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THE DEAD DON’T DIE
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#161

RE: Schlafzimmer von Leif

15.12.2022 20:40
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Jede Stammtischrunde brauchte auch gute Zuhörer. Wem sollten die extrovertierten Wikinger denn sonst imponieren? Leif war völlig zurecht ein Teil dieser Gruppe. Und Virgil fand es stets schön dabei zu sein. So fühlte er sich wie ein Teil der Gemeinschaft und verstand sich wirklich gut mit vielen der Bewohner. Torben war glücklicherweise die Ausnahme gewesen. Die meisten begegneten ihm mit Respekt oder interessierten sich schlichtweg nicht für seine Vergangenheit. Weshalb er auch kaum in Erklärungsnot geriet. Sein Kreuz… trug er inzwischen ja auch nicht mehr um den Hals, weshalb ihn auch äußerlich nichts mehr dem Christentum zuordnete.
Dennoch hatte Leif Recht, in diese eingeschworene Truppe, zu der nun auch Nasir und Raven gehörten, gab es einfach kein Vordringen. Musste ja auch nicht sein. Weder Virgil noch Leif wollten etwas erzwingen. Dennoch fände Virgil es schön, sich manchmal mit ihnen zu unterhalten, da er das Gefühl hatte, sie könnten sich eigentlich gut verstehen. Wären sie denn offen für neue Bekanntschaften. Aber wer wusste schon was die Zukunft brachte.

Als sie über Odins Erscheinung sprachen fügte Virgil noch verschwörerisch hinzu.
„Vielleicht war es ja gar nicht Odin sondern Loki… der versucht hat dich in die Irre zu führen“
Wie gut, dass er nicht auf seinen Trick reingefallen war! Inzwischen kannte Virgil sich ziemlich gut mit den nordischen Göttern und ihren Charakterzügen aus. Also wenn er nicht würdig war, dann wusste er auch nicht!
Dennoch machte Leif gerade den Eindruck, als sah er Virgil doch noch nicht voll und ganz in seinem Glauben. Er verstand seine Einwände ja… verletzend war es trotzdem.
„Ja.. das ist mir bewusst. Wenn ich mich dafür entscheide, dann für die Ewigkeit. Aber.. das ist ja auch das Ziel“
Genau darum ging es doch. Dass er in der Ewigkeit weiterhin mit Leif und seinen Göttern vereint sein könnte, statt vielleicht sogar in die Hölle abzudriften, weil er seinen Gott so sehr hintergangen hatte..
Richtig weh tat jedoch erst die Aussage… dass Virgil in Leifs Augen nicht bereit für diesen Schritt war. Diese Worte trafen ihn wirklich wie ein Axthieb mitten ins Herz und er senkte betroffen den Blick. Er hatte sich erhofft…. Leif würde ihn bestärken, ihm Mut zusprechen, damit er es auch wirklich wagte diesen Schritt zu gehen. aber wenn er ihm das nicht zutraute, da bröckelte natürlich auch Virgils Überzeugung wieder ein stückweit. Damit hatte er nämlich nicht gerechnet.
„Du glaubst also nicht an mich und meine Überzeugungen?“
Das Leif sich sorgte war ja lieb von ihm aber…. nicht das was Virgil gerade brauchte und hören wollte. Er hätte seine Bestärkung und Unterstützung benötigt, um diesen Entschluss wirklich endgültig zu fassen. Aber mit seinen Worten verunsicherte er ihn wieder. Was wenn er Recht hatte und Virgil wirklich nicht bereit dazu??
Er sagte nichts mehr dazu, sondern wandte den Blick ab.. bis Leif ihm eröffnete wie das Ritual von statten ging. Er würde lügen, würde er sagen, es machte ihm keine Heidenangst. Und er wurde auch etwas blasser um die Nasenspitze als ihm bewusst wurde, dass er sich selbst dabei ein stückweit verstümmeln musste. Seinen Glauben wortwörtlich von seinem Körper abtrennen musste. Das war grausam und gar nicht seine Art. Aber….. die Angst Leif zu verlieren war trotzdem größer als die Angst vor diesem Ritual. Doch irgendwo war er nun auch zu stur, um einfach aufzugeben. Nun wollte er Leif noch viel mehr beweisen, dass er würdig war ein richtiger Wikinger zu werden! Denn das dieser nicht an ihn glaubte, das spornte ihn lediglich dazu an, sich noch mehr ins Zeug zu legen. Wenn auch aus den falschen Gründen womöglich. Aber er wollte jetzt nicht weiter diskutieren, er wollte sich das nicht weiter ausreden lassen. Er musste das durchziehen. Weshalb er letztlich nur ein bisschen kühl meinte
„Okay. Wann fangen wir an?“

@Leif Tyrson


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#162

RE: Schlafzimmer von Leif

15.12.2022 21:14
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif fühlte sich grausam, weil er seine Bedenken offen aussprach und Virgil sagte, er sei noch nicht bereit für diesen Schritt. Trotzdem wollte er nicht damit hinterm Berg halten, denn sein Partner merkte doch eh, wie verhalten Leif auf dieses Thema reagierte. Doch warum jetzt der plötzliche Wunsch, sich vom christlichen Glauben vollends abzutrennen? Es musste mit dem Unfall zu tun haben. Leif hatte sich diesen Moment, in dem Virgil sich vollends zu den nordischen Göttern bekennen würde, irgendwie anders vorgestellt. Schöner und bedeutender. Intimer. Und nicht von Angst und Pflichtbewusstsein getrieben. So kam es ihm nun mal leider vor.
»Ich würde ein Boot auch nicht aufs Wasser lassen, wenn es noch nicht fertig ist, nur weil ich es endlich fahren sehen will«, gab er eine alte Seefahrerweisheit von sich. »Das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht an dich glaube. Denn das tu ich. Aber jetzt alles übers Knie zu brechen empfinde ich als falsch.«
Er wusste einfach nicht, wie er seine Gefühle und Gedanken erklären sollte. Ihm fehlten die Worte. Nicht mal auf isländisch könnte er sie finden. Und er hatte Virgils Herz sowieso schon zerfetzt. Die Stimmung zwischen ihnen wurde kühler. Wenn man bedachte, wie hoch die Liebe und Sehnsucht in der letzten Zeit zwischen ihnen geflammt war, war das ein grausames Gefühl. Leif ging dazu über, Virgil das Ritual zu erklären, denn letztlich konnte sein Partner die Entscheidung nur treffen, wenn er wusste, auf was er sich einließ. Der Waliser ließ jedoch kaum eine Gefühlsregung nach außen, sondern hörte sich stumm und stur alles an. Am Ende fragte er nur noch, wann sie anfangen wollten. Leif hatte inzwischen rasende Kopfschmerzen und fühlte sich fast so müde wie noch auf der Krankenstation. Irgendwie hatte er das Gefühl, als würde ihm alles entgleiten. Das war doch hoffentlich nicht die Dunkelheit, die da gerade anklopfte?
»Sag du mir wann wir loslegen. Wir haben alles da und geeignete Plätze finden wir genug in der Umgebung.« Direkt in der Kolonie sollten sie das Ritual nicht abhalten, das war immerhin schon eine sehr persönliche Sache.

@Virgil Chadburn

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#163

RE: Schlafzimmer von Leif

15.12.2022 21:32
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Leif war nur ehrlich. Normalerweise konnte Virgil damit auch besser umgehen. Aber in diesem Fall… fiel es ihm schwer, weil es um so ein heikles Thema ging, das Virgil seit Tagen belastete. Über das er so viel nachgedacht hatte. Und wie schwer es ihm gefallen war, diesen Entschluss zu fassen. Doch nun wo er es getan hatte… fühlte er sich ein bisschen von Leif im Stich gelassen, weil er nicht hinter ihm stand, sondern versuchte es ihm auszureden.
Inwiefern musste er sich denn noch beweisen, um ihn davon zu überzeugen, dass er bereit für diesen Schritt war? Er hatte seiner Gemeinde, all seinen Freunden und seinem Glauben den Rücken gekehrt. Um hier bei Leif sein zu können. Er hatte sich jede Geschichte, jedes Ritual seiner Götter eingeprägt und versucht ihre Lehren zu befolgen und trotzdem zweifelte Leif an ihm? Das tat nun einfach weh. Und er wusste nicht wirklich, wie er damit umgehen sollte. Wen er nur ein unfertiges Boot war… hieß das doch er würde bei seinem Versuch zu schwimmen sofort auf den Meeresgrund sinken und versagen….
„Und was fehlt mir deiner Ansicht nach noch, um in deinen Augen ‚bereit‘ zu sein?“
Was musste er tun? Sagen oder loslassen? Virgil wusste es nicht. Denn so wie das klang… dachte Leif womöglich, dass Virgil niemals bereit sein würde. Und verurteilte ihn insgeheim doch für seinen früheren Glauben… was ganz schön hart zu verdauen war.
Doch umso sturer wollte er ihm eigentlich beweisen, dass er sich irrte. Selbst wenn seine Beweggründe nun tatsächlich in eine absolut falsche Richtung abdrifteten.
„Wir leben in der Apokalypse. Jeder Tag der verstreicht, könnte einer zu viel sein“
Das hatte man ihm durch Leifs Unfall deutlich vor Augen geführt. Also natürlich hatte sein überstürztes Handeln etwas damit zu tun. Aber war das wirklich so verkehrt? Virgils Verhalten würde sich auch in den nächsten Monaten nicht verändern. Also welche Rolle spielte es, wann sie das Ritual durchführten?
„Na schön, ich werde eine Nacht darüber schlafen. Und du … solltest dich nun ausruhen. Ich gehe noch eine Runde draußen spazieren…“
Er musste nun dringend den Kopf frei kriegen. Und irgendwie.. musste er nun auch weg von Leif. Denn auch wenn er es nicht zeigen wollte, er war doch ziemlich verletzt von seinen Worten. Weswegen er ihm auch nur einen ganz flüchtigen Kuss auf den Mundwinkel hauchte, ehe er ihm den Rücken zuwandte und nach draußen marschierte.

