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WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
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01.01.26 Frohes neues Jahr!
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Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
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THE DEAD DON’T DIE
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Eigentlich wollte Leif ja tröstende Worte finden und Virgils Gott gar nicht egomanisch nennen. Er konnte sich nämlich nicht vorstellen, dass dieser einem Gläubigen wirklich derart viel abverlangte und nur wegen zu wenigen Gebeten seine Eltern tötete. Es war ein schwacher Versuch, Virgil Zuversicht zurückzugeben, und der war wohl nicht von Erfolg gekrönt. Leif hatte zwar über das Christentum gelesen, zwangsweise, als er sich damit beschäftigt hatte, wie seine Vorfahren missioniert worden waren, aber er hatte gerade deswegen Vorbehalte. So wie Virgil auch welche seiner Lebensweise gegenüber hatte. Es passierte einfach, auch wenn sie einander nur verstehen wollten.
Vielleicht war es ein guter Schritt, einzugestehen, dass auch er sich manchmal in einem Zwiespalt befand. Also nickte Leif und sah zu Boden. »Ich glaube, in diesen Zeiten sind Zweifel noch verständlicher als vor der Apokalypse. Am liebsten würde ich dir eine Geschichte erzählen können, dass die Götter dies vorhergesehen haben, dass ein Plan hinter all dem steckt oder gar eine Prophezeiung. Aber nichts von dem, was in der Edda steht oder was man sich erzählt, passt zu dem, was seit Jahren hier passiert. Und ... da habe ich mich natürlich auch gefragt, warum die Götter das zulassen. Vielleicht sind sie aber auch selbst betroffen und brauchen unseren Glauben jetzt mehr denn je. Es ist ein Geben und Nehmen, du erinnerst dich?« Leif lächelte aufmunternd. Möglicherweise könnte Virgil ja zu einer ähnlichen Annahme kommen, was seinen Gott betraf, auch wenn dieser immer so unfehlbar dargestellt wurde.
»Valhalla«, meinte er nun verträumt. »Die Sagen sind vollgestopft mit Geschichten und Beschreibungen zu diesem Ort. Wenn man vereint wird mit den Göttern und seinen Liebsten ... ist das die Belohnung für alles, was einem auf Midgard widerfahren ist. Aber nicht jeder kommt dorthin. Die ... Voraussetzungen müssen stimmen.« So unähnlich war das also wohl doch nicht, zu der Prüfung, die man am Tor des christlichen Himmels abhalten musste oder wie auch immer das vonstattenging. Dennoch nahm einem die Möglichkeit, Valhalla zu erblicken, ein stückweit die Angst vor dem Sterben.
Eine Kette aus Zähnen oder Ohren? Leif grinste und ... merkte sich das. Falls er Virgil mal ein Geschenk machen wollte. Denn das mit den Zähnen wäre durchaus eine Option, nur nicht welche von Menschen, sondern von Tieren, die er erlegt hatte. Allerdings war das gleichsam ein seltsamer Gedanke, denn sie würden sich ja womöglich gar nicht noch mal sehen. Geschweige denn sich so gut kennenlernen, um sich derartige Gaben zu überreichen. Wobei Virgil ihm schon den geschnitzten Fisch geschenkt hatte und das war ... wirklich schön. Also ja ... Leif würde ihm eine Kette basteln, eine die ihm Glück bringen würde und dafür sorgte, dass er vielleicht manchmal an ihn dachte? Voraussetzung war nur, dass sie sich wiedersahen. Etwas, das Leif im Moment noch nicht ansprechen wollte und auch nicht wusste, wie er das überhaupt anstellen sollte.
»Könnte man so sagen«, meinte er bezüglich des Vergleichs von Edda und Bibel. Und der Wunsch reifte weiter, mit Virgil an einem Feuer zu sitzen und ihm all die wunderlichen Geschichten zu erzählen. Mit der richtigen Atmosphäre.
»Nein ... so war das nicht gemeint«, sagte er nun zum Beten und schüttelte den Kopf. »Verzeih, ich ... habe selbst so meine Vorurteile, die ich gar nicht einfließen lassen will. Es ist nur recht, dass wir um die Dinge bitten und beten, die wir uns wünschen. Das mache ich genauso wie du. Entschuldige, wenn ich dich beleidigt habe.« Ihm war also durchaus klar, dass Virgil keine Marionette war und einen eigenen Kopf hatte. Dennoch schien er so viele Zweifel zu hegen, dass er sich selbst bremste. Diesen Eindruck bekam Leif innerhalb so kurzer Zeit. Wusste aber auch nicht, wie er das in Worte fassen sollte, ohne ihm erneut zu nahe zu treten. Also schwieg er lieber und beließ es bei der Entschuldigung.
Es tat der Anziehungskraft jedoch keinen Abbruch. Auf dem Boot flirteten sie bereits wieder hemmungslos miteinander, wenn auch Leif sich dabei ertappte, immer wieder zurückrudern zu wollen. Also nicht ans Ufer. xD Sondern was seine Kommentare anging. Virgil machte es ihm aber nicht einfach, sodass Leif erneut provozierend seinen Blick über den Christen streifen lief und ... bei der Körpermitte etwas länger verweilte. Uff, was machte er da nur? Als hätte er eine Ahnung, wie ... man auf handfestere Weise vorging. Das hier gerade war wirklich viel heiße Luft, aber Leif war trotzdem neugierig, wie gut Virgil wirklich gebaut war.
Ja, über Fische zu reden war da wirklich besser. xD Wobei Leif wieder sachte schmunzelte. »Nein, das liegt nicht am Ozean, sondern an den Fischen. Manche sind giftig. Einfache Faustregel: Iss nichts, was keine Schuppen hat oder nicht wie ein Fisch aussieht. Und auch nichts, was sich aufbläht, wenn du es aus dem Wasser nimmst. Ich zeige dir gleich, worauf es ankommt.«
Zumindest hatte er das vor, nur verscheuchten sie mit ihrem kleinen Unfall wohl alle Fische in der Umgebung. Leif kletterte flink ins Boot zurück, nachdem er sich vergewissert hatte, dass Virgil nicht untergehen würde, und half ihm dann ebenfalls über die Reling. Was nicht reibungslos klappte. Erneut kippte Leif um und sah plötzlich den Himmel über sich, an dem schon die ersten Sterne leuchteten. Die Sonne würde bald untergehen. Diese Erkenntnis kam ihm aber eher am Rande. Denn er sah nicht nur das Firmament, sondern auch wirres, nasses Haar. Und spürte einen warmen Körper direkt auf seinem eigenen, genau wie einen kratzigen Bart an seinem Hals. Virgil machte keine Anstalten, von ihm runterzugehen, sondern ... vibrierte bald förmlich vor Lachen. Ein Geräusch, bei dem Leif automatisch einstimmen musste und seiner Bekanntschaft beruhigend auf den Rücken klopfte. »Keine Sorge, jeder fängt mal klein an. Mit mir hast du einen geduldigen Lehrer erwischt.« Was ja schon irgendwie aussagte, dass sie ... sich noch weiter treffen könnten, oder?
Das Boot schunkelte immer noch sachte unter ihnen, als Virgil sich doch noch aufrichtete. Allerdings stand er nicht auf, sondern verharrte, mit seinem Gesicht nah an Leifs. Ihre Blicke trafen sich und ... die Zeit stand still. Das war so ein abgedroschener Vergleich, aber es stimmte. Eine ganz bestimmte Stimmung stellte sich ein, die Leif zum einen sehr anregend fand ... ihn aber auch ängstigte. Er hatte schon Männer geküsst, immer bahnte es sich auf eine gewisse Weise an, aber das hier war vollkommen anders. Leif war sich sicher, so sehr hatte sein Herz noch nie gerast. Und er wusste nicht, ob er es verantworten konnte, es jetzt schon zu verlieren. Noch dazu an jemanden, den er kaum kannte. Weswegen er diese Situation unbedingt zerstören musste, auch wenn ... er es eigentlich gar nicht wollte.
Er legte Virgil die Hände an die Schultern, um ihn sachte weiter nach oben zu drücken und sich aufzusetzen. Statt noch mal ihn anzusehen, blickte er kurz erneut gen Himmel. »Lass uns das Netz einziehen und schauen, ob sich doch noch etwas drin verfangen hat. Und dann bringe ich dich zurück zum Ufer, es ... ist schon spät.«
@Virgil Chadburn



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„Meine Gemeinschaft denkt.. was hier passiert ist eine Strafe. Für die vielen Verfehlungen, die die Menschen begangen haben. Es wäre immerhin nicht das erste Mal, dass Gott uns Katastrophen wie die Sintflut oder Plagen schickt, um uns zu prüfen. Diese Untoten.. sind womöglich nur eine weitere Prüfung unseres Glaubens. Ich weiß nicht was ich davon halten soll…. manchmal denke ich, er hat uns einfach aufgegeben…“
Valhalla. Das klang nach einem wirklich schönen Ort. Und dort hin zu gelangen so gemeinschaftlich
„wie.. soll es dort aussehen? Euren Erzählungen nach? und welche Voraussetzungen müsst ihr erfüllen, um diesen heiligen Ort zu erreichen?“
Bei den Christen war das einigermaßen klar. Aber wie war es bei den Heiden? Was mussten sie leisten, um nach Valhalla zu gelangen? Nur ein paar Ziegen zu opfern konnte doch nicht alles sein. Aber Demut schien auch nicht ihre Stärke.
Es klang aber definitiv optimistischer als bei den Christen, denn die Erzählungen über das Fegefeuer waren derart grausam, dass jeder Katholik panische Angst davor hatte. Denn egal wie fromm man lebte, man hatte immer das Gefühl es reichte trotzdem nicht.
Als Leif sich plötzlich so geradlinig bei Virgil wegen seiner Worte entschuldigte, trat ein mildes Lächeln auf dessen Lippen. Er hatte ihm damit ja gar keinen Vorwurf machen wollen. Dennoch war es irgendwie schön das Leif das nicht einfach abtat sondern so aufrichtig war. Weswegen er ihm erneut die Hand auf die Schulter legte und den Kopf sachte schüttelte
„Das hast du nicht. Ich weiß um den Ruf der Christen und meiner Kirche. Und du hast schon Recht. Gedanken zu fassen, die von der Norm meiner Religion abweichen.. ist problematisch. Das ich es dennoch tue.. fühlt sich zwar einerseits richtig an aber auf der anderen Seite plagt mich dabei auch stets mein Gewissen“
Was wohl auch deutlich machte, dass er später auch mit diesem Treffen hier hadern würde. Denn was er hier alles tat war alles andere als christlich und von seiner Gemeinschaft alles andere als gern gesehen. Was Gott davon hielt… wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann wusste er das nicht. Wenn er ihn doch einfach nur fragen könnte.. doch noch nie hatte er eine Antwort auf seine vielen Fragen erhalten.
So wie Leif ihn gerade musterte, war es wohl kein Wunder, dass sich sündige Gedanken in seinem Inneren breit machten. Die er auch nicht so recht kontrollieren konnte. Sie tauchten einfach auf und ließen ihn nicht mehr los. Bei Virgil steckte also tatsächlich nur viel Show dahinter. Denn so selbstsicher und erfahren wie er sich hier gerade gab war er absolut nicht. Wollte aber nicht, dass Leif das bemerkte. Denn es war ihm peinlich in seinem Alter immer noch so unerfahren zu sein, während Leif mit Sicherheit schon bei vielen Männern gelegen hatte. Oder Frauen? er wusste ja noch nicht mal so recht welchem Geschlecht er zugetan war. Auch wenn seine Blicke eigentlich Bände sprachen aber womöglich bildete er sich das auch nur ein. Vielleicht war ja auch beides der Fall, die Wilden feierten doch sicherlich stets sündige Orgien xD berauschten sich mit Drogen und rieben ihre Körper an jedem der ihnen über den Weg lief. Noch so ein Vorurteil das tief in ihm verankert war. Das er sich nun aber nicht anzusprechen wagte.
Fische waren da ein weniger verfängliches Thema. Viel viel unschuldiger und sie machten ihn nicht so nervös.
„Verstanden. Schuppen sind gut, heiße Luft ist schlecht“
Versuchte er sich die Faustregel zu merken. Wenn man nichts essen sollte was sich aufblähte, müsste Leif ja vielleicht doch die Finger von Virgil lassen.
Der wenig später lachend auf Leif lag. Es gab kaum etwas Schöneres als wenn jemand gleichermaßen in ein Lachen einstimmte. Und Leifs Lachen.. war wirklich wunderschön. Es war wie Musik in Virgils Ohren. Weshalb er gar nicht anders konnte als ihn danach ziemlich… sehnsüchtig anzublicken.
Und er hatte das Gefühl, Leifs Blick sagte dasselbe aus. Virgil traute sich in diesem Moment kaum zu atmen. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und er glaubte noch nie in seinem Leben derart nervös und angespannt gewesen zu sein wie in diesem Augenblick. Leif raubte ihm wortwörtlich den Atem.
„Du darfst mich jederzeit nachsitzen lassen“
Flüsterte er ihm nun sogar wegen der Sache mit dem Lehrer entgegen. Für ihn würde er gerne Überstunden machen. Jederzeit und auf der Stelle.
Unbewusst kam er ihm noch ein bisschen näher, da Leifs feuchte Lippen ihn gerade anzogen wie Magnete.
Allerdings…. verwandelte sich Leifs Minuspol offenbar von einer Sekunde auf die andere in einen Pluspol. Und stieß den von Virgil ab, noch ehe er ihm hätte zu nahe kommen können.
Etwas verdutzt ließ er sich von ihm schieben und setzte sich wieder auf eines der Bretter des Bootes.
Was war das gerade gewesen?? Sofort hielt ein Gefühl von Unwohlsein in Virgils Bauch Einzug. Und er schämte sich schrecklich für diesen schäbigen Versuch Leif nahe zu kommen. Was hatte er sich dabei bloß gedacht? Vielleicht war er ja doch nicht so offen und feierte täglich Orgien? Womöglich war Leif aber auch vergeben. Oder doch dem weiblichen Geschlecht zugetan. Es gab so viele Gründe, die ihn nun so handeln lassen könnten. und Virgil.. würde wohl nicht erfahren, um welchen es sich handelte. Unfähig diesen Moment nun anzusprechen. Stattdessen lächelte er ein bisschen gezwungen, da er sich keineswegs anmerken lassen wollte, wie sehr er sich gerade vor den Kopf gestoßen fühlte oder wie unwohl er sich wegen der Abfuhr fühlte.
Auf der anderen Seite war es auch besser so…. immerhin sollte er das hier doch gar nicht tun! Womöglich hatte Gott ihn davor bewahrt etwas Falsches zu tun?
Nun war die Stimmung seltsam. Denn sie beide taten wohl einfach so…. als wäre gerade rein gar nichts passiert. Sie überspielten die Situation und versuchten an die lockeren Gespräche von zuvor anzuknüpfen. naja mehr oder weniger. Denn Leif machte mit seinen Worten ziemlich deutlich, dass dieses Treffen für heute wohl vorbei war.
„ja.. du hast Recht. Ich sollte nicht in der Dunkelheit zurück zu meiner Gemeinschaft kehren..“
Und den Wald durchqueren. Das war gefährlich und unvernünftig. So wie das alles hier.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Manchmal hatte Leif wirklich den Eindruck, die Christen wären eine Gruppe von Masochisten, da sie sich für alles bestraft fühlten, was sie taten und dann auch wirklich noch dachten, sie hätten das verdient. Für ihre Sünden, die eigentlich keine waren. Also manche sicherlich, wie Mord beispielsweise, aber manche Todsünde, wie die Wollust, war doch wirklich übertrieben. xD
Aber auch das sagte Leif nicht. Er wusste generell nicht, was er sagen sollte, denn alle Nachfragen, würden die Zweifel womöglich vertiefen. Und er wollte nicht dafür verantwortlich sein, wenn Virgils Glaubenskrise sich noch vergrößerte. Eigentlich wollte er ihm viel lieber Mut machen, weil er ihn nur schwer so zerrissen sehen konnte. Schon verrückt, er kannte ihn erst so kurz, fühlte aber bereits sehr mit ihm mit. Da ihm keine Worte einfielen, die Virgils Leid lindern würden ... griff er dann doch nach seiner Hand und drückte sie. Es war eine sehr intime Geste, entsprang aber gerade einfach seinem Herzen.
Vielleicht lenkte es ihn ja ab, wenn Leif noch mehr über seine Götter erzählte. Auch wenn er ihn nicht missionieren wollte, aber Virgil schien sehr neugierig zu sein. Und Leif liebte es nun mal, Geschichten zu erzählen, auch wenn er sich nach wie vor Met und ein Feuerchen dazu wünschte. Nun musste er zumindest den Arm um Virgil legen und seine Worte mit Gesten untermalen, die er in die Luft zeichnete und dabei gen Himmel blickte. »Valhalla ist eine riesige Halle in Odins Burg, mitten in Asgard. Über 500 Tore führen aus allen Richtungen hinein, man hat einen wundervollen Blick auf das gesamte Götterreich. Das Dach besteht aus Schilden und Speeren aller gefallenen Krieger. Es gibt Bier und Met, prächtiges Essen, Waffenspiele ... alles, was das Herz begehrt. Überall ist Lachen zu hören, angeregte Gespräche und jeder ist dem anderen gleich. Wenn man Glück hat, kommen die Wölfe und Raben von Odin zu einem, leisten einem Gesellschaft. Und wenn neue Krieger von den Walküren gebracht werden ... gibt es einen tosenden Applaus.«
Damit endete Leif mit seiner Bebilderung und war selbst ganz entrückt von der Vorstellung, eines Tages dort einzuziehen und mit seinen Eltern und Freunden wieder vereint zu sein.
Doch die Nachfrage, wie man dorthin kam, holte ihn zurück. »Jeder der tapfer gekämpft hat, wird von den Walküren geholt. Früher hieß das, in einer Schlacht gefallen zu sein. Aber ... das ganze Leben kann ein Kampf sein, nicht wahr? Ich glaube, jeder wird geholt, der nicht aufgegeben hat, der keine Angst gezeigt hat im Angesicht des Todes und jeder ... dem die Gnade zuteilwird, richtig zu sterben. Alle anderen kommen nach Helheim. Oder wandeln als Beißer durch die Gegend.«
Wenn es um den Glauben ging, konnten unbedacht gesprochene Worte schnell zu einer Beleidigung werden. Leif wollte klarmachen, dass es ihm darum nicht ging. »Ich weiß aber auch um den Ruf meines Glaubens und du machst dir trotzdem dein eigenes Bild. Das sollte ich auch tun.« Also würde er sich auch mehr bemühen, auch wenn er immer mehr den Eindruck bekam, sein Bild vom Christentum wäre schon ganz richtig. xD »Religion ist doch auch immer im Wandel. Die Christen von heute leben nicht mehr so wie früher. Genauso ist es mit meinem Glauben. Keine Menschenopfer mehr. Valhalla ist nicht nur für Soldaten auf dem Schlachtfeld da. Glaube sollte immer anpassungsfähig sein und vielleicht ist deiner jetzt gerade genauso im Wandel. Zumindest für dich. Das ist doch in Ordnung. Er kann nicht für jeden gleich sein. Es ist dein Leben, du musst mit dir im Reinen sein.« Das war zumindest Leifs Meinung. Aber vielleicht war das ja wieder eine barbarische Sichtweise, die für einen Christen niemals in Frage käme.
Dass gleichgeschlechtliche Liebe für Christen ein Problem war ... darüber war er sich gar nicht mehr so bewusst. Vielleicht, weil er selbst noch in der Pubertät gewesen war, als die Seuche kam und vorher nur einen Jungen geküsst hatte. Und dann war das alles nicht mehr wichtig gewesen. Leif hatte nur Menschen kennengelernt, für die das in Ordnung war, oder die selbst dem eigenen Geschlecht zugewandt waren. In seiner Religion spielte das auch keine Rolle. Deswegen machte er sich darüber keinen Kopf. Es ging ihm bei seinen Bedenken mehr darum, dass er sich zwar nach einem Partner sehnte, aber gleichzeitig auch extrem Angst davor hatte, sein Herz an jemanden zu verlieren, der ihm dann genommen wurde. Und auch davor, sich jemandem zu öffnen, der ihn nur verletzen würde. Vertrauen spielte eine große Rolle für ihn. Und Vertrauen brauchte Zeit. Selbst wenn sie in Balar sündige Orgien feiern würden, hätte Leif sich zurückgehalten. Hatte er ja bereits, trotz eines Angebots. Er wollte sich niemandem gänzlich hingeben, für den er nicht mit vollem Herzen etwas empfand, nur um mitreden zu können. Und diesen Jemand hatte er bisher nicht getroffen.
