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THE DEAD DON’T DIE
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#1

Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

07.08.2025 17:19
Daryl Dixon 55 Beiträge
Alter
50 Jahre
Größe
1,78 m
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Road Captain



#01
For the Price of Driftwood - Salt in the Air
Daryl zog die Weste enger um die Schultern, zupfte diese zurecht. Der Wind roch nach Salz, Algen und Seilfasern und obwohl die Sonne wärmte, klebte ein feiner kühler Hauch an der Haut wie der erste Atemzug nach einem langen Schlaf. Es war Herbst, man konnte es schmecken, fühlen, riechen... Nicht mehr lange und die Kälte des Winters würde kommen. Ja, ein paar Monate war es bis dato noch hin, doch nicht mehr allzu lange.
Er hatte sich nicht angekündigt als er sich auf den Weg nach Balar machte, weil er es auch nicht für nötig hielt. Das Meer hatte er schon gehört, lange bevor er es gesehen hatte. Das rhythmische Klatschen der Brandung gegen die hölzernen Pfähle der Steganlagen, das leise Kreischen der Möwen irgendwo in der Ferne, vermischt mit dem dumpfen Echo von Arbeit; Hammerschläge, Holz, und Stimmen. Die üblichen Geräusche vom Island Balar. Nichts, was man nicht genau so auch erwarten würde, wenn man sich auf den Weg in die Kolonie machte die immer wie etwas aus der Zeit gefallen wirkte.
In dem Beutel den er sich gerade über die Schulter warf klimperte es halb leise; er hatte Tauschgut dabei: Werkzeug, ein guter Jagdmessergriff, ein handgenähtes Netz, dazu ein kleiner Beutel mit konservierten Beeren und Trockenfleisch. Praktisch und handfest, Dinge die man in der heutigen Welt eben brauchte. Und außerdem musste er das kleine Boot, welches er in Auftrag gegeben hatte, ja auch irgendwie bezahlen, nicht wahr? Geld hatte in dieser neuen Weltordnung keinen Platz, brauchte man einfach nicht mehr; dafür waren andere Dinge wichtiger geworden. Alltäglicheres. Auch, wenn sich die Welt wieder etwas erholt zu haben schien und es Orte gab an denen sogar wieder Strom floss und man fließend Wasser und einigen kleineren Luxus genießen konnte. Ganz wie früher würde es wohl trotzdem nicht mehr werden, so viel stand fest.
Daryl trauerte der alten Welt aber auch nicht nach; er hatte in dieser Neuen seinen Platz gefunden, und nebenbei gesagt: einen deutlich besseren. Wer wusste, wo er heute wäre, wenn nicht alles so gekommen wie es kam? Wenn es den Ausbruch und die verdammten Untoten nie gegeben hätte?
Wahrscheinlich würde er dann noch immer in einer kleinen Hütte mit seinem verkorksten Bruder leben und dessen Scheiße zusammenkehren. Und sich danach besaufen. Denn Grund dazu hatte er damals genug gehabt.

