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WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
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01.01.26 Frohes neues Jahr!
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Floyd Webber, Scarlet Rainthworth, Daryl Dixon und Duo Maxwell sind die Admins im Forum. Scar und Duo bilden die Front, während sie von Floyd und Daryl im Hintergrund unterstützt werden. Grafik und Design stammt von Daryl Dixon <3
Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
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THE DEAD DON’T DIE
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Grausam und barbarisch zeigte sich wohl so gut wie jeder im direkten Kampf. Nur dass Schusswaffen in der Regel nicht so viel Gemetzel anrichteten wie eine Axt. Wer jedoch gegen Beißer kämpfte, sah wohl recht schnell so aus wie Leif gerade. Es lag dann eher an der mörderischen Aura, die er bis eben noch ausgestrahlt hatte. Er war bereitgewesen, bis zum Äußersten zu gehen, hatte sich unzerstörbar und stark gefühlt. Voll mit Adrenalin gepumpt und als würde er das Richtige tun.
Jeder trug gewiss so eine dunkle Seite in sich und durch die Apokalypse wurde sie mehr herausgefordert. Leif eigentliches Wesen war jedoch das komplette Gegenteil. Weswegen die Kluft auch so groß war und der Übergang so weit. Wer wusste, wie oft er es noch zurück zu seinen Wurzeln schaffen würde? Jetzt schaffte er es nur dank Odin und ... dank Virgil. Selbst wenn auch sein Vater die Hand mit im Spiel hatte, der Rabe kam definitiv vom Allvater. Leif konnte sich darüber aber gerade noch keine Gedanken machen. Er war im höchsten Maße verwirrt und neben der Spur. Sah nur noch das Blut, das aus Virgils Blut tropfte ... aus der Wunde, die er ihm zugefügt hatte. Dem Mann, den er liebte und um den er trauerte.
Und jetzt ... überfielen ihn all die Gefühle. Es war, als würden sich die Splitter seines Herzens in seine Adern drücken, damit er den Schmerz bloß überall spürte. Selbst wenn es noch eine Chance für sie gegeben hätte ... nun hatte Leif sie zerstört. Und so weinte er, zum ersten Mal, seit Virgil ihn verlassen hatte. Er weinte um ihre Beziehung und wegen dem, was er ihm soeben angetan hatte. Würden nun verächtliche Worte kommen, er würde es verstehen. Stattdessen ... spürte er plötzlich Virgils Präsenz direkt vor sich. Atmete seinen Duft ein, just bevor sie sich Stirn an Stirn gegenübersaßen und Virgil sogar die Hand in Leifs Nacken legte. So nah ... waren sie sich seit Wochen nicht mehr gewesen. Schon das allein ... sorgte dafür, dass Leif die Fasern seines Herzens wieder spürte ... aber diesmal nicht schmerzerfüllt, sondern heilend.
Virgil hatte recht ... die Götter hatten sie beschützt. Sie beide. Weswegen Leif sachte nickte und nun ebenfalls die Hand hob, um sein Gegenüber zu berühren. Ganz vorsichtig nur ... ihm über die Wange strich. So gern hätte er ihn jetzt geküsst, aber er wagte es nicht. Er wollte nicht gegen Virgils Willen handeln und verdient hatte er diese Zärtlichkeit auch nicht.
Außerdem war Virgil immer noch verletzt! Leif hatte nun wirklich genug angerichtet, nun trödelte er auch noch herum. Auch jetzt verblieb er noch eine letzte Sekunde mit geschlossenen Augen in dieser Position, bevor er endlich aufstand und Virgil unter den Schultern packte, um ihm zu helfen. Denn natürlich kam er diese Bitte nach!
Die Frage, ob er ihn stützen durfte, stellte sich nicht, es war nötig, wenn sie von hier wegkommen wollten. »Mein alter Leuchtturm ist in der Nähe. Dort ... müsste noch Verbandszeug sein.« Wenn ihn denn niemand geplündert hatte, zum Beispiel zwei gewisse sexsüchtige Herren, die dort ständig eingekehrt waren. xD
Irgendwie schafften Leif und Virgil es dorthin. Der Rabe flog in den Lüften über ihnen Kreise und krächzte manchmal ermutigend. Wenn er in der Ferne am Ufer Beißer sehen würde, würde er sie gewiss warnen. Aber dort waren keine. Und der Leuchtturm war auch verlassen. Leif half Virgil zu seinem alten Bett, damit er sich dort drauflegen konnte, und strich ihm noch einmal kurz über den wirren Schopf. »Ich bin gleich wieder da.«
In seinen Truhen fand er noch so gut wie alle Sachen. Manches war fort, aber es war eher, als hätten sich Wanderer hier hin und wieder etwas geborgt, wenn sie Rast gemacht hatten. Damit konnte Leif leben ... die Hauptsache war gerade ohnehin, dass sein Medizinkasten noch gefüllt war. Also ging er damit zu Virgil und breitete alles aus. Auch eine Flasche Wasser hatte er noch gefunden, mit der er die Wunde reinigen könnte. Das wäre sicher angenehmer als mit dem salzigen Meerwasser. Es tat gut, sich jetzt auf die einzelnen Schritte zu konzentrieren, die nötig waren, um den Waliser zu verarzten. Erst als alles getan war, ließ Leif von ihm ab und murmelte: »Ich ... vielleicht finde ich noch etwas zu essen.« Vielleicht würde Virgil ja einschlafen? Und Leif war beschäftigt ... das war besser, als nun zur Ruhe zu kommen. Ruhe würde ein Gespräch bedeuten, aber eines, das sie vielleicht besser gar nicht führen sollten?
@Virgil Chadburn



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Ja, auch Virgil hatte schon häufiger so blutbesudelt ausgesehen wie Leif. Aber das was er gerade in Leifs Augen erblickt hatte…. das war es, das ihm Angst machte. Nicht seine äußere Hülle. Aber alles was ihn umgab und seine Seele widerspiegelte. Er schien so.. schrecklich verloren zu sein und das war ein Zustand, den Virgil einfach nicht ertragen konnte. Wohl wissend, dass er ihn ausgelöst hatte… aber das machte es nicht leichter für ihn! Nein, nur noch schwerer…
Aber die dunkle Seite verschwand rasch wieder und machte.. Verzweiflung Platz. Resignation? Völliger Leere?
Virgil wusste nicht, was gerade in Leifs Kopf vor sich ging. Er konnte nur sehen.. wie sehr er litt.
Also konnte er sich nun einfach nicht von ihm abwenden. er brachte es nicht übers Herz. Und genau das hatte er damals gemeint. Als er erklärt hatte… warum er nicht bei ihrem Treffen aufgetaucht war. Nicht weil er die Ausgeburt der Hölle war… sondern weil er ihn einfach so abgöttisch liebte und seine Gefühle in seiner Nähe einfach verrückt spielten. Er keine Kontrolle mehr darüber hatte.
Die Angst.. war längst wieder verflogen. Was er Leif mit seiner fürsorglichen Geste zeigte. Denn die Stirn an die seine zu legen, war eines der intimsten Dinge, die sie je miteinander geteilt hatten. Und das obwohl sie miteinander geschlafen hatten. Aber in solchen Momenten.. fühlte er sich ihm einfach am aller verbundensten. Und er glitt mit seiner Hand von seinem Nacken hin zu seiner Wange.. um die Tränen fort zu wischen, die irgendwann in seinem wilden Bart versiegten.
Virgil wusste.. er hatte das Recht verwirkt ihn zu berühren. Und doch konnte er einfach nicht anders, so stark fühlte er mit dem Isländer mit. Und doch musste er ebenfalls dem Drang widerstehen ihn nun zu küssen. Obwohl er nichts lieber täte als das.. aber es ging einfach nicht.
Zumal sie sich vorher wirklich wichtigeren Dingen widmen mussten, sonst müsste Leif Virgil irgendwann wirklich noch zurück zur Church tragen, weil er hier ohnmächtig wurde wegen dem Blutverlust.
Aber stattdessen packte er ihn unter den Schultern und Virgil.. machte keine Anstalten sich dagegen zu wehren. Er kam trotz Schmerzen nicht umher, manchmal immer wieder etwas verstohlen zu ihm rüber zu blicken, während sie einander so nahe waren… das war wirklich die reinste Folter. Denn kaum dachte er , sein Herz würde vielleicht langsam vergessen wie es sich anfühlte zu lieben und sich an den Zustand der Taubheit gewöhnen.. da traf er Leif wieder. und er erinnerte ihn an alles und zwar wirklich alles wozu ein Herz im Stande war zu fühlen! Das war hart! denn nun würde es ihm wieder viel schwerer fallen danach zurück zu seiner Verlobten zu gehen.
Sie gingen also zu seinem Leuchtturm? Ein ziemlich bedeutsamer Ort für Leif, das wusste Virgil. Unter anderen Umständen wäre das ein wahnsinnig romantischer Ausflug gewesen. Doch leider durften sie auch das nicht zulassen..
Stattdessen blutete Virgil Leif nun das Bett voll, in welchem er wohl viele Nächte verbracht hatte. Merkte aber auch, wie wahnsinnig erschöpft er wegen dem Blutverlust war. Weshalb er froh darüber war, sich etwas hinlegen zu können, während Leif das Verbandsmaterial suchte und ihn anschließend verarztete. Nähen musste er es dann in der Kirche lassen.. aber für die kommenden Stunden würde es so reichen.
Virgil saß auf dem Bett, denn im Liegen konnte man ihn ja schwer verarzten und trug nun einen Verband um den gesamten Oberkörper
„ich danke dir…“
völlig egal, ob Leif die Wunde verursacht hatte oder nicht. Er war ihm trotzdem dankbar dafür, dass er ihm nun half und sich um ihn kümmerte. Nach allem was er ihm seelisch angetan hatte…. auch Virgil hatte so viel Nächstenliebe eigentlich nicht verdient.
Und Leif schien auch nicht so recht zu wissen wohin mit sich und seinen Gefühlen. Weshalb er aufgeschreckt im Leuchtturm herum lief und eine Aufgabe nach der anderen suchte.
Virgil hingegen.. brauchte nun einfach nur ein bisschen Ruhe und….. Nähe.
Weshalb er nicht darüber nachdachte, als er nach Leifs Hand fasste, um ihn aufzuhalten. Als dieser was zu essen suchen wollte
„Warte… bitte.. geh nicht. Bleib bei mir…“
Er war nicht hungrig und würde ohnehin keinen Bissen runter bekommen. Alles was er nun wollte war…. dass Leif sich zu ihm aufs Bett setzte und Virgil den Kopf auf seiner Schulter ablegen konnte.. dabei mussten sie auch gar nicht reden. Virgil wollte ihm einfach nur… nahe sein.
Daran war nichts Verwerfliches oder? Seine Hand zu halten und den Kopf bei ihm abzulegen war.. doch noch kein Betrug. Denn auch wenn Virgil das Mädchen keineswegs liebte, mit dem er verlobt war.. er war trotzdem kein Arschloch, das andere betrog. Egal wie sehr er sich auch nach Leif sehnte, diese Grenze würde er nun nicht überschreiten. Das durfte er einfach nicht denn…. er hatte ein Versprechen gegeben.. nicht nur ihr, sondern auch seinem Gott…
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Virgil hätte ihn niemals so sehen dürfen. In der Church hatte Leif alles an Stolz und Stärke zusammengekratzt, das er gefunden hatte, war kalt geworden und unnahbar. Damit der Waliser nicht erkennen würde, wie schwer ihn diese plötzliche Trennung wirklich traf. Jetzt wurde er mit dem völlig aufgelösten Leif konfrontiert und dieser ... hätte das wirklich gern verhindert. Niemand sollte ihn so sehen. Aber am allerwenigsten Virgil.
Leif verstand nicht, warum er ihm so nahekam, er müsste ihn doch abstoßend und verrückt finden. Ihn hassen und verurteilen, weil er dermaßen die Kontrolle verloren hatte. Sogar ihn töten wollte! Stattdessen tröstete er ihn mit Gesten und mit Worten. Es war bittersüß ... denn natürlich wollte Leif sich jetzt am liebsten in seinen Armen vergraben, ihn küssen und um seine Vergebung ersuchen. Aber es ging nicht. Sie waren nicht mehr zusammen, Virgil war verlobt und ein Recht hatte Leif sowieso nicht mehr auf irgendwas davon. Eigentlich sollten sie beide ihres Weges gehen ... aber wie sollte das funktionieren, wenn sich ihre Herzen wie zwei Magnete gegenseitig anzogen? Selbst wenn das von Leif in Splittern lag, es reagierte immer noch auf Virgil.
An der Wunde war rein gar nichts gut, aber sie sorgte dennoch dafür, dass sich die beiden nicht vergaßen. Denn mit jeder Sekunde war die Sehnsucht schwerer auszuhalten gewesen. Da Virgil ihn um Hilfe bat, brachte Leif auch den Mut auf, ihn auf die Beine zu stellen und auf dem Weg zum Leuchtturm zu stützen. Er war das erste Mal dort, seit er ihn vor Jahren verlassen hatte, aber daran dachte er gerade wirklich nicht mehr. Sein Fokus lag darauf, Virgil zu verarzten, damit er nicht verblutete. Hoffentlich würde er in der Church Medikamente gegen Entzündungen bekommen, denn ... an Leifs Axt war ziemlich viel Beißerblut gewesen. Wunden waren immer ein hohes Risiko, die Gefahr war also nicht wirklich ausgestanden, nur weil die Blutung so langsam aufhörte. Die Gedanken daran brachten Leif schon wieder fast zum Verzweifeln ... weswegen er sich unbedingt weiter beschäftigen musste. Und Virgil brauchte Ruhe, er sah schon ganz blass aus.
