Nezumi sah Ella ruhig an, als er sie mit seiner Frage aus ihren Gedanken gerissen hatte. Aber die Antworten waren weder sinnvoll noch wirklich nachvollziehbar. Deswegen sah der ehemalige Sklave auch etwas verwirrt aus. Was wohl ein seltener Anblick war, denn er lies sich selten bis gar nicht seine Gefühle ansehen. Das war ihm verboten und brachte meistens nur Strafen mit sich. Aber hier, in diesen vier Wänden, ließ er seine Maske so ein kleines bisschen fallen. Hier war niemand, der ihn bestrafen würde und sicherlich würde ihn die Blonde nicht verraten. Das hoffte er zumindest. Allerdings war auch die Frage an wen sie ihn verraten würde. Nach seinem erlernten wäre Ivar nun sein neuer Herr, der ihm zu sagen hatte, wie er sich zu verhalten hatte. Demnach könnte sie nur zu diesem gehen. Und diesen Ivar konnte Nezumi noch nicht wirklich einschätzen. Das war alles auch noch viel zu verwirrend für den 19 Jährigen.
Aber jetzt waren sie erst einmal allein hier und da konnte er ein bisschen seine Masken sinken. „Deswegen solltet ihr auch einen Verband drum machen.“, meinte er, als Ella sagte, dass sie an den Wundrändern hängen bleiben würde. „Ich habe sicherlich noch einen.“. Damit stand der Junge auf und suchte in seinem Rucksack. Tatsächlich hatte er noch einen Verband. Ordentlich und gekonnte umwickelte er damit die Wunde erst einmal. „Da sollte trotzdem noch ein Arzt drauf gucken.“, meinte er. Befehle konnte er nicht erteilen, aber seine Ansicht durfte er Ella sicherlich sagen. Bei ihr war er sich sicher, dass er dafür keine Strafe bekam. Jetzt zumindest nicht mehr. Zumal sie auch damals nicht gegen ihn ausgesagt hatte, wenn etwas war oder in angeschwärzt.
Verwundert sah Nezumi auf ihre Hände, als Ella seine nahm. Er kannte so einen Körperkontakt nicht wirklich. Der wenigste, den er kannte, war liebevoll oder freundschaftlich. Er kannte nur Gewalt, Schmerzen und Zwang. „Hier bleiben!“, antwortete der 19 Jährige automatisch ohne groß darüber nachgedacht zu haben. Aber wo sollten sie auch hin? Hier hatten sie eine sichere Unterkunft, Nahrung, Wasser und waren nicht allein. Gerade für Ella war dies sicherlich wichtig. Ihm selbst war es recht egal ob er unter Menschen war oder nicht. Glaubte er zumindest, dass es ihm egal war. Tatsächlich, wenn er darüber Nachdenken würde, dann wäre ihm so eine Gemeinschaft deutlich lieber. Bei der nächsten Frage zuckte der ehemalige Sklave tatsächlich deutlich zusammen und zog seine Hände weg. Steif saß er neben der Blonden und wusste nicht so wirklich was er denken oder sagen sollte. Von einem auf den anderen Moment, hatte sie ihm alle Erinnerungen wieder gegeben. „Ich habe bei meinem Herrn zu sein!“, antwortete er monoton. Verwirrt schüttelte er den Kopf. „Er hat mich verkauft und zu einem anderen Herrn geschickt.“, meinte er dann. Tatsächlich war Frances ja nicht mehr sein Herr. Wenn man es genau nahm. Und vermissen? Er kannte solche Gefühle nicht mehr. Daher konnte er da auch keine wirkliche Antwort draufgeben. Vermisste er Frances und die Kolonie? Sicherlich nicht, denn dort ging es ihm nicht so gut wie hier jetzt. Aber das war noch zu früh für ihn, als das er solche Gedanken hätte.
@Ella Harris