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WILLKOMMEN! Wir sind ein Walking Dead Forum bestehend seit 2013 – Wir folgen der Storyline aus der TV-Serie bis Negans Fall 2015. Seitdem schreiben wir unsere eigene Geschichte, die allerdings einige Schlüsselmomente aus der Serie mit einbezieht. Wir schreiben in Szenentrennung und geben auch vielen Free-Charakteren ein wundervolles zu Hause. Zudem sind wir eine entspannte Community und verfolgen auch keine Blackliste mehr.
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09.01.26 Neustart! Das TWD startet mit neuem Team und neuen Ideen!
01.01.26 Frohes neues Jahr!
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Floyd Webber, Scarlet Rainthworth, Daryl Dixon und Duo Maxwell sind die Admins im Forum. Scar und Duo bilden die Front, während sie von Floyd und Daryl im Hintergrund unterstützt werden. Grafik und Design stammt von Daryl Dixon <3
Der Plot um den Angriff auf die Heavens Paradise neigt sich dem Ende.
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THE DEAD DON’T DIE
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Es war nun ein paar Wochen her gewesen seit dem man sie aus dem Potomac River zog. Eine hilfsbereite Seele hatte Dinah zu einer Kolonie am Meer gebracht. Das Cottage. Seitdem hatte sie dort verweilt und sich von ihren Verletzungen erholt. Im Gegenzug für ihre Bleibe half Dinah immer mal überall mit und half besonders die Kolonie auf Vordermann zu bringen. Die hatte es wirklich nötig. Dinah konnte es sich gar nicht vorstellen mit solch veralteten Ressourcen anzufangen. War sie es von zu Hause doch deutlich anders gewohnt. Die Federation war auch deutlich größer als die Gemeinschaften hier gewesen. Jedenfalls so hilfsbereit wie die junge Frau gewesen war, lag ihre oberste Priorität immer noch darin ihre Leute zu finden. Mit Mühen und einem deutlichen Hin und Her konnte Dinah zu mindestens ihr Funkgerät reparieren. Aber bis auf Rauschen und sehr schwachem Signal bekam sie nichts. Die Verbindung hier war auch nicht sonderlich gut gewesen, noch war ein funktionierender Funkturm in greifbarer Nähe gewesen um ihr Signal verstärken zu können. Also blieb ihr nichts anderes übrig als es auf die altmodische Art zu tun. Leute zu befragen und nach Hinweisen und Informationen zu suchen. Die ersten paar Tage hatte Dinah wirklich gefühlt den ganzen Tag vor den Toren der Cottage gesessen und Händler und Verbündete abgefangen und sie mit einer detaillierten Beschreibung von ihren Leuten gefragt ob es eine Möglichkeit gegeben hat, das sie diese gesehen haben könnten. Schließlich war es nicht ganz unauffällig. Ein Trupp von acht Leute, in Uniformen und bewaffnet. Aber offensichtlich war es das. Wenn sie denn eine Antwort bekam, war es meistens ein Nein. Der andere Teil gab ihr keine Antwort oder etwas was sie definitiv nicht hören wollte. Andere Umgebung. Andere Leute. Andere Gegebenheiten – das war ihr durchaus bewusst. Aber man waren die meisten hier misstrauisch und nicht gerade die Freundlichsten. Es wäre gelogen wenn Dinah verleugnen würde, das sie ihr zu Hause vermissen würde. Aber bis sie wieder dorthin konnte, musste sie sich etwas gedulden. Und bis dahin würde sie erst mal hier bleiben und den anderen Gemeinschaften unter die Arme greifen. Denn sie glaubte fest und blauäugig daran – wenn sie den Menschen genug helfen würde, dann würden sie auch ihr helfen. Jedenfalls war Dinah heute außerhalb der Cottage unterwegs gewesen. Sie musste sich eine gewisse Orientierung schaffen. Es war wirklich anstrengend sich irgendwo neu einzufügen. Es gab so viel zu tun, auch wenn die Brünette durchaus fand das sie bisher einen guten Job machte. So verbrachte Dinah den Tag damit Orte zu markieren, die in ihren Augen wichtig waren oder wo die Population der Untoten höher war. Nicht grade eine spannende Aktivität aber eine Wichtige. Jedenfalls verging dadurch die Zeit. Und das war noch untertrieben. Als Dinah gerade das letzte Kreuz auf ihrer Karte setzte blickte sie hinauf zum Horizont. Die Sonne war bereits am untergehen und ihr war schnell bewusst das sie es bis zum Cottage wahrscheinlich nicht zurückschaffen würde ohne das pechschwarze Nacht herrschte. Dinah schob dementsprechend auch keine Panik. Sie war gerüstet für eine Nacht im Freien und fand es auch gar nicht schlimm die Nacht in einem Wald zu verbringen. Im Gegenteil. Wenn man sich einen geeigneten Lagerplatz suchte und diesen gut absicherte, konnte schließlich nichts schief gehen. Energisch suchte sie schließlich nach diesem perfekten Platz. Sie hatte eine gewisse Vorstellung und als ihre empfindliche Nase den Geruch von Rauch wahrnahm blickte die Dunkelhaarige nur verwundert drein. Von ihr kam es schließlich nicht, immerhin hatte sie kein Feuer entzündet, noch den Platz gefunden aber offensichtlich hatte jemand eine ähnliche Idee, einen Platz etwas höhergelegen zu suchen. Ungebetene Gäste waren dadurch seltener und man hatte viel im Blick. Dinah kam eine blendende Idee in den Sinn, die beinhalten würde, das sie sich doch das Feuerholz sparen könnte. Nun zu mindestens wenn es sich bei dem Fremden nicht um einen Beißer handelte, jemand der sie einfach umbringen wollte oder noch schlimmer einen Kannibalen handelte. Dennoch ging Dinah optimistisch wie immer dieser Situation an. Sie folgte ihrer Nase bis sie wirklich ein gut aufgestelltes Lager fand. Mit erhobenen Händen, welche symbolisierten sollten das sie nicht mit einer Waffe hereinstürmte, drängte sie sich zwischen den Büschen hindurch. „Hi!“ rief sie nur. „Keine Sorge ich bin unbewaffnet. Jemand da?“ blickte sich die Dunkelhaarige nur um. Und … es war tatsächlich niemand da. Dinah ließ ihre Hände langsam sinken. Wie unverantwortlich ein Feuer brennen zu lassen. Die junge Frau trat schließlich näher und blickte sich um ehe sie bei einem offensichtlich, angerichteten Schlafplatz in die Hocke ging. „Komisch... die Sachen sind doch noch alle relativ gut. Wer würde so etwas nur zurücklassen?“
@Floyd Webber


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zuletzt bearbeitet 12.12.2024 15:43 |
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@Dinah Anderson
Die Frühjahrsstürme der vergangenen Wochen hatte Floyd gut überstanden. Einzig sein Aussenzelt war in Mitleidenschaft gezogen worden, aber das hatte er mittlerweile ausgetauscht. Seitdem er das tarnfarbene Zweimannzelt aus einem Lager für Armeematerial geholt hatte, leistete es ihm gute Dienste. Der Stoff war wasserdicht, robust und isolierte sogar. Ausserdem liess es sich problemlos verstauen und herumschleppen.
Seit nun zwei Nächten und drei Tagen campierte er auf einer grossen Wiese in einer etwas erhöhten Lage, so dass das Regen- und Grundwasser in tiefere Lagen sickerte und Floyds Campingstelle vor zu viel Matsch und Schlamm geschützt blieb.
Floyd hatte sich ein Feuer entzündet, kein besonders grosses, denn das lockte nur ungebetene Gäste an, aber es wärmte und würde sein Abendessen kochen. Ein klappbarer Grillrost, wie man ihn aus dem Campingbereich kannte, stand bereits über einen Teil der Flammen. Aber der Topf, der darauf gehörte, stand noch daneben. Überhaupt vermittelte sein Lager den Hauch eines friedlichen Campingausfluges, wie man ihn von früher kannte. Doch wenn man genauer hinsah, erkannte man die Spuren der Apokalypse. Das Lager war so aufgebaut, dass es schnell wieder abgebaut und verstaut werden konnte. Blutspritzer überzogen Teile der Tarnfärbung und um das Zelt herum war Stolperdraht angebracht. Zum einen wollte Floyd sich damit mögliche Beisser vom Hals halten, auch wenn diese grösstenteils weitergezogen waren und es in Washington D.C. gar nicht mehr so häufig vorkam, von ihnen überrascht oder überfallen zu werden. Zum anderen, und das erschien ihm viel wichtiger, wollte er sich vor Plünderern schützen. Es gab keine Gesetze mehr und insbesondere jüngere Menschen waren überhaupt nicht mehr dazu in der Lage, ihre Finger vom Eigentum anderer zu lassen. Wie auch? Sie hatten es nicht anders gelernt. Fressen oder gefressen werden. Und Floyd, der niemandem über den Weg traute und nur sehr wenige tatsächlich an sich heranliess, hatte all die Jahre hier draussen nur überlebt, weil er solche Vorkehrungen getroffen hatte.
Trotzdem wurde er leichtsinnig, wie er gerade merkte. Vor dem Essen hatte er sich nur noch schnell erleichtern wollen und war dafür ein Stück vom Lager fortgegangen. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, dass in der Abenddämmerung noch jemand auf Wanderschaft war und ausgerechnet seinen Ess- und Schlafplatz ansteuerte.
Die Eisenstange, die eine treue Begleiterin war, lag fest in seiner Hand. Diese lockerte sich auch nicht als er erkannte, dass es sich bei der neugierigen Gestalt um einen Überlebenden handelte und nicht um ein aus dem Nichts aufgetauchtes Biest. Lebende Menschen waren nämlich in der Regel schwerer zu beseitigen als die Untoten, erst recht, wenn sie nicht einfach ohne Drohung davonzogen und lästig wurden.
Mit leisen Schritten kam er näher. Seine Stiefel machten schmatzende Geräusche auf der nassen Wiese, doch das prasselnde Feuer übertönte sie offenbar. Je näher er kam, desto schwerer wog die Eisenstange in seiner Hand und desto angespannter wurde sein Atem. Das änderte sich auch nicht als sich der Eindringling als ziemlich arglose Frau herausstellte, die es geschafft hatte, den Draht zu umgehen und nun auch noch in die Hocke ging. Was war mit der los?
Floyd blieb einige Schritte entfernt stehen und beobachtete sie. Wie jemand, der gerne nachts plündern ging, wirkte sie nicht. Sie fasste noch nicht einmal das Zelt an, um hineinzusehen, ob jemand darin war. Also atmete er tief durch, schwang die Eisenstange über seine Schulter und hielt sie locker in der Hand, allerdings jederzeit bereit, sie gegen seinen Feind zu schwingen. Denn eigentlich fackelte er nicht lange und er war auch nicht dafür bekannt, grossartig zu zögern. Aber er hatte wirklich tierischen Hunger und die Frau schien auf der Suche und zufällig vorbeigekommen zu sein. Etwas Zurückhaltung und Anstand konnten darum nicht schaden.
"Verpiss dich.", sagte er deshalb. Erst, als sie darauf reagierte, kam er näher. Es war mitunter auch eine reine Machtdemonstration, um ihr zu zeigen, dass er sich vor ihr und ihren möglichen Waffen nicht fürchtete. Er hatte gelernt, keine Angst zu zeigen. Nicht vor Fremden. Er kannte sie nicht, er wusste nichts über sie. Hinter seriösen Gesichtern verbargen sich oft listige Arschlöcher und hinter den zartrosa Wangen einer jungen Frau steckt oft eine messerschwingende Furie. Und der tätowierte Türsteher, dessen Oberarme so breit waren wie Floyds Hüftumfang, entpuppte sich nicht selten als loyaler Teddybär.
In welche Kategorie diese Frau passte, wollte er aber gar nicht erst herausfinden. Er wollte sein Essen zubereiten und ihre Anwesenheit störte.
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zuletzt bearbeitet 12.05.2025 19:57 |
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Dinah hob gerade die Decke des Schlafplatzes etwas an und spielte wirklich kurz mit dem Gedanken, diese mitzunehmen. Doch sie entschied sich schnell dagegen. Sie würde nicht einfach so von Fremden stehlen. Das hatte sie zuvor nicht getan und würde sie auch jetzt nicht. Unwissend das sich derjenige bereits von hinten langsam zu ihr näherte. Schon fast wie eine Antilope, die friedlich am Fluss trank und nicht damit rechnete dass das Krokodil bereits lauerte um seine Zähne in das Tier zu versenken. Doch statt einer Eisenstange gegen den Kopf, die ihr definitiv das Licht ausgeknipst hätten, drangen deutliche Worte in ihr Ohr, die ihr deutlich vermitteln sollten, diesen nachzukommen. Dinah's Schultern zuckten daraufhin etwas zusammen. Sie hatte sich nicht erschrocken in dem Sinne, das ihr Herz nun bis zum Hals pocht. Nein, sie mochte es einfach nicht wenn Menschen herumschlichen. Diese hatten entweder was zu verbergen oder einfach nur böse Hintergedanken. Jedenfalls ließ sie sich nicht von seiner Wortwahl abschrecken – im Gegenteil. Die Welt war gezeichnet und es war irgendwo natürlich verständlich, wenn man sich mit Misstrauen begegnete. Aber die Dunkelhaarige war gewiss keine Gefahr. Ob es ihr Gegenüber war? Noch schwierig einzuschätzen. Da sie noch mit dem Rücken zu ihm saß und sich nicht sicher war, das er ihr nicht grade doch eine Pistole oder ein Messer in ihre Richtung hielt, hob die junge Frau nur beschwichtigend die Hände um zu zeigen das sie unbewaffnet war. Mit angehobenen Händen richtete sie sich langsam auf. „Ich wünschte die Leute würden einfach mal nur Hallo sagen.“ sprach sie schließlich ehe sie sich langsam mit erhobenen Händen umdrehte und dem Fremden zum ersten Mal in die Augen blickte. „Hi“ sprach sie schließlich als wäre es was ganz normales. Nun vor vielen Jahren war es ja noch etwas ganz normales. Normalerweise hätte sie nun seine Hand zur Begrüßung geschüttelt aber sie musst sich schon eingestehen, das die Eisenstange doch ein wenig einschüchternd war. Sie hatte wenig Interesse daran, diese gegen den Kopf zu bekommen, geschweige denn sonst wo hin. Schließlich hatte sie erst vor wenigen Monaten das Krankenbett gehütet – sie hatte wenig Interesse daran das erneut zu tun. „Ganz ruhig. Ich wollte dir nichts klauen.“ sprach sie weiter in der Hoffnung die Situation zu deeskalieren. „Du kannst gerne nachschauen.“ bot sie dann weiter an um den jungen Mann zu beschwichtigen. „Dein Lagerfeuer ist auffällig. Aber Feuer ist schließlich immer auffällig richtig?“ sprach sie immer weiter. Dinah redete deutlich viel wenn sie sich in angespannten Situationen befand. „Jedenfaaalls … Ich bin Dinah. Ich hab die Zeit vergessen, muss jetzt hier draußen schlafen und ich bin echt verdammt erschöpft und richtig hungrig. Und ich hab wirklich absolut gar keine Lust in der Dunkelheit nach Holz zu suchen. Verstehst du?“ Langsam ließ die junge Frau ihre Hände wieder sinken als sie ihren Rucksack von ihren Schultern gleiten ließ und diesen öffnen wollte. „Schon gut. Schon gut. Ich hol keine Waffe raus. Denkst du wirklich ich bin so blöd?“ kramte die Brünette dann zwei Konserven raus. „Das sind Nudeln mit Tomatensauce .. auch wenn es wahrscheinlich keine richtigen Tomaten da drin sind sondern eher so ein Abklatsch aber hey ich hatte ein richtig gutes Tauschangebot für die beiden.“ grinste sie nur. „Wir können teilen! Im Gegenzug haust du mir nur nicht das Ding da auf den Kopf. Deal?“
@Floyd Webber

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27.03.2024 / Abends / Sonnig, mit durchziehenden Wolkenfeldern, schwacher Wind, 11 Grad
@Dinah Anderson
Schon zwei Jahre vor der Apokalypse war aus dem kleinen, niedlichen Jungen ein pöbelnder und prügelnder Jugendlicher geworden, der die Grenzen der Autoritäten zahlreich überschritten hatte. Der vierzehnjährige Floyd hatte wenig Lust gehabt, sich mit Regeln, Anstand und Respekt auseinanderzusetzen und als er sich selbst eingestehen musste, dass er nicht in allen Belangen dem üblichen Männerbild entsprach, war an juristische und gesellschaftliche Gepflogenheiten gar nicht mehr zu denken.
Floyd hatte schon vor dem Ausbruch der Seuche mit sich und seinen Mitmenschen zu kämpfen gehabt. Man hatte ihn schikaniert (manchmal hatte er sich das aber auch nur eingebildet), man hatte ihn nicht ernstgenommen und man hatte ihm allerlei Dinge unterstellt. Entsetzen, Orientierungslosigkeit und Kampfeslust hatten sich zu einem einzigen, grossen Wutball ins einem Inneren geformt, der dann beinahe explodiert wäre, als er einen Mitschüler beinahe totgeschlagen hatte. Die Untersuchungshaft hatte das Ende seiner Kindheit eingeläutet – und war gleichzeitig der Neubeginn in ein neues Leben, in welchem nichts mehr so war, wie er es gekannt hatte. Aber die Wut, die hatte ihn nie verlassen und die Erfahrungen, die er vor der Apokalypse gesammelt hatte, retteten ihm heute den Arsch.
