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WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
WEATHER Monatsabhängig 5°C bis 26°C EVENTS Heaven’s Paradise Plot INPLAY STATUS September – November 2024 NEWS! 26.01.26 Das neue Design steht und wir starten mit neuer Energie durch!
09.01.26 Neustart! Das TWD startet mit neuem Team und neuen Ideen!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
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Team, Events & Weather
Floyd Webber, Scarlet Rainthworth, Daryl Dixon und Duo Maxwell sind die Admins im Forum. Scar und Duo bilden die Front, während sie von Floyd und Daryl im Hintergrund unterstützt werden. Grafik und Design stammt von Daryl Dixon <3
Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
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THE DEAD DON’T DIE
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Es war einer dieser Tage, an denen nichts so lief, wie es geplant war. Nachdem auf dem Außenposten mal wieder der Zaun ein wenig eingerissen wurde, hatte er beschlossen sich auf den Weg zu machen, um einen alten Baumarkt, der gar nicht so weit entfernt lag, zu plündern, in der Hoffnung genug Material zu finden, dass noch brauchbar war, um diesen Zaun soweit zu stabilisieren, dass er für die Zukunft hält. Obwohl er sonst immer einige seiner Männer mitnahm, waren jetzt nur seine beiden besten Männer dabei und die hatte er am Ende auch nur notgedrungen mitgenommen, weil er die strikte Anordnung vertrat, dass niemand alleine unterwegs sein sollte, auch wenn er sich selbst auch selten an diese Regel hielt.
Während die Landschaft an ihnen vorbeizog, musterte Negan aufmerksam die Umgebung. Das sie die alte Anstalt gefunden hatten, um dort einen Außenposten des Heaven Paradise zu errichten, war wirklich großer Zufall gewesen, aber sie hatte im Grunde all das, was sie brauchten, um wieder auf eigenen Beinen zu stehen und sich nicht von irgendwelchen anderen Kolonien abhängig zu sein. Zwar waren sie nur ein Außenposten, aber es war Negan grundsätzlich egal. Hier konnte er Schalten und Walten, wie es ihm genehm war. Und das war auch gut so. Er hatte lange gebraucht, um sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen und in den letzten Wochen hatte er viel über sich und das Leben nachgedacht. Nachdem Natalja und er dann endgültig einen Schlussstrich gezogen hatten und getrennte Wege gegangen waren, war ihm eine Last von den Schultern gefallen, die ihm lange Zeit gar nicht bewusst gewesen ist. Sie waren beide Schuld daran, dass sie gescheitert waren, doch ihm war nie bewusst gewesen, dass es zum Schluss nur noch eine Last für beide gewesen war.
Beim Baumarkt angekommen wies er seine Männer an die Umgebung im Auge zu behalten, während er selbst ins Innere des verfallenen Ladens ging. Doch er merkte sofort, dass es kaum Sinn machte, hier weiterzusuchen. Im Laufe der Jahre war die Decke des ehemaligen Markts heruntergekommen und hatte die wenigen Sachen, die noch da gewesen waren, unter sich begraben. Er erschlug zwei Beißer mit Lucille und blieb dann unschlüssig stehen. Er war genervt von der ganzen Situation. Vor allem nervte ihn, dass genau dort an seinem Zaun am Außenposten immer wieder die Beißer versuchten ins Innere des Geländes zu gelangen und er hatte keine Ahnung, wie er das ändern sollte, außer, dass er noch mehr Posten aufstellen ließ.
Anstatt zu seinen Männern zurückzugehen, lief er um den Baumarkt herum und lief in den angrenzenden Wald. Er hatte keine Ahnung, warum er das tat, aber er hatte einfach keine Lust zurück zum Außenposten zu kehren und sich wieder mit dem Zaun zu befassen. Irgendwann kam er nicht mehr weiter, da er an einem kleinen Hang an kam und blieb erneut stehen, bevor er sich umdrehte, um wieder zurück zu seinen Männern zu laufen. Vielleicht hatten sie unterwegs Glück und würden irgendwo draußen etwas finden, was sie gebrauchen konnten.
Grade als er sich umdrehte, vernahm er ein Geräusch. Er hob Lucille und ging in Abwehrhaltung. Sollte es ein Beißer sein, würde er schon mit ihm fertig werden. Dann ging alles ganz schnell, er hob Lucille, als ihm jemand vor die Füße fiel und brauchte einen Augenblick, bis er verstand, dass es kein Beißer war, sondern eine Frau, die da vor ihm im Dreck lag.
"Das die Frauen mir nach all den Jahren immer noch so zu Füßen liegen!", schmunzelte er und betrachtete sie einen Augenblick, bevor er ihr die Hand reichte und ihr beim Aufstehen half. Dann betrachtete er sie erneut einen Moment skeptisch. Sie wirkte abgehetzt auf ihn und sah sich um, nicht, dass sie vor einer Horde Beißer weglief. Das konnte er grade gar nicht gebrauchen.
"Vor wem oder was fliehst du?", fragte er sie dann und meinte in dem Moment, dass sie ihm irgendwie bekannt vor kam. Kannten sie sich? Er kniff die Augen zusammen, um sie noch einen Moment zu mustern, bevor er Lucille endlich sinken ließ und sich merklich entspannte.
@Annie Parker // Ich hoffe, es passt so als Einstiegspost :)
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Flucht. Es war der einzige klare Gedanke, den Annie fassen konnte. Sie war nun schon seit Jahren in dieser Gruppe, die sich aus einem bunt gemischten Haufen junger Menschen zusammen setzte. Sie selbst stach nicht nur durch ihre dunkle Hautfarbe, sondern vor allem durch ihr Alter hervor. Trotzdem hatte man sie aufgenommen, nachdem sie in eine Gruppe Beißer geraten und von den anderen gerettet worden war. Es war mit Sicherheit keine Freundschaft oder Sympathie, die sie so lange hatte bleiben lassen, es war eine Zweckgemeinschaft, denn die wenigsten von ihnen wussten, wie man mit Verletzungen umging - beim Ausbruch der Seuche waren sie einfach noch zu jung gewesen, sodass sie keinerlei Ausbildung in diesem Bereich hatten. Wahrscheinlich nahmen sie Annie aus genau diesem Grund bei sich auf. Im Laufe der nächsten Jahre gesellten sich zwar auch einige Leute in ihrem Alter dazu, aber deren Weltbild entsprach ebenfalls mehr dem der jungen Menschen, die nichts anderes gelernt hatten, als sich mit Gewalt zu nehmen, was ihnen - ihrer Meinung nach - zustand. Annie selbst hatte noch eine andere Welt kennen gelernt und war ja schon in ihrem alten Leben vor genau dieser Gewalt geflohen ...
Nun also würde sie wieder einmal davon laufen, aber sie musste es gut vorbereiten. Ein paar Tage lang zweigte sie immer wieder etwas von dem Proviant ab, sodass es nicht großartig auffiel, versteckte ein paar Schmerzmittel und Verbandszeug in einem hohlen Baumstamm in der Nähe. Eine Waffe konnte sie nicht mitnehmen, das war zu auffällig, weil sie nie mit einer herum lief. Und währenddessen gingen ihre Gedanken immer wieder zurück zu dem Tag vor etwa einer Woche, als sie in einem verlassenen Supermarkt auf eine junge Frau gestoßen waren. Warum Annie dieses Mal dabei war, konnte sie nicht sagen, aber dann hätte sie diese sinnlose Gewalt nicht miterlebt und würde wohl noch immer Teil dieser Gruppe sein. Die junge Frau war umzingelt worden und schließlich hatte man sie brutal zusammen geschlagen für eine Dose Ravioli und Thunfisch. Als Annie der Verletzten helfen wollte, hatte man sie weg gezerrt. Später, als sie sich unter einem Vorwand noch einmal zurück geschlichen hatte, war die Stelle zwischen den Regalen leer, aber ein Beißer - mit genau dieser blutverschmierten Kleidung - schlurfte herum.
Ein sinnloser Tod zwischen all der Gewalt in den letzten Jahren und somit wartete Annie, bis die Nacht herein gebrochen war, holte die Vorräte aus dem Versteck und lief einfach los. Sie hatte keine Idee, wo sie hier waren, aber irgendwann musste sie auf eine Siedlung stoßen und dort konnte sie sich umsehen. Es würde nicht lange dauern, bis man ihr Verschwinden bemerkte und sie hatte keinen Zweifel, dass man sie suchen würde, daher machte sie keine Pause. Eine halbe Nacht und den nächsten Morgen lief sie, bis die Erschöpfung sie doch dazu zwang, etwas auszuruhen. Ein Vorteil der jungen Leute war, dass sie noch mehr Kraft hatten. Ein paar Nächte war sie unterwegs, bis sie das erste Mal bemerkte, dass sie verfolgt wurde. Unerwartet kam ihr eine Gruppe der Beißer zu Hilfe, die sie zwischen sich und ihre Verfolger bringen konnte, aber es war nur eine Frage der Zeit, ehe man sie einholen musste. Der Vorsprung schrumpfte erneut auf ungefähr eine halbe Nacht - oder Tag - und Annie wurde unvorsichtiger.
Nach hinten blickend hatte sie den Abhang vor sich übersehen, die Wurzel sowieso und ehe sie reagieren konnte, befand sie sich in freiem Fall, stieß einen Schrei aus und kam unsanft auf dem Rücken zum Liegen. Das erste, was sie sah, als sie die Augen wieder öffnete, war der mit Stacheldraht umwickelte Baseballschläger. Dann hörte sie eine unerwartet bekannte Stimme, mit dem leichten Spott darin. Und noch ehe sie das alles in ihrem Kopf zusammen setzen konnte, wusste sie, wen sie vor sich hatte.
Erinnerungen an eine andere Gruppe, eine andere Zeit, wurden wieder lebendig. Sie hatte damals schon versucht, ihm aus dem Weg zu gehen, möglichst unauffällig zu bleiben. Dass ihm die Frauen zu Füßen lagen, war ihr nicht entgangen, aber sie hatte nicht dazu gehört, sondern einfach nur ihre Aufgaben gemacht. Zögernd nahm sie die Hand des Mannes an und rappelte sich auf, klopfte notdürftig den Dreck von ihren dunklen Klamotten. Ihre Haut und diese Kleidung boten in der Nacht einen erstaunlich guten Schutz ... jetzt am Tag, war sie umso deutlicher zu erkennen. Automatisch wandte sie sich nach hinten, immer in der Erwartung, dass die Verfolger doch noch auftauchen konnten.
Unweigerlich kam die Frage auf, wovor sie flüchtete. Annie rang kurz mit sich. Sie hatte absolut keinen Grund, Negan zu vertrauen und er hatte keinen, ihr zu helfen. Sie war nicht einmal sicher, ob er sich an sie erinnerte - aber sie tat es. Dass er gemeinsame Sache mit den jungen Leuten machte, konnte sie einigermaßen sicher ausschließen, sonst wäre sie ihm vorher schon wieder begegnet. In Sekundenbruchteilen wog sie ihre Chancen ab und musste zugeben, dass sie allein kaum eine hatte. Die Tasche mit dem restlichen Proviant und Verbandszeug lag irgendwo oberhalb von ihr auf dem Abhang. Zurück kehren würde sie nur Zeit kosten. Wie sie es auch drehte, war Negan ihre einzige Chance und als er endlich den Baseballschläger sinken ließ, atmete sie auf, fuhr sich durch die schwarzen Haare.
"Vier Menschen", antwortete sie erst einmal knapp, weil das in ihrer Situation die wichtigste Information war, die sie ihm geben konnte. "Zwei Männer, zwei Frauen ... glaube ich." Allerdings gab es ihm noch keinen Hinweis darauf, warum sie überhaupt weg lief und sie sah ihn an. "Ich erkläre Dir alles, wenn Du mich hier weg bringst ...", sie saßen hier auf dem Präsentierteller ... "Negan", ergänzte sie noch und gab ihm den entscheidenden Hinweis, der ihn vielleicht neugierig genug machte, ihr wirklich zu helfen.
@Negan Smith
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Noch immer schmunzelnd sah er die junge Frau an, die ihm da so vor die Füße geschlittert war. Bei ihrer Reaktion ihm gegenüber merkte er, dass sein Ruf ihm entweder weit voraus eilte oder sie sich doch in irgendeiner Form kannten. Er konnte sie noch nicht so ganz einordnen, doch ihr Blick sprach Bände. Doch offensichtlich schien sie vor etwas oder jemandem zu fliehen, denn ihr Blick nach hinten wirkte gehetzt, weswegen er auch nachfragte. Falls sie vor Beißern floh, musste er es wissen, denn dann konnte es auch für ihn gefährlich werden. Andererseits waren ihm Fremde gegenüber auch nicht sonderlich wohl gesonnen, grade nachdem, was in den letzten Monaten vorgefallen war. Er bemerkte ihr Zögern und lehnte sich auf Lucille, während er sie betrachtete.
Als sie dann schließlich mit der Sprache herausrückte, nickte er leicht. "Dachte ich mir!", murmelte er und seufzte leicht. Jetzt folgte er ihrem Blick, um zu sehen, ob schon jemand in Sicht war. Er hatte wenig Lust auf Auseinandersetzungen, die Verluste, die er in den letzten Monaten einfahren musste, reichten ihm für die nächste Zeit. "Glaubst du?", erwiderte er auf ihre Vermutung und richtete sich wieder auf, wobei er sich Lucille auf die Schulter legte. Da er nun wusste, dass keine Beißer in der Nähe waren, die ihm gefährlich werden konnten, hatte er nichts mehr hier verloren, das Schicksal der jungen Frau lag definitiv nicht in seinen Händen. Grade als er sich umdrehen und davon gehen wollte, bat sie ihn, sie hier wegzubringen. Und zu seinem Erstaunen wusste sie offenbar wirklich, wer er war.