Die Werft lag wie erwartet ruhig da, nur ein paar Leute waren zu sehen, vertieft in Arbeit. Er ließ den Blick schweifen, suchte nicht nach jemand Bestimmtem bis er sie sah.
Er dachte er sie sei zu jung um die Gesuchte zu sein, doch dann verwarf er den Gedanken wieder. Wenn sie schon einmal bei der 'neuen Welt' waren, dann musste man auch zugeben, dass sich auch noch andere Dinge getan hatten. Und die Schwarzhaarige auf die er jetzt zukam tatsächlich gar nicht so jung war wie es zuerst geschienen hatte. Diese bewegte sich mit einer Selbstverständlichkeit zwischen Balken und Werkzeug als hätte sie nie etwas anderes getan. Hatte sie vielleicht auch nicht, was wusste er schon?!
Daryl blieb ein paar Schritte entfernt stehen. Er sah ihr kurz beim Arbeiten zu, zog dann wortlos den Sack mit dem Tauschgut von der Schulter und ließ ihn hörbar auf den Boden sinken. Kein großes Hallo, keine überflüssigen Worte... nur ein Blick, fest und ruhig. Und dann doch ein kurzes Räuspern, um auf sich aufmerksam zu machen falls es der Lärm nicht schon getan hatte.
"Liv, richtig?", sprach er sie an. Es war keine richtige Frage, die wirklich nach Antwort verlangte. Eher eine Art 'sichergehen', dass er sich nicht verlaufen hatte und an der richtigen Stelle war. Nicht, dass er sich nicht nach all den Jahren auch auf der Insel Balar auskennen würde, aber man wusste ja nie. Rannten ja nicht mit nem Namensschild auf der Stirn herum.
Er blieb ruhig stehen während er wartete was und ob sie etwas erwidern würde und er hier richtig war. Am Steg war er jedenfalls schon einmal, und Boote sah er hier auch. Nicht übermäßig viele - wahrscheinlich waren da noch mehr, aber woanders - aber ausreichend. Und eines davon war sicherlich das welches er selbst in Auftrag gegeben hatte. Es war Carol's Idee gewesen dafür nach Balar zu gehen, statt sich einfach ein Floß selbst zu bauen. Wahrscheinlich hatte sie Recht. Wie meistens.
erwähnt: xxx angesprochen: @Liv Kael



