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WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
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01.01.26 Frohes neues Jahr!
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Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
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We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Nachdem beide in dieser Hütte verweilt hatten, waren sie am nächsten Tag gemeinsam nach Balar gelaufen. Auch wenn diese Nähe noch immer ungewohnt war, gewöhnte sich Louve an den Gedanken langsam, ihre Schwester wieder bei sich zu haben. Alles war so ein durcheinander in ihrem Kopf und der Gefühlswelt, dass sie zunächst den Winter in Balar verbracht hatte. Zwar nicht die ganze Zeit oder nah bei den anderen, aber sie blieb so lange ihre Ungeduld und Angst es ertragen konnte. Sie lernte neue sowie auch alte Gesichter kennen und auch die Retterin ihrer Schwester. Wenn man es selbst nicht besser gewusst hätte, würde man meinen sie kam damit zurecht hier zu leben. In ihrem Inneren sah es jedoch von Minute Eins anders aus. Jeder krach, brachte das Gleichgewicht, auf welchen sie sich selbst bewegte zum Wanken. Jedes Lachen, jeder Schrei ließ in ihrem Kopf immer wieder diese Szene und Geräusche abspielen. Es war verrückt, wenn man betrachtete, dass dies auch Jahre zurücklag. Auch hier fand sie kaum eine lange oder gar ruhige Nacht. Wenn es ganz und gar nicht ging, flüchtete Louve nach draußen in den Wald. All die Menschen machten sie nervös und da sie niemanden so wirklich kannte, war die Angst in ihr einfach zu groß, dass es wieder dazuführen würde, irgendwo gefangen in einer "Zelle" aufzuwachen. Die Themen von diesem Abend waren irgendwie immer wieder Gesprächsthema. Sei es nun das Louve Mutter werden sollte, da Riana gerne eine sein wollte. Oder gar das Thema Ivar und sie, schließlich hatte sie das ja bei diesem Fest deutlich gesehen. Oder gar andere Dinge wie dass sie ein Haustier brauchte, was sie bemuttern sollte.
Der Somme zog langsam, aber sicher ein, die Nächte waren wieder wärmer und Louve hatte sich immer wieder dazu entschieden draußen zu schlafen, um der wachsenden Nervosität zu entfliehen. Immer wieder hatte sie es versucht, doch sie konnte einfach nicht. Unter diesem Druck, unter welchen sie stand, welchen sie sich selbst zugefügt hatte, litt aber auch wiederum die Nähe zu ihrer Schwester. Auch wenn sie ihr nah sein wollte, um sie besser kennenzulernen, konnte sie es nicht. Sie hatte Angst sie erneut zu verlieren, dass erneut etwas über sie einbrach, weswegen sie selbst darunter litt. Sie wollte Riana keinen Schaden zufügen, nicht noch einmal. Sie wusste mittlerweile, wie sehr sie darunter gelitten hatte und gab sie wie so oft selbst die Schuld daran. Sie hätte besser auf ihre Schwestern aufpassen müssen, damals sowie heute. Sie versuchte den Abstand zu wahren, auch wenn es ihr immer schwerfiel. Sie hatte einfach nur Angst, Angst davor erneut aufzuwachen als wäre das alles nur ein blöder Traum, so als würde sie in einem Delirium liegen und sich das erträumen, was sie selbst am meisten wollte. Der Verstand war schließlich etwas Verrücktes. Louve wollte sich gerade von ihrem Schlafplatz vor Balar zu ihrer Schwester begeben, als sie ein Geräusch vernahm. Es war nichts Lautes und eher unterschwellig, aber irgendwas schien da zu laufen oder besser gesagt es zu versuchen. Das hohe Mauzen zweier Katzen hingegen vernahm sie sofort. Louve drehte sich mit einem Beil in der Hand um und entdeckte nichts weiter, als zwei Katzenbabys. Deren Mutter schien verschollen, zumindest nahm sie das an, denn sie war weit und breit nicht zu erkennen. Louve ließ ihre Waffe sinken, ehe sie die beiden hochhob und sich die Graue Katze sowie die Grauweiße ansah. Lächelnd betrachtete sie die beiden, ehe ihr eine Idee kam. Die kleinen hatten wohl niemanden mehr, doch zwei Katzen für sie allein, das würde sie hier draußen, wohl nicht so lange schaffen. Aber zumindest wäre es die erste Gelegenheit zu versuchen auch in Balar zu bleiben. Es war nicht so, dass Louve Balar nicht mochte, ganz und gar nicht, aber ihr Kopf spielte ihr Streiche, ließ etwas hören, was nicht da war. Oder zumindest war es die Angst vor Menschen, die sie das glauben ließen. Schließlich hatte sie zumindest den Gedanken wegen der Katzen willen und ihrer Schwester, dass sie sich so zwingen musste. Sie musste es versuchen, wollte es auch, auch wenn die Angst in ihren Knochen steckte. Riana konnte sie noch nichts darüber sagen, sie hatte doch genug damit zu tun, was sie die Jahre erlebt hatte. In ihren Augen sah sie einfach noch immer ihre kleine Schwester, sie konnte ihr das nicht antun, mit dem Wissen plagen, was sie erlebt hatte. Louve lief mit den beiden Katzen auf dem Arm nach Balar, einige begrüßten sie und sie lächelte freundlich zurück, zumindest versuchte sie es. Ehe sie sich zum Haus von Riana machte, um ihr den Fund zu zeigen. Sie drückte die Tür auf, und sah mit einem nahezu kindlichen Glitzern hinein, die beiden Katzen hatten es ihr angetan, zwei Schwestern auf einer langen Reise. "Ich habe zwei Katzen gefunden, ich empfehle beide zu behalten" verkündete sie dann grinsend und hielt die beiden hoch. Sie schloss die Tür hinter sich und setzte sich auf einen der Stühle, ehe sie die beiden ansah. "Haben wir Milch da? Ich glaube, die beiden brauchen etwas zu essen" fragte Louve dann lächelnd und sah zu ihrer Schwester rauf. Schließlich kam sie immer wieder zu ihr ins Bett gekrochen, wenn sie nicht zufällig woanders war. Das Thema jedoch schnitt sie nur dann an, wenn sie ihre Schwester etwas ärgern wollte. Im Grunde entwickelte sich das Verhältnis von Monat zu Monat, doch hielt Louve sie bewusst noch immer auf Abstand, um ihr nicht mehr Schmerzen zuzufügen, die sie eh schon jahrelang gehabt hatte. "Erstes auf der Checkliste habe ich nun. Ein Haustier zum Bemuttern, da es zwei sind, teile ich gerne, sofern Kiana nichts gegen Katzen hat? Ich schätze, Ivar wird sie mögen, gier laufen ja schließlich genug rum" jetzt musste Louve grinsen, was selten geworden war, und vorerst nur Riana zusehen bekommen hatte, strahlte sie schon förmlich. In der Hoffnung, dass es irgendwie alles besser machen würde. Sie konnte sich dadurch mal um jemand anderen kümmern, um dann vielleicht auch sich selbst wieder auf die Beine zu bringen. Sie konnte nur hoffen, dass es klappte, denn sie merkte selbst, dass es nicht mehr so weiter gehen konnte.
@Riana Livet
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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Mittlerweile war der Sommer ins Land hineingebrochen; die Tage wurden immer länger und die Nächte immer wärmer. Seit nun knappen sechs Monaten war die junge Livet ein Teil Balar Islands geworden und hatte tatsächlich ihr Nomadensein gegen das Leben auf der Insel eingetauscht. Verrückt – mehr fiel ihr auch jetzt dazu nicht ein. Jahrelang hatte sie sich gesträubt, Kolonien zu besuchen, hatte gar eine Furcht entwickelt, auch nur das Gelände von ihnen zu betreten. Sie hatte ihre Gründe gehabt, einige Gründe… Irgendwie war sie auch der festen Überzeugung gewesen, so die Suche nach ihrer Schwester aufgeben zu müssen, sie zu verpassen… Am Ende war sie Mitglied geworden und hatte durch puren Zufall während eines Schneesturms vor Louve gestanden… oder eher ihre Schwester vor sie. Ihre Freunde – ganz vorne Leif, Virgil und Ivar hatten ihr das Leben Balars gezeigt und ihr die Ängste genommen. Sie war ihnen dankbar, wahnsinnig dankbar und war froh, dass sie diese in ihr Leben getreten war. Vor allem der Kolonieanführer hatte am Ende sich doch auf eine ganz spezielle Art und Weise in ihr Herz geschlichen, auch wenn sie es offen wohl vor niemanden zugeben würde.
Ja… Es war schon verrückt, was alles passiert war und wie ihr Leben, wie ihr Alltag sich komplett geändert hatte. Für die Französin war es eine große Umstellung gewesen und sie hatte noch einmal einige Wochen und Monate gebraucht, bis sie sich an das Kolonieleben gewöhnt hatte. Wobei sie selbst jetzt sagen musste, dass es immer noch Situationen gab, wo sie sich einfach… anders verhielt, die ihr nicht lagen – wie z.B. große Menschenansammlungen –, weil sie schlichtweg so etwas nicht kannte und es nicht gewöhnt war.
Die letzte Zeit war ziemlich ruhig gewesen und ein eher trister Alltag hatte sich auf der Insel eingespielt. Vor knappen zwei Monaten hatte Ivar ihr den Posten der Anführer der Krieger erteilt, woraufhin sich ihre Kolonieaufgaben noch einmal gewissermaßen verändert hatten. Noch so etwas, womit sie eigentlich gar nicht gerechnet hatte. Es war eine Ehre für sie – zweifelsohne –, doch sie selbst hätte sich so eine wichtige Aufgabe wohl eher weniger gegeben. Dennoch gab sie selbstverständlich ihr Bestes und koordinierte alles in der Kolonie, was mit diesem Bereich zu tun hatte – inklusive den wöchentlichen Berichten gegenüber ihres Anführers, mit welchem sie sowieso ziemlich viel… Zeit verbrachte.
Gewissermaßen gab ihr diese Aufgabe auch etwas… Ablenkung, denn es gab da etwas oder viel mehr jemand, weswegen sich die Französin in letzter Zeit nicht nur einmal den Kopf zerbrochen hatte. Seit ihrem Wiedersehen mit Louve hatte sie diese tatsächlich nur relativ selten gewesen. Zu Anfang war es mehr und in den letzten Wochen hatte es stetig immer mehr abgenommen. Riana konnte sich nicht sagen warum, machte sich gar Vorwürfe, dass sie irgendetwas falsch gemacht hatte. Sie machte sich Sorgen. Sorgen um ihre Schwester, dass ihr irgendetwas passieren würde und sie sie noch ein weiteres Mal verlor. Verrückt – auch das konnte sie hier sagen. Sie konnte ihren Standpunkt gut verstehen, dass diese doch lieber bei ihrem Nomadenleben bleiben würde… aber… Langsam blinzelte die Dunkelhaarige und stieß kaum hörbar die Luft aus, während sie die gerade gespülten Gläser in den Schrank stellte. Ja, es beschäftigte sie irgendwie pausenlos, dass die älteste Livet sich ihr gegenüber immer weiter zurückzog. Irgendetwas musste Louve doch auf dem Herzen liegen – und es schmerzte sie, dass sie an dieser Stelle anscheinend nicht für sie da sein konnte.