Kurz überlegte er und sah sie noch einmal an. Er hatte eigentlich nicht vor den Heilgen Samariter zu spielen, doch es war offensichtlich, dass sie Hilfe brauchte.
"Hast du auch einen Namen?", fragte er und nickte mit dem Kopf in die Richtung, aus der er gekommen war, um ihr zu signalisieren, dass sie ihm folgen sollte. "Komm mit!", murmelte er dann noch, falls sie sein Nicken nicht verstanden haben sollte und lief das kleine Waldstück zurück, bevor er wieder vor dem Baumarkt stand, aus dem er Material holen wollten. Seine Männer sahen ihn erstaunt an, sagten aber nichts, weswegen Negan das Wort ergriff.
"Sie kommt mit uns!", sagte er schlicht und öffnete ihr die Hintertür des Wagens, damit sie ins Innere klettern konnte, bevor er sich noch einmal umsah. Er konnte es nicht gebrauchen, dass sie verfolgt wurden. Aber es war nichts weiter zu sehen, weswegen er die Tür schloss und selbst um den Wagen herum lief und dann neben ihr auf der Rückbank Platz nahm, obwohl er eigentlich eher vorn saß. Doch er wollte wissen, wem er da geholfen hatte und warum.
"Also, geheimnisvolle Frau, erzähl mir, warum du vor vier Menschen fliehen musstest! Was hast du angestellt?", schmunzelte er und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht. Sie kam ihm bekannt vor, und noch immer überlegte er fieberhaft, woher er sie kannte, doch in den letzten Jahren waren ihm so viele Menschen begegnet, viele waren gefallen, viele waren verschwunden, einige hatten ihm den Rücken gekehrt, manche waren flüchtige Bekannte, es war unmöglich sich dabei jede Person, der man begegnet im Kopf zu behalten. Einmal blitzte sie vor seinem Auge auf, doch er konnte die Situation nicht greifen.
"Du weißt, wer ich bin, folglich kennen wir uns! Hilf mir auf die Sprünge, wo sind wir uns bereits begegnet?", fragte er und lehnte sich entspannt zurück, während er sie musterte. Der Wagen setzte sich in Bewegung und er sah kurz zu Annie.
"Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dir die Augen verbinde? Ich habe keine Ahnung, ob ich dir trauen kann und ich möchte nicht, dass du demnächst losläufst und mit deinen Freunden zurückkommst und mich und meine Leute angreifst!", er nahm sein Tuch ab, dass er meist um den Hals trug und sah sie erwartungsvoll an. Sollte sie sich weigern, würde er sie irgendwo aussetzen. Auch wenn sie sich kennen sollten, wusste er nicht, ob er ihr vertrauen konnte. Das Leben war kompliziert geworden und Menschen änderten sich, hielten ihr Fähnchen dorthin, wo sie glaubten, dass sie einen Vorteil für sich selbst herausschlagen konnten. Negan nahm es ihnen nicht übel. Doch er musste auch sich und seine Familie schützen, weswegen er zu dieser Vorsichtsmaßnahme griff. "Ich verspreche dir, dass du nichts zu befürchten hast. Du bekommst ein Bett und Mahlzeiten, doch ich muss erst wissen, ob ich dir trauen kann!", schob er deswegen noch nach und hob das Tuch noch einmal hoch. Er bemerkte, dass sie nicht den direkten Weg zur Anstalt fuhren, sondern einen kleinen Umweg fuhren. Selbst wenn er ihr nicht trauen konnte, würde sie nicht genau wissen, wo genau sie sich befand.
@Annie Parker
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"Als ich sie zuletzt hinter mir bemerkt habe, waren es zumindest vier. Ich müsste ungefähr vier Stunden Vorsprung haben, wenn sie auch mal eine Pause gemacht haben", erklärte Annie schnell, weil die ganze Körperhaltung ihres Gegenübers dafür sprach, dass er nicht vorhatte, sich weiter mit ihr zu befassen. Noch ein Hinweis mehr, dass er sich absolut nicht an sie erinnern konnte und ganz kurz flammte so etwas wie Stolz in ihr auf, denn ihr Plan damals schien aufgegangen zu sein: unter dem Radar laufen, nicht auffallen. Jetzt gerade war es allerdings wenig hilfreich, nicht an alte Bekanntschaft - wie auch immer die aussah - anknüpfen zu können, darum warf sie Negan einen Köder hin und atmete auf, als er diesen schluckte. "Annie. Annie Parker", dass er ihren Namen jemals gehört hatte, war nicht auszuschließen, immerhin hatte er sie schon einmal in seiner Gruppe toleriert und sie hatte Glenn damals behandelt, so widrig die Umstände auch gewesen waren.
Sein Kopfnicken und die gemurmelte Aufforderung brachten wieder etwas Bewegung in Annie, die bisher einfach nur mit hängenden Armen abwartend da gestanden hatte. Nicht weit entfernt stand sie schließlich zwei weiteren Männern gegenüber und ihr genialer Plan kam ihr plötzlich doch riskant vor, aber kein Vergleich, zu dem, was sie erwarten würde, wenn ihre alte Gruppe sie erwischte. Als Negan auch schon die Anweisung gegeben hatte, dass sie mitkommen würde und ihr die Tür aufhielt, kletterte sie auf die Rückbank. Die Tür fiel hinter ihr zu und Annie verspürte den Drang, zu testen, ob man sie von innen öffnen konnte, ließ es aber sein. Vertrauen war in dieser Welt eine Ware, mit der man eben nicht so einfach handelte, daher musterte sie Negan, als er neben ihr Platz nahm und überlegte, wie viel von dem alten Anführer noch in ihm steckte? Sie war sich relativ sicher, dass er einen solchen Verrat - wie sie ihn gerade begangen hatte - bei den Saviors nicht toleriert hätte, aber sie war ja nicht auf der Flucht vor ihm. "Vier, die mir folgen", rang sie sich schließlich durch und lehnte den Kopf hinten an die Polster. "Eigentlich ist es eine größere Gruppe. Vielleicht zwanzig Menschen. Zum Teil noch ziemlich jung", erklärte sie und schloss die Augen, um sich besser an die Gesichter zu erinnern. Als sie sie wieder öffnete, sah sie Negan an. Möglichst kurz berichtete sie von dem Vorfall, der den Entschluss in ihr gefestigt hatte. "Ich war Teil dieser Gruppe seit Jahren, eigentlich brauchten sie nur meine Erfahrung als Paramedic. Gepasst habe ich dorthin nie. In den letzten Tagen haben sie eine junge Frau wegen einer Dose Ravioli totgeschlagen", auch dieses Gesicht hatte sich in ihr Gehirn gebrannt. Sie konnte die bittenden Augen vor sich sehen. "Das war der Moment, als ich angefangen habe, meine Flucht vorzubereiten. Ich habe Medikamente und Proviant unterschlagen und bin vor ein paar Nächten abgehauen. Sie haben es gemerkt und ... keine Ahnung, wollen ihre Klamotten zurück oder ... mich?" Verstehen konnte sie es selbst nicht wirklich, freiwillig würde sie sowieso nicht mehr dort helfen. Andererseits ... und damit wandte die den Blick von Negan ab, hatte sie selbst erlebt, dass es möglich war, jemanden so weit zu bringen, dass er alles tun würde. Vermutlich also würde es reichen, sie zurück zu bringen und damit den nächsten Verräter zu warnen, etwas Ähnliches zu versuchen.
Annie seufzte leise. "Kennen wäre wohl zu viel gesagt", entgegnete sie und schmunzelte. "Ich war Mitglied bei den Saviors. @Grace Murdock-Daniels hatte mich überzeugt, dass es nur Vorteile für mich hätte, dazu zu gehören. Aber es wundert mich nicht, dass Du mich nicht kennst. Hab mir große Mühe gegeben, nicht aufzufallen", ließ sie die Bombe platzen und wusste noch immer nicht, ob sie damit erneut in eine Spirale aus Angst und Gewalt rutschte. Anscheinend zog sie diesen Ärger förmlich an, der schon in ihrer Jugend begonnen hatte.
Dementsprechend war sie nicht mal überrascht, als Negan seine Bitte vortrug, von der sie beide wussten, dass es gar keine Bitte war. Er hatte Recht. Er konnte ihr nicht trauen - aber sie konnte es genauso wenig. Dazu waren die Männer zu dritt und ... sie folgte Negans Bewegung, als er sein Tuch abnahm und sie musterte. Mit Sicherheit konnte er ihre Zweifel und auch Angst auf ihrem Gesicht ablesen. Wie sollte sie keine haben? Um seiner Forderung weniger Schärfe beizumischen, gab er ihr schließlich ein Versprechen und Annie biss sich auf die Lippen. Sie versuchte, einen Unterton heraus zu hören, aber entweder war sie inzwischen zu erschöpft, weil die Aussicht auf ein Bett und etwas zu Essen zu verlockend war oder da war nichts ... "Okay", stimmte sie schließlich zu, nahm mit beiden Händen ihre Haare zusammen und drehte sich etwas seitlich, dass Negan das Tuch befestigen konnte. Nichts sehen zu können machte ihre Situation wirklich nicht einfacher, aber immerhin war es eine Chance und sie hatte schon einige Zeit unter diesem Anführer gelebt. Annie setzte sich wieder gerade hin, konzentrierte sich auf das Geräusch des Motors und legte ihre Hände in den Schoß. "Ich hab damals geholfen, die Verwundeten zu verarzten", ergänzte sie ihre Geschichte noch.
@Negan Smith
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zuletzt bearbeitet 24.12.2024 07:39 |
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Erneut musterte er sie, legte den Kopf kurz in den Nacken und atmete tief ein. Es war offensichtlich, dass sie Hilfe brauche, aber eigentlich hatte er weder Zeit noch die Nerven sich ernsthaft mit ihr zu befassen. Der Zaun im Außenposten hatte Priorität und er hatte wenig Lust den Helfen zu spielen. Erst als sie ihren Namen sagte, horchte er auf. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor. Nicht nur sie war ihm vertraut, auch der Name rief in ihm Erinnerungen hervor, die er aber nicht so wirklich greifen konnte. "Annie!", murmelte er leise und wiederholte damit ihren Namen, bevor er sie aufforderte, ihm zu folgen. Er hatte es sich anders überlegt, er würde ihr helfen, um mehr von ihr zu erfahren, in der Hoffnung, dass sie ihm auf die Sprünge helfen und ihm mitteilen konnte, dass sein Gedächtnis nicht völlig verrückt spielte. Gemeinsam liefen sie zum Wagen zurück und stiegen ein.
Als sie begann von der Gruppe zu erzählen, vor der sie floh, seufzte er erneut leise auf. Er hatte befürchtet, dass so etwas kam. Vermutlich wollten sie einfach nur irgendwo Unterschlupf finden und hatten Annie als Lockvogel vorgeschickt. Zu oft hatte er so etwas schon erlebt, zu oft war er gelinkt worden und hatte teuer für diesen Fehler bezahlen müssen. Dennoch hörte er ihr weiter zu und zog über ihre Erzählungen die Brauen nach oben. Entweder war diese Gruppe wirklich heftig drauf oder sie hatte eine blühende Fantasie.
"Wegen einer Dose Ravioli?", fragte er deswegen noch einmal nach, weil er kaum glauben konnte, was er dort hörte. Waren diese Erzählungen wirklich wahr, konnte er absolut nachvollziehen, warum sie geflohen war. Langsam nickte er.
"Du bist also Ärztin?", fragte er dann noch, weil er meinte, vorhin gehört zu haben, dass sie davon sprach, dass man sie dort gebraucht hatte. Eine Ärztin in den eigenen Reihen zu haben, schien nie verkehrt, sie hatten zwar jemanden, der sich halbwegs auskannte, aber bei weitem war der Bursche kein Arzt oder gar Pfleger. Annie schien jung, aber er war sowieso kaum in Lage das Alter einzuschätzen, die Zeiten hatten es mit Niemandem gut gemeint. Ganz im Gegenteil. Seit die Zivilisation so war, wie sie war, schienen viele im Jahre gealtert, die Überlebenden hatten sich in Kolonien zusammen geschlossen und hatten versucht, so gut es geht zu überleben. Die Menschen, die auf der Straße lebten, hatte es Härter getroffen, Negan wusste, dass sich dort jeder selbst der Nächste war. Und durchaus konnte er sich vorstellen, dass solche Storys wahr waren. Doch auch er war vorsichtig geworden. Zu viel Scheiße war in den letzten Jahren und Monaten passiert und er musste sich und seine Familie schützen.
"Dann ist es wohl gut, dass wir uns über den Weg gelaufen sind!", er schmunzelte leicht und sah kurz aus dem Fenster, bevor er sich ihr wieder zuwandte. Als sie erwähnte. dass sie sowohl bei den Saviors war als auch @Grace Murdock-Daniels kannte, entspannte er sich ein wenig. Das waren gute Zeichen und auch, wenn die Saviors in der Form nicht mehr existierten, vertraute er Grace nach wie vor. Wenn sie Annie Parker zu ihnen gebracht hatte, hatte hatte sie sich etwas dabei gedacht. Er nahm sich vor, sie bei dr nächsten Gelegenheit nach Annie zu fragen.