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#2

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

07.08.2025 20:45
Liv Kael Liv Kael (gelöscht)
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Liv hob den Kopf nicht sofort. Der Schlag des Hammers war präzise, ruhig, kontrolliert. Die Bewegung ihrer rechten Hand, geschwärzt von Öl, Tinte und Holzstaub, blieb gleichmäßig, als hätte sie die Welt draußen längst ausgeblendet. Ihre linke Hand, eingerollt zur Faust, ruhte auf einem glatten Plankenstück, das sie mit einem Fuß gegen das Gerüst gedrückt hielt. Der Wind kam vom Meer. Salzig. Nass. Er trug Spuren von Fisch, Seetang, kaltem Eisen. Und fremder Anwesenheit.
Sie hatte ihn gehört, noch bevor er sprach – nicht die Schritte, sondern das Schweigen zwischen den Geräuschen. Der Rhythmus veränderte sich, sobald jemand Fremdes näherkam. Und dieser hier war nicht von hier. Zu schwer in den Bewegungen. Zu direkt. Kein Balar-Bewohner näherte sich so. Balar-Leute hatten ein anderes Maß. Die hatten gelernt, sich wie das Wasser zu bewegen – nicht wie Felsen, die durch alles marschieren.
Als der Sack zu Boden fiel, zuckte sie nicht. Sie hob den Blick erst, als das leise Räuspern erklang. Ihre Augen – grau, fast farblos im Schatten der Werkstatt – blieben einen Moment auf seinem Gesicht liegen. Prüfend. Nicht neugierig, nicht ängstlich, nicht interessiert. Nur beobachtend, wie ein Tier, das gelernt hatte, mit einem Blick zu erkennen, ob jemand gefährlich war. Oder nur verloren.
"Liv, richtig?" Sie antwortete nicht sofort. Stattdessen legte sie den Hammer langsam zur Seite, stand auf, schob sich mit einem Fuß vom Holzgerüst weg. Der Plankenrahmen, an dem sie arbeitete, war ein kleines, wendiges Boot – schmaler Bug, verstärkter Kiel. Ein Fischerboot, aber mit einem Hauch Flucht in den Linien. Alles bei ihr hatte immer zwei Bedeutungen. Auch dieses Boot. „Kommt drauf an“, sagte sie schließlich, ihre Stimme rau, tief für eine Frau, als wäre sie lange nicht gebraucht worden. Nicht feindlich – aber auch nicht einladend. Sie trat näher an den Sack heran. Der Boden knarrte unter ihren Schritten. Kein lautloses Schleichen – das tat sie nur im Wald. Hier war sie zu Hause. Und in ihrem Zuhause musste sie sich nicht verbergen. Sie ließ sich auf die Hacken nieder, öffnete das Bündel mit einem schnellen Zug eines rostigen, aber geschärften Messers, das sie am Gürtel trug. Die Klinge glitt durch das Seil, das er benutzt hatte, und sie sah sich den Inhalt an. Werkzeuge. Gut. Gebraucht, aber brauchbar. Das Netz war repariert, mehrfach geflickt, aber nicht unsolide. Der Messergriff: gutes Holz, glatt, aber ohne Seele. Trockenfleisch, Beeren – der übliche Tausch.Sie schob den Sack wieder zusammen, stand auf. „Das reicht. Wenn das Boot dir gefällt.“