Ihre beste Freundin, Kiana, war am Morgen gegangen, um ihren Freund zu besuchen, so dass sie selbst allein in der Hütte war und sich versuchte, mit dem Haushalt etwas abzulenken. Warum kam ihr gerade eigentlich alles so… komisch vor? Der Griff um das eine Glas verstärkte sich für einen Moment, ehe sie es mit einem dumpfen Geräusch auf dem Tisch abstellte. Ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass sie noch einiges an Zeit hatte, bis sie sich mit Ivar in der Burg traf. Vielleicht sollte sie einfach früher ins Zentrum der Kolonie gehen? Schauen, ob irgendetwas interessantes am Markt war…? Die Dunkelhaarige stieß geräuschvoll die Luft aus und rollte mit den Augen. Irgendwie war gerade doch alles… unbefriedigend.
Ein plötzliches Geräusch an ihrer Veranda ließ ihre Gedanken unterbrechen. Kiana war doch… weg? Bekam sie Besuch? Sie war gerade einmal bis zum Flur gekommen, als die Tür mit einem Ruck aufgestoßen wurde und… Fragend hob die Livet die Augenbrauen, als auf einmal ihre Schwester vor ihr stand – mit zwei kleinen Katzen im Arm. „Louve!“, war das einzige, was sie hervorbrachte und sah zwischen der Ältere und den Tieren hin- und hersah. „Es freut mich auch wahnsinnig dich zu sehen. Ja, mir geht es gut. Ich hoffe, dir doch auch?“ Nun schlich sich doch ein leichtes Schmunzeln auf ihre Lippen. „Was hast du denn mit diesem Überfall hier vor?“
Bei der Frage nach der Milch sah sie fast automatisch zur Küche zurück und neigte den Kopf leicht. „Magst du mir verraten, wo du die gefunden hast? Und was du vor hast mir ihnen? Und…“ Überlegend fuhr sie sich durch ihre langen Haare. „Milch ist für so kleine Kätzchen glaube eher weniger gut. Also keine Kuhmilch… Die Farmen sind hier in der Nähe und die haben auch Katzen dort. Wir könnten sicher fragen, ob die etwas haben“, schlug sie stattdessen vor. „Du kannst sie aber gerne runter lassen. Ich habe keine Türen, Fenster oder so mehr auf.“
Immer noch relativ überrumpelt von diesem plötzlichen Besuch schüttelte sie den Kopf. „Nein, also keine Ahnung. Ich habe zumindest noch nicht mitbekommen, dass sie irgendetwas gegen Katzen hat. Und Ivar...“ Das ließ sie an dieser Stelle lieber mal unkommentiert.
@Louve Livet

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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
In der letzten Zeit, wo der Somme einfach angefangen hatte den Winter langsam hinter sich zu lassen, war Louve eher für sich. Wie fast immer. Menschenmassen konnte sie nicht lange ertragen, nicht die lauten Gespräche, nicht das Lachen. Nach solchen Tagen war sie einfach auf einem Energielevel, von welchen sie sich erst einmal erholen musste. Ihr Körper spannte sich regelrecht an. Die Nächte nach solchen Tagen schienen schlimmer zu sein, als die anderen. Es war einfach ein Überlebensinstinkt, der sie vor einem Ertrinken rettet, vor dem sie sich bereits gerettet hatte.
Ihrer Schwester von dieser Zeit zu erzählen, kam ihr nicht in den Sinn. Auch wenn sie diese dadurch von sich schob, wollte sie ihr nicht noch die Last aufbinden, welche sie schon seit 13 Jahren mit sich schleppte. Schließlich war das eine Sache, die Louve selbst bereinigen musste. Das die Katzen ihr da gerade recht kommen, ahnte sie selbst noch nicht, aber so konnte sie sich aufraffen mal häufiger aufzustehen, als sie es in den letzten Tagen oder gar Wochen gemacht hatte.
Auf die Frage wie es ihr ging, wich Louve einfach gekonnt aus, eine Frage, die sie eher ungern beantwortete. Gingen es einem gut, war die Qual noch nicht gut genug gewesen. Ein Lernprozess, der in ihrem Hirn verankert worden war. Lachte man, war es ähnlich. Man hatte nichts zu lachen, die Schläge wurden härter. Sie betrachtete die beiden Kätzchen und sah grinsend zu ihrer Schwester.
"Ich habe gerade Essen gemacht und da hörte ich etwas Knacken und dann kamen die beiden hier, zum vorschein. Und ihre Mom lag mit zwei weiteren Tod und ausgemagert nicht unweit von ihnen" meinte sie dann ehrlich. Über Tod und Gebrechen hingegen war es einfach für sie zu sprechen. Schließlich hatte sie das in den letzten Jahren oft genug gesehen und gespürt. Weswegen es wohl einfacher war so etwas Preis zu geben, als sie eigenen Gefühle. Und gerade jetzt in dem Moment konnte sie wirklich alles andere ausblenden. Etwas was Louve eher selten konnte, doch heute schien einer der guten Tage zu sein. Ober lag es eher daran, dass sie zwei kleine warme Körper auf ihrem Arm hatte.
"Na dann sollten wir dort mal hin. Ich glaube, die beiden brauche wirklich dringend was zu Essen" meinte sie überschwänglich und voller Euphorie. Was bei ihr nun wirklich selten war, aber sie wollten den beiden zumindest eine bessere Welt bieten. Und das war einfach, auch in dieser Welt. Schließlich musste nicht jeder abgemagert und verhungernd auf die nächste Ration Brot und Wasser warten. Und wenn die Farmen hier schließlich etwas, für die beiden hatten, dann war es einfacher. Kurz darauf ließ sie die beiden hinunter und blickte ihnen grinsend zu, wie sie vorsichtig die neue Umgebung betrachteten und wackelig, wie sie ab und an noch waren, über den Boden liefen.
"Dann wird sie auch nichts dagegen haben können" meinte sie lachend und legte dann den Arm um die jüngere, ehe sie mit ihr aus dem Haus lief und die Tür schnell zu zog. "Prinz Ivar bekommt auch noch eine" scherzte sie dabei und musste das kichern vergeben, ehe sie mit ihrer Schwester zu den Farmen lief. Zwar holte sie kurz darauf schnell wieder der Alltag ein, aber sie riss sich zumindest etwas zusammen, um nicht wieder die Flucht zu ergreifen. "Du lebst ihr Schwesterchen, ich hab nichts zum Eintauschen hier, und die Katzen gibts nicht" meinte sie leise und mit einem grinsen auf den Lippen, ehe sie diese leicht vorschob und sich leicht hinter ihrer größeren Schwester stellte. Ab und an war es doch einfacher, dass sie größer war, als Louve selbst, so konnte sie sich gut hinter ihr Verstecken und allen fragen aus dem Weg gehen.
Mittlerweile kannte sie Balar etwas mehr, waren die Menschen hier freundlichen und offen, doch auch verdammt laut. Nichts was sie jemanden absprechen wollte, jedoch auch nichts was ihre Ohren wirklich gut ertrugen. Aber im großen und ganzem, konnte man sich wohlfühlen. Auch wenn Louve noch nicht ganz bereit war diesen Schritt zu gehen, versuchte sie es zumindest das ein oder andere Mal. Zumindest kannte sie schon Orte, wo man sich verkriechen konnte, wo man ungestört war und wo man flüchten konnte. Das Erste, was sie getan hatte und wonach sie sich umgesehen hatte. Jedes Mal dachte sie daran, um jeden erdenklichen Mist durchzuspielen.
Louve sah sich auf der Farm wie immer, wenn sie irgendwo war, wo sie noch nicht war um. Sie hatte sie bereits gesehen, aber hatte noch keinen Anlass hier zu sein, eine Farm stank und das tat sie hier auch. Sie rümpfte kurz die Nase und legte ihr Kinn leicht auf die Schulter ihrer Schwester, wo sie ein Glück ohne Probleme ran kam. "Ich hasse Bauernhöfe... habe ich immer und nun schleppe ich dich auch hier her, um den Geruch zu ertragen" scherzte sie belustigt. Schließlich war das vollkommen normal und sie hatte schlimmeres gerochen als das hier. Dabei ging ihr Blick nach oben, während sie sich die Decke anschaute. Einfach nur für ihr eigenes Wohlbefinden oder gar ihre eigene Sicherheit. Schließlich wusste man ja nie, ob die Decke nicht einstürzen konnte, solche Gedanken machte sie sich tatsächlich über jedes Gebäude, obwohl sie bei jedem Gebäude hier keine Angst haben musste.
@Riana Livet
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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Dass ihrer Schwester irgendetwas beschäftigte – und das nicht erst seit gestern –, das war Riana schon lange klar. Da war etwas… das konnte sie ihr ansehen. Zwar mochten sie sich mehr als zehn Jahre nicht gesehen haben und hatten sich erst wenige Monate wieder, aber dennoch konnte die Französin die Ältere in dieser Hinsicht fast wie ein offenes Buch lesen – jedoch konnte sie nicht sagen, was da war… Und das war etwas, was sie… beschäftigte, gar schon… ärgerte. Sie machte sich Sorgen, ziemliche Sorgen, und es missfiel ihr, dass sie Louve so sah und ihr nicht helfen konnte… Dabei waren die Schwestern sich doch ziemlich ähnlich und Ria konnte in einem gewissen Maße ihr Auftreten wirklich gut verstehen – so war auch sie sehr lange allein gewesen, musste sich erstmal an die ganzen Menschen in der Kolonie gewöhnen, auch wenn sie sie großen Feiern irgendwie immer noch nicht so ganz… ertragen konnte.