"Ach wirklich! Und die letzten Jahre warst du dann bei dieser Gruppe?", harkte er dann nach, denn er wollte wissen, was sie die letzten Jahre getrieben hatte. Vielleicht konnte er dann aus ihr schlau werden. Es überraschte ihn schon, als sie sich dann bereitwillig die Augen verbinden ließ, vielleicht hat er sie auch falsch eingeschätzt und ihre Geschichte stimmte wirklich. Negan verband ihr die Augen, überprüfte, ob sie wirklich nichts sah und ließ sich dann in seinen Sitz zurücksinken. Es war nicht mehr weit zum Außenposten und der Tag war überhaupt nicht so gelaufen, wie er gehofft hatte, weswegen die Aussicht auf eine Mahlzeit und sein Bett sehr verlockend schien. Als sie dann weiter plapperte, schmunzelte er leicht.
"Dann hast du eine ehrenvolle Aufgabe übernommen und gute Dienste geleistet, ich verstehe, warum die Gruppe dich bei sich behalten wollte", erwiderte er mit einem leichten Grinsen auf den Lippen, als er sah, dass sie sich dem Außenposten nährten. Schweigend fuhren sie durch die Tore und parkten vor dem Haupthaus. Seine Männer stiegen aus, während er sich zu Annie umdrehte.
"Du kannst die Augenbinde jetzt abnehmen und aussteigen!", sagte er dann und stieg ebenfalls aus, um um den Wagen herum zu laufen und Annie in Empfang zu nehmen. Kurz überlegte er, ob er sie einfach jemand anderem überlassen sollte, der sich darum kümmern konnte, dass sie alles gezeigt bekam und ein Zimmer zugeteilt bekam, entschied sich dann aber dazu, ihr selbst das Zimmer zu zeigen.
"Trägst du Waffen bei dir?", fragte er sie dann, denn er wollte ihr keine Möglichkeit bieten, ihm rücklings ein Messer oder ähnliches in den Rücken zu rammen. Man musste in diesen Zeiten mit allem rechen.
@Annie Parker
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Die Art, wie Negan ihren Namen wiederholte, klang nachdenklich, er schien sich wirklich nicht zu erinnern, aber Annie hatte da auch eindeutig einen Vorteil, weil sie selbst für Negan nicht mehr als ein weiteres Gesicht in der Gruppe gewesen war. Dafür hatte sie schließlich selbst gesorgt. Trotzdem deutete der Mann an, ihr helfen zu können - und vor allem zu wollen - und sie folgte ihm, erzählte von dieser Gruppe und warum sie auf der Flucht war. Nachdem sie mit ihrer Schilderung fertig war, musterte sie Negan und konnte den Zweifel in seinen Augen sehen. "Ja ...", gab sie etwas verschämt zurück, schließlich war sie Teil dieses Zusammenschlusses gewesen und hatte es nicht verhindern können. "Wir waren in einem Laden und sie war auch dort. Blond, mager ... sie hatte offensichtlich schon länger nichts gegessen", und das war ihre professionelle Einschätzung. "Aber ... meine Begleiter wollten ihr die Beute abnehmen. Weil sie nicht freiwillig zugestimmt hat, haben sie zugeschlagen ...", Bilder, die wie ein Film vor ihrem inneren Auge seitdem immer wieder abgelaufen waren. "Ich wollte ihr helfen, aber sie haben mich nicht gelassen. Vielleicht hätte ich sie retten können, aber ... ich durfte keine Ressourcen verschwenden." Allein diese Bezeichnung hatte ihr gezeigt, mit welchen Menschen sie unterwegs war. "Später bin ich noch einmal zurück und habe sie gesucht, aber ...", Annie schüttelte den Kopf, Negan konnte sich den Rest wahrscheinlich denken.
"Ich war Paramedic, bevor die Seuche ausgebrochen ist", sie hatte zumindest noch das Glück gehabt, die gesamte Ausbildung durchlaufen zu können, ehe die Welt sprichwörtlich über ihnen zusammen brach. Andere hatten es nicht mehr geschafft und daher waren Profis tatsächlich seltener geworden - auch, wenn die meisten irgendwie versuchten, ihr Wissen weiter zu geben. Auf der anderen Seite machte es solche Leute wie sie aber auch zu einem Teil einer Gruppe, der nicht zu unterschätzen war. So war sie damals bei den Saviors gelandet und später eben auch bei den jungen Leuten, die sie einige Jahre begleitet hatte.
Sie nickte, als Negan seine Feststellung mit einem Schmunzeln untermalte: "Dieses oder das letzte Mal?" Für Annie traf es auf beide Treffen zu, wobei sie ihm damals ja streng genommen nicht einmal über den Weg gelaufen war.
"Ja, seit einigen Jahren. Aber ihre Werte decken sich nicht mit meinen", gab sie zu und machte lieber keine Anstalten, sich dagegen zu wehren, dass er ihr die Augen verband, ein komisches Gefühl war es dennoch. "Das waren noch halbe Kinder", seufzte sie. "Viele waren beim Ausbruch der Seuche noch nicht mal aus der Schule raus. Kaum einer hatte eine Ausbildung oder Ahnung, wie man einen Verband anlegt." Sie hatte es ihnen gezeigt, damit sie sich bei den Streifzügen selbst einigermaßen versorgen konnten. Das Grinsen war in seiner Stimme zu hören, dazu musste sie ihn nicht einmal ansehen können. "Natürlich wollten sie das. Und vermutlich das Zeug, was ich mitgehn lassen habe. Leider hab ich es verloren."
Nach einer Weile stoppte der Wagen und Annie tastete nach dem Knoten, den Negan in das Stück Stoff gemacht hatte. Als sie wieder sehen konnte, blinzelte sie einige Male, um das grelle Licht abzuwehren. Das Tuch noch in der Hand stieg sie dann ebenfalls aus und sah sich um. Das hier war anders, als das provisorische Lager, in dem sie bisher gelebt hatte. "Waffen?", wiederholte sie überrascht und schüttelte den Kopf. "Nein. Bisher bin ich ziemlich gut ohne ausgekommen", was in einer Welt wie dieser vermutlich an Selbstmord grenzte. "Das einzige Messer und die Verbandsschere hab ich mit dem Rucksack oben am Hang verloren."
Noch einmal sah sie sich um: "Leben hier viele Menschen?"
@Negan Smith
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Langsam nickte Negan, während er ihren Erzählungen folgte. Früher hätte er genau so gehandelt, er hatte viele Kolonien erpresst und ihnen Waren und Güter abgenommen, eine Art Schutzgeld quasi. "Jeder ist sich in solchen Zeiten selbst der Nächste!", erwiderte er deswegen, seufzte dann aber. "Aber ja, ich verstehe deine Intention fliehen zu wollen. Manche Gruppen...", er suchte kurz nach den richtigen Worten, bevor er weitersprach. "Es gibt Gruppen, von denen man sich generell fern halten sollte!", setzte er nach und nickte erneut. "Mach dir keinen Vorwurf. Du hast es versucht. Wir müssen anfangen uns von den Schuldgefühlen freizusprechen, sonst machen wir uns nur selbst kaputt!", das solche Worte mal aus seinem Mund kommen würden, hätten die Meisten sich wohl kaum vorstellen können, er am aller Wenigsten. Wenn er in die Vergangenheit zurückdachte, war er damals, als Annie ihn offenbar erlebte hat, so von Hass und Verlust zerfressen, dass er Angst und Schrecken unter den Kolonien verbreitet hat. Erst jetzt, in den letzten Monaten, in denen er zur Ruhe kommen konnte, hatte er begonnen, sich und sein Verhalten zu reflektieren.
Bei ihren Worten hob er die Brauen. "Ich verstehe, warum die Gruppe dich wollte. Gute Leute, die etwas von Medizin verstehen, sind selten geworden!", erwiderte er. Er hatte bereits einige Leute in der neuen Welt kennengelernt, die medizinische Erfahrungen hatte. Die meisten haben nicht überlebt. Diejenigen, die noch zur Verfügung standen, waren hart umkämpft und Negan wusste, dass Jeder, der auch nur im Entferntesten auf diesem Gebiet ausgebildet war, ein Jackpot war. Erneut warf er ihr einen kurzen Blick zu. Vielleicht würde sie bei ihnen bleiben, wenn sich herausstellte, dass man ihr Vertrauen konnte, jemanden mit medizinischen Kenntnissen fehlte ihnen. Zwar hatte jemand die Aufgabe übernommen und er schlug sich auch nicht schlecht, aber wenn es hart auf hart kommen würde, musste Negan nicht, ob er wirklich seine Hand ins Feuer legen würde, dass Dieser der Aufgabe wirklich gewachsen war.
Auf ihre schlagfertige Antwort war er nicht gefasst gewesen und er lachte leise auf. "An das letzte Mal habe ich kaum Erinnerung. Aber dieses Mal kann ich mich wohl glücklich schätzen!", erwiderte er, denn auch wenn er sie noch nicht wirklich einschätzen konnte und nicht wusste, ob sie ihm vielleicht etwas vorspielte, stand es doch außer Frage, dass er sie gern in seinen Reihen hätte, schon allein, um von ihrer Erfahrung zu profitieren.
Als sie von Werten sprach, schwieg er. Die Werte, die er bis vor einigen Jahren vertreten hatte, waren wohl auch kaum kompatibel mit den Werten vieler anderer. Nachdem er an den Kolonien Rache geübt hatte, hatte er sich zurückgezogen. Die Wenigsten wussten, wo er sich aktuell aufhielt und das sollte auch vorerst so bleiben. Negan hatte lange über sein Leben nachgedacht, hatte über Lucille nachgedacht, über seine Tochter und auch, wenn er kein guter Mensch gewesen war, hatte er doch begonnen, sich zu verändern. Von dem Negan, der er noch vor einiger Zeit war, war kaum mehr etwas übrig.
Nach ihrer Ankunft fragte er sie nach Waffen und musterte sie, konnte aber keine Waffen entdecken auf den ersten Blick und beschloss ihr einen Vertrauensvorschuss zu gewähren, weswegen er leicht nickte.
"Keine Sorge, medizinische Instrumente und Dinge zur Versorgung haben wir genug. Diese Anlage ist eine ehemalige Klinik, eine Psychiatrie. Hier hatten wir das Glück und haben vieles vorgefunden, was damals Vergessen wurde. Und offensichtlich hat auch niemand hier geplündert", erklärte er ihr und nickte dann. "Es leben Einige hier, aber es ist noch genug Platz!"
Negan deutete auf ein Gebäude zu seiner Linken. "Dort sind die Unterkünfte. Ich zeige dir dein Zimmer", er wandte sich Richtung Gebäude, sah sie dann aber nochmal an. "Hast du noch frische Klamotten bei dir? Wenn nicht, kannst du dort drüben...", er deutete auf ein anderes Gebäude. "...dort kannst du dir neue Sachen besorgen. Wir haben einiges vorgefunden und gereinigt. Es sind also frische Sachen! Und Essen findest du dort!" Er zeigte auf das Gebäude zu ihrer Rechten, in dem Speisesaal und Küche zu finden waren. Kurz sah er nochmal in Richtung der Wäscherei, bevor er sich dann umwandte und Richtung Schlafräume ging. Dort würde er Annie ein Zimmer geben und danach würde er sich endlich um das lästige Zaunproblem kümmern. Falls Annie bleiben wollte, würde er ihr an einem anderen Tag die Krankenstation zeigen.
@Annie Parker
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Bei seinen Worten keimten Erinnerungen auf. Annie wusste genau, dass er die Vergangenheit ansprach, denn auch, wenn sie damals nicht auf diese Weise daran beteiligt gewesen war, kannte sie die Geschichten über Angst und Schrecken, die allein der Name ausgelöst hatte. Innerhalb der Saviors hatten sie es gut gehabt, aber das alles hatte seinen Preis und den hatten einige Menschen zahlen müssen. Vielleicht wollte sie genau deswegen nicht noch einmal so etwas miterleben? Annie presste die Lippen aufeinander, als Negan die Schuldgefühle erwähnte. Sie konnte es nicht verdrängen, immerhin war deswegen eine junge Frau ohne Grund gestorben. Vielleicht hätte man sie in die Gruppe integrieren können - aber das war nicht einmal ein Versuch gewesen.
Annie nickte leicht. "Das Wissen ist wertvoll." Für die Überlebenden war es von unschätzbarem Wert, auf die Erfahrung und die Fähigkeiten der Älteren zurück greifen zu können. Annie war jung genug, in dieser Welt zu überleben und alt genug, um auch die vergangene Zeit, vor der Seuche, erlebt zu haben. Sie bemerkte den Blick, den Negan ihr zuwarf, nicht, da ihre Augen ja verbunden waren, aber sie vermutete, dass ihm durchaus bewusst war, dass sie nützlich sein konnte. Die Frage war nur, ob er sie noch einmal in seinen Reihen dulden würde? Sie konnte es nicht einschätzen, obwohl er ihr ja erst einmal Hilfe zugesagt hatte.
Sein Lachen klang warm und ungewohnt, ganz anders als das zynisch-sarkastische Grinsen, das früher oft in seiner Stimme mitgeschwungen hatte. "Das war auch durchaus meine Absicht", gab sie leiser zu und irgendwie erfüllte es sie mit einer gewissen Zufriedenheit, dass es ihr gelungen war, ihm so lange nicht aufgefallen zu sein. Zu dieser Zeit gab es nicht viele Möglichkeiten für die Paramedic.
