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THE DEAD DON’T DIE
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#1

16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

26.02.2024 15:14
Nano West Nano West (gelöscht)
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Für einen so ruhigen Tag hatte Nano bereits am frühen Abend ein ziemlich seltsames Gefühl gehabt. Nicht, das er sich permanent mit den Außenkameras beschäftigt hätte, aber irgendetwas lag heute eindeutig in der Luft. Kurz vor der Dämmerung hatte er es dann doch nicht mehr drinnen ausgehalten. Er musste sich vergewissern, das alles mit dem Lager in Ordnung war. Nur weil er es wie seine Eltern seit Jahren bewahrte und verbarg hatte er dort noch etwas zu verteidigen. Sonst wäre es erheblich schwerer noch etwas zu essen zu finden, was nicht in dem kleinen Treibhaus wuchs, das seine Mutter auf dem Grundstück des Anwesens errichtet hatte. Von den anderen Dingen ganz zu schweigen. Er nahm dieses Mal den großen Rucksack und erreichte das Lager auch ohne große Probleme. Nirgendwo auf der Straße hatte er mehr als ein paar verstreute Beißer gesehen. Aber man konnte nie wissen. Die letzte Herde hatte ihn satte fünf Tage dazu verdammt, drinnen zu bleiben und vielleicht war es ja das? Dann musste er definitiv besser vorbereitet sein als er es jetzt war. In den letzten Tagen war ihm aus irgend einem Grund alles egal gewesen. Vielleicht lag es daran, das gestern der Todestag seines Vaters gewesen war…. Ja, sicher lag es daran. Er kontrollierte die wenigen Kameras, die er installiert hatte und betrat dann wieder die Mall. Hierher zu kommen war immer wieder gruselig. Und jetzt, im letzten Licht des Tages war diese Atmosphäre noch bedrückender als sie es ohnehin schon gewesen war. Er seufzte und klapperte langsam die Läden der beiden Etagen ab. Er konnte sich nicht leisten, überrascht zu werden, wenn er voll gepackt wieder hier auftauchte. Aber hier war tatsächlich alles so ruhig wie immer. Nano hielt bei dem kleinen Medialaden und betrat ihn dann zum gefühlt hundertsten Mal. Wenn das meiste Zeug nicht komplett nutzlos geworden wäre. Trotzdem packte er ein paar der immer noch verpackten Handys ein. Er brauchte noch Werkstoffe und es wurde Zeit, das er mal nachschaute, ob das Innenleben noch zu etwas anderem gut war. Hinter dem Tresen des Ladens war er noch nie gewesen. Warum auch? Hier war nicht viel, was interessant für ihn war. Er musterte die Wand und fand einen Film, den er jetzt schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ob es viele Leute gab die noch immer in der Lage waren, Filme zu schauen? Er selbst hatte den Player eine Zeit lang immer weniger genutzt, aus Angst, er könnte irgendwann total ausfallen. Aber das hatte sich schnell gelegt. Wenn es kaputt ging, dann war es eben so. Er zögerte, beugte sich unter den Tresen und zog dann langsam eine Waffe hervor. Da hatte sich wohl jemand gegen Diebe vorbereitet. Nach einigem Suchen fand er die Munition der Pistole und packte beides in den Rucksack. Er war zwar kein Freund von Schusswaffen, aber die Zeiten waren nun mal völlig anders geworden. Er verließ den Laden und ging dann nach unten zum Lager, um den Rucksack zu füllen. Er hatte ein ziemliches Gewicht als er ihn endlich auf den Rücken hievte, und das Einkaufszentrum wieder verließ.

Immer noch erschienen die Straßen ruhig, wenn es jetzt auch vollkommen dunkel geworden war. Er ließ die Türen wie immer offen und machte sich auf den Weg nach Hause. Etwa mittig auf der Mainstreet verharrte er. Er hatte ein Geräusch gehört, das sich von den bekannten unterschied. Aufmerksam sah er sich um, drehte sich im Kreis und runzelte dann die Stirn. Oder er bildete sich das vielleicht nur ein, weil er heute ja schon förmlich auf etwas Ungewöhnliches wartete. „Wenn du jetzt zu spinnen anfängst, kannst du dich auch gleich selbst entsorgen…“ Er hatte die Worte nur gemurmelt und setzte sich wieder in Bewegung. Den Schatten, der förmlich auf ihn zuflog sah er beinahe zu spät und wich nur gerade so einem harten Schlag aus, der auf seinen Kopf gezielt hatte. Er wich zurück und hörte das harte Fluchen eines Mannes, der jetzt aus dem Schatten eines Lieferwagens auf ihn zustürzte. „Schön hierbleiben, Bürschchen. Du entkommst mir nicht.“ Nano hatte erschrocken ein paar Schritte rückwärts gemacht und bereute sofort, sich zum Ausweichen nach hinten gelehnt zu haben. Das Gewicht des Rucksacks verlagerte sich sofort und zog ihn weiter nach hinten. Eine harte, schmutzige Visage erschien im Licht seiner Lampe. „Ich hab gesagt, du sollst stehenbleiben.“ Nano hielt den Rucksack eisern fest und ließ die Hand in die Tasche seiner Jacke gleiten. Er hörte das Entsichern des Gewehres vor ihm umgehend. „Das würd ich lassen, Kleiner, sonst verteil ich das Hirn aus deinem hübschen Köpfchen großflächig auf der ganzen Straße. Aber ich würde mir die Kugeln gerne sparen. Also sei ein lieber Junge und gib mir den Rucksack.“ Nano fluchte unterdrückt. Gerade heute? Er hätte die Waffe einfach an ihrem Platz liegenlassen sollen. „Können wir nicht…“ „NEIN! KÖNNEN WIR NICHT! TASCHE! JETZT!“ Der Kerl war noch einen Schritt näher gekommen und Nano wich instinktiv zurück. Dieses Mal aber einen Schritt zu weit. Der Rucksack bekam nun doch das Übergewicht und zog ihn ein Stück zurück. Ein Auto bremste das Stolpern und Nano ließ sich erschrocken fallen, als er das wütende Schnauben des Mannes hörte. Vermutlich hielt er das für einen Fluchtversuch. Der Schuss riss die Jacke an seiner Schulter in Fetzen und Nanos Herz setzte einen Schlag lang aus, als er jetzt den Stahl der Mündung an seiner Stirn fühlte. „Das reicht jetzt, du kleiner Drecksack. Jetzt bist du fällig. Du willst mich wohl verarschen.“ Nano atmete schnell. Der Idiot über ihm machte viel zu viel Lärm. „Ist ja gut.. Moment… ich.. zieh ihn ja schon aus…“ Er wich etwas vor der Waffe zurück, doch viel Platz hatte er hier unten auf Boden an das Blech des stehenden Fahrzeugs gepresst nicht wirklich. Er glitt mit dem rechten Arm aus dem Schulterriemen. Warum hatte er die Waffe auch unten in den Rucksack gepackt? Das war so unbeschreiblich dumm gewesen das er das hier fast schon verdiente.

@Leo Young


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#2

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

26.02.2024 23:44
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Er hatte lange gebraucht, um ein geeignetes Versteck für sein Fahrzeug zu finden. Aber das Quad wäre ihm bei seinem Vorhaben schlicht und ergreifend nur im Weg gewesen. Zu Fuß konnte er die nächsten Straßenzüge nicht nur unauffälliger durchforsten, da er zum Plündern da war, war das Risiko zu groß, daß irgend ein Vollidiot sein am Straßenrand geparktes Fahrzeug klaute. Sein Blick glitt zur Sonne. Noch stand sie hoch genug. Er hatte also noch einige Stunden Zeit, bevor sie unterging. Sein Blick glitt zu den beiden Armbanduhren an seinem Handgelenk. Beide tickten und zeigten die Identische Uhrzeit. Sehr gut. Die Chance daß beide zusammen den Geist aufgaben war gering. Zügig verstaute er seine Pistole im Hosenbund und befestigte die Axt mit zwei alten Gürteln auf dem Rücken. Zielstrebig ging er zu einem der nahen Häuser, versuchte durch das schmutzige Fenster hineinzusehen und wischte mit der Hand eine kleine Stelle frei. Hoffentlich gab es hier noch das eine oder andere Kleidungsstück. Sein T-Shirt war kurz davor ein Loch mit etwas Stoff drumherum zu werden, während seine Unterhose heute Morgen den Weg alles Sterblichen gegangen war. Direkt ins Feuer. Dummerweise war das die letzte gewesen, da sich seine aktuell geplante 'Einkaufstour' durch eine Beißerherde um ein paar Tage verzögerte. Und wenn er nicht bald eine einigermaßen passende bekam, dann hatte er ein wirkliches Problem.

Vorsichtig schob er die Eingangstür auf und betrat den schummrigen Gang. Eine Treppe, die vor vielen Jahren mit Kisten und Matratzen versperrt worden war, führte nach oben, während hier unten mehrere Türen vom Gang abgingen. Er stieg über die zerstörte Barrikade hinweg und erklomm eine knarrende Stufe nach der anderen. Erfahrungsgemäß waren die unteren drei Stockwerke meistens schon leer geplündert worden. Weiter hoch gingen die meisten jedoch nicht. Wohl weil jede Minute in einem beengten Gebäude das Risiko zu Sterben steigerte. Dennoch stieg Leo die gesamte Treppe hoch und begann damit ganz oben nach Brauchbarem zu suchen.

Angestrengt lauschte er, konnte aber keinen noch so leisen Laut vernehmen. Deswegen schob er langsam und so leise wie möglich die erste Türe auf. Der Gestank lange stehender Luft breitete sich aus. Hier war wirklich schon seit einer gefühlten Ewigkeit niemand mehr gewesen. Schon so lange, daß der Kadaver des Hundes hinter der Tür, der hier wohl mit seinem Herrchen gelebt hatte nicht mehr stank, sondern nurnoch aus Knochen bestand. Leo musterte die Knochen einige Sekunden. Das arme Tier hätten die Besitzer ruhig rauslassen können, damit er wenigstens eine Chance gehabt hätte, zu überleben. So war der Hund wahrscheinlich verdurstet oder verhungert. Beides keine schöne Vorstellung.

Vorsichtig ging Leo weiter und sah sich um. Bingo. Hier war offenbar die ersten Tage Niemand wegen dem Hund rein gekommen und als dieser verendet war, war niemand mehr da gewesen um rein zu gehen. Und andere Plünderer waren offenbar noch nicht hier hoch gekommen. Er zog sein Halstuch hoch und bedeckte Nase und Mund, um nicht zu viel Staub einzuatmen, bevor er sich auf den Weg zu Küche machte. Als erstes zog er die Kühlschranktür auf. Der intensive Gestank von verdorbenen Lebensmitteln schlug ihm entgegen. In dem Luftdicht abgetrennten Kasten hatte sich der Geruch gut gehalten. Schnell griff er nach den beiden Getränkedosen und der Flasche Sprudelwasser. Was für ein toller Schatz hier verborgen gewesen war. Sein Blick glitt durch die Reste und er unterdrückte das Seufzen. Offenbar war der Besitzer noch nicht beim einkaufen gewesen, bevor es mit diesem Scheiß losgegangen war und das war drin gelagert wurde war bis zur Unkenntlichkeit verdorben.

Als nächstes zog er die Schranktüren auf. Geschirr, Geschirr, Töpfe. Hinter einer Schranktür mit tiefen Kratzspuren fand er einen Sack Hundetrockenfutter, Offenbar hatte der Hund versucht, sich durch das Holz zu seinem Futtervorrat durch zu kratzen, bevor er irgendwann erschöpft zur Tür ging um vielleicht einen Weg raus zu finden und dort eingegangen war. Ein tragisches Schicksal. Der Überlebende öffnete eine weitere Schranktür und entdeckte ganz hinten eine einzelne Konservendose. Er zog sie vor und konnte sich einen unwilligen Laut nicht verbieten, während ihm die nächsten Worte leise über die Lippen glitt. "Dein fucking Ernst? Warum ist es denn wieder eine Dose Bohnen?" Das konnte doch eigentlich nicht sein. Jetzt fand er nur noch ganz selten Konserven und immer war es eine Dose Bohnen. Weiß, rot, dick, grün, egal. Es war die beschissene letzte Dose Bohnen. Immer. Dennoch wanderte die Dose in seine Tasche und er sah sich um. Irgendwo musste die Tür zum Schlafzimmer sein. Und dort, fand er vielleicht einen Schlüpfer ohne unnötige Extralöcher. Er schob die nächste Zimmertür auf und erstarrte mitten in der Bewegung. Lange Sekunden glitt sein Blick durch den Raum, bevor er die Tür wieder schloß. Die Babywiege mitten im Raum erinnerte ihn daran, daß nicht nur Erwachsene zu Opfern geworden waren. Ob die Mutter ihr Kind bei sich hatte, als sie sich verwandelte oder gefressen wurde? Beides waren Optionen, die nur einen Schluß zuließen. Das Baby war auch zerfetzt worden. Und da war es egal ob es von der eigenen Mutter oder zusammen mit ihr gestorben war. Er rieb sich über die Arme um die Gänsehaut los zu werden, die sich trotz der sommerlichen Temperaturen darauf ausgebreitet hatte.