Ungewollt beschäftigte sie dieses Thema mehr als sie dachte und so blieb der Versuch, sich mit Hausarbeit abzulenken, nur bei einem… Versuch. Und kaum hatte sie den letzten Gedanken stumm ausgesprochen, hatte ein Geräusch ihre Aufmerksamkeit eingenommen und siehe da… Louve stand vor ihr. Kaum merklich hatte die Dunkelhaarige vor Erleichterung die Schultern sinken lassen – sie wusste gar nicht mehr, wann sie die Ältere das letzte Mal gesehen hatte. Dann war überhaupt erst ihr Blick zu den beiden Kätzchen gefallen, die Louve halb unter der Jacke versteckt hatte, und die Fragen standen ihr fast wortwörtlich in ihrem Gesicht geschrieben. Immer wieder fiel ihr Blick hinab zu den Fellknäulen. Es entging ihr nicht, dass Louve ihre Frage zu ihrem Wohlbefinden nicht beantwortete und stattdessen direkt auf die Tiere zu sprechen kam, dennoch sagte sie an dieser Stelle nichts dazu und ließ sie erst einmal reden. Die junge Livet runzelte die Stirn. „Oh, nicht schön“, murmelte sie, nachdem sie von dem Schicksal erfahren hatte. Man konnte das jetzige Leben mit dem vor der Apokalypse überhaupt nicht mehr vergleichen… und das betraf auch die Tierwelt. Es war nicht selten, dass sie auf diverse Art und Weise verendete Tiere erblickte, wenn sie draußen unterwegs war. Auch sie hatten es nicht sonderlich leicht…
Wieder sah sie auf zu der Braunhaarigen und musterte für einen Moment ihre Gesichtszüge, ehe sie mit einem Nicken zustimmte. Allerdings, sie sollten dann wohl demnächst die Farmen aufsuchen. Die plötzliche Euphorie, die ihre Schwester ihr entgegenbrachte, entging ihr ebenso nicht; auch, dass sie fast schon wie ausgewechselt wirkte und keinesfalls so drauf war wie beim letzten Treffen. Das alles hinterließ… Fragen? Fragen, auf die sie gerade keine Antworten hatte.
Nachdem die Französin bestätigt hatte, dass sie keinerlei offene Türen oder Fenster nach draußen hatte, setzte Louve die Katzen auch direkt auf den Boden ab, worauf diese vorsichtig über den Holzboden schlichen und versuchten, sich in der ungewohnten Umgebung zu orientieren. Auf wie alt würde sie sie schätzen? Keine Ahnung, sie war keine Katzenbesitzerin. Aber wenn sie die Größe der Samtpfoten musterte, dann dürften es wenige Wochen sein.
Mehr oder weniger überrumpelt wurde Riana auch schon direkt im Anschluss aus ihrem Haus geschoben, worauf sie nur fragend und blinzelnd zu der ältesten Livet-Schwester sah. Langsam wandte sie sich aus dem umgelegten Arm und nahm etwas Abstand zu ihr ein, öffnete den Mund, schloss diesen aber dann direkt wieder. „Nenn ihn nicht so“, kommentierte sie Ivars Spitznamen und richtete ihren Blick gerade aus, als sie anfingen, den Hügel hinauf zu gehen. „Außerdem hat er schon Ziegen… und sämtliche andere Tiere. Und eine volle Burg.“ Zudem wusste sie absolut nicht, wie er zu den Samtpfoten stehen würde… wobei wenn er schon einen Tiger in der Nähe gehabt hatte, dann konnten diese eigentlich gar nicht so… schlecht sein. „Und wie stellst du dir das vor? Du möchtest mir eine Katze schenken und besuchst dann deine immer mal wieder?“
Mit einem leisen Seufzer ließ sie sich an der Farm schlussendlich nach vorne schieben, sagte aber nichts dazu, denn Recht hatte Louve an dieser Stelle. Für Riana selbst waren solche Handlungen doch einfacher zu erledigen. Das war auch etwas, woran sie sich zunächst hatte… gewöhnen müssen, dass es so eine große Gemeinschaft gab, die irgendwie immer für den anderen da war. Die Dunkelhaarige tätschelte kurz den Kopf, als ihre Schwester ihren auf ihrer Schulter ablegte. „Du klingst gerade wie so ein richtig verwöhntes Stadtkind, weißt du das eigentlich?“, stellte sie mit keinem ernstgemeinten Unterton fest und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Warte, ich suche irgendwen.“ Kaum hatte sie das ausgesprochen, verschwand die Livet auch durch eine Stallgasse.
Wenig später kehrte sie wieder zurück und hielt in der einen Hand eine Flasche mit einer weißen Flüssigkeit und in der anderen Nassfutter für die Katzen. „Wir sollen schauen, was sie davon annehmen. Ich soll sie später zu unserem Tierarzt bringen und er checkt die beiden einmal durch“, brachte Ria sie auf den neusten Stand und drückte ihr das Futter in die Hand. „Dann lass uns wieder zurückgehen. Nicht, dass du noch vor diesem Geruch umkippst und die Dinger mir das Haus zerlegen.“
@Louve Livet

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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Wenn man Louve direkt fragen würde, würde sie wohl nie die Wahrheit sagen können. War sie in der Kürze der Gefangenschaft, welche ihr wie eine Ewigkeit vorkam, nie danach gefragt worden. Wenn doch schien es ihr zu gut zu gehen und das musste geändert werden. Offen darüber sprechen verband sie automatisch immer mit der Angst, dass etwas Schlimmes passieren würde. Auch wenn sie immer wieder sah, wie sehr das ihrer Schwester missfiel, wollte sie diese nicht wieder in ein Loch reißen. Schließlich hatte sie Sorge, dass so etwas passieren würde, auch wenn sie versuchte sie nicht zu verletzten, merkte sie, dass die jüngere dadurch verletzt wurde. Auch wenn sie versuchte sie fern von Ihrer komischen verkorksten Gedankenwelt zu lassen, war es auch immer das, was sie immer weiter auseinander treiben ließ. Das begriff die ältere nur einfach nicht so ganz. Auf dem Weg zur Farm sah sie sich dabei immer mal wieder um, betrachtete die Landschaft, der Häuser, während sie den Hügel hinaufgelaufen waren.
Oben angekommen, versuchte sie die Stimmung etwas zu lockern, doch ihre Schwester schien gar nicht in der Stimmung zu sein, weswegen sie innerlich etwas seufzte. Schweigend wartete sie auf die Rückkehr ihrer Schwester, ehe sie das Futter entgegennahm und etwas nickte. "Nun, das sollten wir hinbekommen" stimmte sie ruhig zu und wand sich auf dem Absatz um, ehe sie langsam zurückging. "Ich habe nie gesagt, dass du sie nehmen musst" meinte sie dann genauso ruhig wie zuvor und senkte ihren Blick auf den Boden, ehe sie einen tiefen Atemzug nahm. "Spucks aus, was willst du mir den Kopf schmeißen" meinte sie dann und sah ihre Schwester an. Sie wusste, dass dort etwas brodelte, immer wieder und sie ahnte schon, was es war. Es war trotz der langen Trennung nicht so, als würde sie diesen Blick nicht kennen. Ein Trotz und Ärger der in ihrem Blick lag, so sehr sie es versuchte, es half nichts. Das erinnerte sie immer an ihre Mutter, sie genau den gleichen Blick hatte. Weswegen es wohl einfach war, das herauszufinden. Sie wand dann den Blick wieder ab und lief den Hügel wieder rauf. Denselben Weg, den sie zuvor gegangen waren, nahm sie zurück und erreicht das Haus, ehe sie kurz lauschte, ob irgendwas am Umfallen war.
Doch es schien ruhig zu sein, zumindest etwas. Wenn jetzt noch was zu Bruch gegangen wäre, wäre ihre Schwester wohl an die Decke gegangen. Sie würde es schon ertragen sich das anzuhören, es war schließlich nicht ganz falsch gewesen. Auch wusste sie, dass sie zumindest das nicht in aller Öffentlichkeit tun würde. Riana schien nach wie vor ungern im Mittelpunkt zu stehen, das hatte sie an Ostern bemerkte. Sie drückte sie Tür langsam auf und sah ihre Schwester an, ehe sie hineinlief. Sie ahnte schon, dass, es entweder eine Standpauke geben würde, oder das Schweigen, welches sie in letzter Zeit ihrer Schwester entgegengebracht hatte. Wenn sie dabei nur wüsste, wieso sie das tat, wäre es einfacher, aber ob sie es verstand, war die andere Frage. Louve schien den letzten Schritt nicht wagen zu wollen, bei dem Gedanken fühlte sie sich alles andere als wohl, aber es schien keinen Ausweg zu geben. Sie Sorgenfalte auf ihrer Stirn wurde tiefer und größer, ehe sie sich langsam auf den Boden setzte und mit dem Futter in der Hand spielte, die Tüten quetschte und auf diese hinuntersah. Sie versuchte das zusammenzufassen was passiert war, dabei war es viel, viel zu viel. Immer und immer wieder jede Nacht zu sehen und nun auch noch laut auszusprechen.
"Ich kann nicht schlafen, und wenn ich es tue, höre ich diese endlosen Schreie" fing sie leise an und konnte den Blick nicht heben, sie heftete diesen auf eine Stelle auf den Boden, während ihre Atmung flach ging, während sie versuchte die richtigen Worte zu fassen, das zu beschreiben was passiert war. "Ein Zimmer, gefüllt mit Menschen, die wie Vieh behandelt worden waren. Die als unwürdig gesehen wurden. Wir wurden nur am Leben gehalten, um verkauft zu werden" sie schluckte hart. Er harten Realität in die Augen zu sehen, ließ sie erschaudern. Tränen hatte sie in ihrem Blick voller Bitterkeit nicht mehr übrig. "Geschwächt von den Misshandlungen, von den Schmerzen und Schlägen haben wir alle nur versucht zu überleben. Jeder fing an, den ein oder anderen zu verraten. Je mehr ich mich zurückzog, desto kleiner wurde ich. Ich höre meine eigenen Schreie jede Nacht aufs neue. Und dann sehe ich dieses kleine Mädchen... als ich geflohen bin, musste ich sie zurücklassen. Ich war egoistisch genug zu glauben, dass sie es schaffen würde. Was aus ihr wurde, weiß ich nicht" ihre Stimme war kaum mehr als ein flüstern geworden, als sie die letzten Worte mit einem leeren Blick aussprach.
"Diese Händler sind verstreut, irgendwo da draußen. Abel meinte, sie seien zerschlagen worden. Auch wenn ich ihm glaube, glaube ich nicht das sie ruhen werden" gab sie leise von sich und zuckte etwas mit der Schulter und kraulte das kleine Fellknäuel vor sich und nahm kurz darauf einen tiefen Atemzug, ehe sie ihren Blick hob. "Das willst du dir nicht ansehen, nicht jede Nacht. Nicht jede Panikattacke, die von einem einfachen zuknallen der Tür hervorgerufen wird. Menschenmassen sind ein Kraftakt für mich, um mich nicht in dieses kleine zusammengerollte etwas zu verwandeln. Du solltest dich um dich kümmern und nicht um deine ältere Schwester, das ist meine Aufgabe. Und deswegen halte ich dich fern" erklärte sie ihrer Schwester, weil sie genau wusste und sah, was wie es ihrer Schwester damit ging.
