenkte auf diese, um anschließend Jesses Hand zu behandeln. Dabei lauschte er seinem Mann, während er eine kleine Metalldose hervorholte, darin befindlich, ebenfalls eine Salbe auf natürlicher Basis, welche Valravn hatte anmischen lassen, von der Kräuterfrau in Balar, nach seinem Rezept, dass ihre Kenntnis noch ergänzt, verbessert hatte. Sie war hilfreich, diente in erster Linie der Pflege seiner Narben, vor allem das Brandzeichen auf seinem Rücken, machte sich oftmals unangenehm bemerkbar. Vorsichtig, behutsam, salbte er Jesses Hand etwas damit ein, ehe er ihm, zum Schutz, einen Verband anlegte, nicht zu locker aber auch nicht zu fest, nebenbei lauschte er seinen Worten, hob den Kopf, ebenso den Blick, ein Stück an und sah direkt in das klare Blau, dass er so liebte.
"Ich habe niemanden gehört, noch weniger gesehen und erst recht nicht gerochen Jesse, es war keiner hier."
Gerade Valravn, der so extrem wachsam und vorsichtig war, hätte es wohl bemerkt, wenn sich jemand Zutritt verschaffte in ihre Wohnung, die Fenster waren so weit geschlossen, nur das in der Küche hatte er abgeklappt und hätte sich jemand, an der Wohnungstür, zu schaffen gemacht, wäre er wohl mit dem Messer in der Hand, längst davor gestanden, um den 'Gast' zu begrüßen. In diesem Moment war Valravn auch nicht sicher, ob diese Antwort oder eine Bestätigung, besser wäre aber es ging darum heraus zu finden, was mit seinem Mann los war, nicht darum, diesen in Watte zu packen.
Der Schwede würde seinen Liebsten niemals verrückt nennen, die menschliche Psyche war sein Steckenpferd, sowie Anatomie, das Kochen und andere Dinge, Jesse hatte keinerlei Anlass zur Sorge, er konnte immer offen über Alles mit ihm sprechen, ohne Angst haben zu müssen, verurteilt zu werden von seinem Mann.
Diese ging sehr sachlich, neutral, jedoch auch feinfühlig an solche Dinge heran, zumindest Jesse gegenüber oder bei Leuten, die einen Nutzen für ihn hatten.
"Wir sterben alle irgendwann, Jesse."
Sagte er ruhig, bewusst solch Worte wählend, denn es ist ein Fakt, früher oder später starb jeder, das war unvermeidlich. "Das weiß ich nicht und du kennst mich, ich stelle keine haltlosen Vermutungen an." Er atmete tief durch, Jesses Finger schlossen sich um seine Hand, weshalb er die Andere, sachte, auf die seines Mannes legte. "Ich werde mir, bei Gelegenheit, die Krankenstation ansehen." Ein paar Bücher wälzen vielleicht, irgendeinen Weg, eine Möglichkeit, würde sich schon finden lassen, um zumindest ein wenig Gewissheit zu erhalten oder er sedierte seinen Mann vollständig, um seinen Schädel auf zu sägen und nachzugucken. Das jedoch wollte Valravn gerne vermeiden. Als er den Blick, von Jesses Hand, wieder anhob, seufzte er und stellte fest, dass sich dessen Augen geschlossen hatten, sein Brustkorb hob und senkte sich, ruhig, gleichmäßig, er war.... eingeschlafen.
Er erhob sich darauf hin, legte Jesses Hand auf dessen Bauch ab, fasste nach der Decke und deckte seinen Mann zu, über diesen gebeugt, betrachtete er ihn, strich seine nassen Locken aus dessen, friedlich anmutenden, unschuldigen Gesicht und senkte sich zu diesem herab, wo er seinem Mann einen liebevollen Kuss auf die Lippen hauchte.
Im Anschluss verräumte Valravn seine Tasche wieder, hoch oben auf den Schrank, löschte das Licht im Schlafzimmer und zog, leise, die Tür ins Schloss, damit Jesse nicht gestört wurde, denn er selbst gedachte aufzuräumen, überlegte auch kurz weiter zu kochen, womit er ja noch nicht mal richtig begonnen hatte aber ihm war der Appetit vergangen. Zwar würde sein Magen etwas zu Essen begrüßen, doch im Augenblick würde er keine Freude daran haben, es wäre fad, trostlos, daher verräumte er alles, wischte die Arbeitsfläche, als auch Spüle sauber und begab sich ins Badezimmer um sich fertig fürs Bett zu machen.
Obwohl er wusste, niemand war hier gewesen, trat Valravn wenig später an die Haustür heran, prüfte das Schloss, von beiden Seiten sogar, ehe er die Tür verschloss, sowie von Innen den Wohnungsschlüssel einsteckte, sowie abschloss und diesen, schräg, im Schloss verweilen ließ. Niemand war hier gewesen oder hatte sich Zutritt verschafft.
Müde hob er die Hände, seufzte schwer und fuhr sich mit diesen über das Gesicht, er löschte noch das Licht im Bad, dem Flur und begab sich, fast zwei Stunden nach Jesse, ins Bett um zu schlafen.
Immerhin verlief die restliche Nacht, bis zu den frühen Morgenstunden, ruhig, Jesse wanderte nicht umher, sodass auch Valravn etwas Schlaf fand, doch seine innere Uhr, war so getaktet, dass er meist zwischen 5 und 6 Uhr Morgens wieder auf den Beinen war, zu dieser Jahreszeit war es noch stockfinster aber das kümmerte ihn nicht. Über Nacht war sein Mann auch näher an ihn herangerückt, hatte dessen Hand ergriffen, welche der Schwede, als er munter, wurde, ein Stück angehoben und sanft geküsst hatte. Kaum, dass Bewegung aufkam, von seiner Seite aus, schien auch Jesse wach zu werden, in dessen verschlafene Augen er blickte, obschon es dunkel war, hatte er das klare Bild dessen vor sich, mehr vor seinem inneren Auge zwar aber zehn Jahre, getrennt voneinander, änderten nichts daran, dass sie das Bett schon vor dem Ausbruch viele Jahre geteilt haben.
"Bleib liegen und versuch noch ein bisschen zu schlafen, Schatz. ..ich werde erst mal in Ruhe Frühstück machen."
Er flüsterte nur, wollte nicht unnötig Lärm machen oder Jesse gänzlich wecken, dem er lediglich einen kleinen Kuss auf die Stirn hauchte, die Decke schließlich zur Seite schlug und sich aufsetzte, die Beine über den Bettrand geschoben, hob er die Arme und streckte sich. Vom Bett erhoben, wandte Valravn sich seiner Bettseite zu, strich die Decke zurecht, lief um das Bett herum und fasste nach der Decke, welche er Jesse, der sich auf die andere Seite gewandt hatte, zum Fenster hin, rauf zog bis zu den Schultern. Liebevoll strich er seinem Mann noch einmal über den zerzausten Lockenkopf, ehe er das Schlafzimmer verließ.
Er machte sich im Bad frisch, putzte die Zähne, kämmte sich das silbrige Haar zurück und fuhr, prüfend beinahe, mit den Fingern über seinen, gestutzt und gepflegt anmutenden, Bart während er sein Spiegelbild betrachtete. Trotz der Narben, die inzwischen eben auch sein Gesicht zierten, wenngleich, bis auf sein linkes, nicht mehr vorhandenes, Auge, diese feiner waren als jene auf seinem Rücken, konnte er mit Fug und Recht behaupten, noch immer ein äußerst attraktiver Mann zu sein.
Seine markanten Züge wirkten lediglich härter, noch grimmiger, bedrohlicher, denn die Spuren des Kampfes, die seinen Körper zierten, zeugten deutlich auf, dass Valravn kein Gegner war, den man aufgrund seines Alters, unterschätzen sollte. Der Tod hatte schon früh den Schrecken für ihn verloren, an Faszination höchstens gewonnen aber inzwischen, war er diesem, so oft von der Schippe gesprungen, dass er mit dem Sensenmann per Du war oder eher diesem Angst einjagte.
Nach der morgendlichen Routine im Bad, einem richtig funktionierenden und voll ausgestatteten, wohlgemerkt und keiner Latrine hinter der Hütte, fühlte der Schwede sich deutlich besser, er bewegte sich, nahezu lautlos wie immer, durch die Wohnung, welche seinem Geschmack nach, eindeutig zu klein war, für sie Beide.
Da hatte die Hütte wieder Vorzüge, sie bot schlichtweg mehr Platz! Wenngleich auch diese, im Vergleich zu dem Haus, was Valravn vor dem Ausbruch bewohnt hatte, ebenfalls klein anmutete. Hach, er vermisste seine eigene kleine Bibliothek, die hohen Wände, gesäumt von Regalen voller Bücher, den Kamin, vor dem sein Arbeitstisch stand aus massivem Teakholz, die beiden schwarzen, edlen Sessel, die nicht unweit im freien Bereich des Raumes einander gegenüber standen.
Oftmals verbrachten Jesse und er viele Stunden in der Bibliothek, sie waren beide die reinsten Bücherwürmer, Jesse zudem Autor und Valravn, wohl sein treuster Bewunderer aber auch ebenso schärfster Kritiker.
Er liebte Jesses Krimis, sagte aber deutlich, was sein Mann noch verbessern musste an seinem Schreibstil oder er gab ihm Denkanstöße, andere Formulierungen, die er vielleicht, in seinem nächsten Werk, mit einfließen ließe.
Jesses Erstlingswerk war etwas trocken, hatte Valravn mal gesagt, er liebte Jesses explizite Details, die Beschreibung der Gräueltaten, die in seinen Krimis, manchen Leuten womöglich zu detailliert, zu bildlich, formuliert wurden aber seinem Mann fehlte noch der Tiefgang, das Wesen seiner Charaktere betreffend. Zu steril, zu glatt gebügelt, oberflächlich hatte der Schwede es bezeichnet aber er sah, wie in so vielen Dingen, unglaublich viel Potenzial in seinem Mann, dessen Werke, jedes Mal besser wurden und Valravn amüsierte sich darüber, ab dem Zeitpunkt, wo Jesse zu seinem Jagdgefährten geworden war, dass er jedes Mal beim Lesen in Erinnerungen schwelgen konnte, da sein Mann ihre Jagden als Inspiration nutzte, sie einfließen ließ.
Tatsächlich hoffte er darauf, dass Jesse wieder zu Schreiben begann, sicher, er würde heute nicht mehr auf einer Bestseller-Liste stehen oder Geld damit verdienen, doch es wäre eine persönliche Bereicherung für sie Beide.
Valravn schlich auch wieder zurück ins Schlafzimmer, ließ seinen Mann schlafen und suchte sich Sachen heraus, legte aber auch frische Kleidung für Jesse hin, sollte er später wieder munter werden aber für den Moment, sollte er sich ausruhen, die Gelegenheit nutzen, denn Valravn würde für das Frühstück ein Weilchen brauchen.
Nicht zu fassen, doch er musste tatsächlich eine Jeans anziehen, dem Schweden stand zwar alles, selbst einen Kartoffelsack, würde er stilvoll präsentieren können, doch es lag auf der Hand, dass er seine Anzüge, seine Pullover aus Kaschmir, schmerzlichst vermisste. Der ausgewaschene, verblichene Stoff, der früher mal dunkelgrau gewesen sein muss, gefiel ihm einfach nicht auf der Haut aber was soll er machen, in Unterhose ständig herumrennen? Nun gut, er täte es wohl, wenn ihm einzig die Wahl bliebe zwischen Nackt und Jogginghose!
Immerhin hatte die Hose seine Größe und das langärmlige, khakifarbene Shirt stand ihm nicht weniger gut zu Gesicht aber Valravn, mochte es lieber elegant, die Ärmel bis zu den Ellenbogen gekrempelt, machte er sich daran das Frühstück vorzubereiten. Da er gestern nicht mehr gekocht hatte, nutzte er das bereits geputzte Wurzelgemüse, allen voran die Möhren und machte aus diesen, eine andere Variation der simplen, doch delikaten, Kartoffelpuffer oder auch Reibekuchen genannt. Der Schwede machte sowohl ein paar herzhafte, mit Speck und Schinken, als auch süß mit Honig untergemischt, denn Zucker war wohl leider ein seltenes Gut, sofern man da überhaupt noch fündig wurde oder Zuckerrüben besaß.
Er richtete auch einen kleinen Obstsalat an, kochte eine Kanne Tee und vergaß darauf völlig die Zeit, lediglich das Licht in der Küche schaltete er wieder ab, als durch das Fenster, die Strahlen der Wintersonne drangen, sowie genug Helligkeit einfallen ließen. Zwischendurch legte er auch Feuerholz im Ofen des Wohnzimmers nach, das konstante Knistern und Knacken, hatte durchaus etwas Beruhigendes, kurz nur war er noch mal im Schlafzimmer gewesen, hatte lediglich das Lederband, mit den vier Bärenkrallen daran, von seinem Nachttisch genommen, sich angelegt und im Anschluss die Tür nicht wieder ins Schloss gezogen.
Während im Schlafzimmer sein Mann wieder munter wurde, war Valravn gerade dabei, dass Geschirr aus dem Schrank zu holen, ebenso Besteck, bevor er sich daran machte, den Tisch einzudecken für sie Beide, natürlich drapierte er, auf den Millimeter genau, die Teller, sowie Tassen und das Besteck, bevor er die beiden Schüsseln mit Obstsalat holte, als auch den großen Teller, mit den beiden Stapeln Reibekuchen, zwar hatte er überlegt Brot zu backen aber womöglich wäre das zu viel des Guten. Zwar hatten sie hier mehr Abwechslung, Auswahl aber man musste deshalb nicht verschwenderisch sein.
Außerdem bot er sowohl etwas für den süßen Zahn, als auch den herzhaften und ein erfrischender Obstsalat, war ein guter Start in den Tag. Ausgewogen sollte es eben sein.
Alles ordentlich drapiert auf dem Tisch, huschte er zurück in die Küche, wo er die Teekanne an sich nahm, sowie sich gerade herumdrehte, sodass sein Blick auf Jesse fiel, der auf der anderen Seite des Kücheneinblicks stand, sowie sich aus dem Bett gerafft hatte. "Guten Morgen mein Schatz."
Begrüßte er ihn, begab sich aus der Küche und direkt zum Tisch, um dort die Kanne abzustellen, noch einmal den khakifarbenen Stoff zurechtgerückt, wandte er sich direkt seinem Mann zu, an den er herantrat, sowie die Hände an dessen Wangen legte, sodass er Jesses Kopf ein Stück anheben konnte, natürlich musterte er seinen Mann sogleich prüfend, als habe er Sorge, sein Mann habe sich im Schlaf oder beim Verlassen des Bettes, noch mal irgendwo verletzt.
"Wie fühlst du dich? Ist dir schlecht? Schwindelig? Hast du Kopfschmerzen? Ist deine Sicht verschwommen?"
Das war zwar die Sorge eines liebenden Ehemannes in Spe, in erster Linie aber auch die typischen Fragen eines Arztes, der Valravn nun mal immer schon war, nach dem Studium und es lag auf der Hand, dass das Wohl seines Mannes, dessen Gesundheit über dem Frühstück und allem Anderen stand für diesen.