Er hatte kein Vertrauen in Menschen und erst recht keines in ihre neuartigen Institutionen namens Kolonien. Jeder, der ihm begegnete, konnte diese oder andere Absichten haben. Deshalb war es besser, gleich die Grenzen abzustecken. Auch Floyd hatte sich auf Menschen eingelassen, deren Begegnungen Hoffnungen geweckt hatten, die dann wie Seifenblasen geplatzt waren. Bittere Erkenntnisse, Enttäuschungen, Ängste und Panik kannte auch er. Und je älter er wurde, je länger er überlebte, desto schärfer wurde sein Umgang mit anderen Menschen.
Floyds Miene verzog sich kein bisschen, als die Frau sich darüber beklagte, dass heute niemand mehr einfach nur Hallo sagen würde. Diese Zeiten waren schon lange vorbei und Floyd konnte sich kaum noch daran erinnern, dass man einst einander höflich begrüsst hatte. Sein Blick war auf sie gerichtet, er suchte im Dämmerlicht nach Waffen an ihrem Körper, aber auch nach Anzeichen eines schnellen Angriffs.
Die Eisenstange, die über seiner Schulter thronte, konnte er schnell zur Verteidigung schwingen, aber als sich die Frau umdrehte und zu plappern begann, wurde die Bereitschaft, diese einzusetzen, kleiner.
Noch war Floyd zwar nicht davon überzeugt, dass es sich bei der Jüngeren bloss um eine neugierige Nase handelte, die einen Schlafplatz für die Nacht brauchte, aber die grosse Bedrohung schien sie auch nicht zu sein.
Er liess sie reden, ging auf keine ihrer Fragen oder Hinweise ein, sondern hörte ihr bloss zu. Dabei beobachtete er ihre Regungen, checkte die Richtungen ab, in die sie gelegentlich blickte, und trat einen Schritt zurück, als sie wieder in die Hocke ging und dann ihren Rucksack öffnete. Die kleinen, mittlerweile sehr scharf eingestellten Alarmsignale in Floyd begannen schrill zu heulen. Die Frau, die sich als Dinah vorgestellt hatte, schien diese Reaktion aber auch erwartet zu haben, oder sie kannte sie zumindest, denn sie beschwichtigte schnell ihr Tun. Statt einer Waffe kamen zwei Dosen zum Vorschein.
"Was für ein dämlicher Deal soll das sein?" Floyd stand noch immer an Ort und Stelle und starrte sie nun an. Sie wollte ihn mit Essen besänftigen und verlangte dafür nur, dass er sie nicht niederschlug? Wollte sie für diese Nudeln nicht lieber ihren Schlafplatz in seinem Lager aufschlagen? Seinen Schutz? Irgendwie so etwas?
Noch einmal musterte er die Frau aufmerksam. Müde Augen, blasse Haut, ein wenig ausgezehrt. Sie schien nicht aus einer der Kolonien zu stammen, denn dafür war sie zu gut ausgerüstet und hätte keinesfalls hier draussen übernachten müssen. Die Beisser waren in dieser Region längst nicht mehr zahlreich unterwegs, es kam sogar vor, dass er tagelang keinen mehr sah oder hörte. Sie hätte also den Rückweg trotz der Dämmerung sicherlich noch problemlos geschafft. Floyd hatte auch nichts von irgendwelchen fremden Banden gehört, die hier ihr Unwesen trieben und zur Gefahr werden konnten. Im Moment war es in Washington D.C. tatsächlich friedlich. Also war Dinah entweder eine Nomadin oder sie kam aus dem weiteren Umland und hoffte, hier eine neue Bleibe zu finden.
Nun, Floyd war nicht gewillt, sein Lager mit ihr zu teilen, aber im Moment war ihm auch nicht danach, sie tatsächlich zu verjagen. Schliesslich richtete sie sich bereits ungefragt häuslich bei ihm ein. Zumindest hatte sie ihren Lebensmittelvorrat schon hervorgeholt.
Er sah zu über die Wiese zum sich verabschiedenden Tageslicht am Horizont, bewegte unzufrieden seinen Unterkiefer hin und her und zog dann die Eisenstange von der Schulter. "Bei Sonnenaufgang bist du weg, verstanden?", machte er klar. Dann trat er heran, legte die Eisenstange neben sich und ging dann ebenfalls in die Hocke und fasste nach einer der Dosen. "Hab ich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen." Er stellte sie zurück und fasste nach dem Topf. Dann zog er einen Bund an verschiedenen Utensilien, die allesamt an mehreren Ringen befestigt waren, aus seiner Hosentasche und begann die Konserven aufzuschlitzen.
"Ich bin Floyd.", stellte er sich währenddessen vor. Obwohl es sie nichts anging und er auch nicht hatte wissen wollen, wie sie hiess oder wer sie war, hielt er es für das Beste, ihr seinen Namen ebenfalls mitzuteilen. So konnte man einander wenigstens rufen, wenn etwas passierte.
Der Inhalt der Dosen landete in den Topf, der wiederum wurde von Floyd kurzerhand auf den Grill gestellt, wo die Flammen darunter züngelten und das Abendessen erwärmten.
Dann bewegte er sich ein Stück zurück zum Zelteingang und kroch halb hinein. Mittlerweile hatte jeder wieder sein eigenes Besteck mit, ganz so, wie es im Mittelalter gewesen war. Floyd holte neben seinem Löffel aber noch eine grössere Tasse als Behältnis hervor. Dann konnten sie gleichzeitig essen und man musste den Topf nicht ständig herumreichen und Gefahr laufen, ihn auszuleeren.
Floyd setzte sich dann zurück auf den ausgebreiteten Müllbeutel, der auch für Dinah reichte, und steckte seinen Löffel in den Topf, um umzurühren. "Bist du erst kürzlich in diese Gegend gekommen? Dann sag ich dir, dass du gleich weiterziehen kannst. Hier gibt’s nichts mehr. Die Kolonisten haben alles abgegrast." Er wusste, dass die Koloniebewohner sich nicht gerne als Kolonisten bezeichnen lassen wollten, aber Floyd tat es trotzdem. Er mochte es, wenn sie sich darüber aufregten. Über so einen kleinlichen Scheiss.
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Dinah blinzelte bei seiner Frage nur einen Moment ehe ihr Blick zwischen den Dosen und dem Fremden hin und her wichen. War das denn nicht offensichtlich gewesen, was für ein Deal das war? Sie war zwar noch nicht lange hier gewesen aber konnte schon deutlich erfahren, das die meisten Menschen hier … etwas ruppig waren um es nett auszudrücken. Kein Vorwurf keineswegs. Die Apokalypse hatte schließlich schon jeden gezwungen etwas zu tun, was man so nie in seinem früheren Leben getan hätte. Schlechte Erfahrungen förderten Misstrauen. Nicht jeder hatte das Glück beim Ausbruch in einem sicheren Stützpunkt zu leben. Viele militärische Stützpunkte oder Safe Zone's wurden später überrannt oder angegriffen. Es gab nur wenige Gemeinschaften wie Dinah's zum Beispiel die die Jahre überlebten und sich etwas Großes aufgebaut hatten. Sie war nicht gezwungen hier draußen zu leben. Noch hatte sie je viel Menschenkontakt außerhalb ihrer Kolonie gehabt um überhaupt diese Leute einschätzen zu können. Sicherlich hatten sie es auch schon mit Leuten zu tun gehabt, die von ihnen stehlen wollten – so war es nicht aber Dinah hatte dann eher weniger mit ihnen geplaudert sondern sie vertrieben. „Na ein Deal ohne Blutvergießen und wir sind beide satt.“ Ihr Gesicht sah ein wenig wehleidig aus als würde sie bewusst einen Welpen blick aufsetzen, doch dem war nicht so – es war einfach ihr Gesicht. Das er immer noch dastand und auch noch nicht die Eisenstange wie ein Wilder geschwungen hatte zeigte zu mindestens das er wohl gerade in seinem Kopf seine Optionen abwog. Für Dinah ein blauäugiges Zeichen das ihre Worte wohl irgendwie Wirkung haben mussten. Deeskalation war so viel sinnvoller. Zu mindestens waren das die Werte, die man ihr beigebracht hatte. Dinah nickte eifrig. „Natürlich. Du wirst gar nicht merken das ich überhaupt da gewesen bin.“ willigte sie ein. Die junge Frau war gewiss kein Morgenmensch und hätte wohl lieber ausgeschlafen aber man musste wohl in Verhandlungen auch gewisse Kompromisse eingehen. Umso früher konnte sie schließlich auch diesen Funkturm suchen. Es war schon fast ulkig das so ein blöder Turm, den man eigentlich schon von weitem Sehen sollte so schwer zu finden war. Dinah händigte dem Fremden schließlich ohne zu Zögern die Konserven als dieser die Eisenstange zur Seite legte. „Nicht wahr.“ stimmte sie ihm schließlich zu. „Dachte schon dieser Typ wollte mich damit über den Tisch ziehen aber die sind wirklich noch haltbar.“ Ein Lächeln zog sich dann über ihr Gesicht als der Fremde ihr dann schließlich auch seinen Namen verriet. Sie hätte ihm ja jetzt nun die Hand geschüttelt und so was aber erstens war Floyd direkt schon damit beschäftigt den Inhalt der Konserven in einen Topf zu schütten und zweitens die Eisenstange lag für ihren Geschmack noch deutlich zu griffbereit. Überlebende waren schließlich immer so schreckhaft gewesen, das man nicht mal mehr in Ruhe was aus dem Rucksack holen konnte ohne das man in den Lauf einer Waffe blickte. Dinah ließ sich schließlich im Schneidersitz an dem Lagerfeuer nieder und beobachtete Floyd ganz genau, als würde sie das erste Mal sehen wie jemand kocht. Aber tatsächlich faszinierte sie mehr das Floyd so gut ausgestattet war. Sie konnte sich gar nicht wirklich vorstellen das er hier draußen leben könnte. Nun das konnte sie sich generell nicht wie jemand so etwas freiwillig tun konnte. Aber manche hatten auch keine Wahl. Andere Zeiten – wie man so schön sagte. Dinah's Blick sah eine Weile dem Essen zu wie es im Topf vor sich hin blubberte „Könnte man so sagen.“ antwortete sie nur darauf. Es war wohl eher eine unfreiwillige Sache das sie nun hier in der Gegend war. „Ich bin eigentlich aus New Jersey aber ich schätze das Schicksal meint es nicht immer gut mit jedem.“ zuckte sie mit den Schultern ehe sie wieder ein Lächeln aufsetzte. „Woher kommst du?“ wollte sie dann schließlich wissen. Ehe eine von ihren Augenbrauen sich etwas verwirrt nach oben zogen. Kolonisten. Dinah brauchte einen Moment um zu wissen wen Floyd überhaupt meinte. „Oh du meinst die Leute hier? Sie sind eigentlich ganz und hilfsbereit. Na ja manche sind auch ziemlich grummelig aber diese Leute hat man schließlich überall.“ winkte die Dunkelhaarige nur amüsiert ab. Gleichzeitig verriet es ihr aber auch das Floyd wohl wirklich hier draußen leben musste. „Du bist also einer von denen die wohl freiwillig hier draußen leben.“ Dinah blinzelte erneut ehe sie beschwichtigend nur die Hände hob. „Oh das sollte gar nicht abwertend klingen. Aber ist das nicht all die Jahre über ziemlich einsam?“ Das Dinah ziemlich direkt war und sich nicht scheute solche persönlichen Fragen zu stellen wurde wohl mindestens jetzt klar.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Noch immer konnte Floyd nicht sagen, ob der Anfang der Apokalypse sein Untergang oder die Rettung gewesen war. Als die Medien von den ersten seltsamen Fällen, den auftretenden Massenhysterien und der Ratlosigkeit der Experten, Wissenschaftler und Politikern berichteten, war er in Untersuchungshaft gewesen. Er hatte sich einen Scheiss für die Nachrichten interessiert und der ihm zugeteilte Anwalt für straffällig gewordene Jugendliche war ihm dermassen unsympathisch gewesen, dass er ihm weder etwas erzählen noch zuhören wollte.
Floyd konnte sich noch daran erinnern, dass er in ein Auto gestiegen war, welches ihn mit anderen Jugendlichen in orangenen Overalls ein kleines Stück zum Gerichtsgebäude gefahren hatte, wo sich ein Richter seine Geschichte hätte anhören und über sein Strafmass urteilen sollen. Er erinnerte sich noch an die Hektik, die er dort verspürt hatte, und dann an das riesige Chaos, welches über sie alle gestürzt war. Man hatte ihm noch die Handschellen abgenommen. Weiter reichten seine Erinnerungen an diesen Tag nicht zurück. Er erinnerte sich auch nur bruchstückhaft an die ersten zwei Jahre nach Ausbruch der Seuche. An einzelne Begegnungen, an kurze Momente. Erinnerungsfetzen an eine Zeit, die nicht erinnerungswürdig war.
Manchmal glaubte er, er hatte nur überlebt, weil er diesen verdammten Jefferson aus dem letzten Jahrgang halbtot geprügelt hatte, da ihn diese Sache diesen ganzen Mist mit dem Gefängnis eingebracht hatte. Aber er hatte bisweilen noch nie jemandem davon erzählt. Auch Dinah würde diese Geschichte nicht zu hören bekommen, denn er kannte sie nicht und es ging sie auch nichts an. Deshalb konnte sie auch nicht wissen, dass Floyd schon vor der Apokalypse kein besonders zarter Mensch gewesen war. Sein Umgang mit anderen war zumeist kühl, und, ja, auch ruppig und ablehnend. Nur wenige schafften es zu ihm durch. Ihm wurde das auch schon vorgeworfen, aber Floyd hatte sich trotzdem nicht geändert. Denn er überlebte mit seiner Strategie, also war sein Verhalten in dieser neuen Welt gar nicht so verkehrt.
Aber, und dieses Aber war gross, auch Floyd war ein Mensch mit Sehnsüchten und uralten menschlichen Instinkten. In einer Gruppe, einem Verbund, also einer Familie, liess es sich leichter und sicherer leben. Auch er unterlag dem Fortpflanzungstrieb, der sich gelegentlich meldete. Und da tat es nichts zur Sache, dass sich dieser auf das gleiche Geschlecht fokussierte. Die Gesellschaft eines anderes Individuums brachte nicht nur Sicherheit, sondern stillte auch menschliche Bedürfnisse nach Austausch, Verbundenheit und Gleichgesinnung. Floyd tat sich nur aufgrund all dieser Umstände und seiner eigenen Unfähigkeit, sich auf andere einzulassen, so schwer. In einem anderen Leben wäre er sicherlich längst zur Vernunft gekommen, würde eine gewöhnliche Beziehung führen, einer Arbeit nachgehen und einen Hund haben. Oder ein Aquarium.
Aber Floyd hatte nichts. Nur Besuch. Von Dinah.
Er machte ein abschätziges Geräusch, als sie auf seine Aussage des Deals wegen einging. Was sollte er dazu noch sagen? Sie war miserabel im Verhandeln und er war miserabel darin, sie jetzt noch zu verjagen. Sein Zögern hatte ihm nun ihre Anwesenheit eingebrockt, er war selbst an dieser Lage schuld. Immerhin versprach sie bis morgen verschwunden zu sein, wobei Floyd jetzt schon davon ausging, dass er sie auch noch morgen Mittag an der Backe hatte. Aber darum konnte er sich morgen noch kümmern, jetzt wollte sein Magen gefüllt werden. Und ihrer auch. Floyd war zwar unwillig, gemeinsam mit ihr zu essen, aber sie war eben da und das Essen reichte locker für zwei Personen.
Er rührte den Inhalt im Topf um und warf ihr dann einen Blick zu, ohne eine Miene zu verziehen, als sie erzählte, woher sie kam. New Jersey. Ja, toll. Früher, da hatte man sich noch lustig darüber gemacht, doch heute hatten die Orte kaum noch Bedeutungen. New Jersey faszinierte ihn so sehr wie New York, Okinawa oder Kairo. Es war ihm schlicht egal, woher die Leute stammten. Aus irgendeinem Grund waren sie alle hierhergekommen. So wie Dinah jetzt auch. Und eigentlich wollte Floyd nicht mit ihr plaudern. Er war keine Labertasche und er hatte auch nicht vor, sich mit dieser Frau auszutauschen. Trotzdem bewegten sich seine Lippen und seine Zunge wie von selbst.
"Leesburg. Ist ein Kaff in Virginia, nicht weit von hier weg." Erneut kümmerte er sich darum, dass die Nudeln am Topfboden nicht anbrannten, und rührte unentwegt herum. Dabei erwähnte er die Kolonisten. Eine Bezeichnung, die niemand gerne hörte. Aber ihm war das egal. Er nannte sie trotzdem so. Als Provokation. Und um sich von ihnen abzugrenzen.
Ausserdem erfuhr Dinah so über Umwege, dass sein Zuhause hier war, ausserhalb von Zäunen und Mauern. Aber romantisch war das nicht, wie ihr selbst auffiel. Wieder warf er ihr einen intensiven Blick zu, so dass sie noch eine Frage hinterherschob, die ihre Aussage wohl harmloser darstellen sollte.
"Ich hab keinen Bock darauf, mich unterzuordnen oder dämliche Befehle entgegenzunehmen. Also bleib ich hier draussen vor den Mauern. Hier quatscht mir auch niemand rein." Er wandte seinen Blick von ihr ab und sah wieder auf den Topf. Noch einen kurzen Augenblick wollte er die Nudeln und die Tomatensauce blubbern lassen, dann konnten sie essen.