Es war kein Geschäft, keine Verhandlung. Sie sagte, was Sache war. Kein Feilschen. Kein überflüssiger Stolz. Ein Windstoß fuhr durch die offene Seite der Werkstatt. Ihr Haar, lang , pechschwarz, wehte leicht, aber sie ignorierte es. Ihre Haut war sonnenverbrannt, salzverhärtet. Unter dem ärmellosen Hemd zogen sich Narben über den linken Arm. Alte Brandnarben. Unversteckt. Nicht zur Schau – einfach da. Teil ihres Körpers wie die Muskeln darunter. Sie drehte sich um, ging an ihm vorbei. „Deins ist da hinten“, sagte sie und deutete mit einer Bewegung des Kinns in Richtung der zweiten Werkbank. Zwei Plankenboote lagen dort – das kleinere war seins. Handlich. Schnell. Leise. Es trug keine Farbe, nur geöltes Holz, wasserfest gemacht mit Harz und Wachs. Ein dunkler Streifen zog sich über die Seiten, eingebrannt – eine Linie wie ein Fluss. Mehr Symbol als Deko. „Zieht leicht nach rechts“, sagte sie, als sie neben das Boot trat. „Du musst gegenhalten.“
Sie legte eine Hand auf den Bug. Ihre Finger streichelten nicht – sie prüften. Ob es noch stabil war. Ob das Holz noch sprach.
„Aber sie schwimmt.“ Ein kurzer Blick zu ihm. Noch immer keine Regung im Gesicht. Nicht feindlich – aber verschlossen. Kein Lächeln. Kein Entgegenkommen.
So war sie. So war sie immer gewesen. Vertrauen war ein Wort für Menschen, die etwas zu verlieren hatten. Sie hatte nur noch Werkzeuge. Holz. Und Wasser. Sie glaubte nicht an Schicksal. An Fügung. An „richtige Zeit, richtiger Ort“. Alles war nur eine Reihe von Entscheidungen, Zufällen, Zuflüchten. Er war hier. Sie hatte sein Boot gebaut. Das war alles, was zählte. Sie trat einen Schritt zurück. Ihre Stiefel – altes Leder, mehrfach gestopft – knirschten über die Holzspäne.
„Wenn du was ändern willst, sag’s jetzt. Später schraub ich nicht mehr dran.“ Eine Möwe schrie irgendwo über dem Steg. Das Meer war ruhig. Glatt wie eine Lüge.
Sie wartete nicht auf seine Antwort. Drehte sich wieder dem Tisch zu, griff nach einem Lappen, wischte sich die Hände grob ab. Öl, Harz, Späne – das war ihre Sprache. Menschen sprachen zu viel. Dann – ein Moment. Sie blieb stehen, halb gedreht, sah über die Schulter zu ihm. Etwas in ihrem Blick veränderte sich. Nicht viel – aber spürbar. Vielleicht, weil er nicht zu viel redete. Vielleicht, weil er sie nicht fragte, ob sie „allein zurechtkam“ oder ob sie „Hilfe brauchte“.
Vielleicht, weil er sie einfach nur Liv nannte. Nicht Mädchen. Nicht Kind. Nicht Überlebende. „Du kommst von außerhalb. Bleibst du lange?“ Es klang nicht wie Neugier. Mehr wie … Logistik. Wenn er hierbleiben würde, müsste sie mit seiner Präsenz rechnen. Vielleicht seinen Schatten einplanen, wenn er sich wieder durch den Ort bewegte. Nicht, weil sie Angst hatte – sondern weil Kontrolle ihr Werkzeug war. Vorhersehung. Planung. Alles, was nicht planbar war, konnte töten. Sie wartete keine Antwort ab. Drehte sich wieder zum Boot. Nahm ein Tuch. Fing an, die Planken ein letztes Mal zu säubern.