All seine Entschlossenheit kam jedoch ins Wanken, als Virgil auf ihn fiel und sie ... gemeinsam lachten. Er wollte ihn nicht wegschieben, er fand es sehr schön, ihm so nahzusein. Zumal er sein Lachen ebenso schön fand und er seine braunen Augen jetzt noch eingehender mustern konnte als zuvor. Es fehlte nicht mehr viel und sie würden sich küssen, das spürte Leif ganz genau. Und das an sich wäre ja eigentlich nicht mal ein Problem, so weit war er bereits mit anderen Männern gegangen. Aber er musste sich auch eingestehen, dass Virgil nicht irgendein Mann war. Ein unüberlegter Kuss würde etwas ins Rollen bringen, und das viel zu früh. Leif wollte sich nicht von dieser Situation wegtragen lassen, nur weil er seine Hormone nicht unter Kontrolle hatte. Wenn er Virgil küsste, dann weil er sich sicher sein würde, etwas für ihn zu fühlen. Also, dass da etwas war, konnte er bereits benennen, aber es war noch zu frisch. Er wollte ... alles richtig machen. Außerdem hatte er Schiss. Dass Virgil erkennen würde, dass er im Bett nichts zu bieten hatte. Denn wenn sie sich küssten, wusste Leif wirklich nicht, ob sie wenig später ihre Klamotten noch anhaben würden. Wahrscheinlich nicht.
Also stieß er ihn zurück und stand entschlossen, aber auch emotional ziemlich verwirrt auf, um zum Netz zu gehen. Die Stimmung wurde sofort komisch und Leif bekam ein schlechtes Gewissen. Aber was hätte er denn tun sollen? Es war ... doch besser so, für sie beide. Schweigend holte er das Netz ein, das wie erwartet leer war. »Kein Glück«, meinte er überflüssigerweise und lud Virgil aus Angst vor Ablehnung nicht gleich ein, es ein anderes Mal erneut zu versuchen, obwohl er das vorgehabt hatte. Dabei hatte er ihm gerade einen Korb gegeben und nicht umgekehrt. Dennoch hatte Leif Bedenken, dass er es ihm krummnahm.
Er setzte sich auf die Ruderbank und klopfte auffordernd neben sich. »Es sei denn, dir steckt der Schreck noch so in den Knochen, dann bring ich uns allein rüber.« Leif lächelte, allerdings viel vorsichtiger und nicht mehr so befreit wie vorhin. So oder so bewegte sich das Boot bald wieder Richtung Ufer, wo es andockte und von Leif wieder festgebunden wurde. Etwas unschlüssig stand er nun dort und blickte zu Virgil, unsicher, wie sie sich nun verabschieden sollten.
@Virgil Chadburn



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zuletzt bearbeitet 11.04.2022 00:12 |
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Wenn man jemandem lange genug einredete, dass etwas so war.. natürlich verinnerlichte man diese Gedanken dann. Also kein Wunder, dass Virgil wegen allem ein schlechtes Gewissen hatte oder sich ungenügend fühlte. Diese Demut konnte eine wirklich große Bürde sein. Vor allem wenn Kinder mit diesen Glaubenssätzen aufwuchsen. Nun war Virgil zwar erwachsen und konnte eigene, philosophische Gedanken anstellen. Aber die Lektionen seiner Kindheit würde er trotzdem niemals vergessen.
Aber diesmal wählte Leif keine unbedachten Worte, die seine Glaubenskrise nur noch verschlimmerten. Stattdessen schwieg er und spendete ihm mit einer Geste Trost. Eine Geste mit wirklich großer Bedeutung. Denn jemandes Hand zu nehmen.. war tatsächlich sehr intim und Virgils Blick wanderte zu ihren Händen hinab. Leif war ein guter Mensch. Ungeachtet seines Glaubens oder ihrer Unterschiede. Er war kein Wilder und auch kein Barbar. Er war einfühlsamer und offenherziger als jeder andere Mensch aus seiner Gemeinschaft. Und diese Erkenntnis traf ihn wie ein Blitz. Denn wie konnte es sein, dass ein Heide sein Herz viel stärker berührte als die Menschen mit denen er aufgewachsen war? Die seinen Glauben teilten? So sollte es nicht sein oder? Weitere Gedanken die ihn verwirrten. Er dieses Gefühl aber auch wirklich schön fand. Da er sich bisher niemandem sonst so verbunden gefühlt hatte wie Leif. Verrückt.. da er ihn doch erst seit ein paar Minuten ‚offiziell‘ kannte.
Weshalb ein leicht trauriges Lächeln auf seine Lippen trat und er seine Hand etwas drückte, als Zeichen der Dankbarkeit, ehe er sie wieder los ließ.
Und die traurige Stimmung war auch gleich wieder fort als Leif den Arm um ihn legte und so lebendig von den Hallen Valhallas erzählte. Virgil hing förmlich an seinen Lippen und versuchte sich alles bildlich vorzustellen. Und zugegeben… es klang schon ziemlich barbarisch aber irgendwie auch amüsant.
„Euer Leben im Jenseits ist also nichts anderes als eine große, niemals endende Feier“
In einem wunderschönen Festsaal. Die Vorstellung hatte was, auch wenn Virgil kein großer Partygänger war. Die meisten Feste hatten sie im Kreise ihrer Bibelgemeinschaft gefeiert.
„Auf den Met und die Waffenspiele könnte ich verzichten. Doch das Lachen und die Heiterkeit.. klingen wirklich wunderschön“
Denn so gelöst ging es im Himmel höchstwahrscheinlich nicht zu. Er stellte sich dort alles sehr geordnet und streng vor. Auch dort hatte jeder seine Aufgabe und Regeln, die es zu befolgen gab, wenn man nicht doch noch verbannt werden wollte und als Engel ‚fiel‘. Selbst im Tod mussten die Christen einfach perfekt sein.
„Zeigt denn nicht jeder Angst im Angesicht des Todes?“
war Leifs Glaube so fest verankert, dass er wirklich mit einem Lächeln nach Valhalla ging? Virgil wünschte sich diese Zuversicht ebenso. ….. besaß sie aber einfach nicht.
Wieder lächelte Virgil weil Leif versuchen wollte seinem Glauben gegenüber auch etwas offener gegenüber zu treten.
„Du wirst sehen, wenn du mir eine Chance gibst dir mehr darüber zu erzählen, dann wirst du erkennen, dass nicht alles an meinem Glauben nur von Strenge und Disziplin geprägt ist. Uns einen auch sehr schöne Dinge..“
Die Virgil ihm gerne näher bringen würde, wenn Leif denn offen und aufgeschlossen dafür war. Es könnte ja auch sein, dass er nichts davon wissen wollte und auch das wäre okay.
Aber endlich!! sagte Leif etwas das Virgil tatsächlich Trost spendete und etwas Zuversicht zurück gab. Nicht nur durch Gesten sondern auch durch Worte.
„Diese Sichtweise finde ich wirklich schön..“
Das Glaube stets im Wandel war und dass es nicht hieß, dass man ein schlechter Christ war, nur weil man sich den Zeiten anpasste. Virgil war dankbar für diese Worte und Leif hatte ihm definitiv ein bisschen was zum Nachdenken mit auf seinen Weg gegeben.
Noch war für Virgil alles mehr ein Spiel. Er fühlte sich zwar längst zu Leif hingezogen, konnte sich aber trotzdem nicht vorstellen, ihm wirklich näher zu kommen. Auf intime Art und Weise. Also doch.. vorstellen tat er es sich sehr wohl. Hatte er auch bereits in seinen Träumen. Aber das Typische an Träumen war doch, dass sie niemals wahr wurden oder? Das hier war noch viel zu unwirklich, dass er es womöglich sogar für einen weiteren Traum hielt.
Als er Leif jedoch so nahe war.. wurde ihm nach und nach bewusst, dass sie das hier wirklich taten. Er war wach. Das war die Realität. Und auch diese Gefühle bildete er sich nicht nur ein. Weshalb das alles auch ihm ein bisschen Angst machte. Musste es aber nicht länger, da Leif ihm ohnehin eine Abfuhr erteilte. Und es war vielleicht wirklich besser so. Für sie beide.
Das sich Enttäuschung einstellte.. konnte er leider trotzdem nicht verhindern. Krumm nahm er es ihm aber keineswegs. Er schalt sich eher selbst für sein unbedachtes Handeln.
„hm.. das heißt wohl ich kann in meiner Gemeinde doch nicht damit angeben selbst einen Fisch gefangen zu haben. Und es gibt wieder Linsen-Eintopf von Mary Sue“
Sagte er seufzend und bemühte sich wieder um betonte Lässigkeit. Damit Leif nicht bemerkte wie unwohl Virgil sich eigentlich gerade fühlte.
Trotzdem setzte er sich zu ihm und ergriff eines der Ruder.
„welcher Schreck? der von unserem kleinen Bad? Ach.. eigentlich fand ich das sehr erfrischend. Und wenn ich schon keinen Fischfang vorweisen kann, rieche ich wenigstens wie einer. Für die Stimmung..“
Okay, nun begann er aus Angespanntheit Schwachsinn zu reden. das bemerkte er auch ziemlich rasch. Aber wenn er versuchte betont locker zu sein, wirkte das eben ein bisschen aufgesetzt.
Weshalb sie diesmal beim Rudern besser schwiegen. und recht bald wieder am Ufer ankamen. Wo Leif wieder so nett war das Anbinden zu übernehmen, damit Virgil direkt im Trockenen aussteigen konnte.
Leif gesellte sich zu ihm und wieder standen sie einander gegenüber. Tja, wie verabschiedete man sich von jemandem, den man gerade noch küssen wollte, dabei allerdings kläglich versagt hatte? Richtig. so als wäre nichts gewesen. So leicht ließ Virgil sich ja auch nicht abschrecken. Vielleicht brauchte Leif einfach noch etwas Zeit. Aber einander deshalb nie wieder zu sehen kam für ihn auch nicht in Frage. Weswegen nun er die Initiative ergriff, da Leif es offenbar nicht tat.
„Ich würde gerne noch mehr über das Fischen und deinen Glauben lernen. Und über…. dich. Also falls dein Angebot ernst gemeint war… würde ich dieses Treffen gerne an einem anderen Tag fortsetzen“
Virgil wusste, er musste nun einfach direkt sagen was Sache war und was er wollte. Selbst wenn er damit eine weitere Abfuhr riskierte. Aber dieses Risiko musste er in Kauf nehmen. Denn die andere Option, nämlich Leif nie wieder zu sehen, kam für ihn gerade überhaupt nicht in Frage.
„und nun werde ich von unheimlichen Fischen träumen…. die nicht aussehen wie Fische und über die du mir bei Zeiten hoffentlich mehr erzählst“
Würde er nicht. Er würde von ganz anderen Dingen träumen xD. Aber er machte sich tatsächlich auch Gedanken darüber was Leif damit vorhin gemeint hatte. das man nur Fische fangen sollte die aussahen wie Fische. Das er keine Gummistiefel angeln würde war klar. Aber welche Fische sahen denn nicht aus wie Fische? xD naja diesem Rätsel würden sie hoffentlich bei ihrem nächsten Treffen auf den Grund gehen. Sofern es denn eines gab. denn das war einzig und allein von Leifs Entscheidung abhängig.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Das war vielleicht Teil des Problems. Als Kind glaubte man das, was einem die Erwachsenen erzählten, und später kam die Zeit des Hinterfragens. Nicht nur eine Person hatte sich von seinem in die Wiege gelegten Glauben abgewandt. Der von Leif war zugegebenermaßen an manchen Stellen schon ziemlich brutal, wie auch die Geschichten. Und doch hatte es auch hier einen Wandel der Ansichten gegeben, außerdem liebte Leif einfach dieses Urtümliche daran. Ihm lag es viel mehr, an so etwas zu glauben, als an eine übermächtige Präsenz, die keine Nebenbuhler duldete und als nicht greifbares Licht über allem und jedem stand. Dessen Launen die Menschen einfach ausgeliefert waren. Sicher war das in manchen Punkten auch bei Leifs Göttern so. Wenn diese ihre Kriege ausfochten oder Thor mit Donnern und Blitzen über den Himmel wütete, konnte das ganz schön gefährlich für Midgard werden. Und dennoch ... es gab auch sehr viel, das ihm gefiel, das all das wieder aufwog. Unter anderem, dass Gott und Mensch nicht so entfernt voneinander waren. Dass es für jeden einen Platz gab und Mut sowie Phantasie große Rollen in seiner Kultur spielten. Das hatte ihn immer zurückgeführt, selbst wenn er gezweifelt hatte. Doch wenn er all das sagen würde, würde es Virgil nichts nützen. Ihre Ideologien waren grundverschieden und Leif kannte seinen Gegenüber noch nicht gut genug, um zu beurteilen, was ihn letztlich dazu verleitete, seinem christlichen Gott niemals den Rücken zu kehren. Vielleicht würde er das ja noch erfahren. Aber im Moment hatte er viel zu viele Bedenken, wieder etwas Falsches zu sagen, also drückte er sein Mitgefühl lieber mit einer Geste aus. Die vertrauter kaum sein könnte und ihm einen Schauer über den Rücken trieb, weil Virgil seine Hand zurückdrückte.
Da der Christ so viel nachfragte, bekam Leif kein schlechtes Gewissen, so viel über die Götterwelt zu erzählen. So zwang er ihm das Wissen nicht auf, denn das Letzte was er wollte, war, ihn zu manipulieren. Er war kein Missionar und wollte auch nie einer werden. Wegen ihm konnten die Leute glauben, was sie wollten, solang sie dabei keinem anderen Vorschriften machen oder einen Krieg wegen der Andersartigkeit anzettelten.
»Ja, so ist es. Und die Götter schmeißen die besten Partys«, erwiderte er grinsend und klopfte Virgil einmal kurz mit dem Zeigefinger gegen die Brust. Ganz sanft natürlich. »Hast du denn schon einmal Met getrunken? Oder einen Holmgang miterlebt?« Zweikämpfe wurden manchmal als Richtspruch ausgetragen, aber auch zu Trainingszwecken. Und in Valhalla war das alles ohnehin nur Spaß. »Man kann sich aber auch einfach nur mit den Liebsten in eine Ecke setzen und sich an allem erfreuen. Niemand zwingt einen, etwas zu tun.« Wenn man in Valhalla landete, hatte man in seinem Leben genug getan. Und es gut geführt, bestmöglich gelebt und sich somit diese ewige Auszeit verdient.
»Ich habe noch nicht so viele Nahtoderfahrungen gemacht, aber wenn ich daran denke, spüre ich keine Angst. Höchstens davor, als wandelnde Leiche zu enden und niemals den Weg nach Valhalla antreten zu können«, meinte Leif nun ernst und sah zu Boden. Man konnte sich also sicher sein, egal, wie schwer verletzt er auch war, er würde sich über den Boden kriechend einen Stein suchen, um seinen Schädel einzuschlagen. Oder sein Gehirn auf andere Weise zerstören. Er musste ... einfach sicherstellen, dass er dieses Zwischenstadium nicht einmal im Ansatz streifte. Zu riskant war das, was, wenn die Walküren ihn dann nicht mehr fanden? Deswegen konnte er auch nicht warten, bis ihn jemand anderes erlöste, nachdem er gestorben war. Es musste vorher passieren. Wenn er ohnehin dem Tode geweiht war und es nur noch eine Frage von Minuten bis zum Übertritt war ... war es auch kein Selbstmord. Nicht ... in diesen Zeiten, in denen man kaum anders sicherstellen konnte, keine Gefahr für andere zu werden. Das hatte doch auch etwas mit Mut zu tun! Sich nicht diesem Schicksal zu ergeben und etwas dafür zu opfern, ihm zu entgehen. Und wenn es die letzten Momente mit den liebsten Menschen waren. Doch diese Ansicht war sehr persönlich, weswegen er im Moment nicht weiter darauf eingehen würde. Ablesen ließ sie sich durch das Gesagte aber vielleicht trotzdem.
Leif lächelte, weil Virgil ihm ebenso von seinem Glauben erzählen wollte. Und nickte ... wenn auch zögerlich. Viele seiner Vorfahren waren freiwillig konvertiert. Ihnen hatte etwas am Christentum gefallen, so sehr, dass sie irgendwann sogar geduldet hatten, dass uralte heilige Stätten verbrannt worden waren. Leif hatte es nie so richtig verstanden, wie es dazu hatte kommen können. Genau deswegen aber gewissermaßen schon Angst davor, dass Virgil ihn bekehren würde – wenn auch unabsichtlich. Doch er wollte weiterhin offen bleiben und ihn und seine Bräuche verstehen. Es war längst offensichtlich, dass ihnen beiden ihr Glaube extrem wichtig war. Um einander zu verstehen und näherzukommen, mussten sie sich auch auf dieser Ebene treffen. Und Leif hatte sich schon längst eingestanden, dass er Virgil wiedersehen wollte.
Offenbar war es ihm gelungen, doch noch ein paar Worte zu finden, die seinen Gegenüber etwas beruhigten und ihn berührten. Dass der Glaube wandelbar war, hatte auch Leif schon über Zweifel hinweg geholfen. Auch die Götter mussten sich der Zeit anpassen, genau wie die Menschen. Das war einfach ein Fakt und logisch für ihn. Doch auch hier lächelte Leif nur noch einmal aufmunternd, denn weitere Worte würden den Effekt der vorherigen nur schmälern. Er freute sich einfach, dass Virgil etwas mit dem Gesagten anfangen konnte.
Der Christ war ihm da wohl im Vorteil, hatte er ihn ja schon länger beobachtet und bereits von ihm geträumt. Leif war vollkommen überfahren mit der Wirkung Virgils auf ihn. Er hatte heute ja mit allem gerechnet, aber bestimmt nicht damit, dass ein Kreuzträger in sein Leben trat und es dermaßen auf den Kopf stellte. Einfach nur mit seiner Anwesenheit, seinen Blicken und dieser verdammt charmanten Ausstrahlung. Und der Neugierde und den ganzen Fragen und ... überhaupt! xD
Wie lang kannten sie sich jetzt? Ein paar Stunden, wenn es hochkam? Und doch hatte Leif das Gefühl, sie wären schon ewig Seite an Seite durch die Welt gewandelt. Trotzdem vertraute er ihm noch nicht genug, um ihn zu küssen. Das war wirr. Aber irgendwie auch logisch. Denn womöglich trog dieses Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Vielleicht blendete ihn das. Er hatte keine schlechten Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht, war nie betrogen worden. Vielleicht reichte der plötzliche Verlust seiner Eltern und der Familie, die er danach gefunden hatte, um diese Angst auszulösen, jemanden derart in sein Herz zu lassen. In Balar hatte er Freundschaften geschlossen und durch Negans Angriff erneut Menschen verloren. Es war ein Trost, sie alle in Valhalla wiederzusehen, aber ihr Verlust schmerzte dennoch wie eine Klinge, die sich immer wieder in seinem Fleisch drehte. Virgil würde sein Herz auf eine noch intensivere Weise berühren, als ein bloßer Freund es je konnte, das ... hatte Leif einfach im Gefühl. Und ihn würde er nicht in der Halle der Götter wiedersehen, sollten sie sich verlieren. Leif malte sich gerade wirklich alle möglichen Szenarien aus, während er mit Virgil zurückruderte. Obwohl es schwachsinnig war, vielleicht hätten sie bei dem Kuss ja auch gemerkt, dass sie nicht miteinander harmonierten. Leifs Vorstellungen gingen jedoch in die andere Richtung, und das ... erschrak ihn. Das war wirklich verrückt. Vor dem Sterben hatte er keine Angst, aber davor, sein Herz zu verschenken, schon.
Dadurch, dass Leif schwieg und nicht auf Virgils Gerede einging, wurde die Situation sicher noch seltsamer. Doch er hörte die Worte gar nicht richtig, weil er so in seinen Gedanken gefangen war. Und das Rudern sorgte ohnehin immer dafür, dass er abdriftete.