»Dafür musst du mir nun wirklich nicht danken«, erwiderte er, ohne Blickkontakt zuzulassen. Doch bevor er nun gehen konnte, um nach etwas Essbaren zu suchen ... fühlte er plötzlich Virgils Hand an seiner. Wie in Trance blickte er darauf hinab und beobachtete, wie sich ihre Finger miteinander verknoteten. Das fühlte sich ... so richtig an. Aber auch so falsch. Genau wie Virgils Bitte, Leif solle bei ihm bleiben. Er war immer noch blutüberströmt und schmutzig, nur die Hände hatte er sich für die Behandlung ordentlich gewaschen und das Gesicht, damit nichts hinab tropfte. Aber der Rest von ihm und vor allem seine Kleidung kündeten immer noch von dem Gemetzel. Den Waliser schien das jedoch nicht abzuschrecken.
War es schlau, sich nun neben ihn auf das Bett zu setzen? Nein! Leif tat es trotzdem, er brauchte diese Nähe jetzt so dringend wie die Luft zum Atmen. Selbst wenn das Fehlen jener ihn in ein paar Stunden wieder um den Verstand bringen würde. Virgil legte den Kopf auf seiner Schulter ab und ... Leif breitete den Arm um seine Taille aus, um ihn halten zu können. Die warme Haut unter seinen Fingern machte ihn ganz kribbelig, aber er versuchte, nicht darüber nachzudenken. Und sagen ... tat er auch nichts. Immer noch wusste er nicht was. Und ob es klug war, mehr zu seinem Seelenzustand auszuführen. Also fragte er irgendwann etwas total Hirnrissiges. »Bist du ... schon verheiratet?« Das musste er jetzt einfach wissen, obwohl die Antwort keine Rolle mehr spielte.
@Virgil Chadburn



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Leifs Anblick löste so einiges in Virgil aus.. Dinge, die ihm wohl erst später richtig bewusst werden würden, da die Situation gerade noch so aufwühlend und angespannt war. Doch wenn ihm später klar werden würde, dass es Leif seinetwegen so schlecht ging… das würde noch ordentlich an ihm nagen. Doch es war gut und wichtig, dass er es sah. Denn er durfte bei all seinem eigenen Schmerz nicht vergessen, dass es auch noch einen anderen Part gab, der litt. Und irgendwo.. war es ja auch schmeichelhaft zu erkennen, wie sehr Leif ihn offenbar wirklich geliebt hatte… selbst wenn er noch nicht fähig dazu gewesen war, es auszusprechen.
Er fand ihn nicht eine Sekunde lang abstoßend oder hasste ihn.. dazu war er gar nicht fähig. Egal was Leif tun würde, Virgil würde ihn immer lieben. Selbst wenn er ihn mit seiner Axt entzwei gespalten hätte.. so hätte er ihn auf seinem Totenbett wohl immer noch angelächelt.
Im Moment stand Leif noch so neben sich, dass er gar nicht bedachte, dass seine Wunde mit Beißerblut infiziert sein könnte. Zwar wusste man inzwischen, dass so etwas eigentlich nicht zur Verwandlung führte, zumindest dann nicht, wenn man die Wunde ordentlich versorgte. Dennoch würde die Infektion wohl unangenehm werden. Da musste die Hochzeit wohl doch noch ein paar Wochen warten… so ein Pech aber auch. Allerdings eine willkommene Ausrede für Virgil.
Denn selbst wenn er sich dazu entschlossen hatte, schob er es dennoch immer und immer wieder auf und fand irgendwelche anderen Gründe noch zu warten..
Tief in seinem Inneren wusste er demnach also sehr wohl, dass das nicht der richtige Weg war. Doch sein Versprechen an Gott band ihn einfach daran. Ein schrecklicher Zwiespalt.
Vor allem wenn ihm erneut vor Augen geführt wurde…. wie es sein könnte. Denn sein Herz sprang schon wieder fast aus seiner Brust, nur weil er nach Leifs Hand fasste und.. sie fest hielt. Dieses Gefühl war so intensiv und schön, dass es ihn selbst die schmerzende Wunde vergessen ließ. Ja gar die ganze Welt um sie herum. Wie automatisch verkreuzten ihre Finger sich miteinander.. wodurch er Gänsehaut am gesamten Körper bekam.
Er wusste, seine Bitte war Leif gegenüber unfair. Er sollt es ihm nicht noch schwerer machen als nötig. Aber.. er konnte einfach nicht stark sein. Nicht völlig zumindest. Und so tun als wäre da nichts mehr zwischen ihnen. Er brauchte seine Nähe gerade wie die Luft zum atmen und er war wahnsinnig erleichtert darüber, dass Leif seinem Wunsch nachkam.
Sofort legte er den Kopf auf seiner Schulter ab und.. schmiegte sich ein bisschen an ihn. Auch seine Hand ließ er dabei nicht los.
Sagen tat er allerdings nichts.. denn jedes Wort hätte diese Stimmung nun wohl zerstört. Also schwieg er, schloss die Augen und.. ließ dieses Gefühl zu. Nur ein paar Minuten… mehr wollte er gar nicht. Ein paar Minuten der.. Liebe und Geborgenheit..
Auch wenn aus den paar Minuten gerne ein paar Stunden hätten werden können.. so wohl fühlte er sich gerade. Womöglich wäre Virgil nun auch einfach an seine Schulter gelehnt eingeschlafen, weil er sich so geborgen fühlte. Aber die Ruhe wurde von Leifs Frage überschattet. Bei welcher er.. den Kopf nun doch wieder anhob und ihm in die Augen blickte.
Auch seine Hand ließ er dabei nun wieder los und legte sie artig zurück auf seinen eigenen Schoß.
Schüttelte dann jedoch seufzend den Kopf.
„Nein.. bin ich nicht. Ich… konnte diesen Schritt einfach noch nicht gehen…“
Bei diesen Worten fasste er instinktiv an seinen Hals, wo normalerweise seine Kreuzkette baumelte, um sie zu umschließen. Als er da nichts fühlte… wurde ihm jedoch schlagartig bewusst, dass er sie verloren hatte!
Weshalb Virgil seinen Hals hektisch abtastete aber.. da war nichts!
„Meine Kette!! Sie muss.. noch bei den Beißerleichen liegen!! Sie war ein Geschenk meiner Eltern zu meiner Geburt… ich muss sie holen!!!“
Sagte er gar panisch und stützte sich an Leif ab, um sich hoch zu ziehen. Er konnte nun nicht hier bleiben, er brauchte diese Kette.. denn sie war alles, was ihn noch an seine Eltern erinnerte.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Leif machte eben keine halben Sachen, das hatte er wirklich so gemeint. Trotz aller offensichtlichen und weniger offensichtlichen Hürden hatte er sich vollkommen Virgil verschrieben. Sich binnen weniger Sekunden in ihn verliebt und sich eine wunderbare Zukunft mit ihm ausgemalt. Faktisch waren sie nur wenige Wochen zusammen gewesen, doch bereits in dieser Zeit war es möglich, intensive Gefühle zu entwickeln, die weit über die rosarote Brille hinausgingen. Zumindest bei Leif war es so ... der so viel Gefühl in sich trug, dass es manchmal kaum auszuhalten war. Er hatte viel zu geben, wirklich viel. Aber wenn es plötzlich ohne Vorwarnung verpuffte und ihm der Gegenpart genommen wurde ... das war einfach zu viel. Mittlerweile kam ihm alles, worüber er sich Sorgen gemacht hatte, was ihn und Balar betraf, total lächerlich vor. Lächerlich und egoistisch. Obwohl er um sein Herz wohl zurecht Angst gehabt hatte. Denn nun war es fort. Das traurige Abbild davon gehörte jedoch nach wie vor Virgil.
Das wurde ihm immer deutlicher vor Augen geführt, je länger er nun wieder mit ihm Zeit verbrachte. Wie richtig es sich anfühlte, ihm nah zu sein und zu helfen. Und wie unglaublich weh es zugleich tat. Sofort kam Leif sich wieder vor wie diese sündige Versuchung, von der Virgil gesprochen hatte. Und doch konnte er nichts dagegen tun ... er nahm seine Hand und setzte sich zu ihm auf das Bett. Ein Teil von ihm wünschte sich gar, der Waliser würde einschlafen. Er hatte ihn noch nie ruhen sehen ... sie waren immer wach gewesen, waren nie gemeinsam eingeschlafen und morgens total zerzaust nebeneinander aufgewacht. Dieses Erlebnis würden sie auch niemals teilen. Doch Leif war trotzdem sicher, er würde sich noch mehr verlieben, wenn er die entspannten Gesichtszüge eines schlummernden Virgils betrachten dürfte.
Leif zog noch ein bisschen die Decke über den Waliser. Denn er wusste, wie schnell dieser fror, wie sollte es da nur nach so einer Menge an Blutverlust sein? Er würde ja auch seine Körperwärme bieten, aber wenn er sich jetzt auch noch das Oberteil auszog, würde er nicht mehr an sich halten können. Und er wollte ja keine Versuchung sein und auch nichts herausfordern, was sie später bereuen würden. Leif wusste auch nicht ... ob er Virgil danach überhaupt wieder gehen lassen könnte, ohne erneut den Verstand zu verlieren. Schon jetzt fühlte sich das unmöglich an, obwohl sie nur nebeneinandersaßen und Händchen hielten.
Die Frage kam einfach über seine Lippen. Er musste die Antwort wissen und vielleicht wollte er unterbewusst auch diese innige und sehr schöne Situation zerstören, weil er ganz genau ahnte, welchen Schmerz die Erinnerung daran bergen würde.
Trotzdem betrachtete er traurig, wie Virgil die Hand von seiner löste.
»Noch nicht? Du hast es aber noch vor, oder?« Leif konnte nicht verhindern, dass ein kleinwenig Hoffnung in ihm keimte. Er verfluchte sich bereits, überhaupt nachgefragt zu haben. Vielleicht würde er ja gar keine Antwort darauf bekommen, was sicher besser so wäre. Virgil wurde jedenfalls plötzlich panisch und tastete seinen Hals ab. Seine Kette ... es stimmte, sie fehlte. Und Leif sah die Geschehnisse von vorhin wie im Zeitraffer an sich vorüber ziehen. Wie die Axt Virgils Brust gestreift hatte und die filigrane Kette gerissen und zu Boden gefallen war. Wie er sich darüber ... gefreut hatte, beide heiligen Symbole zerstört zu haben, die Virgil so viel bedeuteten, auch wenn seine Waffe vielleicht keinen persönlichen Wert besaß. Die Genugtuung kam ihm nun völlig fremd vor. Nun spürte er nur ein schlechtes Gewissen und er litt mit Virgil mit. Denn wenn er sich vorstellte, den Vegvisir zu verlieren ... das wäre kaum auszuhalten.
Leif stand nun auch auf und versuchte, den Waliser an den Schultern sanft, aber bestimmt wieder auf das Bett zu drücken. »Ich geh hin, du musst dich ausruhen, bitte.«
Doch warum sollte Virgil ihm vertrauen, hm? Sicher, sie hatten eben wieder schwer verliebt ineinander auf dem Bett gesessen, aber der Gedanke an den Kampf vorhin würde sicher auch den Christen daran erinnern, wem er den Verlust der Kette zu verdanken hatte.
»Ich verspreche dir, ich hole sie dir zurück. Wenn du mir nicht glaubst, weil du ... den Berserker von eben noch siehst, dann trau dem Leif, den du von vorher kennst. Denn der ist genauso echt.« Sein Blick wurde flehend, er konnte einfach nicht verantworten, dass Virgil sich jetzt verausgabte – er brauchte dringend Schonung und keinen langen Spaziergang.
@Virgil Chadburn



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Virgil schämte sich so dafür, dass er Leifs Herz gestohlen hatte und es jetzt mit einem Vorschlaghammer zertrümmerte. Obwohl er sich anderen doch ohnehin schon so schwer öffnete. Und nun? Nun würde er es wohl nie mehr wieder tun. Und das war seine Schuld. Aber Virgil… hatte dabei nicht mit böser Absicht gehandelt. Er wollte diese Zukunft mit Leif schließlich wirklich! Und es hatte Tage gegeben, da war er sich vollkommen sicher, dass sie den Rest ihres Lebens miteinander verbringen würden. Er wollte das.. nein.. nicht nur damals. Er wollte es immer noch, wünschte sich nichts mehr als das. Aber er hatte einfach nicht erwartet dass… sein Gott ihm so ein extrem deutliches Zeichen schicken würde. Eines, das er einfach nicht ignorieren konnte. Selbst wegen seiner Sünden in die Hölle zu kommen wäre eine Sache gewesen, doch andere da mit rein zu ziehen? Nicht nur Leif und ihn.. sondern auch ihre beiden Kolonien. Das wäre einfach… zu egoistisch. Er durfte nicht in Kauf nehmen, dass so viele Menschen litten, nur weil er sein Herz an einen Heiden verloren hatte. Es war doch wirklich zum Haare raufen. Sie liebten einander! Wollten dasselbe und dennoch.. war es ihnen einfach nicht vergönnt ein gemeinsames Leben in Glück und Zufriedenheit zu führen. Womit sie wirklich niemandem weh tun würden… es war so bitter..