@Riana Livet
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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Da war irgendwas und vermutlich sogar nicht nur irgendwas, sondern auch etwas größeres. Der festen Meinung war die Dunkelhaarige schon seit längerem und allein das heutige Treffen mit ihrer Schwester bestätigte ihr dieses unangenehme Bauchgefühl eigentlich nur noch ein weiteres mal. Es gefiel Riana absolut nicht, sie so zu sehen und mit der Stille von ihr litt sie auch still und heimlich mit. Was sie dagegen tun konnte? Das wusste sie zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nicht. So weit war sie noch nicht gekommen… und ja, vielleicht spielte auch die lange Abwesenheit, in der sich die beiden Livet’s verloren hatten, auch eine gewisse Rolle.
Der Weg zu den Farmen war doch eher… kühl gewesen, was eventuell auch ein stückweit an der… Überforderung der Französin lag. Sie wusste noch nicht einmal warum, konnte das nicht so richtig begründen, aber irgendwie war diese einfach… da. So verabschiedete sie sich relativ zügig und ging in dem Stallgebäude Ausschau halten nach einem zugehörigen Mitarbeiter. Zu ihrem Glück war tatsächlich ein etwas älterer Herr anwesend, der ihr direkt weiterhelfen konnte, und so kam Riana nach ein paar Minuten mit voll bepackten Armen zurück und reichte der Älteren ein Teil des Futters. Nachdem sie diese auf den aktuellen Stand gebracht hatten, traten sie auch schon wieder den Heimweg an und liefen den Hügel wieder hinab. Bei Louves Kommentar seufzte sie kaum hörbar und strich sich eine verirrte Strähne wieder zurück hinters Ohr. „Also so habe ich das jetzt eben auch nicht gesagt“, erwiderte sie daraufhin und schüttelte den Kopf. „Das kommt nur alles plötzlich jetzt und ich habe auch keinerlei Ahnung, ob Kiana damit einverstanden ist.“ Immerhin war diese doch ihre Mitbewohnerin und hatte ein großes Recht, da mitzuentscheiden. Und sie wusste nicht, ob sie sich mit dem Gedanken anfreunden könnte, ein Haustier zu haben. Klar, Katzen waren süß und sie mochte sie, aber sie wusste eben nicht, wie sie mit dieser Verantwortung klar kommen würde. Ja, so doof es klang, eine Achtundzwanzigjährige machte sich Sorgen darüber, dass sie zwei Katzen nicht gerecht werden konnte. Im gleichen Atemzug wusste sie aber auch, dass es für Louve als Nomadin sehr schwer werden würde, diese beiden Fellknäule mit sich herumzuschleppen. Wieder einmal kam ein leiser Seufzer über ihre Lippen, aber sie sagte zumindest gerade nichts weiteres zu diesem Thema. Als ihre Schwester dann das Gespräch umlenkte, blieb Riana für einen Moment fast schon irritiert stehen und blickte zu ihr. Das war jetzt auch eher… überraschend gewesen, zeigte ihr aber gleichzeitig, dass auch sie selbst gerade… anders wirkte? Die junge Livet schüttelte erneut kaum merklich mit dem Kopf. „Lass uns erst einmal um die Katzen kümmern“, war vorerst ihre Antwort auf diese Frage. Sie wollte auch nicht, dass sie hier und jetzt irgendwelche Diskussionen anfingen.
Der Rest des Weges, welcher glücklicherweise nicht mehr sonderlich weit war, verlief still und nach der ältesten Livet-Schwester folgte auch sie wieder in ihr eigenes Heim. Fast automatisch ließ Ria den Blick schwenken. Alles ruhig. Es würde sie zumindest nicht sonderlich wundern, wenn die Babys sich irgendwo versteckt hätten, schließlich war es eine völlig fremde Umgebung, sie noch so jung und vermutlich plötzlich von jetzt auf gleich so allein gewesen. Irgendwie konnte man es ja schon fast auf sie projizieren – diese Geschichte schien ihr bekannt zu sein.
Während sie selbst die Flüssignahrung erst einmal wegpackte und einen Teller für die Tiernahrung suchte, bemerkte sie im Augenwinkel, wie Louve sich auf dem Boden niederließ und die Sorgefalte auf ihrer Stirn von Sekunde zu Sekunde immer mehr füllte. Als diese schlussendlich anfing zu erzählen, wurde auch Rianas Gesicht weicher… und sorgevoller. Kaum hörbar stieß sie die Luft aus und hörte der Braunhaarigen stumm zu. Nach kurzer Zeit stellte sie langsam den Teller vor ihr ab und setzte sich dann vorsichtig ebenso auf den Boden, so dass sie neben der Älteren saß. Durch das leise Klappern wurde zumindest das eine Fellknäul angelockt und tapste nach kurzem anfänglichem Misstrauen mutig auf sie zu. Die Französin folgte seinen Bewegungen, ehe sie dann noch etwas näher an Louve heranrückte und diese vorsichtig in ihre Arme nahm, ihr einen sanften Kuss auf den Scheitel drückte, wie ihre Schwester es bei ihrem ersten Treffen bei ihr gemacht hatte. Für einen kurzen Moment schloss sie einfach nur die Augen und ließ die Worte sacken, die eben in diesem Raum ausgesprochen wurden. Sie hatte es schon lange gewusst, dass bei der Älteren irgendetwas gewesen war, dass diese mehr als unschöne Dinge erlebt hatte, aber es war das erste Mal, dass diese davon sprach, sich ihr… anvertraute? Zumindest hatte sie jetzt eine Antwort auf ihr Verhalten der letzten Wochen und auch Monate bekommen, in denen sie sich nicht nur einmal gefragt hatte, ob sie selbst etwas falsch gemacht hatte. „Louve…“, fing sie leise an und drückte ihre Schwester noch einmal an sich. „Du weißt, du kannst mit mir über alles reden. Wirklich ausnahmslos alles. Du bist meine Schwester. Ich höre mir alles von dir an, was du mir mitteilen möchtest.“ Egal, was für Sorgen diese mit sich trug. Vorsichtig ließ sie wieder von ihr ab und suchte den Blickkontakt. Es gefiel ihr absolut nicht, dass sie so etwas durchmachen musste. Riana umfasste die ihr zugewandte Hand und drückte diese leicht. „Ich habe und ich mache mir auch sämtliche Sorgen um dich. Gerade die letzten Wochen warst du so… still? Ich habe mich schon gefragt, ob ich irgendetwas falsch gemach habe…“, sprach sie ihre Gedanken aus. „Ich habe Angst gehabt, dass dir irgendwas passiert.“ Immerhin hatten sie sich jetzt schon eine längere Zeit nicht gesehen. „Du bist meine Familie, wir sind Familie. Und das beinhaltet auch das Sorgenmachen… auch das sich kümmern. Alles gut, ich bin keine vierzehn Jahre mehr…“paar Sekunden zuckten ihre Mundwinkel leicht nach oben. Mittlerweile hatte sie selbst auch schon so einiges erleben müssen, hatte sich auch sämtliche Schicksale angehört; so wie es wohl den meisten in der Apokalypse bislang ergingen waren.
„Du weißt doch auch hoffentlich, dass du dennoch jederzeit nach Balar kommen kannst? Auch wenn ich nicht da sein sollte, Ivar würde dir höchstpersönlich ein Essen zubereiten. Es verlangt auch keiner, dass du mit den Bewohnern in Kontakt kommst. Und unser Haus steht dir auch jederzeit offen“, sprach sie auch für ihre Mitbewohnerin mit. Sie hatte eine ruhige Lage abseits des Trubels – Riana hätte sich nichts besseres in der Kolonie erhoffen können. Ihr Blick glitt in Richtung Fenster und die Dunkelhaarige neigte überlegend leicht den Kopf zur Seite. „Weißt du? Du schläfst heute hier. Kiana ist nicht in der Kolonie, heißt, es sind sowieso nur wir… und die beiden Katzen. Dann kannst du deine beiden Fellknäule auch mal besser kennenlernen. Und ich akzeptiere jetzt keine Widerworte – du wirst mich nicht los.“ Mit einem leichten Schmunzeln kniff sie der Älteren in die Seite und sah dann hinab zu den Kätzchen – mittlerweile waren sogar beide da. „Also süß sind sie ja schon…“ Und sie fraßen auch bereits das Nassfutter. Ein gutes Zeichen, schätzte sie jetzt mal…
@Louve Livet

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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Louve war einfach schon zu lange allein gewesen, was sie wohl nicht sonderlich gut verbergen konnte. Sie wusste nicht einmal mehr, wie man mit so einer Situation, in welcher sie sich seit Anfang des Jahres steckte, wirklich umging. Wie denn auch, alle, die sie kannte, waren irgendwo verstreut, Tod oder gefangen gewesen, selten traf sie jemanden von früher und dann stand da eben ihre Schwester. Nicht das sie sich nicht freute, jedoch war es mehr als ungewohnt. Sie war ihr einfach fremd geworden, jemanden fremden von dem zu erzählen, was sie bedrückte, war nichts, was man einfach mal so tat. Nichts, was man einfach machen, sagen konnte, ohne diesen mitleidigen Blick zu erhaschen, den jeder aufsetzte, sobald man hörte, was passiert war. Sie konnte Mitleid nicht ausstehen, nicht mehr nach allem zumindest. Sobald sie etwas hatte, was ihr Freude bereitete, war es weg, und nun war ihre Schwester kalt und abweisend.
Innerlich braute sich ein Gefühl des Unbehagens auf, schließlich war es nicht so einfach, ihr gleich alles zu erzählen, aber wenn es nur ein bisschen war, würde sie wohl mehr verstehen. Louve wog innerlich während sie von den Stallungen zu Ria gingen ab, wie viel es wohl wert war, sie damit einzubeziehen, geschweige denn überhaupt ihr davon zu erzählen. Wie viel Prozent von dieser ganzen Scheiße wollte sie ihrer kleinen Schwester auf die Schultern legen, damit sie verstand, wieso so reagierte wie sie reagierte. Alles schien nur ein Bruchteil zu dauern, ehe sie angekommen waren.
Es war ruhig und während sie das Rauschen Ihres Blutes hörte, welches in ihrem Kopf pochte, brach innerlich eine kleine Stimme in ihr hervor, dass sie zumindest einen Teil davon wissen sollte. So gefestigt sie auch war, so schrecklich fühlte es sich an, ihr innerstes ihr nun zu offenbaren. Sie hatte den restlichen Weg kein weiteres Wort mehr gesagt, war Louve gerade selbst mich sich beschäftigt, um ihre Gedanken und Worte genau auszuwählen.
