|
WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
WEATHER Monatsabhängig 5°C bis 26°C EVENTS Heaven’s Paradise Plot INPLAY STATUS September – November 2024 NEWS! 26.01.26 Das neue Design steht und wir starten mit neuer Energie durch!
09.01.26 Neustart! Das TWD startet mit neuem Team und neuen Ideen!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
Team, Events & Weather
Floyd Webber, Scarlet Rainthworth, Daryl Dixon und Duo Maxwell sind die Admins im Forum. Scar und Duo bilden die Front, während sie von Floyd und Daryl im Hintergrund unterstützt werden. Grafik und Design stammt von Daryl Dixon <3
Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
September: Das Wetter ist noch recht schwül. Temperaturen: 17°C - 26°COktober: Die Tage werden Kühler und es gibt mehr Regen. Temperaturen: 10°C - 20°C November: Es wird deutlich kälter und es gibt immer mehr schlechtere Tage. Temperaturen: 5°C - 14°C
THE DEAD DON’T DIE
|
|
@Aleksandra Blake
Oh, er war so wütend. So unglaublich wütend. So verdammt... wütend!
"Scheisse, verflucht!" Seine Stimme war klar und deutlich, so, wie sie es immer war. Er gehörte nicht zu den Menschen, die unverständlich in ihren nicht vorhandenen Bart murmelten und erschrocken aufblickten, wenn doch jemand ihr beschämtes Kauderwelsch deuten konnte. Floyd hatte nie das Bedürfnis gehabt, sich zu verstecken, klein zu machen oder nachzugeben. Und das tat man, wenn man für alle anderen unverständlich wurde.
Doch im Moment waren alle anderen nicht da. Weder standen Menschen in seiner Hörweite noch hatte er so laut geflucht, dass irgendein Beisser auf ihn aufmerksam wurde. Der Grund seines Fluches lag gerötet unter dem Pullover und der dicken Jacke auf der Schulter, wo der Riemen des Rucksacks auflastete. Seit zwei Wochen war die Haut auf seiner rechten Schulter aufgerieben und wollte nicht so recht heilen. Floyd hatte keine geeignete Salbe gefunden und auch gar keine Zeit gehabt, sich sorgfältig darum zu kümmern. Sein Lager war gar nicht so weit von hier in einer verlassenen Wohnung, wo er sich eingerichtet hatte, aber ihm fehlte ein Wachmann, der ihm die Möglichkeit gab, genügend zu schlafen, ausreichend zu essen und sorgsame Körperpflege zu betreiben.
Er hatte einen gehabt. Peter war sein Name gewesen. Ein muskulöser Kerl, der sich mit ihm zusammengetan hatte. Fünf, vielleicht sechs Tage lang. Dann war von Peter nur noch eine Hand übriggeblieben. Ein weiterer Verlust, den Floyd schulterzuckend zur Kenntnis genommen hatte. Mit den anderen Nomaden ging er in der Regel keine engeren Verbindungen ein. Sie kümmerten sich alle um sich selbst und stabil war in ihrer Welt überhaupt nichts mehr. Bisher war Floyd damit aber gut zurechtgekommen. Und trotzdem, der Gedanke, sich ein bisschen sicherer fühlen zu können, hatte sich in ihm festgebissen. Seit Monaten dachte er bereits darüber nach, in einer der Kolonien sesshaft zu werden. Vielleicht nur vorübergehend, ein oder zwei Jahre, aber wenigstens so lange, dass er etwas zur Ruhe kommen konnte. Die Frage war nur, welche der Kolonien ihm die Sicherheit bieten konnte, wonach er sich offenbar sehnte, und welche jemanden wie ihn überhaupt aufnahm. Floyd wusste auch, dass er keine heile Welt suchen durfte. Nur einen Platz, an dem er sich ausruhen konnte, was natürlich nichts anderes hiess, ganz unten anzufangen, eine der niederen Positionen einzunehmen und die Scheisse der anderen wegzuputzen. Das waren Positionen für alle Neulinge. Logisch, denn man musste sich ja auch erst einmal beweisen. Das Blöde war nur, dass Floyd darauf keine Lust hatte und allein der Gedanke, dass er die Kacke irgendeines anderen wegschrubben sollte, Wut in ihm entfachte.
Also dachte er jetzt nicht darüber nach, sondern lenkte sich von dem nervigen Schmerz an seiner Schulter ab.
Er sah sich um, checkte die Lage ab, und streifte sich dann den Rucksack einseitig ab. Dazu musste er die Eisenstange, die seine treue Begleiterin war, in die andere Hand wechseln, wo ein ziemlich hässlicher Verband eine frische Wunde vor noch mehr Dreck schützte.
Es half trotzdem nicht. Floyd musste zusehen, dass er bei seinem nächsten Tauschgeschäft an Medikamenten herankam. An eine Salbe. Desinfektionsmittel. Reinen Alkohol. Oder er konnte sich sogar den Luxus tauschen, eine Nacht in Sicherheit zu schlafen, wobei er da kaum ein Auge zutat. Er traute schliesslich niemandem.
Der Ort, an dem er sich befand, gehörte früher zu einem Skatepark. Mittlerweile waren nur noch ein paar Betonblöcke zu sehen. Aus den Vertiefungen der umrandeten Halfpipe-Anlage war ein kleiner Teich geworden. Ein Biotop, wenn man so wollte. Es verbarg die Graffitis der Jugendlichen, die Handynummern, Beleidigungen oder irgendwelche erfundenen Logos auf die Wände geschmiert hatten.
Floyd hätte die Möglichkeit gehabt, sich hinzusetzen, aber ihm war nicht danach. Die Gegend hier kannte er noch nicht gut genug, um auszuschliessen, dass irgendwelche Beisser nur darauf warteten, ihn anzufallen. Ausserdem lag das Gebiet nahe genug zu den Kolonien. Es war also auch nicht auszuschliessen, dass sich jemand aus ihnen hierher verirrte. Das war sogar ziemlich sicher der Fall. Er hatte vor einer Stunde schon jemanden in einem Laden herumhuschen sehen - und ihn in Frieden gelassen.
Seine Blicke streiften ziellos über die Gräser, die kraftlos vom Winter herumstanden, bevor er im Augenwinkel eine Bewegung registrierte.
Seine Hand griff fest um die Eisenstange und er wirbelte herum. Doch statt eines gurgelnden Monsters sah er einen Menschen, den er nicht zum ersten Mal traf. Die Anspannung in ihm wich aber nicht. "Blake.", sagte er und liess die Eisenstange langsam wieder sinken. "Ganz alleine hier?" Nur kurz, dafür aber sehr aufmerksam, blickte er an ihr vorbei. Er konnte sich nicht sicher sein, dass sie alleine hier war. "Ich frage mich bis heute, wie es die Kolonisten schaffen, hier draussen zu überleben." Er spöttelte leicht. Aber das war normal. Freunde gab es hier nicht.
|
zuletzt bearbeitet 01.02.2026 13:24 |
nach oben springen
|
Ich hatte mich nach draußen begeben um etwas ganz bestimmtes zu suchen und ich war mir sicher das ich es finden würde. Es war so unscheinbar wie harmlos, allerdings hatte es mein Aufbegehren erweckt. Bei den Wicked war gerade alles in guten Händen und es machte nicht den Anschein das plötzlich ein Krieg ausbrechen könnte. Damit hatten sie wahrlich genug Erfahrung und würden die Anzeichen deuten können. Das hier wollte ich tatsächlich auch alleine erledigen. Warum auch nicht. Belanglose Geheimnisse waren nichts wofür man den Kopf hinhalten musste. Falls es denn als Geheimnis gelten würde. Das ich an diesem unbrauchbaren Ort nicht gänzlich alleine war, bekam ich mit. Wenn sich etwas schneller als ein Untoter bewegte, dann zog es immer die Aufmerksamkeit auf sich. Entweder war es Wild, oder eben ein Überlebender. Und in dem Fall sogar ein Gesicht das mir nicht ganz fremd war. Ich stand einfach mit gutem Abstand hinter ihm und beobachtete ihn kurz. @Floyd Webber war niemand, den ich als angenehm bezeichnen würde. Probleme mit sich selbst, waren auch genau das: nämlich seine eigenen. Ich wartete einfach bis er alleine auf mich aufmerksam wurde. Dabei hatte er Glück das ich heute ausnahmsweise mal keine so grauenvolle Laune hatte. Sonst hätte ich ihn vielleicht auch einfach aus dem Hinterhalt angegriffen. Der Kerl schien jedoch mit etwas zu kämpfen. Sein Muskelzucken verriet das er Probleme mit der Schulter hatte, vielleicht kam es auch vom Rücken. Mit verschränkten Armen grinste ich ihn süffisant an als er mich erkannte. "Bist du dir sicher?" Man konnte nie sicher sein ob der Gegner alleine war oder eben nicht. Was sein suchender Blick auch schon bestätigte. Die Fläche war gut überschaubar. Untote würde man sowohl sofort hören, als auch sehr schnell sehen. Und als Kolonist bezeichnet zu werden war immer noch etwas befremdlich, da ich mich selbst nicht als solcher betiteln würde. Egal ob es stimmte oder nicht. Ein sarkastisches Glucksen kam über meine Lippen als er auch gleich wieder austeilen wollte. "Nicht jeder lebt im Wunderland." Auch jetzt noch gab es Menschen die daran glaubten das alles wieder gut werden würden. Und ich wusste auch das sich mehr Menschen in Kolonien drängten um sich in Sicherheit zu wiegen. Verdenken konnte man es an sich keinem, war es bei den Wicked immerhin der selbe Hauptgrund. "Ich frage mich aber wie ein ungeschickter Kerl es so lange alleine in der Wildnis überstehen konnte. War es bloß Glück?" Oder ein reiner Zufall das er noch an einem Stück über diese mittlerweile schäbige Erde wandeln konnte? "Hat der Bubi ein kleines Aua?" Ich mochte es einfach Leute zu ärgern und dieser Kerl war so reizbar das es eine wahre Wonne war ihn ausflippen zu sehen. Trotzdem wollte ich ihn nicht unterschätzen und war im Ernstfall griffbereit für eine meiner Waffen. Gegen eine Eisenstange sah ich gute Chancen für mich. Obwohl es fast schon schade war ihn wirklich zu töten, dann wäre der Spaß nur einmalig und gleich wieder vorbei. Und das wollte ich eigentlich nicht. Dennoch hielt ich ihn dabei die ganze Zeit über auch im Blick. Genau so wie ich die Ohren auf meine Umgebung horchen ließ.
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Die Eisenstange in seiner Handfläche wurde warm, obwohl er sie nicht mehr so stark festhielt, wie eben noch. Die Russin war keine Freundin und Floyd hatte auch überhaupt kein Interesse daran, eine Freundschaft mit ihr in Erwägung zu ziehen, aber sie war kein Feind. Sie war älter als er, brutaler in vielerlei Hinsicht und ihre Zunge gefährlich provokant. Floyd hatte aber nie Furcht in ihrer Nähe verspürt. Er mochte sie nicht. Er wollte sie nicht mögen. Aber er vertraute ihr aus unverständlichen Gründen so sehr, dass er ihr den Arsch retten würde. Wieder und wieder. Und umgekehrt war Blake ebenso bereit, Floyd aus der Hölle zu ziehen, nur damit sie sich hinterher wieder gegenseitig anpissen konnten.
Er hatte keine Ahnung, was das zwischen ihnen war. Keine Freundschaft, keine Feindschaft. Das Misstrauen fehlte und Nettigkeiten gab es irgendwie auch keine. Vielleicht war Blake so etwas wie eine Konstante in seinem Leben. Sie war da. Sie war immer da. Als könnte nichts ihr etwas anhaben. Sie tauchte in ihrem Revier auf, stichelte und gab ihm trotzdem das Gefühl, dass sie gerne nach ihm sah. Und das war - Floyd hasste es, überhaupt so etwas zu denken oder gar zu fühlen - schön. Es verursachte ein wohliges Gefühl, welches er kaum noch spürte. Es war längst in Vergessenheit geraten und nur Blake konnte so etwas wie Annahme, Teilnahme, Interesse, sprich eine Art von Geborgenheitsgefühl, in ihm auslösen.
Denn anders als er, der, mitten in der Pubertät und in einer Phase voller Selbstzweifel, unbekannter Wut und einer Menge Problemen, die sowohl mental, sozial und juristisch vorhanden gewesen waren, schlagartig erwachsen sein und um sich selbst kümmern musste, hatte die Russin erwachsen werden dürfen. Sie war bereits Mitte zwanzig gewesen, reif genug also, um bereits Entscheidungen für ihr eigenes Wohlergehen treffen zu können, als die Apokalypse ihren Anfang genommen hatte.
Floyd hatte noch nicht einmal Bartwuchs gehabt, geschweige denn auf sich selbst aufgepasst, über Konsequenzen nachgedacht oder sich mit jemanden in den Laken gewälzt, bis der Morgen anbrach.
Er hatte nicht wie sie erwachsen werden können. Er hatte schlichtweg von jetzt auf gleich um sein Leben kämpfen müssen. Ihm und andere, die ihre Jugend nicht voll ausgekostet hatten, fehlten wichtige soziale Erkenntnisse, die sie nie gelernt hatten und niemals lernen konnten. Für Floyd war es daher nach wie vor ein Rätsel, wieso man in einer Kolonie lebte, wo man Regeln akzeptieren musste, die irgendwer aufstellte, nur weil er sie geil oder als sinnvoll erachtete. Andererseits waren die Strukturen die Basis dessen, was eine Familie ausmachte und die ihnen Schutz, Geborgenheit und Vertrauen gab. Dinge, nach denen er sich mittlerweile sehnte, aber die ihm auch höllische Angst einjagten.
Als Blake ihn ungeschickt nannte und nachhakte, ob es pures Glück war, dass er hier draussen so lange überlebt hatte, schnaubte er amüsiert. "Wieso? Bist du neidisch auf mein Glück?" Dabei hob er die Eisenstange und liess sie zwischen den Fingern zweimal kreisen, um zu verdeutlichen, dass diese Waffe sein Glück war. Allerdings zuckte er ein wenig dabei, denn seine Schulter reagierte beleidigt auf die Bewegung. Das bemerkte die Russin natürlich. Es hätte Floyd aber auch gewundert, wenn es nicht so gewesen wäre. Sie hatte ein geschultes Auge für ihr Umfeld. Dennoch, die Bezeichnung Bubi passte ihm überhaupt nicht. Blake traf einen vernichteten Blick. "Klappe, Blake. Oder willst du die nette Arzttante spielen und dafür sorgen, dass der kleine Bubi kein Aua mehr hat?" Seine Stimme hatte einen genervten Ton angenommen. Aber das kannte die Ältere bereits. Floyd war dünnhäutig und leicht auf die Palme zu bringen. Er hatte sich diese Eigenschaft nie abstreifen können. Aber verübeln konnte man es ihm auch nicht. Jeder hatte sich in ein Extrem verwandelt, jeder wollte überleben. Es gab auch Jahre nach dem Ausbruch einfach keine Zeit, um sich mit sich selbst auseinandersetzen zu können. Der Bedarf war nicht da. Es machte auch schlichtweg keinen Sinn.
Er fühlte sich bereits in die Defensive gedrängt, was ihn unruhig werden liess. Erneut blickte er umher, ein Drang, der keiner der Überlebenden je wieder abstellen würde, und stellte fest, dass noch immer keine Gefahr in der Nähe war. "Die Wunde nässt.", liess er sie nach einer kurzen Bedenkzeit wissen. "Ich brauch eine Salbe. Oder Penicillin. Ne' scheiss Tablette. Hast du was davon dabei?" Gross war die aufgeriebene Hautwunde eigentlich nicht. Als Kind hätte er darüber nicht einmal einen Gedanken verschwenden müssen. Sie wäre nach ein paar Tagen von alleine zugeheilt. Aber er war kein Kind mehr und diese Welt war eine andere. Er ass einseitig, zu wenig manchmal, aber vor allem ungesund. Zumindest nach den Massstäben, die vor der Apokalypse gegolten hatten. Mal fehlten ihm Vitamine, mal Spurenelemente, dann wieder Mineralien. Der Körper verzieh nichts und so kränkelte man eben viel länger vor sich hin, kämpfte mit Dingen, die einen plötzlich dahinraffen konnten, obwohl man sie vor zwanzig Jahren mit einer heissen Zitrone wegschlafen konnte.
Floyd war nun nicht abgemagert. Er hatte bisher überlebt und das bedeutete auch, dass sich sein Körper angepasst hatte. Aber es war trotzdem nicht zu erwarten, dass er unter diesen Lebensumständen sechzig oder gar siebzig Jahre alt werden würde. Das war pures Wunschdenken. Fantasie. So eine Lebenserwartung gab es für Nomaden nicht mehr.
|
zuletzt bearbeitet 04.05.2024 17:47 |
nach oben springen
|
Mir war selbst nicht ganz klar was das zwischen @Floyd Webber und mir eigentlich war. Er war wie der nervige kleine Konkurrent, der einen unbewusst auf trab hielt. Und irgendwie hatte er es geschafft das mein Interesse an seinem Tod nicht an oberster Stelle stand. Was sonst ziemlich häufig der Fall war. Er war einer derjenigen die man irgendwo in seiner Nähe dulden konnte, denen man sogar aus der Scheiße helfen würde nur um sie dann anschließend auslachen zu können. Und ich wusste das Floyd reizbar war. Was ich, ganz natürlich, auch jeder Zeit ausnutzen würde. Er war zäh, da war ich mir eigentlich doch sehr sicher. Weswegen ich ihn irgendwann mal gern in der Arena sehen würde. Hauptsächlich um meine eigenen Vermutung entweder zu bestätigen, oder meine Meinung über ihn zu ändern. Es war nur fraglich ob sich dann überhaupt etwas ändern würde. Gerade schien er leicht angeschlagen zu sein, was mir egal sein konnte, aber ich war auch neugierig. Das schafften auch nicht viele. Nicht auf diese Dauer. Vielleicht eine Handvoll Menschen. Floyd war wie der verbale Gegner den ich gesucht hatte. Und deswegen hatte er Glück. Ich beobachtete ihn weiter und hielt ein Ohr auf die Umgebung. Allerdings sollte man hier schnell hören wer, oder eher was, auf einen zukam. Zumindest hatte ich noch keinen Untoten gesehen der eine Waffe bedienen konnte. Ob die überhaupt noch wussten wie so etwas funktionierte? Das klang nach einer Reihe Versuchen, die gegen Langeweile helfen konnten. Aber erst einmal musste ich leicht gehässig grinsen als Floyd sein Glück in Form seiner Eisenstange demonstrierte und dabei etwas zu offensichtlich war. Das Nomaden sich verletzten war nicht besonderes. Auch nicht das sie nicht immer die medizinischen Dinge parat hatten, die man im Leben am häufigsten brauchte. Dumm nur, wenn man auch sonst nicht viel Ahnung hatte. Ein seichtes, aber dennoch süffisantes Gackern kam dabei über meine Lippen. Tante hatte mich bisher noch niemand genannt. Niemand der noch lebte. Aber er hatte schon wieder Glück, denn im Grunde war er mir wirklich nicht ganz unähnlich. Es war tragisch das er aus sich nichts machen konnte und hier wie eine Kakerlake durch die Gegend zog. "Es scheint nur deine Schulter zu betreffen, also stell dich gefälligst nicht so an." Auch wenn ich noch nicht sehen konnte um was es sich genau handelte. Es gab durchaus Verwundungen die zwar klein, dafür aber äußerst schmerzlich waren. Damit kannte ich mich aus. Sie mussten nach außen hin nicht einmal groß sichtbar sein. Floyd konnte auch froh sein das er zuerst einmal Abstand bei behielt. Es juckte mir nämlich unter den Fingernägeln im auf die besagte Schulter klopfen zu wollen. Vielleicht auch ein kleines Bisschen fester, bloß um zu sehen ob er dann wirklich einknickt, oder ob er sich die Schmach vor mir nicht geben wollte. Es spielte keine Rolle. Die Zeit war auf meiner Seite, denn ich war kerngesund. Ich folgte seinen wachsamen Blicken automatisch, aber noch immer war nichts in Sicht das uns stören würde, oder doch gefährlich werden konnte. Das bemerkte auch Floyd und gab schließlich kleinlaut zu mit welcher Art Problem er zu kämpfen hatte. "Sehe ich aus wie eine wandernde Apotheke?" Eine gehässige Antwort. Er brachte mich ganz einfach von allein dazu, ihn so zu behandeln. Als wäre es normal und gegeben. Als müsse es sogar so sein. Ich witzelte über seine Worte und seine Reaktion. Eine nässende Wunde war nicht zwangsläufig ein Todesurteil, aber es konnte langwierig werden und überaus nervend. Alles in allem also wohl etwas das perfekt zu ihm passte. "Bist du zu blöd um zu wissen was du damit anstellen musst?" Nach all den Jahren sollte man meinen dass, selbst wenn man gar keine Ahnung hatte, wenigstens ein gewisses Grundwissen der Wundversorge da sein sollte. Nicht jeder hatte die Stärke und den Mut sich selbst zu nähen, aber es konnte doch kein Problem sein sauberes Wasser über sich zu kippen. Schließlich verdrehte ich die Augen genervt und seufzte dabei. "Wie ein kleines Kind, das du bist." Ich stemmte die Hände in die Hüfte und nickte ihm zu. Er wollte etwas von mir, also musste er sich auch zu mir her bequemen. Selbst wenn es nur wenige Meter sind. "Ist doch nicht auszuhalten. Zeig her!" Nun war es doch eher ein Befehl. Zum einen weil ich wusste das es ihn anpissen würde und zum anderen weil es ganz automatisch passierte.
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Von den Gedanken, die die Ältere sich über ihn machte, ahnte er nichts. Er wusste nichts von der Arena, und selbst wenn er davon irgendwann einmal gehört hatte, so war ihm dieser Teil der Wicked-Kolonie nicht mehr präsent. Warum auch? Es tangierte ihn nicht. Floyd konnte sich nicht unentwegt mit Gedanken hier draussen herumschlagen. Seine Instinkte, Gedanken und Gefühle waren hier draussen auf das Überleben ausgerichtet. Jeder zu tiefe Gedankengang, jede schmerzliche Sehnsucht, Trauer oder Angst, konnten ihm das Leben kosten. Und Floyd hing daran. Er hatte nicht ein einziges Mal ans Aufgeben gedacht. Natürlich hatte er Phasen durchlebt, in denen der Sinn seiner Existenz schwand, oder in denen er derart verzweifelt war, dass er sich Gedanken über den ewigen Schlaf gemacht hatte. Aber dann hatte er sich wieder aufgerafft und weitergemacht. Weil es das einzige war, was er gut konnte: Überleben.
Er würde auch die Schulterwunde überleben, schlimm war sie wirklich nicht. Aber nervig. Floyd empfand sie als lästig, weil sie keinen Schaden anrichtete, dafür aber nässte, stank und immer wieder juckte. Es war, als würde der Körper eine Heilung in Gang setzen, die aber nicht vorwärts kam. Er liess Aleksandra davon wissen, weil er, so seltsam es auch war, sie immer wissen liess, wie es ihm ging. Er hatte keine Ahnung, warum er mit ihr so etwas besprach, warum er sich ihr mit seinem Befinden anvertraute. Es war einfach so. Und es fühlte sich nicht verkehrt an. Trotz ihrer Häme.
"Fresse!", entgegnete er ihr. Er stellte sich nicht an, das wusste sie so gut wie er. Und doch kroch ein primitiver Instinkt aus ihm hervor, ähnlich wie der eines Affen, der einen anderen bat, ihn zu lausen, weil er an eine bestimmte Stelle alleine nicht herankam. Vielleicht war es das, was sie noch menschlich machte: Dieser uralte Herden- oder Rudeltrieb. Das, was Menschen Familie nannten. Womöglich waren es nicht die gemeinsamen Abendessen zwischen Eltern und Kindern, das Ehegelübde oder der Entscheid, die Schwiegermutter zu pflegen. Vielleicht bedeutete Familie eben genau das: Dass ein anderer Mensch für einen da war, egal wie klein oder gross die Not war.
"Scheisse, Blake, mir ist es egal, ob du ne' wandernde Apothekertante bist oder ob du das Zeug verhökerst wie Meth. Hast du was oder nicht?" Leider blieb Blake davon unbeeindruckt und Floyd, dessen Geduldsfaden sehr, sehr kurz war, stiess Luft aus und blickte zu Boden. Gleichzeitig trommelten seine Finger auf der Eisenstange umher, die er noch immer festhielt. Denn normalerweise wäre er längst losgestürmt, hätte sich auf den geworfen, der ihn so reizte. Aber Blake war anders. Er griff sie verbal an. Ihre Schlachten führten sie mit Worten, nicht mit Fäusten.
"Wenn ich so ne' verrenkbare Yogaschlampe wäre, würd ich mir die dämliche Wunde selbst ausbrennen! - Und jetzt halt dein Maul, Blake!" Floyd warf die Eisenstange zu Boden, dann liess er den Rucksack, den er einseitig trug, hinabgleiten. Yoga war eine Sportart aus einem früheren Leben. Floyd hatte diesen Unsinn nie ausgeübt und er hatte auch niemanden gekannt, der Yoga betrieb, aber die Werbesender waren voll davon! Überall hatte es Kurse gegeben. Aber kein Schwein hatte Kurse zum Überleben einer Zombie-Apokalypse angeboten! Verfickte Scheisse!
"Aber piss dich nicht ein vor Schreck." Er zog den Reissverschluss seines Parkas hinunter, schälte sich aus der Jacke und zog sich dann eiligst auch noch das Langarmshirt über den Kopf. Darunter kam ein T-Shirt zum Vorschein. Es war noch immer kühl und Floyd hatte sich warm eingepackt. Auf ihn wartete nämlich keine warme Stube.
Das T-Shirt zog er allerdings nur hoch, so dass er die Wunde zeigen konnte. Sie war handtellergross, nicht tief, eher oberflächlich, doch an einigen Stellen nässte sie. Die Flüssigkeit vermischte sich gelegentlich mit etwas Blut. Mittlerweile glaubte er aber auch, dass sie zu eitern begann. Das erklärte immerhin den Geruch, den er ab und zu wahrnahm.
"Bin ne' Treppe runtergestürzt und am Geländer entlanggeschrammt. Vor etwa zehn Tagen. Keine grosse Sache, aber verdammt nervig." Er drehte sich um, zeigte ihr seinen Rücken, was ihm äusserst unangenehm war, denn dadurch machte er sich schutzlos und angreifbar. Aber der Frau hinter ihm traute er einen Überfall nicht zu. Das hätte sie sonst längst getan. Sie hatte schon unzählige Möglichkeiten gehabt, ihn als Köder zu verwenden, ihn zu erpressen, zu verletzen oder gar zu beseitigen. "Vorgestern ist mir das saubere Verbandszeug ausgegangen. Ich wollte heute neues holen, aber in dem Lager, in dem ich war, waren schon andere gewesen. Die haben alles medizinische mitgenommen." Das war keine grosse Sache, so etwas kam andauernd vor. Niemand schrieb einen Laden, eine Tankstelle oder ein Bürogebäude mit 'Hier waren wir schon, es gibt nichts mehr zu holen' an. Floyd hatte sich längst daran gewöhnt. Es machte nichts, er suchte einfach woanders weiter.
|
nach oben springen
|
Seit ich @Floyd Webber das erste Mal über den Weg lief, ähnelte er einem verwahrlosten Hund. Ständig lief man ihm über den Weg, egal wann, egal wo. Als ob er manchmal sogar genau wüsste an welcher Stelle ich zu finden war. Und es war ziemlich nervig. Auch wenn ich keinen Groll gegen ihn hegte, was schon seltsam genug war. Wir waren uns in vielen Punkten ähnlich und vielleicht war es das, was uns davon abhielt, uns bei jeder Begegnung zu zerfleischen. Ich hatte ihn mehr oder weniger schon in Aktion gesehen, genauso wie er mich. Und ich konnte sagen das er sich wohl zu wehren weiß, auch wenn er doch recht unkoordiniert war. Der Kerl erinnerte mich an mich selbst, als ich noch jünger war. Ständig gereizt und gestresst, keine Möglichkeit es loszuwerden. Eventuell auch eine Spur Verzweiflung wegen der daraus resultierenden Hilflosigkeit. Nur war es jetzt doch eigentlich einfach all die schlechten Gefühle abzubauen. Immerhin gab es keine Gesetzte mehr und keine Cops. Für mich zumindest nicht. ich brauchte mich nur an das Wenige der Wicked zu halten. Das war für mich nicht besonders schwer. Lass dich nicht erwischen und wenn doch, sei stärker. Womit ich weniger Probleme hatte. Auch wenn ich nicht unbedingt danach aussah, das wusste ich. Sehr klein geraten war ich nicht, wie ich fand, allerdings hatte ich den Körperbau meiner Mutter geerbt. Was bedeutete das ich essen konnte was ich wollte, ohne groß zuzunehmen. Was aber auch bedeutete das sich Muskeln an sich weniger ausprägten. Ich wusste das sie da waren und natürlich sah man es auch, aber auch hier hielt es sich in Grenzen. Obwohl ich zugeben musste das man mich deshalb oft unterschätzt hatte. Was mir gedanklich ein böses Lächeln ins Gesicht trieb. Floyd lenkte meine Aufmerksamkeit aber sofort wieder auf sich. Nach wie vor stand er mit respektablem Abstand zu mir. Das gedankliche Grinsen drang sichtlich auf meine Lippen als er mir von seiner Misere berichtete. Selbstverständlich musste ich ihn dafür auslachen. "Meth könnte ich dir anbieten." Dabei zog ich bestimmend eine Braue nach oben. Aber da ich keinen langen Aufenthalt hier draußen geplant hatte, hatte ich dem entsprechend auch nicht viel dabei. Weder an Medikamenten, noch an Nahrung. Sein Pech. Wieder drang ein Glucksen aus meiner Kehle als er so langsam aber sicher doch aus der Haut zu fahren schien. Ob es nun an seinen Schmerzen hing, oder seiner schlechten Laune, war noch zu erraten. Wieder verschränkte ich die Arme fest. "Was hält dich davon ab? Du hast doch das passende Material dabei." Er musste nur die Eisenstange in ein Feuer legen und dann den Mut aufbringen in einen Spiegel zu gucken. Und natürlich musste ich ihn deswegen ärgern. Das war ein gefundenes Fressen. "Hättest du in der Schule mal besser aufgepasst." Das sagte gerade die Richtige, aber das musste er ja nicht wissen. Es reichte wenn er sich weiter darüber aufregen würde. Ich ließ meinen Blick über das Gelände wandern, als er seine Eisenstange fallen ließ und den Rucksack absetzte. Normalerweise würde man einen Gegner keine Sekunde aus den Augen lassen. Das konnte ein Todesurteil sein. Allerdings wusste ich das Floyd mich nicht angreifen würde. Warum auch immer. Es lag nicht daran das er sich Hilfe von mir erhoffte. Er hatte früher schon sehr viele Chancen gehabt dem Impuls nachzugehen und ich war mir sicher das er diesen hatte, aber er tat es nicht. Bisher noch nie. Ich war über mich selbst genervt, dass ich meine Hilfe angeboten hatte. Immerhin war ich keine Krankenschwester und sicherlich auch kein Arzt. Ich war nicht einmal liebevoll. Sichtbar rollte ich bei seiner Warnung mit den Augen und stöhnte genervt hörbar auf. Dabei fing er gleichzeitig an sich an seinen Klamotten zu schälen. "Jetzt mach schon Prinzessin. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit für deine Wehwehchen." Leicht schüttelte ich den Kopf dabei. Er unterschätze mich wohl auch. Oder kannte mich dahingehend einfach nicht gut genug. Wusste er überhaupt was mein Job in der Kolonie war? Blut und Wunden zu sehen war nichts wovor ich mich ekelte. "Reiß dich zusammen man. Meine Oma hat sich schneller ausgezogen als du." Noch immer mit verschränkten Armen musterte ich seinen Oberkörper. Von vorn betrachtet aus der Entfernung sah es überhaupt nicht wild aus und ich dachte schon fast das er sich wirklich nur anstellte. Als er berichtete wie das passiert war, konnte ich mich nicht beherrschen und fing an zu lachen. Es war gemein, aber es tat gut, denn selten konnte ich so herzlich und offen lachen. Floyd hatte nur Pech das ich gerade über seine Ungeschicklichkeit lachen musste. "Du bist eine Treppe runtergefallen?" Versuchte ich es zwischen den Lachern irgendwie verständlich raus zu bringen. "Hast du keine Augen im Kopf? Oder bist du so ein Tollpatsch?" Ich stemmte meine Hände in die Hüfte und lachte auch noch als er sich umdrehte, um mir seinen Rücken zu zeigen. Dort hatte sich das meiste der Wunde offenbart. Und irgendwie zeugte es von einer seltsamen Art von Vertrauen das er es tat. Ich gluckste immer noch als ich ihn mir besah. Immer noch amüsiert grinsend setzte ich mich dann doch mal in Bewegung und überbrückte den Rest zwischen uns. "Meine Oma wäre schlauer hingefallen." Gluckste ich weiter und räusperte mich dann aber um wieder ernster zu werden. "Sieht halb so wild aus. Ich wusste doch das du dich nur anstellst." Unter der Abschürfung würde sich auf alle Fälle noch ein Hämatom versteckt halten. Eine Weile würde es das mit sich rumschleppen müssen. "Du solltest die Schulter weniger belasten." Was wohl auch kein neuer Hinweis für ihn war. Für so dämlich hielt ich ihn dann doch nicht. Aber er hatte recht. Die Wunde war dabei sich so richtig schön zu infizieren. Und aus Kleinigkeiten konnte ebenfalls etwas großes werden. Obwohl ich mir nicht sicher war ob Floyd nun ein großer Verlust wäre, oder gar keiner. Vielleicht würde ich ihn vermissen, vielleicht aber auch nicht. Ich griff zu meinem Wasservorrat und öffnete den Deckel. "Schrei hier ja nicht rum!" Warnte ich ihn dabei und ließ das klare Nass über seine Verletzung fließen. Erst grob, dann fein. Wie es eben sein sollte. Dabei wurde er zwangsweise nass. "Wenn du schon keine Medikamente hast, solltest du wenigstens auf Sauberkeit achten!" Normalerweise wäre das ein Befehl gewesen, jedoch stand er kaum unter meiner Fuchtel. Nachdem ich keine Flusen mehr sah, behalf ich mich mit dem was ich dabei hatte. Was nicht viel war und nicht das ultimativ richtige. Sein Shirt musste als Tupfer herhalten, anders ging es nicht. Nur so zeichnete sich ab was oberflächlich nur festklebte, oder was wirklich tieferliegend schien. Floyd schien allerdings Glück zu haben. "Beiß die Zähne zusammen!" Jetzt war es doch wieder ein Befehl, nur war es ungünstig ausgerechnet jetzt ein paar Untote anzulocken. Dann tauschte ich das Wasser gegen Alkohol und ich war mir sicher das er schon merken würde wo es am Schlimmsten war. Eine Stelle war tatsächlich schlimmer dran und wie zu erwarten genau die Stelle, die er wohl noch immer belastete. "Zieh das Shirt aus. So viel Verbandsmaterial hab ich nicht dabei." Also musste eben alles andere auch herhalten. "Beeil dich mal. Je schneller hast du es hinter dir."
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Die Belustigung, die auf Blakes Gesicht offensichtlich war, fand Floyd einfach nur dumm. Und extrem provozierend. Allerdings verspürte er bei ihr nicht den Drang, ihr dafür die Faust in den Magen zu schlagen. Das lag nicht daran, dass sie eine Frau war und Floyd irgendwelchen Prinzipien folgte, in denen es hiess, dass er keine Frauen schlagen durfte, sondern einzig und allein an ihrer Bekanntschaft. Freundschaft wollte Floyd ihre Beziehung nicht nennen, denn er hatte keine Freunde und er wollte auch überhaupt keine. Das brachte nur Probleme mit sich, die er hier draussen als herumirrender Nomade nicht gebrauchen konnte.
Natürlich kannte er etliche Leute und mit einigen verstand er sich besser als mit anderen und manche waren sogar so etwas wie Kumpel, denen er bis zu einem gewissen Grad auch vertrauen konnte, aber für mehr Gefühle war eine völlig andere Welt oder zumindest ein sicheres Umfeld nötig, und das existierte für ihn nicht. Floyd vertraute also niemandem, traute allen allerdings eine Menge zu. So traute er Blake auch zu, dass sie schon wusste, was sie zu tun hatte, wenn er ihr seine Wunde zeigte.
"Jetzt laber nicht rum!", sagte er genervt. Er wusste selbst, wie man sich eine Wunde ausbrannte, aber der Rücken und insbesondere auch die rückseitige Schulter benötigten mehr als nur eine glühende Eisenstange: Nämlich ein weiteres Augenpaar und Hilfe.
Floyd hätte auch einfach weggehen und sich jemand anderen suchen können, der mehr Skrupel gehabt hätte, sich über ihn lustig zu machen. Aber das waren alles Leute, die nicht wirklich zupacken konnten und auch keine Lösungen wussten. Blake dagegen war souverän. Sie nervte zwar unglaublich und ihr Gerede ging ihm wahnsinnig auf den Zeiger, aber sie war klug und noch dazu eine der wenigen lebenden Personen, denen er – vor allem in diesem Fall – blind vertraute.
Etwas energisch zog er sich aus, um seine Verletzung der Älteren zu zeigen. Ob und was sie für ihn tun konnte, wusste er nicht. Es reichte ihm schon, wenn sie ihm sagen konnte, wie schlimm es tatsächlich aussah. Denn der kleine Kosmetikspiegel, den er mit sich herumtrug, stellte ihn nicht zufrieden, und ein grösserer Spiegel hing in einem Friseursaloon ein paar Meilen von hier entfernt. Floyd hatte wenig Lust, sich nur zur Begutachtung dorthin zu begeben. Er konnte ja nicht einmal vom abgelaufenen Haarshampoo Gebrauch machen…
"Ich geb dir gleich Prinzessin! Gibt’s keine Kaffeeklatschrunde in deiner Kolonie oder warum sprichst du so viel?" Er schnaubte und kehrte ihr dann den Rücken zu. "Deine Oma rennt hoffentlich mit einem Schiesseisen durch die Gegend und macht die verdammten Biester platt! – Und danke für den Tipp. Mir ist gar nicht eingefallen, die Schulter zu schonen.", gab er sarkastisch zurück. Aber er musste sich offenbar etwas mehr schonen, als er es bisher getan hatte. Floyd nahm Verletzungen auf die leichte Schulter und deshalb war er auch vor einigen Jahren an einem Fieber erkrankt. Glücklicherweise war er nicht alleine unterwegs gewesen und die Leute, die bei ihm waren, hatten passende Medikamente dabei. Ein erneutes Delirium aufgrund einer eigentlich harmlosen Entzündung wollte er keinesfalls noch einmal riskieren. Im Moment war er nämlich alleine unterwegs und ein fiebriger Schlaf konnte ein Todesurteil sein – nicht durch das Fieber, aber durch Plünderer und Beisser.
Er sah über seine Schulter zu Blake, die den Deckel einer Flasche abschraubte und ihn ermahnte, nicht zu schreien. Ha! Als würde er hier herumjaulen! "Keine Sorge, wegen dir schrei ich bestimmt nicht." Trotzdem zuckte er unter dem Wasser zusammen. Es brannte an einigen Stellen der blutig aufgeriebenen Haut, aber das Zucken war mehr eine instinktive Körperreaktion als tatsächlich unaushaltbarer Schmerz. Da kannte Floyd ganz anderes.
Neues Verbandzeug stand nun mit an erster Stelle der Dinge, die Floyd in den nächsten Tagen finden musste. Die Läden, Büros und Werkstätten in der näheren Umgebung waren alle abgegrast und geplündert. Dort fand man nichts mehr. Floyd musste also weiter raus, weiter in Gebiete, die noch voller Beisser waren. Hier kamen sie zwar auch immer wieder an, doch ein grosser Teil verweste mittlerweile tot vor sich hin. Nach so vielen Jahren, die die Apokalypse nun schon andauerte, waren zumindest die einheimischen Beisser eliminiert. Grösstenteils jedenfalls. Deshalb hielt sich Floyd ja auch gerne in den Einzugsgebieten der Kolonien auf. Es war ruhiger als draussen, aber er fand hier kaum noch Waren, mit denen er Handel betreiben konnte. Vielleicht sollte er sein Camp zusammenpacken und morgen auf die Suche gehen. Diese dauerte immer etliche Tage, manchmal war er zwei Wochen verschwunden, bevor er man ihn wieder antreffen konnte. Früher waren es nur ein paar Tage gewesen, doch jetzt war es ein Wettlauf gegen die anderen Plünderer geworden. Floyd bevorzugte vor allem die Büros und weniger die Läden. Seine Ausbeute war dadurch geringer, aber umso erfolgreicher.
Als Blake Alkohol über die Wunde schüttete, presste er die Lippen aufeinander. Diese Flüssigkeit brannte intensiver und länger als das Wasser, war aber wesentlich hilfreicher. "Ein Glück für die Menschheit, dass man dich nicht als Krankenschwester auf sie losgelassen hat.", stichelte er, während er sich das Shirt ganz über den Kopf zog. Er drehte sich dabei halb um und musterte dann die Frau, die sich um ihn kümmerte, mit einem langen Blick. Erst dann gab er ihr das Shirt in die Hände und drehte sich wieder um. "Ich verschwinde die nächsten Tage in den Süden. Vielleicht zieh ich runter bis nach Lexington Park."
|
nach oben springen
|
Selbstverständlich machte es mir Spaß @Floyd Webber auf die Palme zu bringen. Er ähnelte einem Pulverfass. Zwar meistens gut unter Kontrolle, aber ein falscher Funke und er würde explodieren. Das er es hier noch nicht tat zeugte im Grunde von seiner Kontrolle. Zwar konnte ich es keinesfalls beschwören, aber man sah ihm an wenn es zu viel wurde. Er wirkte einfach so offen, das hatte nichts mit irgendwelcher Empathie zu tun. Auch ich würde das hier nicht unbedingt als Freundschaft bezeichnen. Es war eine Mischung aus Belustigung, vielleicht unbewusstes Vertrauen und einem Hauch Respekt. Falls er an seiner jämmerlichen Verwundung sterben würde, wäre Floyd nicht unbedingt ein Mensch um den man trauern musste. Wobei ich mir die Frage stellte ob ich überhaupt um jemanden trauern würde. Vielleicht wäre ich um meinen besten Schüler verärgert, aber ich bezweifelte ernsthafte Trauer. Mein Grinsen wurde nur noch breiter als er mich dazu anhalten wollte endlich seine Rückseite zu inspizieren. "Sind wir wieder ungeduldig?" Ich wusste nicht warum, aber ich mochte es ihn zu ärgern. Und vor allem auszutesten wo seine Grenzen lagen, vielleicht sogar einen Ausbruch zu erleben. Aber er tat mir den Gefallen nicht. Stattdessen widmeten wir uns seiner Verletzung zu und ich musste erneut frech grinsen bei seinen Sprüchen. "Du siehst aus wie frisch vom Kaffeeklatsch mit meiner Oma." Nur um mal beide Themen zu verbinden. "Aber ich muss dich enttäuschen, vermutlich sind die alle schon tot und warten nur darauf den Rest auch noch zu zerfetzen." Ich war kein gefühlvoller Mensch der alles daran setzte um zurück zu kehren, nur um festzustellen das es in Russland genau so aussah wie woanders auch. Damit hatte ich längst abgeschlossen. Sicherlich war der Rest meiner Familie ebenfalls tot. Die Meisten waren alt und rangen mir kein schlechtes Gewissen ab. Es war auch keiner meiner Schwachpunkte, denn sonst hätte ich kaum Späße damit getrieben. In der Zeit fing ich an mich um Floyds kleine Wehwehchen zu kümmern. In einer Kolonie war es weniger Problematisch sich behandeln zu lassen. Alleine war es dann doch durchaus schwieriger, da konnte ich ihn verstehen. Also war es nicht verwunderlich das er Hilfe in Anspruch nehmen wollte. Und, auch wenn ich es niemals zugeben würde, Floyd gehörte zu den Leuten die sie auch von mir erwarten konnten. Natürlich hätte er sich auch woanders Hilfe suchen können. Wer wusste schon wo er sich wieder rumgetrieben hatte? Er hatte wohl einfach Glück das er mir über den Weg gelaufen war. Was nicht hieß das ich mich nicht über sein Leid hermachte. Das war einfach ein zu gefundenes Fressen. Ein weiteres Grinsen folgte als er behauptete nicht rumschreien zu müssen. Da war ich doch sehr gewillt seine Schmerzgrenze auszutesten. Die Säuberung der Wunde hatte er allerdings schon ganz gut überstanden. In seinem Zustand wäre es wohl ratsamer gewesen sich einer Kolonie anzuschließen, wenigstens für den Heilungsprozess. Obwohl ich glaubte zu behaupten das Floyd sich diese Blöße niemals geben würde. Und vielleicht ginge es mir an seiner Stelle nicht anders. Mir war klar das ich ziemlich stur sein konnte und das es mir oft schwer fiel über meinen Schatten zu springen. Insofern war ich wohl nicht wesentlich anders als er. Es lag auch nicht an mir neue Medikamente zu finden. Ich ging ab und an gerne selber mal raus um meinen Scheiß zu besorgen, aber das gehörte nicht zwangsläufig zum Standard. Der Alkohol auf seiner Haut sollte dagegen deutlich schärfer brennen und es war eine Schande das ich sein Gesicht nicht sehen konnte. Jedoch musste ich bei seiner Behauptung selber lachen. In dem Punkt hatte er wohl durchaus Recht. Ich wäre eine furchtbare Krankenschwester. Allerdings mit Absicht. Ich war mir nicht sicher ob noch irgendwas von meinem früheren Ich übrig geblieben war. Genau genommen wollte ich das auch nicht wissen, es spielte keine Rolle mehr. "Und trotzdem soll ich dir helfen." Mit einem provokanten Gesichtsausdruck beobachtete ich wie er sich das Shirt auszog und hielt seinem Blick locker stand. Als er sich wieder umdrehte und erzählte wohin er gehen wollte, rupfte ich das Shirt bereits in Streifen. "Findest du hier keine Schaukel auf die du dich setzen kannst?" Natürlich war es sarkastisch gemeint. Mein Ton ließ überhaupt nichts anderes zu. "Zwei Möglichkeiten." Fing ich dann wieder an als ich mich dem Rest seiner Wunde zuwandte. "Entweder hoffst du das es sich jetzt von allein erholt. Oder, und ich bin absolut dafür, du lässt zu das wir diesen ekelhaften Suff mit Gewalt austreiben." Klar war ich dafür, es bedeutete mehr Qualen für ihn. "Entweder du betest, oder lebst mit den kleinen Narben die vermutlich zurückbleiben werden." Dabei hatte ich die Stoffreste über meinen Arm gelegt und war schon dabei ein Messer abzuwischen. Er hatte Glück das es noch genug Alkohol gab und die Klinge nicht über ein Feuer musste. "Also. Entscheide dich." Eigentlich hatte er gar nicht so viel Entscheidungsfreiheit wie es sich angehört hatte. Ich war bereits dabei ihn auf die Knie zu drängen damit ich besser an seine Schulter ran kam.
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Im Schutze einer Kolonie hätte Floyd ganz bestimmt nichts von der Schürfwunde gespürt. Er hätte geduscht, die Stelle desinfiziert und sich ein, zwei Tage geschont, wenn das überhaupt nötig gewesen wäre. Vermutlich wäre dieser Fauxpas nicht einmal der Rede wert gewesen, er hätte nicht einmal daran gedacht, darüber zu sprechen.
Aber er gehörte keiner Kolonie an, er lebte nicht in sicheren Behausungen, die von Wänden und Wachen geschützt wurden. Er konnte nicht durchschlafen, nicht ausschlafen und auch nicht duschen. Es gab keinen beschissenen Toaster, keinen Rasierapparat und auch keinen Guten-Morgen-Gruss für ihn. Floyd hätte das aber alles haben können. Hätte. Er wollte nur nicht.
Das Leben in einer Gemeinschaft bedeutete neben dem Schutz auch immer Pflichten. Und eine Einordnung, vielleicht sogar eine Unterordnung. Damit hatte er aber seine Probleme, denn Floyd war es schlicht nicht mehr gewöhnt, gesagt zu bekommen, was er tun und lassen sollte. Abgesehen davon, dass er schon vor der Apokalypse seine Probleme damit gehabt hatte.
Trotzdem wog er seit einiger Zeit ab, ob – zumindest vorübergehend und als Test – eine Kolonie für eine gewisse Zeit nicht doch in Frage käme. Sicher, solche Überlegungen machte man sich besser im Spätsommer, denn der Winter konnte gnadenlos sein, aber Floyd tickte eben nicht wie andere vernünftige Menschen. Er hatte seine eigenen Prinzipien und Vorstellungen und die hatten ihn bisher am Leben gehalten. Kam hinzu, dass Floyd sich nicht vorstellen konnte, Blakes Gesicht jeden Tag zu sehen. Sie würde ihm auf den Sack gehen, so viel war sicher, und dann wäre wohl auch ihre Freundschaft vorbei.
"Du hilfst mir doch, weil du sonst nichts zu tun hast.", gab er schnaubend zurück. "Aber ich vermute, bei den Beissern bist du zärtlicher." Er übertrieb, was Blake vermutlich auch wusste. Sie war trotz allem sehr gewissenhaft. Was sie tat und ausführte, erledigte sie mit einer seriösen Leidenschaft. Sie war fokussiert und konzentriert und besass das nötige Mass an Interesse. Das machte Aleksandra Blake zu einer wertvollen Freundin, die Floyd über all die Jahre begleitet hatte. Nicht an seiner Seite, auch nicht in seinen Erlebnissen, aber sie war eine der wenigen menschlichen Konstanten in seinem Leben. Ohne Blake würde ihm wohl etwas fehlen, auch wenn sie einander gar nicht so oft über den Weg liefen.
Deshalb erzählte er ihr auch von seinen Plänen, in den Süden zu reisen. Er hätte ihr aber auch einen Heiratsantrag machen können. So oder so wären über die vollen Lippen der Frau nur Spötteleien gekommen, so wie jetzt.
"Ich wusste nicht, dass wir Sandkastenfreunde sind.", entgegnete er und rollte mit den Augen. Doch Blake ging nicht weiter darauf ein. Stattdessen erläuterte sie ihre Gedanken. Die waren vernünftig, risikoreich, schmerzvoll, aber auch lösungsorientiert. Blake war nicht nur eine furchtbare Krankenschwester, sie war auch ein Folterdoktor.
"Willst du die Wunde erneuern?" Das hatte zur Folge, dass die alten, vereiterten Wundränder entfernt wurden und die Wunde eine neue Chance hatte, sich zu schliessen und zu heilen. Das war gar keine so üble Sache, tat aber an dieser Körperstelle ziemlich weh. "Hey! Warte!"
Floyd drehte sich abrupt um und sah sie an. "Scheisse, denkst du eigentlich auch mal nach? Ich hab mit dieser blöden Verletzung schon meine Mühe! Was glaubst du, was passiert, wenn du sie vergrösserst? Dann bin ich morgen ein toter Mann!" Er sah kurz um sich, aber weniger, um die Lage zu prüfen, als vielmehr um Zeit für die nächsten Überlegungen und Worte zu finden. "Ich brauche einen Ort, an dem ich eine oder zwei Nächte bleiben kann, wenn ich überleben will. Den habe ich aber aktuell nicht." Sein Blick blieb auf ihrem Gesicht liegen. "Der Alkohol muss reichen." Er ahnte, dass sie unzufrieden damit war und auch nicht durchgehen lassen wollte, dass Floyd sich der einfachsten und sichersten Heilmethode entzog, aber sie konnte sicherlich auch seine Bedenken nachvollziehen. "Lad mich auf deine Couch ein und ich lass dich tun, was immer du tun musst." Es war ihm auch egal, wenn sie ihm ein sicheres Zimmer in einem leeren Gebäude vorschlug. Floyd sah sich im Moment aber der Gefahr von Schmutz und anderen Plünderern ausgesetzt, weniger von Beissern. Er fürchtete sie nicht, nichts davon, aber er wusste sehr wohl, dass ihn sein zerrissenes Hemd eine neue, frische Wunde kaum vor einer Infektion bewahren konnte. Und um länger mit einem unbekleideten Oberkörper herumzulaufen, damit die Wunde Luft bekam und trocken blieb, war es einfach noch zu kalt.
"Ausserdem brauche ich erst neues Verbandsmaterial. Hab ich doch schon gesagt." Er klang etwas leiser als zuvor. Diese verdammte Suche nach medizinischen Dingen war spannend, wenn man es nicht nötig hatte. Aber in seinem Fall war die Suche danach tatsächlich langsam ein Wettlauf mit der Zeit.
|
nach oben springen
|
Es war nicht zu übersehen das er unzufrieden und schlussendlich auch nicht einverstanden war. Mit was war er eigentlich einverstanden. Zwar konnte ich verstehen das ein Leben in nomadischen Zügen in seiner jetzigen Verfassung ungünstig war, aber er blieb wohl auch immer der Gleiche. Lockere Sprüche, aber zart besaitet, für einen Mann. Obwohl @Floyd Webber nicht gerade klein war. Allerdings war er auch nicht gerade ein Muskelpaket, vielleicht lag das auch nur an seiner momentan schlechten Konstitution. "Du willst also das ich zärtlicher bin?" Das wollte er garantiert nicht, aber vermutlich würde er nichts dagegen haben etwas zuvorkommender behandelt zu werden. Dabei tat ich das längst. Floyd war tatsächlich einer der wenigen Menschen denen ich vertraute. Wobei ich nicht so genau wusste wieso das auf ihn zutraf. Es gab nur eine Handvoll Menschen die mein absolutes Vertrauen genossen. Floyd konnte sich schätzen einer davon zu sein. Und ich erwartete nicht das er auf meine Stichelei einging. Irgendwie war das einfach so ein Ding zwischen uns. Zwischen uns und einigen anderen. Ich war nicht gerade dafür bekannt auf den Mund gefallen zu sein. Und während ich alles für den nächsten Schritt vorbereitete, inklusive des Patienten, wehrte er sich schon wieder. "Willst du jetzt meine Hilfe, oder nicht?" Ich hatte ihn automatisch losgelassen als er sich umdrehte und zog, irgendwie schon sehr typisch für mich, eine Braue hoch. Natürlich konnte ich seine Einwände verstehen. Es war schmerzhaft, etwas langwieriger und es war zu kalt um der Wunde viel Luft zu lassen. Aber immer noch die beste Methode, meiner Meinung nach. "Ich weiß gar nicht was du dich so anstellst. Natürlich hättest du das alleine nicht hingekriegt, aber denkst du wirklich das ich dir gleich die halbe Schulter filetiere?" Gar kein schlechter Gedanke. Es würde mir wirklich Spaß machen und ich könnte behaupten nur auf Nummer sicher gehen zu wollen. Floyd sträubte sich jedoch schon wieder dagegen. "Jetzt komm schon. Du wirst doch wohl in der Lage sein sauberes Wasser zu finden und eine Schaukel für die Nacht." Ja, ich konnte den Schaukelwitz einfach nicht lassen. Wieder seufzte ich. "Willst du vielleicht das ich es doch ausbrenne? Etwas altmodisch wenn du mich fragst, aber gut." Dabei zuckte ich mit den Schultern und machte Anstalten auf diese Methode zu wechseln. Allerdings musste ich wieder etwas zu diabolisch grinsen bei seinem, vermutlich nicht allzu ernstem, Vorschlag. "Soso." Damit hatte er mich definitiv an der Angel, auch wenn es sicherlich nicht ganz ehrlich war. Kurz schürzte ich die Lippen, nur um ein noch fieseres Grinsen zu offenbaren. "Alles, he? Bist du sicher?" Es war keine Frage die einer Antwort benötigte. Er brauchte Hilfe, dem war ich nicht abgeneigt. Abgesehen davon würde ich es zwar niemals zugeben, unter keinen Umständen, aber sicherlich würden mir diese kleinen Zwistigkeiten fehlen, falls er draufgehen sollte. Mir stellte sich nur die Frage wie es am Günstigsten war. Ich kannte diverse Verstecke. Nur war keins so richtig darauf ausgelegt mehr als Wehwehchen zu versorgen. Und wenn ich ehrlich war, wollte ich auch nicht alles preis geben. Immerhin konnte ich mich vermutlich darauf verlassen das er diese Verstecke nicht jedem weitersagen würde. Jedoch hatte ich auch keine Lust ihm dann dort ständig in die Fratze zu sehen. Vielleicht brachte ich ihn doch zeitweise im Territorium der Wicked unter. Nicht unbedingt die sicherste Gegend, aber besser als hier draußen. Eventuell war es sogar ratsam ihn in der Mall unter zu bringen. Ich wusste wie es sein konnte als Nomade durch die Gegend zu ziehen. Wenn man nicht verletzt war, war alles gut. Hatte man was abgekriegt, war guter Rat teuer. Medikamente waren vermutlich sogar noch wichtiger als etwas Essbares zu finden. Jeder Trottel konnte eine Falle aufstellen um einen Hasen zu fangen. Mit Medizin war das weniger hilfreich. Es konnte sein das ich für den Moment zu gedanklich aussah, aber das war es mir wert. Immerhin hatte ich nun einen Krankenschwesternruf zu verteidigen. "Bist du dir sicher?" Wiederholte ich mich noch mal. "Ich kann dir ein Bett anbieten. Raus kommen musst du dann allerdings von alleine." Damit meinte ich eher das er sich um sich selbst auch kümmern musste. Schließlich hatte ich noch meine Arbeit zu erledigen und die beinhaltete normalerweise die Menschen auseinander zu nehmen und nicht wieder zu flicken.
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Als er wieder einmal mit blauen Flecken und verstauchten Fingern von einem Cop nach Hause gebracht worden war, hatte seine Mutter mit einer Anmeldung in einem Boxkeller geliebäugelt. All die Ermahnungen, die eindringlichen Gesprächsversuche, laute und verzweifelte Vorwürfe hatten nicht viel in Floyds damals noch behaarten Kopf ausgelöst. Er liess sich von allem und jeden provozieren und schlug zu. Immer und immer wieder. Jodie Webber hatte es für das Beste gehalten, Floyds ungebändigter Wut ein Ventil zu geben und was war da besser, als einen Boxsack zu verprügeln?
Floyd war zweimal hingegangen, dann hatte er sich mit einem Boxtrainer angelegt und vor dem Boxkeller mit einem anderen Gleichaltrigen geprügelt und hatte Zutrittsverbot erhalten.
Und noch bevor ihn seine Mutter zu einem Fitnessclub schleifen konnte, weil sie darin die letzte Hoffnung für den Abbau seiner inneren Raserei sah, wurde er festgenommen.
Aus Floyd hatte also nie ein Muskelpaket werden können, weil die Apokalypse ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Sein Körper war lediglich sehnig und in guten Zeiten war er auch kräftig, aber Mangelernährung, Schlafentzug und die jahrelang andauernden Ängste hatten ihn, wie so viele andere auch, geformt, und das nicht immer in der gesündesten Form.
Er war gross, athletisch konnte man sagen, aber nicht herausragend muskulös. Vielleicht war die Ältere, die seinen Rücken gerade begutachtete und versorgte, sogar kräftiger als er. Nicht stärker, aber ihre Muskulatur war wohl wesentlich definierter. Sie litt ja auch weniger unter einseitiger Kost.
"Du kannst so zärtlich zu mir sein, wie du willst. Deswegen werde ich trotzdem nicht hart." Eine Anspielung auf die unleugbare Tatsache, dass sie eine Frau war und er sie nicht erotisch fand. Attraktiv ja, aber sie löste in ihm leider kein kribbelndes Gefühl in seinem Becken aus. Dafür aber schmerzte ihre Wundversorgung umso mehr.
Floyd hatte sich umgedreht und sah sie aus einer Mischung zwischen Anklage und Bitte an. Verflucht nochmal! Er brauchte sie, auch weil sie eine vertraute Konstante in seinem Leben war, wenn er sie hier oder in der Nähe traf. Aber jetzt gerade brauchte er mehr als ihre Anwesenheit und ihre Sprüche. Er benötigte ihre Hilfe und Floyd hasste es zutiefst, auf Hilfe angewiesen zu sein.
"Was weiss ich, was du vorhast! Am Ende macht es dir noch Spass, aus mir Schaschlik zu machen." Er knurrte leise, allerdings nicht ablehnend oder feindselig. Er war bloss unzufrieden, wie Aleksandra schon festgestellt hatte.
Seine Laune besserte sich auch nicht, als sie erneut mit der Schaukel kam. Floyd sah lediglich finster drein, aber das tat er oft. Ihre Sprüche nahm er nicht persönlich und da war Aleksandra eine grosse Ausnahme. Denn ansonsten fackelte er nicht lange und erkämpfte sich sein Recht auf Ehre und Stolz. Blödsinn, natürlich, aber Floyd konnte sich nur selten im Zaum halten.
Im Moment war sein Lebenserhaltungstrieb aber geweckt und liess ihn nachdenken. Ob klug oder vorausschauend, würde sich noch zeigen, aber es war besser, als die Wunde unbehandelt zu lassen. Sie schloss sich nicht. Das hatte sie die ganzen letzten Dreckstage nicht getan! Er brauchte also… ihre Hilfe. Aleksandra nahm seine Bitte und seine 'Bezahlung' auch erst einmal grinsend an. Sie amüsierte sich, was ihn ärgerte, aber in Anbetracht seiner Situation und dem Vertrauen, welches zwischen ihnen herrschte, konnte er ihr 'alles' anbieten.
"Ich würde es dir nicht anbieten, wenn ich das Gefühl hätte, dass du mich verrecken lässt. Also Ja. Alles, was in meiner Macht und im Ertragbaren liegt." Sie würde weiterhin Scherze auf seine Kosten machen, ihn aufziehen und beleidigen. Aber das war okay. Damit kam Floyd gut klar. Dass sie mehr verlangte, als er zu geben bereit war, glaubte er nicht. So ein Verhalten legte sie bei anderen an den Tag, aber nicht bei ihm. Sowieso hätte sie damit wenig erreicht. Floyd gab nicht einfach so klein bei.
"Ich soll mit dir zu den Wicked kommen?" Floyd unterdrückte ein Stöhnen. Er hatte überhaupt keinen Bock darauf, diese Kolonie zu betreten. Andererseits blieben die Optionen aus, die er hatte. "Nur so lange, wie nötig. Und ich brauche keine Krankenschwester, die mich den ganzen Tag mit Süssem versorgt. Keine Sorge, ich halte dich nicht von deinen Koch-, Näh- und Putzarbeiten ab." Er rümpfte die Nase und sah sie provokant an.
"Ich revanchiere mich später mit einigen exklusiven Waren, die ich nur dir verkaufen werde. Einverstanden? Das klappt aber nur, wenn ich wieder gesund bin. Denk daran."
Floyd fasste nach dem Pullover, um ihn sich wieder überzuziehen. Es war schliesslich recht frisch und das T-Shirt zerrissen. Floyd hatte keine Lust, sich einer Kolonie anzuschliessen. Aber er konnte nicht leugnen, dass es gelegentlich eine Wohltat war, im Schutze eines bewachten Quartiers schlafen und sich erholen zu können.
|
zuletzt bearbeitet 06.08.2024 10:42 |
nach oben springen
|
Erneut legte sich ein Lächeln auf meine Lippen. Etwas ironisch vielleicht, aber das passte viel zu gut zu seinen Worten. "Oh nein, was hab ich da nur falsch gemacht?" Es klang sehr viel weniger bekümmert als es ursprünglich sollte. Aber zum Glück war ich keine dieser Weiber, die sich davon abhängig machten was andere über sie dachten. Was die meisten anderen Menschen dachten juckte mich herzlich wenig. Auf der großen weiten Welt gab es nicht mal eine Handvoll Leute denen ich tatsächlich vertraute und die im Gegenzug auch mein Vertrauen bekamen. Es waren gerade einmal Drei Personen, vielleicht Vier, falls sie überhaupt noch lebten. Ich konnte nach der ganzen Zeit immer noch nicht sagen waren, aber @Floyd Webber hatte sich zu dieser Gruppe eingeschlichen. Wie auch immer er das angestellt hatte. Da er überhaupt nicht zu der Sorte Mensch gehörte mit denen ich sonst zu tun hatte, war die Antwort darauf vielleicht einfach zu simpel um daran zu denken. Bei seiner nächsten Anschuldigung sah ich ihn genau so strafend an. Obwohl es berechtigt war. "Wo bliebe denn sonst der Spaß?" Kein großes Geheimnis und es war auch nicht schwer zu erraten. Selbst die kleinen, neuen Handlager im Folterkeller hatten das schnell raus. "Und außerdem hab ich dir doch gesagt was ich denke." Leicht zog ich eine Braue hoch und sah zu ihm. "Du solltest mehr Getreide essen. Dann vergisst du nicht so viel. Weizen und sowas." Natürlich war es nur wieder ein blöder Spruch den ich mir nicht verkneifen konnte. Obwohl etwas Wahrheit dahinter steckte. Nur war es mir eigentlich egal ob oder wie er sich erinnerte. Floyd war einfach einer der wenigen Kontakte außerhalb, zu denen ich vielleicht keine regelmäßige, dafür aber eben dauerhafte Verbindung hatte. Selbst wenn die fast ausschließlich auf Hohn und Sarkasmus beruhte. Für mich war diese Situation klar. Ich brauchte auch keine Hilfe und war nicht verletzt. Vermutlich wusste er auch bereits das er es irgendwann bereuen würde. Vielleicht konnte ich von ihm nicht unmögliches erwarten, aber er konnte sich schon mal darauf einstellen das ich darauf pochen würde. Vielleicht wollte Floyd es sich nicht denken, aber schlimmer, ging bei mir immer. im wahrsten Sinne des Wortes. Eventuell war es auch unklug von mir ihm diese Möglichkeit anzubieten. Besucher an sich waren keine Seltenheit und den offiziellen Teil der Mall kannte er bereits. Es war auch kein Kapitalverbrechen oder ein anderer Regelbruch, immerhin hatte ich ihn auch direkt vorgewarnt. Also ja, er sollte zu den Wicked mitkommen. Was nicht bedeutete das er sich ihnen sofort anschließen musste. Vermutlich würde er sowieso nur Ärger machen. "Das war der Gedanke dahinter." Ich zuckte mit den Schultern. Eine tiefe Bedeutung sollte es nicht geben. Es war einfach nur die beste Option für ihn um schnell wieder auf die Füße zu kommen. Leicht zog ich eine Braue hoch und verschränkte die Arme. Zweifelsohne war das nur ein Spruch von ihm, wie so oft, obwohl es auch verdeutlichte das er nicht in den nächsten Stunden draufgehen würde. "Du kannst ja sogar nett sein, wenn du was willst." Es war reiner Spott. Man merkte ihm an das es ihm im Grunde nicht gefiel und er schien ebenfalls noch mit seiner Entscheidung zu hadern. "Mach dir um meine Aufgaben keine Sorgen. Darum solltest du dir erst Gedanken machen wenn du dich nicht beherrschen kannst. In dem Fall landest du schneller auf meinem Tisch als dir lieb wäre." Grob legte ich kurz das zerrissene Shirt zusammen und legte es zumindest einmal um die Wunde damit der Pulli nicht daran kleben blieb. "Wehe du verarschst mich!" Davon ging ich eigentlich auch nicht aus. Immerhin wusste er das ich durchaus auch anders sein konnte und selbst wenn er es nur ahnen konnte. Als Nomade konnte ich auch nichts unmögliches verlangen, obwohl mir da schon was einfallen würde. Da war ich mir sicher. "Dann schwing die Hufe." Ich wandte mich von ihm ab um in die Richtung aus der ich kam, zurück zu gehen. "Oder soll ich dich etwa tragen?" Damit würde er wohl die nächsten Stunden leben müssen. Aber zu seinem Glück war der Fußmarsch nicht besonders lang, also sollte er es auch alleine schaffen.

|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Floyd mochte keine Ratschläge. Auch keine guten und sinnvolle. Er empfand sie als pure Provokation und als Unterstellung, dass er alleine und ohne Hilfe nicht durchkam. Dabei lebte er schon sein halbes Leben in diesem Chaos und bisher war es ihm vergleichsweise gut ergangen. Ja, er hatte schon Hunger gelitten, war krank geworden und hatte sich vor Angst eingenässt. Aber ihm fehlten keine Körperteile, er war nicht lahm geworden, auch nicht blind oder taub oder hatte mit anderen Leiden zu kämpfen. Dass er sich ungesund ernährte, war ihm allerdings mehr als klar. Seine Kost war eintönig, wenig abwechslungsreich und ungesund. Dass ihm Weizen helfen würde, seine Gesundheit zu stabilisieren, war von Aleksandra schon richtig gesagt, aber er wollte so etwas nicht hören. Schliesslich konnte er hier draussen nicht einfach so an Weizen kommen und Getreidewaren, die essfertig waren, kosteten. Floyd hatte nicht immer die nötigen Tauschmittel dabei und musste so immer wieder auf Brote verzichten, egal ob er diese bei anderen Nomaden fand oder in den Kolonien. Aber daran war er selbst schuld, würde die Ältere behaupten, wenn er ihr davon erzählen würde. Jeder würde ihm sagen, dass er selbst schuld an der Situation sei, wo er sie sich doch mit einer einzigen Entscheidung besser machen könnte. Es war zum Haare raufen! Wenn er denn welche gehabt hätte.
Er antwortete auf Blakes Hinweis mit einem leisen Brummen und machte sich daran, trotz ihres Schlagabtausches, sich wieder anzukleiden. "Wenn ich will, kann ich alles mögliche sein.", knurrte er. Nachdem er das gesagt hatte, hoffte er aber, dass sie sich nichts darauf einbildete. Floyd war der letzte Mensch auf dieser Welt, der bei einer ausgestreckten Hand mit dem Schwanz wedelte und treuherzig mitging.
"Was für ein Tisch?" Er drehte den Kopf leicht über die Schulter und blickte zu Blake. Dass sie nicht ganz richtig tickte, war ihm klar, aber wie weit ihre Vorliebe für Folterkeller und Folterinstrumente ging, wusste er nicht. Er hielt das meiste für blödes Geschwätz, aber offenbar war Aleksandra böser, als er dachte. Es änderte aber nichts daran, dass sie für ihn diese Frau war, der er immer wieder begegnete und der er am meisten vertraute. Aleksandra Blake war sicherlich ein Scheusal, aber ihm gegenüber verhielt sie sich... schwesterlich?
"Verdammt, Blake, warum soll ich dich verarschen? Was hab ich davon? Meinst du, ich will mir dann dein Gejammer über Ehrlichkeit und Lügen anhören?" Er zog den Pulloversaum nach unten und fasste dann nach seiner Jacke um sie wieder überzuziehen. Dabei drehte er sich zu ihr um. "Hast du früher deinen Puppen die Köpfe abgerissen oder woher kommt deine Leidenschaft fürs Foltern?" Er hatte keine Angst vor ihr. Vor anderen, die dasselbe taten oder zumindest ähnlich wie Blake dachten, allerdings schon. Es war eine seltsame Beziehung, die er zu ihr hatte, aber sie fühlte sich nach wie vor richtig an.
Er schulterte seinen Rucksack auf der gesunden Schulter und hob die rechte Hand mit dem ausgestreckten Mittelfinger, als sie ihn fragte, ob sie ihn tragen sollte. "Fick dich."
Mit ein paar schnelleren Schritten holte er sie ein und lief dann neben ihr her in die Richtung, in der die Kolonie lag, bei welcher Floyd noch nie ein gutes Gefühl gehabt hatte. Aber er hegte ein Misstrauen gegenüber allen Kolonien, also war es eigentlich auch egal, was er empfand oder dachte. "Ich hab gehört, dass eine der Kolonien irgendein Fest feiern wird. Ist das so ein Ding unter den Verbündeten oder versucht wieder mal ein Reverend einen auf Heile Welt zu machen?" Floyd wusste nichts genaueres und er blieb solchen Einladungen in der Regel fern, allerdings hielt er sich dennoch in der Nähe einer solchen Veranstaltung auf. Denn dort traf man üblicherweise weitere Nomaden und konnte gute Ware tauschen. Oder den einen oder anderen kennenlernen. Nicht, dass er das nötig hatte, aber... scheiss drauf. Floyd war lange genug alleine herumgezogen. Den ganzen Winter über! Mal wieder zwei, drei Monate mit einer kleinen Gruppe zusammen zu sein, konnte nicht schaden.
|
nach oben springen
|
Er schien dem Vorschlag nicht abgeneigt zu sein. Viel Wahl hatte @Floyd Webber auch nicht. Entweder kam er mit mir zurück, oder blieb hier allein und bete für eine zufällige Heilung. Vielleicht kamen noch nettere Menschen als ich vorbei, obwohl die Chancen schlecht standen das die auch das richtige Zeug dabei hatten. Ich setzte mich in Bewegung. Er würde schon nachziehen wenn er soweit war. Seinen Mittelfinger hatte ich mich einem schiefen Grinsen abgetan und auf seine Frage nach welchem Tisch, ging ich gar nicht erst ein. Wieso genau wusste ich allerdings nicht. Es war nicht unbedingt so das ich ihn schonen wollte, oder nicht wollte das er mich begleitete. Floyd hatte eine grobe Ahnung von mir, aber in der ganzen Zeit hatte er nicht einmal gänzlich hinter die Fassade gesehen. Nicht wirklich. Von ihm wusste ich im Gegenzug aber genau so wenig. Im Grunde gar nichts. Ich wusste nur das er als Nomade lebte und das es ihm zu gefallen schien. Nichts verwerfliches, das taten sehr viele immer noch und immer wieder. Genau genommen hatte ich hin und wieder auch zu besagten Nomaden gehört. Jedes Mal wenn die Wicked ihr Territorium verließen um ein neues zu finden. Manche Zeiten waren auch definitiv schöner als jetzt. Nur konnte man kaum zurück in die Vergangenheit. Andernfalls würde es wohl keine Untoten geben. Oder war vielleicht genau das der Grund dafür? Zu ändern war es jedenfalls auch nicht so schnell. Mit einer leicht erhobenen Braue sah ich zu dem Verletzten, als er zu mir aufschloss. "Ich hab allen die Köpfe abgebissen" Fing ich kurz an in scherzhaftem Ton verspätet zu antworten. "Nicht nur meinen Puppen." Es war einfach nur ein Scherz gewesen. Als Kind hatte ich zwar eine Puppe, aber gespielt hatte ich selten damit. Eher dann wenn ich meine Mutter beruhigen wollte. "Der Nachbarshund hat genau so gebrüllt wie ich, als er mich zuerst gebissen hatte und ich ihm dafür den Kopf ab." Selbstverständlich war es eine überspielte Metapher. Ich war kein Barbar. Der Wind, der uns entgegen kam war noch frisch und ohne Jacke holte man sich definitiv noch schnell was weg. Als Floyd nach einer Feier fragte legte ich meinen Kopf leicht in seine Richtung. "Ich fürchte da kann ich dir nicht groß weiterhelfen." Ich zuckte dabei mit den Schultern. "Gegen Feiern habe ich nichts, aber die meisten Kolonien sitzen bloß zusammen und trinken. Nicht ganz die Art Feier die ich ständig aufsuchen würde." Zusammen sitzen und trinken machte für mich einfach noch keine Feier aus. Wenn es so wäre, dann feierten die Wicked ständig Partys unter sich. "Du wirst es mir nicht glauben, aber besondere Drähte zu Gott hab ich auch nicht." Als Kind vielleicht, aber das war schon lang vorbei. Ich steckte meine Hände in die Taschen als wir weitergingen und das bebaute Areal hinter und ließen. Ein typischer Naturtyp war ich auch nicht sonderlich, aber es war leider nach wie vor so, dass sich größere Gruppen von Untoten auf den glatten Straßen sammelten. Selten waren sie im Wald gefährlich. Einzelne waren eben kein Problem. So wie der arme Tropf, der sich in einem Gebüsch verfangen hatte und von seinen eigenen Innereien am Weitergehen aufgehalten wurde. Sie hatten sich in den Ästen verheddert und hielten ihn wie eine Leine im Gebüsch fest. Offensichtlich war er schon länger hier, jedenfalls hatte ich schon frischere gesehen. "Hallo Ernie. Hast du immer noch keinen da drin erwischt?" Wer sich in einem Gebüsch von einem Untoten verspeisen ließ, hatte es auch verdient. "Hoffentlich kannst du deine Schulden schnell bezahlen." Damit sah ich wieder zu Floyd rüber. "Ich war auf der Suche und das sicherlich nicht nach dir." Unsere Wege kreuzten sich zumeist einfach zufällig. Einander gesucht hatten wir nie.

|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
"Dann bist du einem Beisser ja nicht unähnlich." Floyd zog geräuschvoll die Nase hoch. Schon klar, Blake versuchte sich hier als monströser darzustellen, als sie war. Mochte sein, dass sie eine seltsame Neigung zur Gewalt besass. Oder zur Macht, die dieser Gewalt innewohnte. Aber so gruselig, wie sie in ihren Scherzen vorgab zu sein, war sie kaum. Das waren bloss Psychopathen und die hatten bestimmt nicht überlebt. Alle, die heutzutage herumliefen, anderen wehtaten, egal auf welche Art und Weise, und sich damit auch noch brüsteten, waren in seinen Augen Idioten, die nur durch ein paar blöde Sprüche nach oben gekommen waren. Weniger aus Überzeugung oder tatsächlicher innewohnender Brutalität. Jeder versuchte schliesslich in dieser Welt zu überleben und jeder wählte hierfür einen anderen, ganz eigenen Weg. Floyd hatte seinen ebenfalls gewählt. Einen schwierigen, der ihm viel Kraft kostete und jedes Jahr verlangte dieses Leben etwas mehr Tribut von ihm. Jünger wurde er nicht und kleine Wunden wie diese, die er jetzt mit sich herumtrug, nervten länger als üblich.
Wenn Blake ihr Wort hielt, würde er aber eine Pflege erhalten, die die Heilung förderte. Also vertraute er darauf, dass sie mit ihm schonender umging als mit dem Nachbarshund oder ihren Puppen.
"Und was spricht gegen das gemeinsame Zusammensitzen und Trinken?" Er sah sie an. "Brauchst du Konfetti, oder was?" Floyd war lange an keiner Feier mehr gewesen. Vor ein paar Jahren hatte er mal eine besucht. Das war nett gewesen. Es hatte zu Essen und zu Trinken gegeben und sogar Musik. Die hatte zwar in seinen Ohren gedröhnt, aber die Abwechslung hatte gut getan. Leider war viel zu viel Alkohol geflossen und Floyd, der diesen kaum gewöhnt war, hatte viel zu schnell darauf reagiert. Irgendwer hatte ihn tatsächlich zum Tanzen aufgefordert und dann hatte er getanzt. Ausgelassen. Er war nicht grossartig aufgefallen oder hatte sich peinlich in Szene gesetzt, aber allein die Tatsache, dass er lange getanzt und dann völlig erschöpft in einer Ecke eingeschlafen war, hing ihm immer noch nach. Floyd tanzte nämlich nicht! Nicht in der Öffentlichkeit. Er konnte nämlich überhaupt nicht tanzen. Und es gab auch gar keinen Grund zu tanzen!
Und wann immer er das dachte und sich einredete, erinnerte er sich an ein zweisames Schaukeln in einer längst vergangenen Nacht, was einem Tanz gleichgekommen war. Floyd hatte es schön gefunden. Zum Glück konnte Aleksandra keine Gedanken lesen.
Dafür gab sie den Beissern, die aus verschiedenen Gründen festhingen, Namen, wie sie ihn gerade wissen liess. Eine armselige Kreatur nannte sie Ernie. Mittlerweile verstand Floyd, warum nicht jeder Beisser getötet werden musste. Sie waren so etwas wie Ortsmarkierungen. Wenn es sie nicht mehr gab, war etwas passiert. Ein gutes Warnzeichen.
Als Blake sprach, wandte Floyd seinen Kopf und sah sie wieder an. "Und wonach hast du stattdessen gesucht? Nach einer Lösung für diesen Mist hier?" Damit meinte er die gesamte Welt. Obwohl sie sich längst an ihr Leben gewöhnt hatten, hatte es Floyd manchmal auch satt. Er sehnte sich zurück in sein hellhöriges Kinderzimmer mit dem versifften Teppich und den billigen Postern aus noch billigeren Magazinen. Er wollte nochmals auf seinem Bett liegen, eine Pizza auf dem Bauch balancieren und die Musik von Linkin Park hören und dabei Mrs Millers, seine Lehrerin, verfluchen, weil sie ihm so auf den Sack gegangen war. Oder sich überlegen, ob er den Moyer-Brüdern morgen die Fressen polierte.
"Fragst du dich manchmal, wofür wir das alles tun? Überleben, Kolonien aufbauen, Beziehungen eingehen und solchen Kram?" Floyd war nicht lebensmüde. Aber er war müde. Er war eigentlich immer müde. Doch er würde kaum ein Auge heute Nacht zu tun. Zu gefährlich erschien es ihm bei den Wicked zu schlafen. Aber er wollte es noch nicht ausschliessen. Möglicherweise hatte er doch eine ruhige Ecke für sich, in welcher er sich sicher genug fühlen würde.
|
nach oben springen
|
Ich schnaufte sarkastisch als @Floyd Webber meinte ich wäre einem Beißer nicht unähnlich. Vielleicht war das auch so. Bisher hatte ich jedenfalls noch nichts dagegen unternommen. Im Grunde störte es mich auch nicht. Es war leichter mit der angst der Menschen zu arbeiten, als mit diesen ganzen nervigen zwischenmenschlichen Floskeln. Ich brauchte nicht so viel Aufwand betreiben. Und bei den Wicked war das eindeutig ein großer Vorteil bisher gewesen. Es war also auch nicht groß verwunderlich, dass ich dieses Verhalten auch auf Floyd projizierte. Genau genommen war ich immer noch der Meinung das er sich bei uns ganz gut machen würde. Wenn da nicht seine komischen Allüren wären sich selbst ständig zu hinterfragen. Zumindest kam es mir so vor. Wir liefen dabei gemächlich weiter, den Weg wieder zurück den ich gekommen war. Es war nicht allzu weit, aber ein wenig würden wir noch unterwegs sein. Ich musste wieder leise lachen als er auf Konfetti kam. "Wieso eigentlich nicht." Sicherlich brauchte ich keine Fanfahren oder so einen Kram, aber lustig würde es dann garantiert werden. "Leider wird kein anderer auf diesen Gedanken kommen. Wenn du also nicht zufällig Konfetti in deiner Tasche hast, wird daraus auch nichts." Wer würde schon an so etwas denken wenn es sehr viel wichtigere Dinge gab? Am Leben bleiben, Essen, Trinken. Das waren nicht einfach nur noch Grundbedürfnisse, sondern Dinge die man mit keinem Geld der Welt mehr kaufen konnte. Oder eintauschen. Man musste für sich kämpfen. Ob man nun wollte oder nicht. Frische Luft zu atmen war keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein Privileg. Floyd musste nicht wissen das Partys im Folterkeller etwas anders aussahen. Er würde eventuell selbst in den Genuss kommen es zu sehen. Er war kein Gefangener und ebenso wenig ein Sklave. Was aber auch bedeutete das er keine Priorität hatte. Zumal seine Wunde nicht lebensgefährlich war. Wartete offizielle Arbeit auf mich, musste er leider in die Warteschlange. Wobei ich kaum davon ausging. Jack war schließlich auch noch da und würde ohne zu zögern alles übernehmen. Obwohl @Jack Boyle garantiert einige Fragen haben wird, wenn ich mir so direkt jemanden aus der Menge fische und selbst in den Folterkeller brachte. Ich war mir auch weniger sicher ob ich Floyd in dem Zug überhaupt schon mal erwähnt hatte. Was vielleicht auch einfach daran lag, dass es schwierig war zu beschreiben was uns überhaupt verband. Wir hatten wenig Gemeinsamkeiten und ärgerten uns gegenseitig sobald wir uns über den Weg liefen. Auch hatten wir nie bewusst einander gesucht. Anders als bei Jack. So ganz anders, irgendwie. Einen kurzen Moment liefen wir schweigend bis Floyd die Stille erneut durchbrach. Was mich wieder zum Glucksen brachte. "Glaub es oder nicht, aber das alles ähnelt meiner idealen Welt und auch der die ich zuvor schon kannte." Nur waren es da keine Untoten die dich ins Grab bringen wollten, sondern meist Handlanger einer verfeindeten Gruppe. Vielleicht doch fast das Selbe. Abgesehen von den Ortswechsel hin und wieder, waren es nur die Untoten, die sich von damals unterschieden. "Ich würde nur ein oder zwei Dinge ändern wollen." Meinte ich viel zu ernst und damit kamen wir bei Ernie vorbei, der offensichtlich auch wenig Glück zu haben schien. Wenigstens konnte der nicht mehr verhungern. Wir hatten den Buschuntoten ein paar Meter hinter uns gelassen als mein neuer Reisegefährte nachfrage ob ich mir selbst zweifelnde Fragen stellte. "Wozu?" Ich hob dabei eine Braue und wandte mich zu ihm um. "Es ändert nichts. Egal wie sehr du das alles in deinem Kopf zermarterst. Das Einzige das du kriegst sind Kopfschmerzen. Und dafür kriegst du kein Beileid von mir." Nicht einmal Mitleid für die abgestorbenen Hirnzellen. "Konzentrier dich lieber aufs Laufen. Tragen werd ich die Diva hier ganz bestimmt nicht." Obwohl Floyd für seine Größe ziemlich armselig aussah. Wenn man von seiner Schulter absah. Er war zu dünn und hager. Die letzten Wochen waren anscheinend weniger glorreich für ihn. Der Winter konnte besonders für Nomaden hart sein. Er hatte Glück das sich das Wetter schon gebessert hatte und die Temperaturen ins Aushaltbare gestiegen waren. Der Wald erstreckte sich vor uns und ließ den Asphalt verschwinden. Ich war nie ein besonders naturverbundener Mensch, aber selbst für mich wirkte dieser Anblick entspannend. Ich streckte mich leicht zu beiden Seiten und ließ die Knöchel der Finger, wie so oft, knacken. "Zwei oder Drei Stunden ungefähr. Ich bin losgelaufen als es gerade eben hell war. Da läuft man weniger Leuten über den Weg die was von einem wollen." Ich setzte mich wieder in Bewegung. Stramm und fest. "Und sei am Besten unsichtbar wenn wir ankommen." Ich grinste wieder sarkastisch in seine Richtung. "Sollte ja kein Problem für dich sein."
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Wusste er, wer Aleksandra Blake tatsächlich war? Nein. Kannte er sie? Nein. Vertraute er ihr? ... Ja.
Floyd war seit fünfzehn Jahren auf sich alleine gestellt. Fünfzehn Jahre, die die Hälfte seines Lebens ausmachten, und in denen er durch mehrere Höllen und wenigen Himmeln gelaufen war. Er hatte immer wieder Menschen getroffen, Überlebende, die zu Weggefährten geworden waren. Manche länger als andere, manche aus der Not heraus, andere aus blossem Zufall. Bereits vor der Apokalypse hatte er sich mit dem Vertrauen schwergetan. Er hatte gegen die Älteren rebelliert, die ihm eigentlich hatten helfen und unterstützen wollen. Er hatte nichts von ihnen annehmen wollen, da er davon ausgegangen war, dass sie nur dumme Sprücheklopfer und Besserwisser gewesen waren. Im Nachhinein waren sicher einige von ihnen solche Leute gewesen, aber nicht alle.
Und dann war er von älteren Leuten, die ihn unterwegs angetroffen hatten, mitgenommen worden. Doch man hatte ihn nur mitgeschleppt und nicht ernstgenommen. Diese Leute, gute Leute, hatten sich um ihre eigenen Familien und Kinder gekümmert. Floyd war das Anhängsel gewesen, welches man aus Mitleid mitgenommen hatte. Das hatte sich nicht wie ein Vertrauensbruch angefühlt, aber es hatte Floyd darin bestärkt zu glauben, alleine stets besser dran zu sein. Und bis zum heutigen Tage war dem ja auch so. Er hatte überlebt, er lebte noch immer und er konnte sogar davon ausgehen, auch noch morgen und übermorgen zu leben.
Diese Gewissheit gab ihm die Ältere an seiner Seite, die ihn nun zu ihrem Unterschlupf führte. Er war Aleks vor Jahren begegnet, als er mit guter Tauschware an den Pforten der Wickeds angeklopft hatte. Sie hatten ihn ganz schön ausgenommen, hatten sich zuerst über ihn lustig gemacht, bis irgendwer dem Treiben ein Ende bereitet hatte. Floyd hatte aus der ganzen Aktion ein paar wirklich gute Winterstiefel und getrocknetes Fleisch erhalten. Heute wusste er, dass er vielmehr hätte rausschlagen können, aber damals war er noch relativ unerfahren und den meisten auch unbekannt gewesen. Dort war er jedenfalls Aleks begegnet und seitdem begegneten sie sich immer wieder. Es fielen Sprüche und Spott. Und doch verliess er sich auf ihre Meinung. Er konnte nicht sagen, warum. Es war einfach so. Ein unsichtbares Band namens Sympathie.
"Der nächste Konfettiregen kommt im Herbst." Zerbröseltes Laub war gutes Konfetti und sogar abbaubar. Aber das war ihm genauso egal wie ihr. Anders verhielt es sich mit der alten und der neuen Welt. Während für Floyd ein ganz klarer Bruch in seinem Leben sichtbar war, schien es diesen für Aleks nicht zu geben.
"Wie kommt es eigentlich, dass jeder glaubt, ich würde mir den Kopf über solche Dinge zerbrechen, nur wenn ich sie mal anspreche?" Floyd schnaubte. "Ich bin die meiste Zeit mit mir alleine, okay? Da tauchen und und zu schon einmal ein paar solcher Fragen auf. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich deswegen Selbstzweifel bekomme oder... was weiss ich! Ich hinterfrage diese... Systeme der Kolonien. Mehr nicht." Mehr schon, aber das wollte er jetzt nicht zugeben. Aleks würde ihn erneut auslachen oder verhöhnen und darauf hatte er gerade keine Lust.
Sie nannte ihn dann auch Diva und kassierte von ihm einen bösen Blick. Floyd war keine Diva. Er war auch kein Jammerlappen. Er war bloss der Händler, den man hier eben so kannte, und der jetzt etwas Hilfe bei der Wundversorgung brauchte. Aber das konnte jeder so auslegen, wie er wollte. Floyd war es schlussendlich egal. Er hatte um Hilfe gebeten und war damit mutiger als die meisten anderen Überlebenden. Floyd konnte eben noch vertrauen. Ein bisschen wenigstens.
"Habt ihr noch immer keine Unterkunft für Reisende? Für Nomaden? Das solltet ihr schleunigst ändern, wenn ihr weiterhin ein beliebtes Ziel für Leute sein wollt, die zu euch passen könnten. Die anderen Kolonien sind euch da nämlich schon voraus." Er gab keine Tipps, wie man ein tolles Motel führte. Seine Stimme besass einen provozierenden Unterton.
Warum er unsichtbar bleiben sollte, erschloss sich ihm nicht. Aber er ging davon aus, dass die Wicked selbst ein Vertrauensproblem hatten und Aleks sich weder damit noch mit den nervigen Fragen, warum sie einen Mann mit heimbrachte, beschäftigen wollte. Ihr war es entweder peinlich, dass sie Floyd mitbrachte, oder nicht gestattet. Letzteres war gefährlich. "Rede Klartext, Oma.", verlangte er schliesslich und sah sie an. "Warum soll ich mich so verhalten und was wären die Konsequenzen, wenn ich auffliege?" Das musste ihm Aleks schon genauer erläutern.
"Von den gelegentlichen Tauschgeschäften wisst ihr doch im Grunde, wer ich bin. Und warum ich Zugang erhalte, spielt ja für die meisten gar keine Rolle, so lange du bestimmst, dass ich reinkommen kann. Oder bist du da drinnen nur ein Speichellecker?"
Floyd schnaubte belustigt durch die Nase und schulterte seinen Rucksack neu. Das Gewicht war ihm schon vor Monaten unangenehm aufgefallen. Im Februar hatte er sich von einigen Dingen getrennt, aber jetzt war der Schmerz wieder omnipräsent.
|
nach oben springen
|
Wir wanderten zurück aus der Richtung aus der ich kam. Der Wald war sicherlich nicht immer ganz verlassen, auch wenn er auf den ersten Blick unberührt aussah. Hier und da konnte man andere Fußspuren sehen, zwar älter aber vorhanden. Solche Wälder waren längst für alle normal geworden. Nicht mehr nur für solche die wirklich wandern wollten oder irgendwelche Ökofreaks. Nein, Wälder bedeuteten meist Zuflucht, Schutz und darüber hinaus auch etwas zu essen. Und auch wenn ich nicht danach aussah oder so wirkte, wusste ich sehr genau wie es sich anfühlte zu Hungern und auch wie es sich anfühlte Bauchschmerzen vor Hunger zu haben. Vermutlich kannte mittlerweile jeder dieses Gefühl. Ernie lag längst hinter uns und man konnte ihn weder sehen, noch hören. Ich war nicht so verrückt das ich ihm aus Sympathie einen Namen gegeben hatte, sondern einfach weil es mich selbst belustigte. Und Floyds Annahme war auch nicht ganz daneben. Solche feststeckenden Beißer waren ein Orientierungspunkt. Besonders in einem Wald, der zu allen Richtungen gleich aussah. Trotzdem schüttelte ich leicht sarkastisch den Kopf bei den Fragen die @Floyd Webber schon wieder stellte. "Du bist wohl der Einzige der sich sowas fragt. Liegt es nicht auf der Hand?" Für ich schon. Warum sollte man ein System hinterfragen das funktionierte? Nur weil er sich selbst damit nicht assoziieren konnte? Gut das er es nicht musste. "Sicherheit ist dir wirklich ein Fremdwort, he?" Viele kamen zu den Wickes weil sie sich nach Sicherheit sehnten, nach alten Strukturen, oder nach irgendeinem Alltag überhaupt. Viele bekamen ihn und viele bereuten ihren Entschluss schnell wieder. Floyd kannte die offiziellen Räume der Mall, aber nicht was sich im Hintergrund abspielte. Oder er hatte bereits einen Verdacht, wollte diesen aber noch nicht aussprechen. Es war tatsächlich nicht so viel anders als mein Leben in der alten Welt. Nur wenige Unterschiede waren eingetreten und die Gefahren hatten sich leicht verlagert. Aber im Grunde nichts weltbewegendes. Nicht in meiner Welt. Ein Mundwinkel zog sich in die Höhe als meine neue Reisebegleitung kritisierte das es noch immer keine Räumlichkeiten für Händler gab. Obwohl sie genau genommen schon existierten. Nur eben nicht auf die Art die ihm vorschwebte. "Denkst du, ja? Dann kannst du gerne vorschlagen das wir zu den Händlern auch noch Hotels anbieten sollten." Ich schüttelte amüsiert den Kopf. "Zu schade das du anscheinend nie genug dabei hast, denn sonst wüsstest du das es mehr gibt." Alles war eine Frage des Preises. Damals wie heute. Hattest du genug zu bieten, konntest du dir auch ein sicheres Plätzchen in der Mall erkaufen. So war die Welt einfach schon immer gewesen. Wir gingen dabei festen Schrittes weiter und ich konnte ausmachen das Floyd ein wenig zu kämpfen hatte. Allerdings nicht so stark das er um weitere Hilfe bat. Ich betrachtete ihn aus dem Augenwinkel als er mehr Informationen verlangte. Da ich noch gut gelaunt war hatte er Glück, sonst hätte ich ihm die nachfolgende Anspielung doch etwas übel genommen. Jetzt war ich es, die schnaubte. Etwas zu sarkastisch, aber das gehörte fast schon zu meinem Charakter. "Du bist wirklich nicht die hellste Kerze auf der Torte, hm?" Natürlich war Floyd als Händler bekannt und der eine oder andere würde ihn auch mit Sicherheit sofort wiedererkennen, aber das bedeutete nicht das er tun und lassen konnte was er wollte. Noch lange nicht. Ich setzte mich wieder mit strammen Schritten in Bewegung. Vermutlich hatten wir jedoch schon gut die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht. "Sei nicht so naiv." Gab ich ihm unmissverständlich zu verstehen. Ihm sollte doch klar sein das eine solche Menge an Menschen auch einiges erreichen konnte. Geschweige denn verlangen. "Je weniger du auffällst desto mehr Ruhe haben wir einfach. Ich bin keine Krankenschwester und hab auch noch andere Sachen zu erledigen." Was auch kein sonderliches Geheimnis sein sollte. Aber je weniger er wusste, desto besser war es im Grunde für ihn. "Halt dich einfach bedeckt, das ist alles. Denkst du nur weil du es geschafft hast ein halbwegs brauchbarer Händler zu werden, hättest du genug Privilegien um eine Art VIP zu sein?" Ich musste automatisch lachen und schüttelte erneut den Kopf. Er hatte um Hilfe gebeten, nicht um detaillierte Aufklärung der Koloniestrukturen. "Sagen wir einfach, wenn du weiter Händler bleiben willst, verhalte dich aus so." Ich wusste das meine Antworten bloß kryptisch waren und nichts von dem beantwortete das er eigentlich wissen wollte. "Du wirst es schon bemerken...." Ich drehte mich leicht zu ihm um als er seinen Rucksack neu schulterte und legte meinen Daumen unschön in seine Wunde. "Und hör auf mich zu ärgern!" Es gab Tage an denen ich es verschmerzen konnte und eben jene an denen sich mein Gemüt auch schnell ändern konnte. Ich riss ihm den Ruck von der anderen Seite und trug ihn selbst. "Beeil dich, da waren Regenwolken zu sehen." Unnötig zu betonen das ich nicht auch noch nass werden wollte.
|
nach oben springen
|
@Aleksandra Blake
Ihm ging die Nörgelei an seiner Person langsam auf den Sack. Es war das eine, sich über ihn zu amüsieren, aber es war etwas ganz anderes, ihm Naivität zu unterstellen.
Egal, ob es stimmte, oder nicht, er fand nicht, dass er naiv durchs Leben ging. Er war vielleicht nicht immer der Schnellste und Klügste, denn mit einer herausragenden Sportleistung oder einem Highschool-Abschluss konnte er nicht aufwarten, aber er lief ganz bestimmt nicht blauäugig durchs Leben. Das hätte ihm schon in den ersten Wochen der Apokalypse das Leben gekostet.
Er war sich sicher, dass das auch Blake wusste. Sie stichelte, was nicht selten vorkam. Auch er beleidigte sie, so, wie sie es voneinander eben kannten. Sie konnten sich miteinander zoffen, ohne, dass daraus ein schlimmer Streit entstand.
Trotzdem konnte er nicht leugnen, dass sein Nervenkostüm heute äusserst dünn war. Das lag in erster Linie nicht an der Russin, sondern an einem Zustand. Dennoch machten es ihm ihre Worte nicht leichter. Im Gegenteil.
Verstimmt lief er ihr hinterher. Sein Blick verdunkelte sich zunehmend und wann immer sie den Mund öffnete und ihm mit ihrer Meinung entgegnete, wurde seine Anspannung mehr. Irgendwann erreichte sie einen Punkt, an welchem Floyds linkes Auge nervös zu zucken begann. Sein Kiefer spannte sich an, was sein markantes Gesicht noch mehr unterstrich.
Der Rücken schmerzte mittlerweile unablässig und er wusste schon gar nicht mehr, wie er den verdammten Rucksack tragen sollte. Mittlerweile war er stinksauer. Auf Blake. Auf den Rucksack. Auf seine Schmerzen. Als er ausholen wollte und sich vornahm, stehenzubleiben, damit er auf dem Absatz kehrt machen konnte, kam ihm die Ältere aber zuvor. Sie zerrte an seinem Rucksack, den er zögernd losliess, als er begriff, dass sie ihn ihm nur abnehmen wollte, was ihn dazu veranlasste, zwei Ausfallschritte zu tun, damit er sein Gleichgewicht nicht verlor. Bitterböse starrte er sie an, blickte dann aber zum Himmel hinauf. Dieser hatte sich bedrohlich zugezogen. So eine Scheisse.
"Blake, du nervst!", bellte er, bemühte sich aber, nicht langsamer zu werden. Sie hatte einen ganz ordentlichen Sturmschritt drauf. Als würde sie ganz allein in einen Krieg ziehen wollen, komme, was da wolle, und nicht vor einem Unwetter davonlaufen.
"Scheisse nochmal! Hör auf, mich ständig zu beleidigen.", keifte er von der Seite. "Ich bin nicht so dämlich zu glauben, dass ich 'nen besonderen Status hab! Ich habe dich auch nur um Hilfe gebeten, nicht mehr und nicht weniger."
Er holte tief Luft, bevor er sich mit der Hand über sein blasses Gesicht strich. Ihm war immer egal gewesen, mit wem er Tauschgeschäfte machte. Aber die Wicked gehörten schon eher zu den Leuten, die er seltener aufsuchte als andere. Sie waren überheblich, machten andauernd blöde Spässe und schienen Befriedigung darin zu finden, andere einzuschüchtern. Nicht, dass Floyd je eingeschüchtert gewesen wäre, aber angenehme Leutchen waren die Typen nicht gerade.
Floyd verzog mürrisch sein Gesicht, war aber dankbar, dass Blake ihm seinen Rucksack abgenommen hatte. Es fühlte sich so besser an. "Der Winter war eine beschissene Zeit.", murmelte er etwas ruhiger und nicht mehr auf Konfrontation aus. "Hat mich mehr mitgenommen als die letzten Jahre.", gestand er ihr, obwohl er sich sicher war, dass sie sich darüber auch wieder amüsieren würde. Egal. Es war nun einmal Blake, mit der er es hier zu tun hatte. Ein mütterliches Naturell von ihr kannte er gar nicht. Aber eine Freundin war sie dennoch.
"Und nur damit du's weisst, ich werde mich an deine Regeln halten, damit niemand von deinen Leuten auf mich oder dich aufmerksam wird." Er hob beschwichtigend seine Hände. Vielleicht kühlte dieses Zugeständnis Blake ja auch ein bisschen ab.
|
nach oben springen
|
Ich musste unweigerlich vor mich her grinsen als @Floyd Webber meinte das ich nerven würde. Irgendwie war das Sinn der Sache gewesen. Wenn ich auch nur meine Launen an ihm ausließ. Wer gerade mich um Hilfe bat, musste ganz einfach auch damit Leben. Er fiel ein wenig zurück. Nicht besonders viel, aber daran merkte ich ebenfalls das er nicht ganz auf der Höhe war. Floyd übertrieb also nicht was seine Wunde betraf. Egal wie groß oder klein sie war. In der Tat konnten kleinere Wunden sogar sehr viel mehr Kummer und Schmerz bereiten als große. Ich wollte gerade noch etwas zum Besten geben, als er auch direkt loslegte und mich weniger freundlich darum bat ihn nicht mehr zu beleidigen. Was mich wiederum nur erneut zum Grinsen brachte. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt das ich dir helfe und dabei die Klappe halten würde?" Ein kleines und gemeines Lachen war aus meiner Kehle zu hören. Wir waren nicht unbedingt die dicksten Freunde gewesen, aber so gut kannte er mich wohl doch. Ich lief dabei geradewegs einfach weiter. Wir hatten keine Zeit zu verlieren und ich war nicht darauf aus nass zu werden. Wir hielten nur kurz an damit ich Floyd den Rucksack abnehmen konnte. Und auch das ließ er nur mit murren zu. Was ich tatsächlich verstehen konnte. Auch ich wusste wie es war als Reisender auf seine Sachen aufpassen zu müssen. Da draußen konnte alles wichtig werden. Ich zog bei seinem Kommentar die Brauen kurz hoch, auch wenn er es gar nicht sehen konnte. Und obwohl er Recht hatte. Niemand wusste das so sehr wie die Leute, die im Winter draußen waren. Was auch ein Grund war wieso ich mich immer wieder mit den Wicked abgab. Ein relativ warmer Winter. "Der Winter ist immer aggressiv." Nuschelte ich eher für mich selbst dahin. Aus dem Augenwinkel sah ich zurück zu Floyd. Er gab ein jämmerliches Bild ab. "Du wirst ja auch nicht jünger..." Gab ich nur zum Besten und beließ es auch direkt dabei. Eine kleine Stichelei, die gleichzeitig auch eine Wahrheit war. Je älter der Mensch wurde, desto schwieriger wurde einfach alles. Sehr zuvorkommend war ich noch nie gewesen. Obwohl sich mein freiwilliger Patient wohl wundern würde wie zärtlich ich tatsächlich sein konnte. Nur war er leider keiner davon, die es jemals bemerken würden. Ich blieb bei seinen letzten Worten doch kurz stehen und sah zu ihm zurück. Gerade noch rechtzeitig um die Beschwichtigung seiner Hände zu bemerken. Was mich selbst zum Durchatmen und nicken brachte. Im Grunde konnte es mir egal sein was aus Floyd wurde. Ich wusste das er nicht immer so dumm war wie er wirkte, also würde er in seinem Zustand sowieso de kürzeren ziehen. es war weise sich bedeckt zu halten solang man angreifbar war. Und im Ernstfall hatte sich mein Kopf schon gefühlt Tausend Begründungen, wieso er da war, einfallen lassen. Es störte mich dabei herzlich wenig das alles gelogen war, die meisten Leute taten nichts anderes. Allerdings hatten mich seine Worte tatsächlich etwas abgekühlt. "Wir sollten weiter." Gab ich nur dazu und schulterte Floyds Rucksack mit beiden Armen. Irgendwas sagte mir das ich meine Hände noch brauchen würde. Ein Blick in den Himmel verriet mir das es knapp werden könnte. An so etwas wie einen Regenschirm hatte ich gar nicht erst gedacht. Das wäre zwar praktisch gewesen, aber auch unhandlich und lauter. Prasseln auf den Körper oder auf einen Schirm waren komplett verschiedene Dinge. Ich beäugte Floyd noch einmal kurz und befand ihn dafür das er noch gehen konnte. "Ist nicht mehr weit." Gab ich dazu und lief schnellen Schrittes weiter. Was mich kurz daran denken ließ das mein Vater den strammen Schritt bevorzugte, meine Mutter aber gerne gemächlich spazieren ging. Und das beides nicht unbedingt zusammen passte. Wir kamen ein gutes Stück voran, bis ein paar Untote unseren Weg kreuzten. Es waren nur ein paar wenige. In meinen Augen keine große Gefahr. Man musste nur verhindern das sie weitere anlockten. Abgesehen davon konnten sie gute Packesel sein. Was mich auf die Idee brachte einfach einen zu bearbeiten und die Sachen tragen zu lassen. Obwohl es wirklich nicht mehr weit war. "Willst du dich lieber zurückhalten?" Witzelte ich in Floyds Richtung und nickte dann in Richtung der paar Untoten. "Wir können uns ein paar neue Freunde anlachen."
|
nach oben springen
|
Survive Talk
1
| Einfach ein eigenes Forum erstellen |
September: Das Wetter ist noch recht schwül. Temperaturen: 17°C - 26°C