@Jesse Redford


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#16

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 22.02.2020 08:40
von Jesse Redford (gelöscht)
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Noch bevor die Apokalypse ausbrach, die Menschen auf einmal reihenweise starben, gefressen wurden oder selbst zu stumpfen, instinktgetriebenen untoten Kreaturen wurden, hatte sich Jesse sich Sorgen um seinen Kopf gemacht. Damals, als es noch möglich war, hinein zu schauen um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Mehr als einmal hatte er in der Röhre gelegen, schon als Kind, später auch als Erwachsener, hatte er Ärzte über sein Hirn diskutieren lassen. Als Kind hatte das sein eigenes Interesse an der Medizin geweckt. Er wollte Chirurg werden, wäre es sicherlich auch geworden, hätten die Umstände es erlaubt, um anderen Leuten zu helfen. Dass er seine Fähigkeiten später eher dazu nutzen würde, einem Menschen Organe zu entnehmen, damit Val sie in der Pfanne zu einer Leckerei zubereiten konnte, hatte er damals als junger Student nicht geahnt. Damals war er von seiner eigenen tadellosigkeit überzeugt gewesen, hatte nichts anderes im Sinn gehabt, als zu helfen wo er konnte, schliesslich kannte er das Gefühl zu wissen, dass irgendetwas mit einem nicht stimmte aber niemand fand heraus woran es lag.
Seine eigenen Hirnscans zeigten nie wirklich, was nicht bereits offensichtlich war. Seine rechte Hirnhälfte war aktiver als die Linke, woher mit grosser Wahrscheinlichkeit sein Eidetisches Gedächtnis kam und auch andere seiner Hochbegabungen. Doch es gab keine Tumore, keine Schäden, welche hätten erklären können, weshalb er stets so rastlos war und zu ausgedehnten Schlafspaziergängen neigte. Man fand bei Befragungen seiner Eltern heraus, dass auch diese oft geschlafwandelt hatten, weshalb man auch von einem starken genetischen Einschlag ausging. Doch für Jesse war irgendwie klar, dass das nicht alles sein konnte.
Krebs war in seiner Familie zwar vorhanden, doch es war bekannt, dass Hirntumore nicht nach denselben Regeln spielten wie andere Erkrankungen in diesem Bereich. Es gab keine Risikogruppen und damit konnte es jeden erwischen. Jesse hatte sich ausgiebig mit dem Lesen von Lektüre über Hirntumore beschäftigt, im Internet darüber nachgeforscht, als es das noch gab, doch letztlich hatte er sich eingestehen müssen, dass er nicht anfälliger war als jeder andere. Trotzdem hatte der Gedanke ihn nie losgelassen und immer wenn wieder etwas seltsames passierte, hatte er beinahe paranoide Angst, dass ein Geschwür in seinem Kopf heranwuchs. Besonders in den letzten zehn Jahren, als klar war, dass kaum noch Ärzte lebten und die medizinische Infrastruktur komplett zusammengebrochen war, hatte Jesse sich oft gefragt, was er tun würde, wenn er doch einen Tumor in seinem Kopf vermutete.
Er wusste, Operationen am Hirn konnten im wachen Zustand durchgeführt werden, es bedurfte lediglich einer Anästhesie der Haut, doch das Hirn selbst war völlig schmerzunempfindlich. Der Gedanke, Val an seinen Kopf zu lassen, war ihm durchaus bereits gekommen. Es war mehr die Tatsache, dass nicht mehr derart Steril wie vor zehn Jahren gearbeitet werden konnte, die ihn abschreckte. Das Risiko war ihm schlicht zu gross, dass irgendein Erreger in sein Hirn gelangte, vielleicht sogar der Untotenvirus selbst. Wer wusste schon was passierte, wenn er direkt ins Hirn gelangte? Deshalb war er der Meinung, dass, solange er keine Beschwerden hatte, die vermehrt auf einen Tumor hindeuteten, er keine Operation benötigte. Das Risiko war einfach viel zu gross, dass der Schaden grösser wurde als davor. Obwohl er tiefstes Vertrauen in Vals Fähigkeiten hatte. Doch auch der musste sich den gegebenen Umständen beugen. Auch er würde keine klinisch sterilen Räume und Bestecke mehr finden, die gut genug waren, um eine Operation am Hirn durchzuführen. Die womöglich völlig überflüssig war.
Glücklicherweise war alles wovon er an diesem Morgen geplagt wurde ein leichter Druck im Kopf, etwas Schwindel und die Hand, die noch schmerzte. Auch wenn er wusste, dass es vielleicht besser wäre, er würde einfach liegen bleiben und sich noch weiter ausruhen... Er wollte nach Val sehen und er war hungrig. Immerhin war sein Appetit noch da. Es war oft genug vorgekommen, dass ihm dieser nach intensiveren Episoden ebenfalls gefehlt hatte. So schleppte er sich aus dem Zimmer, um festzustellen, dass Val wie immer ausgesprochen fleissig gewesen war. Der Tisch war bereits soweit gedeckt, es roch unwiderstehlich gut nach Gewürzen, Tee und Essen, das Feuer knisterte im Kamin, beheizte den Raum und ihr Wasser.
Val selbst mutete richtig leger an heute. Eine Jeanshose und ein langärmliges Shirt. Jesse hatte es seinem Mann selten gesagt, denn der legte eine Menge Wert auf stilvolle, elegante Garderobe, doch Jesse mochte ihn tatsächlich auch sehr gern, wenn er einfach mal herumlief wie Hinz und Kunz. Schon damals noch hatte er oft ein wenig geschmunzelt, wenn er Val mal nicht im Anzug oder Dreiteiler angetroffen hatte. Oder wenn er ihn sogar in Motorradkluft gesehen hatte, was wohl der krasseste Gegensatz zu dem sonst so eleganten Mann war. Doch er mochte seinen Val in Lederjacke ebenso wie in einem Anzug. Er liebte ihn mit gerichteten Haaren, doch ebenso, wenn er es zuliess, dass diese einfach taten was sie wollten und ihm mitunter immer mal wieder in die Augen rutschten.
Obwohl Jesse ansonsten nicht gut mit Veränderungen umgehen konnte, sie ihn gar stressten, umso mehr liebte er, wenn er etwas Neues an Val entdeckte. Eine neue Seite, ein neues Kleidungsstück, das ihm überraschend gut Stand ... einen gepflegten Bart, der ihn wundervoll männlich und noch markanter wirken liess...
Als Val sich so elegant zu ihm herumdrehte, aus der Küche kam, die Teekanne abstellte und schliesslich auf ihn zuschritt, verliebte er sich wie jeden Tag neu in ihn. So viel Perfektion in einem einzigen Mann war beinahe unverschämt. Zehn Jahre waren sie getrennt gewesen, hatten beide mit der Ungewissheit leben müssen, ob der jeweils andere überlebt hatte und wenn ja, wo er jetzt war... Und dann fanden sie sich wieder und die Leidenschaft war nicht im geringsten abgeflaut. Er sah Val an, als sähe er ihn eben das erste Mal, sein Augen huschten über dessen Gesicht, das gealtert war, ohne Frage, das silberne Haar, das ihm unheimlich gut stand, die Narbe wo einst ein Auge war... der zurechtgestutzte Bart, die markanten Wangenknochen... einen kleinen flecken Russ auf der vernarbten Gesichtsseite. Wohl vom Scheit nachlegen. Der kleine Fleck, der die sonstige Perfektion um die perfekte Imperfektion perfekt machte.
Jesse konnte nicht anders als zu lächeln, obwohl er immer noch abgeschlagen und erschöpft war, jedoch nicht so bleiern Müde und kaputt wie noch am Abend zuvor. Er fühlte tatsächlich, dass er mal wieder eine Nacht durchgeschlafen hatte, wenn auch unter den widrigsten Umständen, die sein Kopf ihm mal wieder hatte bieten können.
Val legte ihm die Hände an die Wange, stellte ihm Fragen, die nur logisch erschienen. Val war eben nicht nur sein Mann, sein Partner, sein Seelenverwandter und Mentor, sondern eben auch schon immer sein eigener persönlicher Arzt gewesen. Doch Jesse war in diesem Augenblick für einige Sekunden zu sehr gefesselt vom reinen Anblick seines Mannes, dass er ihm nicht sofort antworten konnte oder wollte. Er musterte dessen Lippen, wie sie sich bewegten. Lauschte, wie er das S auf seine ganz eigene, seltsame Art betonte, die er nie verloren hatte. Eine Eigenart, die er an Val unheimlich liebte.
Sachte legte Jesse seine Hände an Vals Handgelenke und schob sie mit sanftem Druck nach unten, bevor er sich vorbeugte und ihn einfach liebevoll küsste. Die Sorge seines Mannes rührte ihn, doch er wollte heute erst einen Mann und danach seinen Arzt begrüssen. Für den Kuss schloss er kurz die Augen, beobachtete die Farben, welche durch den vertrauten Geschmack von Vals Lippen in seinem Kopf ausgelöst wurden, bevor er sich dann sachte wieder von ihm löste.
"Mir ist ein wenig schwindlig...", beantwortete er die Frage dann, bevor sein Blick zum Tisch schweiften. "Ein wenig Kopfschmerzen vom Trauma ... Aber ansonsten fühle ich mich wirklich gut... Und ich habe einen Bärenhunger..."
Er schaute Val wieder an und lächelte erneut, um seine Worte zu untermalen.

