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Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
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THE DEAD DON’T DIE
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#121

RE: Meer

01.05.2022 01:01
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Letztlich ging es nicht darum, wer etwas besser oder schlechter machte, sondern, dass sie gerade noch herausfanden, was sie mochten. Was ihnen gefiel und ihren Vorstellungen und Phantasien entsprach. Sie lernten sich auf eine ganz neue Art kennen. Nicht nur gegenseitig, sondern auch sich selbst.
Für Leif waren diese Momente eine Offenbarung. Ihm hatte es auch sehr gefallen, der aktive Part zu sein, und er würde das auch gern immer noch übernehmen. Also ... zumindest manchmal. Denn das eben war auch wirklich gut gewesen. Mehr als gut. Im Grunde gab es keine Worte dafür. Und ob es irgendwie alarmierend sein sollte, dass er sogar den Schmerz genossen hatte? Vielleicht sollte er sich darüber nicht so viele Gedanken machen. Wie auch immer er seinen Höhepunkt nun erreicht hatte, dieser war viel intensiver gewesen als alle anderen zuvor.

So schön der Sex auch gewesen war, so war es mindestens genauso wunderbar, danach gemeinsam zu Atem zu kommen. Und sich dabei so nah zu sein. Leif legte dann doch noch einmal ermattet die Arme um seinen Partner, und strich ihm sachte über den Rücken und Nacken. Kraulte auch ein bisschen seinen Haaransatz. Bis er ihn dann letztlich freigab, damit sie sich nebeneinanderlegen konnten. Leif drehte sich ihm dabei ein bisschen zu. Wobei er dann doch merkte, wie es an seinem Hintern brannte. Ziemlich sogar. Aber das würde ihm jetzt nichts verderben.
»Tatsächlich«, bestätigte er und schmunzelte ebenfalls. »Ich ... es hat mir wirklich sehr gefallen. Du darfst das immer wieder tun.« Womit er ihm diesen Part bereitwillig zusprach.

Bei der Liebeserklärung ... setzte Leifs immer noch rascher Atem plötzlich aus. Seine Lunge schien keine Luft mehr produzieren zu wollen und sein Herz? Das zog sich zusammen, bevor es heftig los polterte. Leif war kurz wie eingefroren und starrte empor zum Himmel. »Du ... du liebst mich?«, fragte er dann wie ein Dummkopf nach. Er konnte nicht verhindern, dass er Panik bekam. Zumal Virgil ihn immer noch nicht zur Gänze kannte, nicht diese Dunkelheit in ihm und den Berserker, der in ihm steckte. Plötzlich brachen all die Zweifel über ihn herein und schwemmten fort, was er bis eben noch gespürt hatte. Das wollte er aber nicht! Und er wusste auch nicht, was er sagen sollte. Er fühlte sich noch nicht bereit für ein ›Ich liebe dich auch.‹, wollte Virgil aber auch nicht verletzen. Was er vermutlich aber trotzdem tat, indem er ungelenk aufstand und seine Kleidung zusammen suchen wollte. Egal, wie sehr sein Hintern dabei schmerzte. »Tut mir leid«, faselte er dabei. Was war er nur für ein Wikinger, dass er nun kurz davor war, abzuhauen? Wo war sein berüchtigter Mut? Dieser Gedanke brachte ihn dazu, innezuhalten und sich doch wieder zu Virgil auf den Schlafsack zu knien. Er nahm seine Hand und führte sie an sein Herz. »Tut mir leid ...«, wiederholte er und versuchte, tief durchzuatmen. »Ich ... habe damit nicht gerechnet und ich ... kann noch nicht so reagieren, wie es eigentlich angemessen wäre. Vielleicht ... vielleicht liegt es auch an allem, was die Woche passiert ist.« Was für eine lahme Ausrede für diese Reaktion. Das wusste auch Leif. Er hatte gerade etwas ganz Besonderes kaputt gemacht. Virgil hatte diese Worte noch nie zu jemandem gesagt, genauso wenig wie Leif. Wenn Leif sich nun vorstellte, sein Partner würde so reagieren, wie er es eben getan hatte ... da zog sich sein Herz schmerzend zusammen. Ob Virgil ihm das vergeben würde?

@Virgil Chadburn

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#122

RE: Meer

01.05.2022 01:34
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Als Virgil so in Leifs Armen lag da.. stand die Welt für ihn einfach still. Er fühlte sich so wohl, so behütet und so glücklich wie nie zuvor. Er streichelte sachte über Leifs weiche Haut.. hielt die Augen geschlossen und genoss einfach nur den Moment. Sowie die Komplimente.
Denn er war wahnsinnig beruhigt darüber, dass er Leif nicht weh getan oder ihm ein unangenehmes Gefühl beschert hatte.
„Verlass dich drauf“
Erwiderte er deshalb auch schmunzelnd, denn ja! Er würde und wollte das immer und immer wieder tun! Am liebsten sofort! Wobei… nein, eigentlich fand er kuscheln und das Gefühl von Nähe sowie emotionaler Verbindung ebenso schön. Womöglich sogar noch schöner.
weshalb….. er sich nun einfach von dem Moment mitreißen ließ und ohne darüber nachzudenken die drei Worte aussprach, die für viele Menschen so schwierig zu formulieren waren.
Sie rutschten…. Virgil einfach so raus! Ohne darüber nachzudenken, wie das bei seinem Gegenüber ankam. Einfach weil.. er nun mal so fühlte. Und er musste sich bei den letzten Treffen schon so zurück halten es nicht einfach zu sagen, aber jetzt konnte er nicht mehr anders. So überwältigt war er von… alledem hier. Allen voran von Leif als Mensch..
weswegen er ihm noch mal unsicher lächelnd bestätigte
„Ja?“
Jedoch bereits spürte, dass das vielleicht ein Fehler gewesen war.
Da er nicht über seine Worte nachgedacht hatte, hatte er auch keine Zeit sich zu überlegen, wie Leif wohl reagieren würde.
Und dementsprechend ging die ganze Sache nun völlig nach hinten los.

Als Leif so panisch aufsprang blickte Virgil völlig verdattert zu ihm. Da er im ersten Moment gar nicht kapierte, was nun los war. Sein Gehirn war noch so benebelt von all den Pheromonen. Die jedoch binnen weniger Sekunden wieder verpufften.
Weshalb Virgil nun ebenfalls aufsprang, auch wenn sein ganzer Körper eigentlich noch Ruhe bräuchte. Aber damit war es nun vorbei. Und innerlich da… verfluchte er sich gerade mehrmals selbst! Dafür.. so einen perfekten und wunderschönen Moment zerstört zu haben. Nur weil er…. schon wieder zu schnell war mit seinen Gefühlen. Das war eine Sache, die sich vom ersten Treffen an wie ein roter Faden durch ihre Beziehung zog hm? Er hatte sich bereits aus der Ferne in ihn verliebt.. weswegen er Leif stets einen Schritt voraus war. Ihn am liebsten gleich beim ersten Treffen geküsst und berührt hätte.. und manchmal vergaß er dabei, dass Leif.. einfach noch etwas mehr Zeit für all das brauchte. Vielleicht einfach auch nicht so offenherzig und direkt war wie der Waliser. Aber was sollte er nun machen? Zurück nehmen.. konnte er das Gesagte doch auch nicht. Und wollte er auch gar nicht, weil es die Wahrheit war!
Doch Leifs extreme Reaktion verunsicherte ihn in höchstem Maße! War diese Vorstellung denn wirklich so… furchtbar für ihn? Er hatte doch gar keine Erwartungen dabei gehabt..
doch zum Glück lief Leif nicht einfach fort sondern.. wandte sich ihm doch noch mal zu und legte seine Hand auf sein Herz. Woraufhin wieder ein mildes, vielleicht minimal trauriges Lächeln in Virgils Gesicht erschien. Die freie Hand legte er ihm auf die bärtige Wange und sah ihm direkt in die Augen
„Hey.. ist schon okay.. es gibt wirklich nichts, wofür du dich entschuldigen musst. Ich habe das nicht gesagt, um dich zu irgendetwas zu drängen…“
Stellte er sofort klar. Hatte er indirekt aber wohl und das tat ihm wahnsinnig Leid. dabei hatte er seinem Partner doch nur zeigen wollen…. wie gern er ihn hatte. Und das hatte er nun davon. Natürlich war das auch für ihn ein ziemlich heftiger Einschnitt. Denn ja.. er hatte diese Worte noch nie zu jemandem gesagt. Und offenbar würde er das so schnell auch nicht mehr tun, wenn die Reaktion dann stets so aussah.
Trotzdem machte er Leif keinerlei Vorwurf dafür.
„Mir tut es Leid, dass ich dich damit so überfallen habe.. ich war einfach.. überwältigt von dem Moment und.. dir. Aber ich erwarte nicht… dass du meine Worte erwiderst. Ich wollte dir einfach nur sagen… wie ich fühle. Aber es ist okay wenn du noch unsicher bist oder noch Zeit brauchst, in Ordnung?“
Er sah ihm hoffnungsvoll und vielleicht auch ein bisschen ängstlich in die Augen. Denn er wollte Leif doch nicht verschrecken oder ihn deswegen nun verlieren.
Weshalb er ihn wieder sachte hinab mit sich auf den Schlafsack zog und ruhig meinte.
„wie wärs wenn du mir.. nun einfach erzählst was in deiner Woche so los war, okay?“
Das war zwar die wirklich schlechteste Ausrede ever xD aber Virgil war es nun ebenfalls ganz recht wenn…. sie das Thema einfach abhaken und ein Neues beginnen konnten. Denn ihm waren seine Worte natürlich auch prompt unangenehm.

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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#123

RE: Meer

01.05.2022 02:03
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Es war ja nicht so, als hätte Leif sich nicht bereits vorgestellt, wie es wäre, diese Worte einander zu sagen. Aber ... er war einfach noch nicht so weit. Wusste auch nicht, wieso. Immerhin hatte er Virgil schon gesagt, dass er ihn nun zu seiner Sippe zählte und diese alles für ihn bedeutete. Dass er sich erst dem Mann hingeben würde, von dem er glaubte, es wäre der Eine für ihn. Im Grunde liebte er Virgil ebenso bereits. Warum machte es ihm dann solch eine Angst, es auszusprechen? Vielleicht, weil er Angst hatte, was wäre, wenn er herausbekäme, was für ein Mann Leif wirklich war. Dass er nicht diesem Ideal entsprach, das Virgil glaubte, in ihm zu erkennen. Seinen Ansprüchen dann doch nicht mehr zu genügen. Es war das eine, seinen Körper hinzugeben, aber zuzugeben, dass er ihn liebte ... irgendwie war das noch eine größere Hürde, als Leif gedacht hatte. Während es Virgil so leicht fiel – wie so vieles andere auch.

Leif konnte seine eigene Flucht gerade so verhindern. Damit hätte er wohl wirklich alles kaputt gemacht, und das wollte er nicht. Einen Wikinger machte Mut aus, aber Leif selbst auch Ehrlichkeit. Also bemühte er sich, Virgil zu sagen, dass er überfordert war.
»Ich weiß, du willst mich zu nichts drängen.« Das war ihm wirklich klar, auch wenn es trotzdem passiert war. Was aber an diesen verdammten Zweifeln lag, die Leif immer noch spürte und einfach nicht loswurde.
Doch nun bemühte er sich, Virgil einfach nur zuzuhören. Es berührte sein Herz, was er da sagte. Vorsichtig griff er nach seiner Hand und drückte sie. »Okay. Ich ... danke dir. Und glaub mir, ich will das alles mit dir. Eine Zukunft, ein gemeinsames Leben. Dir irgendwann auch sagen können, was ich fühle.« Virgil sollte nun bitte nicht denken, das, was zwischen ihnen war, würde nun vergehen. Dem war absolut nicht so. Leif brauchte einfach nur mehr Zeit. Das mit dem Vertrauen und dem Sex war schon so schnell gegangen, das konnte wohl nicht bei allem so sein.

Leif ließ sich wieder mit auf den Schlafsack ziehen und kuschelte sich an Virgil. Vielleicht war es wirklich besser, wenn sie nun über die Vorkommnisse der letzten Woche sprachen. Die Stimmung war nun sowieso dahin. Der Wikinger drehte sich auf den Rücken und sah wieder empor zum Himmel, während ihm ein langgezogenes Seufzen entfuhr. »Ich habe dir doch erzählt, dass ich zu einem Jarl berufen wurde. Im Prinzip ist jeder für einen gesonderten Bereich zuständig und muss dem Anführer regelmäßig Informationen darüber geben. Und halt dafür sorgen, dass alles läuft. Ich bin für die Fischer und Jäger zuständig und somit auch für die Lebensmittelbestände. Die anderen Fischer kommen zu mir und erstatten mir Bericht. Am Tag nach unserem Treffen wurde ich mit der Nachricht geweckt, dass ... es ein großes Fischsterben gegeben hat. Wir hatten auf ein einmaliges Ereignis gehofft, aber jeden Tag haben wir irgendwo einen anderen Leichenteppich entdeckt. Noch haben wir die Ursache nicht gefunden. Aber wenn das so weiter geht, gibt es irgendwann keine Fische mehr und wir müssten weiter raus fahren. Womöglich ist es auch eine Krankheit, und alle Fische sind gerade ungenießbar. Vielleicht befällt es auch andere Tiere, die irgendwie mit dem Meerwasser in Berührung kommen, wenn es irgendein Erreger ist. Es lässt sich kaum feststellen, mit den Mitteln die wir heute haben. Und das bereitet mir wirklich Kopfzerbrechen.«

@Virgil Chadburn

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#124

RE: Meer

01.05.2022 02:31
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil war ehrlicherweise ja schon ein bisschen überrascht über Leifs Reaktion.. denn er hatte stets das Gefühl gehabt, sie stünden in der Hinsicht auf der selben Stufe. Immerhin hatten sie nun zum zweiten mal Sex.. und waren sich beide darüber einig, dass sie das nur mit der Person tun würden.. für die ihr Herz brannte. Und nun plötzlich überraschte es Leif so sehr, dass Virgil so fühlte? Er bemühte sich ja darum nun verständnisvoll zu reagieren, aus Angst, er könne Leif sonst noch mehr verschrecken. Aber tief in seinem Inneren da tat…. es schon weh. Auch wenn er wusste, dass es nichts zu sagen haben musste. Trotzdem hätte er sich den Ausgang dieser bedeutsamen Situation etwas anders vorgestellt. Denn in seinen Träumen waren sie einander danach stets küssend in die Arme gefallen, während Leif seine Worte erwidert hatte.
Aber es war ja nicht das erste Mal, dass sie bemerkten, dass die Träume sich von der Realität leider manchmal ziemlich unterschieden.
Virgil würde damit klar kommen, auch wenn er nicht direkt verstand was Leif so zurück hielt. Vielleicht eine schlechte Erfahrung in der Vergangenheit? ja.. als er daran dachte, wurde ihm wieder klar, dass er so vieles noch nicht über ihn wusste. Und das hier wirklich sehr schnell ging… aber trotzdem liebte er ihn. Was sollte er machen? Selbst wenn er noch so viele düstere Geheimnisse aus seiner Vergangenheit erfuhr. Sein Herz würde trotzdem für ihn schlagen. Dessen war er sich zu 100% sicher.
„nimm dir so viel Zeit wie du brauchst.. ich meine.. ich kenne dich schließlich auch schon ein paar Tage länger als umgekehrt“
Sagte er nun mit einem leicht schiefen Grinsen im Gesicht, womit er wieder auf sein Stalking anspielte. Einfach weil…. es leichter war nun alles zu ertragen, indem er der Situation durch einen Witz die Ernsthaftigkeit nahm.