Eine Halbe Stunde später verließ Leo das Gebäude wieder, um einige Schlüpfer und andere Kleidungsstücke reicher. Die nächsten Häuser ließ er einfach links liegen, denn aus einem der Fenster hatte er ein interessantes Gebäude entdeckt. Eine Mall war in der Nähe und da wollte er jetzt hin. Es interessierte ihn schon sehr, ob und wenn ja, was da noch nützliches zu finden war. Es dauerte, da er einige größere Umwege in Kauf nehmen musste und kurz bevor er am Ziel ankam, war der Tag schon sehr fortgeschritten. Nachdenklich kauerte er sich in den Schatten einer Tür und dachte nach, während sein Blick die Umgebung nach Gefahren absuchte.

Ob es nicht besser war am nächsten Tag wieder zu kommen? Wenn es erst richtig dunkel war, dann war es um einiges schwieriger den Beissern aus dem Weg zu gehen. Außerdem musste er den ganzen Weg zu seinem Quad auch wieder zurückgehen. Er entschied sich, nicht zurückzugehen. Egal ob hell oder dunkel, der einzige Weg, der aktuell wirklich sicher war beziehungsweise, von dem er noch nicht wusste, wie es dort mit Untoten aussah, führte ihn momentan direkt zur Mall. Er ging langsam los, während die Sonne hinter den hohen Häusern verschwand und war fast da, als er etwas hörte und stehen blieb. "NEIN! KÖNNEN WIR NICHT! TASCHE! JETZT!" Leo ging langsam weiter. Das klang nach einem Arschloch, der andere Überlebende überfiel und das auf die dämlichste Art und Weise. Wenn der weiter so herumbrüllte, dann war es nur eine Frage der Zeit, bis das Grauen angeschlurft kam.

"Nichts wie weg hier." Eigentlich wollte er einfach abhauen. Scheiß auf die Mall, als der Schuß fiel. Langsam drehte sich Leo wieder um. Ob der Wixer sein Opfer erschossen hatte? Reichte es denn nicht, daß die Zombis unter den letzten Menschen hausten wie die Wilden? Mussten sich denn auch Überlebende benehmen als hätten sie nur noch vereinzelte, ausgetrocknete Synapsen im Kopf? Langsam zog Leo die 9mm Pistole und nahm die Doppelklingenaxt in die andere Hand. Solche Typen hatte er erstens wirklich gefressen und zweitens, Arschlöcher die andere überfielen hatten immer gute Vorräte. Er folgte den Geräuschen und entdeckte den Schein einer Taschenlampe. Langsam schlich Leo näher und lauschte den Worten die im Dunkeln um einiges lauter klangen als am Tag.

"....Jetzt bist du fällig." Er hörte zwar, daß eine Erwiderung gegeben wurde, aber was genau gesagt wurde konnte er dann doch nicht verstehen. Da hatte jemand offenbar mehr Verstand als Glück. Nur noch wenige Schritte und er konnte genau erkennen, wie im Licht der Taschenlampe der Lauf des Gewehrs geladen wurde. In Gedanken fluchte Leo wie ein Bierkutsscher. Er war noch zu weit weg um leise mit der Axt zu töten. Jetzt musste er entscheiden. rettete er das Opfer mit einem Schuß und brachte sie alle damit vielleicht in Gefahr oder ließ er ihn einfach sterben, tötete dann das Arschloch und konnte sich dann eher noch in Ruhe auf den Weg in die Mall oder zurück zu seinem Quad machen.

Er entschied sich dafür, daß die Gefahr von ein paar Beissern geringer und leichter zu händeln war, als ein Wixer mit Gewehr. Die beiden Schuß erfolgten kurz nacheinander und trafen erst die Hand des Typen mit dem Gewehr und dann dessen Kopf. Entschlossen ging Leo auf den zusammensackenden Kerl zu, holte mit der Axt aus und hieb ihm den Kopf ab, den er dann so weit wie möglich wegtrat. Er musterte den am Boden liegenden Mann und hob eine Augenbraue, bevor er in den Taschen des Toten herum suchte und einen Schlüssel und mehrere Schuß Munition für das Gewehr aus einer Tasche zog. "Beweg deinen Arsch hier weg. Der Krach wird nicht unbemerkt bleiben. Wo ist der Wagen von dem Arsch?"

zuletzt bearbeitet 26.02.2024 23:45 | nach oben springen

#3

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

27.02.2024 11:06
Nano West Nano West (gelöscht)
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Er war zusammengefahren, als die nächsten Schüsse fielen. Hätte er Zeit gehabt, darüber nachzudenken hätte er sich vermutlich gedanklich von seinem Leben verabschiedet, aber jetzt sah er nur ungläubig auf den Kerl, der ohne einen weiteren Ton in sich zusammensackte. Nano hatte den Atem angehalten, als ihn bereits die ersten Blutspritzer trafen und er immer noch völlig perplex war, noch am Leben zu sein. Im nächsten Moment traf etwa wuchtiges den Körper vor ihm, der noch nicht vollends zu Boden gesunken war. Dieses Mal blieb es nicht bei Spritzern. Ein Schwall Blut spritzte weg als der Kopf vom Körper getrennt wurde und ergoß sich auf ihn und seine Jacke. Er hatte die Luft angehalten und starrte entsetzt auf die kopflose Leiche, die jetzt erst komplett auf dem Boden aufschlug. Er hatte die näher kommenden Schritte kaum wahr genommen, aber jetzt starrte er mit weit aufgerissenen Augen auf den Mann, der hinter dem Leichnam erschien und von dessen massiver Waffe dasselbe Blut tropfte, das sich gerade in den Stoff und die Füllung seiner Jacke sog und sich wie ein ekelhafter warmer Regen in seinen Haaren verteilte. Ausser der Axt trug der andere auch noch eine Schusswaffe in der anderen Hand und Nano wich instinktiv zurück, als er noch näher kam und dem abgetrennten Kopf einen harten Triff versetzte. Er sah ihm sprachlos nach, fuhr aber direkt wieder herum, als der Axtmörder sich jetzt herunterbeugte. Aber er war gar nicht das Ziel gewesen. Zumindest noch nicht. Jetzt schienen die Kleider des Toten deutlich interessanter zu sein. Denn er durchsuchte ihn und beförderte mehrere Gegenstände zu Tage, die sehr nach der Munition für das Gewehr aussahen. "Beweg deinen Arsch hier weg. Der Krach wird nicht unbemerkt bleiben. Wo ist der Wagen von dem Arsch?"

War er eben noch wie erstarrt gewesen, so ergriff ihn jetzt nackte Angst. Drei deutlich hörbare Schüsse und ihre Bewegungen waren viel zu laut gewesen, um verborgen zu bleiben. Er rappelte sich auf und griff nach seinem Rucksack, um ihn wieder ganz anzuziehen. Immer noch an das Auto gelehnt schüttelte er den Kopf. „Ich hab keine Ahnung. Er ist einfach in der Dunkelheit aufgetaucht und hat mir das Gewehr vor die Nase gehalten.“ Er hatte die Stimme ebenso gesenkt wie sein Gegenüber, aber er bezweifelte, das das jetzt noch von Nutzen war. Der Typ konnte überall geparkt haben. Und vermutlich nicht in der Nähe. Langsam hob er das Gewehr auf. Ein Geräusch erregte seine Aufmerksamkeit. „Verdammt…. Das hat gereicht. Sie kommen.“ Das kaum wahrnehmbare Sirren der Kameras kannte er genau. Sobald der Bewegungsmelder einsetzte, folgte er der Bewegung und dieser schien sich kaum noch einkriegen zu können. Nano fummelte sein Smartphone hervor und sah alarmiert darauf. „Wir müssen weg hier. Sie kommen aus beiden Seitenstrassen.“ Er sah auf und schluckte, als er den Mann neben ihm ansah. Er machte ihm immer noch Angst, aber er hatte ihm geholfen. Und ganz offensichtlich hatte er ihn auch einfach gehen lassen wollen. Er hielt ihm das Gewehr hin, wich zurück und ging ein paar Schritte rückwärts, als die schlurfenden Geräusche gut hörbar wurden und sich immer weiter vervielfachten. Das war doch jetzt das mieseste Karma das man haben konnte. Dieser Idiot musste tatsächlich eine Masse angelockt haben. Der einzige Weg, den sie gehen konnten, war der Rückzug über die Hauptstrasse.

Nano deutete die Strasse hinunter. „Sie kommen aus allen vier Seitenstrassen, wir können nur geradeaus.“ Er beschleunigte seine Schritte und hielt die Träger des schweren Rucksackes so fest, das er ihn buchstäblich gegen seinen Rücken presste. Er mochte nicht wirklich rennen können, aber mehr als schnelles Laufen war gar nicht drin, auch wenn die Herumtreiber immer mehr an Tempo zunahmen. Zumindest so weit sie das konnten. Immer wieder mussten sie ausweichen und erreichten das Ende der Strasse. Nano sah sich um. Die Strasse bis zur Mall war nicht mehr erkennbar. Alles schien nur noch eine sich ausbreitende Masse an verrottender Leiber zu sein. Er wurde nicht langsamer, zog am Ärmel seines Retters und bog in die Nebenstrasse ein, die zu seiner Auffahrt führte. Die beiden Autos, die nur einen schmalen Durchgang zur Nebenstrasse frei liessen waren eine Aufgabe gewesen, die ihn Tage an Mühe gekostet hatten. Aber zumindest gab ihnen das etwas mehr Zeit. Er lief die Strasse hinauf und dann über die Einfahrt direkt auf das große, schmiedeeiserne Tor zu. Sie mussten es unbedingt schaffen, das Tor wieder zu schliessen, bevor zu viele von ihnen aufmerksam darauf wurden.

Mit zitternden Fingern öffnete Nano die Kette und das Schloss, zog das Tor nur so weit auf, das sie sich hindurch schieben konnten, dann zog er es direkt wieder zu und verschloss es dieses Mal noch um einiges besser. Er deutete auf die Wiese neben der Auffahrt. Das würde weniger Lärm machen als der Kiesweg. Sie liefen über die Wiese und blieben im Schatten des Hauseinganges das erste Mal wirklich stehen, um sich noch einmal umzusehen. Die ersten Herumtreiber hatten die Auffahrt erreicht, und verteilten sich jetzt auf dem freien Asphalt vor den großen Toren. Nano presste die Lippen fest zusammen. Es war schon öfter so gewesen, das viele von ihnen hier durchzogen. Vielleicht hatten sie noch mal Glück gehabt. Darauf ankommen lassen wollte er es allerdings nicht. Er ging langsam zur Türe, zog den Schlüssel heraus und öffnete die Haustüre, die er leise aufschob. Er hielt sie fest um den anderen durchgehen zu lassen und schloss sie dann wieder ebenso lautlos, bevor er aufatmete. Für einen Moment musterte er den Mann neben sich, der immer noch die Axt in der Hand trug. Von ihm ging nicht weniger Gefahr aus als von denen da draussen, er hatte nur den einen Vertrauensvorschuss, sein Leben gerettet zu haben. „Ich… lebe hier. Bisher haben sie das Tor und den Zaun noch nicht überwunden.“Er vermied es, Licht zu machen und ging ins Arbeitszimmer. „Wir… sollten aber sichergehen.“ Er öffnete den verdeckten Zugang und liess seinen Gast vorgehen, bevor er ihn wieder verschloss und in der Zugangsschleuse dann das Licht einschaltete. Wieder fiel sein Blick auf die Waffe des anderen und er zögerte, bevor er die Schultern straffte.

„Lass die Waffen bitte hier auf dem Tisch liegen. Du hast mir das Leben gerettet… und nur deswegen lasse ich dich hier rein. Aber ich kann das nicht mit den Waffen tun. Lass sie erst einmal hier liegen. Ich versichere dir, das nichts dran und nichts wegkommt.“ Er öffnete die zweite Türe über ein Tastenfeld. Eine kleine Flurlampe leuchtete auf und offenbarte augenscheinlich den Flur einer Keller-Wohnung. Jedoch waren die Stufen so weit herunter gegangen, das es noch deutlich unter dem Keller sein musste. Nano trat ein und sah zurück. Was würde er tun? Würde er seine Waffen ablegen, wie er ihn darum gebeten hatte? Er seufzte leise. „Nur diese… Axt und die Schusswaffen. Alles andere kannst du mitnehmen, wenn du dich dann sicherer fühlst.“

@Leo Young


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#4

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

27.02.2024 15:55
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Leo sah sich fast schon gehetzt um. Der Kerl hatte Recht. Da kamen viele, verdammt viele zu ihnen. Das war unüberhörbar und gerade bereute er es, mal wieder die Situation falsch eingeschätzt zu haben. Die Leichen waren wegen ihrer schieren Masse jetzt doch das größere Problem. Vor allem, weil Leo sich hier noch nicht richtig auskannte. Er war in diesem Teil der Stadt bisher noch nicht gewesen. Und zusätzlich hatte er zuvor gar nicht mehr an die Horde Untoter gedacht, die ihm vor einigen Tagen in sein Versteck zwang. Dummer Fehler. Ganz dummer. Ihm blieb jetzt eigentlich nur über, dem anderen Überlebenden zu folgen. Der schien sich hier nämlich doch besser auszukennen.