@Leif Tyrson


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#164

RE: Schlafzimmer von Leif

15.12.2022 21:56
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif hatte bereits Menschen verloren, er wusste, wie das war oder auch die Angst, wenn jemand schwer verletzt war und vielleicht nicht genesen würde. Er hatte sich bei vielen abfinden müssen, sie wohl nie wieder zu sehen, auch im Totenreich nicht. Unter anderem auch bei seinen Eltern. Virgil hatte er gesagt, sie würden in Valhalla auf ihn warten. Weil das sein Wunsch war. Die Wahrheit war jedoch ... dass sie auf keinen Fall dort waren. Sie waren nicht im Kampf gestorben, sie hatten hilfsbereit sein wollen und waren gefressen worden. Leif war weggelaufen und hatte nicht bis zum Ende zugesehen. Aber tief im Inneren wusste er ... sie hatten sich danach sicher gewandelt. Sie waren in dieser Zwischenebene, die er stets fürchtete. Und auch das hatte er halbwegs akzeptiert, weil ihn dieses Wissen sonst zerstören würde.
Doch all diese Erinnerungen und Empfindungen waren weit entfernt. Nun war er der Schwerverletzte gewesen und Virgil hatte die ganze Zeit mit der Bürde leben müssen, nicht zu wissen, ob sein Liebster wieder zu ihm zurückkehren würde. Zwar hatte sich Leif vorgestellt, wie sich der umgekehrte Fall anfühlen würde, aber ... es war doch stets etwas anderes, es selbst zu erleben.
Fakt war, sie konnten sich selbst nach der Enttaufung nicht sicher sein, ob sie nach dem Tod vereint sein würden. So etwas konnte man kaum steuern. Leif wollte aber auch nicht, dass Virgil im Fegefeuer landete. Und auch wenn sie mehr Zeit in diesem Stadium verbringen würden als im Leben und die Nachwelt wichtig im Wikingerglauben war, war es falsch, sich so viele Gedanken darum zu machen, und sich davon so enorm bestimmen zu lassen. Denn so verpasste man das Leben und hatte noch nur noch den Tod.
Und der Tod sollte nicht der Grundstein für Virgils Übertritt zum nordischen Glauben sein. Aber nun war er es und Leif konnte damit nicht gut umgehen.

Was noch fehlte, damit Virgil bereit war? Leif schüttelte sachte den Kopf. »Das kann ich dir nicht beantworten. Ich kann dir nur sagen, dass es sich für mich gerade falsch und zu früh anfühlt. Aber ich ... bin nicht du. Wenn du sagst, du willst es jetzt tun, dann soll es so sein.«
Für seinen früheren Glauben verurteilte er Virgil jedoch keineswegs. Er hatte immer verdammt gut darauf geachtet, dass eben dieser Eindruck nie entstand. Selbst als Virgil ihn verlassen hatte, hatte er sich um Verständnis und Akzeptanz seines Glaubens bemüht. Dass Virgil dies nun dachte, würde Leif sehr treffen. Und dann wären so wohl quitt in Sachen ›verletzende Dinge sagen‹. Aber der Waliser verbarg diesen Gedanken. Zurück blieb trotzdem Dunkelheit und Kälte.

Leif stand vom Stuhl auf, bevor Virgil ihn küssen konnte. Als würde er nun hier sitzen bleiben und so einen halbherzigen Abschied über sich ergehen lassen. Nein! Es fing nun schon an, dass er Nähe nicht ertragen konnte. Schlechtes Zeichen. Er musste sich zusammenreißen, denn trotz allem, wollte er zu hundert Prozent am nächsten Tag für Virgil da sein und ihm durch das Ritual helfen. So zumindest der Plan.
Leif legte sich ins Bett, inzwischen war ihm von den Schmerzen auch schon wieder etwas übel. Aber der Schlaf war gnädig, er kam recht schnell. So bemerkte er nicht, wie Virgil zurückkehrte. Am nächsten Morgen lag er jedoch bereits neben ihm. Nach ihrem üblichen Morgenritual ... war Leif jedoch nicht zumute. Sie waren hatten jetzt schon sehr lang nicht mehr miteinander geschlafen, um ihn zu schonen. Wären die Umstände anders, hätte sich Leif um eine entspannende Atmosphäre am Morgen bemüht, um Virgil die Angst und Bedenken vor dem Ritual zu nehmen. Doch ihre Meinungsverschiedenheit zeigte immer noch Nachwirkungen. Zumindest was Leif anging. Virgil wollte ja die Nacht noch mal zum Überdenken nutzen. Von daher war es an ihm, nun zu sagen, ob er es durchziehen wollte oder nicht.

@Virgil Chadburn

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#165

RE: Schlafzimmer von Leif

15.12.2022 22:19
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil hatte auch schon Menschen verloren. Und ihm war ebenfalls klar, dass er seine Eltern und viele Freunde nie mehr wieder sehen würde, wenn er sich vom christlichen Glauben abwandte. Denn sie alle waren sicher in den Himmel aufgefahren. Trotzdem nahm er es in Kauf. Da er ohnehin längst nicht mehr daran glaubte, einen Platz im Himmel zu verdienen. Und es auch gar nicht mehr wollte. Er tat das nicht nur weil er verliebt in Leif war. Ihm war schon bewusst, dass diese Beziehung vielleicht irgendwann in die Brüche gehen könnte. Dennoch würde er seine Entscheidung nicht bereuen. Denn die Götter hatten auch ihm so viel geschenkt.. wofür er ihnen ewig dankbar war. Hätte er nicht den Mut gefunden seiner Religion den Rücken zu kehren.. würde er nun ein wahnsinnig einsames und tristes Leben führen. doch dank der Götter hatte er den Mut und die Kraft gefunden zu dem Mann zu werden, der er wirklich war. Und sich nicht länger verstellen zu müssen. Er wollte also an ihrer Seite stehen, auch in der Ewigkeit. Er würde diesen Schritt also nicht bereuen!

Leif war in seinen Augen gerade aber irgendwie unfair. Denn er warf ihm vor, er sei nicht bereit für diesen Schritt konnte ihm aber auch nicht erklären weshalb?? Wie sollte er sich in seinen Augen dann denn jemals als würdig erweisen?? Vielleicht war das auch gar nicht möglich und Leif würd ihm das alles niemals zutrauen. Ein bitterer Gedanke, der ihn einfach nur wortlos den Kopf schütteln ließ.
Es war besser, wenn sich ihre Wege nun trennten und jeder von ihnen den Kopf freikriegen konnte. Sonst wäre das hier womöglich noch in einem Streit ausgeartet und das wollte Virgil bestimmt nicht. Er war eigentlich sehr harmoniebedürftig. Aber das hier war eine schwierige Situation für ihn, weil er mit so einer Reaktion von Leif einfach nicht gerechnet hatte. Damit musste er erst klar kommen, sich darauf einstellen und sie hinnehmen.
Allerdings stieß Leif ihn erneut ein bisschen vor den Kopf, als er ihm nicht mal diesen kleinen Kuss gestattete. Er wäre nur flüchtig gewesen ja… aber trotzdem ein Zeichen des guten Willens von Virgil, dass er sich nun nicht im Streit von ihm verabschieden wollte. Aber na schön, wenn der Isländer das nicht wollte dann… sollte es so sein.

Virgil war einige Stunden unterwegs und überlegte fieberhaft, was er tun sollte. Ehe er einen weiteren Entschluss fasste und sich mitten in der Nacht müde neben Leif ins Bett fallen ließ. Allerdings auf jegliche Art von Körperkontakt verzichtete. Auch wenn er eigentlich gern seine kalten Füße wieder zwischen seine Schenkel schieben und sich etwas wärmen wollte. Aber.. das wäre nun unpassend. Also schlief auch er dick eingewickelt irgendwann ein. Zumindest für ein paar Stunden. Lange suchte der Schlaf ihn nicht heim und er war bereits wach, als auch Leif sich regte.
Virgil starrte einfach nur nachdenklich an die Decke und hatte darauf gewartet, dass Leif endlich erwachte.
Ihr übliches Morgenritual wäre nun wirklich unpassend. Obwohl sie sich eigentlich geschworen hatten einander jeden Morgen so zu begrüßen. Aber manche Dinge…. funktionierten in der Praxis wohl leider doch nicht.
Virgil wartete noch ein paar Augenblicke, bis Leif richtig wach wurde. Erst dann neigte er den Kopf zur Seite und blickte ihm in die Augen. Jedoch nicht lächelnd oder so sanftmütig wie sonst, sondern ziemlich ernst. Eben so streng waren auch seine Worte.
„Es ist okay, dass du mir deine Bedenken mitteilst Leif. Das ist dein gutes Recht aber.. die Entscheidung treffe immer noch ich. Und ich wünsche mir… nein ich verlange von dir als mein Partner… das du mich trotz deiner Zweifel dabei unterstützt und hinter mir stehst.“
So harsch diese Worte auch klangen.. Virgil meinte sie nicht so böse wie sie rüber kamen. Weshalb auch sein Blick sich etwas klärte und er etwas sanfter fortfuhr
„Ich.. schaffe das nicht ohne deine Unterstützung… aber glaub mir bitte ich weiß, worauf ich mich einlasse. Also wirst du… deine Zweifel bei Seite schieben und stattdessen voll und ganz hinter mir stehen Leif?“


@Leif Tyrson


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#166

RE: Schlafzimmer von Leif

16.12.2022 10:07
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Alles, was sie gerade im inneren Monolog dachten, sollten sie vielleicht auch voreinander aussprechen. xD Doch in solchen Momenten war das extrem schwierig und es war einfacher und schneller, eine Mauer hochzuziehen, wenn man verletzt worden war oder befürchtete, ohnehin nur noch das Falsche zu sagen.
Virgil musste sich hier jedenfalls nicht vor Leif als würdig beweisen, sondern einzig und allein vor den Göttern. Der Isländer konnte seinem Partner weder ins Herz noch in den Kopf schauen und erkennen, wie sehr der nordische Glauben bereits in ihm verwurzelt war. Er konnte es nur vermuten und an Virgils Handlungs- und Denkweisen festmachen. Natürlich hatte sich bereits viel geändert und eine gewisse Identifizierung mit dem Glaubensweg war da. Trotzdem kam diese doch sehr drastische Entscheidung extrem plötzlich. Der Wunsch besaß für Leif einfach den falschen Ursprung. Andererseits waren seit dem Unfall nun ein paar Wochen vergangen und Virgil war sich offenbar immer noch sicher. Vielleicht hatte Leif auch andere Bedenken, die er in diesem Moment noch nicht erkannte.
Würde sein Schädel nicht so sehr pochen, hätte er vielleicht auch die halbe Nacht wachgelegen, um darüber nachzudenken. Aber so war es ihm unmöglich und er wollte nur noch schlafen. Hoffentlich würde sich sein Kopf am nächsten Morgen wieder beruhigt haben. Und vielleicht würden trotzdem ein paar Dinge klarer sein, sobald er erwachte.