Schließlich würde sie es wagen, ihr das zu erklären, was passiert war. Als sie auf dem Boden saß und ihrer Schwester zumindest einen groben Einblick gezeigt hatte, um ihr zu zeigen, wieso solche kleinen Dinge sie erfreuten, oder zumindest wieso sie so reagiert hatte, war es auch wieder vorbei. Sie verschloss sich ihrer Gedankenwelt, schloss die Vergangenheit wieder aus, um nicht weiter darüber nachzudenken, nicht weiter das zu ertragen, was sie tief in sich erfahren hatte.
All die Zeit hatte sie damit verbracht zu überlebe ohne einen Sinn, wäre sie schon lange zugrunde gegangen. Sie lehnte ihren Kopf langsam auf die Schulter ihrer Schwester und nickte vorsichtig, während sie auf einen Krümmel auf dem Boden starrte, um zumindest einen kleinen Punkt zu haben, auf den sie sich konzentrieren würde. Sie würde sonst nur aufspringen und davon laufen, das konnte sie zumindest gut.
"Das kann ich nicht, auch wenn ich will, ich kann es einfach nicht. Ich kenne dich kaum, ich weiß nicht, was du heute magst, ich weiß nicht, wie ich dich anfassen kann. Magst du es überhaupt noch Froot Loops zu werfen? All diese Dinge weiß ich nicht. Ich weiß, du bist meine Schwester, ich weiß, dass ich dich über alles liebe, ich weiß, dass du immer für mich da bist und doch fühlt es dich fremd an. Und dieser kleine Prozentteil des fremd Seins entfremdet mich von meiner Familie, der einzigen, die ich noch habe. Und dieser Teil hindert mich dir alles zu sagen, ich kann nicht, auch wenn ich will" meinte sie ehrlich und leise, während sie ihre Schwester im Arm hielt und kurz in ihre Augen sah. Wo sie ihre Kindheit sah, verblasste Erinnerungen, die sie daran erinnern ließ, wie es einmal war.
Louve seufzte etwas und sah Ria dann an, als sie von Sorgen sprach, als sie davon sprach, dass sie normal sei. Sie schüttelte etwas den Kopf und sah erneut zu ihr hinüber, ehe sie ihren Blick schweifen ließ. "Und genau das will ich nicht. Sorgen sind das geringste, was ich brauche, besonders um mich. Und auch kein Mitleid, als bitte erzähle niemanden, was ich dir gesagt habe. Ich ertrage diese Blicke nicht mehr" gestand sie dann mit einem kurzen Lächeln, ehe sie zu den Katzen sah, welche sich mit wackeligen Schritten über den Boden bewegten, jedoch in ihrer Nähe blieben.
"Nein, du hast nichts falsch gemacht, aber ich weiß nicht, was mein Leben ist, was mein Weg ist in dieser Welt. Jeder hat irgendwie ein Leben gefunden und ich... ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll, wohin ich gehöre. Ich kenne nur die Welt da draußen, was anderes kenne ich nicht und bin ich auch nicht gewohnt. Hier sind andere Menschen und glaub mir, ich habe oft vor den Toren gelauert und mich nicht getraut rein zu kommen. Diese Menschen erdrücken mich einfach, zumindest das Gefühl sie könnten es erdrückt mich. An guten Tagen geht das so wie heute" erklärte sie ihr und sah ihrer Schwester in die Augen, während sie versuchte ihr das so einfach wie möglich zu erklären, um nicht erneut die Tore ihrer Vergangenheit zu öffnen. Zu viel ertrug sie im Moment zumindest noch nicht. Später würde sie wohl all die Qualen erläutern, aber noch nicht heute.
Sie musste etwas grinsen, als sie Ovar ansprach, hielt jedoch jeden Kommentar zurück und sah ihr in die Augen. "Na das will ich sehen, wehe er kann nicht kochen, dann bin ich enttäuschen von dieser Aussage. Und ja, das weiß ich, doch seien wir ehrlich, ich brauche einen sicheren Raum vor Menschen. Nicht das ich sie hasse, aber na ja ich bin ziemlich durch" meinte sie dann mit einem belustigten Ton und sah zu den Katzen hinunter. "Moment... was hier schlafen... ich glaube ich habe noch essen auf dem feuer, könnte einen Waldbrand entfachen" scherzte sie etwas und wusste genau das Riana es ernst meinte, diskutieren war unnötig, sie hatte wieder diesen ernsten Blick wie Mom drauf, was Louve direkt zeigte, dass es keine Chance gab nein zu sagen. "Na gut, aber hol dir lieber Ohrstöpsel, damit du schlafen kannst... Sage ich ja sie sind Süß" meinte sie lächelnd und half dem Kätzchen wieder auf die Beine, während sie sich an ihre Schwester lehnte und langsam ihre Augen schloss, welche durch die Tränen, welche sie nicht einmal bemerkt hatte, noch immer feucht waren. Sie nahm einen tiefen Atemzug und versuchte sie etwas zu entspannen, während der Lärm von draußen verstummte.
@Riana Livet
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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Es war… ja, wie war es denn? Riana konnte ihre Gefühle nicht in Worte fassen, wenn sie in die Richtung ihrer Schwester sah. Sie waren gemischt. Sogar so ziemlich gemischt und die Dunkelhaarige fühlte sich irgendwie so Fehl am Platz, dass sie sogar sagen musste, dass sie nicht wirklich wusste, was sie mit ihrer Schwester anfangen sollte. Und das war verdammt traurig zu sagen… Natürlich liebte sie Louve um alles. Sie war ihre Familie und sie hatten immer eine gute Beziehung gepflegt, Ria immer zu ihr aufgesehen in der Vergangenheit. Aber all dies war eben in der Vergangenheit gewesen. Sie hatten sich über ein Jahrzehnt nicht gesehen und das ging an keinem von den beiden spurlos vorbei. Sie hatten ihr Leben gelebt – mal mehr oder weniger gut – und waren vor allem erwachsen geworden. Weder sie war noch das vierzehnjährige kleine, unschuldige Mädchen, noch war Louve mehr die große Schwester, die von jetzt auf gleich eine Art Mutter- und Beschützerrolle übernehmen musste. Sie waren erwachsen geworden und hatten sich zweifelsohne verändert. Und genau deswegen stand die junge Livet jetzt auch hier und fühlte sich irgendwie… fremd. Das Gefühl in ihr überwiegte oft, dass Louve eine Art Fremde war, so bescheuert es klang. Und gerade war ausgerechnet dieses Gefühl besonders groß. Sie mochte es absolut nicht, aber sie mussten sich eingestehen, dass sie sich nach all dieser Zeit gewissermaßen erst neu kennenlernen mussten. Sie mussten vermutlich auch ein Stückchenweit die Vergangenheit aufarbeiten, dass sie wieder zueinander fanden. Zumindest hoffte sie es einfach mal, dass es so passieren wollte, denn schließlich liebte sie Louve doch…
Der Besuch von ihr war überraschend gekommen, aber vielleicht nicht unbedingt schlecht. Die Französin wusste gerade gar nicht genau, wann sie die Ältere das das letzte Mal gesehen hatte. Sie machte sich Sorgen, ziemliche sogar, aber das musste sie ihrer Schwester wohl nicht erzählen. Nach ihrem überraschenden Wiedersehen im Januar hatte sie damit gerechnet, dass es sich… so zwischen ihnen entwickelt und Louve sich so… entfernte. Nicht nur einmal hatte sie sich gefragt, woran es liegen würde, ob sie irgendetwas falsch gemacht hatte. Zwar waren ihre Charaktere in manchen Hinsichten eigentlich ziemlich ähnlich, aber dann wiederum konnten sie auch nicht unterschiedlicher sein. Auch wenn Riana eigentlich gar nicht an so etwas dachte und glaubte, vielleicht waren die beiden Katzenbabys dann so etwas wie Schicksal und würde ihnen beiden helfen.
Wieder in ihrem Zuhause angekommen, offenbarte die Braunhaarige ihr dann auch erste Gedanken von sich, was die Sorgenfalte auf der Stirn der Jüngeren immer mehr wachsen ließ. Stumm hörte sie ihr zu und wandte den Blick nicht von ihr ab. Vorsichtig setzte sie sich neben Louve auf den Boden und schloss ihre Schwester einfach nur in die Arme. Es gefiel ihr absolut überhaupt gar nicht, was sie da hören musste. Natürlich war die Apokalypse kein Zuckerschlecken und vermutlich hatte jeder irgendwie schon negative Sachen erleben müssen, aber das jetzt ausgerechnet aus ihrem Mund zu hören, dass gefiel der Französin absolut nicht. Wenn sie es nur könnte, würde sie ihr sofort einen Teil ihrer Last abnehmen. Und auch wenn es einfacher gesagt war als getan – die Ältere musste versuchen, das zu verarbeiten, damit sie sich nicht irgendwann selbst aufgab; sie musste wieder zu ihrem Leben finden, ansonsten… Nein, Ria wollte sich nicht ausmalen, in welche Richtungen das alles noch gehen könnte.
Leise stieß sie die Luft aus und schloss für einen kleinen Augenblick die Augen. Diese Worte zu hören schmerzte irgendwie, aber dennoch war ihr klar, dass diese nicht so gemeint waren. Zusammen mussten sie wirklich und dringend an ihrer Verbindung arbeiten. Die Braunhaarige hatte recht – prinzipiell gesehen waren sie fremd aneinander, hatten gewissermaßen den größten Teil ihres Lebens getrennt voneinander verbracht. Ein kurzes, leichtes und aufmunterndes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Ja, mag ich noch… oder würde ich noch mögen. Frag mich einfach, was willst du wissen, was soll ich erzählen? Dann versuchen wir doch einfach genau das jetzt zu ändern. Ich kann dir alles erzählen, was du möchtest. Okay, vielleicht nicht irgendwie von den One-Nights-Stands, die ich mal gehabt habe…“, schob sie den letzten Teil noch leicht scherzhaft gemeint hinterher.
