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WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
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01.01.26 Frohes neues Jahr!
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Floyd Webber, Scarlet Rainthworth, Daryl Dixon und Duo Maxwell sind die Admins im Forum. Scar und Duo bilden die Front, während sie von Floyd und Daryl im Hintergrund unterstützt werden. Grafik und Design stammt von Daryl Dixon <3
Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
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THE DEAD DON’T DIE
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@Dinah Anderson
Natürlich wollte die junge Frau ihr Funkgerät zurück. Doch die Gründe waren wohl kaum sentimentaler Natur, auch wenn ihre bittende Stimme einen emotionalen Unterton bekam.
Sie erklärte, dass er nur Schrott in seinen Händen hielt und vergeblich auf die Knöpfe drückte, weil es nicht mehr funktionierte. Das fand er aber auch alleine heraus, denn das Gerät war wirklich nicht funktionstüchtig. Floyd sah vom Funkgerät kurz auf und warf Dinah einen misstrauischen Blick zu. Sie hatte sich bei ihrem ersten Aufeinandertreffen als völlig harmlos dargestellt. Sie hatte ihn sogar mit einer Essenseinladung geködert und Floyd hatte sich davon blenden lassen. Er war auf ihre unschuldige Art hereingefallen und er hatte es verpasst, sie auszufragen.
Andererseits wirkte sie gerade so verzweifelt, dass er ihr tatsächlich keine boshaften Absichten mehr unterstellen konnte und wollte. Sie war von ihrer Gruppe wohl wirklich abgetrieben und befand sich jetzt in einer äusserst unangenehmen, einsamen Lage. Vielleicht hatte sie ihn schon länger beobachtet, bevor sie sich überhaupt getraut hatte, sich ihm zu zeigen.
Floyd ging kurz ein paar Möglichkeiten durch, doch sie stoppte seine Gedankengänge, wie und ob er ihr vertrauen konnte. Unerwartet warf sie sich mit ihrem gesamten Körper auf ihn, so dass Floyd nicht schnell genug reagieren konnte. Er fiel mit einem hörbaren Atemausstoss rücklings ins Gras, riss den Arm zur Seite und wollte sie daran hindern, das Funkgerät an sich zu nehmen. Trotzdem unterlag er kurze Zeit später der Rangelei und er spürte, dass ihre Hand das Funkgerät erreicht hatte. Floyd wusste allerdings in dieser Situation selbst nicht, warum er es ihr nicht einfach zurückgab. Es lag wohl an der Situation selbst. Die Fremde wollte etwas, was er von ihr erobert hatte, und er wollte es schlicht und ergreifend gerade nicht zurückgeben. Anfangen konnte er selbst mit einem Funkgerät nämlich gar nichts und er benötigte auch keine Ersatzteile davon.
"Geh von mir runter!", befahl er knurrend. Er versuchte sich mitsamt Dinah auf sich umzudrehen, doch das gelang ihm nicht. Stattdessen merkte er mit einem Mal, dass das Funkgerät nicht mehr in seiner Hand lag und Dinah mit ihrer Rangelei auf ihm abrupt endete. Ihr ungläubiges 'Nein' liess ihn in seiner Bewegung erstarren und er folgte ihrem Blick zum kleinen Gerät, welches man nur dank des Feuerscheins überhaupt in der Wiese ausmachen konnte. Es sah malträtiert aus.
Dinah war aber wieder schneller. Sie liess von ihm ab, schlug dabei – unabsichtlich – ihren Ellbogen gegen sein Kinn, so dass Floyd keuchend den Kopf auf die andere Seite drehte, und dann bewegte sie sich gänzlich von ihm fort.
Ihre Ungläubigkeit wandelte sich in wütende Verzweiflung. Floyd hörte ihre Worte und setzte sich auf, wobei er mit seinen Fingern nach seinem Kinn tastete. Erst ihre wütende Frage liess ihn den Kopf zu ihr drehen und er zog seine Beine locker an. Er hatte schon verdammt lange keine derartige Rangelei mehr gehabt, schon gar nicht mit einer Frau, die er unterschätzt hatte.
Ohne ihr zu antworten, begann er den Schnürsenkel seines rechten Stiefels neu zu binden. Es brachte auch nichts. Sie war sauer und würde gar nicht zuhören. Und Floyd war ungewöhnlich ruhig. Frauen hatte er im Prinzip nicht geschlagen, aber es war in den letzten Jahren durchaus vorgekommen. Hier draussen war sich jeder selbst der Nächste und was tagsüber niedlich lächelte, konnte nachts die furchtbarste Fratze haben.
"Es is' nur ein blödes Funkgerät!", maulte er auf einmal los und ging dann in die Hocke. "Ich habe dich gefragt, was du damit vorhast. Du warst es doch, der sich wie ein Bär auf mich gestürzt hat. Dass das Teil kaputt ist, ist deine schuld." Er schnaubte und rieb sich erneut das Kinn. Nur ein kleiner Haken mit dem Ellbogen, aber Floyd spürte den vorhin plötzlich ausgeübten Druck auf das Gewebe immer noch.
Tat sie ihm leid? Schwer zu sagen. Floyd hatte nicht beabsichtigt, das Funkgerät zu zerstören. Er hatte nur wissen wollen, was sie damit vorhatte. Das hatte sie ihm aber nicht so ohne weiteres beantworten wollen. So kam eins nach dem anderen und jetzt sass die junge Frau wohl vor einem Dilemma.
Floyd ging es nichts an. Er kannte sie nicht und er hatte nur etwas Nettigkeit gezeigt, als er sie mitessen und in seinem Zelt schlafen liess. Es durfte ihn überhaupt nicht interessieren, was sie dachte, wie es ihr erging und was sie nun vorhatte.
"Scheisse!", stimmte er schliesslich nach einigen Atemzügen später mit ein. Dann stand er auf, trat zu ihr und blieb neben ihr und den Teilen des Geräts stehen. "Geh schlafen! Wir reparieren das Ding morgen. Die Teile sind ziemlich schwer kaputtzukriegen, also gehe ich davon aus, dass man das Ding mit ein paar Ersatzteilen wieder zum Laufen bringen kann." Er wusste selbst nicht, was er hier tat. Warum er ihr helfen wollte (natürlich auf seine eher unfreundliche Art und Weise). Aber er konnte sie auch nicht ignorieren, schliesslich war sie bereits sein Gast.
"Und hier draussen ist jeder erst einmal dein Feind. Merk dir das, wenn du überleben willst." Damit machte er auf dem Absatz kehrt und lief zum Feuer. Er legte noch Holz in die Flamme und hatte dann vor, einmal um das Zelt zu laufen und den Spanndraht zu begutachten. Irgendwas musste er jetzt tun. Sich nämlich einfach wieder hinzusetzen, als hätte ihn diese Rangelei nicht aufgewühlt, war nicht sein Ding.
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zuletzt bearbeitet 05.08.2024 11:05 |
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Natürlich wehrte sich Floyd. Dinah hätte in dieser Situation wohl auch nicht anders reagiert wären die Rollen vertauscht gewesen. Nun die Dunkelhaarige hätte auch in vertauschten Rollen dem jungen Mann nicht einfach so etwas weggenommen. Es wäre wohl einfacher gewesen wenn Dinah einfach nur Floyd's Antwort abgewartet hätte und sich nicht wie ein Tier auf ihn gestürzt hätte. Ob Floyd ihr das Funkgerät einfach wieder gegeben hätte? 50/50. Aber die junge Frau konnte sich in dem Falle nicht auf irgendwelche möglichen 'Vielleicht' Situationen vetrauen. Nicht bei dem Funkgerät. Nicht bei dem einzigen Gerät, das die Frequenz von zu Hause bei sich trägt. Die Situation entwickelte sich, wie sie sich immer entwickelte wenn zwei Menschen sich um etwas stritten. Als das Funkgerät unsanft auf dem Boden aufgekommen war, war es vorbei gewesen. Das sie Floyd mit ihrem Ellenbogen am Kinn traf als sie hektisch von ihm runter krabbelte war tatsächlich unbeabsichtigt. Sie hatte gewiss nicht die Absicht gehabt ihm eine zu verpassen. Sie wollte nur das Funkgerät haben. Und wäre Dinah jetzt in keinem emotionalen Ausnahmezustand und wäre die Situation eine andere hätte es ihr natürlich direkt Leid getan und sie hätte sich umgehend entschuldigt. So war das Funkgerät aber ihre erste und einzige Priorität über das sie sich kauerte als wäre gerade jemand verstorben. Das Floyd sich hinter ihr bereits wieder aufrappelte bekam sie gar nicht erst mit. Seine Worte waren jedenfalls nicht deeskalierend und hilfreich in ihren Ohren gewesen. „Nur ein blödes Funkgerät?! Hast du überhaupt eine Ahnung was du angerichtet hast? Sind dir Konsequenzen wirklich so scheißegal?“ gab sie ihm nur in der selben Stimmung zurück während sie die einzelnen Kleinteile aufsammelte während sie sich versuchte einzureden das alles wieder gut werden würde. Alles würde am Ende gut werden. Die Kleinteile wieder einschrauben. Eine gebogene Antenne war gewiss kein Weltuntergang. Und hoffen dass das Funkgerät immer noch dieses hoffnungslose Rauschen von sich gab weil diese Umgebung absolut keine beschissene Funkverbindung besaß. Und dann würde sie diesen blöden Funkturm finden, irgendwas was ihr Funkgerät verstärkt und dann als allererstes ihre Schwester an funken Das Wunschdenken beruhigte Dinah innerlich langsam, änderte dennoch nichts an der Situation das sie sauer auf Floyd gewesen war. „Wie ein Bär?“ sprach sie dann entsetzt und drehte sich zu ihm um. „Vielleicht solltest du erst mal lernen das man sich nicht einfach etwas nimmt was einem nicht gehört und vor allem das man es zurückgibt wenn die Person höflich darum bittet!“ Dinah sah sich um und ihre Hand griff nach dem Löffel von Floyds Besteck. „Siehst du ich hab deinen … ähm Löffel!“ blickte sie ihn bestimmend an. „Ist kein tolles Gefühl was?“ warf sie ihm den Löffel dann natürlich wieder zurück. Es ging ihr ums Prinzip. Dinah wandte sich wieder ab, sammelte weiter die Kleinteile auf und nahm den Rest des Funkgerätes in die andere Hand. Sie stand im selben Moment auf als der junge Mann wieder sprach. Diesmal in einem deutlichen versöhnlichen Gemüt. Oder Dinah bildete es sich nur ein. „Ich werde mein Funkgerät reparieren.“ entgegnete sie nur knapp auf seine Aussage das sie doch wieder schlafen gehen sollte. Auch wenn Floyd mit einer Sache Recht hatte. Stabil war es auf jeden Fall gewesen. Schließlich hatte es das Flusswasser überlebt. Dennoch ist es jetzt schon das zweite Mal, das es fast kaputt gegangen wäre. Die Dunkelhaarige wollte ganz gewiss nicht ihr Glück strapazieren. Manche würden es vielleicht auch als Zeichen sehen das es Dinah vielleicht ihr zu Hause nicht mehr vergönnt wäre, nach dem das Schicksal nun schon ein zweites Mal versucht hatte ihr das Wichtigste zu nehmen. Wäre die junge Frau zynisch, würde sie das womöglich denken. So ging sie nur an dem jungen Mann vorbei, blieb aber einen kurzen Moment stehen bei seinen Worten. „Nur weil du so bist wie du bist. Müssen das andere nicht sein.“ Dann ließ sich die Dunkelhaarige wieder am Lagerfeuer nieder, holte aus ihrem Rucksack ihr kleines, angesammeltes Werkzeug heraus und fing an die einzelnen, benutzbaren Kleinteile wieder einzuschrauben. Das Dinah offenbar deutlich geschickt darin war und das Ganze nicht zum ersten Mal tat, sah man an ihren Handbewegungen. „Tut mir Leid.“ sprach sie nach kurzer Zeit ohne ihn anzusehen. „Wegen deinem Kinn. Ich wollte dir keine verpassen – auch wenn du es vielleicht verdient hättest.“
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Er mochte ihre laute Stimme nicht. Sie klang verärgert und verzweifelt, vielleicht sogar ein wenig panisch. Floyd war allerdings froh, dass seinem Gast die plärrende, kreischende Komponente fehlte, die seine Ohren klingeln liess. Wer so lange draussen in der Natur lebte und längst ein Teil davon geworden war, reagierte auf Lärm ganz anders als jene, die das Geschnatter, Gelächter und Gejaule von Menschen gewohnt waren. Abgesehen davon zog Lärm auch immer Beisser oder neugierige Leute an.