"Du bist hoffentlich keine Missioniertante. Denn wenn, dann kannst du nach dem Essen gleich gehen." Er sprach nicht böse, auch nicht unbedingt abfällig, nur genervt. Dabei war er das nicht einmal. In Wahrheit war er mit ihrer Anwesenheit ein klein wenig überfordert. Dinah war nicht hier, weil sie Schutz bei ihm suchte. Sie war hier weil es der Zufall so gewollt hatte. Und weil sie offenbar gerne redete und in Floyd eine nette, nächtliche Bekanntschaft sah.
So sehr er ihr auch die kalte Schulter zeigte, er füllte beide Schüsseln gleichmässig auf und reichte ihr ein heisses und dampfendes Abendessen aus der Dose. Den Topf stellte er zurück in das Gras, bevor er sein Campingbesteck aufklappte. Dabei schielte er zu ihr hinüber. Ob sie einen Löffel oder eine Gabel hatte? Es sollte ihn nicht interessieren, es sollte ihm sogar egal sein, wie sie ihr Abendessen essen konnte, aber das war es nicht. Verdammt! "Brauchst du 'nen Löffel?"
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zuletzt bearbeitet 02.06.2024 17:28 |
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Floyd war definitiv eine harte Nuss, die man so schnell nicht knacken konnte. Dinah musste ihn dafür nicht jahrelang kennen sondern merkte es bereits in den wenigen Minuten indem sie sich mit ihm unterhielt. Allein wie er recht abwertend über Dinge sprach. Nicht das Dinah ihn nun abwertete, es war lediglich ihre Einschätzung. Und sie konnte es ihm natürlich nicht verübeln. Wer wusste auch wie sein Leben vor all dem war? Es gab auch schon genug Leid vor all dem. Dinah war nicht dumm nur weil sie alles manchmal zu optimistisch und energisch sah. Es war auch ein guter Weg gewesen Leid und Schmerz nicht an sich ran zu lassen. Denn am Ende des Tages trug jeder einen gewissen Schmerz mit sich. Bei dem einen war er ein wenig größer als bei dem Anderen. Natürlich fragte sich die Dunkelhaarige auch oft ob die Menschen anders gewesen wären, wenn sie jahrelang in einer sicheren Gemeinschaft wie die junge Frau aufwuchsen. Doch so viele Stützpunkte und Safe Zones wurden überrannt und nur wenig glückliche hielten bis heute stand. „Vermisst du es? Dein zu Hause meine ich.“ Für Dinah gab es keine zu persönlichen Fragen – offensichtlich. Sie fragte einfach wenn sie wirklich etwas wissen wollte und es sie wirklich interessierte Dinah vermisste die Farm auf der sie mit ihrer Familie aufgewachsen war. Sie war sich sicher wenn sie Lakewood in New Jersey besuchen würde, würde sie selbst nach der Apokalypse noch eine Menge wieder erkennen. „Du ordnest dich doch nicht unter. Du bist ein Teil eines großen Ganzen.“ Zu mindestens sagte das immer die Federation of new America aber das verschwieg sie dem jungen Mann erst mal Spätestens nach seiner nächsten Aussage – behielt sie es besser für sich. „Ein guter Anführer trifft Entscheidungen für seine Leute. Ich verstehe dass das am Anfang schwer sein kann besonders wenn man jahrelang anderes gewöhnt war. Aber die Welt war schon immer für mehr als einen Menschen bestimmt und wenn man irgendwann kapiert das man die anderen braucht und nicht einsam im Dreck irgendwo – nichts gegen deinen Lebensstil – sterben will – dann wird es leichter.“ „Ich sage ja nicht das man direkt über seinen Schatten springen soll und sich einer großen Gemeinschaft mit fließendem Wasser, zu Essen und einem Dach über den Kopf anschließen soll.“ Man merke den Unterton in ihrer Stimme. „Aber nicht jedem Menschen direkt eine zu verpassen oder eine Kugel in den Kopf zu schießen ist doch auch schon ein guter Anfang und den hast du zwar mit anfänglicher Schwierigkeit gut gemeistert. Und ist es denn nicht so viel besser sich mit jemandem netten zu unterhalten als seine Eisenstange voller Blut und ekligem Gehirn zu reinigen?“ Sofort zeigte sie mit dem Finger auf ihn. „Wenn du dazu jetzt nichts nettes zu sagen hast, sag besser nichts.“ schmunzelte sie dann und wandte ihren Blick wieder ab. „Sehe ich etwa aus wie eine Missionarstante?“ fragte sie nun wirklich geschockt. „Ich wusste ich hätte meinen Mund aufmachen sollen aber weißt du ich wollte nicht unhöflich sein. Braun in Farbe steht mir echt nicht.“ seufzte sie dann schließlich frustriert. Floyd hatte in der Zeit den Inhalt des Topfes gleich und fair in zwei Schüsseln abgefüllt und reichte eine davon der jungen Frau, welche sie sofort mit einem Lächeln entgegennahm. Sie hatte jetzt wirklich Hunger. Dinah hätte zur Not auch mit den Händen gegessen, es gab deutlich Schlimmeres. Obwohl das wahrscheinlich eher in einer Sauerei geendet wäre. Und die Dunkelhaarige hatte wirklich keine Lust noch in einen Fluss springen zu müssen. Die waren zu dieser Jahreszeit echt noch verdammt kalt. Doch bevor sie überhaupt einen Gedanken darüber verlieren konnte hörte sie Floyds Frage. Und sie nickte sofort lächelnd. Vielleicht doch nicht ganz so eine harte Nuss. Mit Besteck war es doch ein wenig leichter gewesen. Und die Mahlzeit verlief schweigend zu mindestens von Dinah's Seite aus. Sie war offensichtlich zu sehr damit beschäftigt ihr Essen zu verschlingen als gleichzeitig Floyd noch ein Ohr abzukauen. Gesättigt stellte sie die Schüssel auf den Boden ab. „Hab doch gesagt war ein guter Deal.“ bezog sie es wieder auf die zwei Konserven ehe sie aufstand und sich erst mal streckte. „Ich leg mich dann jetzt hin. Immer hin muss ich ja früh aufstehen.“ zuckten ihre Mundwinkel nur nach oben ehe sie ihr kleines Lager in der Nähe des Lagerfeuers aufbaute. Schnell lag die Dunkelhaarige auch schon darin, eingewickelt in einer Decke, so das man nur noch den dunklen Haarschopf und ein Teil ihres Gesichtes sah. Neben ihrem Rucksack lag ein Messer und eine Pistole, welche sie an sich trug und ihr wichtigster Schatz. Ein Funkgerät.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Sie kannten sich nicht. Die junge Frau, die sich selbst zum Abendessen eingeladen, aber dafür immerhin etwas mitgebracht hatte, war ihm fremd. Und sie konnte ebenso wenig über ihn wissen. Welche Überlebensstrategien sich für beide am Ende ausgezahlt hatten, war unwichtig. Wichtiger war, dass sie es geschafft hatten. Jeder eben auf seine Weise.
Floyd empfand sie weder als dumm noch planlos, denn sie hatte die katastrophalen Jahre gemeistert und überlebt und sie schien sich immer noch guter Gesundheit zu erfreuen. Er unterstellte ihr allerdings eine gewisse Blauäugigkeit, vielleicht gepaart mit der Sehnsucht nach Romantik, und damit war nicht sexuelle gemeint. Vielleicht trug sie auch einfach noch Hoffnung mit sich, denn diese hatte Floyd schon vor vielen, vielen Jahren verloren. Er wartete nicht mehr auf eine Erlösung oder auf ein Ende dieses Albtraums. Niemand rettete sie und das Leben, welches sie einst gehabt hatten und wenig wertzuschätzen wussten, war für immer verloren.
Floyd war von einem wütenden Jungen, der sich der Welt nicht hatte anpassen wollen, zu einem wütenden Mann geworden, der sich der Welt nicht mehr anpassen konnte. Man konnte ihm keinen Pessimismus vorwerfen, aber eine bornierte Haltung. Denn Floyd war grundsätzlich kein böser Mensch und er hatte auch nicht vor, Dinah in eine unangenehme Lage zu bringen, aber er war… kein Guter! Vor den gesellschaftlichen Gepflogenheiten hatte er sich entfremdet und diesen Weg hatte er bereits vor dem Ausbruch der Seuche beschritten. Er passte nicht in die vorherrschenden Strukturen hinein, wie er fand. Ob es stimmte, konnte er allerdings nicht wissen, denn er hatte es nie ernsthaft mit der Eingliederung in eine Gemeinschaft probiert.
Ihre Frage, die auf sein persönliches Empfinden abzielte, kam plötzlich und unerwartet. Ob er sein Zuhause vermisste? Floyd hielt in seiner Bewegung inne, sah sie allerdings nicht an. Stattdessen dachte er über ihre Neugier nach und wog ab, ob er ihr antworten sollte. Denn eigentlich war sie eine Fremde und er hatte nicht vor, eine Freundschaft mit ihr einzugehen. Aber er konnte auch nicht leugnen, dass sich ihre Gesellschaft gar nicht so schlecht anfühlte. Jetzt jedenfalls noch nicht.
"Ja.", gab er schliesslich nach einigen Atemzügen zu und schob sich einen weiteren Löffel Nudeln in den Mund. "Ich vermisse vorallem das Fernsehen.", schob er hinterher und es klang ein wenig grummelig. Es war nicht gelogen, er vermisste die sinnlosen TV-Shows. Aber seine Mum und auch seine Gran vermisste er am meisten. Sie mochten in ihren Rollen keine Vorbilder gewesen sein, aber sie waren seine Familie gewesen.
So ging es aber jedem. Sie alle, die überlebt hatten, hatten geliebte Menschen verloren. Und die Sicherheit. Sie alle konnten nicht zurückkehren und das lag nicht an einer Lebensentscheidung, die sie getroffen hatten.
Doch als Dinah meinte, er sei ein Teil des Ganzen, zog er eine Augenbraue hoch und schnaubte leise. "Ich war nie Teil des Ganzen. Höchstens Teil des Problems.", befand er und begann in den Nudeln herumzustochern. Nicht verzweifelt oder in sich gekehrt, auch nicht besonders wütend. Es störte ihn nur, dass es so war, und diesen Frust mussten die weichgekochten Nudeln aushalten.
Doch Dinah machte es nicht besser. Sie besänftigte sein Rumoren im Inneren nicht. Stattdessen liess sie seinen Blick verfinstern und als er diesen anhob und zu ihr blickte, war er für einen Moment sogar sprachlos. War sie noch ganz bei Trost?! Was zur Hölle redete sie da? Er hätte Schwierigkeiten gehabt? Und sie bezeichnete sich selbst als nette Unterhaltung?
Floyd blinzelte, wollte bereits ausholen und ihr etwas an den Kopf werfen, was wohl in einer Art Beleidigung gemündet wäre, doch sie erkannte sein Vorhaben und brachte ihn dazu, die unausgesprochenen Worte wieder zu schlucken. Sie war dreist! Aber nicht unangenehm. Floyd hatte schon lange keinen verbalen Gegner mehr gehabt, der sich nicht von ihm beeindrucken oder provozieren liess. Ihre Art überraschte ihn daher.
Dass sie sich nun auf den Vorwurf der Missionarin stürzte, war ein weiterer taktischer Schachzug von ihr. Sie zeigte ihm deutlich, dass sie über seinen Worten stand und sich nicht von ihm getroffen fühlte. Was allerdings die Farbe Braun damit zu tun hatte, war ihm schleierhaft. Trugen Missionare braune Kleidung? Konnte sein. Konnte auch nicht sein. Floyd hatte sich nie damit auseinandergesetzt. Und jetzt waren sie wohl sowieso allesamt zu Beissern geworden.
Dinah bekam eine Gabel von ihm, was er ein weiteres Mal mit einem leisen Schnauben quittierte, da er sie für unvernünftig hielt, weil sie ohne Besteck unterwegs war.
Sie assen beide ihre Mahlzeiten und blieben dabei ruhig. Floyd sah sich etliche Male um, versuchte die Lage einzuschätzen und kam jedes Mal zum Schluss, dass es wohl ein ruhiger Abend werden würde. An Beissern waren nicht viele unterwegs und die Plünderer hatten sich wohl andere Orte als sein kleines Camp ausgesucht. Was hätten sie hier schon gefunden? Ein paar sehr robuste Campingmaterialien, ja, und ihn. Aber Floyd war weder süss, zierlich noch schwach. Sexuelle Übergriffe auf ihn hatte es deshalb auch noch nicht gegeben und wer sich mit ihm anlegen wollte, tat das immer offensichtlich, so dass ihm Zeit blieb, sich darauf einzustellen und sich zu wehren. Dinah hatte es also tatsächlich gut getroffen, sie war für diese Nacht absolut sicher. Sogar vor ihm.
Während er begann, langsam aufzuräumen, stand Dinah gähnend auf. Floyd sah zu ihr hoch, glaubte, sie wolle noch einen Gute-Nacht-Tanz vollführen, doch stattdessen begann sie ein Schlaflager aufzubauen. Floyd beobachtete sie dabei und stellte den Topf zur Seite und zog dann auch den Grillrost aus dem Feuer.
Er war zwar froh, dass sie seine Ansage vorhin verstanden hatte und ihm nicht auf die Pelle gerückt war, aber jetzt war ihm die Situation etwas unangenehm. Erneut blickte er sich um, dann starrte er sie an, bis sich ihre Blicke trafen. "Scheisse, geh schon ins Zelt. Ich schlafe sowieso noch nicht und kann Wache halten. – Muss den Stolperdraht nochmals neu verlegen." Dinah war nämlich, ohne darüber zu fallen, zu seinem Lager gekommen! "Ausser es stört dich, wenn du neben mir schlafen musst. – Nur so viel: Ich fass dich nicht an."
Frauen waren komplizierte Geschöpfe. Floyd hatte sie nie verstanden. Ihre Träume, ihre Begeisterung, ihre Art, das Leben zu leben. Das alles war ihm immer ein Rätsel gewesen und das hatte sich auch jetzt noch nicht verändert. Allen Frauen, die er bisher begegnet war, konnte er nachsagen, dass sie optimistischer und mutiger eingestellt waren als die Männer, die doch vieles mit Gewalt und Drohgebärden lösen wollten. Floyd war da keine Ausnahme.