Er war es so gewohnt, allein anzulegen, dass er auch jetzt wieder wie selbstverständlich das Anbinden übernahm und das Boot sicherte. Auch wenn er gleich wieder in See stechen würde, waren das Routinen, die ihm im Blut lagen. Außerdem würde ja noch ein Abschied folgen, für den sie wer weiß wie lang brauchen würden. Denn Leif fühlte sich gerade kaum imstande, etwas zu sagen, um die seltsame Stimmung zu unterbrechen. Im Grunde hatte Virgil recht ... er brauchte Zeit. Er ... wollte Virgil küssen und ... auch mehr. Wenn das auf Gegenseitigkeit beruhte. Aber gleichermaßen musste er erst mal den Mut dafür aufbringen, und das ging nicht so schnell wie bei einem Gefecht, verrückterweise.
Virgil war da deutlich forscher, was Leif automatisch lächeln ließ. So fiel es ihm leichter, sich ein Herz zu fassen und zu nicken. Sogar einen Schritt näher zu treten. »Mein Angebot war ernstgemeint und ist es immer noch. Ich ... würde dich auch gern wiedersehen. Lass uns erneut hier treffen, in ein paar Tagen. Wann es dir recht ist. Dann vielleicht schon bei Sonnenaufgang.« Das würde mehr Zeit für sie bedeuten, dann mussten sie sich beim Fischen nicht so abhetzen.
»Warte kurz!«, meinte er dann noch und kletterte zurück auf das Boot. Er langte nach einer Jutetasche, die neben den Fässern lag, und stopfte ein paar Fische hinein. Damit bestückt ging er zu Virgil und hielt ihm den Beutel hin. »Ein Geschenk, keine Gegenleistung. Und beim nächsten Mal erzählst du mir, von was für Horrorfischen du geträumt hast, das macht mich neugierig.« Leif grinste breit und ... verlor sich für einen Augenblick noch mal in Virgils Augen, die so braun waren, wie Yggdrasils Stamm. Und schon allein dadurch wunderschön. Aber dann war es Zeit, aufzubrechen, wenn Leif nicht im Dunkeln durch die Gegend schippern wollte. Also schob er das Boot zurück ins Meer, kletterte hinauf und bevor er sich an die Ruder setzte, hob er noch die Hand zum Abschied und lächelte Virgil zu. Dabei verfing sich der Wind erneut in seinem Haar und wirbelte es umher. Leif registrierte das gar nicht, war er doch noch damit beschäftigt, sich das Abbild des Christen genau einzuprägen, damit er sich mit der Erinnerung daran bis zu ihrem nächsten Treffen über Wasser halten konnte.
@Virgil Chadburn



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Virgil wusste noch viel zu wenig über Leifs Glauben und seine Götter, um sich wirklich eine Meinung darüber bilden zu können. Er hoffte.. irgendwann noch mehr über all das zu erfahren. Aber nicht alles auf einmal. Das würde ihn wohl überfordern und tatsächlich in eine Glaubenskrise stürzen. Er musste es in kleinen Dosen kennen lernen. Und sich an manche Dinge wohl erst gewöhnen, wie beispielsweise die Brutalität. Wobei eine Sintflut eigentlich auch nicht weniger brutal war. Es wurde bloß nicht so barbarisch dargestellt sondern eher wie Erlösung oder gerechte Strafe. Die Erde von den Sündern zu reinigen klang einfach nicht so barbarisch wie einen Riesen zu erschlagen beispielsweise.
Es fühlte sich für Virgil überhaupt nicht so an, als würde Leif ihm irgendetwas aufzwingen wollen. Er fragte schließlich aus freien Stücken nach und war einfach neugierig. Lernte etwas darüber. Das hieß ja noch lange nicht, dass er seinem Glauben den Rücken kehrte. Aber er wollte Leif gerne besser verstehen.. herausfinden wie er dachte und tickte.
Die Vorstellung von Valhalla fand er tatsächlich ziemlich schön. Wie man dort Spaß hatte, für seine Mühen belohnt wurde und wieder in Frieden mit seinen Liebsten vereint war. Im Himmel war man das zwar auch.. doch es klang bei weitem nicht so locker und familiär.
„Met? Das ist.. Honigwein oder? Nein.. in unserer Kirche trinken wir nur Rotwein. Kommt.. dem Blut Christi symbolisch am nächsten. Und was ein Holmgang ist.. weiß ich leider nicht?“
Aber er würde es hoffentlich gleich erfahren?
„Das klingt sehr friedlich..“
zumindest der Teil mit der Familie, denn an diversen Kämpfen oder dergleichen würde Virgil sich wohl nicht so sehr beteiligen. Auch wenn er selbst kämpfte. Aber nur um zu überleben, nicht weil es ihm Freude bereitete.
„Das verstehe ich. Dieses Zwischenstadion zwischen Himmel und Hölle ist wahnsinnig beängstigend. Ich möchte niemals die Schuld daran tragen jemanden in diesem Zustand zu verletzen“
Vielleicht noch geliebte Menschen zu wandeln, das wäre wirklich eine Horrorvorstellung. Dann hätte er den Platz im Himmel längst nicht mehr verdient. Denn man fraß doch nicht seine Mitmenschen auf!
Leif hatte Angst davor, dass Virgil ihn bekehrte? Okay, seinen Erfahrungen nach kein Wunder. Aber das war sicher nicht sein Ansinnen. Er fand den Austausch auf Augenhöhe einfach schön. und wenn sich anschließend einer von ihnen dazu entschied zu konvertieren.. dann wäre das doch auch nicht schlimm. Also… wenn Leif es tat xD würde Virgil konvertieren wäre er in den Augen seines Gottes gestorben.
Virgil hätte niemals damit gerechnet, dass diese Anziehung, die er Leif gegenüber bereits in der Ferne verspürt hatte, tatsächlich auf Gegenseitigkeit beruhen könnte. Für ihn war klar gewesen, dass er dieser Sehnsucht nur in seinen Träumen und Fantasien nachgeben würde. Aber plötzlich wurde sie real und das überforderte auch ihn ziemlich.
Dennoch versuchte er diesem Gefühl offen gegenüber zu stehen und wollte sich Leif annähern. Auch wenn das in seinem Glauben einer Todsünde gleich kam. Aber er fühlte sich so stark von ihm angezogen, dass er darüber gerade tatsächlich nicht nachdachte. Sondern ihm einfach nur nahe sein wollte. Sein Verstand setzte förmlich aus und nur noch seine Bedürfnisse übernahmen das Kommando über seinen Körper.
Nur bei Leif schien es anders zu sein. Verständlich.. Virgil wusste schon viel länger über seine Existenz und hatte ihn still und heimlich angeschmachtet. Während Leif ihn jetzt das erste Mal sah. Vielleicht wollte Virgil zu schnell zu viel. Wo war nun seine Geduld und Demut? Leif warf ziemlich viele Verhaltensweisen von Virgil einfach über den Haufen.
Und jetzt würde sich zeigen, ob es für diese Verbindung doch noch Hoffnung gab. Denn als sie sich verabschiedeten lag es an Leif zu entscheiden, ob er Virgil wieder sehen wollte. Trotz der seltsamen Stimmung, die gerade herrschte.
Und ihm fiel ein Stein vom Herzen, als Leif einem weiteren Treffen zustimmte. Automatisch ließ ihn das lächeln und er nickte.
„Nun gut, dann treffen wir uns in 3 Tagen bei Sonnenaufgang genau hier. Ich werde da sein..“
und er hoffte wirklich Leif ebenso. Immerhin waren 3 Tage eine lange Zeit. In der viel passieren konnte. Oder vielleicht überlegte Leif es sich ja auch noch anders, bekam kalte Füße. Es gab viele Gründe, die dieses Wiedersehen gefährdeten. Aber Virgil glaubte daran, dass das hier noch nicht das Ende ihrer Geschichte war.
Als Leif ihn bat zu warten sah er ihn fragend an, musste dann jedoch schmunzeln, als er ihm die Fische als Geschenk überreichte.
„du hast sehr schnell erkannt, wie man einen Christen überlisten kann“
Denn als Gegenleistung hätte er sie nicht angenommen. aber als Geschenk? Da bedankte er sich herzlich und legte Leif dabei eine Hand auf den Oberarm. Einfach weil… er nun irgendeine Form von Körperkontakt zum Abschied brauchte. Ein Kuss war nach hinten los gegangen, eine Umarmung wäre auch irgendwie… seltsam? also musste es solch eine kleine Geste tun, die auch als Geste des Dankes verstanden werden könnte.
„Pass auf dich auf. Ich freue mich auf unser Wiedersehen“
Dann ließ er von ihm ab und wartete noch ein paar Augenblicke, um Leif nachzusehen. Er sah so unglaublich schön aus… bei Sonnenuntergang, dort auf dem Boot mit wehendem Haar. Virgil hielt die Sehnsucht kaum aus, die dieser Anblick bei ihm auslöste. Weshalb er letztlich seufzte, nachdem er sich in Bewegung setzte, um zurück zu seiner Kolonie zu kehren.
Gefühlschaos herrschte in seinem Inneren. Doch auch wenn er gerade eine Abfuhr kassiert hatte, so konnte er dennoch nicht aufhören glücklich vor sich hin zu grinsen wegen dieser Begegnung. Denn auch wenn sie einander nicht geküsst hatten, die Schmetterlinge im Bauch blieben trotzdem. Und Virgil wollte versuchen geduldiger zu sein, denn dieser Korb bedeutete nicht, dass Leif kein Interesse hatte. Er war vielleicht einfach nur unsicher. So wie auch Virgil, nur das dieser es sich nicht so leicht anmerken ließ.
Jedenfalls gab es vieles über das er in den kommenden Tagen nachdachte.
Es gab auch Stunden, da zweifelte er daran, ob er tatsächlich erneut zu einem Treffen gehen sollte. Das war immer kurz nach der Gebetsstunde, wenn ihm mal wieder klar gemacht wurde, wie widernatürlich seine Bedürfnisse eigentlich waren. Aber am Ende des Tages… wenn er ihm Bett lag überwog dann doch stets die Sehnsucht und Neugier. Er war sich darüber im Klaren, dass sein Verhalten nicht sehr fromm und christlich war.. aber er hielt es trotzdem kaum aus noch viel länger zu warten.
Und endlich… endlich war es so weit. Selbst wenn er am Vortag noch gezweifelt hatte. Als er an diesem Morgen aufwachte, stellte sich diese Frage nicht. Er war so aufgeregt und voller Vorfreude, dass er wusste, er musste Leif einfach aufsuchen. Denn auch hierbei fragte sich wieder, wie konnten solche Glücksgefühle Sünde sein?? Er verstand es einfach nicht.. er tat doch nichts Schlechtes oder Böses. Er schadete niemandem dabei… deshalb beschloss er die Warnungen seines Predigers zu ignorieren und machte sich auf den Weg zu dem Treffen. Er war frisch gewaschen, hatte den Dutt ordentlich hoch gebunden und trug seine schwarze Leder-Tunika, darüber einen Fell-Umhang, da es in den frühen Morgenstunden doch noch ziemlich kühl war. Vor allem auf hoher See wenn der Wind ihnen um die Ohren wehte.
Andererseits war ihm auf dem Weg dort hin kein bisschen kalt, weil er so aufgeregt und voller Vorfreude war. Er kam also schon ziemlich früh an besagtem Treffpunkt an. Und hoffte, Leif würde ihn nicht versetzen. Während er wartete setzte er sich auf einen großen Stein, nahm sich ein Stück Holz und begann zu schnitzen. Das half ihm dabei zu entspannen und nicht vor Aufregung rastlos hin und her zu laufen.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Was einen Glauben ausmachte und all die Geschichten, die sich um ihn rankten, lernte man auch nicht binnen weniger Stunden. Letztlich musste man vielleicht sogar erst mal eine Weile in den Schuhen des anderen verbracht haben, um ihn wirklich zu verstehen. Leif müsste bei Virgil leben und umgekehrt. Ob sie das jemals praktizieren würden oder gar dürften, war fraglich. Aber wenn es nötig war, um sich wirklich voll und ganz zu verstehen, würde Leif es versuchen wollen. Er war bereit, sich eines besseren belehren zu lassen und die schönen Seiten des christlichen Glaubens zu erkennen. Vielleicht würde er dann nicht nur Virgil verstehen, sondern ein Stück der Geschichte seiner Vorfahren ebenso. So gern er es auch leugnen würde, das Christentum hatte die Wikinger ab einem bestimmten Zeitpunkt geprägt. Er würde die alten Götter niemals verraten, aber vielleicht konnte er sich dann besser erklären, warum andere es getan hatten.
Über die Möglichkeit, dass Virgil konvertierte, dachte Leif gar nicht nach, das erschien ihm trotz dessen Zweifel als höchst unwahrscheinlich. Aber falls er es doch tun würde, ging es doch im Grunde darum ... der christliche Gott war dann nicht mehr seiner. Dann war es logisch, dass er in dessen Augen starb und das war nicht mehr wichtig. Denn die nordischen Götter würden Virgil gewiss nicht zurückweisen. Doch das alles war noch Zukunftsmusik. Im Moment ging es nur darum, einander kennenzulernen und zu verstehen. Der Neugierde und Faszination, die der jeweils andere auf sie ausübte, Herr zu werden.
Nun, dass Virgil und seine Leute das Blut Christi tranken und seinen Leib aßen - symbolisch gesehen – war auch ein wenig merkwürdig. xD Aber den Kommentar verkniff sich Leif, er wollte sich ja nicht lustig machen. Dennoch ... den Heiden warf man Barbarei vor, und die Christen futterten derweil ihren Heiligen!
Er nickte. »Genau. Viel besser als Rotwein, wenn du mich fragst. Und Holmgang ist ein Zweikampf. Er wird manchmal verhängt, um ein Götterurteil zu sprechen. Oder aus Trainingszwecken ... oder, wie in Valhalla, zur Unterhaltung.« Leif würde Virgil so gern nach Balar einladen, damit er solche Dinge kennenlernte. Aber ... dafür war es noch zu früh. Met könnte er allerdings bei ihrem nächsten Treffen mitnehmen. Wenn es denn eines geben würde.
Leif nickte verständnisvoll. Er hatte zwar mit der Reise nach Valhalla einen vorrangig egoistischen Grund angeführt, kein Zombie werden zu wollen. Aber natürlich wollte er auch niemanden verletzen und dieses Leid auf der Welt nicht vergrößern. Doch nun hatten sie erst mal genug über Tod und Ängste gesprochen. Auch wenn Leif tiefsinnige Themen mehr lagen als Smalltalk, so musste er ja nicht gleich heute seine gesamte Seele vor Virgil ausbreiten. Auch wenn er durchaus versucht war, das zu tun.
Eigentlich war das ja ziemlich mutig und ... auch gesund, einen Wunsch nicht zu unterdrücken. Und die Fühler auszustrecken, ob der andere einen auch mochte. Oder gar mehr als das. Leif nahm das Virgil auch gar nicht krumm, er ... war einfach noch nicht so weit. Doch wenigstens hatten sie sich beide jetzt gezeigt, dass sie durchaus eine gewisse Chemie spürten, die zwischen ihnen herrschte. Auch wenn Leif dem Christen einen Korb in Sachen Küssen gegeben hatte, ließ sich ja nicht leugnen, dass er trotzdem Signale sendete. Und ihn wiedersehen wollte, was er dann auch sagte.
In drei Tagen also. Vorfreude machte sich breit und Leif spürte ein aufgeregtes Prickeln im Magen. Er wäre auch morgen schon wieder hergekommen, wenn Virgil das vorgeschlagen hätte. Aber na ja ... sie brauchten diese drei Tage vielleicht beide, um sich klarer zu werden, was das hier werden sollte. Wirklich nur das Weitergeben von Wissen? Für Leif ging es eigentlich schon längst um Virgil selbst.
Ohne ein Geschenk konnte er ihn jedoch nicht gehen lassen. Er hätte ihm viel lieber etwas gegeben, was überdauerte, so wie der geschnitzte Fisch. Aber Leif hatte nichts bei sich. Nur die Kette seines Vaters und Utensilien, die er jedoch im Boot brauchte. Deswegen musste ein Teil seines Fanges nun reichen, damit Virgil sich und seiner Gemeinschaft zumindest etwas Leckeres zu essen kochen konnte.
Auch Leif legte zum Abschied die Hand auf Virgils Oberarm und lächelte. »Du auch auf dich. Bis dann!«
Er paddelte wie in Trance zurück nach Balar und legte dort an dem kleinen Hafen an. Seinen Seemannsknoten kontrollierte er nicht wie sonst drei Mal, sondern nur einmal, bevor er zu seiner Hütte aufbrach. Na hoffentlich schwamm sein Boot nicht über Nacht weg. xD Aber er hatte Glück, sein Knoten war so gut und fest wie immer.
Der geschnitzte Fisch fand seinen Platz auf der Kommode neben dem Bett, damit Leif von seinen Kissen aus immer mal wieder dorthin blicken konnte. Am nächsten Morgen fragte er sich, ob er nur geträumt hatte. Vielleicht lag sein Körper ja noch auf der Elfenlichtung und wurde von den Beißern angenagt und seine Seele war in eine schöne Illusion geschlüpft, um dem Schmerz Herr zu werden. Aber nein ... dafür fühlte sich das alles viel zu real an. Und so vergingen die Tage ... in denen Leif nicht mit sich haderte, zum Treffpunkt zu fahren, aber schon damit, wie es weitergehen sollte. Wie viel er erlauben sollte, sich selbst vor allem. Und ob er Ivar sagen musste, dass er sich mit jemandem von außerhalb traf. Jemandem, der keiner verbündeten Siedlung angehörte. Auch das bereitete ihm noch Bauchschmerzen, denn was, wenn er ihre Kolonie in Gefahr brachte? Nach allem, was mit Negan passiert war ... könnte er sich das niemals verzeihen, wenn er Leid über seine Heimat brachte. Und noch mehr Menschen sterben würden. Aber darum ging es, nicht wahr? Um Vertrauen. Er musste sich entscheiden, ob er es Virgil entgegenbrachte oder nicht. Das konnte nur er allein.
Schon verrückt, was für unterschiedliche Bedenken sie hatten. Der Christ haderte damit, ob er Sünden begehen sollte und ob er dann in der Hölle landete. Und Leif hatte einfach nur Angst, die Kontrolle zu verlieren und sich jemandem zu öffnen ... und auch davor, diesen Jemand dann womöglich zu enttäuschen.
Doch letztlich ließen sie sich beide nicht aufhalten. Leif wachte schon auf, als es noch dunkel war und nahm erst mal ein ausgiebiges Bad. Wenigstens konnten seine Haare dann so in Ruhe trocknen. Er entschied sich, sie an den Seiten zurückzuflechten und alles zusammen zu einem Dutt hochzubinden. Auch wenn es ihm egal war, wenn sein Haar wie wild umher wehte, wollte er damit nicht Virgil peitschen, wenn sie gemeinsam den Fischfang studierten. xD Seine besten Sachen hatte er bereits bei den Elfen angehabt und sie inzwischen von Blut und Salzwasser befreit. Aber irgendwie wollte er nicht noch mal mit denselben Klamotten auftauchen. Was, wenn das Virgils Annahme nur befeuerte, er sei ein Wilder? Der nicht mehr als zwei Sätze Klamotten besaß? Also nahm Leif andere Kleidung aus seiner Truhe, etwas Bequemes, mit hübscher Borte und Stickereien an den Säumen. Und darüber ein Mantel, denn es war früh am Morgen bedeutend frischer als tagsüber. Als er dann endlich zum Boot schlenderte, erhellte sich der Himmel bereits, obwohl die Sonne noch nicht zu sehen war. Sie lugte erst in ihrem wunderschönen Gewand aus Morgenröte über den Horizont, als Leif in See stach.