Floyd sah kurz um sich. Es war dunkel und das Licht des Nachthimmels brachte wenig zum Vorschein. Auch die Flamme des Feuers tänzelte in einem viel zu kleinen Umkreis vor sich hin. Aber instinktiv spürte er keine Gefahr. Es war ruhig und weder ihr kurzes Gezanke noch die erhobenen Stimmen hatten irgendwen angelockt.
Dass Dinah so reagierte, war allerdings nicht überraschend. Er hatte ihr ein Funkgerät aus den Händen gerissen und jetzt sammelte sie die Komponenten davon auf. Floyd in ihrer Situation hätte ganz anders reagiert. Er hätte wohl einen Wutausbruch erlitten und alles zerstört, was er mit seiner Eisenstange hätte treffen können. Dass die junge Frau nur laut und bissig geworden war, war letztendlich auch Glück für ihn. Auch sie hätte ihn kurzerhand ins Jenseits befördern können. Um das zu tun, musste man nämlich weder stark noch männlich sein. Es reichte ein gezielter Hieb.
Dinah erteilte ihm eine Moralpredigt, was Floyd zu ignorieren versuchte, in dem er sie nicht ansah. Aber überhören konnte er ihren Vorwurf nicht. Sie hatte sicherlich recht, es war kein feiner Schachzug von ihm gewesen. Aber, verdammt nochmal, sie waren nicht mehr in einer heilen Welt, in welcher Anstand das Überleben sicherte!
"Höflich?" Er rümpfte die Nase. Sie hatte nicht höflich um die Rückgabe des Funkgeräts gebeten, sie hatte panisch geklungen und das hatte Floyd alarmiert. Es ging schliesslich auch um seine Haut und sie war es doch, die einfach so aus dem Nichts bei ihm aufgetaucht war.
Allerdings lenkten ihre Bewegungen seine Aufmerksamkeit wieder auf sie. Er sah zu, wie sie nach dem in der Schüssel liegenden Löffel griff und ihn triumphierend festhielt. Floyd glaubte im ersten Moment, sie wolle sich damit bewaffnen, doch ihre Worte passten nicht zu einem solchen Vorhaben. Wortlos starrte er sie an und sah zu, wie sie den Löffel wieder zurückwarf.
Gut, okay, sie wollte ihm eine Lektion erteilen, wollte ihn spüren lassen, wie es war, wenn einem etwas Wichtiges genommen wurde... Floyd blinzelte, dann zuckten seine Mundwinkel in die Breite, aber er presste kurz darauf die Lippen aufeinander, um ein Grinsen zu unterdrücken. Der verzweifelte Versuch von Dinah, ihm dasselbe anzutun, wie er ihr angetan hatte, war ihr gründlich misslungen. Aber die Art und Weise, wie sie es ihm heimzahlen wollte, kitzelte an seinem tief vergrabenen Humor. Das war einfach schräg – und lustig. Aber Floyd wollte das nicht zu offensichtlich zeigen. Sie hatte ihm damit aber den Wind aus den Segeln genommen. Das führte schlussendlich dazu, dass er sie nicht weiter ignorieren oder allein mit dem kaputten Gerät lassen wollte. Doch für grosse Massnahmen war es zu dunkel und auch viel zu spät. Sie sollten damit bis morgen warten.
Obwohl er ihr sagte, sie solle sich wieder hinlegen, hatte sie etwas anderes vor. Eine Trotzreaktion, oder auch, weil sie zu aufgewühlt war, um jetzt noch zu schlafen. Aber so erging es Floyd ja auch.
Und während er überlegte, an welcher Seite des kleinen Lagers er anfangen sollte, drehte er den Kopf in ihre Richtung, als sie auf seiner Höhe war und ihn ansprach. Was sie aber damit meinte, wusste er nicht. Er war, wie er war. Ob das nun gut oder schlecht war, konnte er nicht beurteilen. Aber es hatte ihm bisher das Überleben gesichert und ihn vor schlimmen Dingen bewahrt. Er war in Prügeleien geraten, hatte sich lautstark und mit Fäusten und Füssen verteidigen müssen, er hatte furchtbare Angst erlebt und war durch Pein und Scham gelaufen. Aber er hatte nie Folter erlebt. Nie hatte man ihn eingesperrt, nie hatte er absolut, furchtbare Gräueltaten mitangesehen – abgesehen von der Abschlachtung von Beissern. Floyd war all die Jahre über relativ glimpflich davongekommen und er glaubte, dass das durchaus auch an seiner Art und Weise, wie er lebte, agierte und sprach, lag. Aber ja, für zwischenmenschliche Beziehungen konnte sein Charakter sicherlich anstrengend sein.
Er zuckte nur mit den Schultern und ging dann ein paar Schritte weiter. Während sich Dinah am Lagerfeuer niederliess, ging Floyd vor einem Hering nieder, der den Spanndraht aufrechthielt. Dabei rieselten ihre Worte über seinen Nacken. Floyd hielt in seinen Bewegungen inne und lauschte auf die Geräusche um sich herum. Das Knacken des Feuers, die Bewegungen von textilen Stoffen und das sanfte Klackern der Teile des Funkgerätes.
"Kriegsverletzung. Nicht schlimm. Kommt vor.", antwortete er nach einer Weile trocken. Der Spanndraht war fest und stabil, es gab keinen Grund, sich länger damit zu beschäftigen. Trotzdem zögerte er eine Rückkehr zu Dinah hinaus. Er starrte auf die feuchte Wiese vor sich, lauschte weiter den Geräuschen, bis er sich wieder erhob und zum Feuer zurückkehrte. Floyd setzte sich wieder auf seine alte Stelle und liess die Arme über seine angewinkelten Beine hängen. Dabei beobachtete er sie dabei, wie sie sich mit dem Funkgerät beschäftigte. "Wartest du auf jemanden oder wartet jemand auf dich?" Er sprach leise und nickte zum Gerät in ihren Händen. Vielleicht war es an der Zeit, sie besser kennenzulernen. Das gelang allerdings nur, wenn Dinah mitmachen wollte und mehr von sich preisgab, als sie ursprünglich wollte.
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Floyd winkte ihre Entschuldigung nur ab, als wäre es keine große Sache gewesen. Für die Meisten war es das auch vielleicht nicht. Für Dinah allerdings schon. Ihre Antworte war eigentlich nie Gewalt gewesen. Sie schlug nicht einfach grundlos zu oder weil sie einfach wütend war. Es war aber auch nicht das erste Mal das dies passiert war. Da machte die Dunkelhaarige auch keinem was vor. Auch wenn es selten vorkam, wurde auch sie wütend und ärgerte sich. Sie musste daran denken, wie sie mal in einer Kurzschlussreaktion jemanden von ihrer Einheit geschlagen hatte. So richtig mit der Faust ins Gesicht. Das war schon lange her gewesen. Und Dinah wusste noch nicht mal mehr weshalb sie das getan hatte und die genauen Worte ihres Streites. Aber er hatte etwas über ihren Vater gesagt, was ihr ziemlich missfallen hatte. Dinah's heitere Art war mehr ihr Schutz vor all dem dadraußen, so wie Floyd's Isolation seine war. Der Unterschied lag nur daran, das die meisten Überlebenden mehr wie Floyd reagierten und weniger wie Dinah. Und etwas was man nicht kannte oder gängig in der Gesellschaft war, wurde schon immer den Krähen zum Fraß vorgeworfen. Jedenfalls nickte Dinah nur und ließ die Sache mit dem Schlag beruhen ehe sie sich weiter auf das Funkgerät konzentrierte. Der Draht wurde durch den Aufprall und die heraus fliegenden Teile verbogen. Ärgerlich aber es war nicht weiter schlimm. Den Draht konnte sie tatsächlich einfach ersetzen, wenn sie welchen fand. Nicht weit von ihr war eine kleine Siedlung und dort gab es einen kleinen, ehemaligen Elektronikladen. Wenn sie dort nicht das Passende fand würde sie sicherlich in der Cottage etwas dafür eintauschen können. Doch mitten in der Nacht aufzubrechen, war auch für die junge Frau eher eine Selbstmordaktion. Sie würde bis zum Morgengrauen warten. „Guter Wurf. Du hast den Draht komplett verbogen.“ murmelte sie nur und blickte kurz zu dem ehemaligen Fremden hinüber, der schon fast irgendwie wirkte als würde er sich eine Beschäftigung suchen, nur um nicht wieder in ihre Nähe zu kommen. „Nicht weit von hier, weiter östlich habe ich einen Laden gesehen, wo ich das wohl wieder richten kann. Jetzt hab ich wirklich keinen Grund auszuschlafen und du musst mich nicht länger ertragen. Also hatte die kleine Rangelei zwischen uns doch wohl auch was Gutes.“ grinste die Dunkelhaarige scherzhaft packte den Schraubenzieher weg, betrachtete das Gerät nochmal nach anderen möglichen Fehlern und Macken. Dinah hob den Blick etwas von dem Gerät zwischen ihren Händen bei Floyd's Frage. Die persönliche Frage klang schon fast ungewohnt aus seinem Mund. Vielleicht war er aber auch nicht ganz der harte Hund, den er vorgab zu sein und hatte jetzt ein schlechtes Gewissen. Ihr Blick flog flüchtig zu ihm für einen Moment als würde sie versuchen zu erkennen ob er sich wegen der ganzen Situation nun schlecht fühlte. Aber der ehemalige Fremde blieb unleserlich wie immer. Dinah's Menschenkenntnisse waren auch eher einfach und naiv. Die meiste Zeit interpretierte sie sowieso etwas herein was womöglich nicht richtig war. „Beides, würde ich sagen.“ Es war schließlich nicht gelogen. So wie Dinah ihre Einheit suchte, suchten diese wahrscheinlich nach ihr. Jedenfalls wollte die Dunkelhaarige das glauben. „Ich hab meine Leute verloren und jetzt suche ich sie. Aber ich bin mir sicher das ich sie bald finden werde. Hiermit wäre es eben einfacher.“ deutete sie mit ihren Worten auf das Funkgerät. Es war nicht so das Dinah irgendein Funkgerät nehmen konnte. Sie brauchte genau das. Denn darauf waren die Koordinaten des Funkkanals eingespeichert. Niemand wusste sie, bis auf Wenige der Gemeinschaft. Damit ging die FONA sicher das keine fremde Ohren mithörten oder Fremde auf sie aufmerksam wurden. Im Fall von Dinah eher kontraproduktiv. Aber der Hintergedanke dahinter klug. „Ich hoffe es jedenfalls. Ich vermisse wirklich das Essen von zu Hause und die Leute...“ sprach Dinah einen kurzen Moment nachdenklich. „Nimm es mir nicht übel aber die Meisten hier sind ziemliche Arschlöcher.“ schmunzelte sie und befestigte das Funkgerät wieder an ihrem Gürtel. Die Dunkelhaarige atmete schließlich auf und blickte einen Moment in die tänzelnde Flammen ehe sie fragte „Und was ist mir dir?“ wollte sie nun auch wissen. „Bist du auch verloren gegangen oder suchst du nach jemanden? Eltern? Geschwister? Verrückte Ex-Freundin? … Verrückter Ex-Freund?“ zuckte Dinah mit den Schultern. Für sie war das eh alles gleich, sie wurde so erzogen und machte da keinen Unterschied und empfand es als Normalität, was es schließlich auch war.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Immer wieder sagten zufällige Bekanntschaften, die eine Nacht, vielleicht auch ein, zwei Tage andauerten, dass er sie nicht mehr länger ertragen musste. Auch jetzt stöhnte er innerlich darüber genervt auf und rollte mit den Augen. Wie kamen all die Leute ständig auf die Ideen, er müsste ihre Anwesenheiten ertragen? Aber als Floyd zum Feuer zurückkehrte, machte ihn dieser Gedanke nachdenklich. Ihm war bewusst, dass er Überlebende nicht sehr nett behandelte. Er sah in ihnen in erster Linie eine Gefahr. Nicht unbedingt für sein Leben. Aber die Menschen klauten sein Essen, seine Stiefel, irgendwelches Equipment für das Zelt, ja sogar einen Kochlöffel hatte mal einer gestohlen und war damit weggerannt. Manch ein Fremder übte sich sogar in der Rolle eines früheren Sektenmitglieds, in dem er Floyd Honig um den Mund schmieren wollte, damit dieser sich auf dessen Versprechen einliess und mitging, wohin auch immer, und wo ihm dort dann Forderungen gestellt wurden: Er sollte jemanden finden, er sollte jemanden töten, er sollte irgendwen verraten, den er gar nicht kannte, oder er sollte blank ziehen und ein Teil der Gemeinschaft werden. Letzteres wollten die Leute nur, weil sie aufgrund seines Äusseren urteilten.