@Valravn Vargström


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#17

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 22.02.2020 13:45
von Valravn Vargström (gelöscht)
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In den zehn Jahren, welche Valravn draußen verbrachte, kam auch er nicht umhin, sich, mehr als einmal, die Frage zu stellen, ob der Krebs zurückgekehrt war, allen voran nach einer Panikattacke, die er einfach ausharren, aussitzen musste, weil er ganz auf sich allein gestellt war und die Ungewissheit, Jesse betreffend, diese oftmals noch gepuscht hatte. Da war er mitunter auch unvernünftig, kam er an Zigaretten oder zumindest Tabak, rauchte er, wohl wissend, wie sein Mann reagiert hätte, wäre er an seiner Seite gestanden aber an manchen Punkten, in den letzten Jahren, war Valravn alles egal gewesen, der Tod nahezu einladend aber aufgeben stand auch nie wirklich zur Debatte, das war nicht seine Art, doch ihm war bewusst, sollte der Krebs, eines Tages, zurückkehren, sich wieder in seinen Lungen einnisten, streuen, wäre es sein unwiderrufliches Todesurteil. Sie hatten nicht mehr die Möglichkeiten, Medikamente, wie vor zehn Jahren noch, zur Verfügung, es würde ihn dahin raffen, sofern er sich nicht selbst dazu entschied, dem Krebs zuvorzukommen. Ein Problem, viel mehr eine Sorge, die wohl auch Jesse geplagt hatte, in dessen Kopf der Schwede hinein gucken könnte, doch das Risiko, bei solch einem Eingriff, einem Erreger Zutritt zu verschaffen, weil er nicht mehr unter denselben, sterilen, Bedingungen arbeiten konnte, wie früher, war selbst Valravn viel zu hoch und Jesse einfach zu kostbar für ihn. Doch es lag auf der Hand, dass auch er einen Tumor in Betracht zog, ob des seltsamen Verhaltens seines Mannes, was er in der Dusche an den Tag gelegt hatte, aber es musste nicht zwingend, der ausschlaggebende Grund sein. Halluzinationen konnten vielerlei Ursachen zugrunde liegen, demnach würde Valravn, vorerst andere Ursachen ausschließen wollen, so gut es eben ging, unter den heutigen Bedingungen. Es nutzte ihnen nichts, gleich vom Schlimmsten auszugehen, sie würden sich, beide, nur unnötig verrückt machen und es lag an ihm, als Jesses Mann, dafür Sorge zu tragen, dass sein Liebster nicht in Panik verfiel oder sich in etwas reinsteigerte.
Aus dem Grund, nahm Valravn sich vor, das Thema nicht gleich anzusprechen, sobald Jesse wach wurde, er war noch am überlegen, ob er seinen Mann darauf ansprach oder darauf wartete, dass dieser, von sich aus, das Thema anschnitt, sobald er gewillt war, darüber zu reden. Seinem Partner war bewusst, dass sein gestriges Verhalten, nicht einfach nur auf Übermüdung zurückzuführen war, das konnte er anderen vielleicht weiß machen, jedoch nicht Valravn.
Der trotz allem, an sich, guter Laune war, selbst wenn seine Gedanken um vieles kreisten, allen voran natürlich Jesse, der nun mal den Mittelpunkt in seinem Leben darstellte, er war die wichtigste Person für den Schweden, die Liebe seines Lebens, der einzig Wahre für ihn und kaum, dass sein dunkelbraunes, Auge ihn erblickte, war Valravn auch schon zur Stelle, nachdem er die Teekanne abgestellt hatte. Wie immer herrschte auf Jesses Kopf ein heilloses Chaos, sein Haar musste er ihm dringend schneiden, es war viel zu lang inzwischen, obschon sein niedlicher Wuschelkopf, umso liebenswürdiger anmutete, mit seiner wilden Mähne auf dem Kopf, so war es Valravn deutlich lieber, wenn zumindest etwas Ordnung, dort vorzeigbar wäre. Die dunklen Locken standen, wieder mal, in alle erdenklichen Richtungen ab, wie ein geplatztes Sofakissen, wobei der Anblick, ihm gerade nach der gestrigen Nacht, doch ein kleines Schmunzeln beinahe entlockt hätte, doch Valravn schaltete, ganz von selbst, in seinen professionellen Modus, nachdem er an Jesse herangetreten war, dessen Gesicht in seine warmen Hände nahm, um ihn in Augenschein zu nehmen.
Jesse wirkte, zumindest mehr als sonst, ausgeruhter, seine Augenringe waren heute gnädig, konnte man fast schon sagen, gar ein wenig erholt, das war immerhin etwas Gutes, vor allem nach dem Anfall, in dem der Abend gegipfelt war. Natürlich fiel es dem Schweden auf, wie Jesse ihn ansah, mit seinen sanften, blauen Augen, die so voller Unschuld anmuteten in diesem Moment, die ihn ansahen auf eine Art und Weise, bei der Valravns Herz, einen Takt schneller zu schlagen begann. Sie konnten sich, mitunter, wahrhaft heftig streiten, sodass die Türen knallten, der alte Wolf kehlig zu knurren begann, beiden mangelte es nicht an Temperament in der Hinsicht, wenn ihre komplexen Gemüter hochkochten, ihre exzentrischen Charaktere aufeinander prallten, wie die schäumende Gischt des Meeres, bei einem Sturm, gegen die scharfkantigen, unnachgiebigen, Klippen.
Trotzdem, selbst nach solchen Auseinandersetzungen, wenn die Gemüter sich wieder abgekühlt, beruhigt hatten, entweder am darauf folgenden Tag oder nachdem sie etwas Abstand genommen hatten, was nicht unüblich war, blickte Jesse ihn an, auf diese verliebte Art und Weise. Als sehen sie einander das erste Mal, als sei es Liebe auf den ersten Blick und Valravn, nun, er konnte nicht leugnen, wie schmeichelhaft, rührend, es war, von seinem Mann angesehen zu werden, als sei er ein wahrhaftiges Weltwunder und das Schönste, was diese blauen Augen jemals erblickt hatten.
Ja, er hatte Sorge gehabt, als sie in der Reithalle, nach all den Jahren, durch Zufall, wieder zueinander gefunden hatten, ohne es zu ahnen, dass Jesse sich abgeschreckt fühlte, die Narben, welche die Zeit, die Kämpfe, an dem Schweden hinterlassen hatten, als abstoßend empfand, aber dem war nicht so. Sein Mann blickte ihn, just in diesem Moment, ebenso liebevoll, fast schon ein wenig bewundernd, an wie früher, als es augenscheinlich keinen Makel an dem Schweden gab. Diese unschuldigen, klaren, sanften blauen Augen seines Liebsten vermochten es, mit einem einzigen Blick, das skandinavische Biest für sich zu gewinnen, damals noch ungewollt, heute wohl wissend, welch Wirkung, welche Anziehungskraft, er auf seinen Schweden hatte. Der sich ihnen einfach nicht entziehen konnte, wollte, sondern, mehr als einmal, in dem himmlischen Blau versank, dem kein Detail entging und was lediglich von den chaotischen, dunklen, Locken oftmals verhangen wurde, wenn diese zu lang geworden sind, wie es derzeit der Fall war. Für Jesse beinahe ein schützender Vorhang, der Blickkontakt stets zu vermeiden versuchte, doch über die Jahre hinweg, nach gewisser Zeit, von sich aus diesen zu seinem Mann suchte, dessen dunkle Abgründe, nicht unschuldig, sondern bedrohlich anmuteten und das Wesen des Raubtieres verdeutlichten, dass dieser ist.
Selbst, wenn ihm nur ein Auge verblieben ist, schmälerte es nicht die Wirkung, die Intensität, welche er mit einem Blick zum Ausdruck bringen konnte, manch Einen, wortlos, regungslos, einzig damit in die Knie zwang, wobei sein Mann, dies mitunter sogar gern tat, sich ihm unterwarf, ganz ohne Zwang, sondern aus freiwilligen Stücken. Doch im Moment wollte der Schwede etwas Anderes, Antworten auf seine Fragen, die ebenso steril klangen, wie es seine Skalpelle früher gewesen sind, ein Zustand, den er bei seinem chirurgischen Besteck, nur noch begrenzt erreichte, da die Mittel fehlten, doch jene, die zur Verfügung standen, nutzte er natürlich.
Statt einer Antwort, lag lediglich ein Lächeln, auf den süßen, verlockenden Lippen, seines Mannes. Jenen Lippen, die ebenso garstige, wie auch herzallerliebste, Worte formten und zum Ausdruck brachten, die sich weich, warm anfühlten, wenn Valravn sie küsste oder Jesse, von sich aus, seinem Mann, kleine Zärtlichkeiten, sanfte Küsse, zuteilwerden ließ, die ein sanftes, wohliges Kribbeln auf seiner Haut verursachten. In der Hinsicht hatte sein Mann ebenso viel gelernt, wie bei den gemeinsamen Jagdausflügen, Jesse, der absolut keinerlei Erfahrung hatte, bis Valravn in sein Leben trat, hatte sich in vielen Dingen enorm weiter entwickelt, Einblicke gewonnen, Möglichkeiten zur Verfügung wie er, wenn der Schwede mal lustlos war, was auch vorkam, ihn ködern konnte. Jesse war der Angler von ihnen Beiden, und Valravn sich dessen bewusst, dass all die Dinge, die Wege, die er seinem Mann aufzeigte, auch gegen ihn verwendet werden konnten. Er teilte sein Wissen, seine Erfahrung, mit seinem Liebsten, zeigte ihm erogene Zonen am Körper eines Menschen auf, die nicht in irgendwelchen Fachbüchern zu finden waren und auch Valravn hatte seinen Schwachpunkt, eine Stelle, wo Jesses süße Lippen, gar seine Zähne, sich daran vergehen konnten, um den Schweden nicht nur um den Finger zu wickeln, sondern wahrlich zum Schmelzen zu bringen.
Es war nicht nur der Nacken, an dem er sehr empfindlich war, sondern allen voran sein linkes Ohrläppchen, wo er einknickte, wo Jesse, fast schon zu schnell, gelernt hatte, wenn er selbst Lust hatte, sein Mann aber weniger, gar unempfänglich erschien, nur dort ein wenig knabbern brauchte und sein Mann hing am Haken. Sein Mann mutete mitunter auch sehr frech, gar ein wenig verspielt an, das mochte man ihm kaum zutrauen, noch weniger wohl seinem Partner, der wie eine gefühlskalte Statue anmutete aber sie neckten sich gegenseitig. Sie konnten tiefgründige, richtig makabere, Gespräche führen, sich stundenlang anschweigen und dieses Beisammensein genießen, ebenso wie die Momente, wo man meinen könnte, die Beiden wären frisch verliebte Teenager, die miteinander rumalberten, die Finger nicht voneinander lassen konnten, weil Alles so aufregend erschien. Und dann wiederum, waren sie einfach nur das Paar, dass schon viele Jahre zusammen war, denen eine ganze Dekade, die sie getrennt hatte, nichts anhaben konnte scheinbar, und das noch immer, dieselbe, intensive Zuneigung füreinander empfand, wie zu Beginn ihrer romantischen Liebesbeziehung.