Als der Wagen stoppte und sie die Augenbinde wieder abnehmen durfte, sah sich Annie um und hörte Negans Erklärungen zu. "Eine Klinik", ihre Augen leuchteten etwas. "Unfassbar, dass es sowas wirklich noch gibt." Gut, in einer Psychiatrie war sicherlich nicht so viel Nützliches, wie in einer chirurgischen Einrichtung, aber es würde allemal reichen, um Notfälle zu versorgen. Sie fühlte den alten Ehrgeiz langsam erwachen und schloss kurz die Augen, um sich vorzustellen, wie sie hier mit den Menschen, die er erwähnte, zusammen leben und ihnen helfen konnte. Aus irgendeinem Grund wollte sie glauben, dass die Dinge sich geändert hatten. Negan steuerte ein Gebäude an und ließ Annie den Vortritt, während er auf dem Weg zu ihrem Zimmer die groben Anhaltspunkte lieferte. "Nein, ich ... hab nur das, was ich trage", gab sie zu und zupfte an ihrem Oberteil. "Aber das macht nichts, wenn ich es zwischendurch waschen kann."
Der Speisesaal war verlockend, trotzdem wollte sie die neue Gastfreundschaft nicht strapazieren und nickte nur. "Danke, ich sehe mich später um. Wenn Du noch etwas zu tun hast ... ich würde mich erst einmal ein bisschen ausruhen." Das mochte seltsam klingen, war aber die Wahrheit. Sie war schließlich eine ganze Weile auf der Flucht gewesen und so langsam kroch ihr die Müdigkeit in die Glieder.
Annie wude wach, als sie glaubte, Stimmen zu hören. Sie musste sich erst orientieren, wo sie sich befand, aber dann dämmerte es ihr, sie war mit Negan in diesen Außenposten gekommen. Wo genau er lag, wusste sie zwar nicht, aber an ihrem Fenster vorbei gingen zwei bewaffnete Männer auf das große Eingangstor zu. Sie konnte es von hier aus sehen und davor stand offensichtlich jemand, versuchte Eintritt zu bekommen? Annie zog sich wie in Trance an und trat aus dem Gebäude. Sie hatte keinerlei Auflagen bekommen, wie sie sich hier zu verhalten hatte. Vielleicht brauchte jemand Hilfe? Die Arme um sich geschlungen ging sie auf die Männer zu und stockte. "Du hier?", sie wurde unter ihrer dunklen Haut etwas blasser. Vor ihr stand der Anführer jener Gruppe, die sie vor kurzem erst verlassen hatte - mehr oder weniger fluchtartig. Der Blick ihres Gegenübers verriet, dass er sie längst erkannt hatte. "Annie. Was ein Zufall, dass Du hier bist ... Was hälst Du davon, wenn wir uns unterhalten?". Sie presste die Lippen aufeinander und starrte zwischen ihm und den anderen hin und her. In ihr arbeitete es. Sie konnte nicht zulassen, dass er hier rein kam - oder seine Leute holte. Sie musste dafür sorgen, dass er verschwand und nie wieder auftauchte. "Lass es gut sein, Larry", ihre Stimme zitterte nicht einmal. Larry lachte und griff nach ihrer Hand. "Hast Du mir nicht noch etwas zu sagen? Was ist mit unserer gemeinsamen Zeit?", er musterte sie und sein Blick war eindeutig. "Okay. Reden wir ...", gab sie nach ein paar Sekunden nach, in denen sie überlegt hatte, wie sie ihn ablenken konnte, ohne, dass er noch mehr Geschichten hervor kramte. Dass Negans Wachen rasche Blicke tauschten und einer sich eiligen Schrittes entfernte, bemerkte sie nicht, weil sie mit Larry vor das große Tor trat. "Was willst Du?", diesmal verschränkte sie die Arme vor der Brust und musterte ihn. Der Mann machte ein paar Schritte und hob dann etwas auf. Ihr Rucksack. "Du hast was vergessen, Kleine", spottete er und warf ihr die Tasche vor die Füße. Annie wich seinem Blick aus. "Behalt den Kram, ich brauche ihn nicht." Larrys Augenbrauen wanderten in die Höhe: "Ach, hast Du was besseres gefunden ja? Soll ich ihnen erzählen, dass Du eine Diebin und Verräterin bist?" Annie biss sich auf die Lippe und löste dann ihre Arme, um ihn weg zu stoßen: "Wag es nicht ..." Er war schneller als sie und griff nach ihren Handgelenken, zog sie näher an sich heran: "Du bist ganz schön undankbar, dafür, dass wir Dich Jahre durchgefüttert haben." Sein Gesicht war jetzt nah an ihrem und sie spürte seinen Atem, als er ihr drohend zuraunte: "Entweder Du kommst mit oder Du wirst dafür sorgen, dass ich meine Bezahlung bekomme."
@Negan Smith
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Er wusste um seine Wirkung nach außen. Auch nach all den Jahren gab es genug Menschen, die ihm weder trauten noch in irgendeiner Art und Weise mit ihm zusammen treffen wollten. Es gab Zeiten, da hat Angst und Schrecken verbreitet. Nicht nur, bei fremden Kolonien, sondern auch bei seinen eigenen Leuten. Viele hatten sich ihm aus purer Verzweiflung angeschlossen, weil sie nicht wussten, wohin sie sollten und natürlich wusste Negan das ganz genau. Doch die Zeiten hatte sich verändert und auch Negan hatte sich verändert. Er stand noch immer für sich und seine Leute ein, keine Frage, aber er hatte sich in den letzten Wochen zurückgezogen. Nach dem Fall der Saviors hatte er Zeit gehabt nachzudenken, sein Ego stand ihm jedoch immer und immer wieder im Weg. Nachdem er sich an den Kolonien gerächt hatte, hatte er begonnen sich selbst zu reflektieren und mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Und auch er begann, sich von Schuldgefühlen freizusprechen, auch wenn er definitiv heftigere Sachen getan hatte, als Annie.
"Ja, ich weiß!", erwiderte er nickend. Negan wusste selbst, wie wertvoll das medizinische Wissen heutzutage war. Kaum noch jemand war übrig, der das Fach wirklich gelernt hatte. Die meisten Ärzte, die sich heutzutage in den Kolonien aufhielten und den medizinischen Part übernahmen, hatten ihr Wissen von einem Arzt gelernt, das Fach an sich jedoch nie studiert oder eine Ausbildung in dem Bereich gehabt. Jede Person, die dieses Wissen noch aus den alten Zeiten hatte, war kostbar für die Gesellschaft, Negan wusste das.
Leise lachte er auf. "Ja, das kann ich mir vorstellen. Ich war kein guter Anführer, mh?", fragte er, doch eigentlich war es eher eine rhetorische Frage, er wusste selbst zu genau, dass die Meisten ihm nicht folgten, weil sie mit seiner Art und Weise der Führung einverstanden waren, sondern weil sie schlichtweg keine andere Möglichkeiten sahen. Heute war es etwas anders. Diejenigen, die jetzt bei ihm waren, waren freiwillig da.
Er bemerkte, dass ihre Augen aufleuchteten, als er von der Klinik sprach. Ein amüsiertes Schmunzeln schlich sich auf seine Lippen. "Es ist selten geworden. Wir hatten einfach Glück!", wiederholte er und ließ ihr einen Moment Zeit, um sich umzusehen, bevor sie langsam weitergingen. Die anderen Räume waren schnell gezeigt und er nickte, als sie darum bat, sich ausruhen zu dürfen. Negan konnte es nachvollziehen. Wenn man mit unter jahrelang unterwegs gewesen ist, wird es oft auch eine Umstellung sein, plötzlich wieder in einem weichen Bett schlafen zu dürfen, auch wenn die Betten der ehemaligen Psychiatrie nicht die gemütlichsten waren. Dennoch erfüllten sie ihren Zweck und für Personen, die vielleicht jahrelang auf dem Boden geschlafen haben, werden diese Betten dennoch alles bedeuten. Außerdem war es warm und man musste sich nicht sorgen, dass sie angegriffen wurden oder sich ein Beißer ins Lager verirrte. Außerdem hatten die meisten von ihnen einen eigenen Raum für sich, ein Luxus in der heutigen Zeit.
"Natürlich. Falls etwas ist, melde dich. Die Meisten hier wissen, wo man mich findet!", grinste er leicht und ließ sie dann allein, um sich ebenfalls zurückzuziehen. Er hatte vergessen, wie viel Arbeit so ein eigener Außenposten sein konnte. Und er musste immer noch eine Lösung für den Zaun finden. Vorerst würde er die Wachen an der Stelle verstärken und sich dann einen Kopf machen.
Während er mit seinen Aufgaben am Zaun beschäftigt war, kam einer seiner Männer auf ihn zu. "Negan, ich glaube, wir haben ein Problem!", begann dieser und mit einem Seufzen drehte sich Negan zu ihm um. "Ok, und was für ein Problem soll das sein?", fragte er, nachdem der Mann keine Anstalten machte, sich weiter zu äußern. Verunsichert sah der junge Mann ihn an und Negan zog seine fragend Brauen hoch.
"Ein Fremder tauchte am Eingangstor auf. Und ich glaube er kennt die Frau, die du mitgebracht hast!", platzte es schließlich aus ihm heraus und Negan warf einen Richtung Tor. Hatte er sich am Ende wirklich in Annie getäuscht? Klar, es gab Menschen, die in der Zeit da draußen derart abgestumpft waren, dass sie gute Lügner geworden sind, aber war die junge Frau, die er dort eingesammelt hatte, genau so? Er musste sich ein Bild über die Lage verschaffen, danach konnte er weiter entscheiden. Notfalls würde er sie beide töten. Er konnte nicht riskieren, sie beide rauszuwerfen, damit sie ihre Leute holen und auf ihn ansetzen konnten. Dafür hatte er weder Kapazitäten noch die Zeit. In den letzten Wochen waren vermehrt Angriffe von Beißern passiert, die ihn alle Nerven kostete, er konnte keinen seiner Leute entbehren, die dann sich noch eine Gruppe von Halbstarken abwehrten.
Als er am Tor ankam, sah er, wie ein Mann, etwas jünger als sie, und Annie ins Gespräch vertieft waren. Einen Augenblick gab er ihnen, um sie zu beobachten. Auf der einen Seite wirkten sie vertraut miteinander, natürlich, sie hatten schließlich einige Jahre zusammen verbracht. Auf der anderen Seite schien es, als ob der Mann ihr drohen würde. Als er sah, wie er nach ihren Handgelenken griff, griff er ein. Er legte sich Lucille locker über die Schulter und ging auf die Beiden zu. Als der Mann aufblickte, grinste Negan: "Hallo!", sagte er mit einem süffisanten Grinsen und blieb stehen, um zwischen ihr und ihm hin und her zu sehen. "Kann ich helfen?", fragte er und sah dann auf die Hände des Mannes, die immer noch Annies Handgelenke umklammerten. Unabhängig davon, ob die beiden sich kannten und unter einer Decke steckten oder nicht, sah es nicht so aus, als ob Annie freiwillig in der Situation war, weswegen Negan sich wieder an den Mann wandte.
"Lass sie los, Junge! Wir wissen beide, dass du das nicht tun willst!", er grinste erneut breit und schenkte Annie für den Moment keinerlei Beachtung. Erst musste er den Typen loswerden. "Warum...warum kommst du nicht hinein und erklärst uns die ganze Situation? Ich bin davon überzeugt, dass wir alle gebannt an deinen Lippen hängen werden!" Er nickte einem seiner Männer zu, die ihn, nachdem er Annie losgelassen hatte, mit ins Innere nahmen. Er würde sich später um ihn kümmern und dann entscheiden, was er mit ihm tat. Auch alle anderen setzen sich in Bewegung. Mit Lucille versperrte er Annie den Weg.
"Du nicht. Wir unterhalten uns jetzt!", wies er sie an und baute sich vor ihr auf. "WAS zum Teufel ist hier los? Ich reagiere wirklich allergisch darauf, wenn mich Leute anlügen und ich kann mir nicht helfen, ich habe bei dir grad ein ganz schlechtes Gefühl!" Er betrachtete sie einen Augenblick. "Was mache ich nur mit dir?"
@Annie Parker
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In Annie arbeitete es, während Larry ihre Handgelenke weiterhin fest im Griff hatte. Negan hatte sie mit hierher genommen, sie hatte gesehen, was er aufgebaut hatte und er hatte ihr geholfen. Dass er damals kein guter Anführer war, sondern einfach ein Despot, der seine Gruppe mit einer Mischung aus Erpressung, Angst und Gewalt zusammen gehalten hatte, war nicht zu bestreiten. Trotzdem war Annie bereit, ihm jetzt in dieser Situation mehr zu vertrauen, als den Menschen, die sie jahrelang begleitet hatte und die ohne große Not einfach die junge Frau ihrem Schicksal übergeben hatten - schlimmer noch, sie waren das Schicksal gewesen. Ob Negan heute auch noch so agierte? Sie wusste es ehrlich gesagt nicht, aber sie hoffte, dass die Zeit ihn verändert hatte und allein die Tatsache, dass er sie nicht einfach stehen lassen hatte, gab ihr diese Hoffnung. Annie versuchte aus Larry schlau zu werden, der sie noch immer mit einem kalten und berechnenden Blick musterte. Was er mit seiner Forderung bezweckte, war eindeutig. Er wollte, dass sie ihm und den anderen die notwendigen Informationen über diese Ansiedlung verschaffte oder sogar, dass sie weiterhin hier blieb und ihn dann hinein ließ. Wie dumm er war, diesen 'Deal' in unmittelbarer Nähe der Wachen und des Tores auszuhandeln, schien ihn nicht zu interessieren. Oder aber er zählte darauf, sie bloß zu stellen und ihre Glaubwürdigkeit zu zerstören ... damit aber würde sie auch nicht länger für Larry spionieren können. Annie schwirrte der Kopf, womöglich war sie zu unbedarft, um in diesen Dimensionen zu denken.