Er wurde schon von sehr konservativen Leuten angesprochen, die sehr religiös, fanatisch und vor allem fremdenfeindlich gewesen waren. Sie hatten die begonnene Säuberung weiter ausweiten wollen. Auf... - scheisse, auf alle möglichen Leute. Auf Menschen mit anderen Hautfarben, auf religiöse Minderheiten, Ausländer. Auf Leute, die andere Wertvorstellungen hatten, die eher liberal waren oder grundsätzlich demokratisch gewählt hatten. Und selbstverständlich auch auf sexuelle Minderheiten. Floyd schien ihnen nie wie eine 'richtige Schwuchtel' vorzukommen oder wie jemand, der auch mit einem Mexikaner oder Ghanaer an einem Feuer sitzen und mit ihnen ein Kaninchen teilen konnte.
Zum einen hatte er sich dieses Vorurteil selbst zuzuschreiben, war er doch für die allermeisten weder nett noch nahbar. Aber viele der Unterstellungen kamen nach wie vor aus einer geprägten Kinderstube aus der Zeit vor der Apokalypse.
Da hatte Dinah schon einen wesentlich tieferen Blick hinter Floyds Fassade geworfen, denn sie blieb noch immer hier und schien auch keine Angst zu haben, dass er ihr etwas antat. Sie war frustriert und wütend, was nachvollziehbar war, aber sie war auch selbstbewusst und vernünftig genug, um die Nacht nicht zum Morgen zu machen und zu fliehen. Und wenn Floyd so darüber nachdachte, dann war sie keine schlechte Gesellschaft. Er empfand sie ein bisschen naiv, ja, sogar etwas mehr als nur ein bisschen, aber darüber hinaus schien sie ganz in Ordnung zu sein. Eine Gefahr sah er in ihr nicht, aber ganz trauen konnte er ihr eben auch nicht. Sie erzählte nur von ihren Leuten, die auf sie warteten oder sie suchten. Wer waren diese Leute? Wo waren diese Leute? Was ging hier überhaupt vor sich? Deshalb stellte er die Frage nochmals. Genauer, wie er fand.
Floyd sah zu ihr, betrachtete ihr Gesicht, welches vom Feuerschein ausgeleuchtet wurde. Sie wirkte trotz der Wintermonate recht gesund. Ganz anders als Floyd, der stärker als auch schon abgenommen hatte. Die kalte Jahreszeit hatte an ihm gezehrt und jetzt fühlte er sich ausgemergelt. Nicht schwach, aber leider auch nicht mehr so stark und energiegeladen wie in anderen Jahren, wenn der Frühling anbrach.
Und wenn er sie sich ganz genau ansah, dann konnte er auch sagen, dass sie eine hübsche Frau war. Mit diesem Schlafzimmerblick und sehr vollen Lippen. Kein Wunder, dass sie sich zu wehren wusste. Zumindest ihren Ellenbogen konnte sie sehr erfolgreich einsetzen. Floyd fuhr sich vorsichtig über sein Kinn.
Er hatte auf eine Antwort gehofft, die mehr Erkenntnisse brachte. Aber alles, was Dinah erzählte, war eine Wiederholung von vorhin. Entweder wollte sie ihm nichts genaueres über ihre Leute sagen oder diese Leute gab es gar nicht mehr und sie hatte sich diese Tatsache einfach noch nicht eingestanden. Posttraumatischer Stress. Auch so ein Ausdruck, den er erst nach der Apokalypse gehört und begriffen hatte.
Sie liess ihn nur wissen, dass sie ihr Essen vermisste, welches sie gewohnt war, und dass sie die Leute hier draussen blöd fand. Naja, dagegen konnte Floyd nichts sagen. Er hatte viele Menschen damals schon für Arschlöcher gehalten und seltsamerweise hatten viele von ihnen bis heute überlebt.
Sein Blick ging etwas unzufrieden über dieses kurze Gespräch zurück zum Feuer. Dann fasste er nach einem Zweig und begann in der Glut herumzustochern. Die Müdigkeit griff nach ihm, aber an Schlaf wollte er nicht denken. Unmöglich, hier die Augen zuzumachen!
Dinah's Frage, die sie dann stellte, liess ihn aber kurz grinsen. Er war kein Teddybär, der verlorenging! Aber als sie dann die mögliche Ex-Freundin oder Ex-Freund erwähnte, hob er den Blick wieder und sah sie an.
"Wieso soll man nach seinem Ex suchen? Hat man den oder die nicht aus irgendeinem Grund in den Wind geschossen? Wäre doch lächerlich, zu so jemanden zurückzukehren." Abgesehen davon hatte Floyd überhaupt noch nie eine Beziehung geführt. Wie denn auch? Er hatte sich um sein Überleben gekümmert. Dinge, die damals normal gewesen waren, weil man mit fünfzehn und sechzehn die ersten ausgelassenen Partys und mit siebzehn, achtzehn in Clubs gegangen war, wo man mögliche Partner hätte kennenlernen können, hatte es für Floyd nie gegeben. Statt im grell erleuchteten Supermarkt, wo diese beschissene Hintergrundmusik gelaufen war, verstohlen nach der richtigen Kondomgrösse zu gucken, hatte Floyd verzweifelt in dunklen, leergeräumten Regalen nach Konserven gesucht, weil der Hunger kaum noch zu unterdrücken war. Und statt auf einer Poolparty in einem Schwimmring einen viel zu starken Drink zu probieren, hatte er lernen müssen, verspritzte Zombie-Eingeweide von seiner Haut zu waschen, ohne sich dabei übergeben zu müssen. An sowas wie eine Beziehung hatte er wirklich keinen Gedanken verschwendet. Das brachte auch gar nichts. Denn am Ende war man sowieso wieder allein.
"Ach, nein.", meinte er und warf den Zweig ins Feuer. "Ich bin Jäger und Sammler. Ich jage nach allem, was man noch verwerten kann und ich sammle Frauen ein, die verlorengegangen sind und mir nicht sagen wollen, woher sie kommen, wer ihre Leute sind und warum ihnen das alles überhaupt passiert ist." Sein Blick blieb fest auf Dinah gerichtet. Er wollte Antworten. Mehr als das, was sie ihm bisher erzählt hatte. Aber vielleicht wollte sie ihm nichts genaueres sagen, weil er ihr bisher ja auch nichts gesagt hatte. Nun gut... - so ein Scheiss.
Floyd strich sich mit der ganzen Handfläche über das Gesicht und sah geradeaus in die Dunkelheit. "Ich habe niemanden. Nach dem Ausbruch habe ich meine Mum und meine Gran gesucht, aber die waren verschwunden. Danach bin ich mit verschiedenen Leuten rumgezogen. Familien, einzelne Leute, kleine Grüppchen. War mal hier, war mal dort, aber nie weit von Washington weg. Ich bin schon immer Plünderer und Händler gewesen, aber es wird zunehmend schwerer. Die Städte und Dörfer sind meilenweit abgegrast und man muss immer weiter fort, um noch Brauchbares zu finden. Das Blöde dabei ist, dass man so auch ungewollt in die Territorien anderer Überlebender gerät. Dann muss man sich wieder erklären, die Zähne zusammenbeissen und hoffen, dass man einem glaubt. Gar nicht so einfach. Wer weiss, wie lange ich das noch machen kann." Langsam liess er sich nach hinten fallen und stützte sich auf die Ellbogen. Sein Gesicht drehte er wieder zu Dinah. "Und es wäre ein Ex-Freund, wenn es einen geben würde." Das ging sie überhaupt nichts an. Andererseits, warum sollte sie es nicht wissen? Frauen, die gar nicht lesbisch waren, gingen manchmal trotzdem so etwas wie eine Beziehung mit einer Frau ein, weil sie die Nähe und das Vertrauen brauchten. Und manche, die vielleicht homosexuell waren, liessen sich auch auf Heteros ein. Einfach, damit sie Druck ablassen konnten oder weil jemand, den sie sehr mochten, besser war, als keiner. Und nicht jeder Schwule, der einen anderen traf, der auch zufällig schwul war, vögelte mit dem herum. Diese ganze Geschichte der Liebe und der Sexualität war völlig verwässert worden. Die alten, gesellschaftlichen Regeln galten nicht mehr. Die hatten in der Menschheitsgeschichte noch nie gegolten, wenn es ums Überleben gegangen war. Selbst in der Bibel hatte es den Brudermord gegeben.
"Wo hast du deine Leute zuletzt gesehen? Welche Richtung? Baltimore? Potomac?" Vielleicht konnte er helfen. Morgen. Aber nur vielleicht. Das Funkgerät war sicherlich eine gute Hilfe, aber es war nicht ausgeschlossen, dass sie ihre Leute auch dadurch fanden, dass sie am richtigen Ort suchten.