Zumindest blieb Leif.. weshalb Virgil kurz erleichtert ausatmete. Sich nun aber trotzdem wieder seine Hose anzog. Ihm war eben sehr schnell kalt. Er legte den Arm um Leif, um ihm zu zeigen… dass alles okay war. Er für ihn da war und ihm zuhörte. Und vor allem, dass er nicht enttäuscht oder böse war. Okay.. enttäuscht war er schon ein wenig aber böse keineswegs.
Dennoch hörte er nun einfach zu und hoffte Leif ein bisschen Trost spenden zu können. Er nickte.. und streichelte ihm ein paar wirre Haarsträhnen hinter das Ohr, während er sprach.
Jedoch… fiel er augenblicklich aus allen Wolken, als Leif etwas von einem Fischsterben erzählte. Am Tag nach ihrem Treffen????????? Das… war nun nicht sein Ernst oder?
Virgil wurde plötzlich von einer Sekunde auf die andere kreidebleich. Er hatte sich so sehr darüber gefreut.. dass sein Gott ihn nicht dafür bestraft hatte mit Leif zu schlafen und war so überzeugt davon gewesen, dass vielleicht doch die Möglichkeit bestand, dass er diese Beziehung akzeptierte.
Doch jetzt als Leif das aussprach.. fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Nicht er wurde für seine Sünden bestraft sondern….. Leif. Der ungläubige Heide. Die Person, die Virgil liebte. Denn natürlich tat das noch viel mehr weh..
Ein Zufall konnte das keineswegs sein.. denn das Fischssterben war seit jeher ein absolut biblisches Warnzeichen. Virgil hatte sich immer ein bisschen darüber beschwert, dass der Herr ihm keine richtigen Zeichen schickte. Hätte er sich das doch bloß nicht gewünscht… denn eindeutiger konnte ein Zeichen nicht mehr sein. Das war nur geschehen, weil er bei einem Mann gelegen hatte………………….. aber Moment. Das.. hatte er heute erneut getan!
Zur Blässe kam nun auch noch Übelkeit hinzu und Virgil musste nun seinerseits aufspringen und sich den Bauch halten, damit er sich nicht übergab.
Denn er hätte doch…. niemals mit ihm geschlafen, hätte er das besser gewusst!! Diesmal sogar als aktiver Part, der… extrem viele sündige Dinge ausprobiert hatte. Oh Gott…. was würde diesmal für eine Strafe folgen??? wäre es wieder Leif der leiden musste oder eine andere Person, die Virgil nahe stand???
Man konnte die Panik in seinem Blick förmlich aufsteigen sehen und nun zog er sich hastig auch noch sein Shirt über.
„…. ich… Leif.. ich.. ich muss nun gehen.. es tut mir Leid aber.. ich…. kann nicht..…“
Virgil war nicht fähig dazu Leif nun zu erklären was in ihm vorging. Da das blanke Entsetzen in ihm herrschte und er wahnsinnige Angst davor hatte, was seinen Liebsten diesmal passieren würde!! Deshalb musste er dringend so schnell wie nur irgendwie möglich nach Hause und beten! Beichten!! Und Gott auf Knien dafür anflehen… dass er ihn bestrafte, statt Leif oder jemand anderen aus seiner Gemeinde.
Virgil gelang es gerade noch so die Tränen zurück zu kämpfen, die sich in seinen Augen sammelten.
Es war ihm aber nicht möglich.. sich nun noch ordentlich von Leif zu verabschieden oder ihm gar in die Augen zu sehen. Nein er…. lief plötzlich einfach los und ließ Leif mit seinen Sorgen alleine zurück.
Ein toller Freund war er hm? hatte großspurig davon geredet, dass er immer für Leif da war.. jedes Problem gemeinsam mit ihm in den Griff bekäme und was dann? da öffnete sich Leif ihm endlich und was tat er? Statt mit ihm darüber zu reden.. ihm zu erklären was gerade in ihm vorging… war diesmal er es, der einfach die Flucht ergriff..
Hätte Leif ihm doch bloß vorher davon erzählt!!! Dann hätte er etwas Schlimmeres vielleicht noch abwenden können.

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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#125

RE: Meer

01.05.2022 12:15
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Es überraschte Leif nicht, wie sein Partner fühlte. Vielmehr hatte er nicht damit gerechnet, dass er es ihm so schnell so direkt sagte. Natürlich hatten sie sich jetzt schon mehr als einmal gezeigt, wie groß ihre Zuneigung zueinander war, aber ... ach, Leif wusste es doch auch nicht, wie er seine Gefühlswelt beschreiben sollte. Sie war die ganze Woche schon in Aufruhr und heute ... da hatte er sich schon zum zweiten Mal dem Mann hingegeben, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen wollte. Er hatte alles für ihn zurückgelassen, sogar seine Pflichten, die ihn gerade eigentlich vollständig einnahmen. Natürlich liebte er Virgil! Aber er hatte auch einen tierischen Respekt vor allem, was ihnen noch bevorstand und wenn er einmal zweifelte ... dann eben richtig. Ihm gelang es für gewöhnlich, diese Gedanken im Zaum zu halten, aber aktuell hatten sie verdammt leichtes Spiel. Und da seine Gefühlswelt für Virgil so offenlag ... wollte Leif sich vielleicht doch noch ein kleinwenig vor der endgültigen Offenbarung schützen. Es war schwachsinnig und nicht unbedingt einleuchtend. Aber was an der Liebe folgte schon der Logik?
Virgil entschied sich, auch dieser Situation mit Humor zu begegnen. Für gewöhnlich hätte Leif das gefallen, aber gerade konnte er nur ein »Danke« murmeln und dabei ein kleines Lächeln zeigen, das nicht seine Augen erreichte. Denn auch wenn es ein Scherz war, er barg Wahrheit. Virgil hatte ihn beobachtet und sich dabei bestimmt in irgendein Abbild von Leif verliebt, das ferner von der Realität nicht sein könnte. In seine Ruhe und scheinbare Ausgeglichenheit, womöglich, weil das Dinge waren, die er nach außen ausstrahlte. Das hatte Leif schon oft zu hören bekommen. Aber wie es in ihm drin aussah, das sah niemand. In ihm tobten Stürme, die denen auf See wahre Konkurrenz machten. Oft genug ging dabei sein Optimismus über Bord und machte der Negativität Platz.

Es war aber auch gleichzeitig Virgil, der diese Stürme beruhigte. Wie auch jetzt, als er sich neben ihn legte und ihm auch mit Gesten bedeutete, dass alles ... okay war. Sicher, irgendwie stand jetzt was zwischen ihnen, aber sie wollten immer noch zusammen zu sein. Und das beruhigte Leif unglaublich, es bewies ihm erneut, dass sie sich immer bemühen würden, jegliche Schwierigkeiten gemeinsam aus dem Weg zu räumen.
Also fasste er nun auch den Mut, von den Vorkommnissen in Balar oder vielmehr im Meer zu berichten. Von dem mysteriösen Fischsterben und vor welche Schwierigkeiten das die Kolonie stellte. Dabei erwartete er nun nicht, dass Virgil mit ihm fachsimpelte oder die Probleme mit einem Schnipsen wegzauberte. Es tat schon allein gut, mit jemandem darüber zu sprechen und dabei zeigen zu dürfen, wie sehr einen etwas belastete. In Balar durfte er das niemandem offenbaren, zumindest nicht mehr, seit er Jarl war. Mal abgesehen davon, dass es ihm ohnehin schwerfiel, Gefühle zu zeigen.
Da Leif in den Himmel blickte, während er erzählte, bekam er gar nichts von Virgils aufkeimender Panik mit. Erst als plötzlich er es war, der aufsprang und sich zu Ende anzog. Als ... würde er gehen wollen. Verwirrt richtete sich Leif auf. Warum war sein Partner so bleich? An den Gedanken an tote Fische konnte es nicht liegen, sie hatten schließlich gemeinsam welche gefangen und bei ihrem Todeskampf zugesehen. Machte er sich Sorgen, dass die Fische, welche er zur Church gebracht hatte, schon schlecht gewesen waren? Nein ... das war bereits zu lang her und sie hatten auch je einen gegessen. Und sie lebten noch.
Aber was war es dann? Das ... fehlende Liebesgeständnis? War Virgil nun doch aufgefallen, dass er unter diesen Umständen nicht bei ihm bleiben konnte? Das ... hatte Leif doch nicht gewollt! Verdammt, was war er nur für ein Feigling!
Von der Panik angesteckt, sprang nun auch Leif auf und streckte die Hand aus ... um Virgil festzuhalten, was ihm jedoch nicht gelang. »Warte!«, rief er ihm noch nach, doch da war der Waliser schon längst fort und hinterließ eine imaginäre Staubwolke.
Und so verklang das »Ich liebe dich auch«, ungehört, das Leif verdattert vor sich hin murmelte. Ihm kamen diese Worte so unbedacht wie Virgil zuvor aus dem Mund, was nur ein Beweis war, wie viel Wahrheit sie trugen. Auch wenn Leif erst Angst haben musste, Virgil zu verlieren, um sie auszusprechen. Und nun war er fort. Das war alles so schnell gegangen, dass Leif gerade echt nicht mehr mit kam. Und sicher noch einige Minuten zu der Stelle blickte, an der er Virgil soeben verschwunden war. Sollte er ihm nachgehen? Ihn zwingen, mit ihm zu sprechen? Oder ihm Zeit geben?
Leif wollte Ersteres tun, aber ... Virgil hatte schon ziemlich deutlich gemacht, was er gerade von seiner Gesellschaft hielt. So schnell war noch niemand vor ihm davon gerannt. Und je mehr er darüber nachdachte, desto mehr tat es weh.
Er sammelte seine Sachen auf und zog sich an ... bevor er noch einmal Virgil nachsah. Dann gab er sich einen Ruck und brach in Richtung Ankerplatz auf. Jeder Schritt kündete von dem, was sie am Anfang ihrer Verabredung miteinander geteilt hatten, doch selbst die Erinnerung daran half nicht. Denn wer wusste schon, ob sie noch einmal wiederholt werden würde. Auf dem Weg zum Ufer begegnete Leif einigen Beißern, die er bereits mit mehr Brutalität tötete, als nötig wäre. Weil er ... so verdammt zornig auf sich war. Wie in Trance ruderte er zurück zur Siedlung.

In den folgenden Tagen nahm Leif jeden Moment des letzten Treffens auseinander. Was er und Virgil getan und gesagt hatten, wie sie sich angesehen hatten und wie ehrlich und wunderschön sich das alles bis zum Liebesgeständnis angefühlt hatte. Aber ... da hatte Virgil mit Verständnis reagiert. Er hatte ihn in den Arm genommen, ihm Zuversicht und Zeit geschenkt. Ja, er war verletzt gewesen, hatte aber trotzdem noch sicher gewirkt, mit ihm zusammen sein zu wollen. Erst mit der Erzählung zu dem Fischsterben war etwas anders geworden. Leif war nicht bewusst, was das für ein göttliches Zeichen für die Christen war, auch wenn er natürlich auch bei seinen Göttern nach einer Erklärung suchte. Nur ging er da nicht von einer Strafe aus, sondern eher von höheren Absichten, die er nicht verstand. Vielleicht hatte Midgard auch gar nichts damit zu tun und war nur ins Kreuzfeuer geraten. Oder sowohl Jörmi als Njörd hatten schlechte Laune und ließen es an den Menschen aus. Das wäre nicht das erste Mal.
Natürlich streifte Leif auch der Gedanke, ob er Virgil nun endlich etwas Wichtiges erzählt hatte, das dieser seiner Kolonie berichten konnte. Und dieses Ziel nun erreicht ... konnte der Christ endlich mit seiner Maskerade aufhören und musste nicht mehr so einen widerlichen Barbaren wie ihn umgarnen. Solche Gedanken waren extrem schmerzhaft, aber vielleicht hegte Leif sie gerade deswegen. Zum einen als Strafe für sich selbst und zum anderen ... weil sich in dem dunklen Sumpf, in dem er sich gerade befand, kaum etwas anderes schlussfolgern ließ. Entweder das oder Leifs Feigheit hatte das heraufbeschworen ... weil er seine Gefühle nicht hatte benennen können.