Dachte Leif inzwischen zumindest nicht mehr, dass Virgil nur ein Spion gewesen war, der nun all seine Informationen hatte? Denn dass er nach dieser Attacke immer noch zu ihm stand und liebevoll mit ihm umging.. bewies ihm doch hoffentlich das Gegenteil. Denn wäre es anders, wäre er einfach abgehauen. Aber das konnte er nicht, nicht wenn Leif in so einem Zustand war. Er musste irgendeinen Weg finden, wie es ihm besser ging.. vielleicht konnten sie ja zumindest so etwas wie eine Freundschaft aufbauen? Auch wenn das wirklich utopisch war. Aber jetzt wo er ihn wieder sah.. konnte er sich einfach nicht länger vorstellen, dass Leif kein Teil seines Lebens war. Auf welche Weise auch immer. Freundschaften waren zwar immer schwer, wenn man einander liebte.. aber war es nicht immer noch besser als ein völliges Ende ihrer Verbindung? Solange es Virgil gelang seiner künftigen Ehefrau nicht untreu zu werden… konnten sie wenigstens ein bisschen die Nähe des anderen genießen. Andererseits war das eigentlich Folter. Aber Virgil vermisste ja nicht nur die Intimität zu Leif, sondern auch die vielen Gespräche, die er mit niemand anderem führen konnte. Er vermisste auf so vielen Ebenen.. sodass es einfach nur schmerzte.
Virgil zitterte tatsächlich ein bisschen, hier im Leuchtturm war es schließlich ziemlich kalt und der Blutverlust tat sein Übriges. Auch wenn Leifs Nähe ihn automatisch ein bisschen wärmte. Dennoch war es sehr aufmerksam von ihm… dass er ihm die Decke um die Schultern legte. Er war so ein wunderbarer Mensch…
Er nahm ihm seine Frage auch nicht übel. Es tat nur weh sie zu beantworten… weil das hieße Leif erneut enttäuschen zu müssen. Vielleicht würde er wieder zornig reagieren oder abweisend… und das ertrüge er gerade einfach nicht. Aber lügen wollte er ebenso wenig, weswegen er bei seiner weiteren Nachfrage den Kopf senkte.
„……ich habe es meinem Herrn versprochen…..“
Er war nicht jeden Tag vollkommen davon überzeugt, dass er es schaffen würde das durchzuziehen. Aber sein Gewissen und seine Angst vor der Bestrafung seiner liebsten… war einfach zu groß, als dass er es wagen würde dieses Versprechen zu brechen. Also ja… er hatte es wohl immer noch vor.
War es ein Zeichen, dass seine Kette nun fehlte? Eine weitere Botschaft der heidnischen Götter? Virgil blickte kurz nach draußen aus dem Fenster.. hin zu dem Baum, auf dem immer noch der Rabe saß. Hieß das er solle sich von seinem Glauben lösen und sich den nordischen Göttern zuwenden? Es war ja nicht so als hätte Virgil nicht schon darüber nachgedacht.. aber bislang hatte er gedacht, sie würden einen verweichlichten Christen wie ihn nicht aufnehmen. Doch auch an dieser These bekam er nun so seine Zweifel. doch vielleicht ging es hier gar nicht um ihn? Vielleicht war er bloß der nächstbeste gewesen, den Odin geschickt hatte, um Leif zu retten.. und er beschützte damit nur seinen Krieger.
Das waren verwirrende Gedanken.. die ihn wohl noch länger begleiten würden.
Aber jetzt brauchte er dieses Erinnerungsstück wieder! Weshalb er total außer sich war vor Sorge. Was wenn es bereits fort und verloren war??
Virgil ließ sich widerwillig wieder hinab auf das Bett drücken, aber sah flehend zu Leif nach oben.
Der vorschlug die Kette für ihn zu holen? Virgil hatte keinerlei Zweifel daran, dass er es nicht tun würde…. doch irgendwie.. schien Leif das zu denken, da er Bedenken aussprach, die Virgil gar nicht hegte?
Mit gerunzelter Stirn erhob Virgil sich nun doch wieder bzw. zog sich an Leifs schönen Oberarmen hoch.
Sodass sie einander ganz nahe waren und Virgil Leifs Gesicht in seine Hände nehmen konnte.
Voller Ernst und Ehrlichkeit blickte er ihm in die Augen und sagte eindringlich
„Ich vertraue dir Leif…. das habe ich.. vom ersten Moment an, als ich dich gesehen habe. Und daran hat sich auch nichts geändert“
Weder der Vorfall vorhin, noch sonst irgendetwas konnte etwas an dieser Einstellung ändern. Weshalb es Virgil wichtig war, das dem Wikinger zu sagen.
Er jedoch bemerkte dass…. er sofort wieder das Bedürfnis bekam ihn zu küssen. Ja sogar seinen Lippen noch ein Stückchen näher kam. Ehe er sie jedoch berührte…. mahnte er sich zur Vernunft und.. küsste ihn stattdessen bloß flüchtig auf den Mundwinkel.
Egal wie viel Überwindung und Selbstbeherrschung ihn das nun auch kostete!!
Anschließend ließ er rasch von sich ab und sich wieder auf das Bett sinken, damit er nicht doch noch eine Dummheit beging.
„Ich danke dir.. für deine Hilfe….“
Er gab keine Widerworte oder wollte unbedingt mitgehen. Denn er wusste.. ohne ihn wäre Leif nun schneller. Und die Chance höher, dass die Kette noch da war.
„Bitte gib auf dich Acht, ja?“
Denn dass ihm etwas passierte weil er so kopflos wie vorhin durch die Gegend lief, das würde Virgil sich niemals verzeihen.
@Leif Tyrson



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Vielleicht waren sie ja beide naiv gewesen, dass sie gedacht hatten, eine Beziehung würde funktionieren. Mit so ziemlich allem wären sie bestimmt auch klar gekommen. Aber mit Gottes Zorn? Das war schon eine andere Hausnummer. Leif verstand ja, dass Virgil seine Liebsten nicht gefährden wollte, wirklich. Und doch konnte er es einfach nicht nachvollziehen, wie man ... sich so selbst kasteien wollte und sollte. Welcher Gott würde das wollen? Seine eigenen waren so anders ... sie förderten Mut und dass man um das kämpfen sollte, was man wollte. Leif wünschte, er hätte die Mittel, um das zu tun. Um Virgil zu kämpfen. Stattdessen hatte er ihn fast umgebracht und nicht die Macht und auch nicht den Willen, seine Meinung derart zu manipulieren, dass er sie für ihn änderte. Leif war bis hierhin schon egoistisch genug gewesen. Was das anging, konnte er wohl noch eine Menge von Virgil lernen, hm? Der sich wirklich absolut aufopferte und nicht dermaßen in Selbstmitleid versank wie er.
Nein, solche Gedanken hegte der Wikinger wirklich nicht mehr. Virgil hatte ein reines Herz, er verzieh ihm offenbar sogar diese Attacke. Das hatte Leif überhaupt nicht verdient. Schon traurig, dass es erst so einen Vorfall brauchte, aber nun war der Isländer befreit von solchen verräterischen Szenarien, die er in besonders dunklen Momenten Virgil oder seiner Kolonie noch zugetraut hatte. Es gab viel, das er jetzt bereute, doch nichts davon würde je wieder zwischen ihnen zur Sprache kommen. Denn das hier war das letzte Wiedersehen, vermutlich. Ganz egal, was Odins Rabe bezweckt hatte ... der Glaube des Walisers war doch viel zu stark, als dass er wirklich darüber nachdenken würde, die Konfession zu wechseln, oder? So etwas wollte Leif sich gar nicht erst erträumen. Es würde gewiss niemals eintreten. Und eine Freundschaft zwischen ihnen? Wäre wahre Folter. Leif war sich nicht sicher, ob er das hinbekommen würde. Er wäre derjenige, der Virgil immer von seiner Frau und irgendwann auch seinen Kindern sprechen hören würde. Der sie vielleicht sogar mal besuchen und miteinander sehen würde. Das hielt er in seiner Vorstellung schon nicht aus, wie sollte es dann erst in der Realität sein. So traurig es auch war ... sie sollten Abstand zueinander halten. Man sah doch jetzt schon, wie sie kaum die Finger voneinander lassen konnten. Und Virgils Gott würde die sündigen Gedanken sehen und Leif sich immer wie eine Ausgeburt der Hölle fühlen, weil er Virgil am liebsten verführen würde ... also nein. Absoluter Verzicht war die einzige Möglichkeit!
Doch nun waren sie gemeinsam hier, in diesem Leuchtturm. Saßen gar auf dem Bett und hielten Händchen. Leif konnte einfach nicht anders, er musste sich um Virgil kümmern. Nicht nur weil er ein schlechtes Gewissen hatte, sondern ... weil er ihn liebte und es nicht ertrug, ihn leiden zu sehen. Was er aber auch nicht ertrug, war der Gedanke an die Hochzeit und doch fragte er gezielt danach. Natürlich gefielen ihm die Antworten nicht. Und er presste nur noch ein »Ja ... ich weiß«, hervor.
Dann war das Thema ohnehin erst mal wieder vorbei, denn es brach kurze Panik wegen Virgils Kette aus. So ungern Leif ihn hier allein lassen würde, er musste sie suchen gehen. Und ein Glück ließ sich der Waliser darauf ein. Damit hatte Leif nicht gerechnet, für ihn war es immer noch absolut surreal, dass Virgil keinen Groll gegen ihn hegte, enttäuscht war oder nicht immer noch Angst vor ihm hatte. Stattdessen ... kam er ihm schon wieder so nah. Für einen Moment glaubte Leif, er wollte ihn küssen ... aber so weit kam es nicht. Seine Lippen brannten trotzdem vor Begierde. Nur mit Mühe schaffte er es, den Blick nach oben zu richten, um in Virgils Augen zu blicken. Was die ganze Sache nicht besser machte. Er liebte diese Augen. Er liebte einfach alles an dem Waliser. Es war so schön, zu hören, dass er ihm immer noch vertraute, auch wenn Leif wirklich nicht wusste, womit er das verdient hatte.
Diese ganze Situation machte seine Knie ganz weich. So sehr er auch nach Worten rang, er schwieg ... weil er so gebannt war von Virgils Nähe. Der ja .. sogar noch mehr Abstand überwand, dabei war da kaum noch welcher zwischen ihnen. Leif hielt die Luft an und schloss die Augen. In seinem Kopf schrillten tausende Alarmglocken, er wusste, er durfte das nicht zulassen. Doch er konnte sich auch nicht bewegen. Letztlich bekam er nur einen Kuss auf den Mundwinkel, das war allerdings schon genug, um seine Gefühle überschäumen zu lassen. Er brauchte einen Moment, um die Kontrolle zurückzuerlangen. Einen, den Virgil zum Glück nutzte, um sich wieder auf das Bett zu setzen. Leif sah ihn nun nicht an, sondern wandte sich sofort um. Sonst hätte er ihn rücklings auf die Matratze gedrückt und wer weiß was getan. Ihn auf eine ... schönere Art überfallen als vorhin. Aber das war leider verboten.
»Ich passe auf mich auf«, gab er zurück und warf Virgil dann doch einen Blick über die Schulter zu. Wandte ihn jedoch beinah schüchtern rasch wieder ab und schritt zu seiner alten Kleidertruhe. Damals hatte er getragen, was er gefunden hatte und ein paar Sachen waren groß genug, dass sie auch Virgil passen könnten. Er besaß mehr sichtbare Muskeln als Leif und ein breiteres Kreuz. »Hier!« Es war ein Pullover, den er ihm hinhielt ... damit Virgil sich noch ein bisschen besser einpacken konnte. Außerdem stellte er ihm noch eine Flasche Wasser hin. Flüssigkeit war wichtig.
An der Tür blieb er noch mal stehen und ... bekam nur noch ein »Bis gleich«, raus. Und als er sich umwandte, saß da der Rabe vor ihm. xD Skeptisch wurde er beäugt, was Leif kurz schnauben ließ. Wie immer, wenn er mit seinen Göttern oder ihren Gefährten Zwiesprache hielt, wechselte er in seine Muttersprache. »Ich hole nur seine Kette, ich raste schon nicht wieder aus.«
Der Vogel legte den Kopf schräg.
»Nun schau nicht so. Du passt auf ihn auf, wenn ich wieder da bin, ja?«
Ein zustimmendes Krächzen ertönte und Leif fühlte sich nun etwas wohler, als er den Leuchtturm hinter sich ließ. Es wunderte ihn nicht mal, dass seine Götter um Virgils Gunst buhlten. Er würde einen starken Wikinger abgeben.
Einige Zeit später erreichte Leif den Schauplatz. So lang wollte er hier nicht verweilen, es war ihm unangenehm. Und er hatte Angst vor einem erneuten Kontrollverlust. Es war ein furchtbares Gefühl, sich nicht mehr selbst über den Weg trauen zu können, aber genauso ging es ihm gerade.
Leif scannte den Boden nach der Kette ab, fand aber zuerst nur das zerstörte angespitzte Kruzifix. Das er auch aufhob, vielleicht wollte Virgil es auch wieder haben und ... irgendwie reparieren. Um die Kette zu finden, brauchte er etwas mehr Zeit, aber schließlich entdeckte er sie im noch vom Blut feuchten Gras. Behutsam nahm er sie in die Hand und beäugte das kleine Kreuz. Ob es was bringen würde, wenn er versuchte, mit dem Christengott zu sprechen? Aber was sollte er sagen? Würde er überhaupt erhört werden? Vermutlich nicht. Trotzdem wollte er ... irgendwie gern ein Fürsprecher für Virgil sein. Also kniete er sich kurzerhand auf den Boden und breitete Virgils Hab und Gut vor sich aus. Er faltete die Hände, so wie er das bei Christen bereits gesehen hatte, und schloss die Augen. »Wenn ... du mich hörst, dann möchte ich dich nur bitten, auf Virgil aufzupassen und ihn nicht weiter zu bestrafen oder ins Fegefeuer zu schicken. Das hat er wirklich nicht verdient. Ich kenne niemanden, der so ein reines Herz hat wie er. Du würdest ... wirklich besser daran tun, ihn zu belohnen, statt ihn zu verurteilen. Und wenn er mich oder ... irgendeinen anderen Mann schon nicht lieben darf, dann ... schenk wenigstens seinem Gewissen Ruhe, indem du nicht seine Gedanken liest. Lass ihn Glück mit dieser Frau finden, so gut er es kann. Er wird bestimmt ein guter Vater. Leg ihm nicht noch mehr Steine in den Weg. Bitte!«
Leif öffnete die Augen wieder und atmete tief durch. Wenn er mit seinen eigenen Göttern sprach, durchfloss ihn stets ... ihre Stärke und Weisheit. Gerade war es einfach nur eigentümlich still und leer gewesen. Aber seine Worte waren ja vielleicht trotzdem angekommen. Leif konnte sich nun zumindest nicht vorwerfen, nicht versucht zu haben, ein gutes Wort für Virgil eingelegt zu haben.