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Dinah zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Die Dinge sind wohl nicht immer so einfach wie sie wohl scheinen. Aber ich schätze man kann generell darauf verzichten eine verrückte Person an den Fersen kleben zu haben. Dinah konnte davon ebenso kein Lied singen. Bekanntschaften in der Richtung waren eher nur flüchtig. Die Dunkelhaarige war da doch eine recht unkomplizierte Person. Aber die Person gefunden, die ihr wirklich so wichtig war, das sie sich mit dieser irgendwo niederlassen würde. Die war noch nicht aufgetaucht und die junge Frau war auch nicht unbedingt Tod unglücklich darüber. Sie hatte durchaus andere Prioritäten und hatte es nicht eilig mit solchen Dingen. Sie hatte es eigentlich auch nicht wirklich ernst gemeint sondern wollte nur die Stimmung nach ihrer Rangelei wieder ein wenig auflockern und sich von dem Frust ihres erneut kaputten Funkgerätes ablenken. Das sie von Floyd allerdings eine ernste Antwort darauf bekam war ihr neu. So hatte der ehemalige Fremde noch vor ein paar Stunden gewirkt als hätte er kein besonderes Interesse sich mit der Dunkelhaarigen zu unterhalten, noch sie in seiner Nähe haben zu wollen. Nun er wirkte jetzt auch nicht unbedingt erfreut darüber das Dinah da war aber er wirkte so als würde er sich einfach damit abfinden. Ein kleiner Erfolg mit dem sie sich durchaus abfinden konnte. Doch hätte sie gewusst das ihre kleine Rangelei mehr Worte aus ihm raus locken als erwartet, hätte sie ihm schon viel früher mit ihrem Ellenbogen eine verpasst. Natürlich ganz unbeabsichtigt. Auch wenn sie irgendwie nicht glaubte das die Rangelei dafür verantwortlich war. Obwohl … es gab durchaus merkwürdigere Wege das Eis zwischen zwei Personen zu brechen. „Ach wirklich?“ ließ sie ihren Blick dann durch die Umgebung nach vermeintlich weiteren verloren Frauen schweifen. „Scheint aber nicht so ganz erfolgreich zu sein.“ grinste sie nur. „Klingt einsam.“ murmelte die junge Frau dann nur. Es gab Menschen, die durchaus Ruhe bevorzugten aber eine vollkommene Isolation von allem? Dinah würde wahrscheinlich schon nach wenigen Stunden wie eine Blume, die nicht genügend Wasser und Sonnenlicht bekam, eingehen. „Tut mir Leid wegen deiner Mutter und deiner Großmutter.“ sprach sie nur ehrlich. „Ich schätze du hast es damit auf den Punkt gebracht. Das ist der Grund warum ich hier bin. Na ja warum wir hier waren. Mein Trupp und ich. Wenn man die Ressourcen in seiner eigenen Gegend komplett ausgeschöpft hat sucht man anderswo danach. Es war ein verlassenes Wasserwerk. Es gehörte niemandem. Wir wollten nur die Turbine bergen und wieder zurück und da waren diese Leute. Keine Ahnung. Wir hatten das Gebiet ja wie immer gründlich ausgespäht und da waren keine Leute, die dort lebten. Und du kannst dir eins zu eins wohl zusammenzählen was passiert ist. Ein mieser Hinterhalt. Schüsse und das nächste was ich weiß ist das Luke mich in den Potomac River geschubst hat, den ich halber verschluckt habe.“ Dinah seufzte, sie sprach schon fast abwertend darüber, weil sie einfach nicht damit klar kam wie dämlich und vermeidbar diese Situation hätte sein können. Besonders da sie eine ausgebildete Einheit waren. Diese Leute, die sie angegriffen haben, haben bewusst gewartet. Dabei kannte sie diese Leute gar nicht. Noch hatte die FONA neuerdings Kontakte zu irgendwelchen Gemeinschaften in dieser Gegend. Darüber hätte man die Einheit informiert. „Ich war vor ein paar Wochen dort. Es ist niemand da. Keine Leichen. Keine Fußabdrücke. Keine Reifenspuren. Nichts. Als hätte sich ein riesiges Loch unter ihren Füßen geöffnet und hätte sie verschluckt.“ atmete die Dunkelhaarige nur aus. „Was aber gleichzeitig etwas Gutes ist. Keine Leichen bedeuten das sie am Leben sind. Und das ist gut und deswegen brauche ich das Funkgerät um sie zu kontaktieren. Na ja nicht nur das Funkgerät aber auch etwas was mein Signal überträgt, was gefühlt in dieser verdammten Gegend unmöglich ist. … Nichts für Ungut.“ hob Dinah nur beschwichtigend die Hand. „Also werde ich morgen mein Funkgerät reparieren, einen Funkturm finden, den irgendwie zum Laufen bringen und Tadah die Lösung all meiner Probleme. Klingt einfach oder nicht?“ klang die junge Frau wieder mehr als optimistisch. „Was? Oh.“ kam es ihr verwirrt aus dem Mund als Floyd das mit Exfreund erwähnte. „Gut. Dann bin ich wohl sicher.“ scherzte die junge Frau als sie Floyd etwas damit aufzog. Aber ein Problem hatte die Dunkelhaarige wie schon erwähnt ganz bestimmt nicht damit. „Du solltest den Leuten eine Chance geben.“ fing Dinah wieder an. „Ich sag ja nicht das du direkt dich einer Gemeinschaft anschließen musst, dir einen Ehemann und einen Hund zulegen sollst. Katze ginge natürlich auch wenn dir das lieber ist.“ hob die junge Frau wieder die Hände. „Aber du könntest … vielleicht mit ihnen handeln. Ich meine ich tue es. Und ich lebe noch und sie zwingen mich nicht bei ihnen zu leben.“ Es war nicht so das sie gegenüber Floyd nach seiner Geschichte nun ein Pflichtbewusstsein empfand. Aber er hatte sie ja irgendwie bleiben lassen und sie haben sich ein Essen gemeinsam geteilt. Das musste ja doch etwas heißen. Zu mindestens ein bisschen. Er hätte schließlich ihr die Eisenstange überziehen können und seines Weges gehen können. Nun .. konnte er jetzt immer noch aber das Risiko ist doch gewaltig gesunken. „Nein ernsthaft. Tu was. Sonst wirst du noch ganz gaga von dieser Einsamkeit und fängst an … mit Bäumen zu reden oder so was!“
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Die Dinge sind wohl nicht immer so einfach, wie sie wohl scheinen.
Hm.
Da war etwas dran. Floyd liess ihre Aussage allerdings so stehen, weil er selbst kein guter Erziehungsratgeber war, hatte er doch mit Beziehungen überhaupt keine Erfahrung. Zumindest was romantische Liebesbeziehungen angingen. Er führte durchaus zwischenmenschliche Beziehungen mit langjährigen Bekannten, denen er mehr oder weniger Vertrauen entgegenbrachte, die ihm sympathisch waren und deren Anwesenheiten er eigentlich gerne mochte. Aber einen festen Partner hatte er nie gehabt. Ob er Riley, ein ehemaliger Weggefährte, der ihn doch zwei Jahre lang begleitet und begehrt hatte, als Ex-Partner bezeichnen wollte, wusste er nicht. Sie hatten sich gut verstanden und der grossgewachsene Mann hatte ihm auch etwas bedeutet - und tat es immer noch. Doch Riley war... tot. Verschollen. Selbst zu einem Beisser geworden. Nachdem eine plötzlich aufgetauchte Gruppe von Beissern sie dazu gezwungen hatte, getrennt zu flüchten, hatten sie sich nicht mehr wiedergefunden. Floyd war immer wieder zu ihren Orten zurückgekehrt, aber Riley hatte er nicht mehr auffinden können. Irgendwann hatte er sich damit abfinden müssen, dass sein Weggefährte nicht mehr da war und das war hart gewesen.
Doch Liebesgeflüster hatte es zwischen ihnen nicht gegeben. Sie hatten einander keine Treue gelobt und insbesondere Riley hatte seine Sexsucht auch anderswo und bei anderen gestillt. Das Schicksal hatte sie zusammengeführt und auseinandergerissen. Sie hatten sich nicht gesucht und gefunden.
So ähnlich war es wohl auch mit Dinah. Es stimmte, er hatte nicht darauf gehofft und gewartet, heute Nacht jemanden bei sich zu beherbergen. Aber es war dazu gekommen und jetzt sassen sie gemeinsam am Feuer mit einem kaputten Funkgerät, einer Beule am Kinn und einem Gespräch, welches tiefer blicken liess als all die Worte zuvor.
Was für eine beschissene Nacht! Er begann sie allmählich zu mögen.
Ihre süffisante Bemerkung provozierte ihn, diesmal aber auf eine andere Art und Weise. Seine Mundwinkel zuckten nach oben als sie den nicht vorhandenen Erfolg eingesammelter Frauen erwähnte. Doch gleich danach schob sie eine ernste Aussage hinzu, die Floyd zurück auf den Boden vor sich blicken liess, der vom Feuerschein ausgeleuchtet wurde. Er entdeckte einen kleinen Käfer, der flink über das teilweise plattgedrückte Gras krabbelte und dann im Schatten und unter seinem aufgestellten linken Bein verschwand.
War er einsam? Klar. Daran gab es nichts zu rütteln. Aber belastete ihn das? Nein. Vielleicht. Manchmal. Er hatte sich daran gewöhnt, allein in dieser neuen Welt zurechtzukommen. Ihm war auch nichts anderes übriggeblieben, als schnell zu lernen, wie man überlebte, und dass man keinem vertrauen durfte. Man musste Fragen stellen, dasselbe Misstrauen bei jeder neuen Bekanntschaft hochkommen lassen, auf Abstand gehen, nur dann neugierig sein, wenn es sich lohnte. Das war aber oft einfacher gedacht als getan. Floyd war auch ein Mensch und auch er agierte nach Sympathien. Und Dinah war ihm nicht so unsympathisch, wie er es gerne hätte.
"Man kann auch unter vielen Leuten einsam sein.", fügte er hinzu. Und dann erzählte er über sich. In kurzen Worten fasste er die vergangenen fünfzehn Jahre zusammen und konnte kaum damit aufhören. So ein Scheiss! Er stoppte glücklicherweise bevor es zu kitschig wurde und er noch verriet, welche Dinge er seit der Apokylpse am meisten vermisste oder welche neuen Macken er sich angewöhnt hatte.
Dinah zeigte Mitgefühl seines Verlustes, aber Floyd schüttelte den Kopf. "Muss es nicht. Wir haben alle Familie und Freunde verloren. Es ist auch schon lange her." Viel zu lange. Manchmal verstand er selbst nicht mehr, worin der Sinn seines Lebens eigentlich lag, aber einen Grund, um ans Ableben zu denken, war das trotzdem nie gewesen. Floyd war weitgekommen, er hatte nämlich überlebt. Und diesen Kampf einfach so aufzugeben, kam für ihn nicht in Frage. Wenn er von dieser Welt gehen musste, dann mit Getose, im Kampf, verzweifelt und provozierend. Wie ein Arschloch würde er sich verhalten und gurgeln unter einer Horde untergehen. Oder aber es kam schnell und schmerzlos. Ein Kopfschuss. Dahinsiechen wegen einer Krankheit wollte er dagegen nicht. Das war unter seiner Würde, also würde er dagegen ankämpfen. Sofern es ihm möglich war. An einen normalen Tod, wie man ihn sich vor dem Ausbruch der Seuche gewünscht hatte, wagte er jedoch nicht zu denken. Diese Sterbensart war längst zu einem Märchen geworden.
Die düsteren Gedanken waren aber nicht wirklich belastend, machten sie ihn lediglich etwas nachdenklich. Und das war jetzt, mitten in der Nacht, legitim. Da konnte man auch mal ein paar Atemzüge mehr machen, bevor man antwortete oder etwas aussprach.
Dinah schien jedoch munter genug und endlich auch bereit zu sein, zu erklären, woher sie kam und warum sie überhaupt auf ihn getroffen war. Ihre Geschichte klang zunächst harmlos und Floyd dachte an einen plötzlichen Überfall von Beissern, aber dem war nicht so. Stattdessen sprach sie von einem Hinterhalt und Leuten, die Schüsse abgegeben haben.
Das fand Floyd merkwürdig. Die Kolonien schloss er für diese Handlungen aus, denn sie gingen, seiner Erfahrung nach, anders vor. Einige eroberten keine Gebiete, andere, wie die Wicked, waren weniger dafür bekannt, verborgen zu bleiben. Sie genossen es, gesehen zu werden. Ausschliessen konnte Floyd zwar keine der Kolonien, aber er glaubte, dass für diesen Überfall eine Gruppierung verantwortlich war, der er selbst noch nicht begegnet war. Und dabei sollte es auch bleiben, wie er fand.
"Keine Leichen kann zwei Dinge bedeuten. Entweder, sie sind zu Beissern geworden und fortgegangen, oder man hat deine Leute nur verletzt und weggebracht." Er unterbrach sie, denn ihre Hoffnung, dass ihre Freunde noch am leben waren, konnte er so nicht teilen. Es konnte möglich sein, aber ausgeschlossen waren die anderen Theorien auch nicht. "Wenn man sie gefangengenommen hat, werden sie dir unmöglich antworten können. Stattdessen hören eure Feinde zu und versuchen dich - und jetzt auch mich - zu orten."