So oder so zogen die Tage ins Land. Wenigstens tauchten keine weiteren Fischleichenteppiche auf. Als die Zeit für die Verabredung kam, ruderte Leif mit einem äußerst mulmigen Gefühl im Bauch los. Gestern hatte er noch ein Geschenk für den Waliser geschnitzt, weil er ... irgendwie wieder gut machen wollte, dass er die Liebesbekundung nicht sofort erwidert hatte. Doch nur die Götter wussten, ob er Virgil sein Werk noch überreichen konnte.
Normalerweise war der Christ stets als Erster am Treffpunkt. Heute war der Platz verwaist, was die Sorgen nur befeuerte. Leif setzte sich und lehnte sich mit dem Rücken an einen Baumstamm. Zunächst vertrieb er sich die Zeit, indem er einfach vor sich hinstarrte, dann schnitzte er noch etwas an seinem Geschenk herum, damit es noch perfekter wurde. Als die Mittagssonne über ihm brannte ... konnte er sich endlich eingestehen, dass Virgil heute nicht auftauchen würde. Leif stand auf und ging unruhig ein paar Schritte hin und her, bis er plötzlich seine Axt vom Gürtel riss und sie mit voller Wucht auf den nächsten Stamm warf ... wo sie steckenblieb. Für ein paar Sekunden war nur noch Leifs rascher Atem zu hören. Sekunden, in denen auch seine Gedanken rasten. Sollte er heimfahren? Wars das mit diesem Frühlingsmärchen? Oder war Virgil vielleicht etwas zugestoßen und er war deswegen nicht hier? Leif rieb sich mit den Händen über das Gesicht und versuchte, die Kontrolle über seine Gefühlswelt wiederzuerlangen. Er brauchte Gewissheit. Sonst würde er verrückt werden. Wenn Virgil Schluss machen wollte, sollte er ihm das bitte ins Gesicht sagen. Wenn er in Gefahr war, wollte Leif ihn retten, um jeden Preis. Und wenn etwas anderes los war ... wollte er auch davon erfahren. Aber nun einfach zu gehen und Virgil nie wieder zu sehen, sich immer zu fragen ... warum er nicht aufgetaucht war ... das ... diesen Gedanken ertrug Leif einfach nicht.
Also zog er die Axt wieder aus dem Baum, behielt sie aber in der Hand. Er hatte keine Ahnung, wo sich die Church befand, doch er marschierte einfach mal in die Richtung, in die Virgil letzte Woche verschwunden war. Ihm begegneten einige Beißer, die er stumm, aber brutal ausradierte ... und irgendwann kam er zu einer Straße, die zu einem Ort führte. Einem Ort, in dem auch eine Kirche in die Höhe ragte und der frei von Zombies zu sein schien. Leif verblieb noch in den Büschen und ging zurück zu einem kleinen Rinnsal an Bach, den er vorhin hatte plätschern hören. Wenn er an sich herunter sah, erblickte er ein paar Blutspritzer von den Beißern, auch seine Axt war rot und schmierig. In der Spiegelung des Wassers erkannte er sein wildes Haar und dass er auch im Gesicht Spuren der Kämpfe trug. Ganz der Wikinger, hm? Normalerweise würde ihm das nichts ausmachen, aber er erinnerte sich an die Dinge, die Virgil ihm erzählt hatte. Dass er für die meisten in der Church ein wilder Barbar war. Und genauso sah er gerade auch aus. An seiner Kleidung konnte er gerade nicht viel ändern, war aber froh, dass er sich für schwarzen Stoff entschieden hatte, ohne Ziernähte oder aufgestickte Symbole. So stopfte er die Tunika in seine Hose, damit es wie ein Shirt aussah und vergewisserte sich, dass der Vegvisir gut verborgen war. Ablegen konnte er ihn einfach nicht, er hätte dann das Gefühl, jeglichen Schutz der Götter und seiner Ahnen zu verlieren.
Er wusch sich das Gesicht und band sich die Haare zu einem Dutt. Zwar fiel es ihm schwer, aber er versteckte seine Äxte in einem hohlen Baum ... denn sie trugen eingravierte Runen und Zeichen. Sie würden ihn verraten, da konnte er nichts verstecken. Sein kleines Jagdmesser behielt er jedoch am Gürtel, denn ganz wehrlos würde er nicht dort hinein gehen, und es war nur natürlich, dass man in diesen Zeiten Waffen trug.
Als er hoffentlich so halbwegs akzeptabel aussah, atmete Leif noch einmal tief durch und lief auf die Ortschaft zu. Dabei scannte er die Umgebung, war sich sicher, bereits beobachtet zu werden. Irgendwann hörte er ein Rufen und Wachen erschienen vor ihm. Leif erläuterte, dass er nur ein Dach über den Kopf für die Nacht suchte, gerade von vielen Beißern attackiert worden war und sich ausruhen wollte. Man schien in ihm keine Gefahr zu sehen, denn er wurde gleich darauf zu Carter gebracht. Ein Mann mit stechendem Blick, der nach schmutzigen Geheimnissen suchte. Leif fühlte sich förmlich ausgeliefert und als würde dieser Kerl wirklich in ihm lesen können ... doch letztlich schien er ihn zu akzeptieren und die Fragen zur Zufriedenheit beantwortet zu haben.
»Ich schicke gleich jemanden zu dir, der dir alles zeigt«, sagte der Prieser ihm noch und bedeutete Leif, zu warten. Was dieser auch artig tat, er wollte hier keinen Ärger machen und auch Virgil nicht vorführen. Er wollte herausfinden, ob er hier war und es ihm gutging. Und wenn dies der Fall war ... hoffentlich einen ungestörten Moment finden, damit sie reden konnten.

@Virgil Chadburn

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#126

RE: Meer

01.05.2022 20:47
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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In Momenten wie diesen zeigte sich wohl sehr deutlich, dass Virgil Leif tatsächlich noch nicht so gut kannte wie er dachte… denn diese dunkle Seite hatte er ihm noch nie gezeigt. Andererseits war er ein Wikinger! Virgil war schon bewusst, dass er nicht immer nur ein braves Schmusekätzchen sein würde. Schließlich hatte er ihn auch schon kämpfen sehen und da hatte sich der Wikinger deutlich gezeigt.
Trotzdem war er überzeugt davon, dass das Gute in Leif überwog. Denn auch das hatte er ihm bereits ausgiebig gezeigt.. und es überstrahlte einfach all die Dunkelheit, die vielleicht in ihm wohnte.
Er würde Virgil nicht damit verschrecken, wenn er ihm erzählte, wie es wirklich in seinem Inneren aussah. Ganz im Gegenteil.. die Christen waren eigentlich für Nächstenliebe bekannt. Und dafür.. einander beizustehen und zu helfen. So war Virgil erzogen worden. Und genau das würde er für Leif tun. Wenn er es nur zuließe. Er würde ihm dabei helfen all seine Zweifel auszuräumen und die Stürme gemeinsam mit ihm zu überstehen..
Jedoch kam es dazu nicht mehr. Denn eine Sache gab es durchaus noch, die Virgil verschrecken konnte. Und das war die Übermacht seines Glaubens.
Wäre nur ein kleines Unglück passiert wie.. dass Leif sich beim Fischen den Zeh brach dann… hätte er vielleicht darüber hinweg sehen können. Es als Zufall abtun oder kleines Missgeschick. Aber das Massensterben von Fischen???? Nein… das war ein viel zu eindeutiges Zeichen! Es kam so oft in der Bibel und im christlichen Glauben vor dass… Virgil das einfach nicht ignorieren konnte. Das war kein Zufall, das war ganz eindeutig eine Warnung.

Diesen Sturm konnte er also nicht beruhigen und ließ Leif einfach.. mit seinen Sorgen zurück. Wofür er sich wirklich schrecklich fühlte und schämte!!! Das war nämlich das Letzte, das er wollte. Er hatte sich ihm geöffnet und Virgil ließ ihn einfach im Stich. Ein toller Freund war er. Aber.. die Panik nahm einfach Überhand und stahl ihm jegliche Handlungsfähigkeit. Er musste einfach nur… weg! Da er panische Angst davor hatte, was als nächstes geschehen würde.
Er sorgte sich so sehr um Leif und um seine Kolonie!! Er musste.. etwas unternehmen und zwar sofort!
Klar hätte er Leif sagen können was in ihm vor ging aber. .gerade hatte er das einfach nicht geschafft. Denn womöglich hätte er versucht es ihm auszureden, ihn zu beschwichtigen, ihm nicht die Schuld dafür gegeben. Und das hätte nur kostbare Zeit gekostet. Angekommen wären diese Versuche außerdem ohnehin nicht bei ihm.
Die Sache mit dem verpatzten Liebesgeständnis war damit sofort aus Virgils Gedanken getilgt. den ganzen Heimweg lang verschwendete er keinen Gedanken mehr daran. Da es nun so viel Wichtigeres gab! Leifs Annahmen waren also… alle völlig falsch. Er ging nicht deshalb.. oder weil er doch endlich die Information bekommen hatte, nach der er suchte. Letztlich ging er um den Menschen zu beschützen.. den er über alles liebte. Ihm das jedoch nicht sagen konnte. denn wenn er es täte, würde Leif sicher versuchen ihn davon zu überzeugen, dass es trotzdem einen gemeinsamen Weg für sie gab. Und womöglich würde Virgil dann einknicken und weitere schreckliche Dinge geschahen! Nein.. dieses Risiko durfte er einfach nicht eingehen. Er musste seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse nun in den Hintergrund stellen und das tun…. was für seinen Seelenverwandten das Beste war. Und offenbar war das leider nicht Virgil…..

Der völlig überhastet nach Hause lief als hätte ihn eine Tarantel gestochen. Dort angekommen.. stürmte er augenblicklich in die Kirche und warf sich vor seinem Herren auf die Knie. Er kam tagelang nicht mehr nach draußen.. schien 24 Stunden täglich nur dem Beten, dem Beichten und der Buße zu widmen. In der Hoffnung….. dass ihm die zuletzt begangene Sünde dadurch vergeben werden konnte und keine weiteren Strafen folgten.
Virgil war verzweifelt.. er wusste nicht wie oft er seinem Gott versprach fortan der perfekte und fromme Christ zu sein, wenn er nur Leif in Ruhe ließ.. und das Fischsterben wieder beendete. Denn das würde die Kolonie der Wikinger doch vernichten! das konnte er einfach nicht zulassen.
Nach ein paar Tagen jedoch, holten Mitglieder seiner Gemeinde ihn bereits völlig dehydriert aus der Kirche. Sie machten sich Sorgen um ihn.. sorgten dafür, dass er etwas trank und aß. Und sich wieder halbwegs erfing.

Dennoch ließ sich Virgil davon nicht beirren und betete wenig später weiter, versprach jedoch… Pausen einzulegen. Zumindest um zu trinken, zu essen und etwas zu schlafen.
Doch heute war es besonders schwer. Denn heute… da wäre der Tag seines Treffens mit Leif.
Er wünschte sich nichts mehr auf der Welt als zu ihm zu gehen. Er war ihm doch eine Erklärung schuldig oder? Es war total mies einfach nicht aufzutauchen…. aber Virgil.. hatte wahnsinnige Angst davor, dass er einknicken würde, wenn er Leif in die Augen sah. Dass alles was er in der letzten Woche getan hatte… umsonst gewesen wäre, weil er Leif einfach nicht widerstehen konnte. Also konnte er nicht zu ihm gehen! Nicht einmal.. um ihm alles zu erklären. Vielleicht war es ja auch besser so und Leif würde ihn rasch wieder vergessen.. auch wenn dieser Gedanke wahnsinnig schmerzte. Doch es musste sein..
Dennoch kam er nicht umher sich zu fragen, ob… Leif zu dem Treffen erschienen war. Ob er gerade auf ihn wartete? Und wie enttäuscht er darüber sein musste… dass der Christ nicht auftauchte. Oder aber er hatte ihn nach seinem fluchtartigen Ausbruch ohnehin schon abgeschrieben, weil Virgil ihn einfach mit seinen Sorgen im Stich gelassen hatte?
Virgil war beim Beten heute wesentlich unkonzentrierter als sonst, weil seine Gedanken immer wieder zu Leif schweiften. Wofür er sich aber sofort wieder tadelte, denn das durfte er nicht! Er durfte nicht länger in Sünde leben.. er musste sich einer Frau verschreiben. Sie heiraten und mit ihr Kinder bekommen, so wie ein frommer Christ das eben tat. Das war seine Aufgabe. Und dann würde alles gut werden.. niemand käme mehr seinetwegen zu schaden… wegen seiner.. ‚Abnormität‘.

Der Nachmittag zog bereits ins Land und bald würde es Zeit fürs Abendessen sein. Weshalb Virgil sich zumindest noch halbwegs frisch machen wollte, ehe er dort auftauchte. Gestern hatte er bereits Ärger von Mary Sue bekommen, da er gerade selbst so durch den Wind war, dass er aussah wie ein halber Wikinger. Das Haar stand ihm wild zu Berge, der Bart war ungepflegt und verwuchert.. und seine Kleidung hatte er wohl auch nicht sehr oft gewechselt. Virgil ging es nicht gut. Das konnte man deutlich sehen. Doch damit keine weiteren Nachfragen deswegen kamen, musste er sich zusammen reißen. Und wollte sich deshalb vorher noch waschen.

Doch gerade als er die Kirche verließ… konnte er sehen wie Father Carter gerade jemanden schickte, um einen Neuankömmling zu begrüßen. Ein Blick in Richtung Tor reichte und…… Virgil blieb fast das Herz stehen.
Halluzinierte er oder… stand da wirklich Leif am Fuße seiner Kirche????? Schon wieder stieg Panik in ihm hoch. Er wusste, er musste irgendetwas unternehmen. Durfte sich aber auch nicht anmerken lassen, was dieser Anblick gerade in ihm auslöste. Er musste also seine besten Schauspieltalente auspacken, als er mit einem charmanten Lächeln in Richtung Tor lief. Wo ein junger Mann namens Michael Leif gerade begrüßte und ihn herum führen wollte.
„Hey Michael!! Schon gut, ich übernehme das für dich okay? Wir sind einander draußen schon einmal begegnet.. also mach du dich ruhig fertig fürs Abendessen und überlass den Neuankömmling einfach mir“
Sagte er so… normal und gelassen klingend wie nur irgendwie möglich. Michael war ziemlich froh darüber, da er wirklich lieber essen gehen wollte, als jemanden rum zu führen. Weshalb er nickte und sich bei Virgil bedankte. Dem jedoch prompt wieder das Herz in die Hose rutschte, als er Leif so direkt gegenüber stand. Hier jedoch.. konnte er nicht mit ihm reden. Zu viele neugierige Blicke lagen auf ihnen. So war das immer, wenn jemand neu hier ankam. Weswegen er nur charmant meinte.
„Willkommen in der Church of Virtue! Komm mit.. ich führe dich ein wenig herum“
Er hasste es nun so zu tun als … kannten sie einander nur flüchtig… aber was hatte er schon für eine Wahl. Wie es sich gehörte, begann er wie ein Wasserfall die Geschichte der Church runter zu leiern, wie sie angewiesen waren es zu tun, wenn jemand hier ankam.
Allerdings.. führte er ihn danach recht schnell in den Garten. Es war gut, dass Abendessenszeit war. Denn nun fanden die meisten sich im Speisesaal ein und der Garten wurde immer leerer. 
Weshalb es Virgil letztlich gelang mit Leif im kleinen, angrenzenden Wäldchen zu verschwinden. Wo sich Virgils Geheimversteck befand… in welches er sich immer zurück zog, wenn ihm alles zu viel wurde.
Hier waren sie ungestört und… konnten reden.
Er führte ihn zu einer kleinen Lichtung, die ziemlich versteckt hinter einem schmalen Baumpfad lag. Erst dort kam er zum Stehen und…. konnte seine Maske endlich wieder ablegen, als er sich zu Leif umdrehte.
Er könnte ihn fragen was er hier machte. Aber wenn er ehrlich zu sich war… dann wusste er es. Virgil war nicht an ihrem Treffpunkt aufgetaucht. und er wollte ihn wohl zur Rede stellen? Hatte sich vielleicht sogar Sorgen um ihn gemacht?
Es gab so Vieles das er ihm gerne sagen würde. Doch die aller wichtigste Frage war…
„… hat euer Fischbestand sich wieder normalisiert..?“
Er sah ihn mit einer Mischung aus Scham und Hoffnung an, da Virgil nun einfach wissen musste….. ob all das Beten irgendetwas gebracht hatte. Und die Meere sich wieder beruhigt hatten. Oder ob vielleicht eine nächste Katastrophe Balar heimgesucht hatte? Vielleicht war Leif auch deshalb hier... weil er wirklich Schutz suchte, da seine Kolonie zerstört wurde… wegen ihrem Treiben.
Virgil hatte ziemliche Angst vor der Antwort. und Leif fragte sich mit Sicherheit, warum genau das die erste Frage war, die er stellte. Wo er beim letzten Mal doch unfähig gewesen war auch nur ein Wort darüber zu verlieren.