Er kam wieder auf die Füße, sammelte die Gegenstände wieder ein und eilte zurück zum Leuchtturm. Vorher ging er noch zum Meeresufer, um die Kette von Blut zu befreien und sie blitzblank zu putzen. Auch seinem alten Boot sagte er Hallo und strich sachte über das Holz. Dann ließ er Virgil aber nicht länger warten und kehrte zurück.
@Virgil Chadburn



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Wenn man verliebt war.. hatte man doch stets das Gefühl, als könne man Berge versetzen. Als könnte nichts und niemand diese Liebe je schwächen. Und dann.. ging es manchmal doch ganz schnell und man stand vor den Scherben seiner Beziehung. All seiner Hoffnung, seiner Wünsche und Sehnsüchte. Alles einfach… kaputt.. und man man schwor sich sein Herz nie wieder jemandem zu öffnen.
Das in ihrem Fall höhere Macht eine Rolle spielte war natürlich doppelt bitter. Denn alle anderen Hürden.. hätte ihre Liebe vielleicht tatsächlich überwinden können.
Manipulieren ließe Virgil sich ohnehin nicht, musste Leif auch gar nicht. Denn seine Zweifel waren schon immer da.. mal mehr und mal weniger. Nach dem Fischesterben war er voll und ganz zu seinem Glauben zurück gekehrt, da das für ihn so ein eindeutiges Zeichen gewesen war. Das war das Auftauchen dieses Raben jedoch ebenfalls. Weshalb Virgil nun verwirrter war denn je..
Vielleicht machte Virgil für Leif mit seinem Auftauchen und Handeln alles noch schwerer. denn nun.. da konnte er sich nicht mehr seinen dunklen Szenarien hingeben. Und das war manchmal doch auch hilfreich oder? Wenn es jemanden gab, dem man die Schuld zuschreiben konnte, um sich besser zu fühlen. Indem er Virgil als Lügner und Verräter abtat.. war die Trennung vielleicht besser zu verkraften. Dennoch würde es den Waliser extrem verletzen, wüsste er von diesen Gedanken.
Ja.. vermutlich war eine Freundschaft unmöglich. Und doch fiel es Virgil unfassbar schwer diesen Schritt zu gehen. Leif wirklich schon aus seinem Leben zu streichen und sich mit der Idee anzufreunden, ihn nie mehr wieder zu sehen. Er würde wohl wie die Motte zum Licht immer wieder zu ihm fliegen.. selbst wenn er sich daran verbrannte. Oder Leif ihn beim nächsten Mal wirklich tot schlug, weil er wieder die Kontrolle verlor. Dann… starb er aber wenigstens in den Armen der Person, die er über alles liebte.
Es fiel Virgil sehr schwer mit Leif über die Hochzeit zu reden, da er ihn nicht weiter verletzen wollte.. weswegen er auch nur sehr kurz und knapp antwortete. Denn Leif wollte nun gewiss keine Details hören. Und Virgil gab sie ihm auch nicht.
Was er ihm jedoch gab… war ein weiterer, viel zu elektrisierender Moment zwischen ihnen. Der ihnen beiden einfach alles an Selbstbeherrschung abverlangte. Seine Lippen prickelten überall, selbst wenn er nur Leifs Mundwinkel geküsst hatte. Es war also wirklich gut, dass Leif nun ging. Denn ob er sich noch weiter zurück halten hätte können das… konnte er nicht garantieren. Und dafür schämte er sich wirklich ungemein.
Dankbar nahm er den Pullover von Leif an und zog sich ihn gleich über. Dabei schmerzte seine Brust wieder.. was ihn wenigstens auf ein anderes Gefühl konzentrieren ließ, als diese unendliche Sehnsucht.
„bis gleich..“
war nun auch alles was er noch sagte, ehe er sich in den Pulli und die Decke kuschelte. Es war vielleicht lange her.. aber er bildete sich trotzdem ein, dass die Sachen immer noch nach Leif rochen. Nicht wissend, dass hier schon andere Männer ihren Schweinkram getrieben hatten! xD Für ihn roch es nur nach dem Wikinger..
Und das beruhigte ihn ungemein. Er schloss die Augen und… konnte endlich ein bisschen zur Ruhe kommen. Die ganze Situation Revue passieren lassen. Doch erneut holte ihn ein Krähen aus den Gedanken und da saß wieder dieser Rabe.
„solltest du nicht mit ihm gehen und.. auf ihn aufpassen?“
Murmelte er in Richtung Fenster. Wieso blieb er bei ihm? Wo er doch auf seinen Krieger achtgeben musste.
„ich wünschte.. ich könnte mit meinem Gott reden wie mit dir…“
Sagte er seufzend. Denn zu beten war eine Sache. Aber ein Wesen zu haben… dem man direkt in die Augen schauen konnte, noch mal etwas völlig anderes. Virgil fühlte sich zum ersten Mal richtig gehört und wahrgenommen… und das fühlte sich ehrlich gesagt ziemlich gut an.
Wüsste Virgil das Leif gerade betete… zu seinem Gott! Würden ihm wohl sofort die Tränen kommen. Denn die Dinge die Leif da sagte.. waren einfach wunderschön. Doch leider wusste er nichts von diesem Gespräch und blieb alleine zurück in diesem Leuchtturm.
Virgil wusste nicht wie lange Leif brauchen würde.. er fühlte nur, wie ihm immer kälter wurde, nun wo seine Wärme fort war. Das konnten weder der Pulli noch die Decke ausgleichen, weshalb er leicht zitterte und sich tiefer in das Bett kuschelte. Der Blutverlust war wohl wirklich nicht zu verachten gewesen.
Weshalb ihm irgendwann… ganz automatisch vor Erschöpfung die Augen zufielen und er in einen tiefen Schlummer fiel..
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Sicher war es einfacher, jemanden zu hassen, der einen verletzt hatte. Ihm Schlechtes zuzusprechen und sich zu sagen, man hätte es ahnen sollen. Leif hatte sich auch in solchen Gedanken verstrickt, aber sie waren ihm zuwider. Er wusste, Virgil tat das alles nicht absichtlich, weil er ihn loswerden wollte oder ihn verraten. Nein, er glaubte daran, dass es das Richtige war. Nicht für ihn, aber für seine Liebsten. Und das bewunderte Leif schon. Dass Virgil es schaffte, seine eigenen Bedürfnisse derart zu unterdrücken, und dabei ... irgendwie doch er selbst blieb. Dennoch fiel es Leif schwer, das zuzulassen. Natürlich weil er ihn liebte und diese Beziehung immer noch wollte. Aber auch, weil Virgil viel mehr verdiente, er sollte sich nicht verstecken oder verstellen. Er sollte sein Leben leben, mit ihm gemeinsam und jedes bisschen Glück jagen, das einem diese Welt noch bot.
Sich dazu gedrängt sehen, den Waliser totzuschlagen, würde Leif sich hoffentlich nie wieder! Inzwischen war er sich auch sicher, dass er das Band zwischen ihnen nicht tilgen wollte. Auch wenn sie sich nie wieder sehen würden, so wollte er trotzdem an ihn denken können. An ihre kurze, aber intensive Zeit miteinander. Irgendwann würden solche Erinnerungen ja vielleicht leichter werden und nicht mehr schmerzen. Dann wären sie etwas Gutes, aus dem Leif Stärke ziehen könnte. Es bedeutete schon eine Menge, dass er diese Gedanken gerade hegte, aber der Vorfall vorhin ... hatte ihm eine Menge zu reflektieren gegeben.
Während Leif Zwiesprache mit dem Christengott hielt, tat Odins Rabe wie ihm geheißen und achtete auf Virgil. Dafür setzte er sich an das Fenster und krächzte. Er war schließlich neugierig und musste dem Allvater später Bericht erstatten. Da konnte sich dieser Mann doch mal etwas mit ihm unterhalten, oder?
Er tippte mit dem Schnabel gegen das Fensterglas, um Virgil zu bedeuten, dass er doch gerade auf ihn aufpasste! Und krächzte dann auffordernd. Wenn man eines gut mit ihm konnte, dann war es Reden. Aber der Noch-Christ war zu müde. Na gut, er war ja auch verletzt. Also setzte der Rabe seine Wacht still weiter fort.
Leif kam bald zum Leuchtturm zurück und trat mit einer blitzblank geputzten Kreuzkette herein. Doch bevor er etwas sagen konnte, sah er, dass Virgil stumm und eingekuschelt im Bett lag. Zuerst bekam er Panik und eilte hin, um zu schauen, ob er noch atmete. Ein Glück hob und senkte sich sein Brustkorb, was Leif erleichtert aufatmen ließ – natürlich leise, er wollte den Waliser ja nicht wecken. Nun ließ er verstohlen seinen Blick über den Rest seines Körpers wandern, bis er ... an seinem Gesicht hängenblieb. Wie erwartet war es hinreißender Anblick, der Leif fast die Tränen in die Augen trieb, weil ... er jetzt nicht zu ihm ins Bett schlüpfen und ihn halten durfte. Die Sehnsucht in diesem Moment war so grausam schmerzvoll, dass er sich sogar etwas krümmte. Er suchte nach Beherrschung und fand sie nach ein paar Sekunden. Sodass er in der Lage war, die Kette sachte neben Virgils Kopf auf das Kissen zu legen. Damit er sie sofort sah und nehmen konnte, sobald er aufwachte.
Das zerteilte Kruzifix platzierte er auf dem Tisch. Und dann ... stand er unschlüssig im Raum und sah erneut verstohlen und sehnsüchtig zu Virgil. Entschied sich dann aber dazu ... hinauf auf den Leuchtturm zu steigen. Dort oben hatte er früher seine Vorräte versteckt, vielleicht waren sie ja noch da? Und tatsächlich, die Kerle, die hier hausiert hatten, waren wohl nie bis ganz oben gekommen, um alles aufzufuttern. xD Umso besser! Leif packte zwei Raviolidosen und ging mit ihnen wieder hinunter und raus zur Feuerstelle. Es war besser, beschäftigt zu bleiben. Und Virgil würde nach seinem Schlummer bestimmt Hunger haben.
@Virgil Chadburn



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Das war bereits alles das Virgil sich wünschte…. dass Leif ihn nicht hasste oder verachtete, für das was er tat und ihm angetan hatte. Denn er könnte verstehen, wenn es so wäre. Ertragen könnte er es trotzdem nur schwer..
Und auch wenn dieses Treffen hart war, vielleicht half es trotzdem dabei die Dinge wieder etwas klarer zu sehen. Nachdem der erste Schock und die erste Trauer verflogen war. Virgil hatte nämlich definitiv noch vor Leif auf diese Dunkelheit anzusprechen, die er ihm zuvor gezeigt hatte. Einfach weil.. er sich wahnsinnig große Sorgen um ihn machte! wäre er nicht aufgetaucht, womöglich wäre er gestorben, weil er so waghalsig agiert hatte. Und das durfte nicht passieren. Er gab doch sein Leben nicht auf, nur damit Leif das seine weg warf!! Das wäre so eine Verschwendung!
Aber am heutigen Abend war Virgil nicht mehr fähig diese Dinge zu besprechen..
Auch mit dem Raben konnte er nur noch ein paar Worte wechseln. Zumal er ohnehin viel zu verwirrt war, um nun einen klaren Gedanken zu fassen. Kurz überlegte er ja sogar das Fenster zu öffnen und zu versuchen ihn anzufassen xD. Er wusste auch nicht wieso er diesen Impuls hatte. Aber für ihn war es einfach so…. eigenartig ein lebendiges Wesen zu treffen, das eindeutig von den Göttern geschickt wurde. Denn sonst würde dieser Rabe sie doch nicht so verfolgen.
„danke, dass du mich zu ihm geführt hast…. bitte versprich mir, mich zu rufen…. sollte Leif sich irgendwann wieder in eine solche Gefahr begeben ,okay?“
Denn er würde immer für ihn da sein. Sofort alles stehen und liegen lassen, um zu ihm zu eilen. Er wusste nicht, ob der Rabe ihn wirklich verstand aber er hoffte es sehr… das würde ihn nämlich ein bisschen beruhigen. Zu wissen, dass es da jemanden gab, der auf Leif aufpasste und der ihn holte, wenn es schlecht um ihn stand.
Mit diesem beruhigenden Gedanken fiel er letztlich auch in einen tiefen Schlummer. Und bemerkte gar nicht, dass Leif schon wieder zurück war.
Er schlief ein paar Stunden… das hatte sein Körper definitiv gebraucht. Und als er erwachte, war es bereits mitten in der Nacht. Wie spät es war wusste er nicht.. aber es war definitiv stockfinster da draußen.