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Dinah musste grinsen als Floyd erwähnte das er das Fernsehen vermisste. Auch wenn sie eher dachte, das sie darauf eher eine grimmige Antwort oder doch gar keine bekommen würde. Es war so etwas simples. Woran man wenig dran geglaubt hatte das man es wirklich vermissen konnte. Früher hatten sich die Leute noch über den Mist auf den Kanälen beschwert, über die lästigen Werbungen und die schlechten Nachrichten. Sie erinnerte sich daran wie ihr Dad sie immer morgens beim Frühstück ihre Cartoons gucken ließ, weil er sich nicht mit irgendwelchen Belangen wie Nachrichten und der Welt befassen wollte. Andere Zeiten. Andere Prioritäten. Dinah wusste das es genug Leute gab, die bereits ein schweres Leben vor der Apokalypse hatte. Sie empfand dies natürlich als traurig und schlimm und hätte es einen Weg gegeben für ein junges Mädchen damals all das Leid auf der Welt zu beenden, wäre Dinah sicherlich eine von den Ersten, die diesen Hebel ziehen würden. Aber war es wirklich so eigennützig ihr gutes Leben von damals zu vermissen? Die Dunkelhaarige hatte es nach der Apokalypse auch noch gut gehabt, trotz anfänglicher Schwierigkeiten. Sie wusste es hätte auch anders sein können. Und sie war jeden Tag dankbar gewesen, das ihr Stützpunkt nie überrannt wurde, weder von Untoten, noch von Menschen. Und das sie der FONA begegnet waren und sie in einer Gemeinschaft leben konnte, wo die Menschen noch wussten, das sie eher einander brauchten als sich zu bekämpfen. Aber es war nicht das Selbe wie auf der Farm, wo sie geboren und aufgewachsen war. Ihre Familie war dort nicht auseinandergerissen. Ihre kleine Schwester war zu diesem Zeitpunkt noch nicht krank gewesen. Nur um das Alles in einem einzelnen Moment zerstört zu bekommen. Durch den freundlichen, infizierten Nachbarn, den sie immer täglich auf dem Weg zur Schule gegrüßt hatte. Der sie immer seinen Hund Johnny streicheln ließ. Und genau der gleiche Mensch sich letztendlich mit toten Augen, blutverschmiert und röchelnd gegen die Terrassentür der Andersons gedrückt hatte. Dinah hätte auch genug Grund diese Welt zu hassen aber selbst nach all dem konnte sie es irgendwie nicht. In Hass zu versinken machte es nicht besser. Im Gegenteil. Sie machte denjenigen auch keinen Vorwurf, die es taten. Umso weniger sah sie auch nicht die Menschen als das Problem. Arschlöcher gab es schon immer. Kriminelle genau so. Der einzige unvorteilhafte Vorteil war, das sie nun frei da draußen rumlaufen konnten und machen konnten was sie wollten. Sie empfand die Menschen eher als verloren ohne das mit irgendeinem dämlichen, religiösen oder fanatischen Hintergrund zu meinen. Verlorene Menschen konnten man immer wieder in irgendeine Richtung lenken, auch wenn sie selbst dachten, das es nicht mehr geht. Umso eher amüsierte sie Floyd's Aussage ein wenig, das er sich als Teil des Problems sah. Vielleicht war er wirklich kein guter Mensch gewesen. Aber wer war Dinah schon um darüber zu urteilen. Er hatte sie nicht erschlagen. Er hatte mit ihr, ihr Essen geteilt und sie bleiben lassen, wenn auch widerwillig. Er ließ sie leben. Es spielte keine Rolle aus welchem Grund. Jemand der einen abgrundtiefen, scheußlichen Kern hatte würde es gewiss nicht tun. Die Dunkelhaarige wusste das ihre Art durch aus überwältigend im negativen Sinne sein konnte. Es war nicht so gewesen, das sie nicht auch schon oft in ihrem Leben angeeckt wäre. Doch ihre Positivität und ihr Optimismus waren vielleicht auch ihr Schutzschild gegen all das. Die Ereignisse um sie herum und um natürlich nicht verrückt zu werden. Dinah machte eben das genaue Gegenteil. Sie schirmte sich nicht ab und baute sich eine Schale aus Misstrauen und Hass. Sie versuchte das Beste daraus zu machen, so dämlich es klang. In der Apokalypse gab es immer noch viel Gutes. Ein Satz, den sich Dinah ebenso verbiss. Sie wollte es sich echt nicht mit dem jungen Mann verscherzen. Zu mindestens nicht bevor es hell geworden war. Und im Gegensatz zu ihrem heutigen Tag war Floyd doch unerwartet und auch wenn er das selbst nicht glauben würde eher ein Lichtblick. Es war schon fast so als könnte sie hören das Floyd gerade einiges durch den Kopf ging als Dinah es sich bereits auf ihrem Schlafplatz gemütlich gemacht hatte. Bei seiner Aussage das sie doch in seinem Zelt schlafen konnte und er auch Wache schieben würde hob sie nur eine Augenbraue an. „Wirklich?“ war da doch ein freudiger Unterton in ihrer Stimme. Dinah war nicht zimperlich, noch war sie empfindlich. Ihr machte es nichts aus draußen zu schlafen und sie ekelte sich auch nicht vor irgendwelchen Insekten, die einem manchmal beim Schlaf in die Haare krabbeln konnten. „Ich will dir wirklich nicht auf die Pelle rücken.“ Der Satz kam wohl bereits schon ein wenig zu spät angesichts das sie bereits zusammen gegessen hatten. „Also fühl dich nicht verpflichtet -“ blickte sie den jungen Mann nur an ehe sie dann innehielt. „Jaja schon verstanden. Weniger reden und in das verfluchte Zelt gehen.“ robbte sich die junge Frau schließlich immer noch in die Decke gewickelt vom Boden auf. Als er ihr dann auch noch versicherte, das er auch keine merkwürdigen Hintergedanken hat verzog die junge Frau nur das Gesicht als würde sie es einfach abwinken. „Würde ich dir auch nicht empfehlen das zu tun. Ich musste mich heute Mittag echt durch ziemlich widerliches Flusswasser fortbewegen... Reden wir nicht weiter drüber.“ schüttelte sich die junge Frau schmunzelnd ehe sie sich in das Zelt bewegte. „Bist du sicher das ich nicht die erste Wache übernehmen soll?“ rief Dinah aus dem Zelt heraus als sie sich einfach nur zusammen mit ihrem Schlafzeug fallen ließ. „Ich bin auch noch gar nicht müde.“ murmelte sie. Keine weiteren fünf Minuten später war die junge Frau auch schon eingeschlafen. Dinah schlief vielleicht zwei oder drei Stunden. Es war jedenfalls schon dunkel als sie ruckartig die Augen aufriss. Seitdem jemand von ihrer Einheit in den Portmac River geschubst hatte um sie vor dem Hinterhalt zu retten und sie erst in dieses ganze Schlamassel hier gebracht hatte, hatte die junge Frau einen unruhigen Schlaf. Fast als hätte sie Angst im Schlaf zu ertrinken. Was natürlich unmöglich war. Die Dunkelhaarige hasste Traumata genau so sehr wie Albträume. Die Seite neben ihr war noch leer und es fühlte sich auch an, als hätte sie erst vor fünf Minuten die Augen zu gemacht. Dementsprechend verschlafen trat sie aus dem Zelt. Das Feuer brannte noch und Dinah ließ sich nur wie ein nasser Sack daran nieder. Sie hatte ihr Funkgerät in der Hand. „Floyd?“ gähnte sie. Nicht laut, sie wollte ja keine ungebetenen Gäste anlocken, aber wenn er in der Nähe war hörbar. „Lass mich jetzt die Wache übernehmen.“ Dinah machte nach solchen Episoden eher weniger wieder die Augen zu. Auch wenn man es ihr äußerlich nicht ansah schlug ihr Herz schnell und sie verspürte wieder diesen Knoten in ihrer Brustgegend. Und sie wusste, wenn sie sich jetzt wieder hinlegen würde, würde dieser sich wieder verfestigen. In dem Sinne half Ablenkung ganz gut. Eine Aufgabe. Wache halten zum Beispiel. An ihrem kaputten Funkgerät herumschrauben war auch ganz gut.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Tatsächlich war es ungewöhnlich, hier draussen auf derart positive Menschen zu treffen, die in Regenbogenfarben schissen. Die meisten, denen er begegnete, klammerten sich verzweifelt an irgendwelche Hoffnungsfetzen, waren zutiefst resigniert und abgestumpft oder kurz vor dem geistigen Kollaps. Jemand wie Dinah, die es irgendwie geschafft hatte, optimistisch und fröhlich zu bleiben, überforderte nicht nur, sondern verunsicherte auch. Floyd wusste überhaupt nicht, wie er mit ihr umzugehen hatte.
Er hatte sie als naiv bezeichnet, als arglos und blind empfunden. Aber vermutlich war sie das gar nicht und er lag mit dieser Einschätzung völlig falsch. Die junge Frau hatte sich einen Schutzschild aufgebaut, der so ganz anders war als der Rest. Und offensichtlich kam sie gut damit zurecht, sogar besser als die meisten Menschen, die sich abkapselten, einigelten oder grausam wurden.
Hätte Floyd Haar gehabt, hätte er seine gespreizten Finger seufzend hindurchgleiten lassen. So aber rieb er sich lediglich über die glatte Stirn, die auf seinem Schädel kein Ende fand. Dinahs Anwesenheit sorgte dafür, dass er über sie, ihre Erscheinung und ihre Aussagen nachdenken musste, was er überhaupt nicht wollte, jetzt aber ausführlich tat. Nun ja, so ausführlich, wie Floyd über Situationen eben nachdachte.
Er war in einer Zeit erwachsen geworden, in der es keine Vorbilder mehr gegeben hatte. Es hatte keinen Halt mehr gegeben, keine bedeutsamen Spielregeln mehr. Alles war ins Chaos gestürzt. Nichts hatte mehr Gültigkeit gehabt und mittendrin hatte sich Floyd, der ein kleines, dafür aber immer grösser und schwerwiegenderes Aggressionsproblem hatte, der neuen Welt anpassen müssen. Ohne Leitplanken, ohne Arschtritte, ohne Konsequenzen. Das hatte folglich dazu geführt, dass er sich selbst hatte erziehen müssen. Irgendwie. Wie viele andere Jugendliche auch, die überlebt hatten, war Floyd zu einem erwachsenen Mann herangereift, der überhaupt nicht wusste, ob er tatsächlich auch reif, klug und verantwortungsvoll geworden war. Niemand hatte ihm Grenzen gezeigt, niemand hatte ihn gelobt. Also hatte er stets das getan, was in seiner Vorstellung das Richtige gewesen war. Und das war nicht immer das Richtige für andere gewesen. Auch in seinem Ton vergriff er sich oft, was aber mehr an einer Schutzhaltung lag, als an einem Zwang, ständig auf Konfrontation aus zu sein.
Es störte ihn jedenfalls, dass die Frau, die irgendwie überraschend in sein Lager gepurzelt war, nun unter freiem Himmel schlafen sollte, wo er doch ein Zelt hatte. Klar, das schützte nicht vor den Beissern, aber immerhin vor allen anderen Insekten. Und ein bisschen auch vor der Kälte. Er war kein Wohltäter, aber ein wenig Stolz besass er, und dieser verbot ihm, so mit dieser Frohnatur umzugehen.
Dass sie sich darüber freute und ein Gesicht machte wie ein Honigkuchenpferd, irritierte ihn und versetzte ihn seltsamerweise in eine abwehrende Schutzhaltung. Ja, sie war in ihrer Art und Weise überwältigend und Floyd fühlte sich diesbezüglich regelrecht ohnmächtig. "Jetzt geh schon.", unterbrach er sie, als sie beteuerte, ihm nicht zur Last gehen zu wollen.
Er sah zu, wie sie ihren Schlafplatz in das Zelt wechselte, und versicherte ihr dabei, dass ihr nichts geschehen würde. Jedenfalls nicht von seiner Seite aus. Was sie mit dem ekligen Flusswasser aber bezwecken wollte, verstand er nicht. Hatte sie sich eine Krankheit zwischen ihren Schenkeln eingefangen? Igitt! Aber wer wusste schon, wer welche Krankheiten mit sich herumtrug. Floyd hatte selbst ja auch keine Ahnung. Er war zwar nicht wirklich sexuell aktiv, da ihm schlicht die Gelegenheiten und oftmals auch die Lust dazu fehlten, aber vielleicht hatte er sich schon vor Jahren mit irgendwas angesteckt, ohne es zu wissen… HIV und solchen Kram, was man erst merkte, wenn es aktiv wurde und ausbrach. Doch darüber nachzudenken, brachte gar nichts. Er hatte andere Probleme. Zum Beispiel die Tatsache, dass er seinen Stolperdraht scheisse verlegt hatte, so dass Dinah nicht einmal darüber gefallen oder ihn sogar entdeckt hatte.
Dinah bekam also nur einen kurzen, musternden Blick auf ihre Flusswassergeschichte. Doch bevor Floyd ebenfalls aufstehen konnte, schnatterte sie schon weiter. "Mein Zelt, meine Regeln! Ich übernehm die Wache!", erwiderte er, schnaubte und rappelte sich dann auf.
Er erwartete weitere Erzählungen, frohgelaunte Geschichten, irgendwelche Fragen, doch im Zelt blieb es nach einem kurzen Rascheln und hörbarem Gähnen ruhig. Floyd räumte die Feuerstelle auf und wagte es nach zögerlichen zehn Minuten doch, ins Zelt hineinzublicken. Sein weiblicher Gast schlief. Dinahs Atmung war gleichmässig und ihre Gesichtszüge entspannt.
Wie er hatte auch sie gelernt, Schlafphasen zu nutzen. Man schlief schnell ein, dafür aber wachte man nach wenigen Stunden wieder auf. Floyd erinnerte sich kaum noch an Nächte, in denen er durchgeschlafen hatte. Wenn er alleine unterwegs war, kam dieser Schlafturnus sowieso nicht in Frage.
Wie er ihr erklärt hatte, machte er sich daran, den Stolperdraht neu zu verlegen. Er hob ihn an, spannte ihn neu und war einmal mehr froh, eine funktionstüchtige und schmale Taschenlampe gefunden zu haben, die er sich während der Arbeit zwischen die Zähne klemmen konnte. Immer wieder flog sein Blick dabei durch die Dunkelheit, aber weder waren Beisser auf sie aufmerksam geworden, noch schien jemand nach Dinah zu suchen oder für Ärger zu sorgen. Die Nacht würde wohl ruhig bleiben, aber darauf verlassen konnte sich Floyd trotzdem nicht.
Er entfernte sich danach ein Stück vom Zelt, um sich zu erleichtern, liess das Lager aber nicht aus dem Blick. Dann kehrte er zurück, stocherte ihm Feuer herum und legte weiteres Holz nach, und begann im Feuerschein seine Fingernägel mit einem kleinen Messer zu schneiden. Dadurch, dass er nur noch draussen war, hatten die Nägel kaum noch eine Chance, über den Finger hinauszuwachsen. Dafür aber trugen sie Blessuren davon. Schnitte, Abbrüche und solches Zeug. Floyd ignorierte es die meiste Zeit, doch manchmal waren die Nagelbettwunden störend und dann machte er so etwas wie Maniküre. Sah er anfänglich noch ständig um sich herum, verlagerte sich seine Aufmerksamkeit zunehmend auf seine Hände. Aber irgendwann war er auch damit fertig. Also kramte er in seinem grossen Rucksack herum, den er aus dem Zelt zog, und begann ihn zu entrümpeln. Manchmal steckte er sich Fundstücke ein, weil er dachte, sie würden ihm nützlich sein. Er hatte sich aber angewöhnt, die Fundsachen nach einer Woche des Nichtgebrauchs wieder fortzuwerfen, und das tat er schamlos. Ein paar Dinge flogen achtlos auf die grosse Wiese. Wer sollte sich schon daran stören? Er tat es jedenfalls nicht.
So viel Zeit war seit Dinahs Umzug ins Zelt nicht vergangen, als er das Rascheln im Inneren vernahm. Kurz darauf trat die übermüdete Frau hinaus, sprach ihn an und setzte sich ans Feuer. Dabei wirkte sie überhaupt nicht wie jemand, der bereit war, die Wache zu übernehmen.
Floyd verfolgte ihre Bewegungen stumm und auch, nachdem sie sich platziert hatte, sagte er nicht sofort etwas. Stattdessen starrte er sie immer noch an. Zwei, drei Atemzüge lang, bevor er den Kopf von ihr abwandte und mit den Augen rollte. "Vergiss es. Jemandem wie dir vertrau ich nicht. Du siehst aus, als würdest du jeden Augenblick wieder einschlafen! Das bedeutet nur, dass ich den Morgen nicht mehr erleben würde." Er schüttelte den Kopf. Nein, Dinah würde keine Wache übernehmen. Floyd vertraute ihr dahingehend überhaupt nicht. "Geh wieder rein. Es ist ruhig. Du kannst noch ein paar Stunden schlafen."
Das Funkgerät in ihrer Hand hatte er auch längst registriert. Nur, was wollte sie damit? Hatte sie etwa… andere informiert und in Kürze würde man Floyd und sein Lager überfallen? Hatte er einen Fehler gemacht, als er sie bei sich essen liess?
Er nutzte die Chance, die sich ihm bot. Schnell beugte er sich zur Seite und riss ihr das Funkgerät förmlich aus der Hand. Mit dem Gerät setzte er sich wieder zurück, behielt dabei die junge Frau im Auge. War sie eine Freundin oder eine Feindin? Er fixierte sie eine Weile, blickte dann aber auf das Gerät und drückte den Knopf. Nichts. Es rauschte nicht, es sprang noch nicht einmal an. Es schien also kaputt zu sein. Oder die Batterien waren leer. "Was willst du damit?", fragte er unfreundlich, aber nicht böse genug, um ablehnend zu sein. Er hatte die Situation wohl einfach falsch interpretiert und er war nicht in Gefahr irgendwelcher… krimineller Leute.
