Die Luft war schwer von der aufkommenden Sommerhitze, und selbst im Schatten der Bäume konnte Michonne die drückende Wärme spüren, die den Frühling endgültig vertrieben hatte. Das Unterholz knirschte leise unter ihren Stiefeln, und der Duft von feuchtem Moos und blühenden Pflanzen vermischte sich mit dem metallischen Geruch ihres eigenen Blutes. Sie presste eine Hand fest gegen ihre Seite, spürte die warme Flüssigkeit, die zwischen ihren Fingern hervorquoll, und biss die Zähne zusammen, um den Schmerz zu ignorieren. Es war ein tiefer Schnitt, den sie sich auf unglückliche Weise zugezogen hatte, als sie einem Streuner ausweichen musste, der überraschend aus den Büschen gesprungen war.
Das vertraute Gewicht ihres Katanas an ihrer Hüfte war nun weniger ein beruhigendes Gefühl, sondern eine Erinnerung an die drohende Gefahr. Doch sie hatte sich verteidigt, den Angreifer mit einem schnellen Hieb ausgeschaltet, bevor er ihr ernsthaften Schaden zufügen konnte. Aber es war nicht schnell genug gewesen, um unversehrt davonzukommen. Der Schmerz pochte rhythmisch in ihrem Körper, jeder Schritt eine Qual, aber sie wusste, dass sie nicht stehenbleiben durfte. Der Wald um sie herum war still, bis auf das gelegentliche Rauschen der Blätter, die sanft im warmen Wind schwankten. Die Ruhe war trügerisch, ein dünner Schleier über einer Welt, die immer noch von Gefahren durchzogen war. Michonne atmete schwer, ihr Blick suchte verzweifelt nach einem Unterschlupf oder einem sicheren Ort, an dem sie sich kurz ausruhen konnte. Aber die Bäume schienen sich unbarmherzig zu verengen, das Licht der Sonne, das durch die dichten Kronen drang, warf lange Schatten auf den unebenen Boden.
Sie zwang sich weiter, Schritt für Schritt, ihre Atmung flach und kontrolliert, um die Schmerzwelle zu unterdrücken, die bei jedem Auftreten durch ihren Körper raste. Ihr Kopf war benommen, und sie spürte, wie die Erschöpfung an ihr zog, wie ein unsichtbares Gewicht, das sie zu Boden drängen wollte. Sie wusste, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde, wenn sie nicht bald Hilfe fand.
Plötzlich blieb sie stehen, ihre Augen weiteten sich, als sie ein Geräusch in der Ferne vernahm – das Knacken eines Zweiges, das Rascheln von Blättern, das nicht von ihr kam. Jemand war in ihrer Nähe. Sie versuchte, sich zu konzentrieren, den Schmerz zu ignorieren und ihre Sinne zu schärfen. Die Stille, die darauf folgte, war beinahe unerträglich, als sie versuchte, das Geräusch einzuordnen. Ein Tier? Oder… ein Mensch?
Michonne tastete nach dem Griff ihres Katanas, auch wenn sie wusste, dass sie in ihrem Zustand kaum in der Lage sein würde, sich ernsthaft zu verteidigen. Sie konnte das Adrenalin spüren, das in ihren Adern pochte, den Instinkt, zu überleben, der trotz allem nicht erloschen war. Doch dann, in der Ferne, hörte sie Schritte – schwer und eilig, als ob jemand sich beeilte, zu ihr zu gelangen.
Sie blieb stehen, ihr Atem stockte, als die Schritte näher kamen. Sie wollte sich umdrehen, das Gesicht dessen sehen, der auf sie zukam, aber ihre Beine zitterten unter der Anstrengung, und sie musste sich gegen einen Baum lehnen, um nicht umzukippen. Ihr Blick verschwamm, das Rauschen des Blutes in ihren Ohren übertönte fast alles andere.
Dann, im letzten Moment, bevor sie das Bewusstsein verlor, spürte sie eine Präsenz, spürte, dass sie nicht mehr allein war. Jemand war bei ihr, und sie konnte nur hoffen, dass es jemand war, dem sie vertrauen konnte und der nicht die Gunst der Stunde nutzen würde um sie aus dem Weg zu räumen... denn da, erinnerte sie sich, gab es wahrscheinlich doch Einige.
@Nano West