Virgil schreckte irgendwann hoch und.. sein Blick fiel zuerst auf die Kreuzkette, die Leif ihm auf den Kopfpolster gelegt hatte. Und welche er sofort fest an sich drückte. Das Band war durchgeschnitten, weshalb er es später wechseln musste. Doch das Kreuz war noch heil.. ein Glück. Weswegen er es gleich in seine Hosentasche steckte und sich langsam aufsetzte.
Als er jedoch den Blick nach draußen wandte zuckte er zusammen. Denn erst jetzt wurde ihm bewusst, wie spät es wohl war! Wie lange hatte er geschlafen?! War Leif noch hier oder.. hatte er ihn zurück gelassen, weil er es in seiner Nähe nicht länger ertragen hatte?
So viele verwirrende Gedanken gingen ihm durch den Kopf.
und natürlich dachte er auch daran…. dass seine Verlobte sich wahnsinnige Sorgen machen würde, wenn er die ganze Nacht über nicht nach Hause kam. Vielleicht suchten sie ja sogar schon nach ihm.. aber jetzt zu gehen wäre einfach zu gefährlich. Vor allem so verwundet wie er war. Weshalb er wohl oder übel warten musste, bis der nächste Morgen graute.
Eigentlich rechnete er ja damit, dass Leif gegangen war… doch als er den Blick aus dem Fenster richtete, sah er ein kleines Feuer brennen.
Also richtete er sich auf, warf sich die Decke um die Schultern und.. ging ebenfalls nach draußen. Seine Brust schmerzte aber er würde es überleben.
Stattdessen… kam er mit einem Lächeln auf den Lippen zu Leif ans Feuer
„Ich dachte.. du wärst bereits gegangen…. wie lange habe ich geschlafen?“
Eigentlich ganz schön traurig, dass erst ein Unglück geschehen musste, damit sie ihre erste Nacht zusammen verbrachten hm? Und dann nicht mal als Paar. Ganz schön bitter eigentlich.
Trotzdem wollte Virgil das Beste daraus machen und setzte sich zu ihm ans Feuer.
„Danke… für die Kette.. war es schwierig sie wieder zu finden?“
Fragte er ihn letztlich. denn irgendwie war das hier eine seltsame Situation. In der wohl keiner so richtig wusste, wo er anfangen oder was er sagen sollte.
Virgil wollte das mit dem Ausraster von vorhin ansprechen aber… gerade jetzt brachte er es noch nicht sofort übers Herz.. also behalf er sich mit ein bisschen Smalltalk.
„Sag bloß du hast für mich gekocht?"
Fragte er neuerlich lächelnd. Und musste sich wirklich zusammen reißen, Leif nicht sofort wieder anzuflirten, so wie er es früher eben gemacht hatte!! aber es war so… unfassbar schwer.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Leif war geradezu froh, dass sie bisher nicht genauer über seinen Ausraster gesprochen hatten. Es war ihm unangenehm und er wusste nicht, ob er darüber mit Virgil reden sollte. Wären sie noch zusammen, ja. Aber so ... wollte er ihn eigentlich nicht mehr in irgendwelche Miseren hineinziehen. Ihre Trennung wäre einfacher, je weniger er wusste und wenn sie sich nicht noch besser kennenlernten. Auch wenn es schlimm war, so zu denken, aber Leif bemühte sich um so etwas wie Vernunft. Das war er ihnen beiden schuldig, um das alles nicht noch schwieriger zu machen. Sicher schüttelten die Götter in Asgard bereits die Köpfe. Nun hatten sie dem Paar schon den Weg geebnet, sich wieder zu treffen und einander helfen zu müssen, und nun tänzelten sie immer noch so umeinander herum.
Der Rabe hätte sich mit Sicherheit streicheln lassen. <3 Und dann vielleicht auf Virgils Fingern rumgepickt, weil er Hunger hatte! Sobald Leif zurück war, würde er wohl mal einen kleinen Abstecher in die Wälder machen müssen. Doch zuerst wurde ihm ein weiteres Versprechen abgerungen. Ein Glück gab es viele von Odins Raben, auch wenn Hugin und Munin die bekanntesten waren. Aber sie alle teilten sich die Sicht ... also war es kein Problem, so einer Bitte nachzukommen. Also krächzte er und warf sogar seinen Kopf euphorisch hoch und runter, was einem Nicken ähnlich sah.
Leif blieb einfach hier draußen sitzen und hielt die Ravioli warm, während er darauf wartete, dass Virgil erwachte. Hin und wieder war er auch mal reingeschlichen, um nach ihm zu sehen. Er schob regelrechte Panik, dass es ihm mit einem Mal schlechter gehen würde, Fieber ausbrach oder Ähnliches. Aber er sah immer noch friedlich aus. Was es mit jedem Mal schwerer machte, dem Bett den Rücken zu kehren und sich wieder an das Feuer zu setzen. Das Meeresrauschen in der Ferne sorgte wenigstens für etwas Beruhigung und dafür, dass Leif ein wenig mehr Frieden mit sich schließen konnte. Zumindest vorübergehend.
Als dann plötzlich Virgils Stimme aus der Dunkelheit erklang, zuckte Leif kurz zusammen, sah dann aber erleichtert auf. »Ich lasse dich doch nicht verletzt hier zurück.« Egal, was zwischen ihnen war, er musste sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass Virgil es zurück in die sicheren Mauern seiner Kolonie schaffte. »Ein paar Stunden«, fügte er dann noch hinzu, es gab ja leider keine Uhr. Und es war schon Abend gewesen, als Leif wieder zurück zum Leuchtturm gekommen war. »Wie geht es dir?«
Virgil setzte sich zu ihm und das war ... schön. So mit ihm am wärmenden Feuer zu hocken. Sein Gesicht im Flammenschein zu sehen. Natürlich kamen jetzt noch weitere Phantasien hinzu. Wie sie sich im Sand liebten oder sich einfach nur küssten, hier, wo nur Flammen, Meer und Sternenhimmel ihre Zeugen waren. Leif starrte wie besessen ins Feuer, um den Bildern keinen Raum zu geben.
»Es hat etwas gedauert, sie war nicht gut im Gras zu sehen. Ich hab sie auch ... geputzt. Und dein Kruzifix liegt drinnen, falls du es nicht gesehen hast. Ich wusste nicht, ob das ... vielleicht auch einen persönlichen Wert für dich hat.« Leif war nervös und das merkte man ihm durch sein Rumgestammel wohl auch sehr gut an. Am liebsten würde er sich schon wieder dafür entschuldigen, was er getan hatte, aber ... er hatte es schon getan und Virgil hatte davon nichts hören wollen.
Dankbar für den Themenwechsel lächelte Leif und stand auf, um noch mal im Topf herumzurühren. »Ja. Ich habe heute noch nichts gegessen und bei dir ... na ja, du hattest wahrscheinlich nur dein üppiges Frühstück, hm?« Das nach dem Morgengebet. Leif erinnerte sich an das Gespräch darüber und wie Virgil bei ihrem ersten Date fast verhungert war, weil er das Frühstück für ihn verpasst hatte.
Mit der Schöpfkelle füllte er zwei Schüsseln, in denen schon Löffel lagen. In seinem Leuchtturm hatte sich ein kleiner Fundus angesammelt über die Jahre, die er allein gelebt hatte. Aber er hatte bereits beschlossen, alles hierzulassen. Wenn es Wanderern half, die eine Bleibe für die Nacht suchten, konnte Leif gut damit leben.
@Virgil Chadburn



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Aber Virgil…. wollte Leif noch besser kennen und verstehen lernen. Es war ein verdammter Zwiespalt. Er war noch nicht bereit ihn aufzugeben, musste es aber trotzdem tun. Solange sie räumlich voneinander getrennt waren gelang es Virgil irgendwie weiter zu machen. Aber kaum war er in Leifs Nähe… spielten einfach all seine Sinne verrückt und er wusste nicht mehr wo ihm der Kopf stand.
Vielleicht bildete er sich ja auch deshalb ein, dass der Rabe ihm wirklich zunickte? Oder es lag am Blutverlust. Doch irgendwie fühlte sich das alles sehr surreal für ihn an. denn seit wann zeigten Götter sich so greifbar.. vielleicht interpretierte Virgil auch viel zu viel in das alles hinein. Aber für den Moment war er beruhigt über dieses Versprechen und war deshalb fähig dazu ein bisschen zu schlafen. Was sein Körper dringend brauchte.
Wenig später befand er sich jedoch bereits auf dem Weg nach draußen. Wo Leif am Feuer saß.. und dabei so friedlich wirkte. Er fragte sich sogar kurz, ob die Situation vorhin auf dem Schlachtfeld… wirklich passiert war oder er das nur geträumt hatte? Aber der brennende Schmerz auf seinem Oberkörper erinnerte ihn daran, dass es leider nicht nur ein Alptraum gewesen war. Trotzdem konnte er sich einfach nicht vorstellen…. dass jemand, der so viel Frieden und Ruhe ausstrahlte, zu solch einem Kontrollverlust fähig war.
„hm naja.. verdient hätte ich es. Schließlich habe ich nichts anderes getan….“
auch er hatte Leif damals.. einfach verwirrt und verletzt zurück gelassen. Vielleicht nicht körperlicher Natur aber seelischer. Er hatte ihm sein Herz ausgeschüttet und Virgil war einfach geflüchtet. Er hätte es ihm also nicht übel genommen, wenn er sich nun auch einfach aus dem Staub gemacht hätte.
Wie es ihm ging fragte Leif ihm? Naja.. diese Frage war nicht so einfach zu beantworten. Denn sein Seelenzustand war alles andere als gut. Aber wenn er sich nun nur auf seinen körperlichen Zustand konzentrierte….
„naja so, als hätte ein hübscher Wikinger mir seine Axt über den Brustkorb gezogen“
Sagte er nun mit einem Schmunzeln, womit er der Situation eigentlich nicht solch eine Schwere sondern eine gewisse Leichtigkeit verleihen wollte. Aber möglicherweise war es noch zu früh für solche Scherze? Aber er wollte Leif damit bloß zeigen… dass er nicht wütend auf ihn war. Wollte aber auch nicht so tun, als hätte er keine Schmerzen.
Weiter ging er vorerst aber nicht auf diesen Vorfall ein. Sondern sie sprachen über den Fund der Kette.
„Hab ich gesehen… danke dafür. Offenbar sollte ich die Wahl meiner Waffe aber mal gründlich überdenken. Denn wie man sieht war sie im Ernstfall.. total nutzlos“
Leif hatte nur einen Schlag gebraucht, um sie zu spalten. Er sollte sich vielleicht eher ein Kruzifix aus Metall schmieden lassen. Aber wollte er diese Waffe überhaupt noch tragen? War das immer noch das.. was er tief in seinem Inneren verkörperte? Kurz richtete er seinen Blick wieder in Richtung Wald.. um zu prüfen, ob er den Raben dort immer noch irgendwo erkennen konnte.. gerade konnte er ihn aber nirgendwo sehen. Vielleicht hatte er sich das alles ja doch nur eingebildet.
Virgil musste erneut lächeln, wegen der kleinen Spitze mit dem Frühstück. Leif.. kannte ihn einfach so gut.. das war wunderschön und traurig zugleich.
„Da hast du Recht.. die restliche Zeit habe ich heute vor den Toren der Kolonie verbracht. Das mache ich zurzeit.. ziemlich häufig..“
Womit er ja auch unbeabsichtigt durchklingen ließ, dass er es nur schwer ertrug ein Leben als ‚Verlobter‘ innerhalb der Mauern der Church zu führen. Er flüchtete zu jeder erdenklichen Gelegenheit.
Virgil nahm die Schüssel dankbar an und blies ein bisschen, da die Sauce noch ziemlich heiß war. Was ihm jedoch die Möglichkeit gab, den Gedanken von vorhin noch mal aufzugreifen oder fortzuführen.
„Weißt du, als ich draußen unterwegs war da…. sah ich plötzlich diesen Raben. Den ich mir nicht nur einbilde oder? Du hast ihn auch gesehen, richtig? Jedenfalls musste ich sofort an die Geschichte denken….. wie du nach Balar kamst. Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht, sondern bin ihm einfach gefolgt. Das er mich jedoch tatsächlich zu dir geführt hat…. kann ich immer noch nicht so recht glauben..“
@Leif Tyrson



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Leif wusste, sie würden nicht bei Smalltalk bleiben, auch wenn das für sie beide besser wäre. Aber ihre tiefgründigen Gespräche begleiteten sie von Anfang an, da war es kein Wunder, dass sie sich beide eigentlich genau danach sehnten. Leif wusste trotzdem nicht, wie er damit umgehen sollte. Auf Abwehr schalten? Nicht auf die Andeutungen eingehen, die Virgil machte? Oder die Gelegenheit nutzen, sich auszusprechen und es doch noch im Frieden zu beenden, bevor ... sie sich nie wieder sehen würden? Leif zitterte bei diesem Gedanken und zog die Beine noch etwas näher an seinen Oberkörper, um sie mit den Armen umgreifen zu können.
»Wenn es danach ginge, wer was verdient, dürfte ich jetzt auch nicht mit dir hier sitzen.« Und doch suchte Virgil immer noch seine Nähe, obwohl Leif ihn vor einigen Stunden noch hatte umbringen wollen.