Eigentlich dachte er ja, er würde der Erste am Treffpunkt sein, aber je näher er dem Ufer kam, desto deutlicher konnte er Virgil auf dem Stein sitzen sehen. Ein schöner Anblick, wie er so vertieft in seine Schnitzerei war. Leif könnte ihm ewig zusehen, aber bald würde er ihn sicher bemerken und sein Tun unterbrechen. Spätestens als Leif mit den Händen einen Trichter vor seinem Mund formte und rief: »Hey, Seemann! Diesmal darfst du dich nass machen und direkt zu mir an Bord kommen!«
Grinsend winkte er ihm zu, bevor er mit dem Ruder noch mal für Schub sorgte und so nah ans Ufer fuhr, wie möglich. Sodass Virgil leicht zu ihm kam, das Boot aber auch nicht im Sand des Meeresgrundes feststeckte und doch noch jemand schieben musste. Er würde Virgil auch die Hand reichen, wenn er zu ihm kletterte. Ob sie dann noch einmal übereinander fallen würden? Leif hatte sich in den letzten Tagen einen anderen Ausgang ihres kleinen Unfalls vorgestellt und wusste jetzt gar nicht so recht, was er sich wünschen sollte. xD
@Virgil Chadburn



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Wohl wahr.. nur würde Virgils Gemeinschaft jemanden wie Leif niemals in ihren Reihen aufnehmen. Ihm Schutz gewähren, wenn er welchen suchte, ja. Aber in ihre Gemeinschaft integrieren? Sie würden es versuchen. Ihn von ihren Grundsätzen zu überzeugen. Doch wenn er das nicht zuließ, dann würde man ihm niemals gestatten in den Mauern der Church zu verweilen. Ob es in Balar anders wäre? Ob man ihn als bekennenden Christ dort trotzdem aufnehmen würde? Womöglich würde man ihn anfeinden, auch wenn viele Wikinger konvertiert waren, das wusste Virgil. Aber wieso machte er sich darüber überhaupt Gedanken? Er wollte seine Gemeinschaft doch gar nicht verlassen… oder? Ehrlich gesagt wusste er nicht was er wollte. Er wusste nur… dass er stets das Gefühl hatte auf der Suche zu sein. Wonach genau war ihm nicht bewusst. Aber er konnte nicht akzeptieren, dass die Church schon das Ende seiner Reise sein sollte.
Im Gegensatz zu den Wikinger tranken die Christen das Blut ihres Heiligen aber nicht wirklich!! Sondern taten nur so, um ihn zu ehren xD. Eine runde Oblate zu essen war wesentlich weniger verwerflich als eine Ziege zu schlachten und dergleichen.
„Hast du denn schon einmal wirklich guten Rotwein getrunken?“
Leif schien schließlich ungefähr so alt zu sein wie er selbst. Damals waren sie noch Teenager gewesen.. und als Teenie trank man ja meist eher den billigen Fusel. Inzwischen hatte Virgil gelernt, wie viel Unterschied Qualität beim Wein machen konnte. Und das wollte er gerne auch Leif näher bringen. Also könnte er beim nächsten Treffen ja guten Wein mit bringen, während Leif ihn mit Met vertraut machte.
„Ein Kampf auf Leben und Tod meinst du?“
Okay, das war wohl doch eine ziemlich barbarische Tradition. So zu tun als würde sich der Wille der Götter durch einen Kampf zeigen. Kein Wunder, dass die meisten Wikinger die er hier in der Siedlung gesehen hatte, wirklich durchtrainiert waren. Als Heide musste man offenbar unbedingt gut kämpfen können.
Vielleicht hätte Virgil Leif ja auch gar nicht geküsst sondern ebenfalls kurz davor gekniffen? Das würden sie nun niemals erfahren. Fest stand nur.. in Gedanken, da tat er das in den kommenden Tagen mehr als einmal!
Ginge es nach ihm, hätte er Leif am liebsten auch gleich morgen schon wieder gesehen. Aber sich aus seiner Gemeinde schleichen…. war nicht so einfach. Father Carter führte ein ziemlich strenges Regime. Und er musste sich ständig irgendwelche Ausreden für seine Ausflüge überlegen. Sie waren dort keine Gefangenen, nein.. aber er wusste gerne darüber Bescheid, was seine ‚Schäfchen‘ so trieben. Weswegen er auch wegen dem heutigen Tag wieder lügen hatte müssen. Zumal er schon so früh aufgebrochen war, dass er sogar das Morgen-Gebet verpasste. Was keinesfalls gern gesehen war und Virgil sich natürlich schuldig fühlte… weil er so viele Gebote auf einmal brach. Und das alles nur, um einen Heiden sehen zu können. Doch das Herz wollte was das Herz wollte.. und er hatte diesen Ruf im Leben schon viel zu lange ignoriert.
Er dachte, anders als Leif, tatsächlich nicht daran, ob er seine Gemeinschaft mit seinem Handeln in Gefahr brachte. Denn fest stand, er vertraute Leif längst. Und konnte nicht mal erklären weshalb. Aber er sah einfach keine Gefahr in ihm. Vielleicht war das ein Fehler.. aber für gewöhnlich hatte er eine gute Menschenkenntnis.
Doch trotz ihrer Zweifel waren sie beide zum Treffpunkt gekommen. Virgil atmete leise aus, als er Leifs Stimme vernahm. Bei dessen Klang er schon wieder Gänsehaut bekam und die Nervosität von einer Sekunde auf die andere ins Unermessliche stieg.
Er packte die Schnitzerei also weg und schulterte den kleinen Beutel, den er mit dabei hatte. Ehe er sich mit einem Lächeln zu Leif umdrehte. Den Blick anschließend ins kühle Nass richtend. Er musste sich also diesmal die Jesus-Sandalen nass machen, ja? Was ihn amüsiert schmunzeln ließ
„Ich verstehe. Den Gentleman hast du mir also nur bei unserem ersten Treffen gezeigt. Dann bin ich wirklich gespannt welchen Leif ich bei diesem zweiten Date kennen lerne..“
Ja, er hatte dieses Treffen bewusst ein Date genannt und wirkte dabei völlig natürlich und entspannt. Obwohl es in seinem Glauben das absolut Unnatürlichste auf der Welt war! Aber das alles spielte gerade keine Rolle mehr und er stieg hüfttief ins Wasser. Hob dabei seinen Umhang etwas an, damit dieser nicht nass wurde. Es war früh am Morgen und das Wasser ziemlich kalt okay? xD er war nicht daran gewöhnt bei solchen Temperaturen zu baden. Weshalb er auch recht rasch aufs Boot hinauf kletterte. Diesmal jedoch etwas geschickter als beim letzten Mal. Diesmal konnte er schließlich noch stehen und fiel deshalb nicht wie ein Fisch am Land unbeholfen auf seinen Begleiter. Stattdessen rubbelte er jedoch etwas seine kalten, nassen Beine warm und wickelte sich kurz in seinen Umhang xD
„In Island bist du solche Temperaturen wohl gewohnt hm?“
Es war doch ein gutes Zeichen, wenn man ein Treffen sofort mit einem angeregten Gespräch startete, statt sich nun Gedanken darüber zu machen.. wie man den anderen begrüßen sollte. Denn das war eine der Fragen, auf die Virgil tatsächlich keine Antwort gefunden hatte. Denn erneut erschien ihm gar kein Körperkontakt seltsam. Alles darüber hinaus aber ebenfalls Doch nun war er eh mit Rubbeln beschäftigt xD weswegen sich diese Frage gar nicht mehr stellte. Er nach einer kurzen Weile aber trotzdem standesgemäß meinte
„oh und.. guten Morgen übrigens, zu dieser barbarischen Zeit“
Achtung Wortwitz. Allerdings konnte Virgil sowieso seit Stunden nicht mehr schlafen, also war er auch gar nicht mehr müde. Spätestens nach dem kleinen Bad hellwach.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Leif wusste gar nicht, ob in Balar wirklich alle an die alten Götter glaubten und hatte noch nie davon gehört, dass man das versichern musste, wenn man aufgenommen werden wollte. Aber im Zweifel mussten sie es wohl dabei belassen, sich gegenseitig beizubringen, was einen guten Christen oder Heiden ausmachte. Und einfach schauen, was sich daraus ergab. Der Glaube gehörte zu ihnen und war fest verankert, demnach auch ihre Weltanschauungen. Sie waren sich so fremd und doch so vertraut ... es blieb abzuwarten, ob sie einen guten Zwischenweg finden würden. Oder ob sie sich doch unbeabsichtigt jeweils so beeinflussten, dass doch einer von ihnen sozusagen die Seiten wechselte. Doch Leif wollte jetzt gar nicht mehr so genau darüber nachdenken. Manchmal ... musste man sich auch einfach mal fallen lassen, so unangenehm das Gefühl des Kontrollverlusts anfangs auch war. Virgil war nicht ohne Grund in sein Leben getreten, das spürte er. Also wollte er ihn wiedersehen.
Ob man jemanden damit ehrte, indem man so tat, ihn zu essen? Darüber ließ sich bestimmt streiten. xD Besonders in der heutigen Zeit, wo Zombies rumliefen und Kannibalismus einen ganz neuen Stellenwert hatte. Aber sie wollten ja nicht streiten. Deswegen verkniff sich Leif auch solche Kommentare, selbst wenn sie nur scherzhaft gemeint wären.
»Wirklich guten Rotwein?« Er hob die Arme. »Das weiß ich wohl erst, wenn ich einen Vergleich habe.« Met schmeckte einfach besser, aber er war auch offen, mal das Blut Christi zu probieren. xD
»Nein, nicht zwingend auf Leben und Tod, zumindest heute nicht mehr. Damals aber auch nicht immer. Es kam auch auf das Vergehen an. Du ... musst aber keine Angst haben. Ich habe noch nie erlebt, dass der Holmgang in Balar als Richtspruch angeordnet wurde. Aber die Trainingseinheiten zum Kämpfen sind wirklich ... spaßig.« Also, wenn Virgil nicht vom Fischen genug hatte, könnte Leif auch irgendwann mal Schilder und Übungsschwerter mitbringen, und ihm den Umgang damit lehren. Auch wenn er selbst das Schild meist wegließ.
Tja, wer wen geküsst hätte und wie und wie lang und wie sich das angefühlt hätte ... das würden sie wirklich nie erfahren. Aber ausmalen taten sie sich beide wohl ihren Teil. Leif träumte ja wirklich selten Schmutziges, aber die letzten zwei Nächte ... hatten es echt in sich. Das verwirrte ihn nur noch mehr, machte seine Wünsche aber auch deutlicher.
Er musste sich zum Glück nicht erklären, wenn er rausfuhr, da das Fischen nun mal seine Aufgabe war. Selbst wenn er nicht so oft fahren musste, wusste doch jeder, dass er sich in seinem Boot und auf dem Wasser am wohlsten fühlte. Somit warf es keine Fragen auf, selbst wenn er mal mit einem leeren Netz heimkehrte.
Auch Leif überspielte seine Nervosität, indem er so selbstbewusst nach Virgil rief und ihm zuwinkte. Der folgende Kommentar und die Bezeichnung ›Date‹ für ihr Treffen, ließ die Panik jedoch plötzlich ins Unermessliche steigen. Sodass Leif sich wirklich kurz beherrschen musste, nicht umzudrehen. xD Doch er durfte sich der Angst nicht ergeben. Ein Wikinger musste mutig sein, in jeder Lebenslage. Außerdem ... kribbelte sein Bauch so angenehm, weil Virgil davon ausging, dass dies hier ein Date war. Dass es wirklich eins war ... ein schöner Gedanke. Weswegen Leif es weder abstritt, noch darauf einging. »Wenn du bald mit deinem eigenen Boot umher schipperst, wirst du auch nicht immer einen hübschen Fährmann an deiner Seite haben, der dein Gefährt für dich parkt.« Womit er sich selbst meinte. Und schon deutlich machte, dass er dann gern mal mitfahren würde.
Amüsiert beobachtete er Virgil, wie er sich ein wenig zierte und durch das Wasser stakste. Als er bei ihm ankam, fügte er hinzu: »Vielleicht sehe ich dich aber auch einfach gern nass.« Also beim Flirten machten sie offenbar genau da weiter, wo sie vor ihrem Beinahekuss aufgehört hatten, hm? Leif konnte sich kaum bremsen und war selbst ganz verwundert über seine Worte.
Er gab ihm eine Decke, die er sich noch über die Beine legen konnte und etwas von der Feuchtigkeit aufsaugen würde. Natürlich war Leif nämlich immer noch ein Gentleman und er konnte es nicht verantworten, wenn sein armer Christ sich verkühlte. »Stimmt, aus Island bin ich solche Temperaturen gewohnt. Den Sommer finde ich furchtbar! Aber als Seefahrer gehört nass werden einfach dazu.« Er hob die Schultern und setzte sich nun neben Virgil, um ihn leicht mit der Schulter anzurempeln.
»Selber guten Morgen. Und keine Sorge, du wirst nicht mehr lang frieren.« Grinsend hielt er ihm ein Ruder hin, die Bewegungen gleich würden Virgil gewiss erhitzen. Und vielleicht auch Leifs Körperwärme. »Sag bloß, die Alpträume von Seeungeheuern haben dich wach gehalten. Ich bin immer noch neugierig, was du dir für Getier ausmalst.«
Es war wirklich einfach, gleich ins Gespräch einzusteigen. Das Gefühl, sie würden sich schon ewig kennen, stellte sich auch jetzt wieder sofort ein. Und da Leif beschlossen hatte, Virgil zu vertrauen ... fiel es ihm auch leichter, seine Mauern ein stückweit runterzufahren.
@Virgil Chadburn



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Oh, Virgil ging fest davon aus, dass in Balar die alten Bräuche praktiziert wurden. Er wusste ja noch nicht so viel von der Siedlung und Leif wirkte sehr gläubig. Weshalb er sich sicher war, dort wären alle so und für jemanden wie ihn wäre gar kein Platz. Aber offenbar waren es erneut Vorurteile die ihn zu dieser Annahme führten.
Allerdings war es Virgil inzwischen viel wichtiger Leif als Mensch kennen zu lernen. Nicht nur das woran er glaubte oder eben nicht glaubte. Er wollte seinen Charakter ergründen, seine Geschichte kennen lernen und wissen was ihn ausmachte. Nicht nur als Wikinger sondern als Person. Dieser fremdländische Glaube war zwar aufregend und interessant, Leifs als Mensch jedoch noch viel interessanter. Es stellte sich eher die Frage, ob ihr Glaube ihnen dabei im Weg stehen würde einander wirklich richtig kennen zu lernen. Denn wenn man in einer so wichtigen Sache grundverschieden war… konnte das in Beziehungen später schon zu Problemen führen. Die man anfangs ignorierte, wegen der rosaroten Brille. Aber da dachte Virgil schon wieder viel zu weit. Er beschloss für sich nun einfach den Moment zu genießen. Denn ob er selbst jemals den Mut haben würde eine Beziehung mit einem Mann zu führen…… das stand noch in den Sternen. Er wünschte es sich. aber er wusste nicht, ob er es wirklich mit sich vereinbaren könnte. Vielleicht ja auch unfair von ihm Leif schöne Augen zu machen und dann doch einen Rückzieher zu machen. Aber gerade konnte er sich gegen dieses Gefühl einfach nicht erwehren und wollte ihm näher kommen.
Gut, dann war das abgemacht. Virgil würde ihm richtig guten Wein mitbringen und selbst etwas Met probieren. Ein Getränk allein konnte doch wirklich keine Sünde darstellen!
„und wie urteilt ihr sonst in Balar über Vergehen? Ich denke.. Strafen gibt es in jeder Kolonie oder?“
und wenn sie nicht die Götter im Kampf richten ließen musste es doch ein anderes System geben. Und Virgil würde gerne herausfinden welches das war. Worauf er sich einstellen musste, wenn man ihn als Spion enttarnte xD
„Der Kampf bereitet dir Freude? Um ehrlich zu sein.. habe ich mir das Kämpfen selbst beigebracht. Und mein hartnäckigster Gegner war ein dicker Baumstamm. Kämpfen ist in meiner Gemeinde bloß zweckmäßig.. ein notwendiges Übel, um zu überleben. Aber nichts das wir freudig zelebrieren“
Virgil sah es ein bisschen wie Sport, er musste fit bleiben und stark sein, um zu überleben. Eine Art Workout. Aber sie kämpften niemals aus Spaß. Aber wer weiß.. vielleicht würde sich seine Einstellung auch dazu ändern, wenn er mal einen richtigen Trainingspartner hätte. Einen, der auch antwortete.
Leif wirkte bei seiner Begrüßung wesentlich gelöster als noch vor ein paar Tagen bei seiner Verabschiedung. Was Virgil wirklich gefiel, denn das hieß, er war nicht nur hier, um ihm zu sagen, dass er sich von ihm fern halten sollte oder um ihm aus Höflichkeit abzusagen. Nein er war hier weil er es auch wirklich wollte.
Das er ihn mit seiner Bezeichnung so aus dem Konzept brachte fiel Virgil gar nicht auf. Aber das er nicht die Flucht ergriff war doch ein gutes Zeichen, obwohl der Waliser seine Absichten so klar gemacht hatte.
„Wie bedauerlich. Ich könnte mich durchaus daran gewöhnen“
Sagte er nun mit einem charmanten Lächeln. Er wollte nun gewiss nicht verwöhnt klingen oder so.. sondern einfach nur klar machen… dass er Leifs Gesellschaft genoss und ihn gerne häufiger um sich hätte. Und zwar nur ihn, keinen anderen Fährmann.
Und wie auch bei ihrem ersten Treffen stieg Leif voll auf seine Flirtversuche ein. Was Virgil amüsiert schmunzeln ließ. Na hoffentlich übernahm sich der hübsche Isländer nicht wieder und bekam dann kalte Füße wenn es ernst wurde. Wobei.. kalte Füße hatte gerade nur Virgil. Und zwar wortwörtlich.
„Na was denkst du wieso ich zuletzt mit dir ins Wasser gestürzt bin. Ich bin doch nicht wirklich so ungeschickt“
Doch, war er schon gewesen xD aber wenn sie schon dabei waren, dann könnte Virgil nun ja ebenfalls so tun, als hatte er ihn damals einfach nur gerne nass gesehen.
Die Decke legte er sich trotzdem gerne über die Beine, denn in solchen Zeiten krank zu werden barg immer ein gewisses Risiko. Also wollte er gerne verzichten.
Als Leif sich jedoch neben ihn setzte und meinte, bald würde er nicht mehr frieren, blickte Virgil ihm tief in die Augen und flüsterte
„Tue ich schon jetzt nicht mehr“
aber ob das nun wirklich an der Decke lag? sein Blick sagte definitiv etwas anderes. Denn es war definitiv Leif der Grund dafür, dass ihm plötzlich wieder ganz warm wurde. Denn wenn sie zusammen ruderten.. waren sie einander stets so nah. Und das fand Virgil wirklich ziemlich aufregend.
Bereitwillig nahm er also das Ruder und zwang sich dazu den Blick von dem hübschen Isländer loszureißen. Dessen Haare heute wirklich sehr schick und ordentlich aussahen. Ganz anders als beim letzten Mal. Er wusste nur noch nicht, welcher Anblick ihm besser gefiel. Der zerzauste, etwas wilde Wikinger. oder der hübsche, zurecht gemachte Isländer. Egal was Leif trug, er sah in beiden Outfits zum Anbeißen aus.
„Oh es waren definitiv nicht die Seeungeheuer, die mich in meinen Träumen heimgesucht haben.“
sagte er nun auch wieder mit so einem vielsagenden Seitenblick, während sie anfingen zu rudern.
Aber es war noch nicht mal ordentlich die Sonne aufgegangen! Virgil war nicht nur hier, um zu flirten xD er wollte ja auch wirklich was lernen. Weshalb er versuchte sich wieder etwas zusammen zu reißen. Sonst würde dieses Treffen wohl erneut abrupter enden als ihm das lieb war.
„Du sagtest ich darf nichts essen, das nicht aussieht wie ein Fisch. Also habe ich mich zwangsläufig gefragt…. was noch in diesen Gewässern lebt außer Fische?? Giftige Schlangen? Aale? mutierte Meerjungfrauen?“
Er wusste wirklich nicht viel über den Ozean xD das hatte ihn schon als Teenager nicht wirklich besonders interessiert. Doch es aus Leifs Mund zu hören.. machte das Ganze schon wesentlich interessanter.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Das stimmte schon, sie waren beide mehr als nur ihr Glaube. Weit mehr. Nämlich Individuen mit eigenen Geschichten und Ansichten. Also ja, Leif wollte Virgil auch auf allen Ebenen kennenlernen. Er wollte ... einfach alles über ihn wissen und ihm so immer näher kommen. Mental vor allen Dingen, aber wenn er mit sich ehrlich war, auch körperlich.
Wenn man verknallt war, malte man sich wohl automatisch schon alles Mögliche für die Zukunft aus, hm? Leif ging es ähnlich, spätestens als er zurück in Balar war und mit sich und seinen Gedanken allein. Da fragte er sich auch, wie es wohl wäre, eine Beziehung zu führen. Eine Fernbeziehung womöglich, die sie vielleicht sogar geheimhalten müssten. Etwas, womit Leif anfangs vielleicht gar nicht so die Probleme hätte, denn ... er würde Virgil gern ganz für sich haben. Nur sie beide, in ihrer Kennenlernbubble. Wenn er sich vorstellte, mit ihm zusammenzusein, dann sah er dabei stets sein Boot oder den Ankerplatz im Hintergrund. Das lag aber sicher mit daran, dass er diese Orte mit ihrer ersten Begegnung verband.