"Auf keinen Fall komme ich mit Dir. Willst Du mich so umbringen, wie das Mädchen in dem Supermarkt?", warf sie ihm leise entgegen und unterdrückte die Bilder, die vor ihrem inneren Auge auftauchten. Sie hatte keinen Zweifel, dass er so weit gehen würde. "Wenn Du so weiter machst, könnte ich mir das wirklich überlegen", war die emotionslose Antwort. "Lass mich los!", verlangte Annie und versuchte, sich zu befreien. "Du wirst also bezahlen. Auch gut", Larry überging ihre Bemühungen einfach und redete weiter. "Wenn ich wieder komme, dann nicht allein. Du hattest Deine Chance. Kommst Du mit, lass ich Deine neuen Freunde in Ruhe. Bleibst Du hier ..." Annies verzog das Gesicht. "Lass sie in Ruhe. Sie werden Dich einfach kalt stellen", zumindest, wenn von dem alten Negan noch etwas übrig war. "Du bist eine Idiotin. Glaubst Du, ich bin alleine hier?", herausfordernd sah er zu ihr rüber und ließ den Blick dann unbestimmt über ein paar Büsche in der Nähe gleiten. "Du kannst Dir nie sicher sein. Niemals."
Annie kam nicht zu einer Antwort, denn die bekannte Stimme erklang und ihr Kopf fuhr herum zu dem Mann. Sie kannte das Grinsen, den Tonfall. Ihr wurde bewusst, dass er noch immer gefährlich war. Larry war anscheinend weniger klug, ließ aber zumindest los und Annie rieb sich die Handgelenke. Mit einem Anflug von Erleichterung registrierte sie, dass man den Kerl mit nahm und sie war nicht sicher, ob sie wirklich wissen wollte, was Negan später mit ihm zu 'reden' hatte. Die Situation schien fürs erste aufgelöst und sie wollte direkt hinterher, als ihr der Weg versperrt wurde.
Erschrocken stockte sie und blieb stehen, ihr Blick suchte den von Negan. "Das ist kein guter Ort zum Reden", wandte sie ein und sah an ihm vorbei zu eben jenen Büschen, wo auch Larry hingesehen hatte. Ob er geblufft hatte, war nicht sicher, erkennen konnte sie nicht viel. Die Haltung von Negan und seine Entschlossenheit brachten Annie erstmal wieder zum schweigen. Ganz offensichtlich hatte sie jetzt ein Problem.
"Ich habe Dich nicht angelogen!", wehrte sie ab und verschränkte wieder ihre Arme vor der Brust. "Larry ist hier aufgetaucht und hat verlangt, dass ich zurück komme oder Euch hier verrate." Und jetzt war es auch schon egal, dass womöglich Zuhörer in einiger Entfernung versteckt waren. "Er wird Dir erzählen, dass ich eine Diebin und Verräterin bin, dass man mir nicht trauen kann." Annie ging die Luft aus, weil keins ihrer Worte ausreichen konnte, um Negan vom Gegenteil zu überzeugen. Außer ... "Wenn ich Dich und Deine Leute wirklich hätte verraten wollen, hätte ich mich doch nicht offen mit ihm gezeigt! Riskiert, dass man Dir davon erzählt und mich mit ihm erwischt. Ich bin doch nicht bescheuert ...", sie fuhr sich durch die Haare und hielt dem Blick stand. "Was Du mit mir machen sollst? Wirf mich raus, dann bringen seine Leute das zu Ende, was er wollte." Und falls Negan nicht wusste, worauf sie anspielte, ergänzte sie: "Das gleiche wie mit der jungen Frau." Eigentlich sollte es ebenso entschlossen und mutig klingen, aber Annie konnte ihre Angst nicht so gut kontrollieren. "Ich habe Dich nicht angelogen. Er ist hier, weil er eine Bezahlung von mir verlangt, dafür, dass ich die Gruppe verlassen und beklaut hab. Und er scheint zu denken, dass ... er hier fündig wird."
@Negan Smith
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Negan hasste es, wenn er in Situationen geriet, in denen er nicht wusste, wer böser Cop und wer guter Cop war. Zu gern hätte er Annie glauben geschenkt, doch im Grunde wusste er gar nichts über sie. Natürlich hatte sie ihm erzählt, dass sie damals bei den Saviors dabei war und so, wie sie davon erzählt hatte, klang es auch logisch. Doch so sehr sich Negan auch versuchte zu erinnern, er kam einfach nicht auf eine Situation, in der sich die beiden bereits einmal über den Weg gelaufen waren. Eigentlich konnte er sich an Jeden erinnern, der im Sanctuary gelebt hatte, doch Annie flog für ihn unter dem Radar. Doch wer wäre er, wenn er sich ihr entledigen würde. Dass dieser Larry nicht ganz die Wahrheit sagte, dass spürte er sofort, als er ihm gegenüber trat. Und so sehr er auch gern davon absah, Fremden etwas zu tun, wusste er, dass Larry sein Gelände vermutlich nicht mehr lebend verlassen würde. Zu groß war die Gefahr, dass er mit seiner Bande von Halbstarken hier auftauchte und ihm das mühsam Aufgebaute zerstörte. Soweit würde er es nicht kommen lassen. Bei Annie jedoch... er wurde nicht so richtig schlau aus ihr. Dass er sie mit ihrem Wissen brauchte, stand außer Frage. Sollte sie ihn jedoch angelogen haben, konnte auch sie zur Gefahr für ihn werden. Er kniff die Augen zusammen und seufzte schwer, bevor er wieder zu Annie sah, die er soeben aufgehalten hatte. Negan merkte, dass sie nervös war und sah in die Richtung, in die sie sah, als sie ihm sagte, dass es kein guter Ort zum Reden war. Erkennen konnte er nichts, aber dass sich vielleicht jemand in der Nähe aufhielt, erkannte er an ihrem nervösen Gestammel sofort. Kurz sah er in Richtung seiner Männer, nickte ihnen kaum merklich zu, sie würden sich des Problems annehmen.
Er betrachtete Annie eingehend, bevor er schließlich nickte.
"Ich glaube dir - vorerst! Und hier ist mein Deal:...", für einen Augenblick hingen die Worte bedeutungsschwanger in der Luft, bevor er weitersprach. "Du darfst bleiben, bekommst ein Dach über dem Kopf, Verpflegung, Schutz und alles was du benötigst. Im Gegenzug wirst du meine Krankenstation übernehmen!" Erneut machte er eine Pause, um den Worten Ausdruck zu verleihen. Dann hob er Lucille auf Augenhöhe, damit Annie sie gut sah. "Doch sollte ich rausfinden, dass du mich hintergehst oder mich angelogen hast, wirst du dir wünschen es nicht getan zu haben!" Noch einmal sah er sich in der Umgebung um, bevor er Annie andeutete, ihm zu folgen. Gemeinsam traten sie durch das Tor, dass hinter ihnen geschlossen wurde, bevor er sich ihr wieder zu wandte.
"Du kannst dir die Krankenstation schon einmal ansehen. Wir treffen uns dort, vorerst muss ich mich noch um ein kleines Problem kümmern!", sagte er dann und ließ Annie am Tor zurück, um seinen Männern zu folgen, die Larry mit sich genommen hatten.
Larry saß in einem der Räume, die sie kaum nutzen. Für solche Momente jedoch waren sie perfekt. Negan ließ sich Larry gegenüber nieder und schmunzelte leicht. Er konnte den Typen nicht leiden und wollte ihn schleunigst los werden. "Also Larry, ich darf dich doch Larry nennen oder? Deine Freundin hat mir freundlicherweise deinen Namen verraten! Was führt dich zu mir?", fragte er dann und Larry grinste breit. "Ich weiß nicht, was sie dir erzählt hat, aber ich will mein Zeug wieder. Sie ist eine Diebin und Verräterin. Und wenn sie mir mein Zeug nicht gibt, hole ich es mir hier eben selbst!" Erstaunt über so viel Selbstbewusstsein zog Negan die Brauen hoch, schwieg aber. "Ich bin nicht allein gekommen. Meine Leute sitzen draußen vor dem Tor. Sollte ich nicht mehr rauskommen, werden sie rein kommen und mich suchen!" Negan lehnte sich mit einem Grinsen über den Tisch. "Drohst du mir etwa?" Schmunzelnd erhob er sich dann und stellte sich ans Fenster. "Meinst du diese Leute?", fragte er und deutete nach draußen, wo seine Männer Larrys Leute, die sie in den Büschen gefunden hatten, an die Zäune gebunden hatten. Einige waren bereits in der Verwandlung, andere hingen dort schlaff und würden sich sicher jeden Augenblick verwandeln. Negan wandte sich wieder Larry zu. "Tut mir leid dir das zu sagen, aber ich hasse es, wenn man unangekündigten bei mir auftaucht und mir dann ans Bein pisst. Das hättest du wirklich nicht tun sollen. Ich denke, dass du deinen Freunden gern Gesellschaft leisten würdest oder?" Es war eine rhetorische Frage und er erwartete keine Antwort. Er ging hinüber zur Tür und öffnete sie. "Alles Gute, Larry!", grinste er breit und trat aus der Tür, bevor einige seiner Männer zu Larry hinein gingen. Vielleicht würde er Larry nachher am Zaun noch einen kurzen Besuch abstatten. Negan schloss die Tür von außen und lief hinüber zur Krankenstation.
Auf der Türschwelle blieb er stehen und sah zu Annie. "Das mit Larry ist geklärt! Vor ihm hast du nichts mehr zu befürchten!" Er blieb Annie eine weitere Erklärung schuldig. Er würde ihr nicht verraten, was er getan oder nicht getan hatte. Sie konnte sich ihren Teil denken, vielleicht würde sie ihren alten Freund später am Zaun erkennen, es war ihm egal.
"Du kannst das Zimmer nebenan beziehen, wenn du willst. Es ist größer als das Zimmer, dass ich dir vorhin gab und es liegt direkt an der Krankenstation, sodass du nicht noch ewig weit laufen musst, falls du Patienten hast, die länger bleiben müssen. Falls du noch irgendwelche Fragen hast, du weißt wo du mich findest!" Mit diesen Worten ließ er sie allein. Wenn sie bleiben wollte, konnte sie sich ab sofort frei auf dem Gelände bewegen. Jetzt musste er sich erst einmal um diesen Zaun kümmern, der noch immer im Begriff war zu brechen. Sollte das passieren, war niemand mehr sicher. Mit Lucille auf der Schulter lief er über das Gelände. Was für ein Tag!
@Annie Parker
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Annie konnte sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete und er alle Möglichkeiten in Gedanken durchspielte. Wahrscheinlich wog er ab, ob es sicherer war, sich ihrer direkt zu entledigen oder ob er riskieren konnte, ihr zu glauben. Mit ihrem Blick hatte sie versucht, ihm zu signalisieren, dass Larry nicht allein gekommen und sie unter Beobachtung waren, aber zunächst schien Negan erst einmal mit ihr beschäftigt zu sein, ehe sie die minimale Bewegung bemerkte und ein einziger Blick zu seinen Männern ausreichte, um ihnen den Befehl zu geben, sich der Sache anzunehmen. Dass sie Larrys Freunde damit ihrem Schicksal überließ, wusste Annie genauso gut, wie ihr klar war, dass sie höchstwahrscheinlich jeden Einzelnen kannte, schon mit ihm zusammen unterwegs gewesen war. Trotzdem spürte sie keine Reue.
Als sie zurück zu Negan sah, fing sie seinen Blick auf, konnte ihm direkt in die Augen sehen und dann bekam sie die Antwort, die sie so gefürchtet hatte. Er glaubte ihr. Natürlich knüpfte er es an Bedingungen und für den Moment blitzte der alte Negan hervor, der Anführer, der durch seine Grausamkeiten die Macht gesichert hatte. Lucille direkt vor ihren Augen konnte sie sich ein Bild davon machen, was er mit ihr anstellen konnte, wenn sie sich einen Fehler erlaubte. "Einverstanden", stimmte sie zu, obwohl es kein Angebot war, sondern schlichtweg eine Aufforderung. Um ihre Worte zu bekräftigen nickte Annie und versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, so eine verantwortungsvolle Aufgabe auszuüben. Negan machte eine Pause und sie spürte seinen eindringlichen Blick, als er die Drohung so beiläufig aussprach, als hätte er sie über anfallenden Überstunden informiert. Aufatmend folgte sie ihm, da sie nicht vorhatte, ihn zu hintergehen oder enttäuschen, konnte sie sich auf ihren Einsatzbereich konzentrieren. Das Tor schloss sich hinter ihr und sie sah zu dem Mann. "In Ordnung", sie hatte eine grobe Vorstellung, von welchem Problem er sprach, aber sie wollte darüber nicht nachdenken, weil es ihre Gedanken zu sehr belasten würde. Dass Larry sich wie ein Arschloch verhalten und sie beinahe umgebracht hätte, war das eine, aber ihn ans Messer zu liefern, war dennoch keine leichte Entscheidung gewesen. Warum war dieser Idiot nicht einfach mit den anderen zurück geblieben?