Auch die nächste Bemerkung sorgte dafür, dass Leif sich noch unwohler fühlte. Er wusste, Virgil meinte es gut, weil er die Sache mit Humor nahm. Und das liebte Leif ja auch an ihm. Aber in dieser Hinsicht fand er es nicht gut, denn es war überhaupt nichts Witziges an dem, was passiert war. Und ihn einen schönen Wikinger zu nennen ... tat unter diesen Umständen einfach nur weh. Sicher, es drückte aus, dass Virgil nicht sauer war ... aber er sollte es sein! Er müsste ihn hassen. Und doch war er hier und flirtete. Leif blickte nur ins Feuer und ging nicht weiter darauf ein. Immerhin war es ja ein gutes Zeichen, dass der Waliser scherzte, hm? Und er sah auch schon etwas gesünder aus als vorhin.
Normalerweise hätte Leif nun angeboten, ihm auch eine Axt anfertigen zu lassen. Er kannte da einen super Schmied in Balar. xD Und für etwaige Verzierungen könnte Virgil ja selbst sorgen, damit es keine heidnischen waren. Aber das Angebot machte Leif nun nicht, obwohl er bereits den Mund geöffnet hatte, um es auszusprechen. Kein Kontakt mehr nach dem heutigen Tag. Das musste er sich immer wieder predigen. »Am besten keine Waffe, die nur aus Holz besteht«, gab er einen guten Rat, der sich irgendwie so anhörte, als würde er mit einem Kind reden.
Virgil machte sich aktuell also auch oft aus dem Staub? Suchte die Einsamkeit in der Wildnis, so wie Leif es oft tat? So ganz wusste der nicht, was er davon halten sollte, und entschied sich auch hier, nichts darauf zu erwidern. Allerdings wusste er wirklich nicht, wie lang er das noch aushielt, so wortkarg zu sein und ein richtiges Gespräch zu blockieren. Zum Smalltalk zurückzukehren war aber auch keine Option mehr.
Spätestens als Virgil ihm erzählte, wie er zu ihm gefunden hatte, ließ Leif die Schüssel sinken und hing gebannt an seinen Lippen. Sachte nickte er. »Ja, der Rabe ist uns den restlichen Tag nicht von der Seite gewichen. Ich hab ihn gebeten, auf dich zu achten, während ich deine Kette gesucht habe, und daran hat er sich wohl gehalten. Erst vorhin ist er in Richtung Wälder geflogen. Vielleicht ist seine Aufgabe erledigt und er erstattet Bericht beim Allvater.« Nur was berichtete er? Wie er einen Wahnsinnigen und einen Christen gerettet hatte? »Mich wundert es nicht, dass meine Götter um dich werben, aber ... schon, dass sie dich zu mir geführt haben. Sie müssen doch gesehen haben, wie ich ...« Wie er sich selbst vergessen hatte, wegen Virgil. Rasch nahm Leif noch einen Bissen Ravioli und verbrannte sich dabei absichtlich die Zunge. Sie näherten sich dem Thema ... das er eigentlich weiter umschiffen wollte.
@Virgil Chadburn



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Virgil versuchte sich Leif gegenüber einfach so zu benehmen… wie immer. Auch wenn das nicht klug war und er besser Abstand suchen sollte. Aber er konnte sich einfach nicht verstellen. Nicht vor Leif! Das musste er doch schon den ganzen Tag in der Church machen. Da wollte er nur einen einzigen Menschen haben… bei dem er es nicht musste, sondern ganz er selbst sein konnte. Vielleicht waren auch diese Gedanken wieder egoistisch. Ganz sicher waren sie es. Aber er konnte jetzt einfach keine Show abziehen. Sein Herz lag offen und Leif durfte alles davon sehen, das er sehen wollte.. selbst wenn er dadurch alles für sie beide noch komplizierter machte.
„Und doch tun wir es.. wir sind ganz schöne Idioten hm?“
sagte er nun schwach lächelnd. Denn wenn sie ehrlich zu einander waren.. dann sollten sie überhaupt nicht mehr miteinander reden. Ganz egal was wer von ihnen auch getan hatte. Denn sie mussten sich entscheiden. Entweder ganz oder gar nicht. Aber das was sie hier gerade taten.. war einfach nur sadistisch und masochistisch.
Virgil wollte wirklich nicht, dass Leif sich unwohl fühlte.. aber das hätte er getan, egal was er gesagt hätte oder? Hätte er ihm gesagt, dass er Schmerzen hatte, wäre sein schlechtes Gewissen ebenfalls gewachsen. Hätte er ihm gesagt, dass er sich großartig fühlte.. hätte er ihn der Lüge bezichtigt. Also egal was Virgil sagte… oder welche Absolution er Leif auch erteilte. Solange dieser sich selbst nicht verzieh spielte es keine Rolle was Virgil sprach. Das er so wortkarg war.. überraschte ihn nun nicht. Und es war auch nicht weiter schlimm. So war es auch bei ihren ersten Treffen gewesen. Virgil hatte ihn dennoch unbeirrt zugequatscht und das würde er auch diesmal machen, bis Leif mit ihm redete. Auch wenn er wohl besser damit aufhören sollte, zu versuchen seine Fassade zu knacken. Nur um ihn bei Sonnenaufgang wieder im Stich zu lassen. Aber auch Virgil war nur ein Mensch und konnte nicht gegen alle Bedürfnisse und Gefühle einfach ankämpfen..
Über eine Axt.. hätte Virgil sich wohl gefreut. Aber es war nur logisch, dass Leif nun keine Zukunftspläne mit ihm schmiedete. Dabei wäre das ein wirklich schönes Hochzeitsgeschenk xD.
Für solche Scherze war es aber wohl definitiv noch zu früh.
„ja.. das wäre besser. Ich meine, ich habe auch ein Messer.. kein Holzmesser falls du das denkst, sondern ein richtig gefährliches aus Metall. Aber leider haben wir keine Möglichkeit bei der Church Waffen zu schmieden. Also müssen wir uns mit dem behelfen, was wir finden“
Je verschlossener Leif wurde.. desto mehr Schwachsinn begann Virgil zu reden und ihn damit zuzutexten. So hatte er auch beim ersten Mal das Eis gebrochen. Also würde es ihm diesmal vielleicht erneut gelingen. Auch wenn er es bleiben lassen sollte!!! etwas wozu er sich auch stetig mahnte, aber die Worte kamen einfach so aus seinem Mund gesprudelt!! er konnte wirklich nichts dagegen machen.
Doch über Leifs Götter zu reden ließ ihn offenbar endlich ein bisschen auftauen und auch er brachte sich in das Gespräch ein.
„Oh stimmt… man kann seine Spuren ja auch noch an dir sehen..“
Womit Virgil die Hand hob und Leif instinktiv mit dem Daumen kurz über die Wange strich…. wo ein paar Kratzer des Raben noch zu sehen waren. Dabei blieb er schon wieder an Leifs wunderschönen Augen hängen…. weshalb er die Hand rasch wieder sinken ließ und ins Feuer sah denn….. es kündigte sich dabei schon wieder so ein Moment an!! Diese Momente mussten sie dringend unterbinden, sonst würde noch weiß Gott was passieren bis zum Morgengrauen.
Er sah nun also nur noch aus dem Augenwinkel zu Leif als sie weiter sprachen.
„und was denkst du… war seine Aufgabe?“
Denn ganz klar war das Virgil immer noch nicht. Hatte er ihn zu Leif geführt, um ihn zu retten? oder um dem Wikinger die Chance zu geben ihn zu töten? Dafür war der Rabe danach aber viel zu nett zu ihm gewesen und hatte ihn ja auch beschützt. Weshalb es das wohl nicht sein konnte. Oder wollte er sie einfach wieder… zueinander führen? Virgil war ratlos. Er war wirklich ratlos.
„du denkst sie werben um mich?“
na er wusste nicht, ob er das wirklich glauben konnte. Als Leif jedoch meinte, die Götter hätten doch sehen müssen wie er gerade drauf war.. legte er seine Hand auf die von Leif und blickte ihm nun doch wieder direkt in die Augen.
„das haben sie gewiss und mich vielleicht… genau deshalb zu dir geführt. Anfangs dachte ich es sei eine Falle, damit du Rache an mir nehmen kannst. Aber als der Rabe dann plötzlich dich attackiert und mich beschützt hat… da… überkam mich das Gefühl, dass sie viel eher dich retten wollten…“
Er drückte seine Hand nun noch etwas fester. Selbst wenn Leif ihm nun nicht in die Augen sah, Virgil wandte seinen Blick nicht ab.
„es sah aus als….. wärst du nicht mehr du selbst gewesen….. und das ist… einzig und allein meine Schuld, oder?“
sagte er nun mit einem traurigen und schuldbewussten Blick. Denn wie könnte er Leif auch nur irgendwas übel nehmen, wenn doch in Wahrheit er der Auslöser für all das war?
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Leider hatte Virgil den einzigen Menschen, bei dem er so sein durfte, wie er war, verstoßen. Und zwar vollkommen bewusst. Leif versuchte, die Augen vor dem zu verschließen, was der Waliser ihm durch die Offenlegung seines Herzens zeigte, weil er sich vor neuerlichem Schmerz schützen wollte. Aber es funktionierte nicht. Virgil hatte ihn schon wieder vollkommen in der Hand. Ein Gefühl, das er bis vor ein paar Wochen noch sehr angenehm empfunden hatte, jetzt machte es ihm nur neuerliche Angst, niemals von ihm loszukommen.
Er hob lediglich die Schultern. Sicher war es auf eine Art idiotisch, hier gemeinsam zu sitzen, nach allem, was passiert war. Doch in seinem Falle war es auch eine logische Entscheidung. Er hatte Virgil im Wahn verletzt – den Menschen, den er liebte. Dass er nun auf ihn aufpasste und ihm half, wieder zur Church zu kommen, war das Mindeste und es wäre dennoch nicht genug, um sich von der Schuld reinzuwaschen.
Doch je mehr Virgil auf ihn einredete, desto mehr fühlte Leif, wie sein Widerstand bröckelte. Immer noch wollte er nicht dem folgen, was sein zerborstenes Herz ihm aus den Tiefen seiner Seele diktierte, also fing er an, Schwachsinn zu reden. Von Waffen, die nicht aus Holz sein sollten ... und Virgil sprang auf den Zug auf und ... ließ ebenfalls Unsinn vom Stapel. Was ja irgendwie echt süß war. Nur wusste Leif wieder nicht, was er antworten sollte, ohne von dem begabten Schmied aus Balar zu schwärmen und Angebote zu machen, Virgil eine vernünftige Waffe zu besorgen. Denn genau das wollte er wirklich tun. Und vielleicht fand er ja auch einen Weg, ihm eine zukommen zu lassen, wenn auch nicht persönlich? Ob der Rabe so etwas Schweres schleppen könnte? xD Auf jeden Fall war es Leif schon ein Anliegen, dass Virgil sich gut verteidigen und seine zukünftige Familie schützen konnte. Darüber würde er noch mal in Ruhe nachdenken. Fürs Erste schwieg er weiterhin.
Darüber, was vorhin passiert war, wollte er zwar am allerwenigsten reden, doch zu hören, wie Odin über den Raben zu Virgil Kontakt aufgenommen hatte, war viel zu wichtig und wunderbar, als es zu ignorieren. Da ließ Leif kurz seine Mauer bröckeln und ... zuckte auch nicht zurück, als Virgil ihm über die Wange strich. Seine Haut prickelte dabei und verlangte mehr Aufmerksamkeit ... doch er würde sie niemals mehr bekommen, ganz egal, wie verheißungsvoll der Blick wurde, den sie einander zuwarfen. Schon wieder. Aber wie durch ein Wunder schafften sie es erneut, nicht übereinander herzufallen. Das wurde so langsam wirklich anstrengend ... und frustrierend.
»Man sagt, wenn man einem Raben folgt, wird man zu seinem Schicksal geführt«, erwiderte Leif tonlos. Denn wenn das in diesem Fall stimmte, würde Virgil es dennoch nicht annehmen, hm? Denn es implizierte, dass Leif und er füreinander bestimmt waren, zumindest in den Augen der nordischen Götter – und da Virgil nicht an sie glaubte, sondern sich für den Christengott und seinen Weg entschieden hatte ... würde das rein gar nichts zwischen ihnen ändern.
Nun musste Leif lächeln und richtete seinen Blick von den Flammen zu Virgil. »Natürlich werben sie um dich. Wie könnten sie nicht? Du ... bist wirklich ein toller Mann, Virgil, mit vielen guten Eigenschaften. Sie sehen das. Genau wie ich.« Ganz egal, was ihr unterschiedlicher Glaube für eine Kluft zwischen ihnen hatte entstehen lassen, Leif war sich vollkommen bewusst, dass er so jemanden wie Virgil nie wieder finden würde. Dass es der Eine war, den er ziehen lassen musste, und der bereits in ihrer kurzen gemeinsamen Zeit wie ein Seelenverwandter für ihn geworden war.
Bei diesen Gedanken schwand das Lächeln wieder aus seinem Gesicht und machte Trauer Platz. Und auch ein wenig Scham, denn nun kamen sie wirklich zu dem Thema, über das Leif eigentlich um keinen Preis sprechen wollte.
Doch nun hatte er seine Mauer so unverhofft eingerissen, jetzt gab es wohl keinen Weg mehr daran vorbei. »Vielleicht ... wollten sie uns auch beide retten«, gab er leise zurück und spielte damit noch mal auf das Schicksal an, ein schwacher Versuch, an Virgil zu appellieren. Obwohl es vergebens war, das wusste er.
Weswegen er nun seine Version der Dinge erläuterte. Noch mal in die Dunkelheit einzutauchen war besser, als das zarte Pflänzchen der Hoffnung zu hegen, nur damit es spätestens am nächsten Tag kläglich verdurstete.
