WILLKOMMEN!
Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
WEATHER
Monatsabhängig 5°C bis 26°C
EVENTS
Heaven’s Paradise Plot
INPLAY STATUS
September – November 2024
NEWS!
26.01.26 Das neue Design steht und wir starten mit neuer Energie durch!
09.01.26 Neustart! Das TWD startet mit neuem Team und neuen Ideen!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
Team, Events & Weather
Floyd Webber, Scarlet Rainthworth, Daryl Dixon und Duo Maxwell sind die Admins im Forum. Scar und Duo bilden die Front, während sie von Floyd und Daryl im Hintergrund unterstützt werden. Grafik und Design stammt von Daryl Dixon <3
Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
September: Das Wetter ist noch recht schwül. Temperaturen: 17°C - 26°C
Oktober: Die Tage werden Kühler und es gibt mehr Regen. Temperaturen: 10°C - 20°C
November: Es wird deutlich kälter und es gibt immer mehr schlechtere Tage. Temperaturen: 5°C - 14°C

THE DEAD DON’T DIE
X

#101

RE: Straße

21.02.2021 13:24
Mason McKenzie 926 Beiträge
Alter
26
Größe
1,79
Zugehörigkeit
New Oceanside
Aufgabe
Bararbeiter

Vielleicht interpretierte Yuki ein wenig zu viel in das was hier gerade vor sich ging. Obwohl es sicherlich daran lag das wir uns noch nicht so gut kannten. Aber nicht alles mitzubekommen war ein, wenn auch ungewollter, Teil meines Alltags. Von daher kratzte es mich nicht so sehr das ich nicht alles mitbekam. Ich versuchte Yuki immer noch irgendwo einzuschätzen. Auch wenn ich über sie schon mehr wusste als über ihre Begleiterin. Es störte mich nicht das die Beiden sich unterhielten. Wieso sollte es auch? Gerade war es wichtiger auf die Straße zu achten. Das Wetter schien sich noch mal zu drehen. Die Scheiben bekamen langsam aber sicher, von den Ecken ausgehend, eine dünne Schicht Raureif. Die Temperaturen sanken damit deutlich und auch sichtlich. Es war fast schon löblich das Yuki so positiv war und auch ihre Begleitung damit anzustecken schien. Nur hatten wir alle nichts davon wenn das Wetter uns hier überraschen würde. Das ich alles ablesen konnte war an sich schon sehr hilfreich und ersparte mir Zeit. "Der Basar ist näher bei uns." Warf ich ein und musterte für einen Augenblick den Himmel. Der hatte sich ziemlich schnell zugezogen und die Temperatur schien noch mal zu fallen. Mit einer hochgezogenen Braue sah ich kurz zur Seite nach Yuki. Schon wieder spielte uns das Wetter in die Karten. Sie schien das wohl anzuziehen. Jedes Mal wenn wir uns über den Weg liefen, gab es schlechtes Wetter. Zwar glaubte ich nicht das sich hier ein großer Sturm zusammenbraute, dafür war es etwas zu hell, aber es gab noch wesentlich schlimmere Wetterbedingungen. Also trat ich auf das Gas und schaltete einen Gang höher. Eigentlich wäre es wohl besser gewesen das Cottage anzusteuern, aber am Meer war das Klima immer noch mal etwas schlechter. Es war also gut möglich das dort bereits sehr viel schlechteres Wetter herrschte als bei uns gerade. "Falls jemand nicht zum Basar will, sollte er jetzt aussteigen." Obwihl ich nicht vor hatte anzuhalten. Immerhin ging es hier auch um meine Haut. Kim würde mich umbringen wenn ich wegen irgendwelcher Blödeleien etwas Dummes anstellte. Die Beiden mussten also wohl oder übel mit. Bei Yuki war ich mir immer noch nicht so sicher, wogegen ich mir doch ziemlich sicher war das Zoe sich im Basar wohl bestens zurecht finden würde. Darum musste ich mir also keine Gedanken machen. Nur darum das wir im schlimmsten Fall den Rest der Strecke zu Fuß gehen mussten.


@Yuki Kuran
@Zoé Cornet

nach oben springen

#102

RE: Straße

21.02.2021 21:21
Yuki Kuran 195 Beiträge
Alter
30
Größe
1,65m
Zugehörigkeit
New Oceanside
Aufgabe
Leitet das Gasthaus

tbc: Basar - Eingang

@Zoé Cornet
@Mason McKenzie

nach oben springen

#103

RE: Straße

29.06.2024 20:13
The Walking Dead Team 3.988 Beiträge
Alter
01
Größe
ganz groß!
Zugehörigkeit
Nomaden / Gruppen
Aufgabe
Admin

nach oben springen

#104

RE: Straße

20.01.2025 13:18
Floyd Webber 260 Beiträge
Alter
30 Jahre
Größe
180 cm
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Versorgungstrupp

--> kommend von Große Wiese (2)

Ende Februar / Anfang März 2024 (Mountain Road - zwischen Glen Burnie und Balar Island (Gibson Island)) / Dinah Anderson + Floyd Webber

@Dinah Anderson

Es war doch immer wieder erstaunlich, welche Kräfte andere in Floyd vermuteten. Ihm wurde nicht zum ersten Mal versichert, dass sie schneller vorankamen, weil seine Mitläufer auf Pausen verzichten wollten. Dabei war das in seinen Augen eine dumme Strategie. Es brachte nichts, einen Tagesmarsch auf sich zu nehmen und an seinen Kraftreserven zu zehren, bis keine mehr vorhanden waren. Selbst wenn seine Mitstreiter sich fit und ausgeruht fühlten, bedeutete das nicht, dass Floyd es ebenfalls war.
"Aha.", sagte er deshalb nur und setzte seine eigene Tasse an seine Lippen. Doch bevor er daraus trank, sah er aus den Augenwinkeln zu ihr. Berge? Die wären das kleinste Problem. "Nein, der Weg ist relativ flach. Wir werden aber den direkten Weg nehmen. Der ist nicht ganz ungefährlich, aber immer noch entspannter, als die ganze Strecke durch den Wald zu laufen." Die Natur hatte sich in den vergangenen fünfzehn Jahren eine Menge zurückerobert. "Wir werden ungefähr eine halbe Stunde von hier bis zur Mountain Road laufen und dieser bis zur ehemaligen Polizeistation folgen. Dort ist dann sowieso das Ziel. Das dauert ungefähr sechs Stunden. Reine Laufzeit. Mit Pausen und unvorhergesehenen Ausweichmanövern gehe ich von acht bis neun Stunden aus." Der warme Tee glitt seine Kehle hinab.
Floyd hatte sich die Hauptwege zu den Kolonien eingeprägt. Er ging sie ständig und wusste auch, wo sich die grössten Gefahrenzonen befanden. Aber kleinere, unvorhergesehene Hürden konnte er nicht ausschliessen. Es konnte eine kleine Gruppe Beisser auftauchen oder sie liefen direkt in einen Krieg zwischen der Kolonie und irgendwelchen Herausforderern. Letzteres glaubte er zwar nicht, weil ihm noch keine Hinweise zu Ohren gekommen waren, aber sowas konnte sich unter Umständen schnell ändern.
Erneut traf Dinah ein Blick, den man durchaus als finster beschreiben konnte, aber dahinter lag eigentlich nur Floyds Irritation über die Eichhörnchen-Gottheit. Wer in aller Welt betete ein Eichhörnchen an und wieso sollte man das überhaupt tun? Aber was wusste er schon über den Glauben? Rein gar nichts. Seinen ersten Kirchenbesuch hatte er nach dem Ausbruch der Seuche getan und dies auch nur, um darin zu plündern.