@Leif Tyrson


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#127

RE: Meer

01.05.2022 21:35
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Der junge Mann, der ihn am Tor abholte, stellte sich als Michael vor. Leif nickte ihm zu und lächelte unverbindlich. Es war wirklich von Vorteil, nach außen hin vollkommene Ruhe ausstrahlen zu können, obwohl man innerlich vor Zerrissenheit schrie. Michael wollte ihn herumführen, ein perfektes Szenario, um sich gebührend umzusehen, und nach Virgil Ausschau zu halten. Wenn er ihn nicht finden sollte, musste er sich nach ihm erkundigen und da wusste er noch nicht, wie er das unauffällig anstellen sollte.
Doch diese Frage musste er sich nicht länger stellen. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie jemand raschen Schrittes auf sie zu kam. Und als er den Blick hob, erkannte er sofort Virgil. Er sah ganz anders aus als sonst. So anders, dass es Leifs Sorgen nur noch wachsen ließ. Wildes Haar und wilder Bartwuchs schreckten ihn nicht, aber Virgil ließ sich sonst nicht so gehen. Außerdem war seine Aura ... aufgeschreckt. Lag sicher daran, dass Leif hier einfach auftauchte. Aber je näher Virgil kam, desto mehr erkannte er auch, wie müde er war. Müde und fertig. War vielleicht doch etwas passiert, weswegen der Waliser heute nicht zum Treffpunkt gekommen war? Leif konnte das alles noch nicht einordnen und schwieg, während Michael und Virgil einige Worte austauschten.
Dann begrüßte er seinen neuen Führer mit einem Nicken und einem leisen »Hi.« Es war absolut surreal, so zu tun, als würden sie sich kaum kennen. Aber er hatte es dem Christen versprochen. Dass er sich daran halten würde, hier nicht zu offenbaren wie nah sie sich standen. Er wusste jedoch nicht mal, ob er ihn gerade küssen wollte. Natürlich war die Sehnsucht noch schlimmer als vorher, jetzt wo er Virgil leibhaftig vor sich sah, aber Leifs Seelenzustand war so zerrüttet und er so verwirrt, dass er noch abwarten wollte, was es für eine Erklärung für all das gab.
Doch um sie zu hören, musste er sich gedulden. Folgsam ging er neben dem Waliser her und lauschte den Ausführungen zur Church. Es wäre viel schöner, wenn er einen offiziellen Besuch hier tätigen würden, einen der abgesprochen war ... und ohne die Vermutung, dass es zwischen ihnen längst aus war. Dann würde Leif sich jetzt offener zeigen, hier und da nachfragen und mit Virgil genauer über alles sprechen. Aber er schwieg und nickte nur ab und zu verstehend.
Sie beide konnten diese Farce kaum noch aufrechterhalten, so gezielt wie Virgil ihn nun in Richtung Garten und Wäldchen führte, hm? Leif atmete innerlich auf, auch wenn er jetzt noch mal deutlich nervöser wurde. Er rechnete halb damit, dass der Waliser ihn anfuhr, weil er hergekommen war. Aber eine Standpauke blieb aus und ... sie standen für einen Moment einander gegenüber, als würden sie beide nicht wissen, wo sie anfangen sollten.
Als Virgil so direkt nach dem Fischbestand fragte, runzelte Leif irritiert die Stirn. »Ja«, meinte er knapp, nicht wissend, dass er seinem Gegenüber damit nur bestätigte, dass dieser den richtigen Weg ging. Den der Buße und des Verzichts, denn offenbar brachte es ja was, wenn nun das Sterben aufgehört hatte.
»Erzählst du mir jetzt, was los ist? Warum bist du heute nicht aufgetaucht? Ich ... weiß gar nicht, was ich denken soll. Ob es an letzter Woche liegt, ob dir etwas passiert ist ... ich weiß, es war nicht schlau herzukommen, aber ich musste dich einfach suchen.« Leif war es nun leid, um dieses Thema herumzuschiffen, also wurde er nun direkt. Und um sich zu wappnen ... schlang er die Arme um seinen Leib, als würde er frieren. In Wahrheit spürte er genau, dass ihm die Antworten nicht gefallen würde.

@Virgil Chadburn

zuletzt bearbeitet 01.05.2022 21:36 | nach oben springen

#128

RE: Meer

01.05.2022 21:59
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Diese Führung durch die Church war einfach nur furchtbar für Virgil. Nicht nur, dass er paranoid wurde und das Gefühl hatte, jeder würde ihn prüfend beobachten. Nein.. es war auch schlimm, dass er diese ganzen Erzählungen einfach nur runter ratschte ohne ihm dazu auch die lustigen Anekdoten zu erzählen. Oder schöne Erlebnisse die er an diesem und jenem Ort gehabt hatte. Wäre dieses Treffen vereinbart gewesen oder könnten sie sich hier gar als Paar zeigen dann… würde er ihm von all dem berichten. Dabei lächeln und sich Leif noch näher fühlen, da er ein Stück Heimat von ihm kennen lernte.
Doch so… so war es einfach nur befremdlich und unnatürlich und Virgil hasste das…
Also kein Wunder, dass er rasch versuchte sich mit ihm davon zu stehlen. Auch wenn er dabei gerade keinerlei romantische Absichten hegte. Die hatte er in den letzten Tagen mehr als nur einmal versucht abzutöten.
Er hatte Angst davor ihm nun gegenüber zu stehen.. aber er war ihm eine Erklärung schuldig, das wusste er. Und das hatte Leif auch verdient..
Weswegen er auch nicht sauer deswegen war, dass er einfach hier auftauchte. Er nahm es ihm nicht übel, vermutlich hätte er ähnlich gehandelt, wäre er an Leifs Stelle. Und hätte einfach in Balar geklopft, um nach dem schönsten aller Wikinger Ausschau zu halten.
Doch es war nun wie es war.. und alles woran Virgil denken konnte, war die Frage, ob das Fischsterben wieder aufgehört hatte.
Als Leif ihm das bestätigte….. fiel ihm ein riesengroßer Stein vom Herzen. Er seufzte erleichtert und küsste seine Kreuzkette, ehe er ein paar kurze Worte des Dankes flüsternd an seinen Herren richtete.
Es hatte also gewirkt…. und er hatte das Richtige getan. Allerdings..
„und auch sonst gab es keine weiteren.. Tragödien?“
Könnte ja sein, dass stattdessen etwas anderes passiert war. Wie eine Heuschreckenplage oder blutiger Regen oder dergleichen.. aber wenn nicht dann…. hatte Virgil mit seinen Gebeten vielleicht gerade noch die Kurve gekratzt.

Die Erleichterung wurde jedoch rasch wieder zu Nervosität, da Leif ihn noch so direkt mit seinen Taten konfrontierte. Darauf war er nun nicht vorbereitet oder fühlte sich in der mentalen Verfassung dazu. Weshalb er den Blick erst mal ausweichend abwandte.
„Es wäre besser gewesen.. du hättest… mich einfach vergessen statt her zu kommen Leif..“
Flüsterte er nun seufzend und schloss kurz die Augen. aber er wusste… das war zu wenig an Erklärung. Weshalb er ihm zumindest die Wahrheit sagen wollte, warum es klüger wäre, wenn sie einander nicht mehr trafen.
„Ich weiß ich schulde dir eine Erklärung.. letzte Woche da.. konnte ich bloß einfach nicht darüber reden. Da ich schreckliche Angst bekam, als du mir von dem Fischsterben erzählt hast..“
Nun rang er sich doch wieder dazu durch ihm mit einem traurigen Hundeblick in die Augen zu sehen
„weißt du.. in der Bibel da.. wird dieses Ereignis ziemlich häufig erwähnt… als Vorbote eines schrecklichen Ereignisses… oder als allmächtige Strafe wenn man Gottes Zorn auf sich gezogen hat……. und als du dann meintest es hätte begonnen, einen Tag nachdem wir….“
Virgil musste nicht aussprechen was er meinte. Sie hatten miteinander geschlafen. Zum ersten Mal. Und am nächsten Tag waren Leifs Fische gestorben. War der Lebensbereich angegriffen worden für den Leif verantwortlich war. Selbst ein Heide musste doch erkennen, dass das kein Zufall war oder?

@Leif Tyrson


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#129

RE: Meer

01.05.2022 22:23
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Wären es andere Umstände, hätte dieser Besuch wirklich schön werden können, auch wenn sie keine Nähe hätten zulassen dürfen. Aber gerade wurde die Kluft zwischen ihnen immer größer und die Paranoia, die Virgil ausstrahlte, ergriff auch Leif. Womöglich war das alles ja nur ein abgekartetes Spiel? Er hatte sich in potenziell gefährliches Terrain begeben, ohne wirklich zu wissen, was ihn erwartete. Was, wenn sein sogenannter Partner ihn jetzt in diesen Wald da führte, damit er auch noch den letzten Rest über Balar erzählte und er dann gezwungen wurde, die Konfession zu wechseln? Oder man ihn lynchen und kreuzigen würde als Feind Gottes? Leif hatte doch keine Ahnung, wie diese fanatischen Christen wirklich drauf waren. Und ob er Virgil noch vertrauen konnte, wusste er gerade wirklich nicht mehr. Vielmehr beschlich ihn das Gefühl, er würde ihn gar nicht richtig kennen.

Doch im Wäldchen wartete niemand auf sie. Sie waren allein und konnten endlich frei reden. Wobei es für Virgil zuerst um die Fische ging. Normalerweise hätte sich Leif ernstgenommen und verstanden gefühlt, weil der Waliser seine Sorgen teilte und nachfragte. Aber da er ihn letzte Woche förmlich im Stich gelassen hatte, als es genau um dieses Thema ging, konnte er das plötzliche Interesse gerade nicht so ganz nachvollziehen. Stumm beobachtete er, wie Virgil seine Kreuzkette küsste und irgendetwas flüsterte. Und als er dann auch noch nach anderen Tragödien fragte, begriff Leif so langsam, was hier los war. »Bis auf diese hier?«, erwiderte er kalt und deutete vage auf sie beide. »Nein, keine.«

Wie erwartet gefielen ihm die Antworten nicht. »Du meinst, es wäre für dich einfacher gewesen, wenn ich dich vergessen hätte«, übersetzte er mal. Denn es wurde Leif schnell klar, dass sein Auftauchen für Virgil eine Bürde darstellte. Jetzt musste er sich mit ihm beschäftigen, ihm Dinge erklären, die er offenbar lieber verschwiegen hätte. Tja, er ließ sich aber nicht so leicht abspeisen, er wollte verstehen, was los war.
Leif war gerade sehr reserviert, vor allem, um sich und sein Herz zu schützen. Aber als Virgil ihn dann mit diesem Hundeblick ansah ... da wurde er doch etwas weicher. Und er lauschte nicht mehr ganz so abwehrend dem Rest der Geschichte. Seine eben aufgekommene Vermutung stimmte also. Ihm fehlten die Worte dafür, denn er hatte weiterhin Respekt vor Virgils Glauben. Es war klar gewesen, er würde ihnen hier und da dazwischen funken. Aber das hier ... war mehr als das. Jetzt zerstörte der Glaube etwas Gutes. Etwas, das Leif eigentlich nicht bereit war, aufzugeben. Wie er richtig mit diesem empfindlichen Thema umgehen sollte, war ihm jedoch nicht klar.
»Virgil ... ich verstehe, dass du etwas Höheres darin siehst. Meine Leute und ich sind ... überzeugt, dass unsere Götter im Aufruhr waren. Sie haben sich wieder beruhigt. In Wahrheit ... können weder du noch ich wissen, wer oder was nun wirklich Schuld an dem Fischsterben war. Es könnte auch ein ganz blöder Zufall sein.« Ja, er versuchte sich das nun auch selbst einzureden. Tatsächlich würde er wohl nichts sagen können, was Virgil von seiner Überzeugung abbringen würde. Und das führte unweigerlich dazu, dass sie sich nie wieder sehen würden. Darauf lief es doch hinaus, oder nicht?

@Virgil Chadburn

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#130

RE: Meer

01.05.2022 22:44
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Das Leif immer noch glaubte, Virgil könnte ihm tatsächlich etwas antun.. war schon traurig. Denn das hieß, er vertraute ihm immer noch nicht. Klar, nach seinem Abgang letzte Woche war das irgendwo verständlich. Dann aber auch wieder nicht. Immerhin unterstellte er ihm gerade die aller schlimmsten Dinge. Als würde er zulassen, dass ihn irgendwer kreuzigte oder lynchte!! Er liebte ihn! und das war die Wahrheit gewesen.