@Daryl Dixon



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#3

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

18.09.2025 02:40
Daryl Dixon 55 Beiträge
Alter
50 Jahre
Größe
1,78 m
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Road Captain



#02
For the Price of Driftwood - Salt in the Air
"Kommt drauf an.", erwiderte die Dunkelhaarige, die in Jahren gemessen kaum mehr als ein Mädchen war - vor allem im direkten Vergleich zu dem Redneck, der ihr eine Weile bei der Arbeit zugesehen hatte; dabei weder aufdringlich noch prüfend, sondern eher so wie man schaut, wenn man gerade nichts sagen muss und nichts anderes zu tun hat als... zu warten.
Sie war schnell, hatte klare Bewegungen und keinen Platz für Show oder Unsicherheit. Irgendwie erinnerte es ihn an Glenn, ohne, dass er sagen könnte woran es genau lag, dass ihm dieser Gedanke gekommen war.
Als sie das Bündel aufriss und durchging, was er mitgebracht hatte, zog er nicht einmal eine Miene. Warum sollte er auch? Entweder war’s ihr genug oder nicht. Alles andere war Zeitverschwendung.
"Das reicht. Wenn das Boot dir gefällt.", meinte sie und deutete mit dem Kinn in Richtung der zwei Plankenboote, von denen das Kleinere scheinbar ihm gehören sollte.
Daryl ließ den Blick nach rechts wandern, folgte ihrer Geste, sah sich das Boot an, das sie gemeint hatte. Kein Zweifel; irgendwas an der Form, dem glatten, öligen Holz, dem dunklen Streifen an der Seite fühlte sich… richtig an. Kein unnötiger Firlefanz, keine Farbe und auch keine Namen am Heck. Einfach ein Boot und mehr nicht. Punkt.
Jap, das musste sein's sein.
Er trat näher, ließ die Finger über das Holz gleiten als wolle er sich ein genaueres Bild davon machen oder gehöre zu den Menschen die nicht mit den Augen, sondern den Händen sehen - und anfassen - mussten. War er eigentlich nicht, aber heute schon. Irgendwie.

Sie sagte ihm, dass es leicht nach rechts ziehe und er gegenhalten müsse, Daryl nickte es ab. Brummte irgendeine unverständliche Antwort von der er selbst nicht sagen hätte können was er genau gesagt hatte. War aber auch egal, wenn man ihn fragte. Und sie schien sich auch nicht goß dran zu stören, denn sie sprach weiter. "Wenn du was ändern willst, sag’s jetzt. Später schraub ich nicht mehr dran."
"Jop.", entgegnete er nur und beobachtete sie, wie sie zurück an ihren Tisch ging und sich die Hände abwischte. Er selbst blieb beim Boot stehen, seine Haltung war locker, aber nicht unaufmerksam. Er hatte schon schlechtere Tage; schlechtere Begegnungen auch.
Es wunderte ihn nicht als sie fragte wie lange er bliebe, was hm auffiel war eher, der Tonfall mit dem sie es wissen wollte. Klang mehr nach Logistik als nach Neugierde.
"Du kommst von außerhalb. Bleibst du lange?"
Daryl schüttelte leicht mit dem Kopf. "Ich bleib nich' lange da. Zwei Nächte vielleicht.", antwortete er dann in knapper Weise, denn das war alles was er sagen musste; alles was sie hatte wissen wollen.
"Wenn’s passt, bin ich morgen weg. Wenn nicht… sehen wir uns wohl nochmal.", schob er dann trotzdem hinterher. Jetzt mischte sich ein kaum hörbarer Unterton in seine Stimme. Vielleicht war es Belustigung? Oder er wollte einfach nur indirekt herausfinden, was sie davon halten würde. Immerhin war sie Teil dieser Kolonie und hatte sicher auch 'ne eigene Meinung zu den Dingen.
Er kam nun doch auch die Werkbank zu und ließ sich sinken, schob die Hände in die Jackentaschen und beobachtete das Boot wie man etwas ansieht, das man sich lange gewünscht hat ohne es zu zeigen.