Er erklärte ihr, dass es sich bei Balar Island um eine Inselkolonie handelte und ihre Reaktion war anders, als erwartet. Er liess die Tasse sinken und atmete merklich durch. "Am Strand liegen einige Luftmatratzen bereit. Man legt sich drauf und lässt sich von der Strömung bis zur Insel treiben." Er hob die Hand und rieb sich über seine linke Augenbraue. Wie schafften es solche Leute nur zu überleben? Argh! "Es gibt eine Brücke.", meinte er schliesslich und drehte seinen Kopf in ihre Richtung. "Die Brücke wird bewacht. Sie lassen nicht einfach jeden Dahergelaufenen rüber. Da ich aber kaum etwas Tauschbares bei mir habe, werden wir von Anfang an mit der Wahrheit über sie herfallen: Dass du eine Bleibe suchst. Ob für länger oder vorübergehend, solltest du offenlassen. Denn nur weil ich hin und wieder Tauschgeschäfte mit ihnen mache, bedeutet das nicht, dass sie mir bei jeder Begegnung über den Weg trauen." Das taten sie eigentlich schon, schliesslich war er ja kein unbekanntes Gesicht. "Kann aber sein, dass sie sich erst beraten wollen. Weil es bei unserer Ankunft sowieso abends ist, werde ich mein Lager in der Nähe aufschlagen. Notfalls kannst du nochmals in meinem Zelt schlafen." Eigentlich wollte er das vermeiden, aber er würde Dinah auch nicht draussen in der Kälte und ungeschützt herumsitzen lassen.

Auch hatte er nicht vor, ohne etwas im Magen aufzubrechen. Deshalb bot er Dinah etwas von seinem Vorrat an. "Ich biete dir doch gerade etwas davon an! Wann soll ich dir das vorenthalten haben? Gestern? Gestern gab es etwas anderes. Ich esse nicht dreimal am Tag das gleiche!" Da wurde einem ja schlecht! Und Floyd versuchte immer etwas Abwechslung in seinen Nahrungsplan zu bringen. Einseitige Ernährung konnte gefährlicher sein als Hunger zu leiden. Aber das konnten auch nur jene wissen, die die Nebenwirkungen von einem Einheitsbrei kannten. Die waren nämlich scheisse.
Dinah nahm etwas davon und setzte sich zum Frühstück hin. Floyd stellte die Tupperware-Boxen zwischen sie. Über ihr Kompliment, er sei der fieseste Überlebende, den sie je getroffen hatte, grinste er allerdings auf. Er mochte aussehen wie ein Griesgram oder den Eindruck vermitteln, angepisst zu sein. Allerdings war Floyd einer jener Männer, die nicht wegsehen konnten und ihre Hilfe anboten, wenn sie benötigt wurde. Er war kein schlechter Mensch, er wurde nur oft missverstanden, woran er aber meistens auch selbst schuld war. Er könnte freundlicher sein. Aber das war für jemanden wie ihn ziemlich schwer. Er zeigte seine Freundlichkeit lieber in Taten anstatt mit Worten oder herzlichen Gesten.
"Und du die Schlagkräftigste.", erwiderte er nach einer Weile und spielte damit auf ihren ungewollten Ellbogenschlag gegen sein Kinn an.

Floyd räumte nach dem Frühstück sein Hab und Gut ein und verstaute auch das Zelt in seinen grossen, schwarzen Survival-Rucksack. Sie verwischten ihre Spuren so gut es ging, denn es konnte immer irgendwen geben, der sie verfolgte, erst recht, nachdem was Dinah ihm über ihre Gruppe und den Angriff erzählt hatte.
Sie verliessen die grosse Wiese, ohne gross miteinander zu sprechen, durchquerten den Wald, wo sie in der Ferne einen Beisser entdeckten, der sie beide aber nicht wahrzunehmen schien, und traten nach etwas mehr als einer halben Stunde auf brüchigen Asphalt. Die Mountain Road 117 führte vom Governor Ritchie Highway bis nach Balar Island. Warum die Strasse Mountain Road hiess, wusste Floyd allerdings nicht. Die Strecke war flach. Es gab keine Hügel, nicht einmal sanfte Erhebungen.
Floyd sah sich in alle Richtungen um, und vergewisserte sich, dass keine unmittelbare Gefahr auf sie lauerte. Aber es war ruhig. Hie und da säumte Schrott die Strasse, die weniger überwuchert war als andere, was ein deutliches Zeichen dafür war, dass diese genutzt wurde. Auch standen kaum noch Autos im Weg, und wenn, dann in einer Breite, in welcher Motorräder, Autos und Fuhrwerke hindurchpassten. Sie nahmen den Weg nach links, wo sie zuerst durch ehemals bewohntes Gebiet mussten. Rechts von ihnen befand sich ein Einkaufszentrum mit vielen Restaurants, einer Post und der Bank. Floyd hielt sich mit Dinah auf der linken Fahrspur auf, so dass sie notfalls in den Wald hineinrennen konnten. Die grosse Fläche, die einst als Parkplatz einen Nutzen gefunden hatte, behielt er im Auge.
Die junge Frau hinter ihm machte wieder auf sich aufmerksam. Floyd hatte allerdings auch nichts dagegen. Die Lage hier war ruhig. "Dich dort abliefern und wieder verschwinden.", meinte er und blickte dann über seine Schulter mit einer hochgezogenen Augenbraue, als sie scherzend mutmasste, dass er weiter als Griesgram durch den Wald herumstreunen würde. Seine Mundwinkel zuckten dabei nach oben. Tss.
"Ich wüsste nicht, was ich anderes tun sollte als das, was ich vor unserer Begegnung getan habe. Also ja, ich werde weiter auf meine Plünderungstouren gehen und Tauschgeschäfte mit den Kolonien und anderen Gruppen machen." Er kratzte sich am Nasenrücken und sah wieder nach vorn.

Konnte er denn etwas anderes tun? Das war eben sein Leben. Seit fünfzehn Jahren kannte er es nicht mehr anders. Und er war bisher immer gut damit zurechtgekommen, was auch immer gut bedeutete.
Aber Floyd konnte nicht leugnen, dass ihm allmählich die Energie für seinen Alltag ausging. Er zweifelte auch daran, dass er den nächsten Winter genauso überstand wie den letzten. Langsam, aber sicher musste er sich einen Plan machen. Er brauchte eine Auszeit vom Nomadenleben, er benötigte dringend einige Wochen etwas Sicherheit, erholsamen Schlaf und regelmässigeres Essen, um wieder zu Kräften zu kommen. Aber wie und wo und ob ihn überhaupt eine Kolonie vorübergehend aufnehmen wollen würde, stand in den Sternen. Und sein Stolz verbat es ihm, laut darüber nachzudenken, mit jemanden darüber zu reden oder einfach bei der nächsten Kolonie nachzufragen. Alles in ihm sträubte sich dagegen. Sich einzugliedern, unterzuordnen, sich anzupassen… Erwartungen zu erfüllen. Verdammt, das hatte er noch nie können!
"Ich hoffe, sie können dir bei der Suche nach deinen Leuten helfen." Er liess sich einen Schritt zurückfallen und lief dann neben ihr. "Balar Island hat ein gutes Verhältnis mit den Anarchy Riders im Norden und dem Cottage im Süden. Möglicherweise können sie kolonieübergreifend Hilfe anbieten. Je nach dem, wie wichtig ihnen dein Schicksal ist." Das konnte Floyd nicht beurteilen.