Als Leif so direkt andeutete, dass die einzige Tragödie die hier gerade geschah die Sache mit ihnen beiden war… bekam Virgil einen Kloß im Hals. Denn er hatte Recht. Das war furchtbar und er wollte das nicht.. weswegen er auch bloß betrübt den Kopf senkte. Und als er dann auch noch eines drauf setzte und ihm vorwarf…. dass es in Wahrheit nur für ihn einfacher gewesen wäre, wenn Leif ihn vergaß da… spürte er wie sein Herz sich krampfhaft zusammen zog. Bisher hatte Leif sein Herz immer zum Tanzen und Hüpfen gebracht, doch diese Worte taten so weh, dass er es sich am liebsten aus der Brust reißen würde.
„Bitte sag das nicht…. nichts davon ist einfach für mich…“
Virgil hatte Leif letzte Woche sein Herz offen gelegt. Also wie konnte er glauben, dass es für ihn auch nur ansatzweise erträglich wäre, wenn Leif ihn vergaß? Das war es nicht. Es tat höllisch weh und er würde für den Rest seines Lebens daran knabbern. Aber er wusste einfach keine Alternative. Und er wollte Leif doch bloß noch mehr Leid ersparen. Und nahm sein eigenes dafür in Kauf.
„du hast Recht.. wir können es nicht wissen. Aber.. wie könnten wir ein solches Risiko dann einfach in Kauf nehmen? Ich habe… die gesamte Woche.. nur auf den Knien verbracht. Um meinen Gott anzuflehen dir kein weiteres Unglück zu schicken, nach der Sünde… die wir letzte Woche erneut begangen haben. Und möglicherweise wurden meine Gebete erhört. Aber ich kann einfach nicht riskieren… dass so etwas sich wiederholt. Egal wie groß oder klein die Wahrscheinlichkeit dafür ist…“
Virgils Knie waren völlig aufgeschunden, da er so viel gebetet und gekniet hatte in der letzten Woche. Und selbst wenn es ein Zufall gewesen sein könnte… Virgil konnte daran einfach nicht glauben. Er war überzeugt davon, diese Art von Zufällen gab es einfach nicht.

Weswegen er Leif nun auch die linke Hand entgegen streckte. Jedoch nicht um sie zu ergreifen sondern… um ihm einen Ring zu zeigen, der an seinem Finger steckte.
„Ich habe mich verlobt. Mit einer Frau, die ich seit meiner Kindheit kenne… ich werde ihr ein guter Ehemann sein und.. all meine Pflichten die eine Ehe mit sich bringt erfüllen. Ich werde.. die Art von Christ sein, die von mir verlangt wird……“
Nun war es Virgil der diese Worte eher etwas distanziert aussprach. Einfach weil ihm sonst die Stimme versagen würde, sollte er nun Emotionen zulassen. Denn natürlich wollte er weder diese Hochzeit, noch dieses Leben führen. Er wollte sein Leben mit Leif teilen… und glücklich werden. Aber Glück… war in Zeiten wie diesen wohl einfach zu viel verlangt.. er musste das Schicksal annehmen…. das für ihn bestimmt war. Egal ob er dieses Mädchen mochte oder nicht..

@Leif Tyrson


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#131

RE: Meer

01.05.2022 23:12
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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War das mit der Liebe die Wahrheit gewesen? Leif bekam den gegenteiligen Eindruck, je mehr sie miteinander sprachen. Ihm war bewusst gewesen, wie fest Virgils Glaube war und dass es nicht leicht sein würde. Aber das hier war so ein großes Hindernis, dass er gerade wirklich jegliche Hoffnung auf einen positiven Ausgang seines Besuches verlor.
»Nichts davon ist einfach für dich?« Leif schnaubte. »Dann wäre es nicht zu viel verlangt gewesen, heute zum Treffen zu kommen und es richtig zu beenden, oder? Was macht eine Hürde mehr oder weniger schon aus?« Denn darauf lief es doch hinaus, nicht wahr? Sie machten gerade Schluss. Und mit den Erklärungen, die Virgil ihm lieferte, wurde immer klarer, dass kein Weg daran vorbei führte.
Es tat so weh, dass der Waliser ihre Liebe eine Sünde nannte. Etwas Verbotenes, das bestraft gehörte. So weh, dass Leif unwillkürlich nach seiner Brust fasste, weil sein Herz Stück für Stück starb. Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte. Immerhin wollte er doch auch nicht, dass Virgil im Fegefeuer landete und wirklich schlimme Dinge passierten, wegen ihrer Liebe. Der Christ hatte ihm gesagt, es sei seine eigene Entscheidung, ob er solche Gefahren in Kauf nahm. Und offenbar hatte er sie geändert. Etwas, das Leif respektieren musste. Alles andere wäre mutwillige Manipulation. Und sie würde immer zwischen ihnen stehen, diese Angst. Das konnte ihre Beziehung nicht aushalten, tat sie ja jetzt schon nicht.

Die Hoffnungslosigkeit erreichte eine neue Stufe, als Virgil ihm seine Hand hinhielt. Da war ein Ring an dem einen Finger. Leif hörte nur die Worte ... verlobt. Und Frau. Ehemann ... Pflichten.
Leifs Herz zerbrach. Das war einfach zu viel. Die Splitter trieben in den Sturmfluten davon und er hatte keine Ahnung, ob er sie jemals wiederfinden würde. Wahrscheinlich nicht. Er schluckte schwer. Alles wurde düster um ihn herum. Auch Virgil barg kein Licht mehr für ihn. Da war nur noch Dunkelheit. »Du nennst unsere Liebe eine Sünde«, sagte er monoton. »Aber dieser Frau wirst du für den Rest eures Lebens etwas vorlügen. Du wirst sie niemals richtig lieben und eure Kinder werden die Saat dieser Lüge in sich tragen. All das ziehst du mir vor. Und ich bin das größere Übel, die teuflische Versuchung ... Ich verstehe. Dann ... habe ich hier nichts mehr zu suchen.«
Womit er sich umwandte. Den Weg zum Tor würde er finden. Aufhalten würde man ihn nicht. Wenn doch, würde er sich wehren. Gerade war es ihm egal, wenn man ihn dann umbringen würde. Dann würde er wenigstens nach Valhalla fahren und dort glücklich werden.

@Virgil Chadburn

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#132

RE: Meer

01.05.2022 23:31
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Nun zeigte sich langsam, wie kalt Leif wohl auch sein konnte. Denn er ließ Virgil hier gerade völlig gegen eine Mauer rennen. Dabei meinte er nichts von seinen Worten böse oder wollte ihn damit verletzen. An seiner Liebe zu Leif hatte sich rein gar nichts geändert. Weshalb es schmerzte diese… Verachtung zu sehen und zu spüren, die er ihm plötzlich gegenüber brachte.
„Ich.. konnte einfach nicht.. denn ich war mir sicher.. es würde dir gelingen mich umzustimmen…“
und seinen Entschluss ins Wanken bringen, eben weil er ihn so sehr liebte. Aber so wie es schien versuchte Leif das gar nicht. Sondern nahm einfach alles hin was er ihm sagte. ja.. so war es womöglich einfacher. Tief in seinem Inneren wünschte sich Virgil aber trotzdem, dass Leif ihn aus seinem Gefängnis befreite! Oder wenigstens versuchte um ihn zu kämpfen. Aber mehr als ein paar halbherzige Worte kamen nicht.

Dabei ging es Virgil doch längst nicht mehr darum selbst im Fegefeuer zu landen! Damit hatte er sich abgefunden. Aber er könnte sich niemals verzeihen, wenn seinen Liebsten etwas geschah! Das war die schlimmste Strafe von allen für ihn. Und genau darum ging es. Er sorgte sich um Leifs Leben!! doch dieser wollte das einfach nicht sehen..
Stattdessen warf er ihm wirklich harte Worte an den Kopf.. und verurteilte das Leben, für das Virgil sich entschieden hatte.. um jenes von Leif zu schützen. Es klang so.. als täte er das freiwillig oder gerne. Doch so war es nicht. Ganz und gar nicht.
„In der Bibel steht nichts davon geschrieben, dass Liebe…. eine Voraussetzung für die Ehe ist. Es geht lediglich.. um die Erfüllung von Pflichten….“
Und darum neue, christliche Nachkommen zu schaffen. ob die Eheleute einander liebten war völlig egal. die Hauptsache war nur, sie respektierten einander und lebten nach den gleichen Werten.
Was jedoch wirklich weh tat, war die Aussage, dass Virgil dieses Leben in Lüge ihm vorzog. Weshalb er nun doch etwas verzweifelt sagte
„Ich tue das um dich zu schützen Leif!! Dich und deine Kolonie….“
Denn wenn weitere Plagen seine Siedlung trafen dann.. würde sie vielleicht unter gehen. Doch bei Leif wirkte es so, als würde Virgil das freiwillig machen. Er brachte ein riesen großes Opfer für ihn! Das er das vielleicht nicht wollte war eine andere Sache. Aber in Virgils Kopf war das die einzige Möglichkeit, wie er dafür sorgen konnte… dass Leif nichts geschah.
„du bist nicht….“
er wollte noch klar stellen, dass er weder das größere Übel noch eine teuflische Versuchung war. Aber Leif.. schien ihm gar nicht mehr zuzuhören. Oder nur noch das zu hören, was er hören wollte… weshalb es sinnlos war nun weiter zu sprechen. Er hatte sich seine Meinung bereits gebildet und.. zog nun die Flucht vor, als vielleicht wenigstens in Frieden voneinander zu gehen…
Weswegen Virgil nur voll Trauer zurück blieb, als Leif einfach ging.
Erst jetzt.. wo ihm klar wurde, was gerade geschehen war.. füllten seine Augen sich mit Tränen. Während er ihm ungläubig nachsah. Jetzt brach einfach alles über ihn herein… und sein Herz begann so heftig zu schmerzen, dass er es am liebsten erdolchen würde!!
Die Tränen flossen plötzlich wie Bäche und.. erneut sank Virgil auf die Knie. Diesmal jedoch nicht um zu beten, sondern weil die Verzweiflung und Trauer ihn von einer Sekunde auf die andere vollständig überwältigte.

@Leif Tyrson


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#133

RE: Meer

02.05.2022 00:17
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif war so kalt, weil Virgil ihn mit jedem Wort verletzte. Es war die einzige Möglichkeit, wie er sich schützen konnte. Zumindest nach außen. Denn in ihm drin brannte ein Feuer, tobte ein zerstörerischer Sturm ... vertilgte alles Positive, was Leif vielleicht hätte sagen können, um Virgils Vorhaben zu zerstreuen. Aber da gab es nichts zu zerstreuen. Virgil hatte seine Entscheidung getroffen. Hier war Schluss. Er wollte mit einer Frau eine Familie gründen und sich einem Leben voller Lügen hingeben. Wie sollte Leif dagegen ankämpfen? Gegen einen Glauben, der so etwas diktierte? Und der so fest in Virgil verankert war. Vielleicht war er gerade ein schlechter Wikinger, weil er aufgab. Doch nicht jede Art der Kriegsführung war gut. Leif hatte etwas dagegen, den Glauben anderer auseinanderzunehmen, sein eigener war ihm so wichtig und was die Christen damals getan hatten viel zu grausam, als dass er bewusst manipulieren würde. Virgil hatte mal von Zweifeln gesprochen, doch nun schien er sich ja sicherer denn je zu sein, seinen Glauben beibehalten zu wollen.
»Na dann ... hoffe ich, dass du deine Pflichten stets erfüllen kannst. Aber wenn du dabei an mich oder irgendeinen anderen Mann denkst, sieht dein Gott sicher auch das. Da kannst du dir einreden, so viel du willst.« Diese Farce fand Leif viel schlimmer, als eine ehrliche Liebe zuzulassen, selbst wenn sie zwischen zwei Männern stattfand. Er verstand einfach nicht, wie der Christengott eine Lüge und stupide Fortpflanzung unterstützen konnte, wahre Gefühle aber nicht.
»Virgil ... du musst mich nicht beschützen und auch meine Kolonie nicht. Wenn du das nur deswegen tust ... dann möchte ich das nicht. Wir kommen mit dem Zorn ganzer Götterfamilien klar, dann schaffen wir es auch irgendwelchen christlichen Plagen standzuhalten.« Aber der Waliser tat es nicht nur wegen ihnen, hm? Er schützte auch seine Gemeinschaft, der ebenfalls etwas passieren könnte. Und sich selbst. Leif war trotzdem der Meinung, dass dies der falsche Weg war.
»Hör auf!« Er wusste genau, dass Virgil jetzt abstreiten wollte, dass Leif eine teuflische Versuchung war. »Du hast es eben selbst gesagt. Du hattest Angst, dass ich dich überrede, bei mir zu bleiben. Dass du weich wirst. Dass ... ich dich weiter in Versuchung führe ... mit mir ein sündiges Leben zu leben und alles zu zerstören, was dir wichtig ist, bis es nur noch mich gibt. Ich erlöse dich von dieser Versuchung. Das ist das Letzte, was ich für dich sein will.«
Also blieb nur noch der Abschied. Und zwar ein schneller. Leif wollte es nicht positiv beenden, denn wie sollte das gehen? Natürlich wünschte er Virgil nichts Schlechtes, er liebte ihn immer noch, auch wenn sein Herz gerade in Scherben durch sein Bewusstsein driftete. Aber er konnte ihm auch nicht auf seinem Weg viel Glück wünschen.