Dann jedoch wurde ihr Gespräch wieder etwas ernster. „Natürlich bleibt das unter uns und ich erzähle es niemanden“, beschwichtigte sie und meinte es auch vollkommen ernst. Die Dunkelhaarige war alles andere als eine Tratschtante und hielt sich aus solchen Bereichen auch weitestgehend heraus. „Aber so wirst du es nicht schaffen, dass ich mich keine Sorgen um dich mache. Du bist meine Schwester, da ist das erlaubt.“
Erneut verstummte sie und hörte Louve zu, als diese davon sprach, dass sie nicht wüsste, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Gewissermaßen kannte sie diese Gedanken, hatte bis vor wenigen Monaten noch ebenso gefühlt. „Ich weiß, was du da meinst…“, erwiderte sie leise und drückte die Hand ihrer Schwester, während das kleine Fellknäul um sie herumirrte und leise miaute. „Ich habe oft ähnlich gefühlt. Ich war ständig auf der Suche nach dir und konnte mich nirgendwo richtig niederlassen. Ich bin oft allein gewesen und wollte auch mit anderen nichts zu tun haben. Ich hatte mich vollkommen der Suche verschrieben und hatte mir erst geschworen, dass ich mich guten Gewissens irgendwo niederlassen konnte, wenn ich Gewissheit über dich hatte. Ein Zuhause? Das hat praktisch nie für mich existiert. Ich habe das riesen Glück, dass ich wirklich Freunde gefunden habe, die mich aufgefangen haben… auch wenn ich das zunächst akzeptieren wollte. Mir hat man über Monate die Kolonie hier gezeigt… Ich habe Ivar gut kennengelernt und war immer verständnisvoll mit meiner Situation, hat mich nie zu etwas gedrängt. Ich bin wirklich sehr dankbar. Mein Bild von Kolonien ist eigentlich nie gut gewesen. Ich habe so einige Horrorgeschichten gehört und habe mich nie getraut, in die Nähe von einer zu gehen. Bis ich dann eben auf Leif, Virgil… und eben auch Ivar getroffen bin. Und ich kann dir wirklich sagen, sie sind absolut klasse. Und nein, du bist nicht verpflichtet, hier an irgendwelchen gemeinsamen Veranstaltungen oder so teilzunehmen. Es ist auch noch für mich eher gewöhnungsbedürftig, in dem vollen Festsaal der Burg zu sitzen oder so…“
Schließlich bekräftigte sie ihre Aussage noch einmal dadurch, dass Louve jederzeit in die Kolonie kommen könnte und Ivar ihr sicherlich höchstpersönlich ein Essen zubereiten würde. Auch auf ihren Lippen bildete sich ein leichtes Schmunzeln. „Unser Haus hier liegt ja eher abseits und nicht inmitten der anderen. Hier verirren sich nicht sonderlich viele Menschen hin. Du dürftest jederzeit auch in meinem Bett schlafen.“ Und das meinte sie auch erst. Als ihre Schwester dann bezüglich ihres Essens scherzte, stupste sie ihr nur kopfschüttelnd in die Seite. „Keine Ausreden – hab ich doch gesagt!“
Vorsichtig legte sie erneut ihren Arm um die Ältere und legte auch den Kopf an ihren ab. Mittlerweile hatten sich beide Kätzchen zu ihnen gesellt und sich am Futter bedient, was Ria immer noch als gutes Zeichen wertete. „Wird schon…“, meinte sie leise nach einer Weile der Stille und strich Louve über den Oberarm. „Dann machen wir jetzt eine Art von klischeehaften Mädelsabend und reden über Gott und die Welt und du kannst mich alles fragen, was du möchtest. Und dann schauen wir mal, dass wir den kleinen Dingern hier noch irgendwie einen Schlafplatz zubereiten.“
@Louve Livet

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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Es war fremd gewesen, sich zu öffnen. Es war komisch hier zu sein, ein Gefühl welches Louve nicht kannte. Geschweige denn kennen wollte. Aber irgendwie musste sie sich da durchwinden, allein für Ihre Schwester. Sie hatte die letzten Jahre damit verbracht sie zu finden, hatte sie gefunden und dann kam dieses Gefühl vollkommen fremd zu sein. Es war schwer, das alles zu begreifen oder gar zu beschreiben, es fühlte sich an, als wäre sie nur eine Zuschauerin des ganzen. Als würde sie nicht dazu gehören und nur warme Worte zu hören bekommen. Es war schwer zu erklären, was Louve dazu gebracht hatte ihrer Schwester das er zu erzählen, was sie gesagt hatte, aber es tat zumindest etwas gut, sie fühlte sich etwas leichter, dennoch legte sich eine Last auf ihre Schultern, eine, die sie nicht erklären konnte. Sie wollte ihre Schwester damit nicht belasten, das lag ihr fern und doch hatte sie das Gefühl genau das zu tun.
Geräuschvoll ließ sie die Luft aus ihren Lungen, ehe sie ihren Blick senkte und versuchte das alles einzuordnen. Sie hatte nie Zeit gehabt darüber nachzudenken, was sie tun sollte, wenn sie ihre Schwester gefunden hatte. Sie wusste nicht, was sie tun sollte oder würde, wenn sie da war, ganz plötzlich, wie es im Januar der Fall gewesen war. Sie wusste es auch jetzt nicht. Ihr Leben bestand daraus zu überleben und zu suchen und jetzt hatte das, was sie als Gewohnheit eingesehen hatte, ein Ende gefunden. Das war schwer für sie zu begreifen und dann dieses Fremde in ihr, sie wusste ja selbst nicht einmal, wer sie genau war. Sie war gewiss nicht mehr diejenige, die sie einmal war, Louve war einfach nur noch ein Name, die Person dahinter war weg, irgendwie. Sie stellte sich immer die Frage wie es gelaufen wäre, wenn sie nicht gefangen worden wäre, wäre dann alles anders gewesen, hätte sie dann ihre Schwester zusammen getroffen, wären sie überhaupt hier geändert? All solche Fragen waren in den letzten Worten so präsent und laut, dass sie diese nicht mehr überhören konnte. Unterdrücken, Was sie sonst getan hatte, war ebenfalls nicht möglich. Und nun saß sie hier zusammengebrochen wie ein Schwaches, etwas, das, was sie nie sein wollte, fühlte sich wie ein einsames Kind in einem dunklen Wald, ohne einen Lichtblick zu haben, wohin es nun mit ihr hinsollte.
Die Kätzchen waren diejenigen, die all dieses Wirrwarr in ihrem Kopf einfach verstummen ließen, für einen Moment konnte sie durchatmen, ehe sie vor der Tür ihrer Schwester gestanden hatte und dann diese Ablehnung gefühlt hatte. Sicherlich wusste Louve wie sie es gemeint hatte, aber sie hatte es überspielt, und dann waren die Stimmen wieder da. Sie versuchte es wirklich, doch diese Nähe war einfach schwer für sie, sie hatte kein Ziel mehr vor sich und das war etwas, was sie in den letzten Jahren immer vorangetrieben hatte. Jetzt jedoch musste sie sich ein neues setzten, kleine Schritte zum Ziel. Ob sie wieder mit ihrer Schwester so werden konnte, wie damals war auch noch eine Frag, welche sie sich beantworten musste. Doch dafür müsste sie sich selbst dazu bringen den Arsch hochzubekommen, was für sie einfach schwer genug war.
Erzähl mir einfach alles. Ich habe 13 Jahre verloren. Was hast du damals gemocht, was du jetzt hasst, kämmst du noch immer jeden Abend deine Haare, summst du noch unter der Dusche so etwas eben. Einfach alles" meinte sie ruhig und hielt sie sanft im Arm und versuchte dabei ihre Gedanken zu ordnen. Sie hatte viele Fragen, aber all diese Fragen würden ihr nichts erzählen, was sie wirklich wissen wollte und auch musste. Schließlich saß neben ihr, ihre Schwester, die ihr fremd war. Also mussten sie einfach von Vorne anfangen, soweit von Vorne wie es nur ging und das bedeutete das keine Frage ihr das alles beantworten würde. Sie musste von Ria einfach alles wissen, alles, was ihr gefiel, was sie hasste, was sie schön fand und was nicht. Das war eine Menge und da würden Fragen nur noch hinderlich sein, in ihren Augen war sie praktisch veranlagt, Theorie lag ihr noch nie wirklich.
"Na toll, das spannendste willst du mir enthalten... ich dachte jetzt kommen die Sauer Geschichten" schmollte sie gespielt und wischte sie die letzten Tränen von ihrer Wange weg. Sie nahm einen tiefen zittrigen Atemzug und senkte etwas ihren Blick. "Danke, ich habe es versucht. Ich will niemanden damit belasten, diese mitleidigen Blicke sind einfach das, was ich vermeiden will. Sind genug dort gestorben, die es mehr verdient hätten. Auch wenn diese Scheiße hier für niemanden leicht war, dass jemand Gott spielt, ist das schlimmste" meinte sie ruhig und zuckte etwas mit ihrer Schulter. Genauso sah sie es, damals wie heute und wer wusste denn nicht das die Gruppe um Frances nicht mit jemand neuen irgendwo weiter machte. Sie wollte es sich nicht vorstellen, jemanden von damals zu begegnen, der sie erkannte, diese Gefahr würde weiter lauern, was ihr einen Schauer über den Rücken laufen ließ.
"Immerhin brauche ich keine Angst haben, dass du dich nicht verteidigen kannst. Ein Vorteil, du kannst ein Schwert halten" ein leichtes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, ehe sie ihren Kopf leicht gegen den ihrer Schwester lehnte. Sie schloss ihre Augen und versuchte sich etwas zu beruhigen.
"Naja, die ganze Gruppe von Frances, als er starb, sie hat sich nicht aufgelöst oder wurde ausgerottet. Die Gefahr lauert sicherlich da draußen, wer sagt mir das sie nicht ein neuer Anführer haben? Und, wenn mich einer dieser Leute wieder erkennt, bist du und auch diese Kolonie in Gefahr. Das will ich einfach nicht. Mag auch sein, dass ich genau deswegen versuche dich aus Distanz zu halten, damit niemand erkennt, dass du jemand bist, der damals entkommen ist. Ich mag mir nicht ausmalen, was sie dann mit dir machen würden. Kolonien können so sicher sein wie man denkt bis einer, ein Spitzel ist und das ganze auffliegen lässt. Ich habe sie immer gemieden, weil man nie jedem vertrauen kann. Jeder hat einen Schwachpunkt, ist der gefunden, ist jedes Geheimnis nichts mehr wert. Menschenansammlungen sind einfach zu laut, zu groß und zu unsicher. Ich kenne nur den großen einsamen Wald und die Einöde. Ein Zuhause war durch die Angst dich zu verpassen oder gar die Chance dich zu finden einfach zu groß. Und dann die Angst nach all den Jahren durch irgendwen, der damals dort war gefunden und zurückgeschleift werden. Das alles verfolgt mich. Schlaf kenne ich wie gesagt nicht mehr. Das alles ist einfach schwer in Worte zu fassen" erklärte Louve dann langsam und ruhig, wobei sie versuchte es im Ansatz zu erklären, doch fühlte sie, dass ihr das nicht wirklich gelang. Sie schloss ihre Augen und schüttelte etwas ihren Kopf.