Mehrmals warf Leo einen Blick über die Schulter zurück. Sie beide waren flott unterwegs, für seinen Geschmack jedoch nicht schnell genug. Der Abstand zu den stinkenden Mäulern könnte ruhig etwas größer sein. Sie bogen in eine Straße ein und blieben, nachdem sie sich zwischen ein paar seltsam stehenden Autos durchgequetscht hatten vor einem Tor stehen. Wo zum Teufel war er denn jetzt gelandet? Beinahe ungläubig sah Leo seinen Führer an. War er etwa der Sprößling von einem dieser reichen Geldsäcke? Schnell schob er den Gedanken zur Seite und schlüpfte durch den Spalt. Es gab jetzt wichtigeres für das er seinen Kopf frei brauchte. Er hatte immerhin keine Ahnung, was ihn hinter diesem Tor erwartete. Vielleicht war es ein Hinterhalt oder eine Gruppe Beißer, die sich in den letzten Stunden einen Weg auf diese Seite des Zauns gesucht hatten. Trotz aller Befürchtungen lief Leo auf dem Rasen, der früher wohl sehr gepflegt war, zum Haus.

Er lud das Gewehr nach und betrat dann das Haus und hörte der Erklärung zu. Er lebte hier? Nun, entweder war das ein ziemlicher Glücksfund gewesen, oder er war wirklich einer der finanzstarken Nachkommen, was inzwischen aber völlig egal war. Leo lauschte und ging in..., was wusste er was das für ein Ort unter dem Haus war. Ein tiefer Keller vielleicht? Die dicke Tür ließ eher auf einen Panikraum oder einen Bunker schließen. Kurz blinzelte er, als das Licht aufflammte und hob eine Augenbraue. Er sollte WAS? Seine Waffen ablegen? Der war doch krank in der Birne.

„Nur diese… Axt und die Schusswaffen. Alles andere kannst du mitnehmen, wenn du dich dann sicherer fühlst.“ Jetzt war Leo völlig verwirrt. Warum denn nur die Schusswaffen und die Axt? Dachte der Bursche etwa, dass er sonst nichts hatte, was gefährlich werden konnte? Selbst sein Taschenmesser war gut geschärft und durchs Boxen waren auch seine Hände gefährliche Waffen, wenn es darauf ankam.

Aber vielleicht war das ja doch ein Zeichen dafür, dass der Andere alleine hier war und schlicht und ergreifend Schiss vor ihm hatte. Er selbst würde es vielleicht ganz ähnlich machen. Intensiv lagen Leos braune Augen auf dem Anderen, der scheinbar darauf wartete zu sehen, wie er sich entschied. Aber wenn er eines gelernt hatte, bis jetzt hatten noch viele Bedenken, Personen zu töten, deren Namen sie kannten. Vielleicht sicherte es seinen Arsch auch jetzt. Langsam legte er das Gewehr auf den Tisch. "Übrigens, ich bin Leo...." Seine 9mm und das KaBar folgten und schlussendlich zog er noch ein ziemlich mitgenommen aussehendes Schweizer Taschenmesser hervor und hielt es kurz hoch, bevor er es zu den anderen Waffen dazu legte, die Hände hoch hielt und den Kerl fragend ansah, während er den Satz beendete. "..., und wer bist du?"

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#5

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

28.02.2024 10:42
Nano West Nano West (gelöscht)
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Seinem Blick nach zweifelte der andere gerade an seinem Verstand. Aber woher sollte er auch wissen, das aus diesem Bunker nichts nach oben dringen konnte, was sie auch nur ansatzweise verraten würde. Selbst, wenn diese Masse an Zombies direkt über das Grundstück gewankt und das Haus gefunden hätte, sie waren hier unten sicher, solange sie hier blieben. Er blinzelte, als sein Gast die Waffe zögernd auf den Tisch legte und andere Waffen daneben legte. Er war ganz gut ausgerüstet für jemanden, der dort draussen unterwegs war. Und ganz offensichtlich hatte er eine Menge mehr Erfahrung gemacht als er selbst. Er atmete auf, als der Mann, der eben noch mit brachialer Gewalt einem anderen Menschen den Kopf vom Körper getrennt hatte sich jetzt mit erhobenen Händen vorstellte. Jetzt, im Licht betrachtet, kam er ihm weitaus weniger gefährlich vor als es eben auf der Strasse der Fall gewesen war. „Ich bin Nano. Nano West. Das Haus gehörte meinen Eltern. Mein Vater… hatte diesen Bunker bereits lange vor dem Ausbruch gebaut, um seine Arbeit zu schützen. Wir sind hier sicher, bis die Herumtreiber weitergezogen sind.“ Er öffnete die Türe zu dem kleinen Flur jetzt ganz, damit er durchgehen konnte. Hinter Leo aber schloss er die zweite eiserne Schleusentüre und hörte beruhigt das Klicken des Schlosses. Langsam schälte er sich aus dem Rucksack und stellte ihn neben einem großen Mülleimer ab. Ausser dem Mülleimer gab es hier nur noch eine lange Reihe Garderobenhaken, an denen noch einige Jacken hingen. Ein paar Schuhpaare reihten sich darunter auf. Einige der Sachen waren Nanos Eigentum, aber er hatte auch jeweils eine Jacke und ein Paar Schuhe seiner Eltern dort gelassen. Er konnte es einfach nicht. Und wenn er manchmal hier sass und die Sachen betrachtete, kam er sich nicht mehr ganz so alleine vor. Er sank auf die Bank, die der Garderobe gegenüber stand und sah Leo auffordernd an. „Lass deine Jacke und die Schuhe einfach hier. Ich mach das immer genauso, wenn ich draussen war. Das heisst…. heute… mach ich mal eine Ausnahme und entsorg meine Sachen direkt.“ Er öffnete die kaputte und blutdurchtränkte Jacke und zog sie aus. Zusammen mit seinen Handschuhen versenkte er sie sofort im Mülleimer.

Er zögerte, zog dann aber die Schuhe aus und die neben der Bank abgelegten Hausschuhe an. Normalerweise hätte er die Füße der Prothesen mit den normalen aus dem Schrank neben ihm getauscht, aber er wollte sein Handycap jetzt wirklich noch nicht so offen zur Schau stellen. Es reichte, das vermutlich schon seine Hand Aufsehen erregte, obwohl sie sich nahezu normal bewegte. Er sah an sich herunter und seufzte leise. Die Hose war auch hinüber, aber die würde Nano erst entsorgen, wenn er die Chance auf eine Dusche gehabt hatte. Für heute waren die Maschinen noch nicht lange gelaufen, das brachte ihnen einen ruhigen Abend ohne Einschränkungen. Er öffnete die Türe und nahm seinen Rucksack. Ein scheinbar riesiger Raum wurde sichtbar. Zumindest, wenn man darüber nachdachte, das dieser Bunker weit unter dem Erdboden lag. Nano wartete, bis Leo zu ihm aufgeschlossen hatte und schloss die Türe hinter ihm. Die Türe lag mittig im Raum. Links von ihnen lag im warmen Licht normaler Lampen eine Küche mit einer Insel, an der vier Stühle standen. Etwas weiter hinter der Küche konnte man eine weitläufige Wohnlandschaft sehen, die einem großen Wohnzimmerschrank und dem Flachbildschirm eines Heimkinos gegenüberstand. Auch wenn nicht gerade die Ordnung seiner Mutter herrschte sah es hier doch eher so aus wie man es von früher gewohnt war als in den Wohnungen die jetzt dort draussen zur Normalität gehörten. Nano sah zu Leo hin. „Du kannst dich gerne setzen oder… was auch immer du tun möchtest. Die rechte Seite dieses Raumes ist der Arbeitsbereich. Bitte bring da nichts durcheinander, das ist auch eher langweilig für dich, denk ich mir.“

Er schaltete das Licht ein, das die rechte Seite in das kalte, weisse Licht eines Labores tauchte. Zwei große Arbeitstische und die Wand der technischen Geräte bildeten den Großteil des Arbeitsbereiches, zwei voll beladene Schreibtische den Hintergrund. Neben einem der Tische stand ein Stuhl, der dem Aussehen nach genausogut in einer gynäkologischen Praxis hätte stehen können, auch wenn seine Funktion völlig anders war. Er war jetzt bereits lange nicht mehr gebraucht worden. Er löschte das Licht wieder und stellte den Rucksack auf einem der Stühle ab. Der hatte Gott sei Dank kaum etwas abbekommen. Um ihn wäre es echt schade gewesen. Etwas in der Größe hatte er nie wiedergefunden. Sein Blick fiel auf Leos Kleider. „Du brauchst was anderes zum Anziehen. Das fällt ja auseinander. Das heisst… „ Er deutete auf einen Gang der genau gegenüber von dem großen Raum wegführte und gute zwanzig Meter weiter an einer großen Metalltüre endete. „Wenn du dort hinten im Gang rechts durch die Türe gehst, kommst du in mein Zimmer. Von da geht eine Türe zu meinem Bad ab, Ausser der Toilette ist da auch eine Sitzbadewanne. Lass dir ruhig Wasser ein und ich such dir einen Jogginganzug und frische Wäsche raus. Wenn du Wasser eingelassen hast, geh ich kurz drüben im anderen Schlafzimmer duschen. Gleichzeitig geht das nicht, das schafft der Boiler sonst nicht.“ Er zögerte und mied Leos Blick, als er weitersprach. “Wunder dich nicht. Das ist alles ziemlich einfach zu bedienen. Du… erkennst bestimmt warum. Vater brachte Mutter und mich bei der Evakuierung hier herunter, anstatt ins Lager, in das wir sollten.“

Schon alleine am neben dem Bett befindlichen Rollstuhl würde der andere erkennen, warum in diesem Zimmer und dem angrenzenden Bad alles ebenerdig und behindertengerecht eingerichtet worden war. Verhindern, das sein Gast es sah, konnte er ohnehin nicht. Aber er wollte seine Nachteile auch nicht allzu deutlich zur Schau stellen. Nano führte ihn zum Zimmer und schaltete das Licht in seinem Schlafzimmer ein. Etwas betreten sammelte er einige Dinge ein und warf sie auf das Bett. „Die Unordnung einfach nicht beachten…“ Er trat an einen großen Schrank und musterte den Inhalt, bevor er ein graues Sweatshirt und eine passende graue Bermuda aus demselben Stoff hervorzog und Leo zusammen mit einem frischen Paar Socken und einer noch eingepackten Boxershorts hinhielt. „Ich hoffe, es macht dir nichts aus, das ich keine langen Jogginghosen habe…. es ist hier nicht wirklich kalt. Die Klimaanlage hält die Wärme ziemlich konstant. Aber wenn es dir zu kalt ist, musst du es nur sagen. Die Sachen sollten passen, mir sind sie etwas zu groß.“ Er schluckte und ging wieder zur Türe. „Schlafen kannst du drüben. Das Zimmer steht leer seit meine Eltern… egal. Es ist sauber und leer. Du kannst also gerne dort übernachten, bis die Masse da oben weitergezogen ist. Solange du Wasser einlaufen lässt pack ich meinen Rucksack aus.“ In der Türe blieb er stehen und wandte sich nochmal um. „Ich hab mich noch gar nicht bedankt, Leo. Danke… wenn du nicht gewesen wärst, hätte er mich vermutlich abgeknallt.“ Er lächelte jetzt zaghaft. „Lass dir Zeit. Es ist alles in Reichweite. Ich mach uns etwas zu essen, wenn ich mir die Überreste von diesem Proll aus den Haaren gewaschen habe. Du hast doch bestimmt noch nichts gegessen, oder?“

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zuletzt bearbeitet 28.02.2024 10:44 | nach oben springen

#6

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

29.02.2024 12:32
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Schon seit er die Garderobe betreten hatte, war Leo völlig überfordert. Er hätte nie im Leben gedacht irgendwo außerhalb der Kolonien noch sowas zu sehen. Etwas so normales und alltägliches und vorallem sauberes. Er selbst verbrachte die Wintermonate in abgelegenen Hütten, Häusern oder Farmen die sich in der Nähe von Trinkwasser befanden, aber die musste er stets erst vom gröbsten Dreck befreien und wirklich sauber war es danach auch nicht. Und jetzt kam er hier rein und pling, alles sah aus, als wäre draußen ein völlig normaler Tag. Ein Tag, an dem jeder in der Früh zur Arbeit ging, Abends heim kam, die Schuhe in eine Ecke pfefferte, bevor er sich auf die Couch lümmelte und sich mit Chips und Cola die Playoffs im TV ansah.

Eigentlich wollte er nach einer der Jacken greifen, um sicher zu sein, dass er nicht pennte und träumte, doch als sein Blick auf seine Hand fiel, zog er diese zurück. So schmutzig seine Pfoten heute wieder waren, würde er alles nur einsauen und dieses Gefühl von Normalität würde verschwinden. Einfach platzen, wie eine Seifenblase. Langsam schlüpfte er aus seinen Sneakers und stellte sie fluchtbereit vor die Bank und folgte Nano langsam in den nachfolgenden Raum und sah sich sprachlos um.