Man ließ ihn ziehen. Leif riss seine Äxte aus dem Baum und zerschmetterte mit ihnen das Geschenk, welches er Virgil hatte überreichen wollen, bis nur noch kleine Splitter übrig waren. Dann zog er weiter in Richtung Heimat und hinterließ eine Spur an Leichenteilen, immer, wenn er auf Beißer traf. An seinem Boot angekommen, brach er erschöpft zusammen und schlief die gesamte Nacht vollkommen ungeschützt am Ufer. Am nächsten Tag war immer noch alles dunkel, obwohl die Sonne vom Himmel brannte. Das besserte sich auch in den kommenden Wochen nicht. Anfangs versuchte Leif noch, die Kontrolle über sein Leben zurückzuerlangen, aber es funktionierte nicht. Er zog sich zurück. Seinen Pflichten folgte er, aber wann immer es ging, suchte er die Einsamkeit. Diesen Zustand hatte er bereits ein paar Mal erreicht, doch dieses Mal war es anders. Sein Herz wollte sich einfach nicht wieder zusammensetzen und durch seine Adern floss purer Zorn. Zorn auf sich selbst, weil er so unvorsichtig gewesen war, sich verletzlich gemacht hatte ... sein Herz verloren hatte. Und Zorn auf den Christengott, weil er sich gegen ihn und Virgil stellte. Aber auch gegen seine eigenen Götter und die Nornen, weil sie ihm nicht halfen. Ihm keine Eingebung schenkten und sich wahrscheinlich eher über ihn amüsierten, weil er so in Selbstmitleid versank, statt etwas an seiner Situation zu ändern.
Heute trieb es ihn weit weg von Balar. Er wollte zurück zu seinem Leuchtturm, sehen, ob dort noch etwas von seinen alten Habseligkeiten übrig war. Doch eine kleine Beißerherde versperrte den Weg. Gut. Im Blutrausch ließ sich der Zorn ertragen. Weswegen Leif seine Äxte mit Freuden schwang und nach wenigen Minuten bereits vollkommen blutbesudelt war. Sein Zopf hatte sich gelöst, sodass ihm das Haar wirr im Gesicht hing. Knappe Situationen bemerkte er kaum, er zielte einfach immer auf den nächsten Matschschädel.

@Virgil Chadburn

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#134

RE: Meer

02.05.2022 00:46
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil WOLLTE nicht mit einer Frau eine Familie gründen. Das war so ziemlich das Letzte, das er wollte. Aber er sah keinen anderen Ausweg. Manchmal musste man sich selbst aufgeben, um jemand anderen zu retten. Auch wenn man daran zerbrach.
Er hatte an seinem Glauben gezweifelt ja.. weil er nie ein richtiges Zeichen erhalten hatte. Doch nun war das passiert und es machte ihm eine wahnsinnige Angst.. und Ehrfurcht.
Weswegen es umso schlimmer und härter war, was Leif anschließend noch zu ihm sagte. Ja es wirkte ja fast so.. als würde er ihn verhöhnen.
„Solange dann nur ich dafür bestraft werde.. nehme ich das in Kauf..“
Denn natürlich würde Virgil bei der ‚Erfüllung seiner Pflichten‘ an Leif denken.. immerzu und ständig.. und er wusste, das war falsch. So ziemlich jedem gegenüber, allen voran aber dem armen Mädchen, das ihn womöglich wirklich gern hatte.
Aber Virgil wusste sich anders gerade einfach nicht zu helfen, weshalb er Leifs Hohn.. einfach ertragen musste. Denn er hatte ihn wohl verdient.
„Das sagst du jetzt. Aber würdest du es immer noch tun, wenn deine Familie unseretwegen den Hungertod erleidet??“
Wenn er wirklich einen geliebten Menschen verlor, nur weil eine höhere Macht ihre Verbindung nicht gut hieß. Mit Sicherheit würde Leif es Virgil dann nicht verzeihen.. weil es ja sein engstirniger Gott war, der all das verursachte..

Virgil wollte Leif bei seinen Worten ja widersprechen, doch der Wikinger verbot ihm den Mund, weswegen er ihn wieder schloss und traurig zu Boden sah.
Er wollte etwas darauf erwidern… doch so zornig wie Leif gerade war, würde er es wohl kaum hören. Oder akzeptieren können. Weshalb er einfach… schwieg. Und die Antwort auf seine Worte erst gab, als Leif nicht mehr in Hörweite war
„ja…. weil ich dich liebe..“
murmelte er nun gebrochen zu sich selbst. Er hatte nur Sorge gehabt, dass er ihm nicht widerstehen könnte, weil er ihn so sehr liebte und dieses Leben, das sie gemeinsam führten .Nicht weil er eine Versuchung oder Sünde war… es war pure Liebe, die ihn dazu veranlasste Leif immer und immer wieder zu verfallen.
Aber wenn man alles negativ deuten wollte, dann war das auch möglich. Und Virgil würde keine weitere Liebeserklärung aussprechen.. das hatte schon beim ersten mal nicht so gut geklappt. Und nun wäre sie noch viel negativer behafteter. Weshalb er ihn letztlich ziehen ließ.. egal wie schwer es ihm auch fiel.

Die kommenden Wochen waren hart. Extrem hart.. und Virgil versuchte.. sich irgendwie darauf einzustellen, dass er nun plötzlich eine Beziehung mit einer Frau führte. Die er bereits sein Leben lang kannte und in Wahrheit doch eigentlich einen Mann liebte. Das war.. mehr als skurril und verwirrend. Und er fühlte sich permanent grässlich deswegen! Denn er schenkte dem armen Mädchen keineswegs die Aufmerksamkeit die es verdient hätte. Er war ständig in Gedanken.. bei Leif.. und träumte einem Leben nach, das er vielleicht hätte haben können. Wenn Leif doch nur eine Frau wäre..
Aber das war er nicht. Weshalb Virgil diese Farce aufrecht erhalten musste. Vielleicht würde er sich irgendwann daran gewöhnen? War in einer Zwangsehe ja auch manchmal so. Nach ein paar Jahren.. entwickelte man zwangsläufig Gefühle für den anderen Partner, weil man so viel Zeit mit ihm verbrachte. Also womöglich war Virgil wenigstens ein Leben in… Zufriedenheit vergönnt? Wenn man es ihm schon verwehrte glücklich zu sein?
Traurige Gedanken.. aber Genügsamkeit stand an der Tagesordnung. weshalb er sich nicht beschwerte. Aber.. ziemlich oft die Kolonie verließ, um alleine zu sein.
Denn wenn er ehrlich zu sich selbst war….. war es seit er Leif getroffen hatte, noch viel anstrengender dauernd zu schauspielern. Nun wo er wusste, wie es sich anfühlte gänzlich er selbst zu sein. Und es nun niemanden mehr gab, wo er das konnte.
Es war so frustrierend… weshalb es auch ihm half, ab und zu mal alleine durch die Natur zu streifen. Diese berühmte Einsamkeit von der Leif gesprochen hatte… hatte nun wirklich seine Vorteile. Er versuchte sogar zu fischen.. aber jedes Mal wenn er es tat, brach er dabei fast in Tränen aus, weil es ihn zu sehr an Leif erinnerte. Also ließ er es wieder bleiben..selbst wenn ihn einfach alles an den Isländer erinnerte.

Eines schönen Nachmittags saß Virgil außerhalb der Kolonie auf einem Stein und schnitze gerade. Als er im Baum plötzlich das Krähen eines Rabens vernahm. Kurz sah er hoch zu ihm.. schenkte ihm aber keine weitere Bedeutung. Denn Raben waren ja keine seltenen Tiere. Dieser jedoch… wirkte irgendwie anders. Und er hörte nicht auf mit seinem penetranten Krächzen. Weshalb Virgil wieder zu ihm hoch schaute. und es wirkte so… als würde der Rabe seinen Blick erwidern. Drehte er nun schon völlig durch? War seine Sehnsucht nach Leif so groß, dass er nun schon irgendwelche Dinge in total unbedeutende Geschehnisse interpretierte?
Virgil beschloss den Raben zu ignorieren und einfach weiter zu schnitzen. Aber… das penetrante Tier hörte einfach nicht auf! Bewegte den Kopf so, als würde es ihn zu irgendetwas auffordern. Und prompt fiel ihm wieder Leifs Geschichte ein. Wie sein Vater.. ihn nach Balar geführt hatte.
Das war Schwachsinn… Virgil wusste, dass das alles nicht zu bedeuten hatte. Und dennoch erhob er sich wie von Geisterhand und machte ein paar Schritte. Wahrscheinlich würde der Rabe jetzt einfach weg fliegen.
aber er tat es nicht. Er.. flog immer nur ein Stück voraus und ließ sich dann wieder auf einem Ast nieder, so als würde er auf ihn warten?
Das war… wirklich beängstigend. Konnte es wirklich etwas zu bedeuten haben
„wohin führst du mich…“
murmelte er zu sich selbst. vielleicht war das die Rache von Leifs Göttern, dafür dass er das Herz des Wikingers gebrochen hatte. Und der Rabe ihn deshalb von einer Klippe hinab stürzen lassen wollte oder so.
Aber er musste ihm einfach folgen... und herausfinden, ob das tatsächlich etwas zu bedeuten hatte.
Er lief eine gute Stunde.. und wusste ehrlicherweise nicht mehr wirklich wo er war. Vielleicht wollte er ihn auch in die Irre führen, damit er sich verirrte und dann verhungerte?
Hm.. doch ehe er diesen Gedanken zu Ende denken konnte, erklang plötzlich das Geräusch eines Kampfes. Und das altbekannte Röcheln, gemischt mit dem Kampfschrei eines Menschen.
Sofort zog Virgil sein spitzes Kruzifix und eilte den Geräuschen hinterher.

Was sich ihm dort jedoch präsentierte… ließ ihn im ersten Moment vor Schock zur Salzsäule erstarren. War das etwa… Leif?! ….. Virgil sah hoch zu dem Raben, der immer noch da war und auffordernd krächzte. Das war…. wow.. Virgil konnte es wirklich nicht glauben. Dieser Rabe hatte ihn tatsächlich zu Leif geführt. Auch dieses göttliche Zeichen konnte er unter keinen Umständen ignorieren.
Allerdings war nun nicht länger Zeit, um nachzudenken. Stattdessen stürzte er sich ebenfalls wortlos in den Kampf und half dabei, die Beißer zu beseitigen, die Leif gefährlich werden konnten. Zeit für Worte war nun nicht, erst musste diese kleine Herde endgültig vernichtet werden.

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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#135

RE: Meer

02.05.2022 01:29
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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So langsam konnte Leif dann doch nicht mehr an sich halten und musste seine Meinung einfach ungefiltert kundtun. Das war der Zorn in ihm, der aus der Trauer geboren war, und immer mehr überhand nahm. »In erster Linie würde ich keinem Gott folgen, der mir verbietet, meinen eigenen Weg zu gehen und mit der Person zusammenzusein, die ich liebe. Hungersnöte, Krankheiten, der Tod ... das alles gehört zum Leben auf Midgard dazu. Und weißt du was, wir stehen immer noch hier. Die Wikinger und die nordischen Götter, sie gibt es noch. Obwohl die Christen alles dafür getan haben, dass dem nicht so ist. Dein Gott kann uns nicht vertreiben. Wenn er uns Hungersnöte schickt, nur weil du und ich uns lieben ... dann habe ich kein Problem damit, ihm zu beweisen, wie unerschütterlich die Wikinger immer noch sind!« Leif sprach nun wie ein Krieger, weil er in dieser Hinsicht wie einer dachte. Man hatte ihnen eine ganze Kultur gestohlen und Leif wollte sich eigentlich nicht auch noch seine große Liebe nehmen lassen. Aber diese Entscheidung traf nicht er, sondern Virgil. Und an der ließ sich wohl nicht rütteln, egal, wie sehr Leif sich vergaß. Und so langsam wollte er auch nichts mehr davon hören, was der Waliser sich einredete oder in welche Ausflüchte er sich als Nächstes stürzte. Besser, sie beendeten dieses Gespräch, bevor sie sich richtig stritten und die gesamte Church auf sie aufmerksam wurde.

Leif wurde fast wahnsinnig bei dem Gedanken, wie Virgil nun mit diesem Mädel sein Leben führte. Es küsste und anfasste ... statt ihn. Ob sie schon geheiratet und miteinander geschlafen hatten? Eine permanente Übelkeit machte sich breit, je öfter er darüber nachdachte. Wenn sein Herz schon nicht mehr schmerzen konnte, übernahm der Liebeskummer eben andere Bereiche. Essen tat Leif aktuell jedenfalls nicht besonders viel. Oder achtete sonst in irgendeiner Form auf sich. Ihn hatte die Dunkelheit absolut im Griff und er war ihr vollkommen ausgeliefert.
Wenn er kämpfte, so wie gerade, hatte das aber auch etwas für sich. Fast wünschte er sich ja schon, die Kontrolle vollständig zu verlieren und gar kein Gefühl mehr zu spüren. Sogar die Angst war fort, er könne sich in einen Beißer verwandeln und nicht nach Valhalla kommen. Vielleicht hatte er es verdient, zwischen den Welten zu wandeln. Er war kein würdiger Wikinger, hatte es nicht mal hinbekommen, den Mann seiner Träume zu halten oder für ihn zu kämpfen.
Das Krächzen eines Raben kämpfte sich in sein Bewusstsein. Odin war hier? Sah er dabei zu, wie Leif das Blut seiner Feinde vergoss und sich den heiligen Hallen vielleicht doch noch würdig erwies?
Die Reihen der Beißer lichteten sich und Leif konnte kurz durchatmen. Das Blut tropfte von seinen Äxten und lief in kleinen Rinnsalen an seinem Körper herunter. Als er die Griffe seiner Waffen fester packte, und sich nach dem nächsten Opfer umsah ... bemerkte er, dass einer der Zombies Virgils Gesicht hatte.
»Odin ...?«, flüsterte Leif und blinzelte. War das ein Zeichen, vom Allvater geschickt? Dass er seine Verbindung zu diesem Christen jetzt und hier trennen konnte? Wieder er selbst werden konnte und er von diesen furchtbaren Schmerzen erlöst wurde? Wenn er diese Gestalt, die Virgils Gesicht trug ... von der Welt tilgte. Dann würde Odin ihm das gewähren?
Der Rabe krächze erneut, als würde er für den Allvater antworten. Leif ahnte nicht, dass er nicht mit ihm sprach, sondern mit Virgil ... dass er selbst diesmal der Fehlgeleitete war und gerettet werden musste.
Mit einem gezielten und fast schon eleganten Schlag spaltete Leif dem Zombie, der noch zwischen ihnen stand, den Kopf. Dann atmete er tief durch und stapfte auf das Wesen zu, das er als Erlösung sah. Dabei redete er sich immer wieder ein, dass es nicht der echte Virgil war. Nur eine Illusion. Sein Angriff war hart und direkt, er wollte es hinter sich bringen. Von dem freundlichen und sanften Leif war keine Spur mehr übrig in diesem Moment, es gab nur heißen Zorn aus schwarzen Flammen, die in der Dunkelheit loderten.