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Dinah brauchte vielleicht ein paar Minuten um richtig wach zu werden aber dann war sie voll da – aber verdammt Floyd hatte wirklich eine miese Art und Weise einem Dinge unter die Nase zu reiben. Sie fühlte sich eh schon gerade überrollt genug. Oder er war möglicherweise einer dieser Leute die ziemlich grantig wurden wenn sie müde oder hungrig waren. Bei dieser Vorstellung schlich sich ein kurzes, müdes Schmunzeln durch ihr Gesicht – was aber schnell durch Floyds Worte wieder gedämpft wurde. „Ich schlafe bei der Wache nicht ein. Bin ich noch nie.“ Doch Dinah glaubte kaum das ihre Worte vertrauenswürdig in seinen Ohren klangen. Sie wollte darauf beharren das Floyd sich doch auch ein paar Stunden hinlegen müsste. Er konnte schließlich nicht die ganze Nacht wach bleiben. Doch Dinah verkniff es sich. Auch wenn ihr ihre Mitmenschen am Herzen lagen – beharrte der ehemalige Fremde auf seiner Entscheidung. Und er war offensichtlich ein erwachsener Mann, der durchaus seine Entscheidungen treffen konnte. Wenn er sich schlapp fühlen und sich Augenringe des Todes zuziehen wollte, war das sein Ding. Dinah wusste wie gesagt auch wann sie es gut lassen sollte. In wenigen Stunden würden sich ihre Wege so oder so trennen aber er würde gewiss noch daran denken, wenn er total übermüdet über eine der Äste hier fällt. Diese wenigen Stunden bis zur Trennung konnten sich mit seiner nächsten Aktion auch deutlich beschleunigen. Wer würde auch schon denken, das er ihr jetzt das Wichtigste, was sie besaß aus der Hand schnappen würde. In einem unachtsamen Moment schnappte er sich das Funkgerät aus der Hand. Die Dunkelhaarige war hellwach und sie versuchte noch danach zu greifen, doch griff stattdessen ins Leere. „Hey!“ rief sie nur deutlich emotional. Nicht mehr so optimistisch, wie sonst. Wie konnte sie auch? Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Wenn er es auf den Boden war, würde sie es nicht mehr zusammenflicken können. Es hatte schon das Bad im Flusswasser kaum überlebt und Dinah hatte es mit Mühen zusammenflicken können, so das sie nur noch ein paar Verstärker von besagtem Funkturm, den sie suchte, brauchte um ein Signal zu erzeugen. Um ihre Leute zu kontaktieren. Aber nicht um irgendwen oder irgendwas hier anzugreifen. Lediglich Verstärkung, einen Suchtrupp – irgendwas um ihre Einheit zu finden, weswegen sie überhaupt in diesem ganzen Schlamassel saß und nicht zurück konnte. Und sie wollte natürlich ihrer Mutter und Schwester sagen, das alles gut war. Das sie am Leben war und das sie sich keine Sorgen machen mussten. Doch diese Hoffnung war verpufft und befand sich in der Hand eines Überlebenden, der nicht gerade einfach war und man wohl kaum mit ein paar einfachen Worten besänftigen konnte. „Gib es zurück.“ wies sie ihn sofort an. Als Floyd es nicht tat wurde Dinah weiterhin unruhig. „Es ist kaputt. Drück den Knopf. Nur Rauschen. Ihr habt echt eine scheiß Funkverbindung hier – obwohl drück besser nicht den Knopf. Es ist wirklich empfindlich.“ Floyds Frage machte die angespannte Situation nicht besser. Warum machten die Leute auch immer alles so kompliziert. „Ich will jemanden kontaktieren – was aber nicht geht und deswegen brauche ich Ressourcen um es zu reparieren.“ Womöglich würde man sich denken, warum sie nicht irgendein anderes dahergelaufenes Funkgerät nutzte. Das konnte sie nicht. Es lag an der Frequenz. Die FONA war sehr vorsichtig das sich nicht ein fremdes Ohr in ihren Funkkanälen verirrte. Also bekamen Leute im Einsatz schon Funkgeräte mit bereits eingestellter Frequenz. Verschwindet dieses Funkgerät hatte Dinah nicht mehr die Möglichkeit ihre Leute zu kontaktieren. Außer ihr würde jemand von einer FONA Einheit über den Weg laufen. Aber dass das hier passierte war sehr gering. Und mit leeren Händen und einer verlorenen Einheit vor den Toren ihrer Heimat aufzutauchen. Sagen wir so – das würde genau so wenig gut ausgehen. Dinah saß in einer scheiß Zwickmühle, die sie, wenn sie nicht so verdammt angespannt gerade war, womöglich noch sich gut geredet hätte. So wie sie sich alles gut redete. Und vielleicht wenn sie etwas gewartet hätte bis ihre Worte in Floyd sackten, hätte er es ihr auch vielleicht einfach zurückgegeben. Doch angespannte Situationen führten auch oft zu dummen Entscheidungen. Dinah schmiss sich förmlich auf Floyd und es war ihr ziemlich egal in diesem Moment das sie halb über ihm lag. Natürlich versuchte sie das Funkgerät zu greifen und erst nach mehreren Versuchen gelang es ihr auch – doch los bekam sie es immer noch nicht. „Lass los! Du hast doch gar keine Ahnung!“ sprach Dinah laut und zog an dem Funkgerät – wie als hätte man einem Kleinkind das Spielzeug geklaut. Und solche Sachen endeten immer gleich. Sie wusste nicht ob Floyd losgelassen hatte oder es Dinah war. Vielleicht ist es auch einem der Beiden einfach aus der Hand gerutscht. Es spielte keine Rolle als das Gerät mit Schwung davonflog und mit einem deutlichen Aufschlag auf dem Boden aufkam. Nicht in einem Stück. „Nein.“ ließ sie Floyd dann los und ging endlich von ihm runter und krabbelt auf den Knien zu dem auseinandergefallenen Funkgerät. „Nein, Nein, Nein!“ sprach sie immer wieder aufgewühlt als sie die Teile zwischen ihre Hände nahm als wäre es zerbrochenes Glas oder ein zerbrochenes Ei. Sie könnte es vielleicht wieder reparieren – doch im Moment sah Dinah nur das es kaputt war und ihre aufgewühlten Emotionen übermannten sie. „Wieso hast du das gemacht?!“ war ihre Stimme laut. „Hast du mal daran gedacht, das nicht jeder auf der Welt dein verdammter Feind ist?!“ „Scheiße.“ fluchte sie ungewohnt und hatte den Drang das letzte bisschen in ihrer Hand einfach gegen den nächsten Baum zu donnern. Doch sie unterdrückte diesen Drang, den sie später wirklich bereuen würde.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Natürlich wollte die junge Frau ihr Funkgerät zurück. Doch die Gründe waren wohl kaum sentimentaler Natur, auch wenn ihre bittende Stimme einen emotionalen Unterton bekam.
Sie erklärte, dass er nur Schrott in seinen Händen hielt und vergeblich auf die Knöpfe drückte, weil es nicht mehr funktionierte. Das fand er aber auch alleine heraus, denn das Gerät war wirklich nicht funktionstüchtig. Floyd sah vom Funkgerät kurz auf und warf Dinah einen misstrauischen Blick zu. Sie hatte sich bei ihrem ersten Aufeinandertreffen als völlig harmlos dargestellt. Sie hatte ihn sogar mit einer Essenseinladung geködert und Floyd hatte sich davon blenden lassen. Er war auf ihre unschuldige Art hereingefallen und er hatte es verpasst, sie auszufragen.
Andererseits wirkte sie gerade so verzweifelt, dass er ihr tatsächlich keine boshaften Absichten mehr unterstellen konnte und wollte. Sie war von ihrer Gruppe wohl wirklich abgetrieben und befand sich jetzt in einer äusserst unangenehmen, einsamen Lage. Vielleicht hatte sie ihn schon länger beobachtet, bevor sie sich überhaupt getraut hatte, sich ihm zu zeigen.
Floyd ging kurz ein paar Möglichkeiten durch, doch sie stoppte seine Gedankengänge, wie und ob er ihr vertrauen konnte. Unerwartet warf sie sich mit ihrem gesamten Körper auf ihn, so dass Floyd nicht schnell genug reagieren konnte. Er fiel mit einem hörbaren Atemausstoss rücklings ins Gras, riss den Arm zur Seite und wollte sie daran hindern, das Funkgerät an sich zu nehmen. Trotzdem unterlag er kurze Zeit später der Rangelei und er spürte, dass ihre Hand das Funkgerät erreicht hatte. Floyd wusste allerdings in dieser Situation selbst nicht, warum er es ihr nicht einfach zurückgab. Es lag wohl an der Situation selbst. Die Fremde wollte etwas, was er von ihr erobert hatte, und er wollte es schlicht und ergreifend gerade nicht zurückgeben. Anfangen konnte er selbst mit einem Funkgerät nämlich gar nichts und er benötigte auch keine Ersatzteile davon.
"Geh von mir runter!", befahl er knurrend. Er versuchte sich mitsamt Dinah auf sich umzudrehen, doch das gelang ihm nicht. Stattdessen merkte er mit einem Mal, dass das Funkgerät nicht mehr in seiner Hand lag und Dinah mit ihrer Rangelei auf ihm abrupt endete. Ihr ungläubiges 'Nein' liess ihn in seiner Bewegung erstarren und er folgte ihrem Blick zum kleinen Gerät, welches man nur dank des Feuerscheins überhaupt in der Wiese ausmachen konnte. Es sah malträtiert aus.
Dinah war aber wieder schneller. Sie liess von ihm ab, schlug dabei – unabsichtlich – ihren Ellbogen gegen sein Kinn, so dass Floyd keuchend den Kopf auf die andere Seite drehte, und dann bewegte sie sich gänzlich von ihm fort.
Ihre Ungläubigkeit wandelte sich in wütende Verzweiflung. Floyd hörte ihre Worte und setzte sich auf, wobei er mit seinen Fingern nach seinem Kinn tastete. Erst ihre wütende Frage liess ihn den Kopf zu ihr drehen und er zog seine Beine locker an. Er hatte schon verdammt lange keine derartige Rangelei mehr gehabt, schon gar nicht mit einer Frau, die er unterschätzt hatte.
Ohne ihr zu antworten, begann er den Schnürsenkel seines rechten Stiefels neu zu binden. Es brachte auch nichts. Sie war sauer und würde gar nicht zuhören. Und Floyd war ungewöhnlich ruhig. Frauen hatte er im Prinzip nicht geschlagen, aber es war in den letzten Jahren durchaus vorgekommen. Hier draussen war sich jeder selbst der Nächste und was tagsüber niedlich lächelte, konnte nachts die furchtbarste Fratze haben.
"Es is' nur ein blödes Funkgerät!", maulte er auf einmal los und ging dann in die Hocke. "Ich habe dich gefragt, was du damit vorhast. Du warst es doch, der sich wie ein Bär auf mich gestürzt hat. Dass das Teil kaputt ist, ist deine schuld." Er schnaubte und rieb sich erneut das Kinn. Nur ein kleiner Haken mit dem Ellbogen, aber Floyd spürte den vorhin plötzlich ausgeübten Druck auf das Gewebe immer noch.
Tat sie ihm leid? Schwer zu sagen. Floyd hatte nicht beabsichtigt, das Funkgerät zu zerstören. Er hatte nur wissen wollen, was sie damit vorhatte. Das hatte sie ihm aber nicht so ohne weiteres beantworten wollen. So kam eins nach dem anderen und jetzt sass die junge Frau wohl vor einem Dilemma.
Floyd ging es nichts an. Er kannte sie nicht und er hatte nur etwas Nettigkeit gezeigt, als er sie mitessen und in seinem Zelt schlafen liess. Es durfte ihn überhaupt nicht interessieren, was sie dachte, wie es ihr erging und was sie nun vorhatte.
"Scheisse!", stimmte er schliesslich nach einigen Atemzügen später mit ein. Dann stand er auf, trat zu ihr und blieb neben ihr und den Teilen des Geräts stehen. "Geh schlafen! Wir reparieren das Ding morgen. Die Teile sind ziemlich schwer kaputtzukriegen, also gehe ich davon aus, dass man das Ding mit ein paar Ersatzteilen wieder zum Laufen bringen kann." Er wusste selbst nicht, was er hier tat. Warum er ihr helfen wollte (natürlich auf seine eher unfreundliche Art und Weise). Aber er konnte sie auch nicht ignorieren, schliesslich war sie bereits sein Gast.
"Und hier draussen ist jeder erst einmal dein Feind. Merk dir das, wenn du überleben willst." Damit machte er auf dem Absatz kehrt und lief zum Feuer. Er legte noch Holz in die Flamme und hatte dann vor, einmal um das Zelt zu laufen und den Spanndraht zu begutachten. Irgendwas musste er jetzt tun. Sich nämlich einfach wieder hinzusetzen, als hätte ihn diese Rangelei nicht aufgewühlt, war nicht sein Ding.
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zuletzt bearbeitet 05.08.2024 11:05 |
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Natürlich wehrte sich Floyd. Dinah hätte in dieser Situation wohl auch nicht anders reagiert wären die Rollen vertauscht gewesen. Nun die Dunkelhaarige hätte auch in vertauschten Rollen dem jungen Mann nicht einfach so etwas weggenommen. Es wäre wohl einfacher gewesen wenn Dinah einfach nur Floyd's Antwort abgewartet hätte und sich nicht wie ein Tier auf ihn gestürzt hätte. Ob Floyd ihr das Funkgerät einfach wieder gegeben hätte? 50/50. Aber die junge Frau konnte sich in dem Falle nicht auf irgendwelche möglichen 'Vielleicht' Situationen vetrauen. Nicht bei dem Funkgerät. Nicht bei dem einzigen Gerät, das die Frequenz von zu Hause bei sich trägt. Die Situation entwickelte sich, wie sie sich immer entwickelte wenn zwei Menschen sich um etwas stritten. Als das Funkgerät unsanft auf dem Boden aufgekommen war, war es vorbei gewesen. Das sie Floyd mit ihrem Ellenbogen am Kinn traf als sie hektisch von ihm runter krabbelte war tatsächlich unbeabsichtigt. Sie hatte gewiss nicht die Absicht gehabt ihm eine zu verpassen. Sie wollte nur das Funkgerät haben. Und wäre Dinah jetzt in keinem emotionalen Ausnahmezustand und wäre die Situation eine andere hätte es ihr natürlich direkt Leid getan und sie hätte sich umgehend entschuldigt. So war das Funkgerät aber ihre erste und einzige Priorität über das sie sich kauerte als wäre gerade jemand verstorben. Das Floyd sich hinter ihr bereits wieder aufrappelte bekam sie gar nicht erst mit. Seine Worte waren jedenfalls nicht deeskalierend und hilfreich in ihren Ohren gewesen. „Nur ein blödes Funkgerät?! Hast du überhaupt eine Ahnung was du angerichtet hast? Sind dir Konsequenzen wirklich so scheißegal?“ gab sie ihm nur in der selben Stimmung zurück während sie die einzelnen Kleinteile aufsammelte während sie sich versuchte einzureden das alles wieder gut werden würde. Alles würde am Ende gut werden. Die Kleinteile wieder einschrauben. Eine gebogene Antenne war gewiss kein Weltuntergang. Und hoffen dass das Funkgerät immer noch dieses hoffnungslose Rauschen von sich gab weil diese Umgebung absolut keine beschissene Funkverbindung besaß. Und dann würde sie diesen blöden Funkturm finden, irgendwas was ihr Funkgerät verstärkt und dann als allererstes ihre Schwester an funken Das Wunschdenken beruhigte Dinah innerlich langsam, änderte dennoch nichts an der Situation das sie sauer auf Floyd gewesen war. „Wie ein Bär?“ sprach sie dann entsetzt und drehte sich zu ihm um. „Vielleicht solltest du erst mal lernen das man sich nicht einfach etwas nimmt was einem nicht gehört und vor allem das man es zurückgibt wenn die Person höflich darum bittet!“ Dinah sah sich um und ihre Hand griff nach dem Löffel von Floyds Besteck. „Siehst du ich hab deinen … ähm Löffel!“ blickte sie ihn bestimmend an. „Ist kein tolles Gefühl was?“ warf sie ihm den Löffel dann natürlich wieder zurück. Es ging ihr ums Prinzip. Dinah wandte sich wieder ab, sammelte weiter die Kleinteile auf und nahm den Rest des Funkgerätes in die andere Hand. Sie stand im selben Moment auf als der junge Mann wieder sprach. Diesmal in einem deutlichen versöhnlichen Gemüt. Oder Dinah bildete es sich nur ein. „Ich werde mein Funkgerät reparieren.“ entgegnete sie nur knapp auf seine Aussage das sie doch wieder schlafen gehen sollte. Auch wenn Floyd mit einer Sache Recht hatte. Stabil war es auf jeden Fall gewesen. Schließlich hatte es das Flusswasser überlebt. Dennoch ist es jetzt schon das zweite Mal, das es fast kaputt gegangen wäre. Die Dunkelhaarige wollte ganz gewiss nicht ihr Glück strapazieren. Manche würden es vielleicht auch als Zeichen sehen das es Dinah vielleicht ihr zu Hause nicht mehr vergönnt wäre, nach dem das Schicksal nun schon ein zweites Mal versucht hatte ihr das Wichtigste zu nehmen. Wäre die junge Frau zynisch, würde sie das womöglich denken. So ging sie nur an dem jungen Mann vorbei, blieb aber einen kurzen Moment stehen bei seinen Worten. „Nur weil du so bist wie du bist. Müssen das andere nicht sein.“ Dann ließ sich die Dunkelhaarige wieder am Lagerfeuer nieder, holte aus ihrem Rucksack ihr kleines, angesammeltes Werkzeug heraus und fing an die einzelnen, benutzbaren Kleinteile wieder einzuschrauben. Das Dinah offenbar deutlich geschickt darin war und das Ganze nicht zum ersten Mal tat, sah man an ihren Handbewegungen. „Tut mir Leid.“ sprach sie nach kurzer Zeit ohne ihn anzusehen. „Wegen deinem Kinn. Ich wollte dir keine verpassen – auch wenn du es vielleicht verdient hättest.“
@Floyd Webber

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Er mochte ihre laute Stimme nicht. Sie klang verärgert und verzweifelt, vielleicht sogar ein wenig panisch. Floyd war allerdings froh, dass seinem Gast die plärrende, kreischende Komponente fehlte, die seine Ohren klingeln liess. Wer so lange draussen in der Natur lebte und längst ein Teil davon geworden war, reagierte auf Lärm ganz anders als jene, die das Geschnatter, Gelächter und Gejaule von Menschen gewohnt waren. Abgesehen davon zog Lärm auch immer Beisser oder neugierige Leute an.
Floyd sah kurz um sich. Es war dunkel und das Licht des Nachthimmels brachte wenig zum Vorschein. Auch die Flamme des Feuers tänzelte in einem viel zu kleinen Umkreis vor sich hin. Aber instinktiv spürte er keine Gefahr. Es war ruhig und weder ihr kurzes Gezanke noch die erhobenen Stimmen hatten irgendwen angelockt.
Dass Dinah so reagierte, war allerdings nicht überraschend. Er hatte ihr ein Funkgerät aus den Händen gerissen und jetzt sammelte sie die Komponenten davon auf. Floyd in ihrer Situation hätte ganz anders reagiert. Er hätte wohl einen Wutausbruch erlitten und alles zerstört, was er mit seiner Eisenstange hätte treffen können. Dass die junge Frau nur laut und bissig geworden war, war letztendlich auch Glück für ihn. Auch sie hätte ihn kurzerhand ins Jenseits befördern können. Um das zu tun, musste man nämlich weder stark noch männlich sein. Es reichte ein gezielter Hieb.
Dinah erteilte ihm eine Moralpredigt, was Floyd zu ignorieren versuchte, in dem er sie nicht ansah. Aber überhören konnte er ihren Vorwurf nicht. Sie hatte sicherlich recht, es war kein feiner Schachzug von ihm gewesen. Aber, verdammt nochmal, sie waren nicht mehr in einer heilen Welt, in welcher Anstand das Überleben sicherte!
"Höflich?" Er rümpfte die Nase. Sie hatte nicht höflich um die Rückgabe des Funkgeräts gebeten, sie hatte panisch geklungen und das hatte Floyd alarmiert. Es ging schliesslich auch um seine Haut und sie war es doch, die einfach so aus dem Nichts bei ihm aufgetaucht war.