Annie betrat die Krankenstation und versuchte, sich ein Bild zu machen. Es gab erstaunlich viel Material. Natürlich keine voll ausgestattete Klinik oder gar so viel Notfallmedizin wie in einem Rettungswagen, aber ausreichend, um die Erstversorgung und kleinere OPs zu übernehmen. Annie öffnete den ein oder anderen Schrank, durchlief die einzelnen Räume und stellte fest, dass sie es hätte schwerer haben können.
Wie lange sie hier war, konnte sie nicht genau sagen, aber plötzlich hörte sie die Stimme von Negan in der Tür und sah zu ihm. "Das ist gut ... nehme ich an", er musste nichts weiter sagen. Sie war zu alt, um die Welt mit einer rosaroten Brille zu sehen und machte sich keine Illusion, dass man Larry einfach mit ein paar mahnenden Worten vor die Tür gesetzt hatte. Es wäre in dieser Zeit einfach der pure Selbstmord, weil nicht sicher war, wen der ehemalige Freund noch mobilisieren konnte. "Danke", Annie nickte leicht. Das neue Zimmer würde es einfacher machen und ihren Teil beizutragen, war nur fair. Schließlich musste jeder irgendetwas Sinnvolles leisten - so war es bei den Saviors schon gewesen, selbst, wenn man sie kaum gekannt hatte.
"Ich sehe mich erstmal um, dann ... melde ich mich, wenn noch Fragen offen sind", versprach sie und sah ihm nach, wie er die Krankenstation verließ.
Eine Weile später hatte Annie eine Liste gemacht, mit Dingen, die sie vielleicht noch brauchen konnte. Vieles davon würde nicht einfach zu bekommen sein - manches wahrscheinlich gar nicht. Sie hatte den Namen der jungen Frau leider vergessen, die ihr geholfen hatte, die Sachen aufzuschreiben, aber schlussendlich wollte sie Negan damit konfrontieren und machte sich auf die Suche nach ihm.
Als sie die Krankenstation verließ, fiel ihr Blick als erstes auf den Zaun, wo sie die typischen Geräusche hörte und erstarrte. Tatsächlich erkannte sie einige der ... Untoten. Zumindest Larry war an seiner Kleidung zu identifizieren, wenn er auch mit dem Anführer nicht mehr viel gemeinsam hatte. "Du dämlicher Idiot", murmelte sie, aber es war kein Mitleid in ihrer Stimme, dafür hatte er zu viele Fehler gemacht. Nur kurz blieb sie an dem Anblick haften, bis sie sich los riss und zu Negan ging, den sie in einiger Entfernung arbeiten sah. Das Papier mit ihrer 'Einkaufsliste' hatte sie in die Hosentasche geschoben.
"Störe ich?", machte sie sich bemerkbar und musterte den Älteren. "Es tut mir leid, was passiert ist ... Danke für Deine Hilfe", ihr Lächeln geriet etwas schief, weil sie sich im Grunde genommen sicher war, gar keinen Grund zu haben, sich zu entschuldigen. Es war nicht ihre Schuld, dass Larry und seine Leute hier aufgetaucht waren.
"Ich habe mich umgesehen und ein paar Sachen aufgeschrieben ...", begann sie vorsichtig, weil es vermutlich nicht der richtige Zeitpunkt war, Negan damit zu behelligen. "Aber ich kann auch erst hier beim Zaun helfen", sie sah sich um.
@Negan Smith
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In den letzten Jahren hatte Negan versucht sich zu hinterfragen. Er wusste, dass er nicht immer richtig gehandelt hatte und auch, wenn er mittlerweile Abstand davon nahm, Menschen sofort töten zu lassen oder gar selbst umzubringen, würde er nach wie vor alles tun, um seine Familie und sich selbst zu schützen. Allein durch die Körpersprache, die Annie angenommen hatte, hatte er sofort bemerkt, dass mit Larry und seinen Anhängern nicht zu Spaßen war. Ihre Erzählungen, die sie ihm über die Gruppe anvertraut hatte, hatten ihr übriges getan. Um sich und seine Leute zu schützen, hatte er so handeln müssen, wie er es nun getan hatte.
Natürlich hätte er sich auch Annie entledigen können, doch irgendwas in ihm sagte ihm, dass sie die Wahrheit sagte und so hörte er auf dieses Bauchgefühl und stellte seine Bedingungen. Sollte sich herausstellen, dass sie ihn hintergangen hatte, würde er kurzen Prozess machen. Er hatte genug von Menschen, die ihn anlügen, um ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen. Möglicherweise war Annie anders, dass konnte er jedoch zu diesem Moment noch nicht beurteilen. Er würde sie im Auge behalten und dann entscheiden, wenn die Zeit reif war. Aktuell musste er sich auf sein Bauchgefühl verlassen, auch wenn es ihm schwer fiel. Mit gemischten Gefühlen entließ er Annie vorerst, um sich um Larry zu kümmern.
Nachdem auch sich auch um "dieses Problem" gekümmert hatte, begann er sich endlich wieder um das eigentliche Problem zu kümmern. Der Zaun, der noch immer nicht seinen Zweck erfüllte und ihm permanent beschäftigte. Gedankenverloren stand er vor dem Zaun, überlegte, wie er das Problem löste, als er Annies Stimme vernahm. Mit einem Schmunzeln drehte er sich zu ihr um und lächelte leicht: "Du störst nicht!", erwiderte er und nickte dann. "Weißt du, in der heutigen Welt ist sich jeder selbst der Nächste. Und wenn jemand mir feindselig gegenüber ist - und Larry war es definitiv - ziehe ich meine Konsequenzen daraus!" Er sah sie kurz an und schüttelte dann den Kopf. "Und es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen musst. Es war am Ende nicht deine Schuld, dass Larry hierher kam!"
Dann richtete er sich auf und nickte. "Gib die Liste an Nick weiter, er wird sich drum kümmern!", sagte er und winkte den genannten Mann heran, der auch sofort zu ihnen stieß. Negan erklärte ihm die Sache mit der Liste und Nick versprach, sich zeitnah darum zu kümmern. Man hatte sich sowieso vorgenommen in den nächsten Wochen einige Krankenhäuser und Kliniken in der Umgebung abzuklappern, in der Hoffnung, dass man noch etwas Brauchbares fand. Dann grinste er in Annies Richtung: "Beim Zaun kannst du mir aber dennoch helfen!" Er drückte Annie ein paar Holzlatten und Nägel in die Hand, nichts schweres, sodass sie es problemlos tragen konnte und wandte sich dann Richtung Zaun, wobei er sich immer wieder zu ihr umdrehte. Irgendwie mochte er die junge Frau, die ihm da so plötzlich vor die Füße gefallen war.
Eine Zeit später:
Annie war nun einige Zeit bei ihnen und auch, wenn Negan anfangs skeptisch war, musste er doch sagen, dass sie es geschafft hatte, sich innerhalb kürzester Zeit in die Gemeinschaft einzufinden und ein Teil davon zu werden. Er konnte es sich gar nicht mehr vorstellen, wie es war, bevor sie zu ihnen gestoßen war. Doch trotzdem flog sie nach wie vor unter seinem Radar. Sie verhielt sich unauffällig und versuchte nirgends anzuecken. Eigentlich etwas, was Negan schätzte, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass es vielleicht mit ihrer Zeit bei den Saviors zusammen hängen würde. Damals war er ein grausamer, autoritärer Anführer gewesen. Und auch, wenn er jetzt noch immer für den Schutz seiner Leute verantwortlich war, hatte er seinen Führungsstil grundlegend geändert. Nachdem er sich das Ganze nun einige Tage angesehen hatte, hatte er sich heute vorgenommen, sie in der Krankenstation aufzusuchen und sie anzusprechen. Natürlich würde er nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen, sondern unter einem Vorwand bei ihr auftauchen und sie einfach ein wenig aushorchen und fragen, ob alles in Ordnung war.
Als er nun auf der Schwelle zur Krankenstation fand, klopfte er gegen den Rahmen der Tür.
"Klopf, Klopf! Jemand da?", fragte er und trat ein. Zum Glück war die Station aktuell eher leer, abgesehen von normalen Blessuren oder Wunden, die aber durch Annie glücklicherweise schnell und fachgerecht behandelt wurden waren. Auch wenn sie noch nicht lange bei ihnen war, hatte er doch das Gefühl, dass die Krankenstation sich verändert hat. Es war nicht mehr das dunkle Loch, sondern es erinnerte ihn an eine normale Krankenstation.
Als er Annie nun erblickte, grinste er leicht: "Ich hoffe ich störe nicht. Ich wollte nur fragen, ob die Dinge von deiner Liste mittlerweile ihren Weg zu dir gefunden haben?", fragte er und hätte sich selbst Ohrfeigen können, denn natürlich wusste er über fast jeden Schritt, der hier getan wurde, Bescheid. Eine bessere Ausrede war ihm nicht eingefallen? Was war bloß los mit ihm? Warum benahm er sich in ihrer Gegenwart wie ein riesiger Trottel? Doch jetzt hatte er das Gespräch angefangen, jetzt musste er es auch durchziehen.
@Annie Parker
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Annie wischte mit einem Lappen, den sie mit etwas Alkohol getränkt hatte, über die Oberflächen. Vor ein paar Minuten noch hatte sie hier eine offene Wunde versorgt. Eine der Tätigkeiten, die tatsächlich häufiger vorkamen und für die sie sich verantwortlich fühlte. Schließlich wollte sie Negan beweisen, dass er ihr sein Vertrauen nicht umsonst geschenkt hatte. Nach Larrys Auftauchen hatte Annie befürchtet, ebenso in Ungnade zu fallen oder seinen Zorn zu spüren zu bekommen. Nichts davon war geschehen, Negan hatte ihr eine Aufgabe übertragen und auf diesem Gebiet fast freie Hand gelassen. Den restlichen Tag hatten sie zusammen an dem Zaun gearbeitet. Schweigend, ohne große Gespräche, aber so, dass sie nicht das Gefühl hatte, es wäre ihm unangenehm. Ein Lächeln, wenn sie ihm etwas anreichte oder die Blicke sich zufällig trafen. Die Geste, als er ihr eine Flasche Wasser hin hielt. So, als hätten sie schon öfter zusammen gearbeitet. Annie schob den Karton mit dem Verbandmaterial wieder an seinen Platz - es war ihr wichtig, dass alles dort stand, wo man es sofort wieder finden konnte. Ansonsten vergeudete man im Notfall nur wertvolle Zeit.
Als sie fertig war, fuhr sie sich durch die Haare. Eigentlich konnte sie sich ein bisschen die Beine vertreten, aber hier auf der Krankenstation fühlte sie sich vertraut und sicher. Sie hatte keine Angst vor Negan oder seinen Leuten, aber nach wie vor versuchte sie, nur ihre Aufgaben zu erfüllen und so wenig Probleme wie nötig zu machen. Sie hatte Nick die Liste gegeben und wenig später einen Großteil davon überreicht bekommen. Damit war sie eine ganze Weile beschäftigt gewesen und hatte eine gute Ausrede gehabt, nicht an gemeinsamen Essen oder anderen Treffen teilnehmen zu können. Sie wusste nicht einmal, ob man ihre Abwesenheit bemerkt hatte.
Als es plötzlich am Türrahmen klopfte, begleitet von der bekannten männlichen Stimme, fuhr sie herum: "Äh ... ja, wie Du siehst. Bin gerade fertig mit der Desinfektion." Ob es ihn interessierte? Vielleicht, sie ging davon aus, dass er noch immer gern über alles die Kontrolle hatte.
Annie sah Negan direkt an und nickte leicht. "Nick hat das meiste besorgen können. Und ... Du störst natürlich nicht. Dir gehört das hier doch." Es fühlte sich komisch an, dass er um Erlaubnis bat und sie lächelte. "Hab gerade eine Wunde versorgt, den anderen geht es soweit gut. Nur Kleinkram", versicherte sie und streckte die Hände in die Hosentaschen.
Verlegen musterte sie ihn. Seltsamerweise hatte sie den Eindruck, dass es ihm ähnlich ging. "Bist Du nur deswegen hier?", erkundigte sie sich nach ein paar Sekunden geradeheraus. "Oder ist etwas vorgefallen?", unvorstellbar, wenn ein paar von Larrys Leuten womöglich noch einmal hier aufgetaucht wären? Andererseits wirkte er dafür etwas zu lässig. "Ich wollte gerade ein wenig Pause machen", gestand sie und suchte wieder seinen Blick. Seit sie hier war hatte sie noch nie so 'viel' am Stück mit ihm gesprochen und dabei merkte sie selbst, dass seine Anwesenheit sie weniger erschreckte, wie es damals der Fall gewesen war.
Wahrscheinlich lag es daran, dass es bisher keine Geschichten über seine Schreckensherrschaft, Bestrafungen und Boshaftigkeit gab. Es war, als hätte sie eine Chance, ihn neu kennen zu lernen. Aus Gewohnheit hatte sie sich einfach zurück gezogen, aber jetzt, wo er sie extra aufgesucht hatte, wurde sie mutiger. "Du ... könntest mitkommen. Also in die Pause."