@Virgil Chadburn

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#136

RE: Meer

02.05.2022 20:33
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Schlussendlich geigte Leif ihm doch noch ziemlich direkt seine Meinung. Und Virgil.. hatte nicht wirklich Argumente, die dagegen sprachen.
Seine Worte lösten also sehr wohl etwas in ihm aus.. säten Zweifel.. die ihn in den kommenden Wochen durchaus begleiten würden. Und immer wieder in seinem Kopf herum spukten.
Aber jetzt hier.. in diesem Moment konnte er ihnen einfach nicht nachgeben. Dafür war seine Angst um Leif viel zu groß und real.
Weshalb er.. letztlich nur noch den Blick abwandte aber nichts mehr auf seine flammende Rede erwiderte. Leif hatte vielleicht keine Angst vor dieser Übermacht aber Virgil hatte sie sehr wohl. Und er wollte unter keinen Umständen der Auslöser für irgendeine Tragödie sein. Dazu hatte man ihm von kleinauf viel zu selbstlos erzogen. Er konnte einfach nicht… so viel aufs Spiel setzen, nur für sein eigenes Glück. Das wäre so wahnsinnig egoistisch. Das Leif nun gemeinsam mit ihm darunter leiden würde tat weh.. aber einen anderen Weg sah der verwirrte Christ leider gerade nicht.

Noch hatte Virgil es nicht übers Herz gebracht seine Verlobte zu heiraten. Und er beschränkte auch… den Körperkontakt auf ein Minimum. Weil er einfach rein gar nichts dabei fühlte. Außer einem schlechten Gewissen. Sowohl Leif als auch dem Mädchen gegenüber. Er fühlte sich einfach nicht wohl dabei. Es war nicht schön sondern nur.. etwas wozu er sich zwang. Und das war in so vielerlei Hinsicht falsch. Das war ihm bewusst. Aber wenn das der einzige Weg war, um das Versprechen zu halten, welches er Gott gegeben hatte.. dann würde er durchhalten. Und sich damit abfinden.
Irgendwann hatte er vielleicht nicht mehr ständig das Gefühl abhauen zu müssen und in die Einsamkeit zu flüchten.
Aber heute da.. war es stärker denn je.
Und das war gut so.. denn Virgil erhielt ein weiteres Zeichen. Nur diesmal bestimmt nicht von seinem Gott. Dennoch folgte er ihm und fand dadurch Leif wieder… in einer ziemlich ausweglosen Situation. Vielleicht wäre es ihm auch gelungen die Beißer alleine fertig zu machen. Doch die Chance dabei gebissen zu werden war wirklich hoch. Das konnte Virgil keinesfalls zulassen! Niemals! Er tat das alles doch vorrangig um Leif zu schützen, da.. durfte er nun nicht einfach sterben! Sonst wäre doch alles umsonst gewesen!
Nein, Virgil stürzte sich ebenfalls unerbittlich ins Gefecht, bis die letzten Beißerkörperteile fielen.
Zwischendurch schon hatte er einen Blick auf Leifs Gesicht erhaschen können. Nur schien dieser.. ihn gar nicht wirklich wahrzunehmen oder zu beachten. Vielleicht war er einfach so fokussiert auf den Kampf. Also wartete er.. bis das hier vorbei war und Leif dem letzten Beißer zwischen ihnen den Schädel spaltete.
Jetzt erst ließ er sein hölzernes Kruzifix sinken und blickte Leif direkt in die Augen.
Er fühlte.. wie sein Herz dabei schon wieder zu rasen begann. Nicht nur aus Angst, dass Leif ihn nun hassen könnte.. nein.. auch weil sein Anblick eben nach wie vor dieses Gefühl in ihm auslöste. Ein Gefühl.. das keine Frau der Welt vermochte ihm zu geben. Diese Wärme die plötzlich durch seinen Körper strahlte.. dieses Prickeln, das sich überall ausbreitete. Was automatisch dazu führte, dass er Leif anlächelte. Egal wie barbarisch und blutverschmiert dieser gerade auch aussah. Virgil konnte nicht anders als zu lächeln.
Er kam ihm bereits ein Stück entgegen und fragte mit sanfter Stimme
„Leif… bist du verletzt? Geht es dir gut?“
Doch statt einer Antwort kam….. ein ganz schön heftiger Axtschlag! Mit dem Virgil überhaupt nicht gerechnet hatte. weshalb es ihm gerade noch so irgendwie gelang sein Kruzifix zu heben, um den Schlag zu blocken. Allerdings war er so hart.. dass Leif das Kreuz in zwei Teile hackte und es Virgil keinerlei Schutz mehr bot.
Der Angriff kam so überraschend, dass Virgil dabei auch nach hinten gestolpert und zu Boden gefallen war.
Mit geweiteten Augen sah er zu ihm hoch, denn er hatte nichts, außer sein kleines Jagdmesser, das ihm helfen könnte auch den nächsten Schlag zu parieren.
„Leif!!! Was machst du da?? ich weiß du bist wütend auf mich aber…“
Virgil rollte sich zur Seite, um auszuweichen, als der nächste Schlag folgte. Hatte der Isländer hier gerade wirklich vor ihn zu töten?!
Er rappelte sich so schnell er konnte wieder hoch, um zumindest halbwegs agil zu bleiben. Würde Leif nun aber niemals angreifen. Er verstand überhaupt nicht was in ihn gefahren war. Doch wenn er länger hinsah dann.. war sein Anblick gerade schon ziemlich beängstigend. War Leif überhaupt bei Sinnen? Oder hatte bereits die Verwandlung zum Zombie begonnen und er befand sich deshalb in einer solchen Raserei?
„Leif!!! bitte!! ich bin es doch.. Virgil!! Bitte hör auf.. und lass uns reden!“
Er wusste nicht, wie lang es ihm noch gelingen würde auszuweichen. Und das tat es auch nicht mehr. Denn der nächste Schlag traf ihn oder besser gesagt, streifte ihn glücklicherweise nur. Wodurch Leifs Axt dennoch einen tiefen Schnitt auf Virgils Brust hinterließ. Wodurch ihm auch… seine Kette vom Hals getrennt wurde und zu Boden fiel.
Erschrocken fasste Virgil auf den weißen Stoff, den er gerade trug und sah mit Entsetzen, wie er sich blutrot färbte…

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
zuletzt bearbeitet 02.05.2022 20:33 | nach oben springen

#137

RE: Meer

02.05.2022 21:17
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Leif spürte nicht, wie sein Herz raste, denn es war nicht mehr da. Stattdessen klaffte dort ein Loch, das immer mehr Dunkelheit in seine Seele ließ. Die Gestalt, die er vor sich sah und die Virgils Gesicht trug ... sie durfte ihn nicht erreichen. Weder mental noch körperlich. Leif musste jetzt stark sein. Keinen Blick auf diese wunderschönen Augen erhaschen, in denen er bis vor kurzem noch so gern versunken war. Die von so einem satten Braun waren, dass es ihn an das Holz seines Bootes erinnerte oder an Yggdrasil selbst. Und auch diese Stimme ... die ihm so viele schöne Dinge eingeflüstert hatte, ihm Versprechungen gemacht hatte ... der durfte er auch nicht folgen. Es war eine Prüfung und eine Chance, was sich hier gerade auftat. Aus welcher der Welten diese Kreatur auch kam, es war nicht Midgard, und Odin hatte sie ihm geschickt, damit er die Bindung zu Virgil kappen konnte. Damit er ... nicht mehr an diesem unbändigen Schmerz verging. So musste es einfach sein!
Leif zerteilte das Kruzifix in zwei Hälften mit solch einer Genugtuung, dass er sogar kurz grinste. Doch darin lag nichts Freundliches oder Humorvolles. Er setzte sofort nach, zögerte auch nicht, als der falsche Virgil sich rausreden wollte.
»Hafðu hljóð (Sei still)«, sagte er rau, wobei seine Stimme vor Dunkelheit troff. Da war nichts Sanftes oder Niedliches mehr. »Það verður að vera (Es muss sein)!«
Also nein ... sie würden nicht reden! Leif musste die Stärke finden, dieses Abbild zu zerstören, so sehr es sich auch danach anfühlen würde, wirklich Virgil umzubringen.
Der nächste Axtstreich traf das Wesen. Ein weiteres Kreuz fiel zu Boden. Zwei Hürden waren zerstört, jetzt fehlte nur noch Virgil selbst, um das Band zu kappen. Während die Kreatur zusah, wie sich der Stoff rot färbte, trat Leif gezielt gegen ihren Bauch, damit sie nach hinten umkippte. Breitbeinig stellte er sich über Virgil, einen Fuß platzierte er auf die Wunde, damit die Kreatur nicht aufstand. Dann hob er die Axt zum letzten Streich. Ein minimales Zögern folgte, nur wenige Sekunden. Wollte er das wirklich? Er liebte Virgil und er würde ... nie wieder jemand anderen lieben. Aber wie sollte er mit diesem Schmerz weiterleben? Odin bot ihm diese Möglichkeit, er sollte sie nutzen, um an Stärke zurückzugewinnen. Das hier war ... nicht Virgil. Er war es nicht!!!
»Fyrirgefðu (Es tut mir leid)«, raunte Leif, was an den wahren Waliser gerichtet war, auch wenn dieser es niemals hören würde. Dann packte er die Axt fester und wollte zuschlagen.
Doch da flog ihm auf einmal etwas laut Krächzendes und Befiedertes ins Gesicht. Zerkratzte ihn mit Krallen. Leif glaubte, Odins aufgebrachtes Brüllen im Wind zu hören. Die Attacke zwang ihn, zurückzuweichen. Seine Äxte landeten im Gras und Leif ging auf die Knie. Der Rabe ließ von ihm ab und setzte sich ihm gegenüber auf den Boden. Sah ihn vorwurfsvoll an, und dann zu Virgil. Ein leises Krähen folgte, dann hopste er zu dem Christen ... der doch nicht falsch war? Warum sonst sollte sich der Rabe nun neben seinem Kopf niederlassen und ihm so liebevoll mit dem Schnabel an den Haaren ziehen. Ein letztes aufforderndes Krächzen, dann flog er wieder in die Baumwipfel, um weiter ein Auge auf sie zu haben.
Leif starrte von Virgil auf seine eigenen Hände und wieder zurück. Der Wahn des Zorns und der Finsternis fielen von ihm ab, langsam ... aber stetig. Und mit jeder Sekunde wurde ihm klarer, was er getan hatte. Fast getan hatte. Aber verletzt hatte er die Liebe seines Lebens in jedem Fall. Womöglich so schwer ... dass er verbluten würde? Hastig krabbelte Leif nun zu Virgil und besah sich sein Werk. Ihm fehlten die Worte, alles, was er sagen könnte, blieb ihm im Halse stecken. Doch den Schock konnte man ihm im Gesicht ablesen. Fahrig suchte er nach etwas, womit er die Blutung stoppen konnte, doch alles ... war voller Beißermatsch.

@Virgil Chadburn

zuletzt bearbeitet 02.05.2022 21:26 | nach oben springen

#138

RE: Meer

02.05.2022 21:48
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil…… hatte wirklich nicht den Hauch einer Ahnung, welcher Film sich da gerade in Leifs Kopf abspielte. Vielleicht hätten sie während ihrer, leider sehr kurzen, Beziehung doch mal über seine dunkle Seite reden müssen? Bzw. darüber, wie er mit Verletzung und Enttäuschung umging? xD Nicht das es Virgil verschreckt hätte aber.. dann würde ihn das hier vielleicht nicht so völlig aus der Bahn werfen und käme nicht so unerwartet.
Denn im Moment war Virgil vollkommen überfordert mit dieser Situation. Leif wirkte.. wie von Sinnen! Wie er da irgendwelche Dinge zu ihm auf Isländisch sagte, die er nicht verstand. Und einfach auf ihn einschlug, als wäre er die Wurzel allen Übels!
Sie hatten sich getrennt und Virgil ihn verletzt ja….. aber deshalb so extrem zu reagieren war schon.. ziemlich bedenklich oder?
Virgil bekam aber gar keine Gelegenheit wirklich darüber nachzudenken. Denn er kämpfte hier gerade um sein Überleben. Gegen den Mann…. dem er vor wenigen Tagen noch seine Liebe gestanden hatte.
Das war doch total verrückt!
Worte schienen überhaupt nicht bei Leif anzukommen, weshalb er letztlich nichts mehr sagte, sondern nur noch versuchte irgendwie etwas Abstand zwischen sie zu bringen.
Doch ein Mensch im Blutrausch, dessen Adrenalin durch seine Adern brauste war nur schwer bis unmöglich zu stoppen. Denn er entwickelte manchmal fast übermenschliche Kräfte.
Und Virgil hingegen saß nur der Schock in den Gliedern, wodurch er viel langsamer und behäbiger wurde. Keine gute Kombi!
Die letztlich auch dazu führte, dass er verletzt wurde. Aber nicht nur das. Ehe Virgil sich das Ausmaß der Verletzung ansehen konnte.. wurde er auch noch gegen den Brustkorb getreten und fiel nach hinten. Was höllisch schmerzte!! genau so musste es sich im Fegefeuer anfühlen. Nur das dieser Schmerz dort dauerhaft war.
Er keuchte und ächzte und wollte sich hoch rappeln. aber ehe er sich versah.. spürte er einen Druck auf seiner Brust, der ihn auf dem Boden hielt. Ihm fast den Atem raubte und wieder dieser grässliche Schmerz seine Venen fuhr. Es brannte und stach einfach überall und Virgil fasste reflexartig sofort an Leifs Bein, um zu versuchen es von sich zu schieben.
Das Messer hatte er bei seinem Fall auch verloren und keine Chance es nun zu erreichen.. er war dem wild gewordenen Wikinger also gerade völlig ausgeliefert. Und das erste Mal seit sie sich kannten… hatte Virgil tatsächlich Angst vor ihm.
Ein letzter verzweifelter Blick in Leifs Augen folgte, als dieser die Axt hob und dann….. schloss Virgil die Augen und machte innerlich seinen Frieden. Er murmelte noch ein leises Gebet.. und hoffte, man würde ihm am Himmelstor Einlass gewähren.