Hatte sich Leo eben schon total überfordert gefühlt, jetzt stand sein Hirn kurz davor, sich wegen Überlastung komplett zu verabschieden. Langsam glitt sein Blick durch den Raum, musterte alles was er entdeckte intensiv und bekam Nanos Redefluss nur so nebenbei mit. Holy Shit, das musste ein Traum sein. Vielleicht war er ja im Haus mit den Hundeknochen eingepennt. Es war immerhin sehr warm in der Wohnung gewesen und alles danach, der Gang durch die Straßen, der Plünderwichser und Nano war nur ein Ergebnis seines Verstandes. Vielleicht ein unbewussten Wunsch nach einem Lebenden der es wirklich wert war, sich damit zu beschäftigen. Hoffentlich hatte er nicht auf der Straße eine Pause eingelegt und schlief dort. Das wäre definitiv eine beschissene Situation. Oder...., er würde doch nicht etwa halluzinieren? Waren vielleicht die Bohnen aus der Dose von Gestern schlecht gewesen? Er wusste es doch, dass die Scheiß Bohnen ihn irgendwann umbrachten.

Abrupt wurde seine Aufmerksamkeit auf Nano gezogen. Hatte der jetzt wirklich baden und Boiler gesagt? Und das ohne ein, geht nicht, dazwischen? Ja, es waren definitiv Halluzinationen. Die letzte Dose Bohnen würde ihn umbringen aber das war ihm jetzt scheißegal. Hauptsache das hörte jetzt nicht auf. Langsam ging Leo in das angrenzende Badezimmer. Er zögerte kurz, schloss die Augen und murmelte die nächsten Worte wie ein Mantra leise vor sich hin. "Sei warm, sei warm..." Vorsichtig drehte er das heiße Wasser auf und hielt die Hand in den Strahl. Zuerst war das Wasser kühl, doch dann wurde es immer wärmer.

Die frischen Klamotten fielen unbeachtet auf den Boden. "Heißes Wasser...., wie geil ist das denn!" In einem atemberaubenden Tempo entledigt sich Leo seiner dreckigen Klamotten, stellte das Wasser so ein, dass es angenehm war und hoppste fast schon in die Badewanne. Ob Nano ihm dabei zusah oder nicht, war ihm gerade völlig egal. Leo griff nach dem Seifenstück und schnupperte daran, bevor er begann sich ordentlich zu waschen. Bei allem was ihm heilig war, das war definitiv der Himmel auf Erden. Nichts im Vergleich zur inzwischen gewohnten Badesession in einem Bach oder See.

Hoch ließ er das Wasser dennoch nicht ein. Wenn Leo in den letzten Jahren etwas gelernt hatte, dann dass Verschwendung lebensbedrohlich war. Trotzdem genoss er das warme Wasser und zog sich sauber und duftend die frischen Kleider an. Er hatte sogar eine Flasche Shampoo gefunden und seine Zotten damit wirklich sauber bekommen. Gut gelaunt ging Leo zurück in den Wohnraum und legte sich auf die Couch. Hätte ihm vor Beginn dieses Alptraums Irgendwer gesagt, dass er sich darüber freute, dass er einfach so auf der Couch herumlag, er hätte diesen Jemand bestimmt ausgelacht.

Damals war er immer auf den Beinen. Zum Beispiel beim Boxtraining oder beim Fechten, auf Partys oder joggen, um den Kopf frei zu bekommen. Müßiggang war nie wirklich seins gewesen, doch jetzt war ihm bewusst wie wichtig kurze Ruhephasen waren. Sein früherer, unruhiger Lebenswandel half ihm jetzt zwar sehr, in diesen Zeiten wo andauernde Bewegung das Leben sichern konnte, aber es erschöpfte auch tierisch, was die Ruhephasen umso wichtiger machte und wirklich zur Ruhe kam er eigentlich nie. Denn in der Wildnis musste er eigentlich immer auf seine Umgebung achten.

@Nano West

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#7

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

29.02.2024 22:54
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Er hatte ihm gar nicht mehr zugehört. Leo schien völlig überfordert zu sein von dem, was er sah, auch wenn Nano das nur zum Teil nachvollziehen konnte. Vermutlich wäre er selbst in seiner Welt sehr viel verlorener als Leo jetzt in dieser kleinen Welt hier erschien. Nano schmunzelte leicht und blinzelte, als der andere sich jetzt einfach vollkommen auszog ohne darauf zu achten, ob er noch anwesend war oder nicht. Er spürte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg und griff schnell nach den schmutzigen Kleidern auf dem Boden. Er roch kurz daran und verzog das Gesicht, dann warf er noch einen Blick auf das versonnene Gesicht Leos, der das Bad ganz offensichtlich noch mehr zu schätzen wusste als er es überhaupt angenommen hatte. Schnell brachte er die Klamotten in den Mülleimer und atmete dann tief durch. Frische Kleider würden sich finden, davon hatte er mehr als genug. Jetzt aber suchte er für sich ein frisches Shirt, Wäsche und eine neue Hose raus und nahm sie mit ins Zimmer seiner Eltern. Eigentlich trug er hier selbst nur kurze Hosen, aber aus irgendeinem Grund zog er doch lieber noch einmal eine lange an. Das von diesem Schlafraum abgehende Bad hatte wie seines eine Toilette und ein Waschbecken, jedoch statt der Sitzbadewanne nur eine Dusche. Die zumindest war ebenerdig, was es ihm in den letzten Jahren einfacher gemacht hatte. Er schloss die Türe zum Gang und beeilte sich, das mittlerweile angetrocknete Blut von seiner Haut und aus seinem Gesicht zu entfernen. Erst als er vollständig sauber war, atmete er auf und schaltete die Dusche ab. Manchmal verwünschte er die Tatsache, das er für eine so alltägliche Tätigkeit so ewig brauchte. Aber normalerweise war es auch egal, wieviel Zeit es in Anspruch nahm.

Als er die Türe zum Gang wieder öffnete fühlte er sich besser. Er warf einen Blick in sein Zimmer und das angrenzende Bad und sah, das Leo die Wanne bereits wieder verlassen hatte. „Leo…?“ Er wandte sich um und ging zum Wohnraum, wo er abrupt stehenblieb und schmunzelte. Ganz offensichtlich war er mehr als müde gewesen. Leise ging Nano zur Garderobe und entsorgte seine Jeans und das kaputte Shirt, dann ging er in die Küche und begutachtete die Schränke. Als seine Eltern noch hier gewesen waren hatten sie jeden Tag so wie früher zusammen gegessen. Alleine kam es nicht selten vor, das Leo entweder direkt aus der Dose aß oder das Essen ausfallen ließ. Heute ganz sicher nicht. Es konnte ewig dauern bis er noch einmal mit jemand lebendem zusammensaß und etwas aß. Und Leo sah nicht so aus als ob er in den letzten Wochen sehr viel davon zu sehen bekommen hatte. Ein Blick in den Kühlschrank ließ sein Herz schneller schlagen. Stimmte ja, er war schon am Morgen im Gewächshaus gewesen und hatte geerntet. Dazu zog er eine der Lunchkonserven aus dem Schrank. Unentschlossen sah er von den Dosen in seiner Hand zum Sofa. Wenn er sehr müde war, würde das Essen kalt werden, denn aufwecken wollte er ihn wirklich nicht direkt. Er entschied sich für etwas kaltes und trat dann erst zur Stereoanlage um seinen Player anzuhängen. Sekunden später hallte leise Musik durch den Wohnraum und er ging wieder zurück zur Küchenzeile.

Er öffnete eine Conserva-Dose mit Hackbraten und Kartoffelsalat und verteilte sie auf zwei Tellern. Dann nahm er den geernteten Salat und die Tomaten aus dem Kühlschrank, putzte beides und füllte eine Schüssel. Das Dressing stellte er daneben und packte dann nach kurzem Zögern noch eine Hand voll frischer Erdbeeren in eine kleine Schüssel, die er ebenfalls auf die Anrichte stellte. Zwei Gläser folgten und eine angebrochene Flasche Mineralwasser. Er lehnte sich an die Anrichte und musterte den Tisch. Doch, er würde sich seinem Gast gegenüber nicht schämen müssen. Sein Blick glitt zu der Kaffeemaschine. Damit ging er ziemlich sorgsam um. Selbst im Lager hab es nur noch eine Palette mit Kaffeebohnen, hier im Haus nur noch zwei Pfund. Aber dann entschied er sich doch. Nach dem heutigen Abend konnten sie das vermutlich beide brauchen. Er füllte die altertümliche Kaffeemühle und setzte dann den Kaffee auf. Er liebte den Geruch von frisch gemahlenem Kaffee. Er hatte wirklich etwas von früher, auch wenn früher sich immer weiter entfernte. Als die Maschine leise gurgelte ging er zum Arbeitsbereich und sank auf einen Stuhl vor die Arbeit, an der er zuletzt gesessen hatte. Er schaltete die kleinere Lampe auf dem Arbeitstisch ein und rollte mit dem Stuhl kurz zum PC, um die Kameras zu checken. Es waren wirklich eine Menge verwesender Gesichter, aber sie schienen auch weiter nicht über oder durch den Zaun kommen zu können.

Beruhigt griff er nach dem Ladekabel und faltete den linken Ärmel des Shirts auf, um seinen Arm anzuschließen. Besser er ging kein Risiko ein. Der Ladestand konnte nicht mehr sehr hoch sein und auch, wenn sie bald ins Bett gehen würden, er wollte nicht, das es Leo zu sehr auffiel. Mit der rechten Hand wechselte er die Batterien in den Beinprothesen und legte die gebrauchten zum Laden in die Station. Dann nahm er den Lötstift wieder in die Hand. Bis sein Gast aufwachte konnte er genauso gut arbeiten.

@Leo Young


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zuletzt bearbeitet 29.02.2024 22:55 | nach oben springen

#8

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

02.03.2024 19:06
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Leo streckte sich. Langsam glitt er aus dem Schlaf zurück ins Hier und Jetzt. Er nahm den Geruch von Kaffee wahr und hörte leise Musik. Seit wann hörte Cat denn sowas an? Ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Bei seiner kleinen Schwester wechselte der Musikgeschmack in einem atemberaubenden Tempo. Ein weiteres Mal streckte Leo sich ohne due Augen zu öffnen und murmelte leise zu sich selbst. "Mom scheint das Frühstück fertig zu haben..., Was für ein beschissener Alptraum. Ich sollte mir weniger Horrorfilme reinziehen."

Langsam öffnete er die Augen. Das Lächeln verschwand und Leo erstarrte, bevor er sich ruckartig aufsetzte. Wo zum Teufel war er? Langsam sah er sich um und entdeckte Nano. Fast schon zögerlich stand er auf, richtete die Klamotten und fuhr mit den Fingern durch die Haare, während er die Lippen fest aufeinander presste. Das war kein Alptraum, das war das wahre Leben, so beschissen es auch war. Ein Leben, das er nicht mal seinem größten Feind wünschen würde. Und doch, es war sein Leben und auch wenn er ab und zu nicht wusste warum, er kämpfte um jede Minute.

Tief atmete er durch, schob die Erinnerungen und seine aufgewühlten Gefühle zurück in die tiefsten Ecken seines Seins. Kaum dass er sich wieder gefestigt fühlte, ging er zum Arbeitsbereich und sah sich um. "Zwei Fragen. Erstens, was ist das alles für Krempel und Zweitens, kann ich ein bisschen von deinem Kaffee bekommen? Ich hab draußen in meiner Tasche noch eine Dose Limo, die würde ich dir überlassen."