Es war einfach die Art wie Jesse ihn ansah, die Valravn, immer wieder, jeden Tag, aufzeigte, dass er der Richtige ist, der Mann, mit dem er alles schaffen, bewältigen konnte, mit dem er leben und auch sterben wollte. Sie waren einfach füreinander bestimmt und geschaffen. Er selbst war nicht religiös, nie gewesen, doch er befasste sich mit dieser Thematik ebenso, wie mit den spirituellen Wegen, der Mythologie, dem Prinzip des Karmas, der Seelenverwandtschaft. Womöglich mochte es kitschig klingen, doch Valravn war ein Romantiker, der etwas Friedliches, tröstliches darin fand, an der Vorstellung, dass sie, wenn dieses Leben sein Ende fand, Seite an Seite, sie im nächsten Leben, wieder zueinander finden und sich lieben würden, weil weder Zeit, noch der Tod, ihre beiden Seelen voneinander zu trennen vermochte auf Dauer.
Die Antworten blieben noch immer aus, stattdessen fasste Jesse nach seinen Handgelenken, flüchtig nur huschte sein Blick zu diesen, Valravn ließ es zu, widerstand nicht, als sein Mann, seine Hände nach unten schob und sich, nur einen Moment später, vorbeugte um den Schweden zu küssen. Ein liebevoller, sanfter Kuss voller Gefühl, der ihn daran erinnerte, vielleicht auf entzückende Art, dazu ermahnte, den Arzt bei Seite zu schieben, wenn auch nur für einen Moment, und stattdessen der Mann zu sein, der vor Jesse, damals, auf das Knie gesunken war, mit einer kleinen Schatulle in der Hand, um ihm einen Antrag zu machen. Wie könnte er, bei solch liebreizender Begrüßung, am Morgen, so ungerührt bleiben? Nun, es wäre möglich, doch stattdessen schloss er ebenso sein Auge, erwiderte, nicht weniger gefühlvoll als sein Mann, den Kuss und hielt ihn einen Moment länger aufrecht. Da hatte, er sogleich wieder das flaue Gefühl, von tausenden, tanzenden Schmetterlingen, im Bauch und sein Herz schien einen freudigen Sprung zu machen, ob des Kusses, den er mit seinem Liebsten teilte, sowie sich anschließend, als sie sich voneinander lösten, begleitet von einem leisen, wohligen Seufzer, mit der Zunge über die Lippen strich. Das leichte Kribbeln auf diesen liebte er, es zauberte ihm gar ein Lächeln ins Gesicht, welches, ebenso wie das dunkle Auge, welches er wieder öffnete, um Jesse anzublicken, pure Zuneigung zum Ausdruck brachte. Liebe.
Nun erhielt er auch die Antworten auf seine Fragen, sowie ein erneutes Lächeln, von Jesse, dessen Anblick einfach herzallerliebst war und er ihn, am liebsten, sofort packen wollte, nur um ihn erneut zu küssen aber sein Mann war hungrig, weshalb der Schwede sich in Zurückhaltung übte.
"Das legt sich schon bald wieder, sollten die Kopfschmerzen oder der Schwindel schlimmer werden, sag es mir aber bitte." Ohne Widerworte versteht sich, denn Valravn würde nicht diskutieren mit ihm, er erwartete von Jesse, dass er es ihn sofort wissen ließ, sollte sein Zustand schlimmer werden, der Schwindel stärker oder die Kopfschmerzen pochender. "Aber nun iss erst einmal etwas, ich will ja nicht, dass du mir vom Fleisch fällst."
Als er das sagte, mit diesem sarkastischen Unterton, konnte er sich auch den vielsagenden Blick, sowie ein kleines, schelmisches Grinsen nicht verkneifen, ehe er sich abwandte, nur um an die Lehne des Stuhls zu fassen, den er, für Jesse natürlich, prompt zurückzog und dieser Platz nehmen konnte. Valravn war eben ein Gentleman der alten Schule, der solch Verhalten als selbstverständlich ansah, außerdem wertschätzte er seinen Mann, respektierte, liebte ihn und der Schwede benötigte keinen besonderen Anlass, um diesen auf Händen zu tragen. Sein überaus vornehmes Verhalten, war keine Fassade, keine Show um Eindruck zu schinden, das hatte er nicht nötig, es lag einfach in seiner Natur und Jesse hätte wohl eher Grund zur Sorge, wenn sein Mann, mal nicht so 'übertrieben' höflich und zuvorkommend wäre.
Dieser schenkte ihm auch sogleich Tee in die Tasse, ehe er raschen Schrittes um den Tisch ging, sowie seinem Mann gegenüber Platz nahm, dass Jesse nur halb angezogen war, tangierte ihn, nach all den Jahren, nicht so sehr, wie man vielleicht annehmen würde. Doch es war nicht unüblich, dass sie Beide, manchmal nur in Unterwäsche frühstückten oder Jesse erst aus dem Bett gekrochen kam, während Valravn, bereits im eleganten Dreiteiler durch das Haus stolzierte, weil er, spätestens nach dem Frühstück auf die Arbeit fuhr.
"Bon Appetit, Darling."
Wünschte er seinem Mann, hob sich einen herzhaften Reibekuchen auf den Teller, nahm jedoch, wie es oftmals der Fall war, erst den Obstsalat zur Hand, da er gern mit dem erfrischenden Gericht, des kleinen Menüs, begann, um den Appetit anzuregen. Er nahm ein, dann zwei, Löffel zu sich, die er genüsslich, langsam kaute und zunächst nur die Geräuschkulisse, des Ofens, in dem das Feuerholz knisterte, knackte, auf sich wirken ließ, es war angenehm still, doch nicht totenstill. Sein Blick wanderte derweil noch einmal über das Ambiente, welches ersichtlich war im Moment, ja, Jesses Wohnung war nicht schlecht, komfortabel, wenngleich etwas zu klein, vor allem für jemanden, mit dem Ego von Valravn.
"Ich gestehe, ich habe es genossen in dieser Küche zu kochen."
Ergriff er schließlich das Wort, zumindest für den Moment, wollte er das unliebsame Thema, den gestrigen Abend, außen vor lassen und über etwas Anderes mit Jesse sprechen. Sie würden früh genug sich mit der Thematik auseinandersetzen aber so früh am Morgen, sollte ihnen Beiden, ein ruhiges, angenehmes Frühstück vergönnt sein, allen voran, da Jesse so liebreizend, ausgeruht anmutete und er ihm nicht, auf Anhieb, die Laune verderben möchte. Außerdem wollte er seinem Mann, ebenfalls die Chance einräumen, von sich aus das Wort zu ergreifen. Sich ihm anzuvertrauen.
"Wirst du dich schon Heute, deinen hiesigen Aufgaben hier widmen Schatz?"
Er nahm den letzten Löffel Obstsalat zu sich, stellte die leere Schüssel zur Seite und griff nach der Tasse Tee, oh er vermisste Kaffee, vor allem den aus seiner Heimat, der viel stärker war, als die Plörre, welche man früher im Starbucks oder den Supermärkten bekam hier in Amerika. Wie es wohl in seinem geliebten Schweden aussah? Nein, solche Gedanken sollte er abschütteln, solange er kein flugfähiges Kleinflugzeug oder einen Helikopter, sowie Sprit, zur Verfügung hatte, waren solche Fragen, reine Quälerei und schmerzlich für sein schwedisches Herz. Dabei wäre ein Segelboot die noch bessere Alternative, weil es keines Sprits bedarf aber so etwas fiel auch nicht einfach vom Himmel und selbst eines bauen, das auf hoher See, nicht sofort bei einer Böe auseinander brach, würde viel Zeit, sowie Ressourcen benötigen.
"Du unterstehst einzig Scorpion, nehme ich an? Nun, zumindest hast du dir einen guten Platz in der Nahrungskette gesichert." Merkte er an und nahm einen Schluck von dem Tee, stellte die Tasse zur Seite, um nach dem Besteck zu greifen und sich ein kleines Stück des Reibekuchens abzuschneiden, welches er sich, genießend, zu Gemüte führte, langsam kaute, sowie die Röstaromen, feinen heraus stechenden Nuancen, die der Speck, der Schinken, sowie die geraspelten Möhren, mit sich brachten. "Ich werde später nach Sleipnir sehen müssen, ....wie dir aufgefallen ist, ist er ebenso freiheitsliebend wie ich. Ich hoffe doch, niemand hier, kommt auf die Idee, mein Pferd ... 'leihen' zu wollen, oder?"
Jesse lebte hier, er konnte ihn da wohl am besten aufklären, wie die Dinge hier geregelt wurden, vermutlich in vielen Dingen anders als in Balar, wo die Gemeinschaft großgeschrieben wurde, als er in der Probezeit war, wurden seine Waffen eingelagert, wäre es notwendig gewesen, hätte jemand sie, zum Schutz des Dorfes, an sich nehmen können, weil ihm noch nicht das Vertrauen innewohnte als Neuling. Ein Gedanke, der ihm missfiel, wie man sich denken kann, Valravn teilte seinen Besitz schon früher nicht oder nur in Ausnahmefällen, das hatte sich bis heute, nicht geändert. Und Sleipnir war mehr als nur ein Fortbewegungsmittel, er war sein Freund, sie waren ein Team über die letzten Monate geworden, er würde es nicht dulden, sollte jemand den Kladruber auch nur ungefragt anfassen. Er hatte jemanden schon halb zu Tode gestarrt, sowie dessen Hand weggeschlagen, als man sein Pferd anfassen wollte. Valravn mochte es damals schon nicht bei seinen Hunden, er hasste Leute, die ihn, als Herrchen, Besitzer, übergehen wollten und nicht fragten, ob es gestattet sei, die Tiere anzufassen.
Menschen waren so lästig einfach nur.
Bei Jesse war das anders, als Valravn sich entschied, einen Wurf Huskys, zwei Samojeden, sowie Garm, seinen Alaskan Malamute, anzuschaffen, waren sie längst ein Paar, sein Mann war von Anfang an, an der Aufzucht, sowie Ausbildung, der Welpen beteiligt gewesen. Valravn war der Leitwolf, ohne Wenn und Aber, danach kam Jesse, dann erst Garm, in der Hierarchie ihres großen, zusammen gewürfelten, Rudels. Obschon der Schwede seine Vierbeiner liebte, besonders Garm, war Jesse derjenige von ihnen, der beim Anblick, scheinbar jeden Hundes, sofort große Puppy Eyes bekam, sowie am liebsten jeden Hund mitnehmen wollte. Ganz schlimm manchmal, denn Valravn war überzeugt davon, dass Jesse, tatsächlich, gewillt wäre, jemanden zu ermorden, nur um an einen Hund zu kommen. Was mitunter wieder lustig wäre, Valravn hatte eben einen sehr eigenwilligen, vor allem schwarzen Sinn für Humor.