erwähnt: - / - angesprochen: @Liv Kael



zuletzt bearbeitet 18.09.2025 02:41 | nach oben springen

#4

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

19.10.2025 22:33
Liv Kael Liv Kael (gelöscht)
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Liv reagierte nicht sofort. Das war bei ihr selten Zufall.
Sie ließ Stille gern erst wachsen, bevor sie antwortete, so, wie Holz arbeiten musste, bevor man den nächsten Schlag setzte. Zu viele redeten sofort, füllten jedes kleine Nichts mit Worten, aus Angst, dass Schweigen etwas verraten könnte. Sie hatte gelernt, dass Schweigen schützt. Und prüft.
Er sagte also, er bliebe zwei Nächte. Vielleicht drei. Seine Stimme war trocken, knapp, so, als würde jedes Wort erst auf Gewicht geprüft, bevor es in die Welt durfte. Das gefiel ihr. Menschen, die wussten, was Worte kosteten, waren selten.
Sie blickte nicht zu ihm, sondern weiter auf das Stück Holz in ihrer Hand. Ein Kielspant, den sie gerade nachbearbeitete. Mit feinem Sandpapier glitt sie darüber, prüfte mit den Fingerspitzen die Kante, als wollte sie fühlen, ob die Maserung noch etwas verschwieg. Ihr linker Zeigefinger zitterte leicht, eine alte Nervenschwäche aus der verbrannten Hand. Sie ignorierte sie. Wie immer.
„Zwei Nächte“, wiederholte sie schließlich leise, fast tonlos. „Dann bleibst du lang genug, um zu wissen, wie laut das Meer hier schläft.“
Kein Lächeln. Kein Blick. Nur dieser eine Satz, der klang, als gehörte er gar nicht ihr.
Sie legte das Holz beiseite. Stand auf. Die Bewegung war ruhig, präzise. Keine Hektik. Keine Unsicherheit.
Er saß da, an ihrer Werkbank, und sah aus, als würde er das Meer in sich tragen. Nicht in romantischer Weise, mehr wie Salz, das in jede Narbe kroch und nie mehr verschwand. So sah sie viele hier ankommen.Manche blieben. Die meisten gingen.
„Wenn du morgen gehst, nimm sie bei Ebbe raus“, sagte sie nach einer Weile, und nickte zum Boot hinüber. „Das Wasser zieht dich sonst zu früh raus, und die Strömung schlägt gegen den Hafenbogen. Zwei Stunden nach Hochwasser ist besser.“
Ihre Stimme klang sachlich, beinahe lehrhaft. Sie hatte das schon hundert Mal gesagt, zu Fischern, Händlern, Fremden. Und doch schwang darin etwas anderes ,vielleicht Fürsorge, roh und unfreiwillig.
Dann ein kurzer Seitenblick. Sie musterte ihn nicht wirklich, aber sie registrierte Dinge: das abgenutzte Leder an seiner Weste, die Schatten unter den Augen, das stumme Gewicht, das Menschen mit sich trugen, wenn sie zu oft überlebt hatten.
Solche Leute erkannte sie sofort. Nicht, weil sie sie verstand, sondern, weil sie selbst einer war.
„Leute von außerhalb bleiben selten lang,“ murmelte sie schließlich. „Manche kommen, holen sich was, lassen was da, gehen wieder. Das Meer frisst ihre Spuren schnell.“Sie sprach ruhig, aber etwas in ihrer Haltung veränderte sich. Ein winziger Zug in den Schultern, ein kaum merkliches Aufrichten, als würde sie sich unsichtbar in eine Haltung bringen, die weniger verletzbar war.
Sie trat näher an den Tisch, griff nach einer kleinen Zinnkanne mit Öl, goss einen schmalen Strahl über ein Stück Leinen und begann, es über das Holz zu reiben.
„Das Boot da ...“ Sie nickte auf seine Seite. „... ist gebaut für eine Person. Kein Platz für Ballast. Du musst sie führen, nicht zwingen. Wenn du sie zu hart drehst, bricht dir das Heck. Dann sinkst du.“
Die Worte klangen nüchtern, aber etwas daran war wie eine Warnung, die tiefer reichte als nur das Holz. Der Wind blähte das lose Segeltuch an der offenen Seite der Werkstatt. Staub tanzte im Licht. Irgendwo klirrte Metall, Stimmen drangen vom Hafen herüber.
Balar war nie still, selbst wenn niemand sprach. Alles hier lebte vom Tun.Liv strich das Leinen aus, hängte es über einen Balken.
Dann drehte sie sich halb zu ihm, die Hände in die Taschen ihres Arbeitsrocks geschoben. „Du hast sie also wirklich gebraucht.“
Es klang nicht wie eine Frage.
Er hatte Tauschgut gebracht, gutes, nützliches. Kein Mann bringt so etwas, wenn er’s nicht ernst meint.
„Viele bauen selbst. Meistens brechen die Dinger nach zwei Tagen auseinander.“ Ein kurzer Zug in ihrem Mundwinkel – kein echtes Lächeln, mehr ein Schatten davon. „Du warst klüger.“ Sie trat an den Rand der Werkstatt, wo die Sonne flach über das Wasser glitt. Ihr Blick blieb dort hängen, wo Himmel und Meer ineinanderliefen. Der Horizont war ein Versprechen, das sie nie eingelöst hatte.
„Boote sind ehrlich“, sagte sie leise, mehr zu sich als zu ihm. „Wenn du sie schlecht behandelst, zeigen sie’s dir sofort. Menschen brauchen länger.“Ihre linke Hand griff nach der Kette an ihrem Hals – eine kleine Schraubenmutter daran, blank poliert von den Jahren. Sie drehte sie zwischen den Fingern, sah ins Licht.
„Ich mag’s nicht, wenn Leute zu lang bleiben,“ fügte sie hinzu. „Dann fangen sie an zu reden. Und irgendwann fragen sie.“
Sie ließ die Kette los. „Ich hab keine Antworten.“
in paar Schritte, zurück zu ihrem Platz.
Sie nahm ein Messer, prüfte die Schneide gegen den Daumenballen. Nicht tief, nur testend. Die Bewegung war vertraut. Sicher.
Dann sah sie ihn wieder an – einen Moment lang, länger als zuvor. Der Blick war offen, aber unruhig.
„Wenn du morgen gehst, lass das Boot hier über Nacht im Wasser. Es muss sich setzen.“
Sie sah weg, atmete ein, als würde sie sich selbst an etwas erinnern. Vielleicht an Elias. An die Boote, die sie gemeinsam gebaut hatten. An die, die nie zurückgekommen waren.„Und… wenn du’s morgen nimmst ...“Sie stockte kurz. Dann: „...tu’s leise. Das Meer hört alles.“


@Daryl Dixon



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#5

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

21.11.2025 17:59
Daryl Dixon 55 Beiträge
Alter
50 Jahre
Größe
1,78 m
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Road Captain