"In deinem Bett? Hört sich bequem an. Solange ich niemanden zur Last falle" meinte sie ruhig und sah zu ihrer Schwester. Sie hatte keine andere Wahl und würde es versuchen, sie musste es, für sich und Ria. Es musste ein Anfang gemacht werden und wenn das nun dieser Anfang war, dann würde es heute anfangen. "Es war ein Versuch wert, Sturkopf" murmelte sie mit einer etwas aufgeheiterten Stimme und nahm einen tiefen Atemzug. "Uhhh eine kleine nette Pyjamaparty. Okay, wir schaffen den kleinen Würmchen hier ein Bett, und dann machen wir Snacks und erzählen uns Gruselgeschichten oder so etwas. Und es werden keine Details ausgelassen, ich meine es Ernst. Ja, du musst mir nichts über ONS erzählen, aber ich würde gerne etwas mehr über dich und Ivar wissen. Auch wenn nichts zwischen euch sein sollte, ich verurteile weder sich noch ihn, aber das gehört auch dazu, keine Ausflüchte und ich gebe mir die beste Mühe das Gleiche zu tun, nur habe ich keine Männer oder Frauen Geschichten, muss ich dich leider enttäuschen" meinte sie lächelnd und meinte es auch so. Schließlich gehörte er wohl auch in ihr Leben, und sie wollte wissen wie weit genau, schließlich gehörte es mit dazu, ihre beider Reisen waren schließlich lang genug gewesen. "Können ja auch chronologisch vorgehen, damit dieses Thema ganz zum Schluss kommt" meinte sie lächelnd und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange, ehe sie langsam aufstand und ihr die Hand reichte. "Komm Fröschen, zeig mir dein Haus" meinte sie lächelnd und versuchte nun ein neues Ziel für ihr Leben anzupeilen, war vor ihr auf dem Boden saß.
@Riana Livet
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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Riana konnte gewissermaßen nachvollziehen, was ihre Schwester in dem Moment fühlte. Es war nicht einfach – alles andere als einfach. Dass viel passiert war in der Zeit, wo sie nicht aneinander hatten, das musste keiner von ihnen sagen. Das war klar, denn schließlich waren Jahre vergangen. Dennoch schmerzte es aber zu hören, was Louve da an Themen anschnitt. Ziemlich. Sehr sogar. Diese Welt war eben kein Zuckerschlecken mehr und keinesfalls mit der vor 2009 zu vergleichen. Sie beide hatten sich verändert und das nicht wenig. Konnte sie ihrer Schwester deswegen böse sein? Überhaupt nicht. Sie machte sich eben Sorgen und das nicht gerade wenig. Zudem wusste die junge Livet selbst nicht, was sie machen sollte. Sie fühlte sich einfach… hilflos, fast schon fremd, wenn sie so in das Gesicht der Älteren blickte.
Die Dunkelhaarige fuhr sich über ihre Unterarme, zog die Beine näher an sich heran und sah zu den beiden Fellknäule, die sich mittlerweile vor ihnen auf dem Boden niedergelassen hatten und sich gierig am Essen bedienten. Ein gutes Zeichen. Sicherlich. Ein leises Seufzen überkam ihre Lippen – sie mochte solche Gespräche einfach nicht. Doch drücken konnte sie sich davor nicht. Sie wollte es auch nicht. Es wurde dringend Zeit, dass die beiden Schwestern miteinander sprachen… sich aussprachen. Sicherlich würde es noch dauern, bis es annährend zu so etwas wie eine Normalität zwischen ihnen kommen würde – jedenfalls hoffte Ria das – und irgendwann musste der Anfang eben gemacht werden. Warum also nicht jetzt?
Sie nickte. Normalerweise war sie nicht die Person, die viel und breit über sich erzählte, aber Louve würde sie notfalls auch alles erzählen… okay zumindest das meiste. Aufmunternd strich sie der Braunhaarigen über die Schulter und drückte sie abermals für einen kleinen Moment an sich, strich ihr eine Träne von der Wange. Nein, es gefiel ihr absolut nicht, sie so zu sehen. „Dann machen wir das heute Abend. Nur du und ich… und die Katzen. Und wir haben jede Menge Zeit.“ Als Louve dann von Mitleid sprach, nickte sie nochmal. „Das kann ich auch nachvollziehen.“ Immerhin tickte sie da genauso. Sie mochte es nicht, so angeschaut zu werden, dieses abzubekommen. Und ebenso mochte sie es nicht, andere mit ihren Geschichten zu belasten. Eher war sie von der Sorte, solche Ereignisse still und heimlich in sich hineinzufressen. Schließlich wurde das Gespräch wieder tiefer zwischen ihnen und Riana konnte ihren sorgevollen Blick nicht unterdrücken. „Louve… so gesehen lauert die Gefahr überall. Es gibt genügend Leute, die nicht gut gesinnt sind. Leider. Viele haben ihre moralischen Absichten mit dem Beginn der Apokalypse über Bord geschmissen“, fing sie leise an und seufzte. „Außerdem bin ich damals dreizehn gewesen, es war dunkel und hat gestürmt… da würde mich sicherlich niemand irgendwie wiedererkennen.“ Alles andere würde sie zumindest sehr wundern – es waren Jahre vergangen und man hatte sicherlich tausende von Gesichtern gesehen. Warum sollte sie irgendwie in Erinnerung bleiben, wenn sie sich nur kurz in einer Nacht gesehen hätten? Selbst sie würde es nicht wissen, wenn einer von den ehemaligen Menschenhändlern vor ihr stehen würde. „Aber warum glaubst du, dass die Kolonie nicht sicher wäre? Okay, also ja, ich bin ja auch lang genug davon ausgegangen, dass es hier keine guten Absichten gibt. Aber es ist immer noch eine Gemeinschaft. Ich kenne auch nicht alle Mitglieder und niemand ist auch gezwungen, das zu tun, sich an den Feiern zu beteiligen und was auch immer. Böse Menschen wird man leider immer irgendwo finden, aber ich glaube nicht, dass solche Leute bescheuert genug wären, eine Kolonie wegen einer Person anzugreifen. Das wäre ja eher Selbstmord als alles andere. Draußen hingegen bist du allein unterwegs…“ Und da wäre sie eine deutlich größere Zielscheibe. Erneut seufzte sie und fuhr sich durch ihre langen, dunklen Haare, richtete den Blick gerade aus und suchte nach Worten. „Ich kenn das. Ich hatte auch nie ein Zuhause, weil ich Angst hatte, dich dann zu verpassen. Ich bin all die Jahre durch die Gegend, wusste manchmal nicht unbedingt, ob ich noch Mensch oder Zombie war. Erst als Kiana mich ins Hochhaus brachte, habe wohl das erste Mal seit Frankreich an sowas wie ein Zuhause gedacht. Und schließlich hat es uns beide hierhin geführt. Ich wüsste sonst tatsächlich nicht, wie es ausgegangen wäre, wenn ich noch weiter allein durch die Wälder gezogen wäre…“ Keinesfalls sollte es ihrer Schwester auch so ergehen. Niemand musste so ein Leben leben… „Und du fällst und wirst auch niemanden zur Last fallen. Wirklich!“, schob sie nach einer kleinen Pause noch hinterher.
Schließlich fiel nochmals der Vorschlag eines gemeinsamen Abends, dem beide dann am Ende zustimmten. „Dann machen wir das so. Klingt doch gut, oder?“ Was sie genau über sich und Ivar erzählen würde, wusste sie zwar noch nicht, aber sicherlich würde ihr da noch etwas einfallen. Bei dem anschließenden Kuss musste sie lächeln, ehe sie nach der Hand griff und sich aufhelfen ließ. „Gut, dann besorgen wir jetzt für die beiden Katzen erstmal was und dann schauen wir mal, was wir so machen.“ Kurz sah sie überlegend durch das Wohnzimmer. „Warte hier“, meinte sie knapp und verschwand dann in einem anderen Zimmer, kam nach wenigen Sekunden mit zwei älteren Decken zurück. „Das wäre zumindest eine flauschige Grundlage. Ich glaub, draußen müssten noch Boxen stehen, die man als Körbchen nutzen könnte. Dann fangen wir die total unspektakuläre Hausführung mal mit dem kleinen Garten an, den das Haus besitzt.“
@Louve Livet



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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Es erging beiden ähnlich. Beide machten sich Sorgen um die jeweils andere. Sie waren einander fremd geworden, waren erwachsen geworden. Das alles war eben anders. Dazu kam die erdrückende Ungewissheit, die beide angetrieben hatte – eine endlose Suche jagte die nächste. Eine Spur folgte der nächsten; das alles setzte ihnen jahrelang zu. Und dann noch die Tatsache, dass man nicht wusste, ob sie jemals ein Ende haben würde. Und nun, wo sie ein Ende hatte, wusste man nicht, wohin mit sich. Alles war verworren und unerträglich. Es war schwer geworden, in der Nähe zu sein und doch fernzubleiben. Es schien fast so, als wäre diese Suche, die jetzt ein Ende gefunden hatte, doch vergebens gewesen. Denn jetzt stand Louve vor dem Nichts. Es war ruhig geworden, und doch fühlte sie sich rastlos und hatte das Bedürfnis, weiterzugehen, weiterzusuchen – es hatte sie angetrieben. Vor diesem Gespräch hatte sie sich immer gefürchtet, und jetzt war es da. Es war da, und doch fühlte es sich seltsam an. Sie hasste es. Es war noch ein langer Weg zu dem, was sie gehofft hatte zu finden.
"Okay, dann machen wir das heute Abend. Und die Katzen, die können ein Glück nichts verraten – es sei denn, sie lernen sprechen, was unwahrscheinlich ist", meinte sie ruhig und begriff erst jetzt, was sie da wirklich gesagt hatte. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals, und sie ahnte, dass einiges ans Licht kommen würde. Einfach aus der Angst heraus, dass sie selbst nicht wusste, wie sie damit umgehen sollte. Sie wusste nicht einmal jetzt, was sie sagen sollte, und nun zuzuhören, was ihre Schwester in den letzten Jahren gemacht hatte, würde schwer werden. Sie hatte schließlich ein Leben geführt – eines, das Louve fremd war.
