Sie war kaum ein paar Tage in diesem Haus, einem neuen Zuhause wie man ihr gesagt hatte, und wusste jetzt schon, dass sie nicht hier bleiben würde. Warum? Weil es immer so war! Man holte das Mädchen aus dem Heim in das sie immer wieder abgeschoben wurde, verbrachte ein paar tage oder auch Wochen mit ihr und wenn es anstrengend wurde dann gab man sie wieder ab. Wie ein Möbelstück. Oder eine defekte Maschine.
Aber sie war keine Maschine! Sie hatte Gefühle und die wollte sie auch am Liebsten herausschreien. Doch das konnte sie oft nicht, manchmal wusste Maeve nicht einmal wie sie sich eigentlich fühlte. Wie sollte sie es da der ganzen Welt sagen? Wie auch immer, sie war in diesem neuen Haus und ganz sicher, dass sie auch hier nicht für immer leben würde. Auch wenn die Frau die sich als ihre neue Mom ausgegeben hatte ganz nett zu sein schien. Maeve glaubte ihr allerdings nicht so ganz. Die Frau, die freundlich und offen auf sie zugegangen war und schon oft Kindern ein Zuhause gegeben hatte für eine gewisse Zeit, verunsicherte Maeve und sie wusste nicht ob sie ihr trauen konnte. Denn das hatte sie bisher nie gekonnt, niemandem, nicht einmal den Leuten aus dem Heim.
Dass sich das Jugendamt um sie kümmerte war ihr Glück, denn sonst wäre Maeve... vermutlich nicht mehr am Leben?! Sie hatte nie eine wirklich eigene Familie gehabt, denn sie wurde schon als Kleinkind abgegeben. Wovon sie allerdings wenig wusste, denn sie war sich dessen noch nicht so bewusst. Nur, dass sie nie ganz dazu gehörte und dass sie eben keine Mommy hatte die sich um sie kümmerte und aus der Schule holte, und keinen Papa der abends nach Hause kam und an dem sie hochklettern konnte und er sie umarmte und mit ihr Unfug anstellte.
Den musste sie alleine anstellen. Und das zur Genüge! Denn ihre Unsicherheit machte sie mit Streichen wett, immer wieder stellte sie etwas an, auch einmal schoss sie über das Ziel etwas hinaus. Was auch der Grund war warum sie schon mehrmals wieder abgegeben worden war und das schon mit ihren gerade einmal sechs Jahren. Bereits in vier Familien war sie gewesen und zwei davon hatten aufgegeben als das stürmische Mädchen ihnen zu viel wurde.
Maeve versuchte alle Unsicherheit die sie im Herzchen trug mit vorlauten Rufen und allgemein mit Lautstärke wett zu machen und der Welt klarzumachen, dass sie auch ganz gut alleine zurecht kam. Dass das alles im Teenageralter noch viel schlimmer werden würde, ahnte noch niemand.
Und noch wusste auch keiner, dass sie schon oft abgehauen war, denn die Familie vor dieser hier hatte nicht einmal gecheckt dass sie immer wieder entwischt war. Sie war eben wieder da gewesen wenn man nach ihr suchte, stand dann plötzlich irgendwo. Warum wusste sie selbst nicht. Vielleicht hatte sie zu viel Angst um WIRKLICH wegzulaufen? Doch das würde sich schon in wenigen Jahren komplett ändern.
Jetzt lief sie auch weg, aber nicht aus Angst. Sie hatte gelauscht und das etwas ältere Mädchen an seinem Schreibtisch beobachtet. Und als dieses sich umdrehte und in ihre Richtung sah, rannte die kleine Maeve einfach davon. Zack über den Flur und ab in das Zimmer in dem man sie untergebracht hatte. 'Das ist jetzt dein Zimmer' hatte die Frau gesagt und es sicher auch nett gemeint, doch das Mädchen wollte sich hier nicht sicher fühlen, das hier war nicht ihr Zuhause weil es das nicht bleiben würde. Maeve wusste nicht, ob man sie nur hierher gebracht hatte um sie zu erziehen und es folgenden Familien einfacher zu machen oder weil die Frau dachte sie wirklich haben zu wollen. Doch das Mädchen wusste, dass sie schon bald die Nase von ihr voll haben würde. Wie alle die sie kennenlernte!
Doch sie hatte die Rechnung ohne das Mädchen gemacht, denn dieses war ihr bis hierhin gefolgt. Gerade als Maeve sich auf das Bett gesetzt hatte und sich fragte ob sie sich unter der Decke verstecken sollte oder nur nach dem großen Bären greifen der dort saß, öffnete sich die Türe und die Ältere stand darin. "Magst du mit runter kommen? Meine Mom hat Lasagne gekocht und ich wette wir können uns ein paar Kekse stibitzen. Ich zeig dir die geheime Keksdose wo sie gelagert werden.", fragte sie. Maeve sah wie sie mit den Fingern in der Luft eine Geste machte und sah sie fragend an.
"Was heißt das?", wollt sie wissen und ahmte die Geste nach, etwas unsicher. "Kekse klingt gut.", meinte sie dann aber und ihre Stimme klang vorsichtig freundlich, aber für diesen Moment nicht so aufmüpfig und laut wie gestern Abend, oder den Tag davor. Gerade wollte sie ihre Frage beantwortet haben und dann ein paar Kekse. Und danach würde sie weitersehen. Mit Keksen war das kleine Mädchen schon zu locken.
@Milou Driscoll
@Lyanna Lockhart für die Blackliste