Und Leif tat es ja nicht anders, flirtete er doch mit Virgil, machte aber auch gleich einen Rückzieher, wenn es zu nah wurde. Sie konnten sich beide wohl nicht richtig entscheiden, was sie wollten. Oder wollen sollten. Schwierig, diese Gefühlswelt.
Leif nickte. »Die schlimmste Strafe ist die Verbannung. Zum Beispiel, wenn man ein anderes Dorfmitglied verletzt oder tötet oder die Siedlung in Gefahr bringt.« Er kaute kurz auf seiner Unterlippe herum, denn er war sich nach wie vor nicht sicher, ob er das durch seine Treffen mit Virgil tun würde. »Bei kleineren Vergehen entscheiden wir alle zusammen über die Strafe, wobei unser Anführer das letzte Wort hat. Er rüttelt aber selten am gemeinschaftlichen Entschluss.« Sie waren also mehr oder weniger demokratisch aufgestellt. »Und wie ist das bei euch?«
Das mit dem Spaß am Kämpfen war so eine Sache, da Leif dann oft auch eine gewisse Dunkelheit spürte, die er nicht zuordnen konnte. Doch das würde jetzt zu weit führen. Spaß hatte er trotzdem an den Trainingseinheiten und in der Regel auch keine Skrupel, seine Künste auszupacken, wenn er sich verteidigen musste. »Mag an unserer Vergangenheit liegen, Kämpfen liegt uns einfach im Blut. Gemeinsam zu trainieren kann auch den Gemeinschaftssinn stärken.«
Dass Leif jetzt gelöster wirkte, hatte auch damit zu tun, dass er zuvor keine Beißer auf der Lichtung der Elfen gesehen hatte. Er hatte ja kurz überlegt, dort nach dem Rechten zu sehen, doch er musste dem kleinen Volk Zeit geben. Ein paar Wochen vielleicht. Wenn sie dann nicht zurückgekehrt waren, waren sie fort. Und das musste er dann akzeptieren. Jetzt jeden Tag hinzulaufen und nachzusehen, brachte niemandem etwas.
Heute war er für Virgil hier, und zwar nur für ihn. Hatte sich, zumindest was sein Haar anging, sogar weit mehr zurechtgemacht als für die Elfen. xD
Leif schmunzelte vielsagend. »Wenn du dich daran gewöhnst, ist es irgendwann nichts Besonderes mehr.«
So so, Virgil war also vollkommen beabsichtigt ins Wasser gestürzt? Na, so hatte das aber nicht gewirkt. »Du hättest auch einfach fragen können, ob wir eine Runde schwimmen gehen.« Dann ... hätten sie ja die störende Kleidung noch ablegen können. Aber das dachte Leif nur, er sprach es nicht laut aus. Dafür fühlte er sich plötzlich doch wieder zu schüchtern. Echt verrückt!
Ein bisschen wollte er sich ja gern mit unter die Decke kuscheln, auch wenn ihm überhaupt nicht kalt war. Aber die Vorstellung, sich an Virgil zu schmiegen war irgendwie schön. Besonders, als der Waliser ihm ohne Vorwarnung so tief in die Augen sah und ... mit seinen Worten Leifs Knie weich werden ließ. Eine schlagfertige Antwort hatte er darauf nicht parat, weswegen er nur schnell wegsah und anfing zu rudern. Diesmal fanden sie sofort in den gleichen Takt und ja ... dabei wurde es Leif automatisch auch sehr warm. Was ebenfalls nicht an den Bewegungen lag, sondern an die Gedanken, die er dabei hegte.
Virgils Seitenblicke und Traumandeutungen machten die Sache auch nicht besser. »Hm, ich weiß, was du meinst ...«
Aber bevor sie sich ganz dem Flirten und womöglich noch anderen Dingen hingaben, entschied Virgil, das Thema doch zum Fischen zurückzuführen. Leif war ein bisschen erleichtert, vermisste aber auch sofort diese Blicke, die Virgil ihm zuwarf. An die könnte er sich nämlich durchaus gewöhnen, egal wie nervös sie ihn machten.
Leif musste lachen. »Mutierte Meerjungfrauen sind mir noch nicht unter gekommen, aber wer weiß! Allerdings meinte ich tatsächlich Fische, die aber nicht wirklich eine fischige Form haben. Zum Beispiel was kugeliges. Oder ... es gibt auch welche, die komische Schuppen haben und eher aussehen wie ein Stein. Du wirst sehen, was ich meine, wenn wir welche gefangen haben. Ein paar sind eigentlich immer dazwischen, die ich zurück ins Meer befördere.«
Er deutete mit dem Kinn Richtung Netz. »Was ich dich vor unserem Fall ins Wasser eigentlich noch fragen wollte: Du wirst für dein eigenes Boot ein Netz brauchen. Kennst du dich mit dem Knüpfen aus? Dabei ... kann ich dir auch helfen, wenn du willst. Oder du bekommst eines von meinen ... wenn es so weit ist.« Es sei denn, Virgil wollte wirklich alles selber machen – ein Unterfangen, das Leif natürlich unterstützen würde.
@Virgil Chadburn



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Seine Beziehung geheim halten zu müssen, wäre für Virgil wirklich furchtbar. Er müsste dann wohl jeden Abend auf den Knien verbringen, um all diese Sünden irgendwie wieder gut zu machen! Nur wenn er ehrlich war dann.. dachte er nun viel mehr an Dinge, die er mit Leif tun wollte, während er kniete. Und das hatte absolut nichts mit Beten oder Beichten zu tun!! Schon allein für diese Gedanken käme er sowas von in die Hölle.
„Es kommt vor, dass ihr euch untereinander tötet?“
Das schockierte Virgil schon ein wenig. Die Beißer ja.. an das Töten hatte man sich gewöhnt. Aber bei Menschen? Das war immer noch eine Grenze, die Virgil nur im absoluten Notfall überschreiten würde. So etwas hätte nie zur Tagesordnung werden dürfen! Es war erschreckend, dass es das aber irgendwie geworden war in den letzten Jahren. Mord war doch ebenso eine Todsünde!
Dass sie andererseits wieder demokratisch entschieden passte so gar nicht zu dem Bild, das er sich gerade zurecht gesponnen hatte.
„Ich stelle es mir wahnsinnig schwierig vor einen gemeinschaftlichen Entschluss mit so vielen Leuten zu treffen.“
Normalerweise gab es da vielleicht einen kleinen Rat an Entscheidungsträgern. Aber eine ganze Siedlung? das musste anstrengend sein. Aber irgendwie auch toll so viel mitbestimmen zu können. Denn bei Virgil…. sah das leider ganz anders aus.
„naja bei uns ist es ganz ähnlich wie in unserer Religion. Es gibt nur eine Person, der wir folgen dürfen. Und die meine heißt im Moment…. Father Carter.. er ist unser Prediger und Entscheidungsträger. Was er beschließt.. müssen wir akzeptieren. Machen wir das nicht, müssen wir die Gemeinschaft verlassen“
Weshalb Leif vielleicht auch langsam klar wurde, was Virgil eigentlich riskierte, indem er hier her kam. Denn sein Priester würde das hier ganz gewiss nicht absegnen…
„Den Gemeinschaftsgeist stärken durch Training? Würde ich das in meiner Gemeinde vorschlagen, würden sie mich augenblicklich mit Mistgabeln und Fackeln davon jagen“
Sagte er schmunzelnd und doch lag auch etwas Wahres in seinen Worten. Was erneut deutlich machte, dass Virgil mit vielen Regeln oder Prinzipien nicht so gut zurecht kam, wie er es eigentlich sollte. Und wie er es gelernt hatte. Doch seit seine Eltern fort waren….. sah er das Leben einfach aus einem anderen Blickwinkel.
Und wollte es genießen und statt ständig nur für ein Wunder zu beten.. auch gezielt nach seinem eigenen Glück suchen. Denn er bezweifelte, dass Gott ihm das schenken würde was er suchte.
„Es würde immer etwas Besonderes für mich bleiben“
Entgegnete er sofort entschlossen auf Leifs Aussage. Egal wie oft Leif sein Boot auch noch an Land zerren und anbinden würde… Virgil war überzeugt davon, dass er es nie als selbstverständlich erachten würde. Dafür war er viel zu sehr Christ xD die nahmen nichts als selbstverständlich.
„aber dann hättest du mich nicht so heldenhaft gerettet“
erwiderte er charmant lächelnd auf Leifs Vorschlag wegen dem Bad. Es war entzückend gewesen, wie er sofort zu ihm gepaddelt war und ihn über Wasser gehalten hatte. Das hätte er sich ungern entgehen lassen.
Aber womöglich schüchterte sein Flirten Leif schon wieder ein bisschen ein. Denn immer wenn er weg sah, fühlte es sich wie eine erneute Abfuhr an. Und war für Virgil ein Warnsignal, dass er zu weit ging.
und doch musste er noch eine Sache wissen
„ach ja, welche Ungeheuer suchen denn dich in deinen Träumen heim?“
Das eines frommen Christen vielleicht? konnte schließlich auch ganz schön beängstigend sein diese Vorstellung XD
Als Leif ihn von den verschiedenen Arten der Fische erzählte, die hier im Ozean schwammen runzelte Virgil etwas die Stirn. Und sein Blick wurde immer skeptischer je weiter Leif erzählte.
„……unheimlich, dass wir in dem selben Ozean gebadet haben, in dem sich kugelige oder steinige, giftige Fische aufhalten“
Nun wollte er wirklich gar nicht mehr ins Wasser, nun wo er wusste was dort so rum schwamm xD also beim nächsten Mal aufstehen würde er womöglich etwas vorsichtiger sein.
Jedoch musste er sich schon wieder als unerfahrener Anfänger outen, was das Knüpfen von Netzen betraf.
„Leider nein, also… ich habe schon diverse Dinge miteinander verknotet, um beispielsweise Fallen aufzustellen. aber ein richtiges Netz habe ich noch nie geknüpft“
Er war also absolut offen dafür und würde es gerne lernen.
„Wenn wir ein paar Fische gefangen haben.. grillen wir sie dann an einem Lagerfeuer? Ich meine, rudern macht wirklich hungrig. Und ein paar kleine Kniffe in der Küche habe ich von Mary Sue definitiv gelernt“
also Leif konnte gerne das Fangen übernehmen, grillen würde Virgil den Fisch dann für ihn, damit er ebenfalls etwas beitrug. Er hatte die alte Küchenlady ja auch heimlich um ein paar Kräuter und Gewürze gebeten. Sie war wohl die einzige, neben Dean, die/der ihn nicht verraten würde.
„außerdem habe ich Rotwein mitgebracht. Aber der darf vor dem Morgengebet keinesfalls getrunken werden“
und es war ja doch noch gar ein bisschen früh am Morgen xD also erst die Arbeit und dann.. das Vergnügen.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Leif könnte sich das auch nicht vorstellen, ewig seine Beziehung geheimzuhalten. Und wenn sie sich beide fortan aus ihren Siedlungen stehlen würden, stieg ja auch die Gefahr, entdeckt zu werden. Wobei Virgil mehr zu befürchten hatte als Leif, dem es nun nicht so richtig verboten war, mit anderen Kontakten zu knüpfen, solang sie keine feindlichen Absichten hegten. Auch gleichgeschlechtliche Liebe war in Balar nicht verpönt. Bei einer christlichen Gemeinschaft sah das alles wieder ganz anders aus. Aber über solche Sachen mussten sie sich eigentlich noch keine Gedanken machen, solang sie nicht wussten, wohin die Reise für sie gehen würde. Da war es doch spaßiger, sich angenehme Dinge vorzustellen. Aufregende Dinge. Von denen sie beide nicht wirklich eine Ahnung hatten, aber sich wohl jetzt mehr bereit dafür fühlten, Erfahrungen zu sammeln, als noch vor ihrem Kennenlernen.
Leif musste lachen und legte Virgil beruhigend eine Hand auf die Schulter. »Was du dir wieder ausmalst. Natürlich ist Mord nicht an der Tagesordnung. Aber du wolltest wissen, was es bei uns für Regeln und Strafen gibt. Für den Fall der Fälle muss es auch für Tod und Gefahr etwas geben, oder nicht? Unsere Gemeinschaft ist wirklich sehr familiär. Es kommt selten vor, dass ein Urteil gesprochen werden muss und dann vielleicht eher deswegen, weil jemand ein Schwein geklaut hat oder so. Die meisten Streitigkeiten werden eh schon vorher beigelegt. Eigentlich ist kaum jemand interessiert daran, es so weit kommen zu lassen, dass ein Dorftreffen abgehalten werden muss.«
Die Vorgehensweise bei Virgils Gemeinschaft klang da wieder eher unsympathisch. »Ich wünschte, ich könnte dir zeigen, wie wir leben und wie gut das funktioniert. Zugegebenermaßen habe ich nicht viel Erfahrung woanders. Ich ... war eine Zeit mit einer kleinen Familie unterwegs und danach habe ich jahrelang allein in einem Leuchtturm gelebt.« Ein bisschen beschämt griff sich Leif an den Hinterkopf, bevor er weitersprach: »Balar ist meine erste und einzige Siedlung. Aber ich liebe es dort. Wie ist das bei dir? Findest du die Regeln gut, die Father Carter euch auferlegt? Und warum möchte er nicht, dass ihr euch verteidigen könnt?« So wie Virgil redete, klang es nämlich eher so, als würde er sich dort nicht wohlfühlen. Und da es jetzt nicht mehr um ihren Glauben ging, traute sich Leif auch mehr, kritische Fragen zu stellen. Denn er würde wohl lieber in seinen Leuchtturm zurückgehen, als sich jemandem wie Carter zu unterwerfen. Ihm war das Familiäre extrem wichtig und dass man zusammen auf Augenhöhe war.
»Hm. Ich gehe lieber auf Nummer sicher und überlasse es dir die nächsten Male, das Boot anzubinden. Immerhin musst du auch die Seemannsknoten lernen.« Natürlich würde Leif mit Argusaugen darüber wachen, damit sein armes Boot nicht davontrieb. »Aber zu besonderen Gelegenheiten werde ich den roten Teppich für dich ausrollen, versprochen.« Und welche das waren? Nun .. das würde sich noch zeigen.
Leif schmunzelte, als er an die Rettungsaktion dachte. »Ich konnte doch nicht zulassen, dass du den Meeresboden küsst.« Dann lieber ihn. Wobei er das ja erfolgreich abgewehrt hatte, seufz!
Leif wusste echt nicht, wohin mit sich, dieses umhertänzeln machte ihn ganz verrückt. Denn eigentlich wusste er ja inzwischen, was er wollte und hatte sich dazu entschieden, Virgil zu vertrauen. Und so heftig, wie sie miteinander flirteten, waren sie da auch immer noch auf einer Wellenlänge.
Weswegen Leif aufsah, als der Christ nach seinen Träumen fragte, und nun er es war, der Virgil tief in die Augen blickte. »Keine Ungeheuer. Zumindest hoffe ich das. Es ging auch eher um etwas ... das ich nachholen will.« Er ließ das Ruder für einen Moment sinken und ... beugte sich vor. Um Virgil einen Kuss auf die Wange zu geben, was unschuldig anmutete, sich aber gar nicht so anfühlte. Hitze schoss Leif in die Wangen, weswegen er das Ruder gleich wieder fest packte und sich abwandte. Eigentlich wollte er am liebsten ins kalte Wasser springen und wegschwimmen.
Perfekter Zeitpunkt, um über Fische zu reden. xD »Ach, die tun doch nichts. Sie sind nur giftig, wenn man sie isst. Keine Sorge!« Aber so generell war das Meer schon nicht mehr so ganz mit früher zu vergleichen. Denn Beißer schwammen leider auch darin herum.
Dann war auch das beschlossen und das Knüpfen von Netzen landete auf ihrer To-do-Liste. Virgil fragte, ob sie die Fische später zusammen essen würden, während Leif mit seinen Gedanken bisher gar nicht weiter gekommen war. Sie würden Fischen und dann? Gute Frage! Immerhin dauerte das nicht den ganzen Tag. Es wäre wirklich schön, wirklich jede Sonnenstunde gemeinsam zu nutzen, also nickte Leif. »Das können wir gern machen. Wer ist denn Mary Sue?« Wenn sie was vom Kochen verstand, war sie automatisch sympathisch.
»Ich habe auch Met dabei. Dann haben wir auch gleich etwas, womit wir anstoßen können. Auf ... unseren Fang.« Oder ihr Date? Hm.
Doch jetzt mussten sie ja erst mal ein paar Fische auftreiben. Sie schipperten an eine Stelle, die Leif als geeignet empfand und warfen das Netz aus. Diesmal hoffentlich ohne abrupte Bewegungen, die das Boot wieder fast zum Kippen brachten. Und dann hieß es warten.
@Virgil Chadburn



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Puh, wirklich beruhigend, dass sich die Leute in Balar nicht ständig gegenseitig abschlachteten xD. Ganz hatten die Erzählungen seiner Kameraden wohl doch nicht ihre abschreckende Wirkung verfehlt und auch wenn Virgil es nicht wollte.. so manche Vorurteile hatten sich bereits in seinem Kopf fest gesetzt. Da war es gut von einem echten Bewohner zu hören, dass das alles Schwachsinn war. Denn Virgil glaubte Leif.. er wirkte nicht wie jemand der log. Klar könnte er sich täuschen aber er zog es vor Vertrauen zu haben.
„Und wie viele Leute leben in deiner Siedlung? Keine Angst, ich frage das nicht, um dich auszuspionieren.. ich finde es bloß spannend mehr über den Ort zu erfahren, an dem du lebst. Denn das was du erzählst.. klingt wirklich wunderschön“
Eine familiäre und doch auch etwas einfach gestrickte Gemeinschaft wie es schien. Zumindest erweckte es den Eindruck, wenn man einander dort Schweine klaute xD
„Und ich wünschte, ich könnte es sehen. Aber wahrscheinlich würden sie einen Christen kopfüber an einen Pfahl fesseln und anschließend meinen Kopf als Hut tragen, hm?“
Er ging ja noch davon aus, dass alle dort so gläubig waren wie Leif. Und was taten Barbaren wenn jemand ihren Glauben bedrohte? Okay, zugegebenermaßen waren Virgils Worte nun beabsichtigt überspitzt gewählt. Es schwang jedoch auch ein bisschen Wahrheit bzw. Sorge darin mit.
„Du warst also mehrere Jahre ganz allein? Das muss.. schwer gewesen sein..“
So kompliziert Virgils Gemeinschaft manchmal auch war. Sie war trotzdem seine Familie und er war froh darüber jemanden an seiner Seite zu wissen.. alleine zu sein war die reinste Folter für ihn.
Bei seiner Rückfrage seufzte Virgil leise und hob ein bisschen ratlos die Schultern
„Weißt du… das ist kompliziert. Ich kenne viele der Menschen, mit denen ich dort lebe, bereits seit meiner Geburt. Nachdem wir nach Amerika kamen und in einen Angriff der Beißer gerieten, flohen wir zusammen. Und haben uns seither nie mehr getrennt. Sind von Gemeinde zu Gemeinde gereist.. auf der Suche nach anderen Gläubigen, die uns auf unserem Weg begleiten wollen. Doch nirgendwo konnten wir länger bleiben als ein paar Wochen. Bis wir die Church of Virtue fanden… Father Carter nahm uns auf, nachdem wir wochenlang unterwegs waren, kaum noch Nahrung hatten, halb erfroren und voller Zweifel waren. Er gab uns wieder Hoffnung und.. eine Aufgabe, einen Sinn im Leben. Weshalb meine Gemeinschaft ihm wirklich viel verdankt. Ich ebenso. Er hat uns gerettet.. einen sicheren Hafen mitten in all dem Chaos aufgebaut. Also sollte es nur logisch sein, dass wir ihm folgen, ihm vertrauen und an ihn glauben oder? Alles andere wäre…. undankbar. Ich bin vielleicht nicht immer von seinen Worten überzeugt.. und stimme mit allem überein, das er predigt. Aber ohne ihn würde ich vielleicht nicht mehr auf dieser Erde wandeln. Also wer bin ich, seine Entscheidungen in Frage zu stellen, wenn er einen so direkten Draht zu Gott hat?“
Virgil befand sich in einem Zwiespalt, was wohl sehr deutlich wurde bei seinen Worten. Denn eigentlich stimmte er nicht mit allem überein was sein Priester predigte.. aber auf der anderen Seite war dies angeblich Gottes Wille und Virgil stand in seiner Schuld. Also was sollte er machen?