zuletzt bearbeitet 20.01.2025 13:21 | nach oben springen

#105

RE: Straße

09.02.2025 14:35
Dinah Anderson Dinah Anderson (gelöscht)
avatar

Dinah lauschte Floyds Worten aufmerksam, während er die Route erklärte. Sie konnte sich ein amüsiertes Lächeln nicht verkneifen. Er sprach mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre er der ewige Einzelgänger, der alles im Griff hatte und genau wusste, wie die Welt funktionierte. Doch Dinah glaubte nicht daran, dass er tatsächlich so unerschütterlich war, wie er sich gab. Sie beobachtete ihn genau, die kleinen Gesten, das Reiben über seine Augenbraue, das tiefe Durchatmen, bevor er eine Antwort gab. Diese kleinen Zeichen verrieten, dass auch er seine Zweifel hatte, seine Erschöpfung, seine Lasten, die er mit sich trug. Sie verstand vielleicht nicht alles so gut wie er, aber sie war klug genug zu wissen, dass jeder seine Grenzen hatte. Und Niemand war ein Übermensch. Die Idee mit der Luftmatratze ließ sie unwillkürlich lachen. Der Gedanke, sich einfach treiben zu lassen, während die Strömung die Kontrolle übernahm, klang gleichermaßen verlockend und völlig absurd. Hätte Floyd seine Worte auch nicht mit der Brücke widerlegt, hätte sie ihm das mit der Luftmatratze auch noch geglaubt. Sie wusste, dass Balar Island kein Ort war, den man einfach so betreten konnte. Die Brücke war sicherlich bewacht, und es war unwahrscheinlich, dass sie einfach durchgewunken wurden. Das sie das Cottage bereits kannte, verschwieg sie dennoch. Die Dunkelhaarige wusste nicht wieso. Das Cottage war hilfsbereit gewesen. Vielleicht wollte Dinah sich einfach nur das Stückchen Hoffnung beibehalten, das sie nun in Balar steckte. Sie musste vorsichtig mit ihrer Hoffnung sein. Doch eines wusste sie bereits sicher: Sie wollte nicht, dass man ihr aus Mitleid half. Wenn sie etwas erreichen wollte, musste sie beweisen, dass sie es wert war. Beim Frühstück beobachtete sie Floyd aus dem Augenwinkel. Seine entrüstete Reaktion auf ihre Bemerkung brachte sie zum Schmunzeln. „Ein Feinschmecker in der Apokalypse, wer hätte das gedacht?“ Sie nahm sich eine Portion von seinem Essen. Es schmeckte besser, als sie erwartet hatte. In einer Welt, in der man oft mit dem auskommen musste, was man fand, war Abwechslung eine echte Seltenheit. Sie verstand, warum er Wert darauf legte. Als sie sich auf den Weg machten, herrschte eine ruhige Stille zwischen ihnen. Nicht unangenehm, sondern vertraut. Sie mussten nicht reden, um sich zu verstehen. Der Wald war friedlich, fast zu friedlich. Dinah wusste, dass das trügerisch war. In dieser Welt konnte man sich nie sicher fühlen. Als sie schließlich die Mountain Road erreichten, wusste sie, dass die wahren Herausforderungen noch vor ihnen lagen. Sicherheit war eine Illusion. Sie ließ ihren Blick über den verwitterten Asphalt gleiten. Die Straße wirkte seltsam verlassen, obwohl sie offensichtlich noch benutzt wurde. Links von ihnen lagen Ruinen ehemaliger Häuser, rechteckige Schatten vergangener Leben. Rechts befand sich ein Einkaufszentrum, das vermutlich schon lange geplündert worden war. Der große Parkplatz davor lag unter einer dicken Schicht aus Schmutz und Laub, das von den wenigen Bäumen, die sich durch den Beton gekämpft hatten, herabgefallen war. Dinah erinnerte sich an eine Zeit, in der solche Orte voller Menschen gewesen waren. Familien, Kinder mit bunten Jacken, die an den Händen ihrer Eltern zogen, Läden mit leuchtenden Schildern. Alles war so weit weg, dass es sich manchmal wie ein Traum anfühlte. Und doch gab es Momente, in denen die Erinnerungen plötzlich klar wurden, als könnten sie jeden Moment wieder real sein. Doch das Leben von damals war fort, und sie musste sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Ihr Blick fiel auf Floyd. Sein Gang war routiniert, seine Haltung angespannt, als er die Umgebung im Auge behielt. Sie fragte sich, wie lange er dieses Leben schon führte, wie viele Wege er alleine gegangen war. Vielleicht war er es gewohnt, nicht auf andere angewiesen zu sein. Aber konnte man wirklich immer nur allein weitermachen? Dinah schwieg eine Weile, doch irgendwann konnte sie die Frage nicht mehr verdrängen. „Manchmal frage ich mich, wie die Welt jetzt wohl wäre, wenn das alles nie passiert wäre.“ Sie erwartete keine Antwort. Es war eine Frage, die keine klare Lösung hatte. Vielleicht wäre alles anders gekommen, vielleicht auch nicht. Doch eines wusste sie sicher: Sie hätte die Wahl gehabt. Jetzt schien es, als würde die Welt ständig entscheiden, wohin sie gehen musste, nicht sie selbst. Ihre Gedanken wanderten zu den Menschen, die sie verloren hatte. An die, die verschwunden waren, ohne eine Spur zu hinterlassen. Manchmal fragte sie sich, ob sie noch irgendwo waren, ob sie noch kämpften, so wie sie es tat. Oder ob sie einfach vergessen worden waren, wie so viele andere. Sie hatte nicht vor, sich damit abzufinden. Sie würde weiter nach ihnen suchen, bis sie sicher sein konnte, was aus ihnen geworden war. Schließlich richtete sie den Blick nach vorne. Der Weg war lang, aber sie war nicht allein. Nicht in diesem Moment. Und vielleicht, nur vielleicht, bedeutete das mehr, als sie sich selbst eingestehen wollte.

@Floyd Webber

All I do is pretend to be okay
I need blood in the cut
nach oben springen

#106

RE: Straße

25.02.2025 10:55
Floyd Webber 260 Beiträge
Alter
30 Jahre
Größe
180 cm
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Versorgungstrupp

@Dinah Anderson

War er ein Einzelgänger? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Floyd konnte sich diese Frage selbst nicht beantworten. Er hatte sich nie darum gerissen, alleine zu sein. Weder vor noch nach der Apokalypse. Doch als der anfängliche Schock über die neuen Tatsachen überwunden war, war er alleine gewesen und er hatte sich grösstenteils auch sicherer gefühlt, wenn er nicht von anderen, älteren Leuten abhängig gewesen war. Denn die meisten Erwachsenen waren zum damaligen Zeitpunkt genauso überfordert wie er gewesen und nicht selten sind einige von ihnen durchgedreht. Floyd hatte also gelernt, dass man alleine weniger gut geschützt vor den Beissern war, dafür aber nicht durch zweifelhafte, unausgereifte Entscheidungen anderer in Gefahr gebracht wurde. Und auf ein selbstbestimmtes Leben pochte er nun einmal. Ihm war das wichtig. Ganz gleich, wie es sich mit den globalen, regionalen und lokalen Bedingungen verhielt.
Aber dass er grundsätzlich gerne alleine war, stimmte nicht. Floyd empfand sich nicht als der geborene Überlebenskünstler. Er war kein Rambo, kein Rocky und wie die alten Helden der damaligen Kinostreifen noch so alle hiessen. Er benötigte wie alle anderen auch regelmässigen Kontakt zu Überlebenden. Im verbalen Austausch war er zwar nicht besonders gut, weil er nicht so schnell zutraulich und zugänglich war, aber er besass trotz allem eine soziale Ader und die wollte zwischendurch gepflegt werden.
Menschen, wie Dinah, blieben ihm dagegen ein Rätsel. Sie hatte sich von Anfang an neugierig und interessiert gezeigt. Zwar hatte auch sie eine gewisse Vorsicht vor ihm walten lassen, war dann aber offenbar schnell zum Schluss gekommen, dass man ihm trauen konnte. Sie war ohne viel Aufhebens in sein Zelt gekrochen, um eine Mütze Schlaf zu bekommen. Floyd hätte an ihrer Stelle wohl kaum ein Auge zu bekommen.
Ihr Vertrauen, welches sie ihm entgegenbrachte, löste in Floyd etwas aus und das fühlte sich doch recht gut an.

Ihre Schritte auf dem brüchigen Asphalt waren leise und hin und wieder knackte ein kleiner Zweig oder etwas Laub unter ihren Sohlen. Nichts, was laut genug wäre, um die verrottenden Gestalten anzulocken, aber auszuschliessen war ein unerwartetes Aufeinandertreffen mit ihnen auch nicht. Die Anzahl der Beisser nahm kein Ende, ganz gleich, wie viele er schon getötet hatte. Und sie vermochten ihn auch nach so vielen Jahren immer noch überraschen und sein Herz im Überraschungsmoment schneller schlagen lassen. Für den Adrenalinkick sorgten die Beisser also immer noch.
Dinahs Stimme erklang und durchbrach die Stille. Sie warf einen Gedanken in die Luft. Eine Sinnfrage, die sich jeder von ihnen schon mehrmals gestellt hatte. Antworten darauf gab es keine. Aber man musste ja auch nicht jede Frage mit der Philosophiekeule beantworten.
Er hob den Kopf, sah kurz zu ihr und dann zurück zum grossen Parkplatz und dem Einkaufscenter.
"Ich würde mit meiner klapprigen Karre neben dir dort drüben parken und mich einen Scheiss darum kümmern, dass du gerade mit 'nem Baby im Arm Einkaufstüten in den Kofferraum lädst." Er deutete auf den Platz. "Du hast Windeln und die Lieblingszutaten deines Mannes gekauft und ich geh mir Bier holen. Und Zigaretten." Er zuckte mit den Schultern. "Vermutlich wäre ich heute ein Raucher. Und hätte schon etliche Tätowierungen. Und eine ellenlange Strafakte. Und davon wüsstest du nichts, weil du mit deinen Gedanken schon beim nächsten Familienabendessen bist, an dem deine unliebsame Schwiegermutter teilnimmt." Sein Mund verformte sich zu seinem Grinsen. "Wir würden in einer heilgebliebenen Welt nie ein Wort miteinander wechseln." Er sah sie immer noch mit einem leichten Grinsen an, wurde dann aber wieder ernster und sah nach vorn. "Für mich war dieser scheiss Ausbruch vermutlich eine Rettung. Ich war kurz davor, in den Knast zu wandern."