Allerdings lenkten ihre Bewegungen seine Aufmerksamkeit wieder auf sie. Er sah zu, wie sie nach dem in der Schüssel liegenden Löffel griff und ihn triumphierend festhielt. Floyd glaubte im ersten Moment, sie wolle sich damit bewaffnen, doch ihre Worte passten nicht zu einem solchen Vorhaben. Wortlos starrte er sie an und sah zu, wie sie den Löffel wieder zurückwarf.
Gut, okay, sie wollte ihm eine Lektion erteilen, wollte ihn spüren lassen, wie es war, wenn einem etwas Wichtiges genommen wurde... Floyd blinzelte, dann zuckten seine Mundwinkel in die Breite, aber er presste kurz darauf die Lippen aufeinander, um ein Grinsen zu unterdrücken. Der verzweifelte Versuch von Dinah, ihm dasselbe anzutun, wie er ihr angetan hatte, war ihr gründlich misslungen. Aber die Art und Weise, wie sie es ihm heimzahlen wollte, kitzelte an seinem tief vergrabenen Humor. Das war einfach schräg – und lustig. Aber Floyd wollte das nicht zu offensichtlich zeigen. Sie hatte ihm damit aber den Wind aus den Segeln genommen. Das führte schlussendlich dazu, dass er sie nicht weiter ignorieren oder allein mit dem kaputten Gerät lassen wollte. Doch für grosse Massnahmen war es zu dunkel und auch viel zu spät. Sie sollten damit bis morgen warten.
Obwohl er ihr sagte, sie solle sich wieder hinlegen, hatte sie etwas anderes vor. Eine Trotzreaktion, oder auch, weil sie zu aufgewühlt war, um jetzt noch zu schlafen. Aber so erging es Floyd ja auch.
Und während er überlegte, an welcher Seite des kleinen Lagers er anfangen sollte, drehte er den Kopf in ihre Richtung, als sie auf seiner Höhe war und ihn ansprach. Was sie aber damit meinte, wusste er nicht. Er war, wie er war. Ob das nun gut oder schlecht war, konnte er nicht beurteilen. Aber es hatte ihm bisher das Überleben gesichert und ihn vor schlimmen Dingen bewahrt. Er war in Prügeleien geraten, hatte sich lautstark und mit Fäusten und Füssen verteidigen müssen, er hatte furchtbare Angst erlebt und war durch Pein und Scham gelaufen. Aber er hatte nie Folter erlebt. Nie hatte man ihn eingesperrt, nie hatte er absolut, furchtbare Gräueltaten mitangesehen – abgesehen von der Abschlachtung von Beissern. Floyd war all die Jahre über relativ glimpflich davongekommen und er glaubte, dass das durchaus auch an seiner Art und Weise, wie er lebte, agierte und sprach, lag. Aber ja, für zwischenmenschliche Beziehungen konnte sein Charakter sicherlich anstrengend sein.
Er zuckte nur mit den Schultern und ging dann ein paar Schritte weiter. Während sich Dinah am Lagerfeuer niederliess, ging Floyd vor einem Hering nieder, der den Spanndraht aufrechthielt. Dabei rieselten ihre Worte über seinen Nacken. Floyd hielt in seinen Bewegungen inne und lauschte auf die Geräusche um sich herum. Das Knacken des Feuers, die Bewegungen von textilen Stoffen und das sanfte Klackern der Teile des Funkgerätes.
"Kriegsverletzung. Nicht schlimm. Kommt vor.", antwortete er nach einer Weile trocken. Der Spanndraht war fest und stabil, es gab keinen Grund, sich länger damit zu beschäftigen. Trotzdem zögerte er eine Rückkehr zu Dinah hinaus. Er starrte auf die feuchte Wiese vor sich, lauschte weiter den Geräuschen, bis er sich wieder erhob und zum Feuer zurückkehrte. Floyd setzte sich wieder auf seine alte Stelle und liess die Arme über seine angewinkelten Beine hängen. Dabei beobachtete er sie dabei, wie sie sich mit dem Funkgerät beschäftigte. "Wartest du auf jemanden oder wartet jemand auf dich?" Er sprach leise und nickte zum Gerät in ihren Händen. Vielleicht war es an der Zeit, sie besser kennenzulernen. Das gelang allerdings nur, wenn Dinah mitmachen wollte und mehr von sich preisgab, als sie ursprünglich wollte.
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Floyd winkte ihre Entschuldigung nur ab, als wäre es keine große Sache gewesen. Für die Meisten war es das auch vielleicht nicht. Für Dinah allerdings schon. Ihre Antworte war eigentlich nie Gewalt gewesen. Sie schlug nicht einfach grundlos zu oder weil sie einfach wütend war. Es war aber auch nicht das erste Mal das dies passiert war. Da machte die Dunkelhaarige auch keinem was vor. Auch wenn es selten vorkam, wurde auch sie wütend und ärgerte sich. Sie musste daran denken, wie sie mal in einer Kurzschlussreaktion jemanden von ihrer Einheit geschlagen hatte. So richtig mit der Faust ins Gesicht. Das war schon lange her gewesen. Und Dinah wusste noch nicht mal mehr weshalb sie das getan hatte und die genauen Worte ihres Streites. Aber er hatte etwas über ihren Vater gesagt, was ihr ziemlich missfallen hatte. Dinah's heitere Art war mehr ihr Schutz vor all dem dadraußen, so wie Floyd's Isolation seine war. Der Unterschied lag nur daran, das die meisten Überlebenden mehr wie Floyd reagierten und weniger wie Dinah. Und etwas was man nicht kannte oder gängig in der Gesellschaft war, wurde schon immer den Krähen zum Fraß vorgeworfen. Jedenfalls nickte Dinah nur und ließ die Sache mit dem Schlag beruhen ehe sie sich weiter auf das Funkgerät konzentrierte. Der Draht wurde durch den Aufprall und die heraus fliegenden Teile verbogen. Ärgerlich aber es war nicht weiter schlimm. Den Draht konnte sie tatsächlich einfach ersetzen, wenn sie welchen fand. Nicht weit von ihr war eine kleine Siedlung und dort gab es einen kleinen, ehemaligen Elektronikladen. Wenn sie dort nicht das Passende fand würde sie sicherlich in der Cottage etwas dafür eintauschen können. Doch mitten in der Nacht aufzubrechen, war auch für die junge Frau eher eine Selbstmordaktion. Sie würde bis zum Morgengrauen warten. „Guter Wurf. Du hast den Draht komplett verbogen.“ murmelte sie nur und blickte kurz zu dem ehemaligen Fremden hinüber, der schon fast irgendwie wirkte als würde er sich eine Beschäftigung suchen, nur um nicht wieder in ihre Nähe zu kommen. „Nicht weit von hier, weiter östlich habe ich einen Laden gesehen, wo ich das wohl wieder richten kann. Jetzt hab ich wirklich keinen Grund auszuschlafen und du musst mich nicht länger ertragen. Also hatte die kleine Rangelei zwischen uns doch wohl auch was Gutes.“ grinste die Dunkelhaarige scherzhaft packte den Schraubenzieher weg, betrachtete das Gerät nochmal nach anderen möglichen Fehlern und Macken. Dinah hob den Blick etwas von dem Gerät zwischen ihren Händen bei Floyd's Frage. Die persönliche Frage klang schon fast ungewohnt aus seinem Mund. Vielleicht war er aber auch nicht ganz der harte Hund, den er vorgab zu sein und hatte jetzt ein schlechtes Gewissen. Ihr Blick flog flüchtig zu ihm für einen Moment als würde sie versuchen zu erkennen ob er sich wegen der ganzen Situation nun schlecht fühlte. Aber der ehemalige Fremde blieb unleserlich wie immer. Dinah's Menschenkenntnisse waren auch eher einfach und naiv. Die meiste Zeit interpretierte sie sowieso etwas herein was womöglich nicht richtig war. „Beides, würde ich sagen.“ Es war schließlich nicht gelogen. So wie Dinah ihre Einheit suchte, suchten diese wahrscheinlich nach ihr. Jedenfalls wollte die Dunkelhaarige das glauben. „Ich hab meine Leute verloren und jetzt suche ich sie. Aber ich bin mir sicher das ich sie bald finden werde. Hiermit wäre es eben einfacher.“ deutete sie mit ihren Worten auf das Funkgerät. Es war nicht so das Dinah irgendein Funkgerät nehmen konnte. Sie brauchte genau das. Denn darauf waren die Koordinaten des Funkkanals eingespeichert. Niemand wusste sie, bis auf Wenige der Gemeinschaft. Damit ging die FONA sicher das keine fremde Ohren mithörten oder Fremde auf sie aufmerksam wurden. Im Fall von Dinah eher kontraproduktiv. Aber der Hintergedanke dahinter klug. „Ich hoffe es jedenfalls. Ich vermisse wirklich das Essen von zu Hause und die Leute...“ sprach Dinah einen kurzen Moment nachdenklich. „Nimm es mir nicht übel aber die Meisten hier sind ziemliche Arschlöcher.“ schmunzelte sie und befestigte das Funkgerät wieder an ihrem Gürtel. Die Dunkelhaarige atmete schließlich auf und blickte einen Moment in die tänzelnde Flammen ehe sie fragte „Und was ist mir dir?“ wollte sie nun auch wissen. „Bist du auch verloren gegangen oder suchst du nach jemanden? Eltern? Geschwister? Verrückte Ex-Freundin? … Verrückter Ex-Freund?“ zuckte Dinah mit den Schultern. Für sie war das eh alles gleich, sie wurde so erzogen und machte da keinen Unterschied und empfand es als Normalität, was es schließlich auch war.
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Immer wieder sagten zufällige Bekanntschaften, die eine Nacht, vielleicht auch ein, zwei Tage andauerten, dass er sie nicht mehr länger ertragen musste. Auch jetzt stöhnte er innerlich darüber genervt auf und rollte mit den Augen. Wie kamen all die Leute ständig auf die Ideen, er müsste ihre Anwesenheiten ertragen? Aber als Floyd zum Feuer zurückkehrte, machte ihn dieser Gedanke nachdenklich. Ihm war bewusst, dass er Überlebende nicht sehr nett behandelte. Er sah in ihnen in erster Linie eine Gefahr. Nicht unbedingt für sein Leben. Aber die Menschen klauten sein Essen, seine Stiefel, irgendwelches Equipment für das Zelt, ja sogar einen Kochlöffel hatte mal einer gestohlen und war damit weggerannt. Manch ein Fremder übte sich sogar in der Rolle eines früheren Sektenmitglieds, in dem er Floyd Honig um den Mund schmieren wollte, damit dieser sich auf dessen Versprechen einliess und mitging, wohin auch immer, und wo ihm dort dann Forderungen gestellt wurden: Er sollte jemanden finden, er sollte jemanden töten, er sollte irgendwen verraten, den er gar nicht kannte, oder er sollte blank ziehen und ein Teil der Gemeinschaft werden. Letzteres wollten die Leute nur, weil sie aufgrund seines Äusseren urteilten.
Er wurde schon von sehr konservativen Leuten angesprochen, die sehr religiös, fanatisch und vor allem fremdenfeindlich gewesen waren. Sie hatten die begonnene Säuberung weiter ausweiten wollen. Auf... - scheisse, auf alle möglichen Leute. Auf Menschen mit anderen Hautfarben, auf religiöse Minderheiten, Ausländer. Auf Leute, die andere Wertvorstellungen hatten, die eher liberal waren oder grundsätzlich demokratisch gewählt hatten. Und selbstverständlich auch auf sexuelle Minderheiten. Floyd schien ihnen nie wie eine 'richtige Schwuchtel' vorzukommen oder wie jemand, der auch mit einem Mexikaner oder Ghanaer an einem Feuer sitzen und mit ihnen ein Kaninchen teilen konnte.
Zum einen hatte er sich dieses Vorurteil selbst zuzuschreiben, war er doch für die allermeisten weder nett noch nahbar. Aber viele der Unterstellungen kamen nach wie vor aus einer geprägten Kinderstube aus der Zeit vor der Apokalypse.
Da hatte Dinah schon einen wesentlich tieferen Blick hinter Floyds Fassade geworfen, denn sie blieb noch immer hier und schien auch keine Angst zu haben, dass er ihr etwas antat. Sie war frustriert und wütend, was nachvollziehbar war, aber sie war auch selbstbewusst und vernünftig genug, um die Nacht nicht zum Morgen zu machen und zu fliehen. Und wenn Floyd so darüber nachdachte, dann war sie keine schlechte Gesellschaft. Er empfand sie ein bisschen naiv, ja, sogar etwas mehr als nur ein bisschen, aber darüber hinaus schien sie ganz in Ordnung zu sein. Eine Gefahr sah er in ihr nicht, aber ganz trauen konnte er ihr eben auch nicht. Sie erzählte nur von ihren Leuten, die auf sie warteten oder sie suchten. Wer waren diese Leute? Wo waren diese Leute? Was ging hier überhaupt vor sich? Deshalb stellte er die Frage nochmals. Genauer, wie er fand.
Floyd sah zu ihr, betrachtete ihr Gesicht, welches vom Feuerschein ausgeleuchtet wurde. Sie wirkte trotz der Wintermonate recht gesund. Ganz anders als Floyd, der stärker als auch schon abgenommen hatte. Die kalte Jahreszeit hatte an ihm gezehrt und jetzt fühlte er sich ausgemergelt. Nicht schwach, aber leider auch nicht mehr so stark und energiegeladen wie in anderen Jahren, wenn der Frühling anbrach.
Und wenn er sie sich ganz genau ansah, dann konnte er auch sagen, dass sie eine hübsche Frau war. Mit diesem Schlafzimmerblick und sehr vollen Lippen. Kein Wunder, dass sie sich zu wehren wusste. Zumindest ihren Ellenbogen konnte sie sehr erfolgreich einsetzen. Floyd fuhr sich vorsichtig über sein Kinn.
Er hatte auf eine Antwort gehofft, die mehr Erkenntnisse brachte. Aber alles, was Dinah erzählte, war eine Wiederholung von vorhin. Entweder wollte sie ihm nichts genaueres über ihre Leute sagen oder diese Leute gab es gar nicht mehr und sie hatte sich diese Tatsache einfach noch nicht eingestanden. Posttraumatischer Stress. Auch so ein Ausdruck, den er erst nach der Apokalypse gehört und begriffen hatte.
Sie liess ihn nur wissen, dass sie ihr Essen vermisste, welches sie gewohnt war, und dass sie die Leute hier draussen blöd fand. Naja, dagegen konnte Floyd nichts sagen. Er hatte viele Menschen damals schon für Arschlöcher gehalten und seltsamerweise hatten viele von ihnen bis heute überlebt.
Sein Blick ging etwas unzufrieden über dieses kurze Gespräch zurück zum Feuer. Dann fasste er nach einem Zweig und begann in der Glut herumzustochern. Die Müdigkeit griff nach ihm, aber an Schlaf wollte er nicht denken. Unmöglich, hier die Augen zuzumachen!
Dinah's Frage, die sie dann stellte, liess ihn aber kurz grinsen. Er war kein Teddybär, der verlorenging! Aber als sie dann die mögliche Ex-Freundin oder Ex-Freund erwähnte, hob er den Blick wieder und sah sie an.
"Wieso soll man nach seinem Ex suchen? Hat man den oder die nicht aus irgendeinem Grund in den Wind geschossen? Wäre doch lächerlich, zu so jemanden zurückzukehren." Abgesehen davon hatte Floyd überhaupt noch nie eine Beziehung geführt. Wie denn auch? Er hatte sich um sein Überleben gekümmert. Dinge, die damals normal gewesen waren, weil man mit fünfzehn und sechzehn die ersten ausgelassenen Partys und mit siebzehn, achtzehn in Clubs gegangen war, wo man mögliche Partner hätte kennenlernen können, hatte es für Floyd nie gegeben. Statt im grell erleuchteten Supermarkt, wo diese beschissene Hintergrundmusik gelaufen war, verstohlen nach der richtigen Kondomgrösse zu gucken, hatte Floyd verzweifelt in dunklen, leergeräumten Regalen nach Konserven gesucht, weil der Hunger kaum noch zu unterdrücken war. Und statt auf einer Poolparty in einem Schwimmring einen viel zu starken Drink zu probieren, hatte er lernen müssen, verspritzte Zombie-Eingeweide von seiner Haut zu waschen, ohne sich dabei übergeben zu müssen. An sowas wie eine Beziehung hatte er wirklich keinen Gedanken verschwendet. Das brachte auch gar nichts. Denn am Ende war man sowieso wieder allein.
"Ach, nein.", meinte er und warf den Zweig ins Feuer. "Ich bin Jäger und Sammler. Ich jage nach allem, was man noch verwerten kann und ich sammle Frauen ein, die verlorengegangen sind und mir nicht sagen wollen, woher sie kommen, wer ihre Leute sind und warum ihnen das alles überhaupt passiert ist." Sein Blick blieb fest auf Dinah gerichtet. Er wollte Antworten. Mehr als das, was sie ihm bisher erzählt hatte. Aber vielleicht wollte sie ihm nichts genaueres sagen, weil er ihr bisher ja auch nichts gesagt hatte. Nun gut... - so ein Scheiss.