#03
FOR THE PRICE OF DRIFTWOOD - SALT IN THE AIR

Er sagte nichts, zumindest nicht sofort; stattdessen ließ er den Blick noch einen Moment auf dem Boot ruhen, das ruhig in der Halterung lag als würde es längst wissen, was auf es zukam. Dabei wusste er das nicht einmal selbst - nicht ganz genau. Nur, dass es mal wieder Zeit wurde rauszukommen bevor er ganz einrostete.
Liv hatte viel geredet; nicht zu viel, aber mehr als er von jemandem erwartet hätte der ihm vorher kaum einen Blick geschenkt hatte. Es war kein Smalltalk gewesen, kein Versuch, Nähe aufzubauen, sondern klang viel mehr nach einer Art... Klarstellung. Ob für ihn, sich selbst oder sie beide war schwer zu sagen. Aber was machte das schon? Manchmal musste man Dinge aussprechen, einfach so. Weil man es musste.
"Ich bleibe nicht länger als es nötig ist. Versprochen.", erwiderte er beinahe etwas amüsiert, auch wegen ihrer Worte, während er den Blick weiter nach draußen gerichtet hielt wo das Licht auf dem Wasser tanzte.

Als sie das Boot beschrieb, so, wie andere vielleicht von einem Tier gesprochen hätten - empfindlich, führungsbedürftig, nicht zu hart anfassen - fiel ihm auf wie viel von ihr in dem Ding steckte. Das fiel ihm nicht auf, weil er sie kennen würde, sondern vielmehr an der Art wie sie von dem Ding sprach, wie sie dabei aussah wenn sie redete und an dem was sie eben nicht sagte. Sie sprach von Booten wie Andere von Menschen und er hatte genug kaputte Dinge gesehen um zu wissen, dass das wahrscheinlich kein Zufall war.
"Bin kein Fan von Bruchstellen.", kommentierte er trocken und zuckte mit den Schultern, "Hab genug erlebt, die sich nicht mehr reparieren ließen." Egal wie oft man es auch versuchte, oder wie viel Mühe man sich dabei gab.
Er wandte sich langsam wieder ihr zu, die Schultern leicht gegen die Rahmenkante gelehnt als müsse er sich daran erinnern, wie man nochmal in Räumen stand die mehr als nur drei Wände hatten, nachdem er in letzter Zeit wieder oft draußen gewesen war und seine Zeit in eigen gebauten Hütten verbracht hatte.
Nicht, ohne das mit Jace abzusprechen, natürlich. Wenn Daryl auch Einiges war, aber unzuverlässig war er nicht. Er haute nicht einfach so ab. Niemals.

Er hörte auch das was sie wegen dem Setzen sagte und ihren Hinweis wann und wie er das Boot einholen solle um es mitzunehmen. Er nickte verstehend während er sie beobachtete und bemerkte wie sie mit dem Anhänger ihrer Kette spielte. Eine alte Schraubenmutter die so poliert aussah, dass er annahm, diese Geste kam öfter vor als sie vielleicht selbst wusste.
"Nur das Meer?", fragte er dann halb leise und schmunzelte. Aber dennoch nickte er abermals. Seine Stimme klang dabei ruhig und fest, seine Frage war aber neckend. Ihn störten die Geräusche um ihn herum nicht, auch nicht wenn er hier auf der Insel war. Stille, die lernte man viel eher zu fürchten, wenn die Welt so wurde wie sie sie heute kannten. Oder die Geräusche die die Toten machten.

erwähnt: xxx angesprochen: @Liv Kael

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#6

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

23.11.2025 20:36
Liv Kael Liv Kael (gelöscht)
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@Daryl Dixon



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#7

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

02.12.2025 01:54
Daryl Dixon 55 Beiträge
Alter
50 Jahre
Größe
1,78 m
Zugehörigkeit
Anarchy Riders
Aufgabe
Road Captain