@Nano West

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#9

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

04.03.2024 11:08
Nano West Nano West (gelöscht)
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Nano sah auf. Hatte er sich jetzt getäuscht oder hatte Leo irgendetwas gesagt? Sprach er etwa, während er schlief? Ein Lächeln glitt über seine Lippen. Sein Vater hatte das definitiv getan. Er hatte allerdings meistens von irgendwelchen kniffligen Problemen seiner Arbeit phantasiert, mit denen er sich gerade herumschlug. Es war immer verdammt schwer gewesen, ihn dann zum Schlafen zu überreden. Er legte den Lötstift zur Seite und schaltete die Stromzufuhr ab. Das musste ohnehin nur noch abkühlen, bevor er es wieder einsetzen konnte. Er sah ihm entgegen, als Leo jetzt zu ihm herüberkam. Für einen kurzen Moment war er irritiert. Doch dann schüttelte er den Kopf und stand auf. Nur um im nächsten Moment wieder zu stoppen, weil die Reichweite des Ladekabels nicht ausreichte. Er verzog das Gesicht und löste den Stecker aus seinem Arm, bevor er sich Leo ganz zuwenden konnte. „Entschuldige die Unordnung. Ich war nicht auf Gäste eingerichtet.“ Er lächelte etwas nervös und deutete auf die Wand mit den Geräten. „Das war mal das Labor von meinem Vater, jetzt ist es meins. Er war Biophysiker und…. hat so etwas erfunden.“

Er hob die linke Hand und hielt sie so ins Licht, das Leo sie genau sehen konnte. Er selbst betrachtete sie ebenfalls für einen langen Moment. „Er hat seit dieser Katastrophe sein ganzes Leben nur noch dafür gearbeitet, das für mich fertigzustellen. Hätte er es nicht getan, hätte ich da draussen keine fünf Minuten überlebt.“ Er seufzte leise und lächelte seinem Gast jetzt zu. „Du hast heute nicht nur mein Leben gerettet, sondern auch den Traum meiner Eltern.“ Er straffte die Schultern und atmete tief durch. Das letzte, was er jetzt wollte, war melancholisch zu werden. Nach dem Tod seines Vaters hatte er eine ganze Zeit lang gebraucht, um für sich selbst so etwas wie eine Normalität zu finden. Wenn er zu lange darüber nachdachte, würden ihm nur die Tränen kommen und er wollte ganz sicher nicht wie das letzte Weichei vor diesem Mann weinen, der ihn auf eine fast schon heroische Weise gerettet hatte. „Naja, heute.. benutzte ich meine Zeit, um meine Prothesen zu verbessern und … mein Zuhause zu warten. Hier ist eine Menge technisches Zeug, für das ich bestenfalls Ersatz habe und das …. jeden Tag überprüft und gegebenenfalls repariert gehört. Eines meiner Solarpaneele auf dem Dach hatte einen Wackler, weil der heftige Sturm vor einer Woche ziemlich am Unterbau gerüttelt hat. Abe jetzt ist es wieder in Ordnung.“

Er trat jetzt neben Leo und deutete zur Küche. „Ich hab etwas kaltes zum Essen rausgelegt, das ist hoffentlich in Ordnung für dich. Es ist vielleicht nichts Besonderes, was ich dir anbieten kann, aber es schmeckt gar nicht so übel. Natürlich kannst du dann auch Kaffee bekommen dafür hab ich ihn ja aufgesetzt. Du musst mir ganz bestimmt nichts dafür geben. Das ist nun Wirklich das Geringste, das ich tun kann, um mich erkenntlich zu zeigen.“ Er ging jetzt zur Kaffeemaschine und füllte den Inhalt in eine Thermoskanne, die er ebenfalls auf den Tisch stellte. Aus dem Schrank zog er zwei Tassen und schob sie neben die Kanne. „Wenn du etwas davon nicht magst oder nicht verträgst, dann sag es mir bitte.“ Er deutete auf einen der Stühle, vor dem ein Teller stand. „Hackbraten und Kartoffelsalat. Aus der Dose ist der Salat ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber ich hab hier auch frischen Blattsalat aus dem Gewächshaus.“ Er schüttelte das kleine Einmachglas mit der Marinade gut durch und kippte sie dann in die Salatschüssel, bevor er das Ganze gut mit dem Besteck durchmischte und dann wieder abstellte. „So… fertig. Wenn du magst können wir essen? Willst du Wasser zum Essen oder direkt den Kaffee?“ Er schmunzelte leicht.

@Leo Young


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#10

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

05.03.2024 13:18
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Leo musterte den gedeckten Tisch intensiv, dann schloß er die Augen, atmete tief durch und musterte den Tisch ein weiteres Mal, bevor er sich langsam setzte. Doch kein Traum. "Den Kaffee....., bitte." Jetzt hätte er fast seine gute Erziehung vergessen. Aber es war schon sehr lange her, daß er mit einem anderen Überlebenden zusammen gegessen hatte. Sogar ein Gespräch lag schon Monate zurück. "Es ist Ewigkeiten her, daß ich Kaffee getrunken habe." Er sah seinen Teller an und konnte sich das Lächeln nicht wirklich verbieten. "Du hast keinen Schimmer, was wirklich gewöhnungsbedürftig schmeckt. Denn Kartoffelsalat aus der Dose gehört definitv nicht dazu. Eher die eine oder andere letzte Dose Bohnen."

Kurz zögerte Leo noch, doch dann nahm er etwas von dem frischen Salat. Auch Salat war ewig her. Er hatte zwar oft Wildkräuter oder auch mal Löwenzahnblätter in seine Mahlzeit gemischt, aber Tomaten...., richtige, frische Tomaten. Die letzten hatte er wenige Tage nach beginn des Alptraums gegessen, danach gab es nur noch welche aus der Dose. Vielleicht hätte er sich inzwischen frische Tomaten in einer der Kolonien tauschen können, aber dort schlug er meistens nur im Winter auf. Wenn halt das Wetter verhinderte, daß er sich problemlos ernähren konnte. Und zu eben der Jahreszeit gab es keine frischen Tomaten.

Schweigend kaute er bedächtig auf einer Gabel voll Salat herum. Es fühlte sich so seltsam an. Am Anfang hätte er vielleicht gesagt, daß es normal war. Dass jetzt ein Funken Normalität in einer verrückten Welt glimmte, doch inzwischen war die verrückte Welt die Normalität und ein gemeinsames Essen war eine verrückte Situation. Zumindest für ihn persönlich. Langsam wanderte sein Blick durch den Raum. "Du solltest das nicht zu oft machen. Ich meine, andere Leute einladen, dir deine Vorräte weg zu fressen. Du hast hier vorrübergehend einen wirklich sicheren Ort. Aber dieser Ort schränkt dich sehr ein."



@Nano West

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#11

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

07.03.2024 22:12
Nano West Nano West (gelöscht)
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Nano seufzte leise, während er zwei Tassen mit frischem Kaffee füllte und aus dem Kühlschrank eine Packung mit kleinen Portionen Kaffeesahne nahm, die man früher in jedem Strassencafé bekommen hatte. „Das… hab ich eigentlich noch nie gemacht. Und … das würde ich auch nicht so schnell machen.“ Er schob eine Tasse zusammen mit der Packung zu Leo hinüber. „Aber du bist etwas anderes. Du hättest abhauen können. Jeder andere hätte das vermutlich getan. Oder du hättest abwarten können bis er mich abgeknallt hat, bevor du ihn fertig machst. Aber das hast du nicht.“ Er sank auf den anderen Stuhl und sah den anderen an. „Also verdienst du es auch, das ich es genauso mache.“

Er griff nach der Gabel und zögerte. „Früher waren meine Eltern noch hier. Aber jetzt… bin ich schon ziemlich lange alleine hier. Ich.. war nie woanders. Dad wollte mit uns weg, aber dann hörten wir von den Aufständen in DC und das überall der Verkehr steckenblieb. Wir kamen gerade noch vom Highway, dann hörten wir auch schon wie ein Auto nach dem anderen auffuhr. Er ist nur noch hierher zurück gefahren. Da war es hier in Takoma noch weitgehend normal, na ja.. wurden halt alle irgendwohin geschickt. Er meinte, das wir lieber bleiben, weil er hier arbeiten kann. Er hat das Lager gefüllt und den Bunker verschlossen als die Nachrichten immer mehr wurden, das überall Zombies sind. Ich meine… Zombies… mal ehrlich. Hättest du damals geglaubt, das wir echt mal so enden?“

Nano atmete tief durch. „Naja.. ist ja auch egal. Es ist nunmal so. Ich geh nur raus, um meine Vorräte aufzufüllen oder die Kameras zu überprüfen. Bis zur Mall kann ich von hier aus sehen, wann ich es besser lasse. Hier kommt selten jemand durch. Bisher ein paar Mal, aber die waren alle mehr wie der Kerl, den du… vor dem du mich gerettet hast. Du bist der erste vernünftige Mensch, den ich hier seit Jahren gesehen habe.“ Das er dafür schon ein paar Mal erfolglos versucht hatte, sein Zuhause zu verlassen, sagte er nicht. Jetzt, wo er sah wie Leo da draußen zurecht kam schämte er sich fast schon, das er nie über den Stadtrand von Takoma Park hinaus gefahren war. Er stocherte etwas gedankenverloren in seinem Kartoffelsalat, dann erst begann er langsam zu essen. „Wie ist es… wenn man die ganze Zeit da draußen ist? Offenbar kommst du ja… ziemlich gut zurecht!?“

@Leo Young


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#12

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

10.03.2024 15:40
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Interessiert hatte Leo zugehört und dabei seine Portion vom frischen Salat verputzt. Nano hatte sich hier offenbar eine Normalität geschaffen, die sehr an früher erinnerte und die Jeder der Überlebenden wohl irgendwie anstrebte. Doch ob diese Normalität mehr war als ein Wunschtraum, das würde sich jeder selbst beantworten müssen. Und nun stellte er ihm auch noch eine Frage, die nicht wirklich zu beantworten war.

Lange Augenblicke sah Leo nur auf seinen Teller, schob den Kartoffelsalat von einer Seite zur anderen. Wie sollte er das Leben an sich, wie es jetzt war, erklären? "Das ist garnicht so einfach zu erklären. Es kommt eigentlich ganz darauf an, wie du auf andere Überlebende zu sprechen bist." Er zögerte etwas, doch dann sah Leo auf und blickte Nano direkt an. Dieser gesprächige Bursche hatte ihm einiges von sich offenbart. Er selbst war noch nie sehr gesprächig gewesen, aber mit 'geht so' kam er jetzt nicht weit und wenn er wollte, dass sein Gegenüber wenigstens ein wenig verstand, warum er lieber alleine unterwegs war, dann musste er etwas weiter ausholen.

"Ich war bei einem Boxturnier. Meine Eltern blieben zuhause, weil meine kleine Schwester krank war. Im Zug nachhause, haben wir draußen gesehen, daß etwas anders war. Ich weiß nicht ob es Glück oder Schicksal war, aber ich habe die Zombie im Zug überlebt und die Entgleisung. Auf dem Weg nach Hause, habe ich gesehen, zu was Menschen fähig sind. Anstatt sich zu unterstützen, war sich Jeder selbst der Nächste. Ich weiß bis Heute nicht, ob meine Eltern erschossen wurden, weil sie zu diesen Dingern wurden oder weil sie unsere Wohnung verteidigt haben und Cat...., sie fand ich im Innenhof. Bis dahin hatte ich noch nicht wirklich geglaubt was ich gesehen hatte. Aber wenn die eigene Schwester versucht einem die Kehle herauszureißen und einem nur über bleibt ihren Kopf an der Hausmauer zu zermalmen, dann wird einem sofort klar, dass das kein Alptraum sein kann. Denn sowas kann sich kein gesunder Verstand vorstellen."

Das Lächeln misslang und Leo hob leicht die Schultern. "Seit dem bin ich unterwegs. Immer mal ein paar Monate hier, dann geht es weiter dann ein paar Wochen da und so weiter. Und was ich auf meinem Weg gehört und gesehen habe ist...., es spottet jeglicher Beschreibung. Zwar versuchen kleine Gruppen sich sowas wie einen sicheren Ort aufzubauen, aber in Wirklichkeit sitzen sie, meiner Erfahrung und Meinung nach, in einer Todesfalle.

Die Häuser sind von Mauern und Zäunen umgeben und jede Mauer und jeder Zaun hat irgendwo eine Schwachstelle, durch die früher oder später die Beisser eindringen und dann stehen sie vor ihren hohen Mauern, die Monster im Nacken und stoßen sich gegenseitig runter und den Zombies zum Fraß vor, um sich Zeit für die Flucht zu erkaufen.

Oder eine verfeindete Gruppe lässt auf einer Seite der Ortschaft die Zombies rein und ballert auf der anderen auf die Flüchtlinge. Was dann passiert, wenn die ersten Toten vor einer Gruppe auferstehen und hinterhalb die anderen angeschlurft kommen, kannst du dir bestimmt vorstellen. Und doch versucht Jeder so weiter zu leben, wie er zuvor lebte. Sie suchen sich Partner und manche sind wirklich so dumm und setzen Kinder in die Welt.

Ich frage mich immer wofür. Warum soll unsere Rasse weiter bestehen? Um noch viele weitere Generationen an Futter für Untote zu produzieren? Und dann sind manche Eltern wirklich so dumm und opfern sich, damit das Kleinkind überlebt....., dabei sind Kinder bis zu einem bestimmten Alter in der Welt da draußen nicht alleine überlebensfähig. Das Kind stirbt definitiv auf eine grausame Art und Weise. Der einzige Unterschied ist, ob das Kind davor zusehen muss wie die eigenen Eltern getötet werden oder eben nicht."


Seine Lippen wurden zu einem schmalen Strich, während Leo schwieg und gedankenverloren auf den Teller starrte, doch dann schien er sich wieder zu entspannen und er nippte an seinem Kaffee, bevor er fortfuhr. "Wie dem auch sei. Ich versuche Allem und Jedem aus den Weg zu gehen. Überwiegend überleben nur dämliche Arschlöcher und auf die kann ich verzichten. Jetzt im Sommer gehe ich in die Siedlungen wenn ich etwas ertauschen muss. Ich kann mir vieles plündern, reparieren oder selbst herstellen, aber zum Beispiel Klamotten kann ich nicht herstellen und Salz kann ich auch nicht aus den Bäumen quetschen. Sonst bin ich meistens in Wäldern, wo man mich nicht problemlos entdecken kann oder in Parks, wo ich den totalen Überblick habe, damit mich weder Beisser noch Überlebender überraschen kann. Wenn ich wie jetzt in ein mir unbekanntes Terrain komme, dann suche ich erstmal ein paar Tage in den Städten nach Dingen die ich brauchen kann oder nach Tauschgütern und dann sehe ich mich um, ob ich irgendwo eine Siedlung mit Überlebenden finde. Dann tausche ich und im Herbst, suche ich nach einem Gebäude, das abseits liegt, aber problemlos geheizt und gesichert werden kann. Dann switsche ich in den Eichhörnchenmodus und krall mir alles, was ich finden kann und was mir beim Überleben hilft, selbst wenn ich mal zwei drei Wochen nicht raus kann. Notfalls, wenn ich nichts finde, dann gehe ich auch mal in einer Siedlung überwintern und arbeite dann für die Gemeinschaft."