Floyds Blick verdunkelte sich. Ihm passte das überhaupt nicht. Er wollte keine Feinde haben, die ihn als Verbündeten zu Dinahs Gruppe sahen! Am Ende würden sie auch ihn aufknöpfen! Missmutig sah er auf das zerstörte Funkgerät in Dinahs Händen. Vielleicht hatte es funktioniert. Vielleicht wussten diese Leute längst, wo sich Dinah befand. Unwillkürlich sah sich Floyd um. Er sollte zusammenpacken und von hier verschwinden. Nur für den Fall der Fälle. Aber es war düster und nachts durch die Wälder zu laufen, glich einem Himmelfahrtskommando. Scheisse.
Er strich sich über sein Gesicht, während Dinah immer noch davon ausging, dass sie bloss das Funkgerät zu reparieren brauchte, damit sie wieder glücklich vereint mit ihren Leuten war.
Floyd trat das nervöse Gefühl in seinem Bauch nieder. Das Funkgerät hatte keine Signale von sich gegeben, als sie zu ihm gekommen war. Wenn es noch irgendwie funktioniert hatte, dann wohl einige hundert Meter weiter. Also konnten mögliche Verfolger höchstens das Suchgebiet eingrenzen, den genauen Standort fanden sie wohl nicht heraus. Ausser Dinah hatte es irgendwie ins Funkgerät gesagt.
Egal, er musste hoffen, dass nichts passierte. So wie Dinah auch, wobei er sie, als Frau, in einer Hinsicht bereits in Sicherheit wiegen konnte. "Vor mir schon.", murmelte er und sah zurück zu ihr. "Gibt aber genug Männer, die sich nehmen, wonach ihnen ist. Loch ist Loch ist deren Devise." Die Grenzen der sexuellen Vorlieben waren längst verschwommen. Viel zu viel war erlaubt. Gewalt. Menschenhandel. Folter und Erniedrigung und die Zurschaustellung von misshandelten Körpern. Floyd konnte mit nichts davon etwas anfangen, wusste aber längst, dass gewisse Dinge die Menschen prägten. Selbst ihr Nachwuchs wuchs mit der Erkenntnis auf, dass eine gewisse Gewalt völlig in Ordnung war. Gewalt, für die Floyd fast im Knast gelandet wäre.
Dinah gab ihm dann einen Rat in Sachen Sozialkompetenz. Sie erwähnte einen Ehemann und einen Hund. Ja, beides hatte sich Floyd als Jugendlicher gewünscht, auch wenn es ihm damals unglaublich schwergefallen war, sich wirklich damit auseinanderzusetzen. Er hatte nicht viel von Romantik und Heirat gehalten und aufgrund seines sozialen Standes wäre er auch nie in der Lage gewesen, einen finanziellen Teil zu einem Häuschen beizutragen. Nein, so im Nachhinein wusste er, dass es nie zu mehr als zu gelegentlichen Ficks an Autobahnraststätten, hinter Diners und Clubs gekommen wäre und vielleicht hätte er sich dabei sogar dazu überreden lassen, ein paar krumme Dinger zu drehen.
"Ich bin Händler. Habe ich das vorhin nicht schon erwähnt? Ich plündere und handle. Und zwar mit allen Kolonien und auch mit den einzelnen Gruppen in der Gegend. Und nur weil ich hier alleine überlebe, heisst das nicht, dass ich verwahrlose." Er zupfte ein Grashalm zwischen seinen Beinen ab und strich es mit den Fingern entlang. "Ich habe genug Kontakt zu den anderen Überlebenden. Drum könnte ich dich auch zu einer Kolonie bringen, die dir vielleicht mit deinen Leuten helfen." Balar Island, die waren die friedfertigsten. Oder die Riders, denen konnte man eigentlich auch vertrauen. "Ich habe keinen besonderen Nutzen für irgendeine der Kolonien. Das einzige, was ich gut kann, ist plündern. Also wäre ich auch in einer Kolonie ständig unterwegs und auf mich gestellt." Er drehte seinen Kopf zu Dinah und spickte das zusammengerollte Grashalm ins Feuer. "Wenn ich mich einer Kolonie anschliesse, dann nur aus dem Grund, weil mein Körper nicht mehr mitmacht." Und an diesem Punkt kratzte er leider seit Monaten. Der Winter war für ihn hart gewesen. Er hatte zu viel an Gewicht verloren und kleine Blessuren brauchten eine Ewigkeit, bis sie heilten. Es war mühsam und gefährlich. Floyd war sich dessen bewusst.
"Soll ich dich morgen zu einer der Kolonien bringen? Ich würde Balar Island vorschlagen. Hast du schon einmal von ihnen gehört?"
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zuletzt bearbeitet 22.11.2024 09:46 |
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Auch Floyds Worte brachten die Dunkelhaarige zum Nachdenken. Konnte man denn unter Menschen einsam sein? War es wirklich so etwas wie Einsamkeit, was sie in der Cottage gefühlt hatte? Sie konnte es noch nicht mal sagen, sondern hatte eher das Gefühl gehabt das sie hier nicht hinein passte. Alles war anders gewesen. Gleichzeitig war dieser Gedanke so bizarr und dämlich gewesen. Das Gras hier war genau so grün. Der Himmel genau so blau. Ihr Blick fuhr hinauf zum Horizont. Die Sterne waren hier vielleicht anders. Oder war es einfach nur Dinah gewesen. Vielleicht fiel es ihr einfach schwer sich umzugewöhnen, auch wenn dies kein Dauerzustand war. Sie würde nicht für immer hier bleiben außer die FONA würde dies so wollen. Aber dennoch Einsamkeit war eher ein Fremdword für die junge Frau gewesen. Sie hatte immer jemanden um sich, sei es ihre Mutter, ihre Schwester oder einfach die Gemeinschaft gewesen. Das Konzept dort war ganz klar. Menschen brauchten einander und arbeiten nicht gegeneinander. Aber hatte jeder das auch so akzeptiert und fühlte es auch jeder so? Menschen waren schließlich die größten Schauspieler, die es gab. Kein Wesen konnte so gut eine Maske aufsetzen wie der Mensch. Floyd's Worte führten sogar soweit das sie einen Moment lang ihre Gemeinschaft hinterfragte. War doch mehr Schein als wirkliche Realität? Hatte ihr Vater doch Recht gehabt? Ein heikles Thema. Dinah blinzelte diesen Gedanken schnell weg. Nein das war Unsinn. Niemand würde sich schließlich die Mühe machen jemanden jahrelang so zu belügen … oder? „Das stimmt wohl.“ gab sie ihm schließlich nur Recht. Der Tonlage in ihrer Stimme gab deutlich zu erkennen, das diese Worte sie zum Nachdenken gebracht haben. „Fragst du dich manchmal wie es gewesen wäre, wenn diese bestimmten Menschen noch am Leben wären?“ Der Tod war unausweichlich. Selbst wenn man in einer so sicheren Gemeinschaft lebte wie sie es tat. Selbst wenn ein Beißer oder ein Mensch nicht die Todesursache war. So wurden die Menschen immer noch krank oder alt. Dinah wandte ihren Blick vom Horizont ab und blickte wieder zu ihrer neuen Bekanntschaft. „Nun du würdest natürlich nicht mit mir hier sitzen und hättest niemals die besten Nudeln aus der Konserve gegessen.“ schmunzelte die junge Frau. Als die junge Frau ihm erzählt hatte wieso sie überhaupt hier war und die ganzen Probleme überhaupt begonnen hatten verzog sie nur sichtbar ihr Gesicht. Es war deutlich zu sehen das ihr seine erste Mutmaßung nicht gefiel. Sie waren nicht tot und ganz gewiss keine Beißer. Auch wenn Dinah im Inneren bereits wusste das auch diese Option nicht auszuschließen war, war sie einfach absolut noch nicht bereit dafür sich dies einzugestehen oder gar zu akzeptieren. Sie würde noch so jeden merkwürdigen Grund annehmen aber ganz gewiss nicht das. „Ich verstehe nicht warum jemand so etwas tun sollte. Ich meine das Plündern kann ich noch irgendwo verstehen aber einen Menschen zu entführen. Wir sind schließlich nur eine Späher Einheit gewesen. Wir sind noch nicht mal so wichtig das es sich lohnen würde.“ Damit wollte Dinah keineswegs abwertend gegenüber sich selbst und ihren Leuten klingen. Sie versuchte nur die Motive zu verstehen. Und vielleicht war das genau der Fehler. Das Dinah immer und immer wieder versuchte die Menschen zu verstehen. „Und wenn sie so sehr die Turbine haben wollten, hätten sie schließlich einfach fragen können.“ zuckte sie mit den Schultern, ehe sie Floyds nächste Worte ein wenig beunruhigten. Automatisch fuhr ihr Blick herum, suchte die Umgebung ab aber bis auf Dunkelheit und die gängigen Geräusche des Waldes war nichts wahrzunehmen. „Unsinn“ winkte die Dunkelhaarige mit einem unsicheren Lachen ab. „Das ist bereits Monate her. Wer würde einen so lange verfolgen?“ Doch konnte Dinah nicht ganz verhindern das ihr nun etwas mulmig wurde, das sie automatisch etwas näher zu Floyd rutschte. Als würde jeden Moment etwas aus dem Gebüsch gesprungen kommen. „Mir ist niemand gefolgt. Jedenfalls nicht hier her.“ sprach sie dann wieder. „Und mein Funkgerät. Nun das hat eh nicht funktioniert und jetzt ist obenhin noch kaputt.“ Selbst wenn jemand wirklich die technische Ausrüstung irgendwo hätte Dinah's Signal zu orten, wäre es jetzt absolut nicht mehr möglich. Dafür hat ihr gemeinsame Rangelei bereits vorgesorgt. Ihre Augenbrauen zogen sich schließlich ein wenig zusammen als Floyd so ernst auf ihren Scherz antwortete. „Du bist ja wirklich richtig optimistisch.“ Natürlich hatte er auch mit diesen Worten Recht. Dinah fing es wirklich langsam an zu nerven, wenn Menschen so viel Recht hatten. Aber viele Menschen haben mit den Jahren ihre Grenzen verloren oder haben sich mit dem Ausbruch verstärkt gefühlt diese nicht mehr zu beachten. Dinah konnte sich glücklich schätzen, das sie niemals in solch einer Situation war und sie war nicht besonders erpicht darauf, je in solch eine zu kommen. Trauma konnte Menschen so brechen. Dinah wollte gewiss nie so etwas erleben. Doch die eher bedrückte Bestimmung seitens der Dunkelhaarigen lösten die dunklen Wolken über ihren Kopf auf als Floyd ihr förmlich mit seinem Vorschlag einen Rettungsanker zuwarf. Sie hielt ihn für einen deutlichen Griesgram. Der typische Überlebende, der keine Hilfe brauchte und jeden Kontakt zu Überlebenden scheute. Dem war wohl offensichtlich nicht so gewesen. „Das könntest du tun?“ klang die junge Frau deutlich aufgeregt. Dinah war um jede Hilfe dankbar. Mehrere Augen sahen deutlich mehr als nur zwei. Und mehrere Beine konnten deutlich mehr Flächen absuchen als nur zwei. Oh sie könnte ihn um den Hals fallen – doch sie wollte ihre Karten nicht zu hoch spielen und wieder in der nächsten Rangelei landen! Die eine hatte ihr deutlich gereicht. Stattdessen packte sie seine Hände ob er nun wollte oder nicht. „Keine Ahnung was das ist aber führ mich hin!“ Die Dunkelhaarige hatte von Balar Island schon gehört. Es gab hier Gemeinschaften die ein Bündnis hatten. Sie hatte einfach nur den Namen vergessen. Dinah hatte es mehr mit Gesichtern statt Namen. Und selbst wenn sie sich erinnerte, änderte es nichts daran das sie noch nicht da gewesen war. Sie ließ ihn schließlich wieder los, schien aber immer noch genau so aufgeregt. „Ich sollte schlafen. Nein! Du solltest schlafen. Du musst ausgeruhter sein!“
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Es war immer einfach, über das vermeintliche Schicksal anderer zu sprechen, die man nicht kannte, als sich Gedanken über die eigenen Leute zu machen, denen man vertraute, die man liebte, denen man etwas bedeutete.