„Den Seemannsknoten? Also langsam habe ich das Gefühl ich hätte ein Notizbuch mitnehmen sollen, um mir all das zu merken das du mich lehrst. Ich wusste nicht, dass es bei der Fischerei so viel zu beachten gibt…“
Er hatte sich das alles wesentlich einfacher vorgestellt und war etwas überrascht davon, dass Leif ihm so viele Dinge beibrachte. Aber er war dankbar dafür, denn das müsste er nicht tun. in seiner Schuld stand er doch schon längst nicht mehr.
Allerdings musste er nun lachen und fühlte sich geschmeichelt weil Leif manchmal den roten Teppich für ihn ausrollen wollte. Okay und auch ein bisschen verarscht aber das war in Ordnung. Er stieg gerne darauf ein.
„Zu gnädig von dir. Ich werde dich dann auch entsprechend dafür entlohnen… versprochen.“
Auf welche Weise das sein würde… tja auch das würde sich erst noch zeigen.
Oh Virgil hätte auch viel lieber Leif geküsst als den Meeresboden. Im Endeffekt war er aber gänzlich kusslos geblieben, in beider Hinsicht.
Aber vielleicht sollte sich das heute ändern? Virgil wusste es nicht.. denn er hatte auch beim letzten Mal schon das Gefühl gehabt, dass es zwischen ihnen funkte. Wie auch heute. Und trotzdem hatte er eine Abfuhr kassiert. Weshalb er nun wirklich nicht sicher war, wie er mit Leif umgehen sollte. Aufgeben tat er bestimmt nicht aber er wollte ihn auch nicht sofort wieder verschrecken.Weshalb er diesmal etwas zurückhaltender blieb.
Was jedoch schwierig war, wenn Leif ihn SO ansah! Da verlor er sich automatisch wieder in seinen wunderschönen Augen und fühlte wie sein Herz begann fest zu pochen.
Er hielt gar kurz den Atem an, weil es diesmal Leif war, der ihm so nahe kam. Virgil hielt ganz still und ertrug die Anspannung dieses Momentes kaum, sie raubte ihm wortwörtlich den Atem.
Der Kuss der folgte war zwar nur flüchtig aber… löste trotzdem eine Gänsehaut an seinem gesamten Körper aus und ließ ihn immer noch atemlos zurück. Er wollte die Geste gerne erwidern, doch ehe er das tun konnte, drehte Leif sich schon wieder peinlich berührt weg. Was ihn nun doch wieder schmunzeln ließ. Aber es war ein glückliches Schmunzeln, denn diese Geste gab ihm Hoffnung. Darauf, dass er sich vielleicht doch nicht auf dem Holzweg befand. Denn das alles fühlte sich so richtig an. einen kurzen Moment lang schwieg Virgil. Konnte dann jedoch nicht anders, als ebenfalls kurz das Ruder sinken zu lassen. Er legte zwei Finger an Leifs bärtiges Kinn, um sein Gesicht zu sich drehen zu können. Ein weiterer langer Blick in seine Augen folgte. Ehe nun diesmal er ihm wieder näher kam, aber nicht um ihn zu küssen, sondern weil er seine Stirn gegen die von Leif lehnte, die Augen schloss und leise hauchte
„Kein Ungeheuer.. versprochen“
Es folgte ein kleiner, flüchtiger Kuss auf Leifs Mundwinkel, ehe er wieder von ihm abließ und sich nach vorne drehte. Dabei jedoch bis über beide Ohren grinste. denn die Schmetterlinge in seinem Bauch spielten gerade völlig verrückt. Und er war einfach nur… glücklich. Ein Gefühl das er in dieser Intensität schon lange nicht mehr gespürt hatte. Womöglich auch nie?
Das folgende Gespräch über Fische war fast eine Erlösung. Denn Virgil wusste nicht, ob er diese Stimmung noch länger ertragen hätte, ohne wirklich gleich wie ein Ungeheuer über Leif herzufallen. Und dabei hatte er ihm doch gerade versprochen keines zu sein! Da war es also wirklich besser über Fische zu reden.
„ich muss also keine Angst haben, dass sie mich anknabbern während ich schwimme?“
das täten wohl nur die Beißer. die manchmal auch ganz unvorbereitet auftauchten, weshalb Virgil der tiefe Ozean schon etwas unheimlich war.
Er war also froh darüber, dass sie später noch etwas auf dem Festland unternehmen würden. Und tatsächlich den ganzen Tag miteinander verbringen würden.
„Mary Sue ist unsere Köchin.. eine wirklich alte aber sehr bezaubernde Dame, die mir viel beigebracht hat und selbst aus den einfachsten Gerichten etwas Leckeres zaubern kann.“
Met und Wein waren also mit am Start. Fehlten nur noch die Fische. Allerdings konnte Virgil sich nun eine weitere zweideutige Bemerkung nicht verkneifen.
„Oh ja, ich finde auch mein Fang war wirklich großartig“
Da sie noch keine Fische gefangen hatten war wohl recht schnell klar, dass Virgil nicht über die Fische sprach sondern über Leif. Dem er bei diesen Worten nun sogar zuzwinkerte.
Diesmal stellte sich Virgil etwas geschickter beim Fischen an und machte keine so abrupten Bewegungen. Rutschte aber trotzdem ein bisschen näher an Leif heran, da die Brise hier auf dem Ozean schon ziemlich kalt war und er ja auch über die Reling lugen wollte, um zu sehen, ob sich schon etwas verfangen hatte.
„Wie lange.. sitzt du hier für gewöhnlich und wartest?“
Man sah ihm womöglich an, dass er etwas fror. Trotz Decke, die er nun etwas höher zog
@Leif Tyrson



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»Darüber möchte ich lieber nicht reden«, meinte Leif ausweichend. »Das ... hat nichts mit dir zu tun, ich kann es nur gerade einfach nicht.« Es war nur natürlich, dass Virgil mehr Details von Balar wissen wollte. Wenn sie nicht gerade erst angegriffen worden wären, würde Leif vielleicht gar nicht so viele Bedenken hegen. Doch was passiert war, steckte allen noch sehr in den Knochen, inklusive ihm. Zwar glaubte er wirklich nicht, dass Virgil etwas Böses vor hatte, doch seiner Gemeinschaft traute er trotzdem nicht über den Weg. Wenn man ihn erwischte, könnte man ihn zwingen, alles preiszugeben, was er wusste und womöglich würde man dann doch Balar angreifen, da man dort gute Christen zu Sünden verführte? Leif wollte dafür nicht verantwortlich sein. Gleichzeitig wünschte er sich, Virgil in seine Welt einführen zu können, ihm seine Freunde vorzustellen und ihm bedingungslos zu vertrauen. Wie so vieles in dieser Welt war das aber nicht so einfach. Trotzdem musste er lächeln, als Virgil weiter sprach. »Du hast wirklich seltsame Vorstellungen. Wir würden dich niemals aufknüpfen nur wegen deines Glaubens. Ich bin mir ja nicht mal sicher, ob alle in Balar an die nordischen Götter glauben. Manche machen das sehr offenkundig, wie ich. Aber mit anderen habe ich darüber noch nie geredet und weiß es nicht. Bei dem ein oder anderen kann ich es mir außerdem nicht vorstellen, weil sie einfach ganz anders aufgewachsen sind.« Wie bei Duo beispielsweise. Wissen tat er es aber auch nicht, ob dieser an irgendein Götter-Pantheon glaubte. Bisher hatte er auch noch nicht mitbekommen, dass Dean eingetroffen war, sonst wäre Leif wohl spätestens bei der Erwähnung der Church of Virtue aufmerksam geworden. Der Moment würde ein anderes Mal kommen. Und spätestens dann würden sie auch sicher wissen, dass Ivar jemanden akzeptierte, der aus einer streng gläubigen Gemeinde kam.
»Alleinzusein hatte Vor- und Nachteile«, meinte er dann. Über diesen Teil seiner Vergangenheit zu reden war kein Problem, auch wenn die Erinnerung an seine Eltern und die Familie danach immer noch schmerzhaft war. »Ich hatte auch da ein kleines Boot und bin viel rausgefahren. Auf dem Meer fühlte ich mich nicht mehr so einsam. Als wäre ich in der Gesellschaft eines guten Freundes. Anderen Menschen bin ich trotzdem bewusst aus dem Weg gegangen. Bis ich auf Balar traf und mich sofort an Island erinnert fühlte. Klar, dass ich geblieben bin. War aber eine ganz schöne Umstellung, wenn man immerwährende Isolation gewohnt war.« Leif grinste. »Wahrscheinlich bin ich deswegen manchmal immer noch ein wenig wunderlich. Mal abgesehen von meiner Aussprache der englischen Sprache, die immer noch nicht so ganz ausgereift ist.«
Jetzt war es an ihm, Virgil zuzuhören. Bei jedem Wort machte sich Verständnis in ihm breit, ganz egal, ob er Carter sympathisch fand oder nicht. »Ich kann nachvollziehen, weswegen du dich ihm verbunden fühlst. Dankbarkeit ist ein starkes Bindeglied, ganz besonders in diesen Zeiten. Dass du Carter trotzdem manchmal hinterfragst, beweist aber, dass du trotzdem deinen eigenen Kopf hast. Man muss nicht immer mit allem einverstanden sein, was ein Anführer tut, auch wenn man ihm vertraut.« Leif lächelte, wusste aber nach wie vor zu wenig, um alles wirklich gut beurteilen zu können. »Hätte er euch denn auch aufgenommen, wenn ihr keine Christen wärt? Dürfte jemand wie ich dich dort eigentlich besuchen?« Vielleicht war er es ja dann, der in diesem Fall aufgespießt werden würde. Oder gar gekreuzigt? Oder zur Gehirnwäsche in den Beichtstuhl kam. Er hatte wirklich keine Ahnung. Virgil gab ihm Hoffnung, dass die Church kein Haufen Irrer war, aber man konnte von einem leider trotzdem nicht auf alle schließen. Ihm gelang das nicht so gut wie umgekehrt Virgil, der in Leif keinen Barbaren mehr sah und Balar unbedingt kennenlernen wollte. Schon traurig irgendwie, dass Leif mehr Misstrauen umtrieb. Es hatte allerdings auch seine Gründe.
»Na, ich habe schon den Anspruch, dir die Sachen vernünftig beizubringen. Mit allem, was dazu gehört. Also musst du leider auch den Umgang mit dem Seil lernen. Es gibt auch nicht nur einen Seemannsknoten.« Leif lächelte, das wurde sogar leicht anzüglich. Denn der Gedanken an Fesselspielchen war auch irgendwie anregend. xD Passte auch ganz gut zu der Entlohnung, von der Virgil gerade ohne Zweifel sprach. Sie beide pusteten gerade wirklich viel heiße Luft in die Welt, hm? Zwar glaubte Leif, Virgil hätte mehr Erfahrung als er, so wie er sich gab. Er konnte ja nicht wissen, dass hier gleich zwei Jungfrauen saßen. Aber das würden sie vielleicht noch herausfinden.
Leif fühlte sich heute schon viel mutiger als vor drei Tagen, wo ihn das alles noch sehr überrumpelt hatte. Was Knutschereien anging, hatte er immerhin schon Erfahrungen vorzuweisen! Aber trotzdem gestaltete sich das bei Virgil viel schwieriger, da er sich bereits still und heimlich in sein Herz geschlichen hatte. Und Leif Angst hatte, es zu verkacken und sich zu öffnen. Aber diesen Moment wollte er trotzdem nutzen und gab Virgil einen Kuss auf die Wange. Da er es nun nicht ertragen könnte, so etwas wie Ablehnung zu sehen, drehte er sich rasch wieder weg und tat so, als wäre das doch gar nichts Wildes gewesen.
Bis er zwei Finger an seinem Kinn fühlte und Virgil sein Gesicht drehen ließ. Automatisch hielt er den Atem an und erwiderte den Blick. Wie konnte man sich jemandem nur durch solche winzigen Augenblicke schon so verbunden fühlen? Das machte Leif ganz verrückt, aber auf eine gute Weise. Jetzt würde er folgen, der richtige Kuss. Oder? Nein, Virgil lehnte nur seine Stirn an seine, was auch Leif die Augen schließen ließ. Diese Geste war ja fast noch inniger als ein Kuss. Und bedeutete ihm die Welt, ebenso wie das Versprechen, dass Virgil kein Ungeheuer war. Leif glaubte ihm das und hatte ja auch nicht wirklich damit gerechnet. Doch an seinen Sorgen seiner Kolonie gegenüber konnte er noch nicht viel drehen. Für ihn selbst war Virgil aber keine Gefahr und das so direkt aus dessen Mund zu hören bedeutete ihm viel.
Aber das war ja noch nicht alles. Virgil küsste ihn auch noch auf den Mundwinkel und hinterließ damit ein Prickeln, das sich rasch auf den gesamten Körper ausbreitete. Wo der nächste Kuss, den sie teilen würden, platziert werden würde, war klar, oder? Direkt auf die Lippen. Aber jetzt noch nicht. Jetzt redeten sie erst mal wieder über das Fischen, so surreal das in diesem Moment auch war.
»Wenn dich jemand anknabbert, bin das eher ich.« Tja, also ... so richtig kam Leif noch nicht ins Hier und Jetzt zurück, wie es schien. xD
»Das heißt, ich bringe das Essen nach Hause und du kochst es für uns? Das klingt nach einer großartigen Arbeitseinteilung!« Immer noch war Leif bei dem, was sie eben geteilt hatten, er konnte seine Worte gar nicht zurückhalten.
Und mit dem Fang meinte Virgil jetzt wohl ihn, hm? So wie er ihm zuzwinkerte, wurde es Leif schon wieder ganz warm. Bevor sie jetzt doch noch alle Vorsätze über Bord warfen, machten sie das lieber mit dem Netz.
»Oh, das ist ganz unterschiedlich. Ich kann auch Köder aushängen, dann kommen die Fische vielleicht schneller.« Denn Leif fiel durchaus auf, wie sehr Virgil fror. Das konnte man sich ja kaum mit ansehen, also zog er sich den Mantel aus und legte ihn dem Waliser um die Schultern. »Wenn sich in der nächsten Stunde nichts getan hat, fahren wir zurück und machen ein Feuer, okay? Wir werden schon was Essbares auftreiben, das wir darüber hängen können und fahren dann einfach am Nachmittag noch mal raus, wenn es was wärmer ist.« Denn er wollte es wirklich nicht verantworten, wenn Virgil sich hier draußen eine Erkältung holte.
Leif setzte sich wieder zu ihm und seufzte. Etwas wollte er inzwischen doch noch loswerden, er hatte es sich nur noch etwas aufgehoben. »Hör mal. Ich wollte dir noch erklären, warum ich dir nichts über Balar erzählen wollte. Wir sind eine offene Siedlung und nehmen auch Neulinge auf, wenn unser Anführer einverstanden ist. Aber wir hatten jüngst eine ... schwere Zeit. Wir wurden in einen Zwist hineingezogen und haben deswegen ein paar Verluste zu verzeichnen. Es waren Freunde von mir dabei. Unter anderem wurden auch unsere Fischbestände vergiftet. Auch jene, die ich gefangen habe. Das alles nagt derzeit noch sehr an mir und ich gebe mir mit die Schuld an allem. Deswegen ... würde ich dir lieber nicht zu viel darüber verraten, wie wir aufgebaut sind, wie viele wir sind und so weiter. Noch nicht. Aber ich wünsche mir wirklich, dir unsere Kolonie irgendwann zeigen zu können.« Jetzt war es raus, weshalb Leif so ein Problem mit seinem Vertrauen hatte. Und weshalb er sich mehr als sonst darum sorgte, dass jemand seine Gemeinschaft angreifen würde. Es hatte nicht direkt mit Virgil zu tun, das verstand dieser hoffentlich und nahm ihm das nicht krumm. Irgendwie tat es auch gut, das ausgesprochen zu haben.
@Virgil Chadburn



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Leifs Antwort auf seine Frage war für Virgil ziemlich irritierend. Und sie versetzte ihm ehrlich gesagt auch einen kleinen Dämpfer. Denn selbst wenn er sagte, dass sein Ausweichen nichts mit ihm zu tun hatte… so ganz glauben konnte er ihm das nicht. Denn welchen Anlass sollte es sonst geben, dass er ihm nicht so viel über seine Kolonie verraten wollte? Andererseits konnte Virgil auch nicht sofort vollstes Vertrauen von Leif erwarten. Das wusste er. Vertrauen musste man sich erst erarbeiten mit der Zeit. Dennoch kam er nicht umher ein bisschen enttäuscht zu wirken. Merkte deshalb auch nur kurz und knapp an
„Okay..“
Er würde ihn sicher zu nichts drängen und seine Antwort akzeptieren aber ein bisschen weh tat es trotzdem. Schließlich erzählte er ihm auch alles über seine Kirche. War vielleicht nicht klug aber er fühlte dieses Vertrauen zu Leif bereits.
Jedoch sollte dieses Thema nun nicht den restlichen Tag verderben, weshalb Virgil es rasch wieder bei Seite schob und sie einfach weiter machten wie zuvor.
„Ihr seid wohl doch weltoffener, als man vermuten würde“
Und das freute Virgil. Denn das hieß, sie wären wirklich auch keine Gefahr für ihre Gemeinschaft. Und er könnte Father Carter beruhigen.. wenn er ihm irgendwann beichtete, dass er Kontakt mit einem der ‚Wilden‘ gehabt hatte.
Virgil konnte sich Leif wirklich gut als einsamen Wolf vorstellen. Als er ihn beobachtet hatte.. war er schließlich auch nicht besonders kontaktfreudig gewesen und oft alleine unterwegs.
„Gibt es denn auch einen Meeresgott oder so, mit dem du dich dann unterhalten hast?“
konnte doch sein, wenn es sich für ihn angefühlt hatte, als wäre ein Freund an seiner Seite.
„Nun hast du einen richtigen Freund der dich begleitet und dem du den liebend gerne deine Seemannsgeschichten erzählen darfst“
Damit meinte er natürlich sich. Wenn Leif das denn wollte… dass sie ab und zu zusammen raus fuhren. Selbst dann, wenn Leif all sein Wissen mit ihm geteilt hatte. Was Virgil da sagte.. war bewusst auf die Zukunft ausgelegt, um Leif klar zu machen, dass er ihn gerne weiterhin treffen würde. Auch dann wenn er bereits ‚ausgelernt‘ war.
„Ein Wunder bist du tatsächlich“
Sagte Virgil lächelnd, denn als wunderlich würde er ihn eigentlich nicht bezeichnen. Er fand Leif einfach bezaubernd, so wie er war. Und sein Akzent machte ihn bloß noch eine Spur süßer.
„Wenn du willst helfe ich dir ein wenig mit der Aussprache. Wäre nur fair nachdem du mich zum perfekten Fischer ausgebildet hast“
Da das ja wesentlich mehr Arbeit war als erwartet. Und Virgil.. irgendwie auch gerne etwas für ihn tun würde. Als Waliser beherrschte er schließlich perfektes Englisch.
Nun aber erzählte er ein wenig über seine Gemeinschaft und wie es dort ablief.
„Ja, die Church hilft jedem der Schutz sucht, ungeachtet seines Glaubens. Sofern man keinen Ärger macht. Aber ob wir dauerhaft hätten bleiben dürfen ohne zu konvertieren.. das bezweifle ich. Zumindest kenne ich niemanden, der dauerhaft dort lebt und ein anderes Glaubensbekenntnis trägt.“
Schutz für ein paar Nächte war in Ordnung. Aber wenn man dort leben wollte, musste man sich auch Carters Glaubenssätzen und Grundsätzen unterwerfen.
Die zweite Frage war da schon schwieriger zu beantworten. Dürfte Leif ihn wirklich dort besuchen? Darüber musste Virgil erst nachdenken.