Doch da war erst mal nur Leere. Er spürte zwar Virgils Präsenz neben sich, aber nicht wie sonst nah bei sich. Gestern noch hatte er keine Nähe zum Abschied ertragen können, so flüchtig sie auch gewesen wäre. Jetzt wünschte er sie sich so sehr zurück, dass es fast schmerzte. Er war doch echt bescheuert, oder? Sie hatten sich jüngst fast verloren und nun stieß er seinen Liebsten so zurück und von sich. Was, wenn ihm beim Spaziergang etwas passiert wäre? Was, wenn er sich entschieden hätte, nicht zu ihm zurückzukommen? Schreckliche Vorstellungen. Weswegen sich Leif recht schnell zu Virgil umdrehte und ihn eigentlich in den Arm nehmen wollte. Doch er hielt inne, denn ihn traf ein ernster Blick und die Stimmung war mit einem Mal so reserviert wie am gestrigen Abend.
Es folgten sehr klare und bestimmende Worte. Leif empfand sie nicht als böse, ganz im Gegenteil. Im Grunde war auch das Einstehen für den eigenen Lebensweg und Selbstbestimmung etwas, das einen Wikinger ausmachte. Und Virgil hatte sich schon genug nach anderen gerichtet, jetzt war seine Zeit.
»Natürlich werde ich hinter dir stehen. Immer! Es ist dein Leben, deine Entscheidung und das darf dir niemand wegnehmen. Auch ich nicht. Und das ist auch nicht meine Intention.« Aber seine Meinung zu den Dingen sagen, das würde er stets. Sonst wäre das hier eine ziemlich miese Beziehung, wenn man zu allem nur noch Ja und Amen sagte. Wobei ... Amen wohl eher weniger. xD
»Ich hätte dir gestern neben meinen Bedenken noch etwas anderes mitteilen sollen.« Vorsichtig griff er nach Virgils Hand und küsste sie, sofern er das zulassen würde. »Du musst nun glauben, ich würde nicht sehen, wie viel du aufgegeben hast. Oder wie sehr du dich gewandelt hast, seit du meine Götter in dein Herz und dein Leben gelassen hast. Aber ich sehe es und ich bin ... verdammt stolz auf dich. Und dankbar.« Erneut fand er nicht die richtigen Worte für das, was er fühlte. Warum war es nur so schwer? »Ich ... habe mir wohl einfach gewünscht, du würdest diesen einschneidenden Schritt unter anderen Umständen gehen.«
Leif ließ die Hand wieder los und setzte sich auf, um die Decke von seinem Körper zu schlagen. »Jetzt lass uns nicht mehr warten.« Er schenkte Virgil noch einen Seitenblick und ein mildes Lächeln. Eigentlich erwartete er keine Erwiderung, sie mussten das alles nicht noch mehr zerreden. Aber mit einer Mauer zwischen ihnen wollte Leif nicht ins Ritual starten. Das wäre furchtbar. Insofern war es gut, dass sie noch eine Nacht gewartet hatten. Gestern hätte das noch ganz anders ausgesehen.

@Virgil Chadburn

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#167

RE: Schlafzimmer von Leif

17.12.2022 20:50
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Leif hatte Recht, mit allem was er sagte. Nur war Virgil sich dessen selbst noch nicht so ganz bewusst, sondern überzeugt von seiner Entscheidung. Dass er die Zweifel in seinem Inneren verdrängte… war nicht gesund und auch nicht klug. Aber jetzt konnte er keinen Rückzieher mehr machen. Er wollte diesen Glaubensweg gehen, koste es was es wolle. Getauft wurde man auch als Baby und konnte deshalb nicht selbst darüber entscheiden. Man wuchs in den Glauben hinein und damit auf. Und so würde es auch mit dem nordischen Glauben gehen. Je länger er danach lebte.. desto stärker würde er sich auch in seinem Herzen formen. Dennoch wollte er dieses Ritual so früh wie möglich machen. Nur für den Fall der Fälle… falls doch einer von ihnen sterben sollte. Davor hatte er gerade einfach höllische Angst und konnte nicht klar denken. Obwohl er sich viel Zeit mit dieser Entscheidung gelassen hatte. Aber so ein traumatisches Erlebnis verarbeitete man nun mal nicht in ein paar Tagen oder Wochen.
Weswegen Virgil Leifs Unterstützung nun einfach einforderte. Wenn er sie ihm nicht freiwillig geben wollte… dann musste er ihn dazu bringen. In der Hoffnung, dass Leif vielleicht doch an ihn glaubte und hinter ihm stand, wenn er sah, wie entschlossen Virgil dazu war.
Und wie es schien hatte er damit Erfolg. Was Virgil erleichterte und auch seine Gesichtszüge sich etwas erweichten.
Natürlich ließ er zu, dass Leif seine Hand nahm. In Wahrheit war es doch genau das, was er die ganze Zeit gewollt hatte. Seine Nähe. Seine Unterstützung. Und seine Worte lösten sogar ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen aus.
„Danke..“
Meinte er selig. Wusste aber natürlich, dass noch ein ‚aber‘ folgen würde. Auf welches er sich mental vorbereitete, ihm die Hand dabei jedoch nicht entzog. Ganz im Gegenteil, er nahm noch seine zweite dazu und umfasste damit entschlossen Leifs Hand.
„Unter anderen Umständen? Aber was könnten denn bessere Beweggründe sein als meine Liebe zu dir? Und meine Dankbarkeit deinen Göttern gegenüber? Dafür, dass ich dank ihnen endlich Glück in meinem Leben gefunden habe. Endlich der Mensch sein darf, der ich immer schon war. Mich nicht verbiegen oder verstellen muss, meine eigenen Entscheidungen treffen darf. Manchmal glaube ich… ist dir nicht bewusst WIE groß dieser Schritt für mich war. Und dass ich ihn niemals leichtfertig getroffen hätte. Genauso wenig wie den nächsten..“
In Form dieses Rituals. Wenn Virgil so redete, dann überzeugte er sich ja wirklich ziemlich gut selbst in allem was er sagte. Also hoffentlich würde das bei Leif ebenfalls klappen.

Ein strahlendes Lächeln trat auf seine Lippen, als Leif nun ebenfalls entschlossen wirkte. Weswegen auch Virgil aufstand. Statt sich gleich dafür anzuziehen, trat er vorher allerdings noch an Leif heran und…. zog ihn in eine feste Umarmung. Er brauchte das nun einfach… seine Nähe. Die Geborgenheit die Leif ausstrahlte. Natürlich hatte er Angst… doch mit Leifs Unterstützung würde er das schaffen.
Weswegen er einige Augenblicke so mit ihm verharrte, ehe sie alles Nötige für das Ritual vorbereiteten. Den passenden Ort jedoch… den sollte Leif wählen.

@Leif Tyrson


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#168

RE: Schlafzimmer von Leif

17.12.2022 21:40
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif hatte seine Unterstützung doch schon zugesagt, indem er Virgil das Ritual erklärt und ihm zugesagt hatte, es am nächsten Tag vorzunehmen. Auch wenn er mit etwas nicht so recht einverstanden war, konnte er darüber stehen, wenn sein Partner ihn brauchte. Und das war in diesem Fall so. Als würde Leif ihn dabei im Stich lassen, wenn er sich vom Christentum reinigte und endgültig zu ihm auf den alten Pfad des nordischen Glaubens kam.
Doch auch er hatte am nächsten Morgen noch etwas zu sagen – jetzt fand er zwar auch nicht wirklich gute Worte dafür, aber wenigstens war es ihm nun eher möglich als am gestrigen Abend noch, wo die Dunkelheit kurz sein Herz ergriffen hatte.
»Ja, vielleicht werde ich nie vollends nachempfinden können, was du zurückgelassen hast ... für mich und für deine eigene Entfaltung. Aber stolz und dankbar bin ich trotzdem. Mit den anderen Umständen meine ich ... weniger von der Furcht begleitet, was uns nach dem Tod erwartet und ob wir uns dort wiedersehen. Andererseits ist diese Frage eine, die uns seit Ausbruch der Seuche mehr begleitet denn je. Also ... ist es vielleicht auch egal, welche Umstände dich zu deiner Entscheidung bringen. Die Quintessenz ist dieselbe. Du wandelst nach dem heutigen Tag ganz offiziell mit mir zusammen auf Odins Pfaden.« Und das war ein großes Geschenk, das Leif niemals eingefordert oder erwartet hätte.
Und da Virgil so absolut entschlossen wirkte, würde Leif jetzt auch nichts Zweifelndes mehr dazu sagen, sondern voll und ganz hinter ihm stehen – so wie er es versprochen hatte. Der Umarmung erwehrte er sich diesmal nicht, sondern schlang seine Arme fest um den Körper seines Partners, um ihm auch so klarzumachen, dass er in seiner Nähe immer Geborgenheit finden würde.
Leif wählte für das Ritual einfache Kleidung. Er würde es zwar nicht durchführen, aber ohne Zweifel würden die Götter heute präsent sein und er wollte ihnen als einfacher Mann gegenübertreten. Heute war kein Krieger gefragt, kein Seher oder Händler. Er war ... einfach nur Leif und als Begleiter und Beschützer Virgils vor Ort.
Am kleinen Altar vor ihrer Hütte sammelte er die Götterstatuen ein. Aus einer Truhe holte er eine kleine Trommel und neben der Tür stand ein hölzerner Stecken mit aufwendigen Verzierungen, den sie als rituellen Stab nutzen würden. Als Messer würde ihnen eines dienen, das sie ohnehin am Gürtel trugen. Nicht fehlen durfte auch noch die passende Räuchermischung.
Nun waren sie mit allem ausgerüstet, was sie benötigten. Vor der Tür nahm Leif seinen Partner an der Hand und führte ihn dann weiter hinaus auf die Insel, fort von der Siedlung selbst und raus in die Wildnis. Bis sie an einen kleinen Platz am Waldrand ankamen, von dem aus sie das Meer rauschen hören konnten. Hier wirkte es ganz verwunschen, überall war Raureif auf dem Pflanzwerk und unter ihren Schuhen knirschte ganz leise ein wenig Schnee, der in der Nacht gefallen war.
Leif kniete sich vor einen moosbewachsenen Findling in der Mitte der Lichtung und breitete dort alles aus, was er mitgebracht hatte. Die Götterstatuen und das Räucherwerk in einer feuerfesten Schale daneben. Das Messer und die Trommel dazu. Und den Stab lehnte er auch noch daran. Dann trat er aus dem imaginären Kreis, denn das Ritual ... das musste Virgil ganz allein durchführen. Erklärt hatte er es ihm noch einmal auf dem Weg hierher, bis ins kleinste Detail. Doch bevor er seinen Liebsten in die Hände der Götter übergab, zog er ihn noch einmal zu sich, um ihn innig zu küssen.

