Wann war es eigentlich so scheißen-kalt geworden? Eingepackt in seine dickste Jacke und gegen den Wind ankämpfend fuhr Ryley den leeren Highway entlang. Hier und da wich er einem liegen gebliebenem Wagen oder Beißer aus. Der dicke Stau würde sich erst in Richtung Innenstadt bilden, doch im Gegensatz zu warmen, brummenden Motoren, die früher für aufgestaute Wut gesorgt hatten, waren es heutzutage nur die leeren Schalen und Echos der Vergangenheit, die den Zugang zu den Städten erschwerten. Die Zeit, in der alle versucht hatten über die Hauptstraßen aus der Stadt zu fliehen war lange vorbei. Jetzt zeugten nur noch mit Pflanzen überwucherte Karossen von dem was damals passiert war. Die 301 war damals überaus belebt gewesen, bald würde er auf die 97 wechseln die ihn schließlich weiter nach Boston führen würde. Trotz der Kälte stand ihm der Schweiß auf der Stirn, er musste seine Temperatur nicht erst messen, um zu wissen, dass er fieberte. Schuld war die Infektion, die sich in seinem Körper ausgebreitet hatte und die ihn nun zwang tatsächlich einen Arzt aufzusuchen. Hatte er noch gehofft drum herumzukommen. Die ersten Tage hatte die Wunde tatsächlich noch ganz gut ausgesehen, doch dann hatte sie zu eitern begonnen. Seine Schmerzmittel waren fast aufgebraucht und Antibiotika hatte er auch keine mehr. Er hatte noch versucht welches zu ertauschen, doch die wenigen Menschen, die ihm unterwegs begegnet waren, hatten keine zu erübrigen. Dafür aber Information. Informationen über die Ärztin, die Sky erwähnt hatte. Jasmine Fraser befand sich bei einer Gruppierung aus Bikern und verließ ihre Kolonie eher selten. Verständlich, immerhin war eine Ärztin ein zu schützendes Gut, gab es davon generell viel zu wenige. Wenn sie also selbst nicht viel rumkam, dann musste Ryley eben zu ihr kommen.
Die Anarchy Rider, wie sich die Mitglieder der Kolonie nannten, hatten sich in der Nähe von Glen Burnie niedergelassen und bewohnten dort eine Arial mit diverse Trailern. Normalerweise wäre Ryley von seinem Bike abgestiegen, doch mit seiner Verletzung war Laufen und Schieben schlichtweg nicht drin. Daher fuhr er langsam auf die Wachen zu, die ihn bereits misstrauische musterten. Er wusste nicht, wie aufgeschlossen die Rider waren, ob sie mit Fremden handelten oder eben nicht. Dennoch musste er es versuchen. Er hielt ein Stück vor ihnen und hob die Hände, als Zeichen das er nicht bewaffnet war. Seine Waffe hing gut sichtbar in einem Holster an seinem Gürtel. „Men Name is Ryley Thompson, ick suche nach der Ärztin Jasmine Fraser, Sky Griffin hat sie emfohln und man sagte mir, sie sei hier zu findn“, erklärte er, während er – immer noch sitzend- sein Bike auf den Ständer stellte. Dann zog er vorsichtig die Hose am verletzen Bein nach ob. Der Verband war schmutzig, die Wunde hatte bereits hindurchgenässt. „Ick brauche Hilfe“, fügte er hinzu, eher ihm schwindelig wurde und beinah von der Maschine kippte.
@Jasmine Fraser