@Negan Smith
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zuletzt bearbeitet 20.03.2025 21:28 |
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Nach der Sache mit Larry, war es ruhig in der Gruppe geworden. Abgesehen von offenen Wunden, kleineren Verletzungen oder auch mal Verletzungen, die sich die Männer und Frauen draußen einzogen, war es erstaunlich ruhig geworden. Etwas, was Negan genoss. Auch wenn er früher gern mittendrin und voll dabei war, ging auch an ihm das Leben nicht spurlos vorbei. Mittlerweile zog er einen ruhigen Tag ohne größere Vorkommnisse einem Tag voller Action vor.
Annie hatte ihre Arbeit aufgenommen und Negan war erstaunt gewesen, wie schnell sie sich eingefügt hatte. Schon mehrfach hatte er aus verschiedenen Richtungen gehört, wie froh die Leute waren, dass sie jemanden wie Annie in ihren Reihen wussten, denn bislang hatte sie gute Arbeit gemacht und die Todesfälle waren auf beinah null zurückgegangen, wenn man die Fälle, in denen man nichts mehr für die Leute tun konnte, beispielsweise nach einem Biss, abzog. Und doch hielt sie sich in großen Teilen zurück. Negan verstand nicht warum, denn Annie hatte nichts zu befürchten, ganz im Gegenteil. Er mochte die junge Frau und sah ihr gern bei der Arbeit zu, wenn er zufällig in der Nähe war. Sie wusste eindeutig was sie tat, das imponierte Negan ungemein.
Als er nun bei Annie in der Tür stand, nickte er mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen.
"Das sehe ich. Schön zu wissen, dass es noch genug Leute in diesen Zeiten gibt, die wissen was sie tun und es vor allem richtig tun!", erwiderte er und deutete kurz auf die Stellen, die Annie grade desinfiziert hatte. Er stieß sich vom Türrahmen ab und ging ein paar Schritte auf sie zu, ließ aber zwischen ihnen ein wenig Abstand. Er wusste immer noch nicht, wie Annie genau zu ihm stand und er wollte sie auf keinen Fall verschrecken, sodass sie am Ende das Weite suchte.
"Gut, gut!", murmelte er, auf ihre Antwort, dass sie alles bekommen hatte und auch, was sie grade getan hatte. "Die Leute hier sind absolut begeistert von dir und deiner Leistung! Sie sind froh, dass du hier bist!", schob er noch nach und hob den Kopf, um sie zu betrachten. Dann lachte er leise auf.
"Es gehört nicht mir, es gehört uns! Wir sind ein Team!", Worte, die früher aus seinem Mund undenkbar waren. Und noch so manches Mal fragte er sich, ob sein neuer Führungsstil wirklich so viel besser war, als der alte. Doch Fakt war, dass seine Leute wesentlich ausgeglichener und zufriedener wirkten, als damals.
Ihre Worte rissen ihn aus seinen Gedanken.
"Nein, es ist alles in Ordnung. Ich wollte dich nur fragen, ob auch bei dir alles in Ordnung ist! Fühlst du dich hier wohl?", platzte es dann aus ihm heraus und er fühlte sich wie ein liebestoller Teenager, der zum ersten Mal mit seinem Schwarm spricht. Kurz rügte er sich in Gedanken und nickte dann. "Gern, hast du etwas geplant?", fragte er noch, ließ ihr dann den Vortritt und folgte ihr dann aus der Krankenstation hinaus. Die Sonne draußen schien und es war warm. "Hast du Hunger? Wir könnten etwas Essen gehen?"
Verlegen trat er von einem Bein auf das andere. Es war lange her, dass er einer Frau in irgendeiner Weise nah gekommen war. Aber das mit Annie und ihm war doch sowieso nur rein freundschaftlich, oder nicht? Sie gingen jetzt einfach nur etwas Essen, essen mussten schließlich alle. Negan würde sich am liebsten Ohrfeigen für die Gedanken, die er grad hatte. Was zum Teufel wurde das hier? Er wollte Annie einfach nur fragen, ob bei ihr alles in Ordnung war und jetzt dachte er über Dates nach? Er warf Annie ein kurzes fragendes Grinsen zu. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte er sich in der Gegenwart einer Frau unsicher und er hoffte inständig, dass es ihm gelang, diese Gefühle zu überspielen.
@Annie Parker
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Annie lächelte und nickte: "Das ist Wissen, das immer weiter verloren gehen wird. Ich versuche, es den Jüngeren einzuprägen. Am Ende des Tages kann das darüber entscheiden, ob jemand an einem Schnitt in den Finger stirbt." Kleinigkeiten, die so einfach zu verändern waren, denn schließlich konnte sie hier keinen voll ausgestatteten Rettungswagen erwarten. Den hätte sie Nick zu gern auf die Liste gesetzt, aber das lag einfach nicht im Bereich des Möglichen.
Sie sah auf, als Negan an sie heran trat und lächelte verlegen, als er die Komplimente, die es scheinbar gegeben hatte, an sie weiter reichte. "Ach was ...", wehrte sie bescheiden ab. Sie wollte gar nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und war froh, dass sie mit ihrer Arbeit der Gruppe etwas zurück geben konnte. Außerdem war da ja noch ihr angeborener Helferkomplex ... Aber für Negan und seine Leute - ihren Leuten, korrigierte sie in Gedanken - schien es von Bedeutung zu sein. Als hätte er in ihren Kopf geguckt, verbesserte der Anführer sie ebenfalls und Annie musterte ihn. Ein Team. Er wusste wahrscheinlich selbst am besten, dass er in seiner Vergangenheit alles andere als ein Teamplayer gewesen war und diesen Eindruck konnte die dunkelhäutige Frau nicht so einfach vergessen. Sicherlich gab es keine Schreckensherrschaft mehr, die meisten, mit denen sie gesprochen hatte, waren überzeugte Anhänger und die wenigen kritischen Stimmen betrafen einzelne Entscheidungen und stellten nicht den gesamten Menschen in Frage. Auch war ihr nicht diese unterschwellige Angst begegnet, die damals zu spüren gewesen war und jetzt gerade, schien Negan direkt aufgeschlossen zu sein.
Trotzdem musste sie davon ausgehen, dass es einen triftigen Grund für den Besuch gab, sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sein Interesse an ihrer Arbeit so groß war, dass er extra hierher kam - aber sie hatte sich geirrt? Die Überraschung auf ihrem Gesicht war echt, dann nickte sie leicht. "Ja ... es ist alles gut und natürlich fühle ich mich wohl?", noch verstand sie den Hintergrund der Frage nicht und Annie fragte sich, wohin diese Unterhaltung sie führen würde. Auf jeden Fall machte Negan in dieser Form einen sehr viel sympathischeren und menschlicheren Eindruck, was sie leicht schmunzeln ließ und deswegen wagte sie diesen Vorstoß. Dass er ihre 'Einladung' annahm, war dennoch ungewohnt und sie schüttelte den Kopf. "Nein, ehrlich gesagt hab ich nicht mal damit gerechnet, dass Du zustimmst", gab sie lachend zu und machte einen Schritt näher an ihn - und die Tür - heran. "Aber Hunger habe ich tatsächlich. Ist das also eine Einladung?", sie zwinkerte ihm zu und hätte fast schwören können, dass seine Wangen sich verfärbt hatten, aber da spielten ihre Augen ihr sicherlich einen Streich, zumal bei seinem Bart sowieso nicht allzuviel vom Gesicht zu erkennen war. Dafür bemerkte sie sein Grinsen umso deutlicher und das wiederum machte sie wieder verlegen. "Okay, gehen wir etwas essen. Wenn bis dahin keine neuen Verletzten eintrudeln, könnte das ein freier Nachmittag werden."
@Negan Smith
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zuletzt bearbeitet 01.05.2025 19:36 |
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Negan erwiderte das Lächeln, wie könnte er auch nicht. "Das Wissen weiterzugeben ist das Beste was wir heute noch tun können. Vielleicht wird es irgendwann eine neue Welt geben, die von der alten Welt profitieren!", erwiderte er und schwelgte einen Moment in Erinnerungen an die Welt, die es einmal gab. "Meine Frau...", begann er dann, obwohl er nicht genau wusste, warum er jetzt darüber sprach. "Meine verstorbene Frau...", korrigierte er sich, bevor er weitersprach: "...wurde von einem sehr guten Palliativteam betreut. Sie musste diese Scheiße hier zum Glück nicht mehr wirklich miterleben, sie starb kurz nach der Beginn dieser Apokalypse!" Er trat etwas näher, während er weitersprach. "Jedenfalls bin ich diesem Team bis heute sehr dankbar für ihre Arbeit. Sie gaben ihr...uns sehr viel Halt! Ich weiß nicht einmal, ob sie noch leben, aber ich hoffe es, damit sie ihr Wissen weitergeben können!" Er wusste nicht, wieso er das jetzt erzählt hatte. Allgemein sprach er sehr selten über Lucille, denn sie war das einzig Gute an ihm, bevor die Apokalypse passiert war. So wollte er ihr Andenken wahren.
Deswegen war er auch froh, dass sie dann über andere Dinge sprachen, denn das er keinen Grund hatte, sondern einfach nur aus einer Laune bei ihr aufgetaucht war, wollte er nicht zugeben.
"Das freut mich. Ich hoffe, dass wir hier aus diesem Außenposten etwas Großes machen können!", er wirkte ein wenig in Gedanken versunken, doch er war nur froh, dass Annie sich bei ihm wohl fühlte. Warum er darauf so einen Wert legte, konnte er nicht einmal genau sagen. Als er sie lachen hörte, stimmte er mit ein und hob ein wenig die Schultern. "Ja! Ja, ich denke das ist eine Einladung!", erwiderte er und hob seinen Arm, damit sie sich unterhaken konnte. Gemeinsam verließen sie die Krankenstation und liefen hinüber in Richtung des Speisesaals. "Dann drücke ich uns beiden die Daumen, dass es ein freier Nachmittag wird!", schmunzelte er, während sie gemeinsam über das Gelände schlenderten. Wer nicht wusste, was sie hier taten und welches Ziel sie hatten, konnte denken, dass sie einen gemeinsamen Spaziergang machten und irgendwie mochte Negan die Situation, ja er genoss sie regelrecht. Er konnte nicht genau sagen, warum es so war, aber Annie faszinierte ihn auf eine Art, die er lange nicht mehr gespürt hatte.
"Erzähl mir etwas von dir, aus deinem alten Leben!", bat er sie dann, denn eigentlich wollte er alles von ihr erfahren. Alles über sie wissen und ihr von sich erzählen und ja, das war eine Seltenheit bei Negan. Er war sonst verschlossener, sprach nicht gern über seine Vergangenheit, doch bei Annie hatte er das Gefühl, dass er ihr alles über sich erzählen wollte.
@Annie Parker
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Eine neue Welt. Annie nickte leicht. Momentan fühlte es sich eher so an, als würden sie die Methoden aus dem Mittelalter wieder neu entdecken. Heilkräuter, pflanzliche Wirkstoffe ... das alles kam nicht an die modernen Medikamente heran, aber mitunter war es die einzige Möglichkeit. Aber auch dieses Wissen musste erst wieder erlernt werden, damit es von einem zum anderen getragen werden konnte. "Vielleicht gibt es in der Nähe eine Bibliothek ... oder noch besser eine Universität. Vielleicht findet man noch Lehrbücher." Das konnte ihnen einen großen Vorteil verschaffen. Bei den Plünderungen hatte man sich doch eher auf Nahrungsmittel und andere Vorräte gestürzt. Gut möglich, dass dieser Wissensschatz unangetastet war. Warum war ihr das nicht früher eingefallen? Oder aber sie hatte Negan unterschätzt und er hatte längst an so etwas gedacht ... "Bis dahin gebe ich gern weiter, was ich gelernt habe. Hast Du jemand speziell im Blick, dem Du es am ehesten zutraust, in der Krankenstation zu helfen?", erkundigte sie sich vorsichtig. Annie hatte bisher nicht viele Kontakte aufgebaut, auch, wenn alle sie zu respektieren und akzeptieren schienen.
Unvermittelt erzählte er von seiner Frau und Annie sah ihn überrascht an, obwohl sie versuchte, ihre Mimik zu kontrollieren. Sie ließ den Älteren ausreden und bemerkte seine Korrektur, das leichte Zögern in seinen Worten. Sie ahnte, worauf diese Geschichte hinaus laufen musste, noch ehe er geendet hatte. So hart es klang, aber sie würde Negan in ihrer Funktion als Paramedic zustimmen. Rein menschlich aber fiel ihr der Gedanke schwer, einen Vorteil darin zu sehen, dass jemand verstorben war - dazu noch jemand, der Negan offensichtlich so nahe gestanden hatte. Sie lächelte sanft und suchte nach Worten: "Es ist gut, dass Ihr in der Zeit nicht allein gewesen seid." Sie wusste, dass so etwas viel wert war.