@Virgil Chadburn

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#169

RE: Schlafzimmer von Leif

17.12.2022 22:18
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Das war nicht dasselbe. Virgil wollte nicht, dass Leif ihm seine Unterstützung nur zusagte. Er wollte… dass er auch wirklich an ihn glaubte. Ihn unterstützte, weil er seine Entscheidung gut fand. Und nicht nur, weil er sein Partner war und es seine Aufgabe war.
Leider war das nicht geschehen. Was Virgils Unsicherheit nur weiter genährt hatte. Aber trotzdem wollte er diesen Weg nun gehen. Selbst wenn Leif nicht zu 100% überzeugt davon war. Er würde ihm schon beweisen, dass er ein richtiger Wikinger war! Ihm und den Göttern… und vor allem musste er es wohl sich selbst beweisen.
Leif hätte sich gewünscht, dass diese Entscheidung weniger von Angst begleitet war? Der Angst, was nach dem Tod folgte? Hm.. aber das hätte doch immer irgendwie eine Rolle gespielt oder wäre ein Beweggrund gewesen. Aber er verstand schon, worauf er hinaus wollte. Weshalb er Leifs Hand nahm und noch einmal bekräftigte
„Ich treffe diese Entscheidung aus Liebe und nicht aus Furcht Leif.“
Er drückte sie leicht und schenkte ihm dann ein zuversichtliches Lächeln. Er wollte nicht, das dieses Ritual von negativen Gedanken begleitet wurde. Er brauchte auch Leifs Zuversicht und Liebe dabei, um sich endgültig von seinem Glauben abwenden zu können. Denn daraus zog er seine Kraft. Und nicht aus seiner Abneigung dem Christentum gegenüber. Denn die… existierte trotz allem schlichtweg nicht.

Virgil wählte ebenfalls schlichte Kleidung für das Ritual. Er würde das Oberteil ohnehin nicht lange tragen. Band sich allerdings seine Haare nach hinten, das sie kein Problem mit dem reinigenden Feuer bekommen würden.. weswegen er auch noch eine Fackel einpackte.
Den Weg zu der Zeremonienstätte verbrachten sie weitgehend schweigend. Viele Dinge gingen Virgil durch den Kopf und er fühlte sich ein bisschen als.. würde er träumen. Das alles kam ihm so surreal vor, als wäre es nicht echt oder als wäre er betrunken. Seine Gedanken waren vernebelt. Und je näher sie dem Platz kamen, desto schneller begann sein Herz zu pochen.
Plötzlich hatte er das Bedürfnis umzukehren. Aber das durfte er nicht! Das war sicher nur die Nervosität vor diesem Schritt. Weshalb er mit eiserner Entschlossenheit an den rituellen Platz heran trat und das Oberteil zur Seite warf. Auch wenn er sich nicht wirklich richtig verletzen musste, so.. fühlte es sich auf diese Weise trotzdem passender an. Leifs Kuss hatte er nur ganz unwirklich mitbekommen… da er vollkommen fokussiert auf seine Aufgabe war.
Er atmete tief durch und… warf Leif noch einmal einen Blick über die Schulter zu, ehe er begann ein Schutzritual durchzuführen. Er entzündete die Räuchermischung.. und weihte die Axt darin, die Leif ihm geschenkt hatte. Sie war das perfekte Instrument für diesen Schritt. Immerhin sagte niemand, dass es unbedingt ein Messer sein musste, mit dem er das Ritual durchführte.
Er schlug die Trommel und nahm nun den Stab…. ehe es richtig losgehen konnte.
Virgils Herz pochte wie verrückt, wenn er an die Worte dachte…. die er gleich aussprechen musste.
Er sollte der christlichen Dreifaltigkeit entsagen.. die er in seinen vergangenen 29 Lebensjahren tagtäglich gepriesen hatte. Seinem Gott… seinem Vater….
In Virgils Hals bildete sich ein Kloß. In Gedanken da hatte er diese Worte zu Übungszwecken bereits geformt. Sie aber nun laut auszusprechen….. war etwas völlig anderes. Aber was würde Leif oder was würden die Götter von ihm denken, wenn er jetzt zögerte und einen Rückzieher machte?? Das… ging nicht. Dafür war es nun zu spät.
Weshalb er noch einmal tief durchatmete und……. die Worte mit zittriger Stimme aussprach.
Innerlich wurde ihm ganz heiß, weil Virgil merkte, dass er sich dabei absolut nicht wohl fühlte. Und das würden die Götter bemerken oder??? Leif hatte gesagt, sie konnten in sein Herz sehen! Was, wenn sie ihm all das hier nicht glaubten?? Ihn nicht für überzeugend genug hielten???
Das musste er verhindern! Weshalb er nun die Axt nahm. Zwar sollte er nur symbolische Schnitte setzen….. aber um den Göttern zu beweisen WIE ernst er es meinte, tat er das nicht. Stattdessen.. zog er die Axt leicht über seine Stirn, dann über seine Brust und anschließend über die linke und rechte Schulter. Er schnitt nicht wahnsinnig tief…. aber tief genug, dass er dabei zu bluten begann und ein kleiner Rinnsal ihm von der Stirn übers Gesicht lief. Genau wie über die restlichen Körperstellen.
Er hatte das Gefühl sich übergeben zu müssen und wurde ganz blass. Denn es war noch längst…. nicht getan. Das hier war erst der Anfang gewesen und er hatte bereits jetzt das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.
Er nahm den Stab an sich und wollte die nächsten Worte formen. Bemerkte dabei jedoch, wie ihm Tränen in die Augen stiegen.
Er sollte seiner Taufe und der Konfirmation entsagen? Augenblicklich kamen ihm etliche Erinnerungen ins Gedächtnis. Fotos von diesen Anlässen. Wie glücklich seine Eltern dabei gewesen waren. Wie stolz er selbst. Und wie viel Gutes….. er in seinem Leben bewirkt hatte. Sein Glauben war nicht nur schlecht. Er hatte viel Licht in sein Leben gebracht und in jenes anderer Menschen. Selbst wenn es Punkte gab, mit denen er inzwischen nicht mehr übereinstimmte…. so wurde ihm gerade schlagartig bewusst, was er trotz allem im Begriff war aufzugeben. Seine Nächstenliebe, seine Barmherzigkeit, seine Hoffnung und Liebe für die Gemeinschaft…….. klar, Leif hatte gesagt, dass dieses Ritual nicht ändern würde wer er war. Welche Charakterzüge er hatte. Aber die meisten dieser Charakterzüge waren geformt worden durch den christlichen Glauben. Durch seine kirchliche Erziehung, durch seine Erlebnisse und Gebete. Wie konnte er all diese Dinge nun so mit den Füßen treten? Er konnte alldem nicht einfach entsagen…. er konnte doch nicht einfach alles aufgeben… wofür er stand. Er konnte seine Vergangenheit nicht einfach auslöschen. Er war ein Christ. Und er würde immer einer sein. Bis zu einem gewissen Grad. Nur weil er es sich wünschte.. konnte er nicht einfach alles hinter sich lassen, das ihn ausmachte.
Die Tränen liefen ihm von den Wangen und vermischten sich mit dem Blut, welches immer noch von seiner Stirn lief. Und auf einmal da… ließ er den Stab fallen und sank schluchzend zu Boden. 
„Ich kann nicht… ich…. kann das einfach nicht….“
sagte er voll Verzweiflung und Scham…. und wagte es nicht sich Leif dabei wieder zuzuwenden..

@Leif Tyrson


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#170

RE: Schlafzimmer von Leif

17.12.2022 22:59
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif stand am Rande des Ritualplatzes und war so nervös wie schon ewig nicht mehr in seinem Leben. Sein Kopf pochte unangenehm, doch er bemühte sich, den Fokus auf Virgil zu belassen und nicht bei sich selbst. Er lächelte seinem Partner ermutigend zu, als dieser sich noch einmal zu ihm umwandte. Aber dann konnte er nur noch zuschauen. Der Anfang gestaltete sich noch als einfach. Räuchermischung, Schutzrituale, die Trommel schlagen ... all das hatten sie gemeinsam schon Dutzende Male gemacht, wenn sie am Altar vor dem Haus zu den Göttern gesprochen oder sie um etwas gebeten hatten, oder eines der Feste angestanden hatte. Noch nie hatte jedoch einer von ihnen allein ein Ritual abgehalten, seit sie zusammen waren, und dann gleich so eines, das einfach alles ändern würde.
Leif verkreuzte die Arme vor der Brust, als die ersten Worte gesprochen worden mussten. An Virgils zittriger Stimme erkannte er, wie schwer es ihm fiel. Und seine Körpersprache, die war längst nicht mehr so stolz und selbstbewusst wie vor einigen Momenten noch. Es verlangte seinem Liebsten enorm viel ab, diese Schritte zu gehen, dabei waren so noch ganz am Anfang des Rituals. Doch Leif glaubte weiter an ihn. War die Überwindung einmal da, würde der Rest sicher einfacher werden.
Nun nahm Virgil die Axt statt des Messers. Aber statt nur sachte über die Haut zu fahren, schnitt er richtig hinein. Leif löste die Verkreuzung seiner Arme und war versucht, in den Kreis zu treten. Es war nicht nötig, dass Virgil den Göttern seine Ergebenheit mit Blut bewies. Andererseits war dies in früheren Zeiten nicht anders gewesen. Opfer dieser Art ... hatten immer eine große Rolle gespielt. Außerdem war es Virgils Entscheidung, wie weit er gehen wollte, und nicht Leifs. Trotzdem wühlte die Sorge in seinem Bauch.
Flügelschlag kündete von unverhofftem Besuch. Der Rabe, ihr allgegenwärtiger Begleiter, ließ sich auf dem Findling nieder und legte den Kopf schräg. Beäugte Virgil und krächzte leise. Blieb dann sitzen, die Flügel angelegt, aber weiterhin aufmerksam.
Jetzt kam der nächste Teil. Weitere Worte, dann reinigendes Feuer. Doch Virgil zögerte. Da er ihm den Rücken zugewandt hatte, konnte Leif nicht sehen, was sich in seinem Gesicht für ein Gefühlschaos abzeichnete. Der Rabe jedoch schon. Er krächzte erneut, diesmal lauter und just als Virgil auf die Knie sank, flog er mit kräftigem Flügelschlag davon. Dass er den Ritualkreis verließ, war kein gutes Omen. Ganz im Gegenteil, es hinterließ eine schmerzhafte Leere, selbst in Leifs Herzen, dessen Glauben gefestigt war.
Der Isländer sah dem Vogel noch einen Moment hinterher, bevor er zurück zu Virgil blickte. Langsam ging er zu ihm und blieb neben ihm stehen. Doch statt auf ihn hinunter zu sehen, schaute er die Götterstatuen auf dem Findling an. Wie sie dort hübsch in Reih und Glied standen, in Erwartung, heute eine weitere Seele in ihre Welt zu lassen. War dafür wirklich dieses Ritual nötig? Keiner der heutigen Wikinger war einer, wie er im Buche stand. Glaube war immer im Wandel. Und so konnten es auch Rituale sein, oder nicht? Es ging vielleicht nicht darum, dem Christentum abzuschwören und sich von der Vergangenheit abzutrennen. Sondern vielmehr um den Menschen, der man heute war und in Zukunft sein wollte.
Leif hielt Virgil die Hand hin. »Steh auf!«, sagte er bestimmend, aber nicht zornig. Und als sie sich dann gegenüber standen, nahm er das Messer vom Stein und schnitt sich damit ohne zu Zögern in die Handfläche. Denn letztlich war Blut die beste Opfergabe, die er gerade zu bieten hatte. Egal, ob sein Körper noch geschwächt war und er gerade erst wahrlich genug verloren hatte. So war dies hier doch wichtig, denn es ging um Virgils Seelenheil.
Leif drückte seine verletzte Hand auf die Schulterwunde seines Partners. »Unser Blut ist jetzt vermischt und ein gemeinsames Opfer. Damit läuft altes isländisches Blut durch deine Venen und christliches durch meine. Das ändert alles und gleichzeitig auch nichts. Denn wir sind wer wir sind und wenn wir im Angesicht der Götter stehen, werden sie das wissen und uns unserer Bestimmung zuführen.«
Damit lächelte er sanft und drehte sich wieder dem Findling zu, um nun direkt zum Allvater und seiner Familie zu sprechen. Die Worte fielen ihm auf Isländisch leichter und er hatte Virgil inzwischen genug von seiner Muttersprache beigebracht, dass er sie verstehen würde. Letztlich bat er sie um Führung und um ein Zeichen, dass sie sie nicht erzürnt hatten. Es musste nicht jetzt sofort erscheinen, aber offenbar waren die Götter gnädig. Denn der Schneefall setzte erneut ein und hüllte die Welt in ein wunderschönes Weiß, während am Horizont die Sonne aufstieg. Und der Rabe kehrte auch zurück und hinterließ hüpfend einige Krallenspuren im Schnee. Fort vom Findling, hin zum Meer. Als wollte er, dass sie ihm folgten.