#04
FOR THE PRICE OF DRIFTWOOD - SALT IN THE AIR
Er hatte schon eine Erwiderung auf den Lippen gehabt - irgendwas Kurzes; vielleicht ein weiteres Brummen oder ein Kommentar auf ihr angedeutetes Lächeln - da vibrierte plötzlich die Luft. Nicht so, wie man es bei Donnern gewohnt war, also nicht dumpf und fern, sondern wie ein Schlag gegen den Brustkorb.
Er warf Liv einen kurzen Blick zu, überrascht über den schnellen Umschwung, der sie wiederum so gar zu überraschen schein wie es aussah.
Daryl bewegte sich nicht hastig, aber zielgerichtet, nahm den Seesack, den er mitgebracht hatte, zog ihn ein Stück näher an die Werkbank heran und machte sich bereit, ihn als Gewicht zu nutzen falls es nötig wurde. Der Wind fuhr ihm durch die Haare, brachte das Salz in die Nase und das Holz unter seinen Fingern vibrierte leicht.
Er war viel unterwegs gewesen in den letzten Jahren; sei es mit dem Bike, zu Fuß oder mit provisorischen Booten und er hatte Stürme erlebt - einige - aber das hier war anscheinend etwas Anderes.
Liv bewegte sich schnell, klar und ohne Panik. Stattdessen mit ziemlich routinierten Griffen. Ihre Stimme war fester als zuvor, härter als sie ihm sagte, dass er nirgends mehr hin ginge. Er war schon dabei zu nicken, noch bevor sie zu Ende gesprochen hatte. War ja immerhin nicht das erste Mal, dass Mutter Natur ihm einen Strich durch die Rechnung und seine Pläne zunichte machte.

"Hab ich nicht vor.", erwiderte er dann knapp als sie begann, die Plane zu sichern. Er folgte ihrem Blick, dann ihrer Bewegung, schob sich zur Seite und prüfte selbst die Ränder der Werkstatt. Alles hielt, noch....
Er erwiderte ihren Blick als die Dunkelhaarige kurz zu ihm herübersah und ließ sich dann auf einem freien Platz ihr gegenüber nieder, mit dem Rücken angelehnt, die Beine leicht aufgestellt - so, dass er die Unterarme auf den Knien abstützen konnte. Widerworte wären hier fehl am Platz, er hatte das da draußen ja gesehen und keine Lust sich davon reißen oder aus Versehen erschlagen zu lassen.
Die Werkstatt war inzwischen mehr Kasten als Raum; ein hohler Körper aus Holz, der knarzte, wenn der Wind daran rüttelte. Aber es würde halten und das reichte ihm für den Moment vollkommen aus.
Als sie meinte, er sei diesmal am richtigen Ort stehen geblieben, zuckte es leicht um seine Mundwinkel herum. "Kommt selten vor.", gab er zurück.

Die nächste Böe peitschte gegen die Außenwand. Er lehnte den Kopf leicht zurück und lauschte dem Wind. Aber auch dem Boot und dem Meer. Eigentlich allem was man von dort draußen hören konnte während der Wind an allem riss was er packen konnte und das Dach über ihnen immer wieder klapperte. Er lehnte sich weiter zurück, den Hinterkopf nun ebenfalls an die Wand, und sah wortlos zu ihr herüber.
Daryl war kein Mann der großen oder der vielen Worte, das merkte man mal wieder. Also schwieg er. Aber wahrscheinlich würde sie das nicht stören. Und wenn doch, musste sie eben selbst anfangen von irgendwas zu reden, wie Andere das auch machten um ihn zum Reden zu bringen.

erwähnt: xxx angesprochen: @Liv Kael

zuletzt bearbeitet 02.12.2025 01:54 | nach oben springen

#8

RE: Anfang September '24 - Salt in the Air - Liv & Daryl

09.12.2025 21:21
Liv Kael Liv Kael (gelöscht)
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