Floyd wollte die junge Frau nicht demoralisieren, aber er hielt es grundsätzlich für falsch, zu viele Hoffnungen am Leben zu erhalten. Man musste, wenn man hier überleben und vor allem weiterleben wollte, immer alle Optionen berücksichtigen. Und in Dinahs Fall gab es mehrere Punkte, die in diese Überlegungen einfliessen mussten.
Sie kam aus einer anderen Welt. Wobei diese Aussage so nicht stimmte. Auch Floyd kam aus einer anderen Welt. Nur hatte er sich am entscheidenden Punkt einen anderen Weg ausgesucht als sie, die noch jünger und dadurch auch abhängiger gewesen war. Sie war, zumindest in der letzten Zeit, wie Floyd annahm, in einer stabilen Gruppe unterwegs gewesen, in der sie sich wohl und auch familiär eingebunden gefühlt hatte. Vielleicht war das eine falsche Annahme, aber Floyd wusste keine weiteren Details über ihre Gruppierung und stellte deshalb bloss Vermutungen auf.
Floyd hingegen war alleine unterwegs, besass aber ein stabiles Netz aus Kontakten und Begegnungen. Es kam tatsächlich eher selten vor, dass er mehr wie eine Woche nur für sich selbst war – und auch das hatte er erst lernen müssen. Es war gar nicht so einfach, stets allein mit sich selbst zu sein. Wie man mit sich selbst auskam, musste man lernen und auch Floyd hatte dafür seine Zeit gebraucht. Aber das war vor vielen Jahren geschehen und seither kam Floyd gut allein zurecht. Und wenn er das Gefühl hatte, gedanklich in einer Sackgasse zu stecken, schlug er einfach irgendwo etwas klein. Am liebsten mochte er Autos. Die Beulen und eingeschlagenen Fensterscheiben zeigten ihm das Ergebnis seines Ausbruchs und seltsamerweise befriedigte ihn das immer wieder. Davon abgesehen, war es gut, dabei zu schwitzen und ausser Atem zu kommen und Schmerzen zu spüren, die man mit ein wenig Ruhe wieder neutralisieren konnte. Floyd hatte sich daran gewöhnt, dieses Ventil zu gebrauchen, und ganz ehrlich, es interessierte auch keinen mehr, wenn er Autos zerschlug.
Ob er ein anderes Ventil gefunden hätte, wenn er mit seiner Familie zusammengeblieben wäre? Wer wusste das schon? Ihre Frage liess ihn bloss den Kopf heben und er sah sie schweigend an. Irgendwann öffnete er dann aber den Mund. "Nein. Solche Gedanken bringen nichts." Er konnte sich nicht vorstellen, wie er mit seiner Mum und seiner Gran vor den Beissern geflüchtet wäre. Wohin wären sie gegangen? Vermutlich ins Diner, wo seine Mum gearbeitet hatte. Und dann? Sie wäre panisch und laut geworden, hätte ihn und Gran beschimpft und wäre wohl kurz vor einem Nervenzusammenbruch gestanden. Seine Gran hätte ihren Raucherhusten gehustet und auf ihre Tochter eingeredet und Floyd wäre vermutlich einfach gegangen. Am Ende wäre er wohl so oder so allein gewesen. Der Gedanke, dass er sich mit den beiden Frauen irgendwohin hätte retten können und sie jetzt immer noch an seiner Seite wären, war so absurd, dass er sogar spöttisch Luft durch die Nase stiess. Was für eine unsinnige Frage!
Die Fragen rund um Dinahs Schicksal waren zwar auch nicht leicht zu beantworten, aber sie entsprachen immerhin einer stattgefundenen Realität. Floyd mutmasste und Dinah wollte verständlicherweise nichts davon hören. Sie stellte sich derweil Fragen über die Angreifer, die sich nicht so ohne weiteres beantworten liessen.
Jeder kam dafür in Frage. Eine Kolonie, eine Gruppierung, ein loser Zusammenschluss von Überlebenden. Die Gründe waren vielfältig und teilweise auch sinnlos, ja sogar irrelevant. Menschen neigten schlichtweg dazu, gewalttätig zu werden, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals stand.
Floyd blickte zurück auf das Feuer und fand, dass er demnächst nachlegen musste aber noch Zeit dafür hatte. Denn seine Aufmerksamkeit galt auch Dinah. "Selbst wenn du eines Tages alle Antworten auf deine Fragen finden wirst, werden sie dich kaum zufriedenstellen. Wahrscheinlich wirst du danach noch viel mehr Fragen haben." Leicht drehte er den Kopf zu ihr. "Späher sind nicht gerngesehen. Ihr wart wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Habt irgendwen provoziert, ohne es zu wissen. Passiert." Er zuckte mit den Schultern und dann alarmierte er sie richtiggehend. Doch dass dieser Vorfall schon Monate her war, war ihm neu. Oder hatte er jetzt etwas falsch verstanden? Mit einer leicht erhobenen Augenbraue sah er sie an. "Der Vorfall ist vor Monaten passiert? Der Überfall? Ich dachte, erst vor wenigen Tagen." Wieder glitt seine Hand über sein Gesicht. Der Schlafentzug machte sich wohl allmählich bemerkbar. Egal, er hatte schon ganz andere Nächte durchgestanden.
Wenigstens konnte er sie dahingehend beruhigen, dass er nicht vorhatte, ihr an die Wäsche zu gehen. Er war dazu zu müde und schlicht zu schwul. Und weil er wusste, dass sie sich nach einem sicheren Hafen sehnte, den sie nicht in seinem Zelt fand, schlug er vor, sie zu einer der Kolonien zu bringen.
"Wieso nicht.", murmelte er auf ihre ungläubige Frage hin, bevor er dann etwas erschrocken auf ihre Hände sah, die nach seinen gegriffen hatten. Sie war dankbar und das überschwänglich. Floyd fühlte sich kurz überfordert, hob seinen Blick und sah ihr ins Gesicht. Dinah strahlte allerdings und Floyd zögerte damit, seine Hände aus ihren zu ziehen. Es fühlte sich sowieso seltsam an, an den Händen gehalten zu werden. Oft tat man das bei Floyd ja nicht. Es war ungewohnt.
"Na schön, ich bringe dich morgen hin." Ob Balar Island die richtige Kolonie für sie war, wusste er nicht. Das würde sich zeigen. Es gab ja noch andere, aber das war dann ihr Problem und nicht seines. Hoffte er.
Nun war sie aber so voller Vorfreude, dass ihre Gedanken förmlich aus sie herausplatzten. Sie sprach vom Schlafen und wollte ihn ins Bett schicken. Floyd zog nun seine Hände von ihren und sah sich um. Konnte er sich das wirklich erlauben? Sollte er ihr vertrauen? Floyd tat das nicht gerne, aber er war müde. "Okay.", willigte er schliesslich ein und sah zum Zelt. Doch dann schüttelte er den Kopf und stand auf. "Ich überprüfe nochmals den Draht. Er sollte reichen, um uns zu alarmieren, wenn sich jemand nähert. Dadurch könnten wir beide noch eine oder zwei Stunden schlafen. – Lösch das Feuer. Erstick es mit Erde." Er klopfte sich seine Hosen ab und lief dann zu seiner Sicherheitsvorrichtung. Wenn keiner mehr Wache hielt, brauchte auch niemand das Feuer. Und so, wie Floyd ihre momentane Lage einschätzte, lagen noch ein paar Stunden Schlaf für sie beide gleichzeitig drin. Gross war das Zelt nicht, aber egal. So konnte man sich gegenseitig wärmen.
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Floyd hatte Recht. Mal wieder. Das wurde ja schon fast zur Gewohnheitssache. Dinah hatte schon viele Menschen getroffen, die der selben Meinung waren. In der Vergangenheit herumzustochern oder festzustecken brachte nie etwas Gutes mit sich. Da war sicherlich etwas Wahres daran. Aber die Dunkelhaarige fand es auch nicht gut wenn man seine Vergangenheit vollkommen verdrängte und noch schlimmer war es wenn man dabei vorgab etwas zu sein, was man aber nicht war. Dinah würde behaupten eine gesunde Mitte war da die Lösung. Es war nichts Falsches daran ab und an an früher zu denken oder sich mal zu fragen wie es gewesen wäre, wenn etwas anders gelaufen wäre. So lange man sich nicht selbst und auch die Realität verlor. Aber so waren die Menschen auf dem Weg bis zum Heute nicht ganz umsonst gestorben. Außerdem war ein gesundes Hinterfragen auch ganz gut. Sonst unterscheidet man sich kaum von Hunden, die den Befehl ihres Herrschens blind folgten. Doch Dinah ließ Floyd's Aussage so stehen. Nicht weil sie nichts zu sagen hätte sondern weil es auch in ihren Augen nichts brachte weiterhin in alten Wunden herumzustochern. „Es sollte aber nicht passieren.“ entgegnete die junge Frau nur auf Floyds Vermutung das sie womöglich jemanden unbewusst provoziert hätten. Aus seinem Mund klang es schon fast als wäre es etwas Alltägliches und nichts besonderes. Vielleicht war es das mittlerweile auch. Dinah wollte es dennoch nicht wahr haben. Sie hat ihre Einheit und Freunde verloren und lebte in der Ungewissheit was mit ihnen passiert war. Das konnte sie nicht einfach so akzeptieren. Sie konnte nicht einfach so loslassen. Nicht bevor sie wirklich den Beweis vor sich liegen hatte, das diese Menschen wirklich … weg waren. Die Dunkelhaarige schüttelte den Kopf. „Ein paar Wochen. Einen ganzen Monat. Was macht es schon für einen Unterschied? Ich stecke hier fest und bin nicht weitergekommen. Das ist ziemlich peinlich. Selbst für mich.“ Na ja im Grunde war feststecken das falsche Wort. Das tat sie nämlich nicht. Sie war auch keine Gefangene von irgendwem. Ihr stand es jederzeit frei zu gehen. Auch zur FONA zurück nach New Jersey. Das einzige was sie davon abhielt? Nun ihr Gewissen und ihr Pflichtbewusstsein. Aber auch die Tatsache das diese Handlung Konsequenzen haben würde. Im schlimmsten Fall würde man sie als eine Deserteurin abstempeln und sie aus dem Dienst entlassen. Einen schlimmere Tatsache gab es für die Dunkelhaarige nicht, weshalb sie wohl auch so verbissen darauf war zu glauben, das ihre Leute noch am Leben waren obwohl sie bereits schon wusste das die Wahrscheinlichkeit mit jedem Tag gesunken war, das es so war. Dinah hatte Angst wenn der Moment kommen würde an dem sie realisierte das es so war... . Floyd's Vorschlag hatte die Laune der jungen Frau aber deutlich wieder angehoben. Und das war noch milde ausgedrückt. Sie war aufgeregt und hoffnungsvoll. Nach langen, vergangenen Wochen reichte ihr jemand eine helfende Hand. Das es jemand sein würde, den sie einfach so im Wald traf und der sie wohl eher zuerst erschlagen hätte … nun Dinah wollte natürlich nicht urteilen. In ihrer Überschwänglichkeit tat Dinah dann oft unüberlegte Sachen wie zum Beispiel die Hände von jemanden packen oder jemanden vor Freude umarmen. Hätte Floyd ihr aufgetragen auf den höchsten Baum in diesem Wald zu klettern, sie hätte es sofort getan. So blieb es aber bei einer einfachen Aufgabe wie das Lagerfeuer mit etwas Erde zu ersticken. Ihre Hand machte eine gespielte Salutation ehe sie das Feuer mit Erde erstickte. Dinah warf sich bereits in das Zelt während Floyd den besagten Draht kontrollierte. Währen dessen fragte sich die Dunkelhaarige wie sie überhaupt einschlafen konnte, wenn sie jetzt so aufgeregt war. Das Problem war schnell behoben, denn die Ereignisse des heutigen Tages hatten der jungen Frau das ein oder andere abverlangt. Kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, fielen ihr auch schon die Augen zu.