Wieder nippte er an der Kaffeetasse. Was sollte er noch erzählen? Dass man draußen stets wachsam sein musste, würde Nano bestimmt auch so wissen und wie seine Fallen für Tiere, Beisser und Menschen aussahen, das würde er jetzt auch nicht unbedingt ausplaudern.



@Nano West

zuletzt bearbeitet 10.03.2024 18:09 | nach oben springen

#13

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

11.03.2024 14:22
Nano West Nano West (gelöscht)
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Nano hatte schweigend Leos Worten gelauscht. Er seufzte tief. „Also… alles wie immer… das ist wirklich enttäuschend. Aber ich denke, viele haben vielleicht einfach nur Angst.“ Er sah Leo an. Seine Worte klangen unbarmherzig, aber nach allem, was passiert war, konnte er das wirklich gut verstehen. „Ich konnte.. ich konnte es nicht. Zumindest nicht damals. Mom war immer die Taffe in der Familie gewesen. Sie… hat als wir hier ankamen zuerst mich ins Bett gebracht und dann den Bunker buchstäblich auf links gedreht. Gebaut hat ihn mein Großvater. Für sich und seine Familie. Darum gibt es zwei Schlafzimmer und einen kleinen Raum mit Hochbetten. Dad hat dann nur die Solaranlage vom Haus und das Internet hier unten angeschlossen, als er ein privates Labor einrichtete. Mom hat das Lager gefilzt, was Granny angelegt hat, die Hochbetten rausgeworfen und ist dann einfach in das Chaos gegangen, während Vater schon wieder in seine Arbeit vertieft war. Ich… hab die Nachrichten verfolgt, solange sie liefen… Sie kam Stunden später und sah furchtbar aus, aber sie hatte ein Monster von Truck dabei, vollgestopft mit Vorräten aus der Mall. Sie hat dasselbe gesagt wie du. Sie hatte hinten geparkt und musste darum kämpfen, das zu behalten, was sie ins Auto geschleppt hatte. Es muss wohl sogar jemand versucht haben, das ganze Auto zu stehlen, nachdem sie es gefüllt hatte…“ Er atmete tief durch. „Als sie drei Tage später zur Apotheke fahren wollte, hat sie sich die Haare abgeschnitten und… das Regenzeug angezogen…mittlerweile weiß ich warum.“

Er aß ein Stück Hackbraten und zögerte. „Wir waren lange hier, sie hat mich immer wieder angetrieben und aufgemuntert. Aber…. Irgendwann kam sie nicht mehr zurück. Ich hab Dad angebettelt, er soll mich gehen lassen um nachzusehen. Er hat schließlich nachgegeben, aber….sie… war … von so einer großen Gruppe überrascht worden wie… jetzt auch da oben ist. Das passiert hier selten, aber es passiert. Ich war so geschockt… sie hat mich festgehalten… ich konnte mich losreißen, aber… ich bin weggelaufen. Ich hab es nur knapp bis nach Hause geschafft. Ich konnte ihr nicht mehr halfen. Dad war kaum wiederzuerkennen, als sie weg war. Es hat lange gedauert bis es weitgehend normal war. Aber… dann wurde er krank und ist schließlich auch gestorben. Er hat gesagt, wenn ich jetzt aufgebe, dann war alles umsonst, was sie getan haben. Er hat mir ein Messer in die Hand gedrückt und gesagt, das ich es tun muss, wenn ich überleben will und es… wäre meine verdammte Pflicht, es zu wollen. In dem Moment, als er starb… hab ich ihn dafür gehasst. Aber vielleicht konnte ich es auch nur deswegen tun? Nachdem ich ihn begraben habe bin ich raus und hab Mom geholt.“

Er sah nachdenklich auf die Schüssel mit den frischen Erdbeeren. „Aber mutiger bin ich dadurch immer noch nicht geworden. Ich hab den Kram eingepackt, bin ins Auto gestiegen, aber…. Bin dann doch hier hängen geblieben. Vielleicht hast du recht. Es ist nur sicher, solange außer mir kaum jemand davon weiß. Mom hat auch immer gesagt, das wenn jemand in der Nähe ist und mich sehen könnte, nicht der Moment zum heimkehren ist. Wenn andere hier in Takoma sind nehm ich immer einen Umweg heim. Manchmal bin ich auf jemanden getroffen, aber die meisten sind genau so wie du es sagst. Als ob die Herumtreiber nicht reichen würden.“

Er schnaubte leise. „Das ist so typisch. Die Welt ist unter gegangen und wir schlagen uns dann noch zusätzlich den Schädel gegenseitig ein anstatt, das Beste aus der beschissenen Situation zu machen und zusammen zu überleben. Aber vielleicht sind diese Gruppen, die du gesehen hast der Weg, es doch mal besser zu machen. Nur.. solange das nicht alle denken… ach, das.. ist doch alles Mist jetzt..“

Er leerte sein Glas und schob den leeren Teller ein Stück von sich weg, während er nach einer Erdbeere griff. „Seit ich alleine bin bin ich regelmäßig draußen. Mit den … wie nennst du sie? Beißer? Das ist.. eine ziemlich treffende Beschreibung. Wir haben sie Herumtreiber getauft weil sie einfach immer nur durch die Gegend torkeln und nie damit aufhören. Naja… mit den Beißern komm ich ganz gut klar. Auch wenn es mehrere sind. Ich denke immer, das sie sich das auch nicht ausgesucht haben. Wenn ich sie töte, begrabe ich sie meistens. Das hält mich fit und hilft mir, die Fehler in meiner Technik zu erkennen und zu verbessern. Aber die Lebenden… sind schlimmer. Wenn ich in der Mall war und mir jemand begegnet, dann geb ich das Zeug meistens freiwillig ab. Ich bitte nur darum, meinen Rucksack zu behalten. Einfach….weil ich… den Streit nicht will. Wenn ich mich streite kann das böse enden für beide Seiten… und das will ich nicht. Es ist doch verdammt nochmal schon genug Scheisse da draußen.“ Er sah zu Leo hin. „Du kannst… ruhig deine Waffen reinholen und sie sauber machen. Wenn du etwas hier bleibt, seh ich mal, ob ich die Munition für deine Waffe machen kann, wenn du welche brauchst. Ich.. mag Schusswaffen nicht… also.. eigentlich nicht. Das da draußen war nicht das erste Mal, das man mir einen Lauf ins Gesicht hält. Das erste Mal war noch vor all dem hier… noch vor meinem Unfall. Ich hab das nie wirklich vergessen. Aber heute sind diese Dinger wohl überlebenswichtig.“ Er stand auf und griff nach dem Rucksack. Dann zögerte er.

„Du scheinst echt in Ordnung zu sein, Leo. Und ich… werde wohl noch eine Weile hier sein. Vielleicht sehen wir uns ja im Winter wieder. Du bist… auf jeden Fall Willkommen, wenn du diese Zeit hier verbringen willst. Mach dir keine Sorgen wegen den Vorräten. Ich bin alleine und… irgendwann muss ich wohl auch von hier weg. Alles kann ich dann wirklich nicht mitnehmen.“ Seine Stimme war leiser geworden. Er wollte wirklich nicht übereifrig klingen. Aber er wollte ihm zumindest Hilfe anbieten. „Du kennst ja jetzt den Weg.“ Er lächelte leicht, wurde aber dann wieder Ernst. „Tut mir leid.. wegen deiner Familie. Ich bin sicher, deine Schwester wäre dir dankbar, das du sie erlöst hast. Das.. Ganze ist einfach furchtbar. Ich könnte mir so wie es jetzt ist auch nicht vorstellen, Kinder in die Welt zu setzen. Was würde die erwarten? Das dort draußen?“ Er hatte angefangen, den Rucksack aus zu packen und zog nach den Kleidungsstücken auch die Waffe hervor, die er zusammen mit der Munition auf den Tisch legte. „Die hab ich in einem der Läden gefunden. Vielleicht sollte ich zumindest eine davon im Haus haben.“ Zuletzt zog er eine Packung mit Mars-Schokoriegeln hervor und deutete auf die Kaffeetassen. „Aber… für heute Abend… könntest du dich vielleicht ein Stück wie früher fühlen. Wir haben frisch aufgetaute Schokoriegel, Kaffee und Solarstromüberschuss. Also…. Magst du einen Film mit mir anschauen?“ Jetzt lächelte er zaghaft. Irgendwie hatte er das Gefühl, das Leo nicht der Mann vieler Worte war, aber trotzdem hatte er ihm das alles erzählt und seine ehrliche Meinung offen mit ihm geteilt. Wären sie sich früher begegnet, hätte er sich vermutlich sogar recht schnell mit ihm angefreundet. Oder es zumindest versucht. Aber wenn es heute schon nur noch Bekannte gab, dann war er jetzt tatsächlich froh, das Leo dazu gehörte. Mit den Schokoriegeln und den Filmen aus der Mall in den Händen blieb er stehen und sah ihn an.

@Leo Young


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#14

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

13.03.2024 09:06
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Langsam aß Leo den Teller leer und nahm seine Kaffeetasse in die Hand. Auch wenn er aussah, als würde er sich auf seinen Kaffee konzentrieren, er hörte Nano aufmerksam zu. Also war der Kerl wirklich schon von Anfang an hier in diesem Bunker und hatte nach und nach seine Eltern verloren. Wenigstens wusste Nano, warum seine Eltern tot waren und wer dafür verantwortlich war.

Lange Sekunden musterte Leo die Erdbeerschale und nahm sich eine der roten Früchte. Tief atmete er das Aroma ein. Vielleicht sollte er doch öfter im Sommer zum Tauschen gehen. Wilde Erdbeeren waren zwar auch gut, aber nicht mit Früchten wie diesen zu vergleichen.

Überrascht ruckte Leos Blick hoch. Er durfte seine Waffen herein holen? Nano war echt niedlich, aber viel zu vertrauensseelig. Auch wenn es nicht so war, wenn er sich jetzt verstellt hätte, um Nanos Vertrauen zu bekommen, dann könnte er ihm jetzt, nachdem er die Erlaubnis hatte, seine Waffen her zu holen, einfach den Kopf abschlagen. Und dann hätte er einen sicheren Bunker und Vorräte, um den nächsten Winter problemlos zu überstehen. Oder für eine Zeit, wenn er zu alt werden würde draußen zu überleben.

Und die Überraschungen hörten garnicht mehr auf. Überwinterungsangebot, Schokoriegel und ein Filmeabend. Nie im Leben hätte Leo nach dem Ausbruch dieses Chaos geglaubt, je wieder diese Art von Kombinationen vorgeschlagen zu bekommen. Schokoriegel und Flucht vor Beißern, schon eher. Film überhaupt nicht. Dafür war der Strom eigentlich viel zu kostbar.

Leo stand auf und ging langsam auf Nano zu. Er blieb knapp vor ihm stehen und musterte ihn intensiv, bevor er leise zu sprechen begann. "Meine Waffen putze ich lieber morgen. Dann kannst du zumindest heute sicher sein, dass ich dir nicht den Kopf abschlage, während du pennst." Eines in den letzten Jahren selten gewordenes Lächeln erschien auf Leos Lippen, als er einen Schritt zurück wich. "Filmabend hatte ich seit Ewigkeiten keinen. Sogar noch vor dem Beginn der Apokalypse lag der letzte schon etwas zurück. Ich hatte zu viel anderes zu tun. Also bin ich definitiv dabei. Aber bitte, keinen Horrorfilm. Davon hatte ich die letzten Jahre genug."




@Nano West

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#15

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

13.03.2024 12:42
Nano West Nano West (gelöscht)
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Für einen kurzen Moment musste er gegen den Drang ankämpfen, nicht einen Schritt rückwärts zu machen. Zwar war Leo nur unwesentlich größer als er, aber die Art wie er sich bewegte…. oder wie er ihn ansah…… schien eine seltsame Art von Gefahr zu offenbaren, die er selbst bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht gar nicht hatte wahrhaben wollen. Er schluckte und hatte das Gefühl unter dem intensiven Blick des anderen immer kleiner zu werden. War das wirklich Leo? Oder war es das, was dieses Leben aus ihm gemacht hatte? Wenn es das war, dann war es kein Wunder, das er selbst es noch nicht für sich entschieden… vielmehr für sich gefunden hatte. Sein Blick glitt hinauf zu Leos, fing seinen auf und sah ihn für einen langen Moment an. Er hatte nur leise gesprochen und alleine in dieser fehlenden Lautstärke lag eine Drohung die eindeutig schien. Wenn er nur nicht dieses Gefühl gehabt hätte, das er…. es vielleicht gar nicht so ernst meinte, wie es den Anschein hatte. Er öffnete den Mund langsam und verlor dann jeglichen Kontakt zu den Gedanken, die er gerade hatte aussprechen wollen. Leo trat zurück und …… lächelte. Nanos Herz hatte sofort begonnen, schneller zu schlagen. Wie konnte ein einfaches Lächeln bloss so eine Wirkung haben. War er eben noch wie eine unverhohlene Bedrohung gewesen, hellte diese kleine simple Bewegung seiner Lippen jetzt nahezu nicht nur ihn, sondern seine ganze Umgebung auf.