@Jesse Redford


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#18

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 23.02.2020 17:59
von Jesse Redford (gelöscht)
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Es sah so aus, als konnte er Val für einen kurzen Augenblick aus dessen Arztrolle raus holen, damit sie sich in Ruhe begrüssen konnten wie das Paar, das sie nunmal waren. Er war sich natürlich bewusst, dass Val sich Sorgen um ihn machte, das machte er nämlich auch. Doch gerade war sein Verstand erstaunlich ruhig und diese Ruhe wollte er ausnutzen, um sich gerade einfach mal keine Gedanken um seinen Gesundheitszustand zu machen. Zumindest für ein, zwei Minuten, in denen er Val küsste, seine Nähe und Anwesenheit genoss.
Ganz früher war er Einzelgängerisch gewesen, hätte solchen Ritualen absolut nichts abgewinnen können. Damals hatte er es geschätzt, dass er einfach seine komplette Ruhe. Danach war Val in sein Leben getreten und nach einer Weile hatte er es vermisst, wenn sie sich morgens keinen Kuss hatten geben können, vielleicht weil Val schon auf Arbeit war oder er selbst für eine Lesung oder Ähnliches für ein paar Tage unterwegs gewesen war.
Obwohl definitiv Val der romantische Part in ihrer Beziehung war, ebenso wie der Führende, der das letzte Wort bei Entscheidungen hatte, so weckte er in Jesse durchaus auch das Bedürfnis nach einigen Dingen, wie eben solchen kleinen Rituale wie einen morgendlichen Kuss, bevor er nervige Ärztefrage beantwortete.
Zumal Val wirklich hübsch aussah, obwohl er zehn Jahre älter war und nicht mehr die Gelegenheit hatte, sich täglich in einen neuen Anzug zu werfen.
"Natürlich sag ich es dir...", versprach er ihm. Er hatte auch nichts anderes vor. Erstens wusste er, dass Val es nicht dulden würde und zweitens machte er sich selbst genug Sorgen, dass er Val auf jeden Fall warnen würde, wenn ihm etwas seltsam vorkam. Doch im Moment war alles soweit im grünen Bereich. Die Kopfschmerzen waren normal für das Trauma und der Schwindel wohl auch. Also setzte er sich hin und besah sich das Essen, das köstlich roch. Nichts Anderes erwartete er von Vals Kochkünsten, die er über die Jahre ganz offensichtlich nicht eingebüsst hatte. Val setzte sich ihm gegenüber. Während dieser erst einen Fruchtsalat zu sich nahm, wählte Jesse erst den süssen Reibekuchen für sich, von dem er sich etwas auf den Teller legte. Danach würde er Herzhaft ausprobieren und zum Schluss noch etwas Früchte. Hungrig war er allemal, das letzte Mal gegessen hatte er vor einer gefühlten Ewigkeit gestern irgendwann. Das Abendessen hatten sie dann ja leider streichen müssen.
Vals Eingeständnis was die Küche anbelangte, liess ihn die Augenbrauen heben und leicht Lächeln. Er kaute auf einem Stück des Reibekuchens und genoss dessen wunderbaren Aromen, die ihm auf der Zunge zergingen.
"Kann ich das als Hinweis deuten, dass du nicht abgeneigt bist womöglich hier zu bleiben?", fragte er ihn. Das würde er selbst natürlich sehr begrüssen, denn schliesslich ... mochte er es hier lieber als in Balar, wo das ganze Leben so ... anstrengender als nötig war. Ausserdem war es dort unwahrscheinlich, dass sie ihrem Hobby nachgehen konnten, ohne entdeckt zu werden. Kurz blickte er auf seinen Teller. "Vielleicht kann ich mit Scorpion reden und ihn bitten uns eine grössere Wohnung zu geben, nun da wir zu zweit sind... Wenn du mit ihm redest und ihr euch einigermassen leiden könnt, würde er vielleicht sogar zustimmen..." Er zuckte mit den Schultern und nahm sich das nächste Stückchen. "Wir könnten uns hier ein neues Leben aufbauen..." Kurz hielt er inne, um sich einen Schluck Tee zu gönnen, wobei er Val wieder anschaute. "Ich unterstehe nur Scorpion... Er weiss, dass ich wertvoll bin, wegen meines Wissens und meinen Talenten. Ausserdem mögen die Arbeiter mich. Nicht alle, aber einige..." Das war eine Menge wert. So konnte er zwischen den zwei Parteien kommunizieren und manchmal sogar den einen oder anderen Wunsch erfüllen, um die Arbeiter wieder ruhiger und zufriedener zu stellen.
"Ich werde wenn möglich heute mal mit Scorpion sprechen, ihm meinen Bericht über Balar abgeben und mit dann eine Übersicht verschaffen damit ich meine Arbeit wieder aufnehmen kann. Und du solltest dich auch so rasch wie möglich um Arbeit kümmern, wenn du hier bleiben möchtest..." Er lächelte ihn kurz an. "Irgendwie wirst du dich sicherlich nützlich machen können. Wenn wir gemeinsam hier Geld verdienen, können wir uns ein gutes Leben leisten."
Val würde natürlich von seiner guten Position profitieren können. Sie mussten Scorpion nicht vorgaukeln, dass sie zusammen waren. Alleine Val würde wohl mit seiner Körpersprache vermitteln, dass Jesse zu ihm gehörte und es sonst gar keine Möglichkeit gab wie sie zwei zueinander standen. Damit war es klar, dass Val ähnliche Vorzüge wie Jesse hier geniessen würde, sobald er sich eingelebt hatte.
Was die Frage wegen des Pferdes anging, nahm sich Jesse einen Augenblick Zeit, um sich einen Bissen zu gönnen, den Teller zu leeren und sich zwei Herzhafte Reibekuchen auf den Teller zu nehmen.
"Niemand wird ihn nehmen, um ihn auszureiten oder zum Arbeiten zu benutzen, wenn du es nicht erlaubst", begann er dann zu erklären. "Die Stallleute werden sich darum kümmern, dass er gefüttert wird, dass er auf die Weide gelassen wird, genau wie alle andern Pferde auch. Ich habe aber dafür gesorgt, dass er in eine Box für Privatpferde kommen, welche sich die Wächter jeweils gekauft haben. Aber wenn du heute sowieso in den Stall gehst, kannst du Sleipnir offiziell anmelden und auch direkt weitergeben, was bei ihm getan werden darf und was nicht. Und ähm..." Kurz seufzte er. "Wir zahlen natürlich Pension für ihn ... Es ist nicht viel, 5 Währung pro Tag und Tier. Aber nur, dass du dir dessen bewusst bist. Aber das Futter und der Lohn der Leute die sich um ihn kümmern muss bezahlt werden..."
War ja eigentlich auch logisch. Allerdings konnten sie sich das locker leisten, vor allem sobald auch Val hier verdienen würde. "Es funktioniert so, dass unsere Bürokraten alles ausrechnen, was wir für laufende Kosten haben für Pensionsplätze, Wäscherei, Wohnung ...und das wird uns direkt vom Lohn abgezogen. Den Rest kriegen wir ausbezahlt und davon können wir uns noch das Essen kaufen und auf dem Markt alles holen was wir wollen und uns leisten können. Wir kriegen das Geld wöchentlich ausbezahlt."
Den Rest würde Val selbst alles merken, wenn er gedachte hier zu bleiben. Das System war sehr simpel aber auch sehr effektiv und umgekehrt und gerade als Wächter in seiner Position verdiente er genug, um sich keine Sorgen machen zu müssen.
"Ich begleite dich gern zu Sleipnir, wenn ich dann selbst zu Scorpion gehe... Und erkläre dir da gern alles, wenn du möchtest...", schlug er vor. Obwohl er noch immer an Kopfschmerzen litt würde ihn das nicht aufhalten heute mit der Arbeit wieder anzufangen, alles in geregelte Bahnen laufen zu lassen und Val ein wenig herumzuführen. "Wenn du willst kann ich dir auch den Arbeiterbereich zeigen, dir Minerva und Alexis vorstellen..." Immerhin war es bei Alexis nicht sein Verschulden, dass der im Arbeiterbereich untergekommen war und im Gegensatz zu Minerva schien der es nicht so schlimm zu finden. Zumindest von dem was er so mitgekriegt hat.
"Ausser du willst den Zoo erst einmal alleine verkünden. Aber ich denke meine Anwesenheit könnte dir einiges an Ärger durch Missverständnisse ersparen..."