»Ich möchte nicht von Schuld reden, Virgil. Es ist so ... dass ich regelmäßig in eine Art Finsternis falle. Ich kann den Grund nicht immer benennen, oft passiert es einfach. Und dann flüchte ich mich in die Einsamkeit, weil das für alle besser so ist. Mit der Dunkelheit kommt aber auch immer Zorn. Den ich an Beißern auslasse. Das erste Mal, dass ich es an Menschen tun musste, war bei dem Überfall auf Balar ... meine Heimat und meine Familie war solcher Gefahr ausgesetzt und ich habe alles gegeben, um sie zu bewahren. Danach habe ich jedoch fast nicht zurück zu mir selbst gefunden.«
Leif stellte die Schüssel mit den Ravioli neben sich ab. Ihm war der Appetit vergangen. Um weitersprechen zu können, musste er tief durchatmen. »Diesmal kam die Dunkelheit mit Sicherheit dadurch, dass du Schluss gemacht hast ... aber nicht nur. Gespürt habe ich sie schon vorher. Die Trennung ... hat mir einfach den Rest gegeben. Aber nichts davon entschuldigt meinen Umgang damit. Nur ... das ist eine Art des Verlusts, den ich nicht kenne. Ich kann mir noch nicht mal einreden, dass wir in der Nachwelt eine Chance haben würden, denn wir werden uns dort nicht treffen. Ich war ... und bin damit furchtbar überfordert, um es milde auszudrücken. Die letzten Wochen habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als eine Lösung zu finden oder von diesem Schmerz befreit zu werden. Und als ich dich vorhin gesehen habe ... da dachte ich, die Götter schicken mir einen Weg, mein Band zu dir zu lösen. Wenn ich es schon nicht wiederherstellen kann. Ich dachte ... sie gäben einem der Beißer dein Aussehen und ich müsste ihn nur töten und ...« Leif hob die Schultern, löste seine Hand von Virgils, und rieb sich damit über das Gesicht. »Das habe ich vollkommen falsch verstanden, wie mir die Attacke des Raben überdeutlich vor Augen geführt hat. Nicht auszudenken, was ... was passiert wäre, wenn er nicht ...«
Nein, Leif konnte es nicht aussprechen. Ohnehin hatte er eigentlich schon viel zu viel offengelegt. Womöglich würde Virgil ja jetzt erneut die Panik packen und er sich verziehen? Doch nun konnte Leif keines seiner Worte wieder zurücknehmen, sondern starrte nur weiter ins Feuer, um der Dinge zu harren, die da kamen.
@Virgil Chadburn



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zuletzt bearbeitet 05.05.2022 11:00 |
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Virgil wusste, dass er sich Leif gegenüber wahnsinnig unfair verhielt.. denn als sie zusammen gekommen waren da.. hatte doch auch er ihm das stumme Versprechen gegeben, dass sie alle Schwierigkeiten zusammen meistern und nicht daran zerbrechen würden. Doch das hatte Virgil gebrochen. Und bei der ersten Schwierigkeit aufgegeben. Allerdings musste man auch sagen, dass eine biblische Plage auch wirklich eine heftige Schwierigkeit war! und keine Kleinigkeit, die man schnell aus der Welt schaffte. Doch er hatte wirklich daran geglaubt, dass sie allen Widerständen trotzen könnten… doch da hatte er sich leider geirrt. Und das tat ihm unglaublich Leid. Und er hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, dass er Leif das Herz erst gestohlen und es dann unter seinen Stiefeln zermalmt hatte. So etwas hatte er nicht verdient.. weswegen er auch nicht böse wegen dem Angriff war. Denn Virgil geschah es schon irgendwie Recht…
Als Leif davon sprach, dass ein Rabe die Menschen zu ihrem Schicksal führte da.. wurde Virgil plötzlich ganz nachdenklich.
„zu seinem Schicksal…?“
So war es wohl bei Leif gewesen, als er Balar gefunden hatte. Doch das sollte heißen das… Leif wirklich sein Schicksal sein könnte? Es war keine Manipulation was Leif da tat. Er sagte ihm nur, wie man solche Zeichen in seinem Glauben deutete. Und auch wenn Virgil nach der Sache mit dem Fischsterben wirklich versuchte der vorbildhafteste Christ überhaupt zu sein….. diese Worte führten dazu, dass seine Überzeugung erneut heftig wankte. Denn die Vorstellung, dass Leif wirklich sein Schicksal sein könnte…. die war so wunderschön, dass er sich nichts mehr wünschte, als ihr einfach folgen zu können. Aber nun hatte er seinem Gott ein Versprechen gegeben und einem unschuldigen Mädchen. wie… könnte er das alles nun hinwerfen, nur weil ihm ein Rabe begegnet war? Gott! Virgil war wahnsinnig verwirrt und sah schweigend und grüblerisch ins Feuer. Weshalb Leif sehr wohl sehen konnte, wie seine Worte im Kopf des Christen arbeiteten.
Denn was wenn… der christliche Glaube ja tatsächlich nicht der Richtige für ihn war? Er war damit aufgewachsen und so erzogen worden ja… aber.. hieß das zwangsläufig, dass es das Richtige war? Oder war er bloß zu engstirnig und ängstlich, um zu erkennen…. dass es an der Zeit war seinen eigenen Weg zu gehen? Aus den Denkmustern auszubrechen, mit denen er sich nie zu 100% identifizieren hatte können.. nicht so wie seine Eltern, die Christen mit Leib und Seele gewesen warne. Aber Virgil… er war immer schon ‚anders‘. Und hatte stets gespürt, dass er nicht vollkommen in seine Gemeinschaft passte. War das vielleicht der Hinweis, der ihm gefehlt hatte? Ohje.. gerade erst hatte er sich dazu entschieden diesen Weg zu gehen, doch nun wankte seine Entscheidung wieder heftig. Wie könnte sie auch nicht in Leifs Nähe?
„Sie können froh sein jemanden wie dich in ihren Reihen zu haben..“
sagte Virgil nur schwach lächelnd, als Leif meinte, dass seine Götter auch um Virgil buhlen würden, weil er so ein guter Mensch war. Doch Leif.. war in seinen Augen noch 1000 Mal besser. Und jeder Gott konnte sich dankbar dafür schätzen, ihn als treuen Diener zu haben..
Inzwischen war es ja nicht mal mehr so, dass Virgil die Existenz anderer Götter in Frage stellte. Was ja ebenfalls schon eine Sünde ansich war. Doch die Sache mit dem Raben war so eindeutig gewesen, dass er dieses Zeichen einfach nicht mehr leugnen konnte.
Und erneut sagte Leif etwas, das ihn zum Nachdenken anregte! Was wenn er recht hatte? was wenn… Leifs Götter sie wirklich beide retten wollten? Immerhin hätten sie auch jemand anderen schicken können, um Leif im Kampf zu helfen. Jemanden aus seiner Kolonie beispielsweise. Aber nein.. sie hatten Virgil ausgewählt. Womöglich wollten sie tatsächlich auch ihn davor beschützen eine dumme Entscheidung zu treffen? Oder sie waren einfach hinterhältig und wollten ihm seinem Gott ausspannen. Das war alles so verwirrend!!
Weshalb er erneut nachdenklich ins Feuer starrte.
„Denkst du auch, dass ich gerettet werden muss…?“
Fragte er irgendwann ruhig und grüblerisch, da er wirklich gerne wissen wollte, wie er das gemeint hatte.
Nun aber erzählte Leif ihm endlich von seiner ‚dunklen‘ Seite. Weswegen er den Kopf wieder zu ihm drehte und aufmerksam lauschte.
Jedoch wurde sein Blick immer trauriger je klarer wurde, wie sehr Leif unter ihrer Trennung litt. Das tat Virgil auch.. nur hatte er nicht die Möglichkeit sich so zurück zu ziehen. zumindest nicht langfristig, er musste weiterhin seine Rolle spielen, weshalb er wohl irgendwann gelernt hatte sich nur noch darauf zu konzentrieren und all seine anderen Gefühle abzutöten.
„Es tut… mir so schrecklich Leid, dass ich dir all das angetan habe.. und ich kann verstehen wieso du dieses Band.. mit aller Gewalt zerschlagen wolltest. Weil es dir sonst einfach die Luft abschnürt……“
So wie Virgil das sagte, ging es ihm nicht anders. Er ging nur ein bisschen anders damit um.
„Ich wünschte ich könnte das Licht in deiner Dunkelheit sein und nicht die Hand… die dich noch tiefer in den Abgrund zieht..“
Das wollte er für ihn sein und das sollte er auch. Aber er war es nicht. Es war anders gekommen und all das war nur Virgils Schuld. Wofür er sich wahnsinnig schämte und ihm nun sogar Tränen in die Augen stiegen, weil dieser Gedanke so unerträglich war.
Als Leif weiter sprach, drehte Virgil sich jedoch plötzlich mit feuchten Augen zu ihm und schüttelte den Kopf. Ehe er sein Gesicht ganz fest in seine Hände nahm.
„Ist es aber nicht! Mir ist nichts geschehen… und du sollst dich deshalb nicht quälen. Vielleicht brauchte ich diese Narbe.. als Erinnerung dafür.. was ich dir angetan habe. Vielleicht war es mein Gott, der deine Hand geführt hat.. um mich für meine Sünden zu bestrafen. Und dafür zu sorgen, dass ich sie niemals vergesse….“
Das würde nämlich eine bleibende und sichtbare Erinnerung sein, die Virgil tagtäglich im Spiegel betrachten können würde.. aber nichts davon war Leifs Schuld.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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Wirklich viel Zeit gehabt, sich zu beweisen, was für eine Stütze sie füreinander sein könnten, hatten sie wirklich nicht. Eine Hürde, die zunächst wie eine nur für Leif und Balar wirkte, hatte sie vollkommen überrumpelt. Sofort waren sie mit so etwas Großem konfrontiert worden und waren daran zerbrochen. Eigentlich müsste Leif wahrscheinlich mehr wütend und enttäuscht sein, sich im Stich gelassen fühlen. Teilweise war das auch so, aber gleichsam konnte er Virgil auch verstehen. Wie die Welt in seinem Glauben funktionierte und wieso er davon überzeugt war, die Trennung wäre das Beste für alle. Andere hätten darüber sicher geschmunzelt, wie die Leute es beim Thema Religion eben oft taten. Aber Leif nicht. Ihm war sein eigener Glaube so wichtig, wie könnte er dann den der anderen mit Füßen treten, selbst wenn die Ideologie nicht seiner eigenen entsprach?
Leif nickte wortlos, als Virgil noch einmal wegen des Schicksals nachhakte. Er würde jetzt nicht noch mehr dazu sagen, der Waliser durfte nun selbst interpretieren, was das bedeutete. Und was er mit dieser Aussage machen wollte. Leif würde es gerade nicht mal ausnutzen, wenn er von Virgils Konfusion und Gedanken wüsste. Fragen beantworten, ja ... aber er würde ihn nicht dazu überreden, den Lehren der nordischen Götter zu folgen.
Ob diese jedoch froh waren, jemanden wie ihn in ihren Reihen zu haben? Zweifelnd hob Leif die Schultern. Heute wäre er fast zu einem Mörder geworden, und zwar nicht, weil er seine Familie oder sein Hab und Gut verteidigt hätte, sondern nur aus Eigennutz. Wie wenig die Götter davon hielten, hatte der Rabe ihm schon gezeigt.
Nun stellte Virgil jedoch eine Frage, die Leif dazu brachte, den Blick vom Feuer und ihm zuzuwenden. Kurz überlegte er, ob er ehrlich antworten sollte oder nicht. Zu lügen wäre nicht die feine Art, aber es wäre besser für sie beide, da sie ab morgen wieder getrennte Wege gehen würden. Und dann für immer. Doch Leif schaffte es einfach nicht. Er konnte seinen Seelenverwandten nicht anlügen. Also nickte er. »Ich habe auch egoistische Gründe, zuzustimmen, aber der Weg, auf dem du dich befindest, der ... ist nicht gut. Du magst ihn vor dir rechtfertigen können, aber wie lange? Und was wird der Preis dafür sein? Vielleicht sterben keine Fische mehr, aber ... dafür du, Stück für Stück.« Und das fand Leif viel grausamer, weil er nicht wollte, dass der Mann, den er liebte, irgendwann nur noch eine leere Hülle war.
Auch was seine dunkle Seite anging, konnte Leif nun nicht mehr länger ausweichen. Also erzählte er bereitwillig, wie es in ihm aussah und welchem Irrweg er vorhin fast gefolgt wäre. Virgil reagierte mit Verständnis und einer Entschuldigung, und beides konnte Leif nicht so gut annehmen. Nicht, weil er es nicht wollte, sondern eher ... weil er nicht glaubte, es verdient zu haben. Er schloss kurz die Augen, als Virgil noch sagte, er wollte für ihn lieber das Licht in der Dunkelheit sein und wisperte: »Das wünschte ich auch.« Doch es war ausgeknipst, dieses Licht ... selbst jetzt flackerte es nur wirr neben ihm. Worüber Leif jedoch froh war, sonst hätte er sich wohl nicht mehr zurückhalten können, um sich an ihm zu laben. Oder vielmehr an Virgil. Es existierte immer noch eine Mauer zwischen ihnen, egal, wie weit sie abgetragen war und wie oft Virgil bereits rübergegriffen hatte, um Nähe zu suchen.