Nano war für einen Augenblick verwirrt. Wie hatte er jetzt so schnell umswitchen können? Er spürte eine Gänsehaut auf seinem rechten Arm und liess die Schokoriegel sinken. „Ja… also… ich hab auch andere. Da ist… fast alles dabei….“ Er legte die Riegel auf dem Wohnzimmertisch ab und stellte die Kaffeekanne dazu. Dann schaltete er das Licht im Arbeitsbereich und in der Küche aus. Seine Gedanken überschlugen gerade. Er näherte sich Leo und sah ihn ruhig an. „Du….. hältst mich für ziemlich naiv, oder? Das ich dir vertrauen will, ohne es wirklich zu können. Das ich mich vielleicht.. von Freundlichkeit und Entgegenkommen beeinflussen lasse, ohne an die Gefahr zu denken, die von dir ausgeht, solange du hier in meiner Nähe bist.“ Er musterte ernst sein Gesicht. „Ja, es stimmt, das ich von dort draussen noch keine wirklich große Ahnung habe. Und es stimmt, das es mir bisher hier in meiner eigenen kleinen Welt gut ging. Aber bitte glaub nicht, das ich nicht vorsichtig bin. Ich hatte nicht vorgehabt, meine Türe vor dem Schlafengehen nicht fest zu verriegeln. Oder diese Waffe mit in mein Zimmer zu nehmen. Denn ich kenne dich nicht. Ich weiss weder, wer du bist, noch weiss ich, was du alles tun musstest, um jetzt noch am leben zu sein.“ Er schwieg einen Moment. „Aber ich weiss, wer du vor einer Stunde warst. Wer du gerade eben warst, als du aufgewacht bist. Und wer du genau jetzt in diesem Moment bist. Du warst der, der sich entschieden hat, mich nicht sterben zu lassen, sondern mir zu helfen. Du.. warst der, der an seine Familie gedacht hat und… der sich über Kaffee freut.“

Er seufzte leise. „Ich weiss wie die Menschen sein können, besonders wenn man sie in die Enge getrieben hat. Das war schon vor dieser Katastrophe so und leider muss man annehmen das gerade die, die zu allem bereit sind die sind, die überleben. Und ja, ich weiss, das ich das nicht bin. Ich bin nicht bereit, den Mann vor die Türe zu setzen, der mein Leben gerettet hat und ich bin nicht bereit, meine Menschlichkeit aufzugeben, auch nicht meine Bereitschaft zu glauben, das es noch was Gutes gibt.“ Er lächelte jetzt. „Und davon abgesehen… brauchst du die Waffen nicht. Du könntest mir auch ein Kissen aufs Gesicht drücken und mir dann ein Küchenmesser oder einen Schraubenzieher reinjagen, damit ich nicht zurückkomme. Aber das wirst du nicht tun, du nicht! Denn du brauchst einen Grund dafür und den hast du nicht. Ich teile doch alles mit dir. Du kannst wiederkommen oder bleiben, was immer du willst. Wenn du mich hier umbringst, hast du vielleicht den Bunker und die Vorräte gewonnen, aber du hast niemanden, der ihn instand hält, der alles hier genau kennt. Keinen der dir hilft, oder der dir Munition für deine Waffe herstellt und…. ganz sicher hattest du lange keinen, der dir die Haare geschnitten hat!“ Nano schmunzelte jetzt und hielt Leo die Hand hin.

„Also klären wir das doch direkt. Ich bin Nano und ich bin ehrlich zu dir. Ich habe nicht vor dir zu schaden, sondern dir zu helfen, denn das hast du dir verdient. Ich vertraue dir vielleicht nicht völlig, aber ich bin dazu bereit, es zu versuchen. Es gibt so viele… Irre.. da draussen, von denen mir schon einige begegnet sind, das die größte Gefahr nicht die Herumtreiber sind. Ich bin froh, das du dich vorhin entschieden hast, keiner von ihnen zu sein. Und ich glaube, gerade jetzt könnten wir froh sein, lieber einen Freund zu finden, als einen weiteren Feind. Oder seh ich das falsch?“ Er hielt ihm immer noch die Hand hin und wartete. Egal, wie Leo sich entschied, er würde es ihm nicht übel nehmen. Selbst wenn er nach wie vor mehr als misstrauisch war. Aber er hoffte tatsächlich insgeheim, das er einschlug.

@Leo Young


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#16

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

18.03.2024 14:03
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Während Nanos Worten, wanderte Leos Blick langsam über den Körper des Sprechenden. Offenbar war der Kerl doch nicht so einfältig wie es der erste Eindruck vermittelt hatte. Eigentlich würde es ihn schon interessieren, warum Irgendwer Nano eine Knarre vor die Nase gehalten hatte und das noch vor dem Beginn dieses Wahnsinns, der sich inzwischen alltägliches Leben nannte. Ob das vielleicht mit dem Job seines Vaters zutun gehabt hatte? Vielleicht hatte der ja ordentlich verdient. Obwohl, wenn er sich diesen Bunker und die Ausstattung ins Gedächtnis rief, dann kam Nano offenbar aus einer Familie, wo Geld zumindest für ein gutes Leben reichte. Vielleicht hatte es sich ja bei dem Überfall um ein versuchtes Kidnapping gehandelt? Fragen würde Leo aber nicht. Noch nicht. Auch wenn Nano wie eine Plaudertasche wirkte, solch intime Details würde er einem Fremden bestimmt nicht an die Nase binden. Schließlich ging ihn das ja nichts an, ebensowenig wie dessen Unfall.

Als das Thema auf Leos Haare fiel, strich er sie instinktiv etwas ordentlicher. Früher hatte er immer darauf geachtet sie ordentlich und modisch gestylt zu tragen. Doch jetzt, jetzt gab es in seinem Leben viel Wichtigeres, als sich wegen dem Haarschnitt Sorgen zu machen. Zum Beispiel wie er seinen Magen füllen konnte oder wie er es schaffen könnte, seinen Arsch nicht zum Kauknochen eines Zombies mutieren zu lassen. Davon abgesehen, er hatte noch keinen Friseursalon gefunden, in dem noch gearbeitet wurde. In denen, in die er eingedrungen war, um dort nach Tauschware zu suchen, war entweder nur Stille und Leere zu finden gewesen oder wie in dem letzten auch, war der Sevice grottenschlecht gewesen. Der Beißer wollte ihm offenbar nicht die Haare schneiden, sondern an die Wäsche und es endete zum Glück so, wie es bisher bei jedem Aufeinandertreffen mit dem untoten Gesocks geendet war. Er hatte dem bissigen Friseur einen frischen Scheitel gezogen.

Als ihm Nano die Hand entgegen hielt und sich nicht nur nochmal vorstellte, sondern ihm sogar die Freundschaft anbot, sah ihn Leo völlig überrumpelt an. Kurz wurde sein Blick skeptisch. Was wenn er jetzt in eine Falle getappt war? Mit der mechanischen Hand würde Nano ihn wahrscheinlich problemlos töten können. Aber warum sollte er erst seine Vorräte mit ihm teilen, nur um ihm dann in der Nacht zu killen? Immerhin hatte Roboboy keine Vorteile, bis auf die paar Waffen und etwas Limo und Bohnen, die Leo aktuell mit sich herum schleppte. Schließlich wusste Nano nicht wo Leos Quad und damit auch seine Vorräte herumstanden und wegen den Unterhosen würde er schon nicht durchdrehen. Nano schien genug eigene Sachen zu besitzen.

Die Skepsis verzog sich aus dem Blick der braunen Augen. Mit einem hatte Nano nämlich definitiv recht. Leo brauchte keine weiteren Feinde, keinen weiteren Beweis wie schlecht die Menschen waren oder wie hart das Leben war. Was er brauchte war etwas Frieden, Schlaf und der Beweis, dass es noch andere Menschen auf der Welt gab, die sich etwas Humanität bewahrt hatten. Kurz zögerte er noch, doch dann griff er nach der dargebotenen Hand. Scheiß drauf. Das würde schon gut gehen. "Young. Leo Young. Freut mich dich kennen zu lernen, Nano. Und du hast Recht. Meine Haare haben schon länger keine ordentliche Begegnung mit einer Schere gehabt."

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noch verloren gehen.

zuletzt bearbeitet 18.03.2024 14:03 | nach oben springen

#17

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

21.03.2024 10:36
Nano West Nano West (gelöscht)
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Innerlich atmete Nano förmlich auf. Also hatte er den anderen doch nicht ganz so falsch eingeschätzt. Aber was hatte er da auch schätzen sollen? So, wie es jetzt draussen aussah und wie einige Menschen drauf waren, war es kein Wunder das jemand wie Leo die Schnauze gestrichen voll und die Jacke voller Misstrauen hatte. Selbst wenn man nur wenig besass schien es jetzt an der Tagesordnung zu sein, um das Wenige bis aufs Blut zu kämpfen. Er selbst würde es vermutlich nicht anders tun, wenn es sich um etwas handelte, auf das er angewiesen war. Bisher hatte er immer hergegeben, wenn jemand ihn auf einer seiner Sammeltouren gesehen und gestellt hatte. Mit den Lauffüssen seiner Prothesen hatte er noch zu wenig Erfahrung im freien und vor allem im unwegsamen Gelände gehabt und dann stand türmen nun mal völlig ausser Frage. Aber jemanden töten, um den Inhalt seiner Rucksackes zu behalten? So weit war er noch lange nicht. Er nahm Leos Hand mit der rechten Hand und drückte sie sanft. „Ich hab gehofft, das du mir eine Chance gibst.“ Er strahlte förmlich und musterte Leos dunkle Haare. „Na, ich hab es relativ einfach mit meinem Beatles-Topfhaarschnitt. Du hast deine Haare gerade frisch gewaschen. Das haben wir ganz schnell erledigt. Das heisst… wir lassen uns genug Zeit, damit es anständig aussieht.“ Er schmunzelte und bedeutete Leo, ihm zu folgen. „Wenn ich dich jetzt mitnehme, dann ist das einzig und alleine aus dem Grund, meine Absichten zu untermauern. Ich kann verstehen, wenn du mir immer noch nicht wirklich vertraust, deswegen werde ich jetzt den unverzeihlichen Fehler begehen, dir einen Vertrauensvorschuss zu schenken, damit du wirklich ruhig schlafen kannst.“

Er öffnete die Türe im Hintergrund und durchquerte den Heizungs- und Technikraum, um zu einer schweren Eisentüre zu gehen. „Grandpa hat den Bunker wohl angelegt, weil er nach den Terroranschlägen vom 11. September eine Art Panikphase hatte, das es jede Hauptstadt treffen könnte. Dad hat mal, gesagt, er hatte eine echte Paranoia. Aus diesem Grund gibt es hier unten sechs Tausend Liter Tanks mit Dieselkraftstoff und ein Notaggregat das damit betrieben werden kann. Mein Dad hat es dann auf solar umgebaut, als er sein Labor eingerichtet hat. Notfalls kann man den Generator aber noch benutzen. Granny hat sich für einen Krieg gerüstet, der niemals gekommen ist. Aber er hat eine Menge Platz für Vorräte geschaffen. Ein Drittel ist noch ihm. Die Conserva Dose, die ich aufgemacht habe zum Beispiel. Er hat sich einen 10 Jahre Vorrat für die ganze Familie angelegt fürchte ich. Der ganze Rest, den du siehst ist aus der Mall. Die erste Hälfte der Regale hat Mum gefüllt, die anderen dann ich.“ Er blieb neben einem Regal mit eingelegtem Gemüse und Obst stehen. „In den ersten Tagen hat sie Kistenweise frische Sachen hergebracht und jedes Mal schon am Abend eingekocht oder weiterverarbeitet, um diese Gläser zu füllen. Es roch immer… immer wie einer Großküche hier.“ Seine Stimme war leiser geworden und er seufzte leise. „Niemand hat so ein Schicksal verdient, Leo. Meine Eltern nicht und deine Familie auch nicht. Ich hätte mir nie träumen lassen, das ich mal hier unten stehe und diesen Bunker als mein Zuhause betrachte.“