Manchmal hatte Dinah Angst die Augen zu öffnen, wenn ihre Sinne bereits bemerkten das der Tag langsam anbrach. So dämlich wie es auch klang, fühlte sich manches für die Dunkelhaarige immer noch so surreal an. Als würde sie träumen. Als würde sie immer noch in diesem Fluss umher gespült werden. Langsam öffnete sie schließlich ihre Augen und erblickte immer noch den Stoff des Zeltes, welches sie umgab. Erleichtert atmete die junge Frau aus. Es war kein Traum. Verschlafen krabbelte sie aus dem Zelt heraus, nur um sich erst mal ausgiebig vor dem Zelt zu strecken. Die Luft war frisch und der Horizont war klar. Die Welt wirkte irgendwie heute deutlich bunter und viel belebter. „Guten Morgen Griesgram.“ scherzte die Dunkelhaarige gut gelaunt als ihre Augen Floyd erblickten. „Ich hab verdammt gut geschlafen.“ ließ Dinah dann ihre gestreckten Arme sinken. „Also wie lange werden wir brauchen?“ „Ist die Gemeinschaft sehr groß?“ „Oh ich hoffe sie sind zivilisiert. Weißt du ich bin schon mal auf eine kleine Gemeinschaft gestoßen, die wussten gar nicht mehr wie man eine Toilette benutzt und -“ Dinah verzog nur das Gesicht bei der Erinnerung. „Ah gar nicht zu wichtig.“ legte sie auch gleich schon los mit ihren Fragen und ihrem Geplapper.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Im Zelt wurde es schnell sehr still. Floyd, der den Stolperdraht an einigen Stellen etwas anzog oder anhob, blickte gelegentlich zu seiner Schlafstätte. Ein Militärzelt, welches er erst vor einigen Wochen gefunden hatte. Es war eine gute Tarnung, ganz anders als die bunten Campingzelte aus vergangenen Tagen, und der Stoff war äusserst robust. Er hatte schon heftige Regengüsse darin erlebt und war nicht nass geworden. Das Zelt war mittlerweile zu seinem Lieblingsrückzugsort geworden, welchen er bei Bedarf einfach einpacken und woanders wieder aufstellen konnte. Floyd suchte sich nicht jeden Tag eine neue Schlafstätte, aber er blieb kaum länger als drei, vier Tage an einem Ort. Das Nomadenleben lebte Floyd tatsächlich intensiv, aber nicht, weil ihm das so sehr gefiel, sondern weil er überleben wollte. Und auch, weil er seit dem Winter äusserst rastlos war. Irgendetwas trieb ihn. Eine Angst, die er nicht in Worte fassen konnte. Sein Körper verlangte nach einer Pause, wollte sich regenerieren und wieder zu alter Stärke zurückfinden. Aber das konnte er sich jetzt im Augenblick noch nicht leisten. Es musste erst wärmer werden und er brauchte einen noch sichereren Platz, wo er ungestört auch mal zwei Wochen verweilen konnte.
Als er sich selbst ins Innere des Zelts begab, tastete er sich vorsichtig voran. Er vermied es, eine Lichtquelle anzumachen, wollte er doch niemanden anlocken. Da Dinah ihren eigenen Schlafsack dabei hatte, konnte sich Floyd auf seinen eigenen legen. Sein Kopf rutschte in die Kapuze seines Mantels und sein Blick starrte in die Finsternis, die sie umgab. So schnell wie Dinah fand er hingegen nicht in den Schlaf. Er lauschte den leisen, sanften Atemzügen der jungen Frau neben sich, wobei ihm alte Erinnerungen einfielen, die er sofort wieder von sich schob. Erinnerungen waren die Basis des Lebens, aber sie konnten auch ein Hindernis für die Zukunft sein.
Er dachte über Dinahs Geschichte nach, über ihre verzweifelte Suche nach ihren Leuten und über seine Worte, die er ihr an den Kopf geworfen hatte. Ihm fiel die kurze Rangelei ein, die dazu geführt hatte, dass das Funkgerät ganz kaputt gegangen war.
Floyd tastete mit den Fingern nach seinem Kinn, wo ihr Ellbogen gelandet war. Es schmerzte wie eine Beule eben zu schmerzen hatte. Trotzdem verzog er in der Dunkelheit amüsiert sein Gesicht. So ein Scheiss!
Am Ende übermannte auch ihn der Schlaf, aber er schlief nicht tief und auch nicht lang. Schon im Morgengrauen schlüpfte er aus dem Zelt, erleichterte sich einige Meter entfernt und entzündete dann wieder das Feuer. Er setzte Wasser auf und machte mit einigen Brennesselblätter Tee. Er ass noch ein paar Nüsse, liess aber das 'grosse' Frühstück unangerührt. Er würde es mit Dinah teilen, sobald sie wach war.
Eine Stunde später trat dann auch sein Besucher aus dem Zelt heraus. Jetzt im Tageslicht wirkte Dinah ganz anders als im Feuerschein. Jünger, unbedarfter und weniger gehetzt. Er sah zu ihr auf und hob eine Augenbraue, als sie ihn Griesgram nannte. Verdammt, das war sein Gesicht! Er war kein Griesgram! Er war ein Realist. Und vielleicht manchmal auch ein Griesgram. Was wusste er denn schon?!
"Guten Morgen.", entgegnete er und hörte, wie müde seine Stimme klang. Mist, er hatte viel zu wenig und auch nicht ausreichend erholsam geschlafen. Er war müde, sein Rücken schmerzte und er hatte das Gefühl, dass seine Nase bald frierend aus seinem Gesicht fallen würde. Er bekam sie einfach nicht warm. Aber er hatte Pläne und diese würde er heute umsetzen. Es war ja nicht das erste Mal, dass er unausgeschlafen und erschöpft einen Tagesmarsch antrat.
"Das ist gut. Du wirst heute deine Kräfte brauchen.", fügte er hinzu, als Dinah ihm verkündete, gut geschlafen zu haben. Dann folgten ihrerseits eine Menge Fragen. Floyd zog es vor, eine Tasse mit dem heissen Tee zu füllen und reichte ihr dann den Becher. "Wir werden am frühen Abend dort sein." Er sah sie an. "Die Frage musst du dir dann vor Ort selbst beantworten. Woher soll ich wissen, welche Anzahl Leute für dich eine grosse Gemeinschaft darstellt?" Für manche waren zehn Leute eine grosse Gruppe. Für andere galt das erst ab siebzig oder achtzig Personen! "Die Toilette?" Floyd zog einen Stoffbeutel zu sich und holte eine Tupperware hervor. "Die Kolonie steht auf einer Insel, die leben dort völlig autark. Unabhängig eben. Die wissen sich dort schon zu helfen. Aber ob es 'ne Luxusschüssel für deinen Allerwertesten gibt, weiss ich nicht." Er sah sie an. War das Cottage vielleicht die bessere Wahl? Oder gar die Riders?
Floyd nahm sich vor, den direkten Weg nach Balar zu gehen. Sollte sich dieser als schwierig herausstellen und sie dazu zwingen, einen Umweg zu machen, konnte er immer noch wahlweise die Riders in nördlicher oder das Cottage in südlicher Richtung ansteuern.
Er hielt die Frischhaltebox in die Höhe. Darin befanden sich kleine Apfel-Nuss-Schnitten, die an geschnittene Kuchenstücke erinnerten. In der zweiten Box, die er daraufhin öffnete und neben sich platzierte, lagen bis zum Rand geröstete Honig-Pekannüsse. "Iss etwas. Danach räume ich zusammen und in etwa einer Stunde marschieren wir los." Sein Weg, seine Zeit. Er diktierte und übernahm die Führung. Da liess er sich auch nicht gerne reinreden, ausser der fremde und von irgendwem laut ausgesprochene Gedanke war hilfreich oder eine Überlegung wert.
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Dinah trat aus dem Zelt und blinzelte ins Morgenlicht. Die Nacht war kühl gewesen, aber der Schlaf hatte sie gestärkt, ihre Gedanken sortiert und die Müdigkeit ein Stück weit vertrieben. Sie bemerkte Floyd, der bereits am Feuer saß, Wasser aufgesetzt hatte und an einem dampfenden Becher nippte. Sein Gesicht wirkte müder als am Abend zuvor, die Spuren einer rastlosen Nacht unverkennbar. . 'Griesgram', hatte sie ihn natürlich im Scherz genannt, als sie das Zelt verlassen hatte, und die hochgezogene Augenbraue, die daraufhin folgte, entlockte ihr ein schmales Lächeln. Sie konnte nicht anders, als ihn ein wenig zu sticheln – dieser Mann schien so unerbittlich ernst, schon fast genervt von anderen Menschen dass sie nicht wusste, ob er sie überhaupt wahrnahm. Und doch schaffte Floyd es immer wieder, wenn auch unterbewusst von seiner Seite Dinah klar zu machen das sie sich irrte. Die Tasse Tee, die er ihr wortlos reichte, war ein Beweis dafür. Diese nahm sie natürlich mit einem dankenden Nicken sofort entgegen und nahm einen hastigen Schluck bevor sie das Gesicht verzog und sich natürlich durch die Hastigkeit an dem warmen Getränk leicht die Zunge verbrannte. „Wir schaffen es sicherlich früher. Ich brauche nicht so viele Pausen weißt du.“ winkte Dinah ihren Ärger über die verbrannte Zunge weg. „Wir müssen doch aber keinen Berg hinaufklettern? Dann sollte ich dir wohl direkt sagen, das ich wirklich mies im Klettern bin.“ pustete die junge Frau sanft in die Tasse ehe sie nun einen Schluck ohne sich zu Verbrennen aus der Tasse genehmigen konnte. Ehe sie mit ihren Schultern zuckte. „Ich hoffe sie beten kein Eichhörnchen als ihre Gottheit an – aber das ist schätze ich eine andere Geschichte für einen anderen Tag.“ Die junge Frau verzog nur das Gesicht als Floyd die Sache mit der Toilette hinterfragte. Es war offensichtlich, das auch dies eine Geschichte war auf die sie besser nicht weiter eingehen würde. Zu mindestens nicht in einem nüchternen Zustand. „Eine Insel?“ Nun damit hatte Floyd ihre Bedenken mit dem Klettern in Luft auflösen lassen. Aber anhand ihrer Tonlage schien sich schon ein neues Problem in der jungen Frau breit zu machen. „Wir müssen aber nicht selbst dahin schwimmen?“ fragte sie schon fast vorsichtig nach. Es war nicht so das Dinah nicht schwimmen konnte. Sagen wir mal so das die Dunkelhaarige nicht unbedingt davon begeistert war, was so im Wasser herumschwamm. Ein weiterer Grund warum niemand wirklich verstand weshalb sie der Fall in den Fluss und der Start all ihrer Probleme sie so traumatisierte. Sie war ja schon fast dankbar gewesen, das sie ihr Bewusstsein verloren hatte. Aber es war schon fast surreal, wenn der laufende Tod wortwörtlich auf der Erde war aber Dinah sich gerade vor Tieren im Wasser ekelte. Die Welt war manchmal verrückt. Oder war einfach Dinah verrückt? Darüber lies sich diskutieren. Als Dinah allerdings das Essen in der Box sah, war sie natürlich auch direkt wieder abgelenkt. „Ist das etwa-?“ Dinah blinzelte. „Hast du mir wirklich so was vorenthalten?!“ klang die Dunkelhaarige verärgert. Na ja im Grunde war sie nicht wirklich verärgert. Dinah mochte einfach nur Süßes. Sie mochte es wirklich sehr. „Du bist wirklich der fieseste Überlebende, den ich getroffen habe.“ Das stimmte zwar nicht ganz aber grummelig schnappte sich die Dunkelhaarige ein Stück daraus und aß es an der ehemaligen Feuerstelle. Natürlich hatte sie Floyd innerhalb von wenigen Minuten wieder verziehen. Nach dem sie gesättigt war, sah die Welt auch direkt wieder anders aus. Ihr Rucksack war gepackt. Ihr wichtiger Besitz – das Funkgerät wieder an ihrem Gürtel. Dinah kontrollierte selbst noch einmal das sie keine Spuren zurückließ. So dämlich wie sie auf Andere womöglich manchmal wirkte war sie nämlich nicht. Sie stapfte Floyd hinter her – fast schon wie ein aufgeregter Hund, der mit seinem Schwanz wedelte. Für Dinah war das Ganze auch ziemlich aufregend. Nicht nur das. Sie hatte auch seit Langem noch mal so etwas wie ein tiefes Hoffnungsgefühl. „Was wirst du machen wenn wir angekommen sind?“ fragte sie ihn schließlich nach einer Weile, in der sie bereits gelaufen sind. Dinah war zwar aufgeregt aber sie war dafür ungewöhnlich still die ganze Zeit gewesen. Ihr war schon klar gewesen, das sie Floyd nicht an der Backe haben wird. Oder eher gesagt umgekehrt. Sie versuchte keine dramatische Szenerie daraus zu machen. Für Dinah waren die Leute eh ohne hin nie ganz weg. „Handeln? Weiter wie ein Griesgram im Wald herumstreunen?“ schmunzelte die junge Frau nur scherzhaft.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Es war doch immer wieder erstaunlich, welche Kräfte andere in Floyd vermuteten. Ihm wurde nicht zum ersten Mal versichert, dass sie schneller vorankamen, weil seine Mitläufer auf Pausen verzichten wollten. Dabei war das in seinen Augen eine dumme Strategie. Es brachte nichts, einen Tagesmarsch auf sich zu nehmen und an seinen Kraftreserven zu zehren, bis keine mehr vorhanden waren. Selbst wenn seine Mitstreiter sich fit und ausgeruht fühlten, bedeutete das nicht, dass Floyd es ebenfalls war.