Und jetzt tat er es schon wieder! Leif sah ihm jedoch nur kurz in die Augen und legte dann seine Hände auf Virgils ... um sie von seiner Wange zu nehmen. Jetzt schüttelte er den Kopf. »Nein! Meine Hand habe ganz allein ich geführt, weder dein Gott, noch meine Götter hatten etwas damit zu tun. Für manche Dinge muss man ganz allein die Verantwortung übernehmen, und das tu ich. Ich habe mich aufgegeben und in etwas verrannt und dir damit fast dein Leben genommen!«
Mit einem Ruck kam er auf die Beine, drehte Virgil den Rücken zu und marschierte ein paar Schritte Richtung Meer. Er brauchte diesen Abstand, um sich zu beruhigen. Das alles wühlte ihn immer noch extrem auf und dass er den Zustand seiner Seele gerade auf dem Silbertablett präsentierte, machte rein gar nichts besser.
@Virgil Chadburn



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Virgil würden diese Gedanken in den kommenden Wochen wohl stetig begleiten. Denn war der Zweifel erst einmal gesät, würde er wachsen und wuchern.. bislang war es ihm stets gelungen dieses Pflänzchen im Keim zu ersticken. Doch könnte er das nun immer noch? Nun wo er so.. eindeutige Signale erhalten hatte? Das war schwierig. In ihm tobte ein Kampf zwischen dem was er wollte… und dem was man ihn von kleinauf gelehrt hatte. Ein innerer Konflikt der ihn fast um den Verstand brachte. Und wohl auch dazu führte, dass er solche idiotischen und undurchdachten Entscheidungen traf.
Und Leif bezeichnete seinen Weg dann auch noch ganz direkt als…. ‚schlecht‘.. was ihn schon traf. Denn er dachte eigentlich, dass seine Entscheidung das einzig Vernünftige wäre.
„Aber dafür kannst du leben…. und.. hoffentlich irgendwann mit jemandem glücklich werden, der dich nicht total verrückt aus einem Gebüsch heraus stalkt…“
Er bemühte sich um ein schwaches Schmunzeln aber es verendete unterwegs kläglich. Denn eigentlich war ihm gar nicht zum Scherzen zumute. Er war traurig. Wünschte sich aber nichts sehnlicher, als das Leif durch sein Opfer vor dem Zorn seines Gottes verschont bleiben würde und irgendwann sein Glück fand… dafür nahm er es in Kauf am Ende nur als leere Hülle zurück zu bleiben.
Trotz allem konnte Virgil nicht anders…. als ständig irgendeine Form von Körperkontakt zu Leif zu suchen. Er sehnte sich so sehr nach seinen Berührungen.. das er sich gegen diesen Drang einfach nicht erwehren konnte. Es war zum Verrücktwerden!
Nur das Leif ihm diesmal ganz deutlich zu verstehen gab, dass er das bleiben lassen sollte. Denn er zog seine Hände von sich und schob sie wieder nach unten. Weswegen Virgil natürlich von ihm abließ.
Leif war aufgebracht. Und machte sich offenbar schreckliche Vorwürfe wegen dem was passiert war. Virgil wollte etwas sagen. Doch bevor er das konnte.. ließ Leif ihn stehen und stapfte in Richtung Meer.
Virgil blieb unschlüssig zurück und sah ihm nach. Leif machte doch gerade sehr deutlich, dass er Abstand von ihm brauchte. Aber… seine Worte einfach so stehen zu lassen? Nein, das konnte er auch nicht.
Weshalb er sich nach ein paar Minuten des Zögerns langsam wieder annäherte.
Er stellte sich neben Leif und… würde ihm am liebsten liebevoll die Hand auf die Schulter legen, um ihn zu trösten. Er hob ja sogar schon die Hand und kam seiner Haut ganz nah. Zog sie… dann aber doch wieder zurück, kurz bevor er ihn berührte.
Er musste damit aufhören… er musste aufhören ihn ständig anzufassen und seine Nähe zu suchen, denn das würde alles für Leif nur noch viel schlimmer machen.
„Du konntest mir mein Leben gar nicht nehmen Leif…. denn.. das habe ich bereits getan. In dem Moment… als ich dich verlassen habe..“
In diesem Augenblick hatte er sein Leben aufgegeben. So wie Leif es vorhin beschrieben hatte. Es war die Wahrheit und Virgil wollte es gar nicht länger abstreiten. Wahrscheinlich hätte es ihn nicht einmal sonderlich gestört, hätte Leif tatsächlich den letzten Schlag ausgeführt. Dann wäre es wenigstens das Gesicht des Mannes gewesen den er liebte, das er vor seinem Tod gesehen hätte.
Nachdenklich und schweigend sah er ein paar Augenblicke lang aufs Meer. Denn was noch viel mehr an ihm nagte, als die Tatsache, ihr beider Leben zerstört zu haben, war, dass Leif sich seinetwegen aufgab… und das.. konnte er einfach nicht zulassen.
„Du sagtest doch… der Rabe führt einen zu seinem Schicksal. Deines.. hat dich nach Balar geführt. Also.. kannst und wirst du nicht aufgeben Leif. Denn dort gibt es Menschen die dich brauchen, die auf dich zählen und die deine Familie sind. wenn nicht für uns dann…. kämpfe für sie. Du bist ein Wikinger.. und du wirst ganz bestimmt nicht einfach aufgeben…. nur wegen einem dummen Christen…“
Leif war viel stärker als das. Er.. würde das schaffen. Und sich wieder aus dieser Dunkelheit befreien. Virgil konnte nicht mehr der Grund für ihn sein, wieso er es tat… aber womöglich fand sich einer hinter den Mauern von Balar.
@Leif Tyrson



Wie kommt es, dass wir Gott so bereitwillig unser Unglück zuschreiben, aber nicht unser Glück?
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»Ich will nicht mit irgendjemandem glücklich werden, sondern mit dir. Aber es geht nicht um mich, es ist dein Wohl, um das ich mir Sorgen mache. Du wirst eine Lüge leben, die nicht nur dich beeinflusst, auch wenn du dir das einredest.« Leif war ebenso traurig, weswegen seine Stimme geradezu schwach und resigniert klang. »Du hast mich gefragt, ob du gerettet werden musst, und das ist meine Antwort. Ich will nicht, dass du unglücklich und eine leblose Hülle wirst, die nur noch funktioniert. Du sollst ein schönes und erfülltes Leben haben und dein wunderbares Wesen jedem ungefiltert zeigen dürfen.« Aber ob Virgil die Fingerzeige annehmen würde, die nordischen Götter ihm gaben, musste er allein entscheiden. Sie könnten ihn zu wahrer Größe führen, das wusste Leif. Und da war es auch ganz egal, ob sie beide wieder ein Paar werden würden oder nicht.
Bisher war Leif nicht fähig gewesen, den Körperkontakt und die innigen Momente zu unterbinden. Er hatte es im Grunde auch gar nicht gewollt und sogar Kraft daraus gezogen, so bitter der Beigeschmack auch war. Aber jetzt? Jetzt wollte Virgil ihm eine Art Absolution erteilen. Und an das zu denken, was vorhin passiert war, wühlte Leif schon wieder so auf, dass jede Faser seines Körpers unangenehm prickelte. Zumal der Morgen immer näher rückte und diese Zusammenkunft bald eine weitere schmerzhafte Erinnerung sein würde. Leif hatte gerade erneut das Gefühl, alles würde wie ein Kartenhaus über ihm zusammenstürzen und deswegen hielt er es keine weitere Sekunde mehr aus, dass Virgil ihn so intensiv und mitleidig ansah.
Einige Minuten stand er hier am Strand und atmete tief durch. Der Blick in die Sterne und das Rauschen des Meeres beruhigten ihn ein bisschen, doch Frieden und Ruhe wollten sich einfach nicht einstellen. Bald spürte er auch Virgils Präsenz hinter sich und schloss die Augen. Eigentlich war es schön, dass er ihn nicht allein ließ, doch ihr Gespräch ... das würde nicht einfacher werden.
»Ist Selbstmord nicht auch eine Sünde?«, fragte er leise. In diesem Fall ein metaphorischer Selbstmord, so wie Virgil es beschrieb, aber dennoch. Wie viele Sünden wollte der Waliser noch begehen, nur um diese eine ... die Liebe zu ihm ... auszugleichen? War das wirklich das, was sein Gott wollte? Leif konnte das immer noch nicht fassen.
Als Virgil jedoch von Aufgeben sprach, drehte sich Leif um und sah ihm in die Augen. »Ich habe nie gesagt, dass ich aufgebe. Dass ich weitermachen muss, weiß ich. Ich wollte mein Leben zurück, das ... vor dir. Deswegen habe ich mir so verzweifelt gewünscht, dass mir die Götter einen Weg zeigen, mich von dem Band zu dir zu lösen. Aber den gibt es nicht. Also müssen wir beide damit leben. Du mit deiner Lüge und ich ... ohne Herz.«
@Virgil Chadburn



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Autsch… Leifs Worte taten einfach nur weh. Was aber eben vorrangig daran lag dass.. er Recht hatte. Und zwar mit allem was er sagte. Und doch war Virgil einfach gefangen in dieser Situation. Er wusste nicht wie er nun noch einen Rückzieher machen sollte. Ihre Hochzeit wurde doch längst vorbereitet und seine Gemeinde würde es ihm niemals verzeihen, wenn er dieses Mädchen sitzen ließ. Die Frau.. die jeder in der Gemeinschaft liebte. Und sein Gott? Der würde ihm wohl gleich die nächste Plage auf den Hals hetzen.. oder den Menschen die er liebte, wegen seinem Ungehorsam und all den Sünden die er am laufenden Band beging.
also was sollte er dazu sagen? Ja, Leif hatte Recht. Aber sich das einzugestehen würde leider trotzdem nichts ändern.
„Das tue ich bereits mein ganzes Leben lang.. ich werde mich wieder daran gewöhnen..“
Leif hatte alles verändert. Zum ersten Mal hatte er gespürt, was Leben wirklich bedeutete. Vielleicht wäre es besser gewesen er hätte diese Erfahrung nicht gemacht. Dann würde es ihm nun nicht so schwer fallen, zu seiner Farce namens Leben zurück zu kehren.
Als er dann auch noch so liebe Sachen sagte da.. stiegen ihm erneut die Tränen in die Augen. Denn es war so bitter zu hören wie positiv Leif immer noch von ihm sprach, obwohl er ihm so viel Schmerz zugefügt hatte.
„vielleicht irrst du dich ja.. und mein Wesen ist gar nicht so außergewöhnlich wie du denkst..“
und so wunderbar. Denn wäre es so.. hätte er Leif dann einfach sitzen gelassen? Er sollte ihn lieber hassen als so schöne Dinge zu ihm zu sagen. Denn das führte dazu, dass auch Virgils Mauern fielen. Und er Angst hatte, dass er sie nicht mehr hoch ziehen konnte. Das musste er aber.. um weiter bei seiner Gemeinschaft bleiben zu können.
Sie beide brauchten wohl eine kurze Pause von all der harten Kost, die hier ausgesprochen und offenbart wurde. Und doch zogen sie einander wieder an wie die Motten das Feuer. Und Virgil hielt es nicht aus Leif so traurig am Meer stehen zu sehen. Er musste einfach zu ihm gehen. Auch wenn das vielleicht ein Fehler war. Den er stellte ihm nur noch mehr Fragen, die ihn verwirrten und seine Unsicherheiten verstärkten.
Er sagte also nichts mehr zu der Sache mit dem Selbstmord denn… diese Aussage stand für sich. Und Virgil sah sich gerade nicht dazu im Stande irgendetwas darauf zu erwidern. Weshalb er nur verbissen in den dunklen Ozean sah und schwieg.
Was nun aber wirklich richtig weh tat waren seine letzten Worte. Leif würde fortan… ohne Herz leben? Bisher hatte er seine Tränen immer zurück kämpfen können. Aber jetzt fühlte er nur noch, wie sie heiß über seine Wangen liefen und stumm in den Sand hinab fielen.
„Ich wünschte.. ich könnte dir sagen, dass ich es bereue dich angesprochen zu haben.. und dich um Vergebung bitten. Aber das kann ich nicht, denn ich würde es immer wieder tun. Die wenigen Wochen die wir zusammen hatten… waren die schönsten meines Lebens. Und du der mit Abstand schönste Mensch, der mir je begegnet ist. Sowohl innerlich als auch äußerlich. Ich.. möchte dieses Band also gar nicht zerstören oder.. die Erinnerungen an dich tilgen. Egal wie schmerzhaft sie auch sind. Ich bin dankbar das ich die Chance hatte zu erleben wie… sich Liebe tatsächlich anfühlt. Aber ich verstehe wenn… du das nicht so sehen kannst und das Band zu mir.. endgültig kappen möchtest. Ich.. werde das respektieren und dich in Ruhe lassen.. damit….. du dein Herz wieder finden kannst“
Denn Virgil durfte einfach nicht daran glauben, dass das Herz des Wikingers für immer verloren war. Selbst wenn es jetzt vielleicht so schien… es würde heilen und eine neue Liebe finden. Doch so lange Virgil in seinem Leben war, konnte es das nicht. Also musste er gehen. Egal wie weh es tat.
„….ich raste mich noch etwas aus.. du.. musst mich bei Sonnenaufgang nicht zurück zu meiner Kolonie bringen. Das schaffe ich alleine.. sobald der Tag angebrochen ist….“
und mit diesen Worten wandte Virgil sich von Leif ab und ging zurück in den Leuchtturm. Wobei seine Schritte sich etwas beschleunigten, da er das Gefühl hatte dass… die Trauer ihn jeden Moment vollkommen überwältigen würde.
Und so war es auch. Denn kaum war er oben angekommen… presste er das Gesicht ganz fest in das Kissen und eine Sintflut an Tränen lief aus seinen Augen. Es tat so weh! Es tat so schrecklich weh! Und trotzdem… würde er nicht eine Sekunde die sie gemeinsam erlebt hatten, jemals unter einem schlechten Licht betrachten.
@Leif Tyrson



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