„Das ist schwierig zu beantworten.. Ich denke gerne sehen würde Father Carter es nicht, wenn ich mit einem…. ‚Wilden‘ verkehre. Verbieten würde er es mir allerdings auch nicht. Stattdessen würde er wohl eher versuchen mir nach dem Treffen ins Gewissen zu reden. Also ja, du dürftest mich besuchen. Jedoch solltest du dich nicht auf eine sonderlich herzliche Begrüßung einstellen. Außerdem.. müsste dann strikt klar sein, dass…. wir nur Freunde sind…. platonischer Natur…“
Waren sie denn bereits mehr als das? Sie tauschten Blicke, Gesten und Worte aus, die mehr vermuten ließen. Etwas das sie bei der Church vollständig einstellen müssten. Vielleicht wurde Leif nun auch bewusst, dass Homosexualität ein absolutes Problem in Virgils Glauben darstellte? zumindest versuchte Virgil das mit seinen Worten anzudeuten. Noch ein Grund mehr, weshalb er immer wieder mit seinem Glauben haderte. Denn wen man liebte.. das suchte man sich nicht aus. Und da half auch kein Beten, um es wieder loszuwerden. Und bei Gott.. Virgil hatte es wirklich versucht!
„Langsam bekomme ich den Eindruck, du möchtest mich gar nicht mehr gehen lassen“
sagte er nun mit einem amüsierten Schmunzeln im Gesicht. Denn es wirkte so, als würde Leif mehr und mehr Dinge aus dem Hut zaubern, die er Virgil übers Fischen, Knüpfen, Knotenbinden beibringen konnte. Und er fand es gut!! Denn so hatten sie stets einen Vorwand einander zu sehen. Bis sie irgendwann.. hoffentlich keinen mehr brauchen würden.
Nach Leifs kleiner, zärtlicher Geste überlegte Virgil natürlich, ob er Leif nun richtig küssen sollte. Oder besser gesagt.. es erneut versuchen. Aber er entschied sich dagegen. Ließ ihm stattdessen eine andere ‚Antwort‘ zukommen, die vielleicht weniger leidenschaftlich war aber dafür umso bedeutsamer und intensiver. Denn Virgil fühlte sich dem Isländer in diesem Augenblick so nahe wie noch nie jemandem zuvor. Er kannte dieses Gefühl nicht und es machte ihm gleichermaßen Angst wie es ihn erfüllte.
Aber diesmal wies Leif ihn nicht zurück, sondern war ganz nahe bei ihm. Körperlich wie auch mental. Weshalb es ihnen beiden wohl nicht gelang so richtig weiter zu machen als wäre gerade nichts passiert.
„Das ist schon das zweite Mal, dass du mir androhst mir das Fleisch von den Knochen zu nagen. Sollte ich mir Sorgen machen?“
Erwiderte er amüsiert grinsend, musste ja sogar kurz lachen. Natürlich nahm er das nicht ernst und wollte sich liebend gern von Leif anknabbern lassen.
Was dieser anschließend sagte.. klang jedoch weniger verdorben, dafür aber wunderschön. Weswegen Virgil liebevoll lächelte. Denn die Vorstellung eines zu Hauses… das sie beide teilten.. war einfach ein Traum, dessen Verwirklichung vielleicht unrealistisch war. Aber manchmal durfte man sich solchen Träumereien auch hingeben oder? weshalb er darauf erwiderte
„Liebend gerne. Und danach helfe ich dir dabei, dich nach deinem anstrengenden, harten Arbeitstag auf rauer See, zu entspannen.“
Das klang doch nach einem guten Leben oder? ein Leben… das Virgil sich tatsächlich vorstellen könnte. Nur sie beide fernab irgendwo in einer kleinen Hütte, wo keine Gemeinschaft und deren Vorurteile ihnen einen Strich durch die Rechnung machte.
„na so lange ich nicht der Köder bin, klingt das nach einer guten Idee“
sagte er grinsend, denn er wollte ungern seinen Zeh ins Wasser hängen, um Fische anzulocken oder so. Als Leif ihm plötzlich seinen Mantel um die Schultern legte wollte Virgil eigentlich ablehnen
„nicht doch! ich muss auf dich wirken wie eine kleine, verwöhnte, katholische Mimose…“
Andererseits… war der Mantel echt warm xD weshalb Virgil ihn dann doch nicht zurück gab sondern sich darin einkuschelte. Auch wenn er ein schlechtes Gewissen hatte. Bei seinem Vorschlag nickte er und rückte dann etwas dichter an Leif heran
„komm.. der Mantel und die Decke sind groß genug für uns beide“
Weswegen er ihn dazu einlud.. beides mit ihm zu teilen. Denn ohne Mantel musste nun doch Leif ziemlich frieren. Und das wiederum konnte Virgil nicht verantworten.
Das er nun jedoch noch einmal das Thema Balar anschnitt überraschte ihn etwas. Für ihn war das eigentlich schon wieder erledigt.
aber das nun eine Erklärung folgte, ließ Virgils seltsames Gefühl von vorhin weichen, denn nun konnte er viel besser verstehen weshalb Leif so vorsichtig war.
„Ich verstehe. Um deine Freunde tut es mir wirklich Leid Leif. Mit Sicherheit trinken sie gerade eine Karaffe Met in Valhalla auf dich“
Versuchte er ihm gut zuzureden und ihn ein bisschen aufzumuntern, indem er ihm zeigte, wie sehr er seine Religion respektierte und wie gut er sich auch alles davon eingeprägt hatte, statt nun mit christlichem Geschwafel zu kommen.
„Ich weiß zwar nicht genau was passiert ist.. aber ich bin mir sicher du hast getan was du konntest, um das zu verhindern. Manche Dinge sind größer als ein einzelner Mann Leif..“
Er wusste nicht, ob irgendetwas von dem was er sagte ihm etwas Trost spendete. Aber vielleicht war es sonst die Hand auf seiner Schulter, die sich sanft dort einfand und ihn sogar ein bisschen streichelte.
„Nun wo ich das weiß, werde ich nicht weiter fragen. Du erzählst mir einfach nur so viel.. wie du bereit bist mir zu erzählen. Ich nehme dir das keinesfalls übel..“
Nun konnte er damit wirklich viel besser umgehen als noch zuvor, denn nun verstand er was hinter Leifs Misstrauen und Skepsis steckte.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Leif wusste ja, es war seltsam, dass er plötzlich blockierte. Bis jetzt hatte er immerhin bereitwillig über Bräuche und Ähnliches gesprochen. Durch Balars Lage auf der Insel hatte es bisher als geradezu unangreifbar gegolten. Dennoch war es Negan gelungen. Ihr Sicherheitsgefühl war gerade extrem instabil. Leif wüsste nicht, ob er an Ivars Stelle noch Leute in die Siedlung lassen würde. Vor allem keine, die er nicht kannte. Sie hätten alle vorsichtiger sein müssen und Leif hatte sich geschworen, es ab sofort zu sein. Und doch kannte Virgil jetzt seinen geheimen Ankerplatz, er brachte ihm das Bootsfahren bei, obwohl er dieses Wissen weitergeben könnte, um mit einer kleinen Flotte anzugreifen. Das waren irrationale Ängste, ja. Aber sie beherrschten Leif gerade sehr, weil die Verluste noch so frisch waren. Deswegen musste er irgendwo einen Riegel vorschieben, und das war spätestens dann, wenn Virgil wissen wollte, wie viele Bewohner Balar hatte, wie ihr Tagesablauf war und Ähnliches. Das schienen harmlose Informationen zu sein, mit denen man aber ziemlich viel Unfug treiben konnte. Und auch wenn Leif sich vorgenommen hatte, Virgil zu vertrauen, ging das in mancher Hinsicht nicht von heut auf morgen. Weswegen er ihm eine erneute Abfuhr erteilte und deswegen sofort ein schlechtes Gewissen hatte. Denn dass Virgil das verletzte, konnte man sehen. Leif musste ihm seine Gedankengänge erklären, aber ... jetzt noch nicht.
Leif nickte, natürlich gab es auch einen Gott, der sich um Gewässer und die Seefahrt kümmerte. »Er heißt Njörd. Ich könnte ihn bitten, den Wind zu besänftigen, damit du nicht mehr so frierst.« Was er mit einem Grinsen sagte, denn der Waliser schlotterte ja immer noch so.
Götter waren ja so was wie imaginäre Freunde, die leider nicht immer antworteten. Da war es schon eine nette Abwechslung, jemanden dabei zu haben, mit dem man eine andere Art des Gesprächs führen konnte. Auch wenn Leif kein Problem damit hatte, einfach zu schweigen. »Irgendwann wirst du selbst Seemannsgarn spinnen, versprochen. Die See ist nicht immer ruhig und wenn sie aufbrausend ist, wird es erst richtig spannend.« Zwar auch gefährlich, doch Leif konnte dieser Art der Gefahr tatsächlich etwas abgewinnen.
Er war also ein Wunder? Leif hob skeptisch die Augenbraue, auch wenn er ahnte, dass es ein Kompliment sein sollte. Dennoch drängte sich ihm die Frage auf: »Und was lässt dich das denken?« Darauf war er jetzt schon neugierig. xD
»Hilfe bei der Aussprache könnte ich wohl gebrauchen. Manchmal ... stolpere ich förmlich über die Wörter.« Er dachte ja auch noch isländisch, wollte das eigentlich auch nicht aufgeben. Aber so vermischten sich die zwei Sprachen einfach automatisch in seinem Kopf und ... raus kam manchmal nur Kauderwelsch.
Nun sprachen sie über die Church und Virgil erzählte ihm bereitwillig mehr darüber. Dauerhaft durfte man als Nicht-Christ dort also nicht leben, aber man ließ Andersgläubige unbehelligt weiterziehen. Das klang nicht nach einer Gruppe fanatischer Missionare, was Leif automatisch ein wenig beruhigte.
Interessant war auch noch, ob er ihn dort besuchen dürfte, obwohl er einer der ›Wilden‹ war. Er fragte das nicht nur, weil er neugierig war, sondern weil er es sich schön vorstellte, Virgil in seiner Heimat zu sehen, in seiner ... natürlichen Umgebung sozusagen. Und er konnte ja auch nicht verlangen, dass der Waliser immer hierher reiste. Weswegen er ihm durchaus auch mal entgegenkommen würde. So richtig eine Ahnung hatte er ja nicht, wie weit weg diese Gemeinschaft war.
»Hm, du hättest also trotzdem Schwierigkeiten, wenn ich dich besuche.« Leif wollte nicht, dass Carter es Virgil ausredete, sich mit ihm zu treffen. Was, wenn das fruchtete? Und sie mussten auf jeden Fall den Anschein erwecken, nur Freunde zu sein? Im Moment waren sie ja auch nicht mehr, allerdings ... konnten sie sich mit dem Flirten ja kaum zügeln. Und Leif verstellte sich auch nicht gern. Wobei er es schon tun würde, wenn er Virgil damit beschützte. »Sind euch generell Beziehungen verboten oder nur ... welche zum gleichen Geschlecht?« Er ahnte die Antwort bereits schon und sah zu Boden. »Was ... wenn das rauskommen würde? Wenn wir ... mehr als nur Freunde wären? Was für eine Strafe würde dich erwarten?«
Dass sie sich mit diesem Thema auseinandersetzen mussten, machte ihr Umgang miteinander deutlich. Zwei Beinahe-Küsse und ein sehr intensives Stirn an Stirn lehnen ... zeigte doch recht offensichtlich, wie sehr sie Gefallen aneinander fanden.
Und das war es, worauf sich Leif jetzt konzentrierte, es ging einfach nicht mehr anders. Es war ihm unmöglich, diese Anziehungskraft weiter zu leugnen. Also sagte er ihm, dass er ihn anknabbern wollte, und grinste bei der Antwort. »Vielleicht. Aber ich werde mir Zeit lassen und ganz vorsichtig sein. Es sei denn, es ist dir lieber, dass es schnell vorbei ist. Dann zeige ich vollen Einsatz. Mit meinen Zähnen.« Uff. Zweideutiger ging es kaum, hm?
Leif fand den Gedanken ebenso schön, mit Virgil zusammenzuwohnen. Und das sagte er, der ein Einsiedlerherz besaß. Doch mit dem richtigen Partner ... konnte man sich plötzlich eine ganze Menge vorstellen.
Aber sie waren ja nicht nur zum Spaß hier. Ein wenig Arbeit gab es auch noch zu tun. »Nein, du bleibst schön hier bei mir im Boot«, meinte Leif und lächelte. Dann holte er schon die Köder aus einem Fass und hing sie runter an das Netz, bis sie im Wasser nicht mehr zu sehen waren.
Den Mantel wollte Virgil gar nicht annehmen, aber Leif war eisern. »Quatsch, so kommst du mir gar nicht vor. Du bist den Meereswind einfach nicht gewohnt und ... bekommst schon ganz blaue Lippen!« Bemerkte er, weil er dauernd drauf starrte. xD
Um ihm auch noch etwas Körperwärme abzugeben, setzte sich Leif wieder dicht neben Virgil. Besser ginge es natürlich, wenn er mit unter Mantel und Decke kriechen würde, was der Waliser auch gleich anbot. Leif ... zierte sich, obwohl er sich das doch auch wünschte. Doch es würde erneut schwerer werden, der Anziehungskraft zu widerstehen, wenn sie sich so nah waren. Leifs Mauer war schon mindestens zur Hälfte abgetragen. Also wusste er wirklich nicht, ob er beim nächsten verheißungsvollen Blick noch an sich halten konnte.
Doch wie war das mit dem berüchtigten Mut der Wikinger? Leif wollte nicht mehr ängstlich sein. Also rückte er näher, bis er Virgils Wärme durch den Stoff ihrer Tuniken spüren konnte und sie wirklich beinah aufeinander hockten.
Perfekte Stimmung, um zu einem ernsteren Thema zurückzukehren, das Leif immer noch keine Ruhe ließ. Er musste Virgil einfach erklären, weshalb er so misstrauisch war und dass es nicht wirklich mit ihm als Mensch zu tun hatte. Sondern einfach mit schlechten Erfahrungen, die ihn gerade sehr beeinflussten.
Und Virgil reagierte wirklich verständnisvoll, was Leif aufatmen ließ. Besonders bei dem Kommentar mit Valhalla lächelte er dankbar und nickte.
»Man hat uns ausspioniert, Wachposten getötet und unsere Vorräte vergiftet, ohne dass es irgendjemandem aufgefallen wäre. Und dann hat es einen Angriff gegeben. Deswegen ... reagierte ich auch ein wenig empfindlich, als du meintest, du würdest dir ein Bild von uns machen. Wenn wir einzelne Späher nicht bemerken ... irgendwann kommt vielleicht wirklich wieder jemand, der uns schaden will und hat dann wieder so leichtes Spiel?« Leif schüttelte den Kopf, weil er auch nicht wusste, was sie besser machen könnten.
Dass Virgil seine Schulter streichelte, beruhigte ihn wirklich und es war einfach ... ein schönes Gefühl. »Irgendwann werde ich dir mehr erzählen. Und wenn du willst, auch zeigen. Aber ... ich brauche noch etwas Zeit. Danke, dass du sie mir gibst und Verständnis zeigst.« Er griff nach Virgils Hand und ... führte sie aus einer Eingebung heraus an seine Lippen, um einen sachten Kuss darauf zu drücken. Und ... ihm dabei kurz in die Augen zu sehen. Oder auch nicht kurz. Denn wieder war er wie gefesselt von ihnen.
@Virgil Chadburn



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„Na ob er das für einen Christen tun würde? Dafür muss deine Verbindung zu ihm wohl wirklich stark sein“
Andererseits wenn Leif sein halbes Leben auf dem Meer verbrachte, vielleicht war dieser Njörd ihm ja tatsächlich wohl gesonnen und würde ihm sogar dabei helfen einen Katholiken zu wärmen. Vorausgesetzt Virgil würde an Leifs Götter glauben…. die für ihn immer noch eher wie Figuren aus einem Fantasyroman klangen statt nach echten Göttern.
Jedoch brauchte es gar keinen Gott, damit Virgil wieder wärmer wurde. Leifs Anwesenheit.. und seine Nähe reichten dafür völlig aus.
„Ich bin überzeugt davon, dass du jedes Ungeheuer bändigen kannst. Auch die See“
Denn Leif hatte diese ruhige, starke Ausstrahlung.. die ihn einfach faszinierte und er erweckte den Eindruck, als könne er einfach alles schaffen.
Leif wollte wissen, weshalb er in Virgils Augen ein Wunder war? Mit dieser Nachfrage hatte er nun wirklich nicht gerechnet, doch sie ließ ihn lächeln. Jedoch versuchte er Worte zu wählen… die ihn nicht wieder verschreckten, weil er vielleicht zu dick auftrug. Schien er vorhin schließlich schon kurz panisch gewesen zu sein, nur weil er das Wort ‚Date‘ verwendet hatte. Da musste er seine Worte nun wirklich mit Bedacht wählen.
„Kennst du denn die Definition eines Wunders? Im Grunde ist es ein Ereignis.. dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann. Wie du geboren wurdest.. ist mir natürlich klar. Doch welche Wirkung du auf mich hast…. nicht im Geringsten. Du bist ganz plötzlich in mein Leben getreten und ein einziger Blick hat gereicht, um zu wissen…. dass vom heutigen Tag an alles anders sein würde, obwohl ich es mir nicht erklären konnte. Findest du nicht, das klingt nach einem Wunder?“
Sagte Virgil ganz offen und ehrlich. Denn schon bevor sie das erste Mal miteinander gesprochen hatten, hatte er dieses Gefühl gehabt. Das Leif sein Leben von grundauf verändern und auf den Kopf stellen würde. Und genau so war es auch gekommen.
Dann war es also beschlossen, Virgil würde Leif dabei helfen etwas an seiner Aussprache zu feilen. Und würde dabei wohl mehr als nur einmal verzückt von den kleinen Fehlern sein, die er machte. Er gewöhnte sich zwar langsam an die Art wie er sprach.. manche Wörter klangen aber ganz besonders niedlich, sodass er in regelmäßigen Abständen deswegen schmunzeln musste.
Aber nun schnitten sie ein schwierigeres Thema an, nämlich seine Gemeinschaft
„Schwierigkeiten, die ich in Kauf nehmen würde. Wenn es dich wirklich interessiert zu sehen wie ich lebe“
Er würde ihm ja gerne Mary Sue vorstellen oder auch andere Mitglieder seiner Gemeinde. Ihnen zeigen.. das Leif gar nicht so furchteinflößend war wie die Heiden meist dargestellt wurden. Er würde gerne für etwas Offenheit in seiner Gruppe kämpfen, doch würde Father Carter das wohl niemals zulassen.
Doch mit seinen Worten machte er auch klar, dass er sich nicht davor scheute ihn an den Ort zu führen wo er lebte. Trotz der Möglichkeit, dass Balar sie danach angreifen könnte. Doch er vertraute Leif und er wusste einfach…. dass das nicht passieren würde.
Das Thema Beziehungen war aber noch schwieriger und bislang hatte Virgil wirklich versucht das zu verdrängen! um den Moment zu genießen. Aber wenn Leif ihn so direkt danach fragte… musste er sich der Realität wohl oder übel stellen hm?
Weshalb er leise seufzte und meinte
„Nein.. Beziehungen sind sogar sehr gerne gesehen, noch mehr die Ehe. Jedoch niemals… gleichgeschlechtlicher Natur. Das ist eine Todsünde… und eines der schlimmsten Vergehen im christlichen Glauben….“
nun war es raus. und Virgil konnte nicht mehr länger so tun, als würde ihn das belasten. Dieses Thema war mit der Hauptgrund, wieso er so mit seinem Glauben haderte. Da er das einfach nicht verstehen und akzeptieren konnte. Und es ihn wirklich fertig machte.
„Welche Strafe mich erwarten würde? Du meinst.. abgesehen davon, dass ich nach meinem Tod bis in alle Ewigkeit Höllenqualen im Fegefeuer erleiden müsste? Naja.. ich vermute, ich müsste die Gemeinschaft verlassen. Sofern ich nicht bereit dazu wäre diesem sündigen Verhalten abzuschwören. Wenn wir Christen beichten und wirkliche Reue zeigen.. sowie unser Leben fortan nach Gottes Vorstellungen leben, kann uns so gut wie alles verziehen werden.“
Aber ob Virgil dazu bereit wäre? Er konnte es sich wirklich nicht vorstellen. Und auch wenn er nun versuchte so gelassen wie nur irgendwie möglich darüber zu reden, so merkte man doch ganz deutlich, dass dieses Thema ihn sehr beschäftigte.
Und doch war er hier. Nahm all das in Kauf, für Leif. Und weil er sich einfach weigerte daran zu glauben…. dass Liebe Sünde sein sollte.
Viel zu schön fühlte sich das alles hier mit dem Isländer an. Egal wie kalt ihm auch dabei war.