Floyd strich sich mit der ganzen Handfläche über das Gesicht und sah geradeaus in die Dunkelheit. "Ich habe niemanden. Nach dem Ausbruch habe ich meine Mum und meine Gran gesucht, aber die waren verschwunden. Danach bin ich mit verschiedenen Leuten rumgezogen. Familien, einzelne Leute, kleine Grüppchen. War mal hier, war mal dort, aber nie weit von Washington weg. Ich bin schon immer Plünderer und Händler gewesen, aber es wird zunehmend schwerer. Die Städte und Dörfer sind meilenweit abgegrast und man muss immer weiter fort, um noch Brauchbares zu finden. Das Blöde dabei ist, dass man so auch ungewollt in die Territorien anderer Überlebender gerät. Dann muss man sich wieder erklären, die Zähne zusammenbeissen und hoffen, dass man einem glaubt. Gar nicht so einfach. Wer weiss, wie lange ich das noch machen kann." Langsam liess er sich nach hinten fallen und stützte sich auf die Ellbogen. Sein Gesicht drehte er wieder zu Dinah. "Und es wäre ein Ex-Freund, wenn es einen geben würde." Das ging sie überhaupt nichts an. Andererseits, warum sollte sie es nicht wissen? Frauen, die gar nicht lesbisch waren, gingen manchmal trotzdem so etwas wie eine Beziehung mit einer Frau ein, weil sie die Nähe und das Vertrauen brauchten. Und manche, die vielleicht homosexuell waren, liessen sich auch auf Heteros ein. Einfach, damit sie Druck ablassen konnten oder weil jemand, den sie sehr mochten, besser war, als keiner. Und nicht jeder Schwule, der einen anderen traf, der auch zufällig schwul war, vögelte mit dem herum. Diese ganze Geschichte der Liebe und der Sexualität war völlig verwässert worden. Die alten, gesellschaftlichen Regeln galten nicht mehr. Die hatten in der Menschheitsgeschichte noch nie gegolten, wenn es ums Überleben gegangen war. Selbst in der Bibel hatte es den Brudermord gegeben.
"Wo hast du deine Leute zuletzt gesehen? Welche Richtung? Baltimore? Potomac?" Vielleicht konnte er helfen. Morgen. Aber nur vielleicht. Das Funkgerät war sicherlich eine gute Hilfe, aber es war nicht ausgeschlossen, dass sie ihre Leute auch dadurch fanden, dass sie am richtigen Ort suchten.
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Dinah zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Die Dinge sind wohl nicht immer so einfach wie sie wohl scheinen. Aber ich schätze man kann generell darauf verzichten eine verrückte Person an den Fersen kleben zu haben. Dinah konnte davon ebenso kein Lied singen. Bekanntschaften in der Richtung waren eher nur flüchtig. Die Dunkelhaarige war da doch eine recht unkomplizierte Person. Aber die Person gefunden, die ihr wirklich so wichtig war, das sie sich mit dieser irgendwo niederlassen würde. Die war noch nicht aufgetaucht und die junge Frau war auch nicht unbedingt Tod unglücklich darüber. Sie hatte durchaus andere Prioritäten und hatte es nicht eilig mit solchen Dingen. Sie hatte es eigentlich auch nicht wirklich ernst gemeint sondern wollte nur die Stimmung nach ihrer Rangelei wieder ein wenig auflockern und sich von dem Frust ihres erneut kaputten Funkgerätes ablenken. Das sie von Floyd allerdings eine ernste Antwort darauf bekam war ihr neu. So hatte der ehemalige Fremde noch vor ein paar Stunden gewirkt als hätte er kein besonderes Interesse sich mit der Dunkelhaarigen zu unterhalten, noch sie in seiner Nähe haben zu wollen. Nun er wirkte jetzt auch nicht unbedingt erfreut darüber das Dinah da war aber er wirkte so als würde er sich einfach damit abfinden. Ein kleiner Erfolg mit dem sie sich durchaus abfinden konnte. Doch hätte sie gewusst das ihre kleine Rangelei mehr Worte aus ihm raus locken als erwartet, hätte sie ihm schon viel früher mit ihrem Ellenbogen eine verpasst. Natürlich ganz unbeabsichtigt. Auch wenn sie irgendwie nicht glaubte das die Rangelei dafür verantwortlich war. Obwohl … es gab durchaus merkwürdigere Wege das Eis zwischen zwei Personen zu brechen. „Ach wirklich?“ ließ sie ihren Blick dann durch die Umgebung nach vermeintlich weiteren verloren Frauen schweifen. „Scheint aber nicht so ganz erfolgreich zu sein.“ grinste sie nur. „Klingt einsam.“ murmelte die junge Frau dann nur. Es gab Menschen, die durchaus Ruhe bevorzugten aber eine vollkommene Isolation von allem? Dinah würde wahrscheinlich schon nach wenigen Stunden wie eine Blume, die nicht genügend Wasser und Sonnenlicht bekam, eingehen. „Tut mir Leid wegen deiner Mutter und deiner Großmutter.“ sprach sie nur ehrlich. „Ich schätze du hast es damit auf den Punkt gebracht. Das ist der Grund warum ich hier bin. Na ja warum wir hier waren. Mein Trupp und ich. Wenn man die Ressourcen in seiner eigenen Gegend komplett ausgeschöpft hat sucht man anderswo danach. Es war ein verlassenes Wasserwerk. Es gehörte niemandem. Wir wollten nur die Turbine bergen und wieder zurück und da waren diese Leute. Keine Ahnung. Wir hatten das Gebiet ja wie immer gründlich ausgespäht und da waren keine Leute, die dort lebten. Und du kannst dir eins zu eins wohl zusammenzählen was passiert ist. Ein mieser Hinterhalt. Schüsse und das nächste was ich weiß ist das Luke mich in den Potomac River geschubst hat, den ich halber verschluckt habe.“ Dinah seufzte, sie sprach schon fast abwertend darüber, weil sie einfach nicht damit klar kam wie dämlich und vermeidbar diese Situation hätte sein können. Besonders da sie eine ausgebildete Einheit waren. Diese Leute, die sie angegriffen haben, haben bewusst gewartet. Dabei kannte sie diese Leute gar nicht. Noch hatte die FONA neuerdings Kontakte zu irgendwelchen Gemeinschaften in dieser Gegend. Darüber hätte man die Einheit informiert. „Ich war vor ein paar Wochen dort. Es ist niemand da. Keine Leichen. Keine Fußabdrücke. Keine Reifenspuren. Nichts. Als hätte sich ein riesiges Loch unter ihren Füßen geöffnet und hätte sie verschluckt.“ atmete die Dunkelhaarige nur aus. „Was aber gleichzeitig etwas Gutes ist. Keine Leichen bedeuten das sie am Leben sind. Und das ist gut und deswegen brauche ich das Funkgerät um sie zu kontaktieren. Na ja nicht nur das Funkgerät aber auch etwas was mein Signal überträgt, was gefühlt in dieser verdammten Gegend unmöglich ist. … Nichts für Ungut.“ hob Dinah nur beschwichtigend die Hand. „Also werde ich morgen mein Funkgerät reparieren, einen Funkturm finden, den irgendwie zum Laufen bringen und Tadah die Lösung all meiner Probleme. Klingt einfach oder nicht?“ klang die junge Frau wieder mehr als optimistisch. „Was? Oh.“ kam es ihr verwirrt aus dem Mund als Floyd das mit Exfreund erwähnte. „Gut. Dann bin ich wohl sicher.“ scherzte die junge Frau als sie Floyd etwas damit aufzog. Aber ein Problem hatte die Dunkelhaarige wie schon erwähnt ganz bestimmt nicht damit. „Du solltest den Leuten eine Chance geben.“ fing Dinah wieder an. „Ich sag ja nicht das du direkt dich einer Gemeinschaft anschließen musst, dir einen Ehemann und einen Hund zulegen sollst. Katze ginge natürlich auch wenn dir das lieber ist.“ hob die junge Frau wieder die Hände. „Aber du könntest … vielleicht mit ihnen handeln. Ich meine ich tue es. Und ich lebe noch und sie zwingen mich nicht bei ihnen zu leben.“ Es war nicht so das sie gegenüber Floyd nach seiner Geschichte nun ein Pflichtbewusstsein empfand. Aber er hatte sie ja irgendwie bleiben lassen und sie haben sich ein Essen gemeinsam geteilt. Das musste ja doch etwas heißen. Zu mindestens ein bisschen. Er hätte schließlich ihr die Eisenstange überziehen können und seines Weges gehen können. Nun .. konnte er jetzt immer noch aber das Risiko ist doch gewaltig gesunken. „Nein ernsthaft. Tu was. Sonst wirst du noch ganz gaga von dieser Einsamkeit und fängst an … mit Bäumen zu reden oder so was!“
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Die Dinge sind wohl nicht immer so einfach, wie sie wohl scheinen.
Hm.
Da war etwas dran. Floyd liess ihre Aussage allerdings so stehen, weil er selbst kein guter Erziehungsratgeber war, hatte er doch mit Beziehungen überhaupt keine Erfahrung. Zumindest was romantische Liebesbeziehungen angingen. Er führte durchaus zwischenmenschliche Beziehungen mit langjährigen Bekannten, denen er mehr oder weniger Vertrauen entgegenbrachte, die ihm sympathisch waren und deren Anwesenheiten er eigentlich gerne mochte. Aber einen festen Partner hatte er nie gehabt. Ob er Riley, ein ehemaliger Weggefährte, der ihn doch zwei Jahre lang begleitet und begehrt hatte, als Ex-Partner bezeichnen wollte, wusste er nicht. Sie hatten sich gut verstanden und der grossgewachsene Mann hatte ihm auch etwas bedeutet - und tat es immer noch. Doch Riley war... tot. Verschollen. Selbst zu einem Beisser geworden. Nachdem eine plötzlich aufgetauchte Gruppe von Beissern sie dazu gezwungen hatte, getrennt zu flüchten, hatten sie sich nicht mehr wiedergefunden. Floyd war immer wieder zu ihren Orten zurückgekehrt, aber Riley hatte er nicht mehr auffinden können. Irgendwann hatte er sich damit abfinden müssen, dass sein Weggefährte nicht mehr da war und das war hart gewesen.
Doch Liebesgeflüster hatte es zwischen ihnen nicht gegeben. Sie hatten einander keine Treue gelobt und insbesondere Riley hatte seine Sexsucht auch anderswo und bei anderen gestillt. Das Schicksal hatte sie zusammengeführt und auseinandergerissen. Sie hatten sich nicht gesucht und gefunden.
So ähnlich war es wohl auch mit Dinah. Es stimmte, er hatte nicht darauf gehofft und gewartet, heute Nacht jemanden bei sich zu beherbergen. Aber es war dazu gekommen und jetzt sassen sie gemeinsam am Feuer mit einem kaputten Funkgerät, einer Beule am Kinn und einem Gespräch, welches tiefer blicken liess als all die Worte zuvor.
Was für eine beschissene Nacht! Er begann sie allmählich zu mögen.
Ihre süffisante Bemerkung provozierte ihn, diesmal aber auf eine andere Art und Weise. Seine Mundwinkel zuckten nach oben als sie den nicht vorhandenen Erfolg eingesammelter Frauen erwähnte. Doch gleich danach schob sie eine ernste Aussage hinzu, die Floyd zurück auf den Boden vor sich blicken liess, der vom Feuerschein ausgeleuchtet wurde. Er entdeckte einen kleinen Käfer, der flink über das teilweise plattgedrückte Gras krabbelte und dann im Schatten und unter seinem aufgestellten linken Bein verschwand.
War er einsam? Klar. Daran gab es nichts zu rütteln. Aber belastete ihn das? Nein. Vielleicht. Manchmal. Er hatte sich daran gewöhnt, allein in dieser neuen Welt zurechtzukommen. Ihm war auch nichts anderes übriggeblieben, als schnell zu lernen, wie man überlebte, und dass man keinem vertrauen durfte. Man musste Fragen stellen, dasselbe Misstrauen bei jeder neuen Bekanntschaft hochkommen lassen, auf Abstand gehen, nur dann neugierig sein, wenn es sich lohnte. Das war aber oft einfacher gedacht als getan. Floyd war auch ein Mensch und auch er agierte nach Sympathien. Und Dinah war ihm nicht so unsympathisch, wie er es gerne hätte.
"Man kann auch unter vielen Leuten einsam sein.", fügte er hinzu. Und dann erzählte er über sich. In kurzen Worten fasste er die vergangenen fünfzehn Jahre zusammen und konnte kaum damit aufhören. So ein Scheiss! Er stoppte glücklicherweise bevor es zu kitschig wurde und er noch verriet, welche Dinge er seit der Apokylpse am meisten vermisste oder welche neuen Macken er sich angewöhnt hatte.
Dinah zeigte Mitgefühl seines Verlustes, aber Floyd schüttelte den Kopf. "Muss es nicht. Wir haben alle Familie und Freunde verloren. Es ist auch schon lange her." Viel zu lange. Manchmal verstand er selbst nicht mehr, worin der Sinn seines Lebens eigentlich lag, aber einen Grund, um ans Ableben zu denken, war das trotzdem nie gewesen. Floyd war weitgekommen, er hatte nämlich überlebt. Und diesen Kampf einfach so aufzugeben, kam für ihn nicht in Frage. Wenn er von dieser Welt gehen musste, dann mit Getose, im Kampf, verzweifelt und provozierend. Wie ein Arschloch würde er sich verhalten und gurgeln unter einer Horde untergehen. Oder aber es kam schnell und schmerzlos. Ein Kopfschuss. Dahinsiechen wegen einer Krankheit wollte er dagegen nicht. Das war unter seiner Würde, also würde er dagegen ankämpfen. Sofern es ihm möglich war. An einen normalen Tod, wie man ihn sich vor dem Ausbruch der Seuche gewünscht hatte, wagte er jedoch nicht zu denken. Diese Sterbensart war längst zu einem Märchen geworden.
Die düsteren Gedanken waren aber nicht wirklich belastend, machten sie ihn lediglich etwas nachdenklich. Und das war jetzt, mitten in der Nacht, legitim. Da konnte man auch mal ein paar Atemzüge mehr machen, bevor man antwortete oder etwas aussprach.
Dinah schien jedoch munter genug und endlich auch bereit zu sein, zu erklären, woher sie kam und warum sie überhaupt auf ihn getroffen war. Ihre Geschichte klang zunächst harmlos und Floyd dachte an einen plötzlichen Überfall von Beissern, aber dem war nicht so. Stattdessen sprach sie von einem Hinterhalt und Leuten, die Schüsse abgegeben haben.
Das fand Floyd merkwürdig. Die Kolonien schloss er für diese Handlungen aus, denn sie gingen, seiner Erfahrung nach, anders vor. Einige eroberten keine Gebiete, andere, wie die Wicked, waren weniger dafür bekannt, verborgen zu bleiben. Sie genossen es, gesehen zu werden. Ausschliessen konnte Floyd zwar keine der Kolonien, aber er glaubte, dass für diesen Überfall eine Gruppierung verantwortlich war, der er selbst noch nicht begegnet war. Und dabei sollte es auch bleiben, wie er fand.
"Keine Leichen kann zwei Dinge bedeuten. Entweder, sie sind zu Beissern geworden und fortgegangen, oder man hat deine Leute nur verletzt und weggebracht." Er unterbrach sie, denn ihre Hoffnung, dass ihre Freunde noch am leben waren, konnte er so nicht teilen. Es konnte möglich sein, aber ausgeschlossen waren die anderen Theorien auch nicht. "Wenn man sie gefangengenommen hat, werden sie dir unmöglich antworten können. Stattdessen hören eure Feinde zu und versuchen dich - und jetzt auch mich - zu orten."
Floyds Blick verdunkelte sich. Ihm passte das überhaupt nicht. Er wollte keine Feinde haben, die ihn als Verbündeten zu Dinahs Gruppe sahen! Am Ende würden sie auch ihn aufknöpfen! Missmutig sah er auf das zerstörte Funkgerät in Dinahs Händen. Vielleicht hatte es funktioniert. Vielleicht wussten diese Leute längst, wo sich Dinah befand. Unwillkürlich sah sich Floyd um. Er sollte zusammenpacken und von hier verschwinden. Nur für den Fall der Fälle. Aber es war düster und nachts durch die Wälder zu laufen, glich einem Himmelfahrtskommando. Scheisse.
Er strich sich über sein Gesicht, während Dinah immer noch davon ausging, dass sie bloss das Funkgerät zu reparieren brauchte, damit sie wieder glücklich vereint mit ihren Leuten war.
Floyd trat das nervöse Gefühl in seinem Bauch nieder. Das Funkgerät hatte keine Signale von sich gegeben, als sie zu ihm gekommen war. Wenn es noch irgendwie funktioniert hatte, dann wohl einige hundert Meter weiter. Also konnten mögliche Verfolger höchstens das Suchgebiet eingrenzen, den genauen Standort fanden sie wohl nicht heraus. Ausser Dinah hatte es irgendwie ins Funkgerät gesagt.
Egal, er musste hoffen, dass nichts passierte. So wie Dinah auch, wobei er sie, als Frau, in einer Hinsicht bereits in Sicherheit wiegen konnte. "Vor mir schon.", murmelte er und sah zurück zu ihr. "Gibt aber genug Männer, die sich nehmen, wonach ihnen ist. Loch ist Loch ist deren Devise." Die Grenzen der sexuellen Vorlieben waren längst verschwommen. Viel zu viel war erlaubt. Gewalt. Menschenhandel. Folter und Erniedrigung und die Zurschaustellung von misshandelten Körpern. Floyd konnte mit nichts davon etwas anfangen, wusste aber längst, dass gewisse Dinge die Menschen prägten. Selbst ihr Nachwuchs wuchs mit der Erkenntnis auf, dass eine gewisse Gewalt völlig in Ordnung war. Gewalt, für die Floyd fast im Knast gelandet wäre.