"Aha.", sagte er deshalb nur und setzte seine eigene Tasse an seine Lippen. Doch bevor er daraus trank, sah er aus den Augenwinkeln zu ihr. Berge? Die wären das kleinste Problem. "Nein, der Weg ist relativ flach. Wir werden aber den direkten Weg nehmen. Der ist nicht ganz ungefährlich, aber immer noch entspannter, als die ganze Strecke durch den Wald zu laufen." Die Natur hatte sich in den vergangenen fünfzehn Jahren eine Menge zurückerobert. "Wir werden ungefähr eine halbe Stunde von hier bis zur Mountain Road laufen und dieser bis zur ehemaligen Polizeistation folgen. Dort ist dann sowieso das Ziel. Das dauert ungefähr sechs Stunden. Reine Laufzeit. Mit Pausen und unvorhergesehenen Ausweichmanövern gehe ich von acht bis neun Stunden aus." Der warme Tee glitt seine Kehle hinab.
Floyd hatte sich die Hauptwege zu den Kolonien eingeprägt. Er ging sie ständig und wusste auch, wo sich die grössten Gefahrenzonen befanden. Aber kleinere, unvorhergesehene Hürden konnte er nicht ausschliessen. Es konnte eine kleine Gruppe Beisser auftauchen oder sie liefen direkt in einen Krieg zwischen der Kolonie und irgendwelchen Herausforderern. Letzteres glaubte er zwar nicht, weil ihm noch keine Hinweise zu Ohren gekommen waren, aber sowas konnte sich unter Umständen schnell ändern.
Erneut traf Dinah ein Blick, den man durchaus als finster beschreiben konnte, aber dahinter lag eigentlich nur Floyds Irritation über die Eichhörnchen-Gottheit. Wer in aller Welt betete ein Eichhörnchen an und wieso sollte man das überhaupt tun? Aber was wusste er schon über den Glauben? Rein gar nichts. Seinen ersten Kirchenbesuch hatte er nach dem Ausbruch der Seuche getan und dies auch nur, um darin zu plündern.
Er erklärte ihr, dass es sich bei Balar Island um eine Inselkolonie handelte und ihre Reaktion war anders, als erwartet. Er liess die Tasse sinken und atmete merklich durch. "Am Strand liegen einige Luftmatratzen bereit. Man legt sich drauf und lässt sich von der Strömung bis zur Insel treiben." Er hob die Hand und rieb sich über seine linke Augenbraue. Wie schafften es solche Leute nur zu überleben? Argh! "Es gibt eine Brücke.", meinte er schliesslich und drehte seinen Kopf in ihre Richtung. "Die Brücke wird bewacht. Sie lassen nicht einfach jeden Dahergelaufenen rüber. Da ich aber kaum etwas Tauschbares bei mir habe, werden wir von Anfang an mit der Wahrheit über sie herfallen: Dass du eine Bleibe suchst. Ob für länger oder vorübergehend, solltest du offenlassen. Denn nur weil ich hin und wieder Tauschgeschäfte mit ihnen mache, bedeutet das nicht, dass sie mir bei jeder Begegnung über den Weg trauen." Das taten sie eigentlich schon, schliesslich war er ja kein unbekanntes Gesicht. "Kann aber sein, dass sie sich erst beraten wollen. Weil es bei unserer Ankunft sowieso abends ist, werde ich mein Lager in der Nähe aufschlagen. Notfalls kannst du nochmals in meinem Zelt schlafen." Eigentlich wollte er das vermeiden, aber er würde Dinah auch nicht draussen in der Kälte und ungeschützt herumsitzen lassen.
Auch hatte er nicht vor, ohne etwas im Magen aufzubrechen. Deshalb bot er Dinah etwas von seinem Vorrat an. "Ich biete dir doch gerade etwas davon an! Wann soll ich dir das vorenthalten haben? Gestern? Gestern gab es etwas anderes. Ich esse nicht dreimal am Tag das gleiche!" Da wurde einem ja schlecht! Und Floyd versuchte immer etwas Abwechslung in seinen Nahrungsplan zu bringen. Einseitige Ernährung konnte gefährlicher sein als Hunger zu leiden. Aber das konnten auch nur jene wissen, die die Nebenwirkungen von einem Einheitsbrei kannten. Die waren nämlich scheisse.
Dinah nahm etwas davon und setzte sich zum Frühstück hin. Floyd stellte die Tupperware-Boxen zwischen sie. Über ihr Kompliment, er sei der fieseste Überlebende, den sie je getroffen hatte, grinste er allerdings auf. Er mochte aussehen wie ein Griesgram oder den Eindruck vermitteln, angepisst zu sein. Allerdings war Floyd einer jener Männer, die nicht wegsehen konnten und ihre Hilfe anboten, wenn sie benötigt wurde. Er war kein schlechter Mensch, er wurde nur oft missverstanden, woran er aber meistens auch selbst schuld war. Er könnte freundlicher sein. Aber das war für jemanden wie ihn ziemlich schwer. Er zeigte seine Freundlichkeit lieber in Taten anstatt mit Worten oder herzlichen Gesten.
"Und du die Schlagkräftigste.", erwiderte er nach einer Weile und spielte damit auf ihren ungewollten Ellbogenschlag gegen sein Kinn an.
Floyd räumte nach dem Frühstück sein Hab und Gut ein und verstaute auch das Zelt in seinen grossen, schwarzen Survival-Rucksack. Sie verwischten ihre Spuren so gut es ging, denn es konnte immer irgendwen geben, der sie verfolgte, erst recht, nachdem was Dinah ihm über ihre Gruppe und den Angriff erzählt hatte.
Sie verliessen die grosse Wiese, ohne gross miteinander zu sprechen, durchquerten den Wald, wo sie in der Ferne einen Beisser entdeckten, der sie beide aber nicht wahrzunehmen schien, und traten nach etwas mehr als einer halben Stunde auf brüchigen Asphalt. Die Mountain Road 117 führte vom Governor Ritchie Highway bis nach Balar Island. Warum die Strasse Mountain Road hiess, wusste Floyd allerdings nicht. Die Strecke war flach. Es gab keine Hügel, nicht einmal sanfte Erhebungen.
Floyd sah sich in alle Richtungen um, und vergewisserte sich, dass keine unmittelbare Gefahr auf sie lauerte. Aber es war ruhig. Hie und da säumte Schrott die Strasse, die weniger überwuchert war als andere, was ein deutliches Zeichen dafür war, dass diese genutzt wurde. Auch standen kaum noch Autos im Weg, und wenn, dann in einer Breite, in welcher Motorräder, Autos und Fuhrwerke hindurchpassten. Sie nahmen den Weg nach links, wo sie zuerst durch ehemals bewohntes Gebiet mussten. Rechts von ihnen befand sich ein Einkaufszentrum mit vielen Restaurants, einer Post und der Bank. Floyd hielt sich mit Dinah auf der linken Fahrspur auf, so dass sie notfalls in den Wald hineinrennen konnten. Die grosse Fläche, die einst als Parkplatz einen Nutzen gefunden hatte, behielt er im Auge.
Die junge Frau hinter ihm machte wieder auf sich aufmerksam. Floyd hatte allerdings auch nichts dagegen. Die Lage hier war ruhig. "Dich dort abliefern und wieder verschwinden.", meinte er und blickte dann über seine Schulter mit einer hochgezogenen Augenbraue, als sie scherzend mutmasste, dass er weiter als Griesgram durch den Wald herumstreunen würde. Seine Mundwinkel zuckten dabei nach oben. Tss.
"Ich wüsste nicht, was ich anderes tun sollte als das, was ich vor unserer Begegnung getan habe. Also ja, ich werde weiter auf meine Plünderungstouren gehen und Tauschgeschäfte mit den Kolonien und anderen Gruppen machen." Er kratzte sich am Nasenrücken und sah wieder nach vorn.
Konnte er denn etwas anderes tun? Das war eben sein Leben. Seit fünfzehn Jahren kannte er es nicht mehr anders. Und er war bisher immer gut damit zurechtgekommen, was auch immer gut bedeutete.
Aber Floyd konnte nicht leugnen, dass ihm allmählich die Energie für seinen Alltag ausging. Er zweifelte auch daran, dass er den nächsten Winter genauso überstand wie den letzten. Langsam, aber sicher musste er sich einen Plan machen. Er brauchte eine Auszeit vom Nomadenleben, er benötigte dringend einige Wochen etwas Sicherheit, erholsamen Schlaf und regelmässigeres Essen, um wieder zu Kräften zu kommen. Aber wie und wo und ob ihn überhaupt eine Kolonie vorübergehend aufnehmen wollen würde, stand in den Sternen. Und sein Stolz verbat es ihm, laut darüber nachzudenken, mit jemanden darüber zu reden oder einfach bei der nächsten Kolonie nachzufragen. Alles in ihm sträubte sich dagegen. Sich einzugliedern, unterzuordnen, sich anzupassen… Erwartungen zu erfüllen. Verdammt, das hatte er noch nie können!
"Ich hoffe, sie können dir bei der Suche nach deinen Leuten helfen." Er liess sich einen Schritt zurückfallen und lief dann neben ihr. "Balar Island hat ein gutes Verhältnis mit den Anarchy Riders im Norden und dem Cottage im Süden. Möglicherweise können sie kolonieübergreifend Hilfe anbieten. Je nach dem, wie wichtig ihnen dein Schicksal ist." Das konnte Floyd nicht beurteilen.
--> Dinah und Floyd gehen nach Straße (6)
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zuletzt bearbeitet 20.01.2025 13:20 |
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