@Virgil Chadburn

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#171

RE: Schlafzimmer von Leif

17.12.2022 23:33
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil würde am liebsten die ganze Zeit über zu Leif blicken. Andererseits würde sein prüfender Blick ihn womöglich noch nervöser machen. Oder er das Gefühl haben, als durchschaue er ihn. Genau wie die Götter. Als könne er in sein Herz sehen das… mit jedem weiteren Wort unsicherer wurde.
Er versuchte sich durch die Schnitte dazu zu zwingen. Doch konnte er den Schmerz in seinem Inneren damit leider nicht übertünchen. Er fühlte ihn stärker denn je und mit jeder weiteren Bewegung wurde er übermächtiger.
Normalerweise, da fühlte er sich geehrt und freute sich, wenn der Rabe ihnen beiwohnte. Es gab ihm Stärke und Zuversicht. Doch jetzt? Jetzt… machte es ihn nur noch unruhiger. Denn das hieß, die Götter beobachteten ihn tatsächlich! Sie waren anwesend und er… würde sie vielleicht endgültig enttäuschen, wenn er sein Herz weiterhin von Zweifeln überschatten ließ.
Deswegen riss er sich zusammen, ging noch ein kleines Stück weiter, bis… es irgendwann einfach nicht mehr ging.
Anwesenheit der nordischen Götter hin und her. Seinen eigenen Gott… spürte er gerade auch so präsent und intensiv wie niemals zuvor. Als wolle er ihn aufhalten. Als wolle er ihn anrufen, anflehen diesen Schritt nicht zu gehen.
Virgil war völlig durch den Wind und verwirrt. Hin und her gerissen… als würde jemand seine Seele mit einer rostigen Axt zerfetzen.
Und letztlich… da brach er ein. Konnte es einfach nicht zum Ende bringen. Woraufhin der Rabe wieder verschwand. Er verstand seine ‚Sprache‘ natürlich nicht. War sich jedoch sicher… riesige Enttäuschung in seinem Krächzen zu vernehmen. Man hörte schließlich stets das, was man hören wollte.
Eine Tatsache die ihn völlig aufwühlte. Er hatte es versaut! Er hatte versagt! und war nun keiner der beiden Glaubensrichtungen mehr würdig! Was würde mit seiner Seele passieren wenn er starb? Würde sie nun für alle Zeiten im Fegefeuer lodern und er bis in alle Ewigkeit für seine Sünden und seine Schwäche bestraft werden?? 
Zu seiner Verzweiflung gesellte sich noch Panik. und er war völlig überfordert mit dieser Situation.
Wie hatte er denken können bereit zu sein??? Wie hatte er das erzwingen können?? Leif hatte von Anfang an Recht gehabt! Er war noch nicht so weit… und nun hatte er seine Chance verspielt.
Hastig wischte er seine Tränen fort, als Leif an ihn heran trat. Ob er ihn enttäuscht hatte? Ob er ihm nun noch in die Augen sehen konnte? Ob nun ein ‚ich habs dir ja gesagt‘ folgen würde?
Nichts davon kam. Stattdessen hielt er ihm die Hand entgegen und forderte ihn dazu auf aufzustehen. Bedröppelt und leicht zitternd, es war immerhin Winter und er trug kein Shirt xD, nahm er die Hand und zog sich daran hoch. Blickte Leif dabei unsicher in die Augen. Denn er wusste nicht, was nun in ihm vorging. Und er hatte Angst davor, es herauszufinden.
Dann ging alles ganz schnell. Leif schnitt sich in die Hand und verband ihr Blut miteinander.
Woraufhin Virgil erschrocken die Augen weitete und ihn hektisch von sich schob
„Was machst du da?! Ich bin es, der versagt hat Leif! Wieso willst du dich mit in den Abgrund stürzen indem du dein Blut verunreinigst???“
Mit christlichem Blut! Das würde seine Götter doch rasend machen oder??? Virgils Herz begann erneut fest zu pochen. Denn er wollte nicht verantwortlich dafür sein, dass man Leif ebenfalls bestrafte oder fortan als unwürdig ansah.
Dadurch fühlte er sich nur noch schrecklicher. Aber wenigstens versiegten seine Tränen durch den Schock und er sah ihn einfach nur fassungslos an.
Virgil hörte zwar Leifs Worte und sie waren absolut vernünftig aber…. gerade stand er so unter Schock dass er nicht fähig war daran zu glauben. Auch was er auf Isländisch sagte verstand er nur zur Hälfte, da er sich gerade absolut nicht konzentrieren konnte. Sondern Panik hatte, dass gleich etwas ganz Furchtbares passieren würde! Sie beide von den Göttern bestraft werden würden, auf irgendeine Weise.
Dass der Schneefall einsetzte und die Sonne aufstieg… konnte nun etwas Gutes oder Schlechtes bedeuten. Entweder war es ein positives oder negatives Omen. Virgil wusste das nicht.
Genauso wenig wie die Rückkehr des Raben. Vielleicht wollte er ihnen auch nur zeigen, dass sie nun beide unwürdig waren? Sie in ihr Verderben führen?
Aber der Rabe hatte ihnen schon so oft den rechten Weg gezeigt…. dass sie ihm folgten. Bis hin zum Meer. Zu welchem der Rabe näher flatterte.
Virgil wusste nicht, was er ihnen damit sagen wollte. Er folgte nur wie in Trance und sah besorgt zu Leif.
„Möchte er dass wir… darin den Tod finden?“
vielleicht sollten sie hinein steigen und ertrinken. Als gerechte Strafe für ihren Frevel. Schlussendlich zeigte sich wohl, dass Virgil sehr viel gottesfürchtiger war, als er gerne tat. Und es sein wollte. Aber wenn er die Präsens einer göttlichen Macht fühlte dann… fiel es ihm schwer klar zu denken oder einen vernünftigen Gedanken zu fassen.

@Leif Tyrson


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#172

RE: Schlafzimmer von Leif

18.12.2022 00:14
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Ein ›Ich habs dir ja gesagt‹, würde Virgil niemals von Leif entgegengeschleudert bekommen. Es mochte sein, dass Leif dies hier bereits kommen gesehen hatte, doch er wusste auch, wo die Grenze war und er ihm nicht weiter ins Gewissen reden konnte. Außerdem hätte er sich ebenso gut täuschen können. Doch nun war es klar, dass Virgil noch nicht bereit war, zumindest nicht für dieses Ritual. Aber das machte Leif nun nicht schadenfroh oder überlegen. Er wollte dies hier vielmehr noch irgendwie für Virgil retten und für die Götter. Also blickte er seinem Liebsten entschlossen entgegen und forderte ihn auf, sich zu erheben. Denn Schwäche mochten die Asen letztlich nicht, Mut dafür schon. Es erforderte Mut, ein Ritual zu unterbrechen und sich etwas einzugestehen. Es erforderte ebenso Mut, weiterzumachen und nicht einfach zusammenzubrechen und sich selbst zu bemitleiden. Virgil durfte verzweifelt sein, keine Frage ... denn im Grunde war das hier schon eine Art von Versagen. Aber daran zu zerbrechen war keine Option.
Leif folgte mit seinem plötzlichen Handeln einem Instinkt. Er und Virgil hatten bereits so viel miteinander geteilt und wahrscheinlich war ihr Blut ohnehin bereits verbunden gewesen, im Kampf gegen Feinde oder spätestens nach Leifs Unfall. Aber noch nie in einem heiligen Ritual so wie jetzt. Also würde es schon mehr Bedeutung haben. Eigentlich hatte er gedacht, damit ein Zeichen zu setzen, nämlich dass sie beide gleich vor den Göttern waren und eben das Produkt ihres bisherigen Lebensweges. Und dass er egal war, welches Blut durch Virgil floss und er sich auf allen Ebenen mit ihm verbinden wollte – auch auf der spirituellen. Eigentlich hatte er gedacht, oder vielmehr gehofft, sein Partner würde diese Geste ... freuen. Oder ihr zumindest etwas mehr Bedeutung beimessen und nicht mit Schock reagieren. Doch Leif wurde weggeschoben, Virgil sprach von Versagen und Verunreinigen. Fassungslos blickte der Isländer seinen Partner an. Ihm blieben gerade noch genug Worte übrig, die er an die Götter wenden konnte.
Von Liebe war hier für diesen Moment wohl keine Spur mehr. Beide Seiten waren nun geschockt und Leif bekam das Gefühl, ebenso einen schrecklichen Fehler gemacht zu haben, weil er gegen den Wunsch seines Partners ihr Blut miteinander vermischt hatte. Er stand dahinter, aber Virgil offenbar nicht. War er vielleicht zu weit gegangen mit dieser Geste? Vielleicht fühlte sich der Waliser nun ebenso verunreinigt und bezog diese Wortwahl nicht nur auf Leif. Vielleicht war ihm bei dem Ritual ja klar geworden, er wollte wieder Christ sein und nur das. Das hatte der Wikinger ihn nicht gefragt, er hatte seine eigenen Schlüsse gezogen und fühlte sich nun ganz schrecklich deswegen.
Schneefall setzte ein und auch der Rabe kehrte zurück. Er zeigte ihnen den Weg zum Meer und zumindest Leif bekam den Eindruck oder den Wunsch, ihm folgen zu müssen. Virgil konnte er auf dem Weg nicht mehr ansehen, viel zu unsicher war er sich jetzt mit allem, was passiert war und nun noch passieren würde. Bis sie vor dem Gewässer standen und Virgil wirklich sehr düstere Worte wählte. »Was?«, fragte Leif perplex und runzelte die Stirn. Ein Rabe konnte einem zu seinem Schicksal führen, ja. Aber Leif glaubte nicht, dass es ihr Tod war, den sich die Götter wünschten. Sonst hätten sie den Unfall schrecklicher gestaltet. Und ein Freitod ... war in der Wikingerwelt letztlich ähnlich verpönt wie bei den Christen. Es sei denn, es ging um eine Opfergabe.
Eigentlich könnte Leif hier hoffnungsvolle Worte finden, aber wie sollte er das bei dieser düsteren Grundstimmung. »Das Meer fühlt sich für mich wie ein Zuhause an. Ich habe nicht das Gefühl, mich in die Fluten zu stürzen und sterben zu wollen. Für die Götter kann ich nicht sprechen, aber in meinen Augen hast du nicht versagt. Oder ... mich verunreinigt. Aber wenn du erkannt hast, doch zu deinen Wurzeln zurückkehren zu wollen, dann ... wollen sie dir vielleicht auch den Weg heim zeigen.« Denn letztlich war da hinten auch das Festland zu sehen. Der Ort, an dem die Church und Virgils alte Gemeinde stand. Leif würde Virgil immer lieben und mit ihm zusammen sein wollen, egal, welchem Glauben er folgte. Doch wenn sein Partner sich nun doch seinem alten Leben wieder zuwenden wollte, was ja durchaus sein könnte ... dann würde diese Beziehung zwangsweise ... wohl wieder enden.