@Valravn Vargström


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#19

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 25.02.2020 11:11
von Valravn Vargström (gelöscht)
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Der Schwede zelebrierte nicht nur die Kochkunst, Kunst an sich, sondern vor allem die Liebe und ihre kleinen Rituale, doch selbst er, vergaß dies manchmal, wie an diesem Morgen, wo die Sorge, um seinen Mann, nun mal vorherrschend war aber Jesse, schob dem rasch einen Riegel vor. Es würde ihm, zumindest heute, wohl niemand mehr glauben, dass sein Lockenkopf, der ihn so verliebt ansah, zu Beginn eher genervt war, von dem Schweden und seine Zeit brauchte, viel Zeit, bis er nicht gleich die Flucht ergriff, sobald Valravn auch nur den Arm um ihn legte, geschweige denn einen Kuss, auf dessen süße, weichen Lippen hauchte und es dauerte fast noch mal so lang, bis sein Mann, genug Gefallen daran fand, um darauf einzugehen, sowie, irgendwann, selbst einzufordern, so wie er es jetzt, an diesem Morgen tat. Ganz selbstverständlich, was es damals, gewiss nicht gewesen ist und Valravn viel Geduld, mitunter auch Nerven, kostete.
Doch all das hatte sich mehr als gelohnt.
Was der liebevolle Kuss an diesem Morgen bewies, der auch Valravn dazu ermahnte, trotz allem, in erster Linie Jesses Mann zu sein und dann erst sein Arzt. Und nach zehn langen Jahren, sollte er sich, erst recht, die Zeit dazu nehmen, bei jeder Gelegenheit, seinem Mann einen Kuss zu entlocken oder von diesem zu ergattern, die verlorene Zeit konnten sie nicht zurückgewinnen aber das Beste daraus machen. Zudem stimmte Jesses Antwort, die ihm über die Lippen kam, den Schweden milde, zufrieden, der nur bestätigend nickte und den Blick, für ein paar wenige Sekunden, auf seinem Liebsten ruhen ließ. Trotz all der Probleme, die Jesse mitunter mit sich brachte, seine Macken, Ecken und Kanten, war er das Beste, was Valravn jemals passiert ist, für nichts auf der Welt, würde er ihn hergeben. Zum Glück beruhte es auf Gegenseitigkeit, obschon der Schwede, ebenfalls, alles andere, als ein einfacher Zeitgenosse ist aber sie ergänzten einander perfekt, glichen sich aus, harmonierten.
Natürlich konnten auch sie sich ebenso heftig streiten, wie auch leidenschaftlich lieben.
Doch an diesem Morgen, war es recht friedlich, im Hause Vargström/Redford und Valravn genoss diesen Umstand, kein Lärm, der von Draußen penetrant nach drinnen drang, keine gackernden Hühner, die vor der Hütte rumliefen, weil sie mal wieder aus ihrem Verschlag gebüchst waren, keine Ziegen, die auf seinem Pferd durchs Dorf ritten. Gut, den Anblick würde Valravn tatsächlich etwas vermissen, allerdings musste er zugeben, trotz dem Drama, am gestrigen Abend, hatte er hier, weniger Probleme sich einzugewöhnen als in Balar. Gut, er war davor ewig allein gewesen, musste sich erst wieder an Menschen gewöhnen, doch die Wohnung, in der sie nun bei Tisch saßen, einander gegenüber, wie früher, sorgte für Wohlgefallen bei dem Schweden, es war ein Stück Zivilisation, gewohntes Terrain und vor allem Komfort. Bei Jesses Nachfrage, neigte er den Kopf ein wenig zur Seite, behielt die Tasse in der Hand und betrachtete seinen Mann, es lag auf der Hand, dass Jesse den Zoo nicht verlassen wollte, wenngleich er, selbstverständlich, mit Valravn gehen würde, sollte er sich gegen diese Kolonie entscheiden. Am Ende traf er diese Entscheidung, sein Mann durfte aber gerne seinen Eindruck, seine Meinung, seine Wünsche einbringen, das würde er ihm nie verwehren und Valravn berücksichtigte dies stets, gut meistens, denn manche Entscheidung traf er ohne Jesses Wissen.
"Ich muss gestehen, der Umstand, fließend Warmwasser zu haben, sogar Strom und allen voran, eine vernünftige Küche, sind in der Tat überaus reizvoll, verlockend. Du kennst mich zu gut, nicht einmal, wenn ich mich nun bemühen würde..." Was er nicht einmal im Ansatz versuchte, just in diesem Moment, weil er dazu keinen Anlass hatte. "... könnte ich glaubhaft zum Ausdruck bringen, dass mir Balar besser gefällt. Zugegeben, der Platzmangel hier, stört mich aber ich denke, da ließe sich eine Lösung finden langfristig. Für den Moment ist es, fast ein bisschen wie zu meiner Studienzeit in Stockholm, als ich noch in einer kleinen Wohnung lebte." Valravn stammte schließlich aus einfachen Verhältnissen, zwar besaßen sie ein Häuschen in Kiruna, doch verglichen mit dem Haus, was er in Alaska bezogen hatte, glich sein Heim, dass er als Kind bewohnte mit seinen Eltern, kaum mehr als einer Hütte, einem Schuppen. Der Schwede war zudem immer schon sehr anpassungsfähig, es gäbe viel zu tun, um diese Wohnung etwas heimischer einzurichten aber ein Schritt nach dem Anderen, zuerst galt es Formalitäten zu klären, in erster Linie mit dem Anführer der Kolonie, Scorpion. Danach würde Valravn, in Ruhe, sein hiesiges Revier abstecken, erkunden, die Fronten klären und sich, ganz selbstverständlich, auch einbringen aber dahingehend machte er sich keine Sorgen, er weiß, dass seine Fähigkeiten, sein Wissen, mehr als kostbar sind, allen voran in der heutigen Zeit.
Vielleicht war er keine zwanzig mehr, doch an Ruhestand, nun wo er tatsächlich die Chance hatte, nicht nur zu überleben, sondern wieder ein geregeltes Leben zu führen, dachte er da noch lange nicht. Sein Stolz und Pflichtgefühl, ließe zudem nicht zu, dass er sich auf der faulen Haut ausruhte, solange er arbeiten kann, würde er es tun, insofern man ihm freie Hand ließ, denn der Schwede war unbeugsam. Er unterwarf sich Niemanden, er nahm lediglich die Anliegen Anderer zur Kenntnis und war gewillt, diesen nachzukommen. Auf jeden Fall würde es interessant werden, sich mit dem jungen, wilden Anführer des Zoos zu unterhalten, ein wenig neugierig war er bereits, doch er verließ sich nicht auf Jesses Einschätzung, er war unfassbar intelligent, keine Frage, doch sein Mann, der sich seinen Obstsalat zu Gemüte führte, war der Experte, wenn es um die menschliche Psyche ging. Auch wenn Jesse viel gelernt hatte, durchaus manipulativ sein kann, so würde er kläglich an jemandem scheitern wie Valravn, der roch seine kleinen Ausflüchte, Lügen, noch bevor er sie zu Ende erdacht hatte.
"Wir werden sehen, auf jeden Fall brauche ich anständige Garderobe, ich werde mich gewiss nicht, in Jeans und ... dem hier.." Er sah ein wenig missmutig an sich herab, wohl wissend, dass er auch in solch legerer, einfacher Kleidung, gut aussah, er nicht im geringsten an seiner Ausstrahlung einbüßte. "... dem Anführer dieser Kolonie vorstellen. Was würde das nur für einen Eindruck machen."
Einen der nicht zu seinem Wohlgefallen ausfiele und das wusste Jesse, Valravn war zu eitel, zu stolz, als sich, wie jeder Hans Wurst, in Jeans und Shirt, Scorpion vorzustellen. Kleider machen Leute, er wusste, immer schon, wie er Eindruck schinden kann, sich in Szene setzen musste, um den gewünschten Effekt, bei Anderen, zu erzielen. Er war ein stattlicher Wolf und er würde, soweit es eben ging, wieder in altem Glanz und entsprechender Garderobe erstrahlen! Etwas Anderes wäre einfach, auf lange Sicht, inakzeptabel für den Schweden. Der verstimmte Anflug in seiner Miene schwand rasch, aufgrund der vielversprechenden Worte seines Mannes, den Valravn einen Moment lang, mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, liebevoll ansah. "In der Tat, das können ... und werden wir." Sagte er schließlich, was bereits durchsickern ließ, dass Valravn gedachte hier zu verbleiben, im Zoo, mit seinem Mann und noch einmal, wie er es schon oft in seinem Leben getan hatte, Neu anzufangen.
Natürlich hing die endgültige Entscheidung davon ab, wie die Unterredung mit Scorpion verlief.
Aber im Großen und Ganzen, gedachte der Schwede, in der Tat, hier zu bleiben mit Jesse, allein die Auswahl der Lebensmittel, die intakte, voll ausgestattete Küche, das fließend Warmwasser, waren einfach zu gute Argumente, als das jemand wie er, der nun mal Ansprüche hatte, sehr hohe noch dazu, dies einfach ignorieren, gar ausblenden könnte. Jesse ahnte es doch ohnehin, er kennt seinen Mann und er wusste, anders als alle Anderen, wie dieser, vor dem Ausbruch, gelebt hatte. Valravn kann unter widrigsten Bedingungen überleben, er kam zurecht, doch wenn sich ihm die Gelegenheit bot, sich zu verbessern, sei es in Bezug auf Kleidung, Unterkunft, Lebensmittel und dergleichen, dann ergriff er diese Chance, biss zu und ließ nicht mehr von ab. Dahin gehend war Valravn tatsächlich, ein klein wenig zumindest, durchschaubar.
Der sich in Ruhe das Obst zu Gemüte führte, sowie seinem Mann lauschte, ja, ihm kam sogar ein amüsierter Laut über die Lippen, als sein Mann davon sprach, beliebt zu sein bei den Arbeitern, natürlich nicht allen, doch es überraschte Valravn kein Stück. Welcher, ganz offenbar, trotz des gestrigen Vorfalls, guter Laune zu sein schien und gar ein wenig amüsiert vor blickte zu Jesse. "Also hat der kleine Wolf, den dummen Schafen, erfolgreich vorgegaukelt, ein Schäferhund zu sein. Nun, ich habe nichts anderes von meinem Mann erwartet, das macht dich noch unentbehrlicher, wenn beide Seiten dir Vertrauen schenken."