nach oben springen

#107

RE: Straße

07.03.2025 12:09
Dinah Anderson Dinah Anderson (gelöscht)
avatar

Im Grunde waren Floyd und Dinah zwei Seiten einer einzigen Münze. Sie hatten vielleicht keine große Gemeinsamkeiten oder Parallelen aber hier waren sie nun. Unterschiedliche Leben und unterschiedliche Schicksale. Dinah wusste das sie mehr Glück hatte als die meisten Überlebenden. Ihre Gemeinschaft wurde niemals von Beißern überrannt oder von Plünderern übernommen. Noch raffte sie durch eine Krankheit dahin. Stattdessen schlossen sie sich später einer noch viel größeren Gemeinschaft an. Die Federation of new America – Dinah's jetzige Gemeinschaft. Ob das wirklich besser war? In Dinah's Augen sicherlich, gerade weil ihrer jüngere Schwester eine chronische Krankheit hatte und auf Medikamente und medizinische Versorgung angewiesen war. Ihr Vater sah dies nicht so und die junge Frau konnte das bis heute nicht verstehen. Natürlich machte sie sich Gedanken um ihn, wo er war und wie es ihm ging. Ob er seine Entscheidung bereute. Er war ihr Dad und Dinah liebte ihre Familie über alles und es störte sie keineswegs das es so klischeehaft klang. Dinah hatte also nie richtigen Hunger erleben müssen, wie es ist nach einem passenden Unterschlupf zu suchen ohne dass das Gebäude mehr als einsturzgefährdet war. Sie musste keine Angst haben im Schlaf überfallen zu werden oder sonstige ähnlicher Sachen. Umso wichtiger war es wohl auch für die FONA gewesen, das jeder der sich an Außeneinsätzen beteiligte eine schon fast militärische Ausbildung hatte. Waffentraining, Ausdauertraining – so ein Kram eben. Man konnte schlecht ein Amerika wieder aufbauen, wenn man seine Bauern nicht trainierte. Manchmal fragte sie sich natürlich wie es gewesen wäre, wenn sie all das nicht hatte. Wenn sie in den Fußstapfen von Überlebenden gewesen wäre wie Floyd. Gleichzeitig konnte sie es sich schwer vorstellen. Es war schwierig sich vorzustellen, was man in gewissen Situationen tun würde. Oft übernahm der Überlebensinstinkt. Und in diesem Zustand konnte man Berge bewegen. Es wäre womöglich eine Katastrophe gewesen und fraglich ob Dinah überhaupt bis jetzt überlebt hätte. Der Gedanke war nur flüchtig aber sie konnte sich gewiss auch nicht Floyd in Dinah's Fußstapfen vorstellen. Es war schon fast eine gruselige Vorstellung ihn als Sonnenschein zu sehen, der Dinah eigentlich war. Unterbewusst schüttelte sie leicht den Kopf, als würde sie ein nerviges Insekt loswerden wollen.
Dinah nahm die Geräusche auf dem brüchigen Asphalt im Gegensatz zu Floyd kaum war. Manchmal stellte sie schon merkwürdige Frage oder wirkte ungewohnt melancholisch. Aber es lag wohl eher daran das Dinah nicht immer die Stille bevorzugte. Aber manchmal bereute sie es auch die Fragen, die sie Floyd stellte. Weil er einfach so trocken ehrlich war. „Oh wow. Wirklich?“ sprach sie übertrieben aufgebracht über die Sache, das er sie als eine langweilige Hausfrau mit Kindern einschätzen würde und er sich gleichzeitig so runter stufte „Also erstens ich bin 'ne beschissene Köchin. Zweitens, wer sagt das ich mit einem Mann verheiratet wäre? Und drittens: wirklich? Nicht mal eine kleine 'Straftat', wie falsche parken?“ Dinah versuchte ein Gegenargument zu finden. Das gab es aber nicht weil Floyd wieder Recht hatte. Gut sie würde gewiss nicht in einem dieser schicken, amerikanischen Häusern leben. Sie wäre auf der Farm geblieben aber eine Kuh auf einem Feld machte wohl keinen Unterschied in dieser Vorstellung. „Fuck“ fluchte Dinah zum ersten Mal in seiner Gegenwart. „Ich wäre wirklich langweilig geworden.“ kam dann die langsame Erkenntnis. Floyds letzte Aussage lenkte ihre Aufmerksamkeit von dieser dramatisch, schlimmen Erkenntnis aber wieder ab. Sie wusste im ersten Moment nicht ob Floyd vielleicht einen Scherz machte und sie jetzt einfach lachen sollte. Aber Dinah wäre nicht Dinah wenn sie auch hier nicht einfach plump in seine Privatsphäre eindrang. „Hast du jemanden umgebracht?“ wollte sie dann wissen ehe sie sichtbar überlegte. „Aber du hast nicht so was merkwürdiges gemacht wie … Menschenhandel … oder?“ fragte sie dann plötzlich ziemlich unsicher. „Also nur das wir das vorab schon mal besprochen haben. Ich will hier nicht irgendwo verkauft werden. Ich hab schließlich auch meine Rechte!“ Manchmal klang es so als würde Dinah ihre eigenen Worte oder die des anderen nicht ernst nehmen. Das tat sie aber. Auch schien es sie nicht wirklich zu schockieren, das Floyd wohl Probleme mit dem Gesetz hatte. Nicht weil sie ihn so einstufte. Sondern weil Dinah sich nicht das Recht herausnahm darüber zu urteilen, noch jemanden dafür zu verurteilen. Außerdem war die Dunkelhaarige schon immer eine Befürworterin von zweiten Chancen.

@Floyd Webber

All I do is pretend to be okay
I need blood in the cut
nach oben springen

#108

RE: Straße

12.03.2025 10:30
Floyd Webber 260 Beiträge
Alter
30 Jahre
Größe
180 cm
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Versorgungstrupp

@Dinah Anderson

Für ihn gab es in ihrer postapokalyptischen Welt keine Sieger oder Verlierer. Sie alle hatten etwas – oder jemanden – verloren und taten das noch immer. Sie verloren geliebte Menschen, Familienangehörige, Freunde, Vertraute und Verbündete. Aber sie gewannen auch Tag für Tag wieder etwas hinzu. Neue Erkenntnisse, kleine Erfolge. Sie knüpften neue Bande, lernten Menschen kennen, die sie unter den Umständen der Welt vor fünfzehn Jahren niemals begegnet wären.
Floyd selbst sah sich nicht auf der Verliererseite, obwohl er alles verloren hatte. In seinem sturen Schädel hatte es kein Platz für derartige Gedanken. Er hatte sie nie zugelassen. Weder damals noch heute. Er hatte den Verlust seiner engsten Angehörigen mit der Einbildung, dass sie es irgendwohin geschafft hatten und jetzt in Sicherheit in irgendeiner Kolonie ganz woanders lebten, überwunden. Er hatte den Verlust von Vertrauten und seinem einstigen Weggefährten nach tagelangen Wutausbrüchen hingenommen und akzeptiert. Er war letzten Herbst richtig schlimm krank gewesen und er hatte geglaubt, nicht zu überleben. Aber er hatte überlebt. Zwar war sein Körper noch immer ausgemergelt und noch nicht wieder auf der Höhe, obschon dieser Moment Monate zurücklag, aber es ging ihm gut.
Er hatte eben einen anderen Weg gewählt als andere. Manche waren ihren Weg nicht freiwillig gegangen, weil Eltern, Partner oder andere für sie entschieden hatten. Aber das war genauso wenig verkehrt gewesen, wenn sie heute noch lebten.
Er sah in Dinah jedenfalls kein verwöhntes Mädchen, da hatte er schon andere kennengelernt. Er unterstellte ihr mittlerweile auch nicht länger Naivität, seit sie mit ihm um das Funkgerät gerangelt hatte. Sie war nur wesentlich offener, zugänglicher und fröhlicher als er. Das hatte ihn gestern ziemlich überrumpelt. So schnell wie sie war noch niemand in sein Zelt gekrabbelt und hatte dort eine Mütze Schlaf nachgeholt. Offenbar hatte sie vor ihm keine einzige Sekunde Furcht verspürt. Wenn er so darüber nachdachte, war sie ihm von Anfang an auf Augenhöhe begegnet. Er dagegen hatte sich deutlich schwerer mit ihrer plötzlichen Anwesenheit getan. Sein Misstrauen ihr gegenüber war viel grösser gewesen und seinen Erfahrungen geschuldet, was keine Entschuldigung war, aber immerhin ein plausibler Grund für seine gestrigen Reaktionen.