@Virgil Chadburn

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#173

RE: Schlafzimmer von Leif

18.12.2022 00:43
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil wusste, dass Schwäche für einen Wikinger das aller Letzte war. Aber gerade war er so mutlos, dass er ohnehin dachte, alles wäre verloren. Also was spielte es für eine Rolle, wenn er nicht weiter kämpfte? Er war ohnehin nicht würdig nach Valhalla zu gehen. Denn welcher Krieger… versagte so auf ganzer Linie? Und das nur bei einem symbolischen Ritual, das jeder Nordmann mit geschlossenen Augen durchführen könnte.
Er fühlte sich grässlich.. und war unfähig diese Empfindung jetzt zu verbergen. Jetzt kam einfach alles raus… all die angestauten Gefühle der letzten Wochen, seit Leifs Unfall. Seit der Sache mit Torben. Gerade erreichte Virgil eine Grenze, die er nicht hatte kommen sehen, obwohl er tief in seinem Inneren bereits gewusst hatte…. dass etwas nicht stimmte. Aber er hatte nicht auf sich und seinen Körper gehört sondern war von Angst geleitet worden. Genau wie Leif gesagt hatte… seine Beweggründe für all das hier waren die Falschen gewesen. Und das bereute er nun ungemein. Konnte es aber nicht mehr ungeschehen machen sondern musste mit den Konsequenzen leben.
Das Letzte das er wollte, war es jedoch Leif mit in seinen Abgrund zu ziehen!!
Unter anderen Umständen hätte er seine Geste wahnsinnig romantisch und bedeutsam gefunden. Hätte vielleicht vor Freude und Rührung geweint und ihn danach geküsst und nicht nur ihr Blut vereint.
Aber gerade… erschien ihm das wie Leifs verzweifelter Versuch noch irgendwie Virgils Seele zu retten. Selbst wenn es auf Kosten seiner eigenen ging. Aber er hatte sich das selbst eingebrockt, er wollte nicht, dass die Götter sich deswegen nun auch noch von Leif abwandten! Er selbst war schon verloren, doch das musste der Isländer doch nicht sein! Deswegen war er so geschockt von seiner Tat. weil er nicht wollte, dass er seinetwegen ‚Schwierigkeiten‘ bekam. Sein eigenes Schicksal war ihm dabei völlig egal. Das der Wikinger das ebenfalls völlig falsch deutete, war ihm nicht bewusst. Es gab so viel Unausgesprochenes zwischen ihnen… das für mehr und mehr Unsicherheiten sorgte und Virgil sich plötzlich ganz weit entfernt von Leif fühlte… obwohl sie nun sogar durch ihr Blut verbunden waren. Und er diese Verbundenheit doch eigentlich stärker fühlen sollte denn je.
Nur leider war es nicht so… weshalb sie schweigend und verunsichert dem Raben hinterher stolperten.
Das Virgil gerade so düstere Gedanken aussprach.. war wirklich nicht seine Art. Aber Leif hatte ihm so viel über die Götter erzählt. Sie duldeten keine Schwäche und kein Versagen und erst Recht keinen Frevel. Weshalb es ihm logisch erschien. Immerhin waren sie keine gnädigen Götter…
Allerdings schien Leif nicht seiner Auffassung zu sein. Vielleicht deutete er das alles hier ja auch völlig falsch? Sein Kopf begann zu pochen, weil er gerade das Gefühl hatte einfach gar nichts mehr zu wissen..
Jedoch wäre der gemeinsame Tod ihm fast lieber gewesen… als die andere Vermutung die Leif aussprach.
„Du denkst….. sie möchten mich nach Hause schicken?“
Und just in dem Moment.. wurde plötzlich etwas am Ufer angespült und strandete. Nämlich nichts Geringeres als Leifs Boot. Welches Virgil in der Hektik offenbar wirklich nicht gut festgebunden hatte xD.
Aber das konnte doch kein Zufall sein. Weswegen Virgil die Augen weitete. Sollte er mit dem Boot etwa fort segeln? War das seine Aufforderung dazu… heim zu kehren zu seiner Gemeinde?
Ein Gedanke bei welchem sich ihm der Magen umdrehte. Nur daran zu denken zurück zu gehen.. vielleicht doch noch eine Frau zu heiraten und eine Familie zu gründen. Abbitte zu leisten und fortan an wieder eine Lüge leben zu müssen… nein. Nein! Das konnte er genauso wenig wie sich gänzlich dem nordischen Glauben hingeben.
„Nein! DU bist mein zu Hause Leif. Vermutlich habe ich nun… sowohl die nordischen als auch den christlichen Gott gegen mich aufgebracht.. und… gehöre nun nirgendwo richtig hin… aber wir haben uns geschworen, dass göttliche Mächte unsere Beziehung nie wieder sabotieren werden! Das kann und werde ich nicht zulassen Leif! Vielleicht wird meine Seele in der Ewigkeit brennen… vielleicht werde ich in einem dunklen Nichts enden. Aber bis dahin… möchte ich mit dem Menschen zusammen sein, dessen Licht meine Dunkelheit in jeder einzelnen Sekunde durchbricht!“
Woher diese Entschlossenheit plötzlich kam wusste Virgil nicht. Aber er wusste schon, dass dieses Omen ihn wach gerüttelt hatte. Sollten die Götter doch versuchen ihn loszuwerden, er würde das nicht zulassen! Er würde an Leifs Seite bleiben. Ihn lieben und beschützen, so lange es ihnen vergönnt war. Sofern Leif tatsächlich bereit dazu war……. seinen eigenen Stand bei den Göttern tatsächlich für Virgil zu gefährden. Wenn er es nicht wollte und Virgil nun ebenfalls fort schickte…… dann könnte er das verstehen..

@Leif Tyrson


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#174

RE: Schlafzimmer von Leif

18.12.2022 01:20
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif glaubte nicht, dass sich die Götter von ihm abwenden würden, weil er sein und Virgils Blut miteinander verband. Sein Glaube war absolut gefestigt, daran gab es nichts zu rütteln. Diese Geste war aus dem Wunsch geboren, Virgil die Hand zu reichen und den Göttern zu zeigen, dass einer ihrer Gefolgsleute diesem Mann mit vollem Herzen vertraute und sich ihm ebenbürtig fühlte. Dass die Vergangenheit ruhen konnte. Aber diese Entscheidung hatte er im Glauben getroffen, dass Virgil bleiben wollte. Dass es ihm nur zu viel war, das Ritual durchzuführen und sich seelisch vollends vom Christentum zu trennen. Eine Geste, die Leifs Meinung niemals nötig gewesen war. Aber es war nun ebenso möglich, dass Virgil erkannt hatte, wo er sich wirklich heimisch fühlte, egal, ob er dafür wieder ein Doppelleben in Lügen führen musste. Auch diese Entscheidung würde Leif akzeptieren müssen, auch wenn er diese Gefahr nicht hatte kommen sehen. Sich jetzt so plötzlich wieder mit ihr konfrontiert zu sehen, zog ihm den Boden unter den Füßen weg. Doch er hielt sich tapfer aufrecht und beschloss, erhobenen Hauptes zu bleiben. Vertrauen in Virgil zu haben und in das, was sie miteinander erlebt und sie bis hierher geführt hatte. Sein Partner hatte ihm immer gesagt, die wenigen Monate mit ihm hätte er sich viel lebendiger gefühlt als jemals in seiner christlichen Familie. Das musste doch etwas zu bedeuten haben. Das konnte Virgil doch nicht so einfach fortwerfen, jetzt ... nicht mehr! Oder?
Die nordischen Götter waren durchaus auch gnädig, selbst wenn sie eher den Ruf einer harten Hand hatten. Sie regierten eben auch eine harte Welt und alles was sich in Midgard abspielte – Intrigen, Familiendramen, Missverständnisse und Kriege – spiegelte sich in Asgard und jeder anderen Welt. Da war nicht so viel Distanz, denn Leif wusste, die Götter verstanden was die Menschen durchmachten. Sie hatten es selbst am eigenen Leib erlebt und daraus war sowohl Stärke, Härte als auch Gnade und Wohlwollen geboren.
Klare Antworten gab es jedoch niemals. Es war an den Menschen selbst, die Zeichen zu deuten. Und Leif sah in der Führung zum Meer nichts Schlechtes, sondern Hoffnung. Denn dieses Gewässer bedeutete eine Menge für ihn und Virgil. Es hatte sie zueinander gebracht. Aber darin könnte auch eine andere Botschaft liegen, die er für den Waliser übersetzte. Seine Gesichtszüge zeugten von keinerlei Gefühlen, weil er sich selbst vor der Antwort schützen wollte. Doch in seinem Inneren tobte bereits ein Sturm. Virgil hatte ihn schon einmal für seinen alten Glauben verlassen. Und Versprechen konnte man brechen. Leif hatte bis vor wenigen Minuten nicht eine Sekunde daran geglaubt, es würde jemals noch mal so weit kommen. Und doch standen sie hier und führten abermals so ein Gespräch.
»Ich denke, sie lassen dir wie immer die Wahl und die Möglichkeit, deine Entscheidung selbst zu treffen. Du hast das Ritual nicht zu Ende gebracht, aber das musstest du vielleicht auch nicht. Deine Erkenntnis ist es, die wichtig ist, und zu welchem Handeln sie dich führt.«
Dann erfasste auch er das Boot ... sein Boot, das da am Ufer angeschwemmt wurde und knirschend im Sand stoppte. Der erste Impuls war, hinzurennen und es zu inspizieren, doch er unterdrückte ihn. Virgils Antwort war nun wichtiger. Aber im Grunde war das Auftauchen seines Gefährts ein weiteres positives Omen für Leif. Das er hoffentlich nicht falsch deutete.
Und dann sagte Virgil endlich einige erlösende Worte, die Leif einen Schauer über den Rücken schickten. Endlich hielt wieder Liebe Einzug in sein Herz und nicht die lähmende Furcht vor einer erneuten und diesmal womöglich endgültigen Trennung. Leif löste seine Starre und ging auf seinen Partner zu, um ihm ... sanft die nicht verletzte Hand an die nackte Brust zu legen. »Wir werden niemals wissen, wo wir nach dem Tod landen. Was wir uns wünschen und wonach wir streben, ist die eine Sache. Aber in der Hand haben wir es niemals. Umso wichtiger ist unser Glaube, er spendet uns Hoffnung. Und das kann er weiterhin tun und dafür braucht es kein Ritual. Ich bleibe dabei, die Götter werden es in unseren Herzen sehen, wenn es es so weit ist. Aber wir haben noch genug Zeit in dieser Welt, die wir nutzen sollten, um eine Zukunft aufzubauen, die uns gehört ...« Und wenn Virgils Glaube an die nordischen Götter dabei immer fester und fester wurde, war das gut, aber kein Muss. War es nie gewesen.