Jesse hatte also strategisch betrachtet eine kostbare, sowie äußerst nützliche, Position erlangt im Zoo und kam somit an mehr Informationen als alle Anderen. Da zuckten seine Mundwinkel glatt nach Oben für einen Moment, ehe er den Blick vom Teller hob, um Jesse direkt in die, so unschuldigen blauen, Augen zu blicken.
"Jag är stolt över dig."
Ließ er Jesse wissen, lobte ihn gar, denn sein Mann hätte wahrlich Pech haben, sowie auf der anderen Seite der Gitterstäbe landen können, etwas das ihm, in vielerlei Hinsicht, stark geschadet hätte aber zum Glück, hatte sein Mann ihn, lange vor dem Untergang, der ihr bekannten Zivilisation, beigebracht ein Löwe zu sein. Er erwartete es schlichtweg nicht anders, dass Jesse, der so seltsam, wie auch herausragend intelligent, ist, sich in der Hierarchie einen guten Platz sicherte und das bewies er ihm, hier im Zoo, bravourös. "Irgendwie nützlich?" Die, eben noch weicher anmutenden Züge, des Schweden, verhärteten sich wieder in gewohnter Manier, sein Blick wurde eindringlicher, bohrender, strenger, mit dem er seinen Mann bedachte. Wollte er ihn gerade beleidigen? Es lag wohl auf der Hand, dass Valravn, der ebenso vielseitig begabt, wie gerissen war, sich eine gute Position sichern würde, für ihn kam eine niedere Tätigkeit einfach nicht in Betracht. Niemals.
"Medizinisches Fachwissen ist in dieser neuen Weltordnung mehr Wert als Sprit für ein Fahrzeug, Schatz. Ich werde meiner gewohnten Tätigkeit nachgehen." Jedoch zuckte seine Augenbraue nach oben, ein Anflug Skepsis oder viel mehr Verwunderung, huschte über sein, wie in Stein gemeißeltes, markantes Gesicht. "Geld? ... diese Kolonie besitzt ein Währungssystem?" Da unterbrach er sogar, für einen kurzen Augenblick, das Frühstück und lehnte sich etwas zurück, starrte seinen Mann einfach nur an, ohne zu blinzeln. In der Tat, er war überrascht! Tauschhandel ja, Gefälligkeit gegen Ressourcen oder andere Gefälligkeiten, das kannte er aus Balar zur Genüge aber ein richtiges Währungssystem, Lohn und dergleichen, damit hatte er wahrlich nicht gerechnet. Da griff er erst einmal zur Tasse, trank einen Schluck Tee und schaute noch immer seinen Mann an, ohne mit der Wimper zu zucken. "Schatz, wieso hast du mir das nicht vor drei Wochen erzählt? Ich hätte dich, sowie Sleipnir, prompt geschultert, wäre über die Mauer geklettert und hätte dich hier her zurückgebracht."
Gab der Schwede ganz trocken und bitterernst klingend von sich, bei solch einer Aussage war es schwer zu sagen, was das nun ein Scherz oder sein absoluter ernst. Etwas von Beidem womöglich, es verdeutlichte jedoch, wo Valravns Prioritäten lagen. Er nutzte jede Chance, jede Gelegenheit, um sich, ganz offen und deutlich, über Andere erheben zu können, Geld, war eines dieser Mittel, von dem er früher schon, durch harte Arbeit, so viel angehäuft hatte, dass er, als auch Jesse, ein Leben in Saus und Braus führen, reisen, sowie sich allerhand Luxus leisten konnten. Auch wenn Jesse, der Bescheidene von ihnen Beiden ist, entstammte er selbst einer wohlhabenden Familie, hatte sich nicht sorgen müssen, wegen des Geldes, sie standen finanziell früher sehr gut da. Etwas, dass sie offenbar in dieser Kolonie, ebenfalls etablieren, erreichen konnten und Jesse sich schon gesichert hatte, er hatte eine unverzichtbare Position, er war zu wertvoll, zu komplex, als dass man ihn ersetzen könnte.
"Wenn du mir jetzt noch sagst, dass es hier Motorräder gibt und elegante Garderobe, die zumindest, ansatzweise, meinen Geschmack trifft, ... hänge ich meinen Grizzlypelz an den Haken."
Ja, er war ein furchtbarer Snob, doch so war der Schwede eben, er schuftete, solange, so hart, bis er da war, wo er hin wollte, ganz nach oben und in Wohlstand schwelgend, der vielleicht nicht mehr im selbigen Ausmaß, wie früher, erreichbar war aber es gab ihn noch immer! Es lag auf der Hand, dass Valravn, das wieder erreichen und haben wollte, für sich selbst, für sie Beide.
Während Jesse ihn darüber aufklärte, seines Pferdes betreffend, sowie den laufenden Kosten, für dessen Unterbringung, aß er seinen Reibekuchen zu Ende und hob sich einen Süßen auf den Teller. "Nun, ich hätte mich gewundert, wenn die Verpflegung und Unterbringung, meines Pferdes, kostenlos wäre."
Das wäre möglich gewesen, hätte er damals ein eigenes Pferd besessen, was er auf Jesses Gestüt hätte unterbringen können, wenngleich der Schwede zu stolz war, um anderen auf der Tasche zu liegen, natürlich liebte er es, Vorzüge und Privilegien zu haben aber er weiß, auf welche er verzichten kann. Während er sich beiläufig, immer mal etwas Reibekuchen zu Gemüte führte, ruhte sein Blick unentwegt auf seinem Mann, es schien ihm, soweit ersichtlich, sogar recht gutzugehen, sah man davon ab, dass sein Kopf mit Sicherheit noch pochte, jedoch hoffentlich nicht mehr so schlimm wie gestern.
"Ich verstehe, die Kolonie ist nicht nur gut aufgestellt, sondern hat eine richtige, intakte Infrastruktur. Habt ihr diese so übernommen oder erst etablieren müssen, nach der Übernahme?"
Fragte der Schwede interessiert nach, er war, minimal, beeindruckt aber tatsächlich gefiel ihm der Umstand, dass diese Kolonie, die auf den ersten Blick eher wild, verroht, anmutete, offenbar ein richtiges System, eine Struktur hatte und Möglichkeiten bot, die man kaum in anderen Siedlungen fand scheinbar.
"Das wäre wunderbar und wohl auch praktischer, wenn du mich begleitest.." Er sah seinen Mann vielsagend an, sein Mundwinkel hob sich dabei gar ein wenig, Valravn weiß wie er selbst tickt, weshalb auf der Hand lag, dass er sich von niemandem Vorschriften machen ließ oder dergleichen. Es war, vor allem für Andere, in der Tat besser, wenn Jesse seinen Mann, beim Erkunden des Zoos, begleiten würde und im Vorfeld, mögliches Konfliktpotenzial aus dem Weg räumte oder besser gesagt, rechtzeitig, intervenierte.
"Wer ist denn jetzt schon wieder Alexis?"
Im Ernst, sein Mann kannte zu viele Leute, das war in der Tat etwas ... lästig.
Allerdings war Valravn ganz Ohr, selbstverständlich würde er sich, vor allem, jene Leute näher betrachten, die eine Bindung zu seinem Mann hatten, wie eben Minerva, diese betreffend wollte er Jesse ja auch helfen, um sie aus ihrem Käfig zu befreien und zu beschützen. Wenn das weiter so geht, musste er wirklich noch darauf bestehen, ein ganzes Gebäude zu beanspruchen, nur um all die Leute, die Jesse offenbar ans Herz gewachsen sind, dort unterbringen zu können. Wie anstrengend. "Aber ja, ich würde sie gerne kennenlernen, alle Beide." Allein um sich einen Einblick zu verschaffen, in was für Gesellschaft, sein Mann sich so befunden hatte vor dem Zoo und währenddessen, außerdem, ergab sich vielleicht die Gelegenheit, in einem Gespräch, ein paar Informationen zu erlangen, nicht nur seinen Mann betreffend. Den er, über den Rand der Tasse, nach der er gegriffen hatte, hinweg wieder direkt ansah und die Augenbraue anhob.
"Ah, mein kleiner persönlicher Anstandswauwau, sehe ich das richtig?" Neckte er ihn, hörbar amüsiert klingend, ehe er einen Schluck Tee zu sich nahm, sowie das Auge schloss dabei. "Nun, ich betrachte es mal von der positiven Seite, wenn du mich begleitest, sollte unmissverständlich klar werden, zu wem du gehörst. .. wegen deiner Arbeit, ich werde mich raushalten, nur sei bitte so gut und übernimm dich Heute nicht gleich, das ist alles worum ich dich bitten möchte." Das Jesse es langsam anging, sowie einen Gang zurückschaltete, falls notwendig, allen voran aber, sollte er ihm sagen, wenn der Schwindel oder Kopfschmerz schlimmer wurde. Nachdenklich betrachtete er seinen Mann, schwieg einen Augenblick und nippte erneut am Tee, bis die Tasse geleert und zur Seite gestellt wurde. Vielleicht sollten sie das Geschehnis von gestern erst besprechen, wenn Jesse seine heutigen Aufgaben erledigt hatte, das wäre definitiv besser, weshalb Valravn, vorerst, davon absah, das Thema anzusprechen, er verlagerte es lediglich auf später.
"Blau der See! Vom hohen Schilfe rings umgrenzet, Blau dein Aug', von braunen Wimpern hold umkränzet. Wie im See sich malt der Sterne bunt Gewimmel, so in deinen Augen spiegelt sich mein Himmel. Aber wie im See die Nachen schwanken, also, schau ich dir ins Auge, die Gedanken. Feucht und kühl der Wasserfluten licht Geflimmer, blickt auch kühl dein lichtes Auge? Weiß es nimmer. Liebst du mich? So frag' ich täglich, frag' ich stündlich; doch dein Herz ist gleich dem Meere, unergründlich."
Brach es aus dem Schweden heraus, der den Blick nicht ablassen konnte von den blauen Augen seines Mannes, die ihn so faszinierten, ihn sich darin verlieren ließ, danach sehnend, täglich in diese zu blicken, bis zum letzten Atemzug. Ja, er war ein furchtbarer ..... Romantiker.
Dessen poetische Ausbrüche, mehr sind als nur die Hingabe, die Verdeutlichung seiner Liebe, die er für Jesse empfand, sie zeugte oftmals auch davon, dass der Schwede sich bester Laune erfreute, zumindest dann, wenn jene Wortgewalt sich in romantischer Manier äußerte, gar liebestrunken anmutend.