Heute waren sie einen Schritt weiter. Jedenfalls glaubte Floyd, dass er ihr mittlerweile mehr über den Weg traute und ihr auch zutraute, dass sie sich auch alleine wehren konnte – und ihm im Notfall helfen würde. Er glaubte jedenfalls nicht, dass sie ohne schlechtes Gewissen davoneilen würde. So jemand schien sie nicht zu sein.
Ihre merkwürdigen Fragen empfand er dagegen nicht merkwürdig. Floyd war eigentlich ganz froh, dass sie die Stille durchbrach. Stille begleitete ihn nämlich ansonsten immer und er war nur alleine unterwegs, aber kein Einzelgänger. Auch ihn verlangte es regelmässig nach menschlichen Kontakten, das war normal. Er war schliesslich ein Mensch. Nur weniger anhänglich und fanatisch wie ein Beisser.

Dinah war über seine Vision einer anderen Welt nicht besonders angetan, weil er sie als Hausfrau beschrieb, die nur Augen für ihren Gatten hatte. "Kochen kann man lernen.", meinte er, als sie sich zu wehren begann und behauptete, sie sei eine miese Köchin. Bei der zweiten Gegenfrage zog er die Augenbrauen hoch und seine Mundwinkel zuckten kurz amüsiert auf. Ja, okay, da hatte er einfach ins Blaue geraten. Und einen Strafzettel hätte sie bestimmt einmal bekommen und darüber hätte sie sich wohl tagelang aufgeregt.
Dann fiel ein Fluchwort und Floyd drehte halb den Kopf zu ihr und sah sie neugierig an. Und als sie bestätigte, sie wäre langweilig geworden, begann er tatsächlich zu lachen. Es war kein lautes Lachen, aber ein belustigtes und gelöstes. Tatsächlich hatte er schon lange nicht mehr gelacht und es tat gut, sich zu amüsieren.
"Das langweilige Leben damals war perfekt gewesen." Er grinste leicht und wurde etwas ernster. "In diesem prüden Amerika wärst du vermutlich auch als Lesbe mit einem Kerl verheiratet gewesen. Weil das eben normal war. Und für die Abnormalität brauchte man damals mehr Eier als heute. Ich hatte sie jedenfalls nicht." Wäre sein Rucksack nicht so schwer, hätte er wohl mit den Schultern gezuckt.
Damals hatte Floyd aber nicht nur mit seiner sexuellen Vorliebe gehadert, er hatte auch ganz andere Probleme gehabt. Und diese hatten ein Ventil gesucht und eines in Schlägereien gefunden.

Dinah fragte ganz direkt und unverfroren, warum er in den Knast gewandert wäre. Ihn störte es nicht, denn ansonsten hätte er das Thema auch nicht angesprochen.
Aber noch bevor er den Kopf schütteln und den Mord verneinen konnte, mutmasste sie weiter und stellte Menschenhandel in den Raum. Floyd bedachte sie mit einem 'Wirklich?-Blick'.
"Vielleicht sollte ich mal Menschen tauschen anstatt diesen ganzen Plunder. Hätte ich vielleicht mehr davon." Floyd grinste wieder, schüttelte dann aber den Kopf. "Ich war fünfzehn. Viel zu jung, um in das Geschäft des Menschenhandels einzusteigen. Nein, ich habe mich ziemlich oft und gerne geprügelt. Ich war einfach… wütend." Er hob die Hand und kratzte sich an der Stirn, während er über sein altes Ich nachdachte. "Zwischen dreizehn und fünfzehn habe ich mich mit Mitschülern angelegt. Ich wurde mehrmals von der Schule verwiesen, musste zu 'ner Psychotante, wurde aktenkundig bei der Polizei und trotzdem half alles nichts. Das gipfelte irgendwann in eine Schlägerei, die ziemlich ausgeartet ist. Ich hab' den Typen übel zugerichtet, die wussten wohl nicht, ob er überleben würde. Die Anklage lautete schwere Körperverletzung. War ein paar Tage im Jugendknast. Und als ich dem Richter vorgeführt werden sollte, ist diese Scheisse ausgebrochen. Ich konnte mich gerade noch so in Sicherheit bringen. Deshalb war diese Krankheit wohl mein Glück." Floyd starrte geradeaus. "Ich hätte mehrere Jahre bekommen. Ganz sicher. Und dann wäre ich als Erwachsener aus dem Knast gekommen und hätte mit der gleichen Scheisse weitergemacht, weil ich nichts anderes kennengelernt hätte." Floyd glaubte nicht daran, dass ihn das Gefängnis zu einem besseren Menschen gemacht hätte. In ihm wohnte nichts Böses. Aber wenn er wütend wurde, wenn er sich bedrängt fühlte, dann tobte er sich auch heute noch aus. Vorzugsweise mit seiner Eisenstange auf Autos, Müllcontainern und solchen Dingen. Nicht mehr an Menschen. Und das Problem dabei war, dass er sich selbst kaum bremsen konnte. Er hörte erst auf, wenn ihm sein Körper schmerzte, wenn er ausser Atem war und der Schweiss von seinem Gesicht tropfte.

Sein Blick glitt wieder zur Frau neben sich. Er wollte schon wissen, wie sie auf das Geständnis reagierte. Gelassen, weil sie schon schlimmeren Menschen begegnet war? Oder sah sie ihn jetzt mit anderen Augen? Angst konnte er an ihr aber nicht erkennen. "Ist fünfzehn Jahre her. War auch ein anderes Leben. Hab mich danach nur noch gewehrt, wenn es sein musste. Aber ich hab von mir aus keine Prügelei mehr angefangen. Hatte viel zu oft zu grossen Hunger, um mich zu prügeln. Und viele von uns gibt’s sowieso nicht mehr."
Floyd musterte sie weiter. "Was ist mit dir? Wie alt warst du beim Ausbruch?" Er konnte sie nicht einschätzen. Das Alter der Überlebenden konnte man nicht mehr ablesen. Manche sahen sehr alt aus, obwohl sie noch jung waren, und andere hielten sich für ihr Alter sehr gut. Floyd war ohnehin schlecht in diesen Schätzdingen.

nach oben springen

#109

RE: Straße

21.03.2025 17:27
Dinah Anderson Dinah Anderson (gelöscht)
avatar

„Dann hast du mich noch nicht kochen gesehen – und ich rede hier ganz gewiss nicht von irgendwelchem Dosenfraß zubereiten.“ schüttelte Dinah nur schmunzelnd den Kopf. Es war nicht das sie es nicht wirklich konnte. Es war wohl eher ein wenig chaotisch. Sie interessierte sich auch schlichtweg nicht wirklich dafür. Dinah hatte gern schon immer ein wenig aus der Reihe getanzt. Im positiven natürlich, nie um jemanden bewusst Ärger zu bereiten. Ihre Schwester Rachael war da komplett anders gewesen. Sie mochte es eine Routine zu haben und einfachen Dingen im Leben nachzugehen. Womöglich weil ihr auch keine andere Wahl blieb. Dinah's Schwester war krank gewesen. Rachael leidet unter Lupus – eine Autoimmunkrankheit, die nicht heilbar war. Das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper. Etwas was Dinah schon immer surreal vorkam. Mit Medikamenten war diese Krankheit für eine lange Zeit tragbar. Ohne .. nun... . Dinah's Hand fuhr unterschwellig zu dem Funkgerät, welches immer noch an ihrem Gürtel befestigt war. Sie wollte nicht darüber nach denken. Auch schmerzte der Gedanke an ihre Schwester. Es war ein weiterer Grund, weshalb sie unbedingt das Funkgerät zum Laufen bringen wollte. Nicht nur wegen ihrer Leute, ihrer Einheit, sondern auch ihrer Familie. Dinah wollte Rachaels Stimme hören und ihr versichern, das alles in Ordnung war. Genau so wie sie sich versichern wollte, das es ihr gut ging. In letzter Zeit war es nicht so leicht für sie gewesen. Medikamente und medizinisch Ressourcen waren nach wie vor rar in dieser Welt oder benötigten eine lange Zeit um sie korrekt herzustellen. Für Dinah war die Apokalypse keine zweite Chance auf Wiedergutmachung Sie hatte in ihrem vorherigen Leben nichts verbrochen. Dieses langweilige aber perfekte Leben, was Floyd ihr beschrieben hatte. Auch wenn sie sich darin selbst nicht sah, gab es in dieser Welt eine medizinische Versorgung, Ärzte, Krankenhäuser. Die Menschen hatten noch eine wirkliche Chance. Menschen, wie ihre Schwester Rachael.