Er atmete tief durch und ging weiter bis zu einem Regal mit Kosmetikinventar und griff nach einer Tasche, bevor er verharrte und schmunzelte. „Du kannst deine Haare sogar gefärbt haben, wenn du möchtest. Ich hab Dutzende Packungen Haarfarbe und Aufheller hier in allen möglichen Farben.“ Es war nur ein Scherz. Vermutlich wollte er alles, aber nicht wie ein geflecktes Meerschweinchen aussehen oder als ob er gerade aus dem angesagtesten Friseursalon in Las Vegas getürmt war. Er deutete durch die beiden gegenüberliegenden Regale zu einem relativ großen freien Platz, auf dem eine Übungsmatte lag. Neben einem Stand-Fahrrad war dort auch eine Hantelbank und ein Laufband. „Das ist mein Trainingsplatz. Meine Eltern konnten richtig gnadenlos sein, was das angeht, aber ich bin froh, das sie es waren. Wenn du möchtest, tob dich ruhig da aus.“ Er blieb jetzt vor Leo stehen. „Ich hab dir jetzt alles gezeigt, was ich habe und auch, woher. Bisher hab ich keinen getroffen, mit dem ich das alles gerne teilen würde, aber ich teile gerne mit dir! Du hast mir geholfen und ich helfe dir. So sollte es doch sein, oder?“

@Leo Young


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#18

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

24.03.2024 08:17
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Interessiert sah sich Leo um. Das was ihm Nano zeigte war beeindruckend. Waren diese seltsamen Typen, die Vorräte für Jahre horteten oder Bunker bauten, vor dem Chaos belächelt und in die bescheuert Schublade abgeschoben worden, jetzt hatte es der Enkel von so einem Kriegsschwurbler wirklich gut. Zumindest einige viele Jahre und wenn er an den Rollstuhl in Nanos privaten Zimmer und dessen Robohand dachte, hatte dieser es auch bitter nötig. In der Welt draußen ein paar Stunden zurecht kommen und den Rest eines hoffentlich langen Lebens da draußen zu überleben, das waren definitiv zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

Sein Blick wanderte neugierig über das Regal mit den Haarfärbemitteln. Orange oder Rot waren dank der aggressiven Überlebenden keine Option mehr. Da könnte er sich auch eine Zielscheibe auf den Hintern kleben. Aber vielleicht ein dunkles Violett, das seine Farbe erst preis gab, wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel drauf fiel. Aber wofür? Um chic auszusehen, wenn es ihm an den Kragen ging? Aber, warum hat man früher die Haare gefärbt? Um sich wohl unter seinem Pony zu fühlen und gut auszusehen, für den Fall, dass man einen Unfall hatte. Das war eigentlich das gleiche Thema wie die frische Unterhose.

Der Schluss der Führung brachte die braunen Augen kurz zu funkeln. Ein echter Trainingsraum, wo er sich mal auspowern konnte ohne Angst zu haben, dass ihn am Ende die Kehle aufgeschnitten oder gerissen wird. Das war wirklich etwas ganz besonderes. Dennoch verwirrte ihn Nano, der jetzt vor ihm stand und ihn ruhig anblickte. Vorallem ein Satz rotierte gerade zwischen seinen Synapsen herum. Aber wahrscheinlich war er schlicht und ergreifend nur froh Jemanden nach so langer Zeit zu finden, der ihm weder ans Leder noch ans Leben wollte. Und er selbst interpretierte da jetzt irgendwas hinein.

Langsam löste er den Blick und sah sich nochmal im Trainingsraum um. "Ja, doch, das Laufband werde ich mal testen. Einfach in Ruhe laufen um den Kopf frei gepustet zu bekommen geht aktuell nicht wirklich. Zumindest nicht, wenn man den nächsten Sonnenaufgang erleben will." Und nötig könnte er es wirklich haben. Sein Blick wanderte zurück zu dem Anderen. "Es sind schon seltsame Zeiten, wo ein Gang durch den Vorratskeller ein Zeichen des Vertrauens ist. Früher kamen meine Freunde zu mir oder ich ging zu ihnen und wir haben dann mit der ganzen Familie gegessen. Was auf den Tisch kam und woher das kam war völlig egal. Selbst wenn unsere Mütter die Zutaten aus der Nachbarmülltonne geholt hätten, wäre das an uns jungem Gemüse völlig vorbei gegangen. Hauptsache es lag was essbares auf dem Teller."

Leo begann schelmisch zu grinsen. "Hätten wir uns als Teens kennengelernt, dann wäre wohl das Geheimste was du mir zeigen konntest die Werkstatt deines Dads gewesen und er hätte uns bestimmt raus geworfen, weil wir Kinder dort nichts zu suchen hatten und ja doch nur irgendwann etwas kaputt machen. Denn für Jemanden mit einer geheime Pornosammlung unter dem Bett, schätze ich dich jetzt nicht ein." Leo wurde wieder ernst. "Du hättest das wirklich nicht tun müssen. Im Grunde geht es mich nichts an was du besitzt und wo du es her hast. Aber...., auch wenn es jetzt ziemlich in deine Privatsphäre eingreift. Auch wenn ich von den Siedlungen nicht viel halte, denkst du nicht, es wäre besser, wenn du dort versuchst zu überleben und diesen Ort für die Zeit nutzt, wenn du Kinder hast oder deine Robotechnik langsam veraltet ist? Und nicht abwiegeln. Du bist niedlich und niedlich mögen die Frauen, auch jetzt und ein Bunker schiebt das Ansehen gleich nochmal an."

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zuletzt bearbeitet 24.03.2024 08:19 | nach oben springen

#19

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

01.04.2024 01:43
Nano West Nano West (gelöscht)
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Nano blinzelte verwirrt. Leos Grinsen hatte ihn wirklich abgelenkt und er konnte nicht anders als zustimmend zu nicken, als er das Labor seines Vaters erwähnte. Als Kind hatte er es kaum betreten dürfen. Erst als er alt genug gewesen war auch wirklich nichts einfach so anzufassen hatte er ihn mitgenommen. Er konnte sich noch gut an diese Zeit erinnern. Vor allem daran wie fasziniert er davon gewesen war. Wenn er heute daran dachte, das er nicht einmal gewusst hatte, das er diese Sachen einmal bitter nötig hatte. Er sah auf seine Hand und drehte sie, während er die Finger bewegte. [drakcyan]„Vermutlich hast du recht. Er hätte uns hochkant rausgeworfen. Meine Liebe zu dieser Wissenschaft hab ich eindeutig von ihm.“[/darkcyan] Er zuckte leicht mit den Schultern. Er wusste selbst, das er es nicht nötig gehabt hatte, aber er hatte gelernt, das man besser mit Offenheit und Ehrlichkeit in eine neue Freundschaft wenn man hoffte, das sie bestand haben sollte. Und das hoffte er wirklich. Leo war nett und er schien das Herz auf dem rechten Fleck zu haben. Er atmete tief durch und verzog dann leicht das Gesicht.

„Du… das ist nicht halb so persönlich wie es sich anhört. Diese Frage zähl ich nicht zur Privatssphäre.“ Er hatte leise gesprochen. Hatte er ihn gerade wirklich niedlich genannt? Er spürte, wie seine Ohren unangenehm warm wurden und räusperte sich leise. „Ich… wusste bis du es jetzt gesagt hast ja gar nicht, das es solche Siedlungen überhaupt noch gibt. Den einzigen Hinweis dazu hab ich von meinem Vater und der stammt noch von vor diesem Disaster. Dad hat sich und uns in einen Bunker eingekauft, der damals von einem Mann gebaut wurde, der „passende“ Arbeiter oder Wissenschaftler dafür suchte. Als das Ganze losging, wollten wir auch genau da hin, aber wir haben es nicht geschafft und sind wieder nach Hause gefahren und dann hier herunter gegangen. Das ist der einzige Ort von dem ich wusste, das da unter Umständen noch mehr Leute leben. Und… das war auch der Ort, zu dem meine Eltern eigentlich im Endeffekt wollten. Sie haben nur versucht, mich soweit hinzubekommen, das ich den Weg auch überlebe. Ja, ich weiss, das hört sich übel an, aber….. ich danke dir vielmals für dein Kompliment, Leo. Ich bin…. schon lange nicht mehr der Typ für Kinder und ich fürchte, ich halte mich auch lieber fern von… körperlichen Beziehungen. Die Standards mögen sich in dieser Zeit drastisch verändert haben aber SO drastisch sicher nicht, das sich jemand ausgerechnet mit so etwas wie mir belasten möchte.“ Wenn er daran dachte wurde ihm kalt. Das war eines der Dinge gewesen, die er jedes Mal gedacht hatte, wenn er im Rollstuhl vor dem Spiegel gesessen hatte, um sich an diesen Anblick zu gewöhnen. Und er war jedes Mal entweder am Boden zerstört oder unglaublich wütend gewesen. Er seufzte. „Aber in einem gebe ich dir recht. Irgendwann werde ich hier weg müssen. Aber bis dahin muss ich es unbedingt geschafft haben, weitgehend unabhängig zu werden. Und das ist… gar nicht so leicht.“

Er hielt Leo die Armprothese hin, die unter dem Ärmel des Shirts herausschaute. „Sie muss, wenn ich den ganzen Tag beschäftigt bin zweimal aufgeladen werden. Es gibt ja leider keine andere Möglichkeit der Energieversorgung, wenn ich nicht zufällig einen Minireaktor einbauen möchte und glaub mir…. Ich hab sogar schon daran gedacht. Aber erstens müsste ich für die Brennstoffzellen bis nach Atlanta reisen und dann…. ist das auch nicht wirklich sicher. Ich will ja meine Umgebung nicht verstrahlen. So bleibt mir nur die Solarenergie oder die Windkraft und….. ich werde mir ganz sicher keinen Hut mit Windrad auf den Kopf setzen.“ Er schmunzelte und deutete hinter sich. „Wenn du etwas brauchst, dann nimm es dir und wenn du das letzte Teil nimmst, dann sag einfach Bescheid, das nichts mehr da ist. Wenn im Lager noch was ist hole ich es dann beim nächsten Mal.“ Er lächelte. „Na komm. Wir schneiden deine frisch gewaschenen Haare und dann machen wir es uns im Wohnzimmer gemütlich. Es ist lange her…. und ich muss mich doch anstrengen, damit du dich wohl fühlst. Nimmst du jetzt Farbe? Es ist noch genug warmes Wasser da, das du die Haare ausspülen kannst. Du warst ja wirklich sparsam mit deinem Bad. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das fertig gebracht hätte, die Wanne nicht voll zu machen…. Du bist ein besserer Mensch als ich.“ Er grinste amüsiert.

@Leo Young


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#20

RE: 16. August 2018 - Don`t judge a Book by it´s Cover - Leo & Nano

04.04.2024 18:59
Leo Young Leo Young (gelöscht)
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Leos Stirn legte sich in tiefe Falten, während seine Augen fast schon aufgebracht blitzten. "So ETWAS wie du?" Reflexartig traf seine Hand Nanos Hinterkopf. "Rede doch keinen Mist. Die Beißer oder wie sagst du..., die Streuner da draußen sind ein Etwas. Das Arschloch, das dich einfach nur abknallen wollte ist ein Etwas. Ein Tisch ist ein Etwas.
Du hast selbst jetzt mehr Menschlichkeit behalten, als sonst wer. Also warum solltest du denn keine Beziehung haben und Kinder machen? Ja die Zeiten sind nichts für Kinder, aber wäre das anders...., wenn du es dennoch willst und einen hoch bekommst, sollte doch nichts dagegen sprechen."
Wieder traf seine Hand den Hinterkopf des Anderen, als dieser Anstalten machte, etwas zu erwidern.

"Lass mich ausreden, Nano. Ich bin nicht blöd. Du musst mir jetzt nicht mit, ich wüsste nicht wovon ich rede, kommen. Ich hab den Rollstuhl in deinem Zimmer gesehen und der ist definitiv kein Dekoobjekt sondern viel genutzt und abgewetzt. Und da du jetzt hier vor mir stehst, kann es also nur sein, dass mindestens eines deiner Beine ebenso wie dein Arm erneuert wurde und du wahrscheinlich ohne die Maschine ins Bett gehst." Leise seufzte Leo. "Du kommst alleine klar, trotz deines empfundenen Mankos. Also warum denkst du, dass du irgendwem eine Belastung sein könntest? Ich bin ganz sicher, die richtige Frau für dich wird über die Elektronik hinweg sehen, Roboboy und irgendwo ist sie und wartet auf dich.
Denn wichtiger als das Aussehen sind die inneren Werte und ob man mit dem Charakter des Partners zurecht kommt. So war es schon immer oder hätte zumindest so sein sollen. Doch in einer Zeit wie der Jetzigen ist es noch viel wichtiger als früher."
Schnell verschränkte Leo die Arme vor der Brust und sah Nano fest an, während er sich regelrecht in Rage redete. "Und jetzt mal unter uns Klosterschwestern, eine Tusse, die meint, dass du ein netter Kerl bist, ein hübsches Gesicht hast aber ein Bein aus Blech im Bett oder kein Bein im Bett geht garnicht, die hat es doch garnicht verdient von dir beglückt zu werden. Die soll doch mit den Beißern eine Runde Fangen spielen gehen." Laut schnaubte Leo und grummelte ungehalten vor sich hin.

@Nano West

Was im Herzen liebevolle Erinnerungen hinterlässt,
und unsere Seele berührt,
kann weder vergessen werden,
noch verloren gehen.

zuletzt bearbeitet 04.04.2024 19:01 | nach oben springen


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