Dinah gab ihm dann einen Rat in Sachen Sozialkompetenz. Sie erwähnte einen Ehemann und einen Hund. Ja, beides hatte sich Floyd als Jugendlicher gewünscht, auch wenn es ihm damals unglaublich schwergefallen war, sich wirklich damit auseinanderzusetzen. Er hatte nicht viel von Romantik und Heirat gehalten und aufgrund seines sozialen Standes wäre er auch nie in der Lage gewesen, einen finanziellen Teil zu einem Häuschen beizutragen. Nein, so im Nachhinein wusste er, dass es nie zu mehr als zu gelegentlichen Ficks an Autobahnraststätten, hinter Diners und Clubs gekommen wäre und vielleicht hätte er sich dabei sogar dazu überreden lassen, ein paar krumme Dinger zu drehen.
"Ich bin Händler. Habe ich das vorhin nicht schon erwähnt? Ich plündere und handle. Und zwar mit allen Kolonien und auch mit den einzelnen Gruppen in der Gegend. Und nur weil ich hier alleine überlebe, heisst das nicht, dass ich verwahrlose." Er zupfte ein Grashalm zwischen seinen Beinen ab und strich es mit den Fingern entlang. "Ich habe genug Kontakt zu den anderen Überlebenden. Drum könnte ich dich auch zu einer Kolonie bringen, die dir vielleicht mit deinen Leuten helfen." Balar Island, die waren die friedfertigsten. Oder die Riders, denen konnte man eigentlich auch vertrauen. "Ich habe keinen besonderen Nutzen für irgendeine der Kolonien. Das einzige, was ich gut kann, ist plündern. Also wäre ich auch in einer Kolonie ständig unterwegs und auf mich gestellt." Er drehte seinen Kopf zu Dinah und spickte das zusammengerollte Grashalm ins Feuer. "Wenn ich mich einer Kolonie anschliesse, dann nur aus dem Grund, weil mein Körper nicht mehr mitmacht." Und an diesem Punkt kratzte er leider seit Monaten. Der Winter war für ihn hart gewesen. Er hatte zu viel an Gewicht verloren und kleine Blessuren brauchten eine Ewigkeit, bis sie heilten. Es war mühsam und gefährlich. Floyd war sich dessen bewusst.
"Soll ich dich morgen zu einer der Kolonien bringen? Ich würde Balar Island vorschlagen. Hast du schon einmal von ihnen gehört?"
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zuletzt bearbeitet 22.11.2024 09:46 |
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Auch Floyds Worte brachten die Dunkelhaarige zum Nachdenken. Konnte man denn unter Menschen einsam sein? War es wirklich so etwas wie Einsamkeit, was sie in der Cottage gefühlt hatte? Sie konnte es noch nicht mal sagen, sondern hatte eher das Gefühl gehabt das sie hier nicht hinein passte. Alles war anders gewesen. Gleichzeitig war dieser Gedanke so bizarr und dämlich gewesen. Das Gras hier war genau so grün. Der Himmel genau so blau. Ihr Blick fuhr hinauf zum Horizont. Die Sterne waren hier vielleicht anders. Oder war es einfach nur Dinah gewesen. Vielleicht fiel es ihr einfach schwer sich umzugewöhnen, auch wenn dies kein Dauerzustand war. Sie würde nicht für immer hier bleiben außer die FONA würde dies so wollen. Aber dennoch Einsamkeit war eher ein Fremdword für die junge Frau gewesen. Sie hatte immer jemanden um sich, sei es ihre Mutter, ihre Schwester oder einfach die Gemeinschaft gewesen. Das Konzept dort war ganz klar. Menschen brauchten einander und arbeiten nicht gegeneinander. Aber hatte jeder das auch so akzeptiert und fühlte es auch jeder so? Menschen waren schließlich die größten Schauspieler, die es gab. Kein Wesen konnte so gut eine Maske aufsetzen wie der Mensch. Floyd's Worte führten sogar soweit das sie einen Moment lang ihre Gemeinschaft hinterfragte. War doch mehr Schein als wirkliche Realität? Hatte ihr Vater doch Recht gehabt? Ein heikles Thema. Dinah blinzelte diesen Gedanken schnell weg. Nein das war Unsinn. Niemand würde sich schließlich die Mühe machen jemanden jahrelang so zu belügen … oder? „Das stimmt wohl.“ gab sie ihm schließlich nur Recht. Der Tonlage in ihrer Stimme gab deutlich zu erkennen, das diese Worte sie zum Nachdenken gebracht haben. „Fragst du dich manchmal wie es gewesen wäre, wenn diese bestimmten Menschen noch am Leben wären?“ Der Tod war unausweichlich. Selbst wenn man in einer so sicheren Gemeinschaft lebte wie sie es tat. Selbst wenn ein Beißer oder ein Mensch nicht die Todesursache war. So wurden die Menschen immer noch krank oder alt. Dinah wandte ihren Blick vom Horizont ab und blickte wieder zu ihrer neuen Bekanntschaft. „Nun du würdest natürlich nicht mit mir hier sitzen und hättest niemals die besten Nudeln aus der Konserve gegessen.“ schmunzelte die junge Frau. Als die junge Frau ihm erzählt hatte wieso sie überhaupt hier war und die ganzen Probleme überhaupt begonnen hatten verzog sie nur sichtbar ihr Gesicht. Es war deutlich zu sehen das ihr seine erste Mutmaßung nicht gefiel. Sie waren nicht tot und ganz gewiss keine Beißer. Auch wenn Dinah im Inneren bereits wusste das auch diese Option nicht auszuschließen war, war sie einfach absolut noch nicht bereit dafür sich dies einzugestehen oder gar zu akzeptieren. Sie würde noch so jeden merkwürdigen Grund annehmen aber ganz gewiss nicht das. „Ich verstehe nicht warum jemand so etwas tun sollte. Ich meine das Plündern kann ich noch irgendwo verstehen aber einen Menschen zu entführen. Wir sind schließlich nur eine Späher Einheit gewesen. Wir sind noch nicht mal so wichtig das es sich lohnen würde.“ Damit wollte Dinah keineswegs abwertend gegenüber sich selbst und ihren Leuten klingen. Sie versuchte nur die Motive zu verstehen. Und vielleicht war das genau der Fehler. Das Dinah immer und immer wieder versuchte die Menschen zu verstehen. „Und wenn sie so sehr die Turbine haben wollten, hätten sie schließlich einfach fragen können.“ zuckte sie mit den Schultern, ehe sie Floyds nächste Worte ein wenig beunruhigten. Automatisch fuhr ihr Blick herum, suchte die Umgebung ab aber bis auf Dunkelheit und die gängigen Geräusche des Waldes war nichts wahrzunehmen. „Unsinn“ winkte die Dunkelhaarige mit einem unsicheren Lachen ab. „Das ist bereits Monate her. Wer würde einen so lange verfolgen?“ Doch konnte Dinah nicht ganz verhindern das ihr nun etwas mulmig wurde, das sie automatisch etwas näher zu Floyd rutschte. Als würde jeden Moment etwas aus dem Gebüsch gesprungen kommen. „Mir ist niemand gefolgt. Jedenfalls nicht hier her.“ sprach sie dann wieder. „Und mein Funkgerät. Nun das hat eh nicht funktioniert und jetzt ist obenhin noch kaputt.“ Selbst wenn jemand wirklich die technische Ausrüstung irgendwo hätte Dinah's Signal zu orten, wäre es jetzt absolut nicht mehr möglich. Dafür hat ihr gemeinsame Rangelei bereits vorgesorgt. Ihre Augenbrauen zogen sich schließlich ein wenig zusammen als Floyd so ernst auf ihren Scherz antwortete. „Du bist ja wirklich richtig optimistisch.“ Natürlich hatte er auch mit diesen Worten Recht. Dinah fing es wirklich langsam an zu nerven, wenn Menschen so viel Recht hatten. Aber viele Menschen haben mit den Jahren ihre Grenzen verloren oder haben sich mit dem Ausbruch verstärkt gefühlt diese nicht mehr zu beachten. Dinah konnte sich glücklich schätzen, das sie niemals in solch einer Situation war und sie war nicht besonders erpicht darauf, je in solch eine zu kommen. Trauma konnte Menschen so brechen. Dinah wollte gewiss nie so etwas erleben. Doch die eher bedrückte Bestimmung seitens der Dunkelhaarigen lösten die dunklen Wolken über ihren Kopf auf als Floyd ihr förmlich mit seinem Vorschlag einen Rettungsanker zuwarf. Sie hielt ihn für einen deutlichen Griesgram. Der typische Überlebende, der keine Hilfe brauchte und jeden Kontakt zu Überlebenden scheute. Dem war wohl offensichtlich nicht so gewesen. „Das könntest du tun?“ klang die junge Frau deutlich aufgeregt. Dinah war um jede Hilfe dankbar. Mehrere Augen sahen deutlich mehr als nur zwei. Und mehrere Beine konnten deutlich mehr Flächen absuchen als nur zwei. Oh sie könnte ihn um den Hals fallen – doch sie wollte ihre Karten nicht zu hoch spielen und wieder in der nächsten Rangelei landen! Die eine hatte ihr deutlich gereicht. Stattdessen packte sie seine Hände ob er nun wollte oder nicht. „Keine Ahnung was das ist aber führ mich hin!“ Die Dunkelhaarige hatte von Balar Island schon gehört. Es gab hier Gemeinschaften die ein Bündnis hatten. Sie hatte einfach nur den Namen vergessen. Dinah hatte es mehr mit Gesichtern statt Namen. Und selbst wenn sie sich erinnerte, änderte es nichts daran das sie noch nicht da gewesen war. Sie ließ ihn schließlich wieder los, schien aber immer noch genau so aufgeregt. „Ich sollte schlafen. Nein! Du solltest schlafen. Du musst ausgeruhter sein!“
@Floyd Webber

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@Dinah Anderson
Es war immer einfach, über das vermeintliche Schicksal anderer zu sprechen, die man nicht kannte, als sich Gedanken über die eigenen Leute zu machen, denen man vertraute, die man liebte, denen man etwas bedeutete.
Floyd wollte die junge Frau nicht demoralisieren, aber er hielt es grundsätzlich für falsch, zu viele Hoffnungen am Leben zu erhalten. Man musste, wenn man hier überleben und vor allem weiterleben wollte, immer alle Optionen berücksichtigen. Und in Dinahs Fall gab es mehrere Punkte, die in diese Überlegungen einfliessen mussten.
Sie kam aus einer anderen Welt. Wobei diese Aussage so nicht stimmte. Auch Floyd kam aus einer anderen Welt. Nur hatte er sich am entscheidenden Punkt einen anderen Weg ausgesucht als sie, die noch jünger und dadurch auch abhängiger gewesen war. Sie war, zumindest in der letzten Zeit, wie Floyd annahm, in einer stabilen Gruppe unterwegs gewesen, in der sie sich wohl und auch familiär eingebunden gefühlt hatte. Vielleicht war das eine falsche Annahme, aber Floyd wusste keine weiteren Details über ihre Gruppierung und stellte deshalb bloss Vermutungen auf.
Floyd hingegen war alleine unterwegs, besass aber ein stabiles Netz aus Kontakten und Begegnungen. Es kam tatsächlich eher selten vor, dass er mehr wie eine Woche nur für sich selbst war – und auch das hatte er erst lernen müssen. Es war gar nicht so einfach, stets allein mit sich selbst zu sein. Wie man mit sich selbst auskam, musste man lernen und auch Floyd hatte dafür seine Zeit gebraucht. Aber das war vor vielen Jahren geschehen und seither kam Floyd gut allein zurecht. Und wenn er das Gefühl hatte, gedanklich in einer Sackgasse zu stecken, schlug er einfach irgendwo etwas klein. Am liebsten mochte er Autos. Die Beulen und eingeschlagenen Fensterscheiben zeigten ihm das Ergebnis seines Ausbruchs und seltsamerweise befriedigte ihn das immer wieder. Davon abgesehen, war es gut, dabei zu schwitzen und ausser Atem zu kommen und Schmerzen zu spüren, die man mit ein wenig Ruhe wieder neutralisieren konnte. Floyd hatte sich daran gewöhnt, dieses Ventil zu gebrauchen, und ganz ehrlich, es interessierte auch keinen mehr, wenn er Autos zerschlug.
Ob er ein anderes Ventil gefunden hätte, wenn er mit seiner Familie zusammengeblieben wäre? Wer wusste das schon? Ihre Frage liess ihn bloss den Kopf heben und er sah sie schweigend an. Irgendwann öffnete er dann aber den Mund. "Nein. Solche Gedanken bringen nichts." Er konnte sich nicht vorstellen, wie er mit seiner Mum und seiner Gran vor den Beissern geflüchtet wäre. Wohin wären sie gegangen? Vermutlich ins Diner, wo seine Mum gearbeitet hatte. Und dann? Sie wäre panisch und laut geworden, hätte ihn und Gran beschimpft und wäre wohl kurz vor einem Nervenzusammenbruch gestanden. Seine Gran hätte ihren Raucherhusten gehustet und auf ihre Tochter eingeredet und Floyd wäre vermutlich einfach gegangen. Am Ende wäre er wohl so oder so allein gewesen. Der Gedanke, dass er sich mit den beiden Frauen irgendwohin hätte retten können und sie jetzt immer noch an seiner Seite wären, war so absurd, dass er sogar spöttisch Luft durch die Nase stiess. Was für eine unsinnige Frage!
Die Fragen rund um Dinahs Schicksal waren zwar auch nicht leicht zu beantworten, aber sie entsprachen immerhin einer stattgefundenen Realität. Floyd mutmasste und Dinah wollte verständlicherweise nichts davon hören. Sie stellte sich derweil Fragen über die Angreifer, die sich nicht so ohne weiteres beantworten liessen.
Jeder kam dafür in Frage. Eine Kolonie, eine Gruppierung, ein loser Zusammenschluss von Überlebenden. Die Gründe waren vielfältig und teilweise auch sinnlos, ja sogar irrelevant. Menschen neigten schlichtweg dazu, gewalttätig zu werden, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals stand.
Floyd blickte zurück auf das Feuer und fand, dass er demnächst nachlegen musste aber noch Zeit dafür hatte. Denn seine Aufmerksamkeit galt auch Dinah. "Selbst wenn du eines Tages alle Antworten auf deine Fragen finden wirst, werden sie dich kaum zufriedenstellen. Wahrscheinlich wirst du danach noch viel mehr Fragen haben." Leicht drehte er den Kopf zu ihr. "Späher sind nicht gerngesehen. Ihr wart wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Habt irgendwen provoziert, ohne es zu wissen. Passiert." Er zuckte mit den Schultern und dann alarmierte er sie richtiggehend. Doch dass dieser Vorfall schon Monate her war, war ihm neu. Oder hatte er jetzt etwas falsch verstanden? Mit einer leicht erhobenen Augenbraue sah er sie an. "Der Vorfall ist vor Monaten passiert? Der Überfall? Ich dachte, erst vor wenigen Tagen." Wieder glitt seine Hand über sein Gesicht. Der Schlafentzug machte sich wohl allmählich bemerkbar. Egal, er hatte schon ganz andere Nächte durchgestanden.
Wenigstens konnte er sie dahingehend beruhigen, dass er nicht vorhatte, ihr an die Wäsche zu gehen. Er war dazu zu müde und schlicht zu schwul. Und weil er wusste, dass sie sich nach einem sicheren Hafen sehnte, den sie nicht in seinem Zelt fand, schlug er vor, sie zu einer der Kolonien zu bringen.
"Wieso nicht.", murmelte er auf ihre ungläubige Frage hin, bevor er dann etwas erschrocken auf ihre Hände sah, die nach seinen gegriffen hatten. Sie war dankbar und das überschwänglich. Floyd fühlte sich kurz überfordert, hob seinen Blick und sah ihr ins Gesicht. Dinah strahlte allerdings und Floyd zögerte damit, seine Hände aus ihren zu ziehen. Es fühlte sich sowieso seltsam an, an den Händen gehalten zu werden. Oft tat man das bei Floyd ja nicht. Es war ungewohnt.
"Na schön, ich bringe dich morgen hin." Ob Balar Island die richtige Kolonie für sie war, wusste er nicht. Das würde sich zeigen. Es gab ja noch andere, aber das war dann ihr Problem und nicht seines. Hoffte er.
Nun war sie aber so voller Vorfreude, dass ihre Gedanken förmlich aus sie herausplatzten. Sie sprach vom Schlafen und wollte ihn ins Bett schicken. Floyd zog nun seine Hände von ihren und sah sich um. Konnte er sich das wirklich erlauben? Sollte er ihr vertrauen? Floyd tat das nicht gerne, aber er war müde. "Okay.", willigte er schliesslich ein und sah zum Zelt. Doch dann schüttelte er den Kopf und stand auf. "Ich überprüfe nochmals den Draht. Er sollte reichen, um uns zu alarmieren, wenn sich jemand nähert. Dadurch könnten wir beide noch eine oder zwei Stunden schlafen. – Lösch das Feuer. Erstick es mit Erde." Er klopfte sich seine Hosen ab und lief dann zu seiner Sicherheitsvorrichtung. Wenn keiner mehr Wache hielt, brauchte auch niemand das Feuer. Und so, wie Floyd ihre momentane Lage einschätzte, lagen noch ein paar Stunden Schlaf für sie beide gleichzeitig drin. Gross war das Zelt nicht, aber egal. So konnte man sich gegenseitig wärmen.
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