Dinah hörte ihm schweigend zu, verweilte noch ein wenig im Echo an ihre Familie, während ihre Schritte auf dem unebenen Boden dumpf widerhallten. Ihre Miene war nachdenklich, doch sie verzog keine Miene der Überraschung oder gar des Entsetzens. Floyds Geständnis war zweifellos schwerwiegend, aber sie war lange genug in dieser Welt unterwegs gewesen, um zu wissen, dass jeder seine Lasten trug. Jeder hatte eine Vergangenheit, die ihn geformt hatte, und oft war diese Vergangenheit nicht gerade glanzvoll. Dass Floyd als Jugendlicher gewalttätig gewesen war, dass er für seine Wut ins Gefängnis gewandert wäre, wenn nicht die Katastrophe über die Welt hereingebrochen wäre, änderte nichts an der Tatsache, dass er jetzt hier war. Dass er noch lebte. Dass er sich - zumindest in gewisser Weise - weiterentwickelt hatte. „Was hat dich so wütend gemacht, damals? Deine Mutter? Dein Vater? Jemand anderes?“ Dinah wusste das man sich mit solchen Fragen oft auf einem sehr dünnen Eis befand, wenn man zu tief in fremde Angelegenheiten bohrte, war es nicht verwunderlich wenn das Eis unter einem brach. Sie war sich sicher das Floyd diese Frage bestimmt schon einmal gestellt bekommen hatte, als er die Psychiaterin erwähnte. Aber Dinah war keine Psychiaterin, sie fragte ihn nicht deshalb. Floyd war nun erwachsen geworden. Sicherlich wurde die Last damit nicht leichter aber er schien nun eine andere Sichtweise auf all das zu haben. Dinah nahm sich wie gesagt nicht das Recht heraus ihn zu verurteilen, auch jetzt nicht. Zu dem gab es nicht nur Schwarz und Weiß in dieser Welt. Es war nicht gut was passiert war und Floyd schien auch keine Ausreden zu suchen um sein Verhalten zu entschuldigen. Doch in ihren Augen war er nicht der Böse oder gar der Teufel gewesen. Manchmal hatte man keine Wahl. Manchmal sah man keinen anderen Weg und man handelte wie man eben handelte. Aber ein schlechter Mensch wurde man dadurch nicht. Das wurde man erst wenn man Freude daran empfand jemand anderem bewusst Leid zuzufügen. Sie spürte seinen Blick auf ihr, als würde er abwarten, wie sie auf all das reagieren. Doch Dinah blieb ziemlich entspannt weiterhin. Sie nahm keinen Abstand, als hätte er eine ansteckende Krankheit oder rannte gar weg. „Tut mir Leid.“ entschuldigte sie sich schließlich nur. Wenn Floyd dachte das er jetzt in einer Welle von Mitleid ertränkt werden würde, hatte er sich geirrt. „Es tut mir Leid das du so früh lernen musstest zu überleben obwohl es noch keine Untoten gab.“ Floyd hatte sich für seinen Weg entschieden aber er war gewiss nicht derjenige gewesen, der ihn auf diesen Weg geschubst hatte. Dinah hob nur den Kopf als Floyd schließlich sie fragte. Ein wenig überrascht war sie darüber schon. Es war ein ungewöhnlicher Anblick als Dinah zuerst ein wenig zögerte. So sehr sie sich gern für die Geschichten anderer interessierte, so war es umgekehrt weniger der Fall. Sie redete nicht gern darüber. Dinah mochte es nicht an schmerzhafte Dinge erinnert zu werden. Denn das ließ den jahrelangen Schutzmechanismus aus Heiterkeit immer ein wenig mehr bröckeln. „Neun.“ rückte sie schließlich mit ihrer Sprache aus, als hätte sie Floyd nach ihrem persönlichen Pin für ihr Bankkonto gefragt. Ihre Hände fuchtelten ein wenig nervös miteinander, als wüsste sie gar nicht wohin damit. „Wir hatte eine Farm. Hauptsächlich Schafe.“ sprach sie schon fast ein wenig nachdenklich ehe sich ein Lächeln auf ihre Lippen schlich bei der warmen Erinnerung. „Meine Eltern, ich und … meine Schwester.“ Dinah versuchte ihre Erinnerungen zu ordnen, als wären diese in tausende Scherben zerstreut. Sie hatte sie nicht nur unterdrückt aber manchmal erinnerte sie sich wirklich nicht mehr an die Dinge. Auch wenn neun Jahre nicht wirklich das Alter eines Kleinkindes war, war sie immer noch ein Kind damals gewesen. „Mr. Harris.“ sprach sie schließlich weiter. „Ihm gehörte die benachbarte Farm. Ich hab ihn jeden Morgen auf dem Weg zur Schule begrüßt und eines Abends stimmte etwas mit ihm nicht. Er war voller Blut und hatte sich gegen unsere Terrassentür gedrückt, es war schon zu spät für ihn gewesen Manchmal haben Wildtiere unsere Schafe gerissen und mein Dad hatte deswegen eine Waffe zu Hause und – Er hat einfach geschossen. Ich weiß das er das im Nachhinein tun musste. Es war trotzdem -.“ Dinah sprach den Satz nicht zu Ende. „Ich bin froh. Wirklich. Ich bin froh das die Apokalypse eine zweite Chance für dich war. Für mich war es das nicht. Sie hat meine Familie auseinander gebracht und meine Schwester. Sie heißt Rachael und sie ist krank. Und irgendwann werden uns die Medikamente ausgehen.“ Atmete Dinah hörbar durch ehe sie ihr Funkgerät wieder in die Hand nahm. „Deswegen muss ich das auch wieder zum Laufen bringen.“ strich sie schon fast sanft über das metallische Gehäuse als würden sich all die wichtigen Menschen in diesem kleinen Gehäuse befinden.

@Floyd Webber

All I do is pretend to be okay
I need blood in the cut
nach oben springen

#110

RE: Straße

05.04.2025 14:46
Floyd Webber 260 Beiträge
Alter
30 Jahre
Größe
180 cm
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Versorgungstrupp