"Ja, und genau das ist das Problem. Es lauert überall Gefahr, und genau da liegt das Problem. Sie haben nicht nur ihre Moral über Bord geworfen, sie haben leider auch viel mehr als das verloren. Es bringt einem nicht viel, darauf zu hoffen, dass sie diese wiederfinden. Dich werden sie nicht wiedererkennen, aber mich vielleicht. Und wenn sie nur halb so schlau sind, wie sie damals waren, können sie eins und eins zusammenzählen – und das könnte ich mir nicht verzeihen. Nicht erneut, auch wenn ich es mir damals selbst noch nicht verziehen habe"
Klar hatten sie sich beide verändert, und rein äußerlich waren sie nichts mehr von dem, was sie einmal gewesen waren. Doch dieser Gedanke ließ sie nicht los. Immer wieder glaubte sie, dass hinter jedem Baum jemand stehen könnte, der sie erkannte. Ob es der Kerl von damals war, der sie freundlicher behandelt hatte als die anderen, oder einer seiner Komplizen – sie wusste es nicht. Sie senkte den Blick und sah sich die Kätzchen an, die sich über ihr Mahl hermachten und leise Schmatzgeräusche von sich gaben. Sie legte den Kopf auf ihre Knie und starrte sie weiter an.
"Böse Menschen können sich sehr gut verstellen, können so tun, als wären sie kein Feind. Bist du dir sicher, dass hier keiner lauert? Geschweige denn, bist du dir sicher, dass man eine Kolonie nicht wegen einer einzelnen Person angreift? Ich meine, an und für sich gebe ich dir recht – es wäre Schwachsinn –, aber möglich wäre es. All diese Gedanken schwirren da oben seit Wochen in meinem Kopf herum. Und dann herrscht diese Leere, und ich überdenke alles. Eine Kolonie mit Menschen, auch wenn man nicht verpflichtet ist, ist einfach zu viel. Wenn man wie Vieh eingesperrt war, umgeben von einer Menschenmasse, die man sich kaum vorstellen kann, ist so etwas erdrückend. Draußen bin ich allein, ja, aber ich kann auf mich aufpassen. Ich kann niemanden verletzen oder verlieren", gab sie ehrlich zu und blickte zu ihr hinüber. Es war schwer zu fassen, was alles in ihr vorging. Schwer zu erklären, wie sich die Nähe zu Menschenmengen anfühlte. All das erdrückte sie irgendwie. Draußen war die Gefahr größer, aber für sie berechenbarer als in einer Kolonie voller Menschen. Es zerriss sie innerlich immer wieder, wenn sie darüber nachdachte, nachzugeben – auch wenn es zu einem Zusammenbruch führen konnte.
"Ich habe dieses Gefühl, ein Zuhause zu wollen, erst gehabt, kurz bevor ich dich in der Hütte gefunden habe – oder du mich. Da war der Gedanke zum ersten Mal wirklich da. Seit Frankreich hatte ich nie das Gefühl, ein Zuhause zu haben, zumindest nie so richtig. Ich vermisse Mom und Dad noch immer – und meinen dämlichen Teddybären, der war verdammt weich. Hätte ich damals nicht Renard gefunden, der mir einiges zeigte und beibrachte, nun ja, hätte ich dieses Gefühl wohl nie entwickelt. Trotzdem kann ich mir da draußen ein Zuhause aufbauen – ohne Menschenmassen oder Ansammlungen", sie zuckte mit der Schulter und wandte ihren Blick wieder den Katzen zu – einer Konstante, um sich irgendwie aus dieser für sie unangenehmen Situation herauszuwinden, auch wenn es bereits zu spät war, da noch herauszukommen. Schließlich hatten sie seit Monaten das erste Mal so etwas wie eine Annäherung – wenn man es überhaupt so nennen konnte.
"Fühlt sich manchmal einfach so an, wenn man sonst immer für sich allein war", erwiderte sie ruhig und atmete tief durch. Diese Sorge würde man ihr wohl auch so schnell nicht nehmen können, auch wenn sie es sich wünschte. "Gut, dann machen wir das so", stimmte sie lächelnd zu und versuchte wirklich, etwas Gutes daran zu finden. Sie wollte schließlich ihre Schwester kennenlernen – das wollte sie wirklich, tief im Inneren. "Ich laufe nicht weg – würde ich zwar gerne, aber ich bleibe hier. Versprochen", stimmte Louve dann zu und blieb tatsächlich brav sitzen. Langsam stand sie dann auf, als Riana wiederkam, streckte sich und ließ einige Knochen dabei knacken, ehe sie zustimmend nickte. "Ich bin stets hinter dir und folge dir aufmerksam. Zeigst du mir dann den kleinen Karten? Und danach können wir die Kisten holen. Ich denke, das ist flauschiger als der kalte Waldboden, auf dem sie gelegen haben", meinte sie ruhig und war letztlich bereit für die Führung.
@Riana Livet
if we have the courage to follow them. |

We are only successful by setting ourselves a single dominant goal in life or in war or wherever, and subordinating all other considerations to this goal. |
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RE: We must be our own before we can be another’s | Riana & Louve | anfang Juni 2024
Riana hörte Louve zu, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen. Sie tat nichts von dem, was sie sonst so oft tat, wenn ihr etwas zu viel wurde – keine ironische Spitze, kein trockenes Abwinken, kein Wechsel des Themas… eben kein Ausweichen. Stattdessen blieb sie ruhig sitzen, die Schultern leicht angespannt, den Blick immer wieder bei ihrer Schwester, dann wieder bei den Katzen, als müsste sie ihre Gedanken sortieren, bevor sie ihnen Raum gab. Es war eines dieser Gespräche, bei denen man wusste, dass jedes falsche Wort mehr Schaden anrichten konnte als Schweigen. Es gefiel ihr nicht. Absolut nicht. Aber sie wusste, dass sie – ja auch sie beide – an dem Punkt angekommen waren, wo sie sich stellen musste – und zwar all den Dingen, die passiert waren, den Dingen, die sie verpasst haben, und vor allem auch den Dingen, die noch folgen werden. Sie waren Schwestern, damals unzertrennlich gewesen. Sie waren wie beste Freundinnen gewesen und sie würde sich wünschen, wenn sie da irgendwann vielleicht wieder ansetzen konnten.
Als Louve von der Rastlosigkeit sprach, von diesem Drang weiterzugehen, obwohl es eigentlich kein Ziel mehr gab, zog sich etwas in ihr zusammen. Nicht sichtbar und eher wie ein alter Muskel, der sich meldete, wenn man ihn zu lange ignoriert hatte. Die junge Livet kannte dieses Gefühl… nur zu gut. Die Welt hatte sich nicht gerade wenig verändert und ja, man musste – leider – davon ausgehen, dass überall Gefahren lauerten… und das hinter jedem noch so kleinen Baum. Schließlich sprach sie von den Menschenhändlern und der Angst, erkannt zu werden. Die Dunkelhaarige nickte leicht, versuchte, in ihrem Kopf die passenden Worte zu finden. „Ich kann diese Angst verstehen…“, sagte sie direkt. „Und ich bin nicht naiv genug zu glauben, dass hier nur gute Menschen rumlaufen.“ Ein kurzer, trockener Laut. „Das wäre gelogen. Die wirst du überall auf dieser Welt finden.“ Sie lehnte sich ein Stück nach vorne, die Unterarme auf den Oberschenkeln abgestützt. „Eine Kolonie ist kein sicherer Ort, weil sie gut ist. Sondern weil sie Strukturen hat. Wachen. Regeln. Augen sind überall. Menschenhändler operieren im Chaos, im Verborgenen, da wo niemand genau hinschaut. Eine offene Kolonie anzugreifen, wegen einer Person, würde Aufmerksamkeit erzeugen. Viel zu viel. Und Aufmerksamkeit ist Gift für solche Leute. Es wäre ein zu großes Risiko für sie und weniger vom Nutzen. Vor allem auch aufgrund der Allianzen, die Balar mit den anderen Kolonien hat…“ Sie hob leicht eine Schulter, ließ ihren Nacken leise knacken. „Draußen bist du berechenbarer – für dich. Für andere bist du dort aber unsichtbar. Und unsichtbar heißt angreifbar.“ Eine kurze Pause, in der sie ihr Zeit ließ, das wirken zu lassen. „Ich verstehe, warum Menschenmengen dich erdrücken. Wirklich. Nach dem, was du erlebt hast, wäre alles andere fast schon… unlogisch“, fuhr sie leise fort. Ihre Stimme wurde weicher. „Aber allein sein schützt dich nicht davor, jemanden zu verlieren. Es sorgt nur dafür, dass niemand da ist, wenn du fällst.“ Wieder eine Pause. „Ich möchte dich bei bestem Wille nicht überreden, nach Balar Island zu kommen. Ich habe selbst ja sehr lange auch gebraucht und in dieser Welt wird sowieso alles seine Vor- und Nachteile haben. Aber habe das bitte im Hinterkopf und pass auf dich auf…“
Vorsichtig verzog die Französin die Mundwinkel zu einem leichten, kaum wahrzunehmenden Lächeln. „Ich will dich nicht festhalten oder ähnliches“, sagte sie offen. „Aber ich lasse dich auch nicht einfach wieder verschwinden, ohne dass du weißt, dass hier jemand ist, der aufpasst…“
Am Ende stand ihr Plan für diesen Abend. Louve blieb und sie strebten eine Art Pyjamaparty an, die die beiden Schwestern sicherlich das letzte Mal in Frankreich gemacht hatten. Zunächst sollte sich jedoch erst einmal um die kleinen Flauschknäule gekümmert werden, die das Essen mittlerweile so gut wie aufgegessen hatten. Nachdem Riana zwei alte Decken für diese geholt hatten, kam ihr der Gedanke mit den alten Boxen – immerhin ein guter Anfang für die versprochene Hausführung. „Klar, machen wir so“, erwiderte sie mit einem leichten Schmunzeln, ehe sie zusammen mit ihrer Schwester in die Küche und von dort in den Garten ging. Vorsichtig schloss sie direkt die Tür wieder hinter ihnen – nicht, dass noch irgendwer von den Katzen entwischte. Ein leichter Windstoß wirbelte ein paar leichte Strähnen auf. Fast automatisch glitt ihr Blick über die Fläche und den angrenzenden Hügeln, auf denen sie sich befanden. „Ziemlich unspektakulär, wie du siehst.“ Mit einem Nicken deutete sie auf einen Bereich. „Hier hat man eine kleine Möglichkeit, sich selbst was anzubauen.“ Nicht viel, dafür hatten sie immerhin die ganzen Felder, aber wenigstens etwas. „Für die mit dem berühmten grünen Daumen. Ansonsten haben wir uns hier noch eine kleine Sitzecke fertig gemacht für die langen Sommerabende.“ Langsam ging sie den schmalen Weg entlang zu dem kleinen Gartenhäuschen. Mit einem leisen Knarzen öffnete sich die Tür. „Hier.“ Riana nahm eine Box, bestehend aus einem festen Holzboden, heraus und hielt sie der Braunhaarigen entgegen. „Da kann man doch sicherlich einen kleinen Eingang reinsägen und dann mit den Decken ausfüllen.“
@Louve Livet



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