@Virgil Chadburn

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#175

RE: Schlafzimmer von Leif

19.12.2022 20:49
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Natürlich wollte Virgil bleiben! Daran hatte es doch niemals einen Zweifel gegeben. Zumindest für ihn nicht. Er hatte eher Angst davor, man würde ihn verstoßen, weil er nun nicht länger würdig war. Er spürte ja förmlich die Enttäuschung der Götter…. genau wie auch.. Leifs? Das wusste er nicht so genau. Manchmal war es so unglaublich schwer den Isländer einzuschätzen. Wahrscheinlich war es einfach das, was Virgil glauben wollte oder hinein interpretierte, weil er selbst so enttäuscht von sich war. Und er deshalb verstehen könnte, wenn Leif ebenfalls so fühlte.
Das er nur deshalb die Sache mit dem Blut machte, um seine Seele doch noch zu retten oder gemeinsam mit ihm im Fegefeuer zu brennen. Jedenfalls verängstigte die Geste ihn eher, als das sie ihn freute. Denn er hatte panische Angst davor, Schuld daran zu sein, wenn Leifs Götter sich von ihm nun ebenfalls abwandten. Das wäre die schlimmste Strafe überhaupt für ihn.
Er konnte gerade nicht klar denken, wusste nicht, wie er die Botschaften der Götter zu deuten hatte. Das Leif ihm jedoch überhaupt die Option darlegte alleine fort zu segeln… zurück in sein altes Leben.. die versetzte ihm einen schweren Stich ins Herz! Denn das wollte er nicht. Und er hoffte, dass die Götter ihn durch diese Geste nicht dazu aufforderten und er wirklich noch die Möglichkeit hatte zu wählen.
Denn das tat er! Und zwar aus voller Überzeugung, die er Leif auch sofort mitteilte. In der Hoffnung, er wäre nun nicht so enttäuscht, dass er ihn selbst nicht mehr bei sich wissen wollte. Womöglich sollte Virgil gehen? Um Leifs Stand nicht zu gefährden? Aber dann hätte er doch das mit dem Blut nicht getan. Nein… nein, er würde sich nicht fortjagen lassen. Er würde bleiben und kämpfen! So wie ein Wikinger es tat. Kämpfen für ihre Beziehung. Denn die war im Endeffekt das einzig Wichtige. Nicht das Leben nach dem Tod.. sondern das Leben im Hier und Jetzt. Und dieses Leben wollte er an Leifs Seite führen.
Weswegen auch endlich wieder Entschlossenheit in seine Gesichtszüge zurück kehrte und die Verzweiflung und Angst in den Hintergrund rückte.
„Du hattest von Anfang an Recht. Ich habe mich in… Ängsten und Sorgen verloren und dabei ganz aus den Augen verloren, worum es im Leben eigentlich geht.“
Er legte seine Hand auf die von Leif, welche auf seiner Brust ruhte.
„Ich bin wer ich bin und.. vielleicht wird es mir niemals möglich sein mich gänzlich von meinen früheren Werten und Prinzipien loszulösen. Aber.. vielleicht muss ich das auch gar nicht. Wer sagt, dass Wikinger nicht ebenfalls Mitgefühl und Nächstenliebe empfinden dürfen? Das bedeutet schließlich nicht, dass ich die Werte der nordischen Götter deswegen weniger wertschätze. Ich möchte trotzdem nach ihnen leben und ihnen beweisen, dass ich würdig bin in ihre Reihen aufgenommen zu werden. Wenn sie das nicht erkennen dann… sind sie vielleicht genauso engstirnig wie ‚mein‘ Gott.“
Es hatte wohl kurz gedauert bis Virgil wieder bei klarem Verstand war. Aber jetzt hatte er das Gefühl… deutlicher denn je zu sehen.
Weswegen er nun etwas Abstand nahm und seine Hand nach Leif ausstreckte mit den Worten
„Wenn ich wohin segle… dann nur mit dir an meiner Seite“
In den Sonnenuntergang oder wohin auch immer ihr Schicksal sie hinführen würde.
„Wollen wir?“
Fragte er mit einem Lächeln im Gesicht, das sanfter nicht sein konnte. Selbst wenn überall Blut an seinem Körper klebte, so erkannte Leif hoffentlich trotzdem Virgils Sanftmut und Entschlossenheit dahinter.

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?

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#176

RE: Schlafzimmer von Leif

19.12.2022 21:29
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif war auf keinen Fall enttäuscht von Virgil und er glaubte auch nicht, dass die Götter es waren. Letztlich hatte dieses Ritual schon einen Sinn erfüllt, auch wenn es nicht der war, den sie sich gewünscht hatten. Leif fürchtete jetzt nur, Virgils Gedanken würden in eine andere Richtung gehen und er würde sich vielleicht gänzlich von Odin abwenden und womöglich auch von ihm. Gefühle zu zeigen war für den Isländer nicht immer einfach, weswegen es seinem Partner wohl immer noch schwerfiel, ihn einzuschätzen. Zumal der nordische Glaube manchmal für ihn sicher nach wie vor nicht recht zu greifen war. Leif vermischte ihr Blut instinktiv bei dem Ritual miteinander und empfand es als wertschätzende Geste, ebenso wie die Götter. Virgil hingegen schreckte es ab.
Wenn Leif nicht gerade der Dunkelheit erlag, war er ein sehr kontrollierter und ruhiger Mensch und das strahlte er auch jetzt aus. Er wartete Virgils Urteil ab und versuchte, mit ihm die Zeichen der Götter zu deuten. Der Rabe hatte sie zum Ufer geführt, an dem kurze Zeit später Leifs Boot angeschwemmt wurde. Eindeutiger ging es eigentlich nicht. Virgil besaß eine Wahl, er musste sie nur treffen. Nur für sich allein, ohne dass Leif intervenierte – so gern er ihn auch anbetteln würde, nicht zu gehen.

Der Waliser wollte bleiben. Erleichterung durchflutete Leifs Herz und er musste jetzt einfach den Abstand zwischen ihnen überbrücken. Ihre Hände berührten sich und das war in diesem Moment inniger als jeder Kuss. »Du musst dich nicht um hundertachtzig Grad drehen, um ein Wikinger zu sein. Die Geschichte hat ein falsches Bild unserer Kultur gemalt. Mitgefühl und Nächstenliebe spielt auch bei uns eine Rolle.« Sonst wäre die Sippe nicht so wichtig. Sonst würde sich doch jeder selbst der Nächste sein. Und das war es nicht, was Leif ausmachte. Er war auch kein bluttrinkender Krieger, der nur den Kampf im Kopf hatte und im Sturm Odin und Thor anbrüllte. Nein, er war nur ein einfacher Fischer, der manchmal in der Dunkelheit verloren ging.
Ihre Zukunft blieb miteinander verwoben und endlich waren sie sich einig darüber, dass Virgil kein Ritual brauchte, um seinem Weg zu folgen. Aber das Boot ... das schaukelte immer noch abwartend im Wasser. Krächzend ließ sich der Rabe darauf nieder und hüpfte auf und ab.
Auf Virgils Aufforderung hin nickte Leif und folgte ihm in das Boot, das er seit dem Unfall nicht mehr betreten hatte. Es fühlte sich an wie Heimkommen. Sie nahmen die Ruder und segelten in Richtung Festland. Auch das war erneut inniger als ein Kuss es in diesem Moment jemals sein könnte.

Eigentlich war es ja ziemlich unvernünftig was sie gerade taten. xD Sie trugen nichts am Leib außer einfache Kleidung. Virgil hatte sein Oberteil am Ritualplatz gelassen. Wie gut, dass Leif in einigen Fässern am einen Ende des Boots immer Ersatzkleidung und ein paar Vorräte versteckt hatte. Auch Waffen. Zum Glück war davon bei Virgils Rettungsaktion nichts über Bord gegangen oder von der Fackel berührt und entflammt worden.
Doch wenn die Götter einem den Weg zeigten, sollte man ihnen vertrauen und folgen. Also legten Leif und Virgil ihr Leben erneut in die Hände von Odin und Co und ließen sich ... treiben. Am Festland angekommen flog der Rabe voraus. Irgendwann verloren sie ihn, gingen aber weiter in die Richtung, in der sie ihn zuletzt gesehen hatten. Bis sie auf eine riesige und idyllische Lichtung kamen. Der Schneefall hatte alles in ein wunderschönes Weiß getaucht, aber an manche Stellen, wo die Flocken es nicht durch die Baumkronen geschafft hatten, streckte sich feuchtgrünes Gras empor. Außerdem waren drei Ringe zu sehen, die aus Pilzen bestanden. Feenringe. Hierhin hatte sie der Rabe also geführt. Leif war sich sicher, das kleine Volk brauchte ihre Hilfe, um über den Winter zu kommen. Weswegen sie einige der Vorräte hier ließen und ein kleines Gebet sprachen. Außerdem versprachen sie, die kalten Monate über mit kleinen Gaben regelmäßig wiederzukommen.