Statt von flauschigen Wölkchen empfangen zu werden hörte er jedoch ein Krächzen und hektischen Flügelschlag. Der Druck auf seiner Brust wurde mit einem Mal weniger, weshalb Virgil die Augen wieder öffnete.
Fassungslos beobachtete er dieses Schauspiel. Wurde Leif gerade wirklich…. von einem Raben attackiert? Raben taten sowas nicht… eigentlich. Das lag nicht in ihrer Natur. Also was hatte das zu bedeuten? Virgil hob den Kopf etwas, war jedoch unfähig sich zu erheben, da ihm der Schock immer noch in den Knochen steckte. Also blieb er liegen…. bis der Rabe plötzlich zu ihm hopste und begann an seinen Haaren zu zupfen.
Total verwirrt…. blickte Virgil ihm in die kleinen, dunklen Augen und fragte sich, ob dieser Rabe ihn gerade wirklich bewusst gerettet hatte. Ob es nicht bloß ein Rabe war sondern…. tatsächlich einer von Leifs Göttern? Denn dass es nicht sein eigener sein konnte…. das war ihm bewusst. Nichts war von ihm gekommen, um ihm zu helfen. Er hätte wohl einfach zugelassen, dass Virgil hier gespalten wurde, obwohl er ihm in den letzten Wochen doch wirklich sein gesamtes Leben verschrieben hatte! Aber für solche Gedanken war nun kein Platz. Stattdessen sah er dem Raben einfach nur stumm und entgeistert nach… als dieser wieder hoch in die Bäume flog.
Denn da war ja noch was. Er war verletzt! und Leif würde womöglich gleich zum nächsten Schlag ausholen. Also musste er seine Kräfte zusammen nehmen und sich aufrappeln! um wenigstens sein Messer zu erreichen.

Doch es kam kein weiterer Schlag. Stattdessen kniete Leif vor ihm und.. der Irrsinn schien langsam wieder von ihm abzulassen. Aber konnte er sich da sicher sein? Als Leif näher kam da.. zuckte Virgil nämlich automatisch zurück und robbte etwas von ihm weg. Er packte sich sein Messer.. nur zur Vorsicht und schob sich dann an einem Baumstamm hoch, um wieder auf die Beine zu kommen.
Er tastete auf seine Brust.. das ganze Shirt war bereits feucht und rot und es graute ihm ehrlich gesagt ein bisschen davor, es nun anzuheben, um das gesamte Ausmaß der Verletzung zu betrachten. Aber das musste er. Er musste wissen, ob er die Blutung sofort stoppen musste oder ob ein Verband zu Hause reichen würde. Es sich vielleicht schlimmer anfühlte als es eigentlich war. Weswegen er sich das Shirt förmlich vom Körper riss. Es lag durch den Schlag ja ohnehin bereits in Fetzen. Und statt es weg zu werfen drückte er mit dem Stoff nun auf seine Wunde.
Er wusste nicht was gerade in Leif vor sich ging. Ja.. er sah geschockt aus aber.. konnte er ihm gerade wirklich trauen? Was war das eben gewesen?
Allerdings spürte er ganz deutlich, dass er aus einem Grund hier war. Dieser Rabe.. hatte ihn zu Leif geführt. Und Virgil.. durfte ihn nun nicht einfach im Stich lassen.
Schon verrückt, dass er daran dachte ihn zu retten, obwohl es eigentlich er war, der schwer verletzt war.
Dennoch hielt es ihn davon ab nun zu gehen.. denn all diese Zeichen.. das war kein Zufall. Leif brauchte ihn. Das spürte er deutlich.
„bist du nun…. bereit wieder in.. meiner Sprache mit mir zu sprechen….?“
versuchte er sich ja sogar an einem kleinen, wirklich dummen Scherz. Aber vorhin hatte Leif wirklich so gewirkt als wäre er besessen und bräuchte einen Exorzisten XD. Vielleicht hätte Virgil etwas besser Isländisch lernen sollen, dann wäre ihm all das nicht so extrem befremdlich vorgekommen..

@Leif Tyrson


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#139

RE: Meer

02.05.2022 22:23
Leif Tyrson Leif Tyrson (gelöscht)
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Das hier ... war ehrlich gesagt auch für Leif neu. Ja, er war schon in die Dunkelheit hinabgestiegen, ganz besonders nach dem Tod seiner Eltern. Aber dabei hatte er sich nie so vergessen, höchstens den Beißern gegenüber. Normalerweise reichte Einsamkeit und die Zwiesprache mit den Göttern, um wieder Lichter in seiner Seele anzuzünden. Erst beim Angriff von Negan, als er gegen andere Menschen bis auf den Tod hatte kämpfen müssen ... da war der Kontrollverlust plötzlich ganz nah gewesen. Aber auch da hatte er es geschafft, sich ihm zu erwehren. Doch diese Sache mit Virgil? Er fühlte sich, als hätte man ihm das Herz aus der Brust gerissen. Selbst der Tod geliebter Menschen war nicht so grausam, denn bei ihnen wusste er, er würde sie wiedersehen. Zumindest die geringe Chance darauf bestand. Virgil hatte etwas Wunderschönes in sein Leben gebracht, mit dem er nie gerechnet hatte und das sich niemals in Worte fassen lassen würde. Aber er hatte es ihm gleichsam genommen, oder vielmehr sein Gott. Es gab keine Lösung für ihr Problem, auch wenn Leif in den letzten Wochen wirklich nach einer gesucht hatte. Sie würden in diesem Leben nicht zusammen sein können und in der Nachwelt auch nicht. Diese Wunde würde niemals heilen und sein Herz sich nicht mehr zusammensetzen können. Es sei denn, Leif nutzte diese eine Gelegenheit hier, die Odin ihm offenbar bot. Aber um sie nutzen zu können, musste er wirklich alles von sich vergraben, sonst würde er es nicht schaffen. Somit waren seine Angriffe hart und schnell, nur darauf gerichtet, es schnell zu beenden.

Ein Glück verhinderte Odins Rabe das! Zwar wusste Leif im ersten Moment nicht, was er falsch gemacht hatte, doch da sein Augenmerk nun vom Schlachten abgelenkt wurde und er ... endlich mal richtig nachdachte ... da dämmerte es ihm dann doch recht schnell. Es erfüllte ihn für einen Moment auch mit Stolz, weil seine Götter über Virgil wachten und sich ihm zuwandten. Hätte er selbst ihren Willen doch nicht so vollkommen falsch verstanden! Wie hatte er nur glauben können, Virgil wäre eine Kreatur aus einer anderen Welt? Was für einem Wahn war er da verfallen? War er verrückt? Sollte selbst ein kriegerischer Wikinger nicht erkennen, wenn er jemanden vor sich hatte, den er liebte, und dann mit seiner Zerstörung aufhören?
Er näherte sich Virgil, denn nun, wo der Blutdurst fort und von Schock und Entsetzen ersetzt worden war ... da wollte er ihm helfen. Dafür sorgen, dass er überlebte. Das war doch das Mindeste! Natürlich schreckte Virgil vor ihm zurück, das war absolut verständlich ... tat deshalb aber nicht weniger weh. Ein Glück war sein Herz schon tot ... so zog sich nur sein Bauch kläglich zusammen, sodass es sich anfühlte, als würden seine Eingeweide kochen.
Virgil würde ihn nicht an sich ranlassen, hm? Weswegen auch Leif aufstand und ein wenig bedröppelt vor ihm stehenblieb. Ihn sich selbst das Hemd ausziehen ließ ... nun konnten sie beide betrachten, was Leif getan hatte. Vor lauter Blut war die Wunde gar nicht richtig zu sehen, aber dass ... Virgil stehen und selbst Druck auf die Verletzung ausüben konnte, war wohl ein gutes Zeichen. Leif würde verstehen, wenn er ihn jetzt einfach hier stehenlassen würde. Aber Virgil blieb und ... sprach ihn an. Mit einem humorvollen Spruch. Das war ... das hatte Leif überhaupt nicht verdient. Und so jämmerlich er sich dabei auch fühlte und obwohl Virgil verletzt war ... er sank nun erneut auf die Knie und konnte die Tränen der Schuld und des Schocks einfach nicht mehr zurückhalten. »Es ... es tut mir leid«, schluchzte er, wohlwissend, dass das überhaupt nichts gut machen würde. Aber wenigstens einmal musste er es aussprechen. Und dann sah Virgil ungeschönt, was von seinem geliebten Leif noch übrig war, hinter der Fassade aus Zorn und Dunkelheit. Nicht mehr viel. Es war nie viel dort gewesen, wenn man den Isländer fragte, aber jetzt gerade wusste er überhaupt nicht mehr, wer er war und wie er sich von dieser Schuld, Virgil beinah kaltblütig umgebracht zu haben, jemals reinigen könnte.

@Virgil Chadburn

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#140

RE: Meer

02.05.2022 22:50
Virgil Chadburn Virgil Chadburn (gelöscht)
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Virgil wusste nun wenigstens was die Leute aus seiner Kolonie gemeint hatten, als sie davon erzählten wie grausam und barbarisch die Wikinger sein konnten.
Denn das zeigte Leif ihm hier gerade sehr deutlich. Und trotzdem… auch wenn er gerade unter Schock stand und Angst davor hatte, dass er ihm seine Axt in den Schädel rammen könnte… trotzdem wusste er, dass auch noch eine völlig andere Seite in Leif schlummerte. Die liebevolle, besonnene und fürsorgliche, die er ihm so oft gezeigt hatte.
Virgil wusste auch…. dass Leifs Zustand nun seine Schuld war. Er hatte erst alles dafür getan, um sein Herz zu gewinnen und dann.. nachdem er es ihm geschenkt hatte, zertrümmerte er es mit voller Wucht! Da war es wohl nur fair, wenn Leif versuchte dasselbe zu tun. Wenn auch nicht metaphorisch sondern.. tatsächlich mit einer Axt. Doch der Schmerz war wohl derselbe.
Virgil konnte Leif also selbst diese Aktion nicht wirklich übel nehmen oder wütend deswegen auf ihn sein.
Ganz im Gegenteil.. er war vielmehr besorgt. Weil er ihn so noch nie erlebt hatte. Und das Gefühl bekam, Leif hätte sich völlig selbst aufgegeben. Und er war es, der diesen Prozess ausgelöst hatte. das zu sehen und zu wissen.. schmerzte viel mehr als der Schnitt auf seiner Brust. Ihm hingen keine Eingeweide oder dergleichen raus, also konnte es wohl nicht so schlimm sein. Nähen musste man die Wunde zwar mit Sicherheit und es würde wohl eine hässliche Narbe zurück bleiben aber Virgil würde wohl nicht augenblicklich daran verbluten. Zum Glück hatte er ihn ja nicht mit voller Wucht getroffen. Sonst wäre sein Brustkorb nun gespalten.

Ob das wirklich Odins Rabe war oder vielleicht auch diesmal Leifs Vater? Diese Vorstellung fand Virgil sogar noch schöner. Denn das hieße doch.. er gab ihnen ihren Segen. Was eigentlich keine Rolle mehr spielte, da die Welt trotzdem unfair und grausam zu ihm war. Aber trotzdem… löste es eine unerwartete Wärme in Virgils Herzen aus, solche Gedanken zu hegen.
Oder aber sein Vater machte sich wahnsinnige Sorgen um Leif, weil er sich auf einem dunklen Pfad befand und sah keine andere Möglichkeit, außer Virgil zu ihm zu schicken, um ihn zu ‚retten‘? Auch das war eine Option. und Virgil würde sicher nicht versagen.

Denn plötzlich.. da wirkte Leifs Aura wieder vollkommen anders. Egal wie blutbesudelt und schmutzig er auch war.. diese Bedrohlichkeit, diese dunklen Flammen, die waren plötzlich fort. Weshalb Virgil sich auch nicht länger vor ihm fürchtete. Denn in diesem Zustand… würde er ihn gewiss nicht neu attackieren. Vielmehr regte sich sein Mitgefühl und seine Sorge. Denn Leif ging es ganz offensichtlich wirklich schlecht.
Virgil war auch seit Wochen unglücklich… aber trotzdem war er nicht so sehr von seinem Weg abgekommen wie Leif. Und das zu sehen tat wahnsinnig weh.
Auch noch den Rest seines Herzens hatte er aber augenblicklich erweicht… als Leif wirklich begann so bitterlich vor ihm zu schluchzen.. und dabei auf die Knie sank. In diesem Moment vergaß Virgil sogar kurz, dass er verletzt war. Weil er einfach nur zu ihm wollte.. um ihn zu trösten.. Weswegen auch er zu ihm wankte und ebenfalls vor ihm auf die Knie sank, um seine Stirn gegen die von Leif zu legen und die Hand in seinen Nacken ehe er flüsterte
„shh… es ist… alles gut.. deine Götter haben uns beschützt….“
Nämlich nicht nur Virgils Leben. Sondern auch Leif, der… schlussendlich nämlich mit Sicherheit völlig daran zerbrochen wäre, wenn ihm später bewusst geworden wäre, dass er Virgil getötet hatte. Somit hatten sie Virgils Leben und Leifs Seelenheil gerettet. Und auch wenn es vielleicht blasphemisch von Virgil war so etwas zu sagen. Es lag in diesem Moment einfach so klar vor ihm auf der Hand, dass er es einfach nicht verleugnen konnte oder gar wollte..

Ewig hier knien konnte Virgil allerdings auch nicht. Denn er spürte… wie sein Shirt das Blut der Wunde kaum noch bändigen konnte und ihm wurde ein bisschen schwummerig. Er hatte zwar keine inneren Verletzungen aber so viel Blut zu verlieren war auch nicht wirklich ideal.
„allerdings wären sie wohl wirklich sauer… wenn ihre Mühen umsonst gewesen wären und ich nun hier auf der Stelle umkippe. Deshalb muss ich nun… dringend meine Verletzung versorgen Leif…“
auch wenn er am liebsten nie wieder von ihm ablassen wollte. denn egal wie grässlich das hier gerade alles war. ihm so nahe zu sein und ihn zu berühren das… war das erste Mal seit Wochen, dass er endlich wieder etwas fühlte. Etwas außer Scham und Schuld. Und das, obwohl er gerade schwer verletzt war. Was ein ganz schönes Armutszeugnis für seine Verlobte war…. aber so war es nun mal. An wen man sein Herz verlor konnte man sich einfach nicht aussuchen.
„…..würdest du mir helfen?“
Fragte er ihn schlussendlich und löste sich langsam von ihm. Schenkte ihm dabei sogar… ein kleines, zuversichtliches Lächeln. Damit Leif sich nun nicht weiter in seiner Verzweiflung verlor sondern eine Aufgabe hatte. Etwas, wie er seine Tat wieder gut machen konnte und abgelenkt sein würde. Zwar hatten sie kein Verbandszeug aber… vielleicht war ja noch etwas in dem Leuchtturm, von dessen Existenz Virgil natürlich absolut nichts wusste. wenn nicht mussten eben… Blätter oder so helfen…

@Leif Tyrson


Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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