@Dinah Anderson

Er wurde nachdenklich und sein Blick ging geradeaus, ohne wirklich etwas zu fokussieren. Dinah kannte er nicht. Er wusste nicht, woher sie kam, wohin sie wollte, wer sie einst gewesen war und wer sie heute gerne wäre. Die wenigen Informationen, die er von ihr hatte, reichten aus, um sich ein aktuelles Bild über die Frau und ihre Situation zu machen. Aber nicht mehr. Trotzdem war er gewillt, ihre Fragen über ihn zu beantworten. Damit öffnete er sich ein Stück, gab einen tieferen Einblick in sein Leben und in seine Person, wurde dadurch vielleicht auch angreifbar, aber letztendlich war es das letzte Bisschen an Menschlichkeit, welches er sich bewahrt hatte. Es half nicht beim Überleben, in jedem und in allem und das auch noch jederzeit einen Feind zu sehen. So waren Menschen nicht erschaffen worden. Sie waren keine Einzelgänger, auch wenn sie es sehr lange alleine aushielten. Am Ende rotteten sie sich zusammen, brauchten einander, und sei es nur für einen gelegentlichen Sinnesaustausch.
Davon abgesehen, fühlte sich Floyd selbstbewusst und in sich gefestigt genug, um sich nicht von seiner eigenen Geschichte beirren zu lassen, sollte man ihm seine Vergangenheit um die Ohren schlagen.
"Keine Ahnung.", gab er zu und machte einen grösseren Schritt über einen abgebrochenen Zweig eines Baumes, der schon länger hier zu liegen schien. Er ragte nicht weit genug auf die Strasse heraus, die noch befahren wurde, so dass man ihn offenbar liegenliess. "Ich habe mit meiner Mum und meiner Gran zusammengelebt. Meinen Vater kenn ich nicht. Meine Mum kannte den wohl auch nicht." Ein Schnauben folgte, was ein wenig spöttisch klang. "Sie hatte eine Menge Verehrer im Diner, wo sie gearbeitet hat, und sie liess auch nichts anbrennen. Sie hatte einen echten Verschleiss an Männern. Die hat sie aber selten mit nach Hause gebracht." Darauf hatte sie immerhin geachtet, auch wenn Floyd nicht nur einmal Hör-Zeuge davon wurde, wie sie sich mit einem Typen vergnügt hatte.
"Ich bin in einem Trailerpark grossgeworden. Da gabs eine Menge Leute, die ihr Leben nicht wirklich auf die Reihe gekriegt hatten. Aber ich kannte nichts anderes, also wars auch eine ganze Weile okay, so zu leben. In der Schule war das auch kein Thema gewesen, das kam erst später auf. Ich wurde zwar nicht... gemobbt, oder so, aber ich wusste, dass meine Chancen im Leben andere waren. Ohne Geld im Rücken und ohne die erforderlichen guten Noten war eine bessere Ausbildung sowieso ausgeschlossen. Ich glaube, als ich das realisiert habe, zusammen mit meiner Neigung und der Tatsache, dass ich keinen Vater, Onkel oder sonst ein männliches Vorbild oder so hatte, bin ich einfach wütend auf alles geworden." Er zog die Augenbrauen hoch und kratzte sich an der linken. "Ehrlich gesagt, ist das auch nur eine Vermutung. Es war eben eine schwere Zeit für mich. Und die Pubertät spielte da auch ihre Rolle. War halt scheisse."
Irgendwie kam er sich seltsam vor. Er hatte eine Menge gesprochen, hatte sich ernsthaft mit ihrer Frage und seiner Vergangenheit auseinandergesetzt, was er selbstverständlich schon mehrmals getan hatte, aber er erinnerte sich nicht daran, so offen darüber geredet zu haben. Nun ja, das lag wohl einfach an seiner Laune und Dinah würde das Gehörte sowieso wieder vergessen.

Ihre Entschuldigung überraschte ihn dann aber doch und er drehte den Kopf zu ihr. "Hm. Es war eben meine Realität. Es war normal. Diese Welt ist es für die, die jetzt geboren werden, ja auch. Sie haben keine Ahnung, wie das Leben früher war. Also werden sie auch nicht um die Vergangenheit heulen." Das sah er ganz pragmatisch. Und es war an der Zeit, auch Dinah aussprechen zu lassen. Auch ihre Geschichte war wichtig und sie konnten ja nicht wissen, wie viel Zeit ihnen noch blieb, um sich irgendwem mitteilen zu können.
Dinah war erst neun Jahre alt gewesen, als die ersten Beisser das Land überfallen hatten. Zu jung, um allein überleben zu können, zu alt, um das Grauen wieder zu vergessen. Im Gegensatz zu ihm schien sie aber etwas mehr Anlauf zu brauchen, um über sich und ihre Vergangenheit sprechen zu können. Das fand er nicht schlimm, er hatte auch kein Recht dazu, darüber zu urteilen. Jedes prägende Erlebnis war für diese eine Person schlimmer oder schöner als es für Aussenstehende sein mochte.
Sie erzählte von ihrem Nachbarn, ihrem Dad und einem tödlichen Schuss. Und dann von ihrer kranken Schwester Rachael, die wohl noch lebte. Zur zweiten Chance äusserte er sich jedoch nicht. Ja, die Apokalypse hatte den Weg seiner Zukunft geändert. Aber dafür hatte er seine Familie verloren.
"Und was hat sie? In den Kolonien werden Medikamente selbst hergestellt, ausserdem lässt sich immer noch was finden. Vielleicht habe ich sogar etwas, was ihr helfen könnte." Floyd musterte Dinah neben sich. Er war ein Händler, er machte Tauschgeschäfte. Dinah hatte er schon sein Zelt, sein Essen und das Feuer geliehen - und Sicherheit. Wenn sie jetzt tatsächlich ein Medikament aufzählte, was er wundersamerweise dabei hatte, würde er es ihr nicht einfach so überlassen. Oder vielleicht schon. Er war sich noch nicht sicher.

nach oben springen

#111

RE: Straße

21.04.2025 18:17
Dinah Anderson Dinah Anderson (gelöscht)
avatar

Dinah hatte zugehört, ohne ihn zu unterbrechen. Ihre Augen ruhten nicht auf seinem Gesicht, sondern irgendwo im Dazwischen - zwischen seinen Worten, zwischen den Erinnerungen, die er preisgab. Es war nicht selbstverständlich, dass jemand so offen sprach. Schon gar nicht jetzt, in einer Welt, in der die Vergangenheit entweder zur Waffe geworden war oder zu etwas, das man besser vergrub. Sie spürte, dass es ihm nicht leicht fiel. Nicht, weil er sich schämte, sondern weil solche Geschichten oft keine Worte brauchten und doch welche verdienten. Während er redete, hatte sie nichts gesagt, keine Bemerkung gemacht, kein Nicken, kein Stirnrunzeln. Es war Respekt, vielleicht auch Vorsicht. Und weil sie wusste, dass ein Moment wie dieser selten war. Menschen redeten selten so. Nicht mehr. Nicht mit Fremden.Was hätte sie auch sagen sollen? Dass sie es verstand? Dass sie ähnliches erlebt hatte? Das wäre gelogen gewesen. Ihre Geschichte war anders. Ihre Kindheit war anders. Ihr Schmerz war ein anderer. Aber Schmerz war Schmerz. Und Verlust war Verlust. Seine Frage am Ende traf sie unerwartet. Fast so, als hätte er zwischen ihren Zeilen gelesen, dort, wo sie noch nicht gesprochen hatte. Wo sie ihre Antworten in sich trug, aber nicht aussprach. "Sie hat Lupus", sagte sie schließlich leise. Es war das erste Mal seit Langem, dass sie das Wort aussprach, fast ehrfürchtig, als wäre es ein Fluch, der mit jeder Wiederholung stärker wurde. "Manchmal kriegt sie Fieber, kriegt schlecht Luft. Ihre Gelenke tun weh. Medikamente zögern es nur heraus, doch sie wird nicht mehr gesund werden.“ Ihre Stimme klang traurig, weil Dinah traurig war. Sie schaffte es noch nicht mal sich in dieser Situation selbst zu belügen oder sich den Optimismus zu bewahren, der stets in ihr schlummerte. Doch das war die Realität. Eine Tatsache, die Dinah sich nicht schön reden konnte. Es reichte schon wenn sie ihre Schwester Rachael selbst belog, in dem sie vorgab und sie behandelte als sei sie ein normaler Mensch. Doch mit jedem Schub, brach immer ein Stück mehr in Dinah. „Der Tod jagt einem in dieser Welt auf verschiedene Art und Weise hinter her. Aber letztendlich ist es dein eigener Körper, der dich umbringen wird... ist das nicht irgendwie … unfair?“ Ihr heller Blick blieb bei dem jungen Mann hängen, als würde sie tatsächlich eine Antwort auf diese Frage abwarten. Als könnte Floyd sie auf irgendeine Weise erleuchten. Seine Worte alles ungeschehen oder besser machen. Doch das konnten sie nicht. Genau so wenig wie ihre Worte seine Vergangenheit ungeschehen machen konnte. Die Dunkelhaarige schüttelte schließlich den Kopf. Merklich das sie nicht mehr in schmerzhaften Erinnerungen schwelgen wollte, stattdessen erzählte sie wieder etwas positiveres. Etwas was mehr zu der jungen Frau passte. „Ich bin zwar keine gute Köchin. Aber Rachael ist es. Sie hätte aus dem Dosenfraß, was wir gestern hatten wahrscheinlich ein Fünf-Gänge-Menü draus gemacht.“ Ein Schmunzeln zog sich auf ihre Lippen und dieser ungesunde Optimismus schlich sich langsam wieder in ihren Körper zurück. „Wenn ich erstmals wieder Funk hergestellt habe, wird sie mir all das ganz gewiss nicht glauben, was passiert ist.“ Dinah zog ihre Rucksackträger ein wenig enger an sich. „Ich hoffe wir sind bald da. Und ich hoffe die essen keine Eichhörnchen, da wo du mich hinschleppst, denn das wäre -“ Dinah stockte und ihre Worte formten einen Aufschrei, als sie sich nichts ahnend etwas um ihr Bein geschlungen hatte. Ein Seil, welches sie kopfüber nach oben zog, als wäre sie ein Stück Vieh. Die Dunkelhaarige hatte offensichtlich eine Falle ausgelöst und zu ihrer Verteidigung und dem Anblick der zwei leblosen Beißer, welche neben ihr hingen, war sie wohl nicht die Einzige gewesen. „Verdammte Sch- Mist!“ fluchte sie laut über Floyd. „Wer stellt bitte mitten auf dem Weg eine Falle auf.“ machte sich die junge Frau ihrem Ärger laut Luft ohne zu bemerken, das solch eine Falle nie ohne Grund platziert wird und sicher kein Zufall war. Dinah kramte nach ihrem Taschenmesser, welches sie vor Aufregung dann auch noch fallen ließ und neben Floyd aufkam.