Das Thema nahm diesem Nachmittag ein wenig von der Leichtigkeit, daher war sie froh, als sie über etwas anderes sprechen konnten - etwas, worauf sie noch Einfluss hatten. "Zumindest wird es ein sicherer Platz sein, denke ich." Dass Negan und seine Leute an dem Tor dafür sorgen würden, verstand sich von selbst. Die ganze Art und Weise, wie er ihre Ankunft hier gestaltet hatte, der Umgang mit Larry ... Auch, wenn der Mann sich verändert hatte, konnte sie ihm noch die Entschlossenheit ansehen, mit der er seine Familie zu schützen bereit war. Und nun war sie Teil davon ... nicht versteckt unter den vielen anderen Leuten, die er um sich gesammelt hatte, sondern in seiner Nähe - so wie heute.
Dazu passte seine Einladung, die er mit der auffordernden Geste etwas unterstrich und Annie musste lachen. In diesem Moment war sie 20 Jahre jünger. Es war tatsächlich lange her, dass sie so unbeschwert mit einem Mann geredet hatte - noch dazu mit jemandem wie Negan. "Ich glaube, wir sollten nicht nur wegen des freien Nachmittags die Daumen drücken, aber ich bin natürlich froh, wenn es keine Verletzten gibt", erklärte sie mit einem Schmunzeln und sah sich um, ob jemand zu ihnen herüber sah. Allerdings hielt sie die Leute hier für klug genug, keine dummen Sprüche los zu lassen und Annie selbst genoss dieses Gefühl, das irgendwie ein wenig an früher auf dem Schulhof erinnerte.
"Über mich?", sie war tatsächlich überrascht und suchte seinen Blick. Aber die Frage schien ehrlich und seine Augen spiegelten Interesse. Dass sie jemals von früher erzählt hatte, musste lange zurück liegen. Aber allein die Frage beschwor Erinnerungen in ihr herauf. Bilder, die sie schon verdrängt hatte. Einen kurzen Moment sortierte sie ihre Gedanken. "Hm ... wo soll ich anfangen? Ich habe vier ältere Brüder ... oder drei. Leon wurde erschossen - ein Bandenkrieg. Er war der Älteste und hat immer etwas auf uns aufgepasst, sein Tod war schrecklich und gleichzeitig hat es mir klar gemacht, dass ich aus diesem Millieu raus musste. Meine anderen Brüder rutschten weiter ab, Gewalt, Knast ... aber ich wollte da raus. Ich hab es geschafft, von ganz unten meinen Weg zur Paramedic zu machen." Es klang durchaus Stolz in ihrer Stimme. Den Teil, als Sean sie betrogen hatte, übersprang sie fürs Erste und ergänzte: "Ende 2008 zog ich nach Baltimore, um dort meinen Job zu machen ... bis ... ja, bis diese Scheiße über die Welt herein brach."
Aufmerksam musterte sie den Mann an ihrer Seite. Sie hatte schon lange nicht mehr so viel über sich geredet und wartete seine Reaktion oder Fragen ab.
@Negan Smith
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zuletzt bearbeitet 21.06.2025 22:06 |
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Negan zog die Brauen ein Stück hoch, während er Annie zuhörte. Für einen Moment war da kein Grinsen. Langsam nickte er, als würde er über ihre Worte nachdenken.
„Weißt du was…“ Er kratzte sich kurz am Bart, während ein schiefes, müdes Lächeln über sein Gesicht huschte. „…du hast verdammt recht. Wir rennen immer nur hinter Essen, Waffen, Klamotten her, aber Wissen? Das haben die meisten längst abgeschrieben.“ Er stieß leise Luft durch die Nase aus, was klang wie ein leises, raues Lachen. Er zuckte mit den Schultern, doch in seinem Blick lag Anerkennung. Negan beugte sich ein Stück nach vorne, wobei er seine Hände locker auf den Knien abgestützte. „Danke, Annie. Daran hätte ich auch dran denken sollen, aber vielleicht brauchte ich genau jemanden wie dich, um mich daran zu erinnern.“ Seine Blick wurde warm, als er zu ihr hinüber sah. „Vielleicht sollten wir uns das mal gemeinsam ansehen. Wer weiß, was für Schätze da noch auf uns warten!", murmelte er, eher zu sich selbst. Annie wäre dabei sehr viel nützlicher als er, weil sie Ahnung davon hatte, was sie tat. Er selbst konnte vielleicht ein Pflaster aufkleben.
Negan schwieg einen Moment nach ihren Worten, während sein Blick ins Leere glitt. Dieses Lächeln von Annie hatte ihn mehr berührt, als er zugeben wollte. Seine Finger trommelten kurz gegen den Schaft von Lucille, ein alter Reflex, wenn ihm die richtigen Worte fehlten.
„Allein…“ murmelte er leise. Dann schüttelte er langsam den Kopf, ein Grinsen zuckte über seine Lippen. „Nein, allein waren wir nicht. Aber manchmal fühlt es sich trotzdem so an.“ Er wusste nicht, ob sie verstand, was er damit meinte. Er hob den Blick zu ihr, wobei er ihre Augen suchte, als wollte er prüfen, ob sie wusste, wie er es meinte. „Sie hat mich verändert. Mehr, als ich es jemals erwartet hätte. Und obwohl sie nicht mehr hier ist…“, er brach kurz ab und atmete tief durch „…trägt sie mich irgendwie noch immer weiter. Ich weiß nicht, ob das Sinn ergibt!“ Verlegen kratze er sich am Kopf. In der Regel war er nicht so offen, schon gar nicht zu Fremden. Aber bei Annie hatte er das Gefühl, dass sie wusste, wie er sich fühlte. Ein kurzes Schweigen entstand, doch es war nicht unangenehm, ganz im Gegenteil.
Negan ließ ihren letzten Satz auf sich wirken. Für einen Moment huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Er zog die Schultern leicht zurück, um die Schwere des vorigen Themas abzuschütteln und nickte langsam. Er ließ den Blick über den Hof wandern, über die Menschen, die sich dort aufhielten und schließlich wieder zurück zu ihr. „Das ist das Einzige, was ich ihnen und auch dir noch bieten kann. Sicherheit!", ein leichtes Schmunzeln huschte über ihr Gesicht. Seine Stimme war ruhig, als er weitersprach. "Und glaub mir, bitte, ich habe verdammt viel Mist gebaut, um dahin zu kommen, das endlich zu verstehen.“ Er wusste um seine Wirkung auf Menschen. Er wusste, dass er bei den meisten noch immer Angst und Schrecken hervorrief. Negan schwieg kurz, wobei ein kleines Zucken über seine Lippen huschte. „Und du gehörst jetzt dazu. Nicht irgendwo da draußen, sondern hier.“ Er deutete mit seiner Hand zwischen ihnen hin und her, um ihr zu zeigen, dass sie hierher gehört, zu ihm. Auch wenn er es nicht aussprechen konnte.
Leise lachte Negan auf, rau und tief. Er schüttelte den Kopf, als könne er kaum fassen, dass sie ihn gerade mit so einem Schmunzeln ansah. Vielleicht mochte dies kein Schulhof sein, aber er benahm sich wie ein junger Schuljunge.
"Was die Verletzten angeht…“ Er beugte sich ein Stück näher zu ihr. „…ich würde lügen, wenn ich sage, ich drück nicht auch verdammt fest die Daumen. Nicht nur für einen freien Nachmittag, sondern weil ich langsam echt keine Lust mehr hab, dich nur im Ernstfall zu sehen.“ Jetzt war es raus. Er hatte ihr gesagt, dass er sie gern öfter sehen wollte. Und das nicht nur, wenn sie sich mal über den Weg liefen oder wenn es einen Notfall gab. Seine Augen blieben an ihr hängen, länger als nötig, ehe er den Blick langsam wieder abwandte, nicht, weil er es wollte, sondern weil er sich selbst bremsen musste. Er fragte sich, wie es wohl war, sie zu küssen. Innerlich rief er sich zur Ordnung, dachte er wirklich grad darüber nach?
Deswegen konzentrierte er sich darauf, was sie ihm von sich erzählte. „Verdammt, Annie!“ Seine Stimme war rau, als er schließlich den Kopf schüttelte. „Du hast es echt geschafft, dich da rauszukämpfen. Von ganz unten. Weißt du, wie viele Leute daran zerbrechen? Du kannst verdammt Stolz auf dich sein!"
Der Nachmittag zog langsam an ihnen vorbei. Nach den Worten über Annies Vergangenheit fanden sie immer wieder zurück zu leichteren Themen, erzählten Bruchstücke aus ihrem Leben und lachten zwischendurch über Kleinigkeiten. Für ein paar Stunden schien die Welt da draußen stillzustehen. Keine Sorgen oder Gefahren, nur zwei Menschen, die ein Stück Vertrauen und Leichtigkeit miteinander teilten. Als Negan sie schließlich zu ihrer Unterkunft brachte, war es kein schwerer Abschied, sondern beiden wurde eher bewusst, dass dies nicht ihr letztes Treffen war. Negan wusste, dass er an diesem Tag mit Annie etwas wertvolles gefunden hatte. Und zum ersten Mal seit Jahren hatte er wieder diese Gefühle, die Lucille in ihm ausgelöst hatte.
@Annie Parker
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Annie lächelte leicht: "Ich glaube nicht, dass es falsch war, sich zuerst auf das Offensichtliche zu beschränken. Immerhin braucht es Zeit, um jemanden so weit auszubilden, dass man mit seinem Wissen etwas bewirken kann. Nahrung, Kleidung und ... Waffen wurden sofort gebraucht. Aber vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt." Sie sollten es sich wirklich einmal ansehen, womöglich konnten sie auf diese Weise einen Vorsprung erarbeiten, der ihnen allen nützen würde. Ob es Schätze waren oder vielleicht vergebene Zeit, das musste sich zeigen, aber sie wollte es auf keinen Fall unversucht lassen.
Negans Stimme war leiser geworden und sie musste gut aufpassen, ihn zu verstehen, als das Grinsen über seine Lippen zuckte, lächelte sie ihm entgegen. "Verstehe ich", erklärte sie sanft und meinte das wirklich genau so. Letztlich war man allein, egal wie viele Leute um einen herum waren, weil man diese Zeit einfach mit sich ausmachen musste und noch so viel wie möglich davon nutzen wollte. Als der Mann schließlich von Veränderungen sprach, sah Annie ihn aufmerksam an. Sie suchte in seinem Blick nach einer Lüge, nach dem Mann, den sie damals kennen gelernt hatte. Aber sie spürte, dass das hier ein Schlüsselmoment war. Für ihn. Für sie?
Negans Schweigen sagte so viel mehr als Worte und sie ließ ihm diesen Moment, bis er sich rührte und seinen Blick schweifen ließ. Sein Geständnis brachte Annie zum Schmunzeln. "Mist gebaut ist eine ... ziemlich nette Umschreibung", ließ sie verlauten und ihre Stimme machte deutlich, dass sie es ihm nicht mal verdenken konnte. Die Zeiten waren anders und die Maßnahmen, die man ergreifen musste, waren mitunter so rau, wie in düsteren alten Zeiten, von denen man in Geschichtsbüchern lesen könnte. Vielleicht würde irgendjemand einmal über diese Welt schreiben. Und nicht zuletzt trug jeder noch sein eigenes Päckchen mit sich herum, hatte seine eigenen Methoden und Strategien entwickelt. Negan hatte sich für Angst und Schrecken entschieden, Annie war immer im Hintergrund geblieben. Bis jetzt.
Ihr Blick folgte seiner Hand und sie musterte ihn. "Es fühlt sich gut an, hier zu sein", gab sie leise zu und war froh, dass man auf ihrer dunklen Haut nicht sofort sehen konnte, dass sie rot wurde. Nur wenige Menschen konnten das - diejenigen, die sie ziemlich gut kannten.
Von den Verletzten kamen sie zu ... einem Geständnis? Annie hob eine Augenbraue und musterte Negan. War ess ihm nur heraus gerutscht oder steckte mehr dahinter? Natürlich mochte sie die Zeit mit ihm, aber sie hatte sich dennoch so weit es ging zurück gehalten, die alte Vorsicht nicht vollständig abgelegt. Dass er sie gern öfter sehen wollte, kam überraschend, aber sein Blick verriet, dass es nicht einfach dahin gesagt war. Nur langsam wandte er sich ab und Annie war froh, als sie wieder zu einem unverfänglichen Gespräch zurück fanden und sie über ihre Vergangenheit sprechen konnte. Es war vielleicht eine typische Geschichte von einem Mädchen, das nicht viel Glück gehabt hatte. Diskriminierung, Gewalt, Hass, Blut ... Sie hatte es kennen gelernt und vielleicht kam sie deswegen in dieser Zeit zurecht.
Negan schien von ihrem Werdegang beeindruckt und der Stolz, den sie zuvor schon verspürt hatte, verstärkte sich ein bisschen. "Ich wollte nie so enden. Ich wollte die Welt besser machen", gab sie zu. Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass diese Welt sich komplett verändern würde.
Den restlichen Nachmittag verbrachten sie zusammen, es gab keine Verletzten, keine Zwischenfälle. Diese Zeit gehörte ihnen und Annie hatte das Gefühl, einen ganz anderen Mann zu erleben. Natürlich hatte sie nicht vergessen, dass er mit strenger Hand eine Gruppe geführt hatte und Gewalt sein Mittel gewesen war, um diese Macht zu erhalten. Aber es war wichtig gewesen, um zu überleben und der anfängliche Erfolg hatte ihm Recht gegeben.
Stunden später hatte Negan sie zu ihrer Unterkunft zurück gebracht und wieder erinnerte es sie an schüchterne Dates während der Highschool. Annie lächelte, als Negan sich verabschiedete und schloss langsam die Tür hinter sich.
@Negan Smith
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