@Virgil Chadburn

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#177

RE: Schlafzimmer von Leif

19.12.2022 21:55
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Ein bisschen hatte Virgil ja schon gehofft, dass Leif ihn diesmal nicht einfach so sang und klanglos ziehen lassen würde. Dass er versuchte… für ihn zu kämpfen. Damals hatte er das schließlich auch nicht gewollt und war nicht mit dieser Intention zu seiner Gemeinde gekommen. Aber so weit kam es gar nicht erst. Virgil hatte nämlich nicht vor ihn zu verlassen. Und die Art und Weise wie er ihr Blut miteinander verbunden hatte, war eigentlich Liebesbeweis genug. Weshalb ihre Herzen sich endlich wieder vereinten und sie gemeinsam in den Sonnenuntergang segeln konnten.
Gerade wollte er weder nachdenken wohin oder was das alles für sie bedeutete. Er hatte immer noch das Gefühl versagt zu haben, wollte aber dennoch nach vorne sehen. Im hier und jetzt leben.. und jeden Atemzug gemeinsam mit Leif genießen.
Sich etwas Kleidung über zu ziehen wäre trotzdem sinnvoll. Denn es war Winter und er wollte keine Lungenentzündung riskieren.
Ein bisschen beschämt zeigte Virgil Leif die Stelle, an welcher die Fackel sein kostbares Boot beschädigt hatte. Und ihm lief ein Schauer über den Rücken. Für Virgil war dieses Erlebnis vielleicht traumatisierender gewesen als für Leif. Wie er ihn nicht gefunden und überall gesucht hatte… wie groß die Panik in seinem Herzen gewesen war. Er wollte nicht mehr daran denken, weshalb er sich dicht an seinen Partner schmiegte, während sie über den Ozean trieben. Diesmal gab es kein wildes Rumgeknutsche und sie würden sehr viel wachsamer sein. Nicht mehr so leichtfertig über Bord gehen..
Dennoch hatte Virgil keine Angst auf dem Wasser… das durfte er einfach nicht. Wusch sich damit sogar das Blut ein bisschen vom Körper damit er nicht gar so beängstigend aussah und hielt dann einfach nur Leifs blutige Hand, bis sie irgendwo ankamen.

Was sie dort fanden.. sagte Virgil noch nicht wahnsinnig viel. Sie hatten zwar bereits über Götter und dergleichen gesprochen und Leif auch dabei erwischt, wie er mit irgendwelchen Wesen auf einer Licht kommuniziert hatte.. doch vertieft hatten sie dieses Thema bisher noch nicht. Weshalb es jetzt an der Zeit dafür war. Ob Virgil auch daran glaubte? Das wusste er nicht so Recht. Aber er fand es schön einfach immer wieder Ausflüge mit Leif zu unternehmen und diese kleinen Rituale durchzuführen.
Vor allem weil die Gaben stets fort waren, wenn sie ein paar Tage später wieder kamen! Also entweder wusste jemand von dieser Lichtung.. oder die Feen und Kobolde hatten sich die Geschenke tatsächlich geschnappt. 
eigentlich ziemlich unvernünftig immer wieder dorthin zurück zu kehren, wo jemand sich an ihren Gaben bereicherte. Aber naja.. er wollte sein Herz dem nordischen Glauben weiterhin öffnen und vor allem kein Feigling sein.
Er hatte auch damit begonnen in der Arena zu kämpfen, noch viel mehr zu trainieren und seinen Körper zu stählen. Selbst mit Agron und Auron hatte er schon mal trainiert. Nachdem sie endlich den Mut gefunden hatten, mit der kleinen Familie zu sprechen. Er wollte härter werden. Nur für den Fall der Fälle. Und natürlich nach wie vor, um den Göttern zu beweisen, dass er ein würdiger Wikinger war.

Heute jedoch machten sie wieder einen Ausflug an die Lichtung. Sie hatten besonders leckeres Brot dabei, sogar ein bisschen Honigwein und etwas Gemüse. Das würde den kleinen feenartigen Wesen bestimmt schmecken.
Wie immer hielten sie ein kleines Gebet ab, ehe sie die Gaben ablegten und sich danach wieder zurück in Richtung Boot begaben.
Als sie schon fast wieder zurück am Wasser waren bemerkte Virgil jedoch plötzlich, dass er eine Kleinigkeit vergessen hatte! Er hatte noch einen kleinen Anhänger geschnitzt, den er den Elfen schenken wollte. Weshalb er Leif bat noch einmal umzukehren.
Womit sie jedoch nicht rechneten war es….. einen sehr großen Kobold dort vorzufinden. Rothaarig, eine imposante Erscheinung, der gerade genüsslich mampfend das Brot in sich rein stopfte und mit Honigwein nachspülte. Das war ein Festmahl!
Ronan war immerhin kein Trottel, er hatte begonnen die Lichtung zu beobachten nachdem dort immer wieder Sachen aufgetaucht waren. Und erfreute sich seither daran die Leckereien dieser Trottel zu verspeisen.
Sein Volk glaubte zwar auch an mythische Wesen…. aber schlussendlich war Ronan sich selbst der nächste. Packte vielleicht ein paar Krümel auch für Jay mit ein. Doch die leckersten Sachen verspeiste er gleich hier auf der Lichtung.

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?

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#178

RE: Schlafzimmer von Leif

19.12.2022 22:31
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Hey – Leif hatte durchaus für Virgil und ihre Beziehung gekämpft! xD Vielleicht nicht mit Äxten und Fäusten, aber durchaus mit Worten. Nur war er überhaupt nicht zu dem Christen durchgedrungen, egal, was er gesagt oder wie sehr er ihn beschworen hatte, ihn und nicht ein Leben voller Lügen zu wählen. Sodass er sich gezwungen gesehen hatte, bei seiner Hochzeit Abschied von ihm zu nehmen.
Und jetzt? Erst vor wenigen Stunden hatte er Virgil versprochen, seine Entscheidungen zu akzeptieren. Bis hierhin hatte er das auch geschafft. Aber nur weil er nun still und abwartend hier verharrte, bis sein Partner ihm sein Urteil verkündete, bedeutete dies nicht, dass er es nicht infrage stellen würde. Die Götter mochten Virgil ja die Wahl lassen, aber Leif hatte da trotzdem noch ein Wörtchen mitzureden. Ob es wieder schiefgegangen wäre, so wie damals ... das mussten sie ein Glück nicht herausfinden. Denn Virgil entschied sich, zu bleiben und weiterhin dem Christentum und seiner alten Gemeinde den Rücken zu kehren.

Gemeinsam stiegen sie in das Boot und ließen sich vom Schicksal treiben. Natürlich versetzte es Leif einen Stich, die verkohlte Stelle zu sehen, doch die würden sie schon wieder auf Vordermann bringen. Ein wenig verstärken, anpinseln und vielleicht etwas Hübsches hineinschnitzen. Schutzrunen konnte es nie genug geben.
In stillem Einklang blieben sie artig und beließen es bei Kuscheln und dem Schenken von Wärme und Nähe. Sie wagten es ja nicht mal sich zu küssen, denn wenn sie damit erst mal anfingen, gab es doch kein Halten mehr. Zumal sie gerade eine sehr lange Zeit ohne solcher Intimität hinter sich hatten.

Diese musste auch weiterhin warten. Denn sie fanden eine verwunschene Lichtung und Leif war sich absolut sicher, dass hier das kleine Volk der Feen hauste. An einem ähnlichen Ort hatte er zum ersten Mal Virgil getroffen. Weswegen es ihm sehr viel bedeutete und er einiges hinein interpretierte, weil der Rabe sie hierher geführt hatte. Sie kehrten mehr oder weniger zurück zu ihren Wurzeln. Die nächsten Wochen gestalten sich daher stets sehr ähnlich. Alle paar Tage packten sie ihren Kram und fuhren mit dem Boot raus, um dann auf dem Festland weiter zur Lichtung zu wandern. Leif erzählte Virgil Geschichten seiner Götter, denn im Grunde war sein Glaube genau das – eine Sammlung an Geschichten mit Archetypen, mit denen man sich identifieren konnte. Odin, Thor, Baldur, Loki, Freya ... sie alle besaßen wichtige Rollen. Und Leif und Virgil hatten das nun sehr lang nicht mehr getan. Über sie gesprochen und diskutiert oder sich einfach an ihren Erlebnissen erfreut. Den Anfang ihrer Beziehung hatte das noch ausgemacht, doch bei allem anderen was passiert war, hatten sie diese Tradition verloren. Umso schöner war es, sie wiederzuerlangen und dabei noch den Feen über den Winter zu helfen.

Für den heutigen Ausflug hatten sie Nasir und Agron was von ihrem kostbaren Fladen abgequatscht. xD Was vermutlich nur gelungen war, weil sich Virgil mit seinen Leistungen in der Arena einen guten Ruf aufgebaut hatte. Und weil Nasir einfach zu lieb war, um Nein zu sagen. xD
Das Brot legten die beiden Wikinger am üblichen Ort ab, mussten dann aber noch einmal zum Boot und zurück, weil Virgil den schönen Anhänger vergessen hatten, den er extra geschnitzt hatte. Gesagt getan. Wenig später näherten sie sich erneut der Feenwohnstätte. Nur um zu erkennen, dass sich da ein riesiger ... Troll niedergelassen hatte, der all die leckeren Gaben mampfte.
Entgegen aller Vernunft stapfte Leif auf den Rotschopf zu. »Hey, das ist nicht für dich bestimmt!« Den Feen ihre Nahrung wegzunehmen und diesen Ort zu entweihen, war wirklich zu viel. Und mit einem einzelnen Überlebenden, den sie zurechtstutzen mussten, würden sie hoffentlich klarkommen. Leif suchte ja keinen Streit. Er wollte den Troll nur höflich bitten, zu gehen. xD

@Virgil Chadburn

CUT - Geht weiter in den Wäldern

zuletzt bearbeitet 19.12.2022 22:52 | nach oben springen


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