@Jesse Redford


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#20

RE: Jesse's Wohnung

in Wohnungen der Wächter 25.02.2020 19:52
von Jesse Redford (gelöscht)
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Die Wohnung glich tatsächlich eher einer Junggesellenwohnung als einer, welche für ein wohlhabendes Paar geeignet wäre. Doch bis vor gut einem Monat hatte Jesse nicht mehr als die paar Räume benötigt, um klar zu kommen. Noch nicht einmal seine Küche war ständig in Betrieb gewesen, weil er sich von den einfachsten Dingen ernährt hatte und sich manchmal auch fertig gekochte Mahlzeiten auf dem Markt gekauft hatte. Besonders die Erbsensuppe hatte es ihm dabei angetan durch die kalte Jahreszeit hindurch. Ansonsten hatte er sich beinahe von Rohkost ernährt, ab und zu mal ein wenig Fleisch gebraten... Es hatte seine Gründe, weshalb er ein wenig abgenommen hatte. Fettleibig war er zwar noch nie gewesen, das hatte sein verminderter Appetit stets verhindert und das obwohl er sich die längste Zeit nur von Junkfood ernährt hatte. Dennoch war es keine Seltenheit gewesen, dass er ab und zu mal für Tage kaum was aß. Sei es nun, weil ihm aufgrund seiner schlaflosen Nächte der Appetit fehlte oder weil er zu sehr in seine Romane vertieft gewesen war.
Nun lag das Problem eher da, dass er zu sehr in seine Arbeit vertieft war, Bestellungen durchging, rausschickte, korrigierte, seine Kontrollgänge durch den Zoo machte, als dass er sich wirklich darum kümmerte auch ausgewogen zu essen. Das war für ihn schon immer irgendwie eher nebensächlich gewesen, ironisch wenn man bedachte, dass er letztlich mit einem Mann zusammenkam, der die Zubereitung von Essen zu einer eigenen Kunstform erhoben hatte.
Doch womöglich würden sie diese Wohnung gar nicht so lange behalten. Nun da sie zu zweit waren, hatten sie ein gutes Argument in eine grössere Wohnung ziehen zu können, sofern eine frei war. Jesse lebte weit unter dem, was er sich leisten könnte, einfach nur weil er bescheiden war und sich nur nahm, was er für wirklich nötig betrachtete. Doch irgendein Wächter würde sich über diese Wohnung freuen und Scorpion könnte sicherlich dafür Sorgen, dass er mit Val in eine Grössere ziehen konnte. Er würde mit ihm darüber reden. Blieb nur zu hoffen, dass der Anführer der Kolonie und sein Mann sich miteinander verstanden ohne sich direkt zu zerfleischen.
Scorpion war groß, vulgär, aggressiv, jung und ungestüm. Jesse wusste, dass der Kerl nicht dumm war, dafür leitete er die Kolonie viel zu erfolgreich. Aber irgendetwas an ihm konnte er nicht einschätzen, nicht wirklich einordnen... Das faszinierte ihn an diesem jungen Kerl mitunter so sehr. Er hatte oftmals das Gefühl, Scorpion tat immer das Gegenteil von dem was man von ihm erwarten mochte. Ihn interessierte brennend, was Vals Fazit sein würde, sobald er ihm begegnet war. Ob er ihn auch faszinierend finden würde? Oder würde er ihn einfach hassen...?
Jesse leerte seinen Teller und nahm sich dann noch ein wenig Obstsalat zum Abschluss. Er hätte sich grundsätzlich gern bequemer hingesetzt, wie er es in den letzten Jahren oft gemacht hatte. Nicht selten ein Knie angezogen, sich mit der Brust dagegen lehnend, manchmal sogar das Kinn darauf gestützt, während er irgendwelches Essen in sich hineingestopft und dazu Bestellungen durchgegangen war. Hätte Val ihn so gesehen, hätte er sich wohl ordentlich was von ihm anhören können. Immer wieder zuckte sein Bein ein wenig, er hatte wirklich das Bedürfnis zumindest einen Fuss irgendwie vom Boden zu nehmen. Letztlich hakte er seine Füsse an den Stuhlbeinen ein, damit sie still waren und er Vals Blick erwidern konnte.
Es freute ihn natürlich, dass der stolz auf ihn war, weil er sich hier eine Position gesichert hatte, die mehr als wertvoll war. Dabei würde er aber nicht darauf rumreiten, dass es nicht von anfang an seine Absicht gewesen war. Er hatte es nicht perfide geplant... Eigentlich hatte er nur getan, was er am besten konnte. Seinen Intellekt, seinen Verstand mit seiner Empathie für andere verbinden und das Beste daraus hervorholen. Er hatte sich nicht mit den Arbeitern angefreundet, um es für sich auszunutzen, er war nicht zu einem von Scorpions besten Männern geworden, um sich damit das Beste zu sichern...Er hatte eigentlich einfach nur das Beste gewollt.
Ja, vielleicht war er aus Vals Sicht wieder verweichlicht, ins alte Muster zurückgefallen, mit dem Unterschied, dass er es schaffte sogar halbwegs sozial zu sein. Eine Fähigkeit, die er wohl auf der Ranch erworben hatte, als er teilweise schwere Entscheidungen mitgetragen hatte.
Schon früher hatte er hin und wieder daran gezweifelt, ob er wirklich das Raubtier war, das Val in ihm sah. Natürlich, er hatte wirklich Gefallen daran gefunden Menschen zu jagen, sie ihrer Existenz zu berauben ... und sie danach zu essen. Er fand es nicht mehr verwerflich, er betrachtete Menschen tatsächlich lediglich als Schafe. Zumindest die meisten. Doch in Vielen sah er eben auch mehr. Wie in Minerva beispielsweise. Machte ihn das schwach...? Vermutlich...
„Ich habe vom Besten gelernt...“, meinte er mit einem leichten Schmunzeln und lehnte sich etwas zurück, um auf dem Obst zu kauten, das er sich soeben in den Mund geschoben hatte. Er durfte nicht zweifeln. Genau wie Val war auch er ein Löwe. Auch wenn er es in den letzten zehn Jahren nur in den dringendsten Fällen zum Ausdruck gebracht hatte.
Kurz seufzte er und beugte sich wieder vor, um mehr von dem Obstsalat zu essen, bevor Val ihn erneut stutzen ließ. Natürlich erwartete er, dass Val sich nützlich machen würde und auch konnte. Doch allen Anschein nach nahm er die Aussage anders auf, als sie gemeint war. Zum Glück hängte er sich aber nicht daran auf, sondern mehr an der Tatsache, dass man hier Geld verdienen konnte, um sich Dinge zu leisten und sich damit von anderen abzuheben. Ja, der Kapitalismus hatte in dieser Kolonie erneut Einzug gehalten, was nicht alle begrüssten, doch das System funktionierte hier gut, sofern man davon denn profitieren konnte. Was er auf jeden Fall tat, schliesslich verdiente er mehr als genug für sich selbst.
Warum er Val nicht vorher davon erzählt hatte...? „Ich hatte das Gefühl, dass du dich in Balar irgendwie wohl fühlst... Und ich wollte dir wenn dann lieber vor Ort die Vorzüge zeigen, welcher diese Kolonie hier mit sich bringt. Zumindest im Vergleich zu diesem ... Kaff in den Bergen.“ Wenn er nur daran dachte, dass die wohl immer noch im Schnee steckten, während hier unten, nicht die Hälfte davon lag, lief es ihm kalt den Rücken runter.
Dafür musste er jedoch wieder schmunzeln. Einen Moment lang grinste er in seinen sich leerenden Obstsalat, ehe er die letzten Fruststückchen rauskratzte und verspeiste, bevor er den Löffel ableckte und sich erneut zurücklehnte. „Hm, wenn ich dir den Zoo zeige, weiß ich wo ich dich als erstes hinbringe...“, meinte er mit einem geheimnisvollen Grinsen. Obwohl ihm immer noch gefühlt ein Schlagbohrer im Kopf herumbohrte, war er heute tatsächlich ganz gut gelaunt. Zumindest wenn man sich die Umstände näher ansah.
„Ich bringe dich zum großen Lager. Dort bewahren wir alles auf, das uns von den Nomaden verkauft wird. Und ich meinte dort mal den einen oder anderen Anzug gesehen zu haben.“ Was bedeuten musste, dass dort Anzüge vorhanden sein mussten, denn was seine Erinnerungen anging, war Jesse schliesslich kaum zu schlagen.
Obwohl heutzutage Anzüge wohl nicht mehr zu den grössten modischen Bedürfnissen der meisten Menschen zählten, waren Klamotten im Allgemeinen recht wertvoll. Der Zoo hatte zwar auch damit begonnen Klamotten selbst herzustellen aus diversen Materialien, doch nichtsdestotrotz erzielten Kleider immer noch sehr hohe Preise auf dem Markt. Selbst Hemden und Anzugsjacken, welche man im Notfall ja zu etwas anderem umnähen konnte. Vielleicht hatten sie ja Glück und fanden das eine oder andere schicke Stück in Vals Größe, das er sich gönnen konnte, um einen guten Eindruck bei Scorpion zu hinterlassen, wenn er diesem begegnete.
Jesse glaubte zwar nicht, dass es den Jüngeren tatsächlich interessierte, wie die Leute ihm begegneten. Er köpfte einen Anzugträger wohl genauso einfach wie jemanden der einen Müllsack trug, wenn es die Situation verlangte. Doch Jesse konnte verstehen, dass Val sich weigerte unangemessen gekleidet zu sein.
Wenn sie Pech hatten, waren die Anzüge, welche Jesse gesehen hatte allerdings bereits weg. Dann würde selbst Val sich wohl irgendwie mit einer einfacheren Garderobe abfinden müssen, sofern er das Gespräch mit dem Anführer nicht ewig lange herauszögern würde. Im schlimmsten Fall würde Jesse Scorpion einfach hierher einladen, um es endlich hinter sich zu bringen und dann war es ihm egal, was Val da gerade trug.
„Das Lohnsystem hat Scorpion eingeführt. Wir haben dabei geholfen, das System zum laufen zu bringen und es hat sich tatsächlich bewährt. Die Leute sind es sich noch immer gewöhnt von früher mit Papier entlöhnt zu werden. Es ist ihnen vertraut und damit fällt es ihnen auch leichter sich fair behandelt zu fühlen...“, beantwortete Jesse Vals Frage, bevor er sich erhob und anfing das dreckige Geschirr zusammen zu räumen. Dabei griff er nach seiner halb vollen Tasse, die er an sich nahm und noch im Stehen austrank. „Alexis gehörte zu der Gruppe mit der ich auf der Ranch gewohnt habe. Genau wie Minerva und einige andere...“, erklärte er dabei, bevor er die Tasse auf den Tellerstapel stellte und alles hochhob. „So wie ich das mitgekriegt habe, konnte er fliehen, als wir angegriffen wurden, hatte aber später das Pech von Menschenhändlern eingefangen geworden zu sein und hierher verkauft zu werden...“ Während er sprach, ging er in die Küche, wo er das Geschirr direkt in die Spüle legte. Durch das Loch in der Wand konnte er nach wie vor bequem mit Val reden. „Er hatte einfach Pech. Und es ist nicht mein direktes Verschulden, dass er gelandet ist, wo er gelandet ist. Und als hoffnungsloser Optimist wird er das Beste für sich rausholen....“ Er zuckte mit den Schultern und spülte das Geschirr rasch ab. Wie früher... Trotz Kopfschmerzen. Aber für ihn gehörte es irgendwie dazu, den Abwasch zu machen, wenn Val gekocht hatte. Das war der Moment in dem sogar er in die Küche durfte, aus der er sonst öfters vertrieben wurde.
„Ich würde sagen, wir gehen so schnell wie möglich los, damit wir heute so viel wie möglich schaffen. Vielleicht begegnest du heute dann auch bereits unserem Anführer.“

@Valravn Vargström


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