@Floyd Webber

All I do is pretend to be okay
I need blood in the cut
nach oben springen

#112

RE: Straße

02.05.2025 11:30
Floyd Webber 260 Beiträge
Alter
30 Jahre
Größe
180 cm
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Versorgungstrupp

@Dinah Anderson

Lupus. Aha.
Floyd versuchte sich daran zu erinnern, ob er schon einmal von dieser Krankheit oder einem Gebrechen mit diesem Namen gehört hatte. Hatte er nicht. Floyd kannte die Grippe, hartnäckige Erkältungen und ein paar der damals üblichen und gängigsten Krankheitsbilder. Aber Lupus war ihm fremd. Der Name erinnerte ihn an ein exotisches Tier, auf welches man früher in einem Zoo aufmerksam geworden wäre, weil man ansonsten keinerlei Berührungspunkte mit dem Tier hatte.
Aber bevor er fragen konnte, was es genau mit dieser Krankheit auf sich hatte, erzählte Dinah schon weiter. Ihre Stimme klang dabei traurig und hoffnungslos. Fieber und Atemnot, Gelenkschmerzen und keine Sicht auf Besserung. Manchmal fragte sich Floyd, warum man diese Menschen überleben liess. Es war ein hoffnungsloser Kampf in dieser Welt. Aber Aufgeben war eben nach wie vor die Option, die die wenigsten wählten. Das war bei ihm nicht anders. Und vielleicht hatte auch eine sterbenskranke Schwester es verdient, noch eine Weile weiterzuleben, auch wenn für sie Leben riskiert wurden.
"Nichts ist fair.", befand er schliesslich. Das Thema war ihm auch nicht sehr angenehm. Er konnte nicht helfen, weil er nicht wusste, was Lupus war, und weil es ja offenbar auch keine Heilung dafür gab. Ausserdem war er für diese Thematik nicht der richtige Ansprechpartner. Floyd verbat sich Mitgefühl und Mitleid, weil es schwächte. Aber er zeigte immerhin Anteilnahme und das war, wie er fand, wenigstens etwas, und zeigte, dass er kein kaltherziges Arschloch war. Er war nur… nun ja, mit solchen traurigen Dingen überfordert. Es gab nämlich keine richtigen Worte. Keinen erhellenden Rat. Keine Lösung.

Sie gingen ein paar Meter schweigend weiter, bis Dinah von ihrer Schwester erzählte. Rachael hiess sie und eine gute Köchin sei sie. Noch dazu schien sie ihrer Schwester nicht alles abzunehmen, was diese ihr erzählte. Das war bestimmt so ein Schwesterding.
"Solange ein Mensch Spass an etwas hat, ist er dem Tod noch nicht auf den Leim gegangen.", fand er, ohne zu wissen, ob diese Aussage Dinah etwas brachte oder sie erneut diesen traurigen Blick blicken liess.
"Es dauert noch eine Weile, aber bis zum Abend erreichen wir die Kolonie.", versprach er. Aber Floyd wusste auch, dass sie Balar Island erreichen würden. Sie waren schon auf der Strasse, die hinführte. Ein Verlaufen war unmöglich. "Die essen keine Eichhörnchen. Die essen Fisch. Und…" Er verstummte abrupt, als Dinah in einer ungewöhnlich schnellen Bewegung neben ihm in die Höhe gezogen wurde, was sie verständlicherweise mit einem Schrei kommentierte. Floyd drehte sich abrupt um, zog seine Eisenstange vom Gurt und checkte die Umgebung, dann sah er zu Dinah hoch, die kopfüber über ihm baumelte. "Jemand, der Hunger hat oder sichergehen will, dass niemand hier entlangkommt." Ungewöhnlich war diese Fangmethode schon. Denn Floyd sah keinen Nutzen darin, zumal Dinah ziemlich weit oben hing. Er hatte nämlich auch die beiden leblosen Beisser in ihren Schlingen über sich nicht gemerkt.
"Warte, ich hol dich da runter." Er sah zum Seil und dann zum Ast. Okay, die Falle war ziemlich weit aussen vom Stamm entfernt angebracht. Das würde eine Weile dauern, bis Floyd hochgeklettert war. Ausserdem wusste er nicht, ob der Ast zwei Beisser, eine Frau und ihn aushalten würde. Als er dann wieder zu Dinah blickte, blitzte eine Klinge auf und fiel kurz danach vor seine Füsse.
Floyd starrte auf die Waffe und dann wieder zu Dinah. "Fuck! Willst du mich umbringen?!", moserte er, bückte sich und hob das Taschenmesser auf. Das hatte einen zu kleinen Nutzen bei dieser Seilstärke. Er klappte das Messer zusammen, steckte es in seine Hosentasche und zog dann aus seinem Rucksack ein Survivalmesser hervor. Er streckte es ihr entgegen, bis sie es hatte, und trat dann zwei Schritte zurück. "Versuchs mal so. Andernfalls klettere ich den Baum hoch."
Ein kleines, freches Grinsen stahl sich in sein Gesicht. Dinah war eine mutige Frau. Sie hatte gestern Floyds Zelt, sein Feuer, ein Teil seines Essensvorrat und seinen Schutz erobert und auch heute hatte sie keinerlei Schwächen gezeigt. Vielleicht schaffte sie es, sich selbst zu befreien. Bevor sie aber das Seil durchhatte und fallen würde, würde er schon darauf achten, dass sie sich beim Sturz nicht schlimm verletzte.
"In Balar Island leben ein paar Chinesen. Die essen alles Mögliche, sicher auch Eichhörnchen, Hunde und Sandalen, wenns sein muss. Nimm einfach nichts von denen an.", erzählte er weiter, als sei dieser Fallen-Vorfall nichts weiter als eine Fliege, die zwar lästig war, aber durch Herumschlagen der Hand in Schach gehalten werden konnte. Auch die einzelnen Beisser auf dem Parkplatz irrten irgendwie im Kreis umher und kamen nicht zu ihnen.
Für Floyd waren übrigens alle Asiaten Chinesen und alle Chinesen assen Insekten und Hunde und natürlich auch Eichhörnchen. Die Vorurteile hatte Floyd auch nach fünfzehn Jahren nicht gänzlich ablegen können, war er doch in einem Trailerpark aufgewachsen, der insbesondere von weissen Republikanern mit teilweise äusserst rassistischen Leuten bevölkert gewesen war. Wäre die Apokalypse nicht gekommen und Floyd ein, zwei Jahre später als Schwuler geoutet worden (er selbst hätte das nie getan, aber irgendwann hätte es irgendwer mitbekommen), hätte er ganz sicher Prügel eingesteckt, bis er freiwillig gegangen wäre. Man hätte ihn dort als Nachbarn nicht mehr geduldet, auch nicht als Minderjährigen.

nach oben springen


Shoreham
Anarchy Riders
New Ocenaside
Heavens Paradise
Nomades
1 Mitglied und 8 Gäste sind Online
WELCOME WELCOME
1
users online
8
nomads online
4
users today
83
nomads today
37
total users
2793 themes
92365 posts
Heute waren 4 Mitglieder Online

disconnected Survive Talk Mitglieder Online 1
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen