- First Post / Einstieg - Annie setzte sich an den Schreibtisch, warf noch einen Blick auf ihre Notizen und schrieb ein paar Informationen für die nächste Schicht auf. Das hier hatte fast etwas wie Normalität und manchmal konnte sie vergessen, dass da draußen die Hölle tobte. Selbst die Verletzungen, die hier versorgt wurden, waren verhältnismäßig normal und reichten von einem einfachen Beinbruch, weil jemand die Treppe hinunter gestürzt war, bis zu Notfällen wie einer Blinddarmentzündung. Praktisch jede Behandlung war möglich, weil es genügend Vorräte und kluge Köpfe gab, die die Ressourcen einteilten. Trotzdem fanden einige längst veraltete Methoden wieder Einzug und Annie, die so viel daran gesetzt hatte, ihre Ausbildung mit Bravur zu meistern, musste lernen zu improvisieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen, als wäre sie wieder in den ersten Monaten mit ihren Kollegen unterwegs.
Sie mochte das, was sie hier tat, denn es gab ihr die Möglichkeit, sich in der Gemeinschaft einzubringen und die Ruhe, die sie in den letzten Monaten hatte, tat ihr gut. Auch, wenn Annie sich eingestehen musste, dass die vergangenen Jahre nicht spurlos an ihr vorüber gegangen waren und langsam wollte sie wirklich sesshaft werden.
Noch immer in Gedanken und Erinnerungen vertieft, klappte sie die Akte zusammen und packte ihre Tasche mit ein paar Habseligkeiten, um dann den Weg zu ihrem Zuhause anzutreten.
Eingehüllt in ihren ehemals hellen Mantel trat sie an die frische Luft und atmete durch. Es war kühl, der Boden noch feucht vom Regen der letzten Tage und irgendwie wünschte sie sich den Sommer herbei. Früher hatte sie es geliebt, in der Sonne zu liegen und an nichts denken zu müssen ...
Heute war jede Unaufmerksamkeit potentiell tödlich, das hatten ihr die Treffen in der Vergangenheit gezeigt und dabei hatte sie noch verdammt großes Glück gehabt. Annie sah sich um, es war erst Mittag und hier und dort grüßte sie, wenn ihr jemand entgegen kam. Als sie schon fast am Ziel war, hielt sie inne. In einiger Entfernung konnte sie eine Person erkennen - eigentlich sogar zwei - die ihr auf eine seltsame Art vertraut war. Negan. Anscheinend meinte das Schicksal es ziemlich gut mit ihnen, denn ihre Wege kreuzten sich immer wieder und ihm verdankte sie, dass sie hier nun ein echtes Zuhause gefunden hatte. Noch immer konnte sie den Mann nicht ganz ergründen. Sie hatte zwei Seiten an ihm kennen gelernt, die unterschiedlicher nicht hätten sein können und dadurch wirkte er unberechenbar, obwohl sie ihn inzwischen zu ihren Freunden zählte.
Einen kurzen Augenblick beobachtete sie die beiden und zögerte, erst, als sie glaubte, dass Negan in ihre Richtung sah, hob sie grüßend die Hand und lächelte.
@Negan Smith