„ach ja?“
er fasste sich an die Lippen, sie waren wirklich ziemlich kalt. Aber schon blau? Das konnte er sich wirklich kaum vorstellen. Doch wenn es so war, dann brauchte er nun dringend Körperwärme. Die er auch von Leif ‚einforderte‘. Auch wenn dieser schon wieder zögerte, schlussendlich rückte er doch dichter an ihn heran. Und Virgil legte die Decke über seine Beine, sowie den Mantel auch um seine Schultern.
Mit Sicherheit wäre nun wieder romantische Stimmung aufgekommen, hätte Leif ihm nun nicht sein Herz wegen dem Angriff auf Balar ausgeschüttet.
Doch das war gut.. und wichtig, für ihr gegenseitiges Verständnis. Und weil Virgil nun endlich klar wurde, weshalb er vorhin so abweisend reagiert hatte. Leif hatte Angst.. davor dass sich solch eine Tragödie wiederholen könnte. In der Hinsicht war Virgil noch ziemlich unschuldig. Denn mit richtig bösen Menschen hatte er bislang nie zu tun gehabt. Was wohl ziemliches Glück war in Zeiten wie diesen. Vielleicht hielt ja doch Gott eine schützende Hand über seine Hirten.
„Wie hättet ihr das auch ahnen sollen? Was die Menschen einander manchmal antun.. ist beängstigend. Doch fortan in ständiger Sorge zu leben und niemandem mehr zu vertrauen.. ist mit Sicherheit auch nicht der richtige Weg.“
Er konnte ihm diese Angst nicht nehmen. Natürlich könnte so ein Angriff wieder passieren. Aber sie konnten nicht mehr tun als es versuchen, sich dagegen zu wehren und gut aufzupassen. Doch deshalb jedem Fremden misstrauen? Das konnte doch auch nicht die Lösung sein.
„weißt du.. ich bin überzeugt davon, dass es auf dieser Welt immer noch mehr gute Menschen gibt als welche mit schlechten Absichten.. man muss sich nur gestatten sie auch zu finden“
Denn wenn man stets nur nach dem Schlechten suchte, dann würde man genau das finden. Und etwas Gutes vielleicht verpassen.
Dennoch wollte er ihm nun Trost spenden, streichelte sachte über seine Schulter und sah ihm erneut tief in die Augen.
„Geduld ist eine ganz besondere Tugend von uns Christen“
Sagte er nun mit einem Lächeln und verfolgte mit den Augen seine Hand, die Leif ergriff und einen Kuss darauf hauchte.
War ihm gerade noch kalt gewesen? Also das war nun definitiv vorbei und das Gegenteil trat ein. Ihm wurde nämlich am ganzen Leibe verdammt warm! Und dann noch dieser Blick, der sein Herz erneut zum Überschlagen brachte.
Immer noch hielt er seine Hand, da er sie am liebsten nie wieder los lassen wollte und fühlte das Blut in Höchstgeschwindigkeit durch seine Adern rauschen.
Virgil wusste.. dass Leif ihn erneut von sich stoßen könnte, sollte er versuchen sich ihm nun ein weiteres Mal zu nähern. Aber bei Gott! Es ging einfach nicht anders. Denn wenn er ihn anblickte, dann spielten einfach all seine Sinne verrückt und er konnte an nichts anderes mehr denken.. als ihn zu berühren. Die Wikinger waren vielleicht dafür bekannt besonders mutig zu sein. Aber auch die Christen kämpften für das, was ihnen wichtig war. Und in diesem Moment.. war das Leif.
Weswegen Virgil nicht länger nachdachte, denn es war ohnehin bereits völlig um ihn geschehen. Und es einfach riskierte.
Er näherte sich Leif erneut, diesmal allerdings nicht, um die Stirn an die seine zu legen oder ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mundwinkel zu hauchen. Nein.. diesmal war sein Ziel vollkommen klar. Er wollte Leifs warme Lippen spüren, während die seinen vor Kälte immer noch ein wenig zitterten. Oder aber es war die Aufregung, die dieses Gefühl auslöste. Völlig egal was es war, er wusste genau, nur Leifs Lippen vermochten es nun diese Sehnsucht zu lindern.
Weshalb er sich nach vorne beugte, um seine kühlen Lippen auf jene des tapferen Seemanns zu betten und ihn zu küssen…
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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»Vielleicht mag Njörd dich ja, weil du auch sein Meer befahren willst. Er hat ein Herz für Seemänner.« Meistens zumindest. Manchmal war er ja auch ziemlich zornig und stritt sich mit Thor, der Unwetter schickte. Das lag daran, dass Thor ein Ase war und Njörd ein Wane. Sie mochten sich ja nicht besonders, auch wenn gerade Frieden zwischen den beiden Göttergeschlechtern herrschte.
»Die See ist kein Ungeheuer für mich. Aber ... danke für dein Vertrauen. Ich werde dich beschützen, vor Wind, Wasser und giftigem Getier. Versprochen!« Leif grinste breit, zog seinen christlichen Freund aber natürlich nur ein wenig auf.
Jedoch wollte er wissen, weshalb Virgil ihn ein Wunder nannte. Ihm war dieser Begriff durchaus geläufig, konnte ihn aber nicht mit sich selbst verbinden. Doch er bekam eine Vorstellung davon, als es ihm erklärt wurde. Denn er verband durchaus ein ähnliches Gefühl mit Virgils Auftauchen. »Du meinst, als du mich von Beißern umringt auf der Lichtung gesehen hast?« Schwer vorstellbar, dass er dabei so einen Eindruck hinterlassen haben sollte. »Jedenfalls ... bist du dann auch ein Wunder.« Leif sagte es ernst, doch seine Augen leuchteten dabei. Mittlerweile redeten sie wirklich nicht mehr um den heißen Brei herum, hm? Sie hatten drei Tage Zeit gehabt, sich über ihre Gefühle klarzuwerden. Virgil ja eigentlich schon länger, auch wenn Leif das noch nicht wusste. Dieser Verdacht drängte sich bisher auch noch nicht auf. Wobei es immer noch ein großer Zufall war, dass Virgil so schnell zur Stelle gewesen war.
»Es interessiert mich sehr. Deine Gemeinschaft ist dir wichtig und somit ist es auch mir ... wichtig, sie kennenzulernen. Egal, was sie von mir denken. Mein Besuch soll dir nur nicht dein Leben schwerer machen.« Leif wollte nicht für Probleme sorgen oder Virgil in Gefahr bringen. Doch offenkundig würde er das tun. Sie dürften sich nicht mal anmerken lassen, dass sie etwas füreinander fühlten. Selbst wenn sie von Berührungen absahen, würde man es doch in ihren Blicken sehen. Doch wenn sie das wirklich durchziehen sollten ... würde Leif sich anstrengen, keinen Verdacht aufkommen zu lassen.
Damit kamen sie jedoch einem sehr großen Problem auf die Spur. »Eine Todsünde?«, fragte Leif nach und blickte bestürzt zu Boden. Ihm war das gar nicht so klar gewesen. Schon, dass man nicht überall mit gleichgeschlechtlicher Liebe klar kam, aber nicht, dass man dafür derart bestraft wurde. Damit hatte er keine Gelegenheit gehabt, sich vor der Apokalypse großartig zu beschäftigen. Zumal er keine Ablehnung erfahren hatte. Bisher.
Höllenqualen im Fegefeuer klangen wirklich grausam. »Wie ... könnte man etwas abschwören, das einen ausmacht? Wäre es nicht viel schlimmer, einer Frau Liebe und Begehren vorzugaukeln und das gar nicht zu fühlen?« Ein Gott musste doch den Unterschied erkennen. »Also ... vorausgesetzt, du bist ihnen nicht auch zugetan.« Das wusste Leif ja nicht. Virgil könnte auch auf beide Geschlechter stehen.
Auf jeden Fall machte das alles noch schwerer. Denn Leif wollte nicht, dass Virgil im Fegefeuer verging. Es war für ihn aber auch schwer vorstellbar, sich das ganze Leben lang zu verstellen und niemals richtig glücklich zu werden. »Warum ist das so eine schreckliche Sünde für euch? Was ist denn daran falsch? Liebe ... tut doch niemandem weh.« Leif verstand das wirklich nicht und entgegen seiner Vorsätze brachen diese kritischen Fragen nun doch aus ihm heraus.
Vielleicht wäre es vernünftiger, dieses Date nun zu unterbrechen, aber Leif wollte das nicht. Er wollte weiter Zeit mit Virgil verbringen, hatte nun aber zusätzlich zu seinen eigenen Bedenken nun auch noch Angst um den Waliser. Weil er ihn nicht ›verderben‹ wollte. Und doch konnte er sich der Anziehung nicht erwehren. Sodass sie wenig später zusammengekuschelt unter Decke und Mantel saßen und über das nächste ernste Thema sprachen. Unglaublich, wie viel sie sich schon gestanden und sagten, aber das war auch ein weiterer Hinweis, wie gut sie harmonierten. Dass sie trotz aller Schwierigkeiten zusammenpassten. Und einander gefunden hatten. Ungeachtet dessen, wie es mit ihnen weitergehen würde.
Tja, auch Leif hatte bis zu diesem Angriff noch nie mit richtig bösen Menschen zu tun gehabt. Gerüchte und Geschichten gehört, ja. Aber sich mit ihnen angelegt und sie kennengelernt, nein. Auf diese Erfahrung hätte er auch gut und gern verzichten können.
»Ich war auch dieser Meinung, dass es mehr gute Menschen gibt. Seit der Seuche bin ich fast nur solchen begegnet. Aber was, wenn die Bösen ... eine größere Macht haben? Und wie erkennt man sie? Vor allem, wenn sie sich so gut tarnen können.« Leif seufzte und fuhr sich durch den Bart. »Ich weiß, Misstrauen ist nicht die Lösung. Aber es ist alles noch so frisch.« Deswegen brauchte er Zeit und Virgil gab sie ihm glücklicherweise.
So so, Geduld war also eine Tugend der Christen? Das war Leif gar nicht aufgefallen, als Virgil ihn bei ihrem ersten Fischfangversuch küssen wollte. xD
Jetzt war es umgekehrt und Leif drückte dem Waliser die Lippen auf die Hand. Natürlich hätte er lieber den Mund anvisiert, aber ... von ihm würde der erste Schritt heute wohl nicht kommen, so sehr er sich auch danach sehnte.
Doch als sich ihre Blicke schon wieder trafen und Bände sprachen ... da wandelte sich die Stimmung erneut. Leifs Herz polterte, sein ganzer Körper kribbelte. Und wie von selbst beugte er sich vor, als auch Virgil sich ihm entgegenbewegte. Fort waren die Gedanken an Fegefeuer und andere Zweifel. Es gab nur noch ihn und Virgil. Zwei Männer, die sich zueinander hingezogen fühlten und sich dem nicht mehr erwehren konnten.
Kurz bevor sich ihre Lippen berührten, schloss Leif die Augen und genoss einfach nur dieses Prickeln des ersten Kusses. Da war es ihm auch egal, wie kalt Virgils Lippen waren. Es vergingen nur wenige Sekunden, bis Leif die Berührung erwiderte. Und den Waliser gar irgendwann ... an der Kreuzkette griff und ihn noch näher zu sich zog, um den Kuss noch begieriger werden zu lassen.
@Virgil Chadburn



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„und vor deinen barbarischen Hauern nicht zu vergessen“
Denn offenbar war Leifs Heißhunger auf Menschenfleisch hier die größte Bedrohung für ihn!!
Darin einander aufzuziehen waren sie definitiv schon ziemlich gut. Eine wichtige Voraussetzung für eine langandauernde Bekanntschaft. Denn miteinander lachen zu können war eines der schönsten Dinge in einer Beziehung.
Jedoch fühlte Virgil sich prompt ertappt, als Leif wegen ihrer ersten Begegnung nachfragte. Natürlich… für ihn war der erste Blick in diesem Moment gewesen. Während Virgil ihn schon tagelang beobachtet hatte. Diese Tatsache lag ihm plötzlich ziemlich schwer im Magen. Denn er hasste es zu lügen, weshalb er nur.. nickte und zögerlich lächelte. Würde Leif ihn schon besser kennen, wüsste er spätestens jetzt, dass hier irgendetwas im Busch war. Aber so kannte er seine Eigenheiten noch nicht so gut, was jetzt ein Vorteil war. Dennoch haderte Virgil mit sich. Denn eigentlich… würde er Leif nun gerne die Wahrheit erzählen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür oder?Aber.. er hatte schreckliche Angst davor, dass er ihn danach davon jagte. Da er ihm ohnehin noch nicht genug vertraute, um ihm Dinge über Balar anzuvertrauen. Wenn er jetzt also diese Info raus haute, dann konnte er eine gemeinsame Zukunft mit ihm vergessen oder? und das zarte Band des Vertrauens sofort wieder zerreißen. Verflucht! Nein, brave Christen fluchten nicht. Aber Virgil befand sich gerade wirklich in einer Zwickmühle.
„ach ja? zwei Wunder auf einmal sind wirklich ziemlich selten, weißt du?“
Virgil fühlte sich gerade nicht so recht wie ein Wunder, sondern wie ein Lügner. Und das gefiel ihm ganz und gar nicht.
Da sprach er lieber über seine Gemeinschaft, auch wenn das ebenfalls harter Tobak war. Vor allem wenn es um gleichgeschlechtliche Liebe ging. Ob Leif ihn wirklich einmal dort besuchen würde, das stand wohl noch in den Sternen und hing stark davon ab, wie sich das zwischen ihnen weiter entwickelte. Denn er wollte Leif gewiss nicht zum Lügen verleiten.. wenn er dort dann jemand sein musste, der er nicht war. So wie Virgil sein wahres Wesen schon seit Jahren verbarg.
„das ist die Frage.. die ich mir tagtäglich stelle Leif. Father Carter meint.. wenn der Wille stark genug ist, kann man sich von jeder Form der Sünde lossagen. Aber das habe ich versucht… wirklich sehr lange. Doch offenbar scheint mein Wille zu schwach zu sein“
Denn es gelang ihm einfach nicht. Er kam nicht los von dieser ‚Abnormität‘ die von seinem Glauben so scharf verurteilt wurde.
„Lügen ist ebenfalls eine große Sünde also ja.. jemandem etwas vorzumachen wäre ebenfalls ein großes Vergehen. Weshalb es in diesem Fall besser wäre .. ich bliebe alleine. Ich könnte auch selbst Priester werden und das Versprechen des Zölibats geben, um fortan ehelos und keusch zu leben“
Aber wenn man sah wie er mit Leif flirtete.. wurde wohl schnell klar, dass diese Art des Lebens nichts für ihn wäre.
Den Frauen war er jedenfalls nicht zugetan, weshalb er auf diese Frage hin nur den Kopf schüttelte. Da würde er wohl wirklich lieber ein Keuschheitsgelübde ablegen.
„Niemand konnte mir bislang erklären was daran so schrecklich falsch ist. Aber in der Bibel steht: -Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel-. Homosexualität wird in der Bibel stets als Unzucht… Fehlverhalten und Laster bezeichnet. Aber ich kann einfach nicht verstehen was an Liebe falsch sein soll.“
Er war also voll und ganz Leifs Meinung in der Hinsicht. Liebe tat niemandem weh. Also.. das konnte sie schon. Aber wenn man sich wirklich um jemanden bemühte und ihn glücklich machte, dann war das doch eine schöne Sache! Er verstand nicht was daran so gräuelhaft sein sollte.
Doch trotz aller Bedenken und offen ausgesprochenen Worte führte dieses Date in eine sehr eindeutige Richtung. Das ihn immer weiter weg von Virgils Glauben führte.
Aber er fühlte sich dem Isländer so verbunden… das es nun einfach kein Zurück mehr für ihn gab. Und er auch gar nicht wieder zurück wollte.
„War es denn nicht schon immer so? Auch als wir noch Kinder waren? Die vermeintlich bösen Menschen hatten stets viel Macht. Und dennoch wurden sie am Ende alle gestürzt oder verhaftet. Ich weiß.. das bringt dir deine Freunde nicht zurück. Aber du musst.. Vertrauen haben. In dich und deine Fähigkeiten. Dann wird es dir beim nächsten Mal schneller gelingen einen ‚bösen‘ Menschen zu enttarnen..“
Der Gedanke, dass Leif darüber nachdachte, ob Virgil vielleicht auch so ein Mensch sein könnte schmerzte. Auch wenn er es verstand. Aber er hoffte wirklich sehr, dass der Seefahrer sich bei ihm auf sein Gefühl verließ und sich nicht von Zweifeln bremsen ließ.
Naja Virgil war ein untypischer Christ mit vielen Fehlern xD seine größte Tugend war die Geduld vielleicht nicht. Aber er bemühte sich darum.
Oder auch nicht. Denn er hielt es nun einfach nicht mehr länger aus Leif nicht endlich küssen zu dürfen! Weshalb er seinen Mut zusammen nahm und metaphorisch ins kalte Wasser sprang. Er versuchte es einfach… und wurde diesmal dafür belohnt. Obgleich er bereits mit Ablehnung gerechnet hatte. aber sie kam nicht. was ihn fast schon wieder überforderte!
Aber auch überglücklich machte. Denn Leifs Lippen prickelten auf den seinen wie tausend kleine Elektroschocks. Lag vielleicht auch daran, dass seine Lippen nun endlich wieder auftauten.
Aber egal was es war, er wünschte, dieses Gefühl würde nie wieder aufhören. Mit einem Ruck rutschte er noch näher an ihn, als Leif ihn an der Kreuzkette so bestimmend zu sich zog. Dabei lief ihm ein angenehmer Schauer quer über den gesamten Rücken. und Virgil vergrub seine Hand in Leifs hoch gebundenen Dutt. Suchte dort Halt, während der Kuss sehr schnell ziemlich.. innig wurde. Und heiß. Virgil fühlte, dass nicht nur seine Lippen zu prickeln begannen. Und am liebsten würde er nun all die Dinge mit Leif tun, die er in seinen Träumen längst mit ihm getan hatte! Aber.. das konnte er nicht einfach machen, oder?
Ehe er sich diese Frage beantworten musste, ging jedoch ein Ruck durch das Boot und Leif fiel etwas zur Seite. Sie waren über eine Welle geschwappt, die gemeinsam mit einem leichten Wind aufkam.
Wodurch ihr Kuss zwangsläufig kurz unterbrochen wurde. Virgil jedoch rasch wieder bei ihm war. Statt ihn erneut zu küssen strich er stattdessen jedoch mit dem Handrücken liebevoll über seine bärtige Wange. und hauchte lieber ein paar kleine Küsse auf seine Lippen, ehe seine Begierde gleich wieder Überhand nahm. Dennoch flüsterte er schmunzelnd
„scheint als wäre Njörd doch nicht so begeistert von mir“
wenn er ihnen nun extra Wind und Wellen schickte! oder es war sein Gott.. den er sogleich damit erzürnt hatte?
doch was spielte das schon für eine Rolle? Virgil war in diesem Moment so atemlos und überglücklich… das er einfach nicht aufhören konnte bis über beide Ohren hinweg zu lächeln. Aber dieses Lächeln wurde rasch wieder getrübt von seinen Gedanken. Denn ehe sie weiter machen konnten… musste Virgil Leif einfach die Wahrheit über ihr Zusammentreffen sagen. Sonst hatte er das Gefühl es würde immer zwischen ihnen stehen. Und je später man eine Lüge offenbarte, desto schwerer wog sie.
Weswegen er sich nun gar ein paar Zentimeter von ihm entfernte und ihm ernst in die Augen sah.
„Hör mal ich.. war nicht ganz ehrlich zu dir, was unser erstes Aufeinandertreffen betrifft..“
er wusste, das war ein beschissenes Timing. er hätte das hier nun einfach weiter genießen können. Aber es ging einfach nicht. Ihm wurde von kleinauf eingebläut ehrlich zu sein. deshalb konnte er sich nun auch dagegen nicht erwehren.
„auf dieser Lichtung da.. habe ich dich nicht zum ersten Mal gesehen. Ich habe eure Siedlung schon ein paar Tage beobachtet. Und irgendwann…. nur noch dich. Weil ich vom ersten Blick an wusste… dass du etwas Besonderes bist. Ich.. fühlte mich sofort von dir angezogen und.. musste dich einfach kennen lernen. Es tut mir Leid, dass ich gelogen habe.. ich wollte einfach nur nicht… dass unser Treffen schon wieder endet, weil du mich deswegen fort schickst…“
Virgil senkte den Blick ein wenig und man konnte deutlich sehen wie sehr er sich für dieses Verhalten schämte. weshalb er nur auf Leifs Vergebung hoffen konnte. normalerweise würde er wohl dafür beten..
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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